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Persönliche Stellungnahme zum Hybridantrieb Immer wieder lese ich Leserbriefe und Kommentare zum Hybridantrieb im Allgemeinen und zum Toyota Prius im Detail – von Lesern von Automobilzeitschriften, Motorjournalisten und vielen anderen Menschen, die gerne Ihre Meinung öffentlich verbreiten.

Meistens sind das Aussagen, die zu 100% „pro-Hybrid“ oder absolut dagegen stehen – und ganz sicher haben viele, die schlau darüber referieren, nur wenig oder gar keine Erfahrung damit. Natürlich habe ich in gewissem Maß einen „Toyota-Brille“ auf – wenn man diese Autos seit seinem 4. Lebensjahr kennt und schon weit über 20 Jahre damit arbeitet, bleibt das nicht aus. Andererseits kenne ich sehr wohl die „Schwächen“ Toyota's und auch des Hybridsystems – und werde diese auch nie als positiv hinstellen. Fest steht: wenn man sich Gedanken um seine Zukunft – und die unseres Planten – macht, war die Entwicklung des Toyota-Hybridsystems (auch wenn sie von einem anderen Hersteller käme) ein notwendiger Schritt. Sogar, wenn er nur beweisen würde, dass dies ein Schritt in die falsche Richtung sein würde. Das betrifft nicht nur die Emissionen und den Verbrauch an natürlichen Ressourcen, auch wenn diese Vorteile in der Presse und auch vom Hersteller immer wieder betont und herausgestellt werden. Jetzt, wo die Leistungsfähigkeit des Straßennetzes – zumindest in dem Bereich, den ich erlebe – an seine Grenzen stößt (haben Sie sich nachts schon mal einen Autobahnparkplatz angesehen?) und die Verkehrsdichte in jeder Sekunde die Aufmerksamkeit fordert, sollte es das Auto seinem Fahrer so einfach wie möglich machen. Die Altersstruktur der Autofahrer ändert sich auch nicht in Richtung zu jungen, bestens ausgebildeten Reflexwundern vom Schlage eines potentiellen Rennfahres – eher im Gegenteil. Hier kommt der größte Vorteil des Hybridsystems zum Tragen: nicht nur, dass es absolut führend am Markt in Sachen Bedingungskomfort und Einfachheit ist (es gibt per heute, 12.01.2010, meines Wissens nach kein Auto, das einfacher zu fahren ist) und dadurch die Aufmerksamkeit des Fahrers dem Verkehr zuleiten kann. Es erzieht durch das enorme Sparpotential und die logischen Anzeigehilfen hierzu den Fahrer zu einer gleichmäßigen, sparsamen und sicheren

Fahrweise. Dennoch bieten die Toyota-Hybrid-Systeme ganz hervorragende Fahrleistungen

und vor allem sehr gute Praxis-Beschleunigungswerte – das Fahrerlebnis ist nur völlig anders. Wir haben hier bei uns im Bayerischen Wald ganz in der Nähe eine Straße, die nach einer scharfen Kehre mit immer größerer Steigung auf einen Bergkamm führt. Ich fahre diese Straße mit jedem Auto, das mir in die Finger kommt, lasse es um die Kehre rollen und beschleunige dann voll bis zum immer gleichen Verkehrsschild. Der Prius III z.B. ist hier etwa genauso schnell wie ein 2,0ltr-Diesel-Fahrzeug europäischer (deutscher) Produktion, das von der Presse immer für seine hervorragenden Fahrleistungen gelobt wird. Ein Lexus RX400h ist hier von keinem anderen Fahrzeug unter 300PS Leistung zu schlagen. Nur: man hat beim Hybridauto nicht den Eindruck dieser Fahrleistungen! Das gebe ich zu, obwohl ich jetzt seit 2001 mit Toyota-Hybridfahrzeugen regelmäßig unterwegs bin und mich


eigentlich dran gewöhnt haben sollte. Das stufenlose Getriebe im Verbindung mit dem Elektromotor macht einfach einen ganz anderen Eindruck. Ganz klar: kein derzeitiges Hybridauto von Toyota taugt zum Spaß-

Sportwagen. Das tut aber aufgrund des Motor-Ansprechverhaltens auch kein Diesel, eigentlich gar kein modernes Auto, das sich ein Normalverdiener durch Verzicht auf andere Hobbys noch gerade so leisten könnte (unter 40000.- Euro)

Diese Autos wird es hoffentlich auch mal geben – ich möchte auch so eines. Also, wenn diese Zeilen der Herr Akio Toyoda liest: ich möchte einen Hybrid-MR2, am liebsten mit Allradantrieb. Mit DriftChallenge-geeigneter Fahrwerksabstimmung. Bis dahin fahre ich aber gerne und viel mit dem Prius, den wir in unserer Firma auch gerne unseren Kunden als Ersatzfahrzeug mitgeben und jeden in die Bedienung kurz einweisen. Es hat noch niemand gesagt, das Auto wäre zu kompliziert oder man könnte

sich nicht daran gewöhnen. Kurz zu beliebten Kommentaren: •

„Hybrid ist zu schwer.“ Ein Golf (oder auch ein Toyota Auris) ist schwerer als ein Prius, am Hybridantrieb alleine liegt es nicht, wenn ein Auto zu schwer ist.

„Gesamt-Ökobilanz durch die Batterieherstellung ist schlecht.“ Die Batterieherstellung ist nur mit einem Bruchteil des Energie- und Rohstoffaufwands beim Bau des Fahrzeugs beteiligt! Siehe auch hier: http://www.autohausstroeher.de/files/prius-nachhaltigkeit_und_umwelt.pdf

„Wenn die Batterie kaputt ist, kann das doch kein Mensch bezahlen“ Ich persönlich kenne niemanden, auch keinen Händlerkollegen, der schon eine Batterie austauschen musste. Im Gegensatz dazu kenne ich viele, die einen Turbolader (wissen Sie, was so ein Teil kosten kann?), eine Einspritzpumpe, einen Injektor, …. für viel, viel Geld bei einem Dieselmotor austauschen mussten. Die Batterien gehen nicht kaputt, es gibt nachweislich Hybrid-Toyotas in Skandinavien, die mehr als 400000km mit dem ersten Akkupack gefahren sind- und immer noch weiterfahren.

„Hybrid funktioniert nur in der Stadt“ Unsinn. Die entspannte Fahrweise ist auf Landstrassen genauso angenehm.

„Hybrid ist schlecht auf Langstrecken“ Hier eine persönlicher Erfahrung: Fahrt von Neukirchen nach Köln und zurück mit dem Prius III, GesamtDurchschnittsgeschwindigkeit 119km/h, 1152km, gesamt verbraucht: 66,18ltr. Macht 5,8l/100km und eine total entspannte Fahrt, es waren insgesamt vielleicht 50km komplett freie Strecke, von denen bin ich ca. 30km mit 191km/h laut Tacho gefahren (das musste einfach zum Adrenalin aufpumen sein)

Zum Schluss – last but not least, wie es so schön heißt – der für mich persönlich

wichtigste Punkt: ich kenne kein aktuelles Auto, das hohe Laufleistungen technisch so problemlos, ohne irgendwelche Ausfälle oder Reparaturen erreicht. Auch der natürliche Verschleiß ist erfahrungsgemäß wesentlich niedriger als bei anderen Fahrzeugen. Warum? Ich erkläre es mir so: das Auto fährt ohne irgendwelche


Rucklereien beim Anfahren oder Schalten, die Krafteinleitung ist immer sehr sanft. Das schon natürlich Wellen, Lager, den gesamten Antriebsstrang. Beim Bremsen wird erst einmal versucht, das Fahrzeug durch Energie-Rückgewinnung zu verzögern – die Bremsbeläge werden weniger abgenutzt. Der Benzinmotor als Energielieferant läuft, je nach Fahrweise, nur zu 60-80% der Fahrzeit – wo ein konventioneller Motor immer, zu 100%, läuft. Auch sind viele Teile, die bei einem herkömmlichen Motor oft

Defekte verursachen, gar nicht da: So hat z.B. der Prius III keinen einzigen Keilriemen mehr, keine Lichtmaschine muss angetrieben werden, es gibt einen Anlasser im herkömmlichen Sinne. Die Steuerung des Hybridsystems ist in einem geschlossenen, separat gekühlten System untergebracht und hat keine beweglichen Teile, die einem Verschleiß unterliegen. Jetzt schon freue ich mich auf zukünftige Hybridfahrzeuge von Toyota: als nächstes der

Auris Hybrid (der in Europa produziert wird), die Ausweitung der Prius-Familie mit einem Kombi, ein Hybrid-Keinwagen, hoffentlich mal den A-BAT (eine Offroad-Pickup-Studie, die in den USA gezeigt wurde) und die Lexus-Hybrid-Modelle mit ihren hervorragenden Leistungswerten. Natürlich ist das Toyota-Hybridsystem nicht das Ende der Entwicklung und der Stein der Weisen – wo kämen wir da denn hin! Natürlich ist ein Brennstoffzellenauto ein Ziel, das keine Abgase produziert und abends auch noch Strom und Wärme für die Wohnung liefert. Aber bis es soweit ist, einen so großen Schritt zu machen (wie Armstrong auf den Mond), müssen viele Leute viele kleine Schritte machen – ich bin sicher,

Hybridsysteme in Fahrzeugen gehören dazu. Michael Ströher


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