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Der Ryōan-ji ist vielleicht der berühmteste (Zen-)Garten Japans.

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Ein Kiesgarten mit 15 größeren Steinen … 14 13 15!

… die man nie alle gleichzeitig von einem Punkt aus sehen kann … Wenn man sie alle sehen will …

… muss man sich bewegen …

(Man bekommt auch nie alle Steine auf ein Foto.)

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Aber gerade das tun meditierende Zen-Mönche nicht …

… sich bewegen …

Sie sitzen totenstill da. Die einzige Möglichkeit ist, über den Steinen zu schweben.

Von oben sieht man alle 15 Inseln …

… in Gedanken …

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Aber in der Realität scheint es manchmal so … 1

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… als würden wir immer weniger sehen … 7

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… oder nur das, was wir gelernt haben … … das, was wir sehen „sollen“ …

15!

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Im Schatten eines kleinen Bambuswaldes …

… machen Arbeiter während der Mittagspause ein Nickerchen in ihren klimatisierten Autos.

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Eine klatschende Hand.

… Mama? …

… Ja? … … Mama? Es regnet!

… Oh … Willst du nicht was malen? …

… Nee …

Der Bücherschrank meines Vaters

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Was für ein Geräusch macht eine klatschende Hand?

Soll das ein Witz sein? Kann man als erwachsener Mensch ernsthaft über so was nachdenken?

Man kennt das Geräusch zweier klatschender Hände …

Aber eine klatschende Hand?

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Eine klatschende Hand …

Dieses Buch war anders als alle anderen, die ich bisher gelesen hatte.

Es enthielt auch eine Art Comic, der sich aber von den Comics unterschied … 12

Eine ohrenbetäubende Stille …

… die ich bis dahin gesehen hatte …

Vor allem das Bild …

Ochse und Mann verschwunden.

Ein leerer Rahmen …


Was ist das für eine Welt, in der Männer – es sind nämlich allesamt Männer – mit einer Hand klatschen …

… und gemeinsam mit ihrem Ochsen verschwinden und einen leeren Rahmen hinterlassen?

Papa?

Ja …?

Was für ein Geräusch macht eine klatschende Hand?

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… Aha, du hast in meinen alten Büchern rumgeschnüffelt, oder?

Ja, aber ich verstehe es überhaupt nicht!

… Was soll denn das sein: das Geräusch einer klatschenden Hand?

Ja, aber ihr habt kleinere Hände … Haha, eine klatschende Hand!

vielleicht macht meine ja ein Geräusch! … Ich höre auch nichts!

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Macht sich immer Notizen mit Kuli

Hornhaut vom Job in der Werkstatt

Habt ihr was gehört? …

Beruhigt euch, Kinder! Sonst liegt gleich alles auf dem Boden!

… Ja, ich glaub schon! …

Iss bitte erst deinen Teller leer!

30 Jahre später …

Hi, Papa! Das wird dein Vater sein …

… Übrigens weiß ich jetzt die Antwort auf eine Frage von damals! …

Hallo!

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Das Geräusch einer klatschenden Hand, weißt du noch? … Die Antwort ist … … Ja …

Er macht eine Geste, als wollte er eine unsichtbare Glühbirne eindrehen.

Dein Vater und ich waren bei einer Theatervorstellung für Schwerhörige und Gehörlose …

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… Und das Publikum applaudierte mit diesen Handzeichen! …


Die Achtsamkeit Hick

Konbanwa!*

Haha

Aua!

Aaargh …

Hello, Bigman! Goodnight!

* Guten Abend Ich übernachte in einem Ryokan, einer traditionellen Herberge …

… die wie so vieles in Japan …

Die Menschen hier sind kleiner …

Und Kyoto ist eine alte Stadt, aus einer Zeit, in der die Menschen noch kleiner waren …

… zu klein für mich ist.

Aber in Japan hat das Kleine wohl auch einen besonderen Stellenwert.

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Natürlich gibt es hier beeindruckende Tempel und Paläste …

Ein typisches Beispiel für die imposante Baukunst …

Als Zen nach Kyoto kam, änderte sich alles …

… durch die niedrige Schiebetür des Teehauses zwängen muss, wie jeder andere Besucher auch.

Um eine Schale grünen Tee zu trinken.

Mit den archetypischen Saumdächern …

… nicht meine Sache … … Tja …

Stell dir mal den Shogun oder einen anderen hohen Kriegsherren vor, der sich zur Teilnahme an der Teezeremonie …

Was muss das für eine Erleichterung gewesen sein, nach Jahren barocker Hofkultur.

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Alles ist von großer Schlichtheit …

Daher dauert es auch nicht lange, bis man Zen zur offiziellen neuen Staatsideologie erhebt.

In dieser Periode ist der Einfluss von Zen groß. Vom Essen …

… bis hin zu Architektur und Gartengestaltung. Alles wurde von den Zen-Prinzipien …

… über die richtige Form inspiriert: klein, natürlich, ungeschliffen.

Aber noch wichtiger war „der Weg“, die Art und Weise des menschlichen Handelns …

Es ist nicht wichtig, was man tut …

Zen erlebt seine Blütezeit. (Das war natürlich wieder der Anfang vom Ende.)

Vegetarisch! Der Gedanke, dass sich das Höhere und Wahre in der Schlichtheit und im Alltäglichen ausdrückt, durchdrang alle Facetten der japanischen Gesellschaft.

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Leseprobe Zen ohne Meister  
Leseprobe Zen ohne Meister  
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