Page 1

Magazin für Humanitäre Hilfe und Entwicklungs­ zusammen­a rbeit  

Nov 2012

Jugendförderung und Gewaltprävention Die mittelamerikanische Videoschule EVM in El Salvador Das Umfeld, in dem Kinder und Jugendliche in ­Mittelamerika So entsteht eine lebendige Kommunikation für Jugendliche und aufwachsen, ist geprägt von Gewalt: Gewalt in der Familie, unter Jugendlichen, die in den öffentlichen Medien systematisch Gewalt in der Schule, Gewalt auf der Straße. Es gibt kaum Orte, ausgegrenzt werden. Dass die Perspektiven von Jugendlichen im wo sie ihre Freizeit verbringen können. Oft werden sie als Mit- gesellschaftlichen Diskurs berücksichtigt werden und sie an der glieder krimineller Jugendbanden stigmatisiert. Ihre Bedürfnisse Entwicklung ihrer Gemeinden teilhaben können, ist Ziel des Prowerden kaum beachtet. Ausgehend vom Konzept der partizipati- jekts. An dem Programm von EVM nehmen junge Frauen und Männer aus Mexiko, Nicaragua, El Salvador und Guatemala teil. ven Kommunikation bietet unsere Partnerorganisation ACISAM in El Salvador seit 2010 mit der mittelamerikanischen Videoschule EVM (Escuela de Video Mesoamericana) ein Kursprogramm an, bei Dass das Projekt erfolgreich ist, zeigt die Auszeichnung des Films dem Jugendliche die theoretischen und praktischen Grundlagen „Hindernisse auf dem Weg zum Ziel“ von Gustavo Antonio Molina für die Produktion von Videos lernen. In ihren Filmen reflektie- (16) aus El Salvador. Das Video hat in dem vom Bevölkerungsren die Jugendlichen die sozialen Bedingungen ihres Lebens- fonds der Vereinten Nationen (UNFPA) ausgerufenen Film- und umfeldes und machen jugendspezifische Themen öffentlich. Fotowettbewerb „Jugendliche, eure Stimme zählt in einer Welt von 7 Milliarden Menschen!“ den ersten Preis gewonnen. Ihre Videos stellen die Jugendlichen in ihrem Stadtteil oder ihrer Vom 22. bis 25. August 2012 fand in San Salvador ein Filmfestival Dorfgemeinschaft vor. Mit der öffentlichen Präsentation schaffen statt, bei dem die Jugendlichen ihre Filme erstmals einem grösie Aufmerksamkeit, regen Diskussionen an, zeigen ihren Blick auf die Gesellschaft auf und bringen sich und ihre Anliegen ein. ßeren Publikum vorstellten. Mehr dazu auf den Seiten 4 und 5.

Indien

Philippinen

Schwerpunkt

„Gebt uns Land zum Überleben!“ (Seite 2)

Kampf gegen Kinderhandel und Prostitution (Seite 3)

Jugendliche in Mittelamerika – Filmfest in San Salvador (Seiten 4 – 5)


2 Südasien / Indien

1

„Gebt uns Land zum Überleben!“ Anhörung für landlose Musahar in Uttar Pradesh Fast 80 Prozent der Bevölkerung des nordindischen Bundesstaates Uttar Pradesh leben in ländlichen Gebieten. Für sie ist Landwirtschaft die wichtigste Ressource und Überlebensgrundlage. Doch pro Kopf verfügen sie über immer weniger Land; die durchschnittliche Größe des Grundbesitzes in Uttar Pradesh beträgt derzeit weniger als einen Hektar. Die meisten Musahar – ehemals Unberührbare, die aufgrund jahrhundertelanger Marginalisierung ein Dasein unter meist menschenunwürdigen Zuständen führen und mit einer ständigen Bedrohung ihrer Existenzgrundlagen konfrontiert sind – können von einem Hektar Landbesitz nur träumen. Sie haben wegen ihrer niedrigen Stellung im indischen Kastensystem nach wie vor kaum Rechte und werden als Landarbeiter/innen und Tagelöhner/innen ausgebeutet. Für sie ist es wichtig, überhaupt Land zu erlangen, damit sie ihre Existenzgrundlagen dauerhaft sichern können. In Uttar Pradesh liegt zwar viel Land brach, aber Besitzstreitigkeiten, eine ineffiziente Bürokratie sowie die weit verbreitete Korruption verhindern oft eine entwicklungsorientierte Nutzung bzw. die Zuteilung an bedürftige Landlose. Die indische Partnerorganisation von AWO International Manav Seva Sansthan (MSS) setzt sich dafür ein, dass sich die ­Musahar ihrer Rechte bewusst werden, und unterstützt sie, die ihnen zustehenden Ansprüche einzufordern. MSS setzt sich vor allem auch dafür ein, dass mehr Musahar Landbesitz erlangen. Im August 2012 hat MSS eine öffentliche Anhörung für ­landlose Musahar im Beisein der Distriktverwaltung organisiert, um ihnen Gelegenheit zu bieten, ihre Ansprüchen auf Land geltend zu machen, sich über das Prozedere der Landzuteilung zu informieren und sich über Unregelmäßigkeiten zu beschweren.

Die Anhörung fand in Badhra Charganha statt, mitten im Gebiet des gemeinsamen Projektes von MSS und AWO International. Sie wurde von Musahar-Basisorganisationen durchgeführt und vom zuständigen Amtsrichter und zahlreichen lokalen Behörden unterstützt. Fast 250 Menschen nahmen daran teil. Sie diskutierten unterschiedliche Aspekte und Probleme bei der Landzuteilung, schlichteten Streitfälle und verlangten Aufklärung von den anwesenden Regierungsvertretern. Die Anhörung war sehr erfolgreich: Neben der Klärung strittiger Fragen und der Verfahrensweise der Landzuteilung, wurde 17 Musahar-Familien offiziell Land zugeteilt und ihr Grundbesitz beglaubigt. Die anwesenden Regierungsvertreter sicherten auch zu, verstärkt Land für die Zuteilung an Musahar zu identifizieren. Darüber hinaus wurde beschlossen, die Verteilung von Leistungen aus dem öffentlichen Nahrungsmittelversorgungssystem an bedürftige Bevölkerungsgruppen stärker zu überwachen und an den Ansprüchen der Musahar auszurichten. Im Anschluss wurde die Anhörung in einem von MSS ­organisierten Treffen der Musahar-Basisorganisationen auf Gemeinde­ebene diskutiert und bewertet. Man kam überein, sich weiterhin gemeinsam und stärker für die Durchsetzung der Landrechte der Musahar einzusetzen. Insbesondere die Beteiligung der Basisorganisationen an der Planung und Durchführung der Anhörung hat bewirkt, dass sie sich ihrer Ansprüche und Rechte bewusst geworden sind und ihre Interessen mehr und mehr selbst vertreten. MSS und AWO International werden sich weiter dafür einsetzen, dass es für die Musahar Land zum Überleben gibt. Dr. Clemens Spiess [ 1 ] Eine Musahar-Familie im Dorf Kansiwa




Südostasien / Philippinen  3

Kampf gegen Kinderhandel und Prostitution Über die Arbeit von Talikala auf den Philippinen Davao City ist die größte Stadt auf der Insel Mindanao. Prostitution und Kinderhandel sind dort, wie überall auf den Philippinen, ein weit verbreitetes Problem. Etwa 6 000 Frauen sind dort als Prostituierte tätig; 20 Prozent von ihnen sind unter 18 Jahren alt. Besorgniserregend ist, dass immer mehr junge Mädchen in die Prostitution abrutschen. Jeanette Ampog, Direktorin unserer Partnerorganisation Talikala, berichtet, dass schon neunjährige Prostituierte auf den Straßen Davaos gesehen wurden. Seit 25 Jahren bietet Talikala Unterstützung für junge Frauen und Mädchen an, die von Prostitution betroffen sind, sowie Beratung und Aufklärung für Mädchen. Viele Prostituierte kommen aus Armenvierteln und instabilen familiären Verhältnissen. Armut, eine problematische häusliche Situation und fehlende Zukunftsoptionen führen dazu, dass sich Mädchen anfangs für wenige Pesos „anfassen“ lassen und später ganz in die Prostitution abrutschen. In dieser Umgebung ist es für die Schlepperbanden ein Leichtes, die Mädchen unter Vorgabe falscher Informationen mit Geld zu ködern. Sie werden in weit entfernte Orte verschleppt, wo sie sexuelle Dienste leisten müssen. Von dort zu entkommen, ist schwer.

„vulnerable children“, d. h. Kindern, die aufgrund ihrer sozialen Verhältnisse gefährdet sind, zum Zweck der Prostitution verschleppt zu werden. Beide Gruppen werden von Talikala betreut. Talikala geht gezielt auf die Frauen und Mädchen zu. Durch die langjährige Arbeit sind die Mitarbeiterinnen bekannt, sodass es eine Vertrauensbasis gibt. Sie sprechen die Mädchen an und laden sie ein, ihre Veranstaltungen zu besuchen. Talikala bekämpft Kinderhandel und Kinderprostitution auf mehreren Ebenen gleichzeitig: Neben der konkreten Sozialarbeit leistet Talikala Bildungs- und Aufklärungsarbeit bei Eltern, Sozialarbeiter/innen, Lehrer/innen, zivilgesellschaftlichen Gruppen und bei der Polizei. Auch mit staatlichen Stellen und Gemeinderäten arbeitet Talikala eng zusammen. Alle bekannten Fälle von Frauenhandel und Zwangsprostitution werden akribisch dokumentiert und dienen – wenn nötig – bei Prozessen als Beweismaterial. Durch eine offensive Medienarbeit weist Talikala zudem die Öffentlichkeit auf die Problematik hin.

Talikala hat festgestellt, dass insbesondere Kinder von Prostituierten selbst in der Prostitution landen. Direktorin Jeanette Ampog kennt die erste und die zweite Generation dieser Frauen. „Eine dritte möchte ich nicht erleben“, sagt sie. Deshalb wurAmy, ein 16-jähriges Mädchen, stammt aus einem Slum. Mit ihrer de vor kurzem ein Schutzzentrum errichtet, in dem Kinder und Mutter, fünf Geschwistern und der Familie ihres ältesten Bru- Jugendliche rund um die Uhr betreut werden können. Die tagders wohnt sie in einer Holzbaracke. Sie hat in Bars gearbeitet, tägliche Arbeit im Kontext von Kinderprostitution ist nicht einirgendwann Drogen genommen und sich deshalb gelegentlich fach. „Die Motivation und der Einsatz der Mitarbeiterinnen von prostituiert. Dann wurde sie verschleppt und konnte nur fliehen, Talikala sind beeindruckend“, berichtet Christiane Schulte (AWO weil sie den Namen des Ortes, an dem sie festgehalten wurde, International) von ihrem kürzlichen Besuch in Davao. gehört hatte. Amy zählt mit dieser Biographie zu den „trafficked women“, d. h. Frauen, die von Menschenhandel und Prosti- [ 1 ] Jeanette Ampog mit Mädchen vor dem neuen Schutzzentrum [ 2 ] Slumsiedlung am Stradtrand von Davao City tution betroffen sind. Amys jüngere Schwester gehört zu den

1

2


Jugendliche Lebenswelten in Mittelamerika Erstes Filmfestival der Videoschule EVM

Eine Reise in die Lebenswelten von Jugendlichen in Mittelamerika, das war der Fokus des ersten Filmfestivals der mittelamerikanischen Videoschule EVM (Escuela de Video Mesoamericana), das vom 22. bis 25. August 2012 in San Salvador stattfand. Die öffentliche Präsentation ihrer Filme war Höhepunkt und Abschluss eines zweijährigen Kurses, in dem Jugendliche aus unseren Partnerorganisationen in Mexiko, Nicaragua, El Salvador und Guatemala theoretisch und praktisch die Produktion von Videos gelernt haben. Karin Eder, Leiterin des Regionalbüros Mittelamerika, war beim Filmfest dabei und hat uns von ihren Eindrücken berichtet: Wie entstand denn überhaupt die Idee zu einem Filmfestival? Schon bei der Planung des Gesamtprojektes der ­Videoschule spielte das Festival eine wichtige Rolle. Die Idee war, die jugendlichen Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Videoschu­ le als Akteure vorzustellen und ihnen den Raum zu geben, ihre Filme und damit auch ihre Sicht darstellen zu können. Das Festi­ val sollte ihre Themen einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machen. Die offizielle Eröffnung fand im Nationaltheater von San Salvador statt. Wie war das Festival denn sonst organisiert? Die Filme wurden im Nationaltheater und in zwei Kinos gezeigt. Und es gab ein Rahmenprogramm mit Vorträgen, Workshops und Diskussionen. Diese wurden unter anderem in Kooperation mit der Universität und Studenten aus dem Fachbereich Publizistik und Kommunikation durchgeführt. Insgesamt war das Programm sehr vielfältig. Natürlich waren Mitglieder unserer Partnerorganisationen da, aber auch Vertreter der Regierung und der Botschaften. Auch viele bekannte Filmemacher und Dokumentarfilmer haben das Festival besucht, zum Beispiel der Oscar-Gewinner André

1

Guttfreund. Besonders schön war es, dass neben den jugend­ lichen Filmemachern auch viele Schülerinnen und Schüler ab der 7. Klasse da waren. Die Kinos waren bis zum letzten Platz gefüllt! Wovon handelten die Filme, die gezeigt wurden? Insgesamt wurden 18 Filme gezeigt. In den Filmen geht es um die Lebenswelten der Jugendlichen und ihrer Gemeinden – und diese sind oft geprägt von Armut und Gewalt. Ob Drogen, Korruption, Armut, Prostitution, sexuelle Gewalt – all diese Probleme sind in Mittelamerika relevant und wurden in den Filmen thematisiert. Kannst du uns einige Beispiele nennen? Der Film La comunidad un aprendizaje infinito (Das Dorf – ein unendlicher Lernprozess) behandelt die Geschichte und die Probleme des Dorfes Milingo und wurde dort auch vorgeführt. Es geht um den Bürgerkrieg, um die Situation der Flüchtlinge, ihre Rückkehr und darum, wie sich die Menschen dann neu organisiert haben. Und natürlich geht es auch um die Probleme zwischen den Generationen und Konflikte in der Dorfgemeinde. Der Film zeigt aber auch, wie sich die Jugendlichen einbringen können und wie ein besseres Verständnis zwischen den Generationen erreicht werden kann. Außerdem wurden frauenspezifische Filme gezeigt. Darin geht es um Themen, die im Alltag von Frauen und Mädchen eine Rolle spielen, und das sind oftmals sexuelle Gewalt, Vergewaltigung und Prostitution. Der Film Rebeca zum Beispiel behandelt das Thema Prostitution anhand der Lebenssituation zweier Schwestern in einer städtischen Armensiedlung in Guatemala. Die jüngere der beiden findet heraus, dass ihre Schwester als Prostituierte in einer Bar arbeitet. Der Film thematisiert die Schwierigkeiten, die diese Situation für beide mit sich bringt. Aus Mexico gab es einen Film, der mich sehr mitgenommen hat. In den vergangenen Jahren gab es eine extreme Steigerung der Frauenmorde in Mexiko und Guatemala. Und dieses ­Thema




2

Einige Filme und Clips von der Videoschule und vom Filmfestival gibt es auf youtube unter den Stichworten ACISAM und EVM.

behandelt die Filmemacherin von No quiero decir adios (Ich möchte nicht Auf Wiedersehen sagen) anhand der Geschichte ihrer eigenen Familie. Ihre Cousine wurde umgebracht, und darüber führt sie Interviews mit ihren Verwandten. Diese erzählen von den Schwierigkeiten, den Fall vor Gericht zu bringen, und von ihrer Hilflosigkeit, weil es zu keiner Verurteilung kommt und der Täter nie gefasst wird. Das ist ein sehr einfühlsamer und vor allem ein mutiger Film, denn es ist natürlich sehr gefährlich, damit in die Öffentlichkeit zu gehen. Wie war es für die Jugendlichen, als sie zum ersten Mal vor so einem großen Publikum standen? Nach der Aufführung wurden die Filmemacher nach vorne gebeten, um etwas zu ihrem Film zu sagen. Natürlich waren sie sehr aufgeregt. Aber sobald die Nervosität weg war, waren sie schon ziemlich cool, auch im Gespräch mit den Journalisten und den Dokumentarfilmern. Auf jeden Fall hat es sie sehr bestärkt! Und wie haben die Zuschauer auf die Filme reagiert? Auch das Publikum war begeistert, insbesondere die jugendlichen Zuschauer, da sie sich in den Filmen wiederfinden konnten. Es ging ja um ihre Themen, um Themen, mit denen sie sich identifizieren können. Jetzt werden wir wahrscheinlich hunderte von Anmeldungen von Jugendlichen bekommen, die an unserer Videoschule teilnehmen wollen. In vielen Ländern Mittelamerikas ist die Ausbildungssituation ja recht schwierig. Mit unserem Programm bestärken wir die Jugendlichen nicht nur, sondern schaffen ihnen auch Berufsoptionen und Zukunftsperspektiven.

Schwerpunkt / Mittelamerika  5

3

Das Festival fand ja zum ersten Mal statt. Wie erfolgreich war es denn aus deiner Sicht? Es war ein großer Erfolg! Für unsere jugendlichen Filmemacher war es das erste Mal, dass sie ihre spannenden Filme vor einem größeren Publikum vorstellen konnten. Die Filme waren nicht nur inhaltlich spannend, auch die technische Qualität hat sich enorm verbessert. Die Jugendlichen wurden als professionelle Filmemacher und Videokünstler dargestellt. Und das sind sie ja auch! Die Jugendlichen haben es tatsächlich geschafft, ihre Sicht der Dinge in die Öffentlichkeit zu rücken, ihre Probleme und ihre Lösungsverschläge. Mit ihrer Perspektive haben sie einen neuen Blick auf die Probleme ermöglicht und sind erfolgreich gegen die Stigmatisierung der Jugendlichen als Gewalttäter angegangen. Sie haben einen Diskussionsprozess angeregt. Der Erfolg des Festivals und die positive Rezeption bestärken uns, mit den Filmen auch in andere Länder zu gehen. Drei Jugendliche haben sich zum Beispiel gerade für den „Berlinale Talent Campus“ beworben. Was war dein persönliches Highlight? Das ist wirklich schwierig zu sagen, da ich alle Filme sehr gut fand. Der Film aus Mexiko über die Frauenmorde hat mich wie gesagt sehr mitgenommen. Sehr spannend war auch die Filmvorführung im Dorf Milingo. Es war faszinierend zu sehen, wie sich die Menschen in dem Film wiedererkannt haben und wie der Film einen Diskussionsprozess in der Gemeinde ausgelöst hat. Dieser Spiegeleffekt, den die Filme bewirken sollen, ist ein Grundgedanke des Konzepts der partizipativen Kommunikation.  Mit Karin Eder sprach Vassilios Saroglou. [ 1 ] Filmvorführung in einem der Kinos  [ 2 ] Eröffnung des Filmfestivals: auf dem Podium u.a. Raul Durán, Direktor von ACISAM, (2.v.l.) und Noé Valladares, Leiter der Videoschule (2. v. r.)  [ 3 ] Karin Eder bei ihrer Begrüßungsrede (Fotos: ACISAM)


6  Humanitäre Hilfe / Mali

1

2

Hungerkrise in der Sahelzone HilfsmaSSnahmen zur Ernährungssicherung in Mali

Von der Hungersnot in der Sahelzone zu Beginn werden, die kaum Zugang zu den staatlichen Getreidebanken des Jahres waren bis zu 18 Millionen Menschen des Kommissariats für Ernährungssicherung haben, erhielten betroffen, unter ihnen vier Millionen Kinder, insgesamt 25 Tonnen Getreide (Sorghum). Direkt von den Hilfsvon denen viele an akuter Mangelernährung maßnahmen begünstigt wurden die jeweils 80 Mitglieder der litten. Mali gehört, inmitten der Sahelregion Frauengruppen und ihre Familien (etwa 10 bis 60 Personen pro gelegen, zu den ärmsten Ländern der Welt und war besonders Haushalt). Zudem hatten insgesamt etwa 30 000 Menschen in betroffen von der Hungerkrise. Verschlimmert wurde die Situati- den fünf Kommunen Zugang zu diesen Getreidevorräten. on der Bevölkerung durch massive politische Unruhen: Lange Zeit galt Mali als demokratisches Musterland in einer Region, die von Die Fortsetzung der Projektarbeit gerade in einer politisch instapolitischen Krisen gekennzeichnet ist, bis im März 2012 ein Mili- bilen Situation ist, wie der deutsche Botschafter Karl Flittner tärputsch, Unabhängigkeitskämpfe der Tuareg-Rebellen unter in Bamako der LAG Mali mitgeteilt hat, von großer Bedeutung: Beteiligung islamistischer Gruppen und Wirtschaftssanktionen „Basisnahen Projekten nichtstaatlicher Träger kann gerade in Zeidas Land in eine große politische und humanitäre Krise stürzten. ten, in denen die ‚offizielle‘ Entwicklungszusammenarbeit mehr oder weniger ausfällt und zu allem Übel auch noch Wirtschafts-, Gerade in dieser Situation war es wichtig, Hilfe für Mali zu leis- Finanz- und Verkehrssanktionen gegen das Land in Kraft sind, eine besondere Wichtigkeit zukommen.“ ten. Die Landesarbeitsgemeinschaft Bayern Entwicklungshilfe Mali e. V. (LAG Mali) unterstützt seit 30 Jahren nachhaltige Entwicklungsprojekte im südlichen Mali. Dabei arbeitet sie mit loka- Das Projekt wird mit einer großzügigen Spende der Rhein-­ len Nichtregierungsorganisationen, die im engen Kontakt mit Zeitung gefördert. Dafür bedanken wir uns! der Bevölkerung stehen, zusammen. AWO International hat ein Hilfsprojekt der LAG Mali zur Ernährungssicherung der hungernAus Anlass ihres 30-jährigen Bestehens hat die LAG Mali 2012 den Menschen in der Region Kayes im Kreis Kita in Mali gefördert. einen zeitlosen Geburtstagskalender herausgegeben. Der Jubiläumskalender vermittelt mit farbenfrohen Bildern lebendige Dort war es aufgrund ausbleibender Niederschläge zu dramatiEindrücke aus den Projektdörfern und ist für 10 Euro unter schen Ernteausfällen gekommen. Infolgedessen explodierten die www.lag-malihilfe.de erhältlich. Drei Viertel des Kaufpreises Preise regelrecht und die Versorgung der Bevölkerung mit Grundfließen in die Hilfsprojekte der LAG Mali. nahrungsmitteln war bedroht. Um die Ernährung der Bevölkerung zu sichern, hat die lokale Nichtregierungsorganisation Stop Sahel im gemeinsamen Projekt der LAG Mali und von AWO Inter[ 1 ] Kita in Mali: Die Abgabe des Getreides an die Hilfsbedürftigen wird national Hilfsmaßnahmen durchgeführt. Fünf Kommunen, die sorgfältig registriert.  [ 2 ] Verladen der Hilfslieferung (Fotos: Stop Sahel) über Getreidebanken verfügen, aber von Frauengruppen geführt




KURZ NOTIERT  7

Beirat von AWO International gegründet Zitiert Am 29. August 2012 hat sich ein Beirat konstituiert, um die Arbeit von AWO International zu begleiten und zu unterstützen. Ziel des Beirats ist es, durch die Kompetenz und Erfahrung seiner Mitglieder den Bekanntheitsgrad von AWO International zu erhöhen, neue Fördermitglieder zu gewinnen und ausgewählte Projekte und Vorhaben im Bereich der Humanitären Hilfe und in der Entwicklungszusammenarbeit zu fördern. Bei der Gründungssitzung wurden bereits erste Ideen für die Unterstützung von AWO International ausgetauscht. Sechs besonders verdiente und engagierte Personen des öffentlichen Lebens wurden in den Beirat berufen: Walter Momper (Regierender Bürgermeister von Berlin a. D.), Ulla Schmidt (MdB, Bundesministerin a. D.), Klaus Wedemeier (Bürgermeister der Freien Hansestadt Bremen a. D.), Marion UhrigLammersen (Journalistin, Medien- und Kommunikationsberaterin), Hans Jürgen Cramer (Direktor des Deutschen KlimaInnovationszentrums des Europäischen Instituts für Innovation und Technologie), Harald Christ (Geschäftsführer Conomus Treuhand GmbH) Der Beirat wird in regelmäßigen Abständen in Berlin zusammenkommen. Wir danken allen Beiratsmitgliedern für ihr Engagement und ihre Unterstützung!

Golfturnier für AWO International Auf Einladung unserer stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden Ute Wedemeier und des Beiratsvorsitzenden Walter Momper kamen am 6. September 2012 engagierte Golfer und Golferinnen zu einem Benefiz-Golfturnier im Golfclub Gross Kienitz (Brandenburg) zusammen. Mit dabei waren Vorstandsmitglieder, Geschäftsführer und Manager von Unternehmen aus Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Bremen sowie Unternehmensberater, Mitglieder der „Golfenden Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten – GOSOS“ und mehrere Privatpersonen. Mit ihrer Teilnahme wollten sie die Arbeit von AWO International fördern und unterstützen. Die Einnahmen der BenefizVeranstaltung gehen in die Projektarbeit von AWO International. Wir bedanken uns ganz herzlich bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern sowie bei allen Sponsoren. Ein ganz besonderer Dank geht an Ute Wedemeier, die das erfolgreiche Turnier gemeinsam mit ihrem Mann, Klaus Wedemeier, organisiert hat.

„AWO International arbeitet für eine nachhaltige Armutsbe­ kämpfung, verbessert die Lebens­ situationen von Menschen in armen Ländern und setzt sich für eine gerechte Welt ein. Diese wichtige und sinnvolle Arbeit unterstütze ich gerne!“ Walter Momper, Beiratsvorsitzender von AWO International

Fairer Kaffee im Bundesverband Seit September 2012 wird in der Bundesgeschäftsstelle der AWO in Berlin bei Veranstaltungen ausschließlich fair gehandelter Bio-Kaffee von AWO International ausgeschenkt. Wolfgang Stadler, Bundesvorsitzender der AWO, begrüßt diese Initiative, denn: „Unsere Verantwortung für bessere Lebenschancen für arme Kinder und deren Familien hörte noch nie an der deutschen Grenze auf. Mit fairem Kaffee setzen wir ein Zeichen für internationale Verantwortung.“ Fairer AWO InternationalKaffee kommt vom Kooperativenverband COSATIN-Tierra Nueva in Nicaragua. Sechs Basiskooperativen bauen im Hochland der Region ­Boaco kontrolliert biologischen Kaffee der Sorte Arabica an. Die Kaffeekirschen werden handgepflückt, aufwändig getrocknet und handverlesen. Eine mühsame Arbeit, für die im konventionellen Handel oft so niedrige Löhne gezahlt werden, dass die Kaffeebauern und -bäuerinnen ihre Existenz nicht mehr sichern können. Hier setzt der Faire Handel ein Zeichen: Langfristige und gleichberechtigte Handelsbeziehungen, stabile Mindestpreise und eine Vorfinanzierung geben den Bauern und Bäuerinnen Planungssicherheit. Mehreinnahmen aus der Fairtrade-Prämie und dem Zuschlag für biologischen Anbau investieren die Kooperativen von ­COSATIN vor allem in den Schulbesuch und die Berufsausbildung ihrer Kinder, in infrastrukturelle Maßnahmen oder den Zukauf von weiterem Land. Der Faire Handel unterstützt die Selbstinitiative der Kleinbauern und Kleinbäuerinnen und verschafft ihnen Perspektiven. Er trägt maßgeblich zur Armutsbekämpfung und zur Entwicklung einer nachhaltigen Landwirtschaft bei. Machen Sie mit: Genießen und die Welt ein klein wenig besser machen! Ab sofort: Entkoffeinierter Kaffee, fair und bio, auch als ganze Bohne (1000g)! Bestellungen unter: 030 – 25292 364 oder online


Regionalbüro Mittelamerika eröffnet

Humanitäre Krise in Syrien

Am 17. August 2012 ist das Regionalbüro Mittel­ amerika in Guatemala feier­lich eröffnet ­worden. Neben vielen offiziellen Gästen, wie dem Vertreter der deutschen Botschaft (M. Fabri, im Bild links) und Mitarbeiter/­innen unserer Partnerorganisationen nahmen auch zahlreiche Jugendliche aus unseren Projekten an der Feier teil. Karin Eder hat das Büro ein Jahr lang aufgebaut und koordiniert nun von dort aus mit vier Mitarbeiter/innen das Programm Jugendförderung und Gewaltprävention von AWO International in Guatemala, Nicaragua, Mexiko und El Salvador. Die Büro-Eröffnung markiert einen weiteren wichtigen Meilenstein in der Programmarbeit von AWO International in Mittelamerika. In seiner Rede erklärte Victor Gudiel, Leiter unserer guatemaltekischen Partnerorganisation SODEJU (Sociedad Civil para el Desarrollo de la Juventud — Gesellschaft für die Entwicklung der Jugend), unter anderem: „Ich kann mit Stolz sagen, dass das AWO International-Programm eines der effektivsten in der Region ist.“ Diese erfolgreiche Arbeit wollen wir gemeinsam mit unseren Partnern intensivieren und ausbauen. Das neue Regionalbüro ist ein wichtiger Schritt in diese Richtung.

Der Bürgerkrieg in Syrien verschärft sich, die Zivilbevölkerung leidet verstärkt. 2,5 Millionen Menschen sind von humanitärer Hilfe abhängig. Viele versuchen vor der Gewalt zu fliehen. Etwa 230 000 Menschen sind offiziell als Flüchtlinge in den Nachbarländern registriert. Und diese Zahl steigt kontinuierlich an. Zudem sind hunderttausende Menschen innerhalb Syriens auf der Flucht. Diese Menschen benötigen dringend Nahrungsmittel, Wasser und medizinische Versorgung. Das Bündnis Aktion Deutschland Hilft hat in Syrien den Einsatzfall ausgerufen. AWO International unterstützt in diesem Rahmen die Hilfsmaßnahmen der Bündnisorganisation Help e. V. Dafür bitten wir Sie um Spenden: AWO International, Stichwort „Syrien“, Spendenkonto 10 11 12, Bank für Sozialwirtschaft, BLZ 100 205 00

Neuer Projektpartner in Bangladesch Bangladesch ist eines der Länder, das ­weltweit am stärksten von Arbeitsmigration betroffen ist. Armut und mangelnde Einkom­ mensmöglichkeiten führen dazu, dass viele Menschen Bangladesch verlassen und in anderen Ländern nach Verdienstmöglichkeiten suchen. Ein Schritt, der viele Schattenseiten für die Betroffenen und Ihre Familien birgt: Oft werden sie von dubiosen Vermittlern angeworben und illegal in die Zielländer (z. B. Saudi-Arabien und die Golfstaaten) gebracht. Dort leben sie meist unter sehr prekären Bedingungen, haben kaum Rechte und werden schlecht bezahlt. AWO International unterstützt seit Oktober 2012 die Organisation WARBE Development Foundation, die sich für die Rechte solcher Arbeitsmigrantinnen und -migranten einsetzt, Aufklärungsarbeit leistet und Alternativen zur irregulären Migration aufzeigt. Der Kooperationsvertrag wurde am 18. Oktober im Regionalbüro in Kathmandu abgeschlossen (im Bild: Dr. Clemens Spiess, 2. v. l., und Vertreter der WARBE Development Foundation, Mitte). Das neue Projekt reiht sich in unser Südasien-Programm ein und ist unser erstes Projekt in Bangladesch.

Willkommen! Wir heißen als neue Mitglieder herzlich willkommen: den AWO Landesverband Schleswig-Holstein, den AWO Kreisver-

band Karlsruhe-Land, den AWO Stadtverband Löhne, den AWO AKK Mainz Amöneburg / Kastell / Kostheim, die AWO Ortsvereine Altstadt, Biebrich, Bierstadt, Derendorf-Golzheim-Pempelfort, Engelbostel, Erbenheim, Gerlenhofen, Gerresheim, Hannover Mitte-Süd, Kirchberg, Langenhagen, Lehrte, Ottobrunn-Hohenbrunn, Rethen-Koldingen-Reden, Sachsenhagen, Schierstein, Süd/Waldstraße und Waldesch sowie den AWO Verein für Entwicklungszusammenarbeit und die AWO Vita gGmbH. Zurzeit haben wir 192 Mitglieder. Und Sie, wann dürfen wir Sie in unseren Reihen begrüßen? Machen Sie mit, denn mit Ihrer Mitgliedschaft tragen Sie zum Gelingen unserer internationalen Arbeit bei. Übrigens: Unser 200. Mitglied erhält von uns ein faires Genusspaket.

Danke! Die erfolgreiche Arbeit von AWO International und der Partnerorganisationen vor Ort wäre ohne zahlreiche engagierte Menschen nicht möglich. Dafür möchten wir uns bei allen Spender/innen, Förderern und Mitgliedern ganz herzlich bedanken.

Unterstützen auch Sie uns! Spendenkonto 10 11 12 Bank für Sozialwirtschaft BLZ 100 205 00

Impressum  Herausgeber: AWO International e. V., Markgrafenstraße 11, 10969 Berlin, Tel.: 030 / 25292 771, Fax: 030 / 25292 571, mail@awointernational.de,  www.awointernational.de  Verantwortlich für den Inhalt: Ingrid Lebherz  Redaktion: Christiane Eitel, Vassilios Saroglou  Fotografie: AWO International, wenn nicht anders angegeben  Layout: www.nahtief.de  Druck: AZ Druck und Datentechnik GmbH, Berlin  Gesamtauflage: 10 000 Exemplare  Erscheinungsweise: zweimal jährlich

8  KURZ NOTIERT

weitblick 2/2012  

weitblick 2/2012 AWO International

Read more
Read more
Similar to
Popular now
Just for you