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nindes· nenden Ifzeuge.

MATADOR:: EDITORIAL

Pole Position Auf manches würden Männer selbst für Sex nicht gerne verzichten. Das Glück über Tore aus unmöglichem Winkel. Wie gut sich Fingerkuppen auf den Tasten eines neuen Laptops fühlen. Und die Sonntagnachmittage vor dem Fernseher, während Formel 1 läuft. Ein seltsames Ritual, das Frauen nicht verstehen, oft genug nicht einmal wir selbst. Zwei Dutzend Jungs, die in Hightech-Karren im Kreis fahren, überholen kaum möglich, ökologisch bedenklich und ziemlich teuer. Nicht so viel anders als Stadtverkehr, nur bei höherem Tempo. Aber dann sieht man die Fotos, die Mikael Jansson in den vergangenen Jahren von der Formell gemacht hat, und sofort ist die Faszination wieder da. Weil es ist, als könnte man das Benzin riechen, das Adrenalin spüren, den Krach der Motoren hören. Und man merkt, wie das Rennfieber wieder steigt. Selbst wenn es dazu führt, dass man die Sonntagnachmittage in der Pole Position vor dem Fernseher verbringt statt bei Positionswechseln mit der Frau. Wir wünschen Ihnen viel Vergnügen und freuen uns über Anregungen. Mailen Sie uns an redaktion@matador-magazin.de

Peter Praschl

Snerten italienar pi norske vintervegar •• Topp/art p<l 310 krn/t

•• Fotografering i Sogn

Motor-Redakteur Klaus·Peter Hilger und Fotograf Peter Guenzel sorgten In Norwegen fur Aufsehen Ein Lambo-Cabrlo hatten die Kollegen am PolarkreiS noch nicht gesehen (ab Seite 64)

MATADOR 5


INHALT 04/08 ARENA •

9

Die Menschen des Monats

Die Coen-Brüder, Adam Green, Charlize Theron, Turbonegro. Plus: Filme und CDs

REPORTAGE •

28

Rennfieber

Faszination Formell. Plus: Bernie Ecclestone im Interview

EROTIK 38

Julia

Eine Frau spielt mit dem Leben . ' 48

Im Bett mit Hansdieter

Sechs Ausländerinnen berichten über Sex mit deutschen Männem 52

Backstage-Pass

Über die Liebe von hinten 54

Kolumne

40 Tage fasten für besseren Sex 80

Hauptgewinn Sabrina

Das "BILD-Montagsmädchen" ist Miss MATADOR Tore, Triumphe, Titel: Wie Real Madrid die Fußballweit regiert

124

Pur

Olga ohne Ballaststoffe

TECHNIK 56

Völker, hört die Signale

So gut sind die neuen InternetRadios wirklich 60

20 Dinge, die uns an Technik nerven

Schlappe Akkus, teurer Service, Hotlines - eine Anklageschrift 63

Alles weg

Wie man Daten richtig löscht

56

MOTOR

Aus dem Netz gefischt: Internet-Radios im Test

-

Ohrgasmus

Akustischer Höhepunkt: der 520 PS starke Lamborghini Gallardo Spyder im Tunnel-Test 70

Nichts für die Stadt

Autolegenden: Aston Martin DB2

98 Wer bin ich? Warum immer mehr Deutsche ihren Stammbaum erforschen

6 MATADOR

64

72

In 7 Tagen zum Führerschein

Motorradfahren lernen im Intensivkurs: Darauf sollten Sie achten. Plus: Einsteigeroutfits

• MATADOR-Titelthemen


76

Streetfighter

Eine Nacht mit den Männem des härtesten Bikerc1ubs der Nation

SPORT •

88

Mythos Real

Innenansichten aus dem perfektesten Fußballverein der Welt: Real Madrid 94

Shaun White

Der beste Skate- & Snowboarder verdient mehr als jeder deutsche Bundesliga-Profi

124 Heißer Stuhl mitOlga

WISSEN 98

Reise ins Ich

Warum immer mehr Deutsche Ahnenforschung betreiben 101

Leben

Europa - ein Dorf. Ostereiertrick, Heuschnupfenforschung 102

Auf und ab

Fahrstühle im Härtetest • 104

Zwang zum Zocken

Aktien, Karten, Wetten: Warum Männer spekulieren müssen 108

Männer wollen's wissen

19 verblüffende Wahrheiten

STYLE • 110

Alles nur Kopfsache

Geheimratsecken, zu viele Haare, zu graue oder gar keine: Männer und ihre Haarprobleme 116

104

Beauty-News

Männlicher duften, lässiger aussehen 118

Nordisches Gold

Die größte Köstlichkeit des Polarmeeres: Skrei 120

Reifer Genuss

Das Sherry-Comeback

STANDARDS 134

Hersteller/lmpressum/ Gewinnspiele

136

Vorschau

138

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Männer in Extremsituationen

Wie es sich anfühlt, ein Schwert zu schlucken

MATADOR 7


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ARENA:: HELDEN

einem Topf-Haarschnitt und einer Stimme, die so bedrohlich leise ist, dass man jedes Mal in Deckung geht, wenn er den Mund aufmacht. Es ist das völlige Fehlen von Gefühl, von Mitleid, von Wärme, das diesen Mann so grausam macht. Er tötet so völlig nebenbei, wie man ein Glas Wasser trinkt, er tötet wahllos und er bringt seine Opfer mit einem PressluftBolzenschussgerät um, wie man es auch braucht, wenn man Vieh schlachten will. Man wittert: Das ist eine Botschaft. Es gibt Leute, die andere so töten, wie man Kühe umbringt, und sie brauchen nicht einmal einen Grund dafür. Solche Botschaften gibt es viele in diesem Film, sie werden nie ausgesprochen, man kann sie nie wirklich fassen, aber das Gefühl ahnt: Mitten im Leben kann sich plötzlich das Böse auftun, es zieht seine Kreise, aber manchmal stößt es zu und dann ist man tot, es kommt von Wesen wie Chigurh, die man für unmenschlich halten möchte, doch das Schreckliche an ihnen ist, dass sie Menschen sind. Bald nachdem No Country for Old Men im November vergangenen Jahres in die US-Kinos kam, bekam der Film zwei Golden Globes und wurde für acht Oscars nominiert. Und die Kritiker waren sich einig wie selten: ein Meisterwerk, brillant. Und eine beunruhigende Allegorie auf ein von 10 MATADOR

Gewalt zerfressenes Amerika und eine abgründig böse Welt. Die Einzigen, die nichts dazu sagten, waren die Coens selbst. Sie sind bekannt dafür, dass sie sich über die Interpretationen ihrer Filme lustig machen und jeden Interviewer, der ihnen diesbezüglich Fragen stellt, ins Leere laufen lassen. Lieber geben sie Auskunft über die seltsame Frisur ihres Bösewichts, über die texanische Landschaft oder über Tommy Lee Jones, der einen stoischen Sheriff spielt, amüsanter Smalltalk eben. Die beiden hibbeligen Brüder aus Minnesota, 53 (Joel) und 50 Jahre alt (Ethan), sind vermutlich die mysteriösesten Erfolgs-Regisseure der Welt. In jedem ihrer bislang zwölf Filme, darunter Klassiker wie Fargo oder The Big Lebor.:rski, haben sie traditionelle Hollywood-Genres wie den Gangsterfilm oder die Beziehungskomödie neu

erfunden, Stars wie George Clooney arbeiten gerne mit ihnen, Cineasten lieben an ihren Arbeiten die ständigen Zitate aus der Filmgeschichte, das Mainstream-Publikum mag ihren Humor, die lakonischen Dialoge und die jedes Mal irre Handlung. 'Doch immer, wenn sie Aufheben von sich machen könnten, verweigern sie sich: Keine Auskünfte über ihre Weltsicht, keine Auskünfte über das Privatleben - sehr viel mehr, als dass beide glücklich verheiratet in New York leben, weiß man von ihnen nicht. Und so kommt es, dass man die beiden für so etwas wie ewige Schlaumeier hält, die sich einen großen Spaß mit der Filmgeschichte erlauben, statt endlich zu sagen, worum es ihnen wirklich geht. Als ob es nicht genügen würde, gute Filme zu machen. Andererseits: Als ewiges Rätsel zu gelten, ist verdammt gut. ~


ARENA:: SPRECHSTUNDE

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FUNF,VOR SUPERSTAR Für i1rr Kinodebüt in "Meer is nich" erhielt ELiNOR LÜOOE den Bayerischen Filmpreis. Guter Start und gleich nachgelegt. Mit einem sauber ausgefüllten MATADOR-Fragebogen as ist das Schönste, das Ihnen heute passiert ist? Ich

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habe ganz unverhofft eine Nachricht von einer sehr guten Freundin bekommen, mit der ich schon lange keinen Korrtakt mehr hatte. Die Nachricht kam genau zur richtigen Zeit! Was ist Ihr Lieblingsfilm? Leon - der Profi. im Director's Cut. Das Schauspielgespann mit Jean Reno und einer noch sehr jungen Natalie Portman ist einfach großartig.

Was ist die spießigste Sache, die Sie gerne mögen? Ich bin

Wie würden Sie sich in drei Worten beschreiben? Jung, dy-

namisch, erfolgreich! (Lacht.) Was war das schönste Kompliment, das Sie im letzten Monat bekommen haben?

Meine Schwester hat mir gesagt, dass' sie wahnsinnig stolz auf mich ist, weil ich mit beiden Beinen auf dem Boden geblieben bin. Möchten Sie wissen, wie die Exfreundinnen Ihres Freundes aussehen? Nicht notwendi-

gerweise.

ein Pünktlichkeitsfanatiker. Ist das spießig genug?

Wenn Sie zwölf Stunden lang ein Mann wären, was würden Sie in der Zeit machen? Im

Mit welchem Drink betrinken Sie sich am liebsten? Mit Sekt.

Stehen pissen, poppen und mich als Frau verkleiden.

Oder teuren Cocktails. Was das betrifft, bin ich ein Snob.

Wie muss ein Mann riechen, damit er Ihnen gefällt?

Was war die bisher schlimmste Erfahrung Ihres Lebens? Ich

habe erst vor ein paar Tagen ein Video der TierschutzOrganisation Peta gesehen, in dem Leute auf einer Pelztierfarm Tieren bei lebendigem Leib das Fell abgezogen haben. Die Bilder des noch lebenden, zitternden, gehäuteten Tiers, das sich noch bewegt und in die Kamera schaut, werde ich nie vergessen. was ist Ihr häufigster Albtraum?

Natürlich nach sich. Welcher Charakterzug törnt bei Männern am meisten ab?

Egomanie. Welches Strafmaß verdient ein untreuer Mann? Das gleiche

wie eine untreue Frau: Sie müssen mit den Konsequenzen leben. In welches Tier würden Sie sich verwandeln - wenn Sie sich verwandeln müssten? In einen

Mauersegler. Welche Droge möchten Sie in Ihrem Leben mal ausprobieren?

Zurzeit träume ich ganz gut, aber früher hatte ich öfter Träume, in denen ich vor etwas oder jemandem wegrennen wollte, mich aber nur sehr langsam fortbewegen konnte. Schrecklich!

Keine.

Mit welchem Song können Sie sich identifizieren? The

Das Musikfilmdrama "Meer is nich" kommt am 27. März in die Kinos. ~

Streets: Stay Positive. 12 MATADOR

Was ist Ihr Lieblingsessen?

Wassermelone.

Wie verhalten Sie sich, wenn Ihr Freund schnarcht? Ich versuche

es zu ignorieren. Wo findet man die interessanteren Menschen? Im Himmel oder in der Hölle? Im Leben.


ARENA:: MUSIK

Popstars werden mit Geld und Ruhm zugeschüttet. Wer das nicht aushält, hält sich einen Guru. Wir sagen, an wen Amy Winehouse & Co. glauben

LAWINENHUNDE DES POP: GURUS Amy Winehouse: David Sye Eine Stunde "Yogabeats" bei David Sye (Foto oben) kostet umgerechnet 90 Euro und damit in etwa so viel wie eine professionelle Zahnreinigung. Dafür gibt es 45 Minuten Turnen mit Weltmusik, Sojamilch und Lektionen für die Ewigkeit. Sye hat "Lichtwellen" ausgemacht, die das Herz der Menschen berühren, wenn sie entdecken, dass spirituelles Wachstum eine wundervolle Reise und kein Kampf ist. Amy Winehouse hat den Trip gebucht und sich für einen Sechs-Monats-Kurs eingetragen. Drogen haben jedoch Hausverbot. Der Körper ist ein Tempel, findet Sye. Zusätzliche Rauschmittel dürften auch unnötig sein. Auf seiner Webseite verspricht Sye jedenfalls, dass man nach bereits einer Stunde bei ihm "höher als ein Winddrachen durch den Rest der Woche fliegt".

Metallica: Phil Towle Phil Towle ist "Performance Coach", Liebhaber merkwürdig bunter Pullover und kein Metallica-Fan. Deren Enter Sandman fand er so "deprimierend", dass er es sich gar nicht bis zu Ende anhören konnte. Towle präferiert The Winner Takes It All von Abba, um gut draufzukommen. Trotzdem engagierte 14 MATADOR

ihn Metallica-Schlagzeuger Lars Ulrich als Therapeut. Endlos lange TherapieSitzungen ergaben, dass so ziemlich jedes Bandmitglied unter Verlust- und Versagensängsten litt. Towle empfaW den Rockern die Liebe in ihre Musik zu lassen und den Zorn hinauszuwerfen. Ergebnis: St. Anger, die trantütigste Metallica-Platte aller Zeiten. Aber Towle bleibt dran und glaubt: "Das übernächste Album wird besser."

Santana - Sri Chinmoy Chinmoys Jünger wie der Gitarrist Carlos Santana beeindruckte vor allem die Gelenkigkeit des Inders, den das Wall Street TournaI einmal "Stuntman der spirituellen Welt" nannte. Chimnoy konnte zum Beispiel sechs Stunden joggen und dabei gleichzeitig mit drei Bällen jonglieren. In Australien stemmte er 1000 Schafe (immer vier auf einmal) in die Luft. Außerdem hatte er einen enormen künstlerischen Output: 1220 Bücher, 62.000 Gedichte, 150.000 Bilder und 14.000 Lieder gehen auf Chinmoys Konto. Die Lehre des Gurus lässt sich dennoch ganz kurz zusammenfassen: kein Fleisch, kein Alkohol, keine Drogen, wenig bis gar kein Sex. 1m Oktober 2007 starb Chinmoy im Alter von 76 Jahren - an einem Herzinfarkt.

The Beach Boys - Maharishi Mahesh Yogi "Süchtig nach Bargeld" - so bewerteten die Beatles die Arbeit des Maharishi 1969 in einer Presseerklärung. Mike Love, Sänger der Beach Boys, war anderer Meinung. Er ließ sich in den Privatflieger der Band sogar eine Transzendentale Meditationskabine einbauen, in der Kollege Dennis Wilson dann Groupies vernaschte. Mit dem vom Maharishi in Aussicht gestellten "Yogi Flying", einer Art Schwebezustand, war es allerdings Essig. Es klappte einfach nicht. Auch andere Bewusstseinssprünge (die Gabe, sich unsichtbar zu machen, Gedankenlesen, Unsterblichkeit) fielen leider aus.


DREI OBEN - DREI UNTEN:

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THE CARDIGANS BEST OF •

In dem Ikea-Markt, der Musikindustrie heißt, sind die Cardigans die Teelichter. Ganz dringend brauchte den Wohlfühlpop der Band keiner, trotzdem hatten ihn Millionen Menschen am Ende des Tages im Einkaufswagen. Lag an den über die sechs CDs verteilten Hit-Singles der Band. My Favourite Game, Lovefool, Rise & Shine und so. Die sind hier auf einem Album zusammengefasst. 22 Songs, alles Brenner. Dazu gibt es eine Disc mit Raritäten, womit wir wieder bei den Teelichtern wären. Bester Song: Hanging Around

DAWN LANDES FIREPROOF

Dawn Landes kommt aus Kentucky, lebt in Brooklyn und klingt wie die goldene Mitte aus Ryan Adams und Cat Power. Auf ihrem zweiten Album spielt LowFi die erste Geige. Pinkes Spielzeugakkordeon, 8-Dollar-Gitarre und Landes' engel hafte Stimme veredeln Songs über gute Personenschützer (Bodyguard) und mittelmäßige Schauspieler (Kids In A P/ay). Geht leicht ins Ohr und bleibt dort. Bester Song: Tired Of This Life

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AMERICAN MUSIC CLUB THE GOLDEN AGE Noch ein Lied über den 11.

September. Mark Eitzel erzählt zu verschlepptem Schlagzeugbeat und leisen Gitarren von einem Abend voller Drogen in einer Bar des World Trade Centers. Der Protagonist in At The Windows of the World ist ein Arschloch. Zu laut, zu besoffen, zu triebgesteuert. Einzelschicksal oder prophetische Erklärung dafür, warum alle Welt die USA hasst? Ein bisschen von beidem. Groß! Bester Song: Windows Of The Wor/d

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FALCO SYMPHONIC 2008 soll ein großes Jahr für Falco werden.

Noch größer wird das Jahr vermutlich für alle, die mit dem seit zehn Jahren toten Falco Geld verdienen. Falco-Film, Falco-Sound· track und: Falcos Stimme • mit großem Orchester. Man braucht teure Computer für so eine "musikalische Neubearbeitung", sagen die Produzenten. Selbstverständlich braucht man auch noch ganz andere Sachen. Etwa Leute, die es geil finden, wenn Falco nach Rondo Veneziano klingt. Und jetzt? Den Kelch mit dem Fa/co-Revival an sich vorübergehen lassen -.

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SARAH BRIGHTMAN SYMPHONY

Diese Frau ist ein f1eischgewordener Sound-Effekt. Oder ein Teletubby, der eine Riesen-Portion Lachgas inhaliert hat. Wie im Rausch soprant sich Sarah Brightman durch 45 Minuten Tonterror, die sich dreimal so lang anfühlen. Oper, Gruftrock, Bombastpop und das alles in lieblos. Und jetzt? Nach dem EM-Aus gegen Österreich singt Brightman Yogi Löws Abschieds/ied. Nur so eine Vermutung

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DIE SCHRÖDERS ENDLICH 18

Subtrahiert man von den , Ärzten Erfolg und Komik ( I. \ und addiert dafür die , . peinlichsten Momente der l I ~ Prinzen, bekommt man .~ , ',,; unterm Strich Die Schröders • ' raus. Die Schröders sind eine Band von Männern um die Vierzig, die sich selbst "Combo" nennen und ihr Werk als "Punkrock" eingeordnet wissen wollen. Bedeutet: Gitarren mittelgut, aber laut und Texte über Alkohol. Und jetzt? Erwachsen werden


ARENA:: MUSIK

WIR SIND DIE RETTER DES ROCK'N'ROLL Harte Musik, harte Texte und Kostüme, bei denen man nicht weiß, ob man lachen oder sich fürchten soll: Die norwegische Band Turbonegro hat keine Angst davor wild zu sein. Und ist längst Kult geworden enn man sich Bandfotos von Turbonegro ansieht, erwartet man alles, nur nicht die Idylle im Backstageraum der Georg-Elser-Ha1le in München. Sänger Hank (Bildmittej liegt auf dem Sofa, sein Bauch quillt über seiner Jeans hervor. Er trinkt stilles Wasser und blättert in einer Klatschzeitschrift. Bassist Tom (4. v.lj trägt Vans mit Palmenmuster, Kapuzenpulli und eine Truckercap mit dem Schriftzug IISurfa Costa Rica". Er nippt an einer Cola Light und schiebt sich im FünfMinuten- Takt kleine Portionen Kautabak in den Mund. Auf dem Sofatisch brennt eine Kerze und beleuchtet das danebenstehende Stiefmütterchen. Rock'n'Roll im Standby-Modus. Gott, seht ihr normal aus! TOM: Wen hast du erwartet? E.T.? HANK: Um Arnold Schwarzenegger zu zitieren: "Sobald der Film abgedreht ist, bin ich kein Roboter aus der Zukunft mehr." (Lacht.) Wann entstand euer Drang, sich auf der Bühne seltsam zu kostümieren? TOM: In den frühen 90er Jahren waren wir auf Tour durch DeutscWand und spielten viel in antifaschistischen Jugendclubs. Die Leute erwarteten beim Namen Turbonegro norwegische Hardcore-Punks mit Dreadlocks, Tattoos und so. Und dann kamen wir - mit Kurzhaarschnitten und in Gore-Tex-Jacken. Wir wirkten so harmlos, dass uns einige Veranstalter gar nicht mehr auftreten lassen wollten. Also beschlossen wir: Wenn die Leute einen Independent-Look wollen, dann bekommen sie den auch. HANK: Und was macht jedem Angst, speziell in der Hardcore-Szene? Für schwul gehalten zu werden? HANK: Genau. Also entschieden wir uns dafür, so schwul wie möglich

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Ist es wichtig für eine Band, sich selbst nicht rüberzukommen: dunkelblaue JeansUniform, Lipgloss, Wimperntusche, so ernst zu nehmen? HANK: Solange man die Musik ernst Rouge, Glitzer, das komplette Programm. nimmt. Wie steht ihr zu Musikernwie Bono und Sting? Was war das für ein Gefühl, zum ersten Mal ·HANK: Bono finde ich abscheulich. in diesem Outfit auf die Bühne zu gehen? TOM: Man ist unantastbar - als hätte Und Sting? Macht der überhaupt noch man Superkräfte. Wer will sich über jeMusik? Ich dachte, der wäre jetzt Tantramanden lustig machen, der sich selbst Lehrer. der Lächerlichkeit preisgibt? TOM: In Roxanne singt er "You don't have to sell your body to the night". Ein HANK: Kostümiert können wir Dinge tun, die wir normalerweise nicht machen Song von uns heißt: SeIl Your Body Ta würden. Es ist wie mit den Uniformen, The Night. Das sagt doch alles. Hank, du hast dieses Motto eine Zeit lang die die SS in den 30er Jahren hatte. Trug man sie, durfte man ungestraft machen, wörtlich genommen. Zwischen 1998 und was man wollte. 2002 hatte sich Turbonegro aufgelöst, weil Für einen solchen Vergleich fliegt man in du ein Heroinwrack warst. Deutschland aus jeder Talkshow. HANK: Stimmt, möchtest du eine KurzHANK: Rock'n'Roll muss nun mal proanleitung für den perfekten Fix haben? Nein, bloß wissen, ob du clean bist. vozieren. Wir tun das durch die Ironie und den Sarkasmus in unseren Texten HANK: Ich versuche es. und natürlich durch unser Auftreten. TOM: Funktioniert aber nicht. Wir möchten, dass die Leute uns sehen, HANK: Ich nehme Ersatzdrogen. sich den Kopf kratzen und fragen, wer TOM: 1998 war unser bis dahin erfolgzur Hölle ist das denn? reichstes Jahr. Unsere EuUnd wer zur Hölle seid Wer will sich über ropakonzerte waren ausihr? verkauft, Gigs in den USA HANK: Absolventen jemanden lustig bereits gebucht. Man einer geheimen Schule machen, der sich sprach über uns. Alle in Schottland: HogSchalter der Turbo-Rakete selbst der Lächer- standen auf Abheben. Leiwarts. (Lacht.) TOM: Die meisten lichkeit preisgibt? der war auf einmal unser Bands starten rebelSänger verschwunden. lisch und enden als Parodie ihrer selbst. Hank, du bist von einem Tag auf den anderen Wir starten als Parodie und enden in eiin dein winziges Heimatdorf auf den Lofoten ner Revolution. zurückgekehrt und hast bei deinen GroßelIhr behauptet auch, ihr hättet ganz alleine tern gelebt, um deine Sucht zu bekämpfen. den Rock'n'RolI gerettet. . Krasser kann der Bruch zum Rockstarleben HANK: Das ist pure Ironie. Männer nicht sein. Wie hast du diese Zeit in Erinnesind nun einmal vollgepumpt mit rung? Testosteron, was dazu führt, dass sie HANK: Ich fühlte mich wie Napoleon sich ständig wie Alphatiere aufführen. auf St. Helena. Ich war bestimmt dafür, Europa zu erobern und gleichzeitig GeTurbonegro sind die Alphatiere des fangener der Wirklichkeit. Aber damals Rock'n'Roll.


blieb mir nichts anderes übrig, als die Band zu verlassen. Ich hatte Todesangst und keine Kontrolle mehr über mich selbst. Das Erstaunliche ist, dass TUrbonegro in diesen Jahren erst richtig bekannt wurde. Vor allem durch euren Fanclub, die Turbojugend. HANK: Dass die Turbojugend in dieser Zeit so viel Zulauf bekommen hatte, war völlig an mir vorbeigegangen. TOM: Wir alle waren überrascht. Zu unserem Reunion-Konzert 2002 auf dem Hultsfred Festival in Schweden kamen Fans aus der ganzen Welt angereist. Wir haben dort Mitglieder der Turbojugenden aus Los Angeles, Hildesheim und sogar aus Sydney getroffen. Was fasziniert die Fans so sehr an Turbonegro, dass sie für ·ein Konzert von euch Tausende von Kilometern anreisen? HANK: Unsere Gitarrenriffs und die unverfälschten Emotionen in unserer Musik treffen einfach einen Nerv, etwas Zeitloses, etwas, das andere Bands nicht bieten. Wir nennen es Death Punk. Wie lange kann man ein Konzept wie Turbo-

negro durchhalten, bevor es peinlich wird? Anders gefragt: Wie wird man als Rockstar stilvoll alt? TOM: Man macht es einfach wie Rod Stewart. {Lacht.} Freut ihr euch auf das Konzert heute Abend? TOM: Wir werden 70 bis 80 Prozent geben. Wie immer. {Lacht.} Nicht mehr? TOM: Ich glaube, das wird niemals passieren. Draußen skandieren die Fans ,,1 got erection!" - ein Ritual der Turbojugend und der Refrain des gleichnamigen Turbonegro-Songs. Tom und Rank müssen los: Umziehen, schminken, warrntrinken. 30 Minuten später erhellt ein Funkenmeer die schwarze Bühne. Turbonegro-Gitarrist Euroboy(2.v.1/ stimmt den ersten Akkord von "Age of Pamparius" an, einem Song über eine Pizzeria. Rank kommt auf die Bühne, zieht den Zylinder tiefins Gesicht, wirft seinen schwarzen Umhang zurück und fragt: "Are you ready for same darkness?" Interview: Tobias Pützer ~

MATADOR 17


ARENA:: SELBSTAUSKUNFT

DAMALS. Mit sechs lebte ich mit meinen Eltern und meinem drei Jahre älteren Bruder Uli in Mount Kisco, NY, einer Kleinstadt, in der es noch richtige Geschäfte mit richtigen Ladenbesitzern gab statt anonymer Shopping Malls. Ich war ein braves Kind mit einer idyllischen Kindheit, und das Einzige, was mir Angst einflößte, war die Hexe, die in ADAM GREEN meinem Kleiderschrank wohnte. GlückDer New Yorker Singerlicherweise ließ mich meine Mutter Die Songwriter wird oft Rückkehr der fedi-Ritter anschauen. Ich mit Bob Dylan und verliebte mich auf der Stelle in die Ewoks, Leonard Cohen verweil sie mir bewiesen, dass auch kleine glichen, obwohl er völlig Wesen das Böse besiegen können. Sie unvergleichlich klingt. wappneten mich mit so viel Mut, dass ich Coole Studentinnen, mich endlich wieder traute, alleine Socken Harald Schmidt und aus dem Schrank zu holen: Unter dem Sarah Kuttner lieben Einfluss meines Babysitters wollte ich seine schlauen und Comic-Zeichner werden und versuchte meistens sehr lustigen mich zuerst an den Ewoks, und als das Songs, in denen es fast nicht klappte, an Garfield. Aber auch das immer um Drogen, bekam ich nicht hin und so erfand ich Sex und Adoleszenz meine eigene Figur: Wockawick, der wie geht. Gerade hat der Popeye aussah, im Weltraum lebte und 26-Jährige sein fünftes böse Hexen mit seiner Laserpistole verSoloalbum Sixes & nichtete. Ein Stubenhocker war ich aber Sevens· herausgebracht nicht: So oft wie möglich spielte ich mit den anderen Jungs Baseball. Mein Vater dachte eine Zeit lang sogar, ich hätte das Zeug zum Profi. Im Rückblick ist das wirklich komisch. Ich meine, schauen Sie mich doch mal an ...

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Wer schon an Garfield scheitert, sollte kein Comic-Zeichner werden. Also wurde ich Musiker. In Wahrheit hatte ich keine andere Wahl. Ich habe nicht die leiseste Ahnung, wie ich mit der Welt kommunizierte, ehe ich mit elf anfing Songs zu schreiben. Sie helfen mir mit dem Leben klarzukommen und durch sie kann ich mich am besten mitteilen. In meinen Liedern hänge ich oft komischen Erinnerungen nach oder verarbeite Fantasien aus meiner Kindheit. Wahrscheinlich sollte ich endlich auch einen Song über Ewoks schreiben. Ich werde oft gefragt, warum sich meine Platten in Deutschland besser verkaufen als in meiner Heimat, aber woher soll ich das wissen, ich bin hier ja nur Tourist. Im Augen-

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SPÄTER. blick läuft es aber auch in den USA sehr gut für mich. Der Song Anyone Else But You, den ich vor sieben Jahren mit meiner damaligen Band The Moldy Peaches geschrieben habe, ist der Titelsong zum Kinofilm funo, und weil dieser Film ungeheuer erfolgreich ist, hat sich auch das Lied zu einem Hit entwickelt. So großartig das ist: Ich fühle mich ein wenig verloren. Da arbeite ich konzentriert an meiner Solokarriere und schaue nach vorne, und dann holt mich ein Song aus meiner Vergangenheit ein. Das Leben kann schon sehr seltsam sein. Vielleicht steht in 20 Jahren mein aktuelles Album Sixes etJ Sevens auf Platz eins der Charts. Man sieht ja, so etwas kann länger dauern. Bis dahin werde ich weiter Songs schreiben, weil ich für mein Leben sowieso keinen Plan B habe. Falls ich es schaffen sollte zu Reichtum zu kommen, werde ich einen Teil meines Vermögens spenden. Ich würde gerne dazu beitragen, dass in den New Yorker Wintern niemand frieren muss. Vielleicht bin ich 2028 aber auch ein abgewrackter Musiker, der sich als Reiseführer über Wasser hält. Dann führe ich die letzten Fans der Antifolk-Szene durch das Haus von Jeffrey Lewis, dem Mitbegründer der Anti-Folkies. Oder ich zeige ihnen die Clubs, in denen die Open-Mic-Bewegung entstanden ist und in denen ich meine ersten Erfolge hatte. Aufgezeichnet von Tobias Pützer ~

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ARENA:: WOHNEN

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ut, dass DJs ständig unterwegs sind. In ihren Wohnungen hätten sie kaum Platz für sich. Dort müssen die Platten deponiert werden, gutes altes Vinyl, auf dem sich Musik zwar besser anhört als auf MP3-Dateien, das aber leider viel Stauraum benötigt. Nicht wirklich gemütlich, irgendwie aber doch, weil Männer sich nirgendwo geborgener fühlen als in einem Haufen voller Musik. Seit zwei Jahren fotografiert der Berliner Ragnar Schmuck, der selbst keine einzige

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Platte besitzt, für die Zeitschrift Groove die Wohnungen deutscher DJs. Es sind Orte, die Putz- und andere Frauen verzweifeln lassen, aber von einem Leben künden, in dem die Passion für die gute Musik den Willen zum Design im Keim erstickt. Weitere Erkenntnisse: DJs haben keine Crünpflanzen. Das perfekte Regalsystem gibt es nicht. Wenn man einmal eine Wohnung gefunden hat, zieht man nie wieder aus. Und wer auflegt, braucht nie wieder aufzuräumen. Hat eh keinen Sinn. l!I MATADOR 21

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ARENA:: KINO

WAS SONST NOCH ANLÄUFT:

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LUST FOR LIFE Im eigenen Körper gefangen: Das Drama Schmetterling und

Taucherglocke ist beklemmend und lebensfroh zugleich harleS Trenets Chanson La Met, dazu Röntgenbilder von Unfallopfern, Krüppeln und Halbtoten - so beklemmend beginnt Schmetterling und Taucherglocke, der wahrscheinlich packendste Film des Jahres 2008. Er erzählt die wahre Geschichte des ElleChefredakteurs Jean-Dominique Bauby - Dandy, Frauenheld und Lebemann , bis er am 5. Dezember 1995 am Steuer seines Autos einen Schlaganfall erleidet. Als Bauby aus dem Koma wieder aufwacht, teilen ihm die Ärzte mit, dass er durch den Schlaganfall Opfer des extrem seltenen Locked-In-Syndroms geworden ist. Das Locked-In-Syndrom ist eine der tückischsten Krankheiten der Welt: Durch Blutungen im Hinterhirn hervorgerufen lähmt es den gesamten

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22 MATADOR

Körper, während Hörsinn, Bewusstsein und Schmerzempfinden völlig intakt bleiben. Man wird zum Gefangenen in seinem eigenen Leib. Meist können die Patienten nur noch Augenbewegungen vollführen - die einzige Kommunikationsmöglichkeit -, die Vorgänge um sich herum bekommen sie jedoch vollständig mit. Was Baubys Geschichte so eindringlich Irulcht, ist sein überlebenswille: Von Therapeuten unterstützt lernt Bauby (im Film: Mathieu Amalric), sich durch Zuckungen seines Augenlids zu verständigen - und dieses System so weit zu perfektionieren, dass er einer Lektorin mittels einer Buchstabiertafel über 14 Monate hinweg seine Lebensgeschichte zu diktieren vermag. Baubys Geschichte ist alles andere als weinerlich, sondern eine zum Brüllen komische Reflexion über die Ironie des Schicksals, eine Liebeserklärung ans Leben und eine Hymne auf Hedonismus und Genuss. Kurz vor seinem Tod (er starb drei Tage nach der Buchveröffentlichung) ließ sich Bauby von seiner Frau versprechen, dass sie einer Verffimung seines Lebens zustimmen würde. Nun hat sich Julian Schnabel an - -, den heiklen Stoff gewagt - und ein Meisterwerk geschaffen. Kinostart: 27. März ~


lernten wir uns kennen. Wir zwei Verlierer standen bei einer Veranstaltung paffend draußen, dabei erzählte er mir von diesem Projekt und eines führte zum anderen. Dieses Projekt ist ganz schön politisch - wie auch Ihre letzten Filme. Mögen Sie es zu .rebellieren? Fast alle meine Filme sind

politisch - weil unser ganzes Leben aus Politik besteht. Aber ich bin kein Mensch, der sich auf Seifenkisten stellt, um Botschaften loszuwerden. Aber Sie haben an Demonstrationen gegen den lrakkrieg teilgenommen. Die Ent-

BEAUTY MIT BRAIN Kann man sehen: Charlize Theron ist eine der heißesten Schauspielerinnen in Hollywood. Wenn man ihr zuhört, merkt man schnell: auch eine der schlauesten ach ihr.en ersten Filmen dachte man bloß: gute Frau. Blond, heißer Körper, witzig. Doch dann begann Charlize Theron nur noch in Filmen mitzuspielen, die nicht bloß unterhalten, sondern über die man sich auch unterhalten kann. Ernsthafte Dramen mit politischer Aussage. Man ist der 32-Jährigen dankbar dafür. Weil es toll ist, wenn Intelligenz sexy aussieht und Sexyness schlau ist. Kommt ja eher selten vor.

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24 MATADOR

In Hollywood gehören Sie zu einer aussterbenden Gattung: Sie rauchen noch immer. Warum nicht? Es macht mir

Spaß. Kann ich zufälligerweise eine bei Ihnen schnorren? Sorry, ich muss passen. Zu blöd. Ich bin nun mal kein Mensch, der sich etwas verbieten lässt. Ich mag Steaks, ich mag Alkohol, und Zigaretten haben durchaus eine produktive Wirkung. Paul Haggis, der Regisseur von Im Tal von Elah, ist ebenfalls Raucher und so

scheidung für diesen Krieg wurde übers Knie gebrochen, und niemand darf so etwas Folgenschweres machen, ohne es wirklich zu durchdenke~. Was mich jetzt am meisten stört ist, dass wir den menschlichen Bezug verloren haben. Wenn man die Nachrichten einschaltet, sieht man nur Politiker in teuren Anzügen in Gebäuden mit Air Condition, die uns sagen wollen, was Sache ist. Aber wir hören nie die Soldaten selbst und wie es ihnen geht. Das war ein wichtiger Grund, weshalb ich Im Tal von Elah machen wollte. Gleich danach haben Sie sich das nächste heiße Eisen gesucht: Ihr Film Sattle in Seattle dreht sich um die Demonstrationen gegen die Tagung der WTO in SeaUle. Sind Sie denn eine Globalisierungsgegnerin? Für

mich sind multinationale Konzerne kein grundsätzliches Feindbild, in solchen Schwarz-weiß-Kategorien denke ich nicht. Aber ich habe etwas gegen unfaire Handelsbedingungen und gegen Unter" nehmen, die sich unethisch verhalten. Und es gibt auch Produkte, die ich nicht kaufe. Dass ich bei diesem Film mitgemacht habe, liegt besonders daran, dass ich aus Südafrika komme einem Land, das wie der ganze Kontinent mit einer verheerenden HIV-Epidemie zu kämpfen hat. Ich habe genügend


ARENA:: KINO

"Winseln bringt einen nicht weiter, auch nicht in einer Welt wie Hollywood"

Heime mit AIDS-Waisen besucht, um davon einen Eindruck zu haben. Und wenn die Welthandelsorganisation den Verkauf von günstigen Medikamenten verhindert und Konzerne sich deshalb eine goldene Nase verdienen, hat das auf mich eine persönliche Wirkung. Deshalb wollte ich bei diesem Film mitmachen.

1.

Und nicht etwa, weil Sie mit dem Regisseur stuart Townsend schlafen? Nein - aus

diesem Grund habe ich bloß frühzeitig von dem Projekt erfahren. Ich finde übrigens, dass der Film unglaublich kraftvoll geworden ist, und das sage ich nicht, weil ich mit Stuart in die Kiste hüpfe. Als ich gesehen habe, wie großartig und entspannt er als Regisseur war, dachte ich mir: "Heilige Scheiße, ich lebe mit dir seit sieben Jahren zusalIllnen und ich hatte keine Ahnung, dass das in dir steckt." Was muss ein Mann mitbringen, der so lange mit Ihnen zusammen bleiben will?

Neugierde und Spontaneität. Ich bin ein Mensch, der auf die Schnelle seinen Rucksack packt, um einfach so nach Costa Rica zu fliegen oder nach Griechenland. Und ich kann keinen kornfortsüchtigen Typen gebrauchen, der nur in Fünf-Sterne-Hotels absteigt. Ich schlafe auch schon mal in dreckigen Absteigen - Kakerlaken inklusive. Wer diese Bedingungen erfüllt, hat also eine Chance? Sorry, der Platz ist vergeben.

Ich kann mir keinen Besseren als Stuart vorstellen. Ich habe ihn mir geschnappt und jetzt gebe ich ihn nicht mehr her. Woher kommt es, dass Sie manchmal so dominant wirken? Tatsächlich? Ich bin

bloß eine Frau, die auf sich selbst aufpassen kann. Das hat mir meine Mutter beigebracht. Sie ging mit 19 von zu Hause weg, weil sie ihr eigenes Ding durchziehen wollte. Wann immer ich

mich selbst verwirklichen wollte, zum Beispiel im Ballett, hat sie das unterstützt. Gerade weil ihre eigenen Eltern viele ihrer Wünsche unterdrückten. Sie hat mich auch zur Selbstständigkeit erzogen. Wenn mir jemand was in der Schule geklaut hat, sagte sie: "Dann hol's dir doch zurück." Als Sie fünfzehn waren, erschoss sie Ihren Vater in Selbstverteidigung, als er sie im Suff angriff. Ist so etwas nicht traumatisch?

Dazu bloß so viel: Im Leben kriegst du bestimmte Karten ausgeteilt, und du versuchst damit zu spielen. Ich habe das so gut gemacht, wie ich konnte. Andere Menschen hätten mit solchen Karten auf die Verliererstraße geraten können.

Wahrscheinlich. Ich habe das Glück, dass mir meine Mutter die richtigen Wertmaßstäbe und das nötige Quäntchen Stärke vermittelt hat. Vielleicht hat es auch damit zu tun, dass ich aus Südafrika komme. Leute aus krisengeschüttelten Ländern sind nun mal härter im Nehmen, ihnen bleibt gar nichts anderes übrig. Ich habe Freunde aus Bosnien, Iran und Sri Lanka, die genauso zäh sind wie ich. Vor ein paar Monaten sah ich eine TV-Übertragung

aus Afrika: Eine Mutter hatte sich mit ihrem drei jährigen Sohn vor einer Überschwemmung auf einen Baum geflüchtet und nach fünf Tagen ohne Essen und Trinken wurden die beiden gerettet. Meine amerikanischen Freunde fragten: "Warum weint denn der Junge nicht?" Und ich sagte: "Nehmt ihr mich auf den Arm? Dieser Junge muss seit seiner Geburt darum kämpfen, etwas zum Beißen zu kriegen. In so einem Land gibt es kein Mitgefühl für Leute, die herurnwinseln." Sie winseln nie, wenn Ihnen etwas nicht passt? Nein, das bringt dich nicht

weiter, auch nicht in einer Welt wie Hollywood. Ich nöle höchstens mal rum, welill ich kein sauberes Bett habe. Da werde ich echt wehleidig. Sonst gibt es keine Situationen, in denen Sie Schwäche zeigen? Leider schon. Es

kommt schon vor, dass ich mich überschätze. Im letzten Jahr habe ich versucht, unseren Küchenboden zu renovieren. Ich dachte, das wäre ein schönes Abenteuer. Aber es wurde ein völliges Desaster. Am Schluss musste ich alles noch mal neu machen. Interview: Rüdiger Sturm 0 MATADOR 2.5

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ARENA:: SHOPPING

PROTZ&PLAY Neues aus der Abteilung "Braucht kein Mensch, will man aber trotzdem dringend haben"

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MATADOR 27


Unse.. Rennexpede Der ehemalige Formel·1·Star Jochen Mass kommentiert für MATADOR die Fotos von MIKAEL JANSSON

JOCHEN MAAS, 61. Links: 1979, als Starter in Monte Carlo Rechts: 2008, als Geschäftsmann

30 MATADOR

Jochen Mass war der erfolgreichste deutsche Formel-I-Fahrer in der Ära vor Michael Schumacher. 1970 tauschte der gelernte Seemann Boot gegen Rennboliden und saß schon drei Jahre später in der Startaufstellung beim Grand Prix von Großbritannien in Silverstone. Mass galt als hochtalentiert, dennoch blieben die großen Erfolge in der F1 aus. Er selbst erklärt das mit Fehlern bei der Teamauswahl, die dazu führten, dass er selten die Chance bekam, wirklich gute Autos zu fahren. Sein einziger GrandPrix-Sieg auf dem als gefährlich gelten-

den Stadtkurs von Montjuich in Barcelona wurde von einem schweren Unfall überschattet, bei dem vier Zuschauer getötet wurden und der zum Rennabbruch führte. Insgesamt holte Mass in seiner Karriere 71 WM-Punkte. Sieben Jahre nach seinem letzten Formel-lRennen gelang ihm 1989 sein größter Triumph: der Sieg beim legendären 24Stunden-Rennen von Le Mans. Zurzeit arbeitet Mass daran, in Europa eine' eigene NASCAR-Serie zu etablieren (www.ascerace.com) und tritt als CoModerator bei TV-Übe.t;tragungen auf.


REPORTAGE:: FORMEL 1


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REPORTAGE:: FORMEL 1


was die Faha-ea- tun" Formel-1-Chef Bernie Ecclestone gibt selten und ungern Interviews. Für MATADOR machte er eine Ausnahme und sprach exklusiv mit uns über die Eigenarten seines Milliarden-Imperiums INTERVIEW: HAROLD VON KURSK

ls Rennfahrer konnte er sich nie für ein Formel-1-Rennen qualifizieren. Das hat Bernie Ecc1estone nicht daran gehindert, innerhalb eines Vierteljahrhunderts zum wichtigsten Mann in der Königsklasse des Rennsports aufzusteigen. Der Arbeitersohn verwandelte als Geschäftsführer der Formell den ehemals elitären und rein europäischen Zirkel reicher Rennfanatiker und Konstrukteure in ein internationales Multi-Milliarden-Unternehmen, das bis nach China reicht. Betritt man seine Londoner Geschäftsräume, fällt auf, wie beschaulich es hier zugeht. Ecclestone, mit einem Vermögen von über drei Milliarden Euro auf Platz 13 der reichsten Briten, regiert sein Reich mit spartanischer Effektivität. Eine einzige Assistentin sitzt vor seinem schlichten Büro, um Termine zu verwalten und Anrufe zu filtern. Nichts weist auf Ecclestones gigantischen Reichtum und auf die außergewöhnliche Machtposition hin, die er im Motorsport besitzt.

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Mister Eccleslone, wie beurteilen Sie die letzte Rennsaison? Viele

befürchteten, es könnte langweilig werden, nachdem Michael Schumacher ausgestiegen war. Doch dann tauchte der junge Lewis Harnilton auf und hat uns alle überrascht. Genau wie Kimi Räikkönen. Der konnte endlich seine Klasse als Topfahrer beweisen und den Titel holen.

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Räikkönen ist ein seltsamer Typ. Werden Sie schlau aus ihm?

Kimi ist sehr eigenwillig und verschlossen, deshalb ist er so .36 MATADOR

schwer einzuschätzen. Niemand weiß, was in seinem Kopf vorgeht, und ihm selbst ist es völlig egal, was die Leute von ihm denken. Lewis Hamilton tickt da ganz anders. Er genießt die Aufmerksamkeit, spricht frei heraus mit Fans und Medien. Das ist natürlich gut für den Sport. Die letzte Saison war unter anderem vom Spionageskandal zwischen ferrari und McLaren geprägt. Solche Mauscheleien gibt es seit

Anbeginn des Rennsports. Allerdings hätte man sich vor zwanzig Jahren zusammengesetzt, um die Sache intern zu klären, anstatt einen öffentlichen Skandal zu entfachen. Heute sind auch in der Formell zu viele Anwälte und Berater involviert. Die schlagen nun mal ihr Kapital aus diesen Geschichten. Wird die kommende Saison wieder in einem ZWeikampf der beiden Streithähne enden? BMW wird ein Wörtchen mitzureden

haben, und ich bin mir sicher, dass ein paar neue, junge Fahrer in diesem Jahr auf sich aufmerksam machen werden. Denken Sie da auch an Sebastian Vettel? Er ist sehr jung, sehr talentiert und verdammt schnell unterwegs. Von ihm können wir noch einiges erwarten. Wie wird sich Alonso wieder bei Renault einfinden? Er könnte das Team ganz nach vorne bringen und dafür sorgen, dass Ferrari und McLaren neben BMW einen zweiten,


REPORTAGE:: FORMEL 1

ernst zu nehmenden Konkurrenten bekommen. Fernando Alonso hat sich bei Renault ja immer wohlgefühlt. Er hat das Team nur verlassen, weil er nach seinen zwei Titeln fürchtete, dass sich Renault schnell aus dem Rennzirkus verabschieden könnte. "Da schien ein Dreijahresvertrag mit McLaren eine gute Option. Und natürlich ging er davon aus, dass Teamchef Ron Dennis ihm als Titelverteidiger den Nummer-eins-Status zubilligen würde. Schließlich war Lewis Hamilton ja ein Neuling. .

wichtig, um die Formel 1 zu dem zu machen, was sie heute ist. Und sie waren auch wichtig für die Autoindustrie. Doch ab einem gewissen Zeitpunkt hatte man das Gefühl, dass nicht mehr die Fahrer, sondern die Computer in den Pits die Wagen steuern. Es wurde viel zu viel Elektronik in die Autos gestopft. Viele dieser Innovationen mögen ja sinnvoll sein, aber man muss auch begreifen, dass sie die Zuschauer nicht wirklich interessieren. Denn die können sie weder sehen noch anfassen.

Halten Sie es für einen Fehler, dass Fernando Alonso nicht zur Nummer eins gemacht wurde? Lassen Sie es mich so ausdrücken:

Würde eine BUdgetbegrenzung für mehr Spannung in der Formel 1 sorgen, weil dann kleine Teams wieder vorne mitfahren können?

Ron hatte schon immer seine eigene Art, mit Fahrern umzugehen. (Lacht.)

Bisher ist man gezwungen, ungeheure Mengen an Geld in ein Team zu pumpen, um überhaupt konkurrenzfähig zu sein. Diese Situation wollen wir verändern. Ob das die kleinen Teams wirklich nach vorne bringt, liegt an ihnen. Geld ist nicht alles - nicht einmal in der Formel l.

Glauben Sie, dass in Lewis Hamilton das Potenzial eines Ailton 5enna oder Michael Schumacher steckt? Auf jeden Fall. Lewis fährt

makellos, geschmeidig, fehlerfrei. Hätte sein Helm nicht die falsche Farbe, könnte man meinen, Michael Schumacher säße hinter dem Steuer. Immerhin kostete ihn im vorletzten Rennen ein Fehler den Titel, als er in der Boxeneinfahrt die Mauer rammte. Das war nicht seine

Schuld. Das Team hätte ihn mit diesen abgefahrenen Reifen viel früher reinholen müssen. stichwort Reifen. Viele empfanden sie als zu weich. Das ist kein neues Problem. Bei Regen sind die Rillenreifen super, aber auf trockenem Asphalt fahren sie sich schnell ab. Das hat Auswirkungen auf das Rennen, denn die Fahrer sind gezWungen auf der Ideallinie zu bleiben, um auf dem Abrieb nicht ins Schleudern zu geraten. Das senkt die Spannung. Die Reifen härter zu machen würde dieses Problem lösen. Ein Highlight der Saison 2008 wird der Grand Prix in Singapur. Ich musste viel Druck auf eine Menge Leute ausüben, um dieses Rennen zu bekommen. Es war nicht einfach, die Genehmigung für einen Stadtkurs zu bekommen und dann auch noch bei Nacht ~ eine Premiere in der Geschichte der Formel 1. Wie gefährlich ist es, ein Rennen bei Nacht auszutragen? Für die Fahrer macht es keinen großen Unterschied. Sie fahren bei strömendem Regen, bei glühender Hitze und jetzt eben nachts. Es wird ein großes Spektakel für alle. Außerdem wird die Strecke ja beleuchtet sein. Im nächsten Jahr sollen erstmals die BUdgets der Teams bei 150 bis 200 Millionen Dollar gedeckelt werden. Warum? Einige Teams

werfen zum Beispiel nach nur einem Rennen die Getriebe ihrer Autos weg und ersetzen sie. Das ist doch verrückt. Die Kosten sind außer Kontrolle geraten, weil die Konkurrenz so hart geworden ist. Gerade Sie waren doch immer ein Verfechter technischer Innovationen in der Formel 1. Die technologischen Fortschritte, die

in den letzten Jahren gemacht wurden, waren sehr

Dennoch ist Geld heute einer der dominierenden Faktoren. Erinnern Sie sich gerne" an die Zeit, als die Kameradschaft untereinander noch hochgehalten wurde? Natürlich, das waren wunderbare Zeiten,

aber eben auch eine andere Ära. Ein Formel-l-Team zu managen, ist heute ein seriöses und vor allem großes Geschäft. In den 60er und 70er Jahren standen alle unter weniger Druck - mal abgesehen von den Fahrern im Rennen. Aber auch unter denen herrschte mehr Respekt füreinander, es wurden Freundschaften gepflegt. Ja sicher, aber ganz ehrlich: Mir

ist es egal, was die Fahrer tun und ob sie einander mögen oder nicht. Die heutigen Umstände sind einfach mit jenen vor 30 Jahren nicht zu vergleichen. Die Fahrer stehen heute unter ständiger Beobachtung. Wenn Kimi vor einem Rennen in einer Bar abstürzen würde, bekäme er dafür mächtig Ärger. Früher sah man über so etwas schon mal hinweg. Aber so ist es nun mal, nicht nur in der Formell, sondern in allen Sportarten, bei denen viel Geld auf dem Spiel steht. Sie werden dieses Jahr Ihren 78. Geburtstag feiern. Wird es nicht langsam zeit, einen Kronprinzen zu bestimmen - jemanden wie Aavio Briatore vielleicht? Ich glaube nicht, dass mich ein Nachfolger

beerben wird. Sollte ich irgendwann aus dem Renngeschäft aussteigen, werden die Teams mehr Macht und Einfluss an sich reißen. Abgesehen davon: Ich glaube nicht, das Flavio Briatore meinen Job machen wollte. Er hat ganz andere Prioritäten im Leben als ich. (Lacht.) Es gibt keine offizielle Biografie von Ihnen. Haben Sie nie das Bedürfnis, Ihr Lebenswerk festzuhalten? (Lacht.) Nein. Da bin ich wie Kimi - so etwas ist mir völlig egal. ~


MATADOR:: JULIA

U la ist 20. Und weiß

noch nicht, was sie machen soll,

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wenn sie groß ist. Macht nichts. Der Ernst des Lebens kommt früh genug. Bis' dahin spielt sie noch ein wenig

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Produktion: Nadja Wetter. Styling: Cathleen Naundorf. Haare & Make-up: Karine Belly, Mods Hair Agency, Links Abendkleid: Vintage Lacroix. Rechts Strlng mll Straps: Etam Strümpfe: Orcanta Tuch: Vintage Thierry Mugler

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Wie stellen wir uns an beim Flirten,

Carla Italienerin, 30, Barista in München

FLIRTEN

erstaunlich gut! Leider haben wir Frauen meistens schon das Weite gesucht, ehe es so weit kommt.

In Italien ist es eine Art

Parisa Iranerin, 29, PR-Beraterin in München

FLIRTEN Deutsche Männer sind korrekt, höflich - und alles muss nach dem Masterplan funktionieren. Charme-Offensiven sehen anders aus. Blöde Idee: orientalisch aussehende Frauen wie mich auf die Herkunft anzusprechen: "Welche Landsfrau bist du denn?" ist die ödeste Anmache, die ich mir

sind. Ältere lassen den AutoscWüssel mit MercedesStern liegen. Ob's zieht, hängt davon ab, ob der Typ ein bisschen witzig ist.

SEX Als Frau will man gerne auch mal richtig genommen werden. Aber für sexy Macho-Allüren sind die Deutschen viel zu steif und brav. Experimente sind ihnen ein Gräuel. Jedenfalls war mein Ex immer ganz verstört,

Deutsche Männer versuchen immer höflich und korrekt zu bleiben. Deswegen gilt beim Flirten: Anfassen ist nicht vorstellen kann. Dabei versuchen sie immer politisch korrekt zu bleiben. Deswegen gilt beim Flirten: Anfassen ist nicht! Dabei kann eine flüchtige Berührung ganz schön kribbelig sein.

VERFÜHRUNG Deutsche lieben Statussymbole: Die jüngeren prahlen gerne, dass sie "total gut mit dem DJ befreundet" 48 MATADOR

wenn ich Sex-Anregungen aus Frauenzeitschriften ausprobieren wollte.

FAZIT Solide deutsche Markenqualität. Nicht weniger, aber auch nicht mehr.

Volkssport, Frauen zu bezirzen - noch vor Fußball. In DeutscWand dagegen freuen sich Frauen sogar, wenn ihnen Bauarbeiter hinterherpfeifen - dann nimmt sie wenigstens irgendjemand

SEX Ich kann es selbst kaum glauben, aber im Bett sind sie echte Raketen: Sexy, spontan, experimentierfreudig. SexToys? Her damit! Einen schmutzigen Quickie im

Sie freuen sich über jeden weiblichen Orgasmus, als wenn es das Schönste auf Erden wäre zur Kenntnis. Das Problem: Der Durchschnitts-Deutsche gibt einem nicht das GefüW eine echte Frau zu sein. Wenn sie Notiz von dir nehmen, dann nur, um wichtigzutun. Oder um mit dir intellektuell die Welt zu ergründen. Körperkontakt? Es ist schon ein HigWight, wenn sie dir beim Reden in die Augen schauen!

VERFÜHRUNG Absolut sachlich. Ins Kino oder was trinken gehen und bitte getrennte Rechnungen! Was mich betrifft: Ich will umworben, mit Aufmerksamkeiten bedacht werden. Im Leben gibt's ja schließlich ein paar Regeln, wie sich Männer benehmen sollten. Immerhin: Nach dem ersten Date wollen deutsche Männer meistens knutschen. Und sie küssen

Fotoautomaten? Bitteschön. Zwischen den Laken sind die Deutschen unverkrampft und viel uneitler als noch eben an der Bar. Und auch ganz schön männlich. Sie können vögeln, dass einem die Sinne schwinden und trotzdem hinterher gut kuscheln. Ihre fingerfertigkeit rangiert im internationalen Vergleich an der Tabellenspitze. Und sie freuen sich über jeden weiblichen Orgasmus, als wenn es das Schönste auf Erden wäre.

FAZIT Deutsche haben kein Testosteron-Problem im Bett, sondern außerhalb.


EROTIK:: SEX-CHECK

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Verführen und Kommen? Sechs Ausländerinnen berichten über Sex mit deutschen Männern. Protokolle: Katia Schneider

Tae-Soolz

Valeria Ukrainerin, 25, Studentin in Berlin

FLIRTEN Was mich begeistert: Deutsche Männer signalisieren auch Interesse, wenn die Frau in Jeans und T-Shirt unterwegs ist. In meiner - Heimat braucht es schon Mörder-Dekolletee und Minirock, um als Flirt-Option zu gelten. Allerdings sind deutsche Männer von ihren

SEX Der DurchschnittsDeutsche braucht 15 bis 20 Minuten, bis er zufrieden in die Kissen sinkt. Zeit für ein ausgiebiges Vorspiel bleibt da leider nicht. Mich macht es dafür total an, wie sie einem direkt ins Gesicht sagen, dass sie mit dir ins Bett wollen. Ga= nüchtern, aber genau das ist superheiß. Lustig: Auf Rollen-

Auf Rollenspiele fahren sie richtig ab. Da dürfen sie endlich einmal ihre verdrängte Macho-Seite raushängen lassen Hobbys besessen. Zunächst ist es ja noch ganz sparmend, wenn einer für sein Steckenpferd - zum Beispiel die napoleonischen Kriege entflammt. Aber nach einstündigem Vortrag wird es doch ein wenig zäh.

VERFÜHRUNG Die romantische Tour: Blumen, Abendessen, tiefe Blicke, wenn es gu.t läuft ein anständiges KnutschFinale. Sex gibt es frühestens beim dritten Date. Glücklicherweise' unterlassen die Deutschen dämliche Sprüche, wie die ukrainischen Männer sie lieben: "Weißt du, worin du am schönsten aussehen würdest? -In meinem Bett ..." Igitt!

Fotos: Basti Arlt

spiele fahren sie richtig ab. Da dürfen sie endlich ihre verdrängte Macho-Seite raushängen lassen und Pumps und grelle Schminke sexy finden. Ei=iges Tabu: Sex im Haus ihrer Eltern. Ein echter Pluspunkt: Sie lecken bis zur totalen Erschöpfung.

FAZIT Deutsche Männer sind fürsorglich, kreativ, zielstrebig. Nur das Vorgeplänkel könnten sie ruhig ein wenig ausdelmen.

Koreanerin, 34, Stylistin in Hamburg

FLIRTEN· Deutsche Männer und flirten? Das hört sich für mich an wie Rollmops mit Erdbeermarmelade. Entweder strotzen sie nur so vor Selbstgefälligkeit, dass Frauen einfach nur schreiend weglaufen wollen. Oder sie sind so geschmeidig wie ein Bulldozer: Männer, die mir mit Begrüßungen aus dem Thaioder China-Restaurant imponieren wollen, die mir verstohlen an der Bar einen Zettel mit der Frage "Schluckst du auch?" zuschieben und die glauben,

der deutsche Mann, der gut küssen kann? So gut, dass man es gar nicht erwarten kann, dass er eine oder besser gleich zwei Etagen tiefer rutscht. Von all dem abgesehen verführt der deutsche Marm doch eher nach Schema "Essen, Kino, zu dir oder zu mir". Sehr einfallsreich!

SEX Gute, deutsche Qualitätsarbeit! Fragwürdig zwar, ob sich etwas bei uns im Höschen tut, wenn sie uns die Hand zwischen die Schenkel schieben und dort ruhen lassen. Aber haben sie es erst einmal geschafft, oft mithilfe ihrer durchaus

Sie fragen: "Darf ich dich küssen?" Statt es ganz einfach zu tun Asiatinnen wären genauso wie in Asien-Pornos und würden sich den europäischen Langnasen tatsächlich mit dem Kampfruf "Fickificki "an den Hals werfen.

VERFÜHRUNG "Dich haben Sie aber schon ziemlich perfekt gemacht", sagen sie und glauben ernsthaft, dass Frauen auf solche Sülzsprüche stehen. Oder sie fragen "darf ich dich küssen?", statt es ganz einfach zu tun. Wenn ich schon dabei bin: Wo ist eigentlich

wendigen Zunge, uns zum Schmelzen zu bringen, dann kann man sagen: aus Erfahrunggut!

FAZIT Wenn sie ihre Zungen beim Reden so elegant bewegen könnten wie beim Lecken, wäre an ihnen nichts auszusetzen. ~

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Teresa

Shelley Kroatin, 32, Autorin in Berlin

FLIRTEN Wenn es darum geht, Interesse zu signalisieren, sind viele deutsche Männer eher verstoWen: llir Blick irrt ziellos durch den Raum, und ich muss mir schon selbst zusammemeimen, ob der Typ mich meint oder von der Lichtinstallation in der Bar fasziniert ist. Diese Schüchternheit hat einen charmanten Hintergrund: Männer wollen einem auf keinen Fall das Gefühl vermitteln, nur auf weibliche Primärreize abzufahren. Der Ansatz lautet: Ich sehe dich als Mensch, nicht sofort als

zeitnah Anerkennung. Aber es gibt auch andere. Mit Männern aus Hamburg kann man toll über Sex reden und viel lachen. Deutsche haben Humor. Und das ist sexy!

SEX Deutsche Männer sind hervorragende Techniker. Eventuell feWende Zentimeter wissen sie durch Know-how wettzumachen. Das Problem: Man fühlt sich schnell wie in einem genau ausgeklügelten Programm. Zehn Minuten streicheln, fünf Minuten lecken, dann erste Stellung, nach zehn Minuten die nächste, noch mal Hand-

Beim Sex fühlt man sich wie in einem Programm: Streicheln, lecken, zwei Stellungen, fertig Frau. Das ist den heute 3D-Jährigen von ihren 68erMüttern eingebläut worden. Je mehr Alkohol oder andere stimulierende Substanzen im Spiel sind, desto forscher werden die Jungs allerdings. Dann scWägt vormals mangelnde Männlichkeit gerne in Ich-bin-total-erfolgreich-und-dich-krieg-ichauch-noch-Gehabe um.

VERFÜHRUNG Gerne lädt er zu sich nach Hause, serviert edlen Wein und edle Häppchen. Allerdings erwartet er dafür auch 50 MATADOR

spiel - fertig. Als Kroatin fehlt mir da die Leidenschaft.

FAZIT In der A-Note eine glatte Eins - Technik und Eingehen auf weibliche Bedürfnisse sind vorbildlich. Was Ausführung und Hingabe anbelangt, sind die Deutschen gutes Mittelfeld - deswegen in der B-Note nur eine Drei.

Portugiesin, 29, Kinderkrankenschwester in Berlin

FLIRTEN Es gibt ein klares NordSüd-Gefälle: In Hamburg sind die Typen gewandt, in Bayern eher derbe. Aber egal, woher sie kommen deutsche Männer brauchen enorm viel Anlaufzeit, bis sie sich trauen. Geflirtet wird mehr mit dem Mund als mit dem Körper. Das irritiert mich, denn ich selber

nicht in das Gesicht der Frau. Deswegen kriege ich nie raus, was sie von mir wollen. Bis sie mir die Zunge in den Hals rammen. Oder sich nie wieder bei mir melden.

SEX Kurios ist, dass gar nicht so wenige deutsche Männer im Bett ihre Socken anlassen. Nicht, weil sie Fetischisten wären, sondern weil sie in der Eile vergessen, ganz ab-

Was sie von mir wollen, kriege ich erst raus, wenn sie mir die Zunge in den Hals rammen fasse meinen Gesprächspartner gerne an: Eine leichte Berührung am Arm, ein zufälliges Streifen der Hüfte das finde ich spannend. Leider provoziert man damit bei deutschen Männern Übersprungshandlungen, die manchmal den Charakter von Grabsch-Attacken annehmen.

VERFÜHRUNG Die Deutschen sind steif. Und ein bisschen feige. Jedenfalls sagen und zeigen sie selten, was sie wollen. Dass ich sie oft nicht verstehe, könnte auch an ihrem unsteten Blick liegen. In meiner Heimat liest man ganz viel Gefühl aus den Augen. Die Deutschen aber schauen überall hin - bloß

zulegen. Davon abgesehen, sind sie Stellungsfanatiker: Heute Missionar, morgen Motorhaube, tags darauf doggy style. Und sie wollen ganz viel Sex. Eine Nummer zum EinscWafen, eine morgens um vier und vor dem Aufstehen gleich noch einmal. Wenn sie im Bett den Mund aufmachen, reicht es oft nur für unqualifizierte Kommentare wie "Aaahhh, ich komme, JETZT!"

FAZIT Deutsche Männer sind besser als ihr Ruf und durchaus kreative Liebhaber. Wenn auch ein bisschen manisch. ~


EROTIK::TABU

Text: Stefan Wimmer

Komm zum Viele träumen davon, wenige reden' darüber. Analsex gilt noch immer als unmoralisch, psychologisch fragwürdig und gefährlich. Bekenntnisse eines Liebhabers eine Vorliebe habe ich mir nie ausgesucht - wie alle anderen, die ihr verfallen sind, hat sie mich erwählt. Ich war siebzehn damals, Gloria zwei Jahre älter, eine spindeldürre Italienerin mit Aristokraten-Nase und Kringellocken, die mich zusammen mit ihrer besten Freundin während meiner Schulferien in ein Strandapartment mitnahm. Die Freundin legte sich neben uns aufs Bett, schaute zu und übersetzte Glorias Befehle ins Englische. "Sie will jetzt, dass du sie in ihren Po fickst!", lautete eine der Anweisungen - und seit damals bin ich dem Analverkehr verfallen wie andere einer Droge.

Ein Geheimbund der Lust Es ist kein großes Geheimnis, dass beim Analverkehr extrem intensive Gefühle frei werden. Der Po ist der intimste erreichbare Punkt des Körpers, und jenseits der Schwelle, die von Sauberkeits-Tabus und der Moral errichtet wurde, warten Erfahrungen, die vom üblichen Sex völlig verschieden sind. Es ist nicht die Enge, es sind auch nicht die Assoziationen mit Schmutz und Schmerz, die den Analverkehr zu einer außergewöhnlichen Sache machen, es ist die Idee reiner zweckfreier Lust - unbefleckt von Fortpflanzung, Moral, Anstand. Deswegen trägt der Kreis derjenigen, die dem Backdoor-Sex huldigen, fast die Züge eines Geheimbunds, zu dem sich keiner öffentlich bekennen darf, und seit jeher muss sich dieser Bund gegen mächtige Gegner behaupten. Christentum und Islam, Feminismus und Blümchensex-Fraktion, Hygieniker und Ärzte - sie alle haben versucht, den Analverkehr auszurotten, sie alle sind damit 52. MATADOR

gescheitert. Niemals zuvor gab es so viele Frauen, die den Analverkehr zu schätzen wissen. Und sich zu erkennen geben, wenn sie ahnen, was man mit ihnen gemeinsam hat.

Ein innerer Zwang Damit keine Missverständnisse aufkommen: Analverkehr ist nicht gleich Analverkehr. Manche Frauen wollen ihrem Partner bloß einen Gefallen tun und gestatten ihm deshalb sporadisch Zugang zu ihrem Po. Doch das ist nur eine von jener Sorte Konzessionen, die von Paartherapeuten oder Frauenzeitschriften empfohlen werden - eine bloße Inszenierung, die den faden Geschmack von Treuebonus hat. Man erkennt solche Schwindlerinnen schnell daran, dass sie von "absolutem Vertrauen als Voraussetzung für Analverkehr" reden - einem Vertrauen, das erst mühsam errungen und immer neu erkämpft werden muss. Der wirkliche Analverkehr dagegen ist keine Frage des Vertrauens, sondern die Folge eines inneren Zwangs, einer Art Sucht. Dementsprechend bizarr die Eile, mit der sich die Frauen zum Analverkehr bereit erklären, in denen jene Sucht rumort. Die winzig kleine Französin Sandrine kannte ich erst zwei Stunden, bevor sie mich zu sich nach Hause nahm, und ihre drollige Antwort auf meine Frage, ob sie Probleme mit Analverkehr habe, lautete: "Gar nicht, aber du musst mich dabei auf den Mund küssen!" Ebenso überraschend war meine Begegnung mit der Rechtsanwaltsgehilfin Lisa, die mich nach einer Party zuerst vor meiner Haustüre absetzte, um ein paar Minuten später bei mir zu klingeln und sich auf dem Sofa ohne Kommentar den Rock hochzuziehen.


Das Klischee der Unterwerfung In der amerikanischen Männerzeitschrift Details stand kürzlich zu lesen, dass Analverkehr nun auch bei Heterosexuellen in Mode käme und A (analI das neue 0 (oral) wäre. Ich kann dazu wenig sagen, ich mache keine Umfragen und rede mit Menschen selten darüber, was sie im Bett machen. In den Kontroversen um den Details-Bericht war viel davon die Rede, dass es beim Analverkehr im Grunde um Unterwerfung und Beherrschung geht, aber mir sind solche Gedanken vollkommen fremd. Die Rammeleien in Pornos stoßen mich ab, und es gibt mir nichts, mit jemandem Sex zu haben, der an Körperverletzung grenzt - egal in welcher Körperöffnung. Es bedarf keiner Exzesse, um beim Analverkehr eine tiefere Ebene des Sex zu spüren. Eine sensible Zeitlupen-Penetration reicht völlig aus.

Erkennungszeichen

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Frauen, die den Analverkehr lieben, erkennt man fast inuner an bestimmten Zeichen. Nicht an Taschentücher-Codes und ähnlich albernen Signalflaggen, sondern an viel unauffälligeren Kleinigkeiten. Manchmal ist es ein gewisser Blick, manchmal nur eine bestimmte Art, Rock und Hose zu tragen. Oft sind sie eher unscheinbare Entlein als Supermodels, still und besonnen. Als sicheres Erkennungsmerkmal darf gelten, dass sie von plumpem Maulhurentum weit entfernt sind und nichts gemein haben mit all den Trendmäuschen, die auf Partys lautstark mit Intim-Piercings und Fesselspielen prahlen. Die wirklichen Anal-Liebhaberinnen tendieren eher zur Melanchohe, und aus

irgendwelchen Gründen sind sie beruflich nicht sonderlich erfolgreich - vielleicht, weil ihre Genussfähigkeit stärker als ihr Ehrgeiz ausgeprägt ist. Man lernt sie daher auch nicht in schicken Discos kennen, sondern an ganz und gar unspektakulären Orten: in Schwimmbädern, Kinos und in Supermärkten. Mittlerweile kann ich manchen Frauen ihre Vorliebe so gut ansehen, dass ich am liebsten ihre Männer anbrüllen würde: "Merkst du denn wirklich nicht, wonach sie sich sehnt?" Oft genug sind solche Frauen mit Partnern liiert, die selbst nicht das geringste Interesse an Analverkehr haben, weswegen sie lange Durststrecken durchzustehen haben. Dies war beispielsweise bei der hübschen Studentin Corinna der Fall, die ich bei einer Gartenparty kennen lernte, auf der sie die ganze Nacht mit ihrem Freund stritt. Mir war völlig klar, worauf Corinna insgeheim stand, und deswegen war es so bitter anzusehen, wie sie ihre Begabungen in dieser Partnerschaft vergeudete. Als ich ihr zwei Tage später zufällig über den Weg lief, lud sie mich auf einen Drink zu sich nach Hause ein und kurz nachdem ich in ihrem Po gekommen war, sagte sie: "Irgendwie ist das alles nicht gesund, was wir da machen."

Bis ans Ende Das glauben viele. Seitdem es AIDS gibt, halten viele den Analverkehr für etwas Lebensgefährliches, eine sexuelle Praxis, bei der man einander auf Leben und Tod ausliefert. Doch studiert man einschlägige Studien, merkt man schnell, wie gewaltig übertrieben das ist. Ungeschützt geht man immer ein Risiko ein sich anzustecken, egal wie und wo man es miteinander tut. Doch vielleicht ist es auch dieser Mythos der Gefahr, der beim Analverkehr die Beteiligten umso intensiver zusammenschweißt. Auf irgendeine rätselhafte Weise beinhaltet er auch die Übereinkunft, gemeinsam bis zum Ende zu gehen - und wehe, man zeigt dann doch Bedenken. Das einzige Mal, dass ich so etwas wie verspätete Skrupel hatte, musste ich mir zu Recht die beleidigte Beschwerde anhören: "Erst steckst du deirren Penis in meinen Po und dann hast du Angst, meine Zahnbürste zu benutzen. Du bist doch total krank!" So folgen wir also Tag für Tag unserer Passion, geben sie im Geheimen weiter und versuchen, mit ihr glücklich zu werden. Manchmal erinnert mich unser Verhalten an Vampire, aber im Unterschied zu ihnen haben wir zumindest den Vorteil, dass unsere Sucht nicht ewig dauert. I%l MATADOR 53


EROTIK:: KOLUMNE

Vierzig Tage

besserenSex Schon einmal versucht, ein paar Tage lang auf Espresso zu verzichten? Es ist die Hölle. Kalter Entzug, bleierne Müdigkeit, dumpfe Lethargie. Doch sobald man das Tal der miesen Laune hinter sich gebracht hat, entdeckt man bisher unbekannte Genüsse wie die Schönheit einer Teezeremonie. Oder man experimentiert mit heißer Schokolade und bestreut die Sahnehaube mit Chili. Und nach zwei Wochen duftet der erste Rückfall-Espresso wie das Paradies und knallt rein wie unverschnittenes Kokain. Was würde mit Ihnen geschehen, wenn Sie statt Kaffee Sex fasten würden? 40 Tage und Nächte Verzicht auf körperliche Vereinigung. Und wenn wir schon dabei sind, auch auf Masturbation. Ich bin keinesfalls sadistisch oder masochistisch veranlangt, höchstens eine Spur. Ich bin bloß neugierig, wozu es führt, wenn zwei Menschen, die heiß aufeinander sind, nicht tun, wonach ihnen ist. Weil sie den Pakt geschlossen haben, sich auf ein Askese-Experiment einzulassen. Was sind am Ende schon 40 Tage in der Sexbiografie eines Erwachsenen? Nicht viel, aber in jedem Fall eine geile Geschichte, die man den Freunden erzäWen könnte, sobald die Sache überstanden ist.

Die ersten zehn Tage des Rammeldans, wie ich die Sex~Fastenkur zärtlich nenne, bereiten kaum Schwierigkeiten. Da ist keiner ernsthaft auf Entzug, es sei denn, man ist frisch verliebt, aber dann kommt man ohnehin nicht auf die Idee, aufs Vögeln zu verzichten. Askesedas ist ein Kick nur für die Paare, die es schon länger sind und die prinzipiell häufig Gelegenheit haben, übereinander herzufallen. Bei solchen Menschen kommen zehn Tage ohne auch sonst schon mal vor, manchmal hat man ja durchaus Wichtigeres zu tun. Die sensible Phase beginnt am elften und geht bis zum 22. Tag. Die ersten Lust- und die ersten Frustschübe spielen Spielchen mit Kopf und Körper. Wer sich jetzt heimlich 54 MATADOR

einen runterholt, verzichtet auf vieles. Das klingt so hart wie Ihr Schwanz am Morgen von Tag 23? Nun, da ist etwas Wahres dran. Keine Sorge, zwischen Tag 24 bis 34 wird es besser. Sie werden die meiste Zeit grinsend durch die Gegend laufen. So, als hätten Sie gerade spontan einen geblasen bekommen. Ständig knistert es - wenn Sie Ihre Liebste beim Anziehen beobachten, wenn sie beim Zähneputzen ihren Steiß nach hinten streckt. Sogar das profane Einräumen der Spülmaschine wird zum Kopfporno. Die Sinne laufen Amok, Sie schnuppern heimlich an der Bettwäsche Ihrer Freundin, die unschuldigsten Küsse schmecken nach purem Sex. Bloß nicht schwach werden, Sie sind schon auf der Zielgeraden, nur noch sechs Tage bis zur großen Party. Verneigen Sie sich vor Ihrer Liebsten und vor sich selbst.

Wenn Sie am vierzigsten Tag endlich wieder in ihr sind, sollten Sie nicht vergessen tief zu atmen, ein, aus, ein, aus, ein. Sonst kommen Sie so schnell wie mit 17 bei Ihrem allerersten Mal. Zelebrieren Sie den Moment, wahrscheinlich ist es Ihr persönlicher Abstinenz-Rekord. Ihre Geliebte hat nach einer Stunde zwei Orgasmen Vorsprung, gut so, schauen Sie ihr dabei tief in die Augen. Die Ecstasy-Phase ist angebrochen, jetzt sind Sie auf Ihrer körpereigenen Droge. Im Hindu-Tantra verzichtet der Mann . jetzt auf seinen Orgasmus, verharrt still für eine halbe Stunde mit seinem Schwanz in seiner Liebsten, und zwar viermal an Tag 40. Versuchen Sie es erst gar nicht, das ist nur für spirituell Fortgeschrittene. Lassen Sie sich einfach gehen. Vermutlich haben Sie den besten Abgang seit Jahren. Mit Sicherheit aber seit 40 Tagen. ~

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29 Dinge,

die uns an Technik nerven. --------

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Immer das Handy anzuzicken oder auf den Computer einzuschlagen bringt uns auch nicht weiter. Also beschweren wir uns mal öffentlich. Das erspart uns wenigstens die Warteschleife Text: Tobias Pützer

1 Schrott-Peripherie Wer mehr als 1000 Euro in einen PlasmaFernseher investiert, darf erwarten, dass er als Zugabe eine ordentliche Fernbedienung bekommt. Doch bei der Peripherie sind Hersteller geizig: Statt gebürstetem Alu gibt es PI;Jstik, das spätestens nach einem Vierteljahr speckig aussieht, statt solider Ohrhörer Billig-Stöpsel. Bei Discount-Angeboten aus dem Mediamarkt kann man die Qualitäts-Defensive durchaus tolerieren, bei kostspieligen Premium-Gadgets ärgert man sich.

2

Leistungswerte-Wahn

Selbstverständlich hat keiner etwas dagegen, wenn Hersteller ihre Produkte verbessern. Doch allzu oft handelt es sich bei den Innovationen nur um 60 MATADOR

sinnloses Zahlengeprotze. Wer seine Urlaubsfotos nicht an die Wand plaka. tieren will, braucht nun mal keine Digicam mit zehn Megapixeln, und Prozessoren mit noch mehr TurboLeistung sind nur was für ExtremGamer oder Profi-Grafiker. Man legt sich ja auch keinen Formel-I-Boliden zu, nur weil man ein Stadtauto braucht.

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Kann-alles-Gadgets

Was so toll daran ist, auf einem Mobiltelefon Fernsehsendungen anzuschauen, erschließt sich auch nach zehn Versuchen nicht: Der Fußball ist so groß wie ein Fliegenschiss und bei den Sexszenen kann man den Sex nicht erkennen. Möglicherweise verstehen wir den unseligen Drang der Hersteller, jedes Gerät mit so vielen Funktionen auszustattten

wie technisch möglich, sobald wir endlich mit dem Fernseher telefonieren können. Bis dahin begnügen wir uns gerne mit zwei bis vier Jobs pro Gerät.

4

Menüs auf Handys

Der normale Mensch braucht ein Handy, um telefonieren, simsen und möglicherweise E-Mails schreiben zu können. Es kann also nicht besonders kompliziert sein, Handy-Menüs zu programmieren, die man intuitiv versteht und die dem Benutzer langwieriges Tastengefummel ersparen. Von ein paar Ausnahmen abgesehen schaffen das aber die Handy-Hersteller auch nach zwei Jahrzehnten Mobilfunk immer noch nicht. Abhilfe ließe sich schaffen, wenn User die Menüs ihrer Geräte frei konfigurieren dürften. Das


TECHNIK:: FEHLERSUCHE

ist aber nicht vorgesehen - weil die größten Knöpfe des Geräts für irgendeinen teuren Webdienst des jeweiligen Anbieters reserviert sind. Man merkt die Absicht und ist verstimmt.

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Synchronisierung

Wer sich ein neues Handy zulegt, muss Urlaub nehmen: Kontakte vom alten aufs neue Gerät zu schaufeln dauert immer viel zu lange, erfordert die Konsultation mies geschriebener Handbücher und führt zu Wutattacken, weil man die Software nicht hat, die die Adressbuch-Einträge richtig konvertiert. Könnte nicht endlich mal jemand eine Methode entwickeln, mit der der Daten-Abgleich bei allen Modellen und Betriebssystemen klappt?

6

Teurer Service

Wenn die Walkman-Batterie keinen Saft mehr hatte, ging man in den Supermarkt und holte sich eine neue. Anders bei so ultrahippen Gadgets wie dem iPhone oder dem iPod: Man muss das Teil einschicken, ein paar Tage auf sein Gerät verzichten und mehr als 100 Euro dafür bezahlen. Dass das simple Auswechseln einer Batterie im 21. Jahrhundert so mühsam und kostspielig ist, versteht außer Steve Jobs kein Mensch.

7

Schlappe Akkus

Eigentlich sollte der technische Fortschritt dafür sorgen, dass Akkus immer besser werden und deswegen länger durchhalten. Und tatsächlich wird viel Forschung in die Entwicklung konditionsstarker Stromquellen für mobile Geräte gesteckt. Doch leider fressen diese Geräte auch immer mehr Energie: Ultraschnelle Prozessoren, ständiges Indizieren des Festplatteninhalts und ähnliche Innovationen saugen jeden Hochleistungsakku'rasant leer. Also bleibt uns immer noch nichts anderes übrig, als Geld für einen Ersatzakku auszugeben. ·Falls wir Geräte besitzen, die den Akkuwechsel erlauben.

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wohl man genau weiß, dass man in einer Warteschleife landet, mit fieser Musik und unerbetener Werbung traktiert wird, um schließlich bei jemandem zu enden, der mit einem redet, als wäre man gehirnamputiert. Ein Vorschlag zur Güte: Die Frage, ob das Kabel in der Steckdose steckt, ist ab sofort verboten.

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Handy-Tarifgestaltung

Manchmal überkommt einen die Lust auf Hamburger. Sie verlässt einen gleich wieder, wenn man bei McDo vollgetextet wird, ob man das Maxisuperdupersparmenü will. So ähnlich verhält es sich auch mit Handy-Tarifen: Jedes. Mal, wenn man den Handy-Laden aufsucht, muss eine halbe Stunde Tarifbelehrung ertragen werden, bis man alle Spezialpakete zusammen hat. Empfehlenswert wäre ein Komfort-Tarif, zu dem gehört, dass man nur noch einmal im Jahr angelabert wird.

10 Internet-Kosten Schon mal versucht, auf einem deutschen Flughafen oder in einem DesignerHotel kurz ins Netz zu gehen, um Mails zu checken? Für eine halbe Stunde können da schon mal zehn Euro fällig werden. Und das alles für ein paar lächerliche Funkwellen. Wie wäre es endlich mit kostenlosen Netz-Zugängen auf Bahnhöfen, Flughäfen, in Hotelzimmern und ähnlichen Orten?

11 Auto-Alarmanlagen Wird eines dieser Autos, die einen nachts aus dem Schlaf reißen, jemals wirklich gestohlen? Und warum muss jedes Mal ein ganzes Stadtviertel mitbekommen, dass Ingenieure es immer noch nicht schaffen, ordentliche Diebstahlsicherungen in Autos einzubauen? Vielleicht sollten sie es statt mit Sirenen mit GPS-Sendern versuchen: Die könnten der Polizei bei Diebstahl gleich mitteilen, wo das Auto abgeblieben ist.

12 Druckerpatronen Dumme Hotlines

Irgendwas ist immer. Manchmal ist es so schlimm, dass man gezwungen ist, die Service-Hotline anzurufen. Ob-

Das Geschäftsmodell von DruckerHerstellern ähnelt dem von HeroinDealern. Die Einstiegsdroge (die Maschine) bekommt man nachge-

schmissen, für Nachschub muss man ordentlich löhnen. 70, 80 Euro für einmal Tinte-Tanken sind bei manchen Modellen nicht unüblich. Das sorgt für unfassbare Gewinnspannen und verhindert ressourcenschonende Innovationen - warum sollte die Industrie sich über sparsame Drucker Gedanken machen, wenn sie Milliarden an Tintenpatronen verdient?

13 Drahtlose Boxen Kein Kabelsalat: gute Sache. Doch wenn man den Sound seines CD-Players per Funk zu den Lautsprecherboxen schickt, muss der Schall gleich zweimal umgewandelt werden: von digital zu analog und wieder zurück. Dass dabei die Klangqualität Schaden nimmt, versteht sich von selbst, Wer auf guten Sound Wert legt, muss also weiter riskieren, über Kabel zu stolpern.

14 Dichte WLANs Auch wir finden es toll, dass es immer mehr Geräte gibt, mit denen man sich unterwegs ins Netz einloggen könnte. Noch toller fänden wir es allerdings, wenn es zu den Geräten auch das WLAN gäbe. Leider ist das aber abgeriegelt, von Nachbarn, die nicht wollen, dass man bei ihnen mitsurft. Oder von kommerziellen Anbietern, die viel zu viel Kohle sehen wollen. Unsere Idee: Statt der nächsten zwei Ampeln gönnt sich jede deutsche Kommune ein kostenloses offenes WLAN für Bürger.

15 Ladekabel Rasierer, Handys, Kameras, Notebooks, Mp3-Player, elektrische Zahnbürstenalle funktionieren mit 220 Volt, alle steckt man in die gleichen Steckdosen. Warum braucht man für jedes dieser Geräte ein anderes Ladekabel? Könnte man sich nicht auf einen Standard einigen? Geringere Produktionskosten, weniger Müll, leichteres Gepäck auf Reisen, kein Kabelsalat mehr. Das wären die Vorteile. Der Nachteil: Die Hersteller und Konkurrenten müssten sich untereinander austauschen und kooperieren. Warum sollte in der Wirtschaft funktionieren, was noch nicht einmal die Politik hinbekommt? ~ MATADOR 61


TECHNIK:: FEHLERSUCHE

16 DVD-Ländercodes

Cards zu verkaufen, die nicht immer wieder zicken, ist eines der letzten großen Rätsel der Menschheit.

Wenn es um eigene Vorteile (Gewinnmaximierung, Kostensenkung usw.) geht, kennt die Medienindustrie keine nationalen Grenzen: DVD-Presswerke werden in Billiglohnländer ausgesiedelt, Urheberrechtspiraten weltweit verfolgt. Wir dürfen uns dagegen nur in uns zugewiesenen Reservaten bewegen. Weil die Filmfirmen (und die kooperierenden DVD-Laufwerk-Herstellerl es so wollen, sollen wir in Europa nur DVDs mit Ländercode 2 sehen. Und auf TV-Serien wie Entourage, die es bisher nur in den USA gibt, verzichten. Oder ja nicht auf die Idee kommen, japanische Filme haben zu wollen. Das akzeptieren wir aus Prinzip nicht und legen uns einen Code-free-DVD-Player zu.

Waren wir früher wirklich zu blöd, um den richtigen Weg oder eine Pizzeria alleine zu finden? Nein. In der PräGPS-Ära hat man im Notfall einfach jemanden gefragt. Oder man folgte seinen Instinkten. Nichts gegen ein anständiges Navigationssystem für Fahrten in unbekanntes Territorium. Wenn die Menschen allerdings beginnen, beim Stadtausflug nur noch auf die elektronische Frauenstimme und das kleine Display zu achten, bleibt der Weg auf der Strecke. Und der gehört bekanntlich zum Ziel.

17 Pay-TV

19 Outsourcing

Wieso es Premiere nach über einem Jahrzehnt immer noch nicht schafft, Receiver, Fernbedienungen und Smart

Viele der Automaten, mit denen wir uns im Alltag herumschlagen (BankTerminals, Packstationen, Check-In-

18 GPS-Hörigkeit

Terminals usw.) dienen nicht unserem Komfort, sondern bürden uns bloß Arbeit auf. Und nehmen sie jenen weg, die sie bisher geleistet haben. Das senkt J(osten, sagen die Betreiber. Nicht unsere: Für Arbeitslosenhilfe muss ja die Gesellschaft aufkommen. Ach, und übrigens kaufen wir unsere Bahntickets lieber bei hübschen Frauen als vom Automaten.

20 Übertechnisierung Regensensoren in der Windschutzscheibe, Kühlschränke mit Netzanbindung, Waschmaschinen, die mit dem Handy gesteuert werden können.· Braucht man wirklich alles, was technisch möglich ist? Viele Erfindungen, die uns den Alltag erleichtern sollen, sind in Wahrheit nutzlos, verkompli. zieren und verteuern das Leben. Es gibt Dinge wie das Rad, die Türklinke und den Scheibenwischer, die man nicht übertechnisieren muss. Weil sie schon prima funktionieren. ~


TECHNIK:: SICHERHEIT

aclztbilder von der Geliebten oder, noch schlimmer, von sich selbst, entgleiste Gesichtszüge bei Trunkenheit oder einfach nur blöd erwischt. Es gibt Fotos, die möchte man der Frau, den Freunden und vor allem der internationalen Internetgemeinde vorenthalten. Weshalb man sich zuerst fragt, warum man sie überhaupt gemacht hat, um sie dann diskret zu löschen. Hierfür drückt man den DeleteKnopf der Kamera oder zieht die ungewünschten Dateien mit einer Mausbewegung in den Papierkorb des PC, leert diesen und schon sind sie weg. So denkt man, bis man sieht, wie einfach solche Dateien mit einem frei erhältlichen Datenrettungsprogramm wieder aus der Versenkung geholt werden können. Und was bei Fotos oft nur peinlich ist, kann sich bei Geschäftsunterlagen oder sensiblen Informationen zur Katastrophe ausweiten. Eines nämlich sollten alle Benutzer von digitalen Speichern wissen: Einfach nur löschen hilft nicht. Denn dabei werden nur die Hinweise auf den Speicherort entfernt, und die Datei ist für den Benutzer nicht mehr sichtbar. Doch die enthaltenen Informationen bleiben auf dem Speicher erhalten, bis sie von neuen Daten mehrfach überschrieben werden. Und das kann dauern. Damit Daten sicher verschwinden, müssen aufwändigere Maßnahmen ergriffen werden. Bei alten PCs und Festplatten ist die Zerstörung der Geräte am effektivsten. Wobei auch hier erstaunliche Wiederbelebungsaktionen vollführt werden können, wie die Datenretter der Firma Kroll Ontrack wissen: Sie haben schon Festplatten ausgelesen, in die Ameisen eingezogen oder die aus Flugzeugen gefanen waren. Einfacher und für die meisten Fälle ausreichend: Das aktive, mehrfache Überschreiben von Daten. Bei Apple-Rechnern geht das mit Bordmitteln, Windows-Usern helfen externe Programme (z. B. 0&0 SafeErase 3). Auch für Speicherkarten von Kameras, Handys und MP3-Playern gibt es entspre-

chende Software (siehe unten). Bei den rapide fallenden Preisen für SDKarten ist die Zerstörung alter Chipspeicher allerdings eine echte Alternative. Dabei kann man dann auch seinem Ärger über dumme Fotos freien Lauf lassen.

N

Die wichtigsten Tipps zur sicheren Oatenlöschung: Speicherorte • Wichtige Daten finden sich heute nicht mehr nur auf Festplatten. Gerade bei Kameras und MP3-Playern werden sie auf Speicherkarten abgelegt. Vor einer Weitergabe oder dem Verkauf sollte' man deshalb die Karten entfernen oder sie zumindest einmal neu formatieren.

Festplatte • Für WindowsRechner empfehlen Datenschützer Programme wie 0&0 SafeErase 3 (um 30 Euro). Beim Mac gibt es die Funktion "Papierkorb sicher entleeren", die die zu löschenden Dateien mehrmals mit Leerdaten überschreibt.

Handys

ALLES'

WEG.

Wer sichergehen will, dass gelöschte Daten wirklich nie wieder auftauchen, ist auf dieser Seite richtig TEXT: Carsten Görig

• Nicht nur auf der SIM und SDKarte finden sich persönliche Dateien, sondern auch im internen HandySpeicher. Die Hersteller empfehlen deshalb einen so genannten harten Reset zu machen - das Gerät also auf Auslieferungszustand zu setzen - bevor man sein Handy weitergibt oder verkauft. Man sollte außerdem alle Amuferlisten und den SMS-Speicher kontrollieren und gegebenenfalls löschen.

USB-Sticks und SO-Karten • Beide Formate sind so genannte Flash-Speicher und nach dem ersten vollständigen Überschreiben zumindest so weit gelöscht, dass Daten nur noch mit großem Aufwand rekonstruiert werden können. Wer sicher gehen will, benutzt ein Programm wie den CBLDatenshredder (kostenloser Download unter WWV\T.cbltech.de). tZ; MATADOR 63


MOTOR:: GALLARDO SPYDER

ein, ich werde ilm nicht zu Schrott fahren, nicht zu Schrott fahren, nicht zu Schrott fahren. Nicht nur, weil dieser Schrott sehr teuer wäre. Sondern weil meine Selbstachtung von mir verlangt, den letzten Unfall meines Lebens mit ein wenig mehr Speed anzugehen als mit peinlichen 60 km/ho Doch keinen Unfall zu haben ist leichter beschlossen als geschafft, wenn man sich 1853 Kilometer nördlich von München auf einer spiegelglatten Straße befuldet, über die ein beißend kalter Seitenwind weißen Puderschnee von links nach rechts jagt wie auf einem aufgeputschten Förderband. Im Weiß stecken orangefarbene Stangen, die anzeigen so]]el1, wo die Straße war, ehe es zu schneien begann, aber auch sie kann man kaum sehen, weil der Wind den Schnee so hoch bläst. Also bleibe ich stehen und warte, ob die Sclmeewehe aufgibt, bevor ich eingeschneit bin. Allemal besser als von der Straße abzukommen und in einem See zu landen, den man im ~

Norwegen hat den längsten Straßentunnel der Welt. Und wir haben einen 520 PS starken Lamborghini Gallardo Spyder. Vielleicht werden die Trommelfelle platzen, aber es wird Zeit, die beiden miteinander bekannt zu machen MATADOR 6S


Winter nur daran erkennen kann, dass das Weiß hier flacher ist als in seiner Umgebung. Wahrscheinlich fragen Sie sich, warum ich hier bin - auf einer Passstraße mitten in Norwegen, im Schnee, in einem 520 PS starken, 314 km/h schnellen und 181.475 Euro teuren Cabrio. Ich frage mich das mittlerweile auch. Vor meiner Abfahrt aus München schien die Gleichung noch so bestechend einfach. Ein Mann mit einer gewissen Schwäche für starke Motoren und ihren Sound bekommt durch glückliche Umstände einen Lamborghini Gallardo Spyder in die Hände. Was liegt näher als der Entschluss, sich den besten Ohrgasmus seines Lebens zu verschaffen? Und dafür den längsten Straßentunnel der Welt anzusteuern - den 24,S Kilometer langen Laerdal-Tunnel in Norwegen? Mit einem Cabrio mitten im Winter zum Soundcheck nach Norwegen - das klingt bescheuert, aber irgendwie auch logisch. Und so hatte ich eine Mission. Mittlerweile hat das Schneetreiben nachgelassen und ich jage den Lambor-


ghini durch die Täler des Slidre-Fjords. Die Landschaft sieht aus, als hätten die GebfÜder Grimm sie erfunden. Berge wie Drachenzähne, Nebel wie ein Elfenvorhang. Kurz bilde ich mir ein, am Straßemand einen Troll zu sehen, der gerade einen Müsliriegel verspachtelt; eine Halluzination, von Schlafmangel und einer Überdosis Koffein ausgelöst.

Um ein Stück Fjord abzuschneiden, nehme ich die Fähre. Als das Schiff mit weit aufklaffendem Bug aus dem Nebel auftaucht, sieht es aus wie dieses irre Teil aus dem JamesBond-Film, das U-Boote verschluckt. Ganze drei Autos machen die Überfahrt mit. Zwei davon gehören uns. Der Lambo und mein Begleitfahrzeug, ein Mercedes GL 320 CDI, in dem Fotograf Peter und Co-Fahrer Timo sitzen. Wir fühlen uns, als wären wir in ein Land geraten, das seine Bewohner gerade erst zu kolonisieren beginnen. Von einer herb~n, wilden Schönheit und auf jeden Fall höchst eigenartig. Aber es hat auch etwas Poetisches, etwas, das den Wunsch weckt, vor einem Kaminfeuer ausschweifende Geschichten zu erzählen. Es dauert ein paar zusätzliche Stunden, um nach Aurland in der

Nähe der kleinen Stadt Flam (Flom gesprochen) zu kommen, wo der Turmel beginnt. Zu erschöpft für die Weiterfahrt checken wir in einem Hotel ein, in dem man über die unerwarteten Gäste sichtlich überrascht ist, und warten auf den Einbruch der Dunkelheit. Damit ich es mit möglichst wenig Gegenverkehr zu tun bekomme, will ich den Turmel erst in den frühen Morgenstunden in Angriff nehmen. Während ich in meinem Hotelzimmer die Zeit totschlage, rekapituliere ich, was ich über meine nächste Etappe in Erfahrung gebracht habe. Der Laerdal-Tunnel ist nicht einfach irgendein x-beliebiger Durchstich. Er ist eine bautechnische Meisterleistung, die zwischen Aurland und Laerdal einen ganzen Berg durchschneidet, damit man im Winter zwischen Bergen und Oslo keine Fähren nehmen oder beängstigende Gebirgspässe überqueren muss. 24,5 Kilometer lang ist die Laerdal-Röhre und damit länger als eine Runde auf dem Nürburgring. Allerdings hat die Sache einen Haken. Laerdal sorgt für einige ungewöhnliche psychologische Effekte, von denen nicht der harmloseste - im wahrsten Sinn des Wortes - der Tunnelblick ist.

Bei Gegenverkehr ohne Leitplanke zwischen den Fahrbahnen stellen 25 Kilometer Tunnel am Stück das menschliche Gehirn vor alle möglichen Probleme, weswegen immer wieder Autofahrer wie hypnotisiert gegeneinanderkrachen.

Deshalb haben sich die Tunnelbauer redlich bemüht, die Fahrt durch das Loch im Berg so wenig eintönig wie möglich zu gestalten. Ein Psychologenteam der SINTEF (was ausgeschrieben etwa "Gesellschaft für industrielle und technologische Forschung" bedeutet) dachte sich in Zusammenarbeit mit der norwegischen Straßenbaubehörde alle möglichen Maßnahmen aus, um im Tunnel für die Abwechslung zu sorgen, die verhindert, dass die Autofahrer entweder "geschwindigkeitsblind" werden oder Tunnelblick bekommen. Zum Beispiel, indem sie Kurven in den Tunnel einbauten (ja, Sie haben richtig gelesen). Noch spektakulärer: Die Norweger haben im Tunnel drei riesige, hell beleuchtete Anhaltestellen angelegt, die bis auf Hüfthöhe in einem laäftigen Orange erstrahlen, das zur Decke hin in ein kaltes Neonblau übergeht, sodass der durch den nackten Fels hervorgerufene Naturhöhlen- ~ MATADOR 67


MOTOR:: GALLARDO SPYDER

look noch verstärkt wird. Diese Anhaltezonen gehören zu den eigenartigsten Orten, die ich je gesehen habe, merkwürdiger noch als Oktoberfestzelte oder die Hotels von Las Vegas. Stellen Sie sich vor, Sie fahren in einem Tunnel mit 100 kmjh auf einen 30 Meter breiten Pool aus eisblauem und knallorangem Wahnsinn zu. Noch verrückter wird das Ganze, wenn Sie mit vollem Karacho durch diese Lichtflecken hindurchrauschen.

Als ich in der ersten Nothaltebucht das Verdeck des Gallardo zurückklappe, ist weit und breit kein einziges Auto zu sehen. Hauptsächlich deshalb, weil es drei Uhr morgens ist und alle Menschen mit mehr Vernunft als ich im Bett liegen. überrascht stelle ich fest, dass es mit 18 Grad Celsius sehr warm im Tunnel ist. Dennoch beginne ich zu zittern. Aufregung. Nervosität. Adrenalin. Dann steige ich aufs Gas.' Die Ohren explodieren, mein Hirn zieht sich zusammen, die Welt beginnt zu taumeln. Vier-Komma-neun-LiterVlO wittern ihre Chance und saugen so viel Luft an, wie sie zu fassen bekommen, um sie mit aller Kraft wieder aus ihren zwei Auspuffrohren 68 MATADOR

auszuspucken. Der Gallardo scheint aufzuwachen. Endlich kann er loslegen, nachdem ich ihn ewig über vereiste und schlammige Straßen gequält habe. Mein Kopf schnalzt gegen die Kopfstütze zurück, als der Drehzahlmesser die 7000-Ujmin-Marke übersteigt. Eine Tausendstelsekunde später ein kurzes Zucken meiner rechten Hand an der Lenkrad-Schaltwippe, und der zweite Gang ist drin und gebiert eines der unglaublichsten Geräusche, die auf unserem Planeten denkbar sind. Es kommt zu einem benzingetriebenen Erweckungserlebnis, das mir das Wasser in die Augen treibt. Zu meiner tiefsten und immerwährenden Schande muss ich gestehen, immer wieder nur noch "Oooh Scheeeeiiiße" gebrüllt zu haben. Im ersten Gang habe ich mich noch, um ganz ehrlich zu sein, einfach nur am Lenkrad festgehalten. Mich auf den Schlupf konzentriert und aufgepasst, den Wagen unter Kontrolle zu behalten. Im zweiten und dritten Gang lehnte ich mich in den Sitz zurück und ließ die elementare Angst auf mich einwirken, die wahrscheinlich ein Neandertaler verspürt hat, wenn er mit bloßen Fäusten einem wolligen Mammut gegenüberstand.

In einem Tunnel dieser Länge und dieses Durchmessers kann der Schall nirgendwohin. Er kann sich nicht verteilen oder von Möbeln absorbieren lassen. Der nackte Fels knallt ihn einfach ungedämpft wieder zurück. Man kann den Lärm spüren, als würde er auf einen einprügeln. Nicht nur auf die Ohren, sondern auf den ganzen Körper. So ähnlich stelle ich mir das Surfen auf einer riesigen Welle vor. Man wird von etwas Monströsem, das nur wenige Zentimeter hinter einem ist, vorwärtskatapultiert - man kann es nicht sehen, aber glauben Sie mir, es ist da. Und bringt etwa dreißig Zentimeter hinter Ihrer hinteren Stoßstange die Luft zum Brodeln. Bei 160 kmjh sind meine Trommelfelle kurz vor dem Platzen. Doch bei 190 kmjh lässt man den Lärm hinter sich zurück. Es ist, als hätte man die Schallmauer durchbrachen - oder als wäre man taub geworden. In Wahrheit hat man nichts anderes getan, als die Aerodynamik des Lamborghini zu durchbrechen, sodass das Fahrtwindbrausen gegenüber dem Auspuffröhren die Oberhand gewinnt - was sich allerdings dennoch gespenstisch still anhört. Gehen Sie vom Tempo, und das Inferno hat Sie wieder.


.)

Als ich schließlich draußen vor dem Tunnel anhalte, kann ich lange nichts sagen. Der Gallardo-Krach hat mir jede Sprache verschlagen. Ich bin bloß noch dazu fähig, meine Backen aufzublasen wld mit großen Augen und kopfschüttelnd die Luft auszupusten. Das kommt nicht allzu oft vor, im Bett manchmal, im Auto fast nie. Wenn der Lambo mich jetzt "und wie war ich?" fragen würde, ich könnte bloß hysterisch lachen. Als Timo mich konunen hörte, erzählt er, hat er seine Handykamera herausgeholt, um mich bei der Ausfahrt aus der Grotte zu filmen. Doch drei oder vier Minuten später wartete er immer noch auf mich. Er muss den Lambo also schon aus zehn oder zwölf Kilometern Entfernung gehört haben. Und nun versuchen Sie sich vorzustellen, wie es war darin zu sitzen. Ich drehe mich Ulll, schaue zurück in den Schlwld und grinse. Dann lege ich den Gang ein, richte die Schnauze des Gallardo auf die Einfahrt des Laerdal-Tmmel. Und mache das Ganze noch einmal. l!l


NICHTS FÜR DIE STADT Ein Aston Martin DB2lässt sich nicht einsperren. Er muss hinaus in die Wildnis, wo er wie ein Raubtier brüllen darf. Jan Wehberg hat eine Probefahrt unternommen

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TECHNISCHE DATEN

springt der DB2 an. Der Krach ist gigantisch. "Das kann man nur lieben oder hassen", sagt unspannend. Doch in dieser Tiefgarage Aston Martin 082 (1950-1953) Leyba, er liebt es. Der Motor ist einfach stehen in einem Separee hinter einem mit konstruiert, nichts Originelles, sondern solide WAGENTYP zwelsitziges Sportcoupe dickem Vorhängeschloss gesicherten Si:ahltor Technik. "Ein Bauernmotor", so Leyba. Da könne er alles selber dran machen. Auch Autoschätze. Mini, MG, Bristol, Rover, Aston MOTOR Martin - so gut wie jeder britische Klassiker ist "ordentlich aufbohren". 2,6-Liter-Reihensechszylinder mindestens einmal vertreten. Die Wagen parken Deswegen ist der Motor nicht mehr ganz LEISTUNG original. Er hat nun drei Weber-Vergaser, drei dicht aneinander, kaum Platz zunl Einsteigen. 106 PS bei 5000 U/min Liter Hubraum und 276 PS, mit denen es jetzt Eine beeindruckende Sammlung. Doch sie schafft Höchstgeschwindigkeit: in den Hamburger Berufsverkehr geht. Als der auch Probleme. "Man hat ja nur einen Arsch", 177 km/h DB2 an der Ampel hält, quietschen die Bremsen gibt ihr Besitzer Oliver Leyba zu bedenken. Leyba ist 28, trägt Wollmütze, Jeans und eine BESCHLEUNIGUNG wie bei einem Güterwaggon, die Nadel des o auf 100 km/h: 12,4 Sekunden Drehzahlmessers hüpft unruhig über die grüne Trainingsjacke, auf der "Aston Martin PRODUKTION Racing Team" steht. Leyba raucht viele ZigaretAnzeige. "Die Stadt ist nicnts für den DB2", 411 Stück (102 Cabriolets) ten, und wenn er nicht gerade raucht, kaut er sagt U!yba, "der Motor wird zu heiß und die Kaugummi_ Konversation liegt ihm weniger und Kerzen verrußen." So etwas passiert auf der PREIS ein Lächeln gelingt ihm nur, wenn ihm zu einem Rennstrecke nicht. Dort ist Leyba am liebsten. 1950: 2621 Pfund Wert heute: bis zu seiner Autos eine schöne Geschichte einfällt. So Er ist kein Sammler-Nerd, der sich seine 240.000 Pfund wie jetzt. Wir stehen vor einem Aston Martin Wochenenden aus Chrompolituren und LederDB2 Werks-Rennwagen von 1950. "Den ist schon pflege mixt. Er ist Fahrer. S€in Lieblingsrennen? Sir Stirling Moss, der Übervater des Rennsports, gefahren", erDas Goodwood-Revival in Südengland. "Kein lahmes Altherrenklärt Leyba ehrfürchtig. Ein Referenz-Exemplar, das regelmäßig spektakel wie in den USA, wo man für Fahrfehler disqualifilmd weltweit in Oldtimerzeitungen abgebildet wird. Leyba fährt ziert werden kann. Sondern ein richtiges Rennen. Da fliegen seine Rarität mit dem ursprünglichen englischen Kennzeichen die Außenspiegel und die Türgriffe schon in den ersten "VMF 65" - dafür muss er alle zwei Jalrre zur Abnahme nach Runden", schwärmt Leyba. Und lächelt. \Zl England. Seit 1995 ist der Wagen mit der Seriennummer 9 im Fanlliienbesitz. Die Leidenschaft für englische Autos ist bei Leyba aber viel älter. Zahllose Wochenenden verbrachte er als Kind mit seinem Vater und eben diesem DB2 auf Rennstrecken. Leyba hatte noch nicht einmal einen Führerschein, aJ.s er seinen ersten MG A restaurierte. Heute finanziert er sein Hobby mit seinen handwerklichen Fähigkeiten. Die Benzinpumpe läuft, die Vergaser klacken. Mit etwas Mühe ine Tiefgarage in Hamburg:Barmbek. Es

ist warm und es riecht nach 01. So weit, so


MOTOR:: ClASSIC CARS

COUPE VS. CABRIO Neben dem Coupe gibt es auch eil1 Cabri0, das 102 Mal verkauft worden ist. Trotz der scheinbar geringen Produktionszahlel1 war der DB2 ein großer Erfolg: Wirtschaftlich und auf der Rennstrecke. Mit seinen kompakten Formen bei einem Gewicht von 1125 kg wirkt der DB2 aber eher kräftig als schnell

NAMENSZUG "DB" steht für David I3rown, den damaligen Besitzer der Firma. Der Zusatz "Vantage" adelt die jeweils stärkste Ausführung Biner Baureihe. Der DB2 Vantage hatte 125 PS (187 km/h Spitze) und stand ab Januar 1951 zur Verfügung


MOTOR RAD:: FÜHRERSCHEIN

Die Biker-Saison geht los und Sie wollen dabei sein. Nur der Führerschein fehlt noch? Den haben Sie in . einer WOCHE, yersprechen einige Fahrschulen. Wir sagen, worauf Sie bei Intensivkursen achten müssen

ZUM FUHRERSCHEIN Die Idee • Auf dem Motorrad über die Dörfer brettern und eine Dosis Rock'n'Roll-Lebensgefühl inhalieren. Wollten Sie eigentlich schon vor 15 Jahren. Aber damals waren Sie wohl einfach zu vernünftig. Außerdem hat Ihre Freundin ständig Unfallstatistiken zitiert und gefragt, wo der Kindersitz hin soll. Aber jetzt, jetzt endlich ist die Zeit reu, den Kleinwagen gegen die ganz große Freiheit einzutauschen. Alles, was Ihnen noch fehlt, ist der Motorrad-Führerschein. Den brauchen Sie, und zwar sofort.

Der Haken • Sie fangen morgens um acht an zu arbeiten, kommen selten vor 20 Uhr nach Hause und 72 MATADOR

am Wochenende hätten Sie gern noch ein paar Minuten zum Leben. Ach ja, monatelang mit merkwürdigen Leuten in einer Fahrschule herumzuhängen kommt schon mal gar nicht in Frage.

Die Lösung • Ein Kurs bei einer Intensivfahrschule. Deren Angebot: in einer Woche zum Motorraclführerschein. Klingt schon mal gut.

Die Voraussetzungen • Gar nichts geht ohne: einen Erste-HilfeKurs, einen Sehtest und zwei Passfotos. Sollte die Fahrschule nicht in Ihrem Heimatort liegen, müssen Sie bei Ihrem zuständigen Einwohnermeldeamt eine Ausnahmegenehmigung dafür beantragen, dass


Sie den Führerschein in einer anderen Stadt machen. Wichtig: Unterschätzen Sie den Druck nicht, der sich durch eine vorgegebene kurze Ausbildungszeit aufbauen kann.

Die Fahrschule • Bereits bei der Anmeldung wird ersichtlich, wie seriös die Fahrschule ist. Gibt man Ihnen genaue Auskunft über Fahrzeugtypen, Theorie- und Praxisausbildung, Übungsgruppengröße (es sollten nie mehr als vier Personen sein!) sowie Preise? Sind die Fahrstunden solo? Bietet die Fahrschule ein beschleunigtes Verfahren bei der Bearbeitung der Papiere im Straßenverkehrsamt an? Gunter Wiegand, seit mehr als 20 Jahren Fahrlehrer, bildet in Leverkusen jedes Jahr über 200 Fahrschüler innerhalb von ein bis zwei Wochen in allen Führerscheinklassen aus: "Wir können in bestimmten Fällen Eilanträge stellen. Dann sind die Papiere in rund zwei Wochen fertig und die Prüfung kann gemacht werden."

Das Programm • Da der Unterricht von morgens bis abends läuft, empfiehlt es sich, in der Nähe eine Unterkunft zu suchen. Manche Fahrschulen kümmern sich sogar um entsprechende Zimmer. In der Regel beginnt der Tag mit zwei Doppelstunden a 45 Minuten Theorie. Nachmittags steht dann die Fahrpraxis auf dem Programm. Mit dem Motorrad geht es zunächst auf den Übungsplatz, um ein Gefühl für die Maschine zu entwickeln. Erst danach wird der Schüler in den Straßenverkehr entlassen.

Der Preis • "Die Kosten für den Intensivkurs sind unterschiedlich", so Wiegand. Hängt halt nicht unwesentlich vom Talent und Aufnahmevermögen des Fahrschülers ab. 1500 Euro sind ein grober Richtwert, wenn man von 15 statt der gesetzlich aIs Mindestanzahl vorgeschriebenen zwölf Fahrstunden ausgeht. Wiegand, der auch Fußballspielern von Bayer Leverkusen ~

Adrenalin.


DAS VORSPIEL ÜBEN Anders als in der Pkw-Ausbildung wird zuerst auf einem Übungsplatz die Geschicklichkeit trainiert, ehe es in den Straßenverkehr geht

wie etwa Gonzalo Castro und Mohammed Lartey das Fahren beigebracht hat, geht lieber auf Nummer sicher: "Wer schon Erfahrung auf dem Motorrad hat, kann es natürlich auch in zwölf Stunden schaffen, dann wird es entsprechend billiger", fügt er eher zögernd hinzu. In dem Basispreis sind die Grundgebühr, das Lernmaterial, der theoretische Unterricht von 20 Doppelstunden und die Prüfungsgebühren enthalten. Wer nicht besteht, kann die Prüfung nach zwei Wochen wiederholen. "Die Durchfallquote ist bei den Fahrschülern, die ihre Ausbildung in einer Woche durchziehen, auch nicht höher als bei denjenigen, die sich Monate Zeit lassen", weiß Wiegand.

• Sind in den Kosten die Grundgebühr, das Lernmaterial, die gesetzlich vorgeschriebenen 16 Theorie- und zwölf Fahrstunden sowie die Prüfungsgebühren enthalten? • Kümmert sich die Fahrschule um eine beschleunigte Bearbeitung der Papiere? • Können die Pflichtzahlen der Theorie- und Praxisstunden wirklich in sieben Tagen erreicht werden? • Ist die Gruppe nicht größer als vier Leute pro Fahrlehrer und sind die Fahrstunden solo? • Organisiert die Fahrschule auf Wunsch Übernachtungsmöglichkeiten? • Fragen Sie nach, ob Sie unverbindlich an einer ;,Schnupperstunde" Theorie teilnehmen können und entscheiden Sie dann • P.S.: Fahrschulen mit einem Angebot an Intensivkursen findet man unter www.fahrschu/en.de l!J


Einsteiger-Outfit F端hrerschein bestanden, MOTORRAD bestellt? Dann k端mmern wir uns mal um die Klamotten

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DRECK, DELLEN UND 180 PS. EINE NACHT MIT DEN MÄNNERN DES HÄRTESTEN BIKER·CLUBS DER REPUBLIK

76 MATADOR

in flammenumrahmter Totenschädel auf einem schwarzen Rolltor. Darüber hängt ein schwarzes Motorrad. Darunter steht in weißer Frakturschriit "La Vida Loca", das verrückte Leben. Ein Industriegebiet im Nordosten der Republik. Hier boomte einst die sozialistische Volkswirtschaft. Das heißt, sie sollte boomen. Heute gibt es fast nur noch Ruinen. Und "die Halle". Das ist die Heimat von "Commander", "Dobro", "Pelzi" und Co. Zehn Männer zwischen 25 und 43, die zumindest in ihrer Freizeit keine Lust auf bürgerliche Namen haben. Im echten Leben verdienen sie ihr Geld als Trucker, Feinmechaniker oder Zimmermann. Und danach sind sie hier. In der Halle. Sie nennen sich"WÜST. 7". So hieß der Ort hier, die ehemalige "Wärmeübergabestation 7", einst im Volksmund.

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In der Halle ist es lausig kalt. Es riecht nach Benzin und Metallverarbeitung. überall Motorräder und gediegene US-Kreuzer. Die Stars der Sammlung stehen vor den Werkbänken: die Streetfighter. Mattschwarze Motorräder, Fahrmaschinen jenseits der Serienfertigung. Fell statt Sitzbank, Stummelheck, Plastikverkleidungen und sonstiger Schnickschnack feWen. Dreck und Schrammen nicht. Sie sehen kraftvoll aus und etwas verbraucht. Wie Zuchtbullen auf dem Altenteil. Aber sie laufen. 180 PS bei 180 Kilo. Zeit mit Putzen zu vertrödeln kommt nicht in Frage. Lieber die Leistung optimieren. Schnell muss ein Motorrad sein. Was ist schnell? Alles ab 250 km/ho Die Maschinen haben Lenkungsdämpfer. Die halten das Vorderrad bei hoher Geschwindigkeit ruhig und verringern das Risiko, nach ~


einem Whedie die Kontrolle zu verlieren. An den alten Stahlschränken hängen Bilder von Frauen, Motorrädern oder Frauen mit Motorrädern. Ein Plakat zur Hallenparty verspricht: "Es wird wieder wüst. Livemusik, Strip, Burnout. Und ansonsten alles wie immer. Bei Rückfragen Tel. UO." Eine lebensgroße Papp-Gina-Wild lächelt von oben freundlich herab. Unter ihr schraubt der C01?IDander. Er ist groß, schlank und der

EINER KIPPT BENZIN IN EINE COLAFLA~.CHE,

DIE UBER DEM BIKE HÄNGT: SEIN BASTELTANK

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energis'ch. "Tagsüber arbeite ich ganz normal und abends geht es richtig ab." Heute nicht. Er muss los. Nachtschicht. Als Betreuer in einer Behindertenwohngruppe. Dobro ist 32, seine Stimme klingt nach Laphroaig ohne Eis. Er öffnet eine Bierflasche mit den Zähnen. Vor seinen Füßen liegt sein Bullterrier Spencer. "Hier kann ich mit einem neuen Auto ankommen, ohne dass mich jemand nach dem Verbrauch-fragt", erklärt er.

Jüngste in der Runde. Sein schwarzes UngeSchließlich würde er selbst ja auch viel Sprit tüm steht auf der Arbeitsbühne. Tank, Sitzverbrauchen. Gelächter. bank und Luftfilter sind abgebaut. Darunter Von einigen Bürgern der 55.000 Einwohnerein Berg Schrauben. Der 25-Jährige ist ebenso stadt Greifswald werden die Männer von schwarz wie sein Motorrad. Zumindest, was WÜST. 7 skeptisch bestaunt. Aber in der Hall Kleidung und Hände angeht. Zur Lederjacke sind sie ja außer Sichtweite. Und sie genießen trägt er eine Zunfthose und schwere Stiefel. ihren Ruf und den Respekt. Ein Motorradclub Die Uniform der Motorradfahrer. Angefangen , wären sie jedoch nicht, das ist dem Comhat der Commander mit einem Berlin-Roller. mander und den anderen wichtig. Sie sind Von seinem Jugendweihe-Geld hat er ihn Freunde. Das Entscheidende sei der Zusamgekauft und restauriert. Mit 14. Jetzt füllt er menhalt. Bezahlt wird für Gefälligkeiten nie. Sprit in eine halbe Colaflasche, die über seiner Höchstens mal mit Bier. Am liebsten aber mit Maschine hängt. Der Basteltank. Gegenleistungen. Diese Solidarität, da sind sie Hinten ist der "Saloon". Etwa 20 Quadratsich sicher, ist ein Relikt aus DDR-Zeiten. Sie , meter groß mit niedriger Decke. Lübzer Pils, sind alle im wilden Osten groß geworden. Wodka und Rum stehen auf dem Couchtisch. Mitternacht. Das Motorrad des Commanders Man sitzt auf alten Sofas. Es ist laut, es wird läuft. Wenige Augenblicke später brennt er gelacht und geredet. Über Partys, Mädchen schwarze Kreise auf den Asphalt. Gasgeben, und natürlich Motorräder. Einem ist gerade bis der Hinterreifen mit einem dumpfen Knall mit 230 km/h bei Regen die Kette gerissen. Er platzt. Das ist ein schönes Finale, aber manchmal etwas schmerzhaft. Seine Freundin habe hatte Glück. Die Kette verfing sich im Schaltihm mal mit der Pinzette Drähte aus dem gestänge und nicht in seinem Bein. Warum er Hintern ziehen müssen, die sich aus dem bei Nässe 230 fährt, wird nicht weiter erörtert. Reifengeflecht gelöst hatten, erinnert er sich Neben ihm sitzt Schmidti. Auf dem Rücken hat er ein riesiges Tattoo. Vorlage war ein Bild und verzieht dabei keine Miene. Nachts um von ihm, das unser Fotograf vor ein paar zwei kommt der Hunger. Bremsenreiniger ist Wochen gemacht hatte. Warum es gerade das der beste Grillanzünder. Es gibt Schaschlil( mit Toast. "Mal wieder ein geiler Abend Motiv sein musste? "Weil es das originale geworden", findet Dobro. ~ Leben widerspiegelt", antwortet Schmidti


rln DIE LESER DER "BILD"ZEITUNG WÄHLTEN DAS "MONTAGSMÄDCHEN 2007". SIEGERIN: SABRINA AUS REESSUM. IHR PREIS: EIN SHOOTING IN MATADOR


MISS MATADOR:: SABRINA .


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Sabrina liebt das beschauliche Landleben aber auch heiße Nächte in der Disco f

abrina, geht's dir gut? Ich glaube, das ist mein Jahr! Zu Silvester wurde ich zum Bild-Montagsmädchen des Jahres 2007 gewählt. Und jetzt bin ich auch noch Miss MATADOR ... Wie reagiert deine Umgebung auf deine ErotikOffensive? Meine Freunde waren ganz schön überrascht, diese Seite an mir zu entdecken, aber sie fanden's toll und mutig. Und die Nachbarn in unserem winzigen Dorf grüßen mich immer noch freundlich. Weil ich ein braves Mädchen bin, habe ich aber vor dem Aktshooting meine Eltern gefragt, ob sie einverstanden sind. Sonst hätte ich mich nicht getraut. Es ist sicher schön, so viel Aufmerksamkeit zu bekommen. Zurzeit wollen wildfremde Menschen Autogramme von mir. Dieser Glamour ist mir neu, aber ich genieße es. Stehst du auf Gegensätze? Die Romantikerin in mir liebt das Landleben, die saftigen Wiesen hier oben im Norden, auf denen nur ein paar Kühe stehen. Am Wochenende aber mache ich in der Stadt die Nacht zum Tag und tanze, bis die Sonne aufgeht. Meinen ersten Kuss bekam ich übrigens in der Disco - und nicht im Kornfeld.

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86 MATADOR

Auf dem Dancefloor geht dein Temperament mit dir durch? Nicht nur da. Gas zu geben liegt mir. Wenn ich mal richtig aufdrehen will, leihe ich mir ein Cabrio und düse ans Meer. Die Haare wehen lassen und salzige Luft atmen - das macht die Sinne frei. Was magst du an Männem? Wenn sie gut bestückt sind, finde ich das sehr sexy. Wie dürfen wir das denn verstehen? Meine Mutter erzählt, dass ich schon als kleines Mädchen gerne Wrestling im Fernsehen sah. Je hünenhafter, muskulöser und männlicher die Kerle waren, umso lieber sah ich hin. Du bevorzugst also Männer aus der oberen Gewichtsklasse? Ja. So einer kann mich mit meinem Fliegengewicht von 49 Kilogramm locker mit einem Arm in die Luft heben. Kraft ist für mich das höchste der Gefühle.

. Falls Sie sich als Miss MATADOR bewerben wollen, schicken Sie Ihre Unterlagen bitte an: Heinrich Bauer Smaragd KG, Bettina Siegwart, Charles-de-Gaulle-Straße 8, 81737 München oder per E-Mail an

miss.matador@matador-magazin.de


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SPORT:: FUSSBALL

Oben: Torwart Iker Casillas begann bereits als Achtj채hriger in der Jugend von Real. Rechts: Vor dem Bernaoou-Stadion. Unten: Die FIFA k체rte Fabio Cannavaro 2006 zu Europas FuBballer des Jahres. Cannavaro, der im gleichen Jahr f체r 20 Millionen Euro von Juventus Turin zu Real wechselte, war der -erste Verteidiger seit Franz Beckenbauer (1972), der derart geehrt wurde


Jorge Valdano Als Spieler schoss Valdano zwischen 1984 und 1987 40 Tore für Real und wurde je zweimal Spanischer Meister und UEFACup-Sieger. Von 1994-1996 war Valdano Trainer bei Real (Meister 1995). Als Sportdirektor baute er den Verein bis Mai 2004 in ein global agierendes Unternehmen um. Valdano, 52, hat Jura studiert, arbeitet als Unternehmensberater in Madrid und leitet die Escuela de Estudios Unversitarios, eine Art Fußball-Universität, gegründet von Real und der Europa-Universität Madrid

Oben: Ausverkauftes Bemabeu-Stadion. Links: Valdano als Spieler im Team von Real (vorn, 4v.li.), das 1985 und 1986 den UEFA-Cup gewann

seiior Valdano, Sie waren lange Jahre Spieler, Trainer und Sportdirektor von Real Madrid. Können Sie uns sagen, wie es sich anfühlt, den Rasen des Bemabeu-Stadions zu betreten - unter den Augen von 80.000 Zuschauern?

Einfach umwerfend! Real Madrid ist ohnehin der Inbegriff eines geballten Höhepunkts, und mit dem Wappen dieses Vereins aus dem Tunnel zu treten - hinein in eine Arena von so historischer Wucht - ist ein emotionales Erlebnis ohnegleichen. In Ihrem Buch Über fußball schreiben Sie: "Das Bernabeu ist ein Stadion, das die Charakterschwachen verschlingt und auch den Starken sein Gesetz aufzwingt." Das klingt fast nach sozialdarwinistischem Gladiatorenkampf. Ich werde Ihnen er-

klären, warum ich solche Metaphern gebrauche: Nachdem ich 1984 zu Real stieß, gewannen wir zweimal den UEFACup - unter völlig spektakulären Umständen. Wir haben unsere Auswärtsspiele hoch verloren. Ich erinnere mich an ein 1:5 in Mönchengladbach ... Doch ganz gleich, wie vernichtend unsere Niederlagen in der Fremde waren, im Bernabeu-Stadion haben wir sie jedes-

mal wieder wettgemacht. Wir haben unsere Stärke aus der riesigen Euphorie bezogen, die das Publikum uns entgegenbrachte. Das ist die geheime Macht des Bernabeu-Stadions, die den Gegner immer wieder einschüchtert. Was war Ihr erster Eindruck, als Sie 1984 als Spieler von Real laragoza zu Real Madrid wechselten? Hatten Sie gleich das Gefühl, bei einem ganz besonderen Verein gelandet zu sein? Im Gegenteil! Als ich zu Real

Madrid stieß, hatte der Verein so große wirtschaftliche und organisatorische Probleme, dass ich mich in den ersten Wochen gefragt habe: Das soll das glorreiche Real Madrid sein? Für so etwas habe ich mich all die Jahre geschunden? Erst mit der Zeit habe ich den Unterschied gemerkt - nämlich als der damalige Abwehrspieler Camacho uns in der Umkleidekabine Dinge erzählt hat von einem Mann namens Pirri, der sie seinerseits von einem gewissen Amancio gehört hatte, und dieser wiederum von einem namens Di Stefano. Auf diese Weise haben sich in dieser Umkleidekabine über Generationen hinweg Werte überliefert - Werte, die Real

Madrid zu einem ganz besonderen Club machten. Der Hauptwert war: Wir sind eine Gewinnermannschaft! Wenn man bei Real Madrid Mist baute, konnte man niemandem die Schuld dafür in die Schuhe schieben - weder dem Schiedsrichter noch dem Wetter noch irgendeiner Pechsträhne. Wenn man bei Real Madrid versagte, war man einfach ein Rohrkrepierer. Sich dessen bewusst zu sein, verleiht unseren Spielern, davon bin ich überzeugt, noch heute ein unglaubliches Plus an Kampfgeist. Als Sie das erste Mal mit den etablierten Spielern in der Umkleidekabine waren, fühlten Sie sich da unsicher? Mein erstes

offizielles Spiel war das Meisterschaftsspiel gegen den FC Barcelona. Ich hatte extrem hohe Erwartungen an mich selbst. Schließlich war ich der einzige Neueinkauf, den Real in diesem Jahr getätigt hatte. Aber dann habe ich mir dummerweise eine halbe Stunde vor dem Spiel beim Aufwärmen einen Muskelriss zugezogen. Ich überlegte fieberhaft, ob ich meinen Mitspielern überhaupt etwas sagen sollte, weil ich mich natürlich unglaublich geschämt


Links: Umkleidekabine von Real Madrid. Auf den Wandschränken sind die Porträts früherer Real-Stars. Aktuelle Spieler dürfen sich ihr Lieblingsfoto aussuchen. Daneben: Das Real Museum im Bernabeu Stadion ist das dritthäufigst besuchte Museum Spaniens. Unten: Bernd Schuster ist seit 2007 Real-Trainer

"Wie Dlan Sich iDl Trikot von Realfühnp Michag. Wie ein Krieger, der lIIiI deDl Heer Alexanders des Großen ins feld ziehr habe. Ich konnte danach zwei Monate nicht spielen und war krankgeschrieben, aber gleich beim ersten Match nach meiner Genesung schoss ich drei Tore gegen Espanyol Barcelona.

Und Chelsea? Der FC Chelsea ist eine Frau, die von ihrem Ehemann lebt. Eine, die unter keinen Umständen arbeitet und sich von Herrn Abramowitsch aushalten lässt (lacht).

Gibt es einen speziellen Initiationsritus, wenn man als Spieler bei Real Madrid anheuert?

Sie sind gebürtiger Argentinier. Haben sich Ihre Mitspieler niemals über Ihre Nationalität lustig gemacht? Argentinierwitze sind im spanischsprachigen Raum ja geradezu ein Standard, Argentinier gelten als eingebildete Gei:ken ••. Natürlich, ich wurde permanent verarscht (lacht) ... Über die Kolonial-

Nein. Der einzige Ritus besteht darin, sich das Trikot überzustreifen und auf der Höhe dessen zu sein, was man leisten kann. Wie fühlt man sich, wenn man sich das Trikot von Real Madrid überstreift? Mächtig! Wie

ein Krieger, der mit dem Heer Alexanders des Großen ins Feld zieht. Nehmen wir mal an, .Real Madrid wäre eine Frau. Welchen Charakter hätte sie? Einen

starken! Sie wäre ungeduldig, aufbrausend und eifersüchtig - eine Frau, mit der es sehr schwer ist zusammenzuleben!

geschichte werden schließlich immer Witzchen gemacht. Einer lautete beispielsweise: "Was macht ein Argentinier, wenn er Selbstmord begehen will? Antwort: Er steigt auf sein Ego hinauf und stürzt sich hinab."

Welcher Typ Frau wäre Bayern München?

Reals größter Rivale ist der FC Barcelona. Welche Gefühle haben Sie diesem Club gegenüber? Ich glaube, dass Barcelona

Nun ... Bayern München wäre fast ein waschechtes Weiberregiment, weil dieser Club wie eine Fresszelle alles um sich herum aufmampft, aufkauft und sich einverleibt, nur um seine Umgebung möglichst schwach zu halten.

für Real Madrid sehr viel weniger ein Rivale ist als umgekehrt. Man hat bei Barcelona stets das Gefühl, sie verzetteln sich in ihrer Feindschaft zu Real Madrid. Real Madrid will die Meisterschaft, der FC Barcelona dagegen ist immer nur

versessen darauf, Real Madrid zu besiegen. In vielen spanischen Regionen wird Real Madrid eher gehasst als verehrt. Woran liegt das? Barcelona hat es geschafft, die

ideologische Schlacht gegen Real Madrid zu gewinnen. Ständig wird behauptet, dass Real Madrid mit der Staatsmacht und der poli~ischen Rechten verbunden ist - ein sehr ungerechter Vorwur( der mit der Ära der Franco-Diktatur zu tun hat. Spieler von Real Madrid müssen ständig mit dem Vorwurf leben, dass ihr Club das Lieblingskind der spanischen Faschisten war, obwohl der Verein nach Francos Putsch siebzehn Jahre benötigte, um wieder spanischer Meister zu werden. Und im Ausland hat Real Madrid fünf Mal hintereinander den Europapokal gewonnen - zu einer Zeit, als Franco absolut nichts galt. Die Kraft von Real Madrid ist ausschließlich sportlich, nicht politisch. ~


Links: Die "Ultras Sur", benannt nach ihrem Standort auf der Südtribüne des Bernabeus, sind für die Stimmung im Stadion verantwortlich. Rechts: Real jubelt mit zeitweise bis zu neun Punkten Vorsprung in der spanischen Liga. Unten: Real-Stars von heute und gestern als Uhr

Real Madrid kümmert sich sehr um seinen Nachwuchs. Beschränkt sich dieses Engagement rein aufs Sportliche? Real Madrid

vertritt starke Werte. Früher sprangen diese Werte spontan auf die nächste Generation über, heute versuchen wir, sie durch Unterrichtseinheiten und Informationen zu vermitteln. Junge Spieler sollen wissen, was sie repräsentieren, wenn sie sich ein Trikot von Real Madrid überziehen. Wir wollen nicht, dass sie Nebensächlichkeiten - beispielsweise irgendwelches Merchandising mit der Hauptsache verwechseln. Wer war der beste Spieler, den Real Madrid je hatte? (Überlegt lange. I Zidane. Warum? Er ist ein Fußballer mit einer

perfekten Beziehung zum Ball, zum Raum und zu den Mitspielern. Er spielt nicht nur, er zwingt auch die anderen dazu zu spielen. Trotz seiner kurzen Zeit bei Real Madrid hat er große Erinnerungen hinterlassen. Und dann muss man natürlich noch Alfredo Di Stefano nennen, den ich leider nie persönlich kennen gelernt habe. Wenn wir von den Werten Real Madrids reden, dann reden wir über Alfredo Di Stefano. Die Werte von Real Madrid sind die Werte Di Stefanos. Was sind das genau für Werte? Völlige Hingabe, Aufopferung, ständige Suche nach Perfektion, Anerkennung der

Macht des Clubs, die wichtiger als jeder Einzelne ist. Das Problem der "Galaktischen", also dem Team mit Figo, Zidane, Ronaldo, Beckham und den anderen bestand' darin, dass einzelne Spieler damit begonnen haben, diese Gesetze zu missachten. Wie beurteilen Sie die Deutschen, die im Laufe der Jahrzehnte bei Real Madrid gespielt haben? Günter Netzer, zum Beispiel? Netzer

ist mir sehr symphatisch und ein Spieler, wie man ihn in Deutschland kaum mehr findet - technisch exzellent und ein großartiger Stratege. Paul Breitner? Eine Persönlichkeit für sich. Ganz egal, in welcher Position er spielte, er war immer Führer. Ulrich Stielike? Stielike war vielleicht derjenige, der den von mir beschriebenen Werten Real Madrids am allernächsten kam. Bei uns hieß er nur "der Panzer", und die spanischen Fans feierten ihn in jedem Spiel mit dem Kriegsschrei "Uli-Uli!". Bernd Schuster? Der beste Mittelfeldspieler aller Zeiten. Grundsätzlich lässt sich sagen: Es gab keine schlechten deutschen Spieler bei Real Madrid. Gilt das auch für Bodo IIIgner, der gegen Ende kaum noch im Tor stand? (Zögerlich.) Ja,

auch ... Er erfüllte seine pflicht. Leider hatte er das Pech, auf Iker Casillas zu treffen, der ein Torhüter-Phänomen ist.

Und Christoph Metzelder? (Seufzt.) Über ihn wissen wir leider noch nichts Genaues. Er hat große körperliche Probleme (schweigt langeI Wir müssen Mitleid mit ihm haben . Als Sportdirektor von Real Madrid haben Sie 2003 David Beckham geholt. In welcher Funktion war Ihnen Beckham wichtiger, in der des Fußballers oder in der des Popstars?

Nun, er hat zumindest den Fußballdirektor genauso glücklich gemacht wie den Marketing-Chef (lachtl. Wie kamen Sie damals eigentlich auf den Gedanken, 200 Millionen Euro in Megastars wie Zidane, Ronaldo, Beckham und Co. zu investieren? Das war eine wirtschaftliche

Notwendigkeit. Das müssen Sie uns erklären. Gern. Als ich

hier als Sportdirektor anfing, hatte Real 300 Millionen Euro Schulden. Wir verkauften Grundstücke und Gebäude, um die Verbindlichkeiten zu reduzieren. Und wir entwickelten das Konzept der "galacticos", der Überirdischen. Der Plan war, jedes Jahr einen Weltklassspieler zu holen, um eine globale Marke Real Madrid zu schaffen. Parallel sollten junge Talente in die erste Mannschaft eingebaut werden. Ein erfolgreiches Konzept? Ohne jede Diskussion, ja! Real hat heute 100 Millionen auf dem Festgeldkonto und 2007 fast 50 Millionen Euro Gewinn gemacht. Nicht trotz der Stars, sondern nur ihretwegen.


Millionen Euro. So viel zahlte Real 2001 an Juventus Turin für Zinedine Zidane. Der teuerste Transfer aller Zeiten.

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Titel in der Champions League und im Landesmeister-Cup. Kein anderes Team kann da mithalten. Ebenfalls unerreicht: 21 Halbfinalteilnahmen in der Champions League.

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Millionen Euro Umsatz machte Real Madrid 2007. Kein anderer Verein der Welt kann es damit aufnehmen.

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"Real Madrid iSt ein Mvlhos, und mn jedem Tag werden die Legenden mehr" Als Real Madrid letztes Jahr Spanischer Meister wurde, beschwerten sich manche Kritiker über den langweiligen fußball, den der Trainer Fabio Capello spielen ließ ... Völlig zu Recht (lacht)! Capellos Fußball war

stinklangweilig. Was ist schöner Fußball? 000 Rehhagel hat einmal gesagt: "Wenn man geWinnt'" Man

muss sich nur ein Video von Maradona ansehen und man weiß sofort, was schöner Fußball ist! Oder ein Spiel von Arsenal London, in dem jeder Spieler Raum bekommt, sein Können zu zeigen - unbehindert von taktischem Kalkül, Spekulation und Konservativismus. Der Satz, dass beim Fußball Gewinnen das Wichtigste ist, ist ein völlig nichtssagender und dummer Allgemeinplatz! Hat man jemals schon gehört, dass beim Fußßall allein das Verlieren zählt? Als Griechenland unter otto Rehhagel die Europameisterschaft gewann, nannten Sie das eine "katastrophale Nachricht für den Fußball" ... Selbstverständlich! Wenn

eine Mannschaft gewinnt, die zurückweicht, die sich nicht der Gefahr stellt

und die kein Abenteuer sucht, dann wirft das den Fußball um fünf Jahre zurück. Wenn jedoch ein Team siegt, dessen spielerische Ästhetik unser Herz höher schlagen lässt, dann bringt das den Fußball um fünf Jahre voran, weil sich die anderen Mannschaften von der Ästhetik des Siegers anstecken lassen. Deswegen ist es so unglaublich wichtig schön zu spielen. Lässt Bernd SChuster einen schöneren fußball spielen als Capello? Nein, schön ist sein

Fußball noch nicht, aber zumindest offener und abenteuerlustiger als der von Capello. Was ist das größte Hindernis, das schönem Fußball im Weg steht? Angst. Angst ist der

Feind des Lebens und des Spiels. Trainer sind immer in Gefahr Angst zu haben. Wenn man Angst hat, denkt man mehr an das eigen~ Tor als an das gegnerische. Dann sucht man Spieler aus, die mauern, anstatt Spieler einzusetzen, die angreifen.

spanische Meistertitel holte Real seit der Gründung des Vereins 1902. Zum Vergleich: Der FC Barcelona gewann 18 Mal. Der deutsche Rekordmeister FC Bayern München kommt auf 20 Bundesliga-Titel

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In Ihrem Buch sprechen Sie von einer düsteren Fußballzukunft, in der die Spieler ferngesteuerten Robotern ähneln. Richtig, denn wir

befinden uns in einer Ära, in der die herausragenden, eigensinnigen und freigeistigen Spieler nach und nach aussterben. Die Mannschaften gleichen inzwischen Heeresmaschinerien, in denen Taktik über spielerisches Können siegt. Die ganze akademische Fußball-Ausbildung macht die mittelmäßigen Spieler zwar etwas besser, sie ruiniert aber die Genies. Wie wird Real Madrid im Jahr 2058 aussehen? Noch unangreifbarer, noch gigantischer. Die Schere zwischen den privilegierten, weltbeherrschenden Vereinen und den kleinen, städtischen Clubs wird mit jedem Tag größer. Real Madrid hat pro Saison 50 Millionen Euro Einnahmen für kleinere Vereine ist das natürlich vernichtend. So bleibt dann nur mehr die Frage, ob Real Madrid in der Liga Erster oder Zweiter sein wird. Gibt es irgendetwas, vor dem Real Madrid Angst haben muss? Nein, absolut nichts.

Real Madrid ist ein Mythos, und mit jedem Tag werden die Legenden mehr. ~


SPORT:: EXTREMSPORT

Die Frauen stehen trotz seiner merkwürdigen Frisur Schlange bei ihm. Er verdient Ein Hausbesuch bei Shaun Wbite, dem größten und verrücktesten

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Shaun Whites Haus steht in Rancho Santa Fe, einer wohlhabenden, hügeligen Enklave im Norden San Diegos. Die Haustür ist sperrangelweit geöffnet, ein Tapezierer parkt mit seinem Pick-up in der Auffahrt. Im Flur ein halb ausgepackter Koffer, aus dem Hemdsärmel und Hosenbeine wie Tentakel hervorquellen. Daneben ein Karton mit ShaunWhite-Decks. Auf einer Tischtennisplatte stapeln sich DVD-Hüllen (Die Eisprinzen, The Ladies Man und Scary Movie). Vor einer Treppe, die in den ersten Stock führt, liegt ein halb geplündertes Sixpack Toilettenpapier. Von oben dröhnt der dumpfe Sound einer extrem lauten Bass-Gitarre. Shaun White, der weltbeste FreestyleSnowboarder, der im Nebenjob auch noch Skateboard-Profi ist, klopft in einem mit schwarz-weißem Samt tapezierten Proberaum auf seinem 94 MATADOR

Instrument herum. Seven Nation Army von den White Stripes. Whites Füße stecken in Socken unterschiedlicher Farbe, er schwitzt, Strähnen seines roten Haares hängen in seinem Gesicht. Shaun White rockt. Das Haus hat er vor über einem Jahr gekauft, das Bewohnen gestaltet sich jedoch schwierig. Den größten Teil seiner Zeit verbringt der Snowboard-Olympiasieger von 2006 im Flugzeug. Irgendwo ist immer ein Wettkampf, ein Sponsor, der mit ihm einen Werbespot drehen will oder, wie heute, ein Auftritt bei einem Baseballspiel. Im Stadion der San Diego Padres soll White den ersten Wurf machen. Ein Job mit hoher Verantwortung. White will deshalb gleich in den Garten. Üben. Die Ap.kunft des gerade mal 1,73 Meter großen White in der eingezäunten Siedlung klingt nach dem Stoff für eine Sitcom. "Die Nachbarn meinten: ,Wir

haben dich beobachtet und uns gefragt, wann deine Eltern hier auftauchen"', erzählt White. "Da war mir klar, die vertrauen mir nicht." Das musste sich ändern.

WIDte versuchte, sich in seinem Viertel beliebt zu machen. Mit mittelmäßigem Erfolg. Zunächst einmal zog er die Nachbarn beim Tischtennis ab. Als ihn ein älteres indisches Paar zu sich nach Hause einlud, kochte die Frau, so White, ein "authentisches Gericht", während White ihren Mann an seiner eigenen Tischtennisplatte auseinandernahm. Dann spielte er eine fünfköpfige Familie in Grund und Boden, ein Familienmitglied nach dem anderen, bis er schließlich im Finale den Vater besiegte. Ein paar Tage später wickelte White seinen (ersten) Lamborghini um einen Baum. Der Nachfolger, ein Exemplar in Perlweiß, parkt auf ~


SPORT:: EXTREMSPORT

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»TRANEN Verletzlmgen: Zwei Armbrüche, ein Schädelbruch, ein Beinbruch, ein gerissenes Kreuzband. "Nichts Ernstes also", findet White

einem fleckenlosen Garagenboden aus lackiertem Holz. "Oh Mann", stöhnt White, als er sich an den Unfall erinnert. ,,Ich kam um die Ecke hier in der Straße und dachte, okay, ich bin vielleicht ein bisschen schnell unterwegs. Und dann bin ich einfach zur Seite geschlittert und habe nur noch Nacht und schwarzen Rauch gesehen. Mein Nachbar kam sofort rausgerannt. Ich war ihm noch nie begegnet und meinte nur: Hi!" Aber wer braucht schon Nachbarn, wenn man ein Star ist? Jeden Tag warten ein Dutzend junger Mädchen vor seiner Tür. Manche hinterlassen auf dem Garagentor mit Kreide eindeutige Botschaften, andere Einladungen zur Abschlussparty. Im September ist White 21 geworden, von Erwachsenwerden war auf der Party, die er zu diesem Anlass in Las Vegas gab, nie die Rede. Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb gibt es zurzeit keinen besseren Snowboarder auf der Welt als White. Erst im Januar gewann er zum siebten Mal Gold bei den Winter X Games, dem größten und wichtigsten Extremsportevent der Welt. Auch auf dem Skateboard fährt White auf Topniveau. In seiner Spezialdisziplin, dem Vert (Vertical) Skating, holte er sich im letzten Jahr Gold bei der Sommer-Ausgabe der X Games und gewa~ den Dew Tour Cup. "Er macht sie alle platt", sagt kein Geringerer als Tony Hawk, die Skatelegende.

White stellt den Bass neben den Verstärker. Ab in den Garten. Werfen üben. Da kein Baseball aufzutreiben ist, trainiert der Multimillionär (geschätztes 96 MATADOR-

scheitern? Damit kann sich der ans Gewinnen gewöhnte White nicht abfinden. Ich habe mir gesagt: "Du ziehst das jetzt durch, du bist bei den Olympischen Spielen", erinnert er sich, während er im Garten nach dem Tennisball sucht.

Der Olympiasieg machte White zum Superstar. Kaum ein Tag vergeht, an dem sein Gesicht nicht bei MTV oder einem anderen TV-Sender zu sehen ist. Und der Postbote liefert noch immer Briefe aus, die an "Shaun White, Olympiafahrer" adressiert sind. White hat über ein halbes Dutzend millionenschwerer Werbeverträge. Red Bull, HP, American Express. Eine Kreditkartenfirma dreht einen Spot mit ihm. Regisseur: Martin Scorsese. Wie kein anderer Snowboarder Jahreseinkommen zehn Millionen USDollar) mit einem Tennisball. Der erste . vor ihm fasziniert White die Massen. Selbst ein Pro-Fahrer wie Jeremy Jones, wurf landet im Pool, der am Rande der über Wettbewerbe die Nase rümpft eines Felsens abrupt in einen Wasserfall und lieber um den Globus reist, um Freeübergeht. Der nächste im leeren Whirlstyle-Filme zu drehen, als "sich von pool, in dem man auf einem riesigen irgendjemandem beurteilen zu lassen", ausfahrbaren Bildschirm DVDs schauen zollt Whites Leistung Respekt. ,,Im Wettkann. Wie kommt White zu so einem bewerbssport ist White der beste SnowLeben? boarder, den es "je gegeben hat", sagt Alles begann damit, dass die Whites Jones. "Und die Wahrheit ist ja, dass er zu Shauns sechstern Geburtstag ein Trampolin kauften. Vater Roger machte dem Sport Geld bringt. Es kann durchaus einen Salto und seinen Sohn ehrgeizig. sein, dass Leute nur deshalb einen Snowboardladen betreten, weil sie Shaun auf "Den Rest des Sommers verbrachte ich ESPN gesehen haben." damit, einen doppelten Salto hinzubeKaum zu glauben, dass White denkommen. Ich fand es so entspannend kopfüber in der Luft zu hängen." Ungenoch an seinen Fähigkeiten zweifelt. Zumindest heute. Das mit dem Skatefähr zur gleichen Zeit begann seine boarden liefe noch nicht ganz so optiLiebe zum Snowboarden. Ständig mussten ihn seine Eltern in die Berge mal, findet er. Bei einem Wettkampf kutschieren und durch den Schnee vor einiger Zeit sei er sogar mal auf dem neben der Pipe hochtragen. Die Nächte letzten Platz gelandet. Der Grund? "Zu verbrachte die Familie im kalten Miniviel Aufmerksamkeit, zu viel Wirbel, zu wenig Zeit für das Wesentliche", Van direkt an der Piste. Das Geld war knapp, aber Shauns Vater ahnte, dass antwortet White. "Ich hatte all diese sein Sohn genug Talent hatte, um einFotoshootings, Fernsehauftritte, Intermal davon leben zu können. Als Shaun views und dann dachte ich, okay, diese 13 war, brach er die Schule ab. Fortan Woche muss ich aber trainieren. Und unterrichteten ihn die Snow- und Skatedann rief aus heiterem Himmel jemand mit einem tollen Projekt an und ich board-Koryphäen Terje Häkonsen und Tony Hawk persönlich. dachte, das musst du einfach tun. Mittlerweile schaffe ich es aber, auch Mit Erfolg. Kaum 16-jährig, finanzierte White seinen Eltern ein stattliches einmal Nein zu sagen." Was White jedoch bis vor Kurzem Haus. Er war gerade Profi-Skateboarder nicht hinbekam, war etwas viel wenigeworden. Whites größter Erfolg bisher: ger Konkretes, weniger Definierbares der Gewinn der Goldmedaille bei den als sportlicher Erfolg - die AnerkenOlympischen Winterspielen in Turin nung seiner Konkurrenten. Besonders 2006. Fast wäre es nicht dazu gekombeim Skateboarden, wo er als eine Art men. Im ersten Qualifikationslauf Eindringling betrachtet wurde. stürzte White in der Halfpipe. Aber

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Der 1080er ist der schwerste Trick, den ein Skater in der Halfpipe vollführen kann: dreifache Rotation um die eigene Achse, kombiniert mit einem nStalefish", bei dem man in der Rotationsphase mit der hinteren Hand mittig an die Hinterkante greift

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»TROPHIEN Olympisches Gold, sieben Mal Gold bei den X Games (Snow- und Skateboard), nTicket to Ride World Tour"-Sieger und Gewinner der Action Sports Tour im Skateboarden

"Shaun kam als Snowboarder zum Skaten und wusste in den ersten Jahren nicht einmal, wie die Tricks heißen"} erzählt Tony Hawk, Whites Mentor} seit er ihn im Alter von sieben Jahren im YMCA-Skatepark von Encinitas (Kalifornienl kennen lernte. "Deshalb ist er bei manchen angeeckt. Er ist einer der besten Skater, aber er lebt eben nicht in der Szene. Erst im letzten Jahr hat er sich den Respekt der anderen Fahrer erworben." "Mittlerweile habe ich mehr Selbstvertrauen, das ging mir vorher beim Skaten total ab", sagt White selbst. "Ich glaube, ich habe mir allein dadurch mehr Respekt verdient, dass ich dabeigeblieben bin und die ein oder andere Schikane ausgehalten habe." Schikane? "Nichts wirklich Schlimmes", wiegelt White ab. "Man bekommt nur so einen seltsamen Vibe von den Leuten. Beim Snowboarden macht keiner aen anderen fertig, deshalb war ich das nicht gewöhnt. Von den fünf besten Skatern hat mir jeder Einzelne erzählt, dass er am Anfang nicht willkommen war. Man dringt in die Szene ein und irgendwann ist man ein Teil von ihr. Offensichtlich wissen sie jetzt, dass ich zum nächsten Event komme."

Fragt man Hawk, ob er es nicht für schlauer hielte, wenn "White sich auf einen einzigen Sport konzentrieren würde, widerspricht der laut: "Auf gar keinen Fall. Er kann beides!" Hawk ist sogar überzeugt, dass White der erste Skateboarder sein wird, der einen lO8Ger steht - einen Trick mit drei vollen Umdrehungen. "Ich glaube, dass Shaun der Einzige ist, der dazu in der Lage ist", sagt Hawk. "Er ist der Einzige, der es gewöhnt ist} sich so weit zu drehen, schließlich macht er das auch auf Schnee." White selbst will nicht darüber diskutieren, wann oder ob es dazu kommt. "Es sind so viele Drehungen und man ist nicht ans Brett geschnallt. Ich habe den Trick einmal bei den X Games versucht und ihn fast gestanden. Danach war es, als würden alle nur noch darauf warten} dass ich es tue. Es ist so viel schwerer, sich ein Datum auszusuchen und zu verkünden: Dann und dann tue ich es. Ich würde lieber einfach zu einer Rampe gehen und sagen: Okay} heute ist der Tag das Ganze zu filmen und hinter mich zu bringen." Der Wagen, der White zum Baseballspiel bringen ·soll, wartet in der Einfahrt. White hat das Outfit gewechselt. Er trägt jetzt Cordhosen, T-Shirt und eine mit

Diamanten besetzte schwarze Jacke. Während der Fahrt denkt er darüber nach) was im Leben eines 21-Jährigen, der schon fast alles erreicht hat, an Herausforderungen übrig bleibt. Stille} dann: "Ich will einfach nur der stärkste Mann der Welt sein und Gewichte stemmen." White grinst, doch er kölmte es ernst meinen. Im Stadion sind die Tribünen noch halb leer. Beim Gang Richtung VIP-Loge begrüßt White Bekannte. Er scheint fast jeden zu kennen - einen Chirurgen, der sein Knie operiert hat, eine junge Popcomverkäuferin, in die White} wie er zugibt, in der Grundschule verknallt war. White wirkt nervös. Ein Mann, der sein halbes Leben damit verbringt, in hoher Geschwindigkeit kopfüber durch die Luft zu fliegen, macht sich Sorgen, ob er es schafft, einen Baseball 18 Meter weit zu werfen. Doch sein Auftritt ist ordentlich. In der Loge wartet Whites Vater. Den verblüfft an seinem Sohn vor allem dessen Multitasking-Fähigkeit. "Es ist wie beim Videospiel Donkey Kong} wo die Fässer von jeder Seite kommen können, während man die Leiter hochklettere', findet er: " Ich dachte immer: Wie lange geht das noch gut? Aber es wird nur immer schneller und Shaun auch." ~ MATADOR 97


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WISSEN:: AHNENFORSCHUNG

REISE INS ICH Warum habe ich rote Haare? Wieso ist meine Familie so geworden, wie sie ist? Die Liste möglicher Fragen an die Vergangenheit ist endlos. Wer sich auf die Spuren seiner Vorfahren begibt, kann auf erstaunliche Antworten stoßen - neuerdings sogar per DNA-Test

Text: Julia Groß

Adrian Linder konnte kaum glauben, was er in der Museumsvitrine las: In einer historischen Zeitungsmeldung von 1906 hieß es, eine einfache Familie habe einen unvorstellbar großen Piratenschatz geerbt. Haargenau die Geschichte, die seine Großmutter immer wieder über den Urgroßvater erzählt hatte. Angeblich hatte er das Geld schließlich ausgeschlagen, weil Blut daran klebte. War an der Erzählung, die Linder nie so ganz geglaubt hatte, doch etwas Wahres dran? Wer in der Vergangenheit deutscher Familien gräbt, kann die sonderbarsten Geschichten zutage fördern. Die PiratenStory ist bei Weitem nicht das Haarsträubendste, was der TV-Sender ARTE im vergangenen Jahr nach einem Aufruf zur Einsendung ungelöster Familiemätsel erhielt. Eine Sippe will von einer Maya-Prinzessin abstammen, die am Hof von Ludwig XIV. gelebt habe. Eine andere Ahnin ist angeblich von einem Adeligen geschwängert worden und hat zum Ausgleich ein Patent für eine Haferflockenzubereitung erhalten. Eine dritte Familie wollte wissen, ob es wirklich wahr sein könne, dass ihr Vorfahr im Chor der Sixtinischen Kapelle das legendäre Miserere von Gregorio Allegri gesungen habe.

Es gibt viele Gründe, die Geschichte seiner Ahnen zu erforschen: Erklärungen dafür, dass die Familie so wurde, wie sie ist. Das schöne Gefühl, indirekt ein klein wenig am großen Rad der Weltgeschichte mitgedreht zu haben. Wurzeln finden, wo eine globalisierte Gesellschaft keine mehr bietet. Und die Suche nach der eigenen Identität, auf die das Leben der Vorfahren Einfluss gehabt haben könnte. "Es liegt offenbar in der Natur des Menschen, aus Neugier immer neue Türen aufzustoßen", sagt Historiker Andre Bechtold, der für ARTE den Familiengeschichten hinterherrecherchierte. Worin auch immer die Motivation zur Ahnenforschung liegt, sie scheint immer mehr und immer jüngere Deutsche anzutreiben. Jeder Zweite gab in einer Allensbach-Urnfrage von 2007 an, mehr über seine Vorfahren wissen zu wollen. Beim Ahnenforschungsportal verwandt.de wurden seit der Gründung im Juni vergangenen Jahres 700.000 Stammbäume hinterlegt, 60 Prozent der Benutzer sind unter 30. Dabei befinden sie sich in prominenter Gesellschaft. Schauspieler Nicolas Cage verriet der Frankfurter Rundscha;, er wolle per DNA-Test herausfinden, welchen Ethnien seine Vorfahren angehörten. Joschka Fischer verfolgte seinen

Stammbaum Dis zum schwäbischen Metzger Jacob Fischer ins Jahr 1740 zurück. Elvis spürte während seiner Stationierung als Soldat in Hessen entfernte Verwandte auf: die Presslers aus dem pfälzischen Hochstadt, deren Urahn Johann Valentin PressIer 1709 nach Amerika auswanderte. In den USA ist Familienforschung als Hobby schon lange so verbreitet wie Gartenarbeit oder Baseball. Schließlich stammt beinahe jeder Amerikaner von Immigranten ab. Das verspricht spannende Geschichten - die US-Bürger häufig auch in deutsche Archive führen. Auf Deutsche traf man dort bislang vergleichsweise selten: Der Ahnenforschung haftete seit der Zeit des Nationalsozialismus ein zweifelhafter Ruf an. Denn damals mussten alle Bürger beweisen, dass weder ihre Eltern noch ihre Großeltern jüdisch waren. Wer das nicht tat - oder jüdische Vorfahren besaß - wurde entlassen, enteignet und diskriminiert. "Erst die jungen Leute von heute haben eine vom Nationalsozialismus unbelastete Einstellung zur Ahnenforschung", sagt Sven Schmidt, einer der Gründer von verwandt.de. Tatsächlich erleichtern nun gerade jene so genannten Ariernachweise den Einstieg in die Materie. "Bis zu den Eltern der Urgroßeltern kommt man eigentlich recht problemlos", meint Andre Bechtold. Wo Ahnenpässe enden, bringen einen oft Anfragen in Standesämtern, die Geburten und Hochzeiten seit etwa 1880 aufzeichnen, weiter - oder Einträge in Kirchenbüchern. Über den letzten Aufenthaltsort und gegebenenfalls das Grab von gefallenen Soldaten im Ersten und Zweiten Weltkrieg führen die Deutsche Dienststelle, das Rote Kreuz und der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge riesige Datenbanken, die sich zum Teil auch online abfragen lassen. Überhaupt sind Daten zunehmend im Netz verfügbar. Die Vorreiter spielen in dieser Hinsicht die Mormonen, die unter familysearch.org kostenlos digitalisierte Kirchenbücher bereitstellen. Die Webseite durchsucht eine Milliarde Namenseinträge. Doch allein das Zurückverfolgen von Namen und Daten macht Geschichte nicht lebendig. Die weitaus größere Herausforderung ist es herauszufinden, wie die Vorfahren gelebt haben. Zumindest dann, wenn die Ahnen keine Aufzeichnungen wie Tagebücher, Briefe oder sonstige Unterlagen hinterlassen haben. "Gute Chancen hat man bei außergewöhnlichen Berufen", sagt die Hamburger Berufs- ~ MATADOR 99


WISSEN:: AHNENFORSCHUNG

Woher unsere Vorfahren vor Zehntausenden von Jahren kam.en, lässt sich aus unserer DNA ablesen

genealogin Andrea Bentschneider. "Über Künstler steht zum Beispiel oft etwas in der Zeitung. Bei Handwerkern kann man nach Aufzeichnungen der jeweiligen Zunft forschen." "Absolut wichtig bei der Recherche ist es, für alle Möglichkeiten offen zu bleiben", sagt Andre Bechtold. Vorgefertigte Meinungen entpuppen sich nämlich aller Erfahrung nach als purer Blödsinn. "Wann immer wir Aussagen wie ,Der Opa war Nazi' oder ,Wir sind Zigeuner' nachgeprüft haben, es hat nicht gestimmt", sagt Bechtold. Und auch typische Anekdoten wie "Unsere Vorfahren waren Raubritter und besaßen eine Burg im Rheintal" entbehren meist jeder historischen Grundlage. Das zu beweisen, kann sich allerdings zur Geduldsprobe auswachsen. Während einige Ämter Anfragen nach sechs Tagen beantworten, lassen sich andere sechs Wochen Zeit. Manche Archive kassieren für Kopien oder Abschriften ordentlich ab, viele haben seltsame Öffnungszeiten und noch seltsamere Regeln und Gepflogenheiten. "Es gibt Archive, da fliegt man raus, wenn man nur einen Kugelschreiber dabei hat", erzählt Bechtold. Sechs Stunden Archivarbeit, so sagen Historiker, sind so anstrengend wie zehn Stunden Büro. Und schnell vorbei, wenn man nicht glücklich über die richtigen Angaben stolpert. Wobei "richtig" ein relativer Begriff ist. Denn Urkunden wurden auch schon vor 100 Jahren gefälscht. Dass zum Beispiel ein Kloster stapelweise Papiere türkte, um sich Ländereien anzueignen, oder Ärzte Todesdaten nach hinten verschoben, um die Krankenhausrechnung zu erhöhen darauf muss man erst einmal kommen. Auch in der Neuzeit lauern auf Hobby-Familienforscher viele

Schwindler. "Manche Anbieter versprechen, für 60 oder 70 Euro alles über einen Familiennamen herauszubekommen. Was man bekommt, sind erfundene Angaben und abgeschriebene Telefonbucheinträge", sagt Andrea Bentschneider. Andere handeln mit Fantasie-Wappen oder verschicken horrende AboRechnungen für Fake-Datenbanken im Internet. Ein seriöses, wenn auch nicht ganz unumstrittenes Geschäft sind DNA-Tests. Sie erlauben einen viel weiteren Blick in die Vergangenheit als Ahnenpässe und Kirchenbücher - Zehntausende Jahre zurück. Durch die Untersuchung von Zellen aus der MunClschleimhaut, mit einem Wattestäbchen einfach zu entnehmen, lässt sich auf die geographische Herkunft der Urahnen schließen. Ein Abgleich der Ergebnisse mit anderen Test-Kunden verrät außerdem, wo auf der Welt noch Nachfahren dieser Urahnen, also ganz weit entfernte Verwandte, leben. Untersucht werden dabei verschiedene, medizinisch nicht relevante Bereiche auf dem Y-Chromosom oder der mitochondrialen DNA. Das Y-Chromosom besitzen nur Männer. 100 MATADOR

Ausschließlich die Mütter geben dagegen Mitochondrien weiter, Zellbestandteile mit einer eigenen DNA. Anhand der Mutationen, die sich auf diesen Erbgutabschnitten über Jahrtausende angesammelt haben, konnten Wissenschaftler die Ausbreitung der Menschen von ihrer "Wiege" in Afrika bis in jeden Winkel der Erde rekonstruieren. Die Kombination der Mutationen, die ein DNA-Test bei einem Kunden heute aufdeckt, lässt sich daher bestimmten Ur-Populationen zuordnen. Die Auswertung der DNA eines MATADORRedaktionsmitglieds besagt etwa, dass die Vorfahren der Mutter vor 55.000 Jahren aus der Region östlich des Schwarzen Meeres nach Zentraleuropa zogen. Heute leben diese Europäer mit der so genannten Haplogruppe U vor allem in Großbritannien, Irland und Südfrankrelch, aber auch in Nordafrika. Der DNA-Test, der ab etwa 120 Euro zu haben ist, kann aber auch exotischere Wurzeln enthüllen - in Arabien, Sibirien oder Polynesien zum BeispieL "Kunden kaufen solche Tests, weil sie etwas über ihre Herkunftsrasse erfahren wollen", kritisiert Deborah Bolnick, Anthropologin an der Universität von Austin, Texas. "Es existiert aber keine klare Korrelation zwischen der DNA eines Individuums und seiner Rasse. Viele wissen auch nicht, dass ihre Zuordnung zu einer bestimmten Population nur auf Wahrscheinlichkeiten beruht und deshalb nicht zwingend korrekt sein muss." Dennoch erfreut sich die DNA-Genealogie wachsender Beliebtheit. "Im deutschsprachigen Raum haben wir in eineinhalb Jahren 20.000 Tests durchgeführt, weltweit sind es über 175.000", berichtet Inma pazos von der Firma iGENEA. Auch wenn sich über diesen Weg nicht immer neue Verwandte finden, kann jeder Kunde zumindest die Forschung voranbringen: Das Genographic Project der National Geographic Society sammelt die Datensätze anonym, um die Wanderungsbewegungen der Menschheit detailliert zu kartieren. Eindeutig belegen DNA-Tests jedenfalls eines: Verwandt sind wir alle. Wenn auch vielleicht keine Nachkommen eines Sängers im Chor der Sixtinischen Kapelle. Denn die Capella Sistina rekrutierte sich zu einem nicht unbeträchtlichen Teil aus Kastraten. 0

Mehr zum Thema: • Ahnenforschung im Fernsehen: Das Geheimnis meiner Familie Prominente auf den Spuren ihrer Vorfahren, ARD, ab 31. März. Die ARTE-Dokumentation Die Spurensucher (www.arte.tv/spurensucher) wird im September ausgestrahlt. • Bei verwandt.de und ancestry.de kann man seinen Familienstammbaum kostenlos online erstellen. • Eines der umfassendsten Portale zum Thema Ahnenforschung mit Anleitungen, Foren und weiterführenden Linklisten ist

genealogienetz.de


WISSEN :: LEBEN

URBAN IST WOANDERS Europa ist dicht besiedelt, seine Städte legendär. Doch im Vergleich zu den Megacitys Südostasiens leben wir in Dörfern Shanghal

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weit größer und vor allem deutlich jünger als die alten Metropolen. In Shanghai liegt das Durchschnittsalter der Bewohner knapp fünf Jahre unter dem der Berliner, die Bürger von Delhi sind im Durchschnitt sogar 16,5 Jahre jünger. Da bekommt das Schimpfwort old Europe eine ganz neue Bedeutung.

SELBER MACHEN: WIE MAN ••• .,. zu Ostern mit Eiern spielt

• Schon wieder Ostern - und schon wieder vergessen, den Schokohasen für die Liebste, die Mutter oder den kleinen Bruder zu kaufen? Von diesem Fauxpas lenken Sie elegant mit einem Eiertrick ab: Zuerst ein Ei über einer Kerzenflamme rundherum ordentlich verrußen lassen.

• Ein Glas oder eine Schüssel mit Leitungswasser füllen und das rußige Ei vorsichtig hineingeben. Bingo! Die verdreckte Eierschale glänzt plötzlich wie poliertes Silber. Das liegt an den Luftbläschen, die sich um den wasserabweisenden Ruß legen. Sie reflektieren das Licht wie ein Spiegel.

• Jetzt können Sie das Ei auch gleich braten. Sobald das Eiklar weiß wird, ein paar Tropfen aus dem Rotkohlglas für den Sonntagsschmaus dazufügen. Das quietschgrüne Spiegelei will vermutlich keiner essen. Dabei enthält der Rotkohl nur Stoffe, die mit dem pH-Wert die Farbe wechseln.

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Text: Falke Bachmann

Sieht aus wie ein Wolkenkratzer, bei dem der Architekt die Fenster vergessen hat, ist aber eine 173 Meter lange Rennstrecke für Fahrstühle. In Japan betreibt Mitsubishi Electric den höchsten Aufzugs-Testturm der Welt

enn im Solae-Tower mal wieder ein Fahrstuhl im freien Fall in die Tiefe stürzt, gerät niemand in Panik. Im Gegenteil: Man wartet gespannt darauf, wie die Sicherheitssysteme eingreifen, um die Kabine zu stoppen. Gefährdet wird dabei niemand. Die Kabinen sind unbemannt und das Abstürzen geschieht kontrolliert - im Rahmen von Testversuchen. In dem hellen Turm, der seit Anfang des Jahres die japanische Stadt Inazawa überragt, befindet sich das neue Forschungs- und Entwicklungszentrum von Mitsubishi Electric. Hier arbeiten Ingenieure an der nächsten Generation von Hochgeschwindigkeits- und Großraum-Aufzügen. In schier endlosen Versuchsschleifen testen sie die Strapazierfähigkeit von Seilen und Zugmaschinen. Sie experimentieren mit Dämpfungselementen, die unten im Schacht installiert werden und als letzte Komponente einer mehrstufigen Sicherheitsvorrichtung Kabinen abfangen können. Und sie. jagen immer aufs Neue Fahrstühle mit Maximaltempo die Testschächte hoch und runter - aktuell mit bis zu 12,5 m/s, das entspricht 45 km/ho Dabei messen alle möglichen Sensoren unter anderem die Beschleunigung, Geschwindigkeit, das Abbremsen und den Abrieb der Laufräder auf den Führungsschienen. Die Forschungszentrale selbst ist ein Hightech-Turm, in dessen Spitze ein Gewicht jede durch Wind oder Erschüt-

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terungen verursachte Bewegung ausgleicht. Ölpuffer im Boden dämpfen alle Vibrationen, damit auf keinen Fall die Testergebnisse verfälscht werden. Mit dem Bau der rund 34 Millionen Euro teuren Anlage reagiert Mitsubishi auf einen aktuellen Trend: In Städten wie Dubai, Moskau und Shanghai entstehen immer größere Wolkenkratzer. Mega-Häuser, die von speziellen, großen und superschnellen Aufzügen erschlossen werden müssen, damit Fahrzeiten nicht ewig lange dauern. Der 173 Meter hohe Tower bietet genügend Raum für entsprechende Experimente. Auch die Konkurrenz ist nicht schlecht bestückt. Marktführer Otis betreibt im japanischen Shibayama einen 154-MeterTurm und in Bristol, USA, den mit 117 Metern höchsten Testtower Nordamerikas. Die längste Teststrecke der Welt misst rund 350 Meter und verläuft unterirdisch in einem alten Bergwerk in Finnland. Die Firma Kone testet hier Hochgeschwindigkeitslifte mit bis zu 62 Kilometern pro Stunde (17 m/s). Schnelle Fahrstühle sind technisch besonders anspruchsvoll. Wegen der enormen Beschleunigung muss man den Druckausgleich in der Kabine künstlich regulieren - andernfalls würde Fahrgästen das Trommelfell platzen. Das verhindert ein auf dem Dach installiertes Kompressorsystem. Ein anderer kritischer Punkt sind Vibrationen. Zwar sind die Kabinenverkleidungen aerodynamisch geformt, doch bei rasanten Fahrten entstehen trotzdem


WISSEN:: FAHRSTÜHLE

Luftwirbel und Erschütterungen. Spezielle Einbauteile wirken diesen Vibrationen automatisch entgegen. Gut 1000 Mal pro S~kunde übertragen sie Daten an die Steuereinheit, die daraufhin zum Beispiel die Laufräder justiert. Doch nicht nur Schnelligkeit zählt. Wenn sich Tausende von Menschen gleichzeitig über Dutzende Etagen eines Gebäudes bewegen, ist das auch eine logistische Herausforderung. Hier knüpft die so genannte Zielwahlsteuerung an: Ein intelligentes Steuerungssystem, bei dem der Aufzugsbenutzer sein Ziel schon vor dem Betreten des Fahrstuhls an einem Tableau außerhalb der Kabine eingibt. Das Programm weist dann jeweils Passagieren, die ähnliche Etagen erreichen möchten, denselben Aufzug zu. Warte- und Fahrzeiten werden so verkürzt. Mitsubishis Kontrollsystem Al Supervisory denkt sogar noch weiter. Es analysiert den Passagierfluss und erstellt Muster für alle Wochentage und Uhrzeiten. Das System registriert auch, wenn Menschen auf einer bestimmten Büroetage regelmäßig früher Mittagspause machen als die anderen - und fährt automatisch, falls gerade nichts anderes zu tun ist, schon mal eine Kabine für den Weg zur Kantine vor. Währenddessen wollen die Chinesen den Aufzugsantrieb revolutionieren. In Wuhan wird ein 128 Meter hoher Turm gebaut, in dem sich Fahrstühle wie ein Transrapid bewegen sollen: per Magnetschwebetechnologie. Den Plänen zufolge werden die Aufzüge beim Hinunterfahren Energie produzieren und sogar um Kurven gleiten können. Hoffentlich ohne Achterbahn-Feeling im Bauch. ~ MATADOR 103


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Text: Jens Kemle

Mal eben ein paar Milliarden Euro an der Börse verspielen - so etwas bringt nur ein Mann fertig. Spekulieren, Wetten oder Pokern sind bei ihm genetisch veranlagt, vermuten Wissenschaftler

m 19. Januar war sein Spiel vorbei. Er war aus Paris herausgefahren, wollte das Wochenende im mondänen Badeort Deauville verbringen. Stattdessen hatte er am frühen Samstagnachmittag seinen Chef am Telefon: Es gebe da einige dringende Fragen. Jeröme Kerviel stieg in den Zug und fuhr zurück ins Büro. Zwei Tage später war der 31-jährige Broker seinen Job los - und sein Arbeitgeber, die ehrwürdige französische Großbank Sockte Generale, um 4,9 Milliarden Euro ärmer. Die Ermittlungen ergaben, dass Kerviel mit der sagenhaften Summe von 50 Milliarden Euro spekulierte, weit mehr, als die ganze Bank an der Börse wert ist. Hat er wirklich gedacht, es würde nicht auffallen, mit welchen aberwitzigen Beträge er jonglierte? Und hat er

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wirklich geglaubt, ausgerechnet seine Kurswetten würden alle aufgehen? Was der Franzose getan hat, scheint wahnsinnig und faszinierend zugleich. Dabei betrieb Kerviel nur in sehr viel größerem Stil, was offensichtlich vielen Männem im Blut liegt: Zocken. Mal auf eine unbekannte, angeblich todsichere Aktie setzen - kommt vor. Um Geld pokern - machen immer mehr. Die kleine Wette unter Freunden oder den Casinobesuch im Urlaub kennt dann schon fast jeder. Glücksspiel und Spekulation sind heute nicht viel ungewöhnlicher, als zu schnell Auto zu fahren. "Zu uns kommen alle, Studenten und Pizzabäcker, Angestellte und Professoren", sagt Freiherr Thomas von Stenglin, Geschäftsführer der Spielbank Wiesbaden. Zocken ist unabhängig von Einkommen, Schicht und Beruf. Aber es ist vor allem: männlich.


WISSEN :: ZOCKEN

Unter den Casinogästen von Stenglins sind etwa zwei Drittel Männer. Eine eher noch größere Mehrheit stellen sie in Spielhallen, Wettbüros, bei PokerTurnieren - und auch in Brokerkreisen. Tatsächlich ähneln sich die emotionalen Mechanismen bei Börsenspekulanten und Glücksspielern frappierend. Aber warum fühlen sich gerade Männer davon so magisch angezogen? Zu einer Zeit, als unsere Vorfahren noch in Höhlen hausten, muss irgendwann die Frage "erlegen wir eine Wildsau oder sammeln wir Wurzeln?" wichtig geworden sein. Der Urmensch entschied sfch wohl für die Wildsau. Das war zwar gefährlicher, aber im Falle eines Erfolges konnte sich die Sippe tagelang damit den Bauch vollschlagen. Der Frührnensch lernte: kein Risiko - nichts in der Pfanne. Bis heute hat sich daran nicht viel geändert; immer noch gilt: "No risk - no fun." Seit jener Zeit, sagt Diplom-Psychologih Chantal Mörsen von der Uni Mainz, "besitzt der Mensch - wie fast alle Säugetiere - ein Belohnungssystem. " Werde bei Erfolg die körpereigene Droge Dopamin ausgeschüttet, fühle man sich gut, entspanne sich und sei glücklich. Genau das macht Spekulieren so attraktiv. Und wir können von Stress und Sorgen besser abschalten. "Wie und ob jemand spielt, ist von vielfältigen Bedingungen wie .Persönlichkeitsmerkmalen und verfügbaren Beyvältigungsmustern bei Konflikten abhängig", sagt Gerhard Meyer, Leiter der Arbeitsgruppe Angewandte ~

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und verlor seinen gesamten Gewinn vom Vortag wieder. Was dem Scheich widerfuhr, gilt als typischer Verlauf: Egal, ob Roulette oder Börse - Glücksspieler werden immer mehr in ihre eigene Welt gezogen, wenn sie spielen. Einmal angefangen wird es zunehmend schwieriger, das Universum aus Glück, Nervenkitzel und Erfolg wieder zu verlassen. Psychologen nennen vier Hauptgründe, wie es zu dieser Spirale kommt:

1. selbSlJeChtferligung

Glücksspielforschung der Uni Bremen. Wer impulsiv, spontan und risikobereit sei, werde eher zum Zocken neigen. Die so genannten "Sensation Seeker" lieben das Risiko, die Gefahr und das Unbekannte. Nicht zu wissen, was passiert, törnt sie sogar an. Menschen, die hingegen eine rationale und vernunftbasierte Persönlichkeit haben, sind weniger spielfanatisch. Schon das Betreten einer Spielhölle oder der Gedanke, die Kontrolle verlieren zu können, bereitet ihnen ungute Gefühle. Verhaltensmuster wie diese sind keineswegs neu und haben sich genetisch beim Menschen eingebrannt. Bereits die Germanen sollen so exzessiv gespielt haben, dass mancher Partie nicht nur Haus und Hof zum Opfer fielen, sondern auch die eigene Freiheit - wer verlor, wurde Leibeigener des Gewinners. Ägypter und Griechen hatten nicht nur eine ausgeprägte Schriftkultur, sondern 106 MATADOR

auch eine veritable Spielkultur. Selbst Intellektuelle wie der russische Dichter Fjodor Dostojewski konnten dem Reiz des Spielens schwer widerstehen. Dostojewski verprasste sein Geld in den schicken Casinos von Wiesbaden und Baden-Baden. Nicht selten verjubelte er die Vorschüsse für neue Romane. Seine Gläubiger saßen ihm stets im Nacken. "Heute besucht uns gerne Fußball-, aber auch Polit-Prominenz", sagt Thomas von Stenglin. Durchschnittlich verspielt jeder Besucher gut 130 Euro im Kurhaus. Für einen Scheich aus dem Nahen Osten wurde im letzten Jahr sogar eigens der Mindesteinsatz beim Roulette von 500 auf 1000 Euro pro Zahl angehoben. Am Ende hatte er 350.000 Euro gewonnen. Tags drauf wollte der Araber eigentlich nur seinen Gewinn abholen. Doch stattdessen nahm er wieder am Spieltisch Platz -

Je größer der Misserfolg, desto höher die Motivation. Dieser psychologische Mechanismus lässt den Spieler weitermachen und zwingt· ihn womöglich sogar zum Weiterspielen - Psychologen nennen das "chasing" (dt.: jagen). "Dabei wird der rationale Blick ausgeschaltet", sagt Glücksspiel-Expertin Mörsen. Der Spieler glaubt: Wenn arn Ende der große Gewinn steht, hat sich doch alles Zittern gelohnt. Die Börse kennt einen analogen Effekt: Bei einem Crash verkaufen Anleger sinkende Aktien nicht - und tun damit genau das Gegenteil von dem, was Ökonomen raten..Statt den Verlust auf der Stelle zu realisieren, warten sie darauf, dass sich der Kurs wieder erholt, selbst wenn es immer weiter bergab geht. Als vorgeblichen Ausgleich stoßen sie gleichzeitig Papiere ab, deren Kurse gerade steigen"wenigstens hier den Gewinn mitnehmen!" Damit nehmen sie sich nicht nur Chancen, sondern drücken auch Aktien, die von dem Crash fundamental gar nicht betroffen waren.

2. KR. daneben Nur um eine Zahl oder ein Feld danebengetippt, führt unweigerlich zum Glauben ,,Ich bin schon ganz nah dran!" . Mal steigt statt Softwareaktie A Softwareaktie B, mal war der Verlust richtig geraten, aber der Aktienindex der falsche. Das Weitermachen wird dann zum Selbstläufer - der Sieg kann ja nur noch eine Frage der Zeit sein. Jeder Pechsträhne muss doch irgendwann eine Glückssträhne folgen. "Viele Spieler haben Kontrollillusionen", sagt Professor Gerhard Meyer, deshalb können sie nur schwer wieder aufhören.


WISSEN:: ZOCKEN

3. Erfahrungsglaube Privatanleger wie Gelegenheitsspieler hegen oft den Glauben, dass sie durch Ausdauer, ein ausgefuchstes System und ihre Erfahrung eher gewinnen können. Ein teurer Irrtum.

4. Gewohnheit Aus Spaß wird Ernst, aus Risiko Normalität. Die Einsätze werden immer höher. Hat sich das Gehirn ans Zocken gewöhnt, ist es schwer es ihm wieder auszureden. "Man verlernt Alternativen, wenn man sie nicht regelmäßig trainiert", sagt Chantal Mörsen. Sie

Amerikanische Forscher von der kalifornischen Stanford- U ni versitä t können das bestätigen. Sie haben herausgefunden, dass das Gehirn stärker reagiert, je höher der Einsatz ist. Dieses Verhalten ähnelt stark der Reaktion von Männern auf eine andere Verlockung: Sex. "Je riskanter eine Aktion, desto mehr sehnt sich das Gehirn danach", sagt Brian Knutson, Professor für Psychologie und Neurowissenschaften. Börsen-Broker haben einen Vorteil, wenn sie kalt wie ein Fisch sind: "Die besten Händler sind die, die ihre emotionale Reaktion kontrollieren können", sagt Andrew Lo, Professor am

renommierten Massachusetts Institute of Technology. Letztlich ist die Lust am Spiel nur denkbar durch Emotionen. Spielen löst GlücksgefüWe aus und regt die Fantasie an. Wird um Geld gespielt, steigert sich das Empfinden noch. Der roulettesüchtige Kanadier Dan Mahony, dessen Geschichte vor fünf Jahren in dem Film Owning MallOny verfilmt wurde, antwortete auf die Frage, welche Empfindungen er beim Glücksspiel auf einer Punkteskala von eins bis 100 habe: ,,100." Seine stärkste Empfindung, wenn er nicht am Spieltisch säße, bezifferte Mahony lediglich mit 20. ~

vergleicht den Gewöhnungsprozess mit einer Autobahn, während das richtige risikoarme - Verhalten gleichzeitig zu einem Trampelpfad verkümmert. Dank Jer6me Kerviel hat die Wissenschaft nun ein Paradebeispiel für diese Theorien. Die sehr hohen Summen sowie die Komplexität der Faktoren sind weitere Parallelen zwischen Börsenspekulation und klassischem Glücksspiel. Kerviel zockte mit Tageswerten, da geht alles besonders schnell: Man kann auf jede noch so kleine Veränderung des Aktienindex setzen. Über Gewinn und Verlust wild oft sekündlich entschieden. "Diese hohe Ereignisdichte ist typisch für Glücksspiel", erklärt Chantal Mörsen. Kerviel ist ihrer Meinung nach wahrscheinlich süchtig: "Ich vermute, er hatte eine hohe Lust am Risiko und am Entdecktwerden", so die Mainzer Wissenschaftlerin. MATADOR 107


WISSEN :: HARTE FAKTEN

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Der Politiker und Schauspieler

Arnold Schwarzenegger heißt

mit zweitem Vornamen Alois. Bei einem 70 Kilo schweren Menschen entfallen allem 44 Kilo semes Gewichts auf Sauerstoff-Moleküle. Es folgen: Kohlenstoff mit 14 Kilo und sieben Kilo Wasserstoff.

13

1-4

Extremsportier Martin Strel durchschwamm 2007 als erster Mensch den 5268 Kilometer langen Amazonas. Der 53-jährige Slowene war insgesamt 66 Tage unterwegs und legte durchschnittlich 80 Kilometer pro Tag zurück.

'15

Alle Babys haben bei der Geburt blaue Augen. Nach dem Tod ist die Augenfarbe aller Menschen grünbraun.

Den kürzesten Krieg aller Zeiten fochten Großbritannien und das Sultanat Sansibar zwischen 9:00 Uhr und 9:38 Uhr am 27. August 1896 aus. In 38 Minuten kamen 100 britische und 500 sansibarische Soldaten ums Leben.

16

2

Die nur 45 Kilo leichte Sonya Thomas gehört zu den erfolgreichsten Wettessern der Welt: Pro Jahr kassiert die Amerikanerin mit dem Spitznamen "Black Widow" (Schwarze Witwe) über 50.0QO Dollar Preisgeld. Zwei ihrer Rekorde: 52 gekochte Eier in fünf Minuten und 173 Chicken Wings in zwölf Minuten.

3

Arbil im Norden des Irak gilt als die älteste Stadt der Welt. Seit rund 4300 Jahren leben dort Menschen.

Das schwerste Motorrad der Welt wiegt 4,75 Tonnen. Das mehr als fünf Meter lange Gefährt wird von einem 800 PS starken Motor angetrieben, der ursprünglich in einem russischen T-55Panzer steckte.

4

5

Der Name des Filmmonsters

Godzilla setzt sich aus den

japanischen Wörtern gorira für Gorilla und kujira' für Wal zusammen. Der Kiwi aus Neuseeland hat als einzige Vogelart am Ende seines Schnabels Nasenlöcher, mit denen er außergewöhnlich gut riechen kann.

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Der Schlangenmensch Captain Frodo vom australischen Zirkus Oz schafft es sich so zu' verrenken, dass er seinen Körper durch einen (saitenlosen) Tennisschläger zwängen kann.

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Viele Zugvögel schlafen im Fliegen. Um nicht die Orientierung zu verlieren, ruht sich jedoch nur eine Gehirnhälfte aus. Die Folge: Die Tiere schließen lediglich ein Auge, während das andere offen bleibt.

Der explosivste Geysir der Welt steht im amerikanischen Yellowstone Nationalpark: Der Steamboat Geysir schießt sein Wasser bis zu 120 Meter hoch in die Luft.

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1O

Der Volvo P-1800S des Amerikaners Irv Gordon hat 4,18 Millionen Kilometer auf dem Tacho. Gordon fährt immer noch mit dem ersten Motor, dem ersten Getriebe und dem ersten Radio.

11

Bienen lassen sich darauf trainieren, Sprengstoffe zu erkennen: .. In den USA gibt es eine vom Verteidigungsministerium finanzierte , Spürbienen-Schule: Hier werden die Tiere darauf dressiert, den Rüssel auszustrecken, sobald sie Sprengstoff riechen.

108 MATADOR -~------------------


Keine Angst vor Fülle Sebastian Tim, 26 Jahre, Konzertpromoter

Ich war nie besonders eitel, auch als Teenager nicht. Aber mit 15, 16 hatte ich endgültig die Nase voll vom Prinz von Bel Air-Schnitt, den ich meiner Mutter zu verdanken hatte - eine hochstehende, ganz und gar unmögliche Frisur! AusProtest fing ich damit an, meine Haare zu färben und probierte von Orange bis Rot alle Schattierungen durch. Danach trug ich meine'Haare wie Billy Idol: punkig und knallig blondiert. Und ganz plötzlich, nach all diesen wilden Experimenten, begannen sich meine Haare zu locken. Auf einmal war meine Matte kaum mehr zu bändigen. Heute benutze ich ein Lockenshampoo, das die einzelnen Strähnen weicher 110 MATADOR

macht und dazu führt, dass sich nach dem Waschen die Locken viel mehr zusammenziehen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Frauen auf meine Haarpracht stehen. Meine Freundin zum Beispiel mag es sehr, dass ich so viele Haare habe. Auch wenn ich mir von anderen schon mal den Spruch einfange, ob das wirklich eine Frisur sein soll. Soll es aber gar nicht, denn ich bin nicht der Typ fürs Hindrapierte nach der klassischen Methode waschen, legen, föhnen. Ich mag es wild, lockig und ein bisschen durcheinander. Immerhin muss ich mit meiner Fülle keine Angst vor Haarausfall haben. In meiner Familie hat keiner eine Glatze.


STYLE :: HAARE

Haarprofi ohne Haare F/orian Neuhaus, 35 Jahre, Hair-Stylist In meinem Leben hat sich schon immer alles um Haare gedreht. In der Schule

betrachtete ich am liebsten die langen Locken der Mädels, die in der Bank vor mir saßen. Wenn ihnen die glänzende Masse bis zur Hüfte reichte, fand ich das geil. Meine eigenen Haare gingen leider schon mit 20 aus - erst ein paar, dann unaufhaltsam immer mehr. Sehr frustrierend. Vor allem, weil ich zu dieser Zeit selbst ins HaarBusiness einstieg. Als Hair-Stylist ging ich bei Vidal Sassoon in die Lehre bei dessen Meisterschüler Tim Hartley persönlich, der mir seine besten Schnitte beibrachte. Keiner von ihnen ging allerdings bei mir und meinen schütteren Strähnen. Vergangenes Jahr, bei Germany's next Topmodel, habe ich vor der Show die Beautys gestylt. Barbara Meier zum Beispiel hat irre viel Haar, und man braucht ewig, um es trocken zu bekommen. Nur bei mir selbst ist lange schon

nichts mehr zum Föhnen da. "Nix wie runter damit", entschied ich mich deshalb vor einiger Zeit. Für so eine Komplettrasur ist die Wella Contura übrigens ideal. Diese Haarschneidemaschine ist ein irres Tool geformt wie ein Dildo erwischt sie auch noch die feinsten Haare. Trotz des Rasierens benutze ich ein Shampoo und vor allem, das ist fast das Wichtigste bei einer Glatze, einen Conditioner mit Menthol. Der kühlt den Kopf, die Haut ist entspannt und schuppt - wenn man es regelmäßig anwendet - deutlich weniger. Ein super Feeling. Vor dem Rasieren massiere ich ein Öl von Aveda in meine Kopfhaut ein, um Rasurbrand zu verhindern. Mittlerweile fuchst es mich auch nicht mehr, dass ich keine Haare habe. Die Frauen stehen ja trotzdem auf mich. Viel wichtiger ist ihnen doch, dass die Augen leuchten und dass man ein witziger Typ ist. ~ MATADOR 111


STYLE:: HAARE

Die Pflicht zur Korrektheit Amir Ghassaben, 28 Jahre, Jurist im Referendariat

Der italienische Look Salvatore Malter, 21 Jahre, Hotelfachauszubildender

Ich denke nicht ständig an mein Äußeres. Aber ich verwende jeden Morgen viel Zeit darauf, meine Haare in die richtige Form zu bringen. Mir sind sie das Wichtigste an meinem Aussehen, und deswegen wasche ich sie täglich. Jeden zweiten Tag spüle ich nur mit heißem Wasser, weil das die Haare so gut formbar macht, dass ich auf StylingProdukte verzichten kann. An den anderen Tagen wasche ich mit Shampoo. Außerdem verwende ich ein Produkt zur Stärkung der Haarwurzeln, weil bei mir leider seit ein, zwei Jahren die Haare ausgehen. Also beuge ich vor, wo es nur geht. Noch ist das, was ich auf dem Kopf habe, dicht und dunkel. Besonders nach hinten gegeIt sehen meine vollen Haare ziemlich scharf aus, finde ich. Der Ansatz zu meinen Geheimratsecken fällt zwar ins Auge, aber mit dem richtigen Styling kann man das ausgleichen. Meine Freundin jedenfalls findet mein Aussehen männlich und sexy. Um den italienischen Look perfekt hinzubekommen, knete ich ein starkes Gel in die Haare. Wenn ich abends geduscht habe und am nächsten Morgen nicht völlig desolat aufwachen will, verwende ich auch schon mal Haarspray. Über Nacht gibt das einen viel besseren HaIt, da kann passieren, was will.

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Meinen Style habe ich immer schon meiner Umgebung angepasst - wie ein Chamäleon. Bei meinem neuen Look und meiner neuen Frisur werde ich aber noch ziemlich lange bleiben. Zurzeit absolviere ich in einer sehr hanseatischen Kanzlei 'mein Referendariat als Jurist und schon beim Bewerbungsgespräch war klar: Die Kollegen bevorzugen es konservativ, und zwar vom Scheitel bis zur Sohle. Zu mir passt das ganz gut, auch im Studium war meine Frisur eher dezent. Das einzige Problem, das ich damit habe, besteht darin, dass meine Haare ein bisschen widerspenstig sind. Im Nacken habe ich zwei Wirbel, die enorm nerven. Vor allem, wenn man beim Friseur immer wieder auf sie hinweisen muss. Deshalb bleibe ich meinem HairStylisten treu, um mich nicht immer wieder neu erklären zu müsse~. Um meine dicken Haare zu einer klassischen Frisur zu stylen, brauche ich viel Wachs. teden Morgen wasche ich sie, massiere das Wachs ins feuchte Haar und lasse sie an der Luft trocknen. So hält das den ganzen Tag. Je älter ich werde, umso weniger will ich über meine Haare nachdenken. Ich bemühe mich, dass sie gut sitzen, fertig. Früher, als ich noch schulterlang oder Pferdeschwanz trug, gingen mir viele Haare aus. Das hat mir schon ein wenig Angst gemacht, weil mein Vater fast kahl ist. Mein Friseur tröstet mich damit, dass es bei Haaren manchmal eine Art Generationensprung gibt: Das würde bedeuten, dass ich im Alter wie mein Großvater aussähe. Der hatte dichtes, fast weißes Haar. Das wäre doch sehr stilvoll.


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te~ Grad wieder herstellen. Die in diesen Produkten enthaltene Melaninvorstufe reagiert mit dem Sauerstoff der Luft und bildet naturähnliche Farbpigmente, sodass nach mehreren Anwendungen das Haar wieder seine ursprüngliche Farbe annimmt. Bei sehr hellen und roten Haaren funktioniert das nicht, weil man das dafür verantwortliche Melanin noch nicht künstlich herstellen kann.

Wie bändigt man einen Lockenkopf? Wie oft soll man sich die Haare waschen?

Brauchen auch Männer eine Spülung?

Mit milden Shampoos kann man ohne Schaden täglich waschen. Bei schnell fettenden Haaren sollte man durchsichtige Produkte wählen - sie sind meist nicht so cremig und waschen das Fett besser aus. Shampoos, die die Kopfhaut stark entfetten, sind dagegen ungünstig, weil sie die Ölproduktion nur noch stärker ankurbeln.

Trockene und strapazierte Haare, die oft fusselig wirken, können nach der Wäsche eine Spülung vertragen. Bei sehr porösen Haaren sollte man zusätzlich einmal pro Woche eine Haarkur auftragen. Sie überzieht jedes Haar mit einem unsichtbaren Schutzfilm aus Kunstharzen und Zelluloseverbindungen. Pflegesubstanzen wie Lanolin und Lecithin dringen in die aufgerauten Stellen ein und füllen sie aus - allerdings nur bis zur nächsten Wäsche.

Gibt es tatsächlich SpezialShampoos für jede Haarfarbe und Haardicke - oder ist das nur ein Frauenmärchen?

Schadet Färben dem Haar?

Bei pflegeleichten Haaren ist alles erlaubt. Widerspenstige Mähnen und strukturgeschädigte Haare aber bekommt man besser in den Griff mit haartypgerechten Shampoos, deren Inhaltstoffe auf das entsprechende Problem abgestimmt sind. Shampoos für gefärbte Haare verlängern den Farbhalt, Produkte für graue oder blondierte Haare reduzieren unerwünschten Gelbstich. Shampoos, die für Frauen entwickelt wurden, sind übrigens nicht empfehlenswert: Männer wünschen sich in erster Linie mehr Volumen und griffiges Haar, während die Frauen das ihre seidigweich und geschmeidig haben möchten.

Man unterscheidet zwischen dauerhaften Colorationen und kurzzeitigen Tönungen. Erstere sind für das Haar strapaziöser, weil sie seine natürliche Schuppenschicht chemisch aufrauen, um künstliche Farbpigmente einzuschleusen. Tönungen dagegen enthalten keine chemischen Oxidationsmittel, sondern kosmetische Farbstoffe, die sich wie ein Mantel ums Haar legen. Sie halten maximal acht Haarwäschen und ermöglichen nur Farbverschiebungen bis zu drei Nuancen dunkler. Beim ersten Selbstversuch besser eine auswaschbare Tönung verwenden. Die Dauerfarbe sollte man immer vom Profi im Salon machen lassen.

Kann man sich mit Duschgel die Haare waschen?

Was tun, wenn man schon als junger Mann ergraut?

Auf Dauer trocknet normales Duschgel die Haare zu sehr aus. Wer zum Sport nur ein Produkt mitnehmen möchte, greift besser auf ein Kombipräparat für Haut und Haare zurück.

Falls man seine grauen Haare nicht akzeptieren will, lässt sich bei ehemals dunkelblonden bis braunen Haaren die eigene Farbe durch so genannte ReNature-Produkte bis zu einem bestimm-

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Locken sollten lieber definiert statt mit Gel niedergebügelt werden. Nach dem Waschen durchkämmen und Definiercreme in die handtuchtrockenen Haare einarbeiten. Anschließend die Locken nur noch lufttrocknen lassen. Auf diese Weise können sie sich in ihrer Struktur richtig schön locken.

Was führt zu dünnem Haar und wie bekommt man es voluminöser? Feine, dünne Haare sind genetisch bedingt. Hilfreich sind Shampoos, die mehr Volumen geben. Die darin enthaltenen Wirkstoffe kleben weqer noch belasten sie die Haare: Das macht sie fülliger. Auch Schaurnfestiger rauen die Haare leicht auf und sorgen für zusätzliches Volumen. Wirkstoffe wie Haferprotein, Panthenol und Jojoba umschließen die Haarfasern und machen sie unter der Wärme des Föhns beliebig formbar. Vorsicht: Zu viel Volumenschaum lässt dasHaar strähnig und noch lichter aussehen.

Wie bekämpft man Geheimratsecken? Tarnen und täuschen klappt selten, der Trick, lange Haare quer über den Kopf zu kämmen, wirkt bloß verzweifelt. Am besten sieht gleichmäßig kurz durchgestuft aus - das funktioniert mit einem auf 8-10 mm eingestellten Rasierer. Perfekt wird die Frisur, wenn sie der Profi mit Kamm und Schere individuell auf die Kopfform zuschneidet.

Kann man sich vor Haarausfall schützen - oder hat man sowieso keine Chance?


STYLE:: HAARE

Jeder dritte Mann über 30 und jeder zweite über 50 leiden unter erblich bedingtem Haarausfall. Davor kann man sich nicht schützen. Allerdings gibt es für Haarverlust auch andere Gründe etwa Stress oder EntzÜlldungsreaktionen. Deshalb: Wenn sich die Haare dünnrnachen, am besten den Hautarzt aufsuchen, ehe man zu viel Zeit mit erfolgloser Selbsttherapie vergeudet. Die meisten frei verkäuflichen Mittel gegen Haarausfall wirken eher kosmetisch. Ausnahme sind diverse Haarwasser, die auf der Kopfhaut den schädigenden Einfluss des männlichen Hormons direkt an der Haarwurzel blocken.

pen zum Arzt gehen. Aber selbst wenn die Rieselattacke vorbei ist} sollte man das Spezial-Shampoo einige Wochen weiter im täglichen Wechsel mit dem gewohnten Produkt verwenden.

Wie findet man heraus, welche Frisur zu einem passt? Am besten lässt man sich von einem erfahrenen Friseur beraten. Der Profi

hat nicht nur das bessere Auge, sondern zieht auch die Gesamterscheinung und den Lebensstil in Betracht. Er berücksichtigt Volumen der Haare und Proportionen. Außerdem kann er die Wuchsrichtung der Haare und eventuelle Wirbel auf dem Kopf beurteilen und so geschickt in die Frisur mit einbauen, .dass man im Alltag auch ohne professionelle Hilfe damit gut zurechtkommt.

Was bewirken Medikamente gegen Haarausfall? Seit einigen Jahren gibt es die Haarwuchspille Propecia. Sie stoppt den Haarausfall mit dem Wirkstoff Finasterid, der in den männlichen Hormonhaushalt eingreift und das für die Glatzenbildung verantwortliche Hormon DHT (Dihydrotestosteron) blockiert. Unangenehmer Nebeneffekt: möglicher Libidoverlust. Eine Alternative ist Minoxidil, ursprünglich ein Blutdruckmittel. Davon muss täglich eine fünfprozentige Lösung auf die kahlen Stellen gepinselt werden. In kontrollierten Studien verhinderte es immerhin bei 80 Prozent der Probanden weiteren Haarausfall, bei einem Drittel wuchsen sogar neue Haare. Eines haben alle Wirkstoffe gemeinsam: Setzt man sie ab, fallen wieder vermehrt Haare aus.

Was tun gegen Schuppen? Oft sind Stress, Hormonveränderungen und Klimawechsel schuld, wenn es rieselt. Ausgelöst wird die Schuppenbildung durch eine emsige Produktion der Talgdrüsen. Den Juckreiz verursacht ein winziger Hefepilz mit dem zungenbrecherischen Namen "Pityrosporum ovale", der auf jeder gesunden Kopfhaut zu finden ist. Schnell und sanft Abhilfe schaffen moderne Anti-SchuppenShampoos mit Wirkstoffen wie Fumarsäure, Schwefel oder Salicylsäure, die die Schuppen lösen und den Hefepilz in Schach halten. Sie können unbedenklich jeden Tag benutzt werden. Besserung tritt nach drei bis vier Tagen ein. Falls sich nichts tut, das Produkt wechseln oder bei besonders hartnäckigen SchupMATADOR 115

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STYLE:: BEAUTY

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STYLE:: FOOD

In Nussbutter gebratener Skrei mit zweierlei Spargel - der Edelfisch mundet auf viele Arten

Schwarzer Venere-Reis aus dem Piemont potenziert das GeschmackserIeb

Nordisches Gold Der Winterkabeljau Skrei erobert die deutsche EdelGastronomie - kein Wunder, denn er ist die größte Köstlichkeit des Polarmeers Text: 5tefan Wimmer

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ilde Eisgipfel, WinterstürIne und ein Wellengang, der selbst hartgesottenen skandinavischen Fischern Respekt einflößt - die Inselgruppe der Lofoten am norwegischen Polarkreis ist im Winter alles andere als idyllisch. Und dennoch bereiten sich jeden Februar anderthalbtausend wetterfeste Männer darauf vor, mit ihren Fischerbooten in die eisige Gischt hinauszufahren - auf der Jagd nach dem Winterkabeljau "Skrei", dem edelsten Fisch, den das Polarmeer zu bieten hat und der folgerichtig "Gold der Lofoten" genannt wird. Die Wanderzüge des Skreis bilden seit Menschengedenken die Lebensgrundlage der Bewohner der rauen Fjordlandschaft, und wenn ab Ende Januar die ersten Skrei-Schwärme von der

Barentssee-zu den 600 Kilometer entfernten Lofoten hinabzü~hen, macht stch unter den Fischern Spannung wie vor einem Kriegszug breit. Sobald sich auf den Inseln die Nachricht vom ersten Skrei verbreitet hat, stechen sie mit Netzen und Langleinen bewaffnet in See, um möglichst viel von dem schwimmenden Segen abzubekommen. Für die nächsten drei Monate dreht sich das ganze Leben auf den Lofoten dann ausschließlich um den Fisch: Ganz nach WikingerArt werden Festgelage mit Rotwein und Kümmelbrand gefeiert, bei denen der Skrei in gedünsteten Tranchen mit Butter und Kartoffeln auf den Tisch kommt - oder auch als "M0lje", als gekochter, besonders deftiger "Mischmasch", vermengt mit Skrei-Leber und Rogen.

Die daumendicke Zunge und die Bäckchen des Skreis werden dabei als besondere Spezialität gereicht. Wesentlich gemütlicher geht es 2000 Kilometer entfernt im Hamburger Feinschmecker-Restaurant "Poletto" zu. Sterneköchin Cornelia Poletto - bekannt auch aus Johannes B. Kerners Freitag-AbendKochshow - hat sich nämlich vorgenommen, dem norwegischen Skrei auch in Deutschland zu Ruhm zu verhelfen: Im Unterschied zum normalen Kabeljau sei der Skrei viel weniger fett und besäße mehr Muskelfleisch, so Poletto. Für sie zählt der Skrei mit seinem festen, feinblättrig-delikaten Fleisch "zu den absoluten Edelfischen - vor allem auch, weil sein Geschmack so dezent ist und deswegen mit den verschiedensten


Kräutern und Gemüsen harmoniert./I Um das unnachahmliche Aroma des Fischs richtig zur Geltung zu bringen, hat sie sich raffinierte Rezepte ausgedacht: gebratener Skrei mit zweierlei Spargel in Nussbutter und altem Aceto Balsamico. Skrei in Olivenöl pochiert auf VenereRisotto und Mandelschaum. Gedämpfter Skrei im Artischockensud mit schwarzem Oliven-fleur de seI und, und, und ... Der Skrei auf grünem Spargel und Parmesanschaum, den sie heute serviert, ist jedenfalls schon für die Zungenspitze ein Genuss: Die feingeaderten, marmorierten Lamellen fühlen sich unglaublich glatt an. Seine Farbe ist so blütenweiß wie die der Tischdecke und der Geschmack - nussig, edel

Von Februar bis April ist Skrei·Saison auf den Lofoten.Dannschwärrnen die Fischer aus, um möglichst viel von dem Edelfisch abzubekommen. Was nicht verkauft wird, kommt zur Lufttrocknung auf spezielle Gestänge

und komplex - schlägt andere Fische um Längen. Da bereut man schnell, dass man nicht in Hamburg wohnt, aber gottseidank haben deutschlandweit noch eine Reihe anderer EdelRestaurants bis Ende April den Fisch auf ihrer Speisekarte - und anders als beim normalen Kabeljau muss man sich beim Skrei keine ökologischen Sorgen machen, da strenge Vorschriften die überfischung verhindern. Im Fischhandel kann man eingesalzenen und luftgetrockneten Stockfisch-Skrei kaufen, den die Lofotenfischer auf Holzgerüsten das ganze Frühjahr über dörren. Der schmeckt kräftiger und salziger, kann aber nach zweitägiger Wässerung hervorragend frittiert, mit Zwiebeln und Bratkartoffeln in die Pfanne gehauen oder auf den Grill geworfen werden. 0

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STYLE:: GENUSS

VON STEVAN PAUL

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EIN ERSTAUNLICHES COMEBACK

Reifer Genuss MEINEN ERSTEN SHERRY trank ich 1981 mit zwölf bei Sternekoch Hans-Peter Wodarz in seinem damaligen Restaurant "Ente vom Lehel" zu Wiesbaden. Von der Menüfolge und den korrespondierenden Weinen schwer angeschlagen hatte der Großonkel genickt, als ich zum Ende der Familienfeier sein zur Hälfte geleertes Glas ergriff. Es schmeckte fürchterlich. Fortan gingen der Sherry und ich getrennte Wege. Kein großer Verlust, denn dem Sherry haftete in jenen Jahren ohnehin das Image des staubig-spießigen Dessert-Tröpfchens an. Mittlerweile erlebt der Sherry eine Renaissance unter den Feintrinkern und die renommierte Weinautorin Jancis Robinson spricht von "einem der meist unterschätzten Weine der Welt". Auch ich habe längst meinen Frieden geschlossen und genieße gerne einen trockenen Fino-Sherry zum Aperitif, besonders den Manzanilla: hellgold, weich und geschmeidig. Der ältere, nussige Amontillado oder der dunkelbraune, kräftige Oloros mit seinen intensiven Dörrobst- und HolzAromen passen fabelhaft zur Zigarre. Zum Dessert empfehle ich halbsüßen Abocado oder den aus sonnengetrockneten Trauben gewonnenen Pedro Ximenez mit feinen Schoko- und Kaffeenoten, echte Süßmäuler können es auch mit Cream-Sherry versuchen.

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Für alle Sorten gilt: Die ideale Trinktemperatur

liegt zwischen sieben bis 14 Grad. Nur trockene Weißweine aus der PalominoTraube können zu Sherry werden, gesüßt wird ausschließlich mit den Rebsorten Moscatel und Pedro Ximenez. Diese Geschmacksgranaten reifen auf Wasser speichernden Kalkböden. Morgens sind die Trauben vom Tau des nahen Atlantik benetzt, dann kommt die Sonne, die in Andalusien mehr als 3000 Stunden im Jahr scheint. Die Grundweine werden durch die Beimischung von Branntweinen "aufgespritet": Auf 15 bis 19,5 Umdrehungen bringt es der fertige Sherry. Natürlich dürfen nur Weine aus den Stadtgebieten Jerez de la Frontera, Sanlucar de Barrameda und EI Puerto de Santa Maria, dem so genannten "Sherry-Dreieck", die geschützte Ursprungsbezeichnung "JerezXeres-Sherry" tragen. Es ist viel Zeit vergangen seit meinem ersten Mal. Der Großonkel ist verstorben, Hans-Peter Wodarz hat von Sternekoch auf Erlebnisgastronom umgesattelt und Sherry ist en vogue. Vielleicht muss man für vielschichtige Genüsse ja ein gewisses Alter und eine gewachsene Reife mitbringen. STEVAN PAUL ist gelernter Koch, Schriftsteller und Foodstylist. In MATADOR schreibt der 37·jährige Hamburger jeden Monat über die subtilen Freuden des Alkohols ~

FRÜt:lER GALT SHERRY BEI UNS ALS SPIESSERDRINK. HEUTE WIRD ER VON FEINTRINKERN BESUNGEN. ZU RECHT

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173 ZENTIMETER OLGA. UND NICHTS, WAS VON IHR ABLENKT

FOTOS: THOMAS FIEDLER

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MATADOR:: HERSTELLER

Um endlich frischen Wind in die heimischen Wohnzimmer zu bringen, wurde die BBP (Biggest Btockbuster Party) ins Leben gerufen. In dieser virtuellen Partei engagieren sich bekannte VideospieIcharaktere gemeinsam für besseres Entertainment in Deutschland. 50 bekleidet etwa der Master Chief das Amt des Ministers für kinoreife Action, sein Parteifreund Franklin Fizzlybear zeichnet als Abgeordneter für Spaß in der Familie verantworUich. Eines haben alle Gründungsmitglieder der BBP gemeinsam: Ihre Spiele erscheinen für Xbox 360, der einzigen Konsole, auf der Spieler wirklich alle Blockbuster-Titel des Jahres 2007 erleben können. Be part of the party: Die BBP verlost eine exklusive Wahlparty, bei der sich die Partei einen Abend lang dem Intensivtest einer kritischen Männerrunde stellt: Bier, Pizza, Freunde, eine Xbox 360 und die Blockbuster-Titel des Jahres - also alles, was ein echter Männerabend braucht. Das Parteiprogramm und Infos zu den geplanten Veranstaltungen finden sich auf der Homepage www.bbp-stars.de. Wer mit BBP feiern will, schickt einfach eine.E-MaiI mitAdresseangewinnenOmafadol..magazin.de. Betreff .Feier". Einsendeschluss ist der 31. März 2008".

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Matador - April 2008