Page 1

rubrik /

informativ /

schwerpunkt /

Das Mitgliedermagazin der Arbeiterwohlfahrt Landesverband Thüringen Ausgabe 66 / 06.2013

Facebook “f ” Logo

Vom Googeln, Posten und Verlinken

vorgestellt /

Der AWO Kreisverband Weimar-Jena e. V. projekt /

Sprach- und Integrationsmittlerprojekt Rubrik / informativ 3.10

1


editorial

inhalt / 4 schwerpunkt / Vom Googeln, Posten und Verlinken Was das Internet alles möglich macht 7 engagiert / Drei Mal 1.000 Euro für Kita-Projekte 8 politisch / Ein Tag im Leben von Carsten Schneider 10 awo sano / Auszeit für pflegende Angehörige Ulf Grießmann AWO-Landesgeschäftsführer

Liebe AWO-Freundinnen und -Freunde, weit über 4.500 Menschen engagieren sich ehrenamtlich in der Thüringer AWO. Das ist eine stolze Zahl. Und – das sage ich ganz selbstbewusst – das ist ein Erfolg, der sich nicht von selbst einstellt, sondern an dem wir hart gearbeitet haben und arbeiten. In vielen Kreisverbänden und Gliederungen gibt es hauptamtliche Ehrenamtskoordinatoren, die regelmäßig Ehrenamtliche werben, vermitteln, Ansprechpartner bei Fragen und Problemen sind und auf diese Weise einen großen Beitrag zum ehrenamtlichen Engagement innerhalb der Arbeiterwohlfahrt Thüringens leisten. In dieser Ausgabe des AWO informativ stellen wir Ihnen diese Ehrenamtskoordinatoren vor. Übersichtlich auf einer Doppelseite, mit allen Kontaktdaten. Außerdem widmen wir uns dem Thema „Internet“. Wir stellen Ihnen ein AWO-Mitglied vor, das schon etwas älter ist und sich trotzdem sicher und interessiert auf den Datenautobahnen des weltweiten Netzes bewegt. Da die Bundestagswahl vor der Tür steht, haben wir mit dem Spitzenkandidaten der Thüringer SPD über wichtige sozialpolitische Fragen gesprochen und ihn einen Tag lang begleitet. Natürlich berichten wir auch wieder über zahlreiche AWO-Projekte aus Kreisverbänden, Gliederungen und Einrichtungen. Das Projekt SprIntpool gehört dazu, ein Projekt bei dem Migranten zu so genannten Sprach- und Integrationsmittlern ausgebildet werden. Oder auch der „Alma-Bindig-Fonds“ der AWO Saalfeld, der innovative Projekte aus Kitas ausgezeichnet hat. Als Kreisverband stellen wir in dieser Ausgabe den AWO Kreisverband Jena-Weimar vor. Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Lesen. Herzlichst, Ihr

Ulf Grießmann

2

informativ 06.13 / editorial

11 nachgefragt / Interview mit Rosemarie SchmackSiebenlist-Hinkel von der Stiftung FamilienSinn 12 ehrenamt / Vorgestellt Die Ehrenamtskoordinatoren der AWO in Thüringen 15 projekt / Dari, Farsi und Yoruba Sprach- und Integrationsmittlerprojekt 18 vorgestellt / Der AWO Kreisverband Jena-Weimar e. V. 21 landesjugendwerk / Zwei Jahre Bundes freiwilligendienst Rückblicke, Einblicke und Ausblicke 23 kurz notiert / impressum

Am 9. Mai feierte der AWO-Landesvorsitzende Werner Griese seinen 65. Geburtstag. Auch AWO informativ gratuliert herzlich.


projekt /

Fachtagung, Methodensammlung und Filmpremiere Seit mittlerweile zwei Jahren läuft das Modellprojekt „juniorExperten“ in Trägerschaft des AWO Bildungswerkes, das verschiedene Möglichkeiten erprobt, männliche Fachkräfte für den Erzieherberuf zu gewinnen. Seitdem ist viel passiert auf dem Weg zu „MEHR Männern in Kitas“. So beispielsweise auf der Fachtagung „Wie viel Mann braucht ein Kind“ im Erfurter Haus Dacheröden. Hier wurde der derzeitige Projektstand ausgewertet und Workshops u.a. zur Väterarbeit in den Kitas und zum Kinderschutz abgehalten. Besonderer Programmpunkt war aber die Vorstellung der im Projekt erarbeiteten Methodensammlung „GENDER ELEMENTAR“. Sie soll den Kita-Mitarbeitern und -Mitarbeiterinnen zur Verfügung stehen und Tipps und Denkanstöße für die alltägliche Arbeit mit an die Hand geben. Darin enthalten sind verschiedene praktische Methoden sowie aktuelle Informationen und Erkenntnisse zur Gender-Theorie und -Praxis. Im März gab es einen weiteren Höhepunkt der Projektarbeit. „Heiter bis wolkig – Männer in Kitas“ feierte im Erfurter Kinoklub am Hirschlachufer seine Premiere. Der Film nimmt den Zuschauer mit in vier Thüringer Projektkitas und bietet Einblicke in die Bemühungen, Erfolge und Stolpersteine der

Der Geschäftsführer des AWO Bildungswerkes Michael Hack (2.v.l.) mit dem Filmteam der juniorExperten Kindereinrichtungen auf ihrem Weg zu „MEHR Männern in Kitas“. Dokumentarisch und bunt aufgearbeitet, wie der KitaAlltag eben ist, richtet sich der Film an ein Fachpublikum, aber auch an die interessierte Öffentlichkeit. In acht Thüringer Modellkindergärten werden zudem verschiedene Wege ausprobiert, um mehr Männer für den Erzieherberuf zu begeistern. Dabei geht es zum Beispiel um die Ansprache in Schulen, Lehrpläne für die Erzieherausbildung, die pädagogische Arbeit der Fachkräfte, aber auch darum, eventuellen Vorurteilen oder Befürchtungen von Eltern entgegenzutreten. Die „juniorExperten“ sind eines von 16 Modellprojekten in Deutschland. Das zugrundeliegende Bundesmodellprogramm „MEHR Männer in Kitas“ hat sich das Ziel gesteckt, den Anteil männlicher Erzieher langfristig von bisher knapp 3,5 Prozent auf 20 Prozent zu erhöhen. Der Film und die Materialsammlung können im AWO Bildungswerk bestellt werden. Weitere Informationen und alle Materialien dazu finden Sie unter www.juniorexperten.de

Ortsvereinserfahrungsaustausch in Oberhof Am 25. und 26. Oktober findet im AWO SANO Ferienzentrum Oberhof der regelmäßige Erfahrungsaustausch der Ortsvereine statt. Neue Ideen kommen dabei von Doris Voll, einer Referentin, die auf Beratung, Begleitung und Fundraising spezialisiert ist. Für den Abend ist ein literarisch-musikalisches Programm geplant. Am Samstag stellen verschiedene Ortsvereine eigene Angebote vor, um von den gegenseitigen Erfahrungen profitieren zu können.

Interessenten wenden sich bitte an die Ehrenamtskoordinatorin Elke Neiser unter 0361 21031182

ehrenamt / informativ 06.13

3


Käte Langhammer an ihrem Computer

Was das Internet alles möglich macht

Vom Googeln, Posten und Verlinken Ob zur Information, um Kontakte zu pflegen, zum Zeitvertreib oder zum Einkaufen – das Internet bietet zahllose Möglichkeiten. Doch muss man sich erst einmal zurechtfinden im „World Wide Web“. Allein in Deutschland sind über 15 Millionen Internetseiten registriert. Da den Überblick zu behalten und zwischen nützlichen und weniger nützlichen Inhalten unterscheiden zu können, ist gar nicht so einfach. AWO informativ hat sich darum mal schlau gemacht, bei einer, die das Internet tagtäglich nutzt. Außerdem haben wir einige Tipps zum Surfen im Internet für Sie zusammengetragen. Käte Langhammer ist 74 Jahre alt, Gründungsmitglied der AWO in Lauscha und passionierte Internetnutzerin. Was es zu erledigen gibt, erledigt sie übers Internet. Sie kauft ein, bucht Reisen, auch mit dem Online-Banking will sie bald beginnen. „Man muss ja schließlich alles mal ausprobieren und mit der Zeit gehen“, sagt das langjährige AWO-Mitglied. Der Meinung sind immer mehr Senioren. Studien belegen einen enormen Zuwachs an älteren Menschen, die das Internet nutzen. Die Ergebnisse des (N)ONLINER-Atlasses 2012, einer seit 2001 geführten Studie zur Nutzung und Nichtnutzung des Internets, belegen sogar, dass in der

4

informativ 06.13 / schwerpunkt

Gruppe der 60- bis 69-Jährigen und in der Gruppe 70 + von 2011 bis 2012 der größte Zuwachs an Internetnutzern zu verzeichnen war. „Man muss sich nur trauen“, sagt Käte Langhammer. Sie selbst hat vor einigen Jahren begonnen, mit dem Computer und dem Internet zu arbeiten. „Es war das Hobby meines Sohnes, an Computern rumzuschrauben und alte wieder nutzbar zu machen.“ Ihrem Mann habe der Sohn einen Computer fertig gemacht, zum Spielen. Käte Langhammer hatte darauf aber keine Lust. Als dann aber eine ihrer Freundinnen nach Trier zog, und ihr anbot, doch gerne auch per E-Mail Kontakt zu pflegen, beauftragte Käte Langhammer ihren Sohn doch mit der Herrichtung eines eigenen Computers. Seitdem geht es im Hause Langhammer technisch zu. Beide Ehepartner haben ein eigenes Computerzimmer – der Auszug der Kinder machte es möglich. Da kommt es schon mal vor, dass Käte Langhammer ihrem Mann eine E-Mail ins Nebenzimmer schickt, in der steht: „In 10 Minuten gibt’s Kaffee.“ In vielen Momenten hat ihr das Internet schon hilfreiche Dienste erwiesen. „Als mein Enkel nach Neuseeland gegangen ist, für ein Au-Pair-Jahr, war ich sehr traurig, dass wir in der ganzen Zeit kaum Kontakt haben werden“,


schwerpunkt / erzählt Käte Langhammer. Der schlug ihr aber vor, sich über Facebook und Skype auszutauschen. Ihre Enkel haben ihr die nötigen Programme installiert, Käte Langhammer hat sich bei Facebook angemeldet und dann war sie fast live dabei, trotz tausender Kilometer Entfernung. „Es geht ja heute fast nicht mehr anders, wenn sich die Familie in alle Winde zerstreut und man doch noch etwas voneinander erfahren möchte“, sagt Käte Langhammer. So hat sie ihrem Enkel bei einem Fallschirmsprung zusehen können – das Video davon hat er bei Facebook „gepostet“ – und konnte ihn regelmäßig sehen und mit ihm sprechen. Denn mit dem kostenlosen Programm Skype ist Videotelefonie über den gesamten Globus möglich.

Für den Anfang

Die Zeit am Computer ist fest in den Tag von Käte Langhammer integriert. Morgens, nach dem Frühstück, werden E-Mails abgerufen und beantwortet. Danach informiert sie sich auf einer Nachrichtenseite, schaut was so passiert ist in Politik, Gesellschaft, aber auch bei den Promis. Bei Skype guckt sie auch mal vorbei, vielleicht ist eine Freundin online, dann wird ein kurzer Plausch gehalten.

Möchte man wissen, wie das Wetter morgen wird oder wann der Zahnarzt geöffnet hat, bietet das Internet eine schnelle und effektive Möglichkeit, Antworten zu finden. Dafür braucht man nicht einmal die genaue Internetadresse des Zahnarztes oder eines Wetterdienstes zu wissen. Per Stichwortsuche helfen viele Suchmaschinen in Sekundenschnelle zur Antwort. Die populärste Suchmaschine ist www.google.de. In das Suchfeld gibt man die Suchbegriffe ein, im Fall der Zahnarztsuche beispielsweise „Zahnarzt Schmidt, Lauscha, Öffnungszeiten“ und in den Ergebnissen kann das zutreffendste ausgewählt werden.

Doch es ist nicht nur das Internet, das sie begeistert. Sie hat eben einen Hang zur Technik. Fotos von Urlauben und Veranstaltungen archiviert sie am Computer, druckt die besten auf Fotopapier aus oder zeigt sie bei Gelegenheit mit dem Beamer. Da kommt schon ab und an ein „Du immer mit deinem neumodischen Zeug“ von einem Bekannten, aber gefallen tut es dann doch allen. Hat sie einen Rat für die, die sich nicht ans Internet herantrauen? „Man sollte sich nicht aus Prinzip weigern, neue Möglichkeiten auszuprobieren“, sagt die 74-Jährige. „Auch für Ältere gibt es tolle Angebote im Internet.“ Und wenn man sich alleine nicht traut, so könne man doch Kinder oder Enkel um Hilfe bitten. „Da lernt man vom Profi und hat gleich wieder mehr Zeit miteinander verbracht.“

Tipps und Tricks In Forschungsarbeiten, die sich mit der Internetnutzung beschäftigen, wird zwischen „digital natives“ und „digital immigrants“ unterschieden. Im Gegensatz zu den „digital natives“, den digitalen Eingeborenen, also der Generation, die mit dem Internet und der digitalen Technologie aufgewachsen ist, sind ältere Menschen sogenannte „digital immigrants“, Einwanderer in eine neue Welt. Sie haben Computer und das Drumherum erst innerhalb ihres Lebens, vielleicht erst im Alter kennengelernt. Das kann dazu führen, dass sie mit einer gewissen Skepsis und Angst an die Technik herangehen oder die Nutzung von Computer und Co. gar nicht erst in Betracht ziehen. Doch das Internet bietet eine Fülle von Angeboten zum Informieren, Kommunizieren und Einkaufen, die vieles vereinfachen oder erst möglich machen. AWO informativ hat einige Tipps zum richtigen Umgang mit dem Internet zusammengestellt.

Für Anfänger ist der Einstieg in die digitale Welt gar nicht so einfach. Es gibt aber die Möglichkeit, einen Computerkurs zu besuchen, um alles von der Pike auf zu lernen. Auch spezielle Computerkurse für Senioren gibt es zur Genüge, warum also nicht einfach mal reinschnuppern in die Welt des „World Wide Web“? Unter fachkundiger Anleitung fällt es leichter, sich zurechtzufinden und ohne Scheu durch das Netz zu surfen. Schnell erkennt man dann: nicht hinter jeder Webseite lauert eine Gefahr.

Suchmaschinen

Wikipedia Um das Internetlexikon Wikipedia ranken sich viele Annahmen. Falsche Angaben sollen drin stehen, nicht verlässlich sollen die Informationen sein, weil sie von jedem beliebigen Internetnutzer verfasst werden können. Fakt ist jedoch, dass die Internetenzyklopädie durch die digitale Erscheinungsweise aktuell wie kein anderes Lexikon sein kann und sich in ständiger Überarbeitung befindet. Mit derzeit 1.585.507 deutschen Einträgen (Stand 15. Mai 2013) ist diese Enzyklopädie wohl die umfangreichste. Kostenlos kann hier recherchiert werden, die Philosophie dahinter: Wissen für jeden gleichwertig zur Verfügung stellen. Wikipedia eignet sich damit nicht nur zur handfesten Recherche, sondern ist durch zahlreiche Verlinkungen innerhalb der Artikel auch zum Rumstöbern geeignet. (www.wikipedia.de)

Soziale Netzwerke – Facebook und Co. Das Internet bietet zahlreiche neue Kommunikationswege. Innerhalb sozialer Netzwerke können Nachrichten an andere eingestellt, also „gepostet“, werden. Ein soziales Netzwerk ist eine Internetplattform, die es möglich macht, mit anderen angemeldeten Mitgliedern in Kontakt zu treten. Hier kann man neue Menschen kennenlernen oder alte Bekannte wiederfinden. Im ersten Schritt erstellt der Nutzer eines sozialen Netzwerkes sein persönliches Profil, mit Informationen, die er oder sie von sich preisgeben möchte, z. B. Fotos, Angaben zur Herkunft, Name und Alter. Man hat aber auch die Möglichkeit, ganz anonym zu bleiben, indem man einen Kunstnamen annimmt und nur wenige bis

schwerpunkt / informativ 06.13

5


schwerpunkt /

Was das Internet alles möglich macht keine Informationen von sich preisgibt. Das entscheidet jeder Nutzer selbst. Das wohl bekannteste soziale Netzwerk ist Facebook. Es gibt aber viele Weitere, darunter auch spezielle für ältere Menschen oder bestimmte Hobbys. Beispiele sind www.seniorentreff.de oder www.feierabend.de oder aber www.meinkleinergarten.de. Auf diesen Seiten können Sie sich kostenlos anmelden und sich mit Gleichgesinnten austauschen.

Shopping im Internet Im Internet kann man zu jeder Tages- und Nachtzeit stöbern und einkaufen. Dabei sollte darauf geachtet werden, sich bei seriösen und bekannten Anbietern umzusehen. Ein seriöser Shop ist daran zu erkennen, dass eindeutige AGBs und ein Impressum mit der Nennung der Geschäftsführung angegeben werden. Geht es an die Bezahlung, erkennt man eine verschlüsselte und damit sichere Verbindung der Datenübertragung an verschiedenen Anzeichen, z. B. an den Buchstaben „https“ vor der Adresse bzw. einem Schloss-oder Schlüsselsymbol in der Adresszeile.

Sicherheit Oft wird die Sicherheit im Internet bemängelt. Persönliche Daten könnten in falsche Hände geraten und Schindluder damit betrieben werden. Wenn man sich jedoch an einige grundsätzliche Regeln hält, kann man diese Gefahr gut ein-

dämmen. Zum einen ist ein aktuelles Anti-Viren-Programm wichtig, bei der Installation kann man gleich die automatische Aktualisierung der Schutzprogramme einstellen, so ist man immer auf dem neuesten Stand. Um sich bei sozialen Netzwerken, E-Mail-Diensten oder auch beim Online-Banking anzumelden, muss man ein Passwort festlegen. Das sollte keinesfalls der Name eines Angehörigen oder des Haustieres sein. Ein sicheres Passwort sollte sowohl Zahlen als auch Buchstaben enthalten, die Kombination muss nicht unbedingt einen Sinn ergeben. So ist die Wahrscheinlichkeit, dass es geknackt wird, sehr gering. Zudem ist es wichtig, nicht für alle Anwendungen das gleiche Passwort zu verwenden, sondern zu variieren.

Gesundes Misstrauen Gesundes Misstrauen und gesunder Menschenverstand ist beim Surfen im Internet grundsätzlich angebracht. Man stößt immer wieder auf Werbeanzeigen, die den Hauptgewinn versprechen, weil man zu einer bestimmten Uhrzeit an einem gewissen Tag auf einen Link geklickt hat – das kann man einfach ignorieren. Auch E-Mails von unbekannten Absendern können im Papierkorb verschwinden. Im Zweifel sollte man sich immer die Fragen stellen: Ist es möglich, dass es sich um seriöse Inhalte handelt? Warum sollte mir ein Fremder etwas schenken wollen? Kenne ich den Absender bzw. woher könnte er meine E-Mail-Adresse haben? Vor allem bei Dateien, die den E-Mails angehängt sind, sollte man Vorsicht walten lassen. Im Endeffekt kann aber der Grundsatz gelten: Wurden bestimmte Angaben im Internet nicht gemacht, können diese theoretisch auch von niemandem ausgespäht werden. Um auf Nummer sicher zu gehen, sollte daher sparsam mit persönlichen Daten umgegangen werden. Im realen Leben verraten Sie schließlich auch nicht jedem, wo sie wohnen und schon gar nicht, wie Ihre Kontonummer lautet.

info

Übrigens: Auch die AWO ist im Internet. Unsere Seiten finden Sie über die Seite www.awo-thueringen.de. Und wenn Sie uns lieber auf Facebook oder Twitter folgen wollen, können Sie das unter www.facebook.com/awothueringen oder www.twitter.com/awothueringen.

6

informativ 06.13 / schwerpunkt

Einen guten Überblick über Nutzungsweisen, Informationsmöglichkeiten und auch Gefahren im Internet, speziell für ältere Bürgerinnen und Bürger zusammengetragen, hat die Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO) in ihrem „Wegweiser durch die digitale Welt“ auf ihrer Webseite zum Download zur Verfügung gestellt. (www.bagso.de  Publikationen  Publikation Nr. 33, „Wegweiser durch die digitale Welt – für ältere Bürgerinnen und Bürger“).


engagiert /

Drei Mal 1.000 Euro für kreative Kita-Projekte Der „Alma-Bindig-Fonds” der AWO Saalfeld hat erstmals 3.000 Euro Preisgeld vergeben. Acht spannende Projekte hatten sich beworben. Seit etwas mehr als einem Jahr gibt es den „Alma-BindigFonds”. Er entstand durch eine Schenkung einer Paulinzellaerin. Sie hatte dem AWO-Kreisverband ihr Wohnhaus vermacht. Die Frage: Was damit tun? Nach einigem Überlegen wurde entschieden, das Gebäude zu renovieren und dann zu vermieten. Aus diesen Einnahmen wird der Fonds genährt, der zur Ehren der Stifterin ihren Namen trägt. Mit dem Fonds sollen trägerübergreifend Kita-Projekte im Landkreis gefördert werden. Zum Beispiel Initiativen, die sich durch besonderes Engagement der Eltern auszeichnen, obendrein die Kinder mit einbinden und zugleich Identität mit der jeweiligen Einrichtung stiften. Alle 60 Kitas des Landkreises Saalfeld-Rudolstadt bekamen die Einladung, sich am Premierenwettbewerb 2012 zu beteiligen. Acht Projekte haben sich daraufhin beworben. Von einer 5-köpfigen Jury, zu der auch der Geschäftsführer der AWO SaalfeldRudolstadt Andreas Krauße gehörte, wurden die Sieger ausgewählt. Drei Projekte wurden prämiert. Darunter das Projekt “Augenlust” des AWO-Montessori-Kinderhauses “Schlüsselblume”. Die Kinder hatten die Idee, Saalfelds Stadtbild zu verschönern, indem sie die grau-tristen Außenmauern der Kita farbenfroh streichen. Auch das Vorhaben des Schmiedefelder “Kinderhaus der Morassinawichtel” kam gut an.

Die drei symbolischen Schecks über 1.000 Euro übergab Ute Salewski von der AWO Saalfeld (l.), wie hier in Schmiedefeld an die Elternvertreterinnen Claudia Müller (Mitte) und Claudia Rose. Eltern, Kommune und Kita wollen einen Erlebnispfad einrichten, der von der Kita bis zur Morassina-Grotte geht. Beim Gestalten der sechs Stationen ist dann auch die Kreativität der Kinder gefragt. Ende Mai fiel dazu der Startschuss. Der dritte Preisträger ist die Kita „Sonnenland” aus Saalfeld. Lang schon drängen sie auf die Umgestaltung der Außenanlage für die „Krippenkrabbler“. Die können natürlich noch nicht mithelfen, wenn ein Zaun als Schutz vor den größeren „Wildlingen“ gebaut, die Sandkiste aufgestellt und nötige Sturzmatten ausgelegt werden sollen. „Trotzdem fanden wir die 1.000 Euro hier gut angelegt, damit die Pläne nach langem Drängen des Fördervereins endlich Wirklichkeit werden können”, begründet Jurymitglied Marianne Baumann die Entscheidung.

Leserbrief Wenn‘s kracht und knallt sind‘s Jung und Alt Seit 2011 gibt es schon das „fröhliche Treiben“ miteinander. Die Senioren des „Haus Altenstein“ und die Kids des AWO Kinder- und Jugendhauses Schweina kommen regelmäßig ins Gespräch und teilen gemeinsam ihre Freizeit. Wenn so richtig mit Diskomusik und Polonaise die Post abgeht, fühlen sich alle pudelwohl. Da kommt es schon mal vor, dass vor Lachen Milchzähne rausfallen. Natürlich geht es auch manchmal etwas gelassener zu und nach gemeinsamem Kuchenbacken werden sich die Bäuche kugelrund gegessen und es erfolgt ein Verdauungsspaziergang. „Mensch ärgere dich nicht“ ist auf beiden Seiten eine beliebte Freizeitbeschäftigung, wobei alle schummeln, wie sie nur können. Der Spaß und die Freude stehen natürlich immer im Vordergrund, trotzdem wird ab und zu mal richtig angepackt, wie z. B. zur Verschönerung der Bäder oder beim Rasenmähen auf dem Gelände, damit es nicht zu große Stolperfallen beim täglichen

Wettrennen um den letzten Pudding gibt. Kürzlich verkleideten sich die Kinder zur Walpurgisnacht als Hexen und Teufel und zeigten, dass man mit Stöcken nicht nur laufen, sondern auch fliegen kann. Stefanie schwärmt oft von den Aktionen: „Vor diesem Publikum aufzutreten, ist was Besonderes, die machen immer mit und klatschen sogar, wenn mal was nicht klappt.“ Einige Kinder waren sich auch einig, in der Zukunft ein Rollstuhlrennen mit den Senioren zu veranstalten. Das dürfte sich aber etwas schwieriger gestalten, dennoch sind neue Aktionen in Planung. Mit diesem Leserbrief, der unsere Redaktion erreichte, möchten sich die Bewohner und Mitarbeiter des AWO Seniorenpflegeheims „Haus Altenstein“ in Bad Liebenstein ganz herzlich bei den Kindern des Kinder- und Jugendhauses Schweina bedanken, für die lustigen Nachmittage und ihre Besuche, die Jung und Alt immer viel Freude bereiten.

engagiert / informativ 06.13

7


politisch /

Carsten Schneider (l.) und Iris Gleicke im Gespräch mit Mitarbeitern eines Erfurter Unternehmens

Ein Tag im Leben von Carsten Schneider Es geht nicht gerecht zu in Deutschland, findet Carsten Schneider. „Die Reichen werden immer reicher, alle anderen treten auf der Stelle“, sagt der SPD-Bundestagsabgeordnete für Erfurt und Weimar. Deshalb setzt sich Schneider dafür ein, dass die Wohlhabenden höhere Steuern zahlen. Dass unsere Gesellschaft mehr Geld in Bildung investiert. Dass Steuerhinterzieher „gejagt und bestraft“ werden. Und dass die Löhne steigen – vor allem in Ostdeutschland. Für diese Ziele arbeitet der 37-Jährige auch mal bis zu 14 Stunden am Tag. In Berlin finden die Ausschuss- und Plenarsitzungen des Bundestages statt. Als haushaltspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion entscheidet Schneider darüber mit, wofür das Geld im Bundeshaushalt verwendet werden soll. Wenn das Parlament gerade nicht tagt, ist Schneider in seinem Wahlkreis unterwegs: in Erfurt, Weimar und im Grammetal. Dort besucht der Abgeordnete soziale Einrichtungen, Betriebe, Vereine und Projekte. Für die Menschen vor Ort ist er immer ansprechbar: Schneider hilft Senioren bei Rentenfragen, berät Arbeitslose und sorgt dafür, dass Fördermittel des Bundes zielgenau fließen. „Ich verstehe mich als Anwalt der Menschen“, sagt er.

weiteren Entwicklungen zu informieren. „Mit vielen Betriebsräten halte ich engen Kontakt“, erläutert er. Anschließend fahren die Abgeordneten zum Kindergarten „Sackpfeife“ in Weimar. Die Familienpolitik liegt Schneider besonders am Herzen. Er hat selbst zwei kleine Töchter. Und seine Frau ist berufstätig. „Wenn ein Kind krank ist, müssen wir ganz schön balancieren, um Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen.“ Schneider ist empört darüber, dass Kinder aus Akademikerfamilien in Deutschland noch immer viel größere Chancen haben, aufs Gymnasium zu kommen als Kinder aus Arbeiterfamilien. „Gute Kinderbetreuung und ausgezeichnete Schulen für alle – hier geht es um die Chancengleichheit für alle Kinder.“

An diesem Dienstag im April hat Schneider zwei Kollegen in seinen Wahlkreis eingeladen. Die SPD-Bundestagsabgeordneten Iris Gleicke und Steffen-Claudio Lemme sind aus Suhl und Sondershausen angereist. Gemeinsam vertreten sie die Interessen der Thüringer in der Hauptstadt. Heute wollen sich die drei Abgeordneten vor Ort in Erfurt und Weimar informieren.

Seit Jahren setzt sich Schneider für den Ausbau der Kinderbetreuung ein. Als in Berlin von 2005 bis 2009 die Große Koalition regierte, sorgte er mit dafür, dass der Bund vier Milliarden Euro für den Ausbau von Kindertagesstätten zur Verfügung stellte. Ein Teil des Geldes kommt nun der Weimarer „Sackpfeife“ zugute: 250.000 Euro für eine neue Kinderkrippe. Auch die Weimarer Herderkirche – die nächste Station – profitiert direkt vom Einsatz des Haushaltspolitikers. Sie gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe „Klassisches Weimar“. Im Jahr 2008 initiierte Schneider ein Bundesprogramm für die Welterbe-Stätten. Mit dem Geld wird die Restaurierung der Stadtkirche vorangebracht und die Neugestaltung des Umfeldes ermöglicht. „Pünktlich zum 500. Reformationsjubiläum im Jahr 2017 soll die Kirche in neuem Glanz erstrahlen“, so Schneider.

Beim Erfurter Pressenbauer Schuler (früher Umformtechnik) empfängt sie Betriebsratschef Ralf Fiedler. Der Betrieb war bis vor kurzem ein Familienunternehmen. Jetzt wird er von einem Investor übernommen. Die Mitarbeiter befürchten, dass sich die Arbeitsbedingungen und Gehälter verschlechtern. Schneider bittet die Betriebsräte, ihn über die

Die Reise durch den Wahlkreis endet mit der traditionellen Maibaumsetzung auf dem Weimarer Marktplatz. Morgen ist der Tag der Arbeit. Für Schneider ein besonderes Datum: „Jedes Jahr demonstrieren wir mit Gewerkschaften und vielen anderen für die Rechte der Arbeitnehmer – und für mehr soziale Gerechtigkeit!“

8

informativ 06.13 / polilitisch


Carsten Schneider ist der Spitzenkandidat der Thüringer SPD für die Bundestagswahl 2013. Der 37-jährige Erfurter ist seit 1998 Bundestagsabgeordneter und hat sich als haushaltspolitischer Sprecher der SPD vor allem während der Finanzkrise bundesweit einen Namen gemacht. AWO informativ hat mit Carsten Schneider gesprochen und Fragen gestellt.

Die AWO Thüringen ist mit 10.000 Mitgliedern und 8.000 Mitarbeitern eine der größten sozialen Organisationen in Thüringen. Welche Bedeutung haben in Ihren Augen die Wohlfahrtsverbände für die Gesellschaft? Ich bin selbst seit mehr als 15 Jahren AWO-Mitglied. Die Wohlfahrtsverbände sind eine unverzichtbare Säule in unserem Sozialsystem. Das Besondere sind die klare Orientierung an Werten und die vielen ehrenamtlich engagierten Mitarbeiter. Zugleich haben sich die Verbände zu professionellen Dienstleistern entwickelt. Wir können stolz auf die Wohlfahrtspflege sein. Der demografische Wandel stellt insbesondere Thüringen vor große Herausforderungen. Welche Konzepte haben Sie dafür? Zunächst müssen wir die öffentlichen Finanzen in Ordnung bringen – 2019 läuft der Solidarpakt II aus. Die CDU regiert in Thüringen seit 1990 und hat immer den Finanzminister gestellt. Sie hat einen Schuldenberg von 17 Milliarden Euro zu verantworten. Zugleich klagen die Unionsländer Bayern und Hessen gegen den Länderfinanzausgleich. Die SPD steht für Solidarität zwischen den Bundesländern. Und für gleichwertige Lebensverhältnisse in ganz Deutschland. Es geht darum, den Menschen in Thüringen eine Perspektive zu geben – damit die Jungen nicht wegen der Arbeit weggehen müssen und gleichzeitig neue Einwohner hinzuziehen. Das wichtigste sind innovative Unternehmen, die gute Arbeitsplätze schaffen. Auch weiche Faktoren haben positive Wirkungen für die Attraktivität einer Region: Kinderbetreuung, Nahverkehr, Kulturangebote, Naherholung. Wenn wir die Lebensqualität weiter steigern, ist der demografische Wandel keine Last, sondern eine Chance. Wenn man von Demografie spricht, geht es immer auch um die steigende Zahl von Pflegebedürftigen. Sie sind Finanzexperte, also Hand aufs Herz: Ist eine qualitativ hochwertige Pflege in der Zukunft überhaupt noch bezahlbar? Das ist nur möglich, wenn wir das Pflegesystem umfassend reformieren. Wir brauchen endlich eine Kranken-

und Pflegeversicherung für alle: die Bürgerversicherung. Zudem müssen wir uns viel stärker darum kümmern, wie Pflegebedürftigkeit durch bessere Prävention verhindert oder zumindest hinausgezögert werden kann. Im Fall von Pflegebedürftigkeit wünschen sich die meisten Menschen, so lange wie möglich zu Hause zu leben. Helfen können zum Beispiel lokale Unterstützungsnetzwerke aus Angehörigen, Dienstleistern und ehrenamtlichen Helfern. Da geht es nicht um mehr Geld, sondern um eine bessere Koordination. Und schließlich muss der Staat die pflegenden Angehörigen unterstützen, etwa durch eine „Pflegezeit“ und den Rechtsanspruch, in den Job zurückkehren zu können. In der Seniorenbetreuung, aber auch vielen anderen Bereichen der sozialen Arbeit, spielt das Ehrenamt eine große Rolle. Allein in der Thüringer AWO engagieren sich regelmäßig über 3.000 Ehrenamtliche. Wie kann es gelingen, bürgerschaftliches Engagement noch stärker auszubauen? Wir müssen die Menschen dort abholen, wo sie sind. Immer weniger Leute engagieren sich beispielsweise aus religiösen oder weltanschaulichen Motiven. Immer mehr tun das aus ganz persönlichen Gründen. Auch können sich viele nicht für längere Zeit festlegen. Die Freiwilligen-Organisationen sollten daher offen sein auch für kurzzeitiges Engagement und die freiwillig Engagierten unkompliziert einbinden. Land und Kommunen wiederum müssen ein Umfeld schaffen, in dem ehrenamtliche Tätigkeiten problemlos möglich sind - und den Ehrenamtlern immer wieder öffentlich Anerkennung aussprechen. Das wichtigste aber ist: Wir müssen deutlich machen, dass ehrenamtliches Engagement nicht nur einem guten Zweck dient. Es macht auch richtig Spaß. In der Vergangenheit hat Thüringen viele negative Schlagzeilen mit dem Thema Rechtsextremismus gemacht. Stichwort NSU. Was plant die SPD, um Rassismus und Diskriminierung in Zukunft wirksam zu bekämpfen? Seit 1998 hat die SPD mehrere erfolgreiche Bundesprogramme gegen Rechtsextremismus und Gewalt gestartet und gesichert. Aber die schwarz-gelbe Bundesregierung hat die Mittel reduziert: Ihr neues Programm richtete sich gegen linken und rechten Extremismus gleichermaßen. Dabei hat die NSU-Mordserie doch einmal mehr gezeigt: Wir müssen mehr in die Prävention investieren und den Nährboden für rechtsextreme Gewalt austrocknen. Deshalb will die SPD die allgemeine „Extremismusklausel“ wieder abschaffen. Und die bewährten Projekte gegen Rechts sollen durch eine langfristige Bundesförderung gestärkt werden. Zusätzlich streben wir ein Verbot der NPD an. Weil diese Partei den Nationalsozialismus offen verherrlicht und unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung abschaffen will.

politisch / informativ 06.13

9


kontakt

awo sano /

Auszeit für pflegende Angehörige Häusliche Pflege ist oft ein 24-Stunden-Job. Umso wichtiger ist es, dass gerade pflegende Angehörige sich auch einmal eine Auszeit gönnen. Eine Variante ist die Kurzzeitpflege, die auch in den meisten AWO-Pflegeeinrichtungen angeboten wird. Für bis zu vier Wochen im Jahr kann der Pflegebedürftige in eine Pflegeeinrichtung einziehen. Die Pflegeversicherung zahlt in diesem Fall die medizinische Pflege und die soziale Betreuung. Lediglich für die Unterkunft und Verpflegung in der Pflegeeinrichtung muss der Pflegebedürftige selbst aufkommen. Seit Inkrafttreten des Pflegeneuausrichtungsgesetzes in diesem Jahr wird auch während der Kurzzeitpflege die Hälfte des bezogenen Pflegegeldes weiter gezahlt.

Eine andere Möglichkeit bietet die AWO SANO mit ihrem Programm „Pflege und Urlaub“. Dabei haben pflegende Angehörige die Möglichkeit, einen gemeinsamen Urlaub mit ihrem demenzerkrankten Partner zu verbringen, ohne 24 Stunden am Tag die volle Verantwortung zu tragen. Ein professioneller Pflegedienstleister übernimmt die Betreuung der Erkrankten in einer Gruppe von maximal zehn Personen. Das eröffnet Zeit für sich, Zeit, um an touristischen Angeboten vor Ort teilzuhaben oder selbst Gesundheitsangebote wie Massagen wahrzunehmen und einfach einmal die Seele baumeln zu lassen.

„Pflege und Urlaub“ ist sowohl im AWO Familienferiendorf in Rerik, als auch im Ferienzentrum der AWO in Oberhof möglich. Mögliche Ferientermine: Familienferiendorf Rerik: 19.10. bis 26.10. - ab 456 Euro pro Person Mindestteilnehmerzahl: 7 Familien Ferienzentrum Oberhof: 26.07. bis 02.08. 13.09. bis 20.09. ab 492 Euro pro Person Mindestteilnehmerzahl: 8 Familien Die Kollegen der AWO SANO beraten Sie gern: Telefon: 038296 72270124

Urlaub für vier Euro am Tag Ein Pilotprojekt „Familienbande“ des Ferienzentrums der AWO SANO Thüringen in Oberhof ermöglicht einkommensschwachen Familien eine Woche Urlaub im höchsten Kurort des Thüringer Waldes. „Wir wollen damit gezielt Familien die Möglichkeit geben, auch einmal Urlaub zu machen, die sich das sonst nicht leisten können“, sagt Ulf Grießmann, Geschäftsführer der AWO SANO Thüringen. Das gemeinsame Erlebnis verbinde die Familien und gebe Kraft für den häufig problematischen Alltag. „Auch für die Entwicklung der Kinder ist es wichtig, mal rauszukommen und mitreden zu können, wenn die Freunde von ihren Ferien erzählen.“

Ferienzentrum Oberhof Telefon: 036842 2810 E-Mail: info@ferienzentrum-oberhof.de www.ferienzentrum-oberhof.de

Für lediglich 4 Euro pro Erwachsenem und Tag gibt es sieben Übernachtungen im AWO Ferienzentrum, inklusive Vollpension und zahlreicher Erlebnisangebote. Darunter zum Beispiel geführte Wanderungen rund um den Rennsteig und die Sportstätten in Oberhof, ein Besuch im Exotarium, ein Grillabend, Sport und Angebote rund um Bewegung, Ernährung und Entspannung. Auch zwei Kurse zu den Themen „Grundlagen einer positiven Erziehung“ und „Regeln und Rituale im Alltag“ werden angeboten. Gefördert wird das Angebot der AWO SANO Thüringen durch die Stiftung FamilienSinn. Interessierte Familien können sich direkt im Ferienzentrum der AWO SANO in Oberhof anmelden. Dort erhalten sie dann einen Fragebogen, der vom örtlichen Jugendamt bestätigt werden muss. Die Mitarbeiter des Ferienzentrums beraten dazu gern. Mögliche Ferientermine sind in diesem Jahr der 27. Juli bis zum 3. August bzw. die Woche vom 19. bis 26. Oktober.

10

informativ 06.13 / awo sano


partner /

Nachgefragt: Als Träger der Freien Wohlfahrtspflege liegen der AWO Kinder und Familien besonders am Herzen. Der Verband arbeitet daher eng mit der Stiftung FamilienSinn zusammen. „AWO informativ“ hat mit der Kuratorin der Stiftung, Frau Rosemarie Schmack-Siebenlist-Hinkel, gesprochen.

Die sehr zu Recht immer wieder in der Diskussion stehende Kinderarmut bedeutet immer auch Familienarmut.

AWO informativ: Welche Aufgaben hat die Stiftung FamilienSinn?

Die Stiftung leistet mit diesen und weiteren Angeboten einen Beitrag zum Abbau von Benachteiligungen, eben zur Bekämpfung von Kinderund Familienarmut und natürlich auch zur Stärkung gesellschaftlicher Rosemarie Schmack-SiebenlistTeilhabe. Hinkel

Zweck der Stiftung ist es, Maßnahmen und Einrichtungen zu fördern, die der Familienbildung, der Unterstützung von Ehe und Familie in sozialer, politischer und kultureller Hinsicht, der Familienhilfe sowie der Steigerung der Wirksamkeit bestehender familienunterstützender Maßnahmen dienen. Kurz gesagt: die Stiftung soll dazu beitragen, die Familienfreundlichkeit in Thüringen zu stärken und die öffentlichen und freien Träger sowie die Interessenverbände dabei zu unterstützen. Dabei arbeitet sie eng mit dem Thüringer Ministerium für Soziales, Familie und Gesundheit zusammen und berät dieses. Sie fördert Angebote der Familienbildung und Familienerholung, Modellvorhaben der Familienförderung, Familienzentren und unterhält eine Elternakademie. Ein besonderer Schwerpunkt liegt in der Förderung von Familien mit Hilfebedarf.

AWO informativ: Warum ist es aus Ihrer Sicht wichtig, sozial schwachen Familien einen geförderten Urlaub zu ermöglich? Frau Schmack-Siebenlist-Hinkel: Ein Grundsatz des Kinder- und Jugendhilfegesetzes (Sozialgesetzbuch – SGB, Achtes Buch – VIII), welches auch die Grundlage für die Arbeit der Stiftung ist, ist der Abbau von Benachteiligungen und die Stärkung der Prävention. Dies gilt auch für die Förderung von Familien.

AWO informativ: Wie beurteilen Sie die Familienfreundlichkeit Thüringens? Was kann man aus Ihrer Sicht noch verbessern? Frau Schmack-Siebenlist-Hinkel: Thüringen ist mit einer vielfältigen Familienförderung auf einem guten Weg und im Bereich der frühkindlichen Förderung und der Vereinbarkeit von Familie und Beruf dank dem neuen Kindertageseinrichtungsgesetz im bundesweiten Kontext vorbildlich. Familienfreundlichkeit ist eine Aufgabe, die immer weiter entwickelt werden muss. Sie stellt durch die demografische Entwicklung eine besondere Herausforderung dar. Dazu zählt auch die Sorgearbeit der Familien für die Älteren. Meines Erachtens sollten insbesondere die Kommunen und die Akteure vor Ort zukünftig bei diesem Gestaltungsprozess verstärkt unterstützt werden. Familienfreundlichkeit entscheidet letztlich über die Zukunft unserer Dörfer und Städte und ist auch ein Wirtschaftsfaktor für Thüringen. Mit der Förderung des Auditierungsverfahrens „Familiengerechte Kommune“ setzt die Stiftung ab diesem Jahr dieses Ziel konkret um.

Stiftung FamilienSinn Arnstädter Straße 28 - 99096 Erfurt Telefon: 0361 6014908-0 Fax: 0361 6014908-9 E-Mail: info@stiftung-familiensinn.de

partner / informativ 06.13

info

Frau Schmack-Siebenlist-Hinkel: Die Aufgaben der Stiftung FamilienSinn ergeben sich unter anderem aus dem Thüringer Familienförderungssicherungsgesetz in der Fassung vom 21. Dezember 2011.

11


ehrenamt /

Ehrenamtskoordinatoren der AWO in Thüringen AWO KV Bad Langensalza Gabi Hildebrandt Verwaltung I Öffentlichkeitsarbeit I Ehrenamtskoordinatorin Thomas-Müntzer-Platz 3 99947 Bad Langensalza Telefon: 03603 83020 E-Mail: hildebrandt@awo-lsz.de AWO KV Gotha/AWO-Soziale Dienste gGmbH Gotha Romy Willuhn Assistentin der Geschäftsführung I Ehrenamtskoordinatorin Schöne Allee 6 99867 Gotha Telefon: 03621 73378716 E-Mail: romy.willuhn@awo-gotha.de

AWO KV Nordhausen „Küche mit Herz“ Ilona Scharff Verwaltungsleiterin Küche und Kindertagesstätten I Ehrenamtskoordinatorin Löwentorstraße 33 99752 Bleicherode Telefon: 036338 597651 E-Mail: i.scharff@awo-schulkueche.de

4.500 Ehrenamtliche bei der AWO Thüringen

AWO Regionalverband SüdWest-Thüringen Gertraude Gnieser Geschäftsführerin RV SüdWest-Thüringen I Ehrenamtskoordinatorin Hufelandstraße 11 98527 Suhl Telefon: 03681 3977840 E-Mail: gnieser@awo-thueringen.de AWO KV Ilmkreis Heike Marx Kita Gesamtleiterin I Ehrenamtskoordinatorin Prof.-Frosch-Straße 19 99310 Arnstadt Telefon: 03628 661476 E-Mail: heike.marx@awoilmkreis.de AWO KV Saalfeld-Rudolstadt Seniorenbüro des Landkreises Saalfeld-Rudolstadt Alexandra Graul Leiterin Seniorenbüro I Ehrenamtskoordinatorin Rainweg 70 07318 Saalfeld Telefon: 03671 33069 E-Mail: seniorenbueroslf-ru@gmx.de 12

informativ 06.13 / ehrenamt

AWO KV Saalfeld-Rudolstadt Netzwerk Seniorenarbeit Gorndorf Ingolf Reiher Quartiersmanager I Ehrenamtskoordinator Albert-Schweitzer-Straße 134 07318 Saalfeld Telefon: 03671 459999 E-Mail: ingolf.reiher@awo-saalfeld.de


AWO LV Thüringen Elke Neiser Referentin für ehrenamtliche Arbeit Pfeiffersgasse 12 99084 Erfurt Telefon: 0361 21031182 E-Mail: neiser@awo-thueringen.de AWO AJS gGmbH Anette Sickel Freiwilligenkoordinatorin | Kurberaterin Pfeiffersgasse 12 99084 Erfurt Telefon: 0361 21031183 E-Mail: sickel@awo-thueringen.de

AWO KV Jena-Weimar Anja Pfotenhauer Referentin für Ehrenamt | Verbandsarbeit I Sprachförderkraft Kita Soproner Straße 1b 99423 Weimar Telefon: 03643 2499653 E-Mail: pfotenhauer@awo-jenaweimar.de

AWO KV Erfurt Lieselotte Keil Geschäftsführerin KV Erfurt I Leitung Projekt juniorExperten (AWO Bildungswerk) I Ehrenamtskoordination Pfeiffersgasse 11 99084 Erfurt Telefon: 0361 51150914 E-Mail: lieselotte.keil@awo-thueringen.de AWO KV Altenburg/ AWO AJS gGmbH Steffi Keller Einrichtungsleiterin Seniorenwohnanlage I 2 Begegnungsstätten I Ehrenamtskoordinatorin Humboldtstraße 12 04600 Altenburg Telefon: 03447 558998 E-Mail: selbst.wohnen.abg@awo-thueringen.de AWO Soziale Dienste Zeulenroda gGmbH Pausaer Straße 80 07937 Zeulenroda Gaby Kunke Sekretariat I Verwaltung I Ehrenamtskoordination Telefon: 036628 70432 E-Mail: gaby.kunke@awozeulenroda.de Sabine Weeber Personalwesen I Verwaltung I Ehrenamtskoordination Telefon: 036628 70434 E-Mail: sabine.weeber@ awo-zeulenroda.de AWO KV Greiz Heidi Glöckner Verwaltung I Organisation und Öffentlichkeitsarbeit I Ehrenamtskoordination Am Schafteich 2 07570 Harth-Pöllnitz Telefon: 036603 52458 E-Mail: heidi.gloeckner@awo-greiz.de

AWO KV Sonneberg/ AWO AJS gGmbH Conny Müller-Litz Ehrenamtskoordinatorin I ZMAV Otto-Engert-Straße 2 98724 Neuhaus am Rennweg Telefon: 03679 756519 E-Mail: c.mueller-litz@awothueringen.de

AWO KV Saale-Orla Beratungsstelle Marion Dressel Sozial- und Kurberatung I Ehrenamtskoordinatorin Elisenstraße 14 07907 Schleiz Telefon: 03663 420042 E-Mail: awo-schleiz@t-online.de ehrenamt / informativ 06.13

13


awo vor ort /

Spatenstich für neue AWO Krippe „Ringelblümchen“ Am 2. Mai wurde in der Erfurter Oskar-Schlemmer-Straße der symbolische Spatenstich für den Bau der AWO Kinderkrippe „Ringelblümchen“ gesetzt. Mit dabei waren Erfurts Oberbürgermeister Andreas Bausewein, Sozial- und Kulturbürgermeisterin Tamara Thierbach, AWO-Landesvorsitzender Werner Griese, AJS-

Der Erfuter Oberbürgermeister Andreas Bausewein (l.) und Bürgermeisterin Tamara Thierbach beim Spatenstich mit der AWO

Aufsichtsratsvorsitzender Wolfgang Metz und AJS-Geschäftsführer Michael Hack. Bereits im Spätsommer des nächsten Jahres soll der Neubau fertiggestellt werden. Dann können 60 Kinder im Alter von einem bis drei Jahren in der Krippe betreut werden. Der Neubau ergänzt damit die schon bestehende Kita „Ringelblume“ im nahegelegenen Miesvan-der-Rohe-Weg. Auf zwei Etagen entstehen je drei Gruppenräume mit dazugehörigen Schlafräumen, außerdem ein Wirtschaftsbereich mit eigener Küche. Der Außenbereich wird ganz auf die Bedürfnisse der Kleinen angepasst. Insgesamt kostet der Neubau 2,52 Millionen Euro. Einen Großteil der Kosten übernimmt der Bund. Mit 1,6 Millionen Euro wird der Ausbau der Kitaplätze für Kinder unter drei Jahren gefördert.

Petra Heß überreicht Spende an Gothaer „Marienkinder“ 315 Euro hatte die Thüringer Ausländerbeauftragte und SPDBundestagskandidatin Petra Heß im vergangenen Jahr bei der Spendenaktion „Gotha kocht“ eingenommen. Die Aktion findet traditionell in der Vorweihnachtszeit in der Gothaer Innenstadt statt, um Geld für karitative Zwecke und Vereine zu sammeln. Petra Heß hat ihre Einnahmen nun an die AWO Kita „Marienkinder“ in Gotha gespendet.

mit dem Geld geschehen soll. Damit machen die „Marienkinder“ einen Ausflug ins Spieleparadies nach Emleben. Da wollten sie schon immer mal hin.

Die Freude war groß in der Kindertagesstätte, hat sie doch in der vergangenen Zeit vor allem mit einer Serie von Einbrüchen für Schlagzeilen gesorgt. Die Kinder erinnern sich noch immer mit Schrecken an die Ereignisse. Bis dato unbekannte Täter hatten die Kita mehrmals des Nachts aufgebrochen und verwüstet. Umso mehr hat man sich nun über die Spende gefreut. Und es steht auch schon fest, was

Thüringer Engagement-Preis 2013 2013 vergibt die Thüringer Ehrenamtsstiftung erstmalig den Thüringer Engagement-Preis in fünf Kategorien, um damit verschiedene Engagement-Bereiche und Personenkreise zu würdigen, die sich in besonderer Weise engagieren. Die fünf Sieger werden mit jeweils 5.000 Euro Preisgeld für ihren bürgerschaftlichen Einsatz bedacht. Kennen Sie Personen oder Einrichtungen, die es verdient hätten, in dieser Weise geehrt zu werden? Nominierungen können bis zum 15. Juli 2013 an die Thüringer Ehrenamtsstif-

14

informativ 06.13 / ehrenamt

tung gesandt werden. Der Fokus der Preisverleihung liegt in diesem Jahr in der Würdigung von Einzelpersonen, Jugendlichen, sozialen Unternehmen, Vereinen und Stiftungen. Die Ermittlung der Gewinner erfolgt sowohl durch eine Jury als auch durch ein Online-Voting, zu dem alle Bürgerinnen und Bürger des Freistaates Thüringen im Zeitraum 1. bis 15. September 2013 aufgerufen sind.

Mehr Informationen finden Sie unter www.thueringerengagement-preis.de.


projekt /

Dari, Farsi und Yoruba Sprach- und Integrationsmittlerprojekt

„Kommunikation ist das A und O“, weiß Josina Monteiro, Koordinatorin des Projektes SprIntpool Thüringen, das seit Beginn des Jahres 2013 in Trägerschaft des IBS ist. SprIntpool steht für Sprach- und Integrationsmittlerpool. Die Idee dahinter ist einfach erklärt: es gibt eine Koordinierungsstelle, die Anfragen von Institutionen und Ämtern entgegennimmt und 20 Sprachmittler, die 19 Sprachen abdecken und für Termine beim Sozialamt, Ärzten oder Schulen gebucht werden können, um dort zu dolmetschen, kulturelle Unterschiede zu erklären und manchmal komplizierte deutsche Rechtszusammenhänge zu vermitteln. Seit dem Jahr 2010 gibt es die Idee. Entstanden ist sie aus dem Therapiealltag des Refugio Thüringen e. V. in Jena. Hier werden traumatisierte Flüchtlinge therapiert und begleitet. Dabei fiel auf: ohne Dolmetscher ist das kaum möglich, denn wer als Flüchtling nach Deutschland kommt, spricht zumeist kein Deutsch und darf erst nach Anerkennung des Flüchtlingsstatus, das kann bis zu zwei Jahren dauern, einen Deutschkurs belegen. Die logische Konsequenz für den Verein: Sprachmittler müssen her. Die erste Projektphase bestand aus der Qualifizierung. Denn eins war klar, das Vorhaben sollte Hand und Fuß haben und möglichst bundesweit anerkannte Sprachmittler hervorbringen. Darum hat man sich an bestehenden Qualifizierungsmodalitäten orientiert. Auf die Ausschreibung der Ausbildung folgten über 90 Bewerbungen, nach den Auswahlgesprächen haben 27 Teilnehmer mit der 18-monatigen Ausbildung begonnen, 24 von Ihnen haben sie erfolgreich beendet. „Die Ausbildung war sehr anspruchsvoll, die Prüfungen waren schwierig, unsere Teilnehmer mussten sich richtig reinhängen“, sagt Josina Monteiro. Die Sprachmittler lernten in der Vollzeitausbildung das deutsche Sozial- und Bildungswesen kennen, dessen Struktur und Institutionen, paukten Fachvokabular aus dem Gesundheitswesen, lateinische Begriffe und sogar die bekanntesten Krankheitsbilder. Als zertifizierte Sprach- und Integrationsmittler arbeiten sie nun für das Projekt und helfen Flüchtlingen und Zuwanderern. Doch davon leben können sie bisher leider nicht. „Wir bekommen zwar die kompletten 25 Euro pro Stunde ausgezahlt, die Koordinierungsstelle erhebt keine Vermittlungskosten, trotzdem sind die Aufträge nicht stetig genug, um davon leben zu können“, sagt Mohammad Erfan Ghafari, Sprachmittler beim Projekt. Der gebürtige Afghane kam 2007

zum Studium nach Deutschland, lernte hier seine heutige Frau kennen und blieb erst mal in Deutschland. Er arbeitet gern mit der Koordinierungsstelle zusammen, dolmetscht dari und persisch. „Ob wir zu bestimmten Terminen dazu gebucht werden oder nicht, das hängt allein von den Mitarbeitern in den Ämtern und Institutionen ab“, erklärt er. Viele hätten großes Verständnis für die Notwendigkeit solcher Sprachmittlung, bei einigen gäbe es solch eine Selbstverständlichkeit aber leider noch nicht. Im Endeffekt sind die Entscheidungen für oder gegen den Einsatz eines Sprachmittlers in Thüringer Kommunen immer einzelfallbezogen. Dabei ist es gerade in der Anfangszeit, wo es für die Migranten so viel zu regeln gibt, ungemein wichtig, dass da jemand ist, der dolmetscht. In einigen Städten ist so eine anfängliche Intensivbetreuung ganz selbstverständlich. In der zweiten Projektphase, die nun in Trägerschaft des IBS, einer Tochtergesellschaft der AWO, läuft, geht es genau darum. Das Angebot soll einen gewissen Bekanntheitsgrad in ganz Thüringen erlangen, soll sich etablieren und unverzichtbar werden. „Je mehr Institutionen über die Vermittlungszentrale informiert sind, desto selbstverständlicher wird die Kontaktaufnahme mit uns“, sagt Josina Monteiro. Damit würden auch Zeichen gesetzt, für die interkulturelle Öffnung und gelebte Willkommenskultur in Thüringen. „Wir sind nicht nur da, um zu dolmetschen, sondern erklären auch kulturelle Hintergründe und Eigenarten“, sagt Fatiha Chorfa, Sprachmittlerin für Arabisch, „denn auch die sind für das gegenseitige Verständnis ungemein wichtig.“ Die alleinerziehende Mutter von zwei Kindern kam 1992 der Liebe wegen aus Algerien nach Deutschland. Der Job als Sprachmittlerin macht ihr Spaß. Sie sieht die Notwendigkeit ihrer Arbeit, weiß sie doch genau, wie es sich anfühlt, in ein fremdes Land mit fremder Sprache zu kommen. Mittlerweile ist Deutschland aber ihre Heimat geworden. „Wieder nach Algerien zu gehen, das kann ich mir nicht mehr vorstellen, dazu bin ich zu lange in Deutschland.“ Und wie heißt es noch so schön in einer englischen Redensart: „Home is where the heart is.“ Sie wissen ja nun, wer Ihnen das übersetzen kann.

Josina Monteiro Projektkoordinatorin SprIntpool Thüringen Wallstraße 18 - 99084 Erfurt Telefon: 0361 602373-25 - Fax: -29 E-Mail: sprintpool@ibs-thueringen.de Öffnungszeiten: Mo-Fr 9-15 Uhr projekt / informativ 06.13

info

Wie ist das wohl, wenn die Dame im Amt immer lauter wird, in der Hoffnung, dass ihr Gegenüber sie dann versteht, wenn der Arzt mit Händen und Füßen eine Diagnose erklären möchte oder die Lehrerin Aufgaben aufgibt, in einer fremden Sprache? Die Betroffenen sind in solchen Situationen zumeist „sprachlos“ auf sich allein gestellt, Missverständnisse sind dann oft vorprogrammiert. Das Projekt SprIntpool hilft in genau diesen Situationen.

15


awo vor ort /

Schwarzes Theater in Wurzbach

„Heraus aus dem Schatten ins Licht“ In der Heilpädagogischen Wohnstätte der AWO im Saale-OrlaKreis gibt es seit diesem Jahr ein neues Projekt mit düsterem Titel. Doch der täuscht, denn beim „schwarzen Theater“ und dem Projekt „Heraus aus dem Schatten ins Licht“ geht es tatsächlich ziemlich lustig und farbenfroh zu. Einmal pro Woche treffen sich die Bewohner der Wurzbacher Wohnstätte in einem extra abgedunkelten Raum. Vor schwarzem Stoff und in dunkler Kleidung experimentieren sie hier mit Schwarzlicht und allem, was darin leuchtet. Neonfarbene Handschuhe, weiße Bänder und hüpfende Tücher erstrahlen im Licht und tanzen zur Musik. „Noch befinden wir uns in der Experimentierphase“, sagt Einrichtungsleiterin Marion Gleichmann. „Da wird alles ausprobiert.“

Hinter dem für ein Jahr von der Aktion Mensch geförderten Projekt steht der Inklusionsgedanke. Menschen mit und ohne Behinderung sollen gemeinsam etwas erleben und schaffen. Am 6. Juni, dem Schülerfreiwilligentag, fiel dafür der Startschuss. Da kamen Grundschüler zu Besuch und haben gemeinsam mit den Bewohnern einen Projekttag rund ums „schwarze Theater“ gestaltet. Die Ergebnisse wurden am Tag der offenen Tür in einem Workshop weiter vertieft. Ziel ist eine gemeinsam vorbereitete Aufführung des „schwarzen Theaters“ im Herbst, für Eltern, Betreuer und Vertreter der Schule. Bis es so weit ist, muss noch viel geprobt werden. „Zum Glück“, sagt Marion Gleichmann, denn dabei haben nicht nur die Bewohner mit geistiger Behinderung Spaß, auch die Mitarbeiter sind immer wieder fasziniert von den tollen Effekten und schon sehr gespannt auf das Ergebnis.

„IRRE Trommeln“

Musik- und Theaterprojekt der AWO Tagesstätte Bad Salzungen und selbst gebastelte Cajons, das sind Kistentrommeln aus Holz, die bunt verziert den Takt angaben. Insgesamt 15 Teilnehmer kamen schon lange vor dem Aktionstag regelmäßig zusammen, um diesen Programmpunkt vorzubereiten.

Die AWO-Tagesstätte in Bad Salzungen Am 5. Mai fand der europaweite Tag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung statt. Auch die AWO Tagesstätte für psychisch kranke Menschen in Bad Salzungen hat sich an diesem Tag für mehr Inklusion engagiert. Unter dem Motto „IRRE Trommeln“ haben Besucher der Tagesstätte, Mitarbeiter und Ehrenamtliche für mehr Verständnis im Umgang mit psychisch erkrankten Menschen geworben. Bei schönstem Sonnenschein gab es Theater und Musik, Kaffee und Kuchen und die Möglichkeit, sich über die Situation von Menschen mit psychischen Einschränkungen auszutauschen. In Vorbereitung auf diesen Tag wurde kreativ gearbeitet. Klienten der Tagesstätte und nicht behinderte Menschen haben gemeinsam mit einem Musiktherapeuten ein Lied nur für den Aktionstag einstudiert. Auch der Text und die Melodie sind selbst erdacht. Die Begleitung übernahmen eine Gitarre

16

informativ 06.13 / awo vor ort

Projektinitiatorin und Leiterin der Tagesstätte Denise Gubitz Ein weiteres Highlight war das Schattentheater. Ebenfalls von Besuchern der Tagesstätte und Ehrenamtlichen einstudiert, gewährte es Einblicke in die Situation und Lebensepisoden von Menschen mit psychischer Behinderung. In regelmäßigen Abständen wurden beide Programmpunkte dem begeisterten Publikum am Aktionstag vorgeführt. Der europäische Tag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung stand in diesem Jahr unter dem Motto „Ich bin entscheidend“ und drehte sich ganz um das Thema selbstbestimmtes Leben. Initiiert wurde der Tag mit deutschlandweit über 100 Veranstaltungen, unter anderem von der Aktion Mensch.


landesjugendwerk /

AWO zeigt Gesicht gegen Rechts Mit zahlreichen Aktionen hat die AWO sowohl am 16. April, dem bundesweiten Aktionstag „Wir für Demokratie - Tag und Nacht für Toleranz“ als auch am 1. Mai Gesicht gegen Rechtsradikalismus und Neonazis gezeigt. So demonstrierten das Jugendwerk und zahlreiche AWOMitglieder in Erfurt gegen den dort geplanten Aufmarsch der Rechtsradikalen. Gleichzeitig beteiligten sich die Mitarbeiter des Landesverbandsprojektes „Rechts geht‘s lang?! – Nicht mit der AWO!“ an einem Familienfest zahlreicher Organisationen und Vereine im Erfurter Stadtpark. Zum Aktionstag „Wir für Demokratie“ waren Bürofenster und AWO-Einrichtungen bunt gestaltet.

Das Landesjugendwerk am 1. Mai in Erfurt lungen entgegentreten zu können. Auch eine Zukunftskonferenz zum Thema ist Ende des Jahres geplant. Wenn Sie Fragen oder Unterstützungsbedarf zum Thema „Rechtsradikalismus“ haben, stehen Ihnen die beiden Verbandsreferentinnen Melanie Morawa und Nadja Körner gern zur Verfügung.

In den kommenden Monaten wird der AWO-Landesverband zudem viele Schulungen und Seminare rund um das Thema „Menschenverachtende Einstellungen und Rechtsradikalismus“ anbieten. Ehrenamtlichen und Mitarbeitern sollen auf diese Weise Argumente und Wissen an die Hand gegeben werden, um rassistischen Einstellungen und Hand-

kontakt

Familienfest im Erfurter Stadtpark

Projekt „Rechts geht‘s lang?! - Nicht mit der AWO!“ Melanie Morawa und Nadja Körner Josef-Ries-Straße 15 - 99086 Erfurt Telefon: 0361 51159626/-27 E-Mail: melanie.morawa@awo-thueringen.de

11. Sportturnier der Jugendhilfeeinrichtungen in Kahla Am 6. Juli findet bereits zum elften Mal das Sportturnier der Jugendhilfeverbünde und Ortsjugendwerke statt. In verschiedenen Disziplinen, u. a. im Fußball und Volleyball, treten Teilnehmer aus den stationären Jugendhilfeeinrichtungen der AWO und den Ortsjugendwerken gegeneinander an. Ausgerichtet wird die Veranstaltung vom Landesjugendwerk. Das Event ist bereits zur Tradition geworden und wird immer rege zum Kräftemessen genutzt. Im vergangenen Jahr konnte die Mannschaft aus Eisenach im Volleyball überzeugen. In diesem Jahr will man ihnen den Titel streitig machen. Spannende und faire Wettkämpfe werden in Kahla erwartet. Daneben gibt es aber noch ein buntes Programm mit Musik, Leckereien vom Grill und dem beliebten Kletterturm des Jugendwerks.

landesjugendwerk / informativ 06.13

17


vorgestellt /

Der AWO Kreisverband Jena-Weimar e. V. Vier Fragen an: Michael Holz Was ist die AWO für dich?

Was ist das Besondere an der AWO?

Die AWO ist ein Sozialverband mit vielfältigsten Aufgaben, die sich alle an einem ausrichten: dem Menschen. Diese Herausforderung anzunehmen, an 365 Tagen im Jahr und diese Herausforderung zu meistern, ist für mich die AWO.

Das Besondere an der AWO ist, für Menschen jeden Alters da zu sein. Seien es die verschiedenen Kindergärten, die Jugendzentren, die Schule in Jena mit ihrem pädagogisch hochwertigen und qualifizierten Schulbildungskonzept oder die Seniorenzentren, Pflegedienste und betreuenden Senioreneinrichtungen. Dieses riesengroße Spektrum an Angeboten bietet Kinder- und Jugendförderung, Bildung, Angebote für sozial Schwache und Benachteiligte sowie für Menschen in Not bis hin zu einer hochengagierten Altenpflege.

Was war dein schönster Moment im Verband? Es gab schon eine ganze Reihe schöner, beeindruckender und auch anrührender Momente. Als Präsident des Kreisverbandes Jena-Weimar ist und war für mich jedoch bisher der schönste Moment, als die gesamte AWO-Familie beider Kreisverbände der Fusion im Jahr 2006 zugestimmt hat.

Michael Holz Präsident des Kreisverbands Jena-Weimar

Wo siehst du die AWO in zehn Jahren? Diese Frage ist nicht wirklich leicht zu beantworten. Die Herausforderungen für einen Sozialverband sind in den letzten Jahren nicht kleiner geworden. Die Demographie wird Veränderungen und Anpassungen mit sich bringen. Neue Aufgaben werden hinzukommen, bestehende gilt es zu optimieren. In jedem Fall wird die AWO in zehn Jahren da sein, wo sie immer war: bei den Menschen.

Förderverein in LEONARDO-Schule gegründet zung bei der Gestaltung des Schullebens und der Schulkultur. Die Freie Ganztagsschule LEONARDO startete im Sommer 2007 in Jena, 2011 konnte ein neugebautes Schulgebäude bezogen werden, an dessen Planung die Schüler maßgeblich beteiligt waren. Die Schule befindet sich noch im Aufbau, derzeit gibt es 125 Schüler in den Klassen 4 bis 10 sowie in den Grundschulklassen 1 und 2.

Immer mehr Menschen engagieren sich bei der AWO Jena-Weimar in Fördervereinen. Nach Gründungen in verschiedenen Kindergärten und einem Seniorenzentrum gibt es nun seit März 2013 auch einen Förderverein in der Freien Ganztagsschule LEONARDO. Dieser hat vorrangig die Unterstützung und Förderung der Betreuungs-, Bildungs- und Erziehungsarbeit im Fokus. Dazu gehören auch die Gewinnung von Ehrenamtlichen sowie die Unterstüt-

18

informativ 06.13 / vorgestellt

Gelernt wird in jahrgangsgemischten Stammgruppen in unterschiedlichen Lernformen, z.B. im Fachunterricht, Lernbüro, Werkstätten und in Projekten. Bis zum achten Jahrgang besuchen alle Kinder unabhängig vom angestrebten Schulabschluss eine gemeinsame Stammgruppe, danach ist eine abschlussbezogene Ausdifferenzierung der Lernwege möglich. Das Abitur kann anschließend in 12 Jahren oder aber über den Zwischenschritt eines Regelschulabschlusses in 13 Jahren abgelegt werden. In diesem Jahr beendet erstmalig eine 10. Klasse die Schule mit dem Realschulabschluss, eine Oberstufe mit Abitur ist ab dem Schuljahr 2013/14 geplant.


Der AWO Kreisverband Jena-Weimar e. V. betreibt: 12 Kindergärten 5 Beratungsstellen 4 Begegnungsstätten 3 ServiceWohnen 3 Tagesstätten/Tagespflegen 3 Seniorenzentren 2 ambulante Pflegedienste 2 Jugendzentren eine Frühförderstelle für sehgeschädigte und blinde Kinder ein Mehrgenerationenhaus einen Fachdienst für Migration und Integration eine Fachstelle für Interkulturelle Öffnung eine Schule eine Physiotherapie und die AWOCARENET GmbH mit den Bereichen Development, Facility und Catering

fakten

Zahlen, Daten, Fakten • 1990 Gründung AWO Kreisverband Jena und Kreisverband Weimar • 2006 Verschmelzung der beiden Kreisverbände zum Kreisverband Jena-Weimar e. V. • 2007 Aufnahme der Ortsvereine Apolda und Bad Sulza nach Auflösung des Kreisverbands Sömmerda-Apolda • Derzeit 830 Mitglieder, 4 Ortsvereine, 6 Fördervereine (Kitas, Schule, Seniorenzentrum), Ortsjugendwerk Jena, Durchschnittsalter 48 Jahre (Platz 2 in Thüringen) • Der AWO Kreisverband Jena-Weimar e. V. arbeitet im Präsidialmodell mit einem hauptamtlichen Vorstand. • Arbeitgeber von ca. 580 Beschäftigten, ca. 600 Menschen engagieren sich ehrenamtlich im Verband.

Besuch im Mehrgenerationenhaus Jena Besonders interessant waren für ihn die vielen Angebote im Bereich Integration und Bildung. So fanden im letzten Jahr im Mehrgenerationenhaus ein interkulturelles Kochen statt, Englisch-Nachhilfe und der Kurs „Elternpaar sein - Liebespaar bleiben“. Als nächste Projekte sind das „Sprachcafé“ und die „Bewegung der Generationen“, ein Sportkurs für Menschen aller Generationen und Nationen, geplant. Auch am Jenaer Generationentag und am Schülerfreiwilligentag hat sich das Mehrgenerationenhaus beteiligt.

Der Thüringer Generationenbeauftragte Michael Panse bei seinem Besuch im Mehrgenerationenhaus Das Ende des ersten Jahres im Mehrgenerationenhaus Jena sowie die seit Mitte März neu hinzugekommene Mitarbeiterin Sabine Dinter waren Anlass für den Generationenbeauftragten des Thüringer Landes Michael Panse, zu Besuch in das AWO Zentrum Lobeda zu kommen.

Zum Abschluss des Besuches besichtigte der Generationenbeauftragte noch die Baustelle des AWO Wohnparks „Lebenszeit“, in welchem das Mehrgenerationenhaus ab 2014 Einzug halten wird. In diesem Zusammenhang formulierte er auch die Zuversicht, dass die Förderung des Projektes ab dem Jahr 2015 weitergehen könne. Es sei ein Vorteil des Mehrgenerationenhauses in Jena, dass es unter dem Dach der AWO schon viele Angebote gibt, die man an anderen Standorten erst mühsam etablieren müsse.

Tatkräftige Unterstützung Mit viel Kreativität und Engagement unterstützt der 55 Mitglieder zählende AWO-Förderverein der Kita „Nordknirpse“ in Weimar die Einrichtung und ist beispielgebend für kleine Projekte mit einer großen Wirkung. So wurde mit Aktionen, wie dem „Frühstück to go“, einer Blutspende der Eltern im Kindergarten oder den Erlösen aus dem Verkauf der Sparkassenkalender Geld gesammelt, um damit eine Hochebene zum Spielen im Wert von 3.700 Euro zu installieren. Dieses Ziel wurde 2012 erreicht, nun steht eine neue Herausforderung an: das Einrichten eines Bewegungs- und Kletterraumes. Mit den bereits erzielten Erlösen aus einem Floh- und Adventsmarkt rückt die Umsetzung dieses Anliegens immer näher.

vorgestellt / informativ 06.13

19


engagiert /

„Boys’Day“ in der AWO Kita „Brühler Gartenzwerge“ Am 25. April war „Boys‘Day“. Auch die Erfurter Kita „Brühler Gartenzwerge“ hatte Besuch von zwölf Jungen im Alter von 15 bis 17 Jahren, die für einen Tag in den Erzieherberuf schnupperten. Der deutschlandweite Aktionstag soll alljährlich Jungen an Berufe heranführen, die bisher eher von Frauen dominiert werden. Morgens wurden die Teilnehmer von einer Kindergruppe vor dem Erfurter Theater abgeholt und zur Kita geführt. Zur „Aufwärmung“ haben die Jungen einen kurzen Film über den 23-jährigen Guido aus Hamburg gesehen, einen der besten Beatboxer Deutschlands, der sich gerade in der Ausbildung zum Erzieher befindet. Kita-Leiter Sven Franke stellte die Kita „Brühler Gartenzwerge“ vor. Außerdem waren eine Lehrerin der privaten Fachschule Erfurt und ein angehender Erzieher vor Ort, um Fragen rund um Beruf und Ausbildung zu beantworten. Und natürlich kam auch die Arbeit mit den Kindern nicht zu kurz. In kleinen Projekten haben die Jungen selbst mitgearbeitet. „Wir wollen den Jungen zeigen, dass die Kita ein Arbeitsplatz für Männer und Frauen ist“, sagt Sven Franke. „Denn im Umgang mit Kindern braucht es männliche und weibliche Fertigkeiten und Eigenschaften.“ Der „Boys’Day – Jungen Zukunftstag“ ist das männliche Pendant zum bewährten „Girls‘Day“, der am gleichen Tag stattfindet und bei dem es darum geht, Mädchen an männlich

dominierte Berufe heranzuführen. Die Initiatoren vom „Boys’Day“ haben diese Idee aufgegriffen und einen Tag geschaffen, an dem Jungen Berufe kennenlernen sollen, die bisher zu mindestens 60 Prozent von Frauen ausgeführt werden. Dazu gehören vor allem soziale Berufe, wie Erzieher, Gesundheitsberufe, wie Pflegefachkraft, aber auch Berufe aus den Bereichen Technik, Naturwissenschaft, Wirtschaft und Kultur. In Erfurt wurde der „Boys’Day“ unter anderem vom AWO-Projekt „juniorExperten – Kinder brauchen Männer“ koordiniert. Mitarbeiter des Projekts waren in der Kita, um Hintergründe und Ziele ihrer Arbeit vorzustellen. Mehr zu den „juniorExperten“ finden Sie auf Seite 3 in diesem Heft.

Englisch, Vorlesen und neue Projekte Ehrenamtliche Helferinnen in der Kita „Ringelblume“ In der Erfurter Kita „Ringelblume“ kann man sich über fehlendes ehrenamtliches Engagement nicht beklagen. Gleich zwei Freiwillige sind regelmäßig in der Kita zu Gast, um kräftig mit anzupacken und ihr Wissen in den Kita-Alltag einfließen zu lassen. Lena De Mol ist Studentin und Mutter. Seit 2011 engagiert sie sich nebenbei in der integrativen Kita „Ringelblume“. Die Sprachwissenschaftlerin, die zurzeit zum Thema zweisprachige Erziehung promoviert, kommt regelmäßig in die Kita. Und dann wird in der „Käfergruppe“ im gesamten Tagesablauf deutsch und englisch gesprochen. Mit vielen Ideen und Ansät-

zen bringt sie die englische Sprache in den Kita-Alltag ein. Davon profitieren beide Seiten: die Studentin kann Erkenntnisse zur bilingualen Arbeit für ihre Promotion sammeln und in der Kita gibt es dadurch sogar Einzelförderung im englischen Sprachbereich. Auf einen Aushang im Eingangsbereich der Kita hat sich Anfang 2012 Rita Thomas gemeldet. Einmal pro Woche wollte sie ursprünglich einer Gruppe vor dem Mittagsschlaf etwas vorlesen und auch für die Schlafwache zur Verfügung stehen. Daraus hat sich aber sehr schnell mehr entwickelt. Mittlerweile kommt Rita Thomas an zwei Tagen in der Woche in die Kita und steht den Mitarbeitern mit Rat und Tat zur Seite. Sie begleitet die Kinder im Tagesablauf, hilft bei Projekten und Festen und ist eine große Unterstützung im Kita-Alltag. „Wir hatten Glück, gleich zwei so engagierte und motivierte Freiwillige für uns gewinnen zu können“, sagt Kita-Leiter Norman Vida Szücs und hofft, beide noch lange halten zu können. Denn oft ist es das Engagement von Ehrenamtlichen, das tolle Projekte und Aktionen erst möglich macht.

20

informativ 06.13 / engagiert


landesjugendwerk /

Zwei Jahre Bundesfreiwilligendienst Rückblicke, Einblicke und Ausblicke Im Sommer 2013 wird der Bundesfreiwilligendienst zwei Jahre alt. Als Reaktion auf die Aussetzung der Wehrpflicht und dem damit verbundenen Ende des Zivildienstes eingeführt, kann er seit August 2011 auch bei der AWO in Thüringen absolviert werden. Die ersten zwei Jahre waren geprägt von Lernprozessen, sowohl auf der Ebene des Landesjugendwerkes als auch der AWO-Gliederungen und ihrer Einsatzstellen. Mittlerweile ist der neue Freiwilligendienst weitgehend Routine. Doch durch die immer neuen Rahmenbedingungen und Bestimmungen auf Bundesebene kommen auf die Beteiligten auch immer wieder Veränderungen zu. Betreut und koordiniert wird der Bundesfreiwilligendienst (BFD) ebenso wie das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) durch das Landesjugendwerk der AWO Thüringen, sodass es für beide Freiwilligendienste eine gemeinsame Anlaufstelle gibt. Das scheint naheliegend, da sich beide Dienste auf den ersten Blick stark ähneln. Doch der BFD ist dem FSJ nicht völlig gleichzusetzen, da ersterer auch neue Möglichkeiten bietet. An erster Stelle ist hierbei die Altersoffenheit des Dienstes zu nennen, der ein Engagement auch im höheren Alter ermöglicht und so den Generationenaustausch und lebenslanges Lernen fördern möchte. Daneben ist der BFD, anders als die klassischen Jugendfreiwilligendienste, nicht an bestimmte Tätigkeitsfelder gebunden. So können auch reine Fahrdienste oder der technische Dienst in einer Einrichtung den Schwerpunkt der täglichen Arbeit ausmachen.

Auch der Kreis der Teilnehmenden ist einer stetigen Veränderung unterworfen. Waren es im ersten Jahr des BFD noch 50 Prozent Freiwillige über 27 Jahren, sind es im zweiten Jahr 85 Prozent und damit eine immer gewichtigere Zielgruppe für die Freiwilligendienstarbeit. Unabhängig vom Alter der Freiwilligen ist es das Ziel, die Freiwilligen im BFD für ein langfristiges Engagement innerhalb der AWO zu gewinnen. Doch nicht nur die Rahmenbedingungen für ältere Freiwillige differenzieren sich von denen ihrer jüngeren Pendants, auch andere Erwartungen, Hoffnungen und Wünsche werden in den Freiwilligendienst gesetzt. Statt Berufsorientierung und Überbrückung stehen oft umfangreiche berufliche Biografien hinter den BFDlern über 27 Jahren. Ein großer Teil will Erfahrungen in einem neuen Berufsfeld sammeln oder über den BFD den Wiedereinstieg in den gelernten Beruf schaffen.

Freiwillige über 27 Jahren können ihren Dienst flexibler als Jugendliche und junge Erwachsene gestalten, so ist die Arbeit in Teilzeit möglich. Ebenso ist die pädagogische Begleitung durch Seminare nicht so engmaschig wie in den Jugendfreiwilligendiensten. Sind in diesen 25 Seminartage für alle verpflichtend, umfasst die Anzahl für Freiwillige im BFD über 27 Jahren 12 Seminartage pro Jahr.

Informationen für Interessierte unter: Landesjugendwerk der AWO Thüringen Josef-Ries-Straße 15 99086 Erfurt

info

Lebte der BFD im ersten Jahr durch fehlende Richtlinien und Regelungen noch vom Ausprobieren, wurde dem Freiwilligendienst im zweiten Jahr verstärkt ein Rahmen gegeben. Im kommenden dritten Jahr wird die interne Qualitätssicherung eine der Hauptaufgaben sein. Auf diese Weise soll der BFD auch langfristig attraktiv bleiben und sich dauerhaft in den Einrichtungen der AWO in Thüringen etablieren können.

Telefon: 0361 51159630 E-Mail: landesjugendwerk@awo-thueringen.de

landesjugendwerk / informativ 06.13

21


awo vor ort /

Jugendtrainer des RWE trainiert Kinder im AWO Jugendclub Fußball spielen, das ist für viele Jungen und Mädchen der liebste Freizeitvertreib. Unter professioneller Anleitung macht das Bolzen und Üben gleich noch mehr Spaß. Seit März dieses Jahres hat das AWO Ortsjugendwerk in Erfurt dafür einen erfahrenen ehrenamtlichen Trainer. Anfang 2013 hat sich Jan Schäfer bei der AWO-Koordinierungsstelle für ehrenamtliches Engagement in Erfurt gemeldet. Der 25-Jährige trainiert die E-Jugend des FC RotWeiß-Erfurt und hat auch davor schon viele Jahre Erfahrung als Coach gesammelt. Bei der AWO wollte er sein Wissen gezielt an Kinder aus sozial schwachen Verhältnissen

Trainer Jan Schäfer und sein Team

weitergeben. So kam zu den bereits bestehenden allwöchentlichen AGs des Ortsjugendwerkes, wie Tanzen, Gitarre oder Garten eine neue dazu: Fußball. 14 Jungen und Mädchen, mal mehr, mal weniger, alle zwischen 1 und 15 Jahren, treffen sich seitdem jeden Freitag zum Training. Gar nicht so leicht, so viele Altersgruppen und Leistungsstände unter einen Hut zu bringen. „Das ist tatsächlich nicht immer ganz einfach“, sagt Jan Schäfer, „aber wir betreuen die Kinder intensiv, da geht keiner unter.“ „Wir leben in einer Gesellschaft, in der es sehr viele Leute sehr gut haben. Ich möchte denen eine schöne Zeit ermöglichen, die vielleicht nicht so viel Glück gehabt haben“, erklärt Jan Schäfer seine Motivation. Und es ist schließlich dieser Blick auf die Gesellschaft, der die zahlreichen AGs im Ortsjugendwerk möglich macht. Ohne die Freiwilligen fänden die nämlich nicht statt. Und dazu würden dann nicht nur die Kids sagen: „Schade wär’s.“

AWO-Fahrradwerkstatt in Eisenberg läuft gut an Seit dem vergangenen Jahr gibt es im Sicor-Werk in Eisenberg ein neues Angebot für Jugendliche und deren reparaturbedürftige Drahtesel. Eine Werkstatt mit Werkzeugen und fachkundiger Beratung öffnet hier an zwei Nachmittagen in der Woche ihre Türen. Gedacht ist das Angebot für Jugendliche zwischen 14 und 21 Jahren. Vorwissen in puncto Fahrradreparatur ist nicht nötig, bei Fragen rund um das Reifenflicken oder Einstellen von Lagern helfen Projektleiter Ralph Hansemann und die ehrenamtliche Helferin Anita Zedler kompetent weiter. Nötiges Material kann in der Werkstatt zum kleinen Preis erworben werden. Die von der Aktion Mensch geförderte Projektphase endet im Juli dieses Jahres, danach wird die Fahrradwerkstatt ehrenamtlich weitergeführt. „Ziel des Projektes ist es auch, neben der Hilfe bei der Fahrradreparatur, Jugendliche in ihrem selbstverantwortlichen Handeln zu schulen und sie in ein Berufsfeld schnuppern zu lassen“, sagt Angelika Müller vom AWO Kreisverband

22

informativ 06.13 / awo vor ort

Saale-Holzland e. V. Vielleicht könne der eine oder die andere auf diesem Weg auch fürs Ehrenamt begeistert werden, sagt sie.


kurz notiert /

Saalfeld / Auszeichnung Mit dem Ehrenamtsbrief des Freistaates Thüringen wurde Christa Pidun ausgezeichnet und damit für ihr langjähriges ehrenamtliches Engagement geehrt. Bereits im Januar vergangenen Jahres wurde die Saalfelderin vom MDR zur „Thüringerin des Monats“ gekürt. Seit zehn Jahren ist Christa Pidun unter anderem im Seniorenbüro des Landkreises Saalfeld-Rudolstadt für das Projekt „Herbstzeitlose“ aktiv und vermittelt kompetente ehrenamtliche Unterstützung und Begleitung an hilfsbedürftige Menschen.

Gößnitz / „Paradies der Geborgenheit“ So nennen Erzieherinnen und Kinder den neu entstandenen Wohlfühlraum in der Gößnitzer AWO Kita „Knirpsenland“. Dank zahlreicher Spenden konnte hier eine bisher ungenutzte Hochebene mit einer Treppe begehbar gemacht und mit Matten, Spiegeln, einer Musikanlage und gemütlicher Beleuchtung eingerichtet werden. Nun gibt es hier Kinderyoga, autogenes Training oder einfach gemütliche Vorleserunden.

Viele naturwissenschaftliche Projekte und Forschertage wurden in der AWO Kita „Kinderland“ veranstaltet. Die Mühe hat sich gelohnt: zum zweiten Mal hat die Kindertagesstätte der AWO in Pößneck nun die begehrte Plakette „Haus der kleinen Forscher“ erhalten. Zur feierlichen Übergabe kam auch Anja Liebscher von der Stiftung Bildung für Thüringen, um Erzieherinnen und Kindern zu ihrem Erfolg zu gratulieren.

Berlin / Historische Kommission sucht Unterstützung Die historische Kommission des AWO Bundesverbandes bittet um Unterstützung bei ihrer Arbeit. Dazu wurde ein Fragebogen erarbeitet, der den Ortsvereinen über ihre Kreisverbände zur Verfügung gestellt wird. Auf diese Weise sollen historisch aktive AWO-Mitglieder vernetzt und deren Kenntnisse für die Arbeit der Kommission nutzbar werden. Die zweite historische Konferenz der AWO findet am 21. November in Berlin statt.

Pößneck / AWO-Schule staatlich anerkannt Die AWO „Schloss-Schule“ in Pößneck hat die staatliche Anerkennung durch das Thüringer Kultusministerium erhalten. Auf der Gemeinschaftsschule werden derzeit 107 Schüler in den Klassenstufen 1 bis 6 unterrichtet. Die Schule wurde 2007 von der AWO im Saale-Orla-Kreis eröffnet.

impressum

Pößneck / Titel „Haus der kleinen Forscher“ verteidigt

Herausgeber: AWO Landesverband Thüringen e. V. Pfeiffersgasse 12 99084 Erfurt Tel.: 0361 21031-0 Fax: 0361 21031-149 E-Mail: informativ@awo-thueringen.de Internet: www.awo-thueringen.de Verantwortlich: Ulf Grießmann, Landesgeschäftsführer Redaktion: AWO Landesverband Thüringen e. V. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung der Redaktion. Die Redaktion behält sich vor, Zuschriften zu kürzen oder Informationen zu verarbeiten. Gestaltung: bernoh, Berlin, www.bernoh.de Fotos: S. 10 S. 14 S. 22

©iStockphoto.com/ Dean Mitchell Spende Petra Heß © Peter Riecke, Thüringer Allgemeine Fahrradwerkstatt © Susann Grunert, Ostthüringer Zeitung

Herstellung: Druckerei Citydruck & Verlag GmbH Erfurt Auflage: 10.000 Stück Erscheinungsweise: AWO informativ erscheint 4x im Jahr, z.T. mit Sonderbeilagen, AWO Thüringen intern. Das Entgelt ist im Mitgliedsbeitrag bereits enthalten.

kurz notiert / informativ 06.13

23


anzeige /

AWO informativ 66  

Die Mitgliederzeitschrift des AWO Landesverbandes Thüringen - Ausgabe 66