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Das Availon-Journal für den unabhängigen Windenergie-Service | April 2011

Fokus

Durchatmen trotz angespannter Lage. Die Erträge aus der Windenergie sind rückläufig. Kein Wunder, dass Investoren sich bereits darauf einrichten, den Gürtel enger zu schnallen. Doch ist Verzicht wirklich das Maß aller Dinge, um der Flaute zu begegnen? Warum sinkende Erträge nicht zwangsläufig sinkende Investitionen bedeuten müssen, lesen Sie auf Seite 4

WEA-Versicherung: Erfahrung zahlt sich aus. Seite 8

Neuer Generator: Zuverlässigkeit am Haken. Seite 10

Vollwartung: Unabhängige Servicepartner im Vorteil. Seite 13


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INHALT | April 2011 4

Fokus

Titelthema: Durchatmen trotz angespannter Lage. 8

Thema

Risikomanagement der besonderen Art: Versicherungsschutz für Windenergieanlagen. 10

Geschehen

Premiere unterm Gefrierpunkt: Erstinstallation eines Generator-Prototypen. 13

Blick

Vollwartung: Vollste Zufriedenheit statt leerer Versprechen. 16

Interview

Gefährliche Nachlässigkeit: Warum regelmäßige Sicherheitsprüfungen wichtig sind. 18

Gespräch

Lieferantenmanagement: Aufbau eines effizienten Lieferantennetzwerkes.

IMPRESSUM Herausgeber: Availon GmbH · Jacksonring 2 · 48429 Rheine Fon 0 59 71 80 25 - 0 · Fax 0 59 71 80 25 -109 · www.availon.eu Redaktion und Gestaltung: EXPECT MORE Kommunikation GmbH · Breite Straße 4 · 48431 Rheine Fon 0 59 71 80 40 9 - 0 · Fax 0 59 71 80 40 9 -100 · www.expect-more.de V. i. S. d. P. : Dagmar da Costa Fotos: Commerzbank AG ( S. 6 ), Nordwest Assekuranzmakler GmbH & Co. KG ( S. 8 – 9 ), Markus Hauschild ( S. 13 –15 ), Avanti Wind Systems GmbH ( S. 16 – 17 ) Copyright: Alle in der ON Service veröffentlichten Beiträge (Texte, Fotos, Grafiken, Logos und Tabellen) sind urheberrechtlich geschützt. Das Copyright liegt bei der Availon GmbH, sofern dies nicht anders gekennzeichnet ist. Nachdruck, Aufnahme in Datenbanken, Onlinedienste und Internetseiten sowie Vervielfältigung auf Datenträgern sind nur nach vorheriger schriftlicher Genehmigung durch die Availon GmbH gestattet. Auflage: 43.100 Stück


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Fokus

Flau oder Ru‫ה‬ vor m Srm ?

Schlechte Windjahre machen Betreibern zu schaffen.

„Der Pessimismus darf heute nicht die einzige Wachstumsbranche sein“, sagte einmal Norbert Blüm. Das ist freilich leicht gesagt angesichts der schlechten „Wind“-Jahre 2009 und insbesondere 2010. Investoren von Windenergieanlagen (WEA) stellen sich nun darauf ein, den Gürtel enger zu schnallen, denn potenzielle Ausschüttungen rücken zunächst einmal in weite Ferne. Doch welche Auswirkungen hat das auf Serviceleistungen rund um WEA? Bereits ein kurzer Blick auf den IWR-Windertragsindex für Regionen® 1 für die Jahre 2009 und 2010 verdeutlicht das Dilemma: Die Erträge aus der Windenergie sind rückläufig. So betrug nach Angaben des IWR (Internationales Wirtschaftsforum Regenerative Energien) für 2009 der kumulierte Gesamt-Indexertragswert für das Binnenland 93,1 Prozent und für Küstengebiete 89,3 Prozent. Im Vergleich zum Ertragsmittelwert aus den Jahren 2004 bis 2008 ergeben sich hieraus Abweichungen von –6,9 Prozent für das Binnen-

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land und –10,7 Prozent für Küstenstandorte. Die Zahlen für 2010 sehen nicht besser aus. Ganz im Gegenteil: Hier wurde für das Binnenland ein Gesamt-Indexertragswert von 76,2 Prozent und für Küstengebiete von 84,8 Prozent ermittelt, wodurch sich im Vergleich zum Fünf-Jahres-Mittelwert von 2005 bis 2009 Abweichungen von –15,2 Prozent für Küsten- und –23,8 Prozent für Binnenstandorte ergeben.

IWR-Windertragsindex für Regionen: Berechnet aus den tatsächlichen Energieerträgen von WEA und Windparks, die an unterschiedlichen Standorten in der jeweiligen Region verteilt sind (Quelle: www.iwr.de).

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Ernüchternde Aussichten Zwar weist das IWR darauf hin, dass ein regionaler Windindex (vergleichbar mit dem Deutschen Aktienindex) lediglich eine Orientierungshilfe sein kann und sich nicht auf einzelne Windparks zur Ermittlung eines langjährigen Ertragswerts anwenden lässt. Dennoch stehen die genannten Zahlen stellvertretend für die derzeit pessimistische Stimmung in der Windenergie, bei der die einst kalkulierten Ertragsziele im Grunde nichts mehr mit der Realität zu tun haben. Die Betreiber von WEA und Windparks sehen sich vor immensen Herausforderungen, zumal die Finanzierung der Projekte weiterhin gesichert sein muss. Führten sinkende Erträge im negativen Fall zu sinkenden Investitionen, hätte dies zur Folge, dass geplante Wartungseinsätze, Instandhaltungsmaßnahmen und Reparaturen an WEA sowie Maßnahmen für Anlagenoptimierungen auf die lange Bank geschoben oder im schlimmsten Fall ganz verworfen würden. Doch lassen sich derartige Entscheidungen wirklich auf die simple Formel „sinkende Erträge = sinkende Investitionen“ reduzieren? Immerhin wird die Windenergie als besonders nachhaltige Form der Energiegewinnung gerühmt, wobei hier die Betonung stets auf „nachhaltig“ liegt. Wenn dem wirklich so ist, dann sollte das Attribut „nachhaltig“ nicht nur im ökologischen, sondern auch im wirtschaftlichen Sinne gelten, denn Nachhaltigkeit bedeutet auch Kontinuität. So sieht es beispielsweise auch die Commerzbank AG als Finanzierer für WEA und Windparks. Gesellschaftliche und unternehmerische Verantwortung „Historisch betrachtet ist die Commerzbank bereits von Anfang an bei der Finanzierung von Windenergieprojekten in Deutschland dabei und hatte hier zwischenzeitlich einen Marktanteil von rund 50 Prozent. Mit der Gründung des Bereiches Renewable Energies vor acht Jahren haben wir auch eine gesellschaftliche Verpflichtung, Aktivitäten im Bereich Erneuerbarer Energien durch solide Finanzierungen nachhaltig zu unterstützen. Auf diese Weise werden kontinuierlich Möglichkeiten geschaffen, um diese Form der Energiegewinnung weiterzuentwickeln.

Gemäß unserer Philosophie handeln wir auch im Sinne unserer Kunden“, erklärt Markus Wessel-Ellermann, Head of Project Finance Germany. Das Kompetenzzentrum der Commerzbank mit Sitz in Hamburg ist für die weltweiten Aktivitäten im Bereich der Erneuerbaren Energien verantwortlich und verwaltet hier ein (Investitions-)Volumen von rund 4 Mrd. Euro. Das Kreditinstitut gehört damit zu den weltweit führenden Banken bei der Finanzierung von Aktivitäten mit Fokus auf Erneuerbare Energien und betreut allein in Deutschland weiter über 1.000 Windenergieprojekte. Kein Anlass zur Unruhe Angesichts der windschwachen Jahre 2009 und 2010 ist der Experte Markus Wessel-Ellermann im Hinblick auf die Finanzierung bestehender Windenergieprojekte keinesfalls beunruhigt: „Solche Jahre hat es immer wieder gegeben, selbst wenn 2010 hier sicherlich im negativem Sinne eine Ausnahme ist. In diesem Zusammenhang ist meines Erach-

Markus Wessel-Ellermann, Head of Project Finance Germany der Commerzbank AG.


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tens nach vor allem eines sehr wichtig: der offene und insbesondere rechtzeitige Dialog zwischen Windparkbetreibern bzw. WEA-Eigentümern und ihrer Bank. Wenn sich eine Kapitalunterdeckung oder fehlender Cashflow abzeichnet, lässt sich gemeinsam klären, wie man auf die aktuelle Situation reagiert. Auf Kundenseite ist diesbezüglich momentan die Stimmung aber weniger durch Unruhe, sondern vielmehr durch wachsende Unzufriedenheit geprägt. Das ist nachvollziehbar, wenn man mit Windenergieprojekten Erträge erzielen und Geld verdienen möchte, aber einfach der Wind hierzu fehlt.“ Konservative Finanzierung mit zahlreichen Optionen Nach Meinung des Head of Projects Finance Germany wäre Unruhe zudem nur in solchen Fällen angebracht, in denen eine eher aggressive Struktur zur Finanzierung von Projekten gewählt wurde: „Das ist bei uns nicht der Fall. Unsere Finanzierungsmodelle sind konservativ und daher auf Nachhaltigkeit ausgelegt, sodass sowohl die Investoren als auch wir als Finanzierer z. B. windschwache Jahre relativ entspannt sehen können. Im Sinne einer kontinuierlichen und damit soliden Finanzierung über die gesamte Laufzeit integrieren unsere Modelle zudem auch immer ausreichende Puffer. Diese Modelle sind sehr komplex und u. a. auf Grundlage einer sehr großen Datenmenge konzipiert. Daher lassen sie sich hier nicht in Kürze konkreter darstellen. Nur so viel: Basis für die Finanzierung von Projekten im Bereich Erneuerbare Energien ist zunächst das EEG, das über einen Zeitraum von 20 Jahren eine Vergütung garantiert. Ein Teil dieser Laufzeit muss für Restrukturierungen zur Verfügung stehen, sodass z. B. bei einer Finanzierung über einen Zeitraum von 17 Jahren am Ende noch ein Puffer von drei Jahren gewissermaßen als Ausgleich, etwa auch von windschwachen Jahren, zur Verfügung steht. Darüber hinaus wird parallel hierzu ein sogenanntes Reservekonto angelegt, das 50 Prozent des jährlichen Kapitaldienstes abdeckt. Auch dieses Reservekonto dient als Sicherheit für alle erdenklichen unvorhergesehenen Ereignisse, bei denen kurzfristig Kapitalbedarf besteht.“

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Außerdem hält die Bank als weitere Option eine Zwischenfinanzierung in Form eines sogenannten „Keilkredits“ bereit: „Wie die Bezeichnung schon sagt, kann ein solcher Keilkredit in die bestehende Finanzierung eingeschoben werden, um fehlendes Kapital auszugleichen. Eine Alternative hierzu wäre aber auch eine Verlängerung der Finanzierungslaufzeit oder die Teilnutzung des Kapitals aus dem Reservekonto für die Bedienung von Zins und Tilgung. Diese oder ähnliche von uns angebotenen Modelle sind selbst in der jetzigen Zeit zuverlässig und damit sicher. Unsere Erfahrungen belegen zudem, dass die gemeinsam mit Betreibern vereinbarten Finanzierungsformen bislang immer für die Rückzahlung der Kreditmittel ausreichten – auch in schwierigen Jahren. Wir betrachten daher die momentane Situation eher entspannt – auch im Sinne der Unternehmer“, so Wessel-Ellermann. Positiver Ausblick Vor diesem Hintergrund sollte es seitens der Betreiber von WEA und Windparks derzeit eigentlich kein Zögern im Hinblick auf geplante Wartungen, Instandhaltungen, Reparaturen und auch Modernisierungen geben. Immerhin ist eine WEA ein teures Investitionsgut, in das fortlaufend investiert werden sollte, wenn man nicht kurzfristig denken will. WEA oder Windparks, die nicht auf dem neuesten Stand der Technik sind, respektive nicht kontinuierlich gewartet und instandgesetzt werden, können keine langfristig sicheren Erträge und damit Gewinne erzielen. Solche Anlagen werden mit hoher Wahrscheinlichkeit in entscheidenden Perioden, nämlich den windstarken Zeiten, aufgrund von technischen Defekten ausfallen. Sie werden somit nahezu zwangsläufig dann zu Kosten führen, wenn sie Erträge einfahren können. Wer also nachhaltig und damit kontinuierlich in der Windenergie unternehmerisch aktiv ist, sollte sich bewusst sein, dass auch Zeit für Reinvestitionen erforderlich ist.


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Thema

Rikomanat der b on ren t. Worauf man beim Versicherungsschutz

von Windenergieanlagen achten sollte. „Abgeredet vor der Zeit gibt nachher keinen Streit.“ Auf keinen Bereich passt diese Redewendung wohl eher als auf den Versicherungsschutz von Windenergieanlagen (WEA).

Thomas Haukje, geschäftsführender Gesellschafter Nordwest Assekuranzmakler GmbH & Co. KG.

„Die Versicherungsbranche kann mittlerweile auf langjährige Erfahrungen im Bereich der Windenergie zurückgreifen, was sich in den letzten Jahren deutlich in deren Risikomanagement bemerkbar gemacht hat“, meint Thomas Haukje, geschäftsführender Gesellschafter der Nordwest Assekuranzmakler GmbH & Co. KG aus Bremen. Haukje muss es wissen, denn der Fachmann beschäftigt sich bereits seit Ende der 90er Jahre mit der Absicherung von WEA. Die Nordwest Assekuranz ist als internationaler, moderner und inhabergeführter Versicherungsmakler für Industrieversicherungen ein neutraler Partner im Bereich des Risiko- und Versicherungsmanagements solcher großen Projekte und seit Gründung auch auf die Betreuung von Kunden aus dem Bereich Erneuerbarer Energien spezialisiert. Allein im Bereich der Windenergie betreut das Unternehmen Kunden mit einer installierten Gesamtleistung von mehr als 5.000 MW. „Im Wesentlichen achten Versicherer vor dem Abschluss eines Vertrags mit einem Betreiber oder Betriebsführer auf vier entscheidende Punkte: den Hersteller der Anlage, den Anlagentyp, das Alter sowie den Zustand einer Anlage. Darüber hinaus interessiert sie, welche Service- und Wartungsverträge die Betreiber für ihre Anlagen oder Windparks abgeschlossen haben“, so Haukje. Bei Neuanlagen muss eine Versicherung zunächst geringere Risiken einkalkulieren,

denn für die Beseitigung von Schäden oder gravierenden Mängeln ist der Anlagenhersteller innerhalb der Gewährleistung verantwortlich. Anders verhält es sich jedoch mit Anlagen, die sich nicht mehr in der Gewährleistung befinden und in der Versicherungsbranche auch als „Altanlagen“ bezeichnet werden. „Hier steht ein Versicherer immer mit in der Pflicht und muss finanziell je nach Vertrag mitunter für größere Summen geradestehen.“ Vor diesem Hintergrund benötigen die Versicherer bei einem Neuabschluss über sogenannte Altanlagen ein „Zustandsgutachten“, das in der Regel von Serviceunternehmen oder Sachverständigen erstellt wird. „Je nach Versicherer muss ein solches Gutachten – als Basis für den geleisteten Versicherungsschutz – in bestimmten Zeiträumen erneuert werden und wird je nach Praxis des Versicherers entweder jedes Jahr oder alle zwei Jahre angefordert. Dies hängt jedoch nicht nur vom jeweiligen Versicherer, sondern auch vom Anlagentyp und dem Wartungsvertrag ab“, erklärt Haukje und betont: „Das Risikomanagement hat sich seitens der Versicherer bei Altanlagen definitiv verändert. Hier wollen Versicherer z. B. genau wissen, wie das Betriebsführungs- und Servicekonzept aussieht, also vor allem, wie die Betreiber oder Betriebsführer im Bereich der Wartung begleitet werden. Um also erhebliche Einschränkungen, z. B. den Ausschluss bestimmter Schäden bereits im Vorfeld, oder eine Nichtversicherbarkeit


Thema

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Wenn Elementargewalten wie Blitzschlag auf eine WEA einwirken, entstehen meist massive Schäden.

der Anlage zu verhindern, ist es sehr wichtig, diese Details dem Versicherer bzw. dem Makler seines Vertrauens preiszugeben, um dann auch für den Schadensfall rundum abgesichert zu sein.“ Mit Blick auf die Versicherungsleistungen und damit auf die Schadensregulierung legen Versicherer ihr besonderes Augenmerk auf den Bereich rund um den Triebstrang und die Rotorblätter. Das dürfte niemanden verwundern, denn ein Schaden an Hauptlager, Kupplung, Getriebe oder Generator sowie an den Rotorblättern kann sehr schnell eine sechsstellige Summe erreichen. Aufgrund von massiven Problemen, die einige große Anlagenhersteller mit den Fundamenten haben, ist in den letzten Jahren auch dieser Anlagenbereich in den Fokus der Versicherer gerückt. Obwohl etablierte Versicherungsunternehmen in diesem Zusammenhang bereits eine Fülle an Erfahrungen besitzen, ist zum Thema Fundamentsanierung dennoch ein regelrechter Gelehrtenstreit entbrannt. „Oftmals hängt es daher vom Verhandlungsgeschick eines Maklers ab, ob und wie ein solcher Schaden reguliert wird.“ Bei der Wahl eines geeigneten Versicherungsunternehmens sollte daher nach Auffassung der Nordwest Assekuranz darauf geachtet werden, dass ein Versicherer über langjährige Erfahrungen im WEA-Bereich verfügt und außerdem vollumfängliche Leistungen zu einer vergleichsweise günstigen Prämie anbietet.

„Weitaus wichtiger ist aber die Frage, mit wem ein Betreiber oder Betriebsführer den Service für seine Anlagen gestaltet, denn dies beeinflusst im Wesentlichen die Höhe der Prämie und die Qualität des Versicherungsschutzes.“ In diesem Zusammenhang ist nach Meinung Haukjes grundsätzlich zu beachten, dass sich ein Servicedienstleister mit dem jeweiligen

Durch Blitzeinschlag zerstörte WEA.

Anlagentyp auskennt und hierzu auch ein wirksames Ersatzteilkonzept zur Verfügung stellt. „Die Expertise des Serviceanbieters ist von immenser Bedeutung, vor allem bei der Frage, wie nahe er am ‚Engineering‘ der Anlagen ist. So muss ein Servicepartner nicht nur in der Lage sein, defekte Komponenten auszutauschen, sondern bei wiederkehrenden Problemen mit spezifischen Komponenten auch technische Verbesserungen entwickeln zu können, um derartige Schäden bzw. Mängel zukünftig nicht erst auftreten zu lassen. Ohne umfangreiches Know-how und qualifiziertes Personal ist das nicht möglich.“ Das Fazit des Versicherungsmaklers lautet deshalb: „Je professioneller und umfangreicher die vereinbarten Leistungen für Inspektion, Wartung und Instandhaltung von WEA, desto höher die Qualität des Versicherungsschutzes.“ Bei der Wahl geeigneter Servicepartner suchen sich WEA-Betreiber oftmals für spezifische Arbeiten unterschiedliche, auf verschiedene Anlagenbereiche spezialisierte Firmen aus. Laut Haukje ist das wenig ratsam, da das Schnittstellenrisiko erhöht wird, je mehr Unternehmen eine Anlage betreuen. Der Experte gibt zu bedenken: „Im Falle eines Schadens müssen alle durchgeführten Instandsetzungsmaßnahmen lückenlos dokumentiert und für den Versicherer transparent nachweisbar sein. Viel besser ist es, einen Anbieter an der Hand zu haben, der einen Gesamtservice offerieren kann.“


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Geschehen

Premiere mit Hindernissen. Erstinstallation eines Generator–Prototypen.

21. Dezember 2010 – nur noch wenige Tage bis Weihnachten. Die Quecksilbersäule sinkt auf frostige Temperaturen von –10 °C, auf den Autobahnen in Deutschland herrscht Schneechaos, in NRW besteht ein LKW-Fahrverbot auf den Autobahnen. Keine besonders günstigen Bedingungen, einen Generator-Prototypen in eine 2 MW-Anlage vom Typ V80 VCS® mit 95 Metern Nabenhöhe zu installieren. Doch die Zeit drängt, denn die Anlage mit defektem Generator steht. „VCS“ ist eine eingetragene Marke der Vestas Wind Systems A/S, DK.


Geschehen 11 Schon in der Nacht vom 20. Dezember wurde der 5,9 Tonnen schwere Generator samt Wärmetauscher von Rheine aus zu seinem rund 300 Kilometer entfernten Bestimmungsort, einem Windpark in Sachsen-Anhalt, transportiert. Bereits im Lager hatte man den Kupplungsflansch an die Nabe montiert, damit während der Installation vor Ort keine unnötige Zeit verloren gehe. Als das Serviceteam am Morgen des 21. Dezembers an der Anlage eintriff t, stehen bereits Generator und Kran bereit. Effizientes Zusammenspiel Zunächst muss die beschädigte Maschine zur Demontage vorbereitet werden. Nach dem Abschalten der Versorgungsspannung klemmt man daher u. a. alle Anschlüsse zur Maschine und zum Wärmetauscher ab. In der Zwischenzeit wird das Dach zum Maschinenhaus geöffnet und mit dem Kran herabgelassen, damit später zunächst der Wärmetauscher und dann der Generator aus rund 100 Metern Höhe am Fuß der Anlage abgesetzt werden können. „Hochzeit“ von Generator und Anlage Kaum sind die tonnenschweren Komponenten entfernt, beginnt ein Team mit der Reinigung des Maschinenhauses und mit den Vorbereitungen zur Installation des neuen Generators. Zuerst wird die doppelt gespeiste Asynchronmaschine und dann der Wärmetauscher mithilfe des Krans in das Maschinenhaus gehoben. Anschließend hievt man wieder das Dach in luftige Höhen, um das Maschinenhaus zu schließen. Alles läuft nach Plan Im Innern beginnt die Servicemannschaft mit dem Anschluss des Generators, wobei als Erstes der Traforaum geschlossen wird, damit erneut Spannung auf die Anlage

Bei eisigen Temperaturen triff t die Servicemannschaft am Morgen des 21. Dezembers im Windpark in SachsenAnhalt ein.

gegeben werden kann. Die Mannschaft um Lasse Clausen, Leiter des Serviceteams von Availon, kann zufrieden sein. Trotz klirrender Kälte und Schneefall verläuft am ersten Tag der Installation alles nach Plan. Problemlose Integration Mit erwartungsvoller Spannung macht sich das Serviceteam am zweiten Tag auf den Weg zur Anlage, denn heute erfolgt der elektrische Anschluss der Maschine. Alles läuft erneut wie am Schnürchen und zur vollsten Zufriedenheit aller Beteiligten. Vor der endgültigen Inbetriebnahme wird eine Parameteränderung in der Steuerung vorgenommen, damit der neue Generator sich problemlos in die bestehende Controller-Infrastruktur integriert und die Anlage Strom ins Netz einspeisen kann. Kleine Hindernisse sofort beseitigt Lasse Clausen ist begeistert: „Wir haben nicht nur den widrigen Witterungsverhältnissen mit all ihren unvorhersehbaren Problemen und Störungen getrotzt, sondern auch die Installation des neuen Generators und die Inbetriebnahme der Anlage nach Zeitplan durchgezogen.“ Wer glaubt, das sei selbstverständlich, der irrt. Insbesondere bei der Installation eines Prototypen wie dieser komplexen Maschine kann es durch unvorhergesehene Ereignisse oder Probleme immer wieder zu Zeitverzögerungen kommen. „Bei uns gab es in diesem Zusammenhang nur ein kleines Problem mit der Erdung des Lagegebers, das wir aber durch einen Austausch des Encoders schnell beheben konnten. Da der Generator trotz dieser marginalen Störung durchlaufen konnte und es zu keinem Anlagenstillstand kam, hatte dies keinerlei gravierende Auswirkungen auf das Projekt“, freut sich Clausen.


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Geschehen

„Hochzeit“: Der neue Generator wird in das Maschinenhaus eingesetzt.

Stillstand nach einem Monat Die Freude von Lasse Clausen wird am 8. Februar 2011 allerdings getrübt. Der Betriebsführer, die WindStrom Betriebs- und Verwaltungs GmbH, meldet den Stillstand der Anlage mit dem neuen Generator. Ein Serviceteam von Availon eilt zur Anlage. Nach einigen Messungen am Generator beschließt das Serviceteam von Availon in Abstimmung mit dem Kunden die Demontage der defekten Maschine und stellt sofort einen Ersatzgenerator bereit, um einen längeren Anlagenstillstand zu vermeiden. „Für den Austausch der Generatoren benötigten wir nur einen Tag. So war die Anlage binnen kurzer Zeit wieder betriebsbereit“, erklärt Olaf Kleesch, Director Global Technical Support & Engineering von Availon. Sofortige Fehleranalyse mit konkreten Ergebnissen Die sofortige Fehleranalyse am defekten Generator zeigte, dass es eine nicht kalkulierte Erwärmung im Bereich des Schleifrings gegeben hatte. Die Folge: Das Lot, mit dem die Enden des Rotorkabels am Schleifring befestigt waren, hatte sich verflüssigt und durch die Zentrifugalkraft im Schleifring verteilt. Hierdurch entstand ein Körperschluss. Als Ursache für die Erwärmung des Schleifrings identifizierte man sehr schnell die Klemmen, die die Rotorkabel mit dem Schleifring verbinden. Marginale Probleme behoben Hierzu Olaf Kleesch: „Durch weitere eingehende technische Analysen haben wir sicherstellen können, dass es keinerlei zusätzliche Fehlerursachen für das Abschalten des Generators gibt. Es handelte sich hierbei also nur um vergleichsweise marginale Probleme, die wir durch den Austausch der alten Klemmen gegen neue Klemmen mit einem geringeren Widerstand und das zukünftige Anpressen der Rotorkabel an den Schleifring bewältigen konnten.“

Nennleistung mehrmals erreicht Bereits in den ersten Wochen nach der Installation erreichte die doppelt gespeiste Asynchronmaschine mehrmals ihre Nennleistung von 2 MW über mehrere Stunden. Hierbei pendelte sich der Generator bei +22 °C im Maschinenhaus in seine Beharrungstemperaturen ein, wobei Wicklungstemperaturen von +100 °C gemessen wurden. Da die Dimensionierung des Generators nach Wärmeklasse F erfolgte, ist sein Betrieb dauerhaft bis zu einer maximalen Wicklungstemperatur von +155 °C zulässig. Erwartungen erfüllt Axel Ringhandt, technischer Leiter von WindStrom, sieht die Probleme mit dem neuen Generator eher gelassen: „WindStrom betreut insgesamt 249 Anlagen mit einer Gesamtnennleistung von rund 420 MW und ist damit einer der führenden Anbieter im Bereich WEA-Betriebsführung. Wir gehören hierzulande zu den Betreibergesellschaften, die unabhängige WEA-Serviceunternehmen bewusst stärken möchten, um den Wettbewerb am Markt zu forcieren. Availon ist aus meiner Sicht sowohl im Hinblick auf das Engagement, als auch das Know-how der Mitarbeiter überdurchschnittlich. Unser Entschluss, den alten Generator durch die doppelt gespeiste Asynchronmaschine von Availon auszutauschen, ist für uns eine zukunftsorientierte und damit strategische Entscheidung. Dass es bei einer derartigen Großmaschine zu Problemen kommen kann, ist ärgerlich, aber auch durchaus verständlich. Ich erwarte in einem solchen Fall von einem unabhängigen Serviceanbieter, dass er diese Probleme auch offen kommuniziert. Und genau das hat Availon getan. Ich bin daher im Hinblick auf die zukünftige Zuverlässigkeit der Maschine sehr zuversichtlich.“


Blick 13

Keine vollmundigen Versprechen. Entscheidende Faktoren für die Wahl eines Vollwartungspartners. Vollwartungsverträge für Windenergieanlagen (WEA) minimieren für Betreiber und Betriebsführer das Risiko von Anlagenschäden sowie unvorhergesehenen Anlagenstillständen und somit die Gefahr vor ungeplanten und mitunter hohen Investitionen. Vertrag ist Vertrag. Aber Vollwartung ist nicht gleich Vollwartung. Daher sollte sich jeder genau überlegen, für welchen Vollwartungsvertrag und damit Servicepartner er sich letztlich entscheidet.

Die Vollwartungskonzepte sowohl von OEM als auch unabhängigen Serviceanbietern tragen zumeist nicht nur gleiche oder sehr ähnliche Label, sondern unterscheiden sich mittlerweile auch kaum im Leistungsumfang. In der Regel beinhalten alle ein Basispaket mit Fernüberwachung und technischer Beratung, Fehleranalyse und -behebung sowie einer vorbeugenden Instandhaltung. Hinzu kommen Ölwechsel und der Austausch von Verschleißteilen, die regelmäßige Wartung der Anlage und der Rotorblätter, eine Triebstranganalyse, die Überprüfung der Sicherheitstechnik, die Wartung der Trafoeinrichtung, die Bereitstellung von Ersatzteilen inklusive Hauptkomponenten und eine Verfügbarkeitsgewährleistung. Für Betreiber und Betriebsführer ist es daher auf den ersten Blick nicht immer leicht, sich für den passenden Serviceanbieter zu entscheiden. Auf den zweiten Blick gibt es dennoch große Unterschiede, die die Vor- und auch Nachteile bestehender Konzepte offenbaren. Konzentration auf die Kernkompetenz Wartungen, Instandhaltungen und Reparaturen, das sind die Kerngeschäfte von unabhängigen Serviceunternehmen. Und in diesen Bereichen mussten sie sich anfänglich gegen

vergleichbare Leistungen von OEM profilieren. Mittlerweile haben sich die unabhängigen Dienstleister am Markt etabliert, denn sie konnten sich – anders als OEM – voll und ganz auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren, viele Erfahrungen sammeln und wertvolles Wissen zusammentragen. Sie gehören heute somit zweifelsohne zu den Spezialisten, wenn es um umfassenden Service und damit auch um Vollwartungsleistungen für WEA geht. In der Regel können daher solche Servicedienstleister im Rahmen ihrer Vollwartungskonzepte auch eine technische Verfügbarkeitsgewährleistung von 97 Prozent für die von ihnen betreuten Anlagen anbieten.

Nicht immer sind die Unterschiede zwischen Serviceanbietern auf den ersten Blick zu erkennen.


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Blick

Vertrauen ist gut. Kontrolle ist besser!

Realistische Schadensabdeckung Eine derartige Verfügbarkeitsgewährleistung kann freilich unvorhergesehene Ereignisse, auf die ein Serviceanbieter unmittelbar keinen Einfluss hat, nicht abdecken. Typische Beispiele hierfür sind ein Netzausfall oder die Abschaltung einer Anlage bei Windgeschwindigkeiten oberhalb der Abschaltwindgeschwindigkeit. Auch Schäden wie Brände oder zerstörte Rotorblätter durch Elementargewalten, wie Blitzeinschlag, sind in der Regel nicht Bestandteil eines Vollwartungsvertrags – und das aus gutem Grund. Wer sich gegen massive Schäden wie ausgebrannte Maschinenhäuser und abgeknickte Rotorblätter und damit verbundenen Kosten für Reparaturen und Instandhaltungen wappnen will, wendet sich in der Regel an einen hierauf spezialisierten Versicherer. Mit diesem wird er entsprechende Leistungen für eine Regulierung im Falle eines Schadens vereinbaren. Ein Serviceunternehmen, das solche Leistungen ebenfalls mit in sein Vollwartungskonzept integriert, würde im Grunde nichts anderes machen. Unternehmerisches Risiko bleibt Im Zweifelsfall sollte ein Betreiber oder Betriebsführer nach dem Motto „Vertrauen ist gut. Kontrolle ist besser!“ handeln und sich zunächst selbst bei Versicherern einen Überblick über Leistungen und Preise verschaffen. Immerhin trägt ein Betreiber trotz aller Vereinbarungen mit einem Serviceanbieter das unternehmerische Risiko für seine Anlagen. Daher muss es ihm letztendlich selbst überlassen sein, mit welcher Wahrscheinlichkeit er den Eintritt immens hoher Schäden einschätzt und in welchem Maße er solche Risiken minimieren möchte. Vor dem Hintergrund einer gleichermaßen umfassenden wie individuellen Risikominimierung und damit der Wahl einer geeigneten Vollwartungsvereinbarung sind die potenziellen Alleinstellung merkmale eines Serviceanbieters sicherlich in anderen Bereichen zu suchen. Umfassendes Ingenieurs-Know-how Allem voran steht hier die Bereitstellung ingenieurtechnischer Leistungen. Ein unabhängiges Serviceunternehmen, das sich eine eigene Ingenieursabteilung leistet, hat vor allem eines im Fokus: den Nutzen für die Kunden. Solche Anbieter sind in der Lage, selbst komplexe Probleme zu lösen, und haben darüber hinaus den Ehrgeiz, technische Verbesserungen an Anlagen herbeizuführen und dabei durchaus auch neue Wege zu gehen.

Offener Dialog Solche Investitionen in hoch qualifiziertes Personal sind allerdings nur sinnvoll, wenn man sich auf ganz spezifische Anlagentypen spezialisiert und in Kompetenzabteilungen das Wissen zu diesen WEA bündelt. Erst wenn ein Stab an Ingenieuren und Mitarbeiten mit umfassendem Know-how wirklich ausreichende Erfahrungen gesammelt hat und hierdurch auch technische Optimierungen zur Verfügung stehen, wird sich ein verantwortungsvoller Serviceanbieter mit seinen auf den jeweiligen Anlagentyp abgestimmten Leistungen in den Markt begeben. Die Kunden profitieren in einem solchen Fall einerseits von einer sehr dynamischen technischen Weiterentwicklung ihrer Anlagen mit dem Ziel, durch immer wiederkehrende Probleme verursachte ungeplante Anlagenstillstände massiv zu reduzieren. Andererseits gewährleistet umfangreiches ingenieurtechnisches Know-how die schnelle Identifizierung und Beseitigung von Problemen und ein proaktives Handeln seitens des Serviceanbieters, damit wichtige WEA-Komponenten erst gar nicht ausfallen. Offene Kommunikation In diesem Zusammenhang haben unabhängige Serviceunternehmen im Vergleich zu OEM einen weiteren Vorsprung: Sie können die technischen Probleme mit Anlagen gegenüber Betreibern und Betriebsführern offen aussprechen. Hierzu ein Beispiel: Welcher Automobilhersteller wird offen über technische Probleme seiner eigenen Fahrzeugmarke sprechen, wenn ein Kunde zu einer Inspektion in eine Vertragswerkstatt kommt? Ein unabhängiger KfzBetrieb hingegen wird sich weniger scheuen, mit dem Besitzer eines Fahrzeuges offen über technische Mängel zu reden. Ein unabhängiger Serviceanbieter handelt nicht anders. Wenn er dann noch Lösungen für die Beseitigung immer wiederkehrender Mängel entwickeln und implementieren kann – umso besser. Der offene Dialog zwischen unabhängigem Dienstleister und Betreibern sowie Betriebsführern führt somit oftmals zu Optimierungen mit überaus positivem Einfluss auf die technische Verfügbarkeit einer WEA. Unter Umständen können durch diesen Dialog für spezifische Anlagentypen völlig neue Wartungs- und Instandhaltungskonzepte entwickelt werden, die effizienter sind und damit dem Betreiber respektive Betriebsführer echte Kostenvorteile sichern. Im Interesse des Kunden handeln Offenheit und Vertrauen in Verbindung mit einem umfassenden wie flexiblen Leistungsspektrum, das sind im Grunde die Indikatoren einer erfolgreichen Partnerschaft von Betreibern, Betriebsführern und unabhängigen Serviceunternehmen. Wer sich im Zuge einer Vollwartungsvereinbarung sicher ist, dass ein Serviceanbieter ganz in seinem Interesse handelt und damit nicht nur stets ein offenes Ohr für Probleme, sondern auch Anregungen und Ideen hat und zudem mit viel Energie und technischem Sachverstand an die Lösung von Problemen geht, der hat mit hoher Wahrscheinlichkeit bereits die richtige Wahl getroffen.


Blick 15


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Interview

G ähr e Na läsgkeit. Sicherheitseinrichtungen in Windenergieanlagen weisen häufig Mängel auf. „Windenergieanlagen (WEA) hat man nicht tagtäglich im Blick, sodass leider allzu oft auch die regelmäßige sicherheitstechnische Überprüfung aus dem Fokus gerät. Diese Nachlässigkeit kann zu Personenschäden führen, dessen sollte man sich immer bewusst sein.“ Das meint Jens Stange, Servicemanager für Zentraleuropa der Avanti Wind Systems GmbH. Das Unternehmen mit Sitz in Heide, Schleswig-Holstein, hat sich auf wiederkehrende Sicherheitsprüfungen an WEA spezialisiert. Im Interview mit ON Service erläutert Jens Stange, warum regelmäßige Sicherheitsprüfungen so wichtig sind und weshalb solche Arbeiten nur von qualifizierten Fachleuten durchgeführt werden sollten. Warum sind regelmäßige Sicherheitsprüfungen in und an WEA so wichtig? Jens Stange: Um es kurz und prägnant zu formulieren: Weil es hier um das Leben und die Sicherheit von Menschen geht, die sich in WEA aufhalten. Im Rahmen der Genehmigung zur Errichtung und für den Betrieb einer WEA wird seitens der zuständigen Behörden der sichere Betrieb der Anlage zu jeder Zeit gefordert, ansonsten wird diese Genehmigung nicht erteilt. Aus guten Gründen, denn der sichere Zugang zu einer WEA und damit die Sicherheit aller hierfür relevanten Einrichtungen und Komponenten bedeutet letztendlich Personenschutz. Und dieser darf niemals vernachlässigt werden. Zudem kann es im Schadensfall auch zu rechtlichen Konsequenzen für den Anlagenbetreiber führen.

Wie häufig machen Sie die Erfahrung, dass die technischen Einrichtungen in WEA nicht den geforderten Sicherheitsstandards entsprechen? Leider viel zu oft. Bei rund 100 Serviceaufträgen müssen wir in der Regel an 25 Anlagen Reparaturen und andere Nacharbeiten vornehmen, um die Sicherheit wieder herzustellen. Oftmals betrifft das nur kleine, aber dennoch wichtige Instandsetzungen beziehungsweise den Austausch von Komponenten. So unterliegen z. B. Seile und Gurte einem natürlichen Verschleiß und können mitunter brüchig werden, selbst wenn sie nicht genutzt werden. Welche technischen Einrichtungen an einer WEA müssen regelmäßig überprüft werden?

Wie lange sind Sie schon in diesem Bereich tätig? Ich beschäftige mich mittlerweile seit rund elf Jahren mit dem Arbeitsund Gesundheitsschutz in WEA.

Weiß, warum regelmäßige Sicherheitsprüfungen an WEA lebensnotwendig sind: Jens Stange.

Zunächst einmal die persönliche Schutzausrüstung (PSA) gegen Absturz. Hierzu gehören der Gurt, die Halteleine und der Falldämpfer. Der Falldämpfer hat die Aufgabe, bei einem Sturz den Fangstoß, also die Energie, die in einem solchen Fall auf den Körper einwirkt, zu reduzieren. Ich gebe ein Beispiel: Wenn eine Person mit einem Gewicht von ca. 100 Kilogramm nur zwei Meter tief stürzt, wirkt eine Energie von rund 1,75 Tonnen auf den Körper. Das entspricht ungefähr dem Gewicht eines VW Golfs. Ein menschlicher Körper kann aber nur maximal 800 Kilogramm einigermaßen unbeschadet verkraften. Der Falldämpfer absorbiert also die enorme Energie, die auf den Körper einwirkt. So reduziert ein solcher Bandfalldämpfer diese Kraft bei einem Sturz auf durchschnittlich 400 bis 600 Kilogramm und stellt somit sicher, dass man einen solchen Sturz unbeschadet übersteht.


Interview 17

Verbogene Liftdächer, schadhafte Leitern: Rund ein Viertel aller Überprüfungen ziehen Reparaturarbeiten nach sich.

Überprüft werden müssen außerdem das Leiter- und Steigschutzsystem. Das Steigschutzsystem ist an der Leiter montiert. Ist diese nicht richtig befestigt, kann das gesamte System im Notfall nicht funktionieren. Weitere wichtige Einrichtungen zum Personenschutz sind die Anschlagpunkte z. B. am Übergang zu Plattformen. Hier kann sich eine Person mit ihrer PSA gegen Absturz sichern, wenn sie auf die Plattform hinübersteigen möchte und sich hierzu aus dem Steigschutzsystem an der Leiter lösen muss. Auch der Servicelift, der Kran beziehungsweise der Kettenzug für den Transport von Lasten (z. B. Wartungsmaterial, Betriebsstoffe und Werkzeug) sowie die Erste-Hilfe-Ausrüstung und ein eventuell vorhandener Feuerlöscher sind auf ihre Funktionsfähigkeit hin zu überprüfen. Wie sieht es mit Systemen für die Höhenrettung aus? Die Überprüfung solcher Systeme ist immens wichtig, denn dieses Rettungsgerät ist gewissermaßen die Lebensversicherung für jede Person, die sich in einer Anlage aufhält. Nehmen wir einmal an, eine Person in einer Anlage hat sich verletzt und muss aus der Höhe abgeseilt werden. Bei einem derartigen Notfall werden je nach Schwere der Verletzung auch Rettungskräfte wie Feuerwehr und Rettungsdienst gerufen. Leider verfügen nur sehr wenige freiwillige Feuerwehren über eine Höhenrettungsgruppe. Die in der Anlage befindlichen Personen müssen daher die Feuerwehr bei der Rettung eines Verletzten oder vielleicht sogar Bewusstlosen aktiv unterstützen. Hinzu kommt, dass z. B. auch ein herbeigerufener Notarzt zur medizinischen Erstversorgung nicht dazu verpflichtet ist, in eine Anlage hinaufzusteigen. Auch hier muss im Fall des Falles eine Person zunächst aus der Höhe zum Anlagenfuß abgeseilt werden, damit dann die ärztliche Versorgung erfolgen kann. Wer sollte die regelmäßige Sicherheitsüberprüfung an einer WEA durchführen? Nur Personen, die vom jeweiligen Hersteller eine entsprechende Produktschulung erhalten haben. Darüber hinaus überprüfen wir auf Basis unserer strengen Qualitätsvorgaben, welche Mitarbeiter über diese entsprechenden Befähigungen für solche Sicherheitsprüfungen verfügen. Diese Mitarbeiter werden im Hinblick auf ihre Aufgaben zudem von uns eingehend geschult, z. B. die Mitarbeiter von dem unabhängigen

Serviceanbieter Availon. Wir müssen sicher sein, dass sich unsere Mitarbeiter ihrer enormen Verantwortung bewusst sind, und eine Sicherheitsprüfung kann man nur mit 100-prozentiger Zuverlässigkeit durchführen. Wie häufig sollten Sicherheitsüberprüfungen durchgeführt werden, und welchen Beitrag kann ein Anlagenbetreiber oder Betriebsführer hierzu leisten? Um sich einen Überblick zu verschaffen, sollte zunächst jeder Betreiber oder Betriebsführer einmal alle vorliegenden Bedienungsanleitungen zu den einzelnen Komponenten bzw. Einrichtungen, die sich in der WEA befinden, sammeln. In diesen Bedienungsanleitungen finden sie die vom Hersteller vorgegebene bzw. empfohlene Prüffrist. Diese Prüffristen sollten dann in einer Prüffristenliste festgehalten werden. Nach einer solchen Bestandsaufnahme haben sie sich schnell einen Überblick über die Bereiche und Zeiträume von erforderlichen Prüfungen erstellt und können diese stets im Fokus behalten. In der Regel sollte aber jede Anlage mindestens einmal im Jahr einen Sicherheitscheck durchlaufen. Wir danken Ihnen für das Gespräch.

Ein wachsendes Unternehmen Avan Av anti an ti Win ti nd Sy Syst stem st emss is em istt Ma M rkk tf tfüh ühre üh rerr im re m Ber e ei eich c Ser ch ervi v ce vi L ft Li ftee un u d Sy System stem st e e fü f r si s ch c erres e A Auf uf-- un uf nd Ab Abst sttei e ge gen n in i Türm Tü rm men e von n WEA EA.. Av A anti an ntii hatt neb e en dem Ser ervi vice vi cee Lififtt folg fo olg lgen ende en de Pro de r du dukt ktte fü ür ssiich c er eres es Arb bei eite t n in nW WEA EA ent EA nt-wick wi ckel ckel e t:t: Steeig ighi hilflfen hi lffen ((Cl C im Cl imb b As Assi sist stan st an ance nce c ),) Ste teig ig gsc s hu hutz tzsy tz syst sy stem st em me (Fal (F aalll Pr Prot o ecc ti t on Sys y te tems ms)) und ms un nd Ansc An nsc schl chl h ag agpu pu unk nkte te (Fa Fallllll Safe Sa fety fe ty Equ Equ quip ipme ip ment me ent nt).). N Neb eb ben die iese sen se n Pr Prod oduk od ukte uk ten te n lilief efer ef ertt Av er Avan an nti ti auch au ch TTur urme ur mein me in nba baut utei ut eile ei llee (zz.. B. Leeiter iterrn, it n Pla latt ttfo tt fo orm r en und PSA) PS A)) und bieeteet Tr T ai aini n ng ni ngsp sp pro rogr g am gr amme me sow owie iee den Ser ervi vice vi ce ce welt we ltwe lt twe w it an. n Ava v nt ntii Se S rv rvic icee Li ic Lift fte, ft e, Kle lett lett tter e hi er h lffen e und d Steeig ig-schu sc hutz hu tzsy tz syyst syst stem e e sind em sind in Eu si Euro ro opa pa,, de den n US U A un und d Au Aust s ra st raliliien e zuge zu gela ge laass lass ssen en und en d wel e tw twei e t im ei m Gebra eb bra rauc uch. h h.


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Gespräch

Nachhaltigkeit statt kurzfristigen Denkens. Durchdachtes Lieferantenmanagement fördert Innovationskraft. Ziel unabhängiger Servicedienstleister ist es, ihren Kunden einen qualitativ hochwertigen Komplettservice für WEA anzubieten. Daher muss ihr Leistungsspektrum nicht nur dem von OEM ebenbürtig sein, sondern weitaus mehr zu bieten haben. Unabhängige Serviceunternehmen entwickeln aus diesem Grunde spezifische Strategien, die den Kunden zusätzliche Vorteile versprechen. Ein Beispiel hierfür: der Aufbau eines effizienten und damit zuverlässigen Lieferantennetzwerks.

rers ist daher mit Weitblick zu treffen, wobei u. a. folgende Fragen zu beantworten sind: Ist der Partner wirtschaftlich in der Lage, langfristig mit dem Serviceanbieter zu kooperieren? Welches Know-how und welche Kompetenz kann der potenzielle Partner im Hinblick auf die Entwicklung aktueller Upgrades beisteuern? Ist der zukünftige Partner in der Lage, den Bedarf der Kunden des unabhängigen Serviceanbieters nachzuvollziehen, um gemeinsam mit dem Serviceanbieter wirtschaftlich sinnvolle und damit auch wirksame Anlagenverbesserungen herbeizuführen?

Das A und O: Offener Austausch und innovationsgetriebenes Denken.

Um einen Service auf hohem Niveau für spezifische Anlagen anbieten zu können, sollte ein unabhängiger Dienstleister zu jeder Zeit eine hohe Ersatzteilverfügbarkeit sicherstellen. Vor allem muss er über umfangreiches ingenieurtechnisches Know-how verfügen, damit wegweisende Upgrades und dadurch echte konstruktive Verbesserungen für WEA entwickelt und implementiert werden können. Neben den hauseigenen Spezialisten, die sich auf spezielle Anlagentypen und Technologien konzentrieren, spielen hierbei die Beziehungen zu seinen Zulieferern respektive Lieferanten eine maßgebliche Rolle. Wahl mit Weitblick Bei der Auswahl seiner Entwicklungspartner und Lieferanten muss ein unabhängiger Serviceanbieter vor allem eines im Blick haben: die Verantwortung gegenüber seinen Kunden. Die Wahl eines geeigneten Partners bzw. Zuliefe-

Netzwerk mit hohem Nutzen für die Kunden Erst mit einer positiven Beantwortung solcher und ähnlicher Fragen ist das unabhängige Serviceunternehmen in der Lage, ein erfolgreiches Lieferantennetzwerk mit hohem Nutzen für die Kunden aufzubauen. Hierbei werden insbesondere Lieferanten, mit denen man gemeinsame Entwicklungen plant, ganz bewusst als zuverlässige Partner betrachtet, die über einen langen Zeitraum mit dem Serviceanbieter gemeinsam auf ein Ziel hinarbeiten: die Entwicklung ausgereifter Produkte und Services für die Windenergie. In einer derartigen Zusammenarbeit ist der Umgang zwischen dem Serviceunternehmen und seinen Partnern durch ein hohes Maß an gegenseitigem Vertrauen geprägt. Diese Form der Kooperation fördert die Innovationskraft beider Seiten und schaff t außerdem für die Lieferanten Raum und Offenheit, ihre eigenen Ideen mit in gemeinsame Projekte einzubringen. Alles zur rechten Zeit Ein weiterer wesentlicher Faktor in einer erfolgsorientierten Partnerschaft ist der Zeitpunkt, an dem ein unabhän-


Gespräch 19 giger Serviceanbieter seine Lieferanten in Projekte und Entwicklungsprozesse involviert. So ist es durchaus möglich, dass ein Partner, der in einem sehr frühen Stadium eines Projektes mit ins Boot geholt wird, wertvolle Ideen oder Erfahrungen beisteuern kann, um die Entwicklung einer Innovation maßgeblich zu beschleunigen. Auch bereits beim Partner vorhandene Kompetenz zur Fertigung von spezifischen Bauteilen oder der Verarbeitung bestimmter Werkstoffe können einen entscheidenden Beitrag zum raschen Erfolg eines Projektes oder Upgrades leisten. Offener Austausch Ein zusätzlicher Vorteil in diesem Zusammenhang ist die offene Kommunikation zwischen dem Serviceanbieter und seinen Lieferanten sowie Entwicklungspartnern. So kann ein unabhängiges Serviceunternehmen etwa im Zuge der Entwicklung von Anlagenoptimierungen die Probleme gegenüber seinen Partnern offen aussprechen. Diese uneingeschränkte Kommunikation versetzt beide in die Lage, entscheidende technische Verbesserungen herbeizuführen, die Probleme nachhaltig eliminieren und folgerichtig kurzfristig einen echten wirtschaftlichen Nutzen versprechen. Hierzu ein konkretes Beispiel: Im Zuge von Wartungen durch einen unabhängigen Serviceanbieter stellte man immer wieder fest, dass der Austausch von Kohlebürsten an einem

Generator einer 2 MW-Anlage durch die bestehende Halterung erhebliche Zeit in Anspruch nahm. Besonders ärgerlich: Bei der Demontage konnten Befestigungskomponenten in den Schleifringraum fallen, die vor einem Bürstenwechsel aufwendig gesucht und beseitigt werden mussten. Der unabhängige Dienstleister entwickelte aufgrund dieser Erfahrungen ein neues Halterungskonzept und nutzte zugleich die Gelegenheit, mit einem Spezialisten auch die Konfiguration der Kohlebürsten selbst zu verbessern. Das Ergebnis der erfolgreichen Zusammenarbeit zwischen dem Serviceanbieter und seinem Entwicklungspartner: Die Kohlebürsten weisen nun aufgrund ihrer speziellen Konfiguration und durch das neue Halterungskonzept eine deutlich höhere Standzeit als bisherige Lösungen auf. Mehr noch: Der Austausch der Kohlebürsten wird durch die neue Halterung vereinfacht und damit beschleunigt. Der Kunde profitiert Betreiber und Betriebsführer profitieren durch diese erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen unabhängigem Serviceanbieter und seinen Entwicklungspartnern von einem kosteneffizienten und zugleich innovationsgetriebenen Denken – sowohl im Hinblick auf bestehende, aber nicht ausgereifte Technologien und Materialien als auch mit Blick auf den Zeitaufwand bei den Wartungen selbst.

Abhängigkeiten minimieren Diese Form des Know-how-Transfers belegt die Effizienz eines durchdachten Lieferantenmanagements im Interesse des Kunden. Das unabhängige Serviceunternehmen verfügt über die praktischen Erfahrungen und ist somit in der Lage, die potenziellen Anlagenprobleme so präzise zu definieren, dass der Lieferant bzw. Entwicklungspartner gemeinsam mit dem Servicedienstleister hierfür die beste Lösung bereitstellen kann. Zugleich bedeutet diese Form des Lieferantenmanagements eine erhebliche Reduzierung der Abhängigkeiten. Ein unabhängiger Serviceanbieter ist nicht nur völlig frei in der Wahl seiner Partner, sondern wird seine Entscheidung für eine Zusammenarbeit mit Lieferanten vor allem im Sinne einer nachhaltigen Kooperation treffen. So lassen sich für Kunden die Risiken von Ersatzteilengpässen oder den Wegfall von bislang angebotenen Service Anlagenoptimierungen durch fehlende Neuentwicklungen entscheidend minimieren. Ein unabhängiges Serviceunternehmen, das nicht nur auf das eigene umfangreiche Know-how setzt, sondern auch ein gut funktionierendes Lieferantennetzwerk mit Innovationskraft baut, will mehr – und das ganz im Interesse seiner Kunden.

Deutlich höhere Standzeit durch ein neuartiges Halterungskonzept: die Kohlebürsten.


Unser neuester Antrieb: Bremsen. KTR-STOP®

Analog zum Antrieb ist Bremsen ein komplexer Prozess. Jedes Einsatzgebiet stellt hohe Anforderungen an das System. KTR projektiert und vertreibt bereits seit Jahren erfolgreich Bremsen. Durch die ganzheitliche Analyse von STOP-and-GO-Vorgängen haben wir ein neues hydraulisches Bremssystem entwickelt, das einfach effizienter arbeitet: KTR-STOP®. Mehr unter: www.ktr-stop-and-go.com

Hannover Messe 04 . – 0 8 . A p r i l 2011 Halle 25/Stand D25 Halle 27/Stand H56 www.ktr.com

/availon_onservice_04-2011_de_06  

http://www.availon.eu/uploads/pics/availon_onservice_04-2011_de_06.pdf

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