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vorarlberger Tourismus magazin

zukunft auf vorarlberger art kamingespräch - ein jahr tourismusstrategie 2020 Wie durch Baukultur Tourismusprodukte fruchtbar werden fÜrderung innovativer tourismusprojekte ein modulares ausbildungssystem im tourismus AUSGABE 1 - JUNI 2013


Editorial Liebe Touristiker(innen), soeben halten Sie das neue Vorarlberger Fachmagazin für Tourismus in den Händen: „Zukunft auf Vor– arlberger Art“. Das Heft ist eine gemeinsame Publikation von Land Vorarlberg, Wirtschaftskammer Vor­ arlberg und Vorarlberg Tourismus. Gemeinsam haben wir im Mai 2012 die Tourismusstrategie 2020 beschlossen. Unser Ziel: Wir wollen Vorarlberg bis zum Jahr 2020 zur Nummer 1 in Sachen Gastfreundschaft, Regionalität und Nachhal­ tigkeit in Europa machen. Wir möchten, dass die Gäste gerne zu uns kommen, hochwertige regionale Produkte genießen und wissen, dass wir sämtliche Ressourcen wertschätzen. In „Zukunft auf Vorarlberger Art“ erfahren Sie künftig alles über den Stand der Entwicklung. In jeder Ausgabe spielt die Tourismusstrategie 2020 mit all ihren Facetten eine wesentliche Rolle. Auf Seite 6 finden Sie zum Beispiel die Diskussion der Hauptverantwortlichen der „Strategie 2020“. Erfahren Sie, wie weit die vielen spannenden Projekte inzwischen gediehen sind: Einige stellen wir vor, und wir halten Sie mit aktuellen, für den Tourismus in Vorarlberg bedeutenden Meldungen auf dem Laufenden. Auch an guten Reportagen mangelt es nicht. Wir zeigen Vorarlberg in beeindruckenden Bildern von seinen attraktivsten und spannendsten Seiten.

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Weil auch der Blick von außen bereichert, präsentiert in jeder Ausgabe ein Gastkommentator seine Sichtweise zum Tourismusgeschehen in Vorarlberg. Den Auftakt bildet auf Seite 16 Dr. Andreas Braun, früherer Leiter der Tirol Werbung, später verantwortlich für den Aufbau der Swarovski Kristallwelten – eine der meistbesuchten Attraktionen Österreichs. Wir wünschen Ihnen eine informative Lektüre über die Zukunft des Tourismus in Vorarlberg. Beschreiten wir den Weg zur Nummer eins in Europa gemeinsam!

Landesstatthalter Mag. Karlheinz Rüdisser


6 kamingespräch

14 Foto der ausgabe

16 quergedacht

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Wie durch Baukultur Tourismusprodukte fruchtbar werden (können)

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kamingespräch

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bildungshaus – ein modulares system schafft neue ausbildungsmöglichkeiten im tourismus

38 gastfreundschaft

18 Wie durch Baukultur Tourismusprodukte fruchtbar werden (können)

24 die Vorarlberger Wirtschaftskammer beteiligt sich an Vorarlberg Tourismus

26 Bauherren-Akademie

32 Architektur- und häuserweg im bregenzerwald

34 das land fördert innovative tourismusprojekte

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die Vorarlberger Wirtschaftskammer beteiligt sich an Vorarlberg Tourismus

35 marken-erlebnisraumentwicklung

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bauherrenakademie

36 workshops des landes mit den tourismusdestinationen

38 gastfreundschaft

40 bildungshaus – ein modulares system schafft neue ausbildungsmöglichkeiten im tourismus

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marken-erlebnisraumentwicklung

news und facts

52 was vorarlberg ausmacht

54 vorarlberger tourismus innovationen 2013

56 neuigkeiten und fakten

62 wo und wann

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Architektur- und häuserweg im bregenzerwald

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Kamingespräch

Das ist ein Marathon, kein 100-MeterLauF Ein Jahr „Tourismusstrategie 2020“: Neue Strukturen, neue Projekte, neue Perspektiven Sie erfahren es auf Seite 35 „Tourismusstrategie 2020“ – das klingt ambitioniert und ist es auch. Sehr sogar. Das Ziel des Tourismuslands Vorarlberg, bei den Themen Gastfreundschaft, Regionalität und Nachhaltigkeit europaweit die Nummer 1 zu werden, sorgte im vergangenen Jahr für manche Überstunde. Nun hat die Systemsteuerungsgruppe* bei einem Treffen im Seehotel Kaiserstrand Zwischenbilanz gezogen. Der erfreuliche Tenor: Wir sind auf einem guten Weg. Ein Kamingespräch am See.

MAG. Karlheinz Rüdisser Zunächst einmal war es ein fulminanter Start, der eine enorm positive Stimmung bewirkt hat. Und jetzt versucht jeder Partner, in seinem Bereich das umzusetzen, was Kern der Strategie ist. Wir haben zum einen die Neuorganisation von Vor­arlberg Tourismus umgesetzt. Da gibt es jetzt die Beteiligung der Wirtschaftskammer und die Neu­ organisation der Organe dieser Ge­ sellschaft. In diesem Zusammenhang haben wir auch das Budget von Vorarlberg Tourismus um 300.000 Euro aufgestockt. Etwas, was in diesen Zeiten nicht gerade eine Selbstverständlichkeit ist.

MAG. Christian Schützinger In Zeiten, in denen andere Bundesländer die Budgets kürzen, war das über die Landesgrenzen hinaus ein bemerkenswertes Signal.

Hans-Peter Metzler Für uns ist es auch ganz wichtig, gute Strukturen aufzubauen. Denn die Qualität der Struktur entscheidet über die Qualität des gesamten Prozesses. Vor einem Jahr haben wir das angekündigt, jetzt ist es umgesetzt. Das ist eine klare Botschaft! MAG. Karlheinz Rüdisser In einem zweiten Bereich geht es darum, dass sich die sechs Tourismusdestinationen im Land in Richtung „Tourismus 2020“ mitentwickeln. Wir diskutieren mit den Destina­ tionen intensiv darüber, welchen Beitrag sie leisten können. Auch mit konkreten Angeboten und Produkten auf der regionalen Ebene. In diesem Zusammenhang haben wir die Richtlinien geändert. Wir haben nun eine Förderschiene, mit der wir innovative Projekte unterstützen können.

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MAG. Astrid Keckeis Wir haben in den sechs Tourismusdestinationen Workshops durch­ geführt, damit wir regionale Strategien mit der Tourismusstrategie 2020 in Einklang bringen. Konkret gefördert werden derzeit drei Projekte: Das Projekt „Green-Meeting-­ Industry“, dessen Ziel es ist, Vorarl­ berg als führende Green Meeting Region in Europa zu positionieren. In der Destination Bodensee-­Vor­ arl­berg werden unter Ein­ beziehung der Stadtmarketingorganisationen und weiterer Partner Marken-­ Erlebnisareale ent­wickelt. Und im Bregenzerwald wird das Projekt „Gastfreundschaft 2020“ umgesetzt. Die Inhalte der Marke Bregenzerwald werden in der Region auf allen touristischen Ebenen verankert und die Tourismusgesinnung insgesamt gestärkt.

Harald Furtner Und anhand der Strategieziele entstehen sogar auch neue Initiativen. Jeder orientiert sich an dieser Strategie, an dieser Nummer-1-Positionierung. Und deswegen braucht es diese Steuerung, um die gemeinsamen Projekte zu vernetzen und zu koordinieren.

Hans-Peter Metzler Die gemeinsamen Ziele der Tourismusstrategie haben sich verfestigt – das können wir jetzt, nach einem Jahr, festhalten. Nun geht es darum, die drei Schwerpunkte um­ zusetzen: Gastfreundschaft, Regionalität und Nachhaltigkeit sind Schlagworte, hinter denen sich sehr viele konkrete Maßnahmen verbergen. Mittlerweile haben wir die Erfahrung gemacht, dass sich alle an die Vereinbarungen halten. In der Wirtschaftskammer, beim Land, in der Arbeiterkammer sagen wirklich alle: „O.k.“!

MAG. Karlheinz Rüdisser Im Bereich der nachhaltigen Mobilität haben wir das EU-Projekt ­„AlpInfoNet“ gestartet, in welchem Vorarlberg Pilotregion ist. Grenz­ übergreifend wird ein Informations­ system entwickelt, das Verkehrs­ informationen und touristische Informationen verknüpft. Der Gast soll auf Knopfdruck und tagesaktuell erkennen können, wie er mit ­öffentlichen Verkehrsmitteln nach Vor­arlberg kommt und welche Möglichkeiten des Transports in der Region zur Verfügung stehen. Es geht auch darum, das Mobilitätsverhalten der Gäste zu steuern.

neue strukturen, neue projekte und neue perspektiven

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Hans-Peter Metzler Anhand dieses Beispiels sehen wir, dass „Tourismus 2020“ ein Prozess, ein Weg ist. Das ist kein Hundert-­ Meter-Lauf. Das ist ein Marathon. Um wirklich einen Führungsanspruch zu haben und diesen am Markt abzubilden, müssen wir unsere Stärken stärken. Regionalität ist ja nicht nur Landwirtschaft, sondern bedeutet auch Archi­ tektur, Kultur und Mobilität. MAG. Christian Schützinger In Vorarlberg sprechen wir von Tourismusmanufaktur ver­sus Tourismusindustrie. Handwerkliches hat einen viel individuelleren Charakter als Serienfertigung. Wir haben eine Idee von Tourismus in diesem Land, die sehr viel mit Individualität, mit familiären Strukturen, einzelnen Gastgebern und Gastgeber­ innen zu tun hat. Gleichzeitig ist eine Tourismusmanufaktur ein wertvoller Beitrag für die Idee der Nachhaltigkeit, weil sie das wirtschaftliche Weiterleben in ländlichen Räumen sichert. Hans-Peter Metzler Und diese Nachhaltigkeit gelingt besser, wenn man klare Ziele und Programme hat und bemüht ist, von der Projekt- in eine Umsetzungsphase zu gelangen. Ganz konkret, Schritt für Schritt. Da muss es jetzt ganz konkrete Projekte geben, die uns weiterbringen. Zum Beispiel im Bereich der Aus- und Weiterbildung.

* Hans-Peter Metzler (Obmann Sparte Tourismus in der Wirtschaftskammer), Harald Furtner (Geschäftsführer Sparte Tourismus in der Wirtschaftskammer), Mag. Karlheinz Rüdisser (Landesstatthalter), Mag. Astrid Keckeis (Abt. Allgemeine Wirtschaftsangelegenheiten, Amt der Landesregierung), Mag. Christian Schützinger (Geschäftsführer Vorarlberg Tourismus)

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Harald Furtner Da sind wir schon intensiv am Entwickeln. Im Konkreten geht es darum, die zwei Bildungssysteme Tourismusschule und Berufsschule zu verbinden. Zudem wollen wir ein viertes Ausbildungsjahr. Bei der Ausbildung werden wir vor allem persönlichkeitsbildende Elemente einbauen, damit sich Jugendliche zu starken Persönlichkeiten entwickeln können. Das ist letztlich in der Arbeit mit dem Gast von entscheidender Bedeutung. Außerdem wollen wir auch etwas für Führungskräfte tun. Sie sollen realitätsnah üben können, wie sich die Theorie der Mitarbeiterführung in der Praxis umsetzen lässt. MAG. Karlheinz Rüdisser Die Landesberufsschule in Schloss Hofen stößt leider seit langem an ihre Grenzen. Aber abgesehen vom Standort müssen wir zuerst wissen, was wir wollen. Und dann können wir den optimalen Standort suchen.

Harald Furtner Noch in der Warteschleife befindet sich auch die Neugestaltung des touristischen Arbeitsplatzes. Um in Sachen Arbeitszeiten die Rahmenbedingungen zu optimieren, werden wir vermutlich noch im Herbst ein kleines Projekt starten. Hans-Peter Metzler Genau hier, an dieser Stelle, möchte ich einhaken. „Tourismus 2020“ hat einen enorm hohen Anspruch an unsere Ressourcen, auch an persönliche. Das darf man ruhig sagen. Und darum brauchen wir Zeit. MAG. Christian Schützinger Damit stellt sich vor allem die ­Frage, wie wir die Prozessarbeit gestalten. Es geht nicht einfach um ein quantitatives Mehr, sondern um die Qualität der Arbeit. Wir können die schönsten Inserate schalten, aber entscheidend ist, dass die Destinationen und die Betriebe im Boot sind und wir uns auf gemeinsame Botschaften konzentrieren. Damit uns das gelingt, müssen wir den Wettbewerbsvorteil der 2. Ordnung ins Spiel bringen. MAG. Astrid Keckeis Für mich geht es beim Wettbewerbs­ vorteil der 2. Ordnung darum, Begeisterung für einen gemeinsamen Weg zu entwickeln. Und darum, dass wir an einem Strang ziehen, um die Tourismusstrategie bestmöglich umzusetzen. Wir haben die Leitplanken gesetzt und in einem bestimmten Maß soll der Strategieprozess auch offen gehalten sein: so können sich Leistungs­ träger, Destinationen, Vorarlberg Tourismus, Wirtschaftskammer, das Land und weitere Partner bestmöglich einzubringen. Die Größe

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unseres Landes sowie die enge Vernetzung innerhalb des Tourismus und auch mit anderen Branchen kann einen entscheidenden Erfolgsfaktor darstellen. Hans-Peter Metzler Das sehe ich genauso. Eine gute Idee kopieren geht schnell, aber die Tiefe der Vernetzung und das gemeinsame Vorgehen, das kann man nicht so leicht nachmachen. Wir haben uns bewusst dafür entschieden: Wir vernetzen uns, wir gehen gemeinsame Wege. Das hat eine neue Qualität, um stärker zu werden, wo wir schon stark sind. MAG. Christian Schützinger Stimmt, das heißt dann für uns: „Zukunft auf Vorarlberger Art“. Dieser Slogan weist genau auf diesen Punkt hin.

Hans-Peter Metzler In diesem Zusammenhang geht es auch darum, wie wir die Betriebe abholen. „Tourismus 2020“ ist kein Programm für ein paar Leit- oder Topbetriebe. Das ist eine Strategie für alle. Wir versuchen, analog zu den e5-Gemeinden bis 2014 eine spannende Zertifizierung für die Betriebe zu entwickeln. Jeder hat eine Stärke in einem Bereich der Strategie und in einem anderen Bereich Defizite. MAG. Christian Schützinger Unsere Aufgabe ist es, im Hinblick auf Zukunftsmärkte ein optimales Bild von Vorarlberg zu vermitteln. Die Ansprüche der Gäste verändern sich permanent, und da ist es wichtig, diese Information zu den Betrieben zurückzubringen. Markenarbeit heißt, das Gesicht in beide Richtungen zu drehen. Und wenn wir dann sehen, dass die ­vergangenen Saisonen sehr gut gelaufen sind, dann macht das doppelt Freude. Hans-Peter Metzler Unsere Strategie ist es nicht, den Dampfer in eine andere Richtung zu lenken. Sondern wir brauchen mehr PS. Am Ende des Tages geht es um Wettbewerb, es geht um Wertschöpfung, um betriebswirtschaftliche Perspektiven und darum, dass unsere Betriebe ihre ­Preise durchsetzen können. Und die ganz großen Herausforderungen kommen erst. Wenn wir unser neues Bildungssystem angehen, dann brauchen wir Unterstützer­ in Wien. Das könnte ein bisschen anspruchsvoll werden. Aber wir haben ein gutes Gefühl. >

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Am 8. Mai 2012 versammelten sich mehr als 700 Menschen aus Tourismus, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft im Bregenzer Festspielhaus Geht es nach den Strategiepartnern, wird Vorarlberg 2020 die Nummer 1 sein, weil … Gäste das Land als neuen Maßstab für Qualität, authentische Gastlichkeit, regionale Genusskultur und nachhaltigen Tourismus erleben;

Sie alle wurden Zeugen eines historischen Moments, als die „Touris­ musstrategie 2020“ präsentiert und feierlich unterzeichnet wurde. Als neue Entwicklungsschwerpunkte für das laufende Jahrzehnt ­wurden die bereits bestehenden Stärken Gastfreundschaft, Regionalität und Nachhaltigkeit auserkoren. Mit diesem Werte-Trio will das Touris­musland Vorarlberg „Auf Vorarlberger Art“ und mit Mut zum eigenen Profil die touristische Führung in Europa übernehmen.

sich Gastfreundschaft in offenem, freundlichem und selbstbewusstem Umgang der Gastgeber mit den Gästen zeigt, indem Mitarbeiter und Unternehmerfamilien engagiert sind und eine positive Tourismusgesinnung haben; Gäste die Vorarlberger Genusskultur besonders schätzen, weil sie nicht nur auf Kulinarik beschränkt, sondern ein Genuss für alle Sinne ist; sich Vorarlberg zu nachhaltigem Qualitätstourismus bekennt; Vorarlberg die Balance zwischen hoher Qualität und Vielseitigkeit im Wettbewerb einerseits und sozialer Fairness und Verantwortung für Natur und Umwelt andererseits besser als die Mitbewerber meistert.

Verwirklichen will man diese Ziele mit einem Mehr an Differenzierung Da touristische Angebote zunehmend austauschbar werden und sich der Qualitätsbegriff stetig wandelt, will Vorarlberg mehr denn je auf seine Eigenart und bestehende Stärken setzen – bei intensiver Vernetzung sämtlicher Strategiepartner. In der Praxis ar­beitet die Branche so partnerschaftlich mit Landwirtschaft, Kultur, öffentlichen Einrichtungen und politischen­ ­Entscheidungsträgern zusammen – samt professioneller Steuerung der vielen Akteure. Gerda Zimmermann

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Foto der Ausgabe


Hier kommen unabhängige Experten zu Wort, deren Meinungen nicht unbedingt mit jener der Redaktion übereinstimmen müssen.

quergedacht

der blick von aussen Andreas Braun war jahrelang ­Di­rek­tor der Tirol Werbung und hat nichts am Hut mit gängigen Dirndl-Klischees. Gemeinsam mit André Heller baute er die Swarovs­ki Kristallwelten auf und ist auch heute noch alles andere als pensionsreif. Der Fachmann, der gerne lacht und aus Heimat immer schon eine Marke machen wollte, hat seine ganz eigene Meinung zu Vorarlbergs Tourismusstrategie 2020. Herr Braun, sind wir auf dem richtigen Weg? Dr. Andreas braun Sicher, es ist nichts dem Zufall überlassen und alles perfekt strategisch ausgerichtet, ambitioniert und engagiert. Aber? Dr. Andreas braun Aber (lacht), sie ist fast ein bisschen zu brav. Das entspricht dem Charakter der meisten Vorarlberger, die ein sehr hohes Qualitäts-Bewusstsein haben. Ich bin aber der Meinung, dass viele Menschen in Vorarlberg im positiven Sinne ver-

Worin liegt das Erlebnis Vorarlberg?

rückter sind, als es dieses Papier verspricht. Zur Faszination einer Urlaubsmarke gehören neben all dem Notwendigen auch ein Schuss Irrationalität und Mut dazu. Die Strategie ist für mich sehr kopflastig, wie es Strategien so an sich ­haben, aber die Vorarlberger sind aus meiner Erfahrung – ich habe viele gute Freunde im Ländle – auf sympathische Art und Weise kantiger, sie haben mehr emotionale Ecken. Man muss sich ja nicht gerade einen Paul Renner oder einen Gerold Hirn zum Vorbild nehmen, aber ein bisschen subversiver darf man sein. Wir Vorarlberger sind gerne „ghörig“. Dr. Andreas braun Ja das dürft ihr auch (lacht), aber die Vorarlberger Seele hat sicher auch etwas Mysteriöseres, Dunkleres und Spannenderes. Im Urlaub muss man etwas erleben können, das man zuhause nicht hat.

Dr. Andreas braun Vorarlberg ist ein Puzzle aus sehr starken Einzelmarken. Wir haben den Arlberg, das Montafon, den Bregenzerwald, die Bregenzer Fest­ spiele, aber die Dachmarke Vor­arl­ berg ist von der Ferne betrachtet touristisch noch etwas farblos. Ich provoziere jetzt, aber Tirol hat da als Herz der Alpen bessere Voraussetzungen. Bei Vorarlberg ist es aus der touristischen Wahrnehmung schwerer, die Konturen sind nicht so kontrastreich und prägnant. Die Submarken sind stark, aber der Dachmarke fehlt es noch an Herzblut. Die Frage aller Fragen, wie kommt man zur Dachmarke? Dr. Andreas braun Das ist eine gute Frage (lacht). Bei der Dachmarke Vorarlberg sind noch zu wenig Menschen emotional vernetzt, man könnte aber die schärfer konturierten Submarken pars pro toto besser hervorheben – Lech Zürs zum Beispiel kennt jeder. Da ist die Strategie zu korrekt,

für eine Markenbildung ist das Korrekte zwar notwendig, aber auch gefährlich. Man kann nicht allen Compliance-Regeln gehorchen, der Tourismus ist eine Traumwelt, da braucht es auch Überraschungen und eine gewisse Sprödigkeit. Wenn ich in Wien einen Cappuccino trinken gehe, will ich nicht, dass der Ober mich nett und höflich bedient, da will ich den grantigen Ober, der mich beleidigt. Touristisch gesehen darf man in Vorarlberg einfach nicht zu brav sein, man müsste ein paar Eigenheiten einbauen, ein paar Verrücktheiten auf dem Teller servieren. Wie bei den Käsknöpfle darf man bei der Marke Vorarlberg nicht gleich alle Zutaten wissen, da muss immer noch etwas bleiben, das mich überrascht, da muss es kochen unter der Oberfläche.

Dr. Andreas Braun, geb.12.4.1946 in Kitzbühel, Tirol, Österreich. Von 1969 bis 1982 als Verwaltungs- und Verfassungsjurist im öffentlichen Dienst tätig.

Fehlt es uns an Spannungs­ feldern?

Qualität ohne Professionalität – ­ geht das?

Dr. Andreas braun Nicht unbedingt, Vorarlberg ist ein spannendes Land und genau diese Spannung muss man herauskehren. Ich glaube, man sollte da nicht in alte Pfade treten. Als Beispiel: Nicht den Haubenköchen gehört der Fokus, sondern neuen ganz anderen Konzepten. Quereinsteiger reizen mehr als genau Erlerntes, wobei auch das seine Qualität haben kann, aber nicht unbedingt neugierig macht. Zu viel Professionalität ist für mich einschüchternd.

Dr. Andreas braun Aber sicher, es muss nicht immer alles glatt laufen. Es gehören ­Leben, Zufall und Missgeschicke­ in ein Restaurant sowie in eine Tourismus Strategie. Das Gesamt-­ Paket muss stimmen und es sollte Platz für Kanten und Abenteuer haben. Aber mein Freund, der Schriftsteller Felix Mitterer, hat einmal gesagt, die Normalen sind die wahren Verrückten, also ist es gar nicht so schlecht ein bisschen normaler als andere zu sein.

Ab 1982 Leiter der Tirol Werbung; in dieser Funktion setzte Braun eine Reihe innovato­ rischer Akzente, von der Bildsprache bis zur ­digitalen touristischen Vernetzung (Gründung der TIS Ges.m.b.H). Anfang 1995 wechselte Braun als Kommuni­­ka­ tionsmanager zur Swarovski-Gruppe. Als erste Initiative gelang es ihm, die „Swarovski Kristallwelten“ als neues Pilotprojekt einer Verschmelzung von Industrie, Tourismus und Kultur er­ folgreich kommerziell und kommunikativ zu po­si­tionieren sowie eine neue Unternehmensidentität für einen traditionellen Industriebetrieb zu formen. Die Swarovski Kristallwelten sind das erfolgreichste Modell eines sogenannten „third place“ in Europa und rangieren nach Schönbrunn als eine der bestbesuchten Attraktionen Österreichs. Braun war bis Ende 2011 Geschäftsführer der d. swarovski tourism services gmbh, die neben den Swarovski Kristallwelten und Swarovski Innsbruck auch Swarovski Wien betreibt. Seit Anfang 2012 ist Braun Geschäftsführer der Destination Wattens Regionalentwicklung Gmbh. Vielseitige internationale Vortragstätigkeit und essayistische Beiträge zu Kultur, Wirtschaft und Tourismus in diversen Medien.

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Mag. Rebekka Moser

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Wie durch Baukultur Tourismusprodukte fruchtbar werden (können) Die Vorarlberger Baukunst hat sich in den letzten Jahrzehnten ohne großes Spektakel zum viel beachteten Kulturgut entwickelt. Wie Architektur den Touris­ mus belebt, ohne dass ein reiner „Architekturtourismus“ die Folge wäre, darüber sprach Architekturredakteur Thomas Moser in seinem Vortrag beim Vorarlberger Tourismusforum am 20. Juni. Für „Zukunft auf Vorarlberger Art“ fasst der Mitbegründer des Vereins „LandLuft“ nochmals einige Vorzeigeprojekte aus Vorarlberg und anderen Bundesländern zusammen.

hat er den 170 Jahre alten Gasthof Krone in Hittisau im Jahr 2005 von der vorherigen Generation übernommen. Sensibel haben die beiden das mächtige Haus mitten am Platz mit seiner dunklen Schindelfassade modernisiert, wo es nicht

wald zur Entfaltung kommen sollten. Wer heute nach Hittisau kommt, begegnet auf Schritt und Tritt einem stimmigen Zusammengehen von Tradition und Moderne, Natur und Kultur und einer unaufgeregten Architektur. Diese Art zu leben wissen vor allem auch die Gäste zu schätzen, denn das Besondere kommt hier ganz ohne Spektakel aus. Und die Einheimischen profitieren sowieso von qualitätsbewusster Normalität – wie etwa diejenigen, die im Haus für betreutes Wohnen leben und denen in der „Krone“ ein Mittagstisch angeboten wird. Dieses Kontakthalten mit anderen war für die Architekten Fink Thurnher ein ganz wichtiges Motiv, wie dieses Haus unweit dem Dorfzentrum im Inneren und zum Ort hin seine Aufgabe für ein gutes Zusammenleben erfüllen sollte.

gute beziehung

„Wir haben uns angesehen, wie das Haus ursprünglich gebaut wurde und von wem. Das Haus hat uns damit gesagt, was wir zu tun haben“, ist Dietmar Nussbaumer überzeugt. Zusammen mit seiner Frau Helene

mehr funktionell war oder abgenutzt wirkte. Die starke regionale Identität des Bregenzerwaldes – neben gelebtem Brauchtum sind die Menschen offen für Neues – war das Spannungsfeld, in dem der Umbau von Architekt Bernardo ­Bader und die Produkte der Handwerker des Werkraum Bregenzer-

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In der Krone in Hittisau treffen Spitzengastronomie, Mittagstisch, betreutes Wohnen, eine Trafik und ein Friseurgeschäft zusammen – ein Haus wie ein ganzes Dorf.

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Durch den jahrhundertelangen Aus­tausch mit Reisenden und Händlern hat Offenheit gegenüber Neuem in Hittisau Tradition. Oder wie es der Betreiber der Holzwerkstatt Markus Faißt ausdrückt: „Spannende Impulse von außen haben unser Denken enorm bereichert.“ Unter solchen Gegebenheiten sind selbst schwierigste Bauaufgaben zu meistern. Unter Beweis stellten dies die Archi­ tekten Andreas Cukrowicz und Anton Nach­baur-Sturm mit ihrem viel beachteten Wettbewerbsentwurf für ein neues Feuerwehr- und Kulturhaus. Ihnen ist das Kunststück gelungen, das Leise der Kultur und das Grobe und Laute der Feuer­ wehr in ihren gegensätz­ lichen Profilen unter einem Dach zu vereinen. Darin untergebracht ist auch Österreichs einziges Frauenmuseum. In weiterer Folge hat die Gemeinde auch die Sanierung des Gemeindehauses sowie den Neubau der Bushalte- und Altstoffsammelstelle vertrauensvoll an dieselben Architekten vergeben.

das Haus zur Gänze aus Massivholz in unbehandelter Weißtanne aus dem Bregenzerwald gebaut. Entstanden ist daraus ein Wälderhaus, das sich auf Neues einlässt. Dass Hittisau mit einer derart ­zukunftsorientierten Perspektive

Offenheit gegenüber Neuem

Bei der Planung eines privaten Wohnhauses haben die Architekten die traditionellen Elemente – Dachform, Anordnung der Fenster, Schopf (Veranda), Lage der Geschosse und der Fassade – neu interpretiert. Hermann Nenning, der mit seinem Bruder Martin eine Zimmerei in Hittisau betreibt, hat

Das Ortsbild von Hittisau ergibt sich durch ein stimmiges Miteinander von Tradition und Moderne, Natur und Kultur.

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2012 mit dem renommierten österreichweiten LandLuft Baukulturgemeinde-Preis ausgezeichnet wurde, verwundert dann nicht mehr.

Ressourcen intelligent nutzen In der Einheit aus Produkt-, Arbeitsund Lebensqualität sieht der Werk­ raum Bregenzerwald, eine Gruppe engagierter Handwerker, die Zukunft für regionales Handwerk und Gewerbe. Diese Plattform für innovatives Handwerk führt seit mehr als zwanzig Jahren vor Augen, wie sich aus allen Bereichen des Gestaltens sowohl alltagstaugliche als auch material- und formgerechte Objekte entwickeln lassen. Gefehlt haben dem Verein ein geeigneter Versammlungsort sowie ein Schaufenster, in dem die Handwerkskultur aus dem Bregenzerwald entsprechend präsentiert werden kann. Kein Geringerer als der renommierte Schweizer Architekt Peter Zumthor hat schließlich das neue Werkraum Haus in Andelsbuch geplant, wo durch eine Fassade aus Glas unter einem ausladenden Dach Innen und Außen wie aufgehoben erscheinen. Es ­ist das Ergebnis eines intensiven Austauschprozesses über vier Jahre mit dem lokalen Handwerk in dieser Umgebung und wird am 6. Juli eröffnet.

Bereits ab 21. Juni für die Öffentlichkeit zugänglich wird das neu gestaltete „vorarlberg museum“ in Bregenz sein. Das bestehende Haus ist nach Plänen des Büros Cukrowicz Nachbaur Architekten um zwei Stockwerke und einen fünfgeschossigen Neubau erweitert und zu einem neuen großen Ganzen geformt worden. Es bildet am Übergang von eng gefügtem Stadtraum zur offenen Seelandschaft einen wichtigen städtebaulichen Abschluss in der Reihe von Prunkbauten am Ufer des Bodensees. Vorarlberg stellt sich mit diesen wenigen, aber markanten Beispielen als Region dar, die ihre Gäste mit einem dichten Angebot verlockt, ihren Urlaub im Land zu verbringen. In Kontrast zu den offenen, ländlichen Gegenden wie dem ­Bregenzerwald sind es die stark verdichteten (Lebens-)Räume, wie zum Beispiel das Rheintal, die drastisch vor Augen führen, dass dem dafür notwendigen Verbrauch

von Ressourcen möglichst intelligent begegnet werden muss. Dass ein Haus wie die „Krone“ sich nach 170 Jahren des Bestehens in einer derartigen Lebendigkeit präsentiert, nährt sich durch ein Bewusstsein, das auf Nachhaltigkeit setzt. Das bedeutet, dass einzelne Maßnahmen auf ein größeres Ganzes, auf Längerfristiges ausgerichtet werden. In Summe ergibt das ein Haus, das trotz aller Einzigartigkeit nicht als singuläres Objekt wirkt. Es ist die Art und Weise, wie es sich zur Umgebung öffnet und in einem fruchtbaren Austausch steht. Dieses Geben und Nehmen ist ein ­guter Hinweis darauf, wie man als Tourismustreibender seinen Gestaltungswillen verantwortungsvoll gegenüber der Gesellschaft wahrnehmen kann.

Das neue vorarlberg museum prägt das Stadtbild von Bregenz, wo historische und moderne Gebäude ein harmonisches Ganzes ergeben.

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Vorarlberg stellt sich mit diesen wenigen, aber markanten Beispielen als Region dar, die ihre Gäste mit einem dichten Angebot verlockt, ihren Urlaub im Land zu verbringen

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Sanfte Dorfentwicklung belebt Tourismus Unter gänzlich anderen Voraussetzungen ergriff Kals am Großglockner in den vergangenen zwanzig Jahren Initiativen, die sowohl den Tourismus wieder beleben als auch die Dorfentwicklung vorantreiben. Das Siedlungsgebiet der Osttiroler Gemeinde erstreckt sich über eine Fläche von 180 Quadratkilometern zwischen 760 bis rund 1.700 Höhenmeter. Der höchste Punkt ist der 3.798 Meter hohe Großglockner. Im Zuge heftiger Diskussionen um den Naturschutz in den 1980er Jahren kam der Alpintourismus abrupt zum Erliegen. Der Verlust von 60.000 Jahresübernachtungen war die Folge. Der jahrelange Stillstand, so zeigte sich, hatte aber auch Vorteile, ist Bürgermeister Klaus Unterweger überzeugt: „Damit ist Kals die ‚Lederhosen-­ Architektur‘ erspart geblieben, die in vielen Gemeinden Tirols Einzug gehalten hat. Wir haben stattdessen sehr viele alte Bauernhäuser, die alle bewohnt und großteils ­in gutem Zustand sind.“ Deren Bestand wurde erhoben und die Leute beraten, wie man die Häuser passend revitalisieren kann. Zu Beginn der 1990er Jahre wurde der von der Gemeinde Kals favorisierte Nationalpark Hohe Tauern gegründet und ein Kraftwerksbau in der Umgebung verhindert. Dies brachte auch den Umschwung in touristischer Hinsicht. Dem Wunsch der Bevölkerung nach einem Ortskern mit zentralen Versorgungseinrichtungen kam die Ge­meinde ebenfalls entgegen. Zusammen mit

Als Pressezentrum und Veranstaltungshaus für die Bevölkerung dient das moderne Gebäude im Dorfkern von Hinterstoder.

Einbindung der Bevölkerung

der Tiroler Dorferneuerung wurde ein Wettbewerb vorbereitet, der die historischen Bauten von Pfarrkirche und Widum (historischer Pfarrhof) um ein Tourismusbüro und ein Mehrzweckgebäude für Feuerwehr, Bergrettung und Bergwacht ergänzen sollte. Den siegreichen Architekten Schneider Len­gauer gelang es, mit ihrem Entwurf ein Ensemble zu bilden, das als Dorfzentrum wahrgenommen wird. Bei der Planung des Friedhofs berücksichtigten sie eine Aufbahrungskapelle, Urnenwand und eine Gedenkstätte für die verunglückten Bergsteiger. Mit dem zusätzlichen Bau einer weitläufigen Ferienanlage im höchstgelegenen Ortsteil ist schließlich ein inniger Wunsch des Bürgermeisters in Erfüllung gegangen: „Dass ein Gastronom im größeren Stil ein modernes Gebäude errichtet, zeigt, dass moderne Archi­ tektur auch kostentechnisch der ‚Lederhosen-Architektur‘ überlegen ist.“

Auch in Hinterstoder, einer alpinen Gemeinde im Phyrn-Priel-Gebiet an der Grenze zwischen Oberöster­ reich und Steiermark, wurden in den vergangenen zwanzig Jahren im Rahmen eines Ortsentwicklungskonzeptes die Voraussetzungen für ein grundlegendes Umdenken geschaffen. Nachdem bereits das neue Heimatmuseum Alpineum für positive Resonanz sorgte – das Aus­ stellungshaus wurde im Jahr 2000 mit dem „European Museum of the Year Award“ ausgezeichnet – konnte mit der Hösshalle ein weiterer Meilenstein des Gemeindeleitbildes verwirklicht werden. Ursprünglich als Pressezentrum für die alle paar Jahre stattfindenden Ski-Weltcup-­ Rennen vorgesehen, war von Anfang an auch die Nutzung als Veranstaltungshaus vorgesehen. Für Bürgermeister Helmut Wallner zeigt sich, wie wichtig es ist, ein Leitbild für ein Dorf zu erstellen und ständig weiterzuentwickeln. Durch die Einbindung der Bürger gelang es, die Bevölkerung dazu zu motivieren, das Gemeinschaftsleben zu fördern und eine Aufbruchstimmung zu erzeugen. Hinterstoder ist heute als Wohnort attraktiver geworden, die Qualität des touris­ tischen Angebots wurde verbessert, und es wurden neue kulturelle Aktivitäten entwickelt. < zukunft auf vorarlberger art 25


Die Wirtschaftskammer Vorarlberg (WKV) ist jetzt mit 25 Prozent an Vorarlberg Tourismus beteiligt – ein spannender Schritt, um die knapp viertausend touristischen Unternehmen Vorarlbergs stärker in die Entwicklung des Tourismus einzubinden.

Zudem verhilft der Schritt den drei Säulen der Tourismusstrategie 2020 zur konkreten Umsetzung: Regionalität, Nachhaltigkeit und Gastfreundschaft lassen sich vor allem unter Einbindung lokaler Anbieter umsetzen. So will das Land zur führenden Tourismus-­

Neue Kultur und Qualität Harald Furtner, Geschäftsführer der Sparte Tourismus in der Wirtschaftskammer, sieht den Einstieg bei Vorarlberg Tourismus äußerst positiv: „Es ist für mich das Sinnbild einer neuen Kultur, die sich in einer qualitätsvollen und gegenseitig bereichernden Zusammenarbeit widerspiegelt. Denn im internationalen Wettbewerb ist eine Vernetzung der regionalen Strukturen von immenser Bedeutung. Eine Bündelung des Know-how mit Einbindung der Tourismusbetriebe kann nur von Vorteil sein.“ Vertraglich ist die Beteiligung bereits besiegelt. Mit den Hoteliers Hubert Schwärzler und Andrea Kinz sowie Spartenobmann Hans-Peter Metzler stellt die WKV auch drei Aufsichtsratsmitglieder.

Vorarlberger Wirtschaftskammer gestaltet Tourismuspolitik entscheidend mit

Der richtige Schritt für die Tourismusstrategie 2020 Die Gründe dafür sind ­vielfältig: Die Mitgliedsbetriebe der WKV sind Haupt­ ar­beitgeber, verantworten die Beherbergung von Gästen und gestalten maßgeblich die touristischen Programme. Da liegt es auf der Hand, dass die WKV als Mitgestalter ihre Kompetenz zur Verfügung stellt – für das Tourismus-Marketing und die Entwicklung des Tourismus in der Zukunft.

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Region werden und damit zur unverkennbaren Qualitätsmarke. Um diesen Ansprüchen gerecht zu werden, ist neben qualifizierten Mitarbeitern auch eine intensive Vernetzung aller Beteiligten nötig.

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Ein neues Projekt mit dem Arbeitstitel „Bauherren-Akademie“ ist zukunftsweisend für Tourismusbetriebe der Wirtschaftskammer Vorarlberg. Wir stellen das Projekt anhand zweier Beispiele vor: des Hotels „Schiff“ in Hittisau und des Hotels „Schönblick“ am ­Eichenberg. Zwei Erfolgsgeschichten. Manche Ideen erblicken auf ganz einfache Weise das Licht der Welt: Als der Basler Kunsthistoriker, Soziologe und Betriebswirt

Dieter Pfister im Bregenzerwald Urlaub machte, stieg er im Hotel „Schiff“ in Hittisau ab. Der Hotelier dort, Hans-Peter Metzler, war ge­rade beim Planen: Er wollte das Hotelgebäude erweitern. Und so traf es sich gut, dass sich der Gast

Als Mann der Forschung hat Pfister zahlreiche Publikationen zum Thema veröffentlicht und unterrichtet an mehreren Hochschulen. Auch wenn Pfister eigentlich Urlaub machen wollte, kam er mit Metzler sehr rasch ins fachliche Gespräch – der Hotelier mit den Umbauplänen und der Gast mit dem Experten-Know-how für „Atmospheric Design“. Pfister beschäftigt sich damit, was die Atmosphäre eines Raumes ausmacht und wie man Gefühle mit Räumen transportieren kann – und Metzler fing Feuer. Diese spannenden Gedanken wollte er bei seinem Umbau gleich berücksichtigen.

Mehrwert für bauherren aus der Schweiz ausgerechnet für soziale Raumgestaltung interessierte und in dem Bereich auch eine glänzende Expertise vorwies:

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Der Schweizer Kultur- und Wirtschaftswissenschaftler, Dieter Pfister, gilt als Initiator der Bauherren-Akademie. Er berät und forscht in den Bereichen Marke, Marketing, Marktanalysen sowie Nachhaltigkeit und Raumentwicklung und -gestaltung. Sein Spezialgebiet ist das Bezie­hungsfeld zwischen Marke, Ortsatmosphäre und nachhaltiger Entwicklung.

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Eine Idee, im „Schiff“ geboren Pfister sind Menschen und Werte wichtig – und wie sie sich im Raum ausdrücken. Dabei steht sozial nachhaltiges Bauen im emotionalen und kulturellen Mittelpunkt. Bis zu dem Treffen war Metzler davon ausgegangen, er wäre auf den anstehenden Erweiterungsbau in seinem Haus vorbereitet gewesen. Doch er kam schnell ins Staunen: In intensiven Gesprächen mit dem Schweizer Experten stellte sich heraus, dass der Hotelier nämlich gar nicht so genau wusste, was er wollte. Und dass es durchaus gute Möglichkeiten gab, einen Hotel-­ Anbau ansprechender zu gestalten als üblich. Und Pfister brachte auch gleich noch eine Idee mit: eine Akademie für Bauherren. Diese Akademie könnte helfen, eine Lücke zu schließen – die Lücke zwischen dem bisherigen Denken und Planen im Tourismus und den Möglichkeiten, wie Planungen wirklich die späteren Gäste begeistern. Und auch Metzler war begeistert. Der Bregenzerwälder Hotelier übertrug die Theorie des Schweizers praktisch auf seinen Betrieb. Und das klappte – denn Dieter Pfister mit seiner Methodik holte Metzler ­genau dort ab, wo er mit seinem Betrieb stand. „Viele Unternehmer haben ein grobes Konzept und machen sich im Vorfeld Gedanken“, sagt Metzler. „Aber eigentlich ist das dann eher auf den Nutzen ausgerichtet. Wie

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viele Zimmer möchte ich zusätzlich? Will ich Wellness? So gehen größere Ziele schnell unter.“ Der Umbau beim Hotel „Schiff“ umfasste dann eine Erweiterung mit mehreren Zimmern, Verbesserungen im Wellnessbereich und größere Speiseräume. Etwas Besonderes ist die sogenannte „Ladenwirtschaft“, in der Hausgäste stilvoll auf Besucher treffen können, die aber auch eine stimmungsvolle Einkaufsmöglichkeit bietet.

Erst wissen, wer man wirklich ist – dann planen „Wer den Selbstwert seines Hauses vor der Planung nicht in Erfahrung gebracht hat, verzettelt sich bei einem baulichen Projekt sehr schnell und ist dem Architekten ausgeliefert“, erzählt Metzler und spricht damit den entscheidenden Punkt für eine Teilnahme am Bauherrenprojekt an. „Gerade in Vorarlberg verfügen wir über eine Vielzahl an kompetenten Architekten. Die Kompetenz aber sollte beim Bauen und Umbauen nicht einseitig verteilt sein, sondern auch beim Auftraggeber liegen. Denn der Dialog zwischen Bauherr, Nutzer und Gestalter ist oft deshalb schwierig, weil der Bauherr nicht wirklich weiß, wer er ist und was er will.“ Genau hier setzt die Akademie an. Der Auftraggeber soll erkennen, was er möchte, was zu ihm, zum Umfeld und zur Geschichte passt, und wohin es in Zukunft gehen soll. Aus Stimmigkeit kann dann Stimmung entstehen. Dieter Pfister ist überzeugt: „Je bewusster man sich auf ein Projekt einlässt, umso besser ist das Ergebnis. Da helfen nur Schulung und Selbstreflexion.“

Das „Schönblick“ bezieht die Umgebung ein Der Hauptakzent liegt in der Phase null – das zeigt sich am Hotel „Schönblick“ am Eichenberg. Noch vor dem konkreten Plan steht die Analyse des Jetzt-Zustandes. „Wobei ein Spaziergang durch das Dorf helfen kann“, sagt Karlheinz Hehle lachend, der sich mit seinem Hotel mitten im Umbau befindet und ebenfalls von der Bauherren-­ Akademie profitiert. „Die Frage zu Beginn der Zusammenarbeit war: Wo stehe ich mit meinem Haus, auch im wahrsten Sinne des Wortes?“, sagt Hehle. Der Großraum des Dorfes ist wichtig, denn das Raumeinnehmen hat nicht nur mit dem „Innen“ zu tun, sondern hat auch eine Wechselwirkung zum „Außen“ – vor allem, weil das Hotel an der Einfahrt zum Dorf liegt und räumlich sehr begrenzt ist. Betreuer Pfister rät hier neben baulichen Maßnahmen dazu, die Umgebung aktiv einzubeziehen. Zu kaufen gibt es den Speck von Wollschweinen auf den hoteleigenen Wiesen, Hehle bittet zur Kräuterwanderung im hoteleigenen Wald, und im Bücherregal wartet der Großraum Bodensee mit literarischen Abenteuern. Alles Ideen, die über den eigentlich Blick innerhalb eines Hotels hinausreichen. zukunft auf vorarlberger art 31

Auch in Hittisau stand am Anfang der Ausblick. Man geht gemeinsam durch den Ort, sieht verschiedene Epochen, die das Dorf prägen, historisch Altes, die Siebzigerjahre, das Moderne. Dass sich vieles dabei auch im eigenen Haus widerspiegelt, ist nur logisch. Zu früherer Zeit einmal schön und angesagt, aber als Ganzes gesehen doch ein Flickwerk. Hans-Peter Metzler wollte mit dem aktuellen Umbau seines Hauses regionalen Charakter ins Haus bringen, die Stilvielfalt beruhigen und die Stilbrüche dämpfen. >


Sowohl im „Schiff“ als auch im „Schönblick“ war nicht nur der Hotelier selbst, sondern auch dessen Familie daran beteiligt, die eigene, betriebliche Identität zu erarbeiten. Metzler sagt, er habe „alle meine Damen versammelt – Mütter, Töchter, Schwester –, was mir sehr gut gefallen hat, denn der herkömmliche Ansatz nimmt eigentlich nur auf den Bauherren Rücksicht.“ Für Familie Metzler steht schnell fest: Wir wollen mit regionalem Bezug romantischer, aber nicht altmodisch sein.

SICH ZUR MARKE MACHEN Die lange Familientradition und die Baugeschichte eines Hauses füllen den Rucksack, den man als Hotelier mit sich trägt. Was aus der Vergangenheit zu lernen ist, ist dabei entscheidend. Nicht Trends und Geschmack sollen entscheiden, sondern Nachhaltigkeit. Die Bauherren-Akademie setzt deswegen oft auf sorgsamen Umgang mit dem vorhandenen Eigenen und nicht primär auf Entsorgung des Gewachsenen – denn dadurch ginge auch ein Stück Erinnerung verloren, was wiederum nicht sozial-­ nachhaltig wäre. Im „Schiff“ in Hittisau wollte der Bauherr im Speiseraum auf eine alte Decke verzichten – heute macht gerade dieses Element aus alten Zeiten den ganz besonderen Charme des Raumes aus, typisch „metzlerisch“. Es ist gerade dieses Spannungsfeld zwischen Vergangenheit und Gegenwart, das dem Bauherrn hilft, selbstbewusst die Zukunft anzugehen. Metzler: „Es fühlt sich sehr gut an, genau zu wissen, was man wert ist und was einen individuell macht.“

Am Eichenberg möchte man luftiger, offener und vor allem klarer werden.

Der weitere Prozess bringt intensive Stunden mit sich, bei denen es sehr viel um Raumgefühl, Atmosphäre, Licht und transportierte Gefühle geht. „Durch das genaue Erfassen des Status Quo und das Festlegen des Zieles wird deutlich, wo sich die Baustellen des Hauses befinden und wo die Diskrepanz am größten ist“, beschreibt Karlheinz Hehle die Workshops am ­Eichenberg. Heute geht er viel bewusster durch sein Hotel. Er sieht, „wo es noch hapert“. Denn der durchaus kritische Herr Pfister aus der schönen Stadt Basel hat sensibilisiert und beim Sich-Selbst-­ Bewusst-Werden geholfen. Berater Pfister sieht sich dabei als Anwalt des Kunden und tritt den Bauherren immer mit der Sicht des Gastes gegenüber. Auch Hans-­ Peter Metzler schätzt klare Worte. Er ist sich sicher, dass er viele Sachen neu angedacht hat, weil sie nicht „metzlerisch“ genug waren. Ohne die Beratung hätte er auf diese Individualität möglicherweise nicht geachtet.

Der Experte steht auch in der Bauphase zur Verfügung Ist das Briefing erst einmal abgeschlossen, hilft die Beratung der Bauherren-Akademie beim Dialog mit den Ansprechpartnern, die für den Bau entscheidend sind. „Gut vorbereitet und mit klaren Vorgaben spart man Planungszeit und Nerven“, sagt Pfister schmunzelnd. „Missverständnisse werden verhindert und Umwege vermieden. Denn am Schluss geht es ­immer um Zeit und Geld – und da hört der Spaß bekanntlich auf.“ Wenn nötig, ist der Initiator der Bauherren-Akademie auch in der Bauphase bei Sitzungen anwesend, die zum Meilenstein eines Projektes werden können. „Denn bei den subtilen Soft-Aspekten wie Atmosphäre droht auf dem Weg zu Realisation der Hardware immer einiges verloren zu gehen“, sagt Pfister, der aus Erfahrung spricht. „Managen“ will er das aber nicht nennen, denn das klingt ihm zu technokratisch. „Eigentlich geht es in der Akademie um die Menschen und den Ort, der die Menschen im Tourismus zu dem gemacht hat, was sie sind.“

Resümierend sind beide Bauherren mit der Akademie mehr als zufrieden. Karlheinz Hehle ist mitten im Umbau. Er konnte schon einiges realisieren und setzt auch weiterhin auf den eingeschlagenen Weg. Und der bedeutet schon jetzt eine Bereicherung für das Hotel, seine Gäste und die Mitarbeiter. Auch in Hittisau im Hotel „Schiff“ ist man überzeugt vom Nutzen und vom Mehrwert der Bauherren-Akademie: „Es waren viele Dinge, die mich überzeugt haben“, sagt der Hausherr. „Das Geld, das ich investiert habe – übrigens kein Ver­ mögen – habe ich wirklich sehr gut angelegt.“ Er legt das Projekt seinen Hotelier-Kollegen wärmstens ans Herz. Die Bauherren-Akademie befindet sich zwar noch am Anfang. Doch das Verfahren zum Ausbau der Kernkompetenzen von Unternehmern in der Tourismusbranche soll nun schnell vorangehen. Als Konzept fügt sich die Bauherren-­ Akademie perfekt in die Tourismusstrategie 2020 ein. Auch eine Zusammenarbeit mit Vorarlberg Tourismus und dem Vorarlberger Architekturinstitut ist angedacht. Kein Wunder, denn der Grundgedanke des Projektes ist so einfach wie bestechend: Bauherren aus allen Bereichen des Tourismus sollen über Aus- und Weiterbildung im Rahmen des Bildungshauses (Seite 40) selbstbewusst werden – und ­so gemeinsam die Marke Vorarlberg stärken.

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„Wenn man sich selbst in seinem Betrieb wiederfindet, dann kann man das authentische Gefühl auch an den Gast weitergeben.“ Karlheinz Hehle

„Der Prozess war sehr spannend für mich. Wofür steht mein Haus? Wofür steht mein Name? Was möchte ich mit meinem Projekt ausdrücken? All diese Fragen werden beantwortet.“ Hans-Peter Metzler

BAUHERRENAKADEMIE Die Bauherren-Akademie soll Bauherren aus allen Bereichen des Tourismus ansprechen. Es geht dabei nicht nur um Hoteliers, sondern auch um Bergbahnbetreiber, Einzelhandelsgeschäfte und örtliche Bauverwalter, die für die Gestaltung des öffentlichen Raumes verantwortlich sind. Die Bauherren-­ Akademie soll in Zusammenarbeit mit Vorarlberg Tourismus und dem Vorarlberger Architektur Institut aufgebaut werden. Ausbildung – hier geht es um die Bedeutung von Raum und Persönlichkeit bezogen auf Küche, Service, Rezeption und vielem mehr Weiterbildung: Schulung von Bauherren, die vor einem konkreten Bauprojekt stehen Beratung und Begleitung bei konkretem Bauprojekt

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Mag. Rebekka Moser

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Wie der Weg zum Ziel wird

Der Bregenzerwald ist vieles. Sicher nicht zuletzt eine Tourismusdestination der besonderen Art. Wirtschaft und Kultur bilden seit Jahrhunderten eine gewachsene, noch heute eng verzahnte Einheit. ­Eines geht nicht ohne das andere. Ist es zuerst die Landwirtschaft, von der die Region geprägt wird, so gehen mit ihr Hand in Hand Handwerk und Gewerbe. Konkret: Milch- und Holzwirtschaft geben den Menschen seit eh und je Arbeit und Auskommen. Ein Großteil der Kraft und Faszination des Bregenzerwaldes

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liegt in der Vielfalt. Die Viehhaltung mit ihren jahreszeitlich bedingten Wanderungen, wie die in der Lebensführung der Men­ schen tief verwurzelte Praxis des Holzbaus, sind für die dritte Säule der regionalen Wirtschaft zentrale Anziehungspunkte: Der Tourismus erwächst aus der lebendigen Kultur und er trägt dazu bei, eben diese Kultur zu bewahren.

Nun soll bis im Sommer 2014 ein Architektur- und Häuserweg entstehen, der die historischen Strukturen und die landwirtschaftlich geprägte Kulturlandschaft erschließt. Ein wesentliches Anliegen des ambitionierten Projektes ist die Begegnung zwischen den Bewohnern der Region und ihren Gästen. Indem die Aufmerksamkeit auf die Kompetenzen der Einheimischen gelenkt wird, erfüllen sich scheinbar gegensätzliche Erwartungen. Regionale Wertschöpfung und Identität entstehen aus dem Angebot ebenso, wie das vorhandene Potential Möglichkeiten der Darstellung, Ausweitung und Realisierung findet.

In einem fünfstufigen Ablauf soll der Weg geebnet werden. Von der Gründung einer Arbeitsge­ meinschaft mit Partnern aus Hotellerie/Gastronomie, Handwerk und Landwirtschaft über die dramaturgische Aufbereitung von Orten und Plätzen bis zur geo-referenziellen Erfassung und einer zeitgemäßen Vermarktung reicht das Spektrum. Was man nicht will, sind bloße didaktisch-kosmetische Maßnahmen an verschiedenen Gebäuden. Kein Architektur-Lehrpfad wird entstehen, sondern das direkte Erleben der Region und ihrer Kultur steht

im Vordergrund. Kernelement des Vorhabens bildet das Gemeinsame zwischen den Trägern der Geschichte, der Kompetenzen und Tradi­ tionen einerseits und den Gästen andererseits, die all das in seiner Lebendigkeit und Authentizität erfahren sollen. Dr. Peter Natter

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Zur Förderung innovativer Projekte im Rahmen der Tourismusstrategie 2020 wurde seitens des Landes eine neue Förderungsrichtlinie für Destinationsprojekte in Kraft gesetzt. Projekte können von den ­regionalen Destinationsmanagementorganisationen einge­ reicht werden. Zusätzlich zur Basisförderung von Destinationen in der Höhe von rund zwei Millionen Euro stehen für Destina­ tionsentwicklungsprojekte 420.000 Euro zur Verfügung.

Gefördert werden innovative Leitprodukte und -projekte, die einen Neuheitswert für die jeweilige Destination bringen und dadurch zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit beitragen. Qualität und Innovation bilden die Grundlage für die

Für Landesstatthalter Karlheinz Rüdisser hängt der Erfolg der Vorarlberger Tourismusstrategie 2020 in entscheidendem Maße davon ab, dass die darin formulierten Ziele auf breitestmöglicher Basis mitgetragen werden. „Wir wollen alle Destinationen motivieren, mit ihren Tourismusbetrieben attraktive und innovative Ideen und Projekte zu entwickeln und umzusetzen, damit das Tourismusland Vorarlberg auch in Zukunft auf Erfolgskurs bleibt. Mit unserer Destinationsprojektförderung bieten wir hier einen lohnenden Anreiz“, so Landesstatthalter Rüdisser.

Tourismusstrategie 2020 – das Land fördert innovative Tourismusprojekte Tourismusstrategie 2020. Weitere Förderschwerpunkte sind die Stärkung der Tourismusgesinnung in der Region, die enge Kooperation zwischen Tourismus und Landwirtschaft, nachhaltiger Kongress- und Tagungstourismus sowie buchbare Produkte im Bereich der nachhaltigen Mobilität.

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Mit der „Marken-Erlebnisraumentwicklung“, den Nachhaltigkeits­­be­­stre­bungen im Tagungs- und ­Kon­­­gresstourismus sowie dem Bregenzerwälder Projekt „Gastfreundschaft 2020“ gibt es aktuell drei Projekte, die im Rahmen der neuen Richtlinien gefördert werden.

MarkenErlebnisraumentwicklung

Vorarlberg als „Green-Meeting“Region

Auf Basis eines neuen Marken­ konzepts sollen in der Destination Bodensee-Vorarlberg Marken-Erlebnisareale entwickelt werden. ­Attraktionspunkte wie Museen und Marktplätze, Gastronomie und Freizeitangebote sowie Verkehrsmittel und -infrastruktur werden zu kompletten Erlebnisprodukten verbunden und als Marke angeboten. Statt einzelner Orte werden professionell gemanagte Erlebnisareale in den Vordergrund gerückt. Der Gast soll den gesamten Erlebnisraum genießen können. Für jedes Erlebnisareal ist es wichtig, die relevanten Partner und Institutionen wie Kulturanbieter, Kreativwirtschaft und Stadtmarketingorganisationen zu gewinnen.

Im Tagungs- und Kongresstourimus peilt Vorarlberg die führende Posi­ tion als „Green-Meeting“-Region an. Für alle Bereiche einer Veranstaltung werden die ökologischen Aspekte berücksichtigt, um die negativen Auswirkungen auf die Umwelt zu minimieren. Immer mehr Kongresse und Events setzen zunehmend auf Klimaschutz, regionale Wertschöpfung und So­zial­ver­ träglichkeit. Das vorarlbergweite Projekt, das zum Vorzeigemodell werden soll, ist auf zwei Jahre angelegt. Die Umsetzung erfolgt durch Convention Partner Vorarlberg in Kooperation mit dem österreichischen Ökologieinstitut. Beteiligt sind auch die Kongresshäuser des Landes als zukünftige Lizenznehmer. Die Vermarktung er­folgt inter­ national. „Die Vorteile nachhaltiger Meetings liegen in der Qualitätssteigerung für Veranstalter und

Teilnehmer, der Kostenreduktion durch Ressourcen-Einsparungen, dem Umweltschutz und dem Imagegewinn“, erklärt ConventionPartner-­Geschäftsführerin Birgit Sauter-­Paulitsch. Green Meetings und Green Events zeichnen sich durch erhöhte Energieeffizienz, Abfallvermeidung und umweltscho­ nende An- und Abreise der Gäste aus. Die Veranstaltung erhält damit ein positives Image bei der Bevölkerung, den Gästen und den Sponsoren. Seit 3. April ist Conven­ tion Partner Vorarlberg berechtigt, nachhaltig ausgerichtete Veranstaltungen zu zertifizieren. Als nächster Schritt folgt eine Destinations-Roadshow mit dem Ziel, eine vorarlbergweite Basis für Green Meetings und Green Events zu schaffen.

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Workshops des Landes mit den Tourismusdestinationen im rahmen der tourismusstrategie 2020 Manuel Bitschnau, Geschäftsführer Montafon Tourismus GmbH

Destinationen und Leistungs­träger spielen eine wichtige Rolle im Tourismussystem des Bundeslandes Vorarlberg. Zur Abstimmung der regionalen Strategien der Destinationen mit den Zielen der Touris­ musstrategie 2020 führte die Wirtschaftsabteilung des Landes gemeinsam mit dem Strate­gie­ berater Dr. Daniel Fischer in den Tourismusdestinationen Work­shops durch. Die Diskussion war engagiert, und die Workshops stießen bei den Destinationsvertretern auf gute Resonanz. Jede Tourismusdestination wird nun ein Destinationsprogramm 2020 erstellen. „Die Destinationsprogramme bilden wichtige Grundlagen im Rahmen der Tourismusstrategie 2020. In diesen Programmen soll dargestellt werden, welche Projekte und Maßnahmen in jeder Destination in den Schwerpunkten Gastfreundschaft, Regionalität und Nachhaltigkeit umgesetzt werden“, betont Mag. Astrid Keckeis von der Wirtschaftsabteilung des Landes.

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„Mit der Tourismusstrategie 2020 haben das Land, die Wirtschaftskammer und Vorarlberg Tourismus ein Konzept entwickelt, das landesweit und geschäftsfelderübergreifend Marschrichtungen für die ­Entwicklung im Tourismus aufzeigt. In den drei Bereichen Gastfreundschaft, Regionalität und Nachhaltig­ keit hat das Tourismusland Vorarlberg eindeutige Stärken, die in den einzelnen Destinationen weiter aus­gebaut werden können. Diese Stärken werden bereits jetzt von unseren Gästen wahrgenommen und differenzieren uns zum Teil heute schon von anderen Regionen. Durch die Entwicklung von ­Angeboten, der Schaffung von Weiterbildungsmaßnahmen und einer umsichtigen langfristigen Planung entsteht ein klarer Fokus auf diese drei Kernbereiche. Somit­ ist die Schaffung von wahren und nachhaltigen USPs möglich, welche in Folge zum ersten Rang in Europa führen werden.“

nicht enttäuscht. Kompetent, diplomatisch und direkt führte Daniel Fischer das Schiff „Vorarlberg“ durch stürmische emotionale Wellentäler und vielfältige heftige Ideensprudel. Als wir uns auf die wesentlichen strategischen Eckpfeiler der Vorarlberger Zukunft einigten, war ich als Geschäftsführer der Lech Zürs Tourismus GmbH sehr zufrieden. Mit den ­Attributen Gastfreundschaft, Regionalität und Nachhaltigkeit kann ich sehr gut leben. Nicht im Sinne eines Kompromisses, sondern als eine klare Orientierung, der man in Lech Zürs bereits seit vielen Jahren erfolgreich folgt, die aber stets verbessert und erneuert werden muss. Das 2012/2013 neu erarbeitete Markenprofil von Lech Zürs könnte auch ein direktes Ergebnis aus dem Strategieprozess des Landes Vorarlberg sein, jedoch war es ehrlich gesagt ein Parallelergebnis. Vielleicht ist gerade deshalb die Tourismusstrategie 2020 des Landes Vorarlberg für die LecherInnen besonders authentisch, wertvoll und nachvollziehbar.“

Hermann Fercher, Geschäftsführer Lech Zürs Tourismus GmbH

Birgit Dünser, Geschäftsführerin Bodensee-Vorarlberg Tourismus GmbH

„Als ich zu den Strategie-Workshops von Daniel Fischer eingeladen wurde, ging ich mit Spannung und großer Erwartung hin und wurde

„Unsere strategische Ausrichtung orientiert sich sehr stark an den drei Säulen der Tourismusstrategie Vorarlberg 2020, wir bringen uns

hier u.a. mit zwei großen Projekten ein: Beim „Erlebnisraum-Design“, das die Regionalität betrifft, geht es darum, unsere Region Bodensee-Vorarlberg den Gästen und auch Einheimischen als einen großen Erlebnisraum zu vermitteln, in dem in verschiedenen Arealen identitätsstiftende Geschichten dieser Erlebnisräume erlebbar und erinnerbar gemacht werden. Für die Säule Nachhaltigkeit steht unser Projekt „Nachhaltigkeit in der Meetings Industry“, das wir bereits 2012 gestartet haben.“ Anne Riedler, Geschäftsführerin Kleinwalsertal Tourismus eGen „Bisher habe ich den Prozess zur Tourismusstrategie Vorarlberg 2020 und die damit verbundenen Workshops als wichtigen Input für die Destination Kleinwalsertal empfunden. Die Rückmeldung von Expertenseite durch Daniel Fischer zeigt, dass wir mit unseren Umstrukturierungsprozessen auf dem richtigen Weg sind. Außerdem arbeiten wir auf Basis unseres Markenkonzeptes ebenfalls gerade intensiv an der mittel- bis langfristigen Strategie, so dass hier nun auf landes- und Destinationsebene zwei Prozesse zeitlich optimal aufeinandertreffen und sich gegenseitig befruchten. Ich bin überzeugt, dass das Kleinwalsertal auf den Ebenen Gastfreundschaft, Regionalität und Nachhaltigkeit viel beitragen kann und wünsche mir nun, dass wir gemeinsam auch operativ konkreter in die Umsetzung starten. Das Destinationsprogramm 2020 ist dafür sicherlich ein wichtiger Baustein für Destination und Land.“

Herlinde Moosbrugger, Geschäftsführerin Bregenzerwald Tourismus GmbH „Bregenzerwald Tourismus hat 2006 bis 2008 einen umfangreichen Strategie- und Markenprozess für die Region Bregenzerwald durchgeführt. Deshalb haben wir uns über die Entscheidung, eine landesweite Tourismusstrategie 2020 unter Einbeziehung der wesentlichen Player zu erarbeiten, sehr gefreut – denn auch als Region sind wir nur „Teil eines Ganzen“ und sehen dadurch unsere eigenen Anstrengungen in der Strategie- und Markenarbeit unterstützt. Und wenn alle wesentlichen Kräfte zusammenwirken, stärkt es den Einzelnen, sei es eine ganze Region oder ein einzelner Betrieb. Die drei wesentlichen Bereiche, welche die Basis der Tourismusstrategie 2020 darstellen, Gastfreundschaft, Nachhaltigkeit und Regionalität sind ja auch nicht aus der Luft gegriffen sondern basieren auf Werten, welche in Vorarlberg und damit auch im Bregenzerwald für die Menschen eine große Bedeutung haben. Gleichzeitig lassen diese drei Bereiche genug Freiraum, um regionale Interpretationen heraus­zuarbeiten und damit auch die Vielschichtigkeit des Landes darzustellen. Mit der Durchführung von Workshops mit den regionalen Tourismusorganisationen seitens des Landes Vorarlberg zu einem Abgleich der regionalen Strategien mit der landesweiten Tourismusstrategie wurde auch sichergestellt, dass das Zusammenwirken möglichst optimal erfolgen kann. Seitens Bregenzerwald Tourismus freuen wir uns, im Rahmen unserer Möglichkeiten einen Beitrag zur erfolgreichen Umsetzung der Tourismusstrategie 2020 Vorarlberg leisten zu dürfen.“

Kerstin Biedermann, Geschäftsführerin Alpenregion Bludenz GmbH „Die Alpenregion Bludenz Tourismus GmbH, als Destinationsorganisation für das Brandnertal, die Alpenstadt Bludenz und das Klostertal, begrüßt den landesweiten Strategieprozess zur Tourismus­ stra­tegie 2020 mit den Schwerpunkten Gastfreundschaft, Regionalität und Nachhaltigkeit sehr. Der Prozess vernetzt Partner aus Land, Wirtschaftskammer, Landwirtschaft, Handwerk, Unterkunfts-, Gastronomie- und Seilbahnbetriebe, Vorarlberg Tourismus und Destinationen, um gemeinsam zur Nummer 1 Europas zu werden. Mit dem Nummer-eins-Ansatz kann es uns gelingen, langfristig in Vorarlberg touristisch eine Perspektive zu mehr Wertschöpfung und auch ökonomischer Nachhaltigkeit aufzuzeigen und unseren Marktanteil im heiß umkämpften Urlaubsmarkt zu erweitern. Nur die ganzheitliche Betrachtung kann Vorarlberg den entsprechenden Wettbewerbsvorteil verschaffen. Durch die Anpassung des Destinationsprogramms beziehungsweise der Leistungsver­ einbarungen erhalten die Werte auch in der Destination beziehungsweise in den Talstrategien Gewicht und fließen in die tägliche Arbeit mit ein. Auf Destinations­ ebene werden erste Projekte in diesen Bereichen bereits in Angriff genommen sowie bestehende verstärkt zum Beispiel Brandnertaler Genusserlebnis, Palüd Exquisit, Klostertaler Bauerntafel, Themenweg Natursprünge, Angebotsphilosophie Brandnertal und viele Andere. Wir erhoffen uns durch entsprechende Förderprogramme und weitere Unterstützungen die breite Umsetzung der Strategie auf allen Ebenen.“

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Die Marke Bregenzerwald definiert Gastfreundschaft als „Engagement für Urlaubsglück“. Gastfreundschaft bildet eine wichtige Säule der Tourismusstrategie 2020 – die Art und Weise, wie in Vorarlberg auf Gäste zu­ gegangen wird, soll einzigartig sein. Um dieses Ziel zu erreichen, bedarf es der Verankerung der Markeninhalte in der gesamten Dienstleistungskette. Dem Gast soll ein einheitliches Bild vom Bregenzerwald vermittelt werden. Das Bregenzerwälder Projekt „Gastfreundschaft 2020 ­–  Kommunikation der Marke Bregenzerwald nach innen“ richtet sich an mehrere Zielgruppen: Das Markenhandbuch wird überarbeitet, sodass es von Hoteliers, Marketingverantwortlichen, Veranstaltern

und Agenturen als Grundlage für Produktentwicklung und –vermarktung praxisorientiert verwendet werden kann. In Betrieben werden

Workshops organisiert, an welchen Hoteliers und ihre Mitarbeiter teilnehmen, um einen Abgleich der Markeninhalte Bregenzerwald mit der Positionierung ihrer Be­triebe zu erreichen. Gleichzeitig dienen die Workshops der Identifikation der Mitarbeiter mit dem Betrieb und der Re­ gion als Ganzem. Zur ­Stärkung der Tourismusgesinnung in der Region wird das Reisemagazin Bre­genzerwald, welches die Markeninhalte der Region anhand von Geschichten, Themen und Menschen transportiert, zwei Mal pro Jahr an die Haushalte im Bregenzerwald versendet.

Gastfreundschaft

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Zeit für Veränderungen – Ein modulares System schafft neue Ausbildungsmöglichkeiten im Tourismus Neues Konzept geht auf Gäste, Betriebe, Schulen und Jugend­ liche ein Der Tourismus hat für alle Beteiligten spannende und abwechslungsreiche Facetten zu bieten. Doch nicht immer gelingt es, diese Vielseitigkeit Schulabgängern oder Berufseinsteigern schmackhaft zu machen – und so geht den Tourismusbetrieben wertvolles Potenzial verloren. Es ist ein Anliegen der Branche, sowohl junge Menschen als auch Quer-, Um- oder Wiedereinsteiger für Tourismusberufe zu begeistern und ihnen attraktive Karriere- und Ausbildungsmöglichkeiten zu bieten. Denn nur so lässt sich das Ziel, die Nummer 1 in Sachen Gastfreundschaft, Regionaliät und Nachhaltigkeit zu werden, auch tatsächlich erreichen. Schließlich sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter das Hauptbindeglied zum Gast und für dessen Wohl verantwortlich.

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Wichtigster Anknüpfungspunkt ist eine innovative moderne Aus- und Weiterbildung von höchster Quali­ tät, die auf die zukünftigen Ansprüche des Tourismus ausgerichtet ist und neben Fachkompetenz und handwerklichen Fähigkeiten vor allem die soziale Kompetenz und die Persönlichkeit der jungen Fachkräfte stärkt. Das neue touristische Bildungssystem erhöht die Zugehörigkeit zur Branche und zu den Betrieben und stärkt die Wettbewerbsfähigkeit im Bemühen um die besten Nachwuchskräfte. „Derzeit bleibt etwa nur die Hälfte der Schüler, die die dreijährige Hotelfachschule in Bezau absolviert haben, dem Tourismus erhalten“, sagt Mag. Andreas Kappaurer, Direktor der HLT Bezau. Die Drop-Out-Quote in der Lehrausbildung ist gleichermaßen unbefriedigend. Laut Mag. Klaus Mähr, Direktor der Tourismusschule Bludenz, dürfte die Schärfung des Profils auch den Schulen dienen.

Zusammenführen der Bildungssysteme Die dreijährigen Tourismusfachschulen und die gastgewerblichen Lehrausbildung­ en sollen zu einem gemeinsamen neuen vierjährigen touristischen Bildungssystem verbunden werden. Inhaltlich sollen mehr praxisorientierte Ausbildungswege, die der heutigen Lehrausbildung entsprechen und mehr kaufmännisch theoretische Richtungen, die mit der Hotelfachschulaus­ bildung vergleichbar sind, erhalten bleiben. Die bisherigen Fachschul- und Lehrabschlüsse bleibt bestehen.

neue

Lehrinhalte

Modulares Ausbildungssystem

Modulare Bildungswelt Die künftige touristische Ausbildung wird modular aufgebaut und in Wahl- und Pflichtmodule unterteilt. Das ermöglicht zum einen fundierte fachliche Basisausbildung über die Pflichtmodule und zum anderen, die Talente und Begabungen eines jeden Auszubildenden in den Wahlmodulen noch weiter zu stärken und zu vertiefen.

Fachübergreifende duale Ausbildung entwickeln Die theoretische und praktische Ausbildung in Schule und Betrieb (duale Ausbildung) wird ergänzt durch neue branchenübergreifende fachliche und persönlichkeitsbildende Inhalte. Einzelne Module auf dem Bauernhof, in der Sennerei, auf einem Weingut oder einer Tourismusorganisation werden integrierter Bestandteil der touristischen Ausbildung (triale Ausbildung).

Dezentrale

Bildungsstandorte Orientierungsjahr im Tourismus

Internationale Kooperationen Vernetzung Lehre und 3-jährige Hotelfachschule

nächstes jahr wird ein schulversuch mit erweiterten lehrinhalten gestartet

Bereits im kommenden Jahr soll an der Landesberufsschule Lochau das modulare System mit erweiterten Lehr­ inhalten in Form eines Schulversuchs starten. Geplant ist die Beteiligung von zwei Modellklassen im Bereich Küche und Service gemeinsam mit zwanzig Betrieben.

Adäquates Verhältnis von Theorie und Praxis Die in der bisherigen Schul- und Lehrausbildung nicht mehr zeitgemäße Verteilung von Theorie und Praxis in Schule und Lehre wird abgestimmt auf neue Bildungswege in ein stimmiges Verhältnis gebracht.

Ausbildungs- und Karriereplanung

Duale Ausbildung

Persönlichkeitsbildung und soziale Kompetenzen stärken Neben handwerklichen Fertigkeiten und Fachkompetenzen werden persönlichkeitsbildende Inhalte und die Entwicklung der sozialen Fähigkeiten der Jugendlichen eine neue Bedeutung bekommen. Starke Persönlichkeiten in der Begegnung mit dem Gast sind gleichermaßen wichtig wie perfekter Service im Detail.

4-jährige touristische Ausbildung

Dezentrale Bildungsstandorte und externe Experten Bildung soll künftig nicht mehr nur in der Schule und im Betrieb stattfinden. Wissen soll im Sinne von erkenntnis- und erfahrungsorientierten Lernen dort abgeholt werden, wo es entsteht. Wie Käse hergestellt wird lernt man nachhaltiger in der Sennerei als an der Schultafel.

neue Berufsabschlüsse

Internationale Bildungskooperationen Internationale Elemente sollen in der künftigen touristischen Ausbildung einen festen Bestandteil bilden. Kooperationen mit ausländischen Tourismusschulen, internationalen Spitzenbetrieben der Gastronomie und Hotellerie und Weinregionen ergänzen und erweitern die Bandbreite des künftigen Bildungsangebotes. Dadurch wird die Attraktivität der touristischen Ausbildung auch im Wettbewerb mit anderen Berufen deutlich gestärkt.

Bildungsangebot und Berufsabschlüsse auch für ungelernte und Niedrigqualifizierte Der modulare Aufbau wird neben den bereits bestehenden Lehr- und Schul­ abschlüssen neue Berufsabschlüsse ent­ stehen lassen und auch niedriger angelegte Ausbildungswege mit Fachabschlüssen als Einstieg für viele ungelernte Mitarbeiter ermöglichen, auf denen dann weiter aufgebaut werden kann.

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Zahlreiche Themengespräche und Workshops sowie drei Denkwerkstätten mit Vertretern von Schulen, Jugendlichen, Unternehmern sowie interdisziplinären Experten zeigen deutlich: Es ist notwendig, die touristischen Bildungswege „Lehre“ und „Fachschule“ zu vernetzen und das System flexibler zu gestalten. Es ist klug, die Schwächen der schulischen Ausbildung durch die Stärken der Lehrausbildung auszugleichen und umgekehrt. So ergibt sich eine neue sinnvolle duale Ausbildung, in der Theorie und Praxis ausgewogen sind.

Unter anderem lässt sich diese Neuerung durch ein modulares Ausbildungssystem mit Pflicht- und Wahlmodulen sowie mit einem zusätzlichen touristischen Orientie-

Vernetzung Lehre und Schule

Komm. Rat Elmar Herburger, Bildungssprecher der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft, WKV und Mag. Nicole Okhowat-Lehner im Gespräch über das neue Bildungssystem.

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rungsjahr zum Einstieg ermöglichen. Zudem braucht es attraktive Weiterbildungsmöglichkeiten, die mit einer breiten Wirkung bei jungen Menschen Begeisterung entfachen.

Ziel ist es, die beiden touristischen Bildungssysteme, die dreijährigen Hotelfachschulen sowie die gastgewerblichen Lehrausbildungen in ein gemeinsames vierjähriges, duales touristisches Bildungssystem zu integrieren. Die so auf vier Bildungsjahre erweiterte Ausbildung wird zudem modular und damit flexibel und durchlässig sein. „Das System hat einen wesentlichen Vorteil“, sagt Komm. Rat Elmar Herburger, Bildungssprecher in der WKV-Sparte Tourismus: „Wir können individuell auf den einzelnen Jugendlichen und das gewählte Berufsziel abgestimmte ­Bildungswege definieren.“ Die einzelnen Module lassen sich jederzeit flexibel anpassen, selbst wenn sich die touristischen, gesellschaftlichen oder wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ändern. > zukunft auf vorarlberger art 45


Das erste Ausbildungsjahr dient vorrangig der beruflichen Orientierung. Tourismusaffine Jugend­ liche erhalten die Chance, in die verschiedenen touristischen Berufe hinein zu schnuppern und ihre persönlichen Vorlieben zu entdecken. Aufbauend auf der im Orientierungsjahr festgelegten Karriere- und Bildungsplanung durchläuft der Auszubildende eine auf sein gewähltes Berufsziel individuell bestimmte Anzahl von Pflichtund Wahlmodulen sowie unterschiedlich lange Schnupper-­ Praxiszeiten, die er mitunter in verschiedenen Betrieben absolviert. Das ermöglicht schmalere und breitere Ausbildungspfade. Ein

weiterer Vorteil des modularen Systems liegt darin, dass die Lehrund Fachschulabschlüsse nicht

Drei schulen und weitere dezentrale bildungsstandorte

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mehr starr beschränkt sind. „Sie bieten vielmehr die Möglichkeit, ständig neue Berufe und Berufs­ bilder wie Barkeeper, ­Restaurantmanager, Käseoder Weinsommelier entstehen zu lassen“, bekräftigt Komm. Rat Elmar Herburger. Das angedachte einheitliche neue Bildungssystem soll gleichermaßen an mehreren Schulstandorten angeboten werden. Dabei werden einzelne Themenbereiche und Module schwerpunktmäßig vergeben, was die drei Direk­toren der Berufs- und der beiden Tourismusschulen begrüßen.

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Das noch virtuelle Bildungshaus, unter dem die Neukonzeption sinnbildlich zusammengefasst wurde, soll auch in der Realität entstehen.

anzieht – assoziiert mit neuesten Lernmethoden und Erkenntnissen in Didaktik und Pädagogik.

Innovatives „Die Chance, im Zuge der Tourismusstrategie 2020 Bildungshaus nicht nur ein neues zukunftsweisendes Bildungssoll errichtet system auf die Beine zu stellen, sondern gleichzeitig auch eine dazu passen- werden

che, Showküche sowie Theater- und ­Kinosaal sollen durch heimische Materialien eine moderne Umgebung mit anregender Atmosphäre schaffen – gebaut von Handwerkern aus der Region. So trägt das Bildungshaus das Selbstverständnis des Tourismuslandes Vorarlberg nach außen.

de räumliche Umsetzung zu realisieren, ist einzigartig“, sagt Tourismus-Spartenobmann Hans-Peter Metzler.

Die Vision ist verführerisch: ein international bekanntes Haus, das weit über die Landesgrenzen hinaus interessierte junge Menschen und spannendes Lehrpersonal

Wo das Haus entstehen soll, ist noch offen. Wichtig ist die Nähe zu Landwirtschaft und Handwerk. Das erste Raumbedarfskonzept ist schon in Arbeit. Rezeption, Kü-

Metzler: „Der Mensch im Mittelpunkt ist ein Grundgedanke der Tourismusstrategie, den wir auch in ganz besonderem Maße in der Errichtung und Gestaltung unseres neuen Bildungshauses berücksichtigen wollen.“

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Für das Projekt bildung haben sich die chefs der touristischen Schulen sehr engagiert Was sagen sie über die Ausbildungsreform im Tourismus Worin sehen Sie die Vorteile einer modularen Ausbildung? Dir. Mag. Andreas Kappaurer, HLT Bezau „Ausgangspunkt war ganz einfach, dass es zu wenig Nachwuchs in der Tourismusbranche gibt und dass zudem noch viele während oder nach der Ausbildung aus- oder umsteigen. Ein Grund dafür könnte sein, dass die Schulen zu theo­ rielastig sind und die Lehrlinge wiederum zu wenig entscheidende Theorie mitbekommen. Es fehlte bis dato also ein Ausgleich.“ Was erwarten Sie sich von dem neuen Ausbildungsmodell? Dir. Mag. Andreas Kappaurer, HLT Bezau „Ich bin überzeugt, dass sich damit ganz neue Perspektiven öffnen, die sich zum Teil erst entwickeln werden. Ein wichtiger Aspekt ist sicher, dass Neueinsteiger den Tourismus zunächst gründlich kennenlernen, ehe sie sich für einen Schwerpunkt entscheiden. Die Module sind auch so abgestimmt, dass es inhaltliche Verknüpfungen gibt.“

Wie könnte eine solche Ausbildung in der Praxis aussehen? Dir. M.A. Andrea Mc Gowan, lbs Lochau „Durch die Orientierungsphase, in der Stärken und Schwächen analysiert werden und auch die Persönlichkeitsbildung einen hohen Stellenwert einnimmt, bleibt den Auszubildenden Zeit, um ihre Richtung zu finden. Die Kenntnisse werden dann durch eine längere Schulzeit oder auch in anderen Ausbildungsstätten vertieft. Das heißt, ein Lehrling kann auch einmal eine Zeit im Ausland verbringen oder in einem Saisonbetrieb arbeiten. Beispielsweise kann sich ein Koch auf Diät- oder regionale Küche spezialisieren oder einmal auf einem Bauernhof tätig sein. Das schafft Identifikation zu den Produkten. Generell ist die Ausbildung auf mehrere Orte verteilt. „Ich begrüße grundsätzlich das neue Modulsystem, weil sich dadurch auch gemeinsame Synergien nutzen lassen. Wichtig ist, dass es eine Durchlässigkeit gibt, die Umstiege leichter ermöglicht.“ Wie profitiert der Tourismus davon? Dir. Mag. Klaus Mähr, Tourismusschulen Bludenz „Es eröffnen sich viele Chancen. Und ich bin überzeugt, dass wir dadurch auch eine neue Klientel ansprechen. Beispielsweise Queroder Wiedereinsteiger. Und ich kann mir vorstellen, dass dieses Modell auch im Ausland Beachtung findet und zu einem Zuzug führt. Vorarlberg hat ja einen ausgezeichneten Ruf als Ausbildungsstätte. „Dieses System macht die Ausbildung in der Tourismusbranche bekannter und wertet sie auf.“

viele chancen und möglichkeiten auf diesem neuen weg ... Gerhard Ouschan, Leiter Bildungsabteilung, VLBG. AK „Mir ist wichtig, dass sich auch Kräfte ohne Fachausbildung Kompetenzen aneignen und Abschlüsse machen können, die auch anerkannt werden.“ Dr. Christoph Jenny, leiter bildung, WKV „Ein flexibles modulares Bildungssystem trägt den individuellen Interessen junger Menschen wesentlich stärker Rechnung, was sich nicht nur auf die Attraktivität der Ausbildung, sondern auch auf die persönlichen Bildungserfolge positiv auswirken wird. Aber auch die schulischen Lernorte mit außerschulischen Lernwelten zu verknüpfen, ist ein richtungsweisender Paradigmenwechsel.“ Dr. matthias ammann, verbandsmanager, externer projektberater „Die jungen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die Tourismusstrategie 2020 zu gewinnen ist die vornehmste Aufgabe des neuen Bildungshausprojektes.“

Die Sicht unseres nachwuchses

Was sind die Merkmale einer starken Schule?

Reihung nach Präferenz

Mehr Praxis in der Schulausbildung

1

Aktuelle Umfrage mit 171 Teilnehmern Mehr als 8 Wochen Schule in der Lehrausbildung

2

Lernen mit Praxisbezug

3 Ausbildungsbetriebe, die ausbilden

Welche Fähigkeiten und Einstellungen sind für eine zukünftige Arbeit im touristischen Sektor besonders wichtig?

Welche Themen müssten in der jetzigen Ausbildung intensiver behandelt werden?

Reihung nach Präferenz

Reihung nach Präferenz

Selbständigkeit im Denken und Handeln

Regionalität

1

Soziale Kompetenz

2 Kommunikationsfähigkeit

Belastbarkeit

4 Teamfähigkeit

1

Wie müsste die perfekte Ausbildung gestaltet sein?

Persönlichkeitsbildung

2

Reihung nach Präferenz

Stärker praxisorientiert

3

1 Mehr Spezialisierungsmöglichkeiten entsprechend den Stärken

2

Abwechslungsreicher

5

Gute, kompetente Lehrkräfte

3

5

Toller und lehrreicher Unterricht

Hell, freundlich, modern

Kleinere Klassen

Motivation zur beruflichen Weiterbildung

Zusätzliche Seminare/ Weiterbildung

Soziale Kompetenz

Freizeitangebot/ Sportmöglichkeiten

3

5

6 7

Motivation im Tourismussektor zu bleiben

4

4

8 9

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Dr. Andreas Salcher (52) gilt als Österreichs härtester Bildungskritiker. Vor allem die starren Strukturen im Schulsystem will der Unternehmensberater aufbrechen. Ein strenger Richter, wenn es um neue Ansätze geht – etwa um das neue Ausbildungskonzept der Sparte Tourismus der Wirtschaftskammer Vorarlberg. Und das sieht der Erfolgsautor positiv: „Es ist immer gut, wenn sich Verantwortliche Gedanken machen, wie man bestehende Systeme verbessern und entwickeln kann.“

Duales System als Vorbild Bei dem Pilotprojekt der Tourismussparte sind neben Schulen auch die Unternehmen gefragt – wie beim dualen System, das der für seine provokanten Thesen be-

Bildungskritiker Andreas Salcher begrüSSt neues TourismusAusbildungskonzept kannte Betriebswirt Salcher lobt. „Es ist ein System, dass es in dieser Form eigentlich nur bei uns und in Deutschland gibt. Deshalb gibt es auch keinen Grund, dass man dieses Ausbildungsschema unter den Scheffel stellt.“

Das neue Ausbildungskonzept im Tourismus bindet nun noch mehr Partner ein – und die Lehrlinge profitieren gleich vom Know-how mehrerer Unternehmen und Stellen. Dafür sei Vorarlberg das richtige Modell-Bundesland, sagt Salcher: „In Vorarlberg ist offenbar eine Zusammenarbeit zwischen einzelnen Interessensgruppen möglich.“ Dass es kein Patentrezept gibt, ist aber auch ihm klar: „Es gibt nicht das eine richtige Führungsmodell. Aber es gibt keines, das ohne ein tiefes Verständnis für den Menschen funktioniert. Nur wer die Innenwelt seiner Mitarbeiter versteht, kann diese loyal an sich binden.“ Und genau das hat das neue Ausbildungskonzept im Sinn.

Tourismus-Know-how durch Hausverstand Für die Auszubildenden ist natürlich vor allem die Qualität des Lehrbetriebes entscheidend. „Das Problem ist dabei vielfach, dass Schulabgänger oft grundlegende Dinge nicht wissen“, sagt Salcher. „Denn es ist eigentlich nicht die Aufgabe einer Firma, einem Lehrling ordentliches Deutsch oder die Grundrechenarten beizubringen. Doch gerade in dieser Hinsicht gibt es große Mängel.“ Wer in einem Gastronomiebetrieb beschäftigt ist, sollte sich beispielsweise mit Mengenangaben auskennen. Salcher erinnert sich an ein Gespräch mit einem Gastronomen, der sagte: „Wenn ein angehender Koch einen Taschenrechner braucht, kann ein unbeabsichtigter Kommafehler drastische Auswirkungen haben. Dann hat man plötzlich zehn oder tausend Schnitzel, wenn für eine Hochzeit hundert bestellt wurden.“ Um solcherlei Pannen zu vermeiden, ist Hausverstand wichtig – und der gepaart mit der bewährten Kompetenz macht das Ausbildungskonzept zum Exportschlager. Salcher: „Denn gerade im Tourismusbereich ist österreichisches Know-how im Ausland gefragt.“ Dietmar Hofer

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Das fehlt selbst uns Tirolern. Ein Südfranzose fährt nicht zum Urlaub an die italienische Mittelmeerküste, und ein Tiroler nicht zum Wandern und Bergsteigen ins Ländle. Meistens jedenfalls nicht. Ausnahmen bestätigen die Regel.

Ein Jahr später. Wir fahren in den Urlaub. Richtig – nach Vorarlberg. Ich möchte den Bregenzerwald selbst kennenlernen. Möchte die Unaufgeregtheit erleben, von der

Was vorarlberg ausmacht

Ich sitze am Gipfel des Tschirgants hoch über Imst im Tiroler Oberinntal. Die Blicke schweifen in die die sicht eines gebürtigen tirolers Ferne. Wobei: So weit entfernt liegt Vorarlberg gar nicht. Dort, im Bregenzerwald, urlaubt jetzt gerade meine man mir aufdringlich unaufdringTochter. Ich hatte es ihr empfoh- lich erzählt hat. len, ohne je zuvor einen Fuß in den „Wald“ gesetzt zu haben. Ich will Für uns Tiroler zählt in erster Linie ihr nun jedenfalls mein Gipfelerleb- der kategorische Superlativ – ganz nis schildern und rufe sie an, um besonders in den Bergen. Klar, sie – wieder einmal – für die Tiroler wir leben in Sachen Wandern und Berge zu begeistern. Bergsteigen im Schlaraffenland. Diese Voraussetzungen nutzen Der Versuch schlägt fehl. Sie ist fast alle aus, allerdings erfolgt der nämlich schon begeistert – von Zugang der meisten Tiroler zu den der Alm am Fuß der Kanisfluh, auf Bergen vor allem über die Leisder sie es sich gerade gemütlich tungsschiene. Wer am Wochenengemacht hat. Bei Almdudler und de nicht mindestens ein paar taufrischem Almkäse. Einen „lusti- send Höhenmeter bewältigt hat, gen Sepp“, wie sie ihn von daheim gehört nicht wirklich zu dem ankennt, hat sie nicht getroffen. Sie geblich wilden Bergvolk. Das habe vermisst ihn aber nicht, genauso ich früher ebenfalls so praktiziert. wenig wie den Senner in der Le- Bis irgendwann in erster Linie der derhose. Wohltuend, meint sie. Genuss in den Vordergrund rückte und ich zum Außenseiter mutierte. Na gut, wird ganz nett sein, denke ich, und steige ab vom Tschirgant Was die Vorarlberger unter GeRichtung Karröster Alm. Dort kün- nuss verstehen, möchte mir meine digt ein Plakat den Auftritt eines Tochter jetzt zeigen. Wir überqueangeblich lustigen Musikanten- ren den Hochtannberg, neugierig duos in wenigen Tagen an. So lan- nähere ich mich Schoppernau, wo ge mag ich nicht warten. Es geht wir die folgenden vierzehn Tage selbst ohne „lustig“. verbringen wollen. Zum Wandern und Bergsteigen.

Die Berge wirken sanfter hier, die Architektur der alten Bauern- und modernen Wohnhäuser strahlt große Kraft und Harmonie aus. Vom Protz, den vielfach die (Tourismus-)Architektur in Tirol offenbart, weit und breit nichts zu sehen. Beglückend. Und unser Hotel – zwar nicht auf einem Berg, doch auf einem bezaubernden Hügel gelegen – bietet großen Komfort und lässt dank seines modernen Baustils Luft zum Atmen. Kein Prunk, der erdrückt. Die Gastlichkeit der Gastgeber kommt unaufdringlich herüber. Ich bin angekommen. Kanisfluh, Üntschenspitze, ein paar Gipfel rund um Damüls – die folgenden Tage bieten viel Abwechslung und wundervolles Berg­ erlebnis. Dies findet zwar nicht im dritten Stock statt, aber auch unterhalb der Dreitausender-Grenze, entdecken wir Tiroler großes Urlaubsglück. Die zahlreichen, nicht künstlich auf Unverfälschtheit getrimmten Almen, entpuppen sich als tatsächlich authentisch. Von der Bergstation am Diedamskopf zeigt mir jemand die Zimba über dem Brandnertal. Zwar erneut kein Dreitausender, doch ein extrem formschöner Berg. „Könnte fast in Tirol sein“, schmunzle ich. Vom Diedamskopf öffnet sich freilich ebenfalls der Blick zum Bodensee. „So etwas haben die Tiroler halt nicht“, bemerkt einer grinsend aus dem Hintergrund. Er hat nicht unrecht, denke ich.

Im Brandnertal finde ich einige Jahre später meinen Lebensmittelpunkt. Brand hat schon ein wenig mehr von Tirol, wenngleich die Berge selbst da vergeblich an der Dreitausender-Marke kratzen. Dafür versucht in Sachen Architektur hier mancher, den Tirolern nachzueifern. Schade. Nicht, weil Tirol bekanntlich bloß „oans isch“, sondern weil man nicht jeden Schmarrn kopieren sollte. An vielen Wochenenden zeigt mir Edith bei ausgedehnten Ausflügen mit dem Auto Meter für Meter jede Region des Landes. Ich genieße die kulinarischen Köstlichkeiten der Gastronomie, tauche im Sommer ein in die wunderbare Atmosphäre des Rheintals und der Bodenseeregion, die mich dank Wärme und SeeFlair an südliche Gefilde erinnert. Fahrten mit der Sonnenkönigin auf dem Bodensee in mildem Klima erlebe ich ungleich komfortabler und entspannender als jene mit dem Dampfer auf dem Tiroler Achensee in gebirgiger Region. Und sich mit dem Schlauchboot im Alten Rhein treiben und die Seele baumeln lassen, bedeutet fast den Inbegriff des Entspanntseins. In diesen Augen­ blicken vermisse ich keinen Ritt auf einer Tiroler Ache. Ach ja – und wenn ich einmal ziemlich hoch hinaus möchte, bietet sich ja noch das Montafon an. Freilich, bisher habe ich ja nicht einmal die knackige Zimba geschafft. Fast beschämend für einen Tiroler, für den wie erwähnt der kategorische Superlativ die Maxime in den Bergen darstellt. Vielleicht nehme ich das Matterhorn Vorarlbergs einmal mit Klaus in Angriff. Von dort müsste der Bodensee zu sehen sein. Klaus wird dann wohl wieder bemerken: „So etwas haben die Tiroler eben nicht!“ Ich kann ihm nicht widersprechen. Peter Freiberger

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Siegerprojekte bestechen durch Kreativität und Vorbildwirkung In der Zukunftswerkstatt des hei­ mischen Tourismus herrscht Hochbetrieb: Außergewöhnlich zahl- und ideenreich waren die Anwärter auf den diesjährigen Award für die tourismus-innovationen. Die Bilanz: drei Hauptpreise, ein Sonderpreis, sechs Anerkennungspreise. Die ­Gewinner wurden am 20. Juni 2013 im Rahmen des Vorarlberger Tourismusforums im Vinomna­saal in Rankweil präsentiert.

Hauptpreis: Hotel Post, Bezau: Mitarbeiterkonzept

Hauptpreis: Schwärzler Hotels: Lehre 3.0

Die Begrüßung im Hotel Post in Bezau ist sehr herzlich – mit Willkommensgetränk und einem köstlichen Snack aus der Gourmetküche. In der überreichten Infomappe steht alles, was man wissen muss über Haus und Region. Hausführung gefällig? Wer auf diese Weise von Hoteldirektorin Susanne Kaufmann empfangen wird, fühlt sich als willkommener Gast. Auch wenn dieser der neue Mitarbeiter ist. „Unser Mitarbeiter ist unser Gast und

Die „Lehre 3.0“ der Schwärzler Hotelgruppe überzeugte die Jury durch ihren einzigartigen Ansatz, Lehrlinge nebst Fachwissen beim Erwerb von Schlüsselkompetenzen zu fördern. Dazu gehören Team­ fähigkeit, sprachliche Gewandtheit, Sozialkompetenz und die Förderung individueller Stärken. „Diese Fähigkeiten sind im Tourismus das Um und Auf. Die Jugendlichen lernen hier was es heißt‚ Gast­geber zu sein“, umreißt Brigitte Plemel die Stärke der „Lehre 3.0“. Vom ersten Tag an wird jeder Lehrling vom Ausbilder und zusätzlichen „Paten“ aus höheren Lehrjahren intensiv unterstützt. Regelmäßig wird ein „Lehrlingstausch“ unter den insgesamt sechs Schwärzler Hotels in Vor­ arlberg, Salzburg und Liechtenstein initiiert. So lernen die Jugendlichen andere Kollegen, Abläufe und Gäste aus verschiedenen Ländern kennen. Spezielle Seminarangebote, Team-Workshops und Exkursionen erweitern das Fachwissen und den persönlichen Horizont. In Lehrlingstreffen widmen sich die Lehrlinge fachlichen und sozialen Themen – kürzlich haben sie die Kinder des Zwergennests Dornbirn der Vorarlberger Tagesmütter mit einem gesunden Menü versorgt.

Vorarlberger tourismus innovationen 2013

Sie sollen neu sein, nachhaltig, stimmig für die Region und zur Wertschöpfung beitragen: Dies sind nur einige der Kriterien, die die Siegerprojekte der Vorarlberger tourismus-­ innovationen 2013 voll und ganz erfüllen. „Die zentrale Frage ‚Bringen sie den Tourismus in Vorarlberg weiter?’ konnten wir bei allen Gewinnern eindeutig mit Ja beantworten“, bringt es die Jury-Vorsitzende ­Brigitte Plemel auf den Punkt. Dabei war die Wahl nicht leicht – selten gab es so viele interessante Einreichungen wie in diesem Jahr. Selten war auch die thematische Bandbreite so groß: Von energieeffizienten Projekten über neuartige natur- und kulturtouristische Angebote bis zu alternativer Mobilität und Mitarbeiter-Projekten war alles dabei. Ansehnlich ist daher auch die Gewinnerbilanz: Drei Hauptpreise, ein Sonderpreis und sechs Anerkennungspreise hat die Jury in diesem Jahr vergeben. Die ausgezeichneten Projekte stellen wir im Folgenden vor.

Partner.“ Auf Basis dieses Mottos­­ arbeitete das Team des VierSterne-­Superior-Hotels ein neuartiges Mitarbeiterkonzept aus, das seit dem Start vor zwei Jahren stetig weiterentwickelt wird. Dessen Bestandteile sind etwa das Mit­ arbeiterhandbuch, Kennenlern-Besuche bei Hotelpartnern, flexible Arbeitszeiten, Mitarbeiterhomepage und ein digitales Mitarbeitermagazin. Die Ziele liegen auf der Hand: Mitarbeiter im Hotel Post sollen wertgeschätzt und fachlich sowie sozial gefördert werden, um langfristig im Unternehmen zu bleiben. „Diese Philosophie im Umgang mit den Mitarbeitern steht ganz im Einklang mit der Tourismusstrategie“, befand die Jury.

Hauptpreis: Gasthof Hirschen, Schwarzenberg: kunst.hotel nach waelder.art

Sonderpreis „Kulturtouristisches Angebot“: Bezau Beatz

Der Gasthof Hirschen steht vor einer Wende: Franz Fetz wird das 250 Jahre alte Traditionshaus in Schwarzenberg nach über 30 Jahren an die nächste Genera­tion übergeben. Gleichzeitig strebt der kunstsinnige Patron bis 2015 eine verbesserte Auslastung des Hotels an. Helfen soll dabei die klare Positionierung des Hirschen als „Kunsthotel nach Wälderart“. Als Basis dienen Fetz’ Vorliebe für Musik und seine eindrucksvolle Kunstsammlung: etwa von Angelika Kauffmann, Tone Fink und Persönlichkeiten, die eine Zeit im Haus verbracht haben. Die Werke wurden neu geordnet in den Gasträumen und 33 Hotelzimmern platziert. Jedes kunst.zimmer trägt den Namen einer dieser Persönlichkeiten und erzählt in Bildern und Schriftstücken deren Erlebnisse mit dem Haus nach. Das Kulturprogramm mit Ausstellungen, Lesungen und der Konzertreihe „Wälderness“ vervollständigt die Marke Hirschen als „Kultur und Genuss im kunst.hotel nach waelder.art“.

Das stimmigste Projekt in der Kategorie „kulturtouristisches Angebot“, für die erstmals ein Preis vergeben wurde, ist das Festival Bezau Beatz. Den Bezauer Konzertreigen gibt es zwar schon seit 2008, neu sind jedoch die engen Kooperationen mit touristischen Leistungsträgern, etwa mit dem Hotel Post und dem Genießer- und Kuschelhotel Gams. Für das neue Programm „Jazzspätzle“ mit regionalen aufstrebenden Künstlern konnte Initiator Alfred Vogel die Bezauer Seilbahnen und das Panorama-Restaurant Baumgarten als weitere Partner gewinnen. Dabei finden drei Konzerte auf 1.650 Metern Seehöhe statt, anschließend gibt’s Kässpätzle im Restaurant.

Anerkennungspreise Hüttenkopfbahn am Golm, Illwerke Seilbahn BetriebsgesmbH für die erste Photovoltaik-Sesselbahn der Welt > Gauertaler AlpkulTour, Stand Montafon für die Schaffung eines unkonventionellen Themenwegs mit Skulpturen des Vorarlberger Künstlers Roland Haas > Dorfklang, Veronika Sutterlüty und Margarete Broger für die Initiative, mittels einer musikalischen Veranstaltungsreihe ein Netzwerk von Veranstaltern, Musikern und Wirten aufzubauen und Bregenzerwälder Kulturgut zu sichern > Tanzcafé Arlberg, Lech Zürs Tourismus für ein neuartiges Musikfestival, das die Region in der Nachsaison beleben und sich langfristig in zusätzlichen Nächtigungen niederschlagen soll > E-Bike-Netzwerk Montafon, Montafon Tourismus für das Engagement im Bereich E-Bike-Angebote, worin sich das Montafon zur Vorzeigeregion in Vorarlberg entwickelt hat > Walser Omgang, Kleinwalsertal Tourismus. Die Destination hat mit den speziellen, den Lebensfeuer-Kriterien entsprechenden Wanderrouten und Langlaufloipen eine besondere Freizeitinfrastruktur geschaffen, die die Lebensfeuer-Hotels aktiv in ihr Angebot einbinden.

JURY: Klaus Allgäuer, Vertreter der städtischen und örtlichen Tourismus­ organisationen. Dietlind Castor, Journalistin. Beate Fritsch, Junges Gastgewerb. Mag. Astrid Keckeis, Abteilung für Wirtschaftsangelegenheiten des Landes Vorarlberg. Mag. Brigitte Plemel, Marketingleiterin Vorarlberg Tourismus. Mag. Willi Sieber, Ökologie Institut Vorarlberg. Dr. Eva Häfele von ­worknet unterstützte die Jury bei der Bewertung für den Sonderpreis. <

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Neuigkeiten und Fakten

Aktuelles von Vorarlberg Tourismus

Kultur & Tourismus: von­ einander lernen Gedankenaustausch, gegenseitiges Kennenlernen und die Entwicklung von Kooperationsstrategien: Das sind die Ziele der Plattform Kultur & Tourismus, die von Vorarlberg Tourismus ins Leben gerufen wurde und von der Kultur- und Wirtschaftsabteilung des Landes Vorarlberg unterstützt wird. Dazu bringt Kurator Hans-Joachim Gögl Touristiker und Kulturschaffende in verschiedenen Veranstaltungen zusammen. Beim nächsten Treffen im Juli werden sich die Teilnehmer mit dem Thema „Marke“ auseinandersetzen: Dabei führen Vertreter aus Tourismus und Architektur einen Diskurs über unterschiedliche Zugänge zur „Architekturmarke Vorarlberg“. Im Oktober geht es darum, wie Vorarlbergs Touristiker ihren meist gut vorinformierten und kulturinteressierte Gästen das Urlaubsland noch näher bringen können. Als Vorbild wird hier die Praxis der Kunst- und Kulturvermittlung herangezogen. Die Veranstaltungsreihe 2013 beschließt die Plattform mit einer Pecha Kucha Night – einem Veranstaltungsformat mit Kurzvorträgen mehrerer Referenten.

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Vorarlberg-App mit 700 Routentipps Vor rund einem Jahr ging die erste Vorarlberg-App für Freizeit und Urlaub mit 400 Routentipps online. Seit Neuestem stehen Smartphone-­ Nutzern rund 700 Wander- und ­Bike-Strecken interaktiv zur Verfügung (für iPhone, iPad und Android). Die kostenlose App versorgt Urlauber zudem mit nütz­ lichen Zusatzinformationen wie Karten, Wegbeschreibungen, Höhenprofile und Daten für GPS-­ Geräte. Bilder und Videos geben einen Vorgeschmack auf die Tour; Piktogramme markieren Sehenswürdigkeiten, Freizeiteinrichtungen, Einkehrmöglichkeiten, Ruheplätze, Bergbahnen, Busstationen und vieles mehr. Die regionalen Tourismusverbände speisen die App inhaltlich, der Geodata-Service von Vorarlberg Tourismus ist für die technische Umsetzung verantwortlich. Weitere Infos unter­ www.vorarlberg.travel/apps.

Zwei Bergbahnen unter neuer führung Die beiden Bergbahnbetriebe Brandnertal und Diedamskopf konnten in diesem Jahr zwei sehr erfahrene Touristiker als neue Geschäftsführer gewinnen: Ab Juli wird Eugen Nigsch die Geschicke der Bergbahnen Diedamskopf leiten. Mit seinem neuen Team will der seit zwanzig Jahren im Tourismus tätige Montafoner die ganzjährige Erlebnisvielfalt am Diedamskopf weiter ausbauen. Zuvor führte der 45-Jährige rund sieben Jahre lang die Geschäfte der Bergbahnen Brandnertal. Diese übernahm bereits im Jänner der aus Nüziders stammende Markus Comploj. Bis Ende 2012 war der 35-Jährige Tourismusdirektor der Ferienregion Savognin (CH). Als Leiter der Bergbahnen Brandnertal will der studierte Betriebswirt neue Wege im Bereich Servicedesign, Marketing und Vertrieb im Rahmen der Tourismusstrategie 2020 beschreiten. Das Brandnertal soll sich in den nächsten Jahren zu einer Vorzeigeregion für Ganzjahrestourismus entwickeln.

Wechsel bei Bregenzerwald Tourismus Die 25jährige Marina Wüstner ist seit Ende Mai neu im Team der Bregenzerwald Tourismus GmbH. Einsatzbereiche der jungen Hitti­ sauerin sind Kundenbetreuung, Information und Reservierungen. Berufliche Erfahrungen sammelte die gelernte Hotel- und Gastgewerbeassistentin in renommierten Hotelbetrieben in Vorarlberg und Tirol sowie bei Berge Marketing & Consulting in Mellau. Marina Wüstner löst Stefanie Bechter ab, die nach acht Jahren in die Bankenbranche wechselt.

Claudia Marte geht nach Berlin Nach fünf Jahren bei Vorarlberg Tourismus in Dornbirn zieht es Claudia Marte in den Norden zur Österreich Werbung nach Berlin. Dort wird sie ab Anfang Juli für die Bereiche Tourismusforschung und Pressearbeit zuständig sein. Bei Vor­arlberg Tourismus war die 30-Jährige Leiterin des Projekts V-Card. Außerdem übernahm sie Marketingaufgaben in den Bereichen Golf, Familienclub und „Feel Well“.

Feierten gemeinsam den erfolgreichen ITB-­ Einsatz: Die Schülerinnen und Schüler, Di­­ rek­toren und Lehrer der Tourismusschulen Bludenz und Bezau mit Tourismusdirektor Christian Schützinger.

Golfclub Brand mit neuem Geschäftsführer Der Golfclub Brand hat mit Christoph Fröhle seit Anfang Mai einen neuen Geschäftsführer. Der 28-Jäh­ ri­ge Sport- und Bewegungswissenschaftler war zuletzt für die Youth Olympic Games Innsbruck tätig. Fröhle folgt Markus Deutsch nach, der seine Funktion als Geschäftsführer nach acht Jahren abgibt. Dem Golfclub bleibt er dennoch treu: Der 34-Jährige leitet nun den Bereich Greenkeeping. Gemeinsam verfolgen die beiden das Ziel, die Qualitätsstandards zu erhöhen. Zudem will Fröhle den Golfsport einer breiteren Bevölkerungsgruppe zugänglich machen.

Vorarlberg Tourismus bedankt sich bei Tourismusschülern Auf der diesjährigen Internationalen Tourismus-Börse (ITB) in Berlin stellten 59 Schülerinnen und Schüler der Tourismusschulen Bludenz und Bezau ihr Können unter Beweis. Engagiert von der Österreich Werbung Deutschland übernahmen sie Service und Küche des Gastronomiebetriebs am Österreich-Messestand. Für ihre Leistung ernteten die Tourismusschülerinnen und -schüler größtes Lob von allen Seiten. Aussteller, Besucher sowie Vertreter aus Politik und Wirtschaft zeigten sich vom perfekten Service und dem professionellen, freundlichen Auftreten der jungen Tourismusprofis beeindruckt. Grund genug für Vorarlberg Tourismus, den erfolgreichen Einsatz auf der weltgrößten Tourismusmesse gebührend zu feiern. An einem sonnigen Maitag lud Tourismusdirektor Christian Schützinger die Schülerinnen und Schüler, Direktoren und Lehrer der beiden Schulen nach Hohenems ein. Dort stand eine Stadtführung durch das jüdische Viertel, zur Kirche und in den Palast auf dem Programm. Den kurzweiligen Nachmittag ließen sie bei einem gemeinsamen Umtrunk und Imbiss im Palast ausklingen. Als kleines Dankeschön überreichte Christian Schützinger allen ITB-Beteiligten eine V-Card.

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Neuigkeiten und Fakten

Aktuelles vom land vorarlberg

Neuer Übernehmerfonds

Österreichische Tourismuskonferenz 2013 in Bregenz Auf Initiative von Wirtschafts- und Tourismusminister Reinhold Mitterlehner und auf Einladung des Landes Vorarlberg trafen sich am 25. April die Tourismusvertreter der Bundesländer und die wichtigsten Branchenvertreter in Bregenz zur 3. Tourismuskonferenz, die unter dem Motto „Kultur im Rampenlicht“ stand. Vorarlberg bot mit den ­Bregenzer Festspielen, der Schubertiade, dem Kunsthaus, der vielfach ausgezeichneten und international anerkannten Architektur, dem traditionellen Brauchtum sowie der lebendigen zeitgenössischen Kulturszene die ideale Bühne für die Tourismuskonferenz 2013.

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Es wurde ein Aktionsplan verabschiedet, der Maßnahmen in den Bereichen Förderungen, Innova­ tion, Produktentwicklung, Arbeitswelt im Tourismus und Mobilität beinhaltet. Schnittstellen zur Tourismusstrategie 2020 sind gegeben.

Bund und Länder kamen überein, einen neuen Übernehmerfonds zu schaffen, der größere Investitionen anlässlich einer Betriebsübernahme unterstützt. Konkret erfolgt die Finanzierung über einen zinsfreien ERP-Kredit, der von der Österreichischen Hotel- und Tourismusbank (ÖHT) in einer Bandbreite von 350.000 bis zu einer Million Euro an Kreditvolumen abgewickelt wird. Dabei übernimmt der Bund zur Besicherung die Haftung für 80 Prozent der Kreditsumme, während die Länder in den ersten zehn Jahren der Laufzeit den Zinsendienst übernehmen. Zum Start im Jahr 2013 soll für den Übernehmerfonds ein Volumen von vorerst zehn Millionen Euro zur Verfügung stehen.

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Neuigkeiten und Fakten

Vorarlberger Koch bei der Berufe-WM

Aktuelles von der wkv, sparte tourismus und Freizeitwirtschaft

Sie erfahren es auf Seite 35

Bei den Personalunterkünften noch einen Erfolg draufgesetzt Die Zeit der Burschenzimmer ist vorbei: Dank der WKV-Initiative sind Unterkünfte bis 30 Quadratmeter Fläche seit 2013 unabhängig von ihrer Ausstattung abgabenfrei. Bei Saisonbetrieben gilt für Wohnräume zwischen 30 und 40 Quadratmetern ein Abschlag vom Sachbezug in Höhe von 35 Prozent. Ursprünglich wollte das Finanzministerium 30 Quadratmeter als Obergrenze unabhängig von der Personenbelegung festsetzen. Durch die Intervention der Wirtschaftskammer gilt nun für die gemeinsame Nutzung von Wohnraum: Einem Arbeitnehmer werden nur jene Quadratmeter zugerechnet, die ihm tatsächlich zur Verfügung stehen – die Grenze von 30 Quadratmetern gilt somit pro Kopf. Ein wichtiger Schritt in Sachen Arbeitsplatzqualität im Tourismus!

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Neue Finanzierungsmodelle und eine adäquate Förderlandschaft entwickeln Die Tourismusstrategie 2020 wird es mit sich bringen. Weitere betriebliche Investitionen in eine nachhaltig entwickelte und mit zuversichtlichen Prognosen ausgestattete Tourismuszukunft. Was in Niedrigzinsphasen noch realisierbar ist, kann bei sich ändernden Rahmenbedingungen, zum Beispiel strengeren Rating- und Bonitätsvoraussetzungen, wieder schwieriger werden. Daher müssen auch in diesem Bereich die Weichen neu gestellt werden. Die Sparte Tourismus hat daher gemeinsam mit Unternehmensberatern und Finanzierungsexperten eine Initiative gestartet, die letztendlich neue und innovative Finanzierungsmodelle hervorbringen und gemeinsam mit dem Land Vorarlberg und den maßgeblichen Förderstellen eine den Leitthemen und Zielen der Tourismusstrategie 2020 angepasste Förderlandschaft entwickeln soll. Für Unternehmer, die in Hinkunft auf betrieblicher Ebene verstärkt auf Regionalität, Nachhaltigkeit und Gastfreundschaft setzen und dafür Investitionen auslösen, sind verstärkt Anreize und Unterstützungen zu schaffen.

Im Kampf um den fachkräftenachwuchs Digitale Perspektive – Tourismus am Puls der Zeit Der digitale Wandel vollzieht sich mit zunehmender Geschwindigkeit. Immer mehr Kunden informieren sich heute im „Social Web“, sie tauschen Erfahrungen aus, schreiben Bewertungen und kaufen online. Gerade im Tourismus kommt man an dieser Entwicklung nicht mehr vorbei. Unser Anspruch ist es, in Sachen Web 2.0 und Social Media „am Puls der Zeit“ zu sein. Deshalb wurde das Programm Digitale Perspektiven Tourismus 2012 gestartet. „Neue Medien verstehen und erfolgreich anwenden“ lautet der Auftrag. In Form von Vorträgen, Workshops und Seminaren diskutieren wir das Thema mit namhaften Experten und Praktikern, die ihre Erfahrungen einbringen. Näheres erfahren Sie unter www.Digitale-Perspektiven.at/ Tourismus oder direkt bei uns in der Wirtschaftskammer.

Das Ringen um gute Fachkräfte ist im vollem Gange. Neben verschiedensten Faktoren bedeutet vor allem die demografische Entwicklung für sämtliche Branchen eine Herausforderung. Die Statisiken zeigen überall einen Rückgang bei den Lehrlingszahlen. So standen im Jahr 2012 vielen Branchen bis zu elf Prozent weniger Lehrlinge zur Verfügung als 2011. Der Tourismus verzeichnet mit einem Minus von einem Prozent noch einen vergleichsweise geringen Rückgang. Das Ziel ist nun, die Jugend möglichst früh für den Tourismus zu interessieren. Neben einem neuen Schulsystem, das sich auf die Bedürfnisse der Jugend, der Betriebe und die Ansprüche aus dem Qualitätstourismus konzentriert, investieren wir ab Herbst 2013 verstärkt in die Nachwuchswerbung und starten eine Imagekampagne für Berufe im Tourismus. Allen Lehrlingen im Tourismus steht bereits die kostenlose „Lehrlingscard“ mit zahlreichen Vergünstigungen zur Verfügung. Zudem soll die in Tirol erfolgreiche Glücksbringerkampagne auch in Vorarlberg laufen.

Hier werden Weltmeister gemacht: Bei der WorldSkills in Leipzig 2013 vom 2. bis 7. Juli vertritt ein Vorarlberger Österreich. Kevin Micheli aus Feldkirch ist 22 Jahre alt, wild, außergewöhnlich ambitioniert und hat gute Chancen auf den Titel. Ein junger, kreativer Kopf trotzt der großen Küche und kombiniert in seinem eigenen Kochbuch elegant und kreativ bewährte Hausmannskost mit moderner Haute Cuisine. Die WorldSkills ist die größte Bildungsveranstaltung ihrer Art: Alle zwei Jahre kämpfen Teilnehmerinnen und Teilnehmer bis 22 Jahre bei der WM der Berufe um die Titel. Dahinter steht die Weltorganisa­ tion WorldSkills International mit inzwischen 65 Mitgliedsländern und -regionen. Wir wünschen unserem Vertreter viel Erfolg und gutes Gelingen!

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OKTOBER wo und wann

veranstaltungen und termine JULI 03.07.

Plattform Kultur & Tourismus 17.00 bis 20.00 Uhr, Raiffeisenbank Dornbirn, Thema: Architektur Marke Vorarlberg Gerade in Bezug auf die Baukultur in Vor­ arlberg ist das Thema „Marke“ zwiespältig: In der komplexen Dynamik der Massenkommunikation – der selbst- und fremdgesteuerten Flut an Botschaften und Bildern – erhob sich in den letzten Jahrzehnten ein mediales Phantombild, die sogenannte Vorarlberger Architektur oder Vorarlberger Bauschule und wurde zu einem Reiseauslöser. Andererseits können Lorbeeren rasch zu Fesseln werden. Grund genug für die Plattform, zu einer frucht­ baren und wie wir hoffen erhellenden Auseinandersetzung einzuladen.

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SEPTEMBER 13. – 15.09.

18. Internationale Walsertreffen Das 18. Internationale Walsertreffen vom 13. bis 15. September im Biosphärenpark Großes Walsertal. Das Programm gestalten die sieben Festgemeinden Thüringerberg, St. Gerold, Raggal, Blons, Sonntag, Fontanella und Damüls. Zum Auftakt am Freitag spielt „Musik im Dorf“ und „Musik am See“ bei einem Open-Air-Konzert am Seewaldsee. Am Samstag finden in allen sieben Festgemeinden verschiedene Programme statt. Ein eigens eingerichteter Bus-Shuttledienst verbindet die Orte. Abends genießen die Teilnehmer in jeder Gemeinde einen Festabend mit Festmenü und Programm. Nach den Festgottesdiensten am Sonntag trifft man sich zum gemeinsamen Höhepunkt in Raggal: Beim großen Festumzug werden rund 45 Trachtengruppen und Musikkapellen aus allen teilnehmenden Regionen erwartet.

11.10. 25.09.

Plattform Kultur & Tourismus

Einreichfrist für den Österreichischen Innovationspreis Tourismus (ÖIT)

20.00 Uhr, Werkraum Haus Andelsbuch, Thema: Neue Vermittlungsstrategien im Tourismus – was Vorarlbergs Gastgeber von Kunstvermittlern lernen können

Der Kulturtourismus gehört weltweit zu den wachsenden Segmenten des Tourismus. Um die anerkannte Position Österreichs im Kulturtourismus auch in Zukunft im internationalen Wettbewerb zu stärken, sind innovative Kooperationen zwischen Kultur und Tourismus wichtiger denn je.

26. – 27.10.

Vor diesem Hintergrund ist der zweite Österreichische Innovationspreis Tourismus dem Thema „innovative, buchbare kulturtouristische Angebote“ gewidmet, wobei zwei Kategorien unterschieden werden. In der ersten Kategorie können saisonale, buchbare, kulturtouristische Angebote, die periodisch wiederkehren und in der zweiten Kategorie können buchbare, kulturtouristische Ganzjahresangebote eingereicht werden. Der Sieger je Kategorie erhält ein Preisgeld in der Höhe von 10.000 €, welches zu gleichen Teilen vom Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend und vom Bundesland des Siegers zur Verfügung gestellt wird. Bis 25. September 2013 können Einrichtungen und Organisationen der österreichischen Tourismus- und Freizeitwirtschaft sowie deren Kooperationen zB.: mit anderen Tourismusbetrieben, Tourismusverbänden, Landes-Tourismus-Organisationen oder tourismusnahen Dienstleistern sowie Kooperationen von Tourismuseinrichtungen mit im Kulturbereich tätigen Einrichtungen und Organisationen bei den Landesstellen einreichen.

GUSTAV – DIE MESSE Messe Dornbirn Zum ersten mal startet die Messe Dornbirn das neue Format. „Gustav – Zeit und Raum für guten Geschmack“ ist ein internationaler Salon für Konsumkultur. Die Gustav richtet sich mit diesem Format an die Konsumentinnen und Konsumenten, die Genuss und schöne Dinge schätzen, aber nicht um jeden Preis: Sie verlangen nach ehrlichen Standards in der Herstellung, haben ein Gespür für gutes Handwerk und ein Faible für Produkte, die individuell und authentisch gearbeitet sind. In diesem Sinne vereine die „Gustav“ Produkte, die das Ergebnis gut und gern getaner Arbeit sind.

30.10.

45. Vorarlberger Seilbahntagung 2013 Bregenzer Festspiel- und Kongresshaus

NOVEMBER 22.11.

Plattform Kultur & Tourismus 16.00 bis 20.00 Uhr, vorarlberg museum Bregenz Thema: Pecha Kucha Night (Kurzvorträge) – erfolgreiche Kooperationen zwischen Kultur & Tourismus. Nähere Infos anzufragen bei jutta.metzler@vorarlberg.travel

DEZEMBER 06.12.

Vorarlberger Umweltforum Götzis, im Bildungshaus St. Arbogast Der Vorarlberger Naturschutzrat und das Land Vorarlberg werden gemeinsam mit der Vorarlberger Landwirtschaftskammer und Vorarlberg Tourismus am 6.12. das vierte Umweltforum Vorarlberg veranstalten.

zukunft auf vorarlberger art 65


impressum Herausgeber: Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft in der Wirtschaftskammer Vorarlberg, Land Vorarlberg, Vorarlberg Tourismus GmbH > Für den Inhalt verantwortlich: Harald Furtner, Mag. Astrid Keckeis, Mag. Christian Schützinger > Redaktionelle Leitung: Mag. Nicole OkhowatLehner, Peter Freiberger > Redaktion: Dr. Peter Natter, Mag. Rebekka Moser, Dietmar Hofer, Gerda Zimmermann, Pzwei. Pressearbeit > Lektorat: Thilo Baum Projektkoordination: Mag. Nicole Okhowat-Lehner > Mitarbeit: Andrea Masal, Kathrin Lercher, Judith Wölfle > Fotos: Adolf Bereuter, Alex Kaiser, Darko Todorovic, Dietmar Walser, Ludwig Berchtold, Lisa Mathis, Markus Gmeiner, Peter Mathis, Zim.K Photography, Österreich Werbung/Peter Burgstaller, Amt der Landeshauptstadt Bregenz, Festspielhaus Bregenz, Bregenzerwald Tourismus, Vorarlberg Tourismus, Land Vorarlberg > Grafische Gestaltung: Andreas Haselwanter, Grafik_und Design > Druck: Druckhaus Gössler

Die CO2-Emissionen dieses Produkts wurden durch CO2-Emmissionszertifikate ausgeglichen.

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