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Hallo!

... dass man es für unangemessen hält, darüber zu sprechen ... es schlechthin negiert verschweigt, peinlich findet ... ,

Aber in unserer Kultur gibt es ein SEHR VIEL GRöSsERES und ERNSTEREs PROBLEM!

Sie halten es vielleicht für ein Problem, dass man das, was als „das weibliche Geschlechtsorgan“ bezeichnet wird, in unserer Kultur unsichtbar macht und mit Scham verbindet ...

... und dass es noch nicht mal einen ordentlichen Namen hat! Sie glauben sicher, das liegt an der männlichen Dominanz in unserer Gesellschaft, dass Männer auf unterschiedliche Weise eine Kultur geschaffen haben, die es mit Scham verknüpft und versteckt!!!

Und zwar Männer, die ein VIEL ZU GROSSES Interesse an den Tag legen für das, was als „das weibliche Geschlechtsorgan“ bezeichnet wird!

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Männer, die sich ZU SEHR für das interessieren, was als „das weibliche Geschlechtsorgan“ bezeichnet wird, verursachen ENORME gesellschaftliche Probleme!

Und natürlich ist es super, dass Leute sich „für etwas einsetzen“, aber ich – und viele andere – würden ETWAS weniger Ehrgeiz und Engagement bei den Männern begrüßen, die sich ZU SEHR für „das weibliche Geschlechtsorgan“ interessieren.

Und um dazu anzuregen, präsentiere ich Ihnen jetzt ...

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Genau, wie Kolumbus sich dafür einsetzte, dass verschiedene südamerikanische Länder nach ihm und seinen Kumpels benannt wurden – – gibt es, in mehrerlei Hinsicht, einen ÜBERTRIEBENEN EHRGEIZ, den Frauenkörper auf unterschiedliche Weise zu kolonialisieren, bis in die dunkelsten, feuchtesten Winkel hinein.

Wir sind viele, die – mit Blick auf die Geschichte und die Gegenwart –

eine etwas entspanntere, „mañana-mañanamäßigere“ Haltung zu schätzen wissen würden gegenüber dem, was man „das weibliche Geschlechtsorgan“ nennt.

DIE KOMPLETTE LIsTE:


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Und auf dem 7. Platz haben wir: JOHN HARVEY KELLOGG (1852–1943)

Sie dachten vielleicht, dass John Harvey Kellogg nur die Cornflakes erfunden hat?

ABER JOHN HaRVEY KELlogG hatTE MEhRerE eISeN IM FEUeR$ Er war auch Arzt, und eines seiner Fachgebiete war das weibliche Geschlecht - genauer gesagt wollte er Frauen davon ABHALTEN, ihr Geschlecht ANZUFAsSEN. Ich bin nicht nur Arzt - ich habe auch die Cornflakes erfunden!

John Harvey Kellogg interessierte sich BRENNEND dafür, Frauen davon abzuhalten, ihr Geschlecht zu berühren! Anti-Onanie war damals in der Medizin en vogue.

Und außerdem habe ich noch Zeit, Frauen davon abzuhalten sich anzufassen!

Kellogg schrieb Gesundheitsbücher, in denen er verbreitete, dass Onanie Gebärmutterkrebs, Epilepsie, Wahnsinn und allgemeine mentale oder physische Labilität verursache. Warum habe ich Krebs?

Zu viel Klitorisstimulation. Warum bin ich wahnsinnig?

Zu viel Klitorisstimulation. Warum tut mein Bein weh?

Zu viel Klitorisstimulation. 8

Zum Glück wusste Kellogg ein Mittel gegen die gefährliche Onanie. In seinem Buch „Plain facts for old and young“ schreibt er: Was Frauen betrifft, erwies sich die Applikation von reiner Karbolsäure auf die Klitoris … … als hervorragendes Mittel gegen abnorme Wallungen.


Wenn Sie also der Meinung sind, dass das Schlimmste, was Kelloggs Cornflakes den Frauen angetan haben, die Millionen Werbefilme sind, in denen Anorektikerinnen Stretchübungen am Pool machen, während sie langsam eine Schale gräulicher Frühstücksflocken verspeisen und das als ein erstrebenswertes Lebensziel darstellen ...

... SOLLTEN sIE IHRE MEINUNG ÜBERPRÜFEN - oder zumindest bedenken, dass der Gründer dieses Unternehmens es für eine gute Idee hielt, Säure auf die Klitoris zu schütten.

Und das führt uns zum sechsten Platz auf unserer Liste von Männern, die sich zu sehr für das interessieren, was als „das weibliche Geschlechtsorgan“ bezeichnet wird, nämlich ...

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Diese Operation - radikale Kliteridektomie - war damals allgemein anerkannt und wurde von vielen Ärzten durchgeführt.* * siehe z.B. Nilsson, Ulrika, The Politics of Woman, Uppsala University Press 2003.

Auch Dr. Isaac Baker-Brown war ein passionierter Gegner der weiblichen Onanie. Seine Methode, Frauen vom Onanieren abzuhalten, war, die Klitoris einfach HERAUSZUOPERIEREN.

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Dr. Baker-Brown hatte eine - vorsichtig ausgedrückt - liebevolle Einstellung zur Kliteridektomie und sah in ihr die Lösung für alle Arten von Problemen. Mit einer solchen Operation behandelte er z.B. Hysterie, Kopfschmerzen, Depressionen, Reizung des Rückenmarks, Appetitlosigkeit und Unfolgsamkeit.*

In fünf Fällen führte Baker-Brown zudem Klitoridektomien durch, weil die Frauen sich scheiden lassen wollten, was durch ein neues Scheidungsrecht aus dem Jahr 1857 möglich geworden war.*

Klitoris entfernen!

Was soll ich sagen? Ich habe den Eindruck, wir haben uns auseinandergelebt, und es wäre besser, wenn ... ... ICH dir einen Termin bei Dr. Baker-Brown besorge!

Klitoris entfernen! Klitoris entfernen!

Mitte der 1860er Jahre wurde Dr. Baker-Brown jedoch aus der Ärztekammer ausgeschlossen, nachdem bekannt geworden war, dass er Patientinnen mehrmals zu dieser Operation gezwungen und sie nicht über die Folgen aufgeklärt hatte. Was letztlich den Ausschlag für seinen Ausschluss gab, war jedoch, dass Baker-Brown verheiratete Frauen operiert hatte, ohne „die Zustimmung der Ehemänner einzuholen“. Gegen eine korrekt durchgeführte Kliteridektomie gibt es NICHTs EINZUWENDEN!!!

Die Kliteridektomie setzte ihren Siegeszug bis zum Ende des 19. Jahrhunderts fort. In den USA wurde die letzte medizinische Entfernung der Klitoris im Jahr 1948 ausgeführt, UM EIN FÜNFJÄHRIGES MÄDCHEN vom Onanieren abzuhalten.*

Hände über die Decke!

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Wir haben dich gewarnt!

sofern man die Zustimmung des Ehemanns einholt.

So so.

Was sagt man dazu.

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