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Das Mitgliedermagazin der Arbeiterwohlfahrt Landesverband Thüringen Ausgabe 59 / 09.2011

informativ /

rubrik /

schwerpunkt /

Fachkraft gesucht

partner /

Urlaub für pflegende Angehörige vorgestellt /

Der AWO Kreisverband Gotha engagiert /

Schulstarter 2011

Rubrik / informativ 3.10

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editorial

inhalt / 4

schwerpunkt / Fachkraft dringend gesucht

Uwe Kramer, Geschäftsführer des AWO-Arbeitgeberverbandes im Interview

6 schwerpunkt / Deutschland gefällt mir

Interview mit Krankenschwester Tatjana Marenkova aus Lettland

8 awo vor ort / Ferien in den AWO-Jugendcamps Ulf Grießmann AWO-Landesgeschäftsführer

Liebe AWO-Freundinnen und -Freunde,

Ferienfreizeiten des Landesjugendwerkes in Naundorf und Dörnfeld

10 projekt / Kleine Forscher und Entdecker Unterwegs mit der Waldgruppe der Erfurter Kita „Am Fuchsgrund“

unsere erste AWO Informativ, die wir auf dem Postweg als Mitgliederzeitschrift versendet haben, ist offenbar gut angekommen. Wir haben sehr viele positive Rückmeldungen erhalten, für die ich mich herzlich bedanke. In der aktuellen Ausgabe beschäftigen wir uns schwerpunktmäßig mit einem Thema, das die AWO stark bewegt: Die fehlenden Fachkräfte in den Erzieherberufen, vor allem aber in der Altenpflege. Wir haben dazu mit Uwe Kramer, dem Geschäftsführer des Arbeitgeberverbandes der AWO Thüringen gesprochen und stellen Ihnen Tatjana Marenkova vor, eine Krankenschwester aus Lettland, die inzwischen in Erfurt arbeitet. Für die Sozialwirtschaft ist der Fachkräftebedarf derzeit eines der wichtigsten Probleme. Dabei haben wir bereits viel getan. Die AWO bildet aus, wie kaum ein anderer Verband. Die Personalentwicklung in vielen AWO Unternehmen ist vorbildlich. Aber allein werden wir der doppelten demografischen Zange aus steigenden Zahlen von Pflegebedürftigen bei einer gleichzeitig sinkenden Anzahl von potenziellen Pflegekräften nicht Herr werden. Die Politik ist gefragt, zum Beispiel bei der Frage der Umschulung zur Pflegefachkraft, die wieder voll von den Arbeitsagenturen übernommen werden muss. Auch der Abbau von Bürokratie würde den Beruf attraktiver machen und darüber hinaus wertvolle Ressourcen für die Pflege freisetzen. Weitere Themen im AWO Informativ sind ein Urlaubsangebot für pflegende Angehörige im Ferienzentrum Oberhof und Projekte der Integrativen Kita „Sonnenland“ aus Saalfeld und die Entdeckergruppe der Kita „Am Fuchsgrund“ aus Erfurt. Außerdem stellen wir Ihnen diesmal den Kreisverband Gotha etwas genauer vor und schauen zurück auf die Ferienfreizeiten des AWO Jugendwerkes in den Sommerferien. Viel Spaß beim Lesen wünscht

Ihr Ulf Grießmann

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informativ 9.11 / editorial

12 partner / „Weggeben hätten wir sie nicht können“ Urlaub für pflegende Angehörige bei der AWO SANO in Oberhof

14 engagiert / Ehrenamtliche im Landtag

Die AWO Thüringen beim Tag der offenen Tür im Landtag

15 engagiert / Schulstarteraktion Sterntalerfonds rüstet Schulanfänger aus

16 awo vor ort / Kinder aus Tschernobyl zu Besuch Engagement des Ortsvereins Gößnitz

16 awo vor ort / „Wünsch Dir WAS!“ Filmprojekt des Therapie- und Förderzentrums

18 vorgestellt / Der AWO Kreisverband Gotha e. V. Fakten, Informationen und Anekdoten rund um den AWO-Kreisverband

21 landesjugendwerk / Aktion „5für20!“ in Lauscha Urlaub für bedürftige Kinder

23 kurz notiert / impressum

Rund 200.000 Besucher konnten die AWO beim Thüringentag in Gotha erleben Seite 11


awo intern /

Den sozialen Zusammenhalt stärken Landesausschuss der AWO tagt in Oberhof Die Gäste waren hochkarätig. Neben dem AWO Bundesvorsitzenden Wolfgang Stadler war auch Paul Saatkamp, Vorstandsmitglied bei AWO International zum diesjährigen Landesauschuss der AWO Thüringen ins AWO Sano Ferienzentrum nach Oberhof gekommen. Der Landesauschuss ist nach der Landeskonferenz das zweithöchste Beschlussorgan der AWO Thüringen und tagt einmal im Jahr. Das Thema sozialer Zusammenhalt war diesmal die Klammer der gesamten Veranstaltung und ist auch das zentrale Thema der AWO: „Egal ob Pflege, frühkindliche Bildung oder Hilfe für sozial Schwache, unsere Aufgabe ist es, durch Solidarität und die Schaffung von gleichen Chancen zu einer gerechten Gesellschaft beizutragen“, so Stadler während seiner Rede. „Und zwar Solidarität, die nicht auf einem Gedanken der Mildtätigkeit fußt, sondern auf einem berechtigten Anspruch eines jeden Menschen auf eine angemessene soziale Teilhabe.“ Dazu gehöre auch, dass gesellschaftliche Lasten gerecht verteilt werden und freiwilliges Engagement, zum Beispiel durch Freiwillige oder Ehrenamtliche, angemessen gewürdigt und gefördert wird. Damit die AWO diesem Anspruch auch in Zukunft gerecht werden kann, brauche es sowohl aktive Mitgliederverbände als auch professionelle AWO Unternehmen, die qualitativ hochwertige soziale Dienstleistungen auch bei knapper werdenden öffentlichen Haushaltslagen anbieten können. Gerade in Thüringen sei die AWO für diesen oft schwierigen Spagat gut aufgestellt, wie auch der Rechenschaftsbericht des AWO Landesverbandes gezeigt habe. Ein Beispiel, wie gut die Zusammenarbeit zwischen Verband und Unternehmen dabei funktionieren kann, sind die Ferienfreizeiten des Landesjugendwerkes, von denen Tim Nothnagel und Sandra Große, die Vorsitzenden des Landesjugendwerkes der AWO Thüringen, berichteten. Neben zahlreichen „normalen“ Feriengästen konnten auch viele AWO-

Der AWO-Bundesvorsitzende Wolfgang Stadler (r.) mit dem AWOLandesvorsitzenden Werner Griese und der stellvertretenden AWOLandesgeschäftsführerin Sonja Tragboth Mitarbeiterkinder hier ihre Ferien verbringen. Finanziell unterstützt wurde das zum Beispiel durch die AWO AJS gGmbH, die Trägergesellschaft des AWO Landesverbandes. Paul Saatkamp berichtete im Anschluss über die Tätigkeiten von AWO International. Aktuell liegt der Schwerpunkt der Arbeit darauf, die Hungerkatastrophe in Ostafrika zu überwinden. So wurden in Nakururum, im äußersten Nordwesten Kenias, gemeinsam mit den Johannitern Nahrungsmittel an 335 Familien verteilt. 500 Menschen wurden medizinisch versorgt. AWO International ist der Fachverband der Arbeiterwohlfahrt für Humanitäre Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit. In Asien und Mittelamerika organisiert AWO International zusammen mit lokalen Partnerorganisationen Projekte, um benachteiligte Menschen zu stärken. Hilfe zur Selbsthilfe ist dabei das Konzept und eine nachhaltige Entwicklung das Ziel. Die diesjährige Landesausschusssitzung fand im AWO SANO Ferienzentrum in Oberhof statt

Lesermeinung: Die Redaktion erreichte zahlreiche Leserpost, über die wir uns sehr gefreut haben. Eine Meinung von Gerda Hüttel aus Coburg soll hier gedruckt werden: „Hoppla - AWO informativ - auch im Ruhestand kann ich jetzt erfahren, was die AWO (wo ich sehr gerne tätig war) bewegt, verändert und erneuert. Toll – Danke dafür. Herzliche Grüße an den Verantwortlichen Herrn Grießmann und das ganze AWO-Team. Freundliche Grüße und eine gute Zeit wünscht Gerda Hüttel

awo intern / informativ 9.11

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schwerpunkt /

Fachkraft dringend gesucht Die deutsche Bevölkerung wird immer älter, die Zahl derjenigen, die im Alter auf eine professionelle Pflege angewiesen sind, steigt. Doch in Deutschland fehlen die Pflegefachkräfte. Bereits heute wird bundesweit von etwa 30.000 Stellen ausgegangen, für die Fachkräfte fehlen. Dabei wächst die Pflegebranche rasant. Allein 2008 und 2009 wurden 80.000 neue Stellen geschaffen. Insgesamt arbeiten fast eine Million Deutsche in einem Pflegeberuf. Durch den demografischen Wandel wird sich der Stellenbedarf in den nächsten Jahrzehnten verdoppeln.

tigen stehen potenziell immer weniger junge Menschen gegenüber, die sie pflegen können. Dieser Trend wird sich in den kommenden Jahren eher noch verschärfen. Die Politik muss sich dieses Themas jetzt dringend annehmen, sonst haben wir in ein paar Jahren ein Riesenproblem.

Das klingt alarmierend. Was tut die AWO, um diese Situation zu verbessern? Das Problem haben wir schon seit einigen Jahren erkannt und wir sind auch bereits an vielen Stellen aktiv geworden. Der AWO Landesausschuss hat die Befriedigung des Fachkräftebedarfs zum wichtigsten strategischen Unternehmensziel erklärt und entsprechende Maßnahmen beschlossen. Im Prinzip konzentrieren wir uns auf drei Säulen. Eine verstärkte Ausbildung, die Fachkräftegewinnung in den AWO Unternehmen durch Anreize zur Fort- und Weiterbildung und die Verbesserung aller Maßnahmen zur externen Personalgewinnung, dazu gehört auch die punktuelle und gezielte Integration ausländischer Fachkräfte.

Uwe Kramer, Geschäftsführer des Arbeitgeberverbandes der AWO Thüringen AWO Informativ hat darüber mit Uwe Kramer, dem Geschäftsführer des Arbeitgeberverbandes der AWO gesprochen.

Derzeit wird viel vom Fachkräftemangel in Deutschland gesprochen. Gemeint sind damit jedoch vor allem Ingenieure, Ärzte oder Computerspezialisten. Wie sieht es in der AWO und der Sozialbranche aus? Im Moment haben wir hauptsächlich zwei Baustellen. Erzieherinnen und Pflegefachkräfte. Erzieherinnen suchen wir durch den verbesserten Betreuungsschlüssel im Zuge des neuen Kindertagesstättengesetzes. Dadurch konnten in den letzten beiden Jahren landesweit mit einem Schlag über 2.000 zusätzliche Kindergartenerzieherinnen eingestellt werden. Schwierig ist das besonders in den Ballungsräumen, wo viele Kindergärten zeitgleich Personal suchen. Diese Situation wird sich aber in den kommenden Monaten und Jahren wieder deutlich entspannen. Bei den Pflegefachkräften ist das etwas anders. Der steigenden Zahl an Senioren und damit der steigenden Anzahl an Pflegebedürf-

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informativ 9.11 / schwerpunkt

Auszubildende der AWO AJS gGmbH

Stichwort Nachwuchs. Gerade hat ja ein neues Ausbildungsjahr begonnen. Wie gewinnt die AWO junge Menschen für den Pflegeberuf? Wir sind auf den regionalen und überregionalen Ausbildungsmessen stark präsent. Im letzten Jahr waren wir auf mindestens 20 solcher Messen. Alle unsere Azubis haben vom ersten Tag an eine schriftliche Übernahmegarantie, wenn die Leistungen stimmen. Aber wir setzen sogar noch früher an. Wir arbeiten mit Schulen zusammen, bieten Praktika und Schnuppertage, um Berührungsängste abzubauen und für die Chancen und schönen Seiten des Berufs


statement

Altenpfleger zu werben. Erste Früchte zeigen sich bereits: Wir haben die Zahl unserer Ausbildungsplätze in den letzten Jahren mehr als verdoppelt. Insgesamt sind bei der AWO Thüringen ab diesem Jahr fast 200 Azubis beschäftigt.

Seit dem 1. Mai gilt auch in Deutschland die Arbeitnehmerfreizügigkeit. Können Pflegefachkräfte aus Osteuropa das Problem lösen? Viele hatten ja befürchtet oder mancher vielleicht auch gehofft, dass ab dem 1. Mai Millionen Fachkräfte aller Branchen nach Deutschland strömen. Das ist offensichtlich nicht passiert. In der Pflege gilt aber: Wir brauchen eine gezielte Zuwanderung gut ausgebildeter ausländischer Fachkräfte. Wir haben inzwischen erste Erfahrungen mit Krankenschwestern aus Lettland gemacht. Und ich kann nur sagen, die Kollegen in den Einrichtungen, aber vor allem auch die Bewohner, waren sehr angetan. Allerdings muss man klar sagen: Ausländische Fachkräfte können uns punktuell helfen. Flächendeckend werden sie unseren Fachkräftebedarf nicht decken.

Aber es gibt doch auch trotzdem noch viele Arbeitslose in Deutschland? Was ist mit der Umschulung? Wir schauen im Moment sehr intensiv in der AWO und bieten unseren Mitarbeitern Weiterbildungen an. Auch der Tarifvertrag fördert das Thema Qualifizierung sehr stark. Daneben setzen wir weiter auf Umschulungen, auch wenn die Förderung für das dritte Jahr bei solchen Maßnahmen ausgesetzt wurde. Das halte ich im Übrigen für ein Riesenproblem. Bei den Arbeitslosen wird teilweise völlig am Bedarf vorbei qualifiziert: Wir brauchen aber keine Umschulungen zu Floristinnen mehr. Wir brauchen Pfleger.

Den Tarifvertrag haben Sie gerade schon angesprochen. Welchen Beitrag leistet die Tarifpolitik der AWO zur Fachkräftesicherung? Unsere derzeitigen Tarifverhandlungen haben die Fachkräfteproblematik stark im Blick. Ich denke, hier wird es sehr positive Veränderungen geben. Die Verhandlungen sind jedenfalls sehr weit. Pflegefachkräfte und Erzieherinnen werden zum Beispiel eine besondere Berücksichtigung erfahren. Außerdem gibt es ja seit 2011 bereits einen Zusatztarifvertrag zur Qualifizierung. Damit wollen wir auch finanzielle Anreize an der richtigen Stelle setzen.

Fachlichkeit und Herzblut Ein Kommentar von Werner Griese Es wird die Reform der Reform der Reform. Mal wieder will die Bundesregierung eine Pflegereform anschieben, auch wenn wir inzwischen seit einigen Monaten darauf warten. Und tatsächlich wäre es an der Zeit, sich dem Thema zu widmen. Die Deutschen werden immer älter, die Zahl der Pflegebedürftigen steigt, Fachkräfte fehlen allerorts. Allerdings ist das, was da bisher aus Berlin zu hören war, nur wenig verheißungsvoll. Dem FDP Gesundheitsministerium geht es offensichtlich hauptsächlich darum, die Pflege zu privatisieren. Heißt im Klartext: Die Arbeitnehmer sollen allein für die steigenden Kosten der Pflegeversicherung aufkommen. Für mich und die AWO ist das keine Lösung. Wir werden alle älter und deswegen müssen wir diese gesellschaftlichen Lasten auch solidarisch auf alle Schultern verteilen. Überhaupt wird mir bei der Pflege zu viel über Probleme und zu wenig über die positiven Seiten gesprochen. Die Pflege ist seit Jahren einer der wichtigsten Jobmotoren, gerade in strukturschwachen Regionen. Und wer wie ich viel in den Pflegeheimen der AWO unterwegs ist, wird schnell merken, welch hohe Fachlichkeit und Professionalität dort herrscht. Und mit welchem Herzblut die meisten Mitarbeiter bei der Sache sind. Leider sind das Punkte, die man nur selten in den Reden der Politiker und den Schlagzeilen der Medien findet. Aber genau darüber müssen wir sprechen, wenn wir mehr Menschen für einen Pflegeberuf begeistern wollen. Wir brauchen mehr gesellschaftliche Anerkennung für den schweren, aber auch zutiefst menschlichen, wichtigen und schönen Beruf des Altenpflegers.

Vielen Dank für das Gespräch.

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schwerpunkt /

Fast 200 Azubis bei der Thüringer AWO Das neue Ausbildungsjahr hat begonnen und mit ihm starten 77 neue Azubis bei der AWO Thüringen in das Berufsleben. Insgesamt absolvieren damit derzeit fast 200 junge Menschen eine Berufsausbildung bei der Thüringer AWO. Der überwiegende Teil lernt den Beruf des Altenpflegers, aber auch andere Berufe wie Kaufleute im Gesundheitswesen, Restaurantfachleute, Köche, Bürokaufleute oder IT-Systemelektroniker sind vereinzelt vertreten. Die AWO Thüringen hat ihre Investitionen in Ausbildung und Umschulung in den letzten Jahren deutlich erhöht. Die Zahl der Ausbildungsplätze vor allem in der Altenpflege wurde dabei mehr als verdoppelt. Aber auch an der Qualität der Ausbildung wurde gearbeitet: So gibt es bei der AWO AJS gGmbH, der größten Trägergesellschaft des AWO Landesverbandes, ein eigenes Azubi-Konzept, das die Inhalte der Ausbildung klar regelt. Die Azubis werden zum Beispiel früh an Fachaufgaben herangeführt, lernen neben den pflegerischen auch soziale Qualifikationen wie Teamfähigkeit und haben feste Ansprechpartner während ihrer gesamten Ausbildung. Außerdem erhält jeder Azubi vom ersten Tag an eine Übernahmegarantie bei sehr guten oder guten Prüfungsergebnissen.

Deutschland gefällt mir Tatjana Marenkova ist eine der ersten ausländischen Fachkräfte, die nach Deutschland gekommen sind, um in einem Pflegeheim der AWO Thüringen zu arbeiten. Die Krankenschwester aus Jelgava, einer kleinen Stadt bei Riga, arbeitet seit knapp einem Jahr bei der AWO. Bisher allerdings nur als Pflegehilfskraft. Denn die lettische Ausbildung ist der deutschen zwar sehr ähnlich, um aber als Pflegefachkraft arbeiten zu können, muss man Deutschkenntnisse auf dem so genannten B2-Niveau nachweisen. Die 26-Jährige besucht deshalb neben der Arbeit einen Deutschkurs. AWO informativ hat die junge Frau an ihrer Arbeitsstelle im AWO Seniorenpflegeheim „Haus zu den vier Jahreszeiten“ besucht und mit ihr über die näheren Hintergründe und ihr Leben in Deutschland gesprochen.

Frau Marenkova, wie kam es zu der Idee, nach Deutschland zu gehen?

Die Ausbildung und die Umschulung sind damit mit Abstand die wichtigsten Säulen, um den Fachkräftebedarf in der Altenpflege zu decken.

Die wirtschaftliche Lage in Lettland ist schwierig. Überall herrscht Sozialabbau. Bei uns wurden erst wieder zwei große Krankenhäuser geschlossen und alle Ärzte und Krankenschwestern entlassen. Viele suchen deshalb neue Arbeit im Ausland. Auch die Löhne sind niedrig. Ich habe oft mit Freunden darüber gesprochen, nach Deutschland zu gehen, unter anderem mit einem guten Freund, der selber aus Deutschland kommt. Die Entscheidung fiel dann nach einem langen Urlaub, den ich hier gemacht habe. Deutschland gefällt mir. Außerdem bin ich ledig, erst 26 Jahre alt und habe noch keine Kinder. So ungebunden fällt eine solche Entscheidung leichter. In der Schule hatte ich Deutsch gelernt, damit fühlte ich mich gut gerüstet.

Auszubildende in den einzelnen Gliederungen:

Und wie sind Sie die Arbeitssuche angegangen?

AWO Greiz

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AWO Gera

1

AWO Gotha

1

AWO Ilmkreis

2

AWO Jena-Weimar

37

AWO Nordhausen

3

AWO Rudolstadt

12

AWO Saalfeld-Rudolstadt

17

AWO Saale-Orla

7

AWO Saale-Holzland

1

AWO Sonneberg

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AWO AJS gGmbH

96

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informativ 9.11 / schwerpunkt

Es ging ganz einfach. Ich habe im Internet einfach „Arbeiten in Deutschland“ eingegeben und so eine Firma gefunden, die Arbeitskräfte von Lettland nach Deutschland vermittelt. Die haben die ersten Hinweise und Hilfen gegeben, um alles in die Wege zu leiten. Schlimm war das Zusammentragen der ganzen Dokumente, da habe ich einige Nerven gelassen. Und dann war ich hier.

Wie gefällt Ihnen die Arbeit hier, wie sind die Kollegen? Das Haus ist sehr schön und komfortabel. Es ist für mich natürlich eine große Umstellung. Einmal von der Krankenschwester zur Altenpflegerin und dann sind alle Produkte und Vorschriften auch ganz anders. Ich lerne hier jeden Tag etwas Neues. Ich habe sehr gute Kolleginnen und Kollegen auf meinem Wohnbereich, die erklären mir


her überhaupt dazu sagen. Naja, und dann fehlen mir hier noch Freunde und Kontakte, wie ich sie in Lettland nach der Arbeit hatte. Im Augenblick gibt es für mich hier nur die Arbeit. Das fordert mich auch so mit all dem Neuen, dass mir manchmal der Kopf brummt. Ich lerne ja jeden Tag auch bestimmt so hundert neue Begriffe und Wörter. Nach der Arbeit in der Wohnung ist es manchmal etwas einsam. Meine große Familie vermisst mich sehr, so wie ich sie auch. Für mich war Deutschland eine doppelte Umstellung, denn ich habe vorher noch bei meinen Eltern gelebt. Also zum ersten Mal auf eigenen Füßen stehen und dann gleich in einem fremden Land. Aber Deutschland bringt mich weiter.

Und wollen Sie irgendwann zurück nach Lettland gehen oder zieht Ihre Familie vielleicht hierher? Tatjana Marenkova im Pflegeheim „Haus zu den vier Jahreszeiten“ in Erfurt alles geduldig. Sie helfen mir bei vielem, zeigen mir alles und unterstützen mich. Ich habe erst mit einer lettischen Freundin zusammen gewohnt, die auch hierher kam. Seit September wohne ich allein. Auch von der Leitung werde ich gut unterstützt, erst jetzt wieder, wo ich einen weiteren Sprachkurs besuchen will und der Dienstplan extra für mich verändert wird. Die Senioren sind alle sehr freundlich zu mir, wir haben ein gutes Verhältnis.

Was ist schwierig? Ja, da war als erstes die Hürde mit den ganzen Dokumenten und Formularen. Ich finde zur Zeit die Sprache am schwierigsten. Da bin ich über den Sprachkurs froh. Normalerweise spricht man ja aus, was man denkt. Ich überlege beim Reden immer, was kann ich von den Worten

Nein, meine Familie möchte in Jelgava bleiben. Mir selbst gefällt Deutschland und auch das kleine nette Erfurt. Ich kenne einige große Städte, Berlin oder München etwa. Aber Erfurt ist schön. Ich war jetzt schon zweimal wieder bei meiner Familie. Einmal mit dem Bus, aber da dauert die Reise mehr als zwei Tage, und einmal mit dem Flugzeug. Jetzt mache ich also Urlaub nicht mehr in Deutschland, sondern in Lettland. Ich denke, ich bleibe in Deutschland. Ich werde die Sprache besser verstehen.

Sind die Menschen hier anders als in Lettland? Ja, ich denke schon. Ich finde die Menschen hier offener als in Lettland. Sie lachen mehr und sind zufriedener und nicht so arm. In Lettland sitzen die Leute viel in ihren Wohnungen, sie haben Kredite und Schulden und somit viele alltägliche Sorgen. Die Menschen in Deutschland genießen das Leben mehr. Auch die Senioren hier. Sie sitzen zusammen, schön beim Kaffee, und unterhalten sich. Das Lebensgefühl hier ist leichter.

Was würden Sie jungen Lettinnen raten, die auch nach Deutschland kommen wollen? Ich würde sagen: Lasst euch nicht von dem Stress mit den Dokumenten abschrecken, lernt fleißig Deutsch, vielleicht auch schon vorher und ansonsten: Wenn du dein Ziel gefunden hast und nach Deutschland willst, dann geh deinen Weg einfach zielstrebig, auch wenn es mal schwierig ist.

Das ist ein gutes Schlusswort. Wir wünschen Ihnen viel Erfolg. Vielen Dank für das offene Gespräch.

Pflegeheim „Haus zu den vier Jahreszeiten“ in Erfurt

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awo vor ort /

Ferien in den AWO Jugendcamps Sommer, Sonne, Ferienfreizeit. So auch in diesem Jahr wieder. Seit inzwischen elf Jahren gibt es das Jugendcamp in Naundorf im Altenburger Land schon. Auch in diesem Jahr war das Zeltlager wieder ein voller Erfolg. Dank zahlreicher Helfer und der finanziellen Unterstützung durch den AWO Landesverband konnten insgesamt 67 Kinder ihre Ferien in Naundorf verbringen, unter ihnen auch viele Kinder von AWO-Mitarbeitern. Auch in Dörnfeld im Ilm-Kreis wurden drei Wochen lang die Zelte aufgeschlagen. Dort wurde erstmals eine „Kinderrepublik“ ausgerufen. Dabei konnten die Kinder bei der Planung des Programms die eigenen Ideen und Wünsche verwirklichen. Auch das Gemeinschaftsleben und die Regeln für das Camp wurden zusammen entwickelt. So konnten die Kinder erleben, wie demokratische Strukturen funktionieren und wie wichtig sie für das Zusammenleben sind. Wichtige Werte der AWO wie Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität standen dabei im Mittelpunkt. Und das klappte erstaunlich gut. Die Kinder brachten ihre eigenen Ideen ein, machten Pläne für das Programm und hielten sich an die gemeinsam entwickelten und vereinbarten Regeln.

Angefangen hat alles im Januar 2001 mit einer Idee, für die sich Gerhard Dittel als Ehrenvorsitzender des AWO Ortsjugendwerkes Gößnitz begeisterte: Ein Jugendcamp in den Sommerferien. Kurzerhand stellte er das Projekt auf einer Beratung des AWO Kreisvorstandes vor. Bald wurden Nägel mit Köpfen gemacht, ein passendes Gelände gefunden, vermessen, eingezäunt und mit Strom und Wasser ausgestattet. Ein Spiel- und Sportplatz wurde angelegt und die entsprechende Ausstattung gekauft. Mit der Unterstützung des AWO Landesjugendwerkes, vielen freiwilligen Helfern und vor allem durch die Hilfe der örtlichen Unternehmen und AWOEinrichtungen war es möglich, das Camp bis zum Sommer zu errichten. Unter dem Motto „Für Gewaltlosigkeit und Umwelt“ konnten sich bereits in den Sommerferien 2001 die ersten Kinder im Camp erholen. In den Folgejahren wurde das Camp ständig erweitert, verändert und findet seitdem regelmäßig während der Sommerferien statt.

Waldsportplatz in der Nähe von Werdau. Die Wälder wurden zum Spielplatz, die Kinder konnten viel von und über die Natur lernen. Mit dabei waren in diesem Jahr auch zahlreiche Mitarbeiterkinder der AWO AJS gGmbH und der AWO Sonneberg. Die AWO Unternehmen haben dabei einen erheblichen Teil der Kosten übernommen und es ihren Mitarbeitern so leichter gemacht, Familie und Beruf während der sechs Wochen Ferien zu vereinbaren. Was für den einen Mitarbeiterpflege, war für die anderen einfach nur Spaß. Jeweils sieben oder zwölf Tage dauerten die Durchgänge. Viele Besuche in den Freibädern oder auf der Sommerrodelbahn standen auf dem Programm. Aber auch zu Förstern, Imkern oder auf eine Sagenwanderung ging es. Die Gruppen unternahmen gemeinsame Ausflüge zum Beispiel in den Spiele-Park nach Glauchau oder zum

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informativ 9.11 / awo vor ort

Viel Spaß hatten die Camper bei den Tischtennismeisterschaften, dem Kickerturnier oder beim Kistenklettern. Gesichert wie Alpinkletterer werden dabei Bierkästen übereinander gestapelt, auf denen dann Stück für Stück immer weiter nach oben geklettert wird. Es kommt darauf an, Geschick und Gleichgewicht miteinander zu verbinden. Die besten Kletterer erreichen auf diese Weise Höhen von drei bis vier Metern. Abends saßen alle um das Lagerfeuer, lauschten Gruselgeschichten und Märchen, nebenbei gab es Stockbrote und Würstchen, natürlich direkt aus den lodernden Flammen. Ein Höhepunkt war natürlich die Übernachtung unter freiem Himmel und die Kinderdisko mit den neuesten Hits.


„Aktiv-Tag“ für Familien und Senioren in Bad Langensalza Der AWO-Mehrgenerationentreff in Bad Langensalza am Thomas-Müntzer-Platz 3 ist eine stadtbekannte Adresse. Seit kurzem sogar noch ein bisschen mehr. Betreut wurden die Kinder während der sechs Wochen zum überwiegenden Teil durch ehrenamtliche Helfer. Meistens sind das angehende Erzieher oder Lehramtsstudenten, die auf diese Weise Praxiserfahrungen sammeln oder einfach nur gern mit Kindern arbeiten. Alle wurden vorher durch das Landesjugendwerk entsprechend geschult und ihnen allen sei an dieser Stelle herzlich gedankt.

Die AWO Bad Langensalza hatte zu einem ersten Familien- und Senioren„Aktiv-Tag“ eingeladen. Mit einer Auftaktgymnastik eröffneten die Kinder der AWO-Kita „Spatzennest“ den Tag. Eine Ernährungspyramide klärte über gesunde Kost auf und natürlich gab es dazu leckere Kostproben. Ein örtliches Kosmetikstudio hatte wertvolle Make-up- und Pflegetipps parat und geistige Fitness war bei einem unterhaltsamen Quiz gefragt. Theoretische und praktische Bewegungsanleitungen kamen von einer Physiotherapiepraxis aus Bad Langensalza, deren Rat von den Besuchern gern eingeholt wurde. Bänder- und Ballgymnastik sowie lustige Sitztänze lockerten zwischendurch alle Gäste immer wieder auf. Und wie viel Bewegung nötig war, den selbstgebackenen Kuchen oder die Verkostungshäppchen wieder abzutrainieren, das konnte jeder selbst an der Ernährungswaage testen. Ein reger Verkehr herrschte auch am Stand einer Krankenkasse und bei der Betreuungsbehörde vom Landratsamt Unstrut-Hainich-Kreis. Hier gab es Informationen zu Vorsorgevollmachten, Patientenverfügungen oder Pflegeeinstufungen aus erster Hand. Besucher und Organisatoren waren sich am Ende des „Aktiv-Tages“ einig: die Aktion sollte unbedingt wiederholt werden. Für das nächste Jahr gibt es schon viele neue Ideen.

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projekt /

Kleine Forscher und Entdecker Unterwegs mit der Waldgruppe der Erfurter Kita „Am Fuchsgrund“ Forscher und Entdecker müssen früh aufstehen. So auch in der Erfurter AWO Kindertagesstätte „Am Fuchsgrund“. Der Tag beginnt gegen halb acht. Aufgeregt machen sich alle für den Ausflug in die Natur fertig. Jacken, Mützen, Isomatten, Lunchboxen und Trinkflaschen dürfen nicht fehlen. In Zweierreihen machen sich die Kinder auf den Weg. Heute geht es in den Steigerwald.

Die „Forscher- und Entdeckergruppe“ der Kita wurde für die Schulanfängerkinder gegründet, aber auch jüngere Kinder können daran teilnehmen. Ziel ist es, die Entwicklung der Kinder ganzheitlich zu fördern. Mindestens zwei Mal in der Woche geht es raus in den Wald oder in einen der vielen Erfurter Parks. Die Kinder lernen die Verbindung der Menschen mit der Umwelt kennen und begreifen, und können ihren kindlichen Bewegungsdrang in der Natur ausleben. Daneben besuchen die Knirpse auch Museen, das Puppentheater, das Aquarium oder die Bibliothek. Mittwochs nutzen die Kinder die offenen Angebote im Haus. Dabei können sie zwischen verschiedenen Lernangeboten wählen. Die Holzwerkstatt, die Kinderküche, der Computerkurs, die Kreativwerkstatt oder Lesestunden sind nur einige davon. Freitags besuchen sie den „Schulanfängerclub“ in der Kita. Heute jedoch steht der Steigerwald auf dem Programm. Schon der Weg dahin ist ein kleines Abenteuer. Mit der Straßenbahn geht es durch die Stadt, dann zu Fuß weiter in Richtung Natur. Der Aufstieg beginnt mit vielen Treppen und der ersten kniffeligen Aufgabe: Treppenstufenzählen. Gruppenleiterin Sylke Zeyher möchte wissen, wie viele Stufen die kleinen Forscher und Entdecker gezählt haben. Dann sollen die Kinder einige Stufen rückwärts hochgehen. Auch hier will Sylke Zeyher wissen, wie viele Stufen es waren. Koordination und Konzentration sind gefragt. Oben dürfen die Kinder gemeinsam entscheiden, wohin sie gehen wollen. Zur Auswahl stehen der Spielplatz oder das

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Baumhaus, das die Kinder noch fertig bauen wollen. Heute ist Spielplatz angesagt. Dort wird der Tag im Morgenkreis mit Liedern und kleinen Spielen begrüßt. Im Anschluss können die Forscher und Entdecker den Spielplatz erobern. Ein Kletterbaum und der umliegende Wald bieten ihnen die Möglichkeit, die Vielfalt der Natur kennenzulernen. Zum Frühstück gibt es frisches Obst, Tee und belegte Brote aus den Rucksäcken.

Spielerisch lernen die Kinder, welche Bäume, Blumen und Tiere es im Wald gibt. Von Fabian möchte Sylke Zeyher ein Tier wissen. „Ein Fuchs“, sagt er stolz. „Ein Eichhörnchen“, antwortet Anna und Lotti kennt eine Amsel. „Von Joshi möchte ich einen Baum wissen“, fordert Sylke Zeyher. „Ein Kirschbaum“, antwortet er, ohne lange zu überlegen. Später dürfen alle noch auf den Kletterbaum. Hier helfen die Erzieherinnen nicht, sondern sichern nur ab. „Nur wer allein hoch kommt, kommt auch allein und gesund wieder herunter“, erklärt Sylke Zeyher. Auch das Klettern am Baum hat pädagogische Hintergründe. „Wer als Kind den Ehrgeiz entwickelt und sich hier hoch kämpft, der wird auch für das spätere Leben den nötigen Ehrgeiz haben.“ Gegen 14 Uhr endet der heutige Ausflug für die Forscher und Entdecker. Gemeinsam geht es zurück in die Kita. Schon auf der Rückfahrt mit der Straßenbahn fallen einigen Kindern die Augen zu. Die Kindertagesstätte „Am Fuchsgrund“ wurde im Jahr 2010 als Ersatzneubau komplett neu errichtet und ist heute wohl eine der schönsten Kindertagesstätten in Erfurt. Insgesamt 130 Kinder besuchen die Kita im Norden der Stadt. Hinzu kommt eine Krippengruppe für zwölf Kinder.


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Landtagsabgeordneter zu Besuch im Kindergarten Der Landtagsabgeordnete Peter Metz nutzte die parlamentarische Sommerpause, um sich über die Situation in verschiedenen sozialen Einrichtungen in Thüringen zu informieren. Eine der Stationen war dabei die AWO Kindertagesstätte „Schwalbennest“ in Egstedt. Gemeinsam mit Michael Hack, dem Geschäftsführer der AWO AJS gGmbH und KitaExpertin Karin Griese ging es um die Umsetzung des Thüringer Bildungsplanes, das Kita-Gesetz und die Umsetzung des Konjunkturpaketes, mit dessen Hilfe viele Kindergärten saniert werden konnten. Ganz nebenbei sagte Peter Metz spontan zu, sich am Vorlesetag 2011 am 18. November in der Kita zu beteiligen.

v.l.n.r.: Silke Kreyßler, Karin Griese, Kita-Leiterin Nicole Schaper, AJS-Geschäftsführer Michael Hack und Peter Metz

Festumzug zum Thüringentag in Gotha Über 200.000 Besucher waren im Juli zum Thüringentag nach Gotha gekommen. Sie konnten unter anderem einen Festumzug mit rund 4.600 Teilnehmern bewundern.

Der Festwagen der AWO Gotha

Auch die AWO war, vertreten durch den Kreisverband Gotha und mit Unterstützung des AWO Landesverbandes, mit dabei. Die „No-Limit-JumperZ“ und die „New Oldies“ vom AWO Tanzzentrum in Gotha zeigten ihr Können. Immer wieder wurden AWO-Fähnchen, Luftballons und kleine Geschenke an die Zuschauer verteilt, die zu tausenden die Straßen säumten. Über vier Kilometer ging es so durch die Gothaer Innenstadt, vorbei unter anderem auch an Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht.

300 Schüler in AWO Einrichtungen Der diesjährige Schülerfreiwilligentag war wieder ein voller Erfolg. Mehr als vierzig AWO Einrichtungen von der Kindertagesstätte bis zum Seniorenpflegeheim öffneten ihre Türen und über 300 Schüler nutzten die Möglichkeit zum Besuch. Beim Freiwilligentag können die Schüler neue Erfahrungen machen und lernen, wie wichtig soziales und ehrenamtliches Engagement ist. In ihrem täglichen Umfeld haben die Kinder und Jugendlichen kaum persönlichen Kontakt mit Menschen mit Behinderungen oder pflegebedürftigen Senioren. Dabei kann das durchaus interessant sein. Die Schüler staunen immer wieder über die Erfahrungen, das Wissen und die Erinnerungen, die die Senioren herauskramen. Im „Haus der Lebensfreude“ der AWO Saalfeld-Rudolstadt lernten Schüler unter der Anleitung einiger Seniorinnen alte Handarbeiten näher kennen. In den Einrichtungen in Bad Salzungen oder auch in Zeulenroda-Triebes kamen viele Schüler zum ersten Mal mit psychisch kranken Menschen in Kontakt. Selbst die Grundschüler, die den Kinder-

Schüler der Regelschule Auma basteln gemeinsam mit Bewohnern Tischschmuck im AWO Pflegezentrum „Zum alten Kraftwerk“ garten Roßleben besuchten, gingen sehr verantwortungsbewusst mit den Kindern um. Bereits heute steht fest, dass sich die AWO auch im kommenden Jahr wieder an der Initiative der Thüringer Ehrenamtsstiftung beteiligen und ihre Einrichtungen zum Schülerfreiwilligentag 2012 öffnen wird.

awo vor ort / informativ 9.11

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partner /

„Weggeben hätten wir sie nicht können“ Urlaub für pflegende Angehörige bei der AWO SANO in Oberhof „Mein Leben ist im Laufe der Jahre immer kleiner und enger geworden“, sagt Ute Naumann*. Seit nunmehr neun Jahren pflegt sie ihre Mutter. Diagnose Alzheimer. Seitdem ist vieles in ihrem Leben anders geworden. Gerade waren die Kinder aus dem Haus, der Arbeit nach weit weg gezogen. Jetzt wollten sich die Sechzigjährige und ihr Mann das Leben schön machen, viel reisen und etwas von der Welt sehen. Aber es kam dann eben ganz anders. Während ihr Mann noch vier Jahre bis zur Rente hatte, war Ute Naumann seit zwei Jahren arbeitslos, als ihre sehr vitale Mutter allmählich zum Pflegefall wurde. „Was lag da näher, als sie zu uns zu holen“, meint sie. Ihr Mann unterstützt sie dabei. „Aber mein Tag und auch ein Teil der Nacht ist jetzt ganz auf die Bedürfnisse der alten Frau ausgerichtet.“ Die Schwiegermutter hilft mal ein paar Stunden aus, wenn sie einen dringenden Weg erledigen muss oder zum Arzt geht. „Aber die ist auch nicht mehr so gesund. Selbst ich merke, wie die Zipperlein zunehmen, aber ich darf nicht krank werden und ausfallen.“ Viele Kontakte zu Freunden und Bekannten sind eingeschlafen, trotz gegenseitigem Bemühen. Die Zeit und inzwischen auch die Kraft reichen nicht mehr, um nebenher auch noch ein eigenes aktives Leben zu führen. „Ein Besuch beim Friseur oder der Kosmetik sind für mich pure Erholung. Im Urlaub waren wir seit diesen neun Jahren nicht mehr, das zehrt. Wir hatten den Versuch einmal unternommen und sie in die Obhut einer Verwandten gegeben, aber das ist ganz schief gelaufen und wir muss-

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informativ 9.11 / partner

ten am zweiten Tag zurück.“ Der Urlaub hier im AWO SANO Ferienzentrum in Oberhof sei daher nicht mit Gold aufzuwiegen. „Wir hätten sie nicht weggeben können, das hätte sie zu sehr geängstigt“, sagt Ute Naumann.

Das AWO SANO Ferienzentrum in Oberhof

Seit dem letzten Jahr gibt es im Ferienzentrum in Oberhof dieses Urlaubsangebot für Angehörige und ihre dementen Pflegebedürftigen. Das Objekt ist barrierefrei, das Personal stellt sich gern auf die Besonderheiten der Gäste ein und bietet viele Serviceleistungen an, die in einem normalen Hotel nicht selbstverständlich sind. Die Pflegebedürftigen werden tagsüber von 8.30 bis 13.00 Uhr und 15.00 bis 18.30 Uhr von Pflegefachkräften der AWO betreut, so dass die Angehörigen Zeit für sich oder für Entspannung, Wellness und Wanderungen haben. „Gemeinsam mit meinem Mann einmal in Ruhe frühstü-


cken oder Abendbrot essen zu können, das war eine Wohltat. Meine Mutter hatte bei all den Bastelrunden und Aktivierungsspielen aber auch viel Spaß, zu Hause würde sie das bestimmt nicht so mitmachen“, sagt Ute Naumann. „Über das Ferienzentrum haben wir gemeinsam mit ihr ein schönes Picknick und eine Kutschfahrt gemacht, das lief ganz prima.“ Das Ferienzentrum bietet für alle Urlauber ein breites Programm an Freizeit- und Erholungsmöglichkeiten zur Auswahl. Das Haus selbst liegt mitten im Thüringer Wald, direkt am Rennsteig. „Ich finde es wunderbar, hier auch mit anderen betroffenen Angehörigen in Kontakt zu kommen und mal über alles reden zu können. Die meisten sind ja mit ihrem pflegebedürftigen Ehepartner hier“, sagt Ute Naumann. „Auch von den Pflegekräften kommen gute Hinweise und Tipps, vor allem auch viel Verständnis. Ich habe das Angebot der Pflegeberatung wahrgenommen, das hat mir viel gebracht. Ich werde mir zu Hause jetzt auch die professionelle Hilfe eines ambulanten Pflegedienstes holen.“

„Wenn ich meine Mutter hier so ansehe, wie sie im Rollstuhl neben mir in der Sonne sitzt und wir den Vögeln lauschen, dann finde ich, dass sie auch ganz entspannt und

richtig erholt aussieht. Sogar ein bisschen Farbe hat sie bekommen“, freut sich Ute Naumann. Sie und ihr Mann wollen nun, so lange es geht, jedes Jahr hier Urlaub machen. „Es stimmt schon, was die Pflegerin sagte: Nur wer für sich selbst gut sorgt, kann auch für andere gut da sein.“ *Name geändert

info

Die schöne Landschaft, die gute Waldluft und der Sonnenschein sind für Ute Naumann allein schon wie eine Kur. Massagen hat sie gebucht, Gymnastik und Wanderungen mitgemacht. Seit langem war sie wieder einmal schwimmen und hat es genossen, auswärts Essen zu gehen oder sich im Restaurant des Hauses bedienen zu lassen. Die gemeinsamen Grill- und Hüttenabende haben sich die Naumanns nicht entgehen lassen, ebenso wie die anderen derzeit sechs pflegenden Familien im Haus. Sogar zusammen getanzt haben sie mal wieder. Füreinander im Mittelpunkt zu stehen, ohne dass sich ständig Verpflichtungen dazwischendrängen, tat auch der Partnerschaft gut.

Nähere Informationen gibt es unter www.awosano.de, www.ferienzentrum-oberhof.de per E-Mail unter info@ferienzentrum-oberhof.de oder telefonisch unter 036842 281-0. Ansprechpartnerin ist Heike Schneider.

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Ehrenamtliche der AWO aktiv beim Tag der offenen Tür im Thüringer Landtag Einmal im Jahr öffnet der Landtag in Erfurt seine Türen und lädt zur großen Informationsveranstaltung ein. Das Motto in diesem Jahr lautete „Ehrenamtliches Engagement“ – schließlich ist 2011 als Europäisches Jahr der Freiwilligentätigkeit proklamiert worden. Die Thüringer Ehrenamtsstiftung, ein enger Kooperationspartner der AWO Thüringen, engagierte sich stark bei der Ausgestaltung der Veranstaltung und richtete das Programm auf der Hauptbühne aus. Natürlich war es Ehrensache, die Ehrenamtsstiftung dabei zu unterstützen. So waren über 40 Ehrenamtliche der AWO Thüringen nebst Begleitung der Einladung gefolgt und informierten sich vor Ort. Sie fielen jedem gleich ins Auge, denn die Ehrenamtlichen trugen einheitliche T-Shirts, die mit ihrem AWO Engagement bedruckt waren. Immer wieder wurden sie auf den Gängen von Besuchern angesprochen und über ihr ehrenamtliches Engagement bei der AWO ausgefragt. Im Innenbereich und auf dem Außengelände präsentierten sich über 200 Aussteller. Natürlich gab es einen Informationsstand der AWO Thüringen, der gemeinsam mit den Verbänden der LIGA der Freien Wohlfahrtspflege eine „Straße der sozialen Dienste“ bildete und über Einrichtungen und Dienste der AWO, den Bundesfreiwilligendienst und Möglichkeiten des ehrenamtlichen Engagements informierte. Auf der großen Hauptbühne fanden, ebenfalls unter AWO Beteiligung, Talkrunden zum Thema Ehrenamt statt. Am Nachmittag rockten zwei AWO-Tanzgruppen aus dem AWO Kreisverband Gotha die Bühne. Die „New Oldies“ und die „No Limit JumperZ“ begeisterten das Publikum. Zudem wurde im Landtag der Wettbewerb „jugend@ehrenamt“ fortgesetzt, der 2010 erstmals startete und mit Maria-Theresa Faulstich

v.l.: Renate Schütze, Gunter Hofmann, Julie Petryka und Monika Hofmann - Ehrenamtliche aus Bad Langensalza auch gleich eine AWO-Gewinnerin hatte. In diesem Jahr gewann die AWO mit der achtjährigen Julie Petryka alle Herzen. Das bemerkenswerte kleine Mädchen bewarb sich am Wettbewerb mit ihrem ehrenamtlichen Engagement „Einfach lesen – ein Generationenprojekt“. Julie besucht seit einiger Zeit die Senioren im AWO Seniorenpflegeheim „Haus an der Salza“ in Bad Langensalza und liest ihnen jede Woche aus ihren Lieblingsbüchern vor. Damit begeistert sie nicht nur die Senioren, sondern auch die Mitarbeiter des Pflegeheims. Sieger des diesjährigen Wettbewerbs wurde Dennis Micheel mit seinem Projekt „Abenteuer- und Naturspielplatz Apolda“. Über 10.000 Besucher begegneten bei diesem Tag der offenen Tür im Landtag also immer wieder der AWO und vielleicht konnte das eine oder andere Interesse an einem ehrenamtlichen Engagement geweckt werden. Herzlichen Dank an alle AWO-Ehrenamtlichen für ihre Mithilfe.

Ehrenamtskoordinatorin Cornelia Brusch mit Ehrenamtlichen aus dem AWO KV Erfurt e. V. zum Tag der offenen Tür im Thüringer Landtag

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AWO Schulstarteraktion: Rot war der Renner Paul hat eine Frage. „Kann ich auch einen roten Ranzen haben oder ist der nur für Mädchen?“, will er etwas schüchtern von Werner Griese wissen. Auf dem blauen Ranzen in seiner Hand ist ein Hund abgebildet. Und Hunde mag er nicht, seitdem ihn letztes Jahr einer gebissen hat, erklärt Pauls Mutter dem erstaunten Landesvorsitzenden der Thüringer AWO. Der muss lachen und gibt dem Schulanfänger natürlich einen roten Ranzen aus dem Regal. Aber er hat noch eine Idee: „Schau mal, wir hätten hier auch einen in Schwarz und mit Fledermäusen.“ Kaum steht die Tasche neben dem roten Schulranzen auf dem Tisch, strahlen die Augen des Jungen. Der ist es, das ist allen Anwesenden sofort klar.

dem AWO-Sozialfonds Sterntaler. Die KOWO unterstützt das Bummi-Kaufhaus mit einem Mietnachlass. Gekauft werden hochwertige Markenschulranzen mit Federmappe, Sporttasche und Brustbeutel. Diesmal gab es noch eine Brotbüchse des Kindernotdienstes mit wichtigen Notfallnummern dazu. So werden hier 120 Kinder zu stolzen ABC-Schützen, die sich auf die Schule freuen. „Bildung ist die beste Chance, den andauernden Armutskreislauf zu durchbrechen“, sagt Werner Griese. „Mit dem Projekt wollen wir Kindern aus armen Familien zumindest materiell einen ebenbürtigen Start in die Schule ermöglichen.“

Über 120 Schulranzen hat die AWO Thüringen auch in diesem Jahr für Schulanfänger aus sozial schwachen Familien in Erfurt gepackt. Am 14. Juni wurden sie gegen Vorlage des grünen Sozialausweises der Stadt und einer Einschulungsbestätigung ausgegeben. Rot war in diesem Jahr der Renner. Die Schulstarteraktion findet nun bereits zum vierten Mal statt. Bereits in den letzten Jahren hatte die AWO jeweils über 100 Schulausstattungen verteilt. Der Andrang war jedes Mal gewaltig. Und so wurden auch in den vergangenen Monaten wieder Spenden gesammelt, um das Projekt „Schulstarter“ zu organisieren. Die Stadt Erfurt hat das Projekt in diesem Jahr mit 3.000 Euro unterstützt, weitere 6.800 Euro kommen aus Spenden von Unternehmen wie IKEA, der Sparkasse Mittelthüringen, den Stadtwerken Erfurt und

Der AWO Landesvorsitzende Werner Griese mit drei strahlenden Schulanfängerinnen

Danke an den Sterntalerfonds Ich möchte mich, auch im Namen meines Sohnes Muhamed, recht herzlich bei der AWO bedanken. Bis vor drei Wochen wusste ich noch nicht einmal annähernd, wie ich die notwendigen Utensilien für den Schulstart meines jüngsten Sohnes anschaffen sollte. Ich bin eine alleinerziehende Mutter von fünf Kindern und bezog längere Zeit Hartz IV. Gott sei Dank fand ich im Juni 2011 wieder eine Anstellung. Das Geld reicht zwar vorn und hinten nicht, aber immerhin bin ich nun nicht mehr abhängig vom ALG II. Doch wo Freude ist, ist bekanntlich auch Leid. Kaum arbeitete ich vier Wochen, ging auch schon mein Auto kaputt, wirtschaftlicher Totalschaden. Aus diesem Grund suchte ich die AWO-Schwangerschaftsberatungsstelle Bad Salzungen auf. Dort wurde ich herzlich aufgenommen und ich bekam die Möglichkeit, einen Antrag bei der Thüringer Stiftung zu stellen. Wir kamen ins Gespräch und ich erzählte, dass mein jüngster Sohn Muhamed im August 2011 eingeschult wird. Sofort erklärte

sich die Beraterin Frau Kister bereit, mir auch in dieser Angelegenheit zu helfen. Innerhalb kürzester Zeit, und was heute sel- Muhamed Tahiri mit seinem ten ist, total unbürokra- neuen Schulranzen tisch, wurde mir geholfen und positiv entschieden. Von der finanziellen Unterstützung kann ich meinem Sohn nun Sportbekleidung kaufen. Rechtzeitig zum Schulbeginn erhielt Muhamed außerdem durch den Sterntalerfonds einen schönen, qualitativ sehr guten und modernen Schulranzen nebst Inhalt. Ich bin total begeistert von dieser geleisteten Hilfe. Ich sage Danke, Danke, Danke und nochmals Danke!!! Doreen Tahiri

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Kinder aus Tschernobyl in Gößnitz

Es war die bisher schlimmste Atom-Katastrophe. Unzählige Menschen kämpfen mit den Folgen der Atomexplosion 1986 in Tschernobyl, nahe der Stadt Prypjat. Neben Krebserkrankungen sind wohl die sozialen und psychologischen Traumata die größten Probleme für die Bevölkerung um Tschernobyl. Das Gebiet um den Reaktor ist noch für viele Generationen unbewohnbar. Für den AWO-Ortsverein Gößnitz ist es Tradition geworden, einen Tag mit Kindern aus dem Tschernobyler Gebiet zu verbringen. Besonders engagiert ist dabei Ursula Weber, die sich auch für die Rumänienhilfe sehr stark einsetzt. Die Kinder sind 9 bis 14 Jahre alt, viele von ihnen sind Waisen. Sie sind jährlich für zwei Wochen im Landkreis Altenburger Land zu Gast und verleben hier ihre Ferien. Sie lernen dabei Land und Bräuche kennen und sind an einem Wochenende zu Gast in Familien der Region. In diesem Jahr begrüßte der AWO-Ortsverein die Kinder im Pflegeheim Hainichen. Die 20 Jungen und Mädchen kamen zusammen mit ihren sechs Betreuern mit einem Bus nach Hainichen. Die Senioren empfingen die Kinder mit Volksliedern und wollten von den kleinen Gästen viel über ihre Heimat und das Leben in der Region 25 Jahre nach dem Unfall wissen. Einige der älteren Damen erzählten von Urlaubsreisen in die Sowjetunion. Die Kinder konnten sich umsehen und Fragen stellen. Anschließend gab es ein gemeinsames Mittagessen. Die Mitarbeiter der Küche hatten sich tüchtig ins Zeug gelegt

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und Obst, Getränke und ein köstliches Mahl vorbereitet. Der Bürgermeister brachte den kleinen Gästen einen Obstkorb und eine Spende für die Abschlussfeier. Am Nachmittag lud der AWO-Ortsverein alle zusammen zum Minigolf nach Vollmershain ein. Die Kinder hatten so etwas noch nie gespielt und bald wetteiferten alle um den Sieg. Die Inhaberin der Anlage sponserte den Kindern die Eintrittsgelder und der Ortsverein überraschte die kleinen Sportler noch mit einem großen Eis. Seit vielen Jahren engagiert sich der Ortsverein Gößnitz schon für die Kinder aus der betroffenen Region. „Wir wissen, dass wir nur einen kleinen Beitrag leisten können, um den Kindern ihr Leben zu erleichtern“, sagt Käte Jenke, Vorsitzende des Ortsvereins. „Trotzdem ist es ein schönes Gefühl, den Kindern zu helfen und ich glaube, dass es ihnen gefallen hat.“


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„Wünsch Dir WAS“ Filmprojekt des Therapie- und Förderzentrums „Wünsch Dir WAS“ ist ein Film über die Lebenswünsche und Ziele von Menschen mit und ohne Behinderung. Das Besondere an dem Film ist, dass Menschen mit Behinderungen vor und hinter der Kamera standen. Gefördert durch „Aktion Mensch“ wurde über zwölf Monate ein bewegender Streifen gedreht, in dem sich junge Menschen damit auseinandersetzen, was sie von ihrem Leben erwarten, was sie erreichen wollen und welche Klippen es auf diesem Weg gibt. Premiere hatte der Film Mitte Juni beim Tag der offenen Tür des AWO Therapie- und Förderzentrums in Erfurt. Demnächst soll er im Kinoklub „Am Hirschlachufer“ öffentlich gezeigt werden. Die Darsteller, die gleichzeitig Regisseure, Kameraleute und Tontechniker sind, besuchen alle das AWO Therapieund Förderzentrum in Erfurt. Hier werden Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit autistischen und anderen kommunikativen Störungen betreut und gefördert. Das TFZ arbeitet mit Verhaltenstherapie, Musiktherapie und heilpädagogischen Kommunikations- und Wahrnehmungstrainings. Für alle Beteiligten war das Filmprojekt neu und sehr spannend. Das Set vorbereiten, Requisiten und Kulisse kreieren, Maske, die Aufnahmetechnik, Schneiden, Musik unterlegen, das sind große Herausforderungen für jeden Laien. Schwer fiel den Beteiligten anfangs auch das Sprechen vor der Kamera und die enge Kooperation, die bei

Filmperemiere „Wünsch Dir WAS“ im Therapie- und Förderzentrum in Erfurt einem Filmdreh notwendig ist. Aber genau darum ging es ja: Die kommunikativen und sozialen Fähigkeiten zu trainieren. So zu sprechen, dass es alle verstehen, verbindliche Absprachen zu treffen und einzuhalten, aktiv Vorschläge zu machen und miteinander zu beraten, Lösungen zu suchen und gemeinsam zu entscheiden. Nicht alles klappte immer auf Anhieb, aber das ist auch bei anderen Projekten ganz normal. Konzentration, Ausdauer und Frustrationsgrenzen waren gelegentlich einer harten Probe unterworfen. Doch das Ergebnis war alle Mühen wert. Der Film bezaubert nicht nur durch seine Darsteller, von denen jeder anders ist und auf die sich der Betrachter individuell einstellen muss. Die Faszination entsteht mit der allmählich reifenden Erkenntnis, dass die Träume, Wünsche und Pläne von jungen Menschen mit einer Behinderung sich kaum von denen nichtbehinderter junger Leute unterscheiden. Auch nicht von den eigenen. Es geht um Liebe, den Wunsch nach Anerkennung und Geborgenheit. Um die Suche nach ein bisschen Glück. „Wünsch Dir WAS“ zeigt, was wir uns alle wünschen.

Bald bin ich ein Schulkind AWO verabschiedet hunderte „Kita-Absolventen“ Jedes Jahr gibt es in den AWO-Kitas ab Juni Zuckertütenfeste, Zuckertütenbäume, Abschlussfahrten und Partys für die ABC-Schützen. Überall hängen Dekos mit bunten Zuckertüten, Zahlen und Buchstaben in den Fluren. Stolz verabschieden sich hunderte Sechs- und Siebenjährige von ihrem Kindergarten. Hier haben sie in den vergangenen drei bis sechs Jahren viel gelernt und erlebt, während die Eltern sie

gut behütet wussten. Die Erzieher sehen der Zeit immer mit einem lachenden und einem weinenden Auge entgegen: Es ist schön, die Kleinen flügge werden zu sehen, aber sie sind ihnen auch ans Herz gewachsen. Die AWO Thüringen wünscht ihren Kita-Absolventen jedenfalls alles Gute für den weiteren Lebensweg und einen fröhlichen Start in der Schule.

Mit einer bunten Party verabschiedete die AWO in Erfurt 260 Schulanfänger

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Der AWO Kreisverband Gotha e. V. Vier Fragen an: Christian Boettcher, Vorsitzender des AWO Kreisverbandes Gotha e. V. Was ist die AWO für dich? Die AWO ist einerseits ein nicht zu unterschätzender Mitgliederverband, der die Sozialpolitik auf der Bundes-, Landesund Kommunalebene aktiv mit gestaltet. Die AWO ist aber auch eine Vielzahl von gemeinnützigen Unternehmen, die sich dem Wettbewerb mit anderen Trägern und auch privaten Unternehmen in der Sozialwirtschaft stellen müssen. Für Außenstehende ist diese Unterscheidung aber oft schwierig.

Was war dein schönster Moment im Verband?

Oft ist das dem Engagement einzelner Personen zu verdanken, die vorangehen, Ideen haben und diese auch umsetzen. Wir haben vor drei Jahren die Stelle einer hauptamtlichen Ehrenamtskoordinatorin in unserem Kreisverband geschaffen. Seitdem sind unsere Aktivitäten im Landkreis noch vielfältiger. Wir konnten beispielsweise durch das AWO Tanzzentrum auch jüngere Menschen ansprechen, die sich wahrscheinlich sonst nie für die AWO interessiert hätten.

Wo siehst du die AWO in zehn Jahren?

Als Mitgliederverband müssen wir auch für jüngere Altersgruppen ein entsprechendes Angebot Wie viele andere Kreisverbände, haben wir schaffen, wenn wir unsere Mitgliederzahlen letztes Jahr auch unser 20-jähriges Jubiläum halten wollen. Das wird nicht einfach, denn die gefeiert. Auch wenn ich noch nicht die kompletVielfalt in der Vereinslandschaft wird größer, ten 20 Jahre dabei war, hat mich dieser Tag sehr die Interessen der Menschen sind breiter gefäberührt. Ansonsten gab es viele schöne chert. Da müssen wir uns behaupten. Für die Momente. Ein AWO-Mitglied unseres KreisverAWO wird es auch in den nächsten Jahren nicht bandes hat im letzten Jahr die Emma-Sachse- Christian Boettcher langweilig werden. Dafür sorgen schon die ÄndeEhrung erhalten. Das hat mich beispielweise sehr rungen der Sozialgesetze, die uns auch in der Vergangenheit gefreut. immer wieder vor neue Herausforderungen gestellt haben. Auch das Thema Fachkräfte wird uns in den nächsten Jahren Was ist das Besondere an deiner AWO? zunehmend beschäftigen. Aber die AWO ist insgesamt gut aufWenn wir unsere jährliche Kreisausschusssitzung veranstalgestellt und kann durchaus optimistisch in die Zukunft ten, bin ich immer wieder beeindruckt, was die Ortsvereine in schauen. den zurückliegenden Monaten auf die Beine gestellt haben.

Die AWO und die „Alte Mühle“ Crawinkel ist ein kleines Dorf in der Nähe von Ohrdruf. Der Thüringer Wald hat hier einige nördliche Ausläufer, die Kreisstadt Gotha ist etwa 20 km entfernt. Und mittendrin in dem beschaulichen Örtchen liegt die „Alte Mühle“. Hier finden regelmäßig Veranstaltungen statt, die in der ganzen Region bekannt und beliebt sind. Tanztees oder Chroniknachmittage zum Beispiel. Selbst Jugendliche besuchen immer wieder die Angebote der Begegnungsstätte, die so immer mehr auch zu einem Zentrum der Generationen geworden ist. Organisiert wird das alles von Ilona Holz. Die 64-jährige Vorsitzende des AWO Ortsvereins ist bereits seit vielen Jahren für die AWO aktiv. Als sich die Gemeinde entschied, die „Alte Mühle“ zu restaurieren, brachte sie sich ein, arbeitete eng mit der Gemeinde und dem Traditionsverein zusammen, um dort die neue Begegnungsstätte der AWO eröffnen

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zu können. Mit viel persönlichem Einsatz stellt sie auch heute noch ein regelmäßiges und abwechslungsreiches Programm auf die Beine. Unterstützt wird sie von der Ehrenamtsabteilung des Kreisverbandes. Dort ist man auch sehr stolz auf Ilona Holz und ihren Ortsverein Crawinkel. Entsprechend groß war die Freude, als Ilona Holz 2009 mit der Emma-Sachse-Ehrung, der höchsten Auszeichnung der AWO Thüringen, geehrt wurde. Aus den Händen von Werner Griese und Ulf Grießmann erhielt Ilona Holz 2009 die Emma-SachseEhrung.


anekdote

Männer auf dem Weg Viel wird derzeit über die Einführung einer gesetzlichen Frauenquote in Führungspositionen diskutiert. Petra Köllner, die Geschäftsführerin der AWO Gotha, kann über die Debatte nur lächeln: „Wir haben seit vielen Jahren einen hundertprozentigen Frauenanteil in Führungspositionen und sind damit immer gut gefahren.“ Sowohl die Position der Geschäftsführung als auch die Leitungen aller Einrichtungen sind mit weiblichen Mitarbeitern besetzt. Was natürlich auch daran liege, dass soziale Berufe insgesamt stark frauendominiert seien.

In Gotha arbeitet man aber daran, mehr Männer für soziale Berufe zu begeistern. So ist zum Beispiel gerade ein vom Europäischen Sozialfonds gefördertes Projekt angelaufen, um männliche Erzieher für Kitas zu gewinnen. Und die Bemühungen treiben offenbar erste zarte Blüten. Sebastian Göthling, ein Heilerziehungspfleger, der in der Integrativen Kita in Gotha arbeitet, beginnt jetzt ein Studium zum Erzieher in Erfurt. In einem harten Bewerbungsverfahren hatte sich der 24-Jährige zuvor gegen zahlreiche Mitbewerber durchgesetzt.

Das AWO Tanzzentrum Im Oktober 2008 startete der AWO Ortsverein Gotha ein ungewöhnliches Ehrenamtsprojekt, ein Tanzzentrum, das Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Senioren gleichermaßen ansprechen sollte. Gefördert wurde das Projekt durch die Thüringer Ehrenamtsstiftung. Schon die ersten Presseaufrufe stießen auf große Resonanz. Kurz darauf trafen sich die ersten 20 tanzbegeisterten Kinder, Jugendlichen und Senioren, um in alters- und interessenspezifischen Gruppen das Tanzen zu trainieren.

fakten

Was dann folgte, übertraf alle Erwartungen, die man bei der AWO Gotha und den Projektleitern hatte. Mit Teamarbeit und viel Kreativität wurden Tänze eingeübt, Choreographien kreiert, Kostüme und Bühnenoutfits entworfen. Bald folgten erste Auf- Stylish! tritte. Zum Beispiel beim eigens organisierten „Tag des Tanzes“ in Gotha, beim AWO Ball oder im Thüringer Landtag.

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Gegründet am 8. Oktober 1990 derzeit rund 450 Mitglieder acht Ortsvereine in Ohrdruf, Mühlberg, Crawinkel, Gotha, Sonneborn, Luisenthal, Friedrichroda und Waltershausen vier Seniorenbegegnungsstätten im Landkreis 2001 Gründung der AWO-Soziale Dienste gGmbH Gotha, inzwischen über 200 Mitarbeiter/innen seit 2008 eine Ehrenamtskoordinatorin derzeit rund 100 ehrenamtlich Engagierte

Derzeit trainieren vier Tanzgruppen im Tanzzentrum der AWO Gotha: Die „AWO-Tanzmäuse“, eine Tanzgruppe von Vorschulkindern, die „No Limit JumperZ“, eine Gruppe von Jungen zwischen 14-18 Die New Oldies Jahren, die Jumpstyle tanzen, „Stylish!“, eine Mädchengruppe ab 12 mit Schwerpunkt HipHop und Modern Style und eine Seniorentanzgruppe, die „New Oldies“. Alle Gruppen werden ehrenamtlich geleitet. Neue Tänzer und Tanzgruppen sind übrigens herzlich willkommen. The No Limit JumperZ Mehr Informationen: www.awo-tanzzentrum.de

Die AWO im Landkreis Gotha Die AWO Soziale Dienste gGmbH Gotha ist Träger von fünf Kindertagesstätten, zwei Alten- und Pflegeheimen, einer Hauswohngemeinschaft für Menschen mit Demenz, einem Wohnpflegeheim für Menschen mit physischer Behinderung und einer Schwangerschaftskonfliktberatungsstelle.

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Kasimirs Weltreise Ist es nicht immer wieder erstaunlich, zu welchen Leistungen sich Kinder aufschwingen können? Deshalb bekam der Broadway jüngst heftige Konkurrenz - in Saalfeld. Dort stürmte ganz besonderer Musical-Nachwuchs die Bühnenbretter, die ihnen die ganze Welt bedeuteten: Das junge Ensemble kam aus der Integrativen Kindertagesstätte „Sonnenland“. Das künstlerische Großereignis begeisterte nicht nur das Publikum. Es entfaltete zudem nachhaltige Wirkungen. Zum einen verdienten sich die Künstler mit ihrem Honorar die Kosten für die alljährliche Abschlussfahrt. Und zum anderen erlebten Akteure, Helfer wie auch das Publikum einen ganz außergewöhnlichen Beleg dafür, wie hier im besonderen Maße das Miteinander von nicht behinderten Kindern und Kindern mit geistiger, körperlicher Behinderung bzw. von Behinderung bedrohten Kindern täglich mit Leben erfüllt wird.

Bald war der kühne Plan gefasst, ein Theaterstück mit viel Musik zum Thema „Kinder der Erde“ aufzuführen. Dafür sollten auch jene Instrumente genutzt werden, die nach einer großzügigen Spende Anfang des Jahres gekauft wurden. Auf „Kasimirs Weltreise“ wollte man gehen. Das Stück lehnte sich an das Kinderbuch von Marlene Reidel an, das erstmals 1957 erschien. Es erzählt die aufregende Reise eines kleinen Jungen in die weite Welt und wurde 1958 mit dem „Deutschen Jugendbuchpreis“ ausgezeichnet. War das schon ehrgeizig, so wuchsen die Akteure schier über sich hinaus: Sie wollten - möglichst zum Kindertag! – das Stück nicht im Kindergarten, sondern auf ganz großer Bühne vor vielen Gästen aufführen. Im Heinrich-Böll-Gymnasium fand sich ein passender Ort für die Aufführung. Außerdem waren Direktor Ingo Seel und vor allem das Lehrerpaar Carola und Matthias Biehl sofort Verbündete.

Die eingangs erwähnte Abschlussfahrt ist seit mehr als zehn Jahren Tradition: Die künftigen Schulanfänger gehen am Ende ihrer Kindergartenzeit auf eine dreitägige Tour, oft weiter weg von Saalfeld. Mit unvergesslichen Erlebnissen und gestärktem Selbstbewusstsein kehrten diese Kinder jedes Mal glücklich und stolz zurück. Doch wird es immer schwieriger, die finanziellen Voraussetzungen für solche ehrgeizigen Projekte zu schaffen. Da fügte es sich, dass sich 2010 engagierte Eltern zu einem Förderverein zusammenfanden. Sie hatten dann eine ausgefallene Idee, die zu diesem so lehrreichen wie unterhaltsamen Experiment führte. Es sollte nicht nur die Reisekasse aufbessern. Ziel war auch, dass sich die Kinder näher kommen, gemeinsam längere Zeit an einem Projekt mit Spaß und Freude arbeiten, um zu erfahren, dass sie durch ihr eigenes Tun etwas Schönes schaffen können.

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Die „Sonnenland“-Erzieherinnen widmeten sich alsbald begeistert dem pädagogischen Teil des Projektes. Der Förderverein übernahm den „Rest“: Da waren Kulissen zu bauen und zu malen, Kostüme zu nähen und steter Kontakt zum Gymnasium zu halten, Einladungen zu schreiben, Unterstützung bei den Proben zu geben, wozu nicht zuletzt die Pausenversorgung der Darsteller gehörte. Ausklang des Tages sollte ein Kinderfest im Kindergarten sein – auch das war vorzubereiten. Und nicht zuletzt galt es, zu organisieren, dass alles für die Nachwelt auf Foto und Film festgehalten wird. Zehn heiße Vorbereitungswochen nahmen alle Beteiligten in Beschlag: Dann aber kam der 28. Mai, der große Tag für die kleinen Künstlerinnen und Künstler und ihre grandiose Aufführung vor Eltern, Großeltern und geladenen Gästen. Die schauspielernden wie die zuschauenden Kinder erfuhren dabei viel über andere Länder, hatten einen unvergessenen Tag. Der endete nach der Premiere beim ein Fest im Kindergarten mit Spaß, Spiel und leckerem Essen.


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Aktion „5für20!“ Ferienfreizeit für bedürftige Kinder

Möglich wurde das nur, weil viele Helfer und Sponsoren die Aktion „5für20!“ unterstützen. Tatkräftige Hilfe erhielt das Landesjugendwerk natürlich von der AWO im Kreis Sonneberg, aber auch die Stadt Lauscha zog mit und stellte den Platz auf dem Gelände des Freibades für das Zeltlager bereit. Ein besonderer Dank geht dabei an den Bademeister Matthias Trapper, den Imbissinhaber Ludwig Müller-Löb und Carola Greiner-Petter von der Stadtverwaltung Lauscha. Auch der Sportverein Lauscha und das AWO Gesundheitszentrum in Steinheid unterstützten die Organisatoren. Die ehrenamtlichen Betreuer hatten es wegen der ständigen Regenschauer und Wetterumschwünge in diesem Sommer wirklich nicht leicht, die fünf Tage erlebnisreich zu gestalten. Trotzdem ließen sie sich immer etwas einfallen. Es gab Sinnesspiele zum Ertasten von Gegenständen mit verbundenen Augen. Auch der Geschmackssinn wurde mit allerlei Essbarem wie etwa verschiedenen Marmeladen, Mehl oder Senf auf die Probe gestellt. Das Klettern am Kis-

tenturm war natürlich ein Renner, aber auch das „Spinnennetz“ aus Seil, die große Schatzsuche im Wald, das Lagerfeuer mit den brutzelnden Bratwürsten und den Marshmallows an langen Stöcken und Liedern zur Gitarre, die Kunstaktionen mit Bildern und T-Shirt-Bemalen, das Basteln von Traumfängern, Buttons, Täschchen usw. waren beliebt. Auf die Frage, was ihnen am besten gefallen hat, hatten die 19 Kinder wohl 30 verschiedene Antworten. Einig waren sich aber alle, dass die Sommerrodelbahn natürlich toll war und auch die Rutsche im Freibad stand ganz oben auf den Lieblingslisten. Und ebenso einstimmig kam das Versprechen: „Wir kommen nächstes Jahr wieder hierher.“ Das Landesjugendwerk will auch im kommenden Jahr wieder „5für20!“-Ferienfreizeiten auf die Beine stellen. Dafür werden noch Sponsoren gesucht. Wer 20 Euro spenden und damit einem bedürftigen Kind fünf erlebnisreiche Ferientage ermöglichen will, kann sich telefonisch oder per E-Mail einfach an das Landesjugendwerk wenden.

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Ferienzeit – für die meisten Kinder heißt das verreisen und mit der Familie Urlaub machen. Doch es gibt auch Familien, die es sich aus unterschiedlichen Gründen nicht leisten können. Für diese Kinder organisiert das Jugendwerk in jedem Jahr die „5für20!“-Ferienfreizeiten. Eine Woche lang können die Kinder hier zelten, baden und ihre Ferien genießen. Für nur 20 Euro.

Landesjugendwerk der AWO Thüringen Josef-Ries-Str. 15 99086 Erfurt Telefon: 0361 51159630 E-Mail: landesjugendwerk@awo-thueringen.de Webseite: www.jw-zukunft.de

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„Südseeträume“ Unter dem Motto „Südseeträume“ fand Mitte Juli das diesjährige Sommerfest im Seniorenpflegeheim Burkersdorf statt. Als Gäste begrüßte der AWO Kreisverband Greiz eine Delegation aus seinem AWO Partnerverband Nürnberger Land, angeführt vom Kreisvorsitzenden Reinhard Löhner.

Enrico Heinke (2.v.r.), Vorstandsvorsitzender des AWO-Kreisverband Greiz begrüßt die Gäste aus dem Nürnberger Land Auch zahlreiche Lokalpolitiker waren der Einladung gefolgt. Von den Senioren der Einrichtung war das Sommerfest mit viel Spannung erwartet worden. Die Mitarbeiter des Hauses gestalteten ein tolles Programm und brachten mit Tänzen, Kostümen und Musik karibisches Flair nach Burkersdorf.

Ökostrom im Pflegeheim Die AWO redet nicht nur über Öko-Strom, sie tut auch was für die Energiewende. Auf den Dächern des AWO-Seniorenpflegeheimes „Hüttenholz“ in Ilmenau wurden jetzt auf 521 Quadratmeter Fläche Module einer Photovoltaik-Anlage installiert. Damit möchte die AWO einen Beitrag für den Schutz der Umwelt leisten. Die Solarzellen produzieren im Jahr 67.000 Kilowattstunden umweltfreundlich erzeugten Strom, der in das öffentliche Netz eingespeist wird. Damit können 20 Haushalte ein Jahr lang mit Öko-Strom versorgt und jährlich fast 44.000 Kilogramm CO2 eingespart werden. Eine saubere Lösung, die die AWO in Thüringen weiter ausbauen will. Derzeit ist das Pflegeheim in Ilmenau eines von sieben Projekten. Weitere Solaranlagen befinden sich auf den Dächern der Pflegeheime in Vieselbach, Roßleben, Hainichen und Apfelstädt sowie den Kitas „Knirpsenland“ in Altenburg und „Ringelblume“ in Erfurt.

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Knau / Spatenstich für neue Kita Den feierlichen Spatenstich für eine nagelneue Kita in Knau setzte der AWO Kreisverband Saale-Orla im August. In genau einem Jahr wird der rund 960.000 Euro teure Neubau neben der örtlichen Grundschule fertig sein. Die vier strahlenförmig angeordneten Komplexe sollen von drei Seiten Licht in die Räume lassen, ein Quergebäude verbindet die Kita mit der Grundschule. Auch im pädagogischen Konzept ist eine enge Zusammenarbeit mit der Grundschule vorgesehen, von der die Hortkinder profitieren und die den ABC-Schützen einen sanfteren Übergang in den Schulalltag ermöglichen wird. Die Öffnungszeiten der Kita sollen für berufstätige Eltern besonders bedarfsgerecht gestaltet werden. Der Kreisverband ist dann Träger von sechs Kindertagesstätten.

den Namen für die neu errichtete Straße erfolgreich beantragt. Auf Einladung des Landesvorstandsmitgliedes Volker Blumentritt übernahm Franz Müntefering im Juli die Namensgebung unter dem neuen Straßenschild.

Thüringen / Babys willkommen Die AWO AJS gGmbH begrüßt seit diesem Jahr zur Geburt eines Mitarbeiterkindes den kleinen Erdenbürger mit einem herzlichen Willkommensgeschenk. Die Post bringt ein Überraschungspaket mit einem Teddybären in Neugeborenengröße und einem Babybody, der das Baby als „AWO KitaAbsolvent 2017“ ausweist. Denn Mitarbeiterkinder erhalten auch bevorzugt einen Betreuungsplatz in den AWO Kindertagesstätten.

Erfurt / AWO Bildungswerk Thüringen Im AWO Bildungswerk Thüringen e. V. und im Institut für Berufsbildung und Sozialmanagement hat ein Wechsel der Geschäftsführung stattgefunden. Als neue Geschäftsführerin des AWO Bildungswerkes und der IBS GmbH wurde Steffi Lange bestellt.

Mit einer bundesweiten Aktionswoche haben die AWO Schuldner- und Insolvenzberatungsstellen Ende Juni auf die Lage der Betroffenen und die Arbeit der Beratungsstellen aufmerksam gemacht. Auch die sieben Schuldner- und Insolvenzberatungsstellen der AWO Thüringen beteiligten sich an der Aktion. Derzeit ist laut Statistik jeder zwölfte Haushalt in Thüringen überschuldet. Die Beratungsstellen arbeiten an ihren Kapazitätsgrenzen. Ein zu dünnes Netz an Beratungsstellen, zu wenig Personal und damit Wartezeiten von weit über drei Monaten kennzeichnen die derzeitige Situation. Die AWO Thüringen fordert eine gesicherte Finanzierung der Beratungsstellen und setzt sich dafür ein, dass Schuldnerberatung ein kostenfreies Angebot bleibt.

Jena / Marie-Juchacz-Straße Nach der AWO-Gründerin Marie Juchacz wurde die Straße vor dem Neubau der AWO Ganztagsschule LEONARDO in Jena benannt. Der AWO Kreisverband Jena-Weimar hatte

impressum

Thüringen / Schuldnerberatung

Herausgeber: AWO Landesverband Thüringen e. V. Pfeiffersgasse 12 99084 Erfurt Tel.: 0361 21031-0 Fax: 0361 21031-149 E-Mail: informativ@awo-thueringen.de Internet: www.awo-thueringen.de Verantwortlich: Ulf Grießmann, Landesgeschäftsführer Redaktion: AWO Landesverband Thüringen e. V. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung der Redaktion. Die Redaktion behält sich vor, Zuschriften zu kürzen oder Informationen zu verarbeiten. Gestaltung: bernoh, Berlin, www.bernoh.de Herstellung: Druckerei Citydruck & Verlag GmbH Erfurt Auflage: 10.000 Stück Erscheinungsweise: AWO informativ erscheint 4x im Jahr, z.T. mit Sonderbeilagen, AWO Thüringen intern. Das Entgelt ist im Mitgliedsbeitrag bereits enthalten.

Franz Müntefering mit Mitgliedern des AWO-Landesvorstandes und der AWO Jena-Weimar bei der Namensgebung

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AWO informativ