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Das Mitgliedermagazin der Arbeiterwohlfahrt Landesverband Thüringen Ausgabe 68 / 12.2013

informativ /

rubrik /

schwerpunkt /

Gespräche über das Leben Der ehrenamtliche Hospizdienst der AWO in Suhl

schwerpunkt /

Dumpinglöhne für Erzieher? AWO weist GEW-Vorwürfe zurück ehrenamt /

15. AWO-Ball im Erfurter Kaisersaal gefeiert Rubrik / informativ 3.10

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editorial

inhalt / 4 schwerpunkt / Gespräche über das Leben Der ehrenamtliche Hospizdienst der AWO in Suhl 6 schwerpunkt / Dumpinglöhne für Erzieher? AWO weist GEW-Vorwürfe zurück 7 projekt / “Bitte öffnen. Die Kisten des Könnens von Flüchtlingen“ Netzwerk „to arrange – pro job – initiativ flüchtlinge Ulf Grießmann AWO-Landesgeschäftsführer

in Arbeit“ holt Wanderausstellung nach Thüringen

8 awo-ball / 15. AWO-Ball im Erfurter Kaisersaal gefeiert Liebe AWO-Freundinnen und -Freunde, 12 ehrenamt / Nachgefragt: „Drei Fragen an“ viele unserer ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten Außergewöhnliches. Immer wieder nutzen wir das AWO informativ, um Ihnen einige dieser engagierten Menschen näher vorzustellen. So auch in dieser Ausgabe. Die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Hospizdienstes in Suhl leisten einen großen und zutiefst menschlichen Dienst. Sie sind da, für Menschen, denen es schlecht geht, die schwerkrank sind, die sterben. Sie hören zu, halten die Hand, spenden Trost. Die Ehrenamtlichen des Hospizdienstes zeigen uns allen, wie unbedeutend viele kleine Sorgen und Nöte des Alltags eigentlich sind und was uns wirklich wichtig sein sollte: Dass wir füreinander da sind, auch in der schwersten Stunde und dass wir einander helfen. Ein schöner Gedanke, gerade, aber nicht ausschließlich, zur Weihnachtszeit. In dieser Ausgabe berichten wir außerdem über den AWO-Ball, auf dem wir ebenfalls Ehrenamtliche geehrt haben, die sich seit vielen Jahren für ihre Mitmenschen und eine soziale Gesellschaft einbringen. Die Thüringer Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht hat in ihrer Festrede gesagt: „Bürgersinn lässt sich nicht verordnen.“ Recht hat sie. Und um so stolzer macht es uns, dass sich so viele Menschen mit Bürgersinn in der AWO versammeln. Ich möchte deshalb an dieser Stelle die Gelegenheit nutzen, mich bei Ihnen für das vergangene Jahr zu bedanken. Egal, ob Sie die AWO als Mitglied, als ehrenamtlich Engagierter, als Mitarbeiter oder als Partner begleitet haben. Vielen Dank für Ihr Engagement, für Ihre Zeit und für Ihre Unterstützung. Genießen Sie die Weihnachtstage, kommen Sie gut in das neue Jahr und lassen Sie uns 2014 weiter an einem sozialen und lebenswerten Thüringen mitwirken. Herzliche Grüße, Ihr

Ulf Grießmann

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14 ehrenamt / Vorgestellt Hanni Kreml - Leiterin der Demenzgruppe Schmalkalden

17 awo intern / AWO-Landesausschuss gegen Rechtsextremismus 18 vorgestellt / Der AWO Kreisverband Nordhausen e. V. 21 landesjugendwerk / Von Partizipation und „Partyzipation“ 23 kurz notiert / impressum

AWO International bittet um Spenden für die Opfer des Taifuns „Haiyan“ auf den Philippinen. S. 16


awo intern /

Frohe Weihnachten Liebe AWO-Freundinnen und -Freunde, das Jahr 2013 war durchaus ereignisreich. In mancher Hinsicht viel ereignisreicher, als wir uns das gewünscht hätten. Das Hochwasser im Juni hat auch einige AWO-Einrichtungen schwer getroffen und den Mitgliedern und Beschäftigten vor Ort einiges abverlangt. Aber die AWO hat in dieser schwierigen Situation auch gezeigt, dass sie zusammenhält und mit einer solchen Krise professionell umgehen kann. Dafür danken wir allen Beteiligten herzlich. Im Namen des gesamten Landesvorstandes der AWO Thüringen wünschen wir Ihnen und Ihren Familien frohe

und besinnliche Weihnachten. Kommen Sie gut und sicher in das neue Jahr. 2014 erwarten uns viele gemeinsame Projekte und Aufgaben, die die AWO weiter voranbringen sollen. Wir freuen uns darauf und hoffen, dass auch Sie diesen Weg weiter mit uns gehen. Herzliche Grüße

Werner Griese Landesvorsitzender

Ulf Grießmann Geschäftsführer

Kita „Knirpsenland“ erhält weitere Hilfe Die Spendenbereitschaft für die AWO Kita „Knirpsenland“ in Gößnitz reißt nicht ab. Die Kita wurde durch das Hochwasser im Juni völlig zerstört und soll nun an anderer Stelle neu errichtet werden. Mit einem Benefizkonzert haben die Kinder der AWO Kita „Gänseblümchen“ in Roßleben die Kita unterstützt. Die Kinder gestalteten ein buntes Programm und führten das Musical

Die Kinder der Kita „Gänseblümchen“ führen das Musical „Der Regenbogenfisch“ auf

Trauer um Walter Thomas Der AWO Landesverband Thüringen trauert um Walter Thomas. Der langjährige Vorsitzende und Gründer des AWO Ortsvereines Zella-Mehlis verstarb im November. Zeit seines Lebens war der gelernte Werkzeugmacher für andere Menschen da und engagierte sich leidenschaftlich in der AWO und für seinen Ortsverein. 2011 wurde Walter Thomas für sein ehrenamtliches Engagement mit der Emma-Sache-Ehrung, der höchsten Auszeichnung der AWO in Thüringen, geehrt.

„Der Regenbogenfisch“ auf. Am Ende standen 1.686,75 Euro auf dem Spendenscheck für die Kita „Knirpsenland“. Auch die Mitglieder des AWO Fördervereins „Zum Seilerpark“ aus Schlotheim haben Der Betriebsratsvorsitzende und der einen Kuchenbasar Geschäftsführer von Goodrich Neuss, organisiert und auf zusammen mit Claudia Weidner diese Weise 450 Euro an Spenden eingesammelt. Die Firma Goodrich Control Systems GmbH in Neuss bei Düsseldorf spendete im Sommer 1.000 Euro. Der Kontakt kam über Claudia Weidner zustande, eine Mitarbeiterin beim Turbinenhersteller N3 aus Arnstadt, die selbst aus dem Altenburger Land stammt. Auch in Kassel wurde gesammelt. Die Mitarbeiter der Stadtverwaltung spendeten insgesamt 3.205 Euro für den Wiederaufbau der Kita. Allen Spendern noch einmal herzlichen Dank für das große Engagement.

Aus Alters- und Gesundheitsgründen hatte er den Vorsitz des Ortsvereins mit seinen 120 Mitgliedern im letzten Jahr an Eckardt Anschütz übergeben. Walter Thomas wurde 85 Jahre alt.

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Die Ehrenamtlichen des Hospizdienstes Suhl

Gespräche über das Leben Der ehrenamtliche Hospizdienst der AWO in Suhl Es ist ein Herbsttag in Suhl. Die Sonne scheint, Wind pustet bunte Blätter über die Gehwege und die Wälder rund um Suhl sehen farbenprächtig aus. Herbstliche Melancholie liegt in der Luft. Beate Liehmann erfreut sich an dem herrlichen Herbsttag. Die Leiterin des ambulanten Hospizdienstes in Suhl ist sowieso ein fröhlicher Mensch. Und das, obwohl oder vielleicht weil der tägliche Umgang mit Sterben und Tod ihr Beruf ist. „Es ist nicht immer nur traurig im Hospizdienst, wir lachen auch viel mit unseren Klienten“, sagt sie. „Das Sterben gehört nun mal zum Leben. Problematisch wird es nur, wenn man das tabuisiert.“ Beate Liehmann koordiniert die Arbeit von insgesamt 43 ehrenamtlichen Mitarbeitern. Auf Abruf stehen sie bereit, 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Gemeinsam sorgen sie für schwerkranke Menschen, für Menschen, die im Sterben liegen und nicht alleine sein möchten, beraten in Fragen der Sterbebegleitung und Palliativversorgung. „Es geht darum, das Leben für die Sterbenden und ihre Angehörigen so angenehm und lebenswert wie möglich zu gestalten, zu helfen und zu entlasten“, sagt Beate Liehmann. Seit 1999 gibt es das Angebot in Suhl. Mit einem großen Fachvortrag zum Thema Hospizdienste hat damals alles angefangen. „Da wurde eine Welle losgetreten“, sagt Beate Liehmann. Auf einmal ging ein Impuls durch die Stadt, das Tumorzentrum am Klinikum Suhl gründete den Hospizdienst, der

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sich seit 2009 in Trägerschaft der AWO befindet. Kurse für die Arbeit im ehrenamtlichen Hospizdienst wurden angeboten. Neun Befähigungskurse sind seitdem in Suhl gelaufen, 120 Ehrenamtliche wurden ausgebildet, 43 von ihnen sind bis heute aktiv. Ehrenamtlich, viele auch neben dem Beruf. Eine von ihnen ist Karla Kändler. Sie ist seit der ersten Stunde dabei, also inzwischen seit über 14 Jahren. Über Umwege kam sie zum Hospizdienst. Die Wende machte es nötig, dass sie einen neuen Beruf erlernen musste. Sie wurde Bestatterin. In der Arbeit mit den Angehörigen hat sie festgestellt, wie gut es ihnen tat, über den Verlust zu sprechen und wie offen sich viele ihr anvertraut haben. „Ich habe mich dann auf einen Aufruf in der Zeitung gemeldet, die waren auf der Suche nach Menschen, die ehrenamtlich im Hospizdienst arbeiten wollten. Das wollte ich“, sagt sie. Inzwischen hat sie viele Begleitungen mitgemacht. „Für die Arbeit ist es sehr wichtig, nicht abzustumpfen, verschiedene Fälle und Klienten nicht zu vergleichen und nicht zu bewerten“, sagt Karla Kändler. „Man muss versuchen, einfach nur den Menschen und die Situation, in der man gerade ist, zu sehen.“ Das brauche Erfahrung, aber auch immer wieder Austausch und ständige Weiterbildung. Die Ehrenamtlichen des Hospizdienstes treffen sich deshalb regelmäßig und besprechen Fälle, die sie aktuell begleitet haben oder noch begleiten.


schwerpunkt / „Das ist wichtig, auch um mit dem erlebten Schmerz und der Trauer nicht allein zu sein. Hier bekommen wir Stärke und Kraft.“

Und nach dem Tod? „Wir begleiten als Hospizdienst vorrangig sterbende oder schwerkranke Menschen“, sagt Beate Liehmann. „Wir helfen aber auch bei der Trauerarbeit.“ Seit 2005 gibt es dafür an jedem letzten Mittwoch im Monat einen Trauertreff. Der steht allen offen, die einen geliebten Menschen verloren haben. Verpflichtungen gibt es keine. „Das ist ein ganz niedrigschwelliges Angebot“, sagt Beate Liehmann. Da braucht es keine Anmeldung, keine Gebühren oder Ähnliches. Jeder kann dazu kommen oder auch fern bleiben, je nach Stimmungslage. Wer kommt, kann sich an einer hübsch gedeckten Kaffeetafel Kummer und Sorgen von der Seele reden, weinen oder einfach schweigend zuhören. „Es ist wichtig, über Trauer zu sprechen“, weiß Elke Kirchner, die ebenfalls seit vielen Jahren ehrenamtlich im Suhler Hospizdienst mitarbeitet. Die gelernte Krankenschwester hat lange Zeit in einer Klinik gearbeitet und gemerkt: Da fehlt etwas in der Arbeit der Ärzte und der Krankenpflege. Beim Sterben waren viele Patienten allein. Daran wollte sie etwas ändern und so schloss sie sich der Hospizbewegung an. Heute leitet sie gemeinsam mit Karla Kändler den Trauertreff und begleitet sterbende und kranke Menschen. „Die Art und Weise zu trauern, ist heute eine andere“, sagt Elke Kirchner. Früher habe man ein Jahr schwarz getragen, da war die Trauerzeit gesellschaftlich auferlegt. Sich nicht daran zu halten, war verpönt. „Das war auch ein Extrem. Mittlerweile aber lässt man einem Menschen kaum noch Zeit zum Trauern. Das Thema wird runtergeschluckt oder durch Medikamente betäubt. Schließlich ist Trauer ein Zeichen von Schwäche, die nicht mehr in unsere Leistungsgesellschaft passt.“ Das zeige nicht zuletzt eine Diskussion, die zur Zeit in den USA geführt wird. Dabei geht es um Diagnoserichtlinien von psychischen Störungen und um die Frage der Grenze zwischen Trauer und Depression. Die Symptome sind oft sehr ähnlich. Amerikanische Psychologen schlugen dabei vor, bereits zwei Wochen nach dem Verlust eines geliebten Menschen depressive Symptome als Krankheitsanzeichen zu deuten und entsprechend zu therapieren. „Dabei sind Angst,

Beate Liehmann (l.) mit Elke Kirchner und Karla Kändler Beklemmung, Überforderung oder Antriebslosigkeit ganz normale Reaktionen auf einen so schweren Verlust“, sagt Beate Liehmann. „Mit der Zeit lindert sich das von ganz allein.“ Eines aber sei klar: „Jeder muss seinen eigenen Weg finden, zu trauern und seinen Verlust zu verarbeiten. Aber Trauer ist ein Gefühl, das Raum braucht, das Zeit braucht und das man einfach zulassen muss.“ Die Ehrenamtlichen des Hospizdienstes lernen das bereits in der Ausbildung. Alle zwei Jahre finden solche Befähigungskurse statt. Wie bei einem richtigen Beruf wird über eine Bewerbung und ein Vorstellungsgespräch eine Auswahl getroffen. Denn die Arbeit mit Sterbenden ist naturgemäß anspruchsvoll und nicht für jeden geeignet. Im Durchschnitt beginnen 15 Personen den Kurs, 40 bis 50 Prozent bleiben erfahrungsgemäß dabei und arbeiten im Anschluss im ambulanten Hospizund Trauerdienst. Die Ausbildung beinhaltet einen Grundund Aufbaukurs und auch ein Praktikum. Nach Abschluss des Kurses, welcher etwa ein Jahr dauert, gehen die Ehrenamtlichen in die Praxis. Ein Jahr Begleitungen, Kurse und Ausbildung. Das kostet natürlich auch Geld. „Wir sind auf die Unterstützung der Krankenkasse angewiesen“, sagt Beate Liehmann. Personal- und Weiterbildungskosten werden über §39a SGB V durch die Krankenkassen gefördert. Für vieles andere, vor allem Aufwandsentschädigungen für die Ehrenamtlichen, benötigt der Hospizdienst Spendengelder. Diese werden mit Benefizveranstaltungen und Aktionen gesammelt. Denn wer sich 365 Tage im Jahr für andere engagiert, der hat es auch verdient, beispielsweise auf Fahrtkosten nicht sitzen zu bleiben. Deshalb bitten wir Sie, die Arbeit des Hospizdienstes Suhl mit einer Spende zu unterstützen.

Wenn Sie die ehrenamtliche Arbeit der Hospizgruppe Suhl unterstützen möchten, freuen wir uns über eine Spende auf folgendes Konto: Deutsche Kreditbank Kontonummer: 1005374390 BLZ: 12030000 Verwendungszweck: Hospizgruppe

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spenden

Der Weg zur ehrenamtlichen Begleitung ist unkompliziert. „Wir werden von Angehörigen, Mitarbeitern eines Pflegedienstes, von Palliativstationen oder Pflegeheimen angerufen“, sagt Beate Liehmann. Daraufhin gibt es einen ersten Besuch durch die Koordinatorin, zum Kennenlernen. Ganz nach Fall wählt sie dann den Ehrenamtlichen gezielt aus, der die Begleitung des Sterbenden übernimmt. „Es gibt auch Anrufe, da muss es ganz schnell gehen, auch dafür finden wir immer Lösungen.“ Im besten Fall jedoch lernt man einander kennen und schätzen, verlebt schöne Momente gemeinsam, kommt ins Gespräch und redet. Und zwar nicht nur über den Tod. Sondern über das Leben. Von wenigen Stunden bis hin zu mehreren Jahren kann so eine Begleitung dauern.

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Dumpinglöhne für Erzieher? AWO weist GEW-Vorwürfe zurück Berichte über angebliche Dumpinglöhne bei den freien Trägern haben Ende November für Aufsehen in den Thüringer Medien gesorgt. Bis zu 1.000 Euro im Monat würden Erzieherinnen und Erzieher bei freien Trägern wie der AWO weniger verdienen als in kommunalen Kitas, so die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft. Wir haben mit Uwe Kramer, dem Geschäftsführer des Arbeitgeberverbandes der AWO Thüringen über die Aussagen der GEW gesprochen.

AWO informativ: Herr Kramer, die GEW prangert Gehaltsunterschiede von bis zu 1.000 Euro zwischen öffentlichen und freien Trägern an. Was ist dran? Uwe Kramer: Das ist für die AWO Unsinn. Und das kann auch jeder nachlesen. Beide Tarifverträge sind im Internet zu finden. Es gibt Unterschiede, ja. Diese liegen aber im Schnitt bei 200 Euro im Monat, nicht bei 1.000. Bei den Einstiegsgehältern sind wir sogar nahezu auf Augenhöhe mit dem öffentlichen Dienst.

AWO informativ: Nun sind aber 200 Euro auch keine Kleinigkeit. Uwe Kramer: Natürlich nicht. Unser Ziel ist deshalb auch eine angemessene Tarifpolitik mit fairen Löhnen. In den letzten Jahren haben wir genau aus diesem Grund viel unternommen, um die Schere zum öffentlichen Dienst zumindest kleiner zu machen.

AWO informativ: Zum Beispiel? Uwe Kramer: Wir haben 2011 monatliche Zulagen von 180 Euro für Mitarbeiter in den Kitas eingeführt und wir haben prozentuale Steigerungen in den Tarifverträgen vereinbart. Aktuell gerade wieder eine Steigerung von fünf Prozent. Außerdem haben wir einen Tag Zusatzurlaub für Mitarbeiter ab 50 vereinbart und die Zulagen für die Übernahme zusätzlicher Aufgaben erhöht. Zudem machen wir Angebote für die betriebliche Altersvorsorge, die sehr attraktiv sind. Wir unterbreiten Ferienangebote für Mitarbeiterkinder und viele Gliederungen engagieren sich stark im Bereich des betrieblichen Gesundheitsmanagements. Ich denke, das alles kann sich sehr wohl sehen lassen.

AWO informativ: Und was verdient denn nun eine Erzieherin bei der AWO Thüringen?

men bis auf 2.759 Euro im Monat. Übernehmen Mitarbeiter zusätzliche Aufgaben, wie Qualitätsbeauftragter oder Leitungsfunktionen, gibt es noch was obendrauf. Wir reden also von Jahresgehältern zwischen 25.000 und 33.000 Euro bei einer Vollzeitstelle. Ob man das Dumping nennen muss, ist sicher Ansichtssache. Ich finde nicht. Uwe Kramer, Geschäftsführer des

AWO informativ: Wie Arbeitgeberverbandes der AWO in steht die AWO im Thüringen Vergleich mit anderen freien Trägern da? Uwe Kramer: Vergleichbar, stellenweise sogar deutlich besser. Wir haben gerade erst vor kurzem einen Kindergarten an einen anderen, deutlich kleineren Träger abgeben müssen, weil dieser erheblich geringere Personalkosten hatte, also deutlich niedrigere Löhne zahlt als wir. Mit den großen Trägern stehen wir mindestens auf Augenhöhe.

AWO informativ: Die GEW hat auch kritisiert, Träger wie die AWO würden über ihre Kitas andere soziale Angebote wie zum Beispiel Pflegedienste quersubventionieren. Uwe Kramer: Diese Aussage hat mich auch überrascht und spricht ehrlich gesagt für eine erschreckende Unkenntnis seitens der GEW. Die Thüringer Kitas haben Verträge mit den Kommunen, deren Bestandteil ein differenzierter Verwendungsnachweis ist. Das heißt, die Träger müssen jede Ausgabe, zum Teil mit Belegen, nachweisen. Wenn die Mittel im laufenden Jahr nicht ausgeschöpft wurden, muss das Geld an die Kommune zurückgezahlt werden. Eine Finanzierung anderer Einrichtungen ist dabei schlicht nicht möglich.

AWO informativ: Vielen Dank für das Gespräch. Uwe Kramer: Das hängt natürlich davon ab, wie lange sie schon dabei ist. Das Einstiegsgehalt liegt ab Januar 2014 bei einer Vollzeitstelle bei 2.092 Euro im Monat. Gibt es schon berufliche Vorerfahrung oft bei 2.188 Euro. Das Gehalt steigt dann mit der Zugehörigkeit im Unterneh-

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projekt /

Abschlussveranstaltung der „juniorExperten“ nach Erfurt. Zu sehen waren Porträts von Kita-Mitarbeitern, Fotos von ganz unterschiedlichen Männern, die deutlich machten: noch ist es das biologische Geschlecht, über das vorrangig diskutiert wird. In Zukunft sollen jedoch Fachlichkeit und Kompetenz im Mittelpunkt stehen, wenn es um männliche Erzieher in Kitas geht.

Thüringens Sozialministerin Heike Taubert hat die Fotoausstellung in Erfurt eröffnet Seit 2011 sind sie eine feste Institution in der Kita-Landschaft der AWO, die Mitarbeiter vom Projekt „juniorExperten – Kinder brauchen Männer“. Gemeinsam mit acht Thüringer AWO-Kitas haben sie es sich als Modellprojekt des bundesweiten Programms „Mehr Männer in Kitas“ zur Aufgabe gemacht, das Berufsfeld Kindertagesstätte auch für Männer attraktiver zu gestalten. Denn für eine gute Entwicklung von Kindern sind sowohl weibliche als auch männliche Rollen- und Vorbilder wichtig. Nun stand der Projektabschluss an. Dafür holte das Projekt im November die Fotoausstellung „Männer in Kitas. Die Gesichter hinter den Zahlen“

Für diesen Wandel machten und machen sich bundesweit insgesamt 16 Modellprojekte stark. Die Thüringer „juniorExperten“ sind in der Trägerschaft des AWO Bildungswerkes. Während der Projektlaufzeit entstanden u. a. der Dokumentarfilm „Heiter bis wolkig – Männer in Kitas“ zur gemeinsamen Arbeit von männlichen und weiblichen Erziehern sowie verschiedene Arbeitsmaterialien und Handreichungen, zum Beispiel zum Umgang mit Vorurteilen von Eltern. Das Projekt beteiligte sich an Thementagen wie dem Boys‘Day oder dem Schülerfreiwilligentag, um Jungen Einblicke in den Erzieherberuf zu ermöglichen und dafür zu werben. In der Arbeit mit den verschiedenen Projekt-Kitas wurden auch Eltern und Erzieherinnen für einen Kita-Alltag mit Männern sensibilisiert. Langfristiges bundesweites Ziel war es, den Anteil männlicher Erzieher in den Kitas von bisher knapp 3,8 Prozent auf 20 Prozent zu steigern. Die Thüringer „juniorExperten“ sind die ersten Schritte in diese Richtung gegangen.

„Bitte öffnen. Die Kisten des Könnens von Flüchtlingen“ Das Netzwerk „to arrange – pro job – initiativ flüchtlinge in Arbeit“ hat die Wanderausstellung „Bitte öffnen. Die Kisten des Könnens von Flüchtlingen“ nach Thüringen geholt. Die Ausstellung zeigt Bilder und Geschichten von Flüchtlingen in Deutschland. Eröffnet wurde sie durch Thüringens Innenminister Jörg Geibert und die Erfurter Migrations- und Integrationsbeauftragte Anuschka Abutalebi im Erfurter Rathaus. Die Ausstellung macht auf rechtliche Hemmnisse in der deutschen Asylpolitik und die verschenkten Ressourcen für den deutschen Arbeitsmarkt aufmerksam. Denn viele Flüchtlinge haben einen großen Schatz an Bildung und Berufserfahrungen, können diesen in Deutschland aber oft nur schwer oder mit großem bürokratischen Aufwand einbringen. „Viele Branchen setzen inzwischen auf Zuwanderer und werben Fachkräfte aus europäischen Ländern an“, sagt Christiane Götze vom AWO-Projekt „to arrange – pro job“. „Dabei sollten auch bereits hier lebende Asylbewerber eine Chance auf Arbeit erhalten. Denn sie sind oft gut qualifiziert und bringen wichtige Kompetenzen und Lebenserfahrung mit.“ Das Netzwerk unterstützt thüringenweit an elf Standorten bleibeberechtigte Flüchtlinge mit Beratung und Qualifizierung bei der Suche nach

Arbeit. Bundesweit arbeiten 28 solcher Netzwerke zusammen. Träger des Thüringer Projektes ist das Institut für Berufsbildung und Sozialmanagement (IBS), eine Tochtergesellschaft des AWO Bildungswerkes. Es wird vom Europäischen Sozialfonds und dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales gefördert. Die Ausstellung ins Leben gerufen hat das Netzwerk aus Rheinland-Pfalz. Nun tourt sie durch Deutschland.

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v.l.n.r.: Christine Lieberknecht, Ministerpräsidentin des Freistaates Thüringen, Ursula Schweitzer, Helga Egerer, Uwe Hörschelmann, AWO-Landesvorsitzender Werner Griese, Edda Waskow, AWO-Landesgeschäftsführer Ulf Grießmann

15. AWO-Ball im Erfurter Kaisersaal gefeiert Bereits zum 15. Mal fand im Oktober der traditionelle AWOBall statt. Der Ball ist ein Dankeschön an die vielen freiwilligen Helfer, die sich im Verband und in den über 400 sozialen Einrichtungen der AWO in ganz Thüringen engagieren. Ein Höhepunkt war auch in diesem Jahr die Verleihung zahlreicher Ehrungen an besonders engagierte Ehrenamtliche in der AWO. Die höchste Auszeichnung der AWO Thüringen, die Emma-Sachse-Ehrung, erhielt in diesem Jahr Wolfgang Metz, der langjährige ehrenamtliche Aufsichtsratsvorsitzende der AWO AJS gGmbH. Über 400 Gäste waren auch in diesem Jahr gekommen, um im Erfurter Kaisersaal gemeinsam das Ehrenamt und die Preisträger zu feiern. Musikalisch begrüßt wurden sie bereits im Entree des Kaisersaals vom Projekt „IRRE Trommeln“ der Tagesstätte für Menschen mit psychischer Beeinträchtigung in Bad Salzungen. Besucher der Tagesstätte hatten selbstgebastelte Cajons, bunte Kistentrommeln aus Holz, Gitarren und zum Teil selbst komponierte Musiktitel mitgebracht und sorgten so schon für die erste Überraschung, noch bevor der Ball offiziell begann. Die Festrede hielt in diesem Jahr Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht. Sie wies auf die Bedeutung des Ehrenamts hin und brachte klar zum Ausdruck:

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v.l.n.r.: AWO-Landesvorsitzender Werner Griese, Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht, Emma-Sachse-Preisträger Wolfgang Metz, AJS-Geschäftsführer Michael Hack und AWO-Landesgeschäftsführer Ulf Grießmann Ohne freiwilliges Engagement kann eine solidarische Gesellschaft nicht funktionieren. Das unterstrich auch der AWO-Landesvorsitzende Werner Griese: „Mit dem AWOBall wollen wir speziellen Menschen Danke sagen, für jahrelanges Engagement im Verband, für tolle Ideen und für die Bereitschaft, gemeinsam mit uns an einer sozialeren Gesellschaft zu arbeiten.“


Die höchste Auszeichnung der AWO Thüringen, die Emma-Sachse-Ehrung für herausragendes ehrenamtliches Engagement, ging in diesem Jahr an Wolfgang Metz. In über 23 Jahren hat Wolfgang Metz die Entwicklungen der AWO seit der Wende mit begleitet und maßgeblich geprägt. Als Vorsitzender des Bezirksverbandes Nordthüringen und als ehrenamtlicher Aufsichtsratsvorsitzender der AWO AJS gGmbH war er am Aufbau und der Professionalisierung der sozialen Arbeit der AWO maßgeblich beteiligt. „Wirtschaftlichkeit und gute Sozialarbeit sind kein Widerspruch, sondern allenfalls ein Spagat“, sagte Michael Hack, Geschäftsführer der AWO AJS gGmbH, der die Laudatio auf den Preisträger hielt. „Wolfgang Metz hat das immer wieder bewiesen und viele wichtige AWO-Projekte in Thüringen mitentwickelt und vorangetrieben.“ Auch im Erfurter Stadtrat ist er seit über 20 Jahren ehrenamtlich engagiert.

Das Bandprojekt „IRRE Trommeln“ der AWO-Tagesstätte für Menschen mit psychischer Beeinträchtigung aus Bad Salzungen empfing die Besucher

Im Anschluss an die Emma-Sachse-Ehrung wurden vier Ehrenamtsmedaillen der AWO Thüringen vergeben. Die erste Medaille ging an Edda Waskow aus dem AWO Kreisverband Saalfeld-Rudolstadt. Edda Waskow leitet seit vielen Jahren den AWO Ortsverein Katzhütte, organisiert dort ein reges Vereinsleben und kümmert sich um die örtliche Begegnungsstätte. Sie gründete einen Chor und eine Kabarettgruppe, die mittlerweile im ganzen Landkreis bekannt sind. Mit viel Liebe bringt sie sich ein und motiviert dadurch auch andere Menschen zum Engagement in der AWO. Die zweite Medaille erhielt Ursula Schweitzer aus dem AWO Kreisverband Greiz. Ihre Wirkungsstätte ist das AWO Pflegeheim in Burkersdorf. Regelmäßig besucht sie die Senioren, die dort leben, liest ihnen aus der Zeitung vor und hat immer ein offenes Ohr für die kleineren und größeren Sorgen des Alltags. Mit ihrer herzlichen Art bereitet sie den Bewohnern viel Freude. Auch bei Veranstaltungen des Hauses beteiligt sie sich, unterstützt die Mitarbeiter und ist so zu einem wichtigen und geschätzten Bestandteil des Hauses geworden.

Der AWO-Landesvorsitzende Werner Griese

Aus dem AWO Kreisverband Erfurt wurde Uwe Hörschelmann für sein großes ehrenamtliches Engagement geehrt. Uwe Hörschelmann ist seit 1990 Mitglied in der AWO. Von 1992 bis 1993 engagierte er sich als Vorstandsvorsitzender des Kreisverbandes Erfurt, aktuell ist er als Vorsitzender des AWO Ortsvereins Erfurt Süd-Ost aktiv, akquiriert neue Mitglieder, organisiert Veranstaltungen und arbeitet am Wiederaufbau eines regen Vereinslebens. Die vierte Ehrenamtsmedaille ging an Helga Egerer aus dem AWO Kreisverband Saalfeld-Rudolstadt. Helga Egerer ist im AWO Ortsverein Unterwellenborn engagiert und leitet seit 15 Jahren die örtliche Wandergruppe. Sie organisiert und plant Ausflüge und richtet diese fürsorglich auf die Bedürfnisse der Seniorinnen und Senioren aus. Mit ihrem ehrenamtlichen Engagement hält sie darüber hinaus viele Traditionen, wie das Pflaumenkuchen-Essen oder die Vorführung eines Märchens in der Weihnachtszeit, am Leben.

Die Festrede hielt die Thüringer Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht

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awo ball / über 120 Beratungen wurde das kostenlose Angebot bereits in Anspruch genommen.

AWO-Landesgeschäftsführer Ulf Grießmann (l.) und AWO-Landesvorsitzender Werner Griese (r.) mit Vetretern der ausgezeichneten Projekte Auch drei Ehrenamtsprojekte wurden im Rahmen des Wettbewerbs „Ausgezeichnete Ideen für eine gute Sache 2013“ vorgestellt und mit einem Preisgeld ausgezeichnet. Darunter das „Netzwerk Pflegebegleiter – Stärken vor Ort“ des AWO Kreisverbandes Sonneberg. Bereits seit neun Jahren sind die ehrenamtlichen Pflegebegleiter im Landkreis Sonneberg aktiv. Sie fungieren als Ansprechpartner bei Fragen rund um die Pflege, vermitteln Hilfsangebote und beraten bei Anträgen, zum Beispiel gegenüber den Pflegekassen. Vor allem aber haben sie immer ein offenes Ohr, nehmen sich Zeit und zeigen Verständnis für die kleinen und größeren Probleme im Alltag pflegender Angehöriger. Zu Beginn des Projekts wurden Ehrenamtliche gezielt für diese Aufgabe ausgebildet. Aktuell sind 12 Pflegebegleiter im Einsatz. In

Das Projekt „Unser lebendiger Adventskalender“ bescherte den Kindern der Kita „Tausendfüßler“ aus Neuhaus eine besondere Vorweihnachtszeit mit vielen Überraschungen. Es wurde von Eltern und Großeltern ehrenamtlich vorbereitet und umgesetzt. Jeden Tag versteckte sich hinter einem der Türchen des Adventskalenders eine andere Aktivität. Da kam ein Vater im Rentierkostüm in die Kita, um mit den Kindern einen Tanz einzustudieren. Ein Großvater nahm die Kinder mit zur Wildtierfütterung in den verschneiten Winterwald. Gemeinsam wurden Geschichten gelesen, Plätzchen gebacken und Feste organisiert. Das Projekt hat den Kita-Alltag in Neuhaus sehr bereichert und bei den Eltern den Spaß am Ehrenamt geweckt. Seitdem sind viele Eltern und Familien viel häufiger in der Kita, bringen sich ein und gestalten den Alltag im Kindergarten mit. Schon seit 2010 gibt es das Projekt „ZeitSchenkerBank“ des AWO Kreisverbandes Altenburger Land. Es soll Einrichtungen vernetzen und so ehrenamtliches Engagement in der Region bündeln, um es gezielter einsetzen zu können. Dazu wurden in AWO-Pflegeheimen, Kitas und Seniorenbegegnungsstätten Ehrenamtskoordinatoren ernannt, die in regelmäßig stattfindenden Ehrenamtszirkeln zusammenkommen. So entstand ein ganzer Pool aus Ehrenamtlichen, die einrichtungsübergreifend zur Verfügung stehen und gezielt in die Einrichtungen vermittelt werden, in denen Hilfe gebraucht wird. Auch zahlreiche neue Ehrenamtsprojekte in und um Altenburg sind auf diese Weise entstanden. Die Projekt-Preisträger des Wettbewerbs wurden mit jeweils 1.000 Euro zur Fortsetzung ihrer Arbeit ausgezeichnet.

Lichterkinder gegen Armut ligt sich damit an einer gleichnamigen Kampagne der Hilfsorganisation „World Vision“ und sammelt Spenden für arme Kinder in Sierra Leone.

Ein Laternenumzug der AWO Kita „Villa Sonnenschein“ in Steinach an Martini hat den Auftakt für das Ganzjahresprojekt „Lichterkinder“ der Einrichtung gesetzt. Die Kita betei-

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Ganz im Sinne des Sankt Martin haben sich die Kinder mit ihren Laternen und Liedern am Marktplatz der Stadt Steinach getroffen und sind von dort gemeinsam in das Foyer des örtlichen Seniorenheimes gezogen. Die älteren Menschen haben sich über das Ständchen sehr gefreut. Dann ging es weiter zu einem beeindruckenden Umzug durch die Stadt. Mit allen Eltern und Großeltern zählte die Kita-Familie an diesem Abend rund 250 Teilnehmer, die viel Aufmerksamkeit erregten. Kita-Leiterin Brigitte Dorst freute sich über die große Resonanz. Zum Abschluss hat sie im Gasthof einen kleinen Imbiss für die „Lichterkinder“ vorbereitet. Den Erlös nebst weiteren Spenden in Höhe von 250 Euro hat sie bereits für die Kinder in Sierra Leone überwiesen. Weitere Aktionen sollen folgen.


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Partizipation - wie soll das funktionieren? Pädagogischer Fachtag der AWO-Kitas in Gera Zu einem zweiten Fachtag „Partizipation – teilhaben und mitbestimmen – Wie soll das funktionieren?“ hat der AWO Stadtverband Gera Erzieher und Pädagogen aus der Ostthüringer Region eingeladen und konnte über 150 Teilnehmer verschiedener Träger begrüßen. Durch die Veranstaltung führte Prof. Dr. Malte Mienert, Psychologe an der Neuen Europäischen Universität Kerkrade. Bei Erziehern und auch Eltern sind in den letzten Jahren der Wunsch und die Bereitschaft gewachsen, Kinder demokratisch in die Entscheidungsprozesse im (Kita-)Alltag einzubeziehen. Damit stellt sich für viele die Frage nach praktischen und alltagstauglichen Ideen, mit denen diese Einbeziehung gelingen kann, ohne dass Ängste oder Chaos entstehen. Professor Mienert vertritt die Meinung, dass demokratische Mitbestimmung von Kindern im Alltag in erster Linie eine Haltungsfrage von Pädagogen ist und Demokratie von Vorbildern gelernt und nacherlebt wird. Mit seiner Hilfe konnten Modelle der Mediation und Verhandlungsführung mit Kindern praktisch ausprobiert, aber auch Grenzen, Altersunterschiede und die Rolle der Erzieher in Partizipationsprozessen thematisiert werden. Als eine praktische Umsetzungsmethode von Partizipation in Einrichtungen haben die Teilnehmer die Kinderkonferenz erlebt. Die Interventionen von Professor

Professor Mienert beim Fachvortrag Mienert veranlassten die Pädagogen immer wieder, eigene Haltungen und Werte in der Arbeit mit Kindern zu überdenken. Die AWO Thüringen setzt sich landesweit für eine stärkere Mitbestimmung und Teilhabe von Kindern und Jugendlichen ein. Auf der Landeskonferenz 2012 haben die Delegierten die Partizipation von Kindern und Jugendlichen als handlungsleitenden Grundsatz der AWO verankert und sich die Aufgabe gestellt, angemessene Beteiligungsmöglichkeiten zu schaffen. Außerdem hat die AWO entsprechende Forderungen an die Landes- und kommunale Politik formuliert.

Kindergarten-Biathlon mit Jay Hakkinen Der amerikanische Biathlet Jay Hakkinen hat die Kinder der Weimarer AWO Kita „Am Goethepark“ zu einem KindergartenBiathlon eingeladen. Der bekannte Sportler, der mehrfach an den Olympischen Spielen teilgenommen hat, wohnt seit 2002 mit seiner Familie in Weimar. Hier bereitet er sich auf seine Wettkämpfe vor. Auch Tochter Stella besucht die Kita. Die Kinder kennen den prominenten Vater deshalb bereits recht gut und waren begeistert bei der Sache. Zunächst erklärte Hakkinen den Kindern seine Sportart und die dazugehörigen Sportgeräte. Wie bei jedem Wettkampf wurden vor dem Start erst einmal die Muskeln aufgewärmt. In einem kindgerechten Parcours konnten die kleinen Sportler dann den Wechsel zwischen körperlicher Anstrengung und Konzentration trainieren. Nach einem Lauf durften sie wie beim richtigen Biathlon mit einem Laser-Trainingsgewehr das zielsichere Schießen üben. Um Sieg oder Niederlage ging es in der Kita aber nicht. Ganz nach dem olympischen Gedanken hieß es: „Dabeisein ist alles.“ Deshalb haben alle Kinder am Ende eine Medaille und eine Urkunde erhalten.

Jay Hakkinen in der Kita „Am Goethepark“ Der Biathlon mit dem amerikanischen Olympioniken passt in das pädagogische Konzept der Einrichtung. Denn die AWO Kindertagesstätte „Am Goethepark“ ist eine sogenannte bewegungsfreundliche Kita. Die Kinder sind dabei viel aktiv und werden gezielt zu mehr Spaß an Bewegung und Sport gefördert. Die Einrichtung hält dabei engen Kontakt zum Landessportbund und anderen Sportvereinen der Stadt.

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Nachgefragt: „Drei Fragen an“ Die Interviewserie „Drei Fragen an“ richtet sich an Personen des gesellschaftlichen Lebens in Thüringen. Wir wollen wissen, welchen Blick diese Menschen auf das ehrenamtliche Engagement in Freistaat haben, was sie selbst zu ehrenamtlichen Tätigkeiten bewegt und was man möglicherweise anders oder besser machen sollte. Den Auftakt haben die Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbandes in Thüringen, Anita Grasse, die Sonneberger Landrätin Christine Zitzmann und der Präsident des Thüringer Gemeinde- und Städtebundes, Michael Brychcy, gemacht.

Drei Fragen an Anita Grasse, Vorsitzende des Deutschen JournalistenVerbandes Thüringen Frau Grasse, Sie sind eine viel beschäftigte Journalistin und engagieren sich aber trotzdem noch ehrenamtlich als Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbandes in Thüringen. Warum eigentlich? Weil es genug zu tun Anita Grasse gibt, und auch genug Menschen, die nur jammern oder meckern. Ich wollte das nicht. Unsere Branche befindet sich seit einiger Zeit im Umbruch, und die Konsequenzen für Journalisten sind nicht eben rosig. Stellenstreichungen, Dumping-Honorare, Vertragsbefristung nach Vertragsbefristung für junge Kollegen, Buyout-Verträge für Freie – sowohl als Gewerkschaft als auch als Berufsverband arbeiten wir hart, um für Bedingungen zu kämpfen, unter denen Journalisten ihrem demokratischen Auftrag gerecht werden können. Erfolgreich geht das nur, wenn unsere hauptamtlichen Mitarbeiter von starken Ehrenamtlichen unterstützt werden. Mein Vorgänger hat das fast 20 Jahre lang vorgelebt. Ich wollte das weiterführen und gleichzeitig ein authentischer Ansprechpartner auch für junge Kollegen werden und neue, moderne Impulse setzen. Welchen Blick haben Sie als Journalistin auf die Entwicklung des Ehrenamtes in Thüringen? Durch mein eigenes Ehrenamt ist mir viel bewusster geworden, wie viele Menschen sich in Thüringen ehrenamtlich engagieren. In Vereinen, Verbänden, im Sport, im sozialen Bereich und in der Kultur. Ich finde das bewundernswert und freue mich, dass viele Orte ihre Ehrenamtlichen

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einmal im Jahr mit einem Ball oder einem Ehrenamtstag honorieren. Allerdings wäre es schön, wenn die Öffentlichkeit das Engagement der Ehrenamtlichen eben nicht nur an solchen Tagen würdigen würde. In den Thüringer Medien spielen die Ehrenamtlichen jedenfalls schon lange eine größere Rolle – gerade in der Lokalberichterstattung. Sie sind Profi in Fragen der öffentlichen Wahrnehmung. Was müssen Ehrenamtler Ihrer Meinung nach noch lernen, damit sie und ihre Arbeit mehr Aufmerksamkeit erfahren? Meiner Meinung nach sollten Ehrenamtliche vor Antritt ihres Amts vernünftig geschult werden – nicht nur in den rechtlichen Fragen ihres Engagements, sondern eben auch im Umgang mit den Medien. Ich kenne viele, sehr engagierte Menschen, die vor lauter Unsicherheit lieber jeden Kontakt zu den Medien vermeiden, dabei kenne ich keinen Thüringer Journalisten, der Ehrenamtliche fressen würde. Aber wer kaum Kontakt zu Medien hat und nicht weiß, wie sie arbeiten, kann auch nicht einschätzen, warum bestimmte Fragen gestellt werden. Aufklärung kann da eine Menge Angst nehmen und nur, wer aktiv auf die Medien zugeht, kann öffentliche Aufmerksamkeit für sein Engagement generieren.

Drei Fragen an Christine Zitzmann, Landrätin des Landkreises Sonneberg Welche Bedeutung hat ehrenamtliches Engagement für das Leben im Landkreis Sonneberg? Das Ehrenamt ist das Scharnier, das unsere Gesellschaft zusammenhält und lebenswert macht. Es ist ein unverzichtbarer Teil Christine Zitzmann unseres Seins. Es ist überall dort von Menschen für Menschen da, wo die Möglichkeiten des Staates enden. Ohne Bürgerinnen und Bürger, die sich für andere engagieren, wäre unser Zusammenleben so viel ärmer, unsere Regionen so wenig lebenswert und unsere Gemeinschaft schlichtweg nicht mehr existent. Dies gilt im Landkreis Sonneberg genauso wie für andere Regionen und betrifft nahezu jeden Bereich unseres Lebens – vom Sozialen über die Bildung, die öffentliche Sicherheit, den Brandund Katastrophenschutz, die Kultur, den Sport und vieles mehr. Das Ehrenamt kennt Gott sei Dank fast keine Ausnahmen und ich freue mich deshalb sehr über jeden, der sich ehrenamtlich engagiert.


Gibt es eine Initiative oder Ehrenamtliche, die Sie ganz persönlich besonders beeindruckt haben? Es gibt so viele bewundernswerte ehrenamtliche Projekte, die hier eine Erwähnung verdient hätten. Ich täte daher vielen Unrecht – denn ich kann beileibe nicht alle aufzählen, die mir in positiver Erinnerung sind. Bewegend ist es für mich immer wieder, wenn durch ehrenamtliche Arbeit Schwächeren Hilfe und Trost zuteil wird, zum Beispiel in Form von Betreuungsvereinen oder durch die Arbeit der AWO. Oder auch, wenn man sich zusammentut, um über einen Verein Kulturschätze zu erhalten bzw. deren Erhalt zu unterstützen, wie es zum Beispiel der Sonneberger Museums- und Geschichtsverein für die älteste deutsche Spielzeugsammlung, das Deutsche Spielzeugmuseum in Sonneberg, tut. Ohne diese Unterstützung könnte die öffentliche Hand gar vieles nicht mehr stemmen und es tut sehr gut, diese Kümmerer und MitMacher um sich zu wissen. Wie beurteilen Sie die „Nachwuchsgewinnung“ im Ehrenamt? Was kann hier gegebenenfalls verbessert werden? Natürlich ist die Nachwuchsgewinnung angesichts des demografischen Wandels in einigen Bereichen des Ehrenamts schwieriger geworden, zum Beispiel bei den Freiwilligen Feuerwehren. Wichtig ist deshalb, dass man das Ehrenamt an sich, wo immer möglich, unterstützt. Vor allem aber müssen wir gemeinschaftlich weiter für die großartige Idee werben, die hinter dem Ehrenamt steht. Nämlich dass es sich lohnt, für sich und andere etwas zu tun und dass mit dem Ehrenamt eine große Portion Erfüllung einhergeht. Wer gibt, erhält immer auch etwas zurück. Ich wünsche mir sehr, dass sich die junge Generation noch mehr auf diesen Grundsatz einlässt und ihn mit Neugier ausprobiert.  

Drei Fragen an Michael Brychcy, den Präsidenten des Thüringer Gemeindeund Städtebundes Herr Brychcy, viele tausend Thüringer Bürger engagieren sich ehrenamtlich. In der Lokalpolitik, in Sportvereinen, in der Kultur oder in sozialen Einrichtungen. Welche Bedeutung hat das aus Ihrer Sicht für die Thüringer Kommunen?

Das Ehrenamt in den Kommunen hat einen sehr hohen Stellenwert. Ohne die vielen ehrenamtlichen Helfer würde in vielen Gemeinden das soziale Miteinander nicht funktionieren. Ehrenamtliche unterstützen in Sport, Kinder- und Jugendarbeit oder bei der Seniorenbetreuung. Ohne unsere fleißigen ehrenamtlichen Helfer würden viele Dorf- und Stadtfeste nicht stattfinden können. Ich denke hier u.a. an das hohe Engagement der Freiwilligen Feuerwehr. Gerade die Feuerwehr ist zu jeder Tages- und Nachtzeit bereit zu helfen, ihr Leben und ihre Gesundheit aufs Spiel zu setzen. Dafür gebührt ihnen ein großer Dank. Aber nicht nur dies – ob Dorffest, Maibaumsetzen o. ä. Tätigkeiten, die Kameradinnen und Kameraden unterstützen jedes Fest und jede Veranstaltung. An dieser Stelle sei mir ein ganz großes Dankeschön an alle ehrenamtlichen Helfer gestattet. Haben Sie sich selbst schon ehrenamtlich engagiert? Welche Erfahrungen haben Sie dabei gemacht? Ich engagiere mich selbst auch ehrenamtlich im Feuerwehrverein und im Karnevalsverein. Dabei habe ich gute Erfahrungen gemacht. Nicht nur, dass man bei dieser Tätigkeit viel Freude haben kann, sondern es verbindet. Das Miteinander in einem Verein, für eine gute Sache tätig zu sein, ist ein hohes Gut. Der demografische Wandel macht vielen Thüringer Kommunen Sorgen und stellt auch lokale Vereine und Initiativen vor große Herausforderungen. Welche Wege sehen Sie zur „Nachwuchsgewinnung“? Der demografische Wandel und die Nachwuchsgewinnung machen allen Vereinen schwer zu schaffen. Dennoch gibt es gute Ansätze. So gehen insbesondere die Feuerwehr und die Sportvereine in Kindergärten und Schulen und werben für ihre Vereine. Ein Großteil der ehrenamtlich Tätigen sind heute bereits Senioren. Hier sehe ich einen guten Ansatz, noch mehr Senioren für ehrenamtliche Tätigkeiten zu gewinnen. Viele Menschen sind im Rentenalter topfit und freuen sich, eine sinnvolle Beschäftigung zu haben. Hier gibt es mit Sicherheit noch ein großes Potential, Menschen für ein Ehrenamt zu begeistern.

Diese und alle zukünftigen Interviews können Sie auch auf der Internetseite des AWO Landesverbandes Thüringen unter www.awo-thueringen.de und auf der Facebook-Seite des Landesverbandes unter www.facebook. com/awothueringen nachlesen.

Michael Brychcy

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Ehrenamtler vorgestellt: Hanni Kreml Leiterin der Demenzgruppe in Schmalkalden Jeden zweiten Dienstag berät Hanni Kreml in der AWO-Begegnungsstätte Schmalkalden Angehörige von Demenzpatienten. Im vertrauensvollen Gespräch klärt sie über die Krankheit auf, gibt Rat und Hilfe, spendet Trost und Zuversicht. Sie hält Vorträge zum Leben mit Demenz und beantwortet Fragen zu Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung. „Wer demenziell erkrankte Menschen pflegt, hat oft wenig Zeit für sich selbst“, weiß Hanni Kreml. Um die Angehörigen zu entlasten, organisiert sie regelmäßig Angebote zur Betreuung der Erkrankten. Gedächtnistraining, gemeinsame Spiele, die Jahreszeiten mit allen Sinnen erleben, all das steht auf dem Programm. Dazu bringt sie im Frühjahr Kräuter und Blumen aus dem eigenen Garten mit, im Herbst Äpfel. „Damit das Erinnerungsvermögen angeregt wird“, erklärt sie.

Hanni Kreml

Die examinierte Pflegefachkraft mit 20 Jahren Berufserfahrung ist Expertin auf diesem Gebiet. Seit 1991 und bis zu ihrem Ruhestand war sie im ambulanten Pflegedienst tätig und ist als „Schwester Hanni“ in und um Schmalkalden bekannt und anerkannt. Sie war eine der Initiatoren der sozialen Arbeit der AWO in Schmalkalden und kennt hier alles und jeden. Neben ihrer Tätigkeit bei der AWO ist sie als ehrenamtliche Hospizbegleiterin aktiv und arbeitet im

Behindertenbeirat der Stadt Schmalkalden mit. Rosemarie Erbe, die Leiterin der AWO-Begegnungsstätte, sagt über sie: „Sich kümmern, sich einbringen, das ist ihr Ding. Sie ist eine sehr lebensbejahende Frau. Und sie kann das, was viele Menschen nicht können – sie kann Menschen bis zum Schluss begleiten.“ Im Jahr 2012 wurde Hanni Kreml für ihr Engagement bereits mit der Schmalkaldener Rose ausgezeichnet.

Bundestagung der Freiwilligenagenturen in Gera

Freiwilligenkoordinatoren der AWO Thüringen

Zukunftsträchtige Themen standen im Mittelpunkt des Treffens. Allen voran die Frage nach Trends der Zukunft und wie diese ehrenamtliches Engagement beeinflussen werden. Im Umkehrschluss stand die Überlegung, ob auch bürgerschaftliches Engagement Zukunftstrends mitgestalten kann. Intensiv haben die Teilnehmer darüber diskutiert, wie bewährte Traditionen und neue Herausforderungen am besten verbunden werden können. Das Freiwilligenmanagement müsse professioneller und die Strukturen, die das Engagement fördern, besser ausgebaut werden, lautete das Fazit. Schon das ist eine Herausforderung für die zukünftige Arbeit.

Zum ersten Mal in Thüringen fand Mitte November die Jahrestagung der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen in Gera statt. Das Thema der Veranstaltung lautete „Brüche, Trends und Traditionen – Bürgergesellschaft engagiert gestalten“. Rund 200 Förderer des freiwilligen Engagements aus ganz Deutschland nahmen teil. Mittendrin die Mitarbeiter der Koordinierungsstelle Ehrenamt der AWO Thüringen und die Freiwilligenkoordinatoren der AWO-Kreisverbände. Sie präsentierten die erfolgreiche Arbeit der AWO mit einem Infostand.

Neben den neuen Fachinformationen stand für die Teilnehmer besonders der praxisorientierte Austausch im Vordergrund. Auf diese Weise konnten die Freiwilligenkoordinatoren der AWO Thüringen die Ergebnisse ihrer bisherigen Arbeit überprüfen und sich mit anderen Organisationen und Bundesländern vergleichen. Dabei wurde die Koordinierungsstelle Ehrenamt der AWO Thüringen mit der Qualifizierung der Freiwilligenkoordinatoren und dem Aufbau von Netzwerken in den AWO-Verbänden und Einrichtungen als sehr professionell bewertet.

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Fünf Jahre Netzwerk AWO-Ehrenamtskoordinatoren Ende November konnte das Netzwerk der AWO-Ehrenamtskoordinatoren der AWO Thüringen auf fünf Jahre erfolgreiche Arbeit zurückblicken. 2008 entschieden die Kreisverbände, die Koordination des Bereiches Ehrenamt und Freiwilligenarbeit in hauptamtliche Hände zu geben. Schnell entwickelte sich in der Thüringer AWO eine einzigartige Struktur von festen regionalen Ansprechpartnern rund um das freiwillige Engagement. „Die Arbeit im Netzwerk ist praxisorientiert und wir lernen voneinander“, sagt Gabi Hildebrandt aus dem AWO Kreisverband Bad Langensalza. Sie ist eine der 15 hauptamtlichen Ehrenamtskoordinatoren der AWO Thüringen und ein Profi in Engagementfragen. Fundraising, Öffentlichkeitsarbeit, Organisations- und Projektentwicklung sind nur einige Themen, die bei den fünf Netzwerktreffen im Jahr bearbeitet werden. Viele Projekte konnten bereits erfolgreich landesweit etabliert werden. Beispielsweise der Schülerfreiwilligentag, die Freiwilligenaktionstage oder die Präsenz bei den Seniorentagen der Thüringenmesse. Die AWO hat sich mit ihrem professionellen Netz von Ehrenamtskoordinatoren zu einem festen Partner in der Thüringer Engagementlandschaft entwickelt, konnte viele Ehrenamtliche erfolgreich an den Verband binden und neue Aktive gewinnen.

AWO-Ehrenamtskoordinatoren bei einem der zahlreichen Netzwerktreffen „Das Thema Ehrenamt hat in der AWO seinen besonderen Platz. Da wir alle ähnliche Voraussetzungen und das gleiche Leitbild haben, arbeiten wir auf gleicher Stufe“, sagt Anja Pfotenhauer aus dem AWO Kreisverband Jena-Weimar. „Der gegenseitige Austausch motiviert uns, beflügelt uns zu neuen Ideen und gibt uns Kraft für kommende Herausforderungen.“ Und das ist wichtig. Schließlich sind derzeit bereits 4.500 Menschen ehrenamtlich in der AWO Thüringen aktiv. Auch aus diesem Grund wurde die Stellung der Ehrenamtskoordinatoren von den Mitgliedern des Landesausschusses 2013 nochmals gestärkt.

„Kein Erfolg ohne Ehrenamt!“ AWO-Ortsvereine tauschen Erfahrungen aus Zum 10. Erfahrungsaustausch haben sich Ende Oktober über 40 Vertreter aus 25 Ortsvereinen der AWO Thüringen in Oberhof getroffen. Der zweitägige Workshop diente dazu, Kontakte zu knüpfen, besonders gelungene Projekte vorzustellen und Probleme zu besprechen. Am zweiten Tag nahmen sich die Teilnehmer aus den Ortsvereinen Zeit, gemeinsam neue Angebote für die Vereinsarbeit zu entwickeln. Unter den Arbeitsüberschriften „Voneinander lernen“, „Frische Ideen entwickeln“ und „Wie gewinne ich Menschen?“ haben die Vertreter der Ortsvereine im Plenum und in Kleingruppen zusammen gearbeitet. Nachdenklich machte das Projekt „Rechts geht’s lang? – Nicht mit der AWO!“, das allen Haupt- und Ehrenamtlichen Möglichkeiten zeigt, sich für das Thema Rechtsradikalismus, Toleranz und Demokratie zu sensibilisieren. „KulturKlatsch – Auseinandersetzung mit Vorurteilen“ ist ein speziell erstelltes Programm für die Arbeit in Seniorenbegegnungsstätten, das vorgestellt und diskutiert wurde. Viele persönliche Begegnungen, gute Gespräche und ein Diavortrag rundeten die Arbeitstagung der Ortsvereine ab. „Kein Erfolg ohne Ehrenamt!“ schrieb eine Teilnehmerin als ihr Fazit des Treffens auf eine Karte.

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spenden

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Barrierefreies Wohnen in Zeulenroda feiert Jubiläum Im April 1991 übernahm die AWO Zeulenroda das damalige Kreispflegeheim. Das Gebäude war in einem sehr schlechten Zustand und konnte nicht mehr als Pflegeeinrichtung genutzt werden. 1995 entstand deshalb direkt neben dem Haus das moderne Seniorenpflegeheim „Am Birkenwäldchen“, das sich in Trägerschaft der AWO AJS gGmbH befindet. 1997 wurde auch das historische Gebäude vollkommen saniert. Es entstanden 26 barrierefreie Wohnungen.

Die Mieter der barrierefreien Wohnanlage „Am Birkenwäldchen“ in Zeulenroda haben am 16. Oktober mit vielen Gästen das 100-jährige Bestehen des Hauses gefeiert. Ein Filmvortrag zeigte die Geschichte des Gebäudes, das 1913 am gleichen Tag als „Landessiechenheim“ eingeweiht wurde. Bis zu 100 kranke und pflegebedürftige Menschen fanden hier für damalige Bedingungen gute Pflegeverhältnisse vor. Über die Jahre wechselte das Haus mehrfach seine Besitzer und seine Bestimmung.

AWO International bittet um Spenden für die Philippinen Angesichts der gewaltigen Zerstörungen, die der Taifun „Haiyan“ auf den Philippinen hinterlassen hat, ruft AWO International zu einer Spendenaktion auf. In der Küstenstadt Tacloban sind 80 Prozent der Gebäude zerstört, ganze Landstriche wurden komplett verwüstet. Das Ausmaß der Zerstörungen erinnert an die Tsunami-Katastrophe im Jahr 2004 und Millionen Menschen sind jetzt dringend auf Hilfe angewiesen. Deshalb hat AWO International umgehend 20.000 Euro aus dem Nothilfefonds zur Verfügung gestellt und wird gemeinsam mit der Partnerorganisation HelpAge Soforthilfe in den betroffenen Gebieten durchführen. Dringend benötigt werden Nahrungsmittel, Medikamente, Wasser, Zelte und Material für die Notunterkünfte. In der ersten Phase der Hilfsmaßnahmen sollen circa 95.000 Menschen erreicht werden.

Spendenkonto AWO International: Stichwort „Taifun Haiyan“ Spendenkonto 10 11 12 Bank für Sozialwirtschaft BLZ 100 205 00

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AWO-Landesausschuss gegen Rechtsextremismus Der AWO-Landesausschuss am 6. November hat sich mit dem Thema „Rechtsextremismus in Thüringen“ auseinandergesetzt. Er folgte damit einem Beschluss der Landeskonferenz im vergangenen Jahr, nachdem sich die AWO im Freistaat gezielt gegen rassistische und menschenfeindliche Einstellungen einsetzt und aktiv rechten Tendenzen entgegentritt. Bereits zu Beginn des Jahres hat der AWO Landesverband gemeinsam mit dem Landesjugendwerk der AWO Thüringen das Projekt „Rechts geht’s lang? – Nicht mit der AWO!“ gestartet, das den Ausbau demokratiefördernder Strukturen in der AWO Thüringen stärkt. Das Projekt regt einen innerverbandlichen Diskurs an, unterstützt Kampagnen, schult und sensibilisiert haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter gegen rechte Tendenzen. Auf der Landesauschusssitzung berichtete Projektmitarbeiterin Melanie Morawa den Teilnehmern über den aktuellen Projektstand und die nächsten Schritte des Projektes. Zwei Impulsreferate zu den Themen „Rechtsextremismus in Thüringen“ und „Die Zeichensprache der Nazis“ hielt Stefan Heerdegen vom Verein Mobit e. V.

Auf der Ausschusssitzung wurden zahlreiche Anträge behandelt, unter anderem zum Thema Ehrenamt Im Rechenschaftsbericht des AWO-Landesvorstandes kündigte der Landesvorsitzende Werner Griese für das kommende Jahr zudem zwei Zukunftskonferenzen an. Die erste Zukunftskonferenz beschäftigt sich im März mit Fragen der Partizipation von Kindern und Jugendlichen in der AWO. Die zweite Konferenz findet dann im November statt. Schwerpunkt ist hier das ehrenamtliche Engagement und die Mitgliedschaft. Beide Konferenzen sind Teil eines Arbeitsprozesses unter der Überschrift: „Die AWO im Jahr 2025“ und sollen die Frage beantworten, wie die AWO auch in den kommenden Jahren noch attraktiv für junge Menschen und neue Mitglieder bleibt. Der Landesausschuss ist nach der Landeskonferenz das zweithöchste Entscheidungsgremium der AWO Thüringen. Er tritt jedes Jahr zusammen. An ihm nehmen die Vorsitzenden der Mitgliedsverbände des AWO Landesverbandes Thüringen und der Landesvorstand stimmberechtigt teil.

Stefan Heerdegen vom Verein Mobit e. V. referierte über rechtsradikale Strukturen in Thüringen Die derzeitigen Proteste gegen Flüchtlinge oder Flüchtlingsheime in einzelnen Städten, die zum Teil durch Rechtsradikale oder populistische Organisationen ausgenutzt werden, zeigen, wie aktuell und wichtig entschlossene Zivilcourage hier ist. Die AWO reagiert damit auch auf die Morde des NSU und die Ergebnisse der NPD in Thüringen bei der diesjährigen Bundestagswahl. Auf der Tagesordnung standen auch Anträge zu Aufsichtsrecht und Aufsichtspflicht des Landesverbandes und zur Stärkung der Ehrenamtskoordination in den AWOKreisverbänden.

Teilnehmer des AWO-Landesausschusses

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fakten

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Der AWO Kreisverband Nordhausen e. V. Vier Fragen an: AWO-Kreisvorsitzende Dagmar Becker Was ist die AWO für dich?

Dagmar Becker, Vorsitzende des AWO Kreisverbands Nordhausen

Die AWO ist einer der sechs Spitzenverbände der freien Wohlfahrtspflege Deutschlands. Wir begleiten all jene Menschen, die uns brauchen, mit liebevoller Hingabe. Vom ersten Lebensjahr bis zum Lebensende, in ehrenamtlicher oder professioneller Dienstleistung.

Was war dein schönster Moment im Verband?

Ich durfte schon so viele schöne Momente im Verband erleben, dass ich keinen als „den schönsten“ bezeichnen möchte. Besonders freue ich mich auf die Besuche bei den Senioren in der Tagespflegeeinrichtung oder in den Ortsvereinen, tolle Momente erlebe ich auch regelmäßig in den Kindertagesstätten. Die Kinder tragen mit einer solchen Begeisterung ihre Darbietungen vor, dass mein AWO-Herz ganz laut schlägt.

grund im Umgang mit den Mitgliedern und auch mit den uns anvertrauten Personen.

Wo siehst du die AWO in zehn Jahren? Die demografische Entwicklung macht es ganz deutlich: Die Menschen in Deutschland werden immer älter. Einerseits ist es wichtig, starke Strukturen wie die AWO-Ortsvereine zu erhalten und das bei immer knapper werdenden Kassen. Senioren müssen Möglichkeiten haben, mit Anderen im Kontakt zu bleiben, zu plauschen und Freizeitangebote wahrzunehmen. Andererseits ist es notwendig, älteren Menschen, die unter seelischen und geistigen Erkrankungen, wie z. B. Depressionen, Gedächtnis- und Merkfähigkeitsstörungen oder Angstzuständen leiden, gute Pflege und Hilfe anbieten zu können. Kinder wollen stark ins Leben gehen. Wir begleiten sie dabei und stehen auch den Eltern gern mit Rat und Tat zur Seite. Wir sind fachlich kompetent, innovativ, verlässlich und sichern dies durch unsere ehren- und hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Was ist das Besondere an der AWO? Das Besondere an der AWO wird ganz klar mit unserem Logo ausgedrückt: Das geöffnete Herz. Es steht im Vorder-

In zehn Jahren wird die AWO in der Gesellschaft bei der Bewältigung vielfältiger sozialer Probleme mitgewirkt haben und dies auch weiterhin mit viel Enthusiasmus tun.

Zahlen, Daten, Fakten

1 Sozialzentrum in Heringen

4. Oktober 1990 Gründung des AWO Kreisverbandes Nord-

2 Tages- und Nachtpflegen in Bleicherode und Heringen

hausen e. V.

1 Beratungsstelle für Mutter-Kind-Kuren bzw. Familiener-

derzeit sind 504 Mitglieder im Verband organisiert

neun Ortsvereine in Bleicherode, Heringen, Auleben, Bie-

holung in Nordhausen •

hausen

len, Uthleben, Windehausen, Sundhausen, Hamma und Nordhausen Die AWO Nordhausen betreibt 19 soziale Einrichtungen und

1 Schuldner- und Verbraucherinsolvenzberatung in Nord-

1 „Küche mit Herz“ mit Essen auf Rädern in Bleicherode

9 Begegnungsstätten in Bleicherode/Wipperdorf, Heringen,

Dienste im Landkreis:

Auleben, Bielen, Uthleben, Windehausen, Sundhausen,

3 Kindertagesstätten in Bleicherode und Kleinfurra

Hamma und Nordhausen

1 Sozialstation in Bleicherode

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Der KV ist Arbeitgeber von 159 Mitarbeitern


Schüler musizieren für Senioren Der Schülerfreiwilligentag soll Berührungsängste abbauen und jungen Menschen Einblick in soziale Einrichtungen und die Möglichkeiten des bürgerschaftlichen Engagements bieten. In der AWO Tagespflege in Bleicherode ist diese Idee voll aufgegangen. „Seit dem Schülerfreiwilligentag im vergangenen Jahr besuchen uns einige Schüler öfters spontan und musizieren für die Tagesgäste“, sagt Pflegedienstleiterin Roswitha Krause. Die Tagespflege in der Sozialstation Bleicherode hatte sich in diesem Jahr zum dritten Mal am thüringenweiten Schülerfreiwilligentag beteiligt. Auch in zwei Kindertagesstätten des AWO Kreisverbandes waren Schüler des Schiller-Gymnasiums zu Gast. In der Tagespflege für Senioren haben die Gymnasiasten liebgewonnene Spiele mit den Tagesgästen gespielt, darunter Klassiker wie Halma oder „Mensch, ärgere dich nicht“. Die Schüler haben mit den Senioren gebastelt oder einfach nur geredet, über Gott und die Welt, die Vergangenheit und Zukunftspläne. Sogar das seit langem nicht mehr gespielte Klavier fand endlich wieder einmal einen Meister, so dass sich die Senioren über ein kleines Konzert freuen konnten. „Die Senioren genießen die Abwechslung und das Interesse der Jugendlichen“, sagt Roswitha Krause. „Die jungen Leute bringen frischen Wind in die Einrichtung und dazu viel Lebensfreude und Spontanität.“ Berührungsängste habe es kaum gegeben. „Übrigens von beiden Seiten nicht.

Schüler mit den Besuchern der Tagespflege Bleicherode Auch die Senioren haben sehr positiv auf die Schüler reagiert.“ In der AWO Kita „Schlösschen am Festplatz“ in Bleicherode haben die Gymnasiasten Requisiten und Bühnenbilder zum Thema „Weltall“ für das aktuelle Theaterstück der Kinder angefertigt. Bei den „Bleicheröder Knirpsen“ bauten und bemalten die Schüler Indianer-Tipis für das anstehende Cowboy- und Indianerfest der Kita. Insgesamt also ein voller Erfolg. Der Kreisverband Nordhausen wird sich deshalb auch 2014 wieder am Schülerfreiwilligentag beteiligen.

Kreisverband baut ehrenamtliche Strukturen weiter aus Natürlich war das auch eine gute Gelegenheit, den Engagierten mit einem Präsent für ihre Arbeit zu danken und bei einer Tasse Kaffee miteinander ins Gespräch zu kommen. Gemeinsam wurden Ziele und neue Aktionen geplant, die die ehrenamtliche Arbeit weiter stärken und noch mehr Engagierte gewinnen sollen. So sollen das Miteinander von haupt- und ehrenamtlicher Arbeit mehr gefördert und verstärkt werden. Auch passende Weiterbildungen im sozialund verbandspolitischen Bereich soll es geben.

Treffen der Ehrenamtlichen in der Begegnungsstätte Sundhausen Der AWO Kreisverband Nordhausen baut die ehrenamtlichen Strukturen weiter aus. Dazu haben sich der Vorstand und die Geschäftsführung des Kreisverbandes mit rund 50 ehrenamtlich Aktiven in der Begegnungsstätte Sundhausen zusammengesetzt und über Schwerpunkte der ehrenamtlichen Arbeit beraten.

Zusätzlich baut der Kreisverband Nordhausen zur Zeit eine Kooperation mit Schulen, Kommunen und Einrichtungen auf, um im Ehrenamtsbereich überall präsent und transparent zu sein. Eine sogenannte „Ehrenamtsdrehscheibe“ soll als zentrale Anlaufstelle interessierte Bürger in eine passende Aufgabe vermitteln und zentral koordinieren. So werden aktuell besonders Lesepaten und Begleiter bei Spaziergängen gesucht.

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Tanzen für die Gesundheit Wenn diese Damen auftreten, dann bebt der Saal. Die „AWO Sternchen“, eine Tanzgruppe des AWO Fördervereins „Zum Seilerpark“ in Schlotheim, ist auf vielen Veranstaltungen in der Region unterwegs. Im Dirndl, in Lederhosen, weihnachtlichen Kostümen oder als „süße Früchtchen“ zum Karneval treten die Tänzerinnen auf und sorgen für Spaß und Stimmung. Dabei hat die Tanzgruppe einen durchaus ernsthaften Hintergrund. Sie entstand vor circa drei Jahren als Teil eines gemeinsamen Gesundheitsprojektes von AWO und AOK im AWO Seniorenwohnpark Schlotheim. Denn Tanzen ist gut für Herz und Kreislauf, baut Stress ab und fördert die Lebensfreude.

Kontakt für Buchungsanfragen: Tanzgruppenleiterin Eileen Köhler 036021 98727

Die „AWO Sternchen“ vom AWO Förderverein „Zum Seilerpark“ Die Resonanz auf die ersten Auftritte war so überwältigend, dass sie mittlerweile aus keiner Veranstaltung mehr wegzudenken sind und sogar schon privat und in anderen Einrichtungen gebucht werden. Die Finanzierung der Kostüme wird durch den Förderverein unterstützt. Genäht, geändert und gestaltet wird von den Tänzerinnen selbst. Der AWO Förderverein „Zum Seilerpark“ besteht seit 2011 als Mitglied des Kreisverbandes Bad Langensalza. Derzeit engagieren sich 36 Mitglieder in dem Verein.

Seminare gegen Rechts Das Projekt „Rechts geht´s lang? - Nicht mit der AWO!“ des AWO Landesverbandes Thüringen bietet eine Qualifizierung in Einrichtungen und Vereinen in ganz Thüringen an. Ziel ist, die Mitarbeiter und Mitglieder der AWO so zu schulen, dass sie rechte Tendenzen erkennen, sensibel für diskriminierende All-

Ansprechpartnerin: Melanie Morawa Landesjugendwerk der AWO Thüringen Josef-Ries-Straße 15 - 99086 Erfurt

tagserfahrungen sind und Argumente gegen menschenverachtende Einstellungen und Rechtsextremismus griffbereit haben. Mit diesem Handwerkszeug können sie als Multiplikatoren antidemokratischen Tendenzen entgegentreten. Das Projektteam tauscht sich regelmäßig mit den AWOProjekten in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und dem AWO Bundesverband aus und entwickelt gemeinsame Strategien und Handreichungen zur Stärkung demokratischer Strukturen in der AWO. Es wird von Bundesministerium des Inneren gefördert.

Kochkurse in der AWO-Begegnungsstätte Wer am Mittwochvormittag in die AWO-Begegnungsstätte Jena-Lobeda kommt, dem steigen leckere Düfte in die Nase. Zwischen 12 und 15 Männer und Frauen bereiten im Kochkurs verschiedene Gerichte zu, die sich auch bei Starköchen sehen lassen könnten.

Mittlerweile gibt es kaum etwas, was nicht schon probiert worden wäre. „Unsere Hobbyköche haben viel gelernt und sind richtige Gourmets geworden“, lobt Prax. „Inzwischen kochen wir auch mal Exotisches. Etwa indisch, afrikanisch oder sogar nepalesisch.“

Angefangen hat alles vor 13 Jahren. Damals mit ausschließlich männlicher Besetzung. Verschiedene allein lebende Herren hatten sich in der Begegnungsstätte gemeldet, um sich selber ein paar einfache Mahlzeiten zubereiten zu können. „Die Männer hatten Schwierigkeiten, sich warm zu ernähren“, erinnert sich Kochkursleiter Richard Prax. „Angefangen haben wir tatsächlich mit Salzkartoffeln und grundlegenden Dingen.“ Nach und nach kamen dann auch Frauen dazu, die neue Gerichte kennenlernen wollten. Seit Jahren sind alle Kochkurse immer ausgebucht.

Beliebt sind auch traditionelle und regionale Gerichte. Wichtig ist nur, dass die Mahlzeit zu Hause nachgekocht werden und jeder Teilnehmer mitmachen kann.

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Nach dem Essen wird das neue Rezept von den Teilnehmern in eine Rezeptesammlung aufgenommen und mit Punkten bewertet. Auf diese Weise soll aus den besten Rezepten ein Kochbuch für die AWO-Mitglieder entstehen.


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AWO Kita „Wirbelwind“ gewinnt Deutschen Vorlesepreis Die Integrative AWO Kita „Wirbelwind“ in Gotha hat mit dem ehrenamtlichen Vorleseprojekt „Bücherwürmer – Lesen macht stark!“ den Deutschen Vorlesepreis und 1.000 Euro Preisgeld gewonnen. Eltern, Erzieher und Kinder haben 2012 mit Mitteln der Rolf & Elsa Gladebeck Stiftung eine Kinderbibliothek eingerichtet. Sie wollten damit Bücher stärker in den Fokus rücken. Mit der Bibliothek hat sich das Bücherwürmer-Projekt dann rasant weiterentwickelt und ein Jahr später die Jury des Vorlesepreises voll überzeugt. Die Kinder haben vom Vorlesen nämlich gar nicht genug bekommen können. Deshalb haben die Erzieher der Kita mit der benachbarten Ekhof-Schule einen Kooperationsvertrag über Lesepatenschaften geschlossen. Regelmäßig kamen Schüler in die Kita, um dort den Kindern vorzulesen. Das machte beiden Seiten Spaß und schulte gleichzeitig die Lese- und Präsentationskompetenz der Schüler. Die Schüler der 8. Klassen waren es auch, die in einem Kreativ-Wettbewerb Vorschläge für die Wandgestaltung der Kinderbibliothek erarbeiteten. Die schönsten wurden ausgewählt, bei der Zeugnisausgabe ausgezeichnet und mit Hilfe der Schüler umgesetzt. Zur feierlichen Eröffnung der verschönerten Kinderbibliothek kamen Vertreter des Landkreises und der Stadt. Die fanden die Idee so gut, dass sie ebenfalls Lesepatenschaften zum Vorlesetag in der Kita übernahmen. So zum Beispiel Landrat Konrad Gießmann oder Jugendamtsleiterin

Kinder und Erzieherinnen der AWO Kita „Wirbelwind“ Simone Baumann. Inzwischen sind auch viele Eltern zu „Vorlesern“ geworden. Jeden Tag wenigstens ein Buch „zu lesen“ ist für die „Wirbelwinde“ völlig normal. „Das Bücherwurm-Projekt ist ein wichtiger Teil der Sprachförderung in unserer Kita“, sagt Einrichtungsleiterin Ines Köllner. „Für Kinder aus ausländischen Familien haben wir spezielle Bücher angeschafft, die ihnen den Zugang zur deutschen Sprache erleichtern.“ Kinder mit Behinderung schulen die Sinne Hören und Sehen. Dank eines CD-Players können mehrere Kinder gleichzeitig ein Buch hören und sich anschließend darüber austauschen. So üben sie auch, miteinander zu kommunizieren.

Von Partizipation und „Partyzipation“ gestalte ich mein Leben eigenverantwortlich?“ Von demokratischer Entscheidungsfindung war hier die Rede. Es ging um mehr Mitbestimmung bei Hausregeln oder Ferien- und Freizeitangeboten. Viele Ideen wurden auf ihre Tauglichkeit im Alltag überprüft. Betreuer und Jugendliche fanden den Dialog fruchtbar, wollen in ihren Einrichtungen im kleinen Rahmen weiter am Thema arbeiteten und auch die jährlichen gemeinsamen Workshops weiterführen.

Rund 30 Pädagogen, Kinder und Jugendliche haben am zweiten Workshop „Partizipation“ teilgenommen, zu dem das AWO-Landesjugendwerk alle Kinder- und Jugendheime der AWO in Thüringen im Oktober eingeladen hatte. Gemeinsam sind sie Fragen nachgegangen wie: „Wie kann ich mein Recht zur Mitsprache ausüben und wie

„Partyzipativ“ wurde es dann am Abend, den die Teilnehmer eigenverantwortlich gestalteten. In entspannter und fröhlicher Runde zeigte jeder, was er kann oder gern macht. So entstanden eine HipHop-Show, eine Judovorführung und verschiedene Gesangseinlagen. Der Workshop ist Teil eines verbandlichen Prozesses, mit dem die AWO Thüringen sich für mehr Teilhabe von Kindern und Jugendlichen in gesellschaftlichen Entscheidungsprozessen einsetzt. Auch in den AWO-Einrichtungen sollen Kinder und Jugendliche stärker mitbestimmen können und an Entscheidungen beteiligt werden, die letztlich sie betreffen. Den Startschuss dafür hatte ein Beschluss der Landeskonferenz 2012 gesetzt.

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AWO AJS gGmbH feiert 20. Geburtstag der ersten Stunde und langjährige Partner aus Kommunalpolitik, Wirtschaft und Gesellschaft, wurde auf das Jubiläum der größten Trägergesellschaft der AWO Thüringen angestoßen.

AJS-Geschäftsführer Michael Hack hielt die Festrede

„Was vor zwei Jahrzehnten mit 200 Mitarbeitern in den Pflegeheimen Sondershausen, Bad Frankenhausen, Bendeleben, Erfurt und Vieselbach sowie dem Kinderheim Nordhausen angefangen hat, ist heute mit 4.000 Mitarbeitern in 180 Einrichtungen und Diensten eines der größten sozialen Unternehmen in Thüringen“, sagte AJS-Geschäftsführer Michael Hack in seiner Festrede. Darunter sind 31 Seniorenpflegeheime, 55 Kindertagesstätten, Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen, Angebote der Kinder- und Jugendhilfe und Beratungsstellen.

Die AWO AJSa gGmbH hat im Oktober ihren 20. Geburtstag gefeiert. Gemeinsam mit vielen Gästen, darunter Wegbegleiter

Für das kommende Jahr ist in Erfurt eine gemeinsame Feier mit allen Mitarbeitern der AJS geplant.

Qualitäts-Zertifikat für AWO Bildungswerk Das AWO Bildungswerk hat sich zum Jahresende erneut einer Qualitätsprüfung gestellt und ist erfolgreich nach dem LQW zertifiziert worden. LQW steht für „Lernorientierte Qualität in der Weiterbildung“. Es handelt sich dabei um ein Qualitätssiegel, das speziell für Einrichtungen der Fort- und Weiterbildung entwickelt wurde. Es stellt den lernenden Menschen in den Mittelpunkt und richtet alle Bildungsangebote, Lernprozesse und Rahmenbedingungen optimal an dessen Bedürfnissen aus. Das AWO Bildungswerk will mit seiner kontinuierlichen Qualitätsentwicklung ein nachhaltiges Lernen ermöglichen und die Seminarteilnehmer in ihrer individuellen und beruflichen Entwicklung optimal unterstützen. Des weiteren hat das AWO Bildungswerk sein neues Programm für 2014 aufgestellt. Gelistet sind hier alle Bildungsangebote, ausführlich beschrieben und geordnet nach den Tätigkeitsfeldern der Sozialarbeit. Neben Veranstaltungen für hauptamtliche Mitarbeiter gibt es auch Fortbildungen für ehrenamtlich Engagierte. Viele Seminare können bei

einer bestimmten Teilnehmerzahl auch als so genannte Inhouse-Seminare, also in den Einrichtungen und Vereinen vor Ort gebucht werden. AWO-Mitglieder erhalten zudem auf viele Bildungsangebote einen Rabatt von zehn Prozent. Die Bildungsprogramme liegen Ende des Jahres in den Kreisgeschäftsstellen vor oder können beim AWO Bildungswerk Thüringen angefordert werden.

Fünf Prozent mehr Lohn für AWO-Mitarbeiter Alle Mitarbeiter der AWO erhalten ab dem 1. Januar fünf Prozent mehr Lohn in zwei Stufen. Mitarbeiter über 50 Jahren erhalten zudem einen Tag Zusatzurlaub pro Jahr. Beschäftigte, die in Wechselschichten arbeiten, haben dann zwei Tage zusätzlichen Urlaub. Die AWO will damit stärker auf die Bedürfnisse älterer Mitarbeiter eingehen, um ihnen einen längeren Verbleib im Beruf zu ermöglichen.

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Auch die Zulagen für Nachtarbeit und die Sonn- und Feiertagszuschläge wurden angehoben. Die monatliche Zulage für Pflegefachkräfte wurde ebenfalls erhöht. Aufgestockt werden konnte zudem die sogenannte Funktionszulage für Beschäftigte, die neben ihrer Arbeit zusätzliche Aufgaben übernehmen, beispielsweise als Hygiene- oder Qualitätsbeauftragte. Der neue Tarifvertrag wurde mit einer Laufzeit bis Ende 2015 geschlossen.


kurz notiert /

Erfurt / Projekt „SANUS“ endet mit Fachtagung Mit der Fachtagung „Bewusst Gesunde Mitarbeiter – Vom Projekt zum Alltag“ endete das „SANUS“Projekt des AWO Bildungswerkes Ende November. Zwei Jahre Schauspieler und Coach Lutz Herkenlang haben die Pro- rath (l.) mit „SANUS“-Projektleiter jektmitarbeiter ein Marcus Köllner betriebliches Gesundheitsmanagement in Pflegeeinrichtungen, Kitas und der Geschäftsstelle der AWO AJS gGmbH eingeführt. Mehr als 50 Gesundheitsbeauftragte wurden dabei geschult.

Erfurt / AWO präsentiert sich auf Thüringens größter Azubi-Messe Rund 10.000 Besucher haben sich auch in diesem Jahr auf der „Forum Berufsstart“, Thüringens größter Azubimesse, über mögliche Ausbildungs- und Karrierewege informiert. Auch der AWO Landesverband Thüringen war mit einem Messeteam aus verschiedenen Kreisverbänden und Gliederungen vor Ort. Die AWO informierte über ihr breites Spektrum an sozialen Berufen. Besonders gefragt waren die Berufe des Erziehers und des examinierten Altenpflegers.

Jena / 300.000 Euro für Wohnpark „Lebenszeit“

Thüringen / „KulturKlatsch“ gegen Vorurteile Oft verstehen die Älteren die heutige Jugend nicht mehr. Und umgedreht haben Jugendliche häufig kein Verständnis für die ältere Generation. Wo Kommunikation fehlt, wächst der Raum für Vorurteile. Genau diese thematisiert das Projekt „KulturKlatsch“ und regt damit einen Austausch zwischen den Generationen an. Gemeinsam bei Kaffee und Kuchen kommen Interessierte zusammen und tauschen ihre Erfahrungen und Gedanken aus.

Bad Blankenburg / Ministerpräsidentin besucht AWOStand auf Bildungsmesse Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht und Bad Blankenburgs Bürgermeister Frank Persike besuchten den AWO-Stand der Bildungsmesse „inkontakt“, wo Kinder und Erzieherinnen des Fröbelkindergartens Bad Blankenburg den AWO Kreisverband Saalfeld-Rudolstadt präsentierten.

Personalentwicklerin Susann Bialas und Altenhilfe-Bereichsleiter Frank Weidner bei der „Forum Berufsstart“

impressum

Der Mehrgenerationen-Wohnpark „Lebenszeit“ in Jena-Lobeda erhält 300.000 Euro von der deutschen Fernsehlotterie. In dem Bauprojekt der AWO Jena-Weimar entstehen derzeit eine stationäre Hausgemeinschaft, eine Kindertagesstätte und ein Mehrgenerationenhaus. Die Eröffnung der Einrichtung ist für Mai 2014 geplant.

Herausgeber: AWO Landesverband Thüringen e. V. Pfeiffersgasse 12 99084 Erfurt Tel.: 0361 21031-0 Fax: 0361 21031-149 E-Mail: informativ@awo-thueringen.de Internet: www.awo-thueringen.de Verantwortlich: Ulf Grießmann, Landesgeschäftsführer Redaktion: AWO Landesverband Thüringen e. V. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung der Redaktion. Die Redaktion behält sich vor, Zuschriften zu kürzen oder Informationen zu verarbeiten. Gestaltung: bernoh, Berlin, www.bernoh.de Fotos: S. 1 S. 7 S. 12 S. 16

© Jeanette Dietl - Fotolia.com Bild Kisten des Könnens: © acameo/Valentin Marquardt Bild Anita Grasse: © DJV Thüringen/Michael Schlutter AWO international Foto: © ADH/Zanettini

Herstellung: Druckerei Citydruck & Verlag GmbH Erfurt Auflage: 10.000 Stück Erscheinungsweise: AWO informativ erscheint 4x im Jahr, z.T. mit Sonderbeilagen, AWO Thüringen intern. Das Entgelt ist im Mitgliedsbeitrag bereits enthalten. Der AWO Landesverband Thüringen bekennt sich ausdrücklich zum Gender-Mainstreaming. Aus Gründen der Lesbarkeit wird im AWO informativ jedoch hauptsächlich die männliche Schreibweise verwendet.

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