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2025 MAGAZIN FÜR NACHHALTIGE INVESTOREN

EXTRA OKTOBER 2011

LUKRATIV & SOZIAL Nachhaltige Anlagen sind gefragt FAKTEN & ZAHLEN Wo künftig Wachstum lockt IDEEN & RENDITE SAM-Chef Michael Baldinger im Interview

EINE PROGNOSE

LEADER VON MORGEN Die 30 erfolgreichsten

Unternehmen der Zukunft

IN ZUSAMMENARBEIT MIT

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27.9.2011

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INHALT

FRISCHE IDEEN

Viele Firmen setzen auf nachhaltiges Wachstum. Wir liefern Namen und Geschäftsideen.

Titelfoto: Getty Images Fotos: iStockphoto (5), PR (1)

Sie kennen Scott Wicker nicht? Kein Problem. Der Mann aus Atlanta wurde vor wenigen Wochen zum ersten Chief Sustainability Officer von UPS ernannt. Wickers Aufgabe ist es, die Logistik des Weltkonzerns ökologischer auszurichten, Ressourcen effizienter einzusetzen, Abfälle und Risiken zu minimieren, Innovation voranzutreiben, Mehrwert zu schaffen. Wie der US-Koloss setzen auch andere Firmen zunehmend auf nachhaltiges Wachstum. Sie sind weniger bekannt, heissen Manila Waters, Illumina, E-Ink, Jain Irrigation, PureCircle, Natura Cosméticos – es sind Firmen aus den Philippinen, den USA, Taiwan, Indien, Malaysia, Brasilien oder der Schweiz. Den Nachhaltigkeits-Leadern von morgen widmen wir dieses Sonderheft. Es soll allen, die sich inspirieren lassen wollen, Ideen und Opportunitäten aufzeigen. Das Heft entstand in Kooperation mit SAM, einer auf nachhaltige Anlagen fokussierten Investmentboutique. Die Zürcher sind seit 2001 CO2neutral und publizieren mit Dow Jones Indexes den weltweit beachteten Dow Jones Sustainability Index (DJSI). Wir wünschen Ihnen bei der Lektüre nachhaltige Inspiration. Ihre Redaktion

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Nachhaltige Investments. Immer mehr Unternehmen achten darauf, dass sie nachhaltig wirtschaften. Und erfüllen so die Anforderungen der Finanzgemeinde.

Grafik. Wie verändert sich die Lebenserwartung? Wie die Agraranbaufläche? Wie schnell wächst die Kapazität der Windenergie? Blick auf die Zahlenwelt der Nachhaltigkeit.

Megatrends. Ressourcen, Demografie und Klimawandel sind die grossen Themen der Zukunft. Was lässt sich daraus lernen? Welche Herausforderungen stellen sich für die Zukunft?

Die Prognose: die 30 erfolgreichsten Unternehmen von morgen. Welche Firmen innovative Lösungen zur Hand haben, um die Herausforderungen der Zukunft zu bewältigen. Ein Wegweiser für Investoren.

12 Wasser

15 Energie

18 Werkstoffe

21 Agrar

26 Gesundheit

29 Klima

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Swiss Re. Investmentstratege Guido Fürer erklärt, weshalb Nachhaltigkeit zur Kernkompetenz des Rückversicherers gehört – und weshalb er nicht mit Burma geschäftet.

Michael Baldinger. Der Chef der Investmentboutique SAM über knappe Ressourcen und nachhaltige Investments, die überdurchschnittliche Renditen abwerfen. Und über Birkenstocksandalen.

IMPRESSUM Redaktion: Stefan Barmettler / Redaktionelle Mitarbeit: Susanne Bergius, Anke Bryson, Guntram Rehsche / Gestaltung : Wernie Baumeler / Produktion: Christian Wapp, Patrick Imper / Infografik: Daniel Karrer, 4Dnews / Bildredaktion : Lucie Clement (Leitung), Susanne Borer / Korrektorat : Thomas Basler, Cornelia Lautenschütz, Andreas Ritter / Anzeigen : Sandra Bruderer (Leitung), Jda Hess / Druck: Swissprinters St. Gallen AG / Herausgeber: Axel Springer Schweiz AG, BILANZ, Förrlibuckstrasse 70, Postfach, 8021 Zürich, www.bilanz.ch, Telefon 043 444 55 20

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NACHHALTIGE INVESTMENTS

SEIN ODER NICHT SEIN

Immer mehr Unternehmen legen Wert auf nachhaltiges Wirtschaften. Kein Wunder, angesichts des Dampfs, den ihnen Finanzdienstleister und Investoren machen.

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SUSANNE BERGIUS TEXT

ckhard Cordes, Chef der Metro-Gruppe, erhielt 2010 Post vom mächtigen Norwegischen Pensionsfonds, mit einem verwalteten Vermögen von rund 350 Milliarden Franken der zweitgrösste Staatsfonds der Welt. Dieser forderte nicht etwa eine höhere Dividende, sondern ein Gespräch über Kinderarbeit und soziale Standards in der Zulieferkette. Und verwies darauf, er halte 3,5 Millionen Metro-Aktien. Der Einfluss des Fonds ist de facto noch grösser, weil institutionelle Investoren oft folgen, wenn er Aktienpakete aus nichtfinanziellen Gründen verkauft und das bekanntgibt. Natürlich signalisierte Cordes Dialogbereitschaft. Und reagierte: Er berief ein konzernübergreifendes Sustainability Board, dem er selbst vorsitzt und das strategische Entscheidungen trifft. Es gelte, Wettbewerbsnachteile zu verhindern, «Reputation aufzubauen» und «Börsenwerte zu sichern», hiess es. RASANTES WACHSTUM. Metro zeigt: Firmen hängen das Querschnittsthema – ökologische, soziale und GovernanceKriterien (ESG-Kriterien) – vermehrt ganz oben auf. Ziel ist es, Risiken zu senken und Potenziale nachhaltigen Wirtschaftens zu heben. Das erwarten Anleger. Denn ESG-Aspekte sind nicht mehr nur Thema spezialisierter Investmentfonds, sondern auch herkömmlicher Finanzprofis. Deren europäische Dachorganisation EFFAS fordert von Firmen Angaben zu Leistungsindikatoren für Umwelt, Soziales und Governance. Denn: Klassische Finanzanalyse ist nur mit der Integration von ESG-Kriterien komplett.

Treiber ist auch der rasant wachsende Markt nachhaltiger Investments. Hierzulande nahmen nachhaltige Anlagen von 2008 auf 2009 um eine hohe zweistellige Rate auf einen Marktanteil von 3,8 Prozent zu und legten 2010 gemäss OnValues um weitere 23 Prozent auf 42 Milliarden Franken zu. Das Volumen enthält Fonds, Mandate und strukturierte Produkte. Die meisten befragten Vermögensverwalter erwarten, dass das Wachstum nachhaltiger Konzepte auch künftig klar über dem des Marktes liegt. Publikumsfonds sind nur ein Puzzlestein in der Welt verantwortlicher Investments, international Socially Responsible

Nachhaltigkeit hat den Mainstream des Kapitalmarktes erreicht. Investments (SRI) genannt. Bedeutsamer sind die Anlagestrategien institutioneller Anleger. Deren Anteil beträgt in der Schweiz 43 Prozent. Bei Anlagestrategien dominieren Best-in-Class-Konzepte sowie ethische Ausschlusskriterien, dann folgen Themenfonds. Der europäische Markt für nachhaltige Investments hat sich laut dem europäischen Branchenverband Eurosif binnen zweier Jahre bis Anfang 2010 auf fünf Billionen Euro nahezu verdoppelt –

trotz der Finanzkrise, oder gerade ihretwegen. Da falsche Anreize und Verantwortungslosigkeit die Krise verursachten, hätten viele Investoren ihr Kapital umgeschichtet oder die Kriterien für die Titelauswahl ergänzt. Die Krise habe bewusst gemacht, wie wichtig es sei, ESG-Kriterien bei Anlageentscheidungen zu beachten, erklärten Vermögensverwalter aus 19 Staaten gegenüber Eurosif. Das eröffnet Chancen für Unternehmen, die ESGKriterien mit ihren Prozessen und Produkten zu antizipieren wissen. Seit 2008 wechseln zudem scharenweise Privatanleger zu Nachhaltigkeitsbanken oder spezialisierten Häusern mit nachhaltigen Vermögensverwaltungen. Den SRI-Anteil am europäischen Kapitalmarkt schätzt Eurosif auf 30 Prozent. Strenge Nachhaltigkeitskonzepte machen zehn Prozent aus. Damit ist das Segment keine Nische mehr, im Gegenteil: Nachhaltigkeit hat den Mainstream des Kapitalmarktes erreicht. Weltweit integrieren Grossanleger zentrale ESG-Aspekte in ihr Portfolio Management. Die meisten wollen als langfristige Anleger vernachlässigte Risiken aufdecken, einschätzen lernen und verringern. Die Institute investieren die Gelder zwar nicht komplett nachhaltig, doch ihr Einfluss bei wichtigen Themen wie dem Klimaschutz, der Einhaltung von Menschenrechten oder guter Unternehmensführung ist angesichts der verwalteten Volumina und direkter Dialoge mit Firmen sehr gross. Die globale Dimension verdeutlicht die wöchentlich wachsende Initiative der Uno-Prinzipien für verantwortliches Investieren (UN PRI). Aktuell haben sich 911 Kapitaleigner, Vermögensverwalter

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Mrd. Fr.

und Finanzdienstleister mit total 30 Billionen Dollar verwaltetem Vermögen auf die Grundsätze der UN PRI verpflichtet. Die Mitglieder hängen sich kein grünes Mäntelchen um, sondern müssen aktiv und nachweislich ESG-Kriterien bei Anlageentscheidungen beachten. Nicht irgendwie, sondern systematisch. Auch müssen sie von Unternehmen verantwortliches Handeln und von Banken und Brokern eine ganzheitliche Finanzanalyse verlangen. Die UN PRI in London will glaubwürdig sein und verhindern, was anderen Initiativen oft passiert: für Greenwashing missbraucht zu werden. Darum gilt: Wer nicht transparent ist, fliegt raus. Seit 2009 wurden zahlreiche Unterzeichner ausgeschlossen. Ab diesem Jahr ist nicht nur der jährliche Fragebogen zu beantworten, sondern ein Teil der nicht-wettbewerbsrelevanten Informationen wird auf der Website der PRI veröffentlicht. Sie hat begonnen, die Umsetzung zu überprüfen, jedes Mitglied soll im dreijährigen Turnus an die Reihe kommen. Und ab 2013 sollen strengere Rahmenbedingungen für ein besseres Reporting und eine bessere Kontrolle und Analyse der Leistungen sorgen. Ein grosser Teil der Kapitaleigner hat inzwischen ESGKriterien in Verträge mit Vermögensverwaltern aufgenommen. Folglich sind auch bei Publikumsfonds, die nicht explizit nachhaltig gestrickt sind, zumindest einige ESG-Aspekte zu beachten. RIESIGE KAPITALKRAFT. Das wachsende UN-PRI-Team soll die Mitglieder bei der konkreten Umsetzung der Leitlinien in allen Vermögensklassen unterstützen. Bereits 49 Schweizer Institutionelle haben sich zu ihrer Verantwortung bekannt, darunter Swiss Re und die Pensionskassen des Kantons Genf oder der Stadt Zürich. Unter den 31 Vermögensverwaltern sind LGT Capital Partners,

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Lombard Odier Darier Hentsch, Sarasin, SAM Sustainable Asset Management, Swisscanto, Vontobel und die Ethos-Stiftung. Es fehlen Namen wie Credit Suisse, Migros Bank, Raiffeisen und UBS. Die meisten UN-PRI-Mitglieder treten in Dialog mit Firmen oder üben Stimmrechte aus. Statt Portfolios zu ändern, drängen sie auf verantwortlicheres Wirtschaften. «Wir wollen Verhalten verändern, insbesondere bei Verstössen gegen den UN Global Compact», erklärt Erik Breen, Leiter Responsible Investing des Vermögensverwalters Robeco. Sein Team hat 2010 mehr als 300 Firmen zu 365 Fällen angesprochen, mit BestPractice-Beispielen konfrontiert und Aufklärung oder Ziele verlangt. «Die Erfolgsquote liegt bei 55 Prozent», so Breen. Oft verbünden sich Investoren über die Grenzen hinweg. Die weltgrösste Initiative ist die Carbon Action unter dem Dach des Carbon Disclosure Project (CDP) mit 551 Institutionellen, die 71 Billionen Dollar verwalten. Aus Deutschland, Österreich und der Schweiz kommen 84 Unterzeichner mit 11 Billionen Dollar. Wie wirksam diese Mega-Initiative ist, belegt ihre jährliche Umfrage unter den 4800 grössten Konzernen: Immer mehr legen Emissionsdaten offen und etablieren ein Klimamanagement. Die daraus entstandene Klimadatenbank dient auch für Investitionsentscheidungen. Doch 35 CDP-Investoren mit 7,6 Billionen Dollar verwaltetem Vermögen wollen mehr als Transparenz: Sie forderten im April die 500 weltgrössten Firmen auf, ehrgeizige Reduktionsziele festzulegen und stark in Energieeffizienz zu investieren. Sie sollen belegen, dass und mit welchen Aktivitäten sie ihre Emissionen effektiv senken. Das könne 25 Prozent der weltweiten Emissionen einsparen, Kosten drastisch verringern – und Aktienwerte steigern. •

Milliarden Franken

40

Mandate 35

30

25

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15

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Entwicklung nachhaltige Investments in der Schweiz, in Milliarden Franken

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Fonds und strukturierte Produkte Quelle: OnValues und Forum Nachhaltige Geldanlagen Schweiz

Dezember 1996

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Dezember 2010

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ZAHLEN UND FAKTEN

Durstig

Immer älter

km3 6000

5000

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1900

1950

4,2 81 7

Landwirtschaft Industrie Siedlungswasser Verluste bei Staudämmen Bevölkerung

1925

Jahr

Die durchschnittliche Lebenserwartung steigt ständig. Heute beträgt sie in der Schweiz 82 Jahre, 1980 waren es 7 Jahre weniger. In Russland ist die Lebenserwartung im selben Zeitraum nur minim gestiegen – von 67 auf 68 Jahre.

75 82

Jährlicher Wasserverbrauch in km3 weltweit

68

1975

Schweiz

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Afghanistan

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48 43

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Quelle: WHO

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Marktvolumen von LED-Licht in Millionen Dollar, weltweit Jahr

2009

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Aussenbeleuchtung 6,6

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Wohnen

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Gebäude

843

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1441

1870

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276

489

833

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Lebenserwartung in Jahren, Vergleich 1980/2009 1980 2009

Industrie

Quelle: CLSA Asia-Pacific, Everlight

Quelle: WHO

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Anzahl Übergewichtige im Jahr 2015, älter als 15 Jahre, in Millionen 20

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Quelle: FAO, Aquastat

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Trends und Innovation treiben das Wachstum an – und befruchten sich gegenseitig. Dank Fortschritten im Gesundheitswesen und bei der Hygiene steigt die Lebenserwartung, dank innovativen Technologien sinken die Kosten der Windenergie.

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Chancen 82

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Anteil Smartphones vs. Handys weltweit

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Quelle: Gartner Group; Prognosen (e) von Nomura

Schrumpfend 1996

6,1

1997 1998 1999

Entwicklung Agrarfläche pro Kopf, weltweit

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Kapazitäten an Windenergie in Gigawatt, weltweit

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Nachhaltigkeit

2002 2003 2004

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2005 2006

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2007 2008 2009 2010 Quelle: GWEC

0,0 ,0

194,4

1961 1970 1980 1990 2000 2010 2020 2030 2040 2050

Quellen: UNO, World Urbanisation Prospects; SAM

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MEGATRENDS Was haben so unterschiedliche Firmen wie Nestlé, Coop und Adecco gemeinsam? Sie sind jene drei Schweizer Unternehmen, die als Leuchttürme nachhaltigen Wirtschaftens gelten. Dank Nestlés Partnerschaft mit dem Dänischen Institut für Menschenrechte, dank der ökologischen Ausrichtung der Agrarproduktion von Coop und der gezielten Förderung der Weiterbildung von Adecco sind sie die aktuell einzigen Schweizer Beispiele von «Best Practice» im soeben erschienenen dritten Jahrbuch des UN Global Compact. Es war 2007 UN-Generalsekretär Ban Ki Moon, der diese freiwillige Vereinbarung grosser Wirtschaftsunternehmen anstiess. Unterdessen gehören ihr weltweit über 600 Unternehmen aus 65 Staaten an. Die Unterzeichnenden verpflichteten sich auf eine 10-Punkte-Charta, die sich wie eine moderne Erklärung der Nachhaltigkeit liest. Im Fokus: Menschenrechte, Arbeitsschutz, Korruptionsbekämpfung, Umwelt.

HERAUSFORDERUNG: KLIMA

Wer unternehmensseitig eine Führungsrolle im Klimaschutz sucht, erhält mit der Initiative «Caring for Climate» die Möglichkeit, dies zu verwirklichen. Ziel ist hierbei, konkrete Massnahmen für den Klimaschutz, Strategien für die Minderung der Treibhausgasemissionen und eigene Reduktionsziele öffentlich bekanntzugeben. Mit dem UN Global Compact kommt die zentrale Rolle der Wirtschaft ins Spiel. Und über die bisherigen Beiträge der Unternehmenswelt legt der Jahresbericht zu dieser freiwilligen Vereinbarung Rechenschaft ab. Ganz im Sinne der Nachhaltigkeit beschränkt er sich nicht auf Klima- oder Umweltfragen, sondern bringt auch soziale Aspekte und die Rollen von Management und Verwaltungsrat ein: «Der Verwaltungsrat übernimmt die Verantwortung und die Kontrolle einer langfristigen Nachhaltigkeitsstrategie.»

DAS LOGBUCH

Ressourcen, Demografie und Klimawandel: Dies sind die grossen Trends der Zukunft – und unsere Herausforderungen. GUNTRAM REHSCHE TEXT

HERAUSFORDERUNG: ENERGIE

Bei dieser Strategie geht es auch um Ressourcennutzung und -optimierung im Bereich der Energie. Der (gedeckte) Energiebedarf in den westlichen Industriestaaten beträgt ein Vielfaches der meisten Länder des Südens. Rund 1,4 Milliarden Menschen sind ohne Anschluss an ein Stromnetz, und die MillenniumEntwicklungsziele der Vereinten Nationen werden, wie viele andere Ziele, bis 2015 kaum erreicht. Demgegenüber ist im Norden in erster Linie das Zurückfahren des Wachstums im Verbrauch zentral – im Idealfall gar eine Verminderung des Gesamtenergiebedarfs. Was angesichts der Innovationskraft der Wirtschaft und des Sparpotenzials im Gebäudebereich nicht unrealistisch erscheint. Denn Gebäude verschlingen in unseren Breitengraden rund 30 bis 40 Prozent des Gesamtverbrauchs – und Technologien zu einer einschneidenden Minderung sind längst bekannt. Der

vielversprechendste Ansatz heisst «Plus-Energie-Bau», bei dem das Gebäude selbst im Laufe seiner Lebensdauer mehr Energie erzeugt, als darin verbraucht wird. Die Stichworte dazu lauten: Umweltwärmenutzung aus Boden, Luft, Wasser sowie Wärmekraftkoppelung und solare Strom- (Fotovoltaik) und Wärmeerzeugung. Auch die Art des Strom- und Wärmemix steht zur Disposition. Denn man mag zur Atomenergie stehen, wie man will: Ihr Beitrag zum Gesamtenergieverbrauch (und eben nicht nur zur Stromerzeugung) wird angesichts der derzeitigen Zahlen

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und des politischen Widerstands sowie anderer Probleme (Kosten, Abfallentsorgung, Sicherheit) klein bleiben – und der Beitrag der fossilen Energieformen wie Kohle, Öl und Gas somit immens. Heute liegt der nukleare Anteil weltweit bei 2 Prozent, bezogen auf den Strombereich allein bei 14 Prozent, mit abnehmender Tendenz. Auf steilem Wachstumspfad befinden sich derweil die klassischen erneuerbaren Energien wie Solarund Windenergie. Verschiedene Technologien, seien es Wärmeverbünde wie das neue System von Anergie-Netzen (Nutzung von Umweltwärme aus Boden, Wasser, Luft in grossen Netzen) oder auch Kombikraftwerke, bieten eine verlässliche Versorgung mit Energie nach der Ausschöpfung der Spar- und Effizienzsteigerungsmöglichkeiten. 100 Prozent erneuerbare Energien heisst die Losung. Wobei angesichts des Wachstumsdranges der Länder des Südens weltweit dennoch ein erhöhter Energiekonsum zu erwarten ist. Hoffnungsvoll stimmt, dass das Land mit den grössten Anteilen an erneuerbarer Energie im Wind- und Solarwärmebereich heute China ist. Erneuerbare Energien sind also längst nicht mehr eine Exklusivität der hochentwickeltsten Industrieländer. Dass der Nutzung erneuerbarer oder regenerativer Energien eine entscheidende Bedeutung für den Klimaschutz zukommt, hielt der Solar World Congress von Anfang September in Kassel fest.

HERAUSFORDERUNG: WASSER

Natürlich lebt der Mensch nicht von Energie allein, er benötigt zuallererst Wasser. Wenn Bruno Oberle, Direktor des Bundesamts für Umwelt (Bafu), in der amtseigenen Zeitschrift «umwelt» (3/11) bemerkt: «Gewässer sind die Lebensadern der Natur», unterstreicht er damit, dass die Welt insgesamt auf eine Wasserkrise zusteuert, die in den Staaten des Südens bereits seit langem anhält, zunehmend aber eben auch jene des Nordens bedroht, nicht zuletzt die Schweiz. Die immer noch stetig zunehmende Weltbevölkerung (aktuell bald sieben, 2050 neun Milliarden Menschen) führt – auch wenn das für die Schweiz ein eher fernes Problem zu sein scheint – zu einem immens steigenden Bedarf an Trinkwasser sowie an bewässertem Ackerland zur Nahrungsmittelproduktion. Dass es um sauberes Wasser weltweit so schlecht bestellt ist, wie auch Nestlé-Verwaltungsratspräsident Peter Brabeck seit Jahren betont, leitet über zur allgemeinen Verknappung der Weltressourcen. In ihrer Gesamtheit werden sie über das Wohlergehen der Menschheit entscheiden.

HERAUSFORDERUNG: AGRAR

strebenden Schwellenländer einen unersättlichen Rohstoffhunger mit sich. Mit einer im Zeitalter des Agrogeschäfts unkonventionellen These operiert der Schweizer Agrarforscher Hans Rudolf Herren. Er vertritt die These, dass die Welt sich selbst bei steigender Bevölkerung ernähren könne, und das erst noch mit biologischer Produktionsweise. Herren hat international viel Aufmerksamkeit erhalten und auch am letzten Welternährungsbericht der Food and Agricultural Organisation (FAO) mitgearbeitet. Die Welt weiss unterdessen, dass sein Ansatz eines der erfolgversprechendsten Projekte zur Überwindung der Unterernährung darstellt.

HERAUSFORDERUNG: TRANSPARENZ

Ein oft vergessenes Problem der Nachhaltigkeit, das nichtsdestotrotz zu einem umfassenden Verständnis des Begriffs gehört: Soziale Aspekte sowie die Transparenz der Entscheidungsträger bilden die Voraussetzung, damit die Problemfelder der Zukunft erfolgreich anzugehen sind. Kein Waldschutz ohne Einbezug der ansässigen Bevölkerung, kein Klimaschutz und keine Beschränkung des Bevölkerungswachstums, wenn die Menschen nicht dazu motiviert werden. Keine Verbesserung von Wasserqualität und Ressourcenproblematik ohne starken Staat – im Wissen um den Einfluss grosser Wirtschaftskomplexe. Auch keine Energiewende ohne die Bevölkerung, der trotz grosser Betroffenheit die Mitsprache bei der Errichtung von Atomkomplexen, Staudämmen und Windfarmen kaum je gegeben ist. Und ganz allgemein kein Fortschritt, wenn die Verteilung von Einkommen und Vermögen weltweit ungleicher wird. Am Anfang der Diskussion um Nachhaltigkeit stand der Wald – und dort steht er immer wieder. Der während vieler Jahrhunderte insbesondere in Europa betriebene Raubbau an den Wäldern der Erde hat tiefe Spuren hinterlassen, und er geht weiter. Die kürzlich abgehaltene internationale Waldschutzkonferenz konstatierte trocken: «Jahr für Jahr werden gigantische Waldflächen zerstört.» Jetzt will ein Bündnis aus Regierungen und Unternehmen Gegenmassnahmen einleiten. Bis 2020 sollen 150 Millionen Hektar Wald aufgeforstet werden. Ob die Trendwende gelingt, wird sich zeigen. Immerhin lockt neben den hohen Kosten auch ein jährlicher Gewinn von bis zu 85 Milliarden Dollar. Die Unternehmen des UN Global Compact, ja die Wirtschaft generell stellen sich je länger, je mehr den Herausforderungen, die eine Orientierung an Nachhaltigkeit mit sich bringt. Das umschreibt der Begriff der «Corporate Social Responsibility» (CSR), der in Wirtschaftskreisen viel gebräuchlicher ist als das Stichwort «Nachhaltigkeit». Beide meinen dasselbe: einen Beitrag zu leisten, um das Überleben der Menschheit sicherzustellen. •

Ausser der Verschwendung in der industrialisierten Welt – für Nahrungsmittel belegt dies der Film «Taste the Waste» von Valentin Thurn eindrücklich – bringt auch der Boom der auf-

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DIE 30 LEADER VON MORGEN Wirtschaft und Gesellschaft stehen vor grossen Herausforderungen: Wasser-, Energie-, Rohstoff- und Agrarlandknappheit sowie Klimawandel und Gesundheitsrisiken und -kosten sind Themen, die besser heute als morgen zu adressieren sind.

Als Pionier im Sustainability Investing hat SAM globale Lösungsanbieter identifiziert, Firmen also, die dank Innovation und Gestaltungskraft zu einer nachhaltigen Wirtschafts- und Gesellschaftsentwicklung beitragen. Die nachfolgenden «30 erfolgreichsten Unternehmen der Zukunft» sind Firmen, die heute schon Lösungen bieten, um die Herausforderungen unserer Zeit zu bewältigen. Selektiert wurden je 5 Unternehmen in den 6 Bereichen Wasser-, Energie-, Rohstoff- und Agrarlandknappheit sowie Gesundheitsförderung und Klimawandel. Es wurden 5 Kriterien (siehe rechts) definiert, die für die Stärken der jeweiligen Unternehmen stehen. Wasser Seite 12 Energie Seite 15 Werkstoffe Seite 18 Agrar Seite 21 Gesundheit Seite 26 Klimawandel Seite 29

DIE KRITERIEN

So wählte SAM ihre globalen Favoriten für jedes der sechs Themen aus: Die Innovations-Wette Die Firma besitzt junge, innovative Technologie mit Potenzial. Jedoch sind Durchbruch und kommerzieller Erfolg noch ungewiss. Das Trendwender-Potenzial Die Firma verfügt nebst Know-how auch über die Gestaltungskraft, neue, nachhaltigere Produkt- und Servicelösungen zu implementieren und durchzusetzen. Der Corporate-GovernanceChampion Die Firma zeichnet sich durch ein Geschäftsmodell, eine Organisation und Managementqualität aus, die hohen Ansprüchen genügen und so für lang anhaltenden Unternehmenserfolg sorgen. Der Emerging-MarketsGewinner Die Firma hat dank ihres Geschäftsmodells gute Chancen, von einer – zwingenderweise nachhaltigen – Industrialisierung in den Emerging Markets zu profitieren. Der Markt-Dominator Das Unternehmen verfügt in seiner Branche über eine starke Marktposition, die langfristig robuste Umsätze generiert und damit Wirtschaftszyklen besser meistert.

SAM ist eine Investmentboutique und fokussiert sich ausschliesslich auf Sustainability Investing. Das Angebot umfasst Asset Management, Indizes und Cleantech Private Equity. In Kooperation mit Dow Jones Indexes publiziert und entwickelt SAM die Dow Jones Sustainability Indexes (DJSI). SAM wurde 1995 gegründet, beschäftigt mehr als 100 Mitarbeitende und gehört zu Robeco, einer Tochtergesellschaft der niederländischen Rabobank-Gruppe (S&P-Rating: AAA).

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WASSER

Rund um das Wasser und seine Aufbereitung entwickelt sich ein Milliardenmarkt. Innovative Firmen haben die Nase vorn.

PURE TECHNOLOGIES

Prüfung von Wasserleitungen im laufenden Betrieb: Mit dem «SmartBall» lassen sich Lecks anhand akustischer Signale erkennen.

Fotos: iStockphoto (1), PR (2)

Innovations-Wette:

Pure Technologies bietet intelligente Lösungen für einen zentralen Aspekt der globalen Wasserproblematik: die hohen Wasserverluste in maroden Leitungsnetzen. Die patentierten Überwachungs-, Lecksuch- und Frühwarnsysteme der kanadischen Firma werden von Versorgungsunternehmen stark nachgefragt. Der innovative «SmartBall» zum Beispiel kann Lecks anhand akustischer Signale Firmenname: Pure Technologies Ltd. erkennen und lässt sich zur Land: Kanada Prüfung wasserführender Hauptsitz: Calgary Rohrleitungen im laufenden Marktkapitalisierung (CHF, in Mio.): 144,59 Umsatz (CHF, in Mio.): 48,92 Betrieb einsetzen. Mit NeuValorennummer: 934 037 und Weiterentwicklungen URL: www.puretechnologiesltd.com setzt Pure Technologies weiter auf Wachstum: Allein in den USA beziffert die Umweltbehörde EPA den Bedarf für Investitionen in die Modernisierung der Wasserinfrastruktur bis 2020 auf über 600 Milliarden Dollar.

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um Überleben brauchen wir weder Öl noch Gold. Ohne Wasser aber geht nichts. Wasser ist ein unverzichtbarer Bestandteil des Lebens und praktisch aller Bereiche der Wirtschaft. Den Unternehmen, die einen effizienteren, umweltschonenden Umgang mit dieser kostbaren Ressource ermöglichen, bieten sich vielversprechende Ertragsquellen. Während die weltweit verfügbare Wassermenge begrenzt ist, nimmt der Wasserverbrauch einer wachsenden und zunehmend wohlhabenden Weltbevölkerung weiter zu, sowohl zur Deckung des persönlichen Bedarfs als auch zur Nahrungsmittelerzeugung. In zahlreichen Ländern werden die vorhandenen Wasserreserven schon jetzt stark übernutzt, zugleich führt der Klimawandel in vielen Regionen zu spürbaren Veränderungen des Wasserhaushalts. Am grössten ist die Gefahr einer Wasserkrise – und demnach der Bedarf für einen Ausbau der Wasserinfrastruktur – in den Schwellen- und Entwicklungsländern, wo nach wie vor viele Menschen keinen Zugang zu Trinkwasser haben. Aber auch in den Industrieländern gilt es, eine vielerorts veraltete, ineffiziente Infrastruktur zu modernisieren. In den USA zum Beispiel wird der tägliche Wasserverlust durch marode Leitungen auf über 20 Millionen Kubikmeter taxiert – eine Menge, die den Tagesbedarf der zehn grössten US-Städte decken würde. So viel ist klar: Die Versorgung mit Trinkwasser ist eine der Schlüsselaufgaben des 21. Jahrhunderts. Als Wirtschaftsfaktor wird der Zugang zu ausreichenden Mengen an sauberem, schadstofffreiem Wasser auch in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen, vor allem in den Schwellenländern. Rund um das Wasser und seine Aufbereitung entwickelt sich ein Milliardenmarkt. Die Zukunft gehört innovativen Unternehmen, deren Produkte und Dienstleistungen eine verlässliche Wasserversorgung und effizientere Wassernutzung ermöglichen. Die Anlagechancen reichen von der Erneuerung veralteter Wasser- und Abwasserleitungssysteme bis zu Meerwasserentsalzungsanlagen, von effizienteren

Trendwender-Potenzial:

Bewässerungssystemen für die Landwirtschaft bis zur Züchtung neuer Pflanzen, die mit weniger Wasser auskommen. Interessant sind Unternehmen, die innovative Technologien zur Identifizierung von Lecks in Wasserleitungen entwickeln oder hocheffiziente Systeme zur Aufbereitung und Wiederverwertung von Abwasser, aber auch Hersteller von Messgeräten zur Optimierung des Wasserverbrauchs beim Endkunden. Angesichts der globalen Trends, die den Wassermarkt prägen, ist in all diesen Bereichen mit einer deutlich steigenden Nachfrage zu rechnen. Bei ihren Anlageentscheidungen sollten Anleger dabei nicht nur über die neuesten Lösungsansätze informiert sein, sondern auch Entwicklungen auf politischer und gesetzlicher Seite genau verfolgen. Neue Umweltstandards, höhere Anforderungen an die Wasserqualität, öffentliche Infrastrukturinvestitionen sowie die Festsetzung von Preisen und Gebühren wirken sich massgeblich auf das Wachstum einzelner Segmente des Wassermarktes aus – und damit auf die Attraktivität der jeweiligen Unternehmen. Anke Bryson

Prognostizierte Gesamtinvestitionen im Bereich Wasser 50

Gesamtinvestitionen in Milliarden Dollar Westeuropa

40

China

Die Versorgung mit Trinkwasser ist eine der Schlüssel­ aufgaben des 21. Jahrhunderts. Als Wirtschaftsfaktor wird der Zugang zu ausreichenden Mengen an Wasser an Bedeutung gewinnen.

Nordamerika

30

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2013

2015

Quelle: Global Water Market 2011, GWI

XYLEM

Als Anbieter von Technologielösungen für die gesamte Wertschöpfungskette der Wasserindustrie sorgt die aus der Abspaltung vom US-Technologiekonzern ITT entstehende Xylem in diesem ansonsten sehr fragmentierten Markt für Wirbel. Kein anderer Anbieter ist annähernd so gross und breit aufgestellt wie die ITT-Tochter. Dank der langjährigen Konzernerfahrung, dem unternehmensinterFirmenname: Xylem (ITT Corporation)* nen Wissenstransfer und Land: USA dem Angebot von KomplettHauptsitz: White Plains Marktkapitalisierung (CHF, in Mio.): noch k.A. lösungen für Kunden erzielt Umsatz (CHF, in Mio.): 3323,75 Xylem überdurchschnittliche Valorennummer: noch k.A. Margen. Mit seinen WasserURL: www.itt.com * Spin-off in Vorbereitung versorgungstechnologien, Analyseinstrumenten und Bewässerungssystemen ist das Unternehmen gut aufgestellt, um die mit der globalen Wasserproblematik verbundenen Geschäftschancen zu erschliessen.

Unter dem Produktnamen Wedeco bietet Xylem Lösungen zur Trinkwasser-Desinfektion an – mit Ultraviolett-Licht statt mit Chemikalien.

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WASSER Corporate-Governance-Champion:

NALCO/ECOLAB

Nalco gehört seit vielen Jahren zu den nachhaltigsten Unternehmen der Branche. Mit seinem Produktangebot hilft der weltgrösste Anbieter von Technologien für die Wasseraufbereitung, den Verbrauch von Wasser, Energie und anderen natürlichen Ressourcen sowie schädliche Emissionen zu verringern. Das US-Unternehmen überzeugt auch in Sachen Corporate Governance. Über das Firmenname: Nalco Holding / Ecolab Engagement für das CEO Land: USA Water Mandate der Vereinten Hauptsitz: Naperville / St. Paul Nationen fördert Nalco eine Marktkapit. (CHF, in Mio.): 4130,95 / 9999,83 Umsatz (CHF, in Mio.): 4430,19 / 6347,14 nachhaltige Wassernutzung. Valorennummer: 1 939 846 / 927314 Aus Aktionärssicht ist auch URL: www.nalco.com / www.ecolab.com die geplante Fusion mit Ecolab, einem weltweit führenden Anbieter von Reinigungs- und Hygienelösungen, positiv zu bewerten, da sich die nachhaltigen, ressourcenschonenden Lösungen beider Unternehmen gut ergänzen.

Emerging-Markets-Gewinner:

MANILA WATER

In der Wasserversorgung der Schwellenländer hat Manila Water eine beeindruckende Erfolgsgeschichte geschrieben. Nachdem das Unternehmen die öffentliche Wasserversorgung der philippinischen Hauptstadt auf Vordermann gebracht hat, setzt es seine Expertise inzwischen auch jenseits der Staatsgrenzen ein. Ein wegweisender Ansatz ist ein gemeinschaftlich betriebenes VersorgungsFirmenname: Manila Water Company, Inc. system, mit dem deutlich Land: Philippinen mehr einkommensschwache Hauptsitz: Quezon City Menschen an die WasserverMarktkapitalisierung (CHF, in Mio.): 734,08 Umsatz (CHF, in Mio.): 254,59 sorgung angeschlossen werden Valorennummer: 2 070 673 konnten und das illegale URL: www.manilawater.com Abzapfen verringert wurde. Mit diesem Modell und dem Einsatz neuer Technologien kann Manila Water eine wichtige Rolle beim Ausbau einer flächendeckenden Wasserinfrastruktur in den Emerging Markets spielen.

Manila Water baut Wasserversorgungen in Schwellenländern, um mehr einkommensschwache Menschen mit Wasser zu versorgen: Wasserrohre.

GEBERIT

Wenn es um Sanitärtechnik geht, führt an Geberit kaum ein Weg vorbei: In den Heimatmärkten Schweiz und Deutschland hat der europäische Marktführer einen Marktanteil von 48 Prozent. Mit ständigen Innovationen setzt er zudem immer wieder Massstäbe im Bereich der Sanitärsysteme, vor allem mit Blick auf die Senkung des Wasserverbrauchs und die Verbesserung der Wasserqualität. Firmenname: Geberit AG Die hohen Gewinne aus den Land: Schweiz sowohl im Neubau als auch in Hauptsitz: Rapperswil-Jona SG Marktkapitalisierung (CHF, in Mio.): 6730,16 der Renovierung eingesetzten Umsatz (CHF, in Mio.): 1900,00 Produkten investiert Geberit Valorennummer: 3 017 040 in die Forschung und EntURL: www.geberit.ch wicklung sowie in den Aufbau vielversprechender Märkte. Langfristige Wachstumsperspektiven bietet der Ausbau der Unternehmensaktivitäten in weiteren europäischen Märkten, in Amerika und Asien.

Geberit entwickelt Produkte und Systeme der Sanitär­ technik: Anlage für Langzeit­ tests für Toilettenspülungen.

Fotos: PR (1), AFP (1), Keystone (1), iStockphoto (1)

Markt-Dominator:

Nalco ist der weltgrösste Anbieter von Technologien für die Wasseraufbereitung und den Verbrauch natürlicher Ressourcen: Wissenschaftlerin am Mikroskop.

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ENERGIE

Die Zukunft gehört den erneuerbaren Energien und deren effizienter Verwertung. Zahlreiche Unternehmen arbeiten daran.

D

er Energiehunger der Menschheit ist grösser denn je, dabei gehen wir mit den Ressourcen unserer Erde um, als hätten wir noch einen Reserveplaneten in der Hinterhand. Kein Zweifel: Eine nachhaltigere Energieversorgung ist eine der drängendsten Herausforderungen unserer Zeit. Langfristige Veränderungen wie das Bevölkerungswachstum, die weiter zunehmende Urbanisierung, die Ressourcenverknappung und der Klimawandel sorgen für tief greifende strukturelle Veränderungen auf dem Energiemarkt. Gemäss der Internationalen Energieagentur (IEA) wird der weltweite Energieverbrauch bis 2030 um bis zu 40 Prozent steigen. Zugleich versiegen die fossilen Energiequellen, und nach Fukushima hat auch die Atomenergie vielerorts ausgedient. Herkömmliche, kohlenstoffbasierte Energieträger wie Öl und Kohle werden zunehmend durch regenerative Energielieferanten ersetzt.

Kosten der Stromerzeugung 1995 bis 2015 35 30 25 20

Dollar-Cent/kWh 1995 2000 2007 2015

Neue Technologien sorgen dafür, dass Gebäude, Verkehr und industrielle Prozesse mit weniger Energie auskommen.

15 10 5 Kohle

Öl

Erdgas

Wind

Solar

Quelle: Global Energy Decisions, SAM

Tatsächlich werden erneuerbare Energiequellen wie Wind-, Solar-, Wasserkraft und Geothermie immer wettbewerbsfähiger. Doch je mehr Strom aus erneuerbaren Quellen stammt, desto grössere Schwankungen muss das Stromnetz verkraften: Mal weht der Wind, mal nicht, und vor die •

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ENERGIE Innovations-Wette: GENESIS

PHOTONICS

Mit ihren branchenführenden Herstellungsverfahren für LED-Chips und -Halbleiter treibt Genesis Photonics die Durchsetzung dieser Zukunftstechnologie voran. Die Produkte der taiwanesischen Firma stehen in zahlreichen Anwendungen wie der Allgemein- und der Hintergrundbeleuchtung sowie bei Autoscheinwerfern hoch im Kurs und treiben die Transformation dieser Märkte voran. Der Firmenname: Genesis Photonics, Inc. grösste Vorteil der LED ist ihr Land: Taiwan enormes Potenzial für StromHauptsitz: Tainan Marktkapitalisierung (CHF, in Mio.): 392,61 einsparungen und eine MinUmsatz (CHF, in Mio.): 99,31 derung der CO2-Emissionen: Valorennummer: 2 857 495 Eine LED-Lampe zum Beispiel URL: www.g-photonics.com verbraucht nur 10 Prozent der Energie einer herkömmlichen Glühlampe. Noch besser wird die Rechnung mit den neuen LED-Hochleistungs-Chips von Genesis. Entsprechend gut bleiben die Wachstumsaussichten.

GCL POLY ENERGY

Wenn die Solarindustrie den Energiemarkt wie erhofft revolutioniert, wird GCL vorn dabei sein. Als einer der weltweit führenden Hersteller von Polysilizium und Solarzellen trägt das chinesische Unternehmen dazu bei, die Kosten der Solarenergieproduktion auf ein wettbewerbsfähiges Niveau zu senken. Dazu setzt das Unternehmen auf den Einsatz neuester Technologien, ProzessoptimieFirmenname: GCL Poly Energy Holdings Ltd. rungen und die Nutzung von Land: China Skaleneffekten. Der Erfolg der Hauptsitz: Hongkong Solarenergie steht und fällt Marktkapitalisierung (CHF, in Mio.): 5500,54 Umsatz (CHF, in Mio.): 2478,09 mit dem Preis. Daher dürften Valorennummer: 3 527 560 Kostenführer wie GCL teurere URL: www.gcl-poly.com.hk Anbieter aus dem Markt drängen – und sich zugleich einen wachsenden Markt sichern, indem sie Solarenergie zu einer Alternative zu fossilen Energieträgern machen.

4 Sonne schieben sich immer wieder Wolken. Das eröffnet Chancen für Anbieter leistungsfähiger Energiespeichersysteme. Optimieren lässt sich die Versorgungssicherheit auch durch die Abstimmung von Stromangebot und -nachfrage, zum Beispiel durch intelligente Messgeräte und ein verbessertes Netzmanagement – Stichwort Smart Grid. Auch durch den hohen Investitionsbedarf für den Ausbau und die Modernisierung des Stromnetzes und die optimierte Energieverteilung entstehen attraktive Anlagechancen. Als sauberster fossiler Brennstoff bietet zudem Erdgas weiter Potenzial: Da es sich flexibel zuschalten lässt, kann es die schwankende Versorgung mit erneuerbaren Energien ideal ergänzen und stellt so eine gute Übergangslösung auf dem Weg zu einer emissionsärmeren Wirtschaft dar. Die wohl wichtigsten Stellschrauben überhaupt aber finden sich auf der Nachfrageseite: Hier sorgen neue Technologien da-

GCL Poly Energy Holdings will die Kosten der Solarenergieproduktion auf ein wettbewerbsfähiges Niveau senken: Solaranlage.

für, dass energieintensive Wirtschaftssektoren wie diejenigen rund um Gebäude, Verkehr und industrielle Prozesse mit immer weniger Energie auskommen. Beleuchtung beispielsweise ist ein echter Stromfresser: Durch die Umstellung aller aktuell in den USA genutzten Leuchtmittel auf energieeffiziente und sparsame Optionen wie LED liessen sich ab 2020 Stromeinsparungen erzielen, die mehr als der Hälfte der Gesamtleistung der Kernkraftwerke in den USA entsprächen. In all diesen Bereichen zeigen innovative Unternehmen vielversprechende Wege auf, Wege zu einer genauso umweltverträglichen wie verlässlichen und bezahlbaren Energieversorgung. Forschung und Industrie verzahnen sich zu einer Wertschöpfungskette, die neue Energietechniken und Prozesse schnell umsetzt und an den Markt bringt – zum Vorteil der Wirtschaft und der Anleger, die das Potenzial dieses Marktes erkennen. A. B.

Fotos: PR (4), Keystone (1)

Trendwender-Potenzial:

Genesis Photonics ist Hersteller von Beleuchtungsanwendungen: Eine LED-Lampe verbraucht 10 Prozent der Energie einer herkömmlichen Glühlampe.

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COMPANHIA ENERGETICA DE MINAS GERAIS (CEMIG)

Corporate-Governance-Gewinner:

Zu den Vorreitern der Nachhaltigkeit im Versorgungsbereich gehört die Companhia Energetica de Minas Gerais nicht nur aufgrund ihrer branchenführenden CO2-Bilanz. Als einer der grössten Energieversorger und -erzeuger Brasiliens engagiert sich das Unternehmen zudem seit vielen Jahren für den Schutz der Biodiversität Firmenname: Companhia Energetica de und der Wasserressourcen. Minas Gerais Land: Brasilien Zugleich legt CEMIG grössten Hauptsitz: Belo Horizonte Wert auf eine gute UnternehMarktkapitalisierung (CHF, in Mio.): 9403,36 Umsatz (CHF, in Mio.): 7616,55 mensführung und -kontrolle Valorennummer: 363 586 und investiert gezielt in die URL: www.cemig.com.br Mitarbeiterentwicklung, was sich in einer hohen Mitarbeiterbindung und -motivation niederschlägt. Investoren bietet CEMIG damit ein nachhaltiges Investment, mit dem sie am Wachstumspotenzial des aufstrebenden brasilianischen Marktes partizipieren können.

Emerging-Markets-Gewinner:

SHENGLI OIL & GAS

Mit der chinesischen Wirtschaft wächst auch Chinas Energiebedarf – und damit das Geschäft von Shengli, Chinas grösstem Öl- und GaspipelineHersteller. China hat die Dringlichkeit einer saubereren und effizienteren Energienutzung erkannt. Dadurch gewinnt insbesondere Erdgas an Bedeutung. Es ist nicht nur sauberer als andere fossile Brennstoffe, sondern lässt sich auch besser an- und Firmenname: Shengli Oil & Gas Pipe abschalten und ist damit Holdings Limited Land: China eine ideale Ergänzung zu Hauptsitz: Zibo City regenerativen Energieträgern Marktkapitalisierung (CHF, in Mio.): 225,75 Umsatz (CHF, in Mio.): 173,48 mit ihren naturgegebenen Valorennummer: 10 813 071 Leistungsschwankungen. Bis URL: www.slogp.com 2015 will China den Gasanteil am gesamten nationalen Energiemix auf knapp 8 Prozent verdoppeln. Mit ihrer starken Positionierung im Erdgaspipeline-Markt sollte Shengli zu den grossen Gewinnern dieser Entwicklung gehören.

Markt-Dominator:

Die Companhia Energetica de Minas Gerais ist einer der grössten Energieversorger Brasiliens: Staudamm in São Simão.

Die saubere und effiziente Energienutzung gewinnt auch in China an Bedeutung: Bohrungen auf dem GudongÖlfeld von Shengli Oil & Gas.

SIMPLO TECHNOLOGY

Spezialisiertes technologisches Know-how und eine starke Kundenbindung können erhebliche Markteintrittshürden darstellen. Kombiniert mit vorteilhaften Kostenstrukturen, hat dies dem Batteriehersteller Simplo dominante Positionen in seinen Kernmärkten gesichert. Am weltweiten Markt für Lithium-Notebook-Akkus hält das taiwanesische Unternehmen einen Anteil von rund 24 Prozent. Durch Firmenname: Simplo Technology Co., Ltd. ständige innovative WeiterLand: Taiwan entwicklungen gelingt es dem Hauptsitz: Hsinchu Hsien Marktkapitalisierung (CHF, in Mio.): 1597,31 Unternehmen, Leistung und Umsatz (CHF, in Mio.): 1269,99 Lebensdauer seiner Akkus Valorennummer: 1 329 697 immer weiter zu verbessern. URL: www.simplo.com.tw Mit ihren führenden Technologien kann Simplo zudem neue Chancen im Wachstumsmarkt der E-Mobilität erschliessen, in dem Lithium-Batterien vermehrt zum Einsatz kommen werden.

Simplo setzt auf eine stete Verbesserung der Leistung und Lebensdauer ihrer Akkus für Notebooks: Lithium-Akku.

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WERKSTOFFE

Innovative Materialien und Techniken werden unsere Zukunft prägen – und den klassischen Rohstoffverbrauch senken.

IPG PHOTONICS

IPG Photonics revolutioniert Märkte wie Materialbearbeitung, Telekommunikation oder Medizin mit Lasertechnologie: Hochleistungsfaserlaser.

Fotos: PR

Innovations-Wette:

Hinter vielen Entwicklungssprüngen in unterschiedlichen Wirtschaftsbereichen stehen neue Lasertechnologien – wie die Hochleistungsfaserlaser, mit denen der amerikanische Laserpionier IPG Photonics den Markt in Bereichen wie Materialbearbeitung, Telekommunikation und Medizin revolutioniert. Die Experten wissen: Die Einsatzmöglichkeiten des Werkzeugs Laser sind noch längst Firmenname: IPG Photonics Corporation nicht erschöpft. Dabei werden Land: USA wesentlich energieeffizienteHauptsitz: Oxford re Faserlaser konventionelle Marktkapitalisierung (CHF, in Mio.): 2213,87 Umsatz (CHF, in Mio.): 311,91 Lasersysteme zunehmend verValorennummer: 1 196 227 drängen. Mit einem Anteil von URL: www.ipgphotonics.com 75 Prozent am Weltmarkt für Hochleistungsfaserlaser, ihrer Innovationskraft und ihrer starken Präsenz in verschiedensten Anwendungsbereichen startet IPG aus der Pole Position in die nächste Wachstumsrunde.

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S

teinzeit, Bronzezeit, Eisenzeit – für die Menschheit und ihre Evolution sind Werkstoffe seit je von grösster Bedeutung. Mit der Prägung ganzer Epochen durch einen Rohstoff ist es jedoch vorbei. Die Zukunft gehört der innovativen Vielfalt. Heute spielt eine Vielzahl gezielt eingesetzter, intelligenter und hoch spezialisierter Werkstoffe bei nahezu allen technologischen Innovationen eine Schlüsselrolle. In kaum einem anderen Bereich tritt die menschliche Kreativität deutlicher zutage: Innovative Materialien und Technologien stehen nicht nur hinter den Effizienzgewinnen und technologischen Fortschritten der Vergangenheit. Auch bei der Bewältigung der grossen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts wie Ressourcenverknappung, Bevölkerungswachstum und Umweltbelastungen spielen innovative Materialien und Technologien eine wichtige Rolle. Mit Karbonfasern etwa lassen sich leichtere, sicherere, verbrauchs- und emissionsärmere Autos und Flugzeuge bauen. Kompostierbare Kunststoffe lassen Müllberge schrumpfen. E-Paper-Displays schonen Wälder, indem sie den weltweiten Papierverbrauch massiv reduzieren. Andere innovative Materialien ermöglichen höhere Wirkungsgrade in Kraftwerken, Motoren und Turbinen und eröffnen neue technologische Horizonte, etwa bei der organischen Fotovoltaik, bei der Entwicklung neuer leistungsstarker Energiespeichertechnologien oder in hoch integrierten Komponenten für die Informations- und Kommunikationstechnik. Durch den Einsatz neuer Bio- und Nanomaterialien werden medizinische Visionen Realität, mit Faserlasern lassen sich Produktionsprozesse deutlich effizienter gestalten. Kurz: Innovative Werkstoffe und Technologien schützen knappe Ressourcen, schonen die Umwelt und ermöglichen bahnbrechende Anwendungen, von denen die Menschen noch vor wenigen Jahren höchstens geträumt hatten. Sie verändern Leben und Alltag und bieten Wachstumschancen. Aus Anlegersicht besonders interessant sind die vielen innovativen Nischenanbieter in diesen Märkten, deren technische

Trendwender-Potenzial:

Expertise und geistige Eigentumsrechte ihre Wettbewerbsposition und Preisbildungsmacht stärken und so eine häufig überdurchschnittliche Profitabilität ermöglichen. Das Potenzial vieler dieser Marktsegmente ist noch längst nicht vollständig erschlossen, das Innovationstempo ist enorm. Den Investoren eröffnen sich damit auf Jahre hinaus interessante Anlagemöglichkeiten über den gesamten Lebenszyklus der Werkstoffwirtschaft: von Technologien für eine effizientere Rohstoffgewinnung, -verarbeitung und -nutzung über neuartige Materialien, die knapper werdende Ressourcen ersetzen können, bis zum Rohstoffrecycling. Denn auch die Wegwerfgesellschaft muss umdenken: Ohne innovative Ansätze für die Umwandlung von Abfällen in wiederverwertbare Produktionsmaterialien oder Energie – Stichwort Waste-to-Energy – wird sich die Lücke zwischen Rohstoffangebot und -nachfrage kaum schliessen lassen. A. B.

Das Potenzial des WerkstoffMarktsegments ist längst nicht erschlossen , und das Innovationstempo ist enorm.

Prognostizierte globale Nachfrage nach Karbonfasern 160 000

Tonnen

120 000 80 000

Sonstige Industrieanwendungen Automobile Windkraft Sportausrüstung Luft- und Raumfahrt

40 000

2011

2013

2015

2017

2019

Quelle: SAM, CompositesWorld, Deutsche Bank, Zoltek

E-INK

E-Ink Holdings, Lieferant für Amazons E-Book-Reader Kindle, gilt als führender Hersteller sogenannter E-Papers, mit denen komplett neue Marktsegmente geschaffen worden sind. Dass derzeit mehrere konkurrierende Technologien entwickelt werden, muss den «First Mover» E-Ink mit seinem komfortablen technologischen Vorsprung und seinem Anteil von 90 Prozent am weltweiten Markt für Firmenname: E-Ink Holdings, Inc. elektronische Lesegeräte nicht Land: Taiwan übermässig beunruhigen. Die Hauptsitz: Hsinchu Wachstumsprognosen für Marktkapitalisierung (CHF, in Mio.): 1866,48 Umsatz (CHF, in Mio.): 563,04 diesen Markt werden immer Valorennummer: 1 559 852 wieder hochgeschraubt, und URL: www.e-ink.com E-Ink ist einer der bestpositionierten Anbieter, um von diesem Wachstum zu profitieren und neue Aufträge, zum Beispiel im Rahmen von Bildungsprogrammen in Schwellenländern, zu gewinnen.

E-Ink ist einer der bestpositionierten Anbieter von Lesegeräten – und Lieferant zahlreicher Hersteller von Techno-Gadgets: Produkte, die E-Ink-Technik enthalten.

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WERKSTOFFE Corporate-Governance-Champion:

AKZO NOBEL

Mit einer guten Reputation lässt sich besser wirtschaften. Wie das geht, zeigt die niederländische Akzo Nobel in der besonders kritisch beäugten Chemiebranche. Der weltgrösste Hersteller von Farben und Lacken setzt konsequent auf Nachhaltigkeit und gute Corporate Governance und macht zum Beispiel seine Managervergütung von der Bewertung im jährlichen SAM Corporate SustainabiFirmenname: Akzo Nobel N.V. lity Assessment abhängig. Land: Niederlande Bei der weiteren GeschäftsHauptsitz: Amsterdam ausweitung – vor allem in Marktkapitalisierung (CHF, in Mio.): 9609,59 Umsatz (CHF, in Mio.): 20 216,45 den Wachstumsmärkten der Valorennummer: 857 349 Schwellenländer – dürfte sich URL: www.akzonobel.com dies als entscheidender Vorteil erweisen. Denn Integrität und Transparenz begrenzen Risiken und stärken das Vertrauen der Kapitalgeber und anderen Stakeholder.

Emerging-Markets-Gewinner:

LG CHEM

Mit zahlreichen technologischen Ersteinführungen hat sich die koreanische LG Chem einen Namen in verschiedenen Bereichen ihrer breiten Produktpalette gemacht, die von Petrochemikalien über hochwertige Kunststoffe bis hin zu Hochleistungs-Industriematerialien reicht. Zum Gewinner unter den Emerging-Markets-Unternehmen ist LG mit der erfolgreichen Verlagerung ihres TätigkeitsschwerFirmenname: LG Chem Ltd. punktes von Basisrohstoffen Land: Südkorea hin zu zukunftsweisenden, Hauptsitz: Seoul wachstumsstarken MarktMarktkapitalisierung (CHF, in Mio.): 18 952,32 Umsatz (CHF, in Mio.): 15 183,61 segmenten geworden. LG Valorennummer: 1 177 560 gehört nicht nur zu den URL: www.lgchem.co.kr Vorreitern der OLED-Technologie für Flachbildschirme mit extrem geringem Energiebedarf, sondern ist als Anbieter von Lithium-Ionen-Batterien auch im Zukunftsmarkt E-Mobilität ganz vorn mit dabei.

LG Chem ist Südkoreas grösstes Chemieunternehmen – und gehört unter anderem zu den Vorreitern der OLED­Technolo­ gie für Flachbildschirme: Werk in Daesan.

PRAXAIR

Im stark konzentrierten Markt für Industriegase ist Praxair einer der «grossen vier», die rund 80 Prozent des Marktes unter sich aufteilen. Mit seinen Produkten und begleitenden Serviceleistungen hilft das Unternehmen Kunden, profitabler, effizienter und umweltschonender zu arbeiten. Das Industriegas-Segment gilt als einer der am wenigsten zyklischen Bereiche der Chemieindustrie. Das Firmenname: Praxair, Inc. macht Unternehmen wie Land: USA Praxair zu relativ defensiven Hauptsitz: Danbury Investments mit stabilen UmMarktkapitalisierung (CHF, in Mio.): 23 935,63 Umsatz (CHF, in Mio.): 10 543,65 satzzuwächsen und Erträgen. Valorennummer: 963 739 Die Auftragsbücher sind URL: www.praxair.com gut gefüllt, die technischen Kapazitäten hoch, die Unternehmensführung überzeugend. Für zusätzliche Wachstumsimpulse dürfte der vor kurzem beschlossene Eintritt ins Wasserstoffgeschäft sorgen.

Praxair hilft Unternehmen, profitabler, effizienter und umweltschonender zu arbeiten: Wasserstoffanlage.

Fotos: Bloomberg (2), PR (1), iStockphoto (1)

Markt-Dominator:

Der weltweit grösste Hersteller von Farben und Lacken legt konsequent Wert auf Nach­ haltigkeit und Corporate Governance: Präsentation eines Akzo­Nobel­Farbenkonzepts.

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AGRAR

Der Investitionsbedarf der Landwirtschaft ist enorm. Das Ziel: die Produktion nachhaltig zu intensivieren.

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er Druck auf die Landwirtschaft ist enorm: Bis 2050 muss sich die Agrarproduktion gemäss der Food and Agriculture Organization (FAO) um 70 Prozent erhöhen, um eine Weltbevölkerung zu ernähren, die bis dahin auf über neun Milli­ arden Menschen anwachsen wird. Neben dem Bevölkerungswachstum kurbeln der steigende Proteinverbrauch in den zunehmend wohlha­ benden Schwellenländern und die Nutzung von Agrarrohstof­ fen für die Produktion von Biokraftstoffen die Nachfrage nach Agrarprodukten an. Doch den Anbauflächen sind natürliche Grenzen gesetzt, das pro Kopf verfügbare Ackerland geht seit Jahren zurück, und mit dem Klimawandel verbundene Entwicklungen wie Temperaturschwankungen, Wasserknappheit, Schädlings­ plagen sowie die Häufung extremer Wetterereignisse sorgen für zusätzlichen Druck auf den Agrarsektor. Der einzig realis­ tische Ausweg sind Produktivitätssteigerungen. Um eine Krise

Spannend für Anleger sind Unter­ nehmen, welche Lösungen zur Überwindung von globalen Ineffizienzen bei Produktion, Verarbeitung und Verteilung von Nahrungsmitteln entwickeln.

Prognostizierte Auswirkungen des Klimawandels auf die Nahrungsmittelproduktion Prozent Brasilien/Weizen Zentralafrika/Mais Westafrika/Mais Ostafrika/Mais

prozentuale Veränderung der inländischen Produktion bis 2030

China/Reis Andere ost- und südostasiatische Länder / Reis 0

–5

–10

–15

–20 –25

Quelle: Oxfam

der Landwirtschaft zu vermeiden und weitere Wohlstands­ zuwächse zu ermöglichen, bedarf es erheblicher Investitio­ nen in unterschiedlichste Bereiche der Agrarwirtschaft, die alle ein Ziel verfolgen: eine nachhaltige Intensivierung der • Agrarproduktion.

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AGRAR

JAIN IRRIGATION

Die indische Jain Irrigation steht hinter einer der wegweisendsten Technologien in der modernen Landwirtschaft: der Mikrobewässerung. Als inzwischen zweitgrösster Anbieter weltweit findet das Unternehmen Lösungen für die globale Wasserverknappung und eine nachhaltige Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion. Zugleich sichert es mit seinen erschwinglichen Systemen Firmenname: Jain Irrigation System Ltd. den Lebensunterhalt TausenLand: Indien der Kleinbauern. Durch die Hauptsitz: Jalgaon Marktkapitalisierung (CHF, in Mio.): 1179,40 langsame und regelmässige Umsatz (CHF, in Mio.): 766,04 Ausgabe von Wasser und DünValorennummer: 11 845 802 gemitteln können innovative URL: www.jains.com Tropfbewässerungssysteme den Wasserverbrauch um bis zu 50 Prozent reduzieren und zugleich die Ernteproduktivität deutlich steigern. Die Erschliessung dieses weltweiten Marktes hat gerade erst begonnen.

Trendwender-Potenzial:

PURECIRCLE

Auch wenn es noch nicht das Aus für den Zucker bedeutet – zumindest den Süssstoffmarkt soll die pflanzliche Natursüsse Stevia revolutionieren. Vorreiter dieser Revolution ist das malaysische Unternehmen PureCircle, weltweit führender Hersteller hochreiner Stevia-Produkte. In Nordamerika und Asien ist der neue, kalorienfreie Süssstoff bereits zugelassen, in der EU wird die Zulassung in Kürze Firmenname: PureCircle erwartet. In einer Welt mit Land: Malaysia immer mehr übergewichtigen Hauptsitz: Negeri Sembilan und immer mehr gesundheitsMarktkapitalisierung (CHF, in Mio.): 169,39 Umsatz (CHF, in Mio.): 64,55 bewussten Menschen rechValorennummer: 3 571 906 net die Industrie mit einem URL: www.purecircle.com Ansturm auf kalorienreduzierte Stevia-Produkte. Und PureCircle selbst weitet die eigene Wachstumsbasis noch einmal aus – mit neuartigen Aromastoffen für natürliche und gesündere Lebensmittel und Getränke.

Kurzfristig lässt sich diese Herausforderung nicht bewältigen – entsprechend attraktiv sind die langfristigen Wachstumsaussichten der erfolgreichsten Innovatoren in diesem Bereich. Die Akteure der gesamten Wertschöpfungskette befinden sich auf einer jahrzehntelangen Mission zur Schliessung der Lücke zwischen Angebot und Nachfrage. Dabei gilt auch bei diesem Megatrend: Knappheit zieht Geld an, das zu innovativer Technologie und damit optimierten Erträgen führt. Aus Anlegersicht interessant sind eine Vielfalt von Unternehmen, die Lösungen zur Überwindung globaler Ineffizienzen bei Produktion, Verarbeitung und Verteilung von Nahrungsmitteln entwickeln, vertreiben und dadurch eine Steigerung der Agrarerträge und letztlich eine verlässlichere Nahrungsmittelversorgung ermöglichen. Die Hoffnungen konzentrieren sich auf moderne Landmaschinen, Dünge- und Futtermittel, Pflanzenschutzlösun-

Jain Irrigation ist der zweit­ grösste Anbieter von Anlagen für die Mikrobewässerung in der Landwirtschaft: Teile eines Tropfbewässerungs­ systems.

PureCircle will mit dem kalorienfreien Stevia­Saft den Süssstoffmarkt revolutio­ nieren: Stevia­Pflanze.

gen, genetisch modifiziertes Saatgut und intelligente Bewässerungssysteme, die allesamt zu einer nachhaltig höheren Produktivität der Landwirtschaft beitragen, sowie auf Prozessveränderungen in der Verarbeitung und dem Transport, die verhindern, dass weiter ein Drittel der gesamten Nahrungsmittelproduktion auf dem Weg zu den Endkunden verloren geht oder verschwendet wird. Derweil profitieren Hersteller abgepackter Nahrungsmittel und Getränke von der Urbanisierung, den höheren Haushaltseinkommen und den zunehmenden Forderungen nach strengeren Qualitätsstandards. Aufgrund der weltweit zunehmenden Sorgen um die Nahrungsmittelversorgung und -sicherheit und den Schutz der Biodiversität entsteht ein positives Umfeld für nachhaltige Agrarpraktiken, das Investoren vielfältige Anlagechancen entlang der gesamten Wertschöpfungskette der Agrarwirtschaft eröffnet. A. B.

Fotos: PR (2), Keystone (1), Bloomberg (2)

Innovations-Wette:

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Corporate-Governance-Champion:

POTASH

Dass das Düngemittelgeschäft auf einem gesunden Boden am besten gedeiht, beweist der weltgrösste Kaliproduzent, die Potash Corporation of Saskatchewan. Als eines der nachhaltigsten Unternehmen der Branche legt Potash seit je grossen Wert auf eine gute Unternehmensführung, einen aktiven Stakeholder-Dialog und höchste Transparenz- und Integritätsstandards. Eigenschaften, Firmenname: Potash Corporation of die gerade in einer Branche Saskatchewan, Inc. Land: Kanada wie der MineraldüngererzeuHauptsitz: Saskatoon gung mit ihren Umwelt- und Marktkapitalisierung (CHF, in Mio.): 39 779,80 Umsatz (CHF, in Mio.): 6815,02 Reputationsrisiken erfolgsValorennummer: 697 749 entscheidend sein können. URL: www.potashcorp.com Damit dürfte das kanadische Unternehmen überdurchschnittlich von den weltweiten Bemühungen um eine Steigerung der Ernteproduktivität, vor allem in den Entwicklungs- und Schwellenländern, profitieren.

Emerging-Markets-Gewinner:

ADECOAGRO

Das Bevölkerungswachstum und die steigenden Lebensmittelpreise machen Ackerflächen zu Wachstumsindustrien. Zum Beispiel in Südamerika, wo die brasilianische Ackerland-Beteiligungsgesellschaft Adecoagro mit einer Strategie der «Landtransformation» nachhaltige Renditen erwirtschaftet: Ist eine Farm mit Hilfe neuester Technologien und umfangreicher Investitionen auf Effizienz Firmenname: Adecoagro S.A. getrimmt, wird sie verkauft Land: Luxemburg und der nächste sanierungsHauptsitz: Luxemburg reife Betrieb übernommen. Marktkapitalisierung (CHF, in Mio.): 989,52 Umsatz (CHF, in Mio.): 420,81 Grundlage ist stets ein Valorennummer: 12 332 637 Umweltmanagement-Plan URL: www.adecoagro.com mit dem Ziel einer verbesserten Ressourceneffizienz und geringerer Umweltschäden. Ein Ansatz, mit dem sich noch viel Potenzial in den Agrarmärkten der Entwicklungs- und Schwellenländer erschliessen lässt.

Markt-Dominator:

Potash stellt Düngemittel nach höchsten Transparenz- und Integritätsstandards her: Transport von KaliumkarbonatErz in einer Mine in Solikamsk, Russland.

Die Ackerland-Beteiligungsgesellschaft Adecoagro erwirtschaftet in Südamerika nachhaltige Renditen: Ähren von Winterweizen.

MEAD JOHNSON

Mit seiner Marktführerschaft im weltweiten Markt für Säuglingsnahrung gibt sich das US-Unternehmen Mead Johnson nicht zufrieden. Während in den Schwellenländern die aufstrebende Mittelschicht die Nachfrage nach Premium-Babynahrung ankurbelt, sorgt das Unternehmen mit einer kontinuierlichen ernährungsphysiologischen Aufwertung seiner Produkte auch in den geburtenschwachen Firmenname: Mead Johnson Nutrition Co. Industrieländern für anhalLand: USA tendes Wachstum. Mit hohen Hauptsitz: Glenview Investitionen in Forschung Marktkapitalisierung (CHF, in Mio.): 11 687,26 Umsatz (CHF, in Mio.): 3274,41 und Entwicklung, PremiumValorennummer: 4 626 206 produkten, einer bekannten URL: www.mjn.com Marke und einer starken Präsenz in den dynamischen Emerging Markets sichert sich Mead Johnson den Spitzenplatz im globalen Markt für Säuglingsnahrung, der bis 2015 um schätzungsweise 7 Prozent pro Jahr wachsen soll.

Mead Johnson sichert sich mit Premium-Marken den Spitzenplatz im Säuglingsnahrungsmarkt: Werk in Evansville, USA.

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Wie wird Nachhaltigkeit bemessen? Von John Prestbo, Executive Director, Dow Jones Indexes Die Finanzkrise zeigte uns die Grenzen der konventionellen Geldanlage auf. Derweil wächst das Interesse an nachhaltigen und verantwortungsbewussten Investitionen. Laut European Sustainable Investment Forum 2010 belief sich der Wert des SRI-Marktes (Socially Responsible Investing) auf 7 Billionen US-Dollar. Laut dem Bericht haben sich SRI-Investitionen in Europa trotz der Finanzkrise seit 2007 fast verdoppelt. Was genau ist Nachhaltigkeit, und wie können Investoren davon profitieren? NUR EINE DEFINITION? Ein auf Nachhaltigkeit ausgerichtetes Unternehmen bezieht Umweltfragen sowie soziale und wirtschaftliche Aspekte in seine Mission ein. Dow Jones Indexes verstehen Nachhaltigkeit als einen Faktor, der sowohl Geschäftstätigkeit als auch Strategie einer Firma direkt beeinflusst. Oft wird Nachhaltigkeit unvollständigerweise mit «ethisch vertretbaren Geldanlagen» assoziiert. Der Hauptunterschied besteht darin, dass ethisch vertretbare Geldanlagen moralische Grundprinzipien berücksichtigen, während bei nachhaltigen Geldanlagen der monetäre Ertrag wie das Wohl der Gesellschaft eine Rolle spielen. Der Geschäftsbereich eines Unternehmens sagt nichts darüber aus, ob eine Firma nachhaltige Ziele verfolgt. So könnten Tabakunternehmen Studien über den potenziellen Einsatz von Tabak für medizinische Zwecke durchführen. Dienen die Erkenntnisse des Unternehmens auf lange Frist dem Nutzen der Allgemeinheit, könnte dies auch als nachhaltiges Handeln gewertet werden. Dow Jones Sustainability Indexes werden in Kooperation mit SAM geführt, einem in Zürich ansässigen Vermögensverwalter, der sich speziell mit nachhaltigen Kapitalanlagen befasst. SAM definiert nachhaltiges Investment als die Kombination traditioneller Investmenterwägungen mit den Aspekten einer nachhaltigen Anlage. Daraus

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resultiert ein umfassender Blick auf die langfristige Wertschöpfung eines Unternehmens. Wie können Investoren davon profitieren? SO WIRD GEPRÜFT SRI basierte zunächst auf Negativselektion, und zwar bezogen auf einzelne Wirtschaftszweige. Eine verantwortungsbewusste Anlagepolitik schloss Bereiche wie Glücksspiel, Tabak- und Alkoholindustrie, Pornografie oder Kernkraft automatisch aus. Vor 15 Jahren entschied man sich allmählich für eine Positivselektion. Die Auswahl der einbezogenen Unternehmensaktien folgte einer tiefgründigen Untersuchung der Geschäftspraktiken. Mit der Weiterentwicklung dieses Ansatzes veränderte sich die Prüfungsmethode. Anstelle einer gleichwertigen Berücksichtigung allgemeiner und branchenspezifischer Faktoren wurden fortan hauptsächlich branchenspezifische Aspekte bewertet. Die für den Dow Jones Sustainability Index erhobenen Daten resultieren aus einer jährlichen Befragung, den von den Unternehmen veröffentlichten Dokumenten, Berichten für Medien und Aktionäre sowie persönlichen Unternehmenskontakten. Keine Branche ist vom Einbezug in die Indizes ausgeschlossen. Die Aufnahme erfolgt gemäss dem Best-in-Class-Ansatz, bei dem 10 Prozent der führenden Unternehmen jeder Branche ausgewählt werden. NACHHALTIGE INDIZES In den grössten Volkswirtschaften der Welt gibt es über 1000 nachhaltig wirtschaftende Unternehmen und 2500 Organisationen, die ihre Treibhausgasemissions-Strategien im Carbon Disclosure Project veröffentlichen. Bei vielen spielt Nachhaltigkeit bereits eine strategische Rolle. Einige Konzerne richten sogar schon ihre Bonuszahlungen an Führungskräfte nach Nachhaltigkeitsbewertungen aus. Es gibt zurzeit mindestens sechs Indizes, die nachhaltig wirtschaftende Unter-

John Prestbo nehmen bewerten, obschon sie sich im Ansatz unterscheiden. Indexbetreiber halten mit der Entwicklung Schritt, indem sie zum Beispiel unabhängige Komitees bilden, denen Prüfung und Bewertung der Methoden obliegen. NACHHALTIGE ANLAGEN Nachhaltigkeit ist ein interessanter Blickwinkel beim Investieren in Unternehmenswerte. Der Anspruch auf eine führende Position in Bezug auf Nachhaltigkeitsgrundsätze bedarf einer strengen Unternehmensführung. Somit liegt die Annahme nahe, dass ein solches Unternehmen andere Firmen langfristig übertreffen wird. Investoren interessieren sich vermehrt für nachhaltige Investitionen. Dies gilt insbesondere für Anleger, deren Augenmerk sich auf die Risikominimierung bei Firmen richtet, die langfristige Lösungen für wirtschaftliche, umweltrelevante und soziale Fragen bieten. Investoren werden in den kommenden Jahren ihre Erfahrungen austauschen, und es wird immer mehr nachhaltige Investitionen als ernst zu nehmende Alternative zu klassischen Anlageformen geben. So wächst das Bewusstsein für Nachhaltigkeit bei Verbrauchern, Anlegern und Firmen, und im Gleichschritt steigt das Angebot an nachhaltigen Investmentfonds und ETF.

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SWISS RE Natürlich zählt auch für uns die Rendite, allerdings die risikoadjustierte Rendite, und da hat Nachhaltigkeit ihren Platz und beeinflusst die Anlageentscheide. Wie integrieren Sie EnvironmentalSocial-&-Governance-Kriterien (ESG)? Für die von uns verwalteten Anlagen, aber auch für die extern betreuten Port­ folios werden diese Kriterien sehr streng berücksichtigt. Beide müssen unserem Code of Conduct folgen, der festhält, dass zu unseren Investitionsentscheiden auch Nachhaltigkeitsüberlegungen gehören müssen und dass wir Expertise und Kapi­ tal in Firmen und Projekte investieren, die gesellschaftliche und ökologische Kriterien ernst nehmen. «Unternehmen in sensitiven Bereichen werden einzeln angeschaut»: Guido Fürer, Mitglied des Group Management Board der Swiss Re.

«DIE RENDITE ZÄHLT»

Guido Fürer, Head Chief Investment Office, über die Anlagepolitik des nachhaltigen Rückversicherers Swiss Re.

Foto: PR

Herr Fürer, sind Sie in der Nachhaltigkeit ein Mann der ersten Stunde? Nein, aber Nachhaltigkeit ist mir per­ sönlich sehr wichtig, auch weil es eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung ist, die uns als Individuen, aber auch als Unternehmen beschäftigen muss. Es geht um die Zukunft, um die nächste Generation, um Langfristigkeit. Swiss Re ist seit Jahren ein sehr nachhaltiges Unternehmen; für einen global agieren­ den Rückversicherer gehört das quasi zur Kernkompetenz. Können Sie zwei Beispiele nennen? Swiss Re nutzt an den meisten Stand­ orten 100 Prozent erneuerbare Energien, und alle neuen Gebäude werden nach Minergie­Standards gebaut. Ausserdem unterstützen wir mit dem Programm COYou2 unsere Mitarbeiter bei Investiti­ onen, die den CO2­Ausstoss verringern.

Wie gross ist das Volumen der von Swiss Re nachhaltig verwalteten Vermögen? Letztes Jahr hat die Swiss Re ein Portfolio von rund 400 Millionen Dollar aufge­ baut, die in erneuerbare Energien, Ener­ gieeffizienz, Abfallmanagement und in die Landwirtschaft investiert werden. Wie viel ist davon schon investiert? Per Ende 2010 waren es rund 250 Millio­ nen. 130 Millionen waren gesprochen, aber noch nicht investiert. Die Nachhal­ tigkeit beschränkt sich aber nicht auf diese direkten Investitionen. Für unser gesamtes Vermögen gelten gruppen­ weite Kriterien, die den Einfluss der Anlageentscheide auf die Umwelt und die Nachhaltigkeit prüfen. Hand aufs Herz: Investoren interessieren sich letztlich für Renditen. Was bringen Nachhaltigkeitskriterien?

Sie berücksichtigen Ausschlusskriterien und verzichten auf gewisse Branchen und Firmen. Richtig, die Richtlinien umfassen Inves­ titionen und Geschäfte in sensitiven Sektoren wie Waffen­, Erdöl­, Gasproduk­ tion oder Bergbau. Wie gehen Sie konkret vor? Unternehmen in sensitiven Bereichen werden einzeln angeschaut und, falls sie unseren Kriterien nicht genügen, auf eine Ausschlussliste gesetzt. Das heisst: Sie schliessen keine Firma grundsätzlich aus? Doch, wir schliessen Firmen und Länder aus. Sektoren allerdings nicht. Aber auf dieser Liste befinden sich auch Staaten, die Menschenrechte systematisch verlet­ zen wie etwa Burma oder Nordkorea. Burma und Nordkorea – ein No-Go? Wir investieren nicht in Projekte oder Produkte dieser Länder, und wo wir Ein­ fluss nehmen können, vermeiden wir Geschäfte in diesen Ländern. Spätestens seit der Energiewende sind Solar- und Windenergie wichtige Anlagethemen. Was versprechen Sie sich? Wind ist bereits heute eine wettbewerbs­ fähige Alternative. Die Technologie ist weit entwickelt, vor allem auf dem Fest­ land. Auf dem Wasser wird sie noch Zeit brauchen, aber dort birgt sie grosses Po­ tenzial. Die Lernkurve bei den erneuer­ baren Energien ist steil, und die Fort­ schritte werden sich beschleunigen. •

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GESUNDHEIT

Die Grenze zwischen Gesundheitsprävention und -therapie verwischt sich – und bietet Chancen für neue Produkte und Dienstleistungen mit Potenzial für den Massenmarkt.

ILLUMINA

Genanalysen in der Hausarztpraxis? Wenn es nach Illumina geht, könnten Variationen des menschlichen Erbguts, die im Verdacht stehen, bestimmte Krankheitsbilder auszulösen, auf diese Weise schon bald wesentlich schneller entdeckt und analysiert werden. Mit seinen Tools für die Genanalyse gibt das kalifornische Unternehmen immer wieder das Innovationstempo in der Firmenname: Illumina, Inc. Medizinaltechnik vor. Durch Land: USA ständige Verbesserungen in Hauptsitz: San Diego Leistung und Datenqualität Marktkapitalisierung (CHF, in Mio.): 5210,34 Umsatz (CHF, in Mio.): 940,93 wurde die Sequenzierung Valorennummer: 1 111 080 – das Auslesen – der DNA URL: www.illumina.com bei sinkenden Kosten dramatisch beschleunigt. In der Hochdurchsatz-Sequenzierung hält Illumina inzwischen einen Marktanteil von rund 60 Prozent – in einem Markt, der noch viele unschätzbare Erkenntnisse und damit Wachstumspotenzial birgt.

Illumina gibt in der Medizinaltechnik immer wieder den Ton an – unter anderem mit Geräten für die schnelle Genanalyse: MiSeq-System.

Fotos: iStockphoto, PR, Bloomberg

Innovations-Wette:

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I

m Bewusstsein hat das Thema Gesundheit längst einen festen Platz. Je älter und wohlhabender die Menschen werden, desto mehr sind sie bereit, in einen gesunden Lebensstil zu investieren. Doch während auf der einen Seite das Gesundheitsbewusstsein zunimmt, setzen mehrere strukturelle Trends die globalen Gesundheitssysteme unter Druck: Neben der Alterung in den Industrieländern und dem Bevölkerungswachstum in den Entwicklungs- und Schwellenländern ist dies vor allem die dramatische Zunahme zivilisatorischer Krankheiten wie Diabetes und Herz-KreislaufErkrankungen, eine Folge der Wohlstandszuwächse und des sesshafteren städtischen Lebensstils. Durch alle diese Entwicklungslinien verändern sich bestehende Märkte, und es entstehen neue Märkte – und damit vielfältige Anlagechancen. Um die ausufernden Gesundheitskosten in den Griff zu bekommen, fördern Regierungen weltweit die präventive Gesundheitsvorsorge und Früherkennung. Zugleich ist eine wachsende Schar kaufkräftiger und gesundheitsbewusster Verbraucher in der Lage und bereit, mehr Geld für eine bessere Ernährung, Körperpflege und Freizeitaktivitäten auszugeben. Die Bedeutung und das Verständnis von Gesundheit weiten sich massiv aus, die Grenzen zwischen Gesundheit und Krankheit, Konsumenten und Patienten verwischen. Neue Produkte, Dienstleistungen und Technologien entstehen und entwickeln sich von der Nische in den Massenmarkt. Mit dem Anlagethema Healthy Living können Anleger grosse Trends in den Bereichen Ernährung, Aktivität, Wohlbefinden und Gesundheit erschliessen, die erst am Anfang ihrer Entwicklung stehen. Das Anlageuniversum umfasst spezialisierte Pharmaunternehmen genauso wie Hersteller gesünderer Nahrungsmittel oder Nahrungsergänzungsmittel, Sportartikelanbieter genauso wie Fitnesszentren, Naturkosmetikhersteller oder Pflegedienstleister. Dabei hat der Trend zum Healthy Living in verschiedenen Gesellschaften ganz unterschiedliche Ausprägungen. Je nach wirtschaftlicher Entwicklung und kulturellen Gegebenheiten stehen die Menschen vor diversen Herausforderungen, wenn es

Trendwender-Potenzial:

um die Verbesserung ihrer Gesundheit und ihres Wohlbefindens geht. Dadurch können Anleger mit einem international ausgerichteten Healthy-Living-Portfolio Chancen in verschiedenen Stadien des wirtschaftlichen Entwicklungsprozesses erschliessen und ihr Risiko streuen. Was diesen Sektor besonders spannend macht, ist die Vielzahl kleiner, erfolgreicher Nischenanbieter. Viele von ihnen sind noch nicht von der breiten Masse der Anleger entdeckt worden und entwickeln sich wesentlich dynamischer als bekannte Börsenschwergewichte. Kein Zweifel: Ein gesunder Lebensstil zahlt sich aus – für jeden Einzelnen und für Anleger, die an einem der grossen Trends unserer Zeit partizipieren wollen. A. B.

Gesamtumsatz Biomarkt Schweiz 2004 bis 2010 1800 1500 1200

Millionen Franken Total Discounter Total Biomarkt 3 2 1 2

7

40

45

Immer mehr Verbraucher sind bereit, mehr Geld für bessere Ernährung, Körperpflege und Freizeitaktivitäten auszugeben.

900 600 300 0

1188

1183

1202 1295 1437 1505 1606

2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 Quelle: Bio Suisse

GREEN MOUNTAIN

Wenn ganz Amerika seine Kaffeetrinkgewohnheiten ändert, könnte das an Green Mountain und seiner Marketing-Erfolgsgeschichte liegen. Auch dank cleveren Partnerschaften mit grossen Namen wie Dunkin Donuts und Starbucks verkauft der Kaffeeröster mehr Kaffeemaschinen seiner Marke Keurig als jeder andere Anbieter auf dem amerikanischen Markt. Und wer erst einmal Firmenname: Green Mountain Coffee eine Keurig-EintassenRoasters, Inc. Land: USA maschine besitzt, zahlt für Hauptsitz: Waterbury die K-cups-Kaffeekapseln Marktkapitalisierung (CHF, in Mio.): 12 896,86 Umsatz (CHF, in Mio.): 1431,92 eine satte Marge. Der darin Valorennummer: 108 923 enthaltene Kaffee stammt zu URL: www.greenmountaincoffee.com grossen Teilen aus Fair-TradeQuellen und biologischer Landwirtschaft. Mit neuen strategischen Partnerschaften und Systemweiterentwicklungen treibt Green Mountain das Wachstum des Eintassenmarktes – und damit das eigene Wachstum – weiter voran.

Green Mountain verkauft in den USA mehr Kaffeemaschinen als jeder andere Anbieter – und heimst für die K-cups-Kaffeekapseln satte Margen ein.

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GESUNDHEIT Corporate-Governance-Champion:

NOVO NORDISK

Mit innovativen Insulinprodukten und Spritzsystemen bekämpft das dänische Pharmaunternehmen Novo Nordisk eine der grossen Zivilisationskrankheiten, die sich gerade in Entwicklungs- und Schwellenländern rasant ausbreitet – Diabetes. Der «Triple Bottom Line»-Ansatz des Unternehmens, der die Berücksichtigung ökonomischer, ökologischer und sozialer Belange und den Firmenname: Novo Nordisk A/S Ausgleich zwischen den Land: Dänemark verschiedenen Stakeholdern Hauptsitz: Bagsvaerd in den Mittelpunkt der Marktkapitalisierung (CHF, in Mio.): 49 942,83 Umsatz (CHF, in Mio.): 11 269,93 Geschäftstätigkeit stellt, Valorennummer: 3 584 831 hat Novo Nordisk frühzeitig URL: www.novonordisk.com als Pionier der Nachhaltigkeit in seiner Branche positioniert. Mit ihrer starken Wettbewerbsposition und Produktpipeline sind die Skandinavier ausserdem in einer idealen Ausgangsposition für die Erschliessung von neuen Märkten und Kundensegmenten.

Emerging-Market-Gewinner:

NATURA COSMÉTICOS

Es könnte der Body-Shop-Erfolg der Emerging Markets werden: Mit zertifizierten Naturprodukten aus einheimischer Produktion bedient Natura Cosméticos, schon jetzt das grösste brasilianische Kosmetikunternehmen, die weltweit wachsende Nachfrage nach Hautpflegeprodukten auf Basis nachhaltig produzierter natürlicher Rohstoffe. Das Unternehmen unterstützt seine Zulieferer Firmenname: Natura Cosméticos S.A. beim Bio-Anbau und fördert Land: Brasilien so die biologische Vielfalt Hauptsitz: Itapecerica da Serra sowie die Pflege lokaler Marktkapitalisierung (CHF, in Mio.): 8346,45 Umsatz (CHF, in Mio.): 3041,59 Traditionen und Kulturen. Da Valorennummer: 1 868 690 die wichtigste Zielgruppe des URL: www.natura.net Unternehmens – Mittelschichtkunden in Brasilien und ganz Lateinamerika — weiterwächst, ist der Wachstumspfad vorgezeichnet. Eine internationale Ausweitung des margenstarken Geschäfts verspricht weiteres Potenzial.

Hautpflegeprodukte auf Basis natürlicher Rohstoffe werden immer beliebter – auch in den Emerging Markets: Mitarbeiterinnen von Natura Cosméticos in Cajamar, Brasilien.

WHOLE FOODS

Was als kleiner Öko-Kaufladen begann, hat sich zum grössten Natur- und Biokosthändler der Vereinigten Staaten gemausert, mit inzwischen über 300 Filialen, darunter auch solche in Kanada und Grossbritannien. Whole Foods hat die Biosparte vom Nischendasein in den Mainstream geführt. Der Erfolg des texanischen Unternehmens hat viele Nachahmer angelockt. Doch das Wachstumstempo, Firmenname: Whole Foods Market, Inc. die Gewinnmargen und der Land: USA Ideenreichtum der Firma Hauptsitz: Austin Marktkapitalisierung (CHF, in Mio.): 9411,40 bleiben unerreicht. Mit ihren Umsatz (CHF, in Mio.): 9504,60 unkonventionellen ManageValorennummer: 98 606 mentmethoden, cleveren URL: www.wholefoodsmarket.com Strategien und innovativen Angeboten profitiert Whole Foods als klarer Platzhirsch am Markt vom weltweit zunehmenden Bewusstsein für gesunde Ernährung und nachhaltige Nahrungsmittelproduktion.

Mit 300 Bioläden in den USA, Kanada und England gibt Whole Foods in der Branche den Takt an: Verkäufer in New York.

Fotos: Bloomberg (3), iStockphoto

Markt-Dominator:

Diabetes breitet sich auch in Entwicklungs- und Schwellenländern aus. Davon profitiert Novo Nordisk mit ihren Insulinprodukten: Labor in Malov, Dänemark.

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KLIMA

Regierungen und Unternehmen arbeiten rund um den Globus, um die Folgen des Klimawandels zu mildern. Dabei entsteht ein riesiger Wachstumsmarkt.

M

it dem Klima ändert sich das globale Wirtschafts- und Investitionsumfeld. Steigende Treibhausgasemissionen führen zu extremen Wetterereignissen, Temperaturveränderungen und dem Anstieg des Meeresspiegels. Stoppen lässt sich diese Entwicklung nicht mehr, begrenzen aber wohl. Ein schnelles Umdenken ist notwendig, da die negativen Folgen der heute emittierten Treibhausgase erst über die nächsten Jahrzehnte voll zum Tragen kommen werden. Durch gezielte Investitionen in Unternehmen, die intelligente Antworten auf die Herausforderung des Klimawandels bieten, können Anleger einen positiven Beitrag leisten – und zugleich ihr Depot wetter- beziehungsweise klimafest machen. Eine aktuelle Studie der Beratungsfirma Mercer zeigt: Anleger riskieren deutlich geringere langfristige Erträge, wenn sie klimabedingte Risiken nicht angemessen berücksichtigen. Durch ein verstärktes Engagement in klimasensitiven Anlageformen können Anleger diese Risiken mindern und neue

Möglichkeiten für CO2-Einsparungen im Haushalt

11%

Beleuchtung

42%

Verbesserte Wärmedämmung

Gefragt sind intelligente Antworten auf die Herausforderungen des Klimawandels – und Anleger, die in diesem Sektor einen positiven Beitrag leisten.

20 %

Verbessertes Energiemanagment

27%

Fensterisolation Quelle: Saint-Gobain, Euro ACE

Chancen nutzen. Regierungen und Unternehmen rund um den Globus müssen riesige Investitionen zur Minderung des Klimawandels, zur Anpassung an Klimaveränderungen und zur Reaktion auf die Folgen des Klimawandels tätigen. Verbunden mit den steigenden Rohstoffpreisen und verschärften •

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KLIMA Innovations-Wette:

CATCH THE WIND

Das junge amerikanische Unternehmen Catch the Wind schickt sich an, den Windenergiemarkt voranzutreiben: mit seinem Lasersystem Vindicator zur Vermeidung einer Fehlausrichtung von Windanlagen. Das direkt auf der Turbine angebrachte Gerät misst Windgeschwindigkeiten und -richtung in bis zu 300 Metern Entfernung und ermöglicht die automatische Anpassung Firmenname: Catch the Wind Ltd. der Turbinenausrichtung. Land: USA Das Ergebnis: eine verbesserte Hauptsitz: Manassas Marktkapitalisierung (CHF, in Mio.): 19,52 Leistung sowie geringere Umsatz (CHF, in Mio.): 4,58 Belastungen für die Turbinen Valorennummer: 1 483 995 und damit eine längere URL: www.catchthewindinc.com Lebensdauer der Anlagen und geringere Wartungskosten. Mit einer in Testläufen erzielten Leistungssteigerung um 14 Prozent könnte Vindicator massgeblich dazu beitragen, die Windenergie zu einer konkurrenzfähigen Energiequelle zu machen.

Das Lasersystem von Catch the Wind misst Windgeschwindigkeiten und -richtung und ermöglicht dadurch die optimale Ausnutzung der Windenergie: der Vindicator.

WATERFURNACE RENEWABLE ENERGY

Trendwender-Potenzial:

• Umweltschutzgesetzen eröffnet dieser Investitionsbedarf neue Geschäftschancen für Unternehmen, die umweltfreundliche Produkte, Technologien und Dienstleistungen entwickeln und dazu beitragen, unser physisches Umfeld an die neuen klimatischen Bedingungen anzupassen und unvermeidbare Schäden zu beheben. Dadurch entsteht eine Vielzahl von Anlagemöglichkeiten von der CO2-armen Energieerzeugung bis zur Abscheidung und Speicherung von CO2, von klimafreundlicheren Produktionsprozessen bis zu intelligenten Stromnetzen, von Biotreibstoffen bis zu Elektro- und Hybridfahrzeugen, von dürreresistentem Saatgut bis zur nachhaltigen Forst- und Wasserwirtschaft. Auch der immer häufigere Wiederaufbaubedarf nach klimabedingten Naturkatastrophen eröffnet neue Geschäftschancen für Bau-, Transport- und Entsorgungsunternehmen.

Selbst in kleinsten Haushalten lässt sich Erdwärme gewinnen für Heizung, Kühlung oder die Ventilation von Räumen – mit Wärmepumpen von WaterFurnace Renewable Energy.

Das wohl grösste Potenzial aber bietet die Energie, die gar nicht erst verbraucht wird: Unter dem Stichwort Energieeffizienz finden Anleger intelligente Energiesparlösungen wie die StartStop-Technologie für Autos, innovative Gebäudedämmung oder LED-Beleuchtung. Sie alle zeigen, dass wir den Wohlstand auch mit wesentlich weniger Energie langfristig, sauber und kostengünstig sichern können. Kein Zweifel: Unser Leben und unseren Alltag wird der Klimawandel in den nächsten Jahrzehnten ganz entscheidend beeinflussen. Zu einem Katastrophenszenario muss es aber nicht führen. Der Klimawandel ist schlicht und einfach die nächste globale Herausforderung, die Anbietern innovativer Lösungen in allen Wirtschaftsbereichen neue Chancen eröffnet. Mit umsichtigen Investitionen können Anleger zur Bewältigung dieser Herausforderung beitragen und zugleich attraktive langfristige Anlageerträge erwirtschaften. A. B.

Fotos: PR

So unkompliziert kann nachhaltige Energieerzeugung sein: Mit den in kleinsten Haushaltgrössen erhältlichen Wärmepumpen von WaterFurnace Renewable Energy lässt sich Erdwärme ganz einfach für Heizung, Kühlung oder Ventilation von Räumen nutzen. Die innovative Technologie ist effizienter und kostengünsFirmenname: WaterFurnace Renewable tiger als konventionelle Energy, Inc. Land: USA Anlagen und von der ameriHauptsitz: Fort Wayne kanischen Umweltbehörde Marktkapitalisierung (CHF, in Mio.): 195,36 Umsatz (CHF, in Mio.): 144,13 EPA als umweltfreundlichstes Valorennummer: 4 321 321 Heiz- und Kühlsystem URL: www.waterfurnace.com empfohlen. In den meisten Fällen kann sie die Energiekosten um 40 bis 70 Prozent senken und die Treibhausgasemissionen minimieren. Noch haben Wärmepumpen nur einen geringen Anteil am Markt für Heiz- und Klimaanlagen. Mit den Produkten von WaterFurnace könnte das Bild schon in wenigen Jahren ganz anders aussehen.

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Corporate-Governance-Champion:

JOHNSON CONTROLS

Mit Produkten, die in Millionen von Fahrzeugen, Haushalten und Gebäuden auf der ganzen Welt zu finden sind, trägt der diversifizierte Technologieanbieter Johnson Controls zu einer verbesserten Energieeffizienz und Ressourcenschonung bei. Nachhaltige Ansätze verfolgt das amerikanische Unternehmen auch im eigenen Haus, mit höchsten Corporate-GovernanceFirmenname: Johnson Controls, Inc. Standards, transparenten Land: USA Strukturen und einer von Hauptsitz: Milwaukee Integrität geprägten Marktkapitalisierung (CHF, in Mio.): 17 429,24 Umsatz (CHF, in Mio.): 36 172,80 Unternehmenskultur. Valorennummer: 943 975 Anlegerinnen und Anlegern URL: www.johnsoncontrols.com eröffnet Johnson Controls mit ihrem innovativen und breit gefächerten Produktspektrum Zugang zu langfristigen Nachhaltigkeitstrends – durch ein Investment in ein nachhaltig geführtes und damit langfristig wirtschaftlich erfolgversprechendes Unternehmen.

Emerging-Markets-Gewinner:

OWENS CORNING

Dieses Fortune-500-Unternehmen rollt die Schwellenmärkte auf mit Verbundstoff- und Glasfasertechnologien, die als leichtere, zugfestere, nicht leitende und korrosionsresistente Alternative zu traditionellen Materialien zunehmend gefragt sind. Mit ihren innovativen Lösungen, die in mehr als 40 000 Anwendungen zum Einsatz kommen, trägt Owens Corning zur Senkung des Firmenname: Owens Corning Energieverbrauchs und der Land: USA CO2-Emissionen bei und Hauptsitz: Toledo erschliesst vielversprechende Marktkapitalisierung (CHF, in Mio.): 2884,91 Umsatz (CHF, in Mio.): 5208,25 neue Märkte wie den Valorennummer: 2 718 263 chinesischen WindenergieURL: www.owenscorning.com markt. Damit ist das amerikanische Unternehmen ideal aufgestellt, um von der weltweiten und vor allem in den dynamischen Schwellenländern zunehmenden Fokussierung auf Energieeffizienz und eine saubere Energieerzeugung zu profitieren.

Markt-Dominator:

Johnson Controls ist Spezialist für verbesserte Energieeffizienz und Ressourcenschonung: Das Power-Frame-System nutzt Autobatterien besser aus und reduziert Emissionen.

Mit Verbundstoff- und Glasfasertechnologie senkt Owens Corning den Energieverbrauch – und erschliesst damit neue Märkte wie den chinesischen Windenergiesektor.

TERNA

Wenn sich Italiens Wirtschaft und Einwohner auf irgendetwas verlassen können müssen, ist es der Service des nationalen Stromversorgers Terna. Terna ist Haupteigentümerin des italienischen Hochspannungsnetzes und damit für die Kontinuität und Sicherheit der landesweiten Stromübermittlung verantwortlich. Als unabhängiges Unternehmen ist Terna in einer aussergewöhnlich komfortabFirmenname: Terna len Situation. Investoren Land: Italien bietet Terna nicht nur ein Hauptsitz: Rom Marktkapitalisierung (CHF, in Mio.): 5879,84 hohes Mass an Sicherheit und Umsatz (CHF, in Mio.): 2117,07 eine solide Dividendenrendite Valorennummer: 1 874 578 zusammen mit einer nachhalURL: www.terna.it tigen Unternehmensstrategie, sondern auch attraktive Wachstumschancen – zum Beispiel in der Solarenergieerzeugung oder Energiespeicherung, wo sich die Firma verstärkt engagieren will.

Italiens nationaler Stromversorger Terna engagiert sich in der Solarenergie und Energiespeicherung: Elektrostation.

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INTERVIEW

«WIR TRAGEN NICHT BIRKENSTOCK»

Michael Baldinger, Chef der Investmentboutique SAM, über knappe Ressourcen und nachhaltige Investments, die überdurchschnittliche Rendite abwerfen. STEFAN BARMETTLER INTERVIEW / SASKJA ROSSET FOTOS

Fukushima, Eurokrise, Staatsverschuldung – globale Dramen sind gut für Ihr Geschäft, richtig? Wie kommen Sie drauf? In unsicherer Zeit halten Investoren Ausschau nach nachhaltigen Anlagen. Fukushima war primär eine Katastrophe für Japan, aber sie hat breite Kreise sensibilisiert. Das Volumen nachhaltiger Investments wächst nicht erst seit ein paar Monaten, dieser Trend hält seit Jahren an. Also doch kein Krisengewinnler? Überhaupt nicht. SAM wurde 1995 gegründet, seither identifizieren wir Zukunftsprobleme und befassen uns mit der Energiekrise, der Wassernot oder dem Klimawandel. Als Pionier und fokussierte Investmentboutique haben wir in diesen Themen starke Analysekraft und investieren mit unseren Fonds in Lösungsanbieter. Als Asset Manager sind aber auch wir von den Verwerfungen der aktuellen Finanzkrise betroffen. Inwiefern? Einerseits schwächeln die Märkte, die Kundschaft ist zurückhaltend. Andererseits fallen unsere Kosten zu 90 Prozent in der Schweiz an, die Erträge generieren wir zu 90 Prozent im Ausland. Nachhaltigkeit wird von vielen Firmen nur als PR-Instrument verstanden. Vor zehn Jahren war es wohl so. Da dachte die eine oder andere Firma: Ein Biostempel im Zeugnis schadet nicht.

Ist es heute anders? Viele Firmen haben einen Lernprozess hinter sich. Novartis, Nestlé oder andere Konzerne nehmen das Thema ernst, weil sie gemerkt haben, dass es die eigene Innovationskraft fördert, die Risiken minimiert, Ressourcen und Kosten spart. Heute sind in Konzernen 40 bis 50 Spezialisten ausschliesslich mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigt. Ziel ist es, Mehrwert für alle Stakeholder zu schaffen – vor allem für die Aktionäre. SAM spielt dabei eine wichtige Rolle. Inwiefern? Indem wir Firmen für den Dow Jones Sustainability Index (DJSI) bewerten, benoten und Firmen durch unsere Nachhaltigkeitsprüfungen auf Aspekte aufmerksam machen, die sie vorher nicht kannten. Vor fünf Wochen war ich in Japan, wo wir die SAM Awards vergeben haben. Da war Corporate Japan im Saal, Topmanager von Hitachi, Toyota, Panasonic oder Fujifilm. Anschliessend kamen sie zu mir und dankten dafür, dass wir ihre Firmen profitabler machen.

Die Grundsätze der Nachhaltigkeit, gerade im Bereich Corporate Governance, sind das eine, das andere ist die Durchsetzung. Wie soll das geschehen? Da ist meine Meinung klar: top-down. Das Senior Management muss entsprechende Impulse geben und diese Themen in der Firma durchsetzen, vorleben. Und wie wollen Sie denn soziale Verantwortung messen? Wir haben genügend Erfahrungswerte, um Firmen und Branchen vergleichen zu können. Wir haben bei Hunderten von Firmen sehr gute und langfristige Datensätze: Firmen, die bei unserem Corporate Sustainability Assessment für den DJSI mitmachen, müssen über 100 Fragen beantworten, bezüglich CO2-Emissionen, Ressourcenverbrauch, Governance-Struktur oder Mitarbeiter-, Talent- und Innovationsentwickung. Diese Daten fliessen in unsere Analysen ein. Ohne Nachhaltigkeitsanalyse und ohne Extra-Financials sind Unternehmensanalysen heute unvollständig.

Von der Wall Street nach Zürich

Michael Baldinger (44) ist seit 2009 bei der Investmentboutique SAM und seit 2010 deren CEO. Zuvor arbeitete er während 15 Jahren an der Wall Street, zuerst bei Bear Stearns & Co., danach für das Asset Management der Credit Suisse. Seine Karriere begann er bei der CSFB in Zürich, bei der er für den Auslands­ aktienhandel verantwortlich war. Baldinger ist verheiratet und hat vier Kinder.

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«Ich frage mich, wie lange es sich Pensionskassen noch leisten können, nicht nachhaltig zu investieren»: Michael Baldinger.

Wir haben dazu die Studie «Alpha durch Nachhaltigkeit» gemacht. Die nachhaltigsten Firmen erzielen gegenüber der Grundgesamtheit eine Überperformance von 1,74 Prozent pro Jahr, die am wenigsten nachhaltigen Firmen verlieren gegenüber der Grundgesamtheit 1,87 Prozent pro Jahr. Konkret: Die Mehrheit unserer Fonds liefert seit der Lancierung eine positive Performance und outperformt die Benchmark. Würde es die Firma SAM auch auf einen Spitzenplatz im Dow Jones Sustainability Index schaffen? Jedenfalls servieren wir unseren Gästen kein Mineralwasser aus Fiji, sondern aus Vals. Ernsthaft: Wir waren 2001 in der Schweiz die erste Firma, die CO2neutral war. Unsere Bürostühle sind aus rezykliertem Altstoff, beim Gebäude setzen wir auf ein energieeffizientes Beleuchtungs- und Heizkonzept, in der Stadt auf den Velokurier, bei Events auf lokale Nahrungsmittel. Kürzlich liessen wir eine Selbstanalyse machen: Für eine kleine Firma schnitten wir sehr gut ab. Wie nachhaltig lebt Michael Baldinger selber? Ich steige in der Freizeit aufs Rennvelo, treibe Sport. Beim Konsumieren macht es einem die Schweiz einfach: In der Migros, im Coop oder bei anderen Anbietern gibt es ein breites Sortiment an biologischen Lebensmitteln aus der Region. Schliessen Sie Sektoren oder Firmen aus, wenn sie in der Atom- oder Waffenindustrie aktiv sind? Wenn man Sektoren ausschliesst – Atom, Öl- oder Tabakindustrie –, verpasst man eine Chance. Unser Ansatz ist es, auch diese Branchen für das Thema Nachhaltigkeit zu gewinnen und im Dialog eine Verbesserung hinzukriegen. Es soll ein Wettbewerb um einen Platz im DJSI entstehen – in allen Sektoren. Dass sich auch Firmen aus kontroversen Industrien verbessern wollen und müssen, kann nur im Sinne aller sein. Funktioniert dies tatsächlich?

Wir haben intensiv mit Bergbaufirmen zusammengearbeitet. Ein Sektorausschluss brächte diese Firmen nicht weiter, und sie hätten keinen Anreiz, sich zu verbessern, um in den prestigeträchtigen Dow Jones Sustainability Index aufgenommen zu werden. Und dann gibt es andere, bei denen wir keine positive Entwicklung sehen. Die schaffen es nicht in den DJSI; Investoren wenden sich deshalb von diesen Unternehmen ab – etwa der AHV-Ausgleichsfonds. Sie behaupten, es gebe eine positive Korrelation zwischen Performance und Nachhaltigkeit. Zahlen, bitte.

Fahren Sie mit dem öV zur Arbeit? Täglich in der Stadt Velo zu fahren, wäre mir als vierfachem Familienvater zu gefährlich. Je nach Arbeitszeit bin ich im Auto oder im Zug unterwegs. Mit Beiträgen ans öV-Ticket fördern wir das Umsteigen der Mitarbeitenden. Sie arbeiteten an der Wall Street. Wie sehen Ihre alten Arbeitskollegen Ihr Engagement für Nachhaltigkeit? Als ich vor zweieinhalb Jahren bei SAM anfing, wussten die Kollegen, dass diese Firma einen speziellen Ansatz verfolgt. Sie gehörte zu den ersten, die •

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INTERVIEW Absolut. In Europa hat sich der Markt für nachhaltige Investments zwischen 2008 und 2010 nahezu verdoppelt. Gerade Pensionskassen in den USA oder Staats­ fonds in Asien investieren immer stärker in diesen Bereich. Langfristig denkende Family Offices entdecken den attraktiven Wachstumsmarkt ebenfalls und wollen heute schon in Lösungen investieren.

einen nachhaltigen Wasserfonds lancierten. Mittlerweile ist weit herum bekannt, dass wir nicht mit Birkenstock­ sandalen herumlaufen, sondern ein er­ folgreicher Asset Manager sind, der in­ klusive Lizenzen 13 Milliarden Franken verwaltet. Wir sind Anlageprofis, die in der Finanzanalyse die Fachkompetenz von Agrarökonomen, Chemikern, Inge­ nieuren und Biologen paaren. Uns geht es um Performance.

Ihr Sustainable Water Fund hat 2010 über 15 Prozent verloren. Enttäuscht? Ja, aber wir können uns dem Sog der Weltmärkte nicht vollständig entziehen. Seit der Lancierung 2001 sind Kunden netto immer noch mit 31 Prozent im Plus. Wasser wird ein starkes Anlagethe­ ma bleiben. Letztes Jahr lag das Markt­ volumen bei rund 480 Milliarden Dollar. Wir rechnen über die nächsten fünf Jah­ re mit jährlich 6,2 Prozent Wachstum. Und danach? Wir erwarten, dass der globale Wasser­ verbrauch im Jahr 2030 – ohne Gegen­ massnahmen – bei rund 6500 Kubik­ kilometern liegen wird. Daraus ergäben sich erhebliche Versorgungslücken. Des­ halb ist bereits jetzt ein nachhaltiger Umgang auf allen Stufen der Wasser­ wirtschaft gefordert. Unternehmen, die Technologien zur effizienteren Nutzung anbieten, können da helfen und werden zugleich profitieren. Wir sind jetzt schon in diese investiert. Eines Ihrer Anlagethemen ist Healthy Living. Wie wollen Sie mit Übergewichtigkeit Geld verdienen? Der Kalorienkonsum steigt seit Jahren in vielen Ländern, speziell in den USA, in Europa, auch in China. Übergewicht ist eine Belastung für das Gesundheits­ wesen, das uns immer teurer zu stehen kommt. Hier setzen wir an, indem wir auf kalorienarmes Stevia als Süssungs­ mittel setzen, auf sportliche Freizeit­ aktivitäten, auf Effizienzsteigerungen im Gesundheitswesen, auf Prävention und Diagnose. Hier zeigen sich viele attraktive Investitionsmöglichkeiten. Welche neuen Themen sehen Sie am Anlagehorizont? Food and Agriculture, das heisst die Ernährungsthematik, werden an Bedeu­

Family Offices gelten als konservativ. Nicht mehr, da ist jetzt eine jüngere Generation, die zweite oder dritte, am Ruder. Sie denkt progressiv, in Asien wie in Europa. Kürzlich wurden wir von 19 Family Offices aus Hongkong ein­ geladen, um über nachhaltiges Inves­ tieren zu reden. Das Interesse ist enorm gestiegen.

«Es geht nicht um ein grünes Mäntelchen, sondern um messbare Rendite.» tung zulegen. Das Thema Nahrungsmit­ telsicherheit ist in China zentral. Heute kauft China in Afrika riesige Ländereien zusammen, zieht darauf Agrarprodukte, die in Peking oder Shanghai gegessen werden. Nachhaltig ist das nicht. Die Zeit ist reif für eine nachhaltige Landwirt­ schaft. Unternehmen, deren Produkte, Technologien und Dienstleistungen zur Durchsetzung nachhaltiger Agrar­ praktiken beitragen, werden von dieser Neuausrichtung profitieren. Und sonst? Auch in der Wasser­ und Stromnetz­ infrastruktur sehen wir Anlagemöglich­ keiten, gerade in den USA, wo es einen enormen Nachholbedarf gibt. Und klar: Ohne erneuerbare Energien wird es irgendwann dunkel. Das wird niemand zulassen, und darum investieren wir be­ reits heute in smarte Energiegewinnung. Wird das Wachstum anhalten?

In der Schweiz auch? Grundsätzlich ja. Die unternehmerische Nachhaltigkeit ist stark verankert. Diver­ se Firmen sind diesbezüglich weltweit führend. Roche oder Swiss Re gehören zu den globalen Superstars. Doch viele institutionelle Schweizer Anleger tun sich mit der Berücksichtigung von Nach­ haltigkeitsfaktoren im Anlageportfolio noch schwer. Weshalb? Es ist noch nicht überall verstanden wor­ den, dass eine integrale Betrachtung von Unternehmen zu informierteren An­ lageentscheiden führt. Ich frage mich, wie lange Pensionskassen es sich noch leisten können, nicht nachhaltig zu in­ vestieren. Das Thema wird von Institutionellen ignoriert? Nicht von allen. Aber andere Länder sind viel weiter als die Schweiz, etwa die öf­ fentlichen Pensionskassen in den USA oder in Skandinavien. Selbst die Chine­ sen sind gegenüber diesem Anlagethema viel offener. Woran liegt es? Vielleicht machen wir und andere, die sich mit dem Thema beschäftigen, kei­ nen genügend guten Job. Vielleicht sind die Investoren hier zu konservativ oder zu indexfokussiert. Wie gesagt, es geht nicht darum, sich als Investor ein grünes Mäntelchen umzuhängen, sondern um messbare Rendite. •

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