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Weltkulturerbe Wachau

Spitzer Graben Durch den Spitzer Graben floss einst die Donau. Deshalb ist das sanfte Tal am Spitzer Bach das größte Seitental der Wachau. In Gut am Steg, Vießling und Elsarn liegen die steilsten Weinterrassen der Wachau. Am oberen Ende des Tals liegt Mühldorf, inmitten einer blühenden Idylle aus Wiesen und Obstbäumen. Kaum zu glauben, dass am Rand der Ortschaft einst nach Graphit geschürft wurde. Heute können dort Naturschauspiele wie die Marillenblüte bewundert und viele preisgekrönte Grüne Veltliner, Rieslinge und Neuburger verkostet werden. Tipp: Es lohnt sich, einen Picknick-Rucksack mit Wachauer Spezialitäten und Weinen zu füllen und an dem einen oder anderen schönen Plätzchen eine Rast einzulegen.

Kirchen am Fluss Über die Sache mit dem Knick streiten die Kunsthistoriker immer noch. Kommt doch so ein Achsenknick im Schiff einer Kirche nur acht Mal in Österreich vor, jener der Spitzer Pfarrkirche ist der schrägste. Der Turm und die Sakristei sind die ältesten Bauteile, sie stammen aus dem 14. Jahrhundert. Am reich ausgestatteten Langhaus wurde ganze zwei Jahrhunderte gebaut. Tipp: Die aus der Gotik stammende berühmte Figurengruppe „Christus und die zwölf Apostel“. Auch in Schwallenbach hat sich der gotische Stil der 1420 erbauten Kapelle erhalten. Nur als der Dreißigjährige Krieg über Schwallenbach hereinbrach, wurde der Kirchturm ein Raub der Flammen. Daraufhin verpassten die pragmatischen Wachauer dem neuen Turm einen „steinernen Helm“ – als Brandschutz. Tipp: Das Altarbild des Hl. Sigismund stammt vom berühmten „Kremser Schmidt“. Den Schlüssel erhält man gegenüber der Kirche bei Walter Bergkirchner.

Kurioses Die weiße Frau von Hinterhaus Vor mehr als 600 Jahren herrschte auf der Burg Hinterhaus Heinrich der Eiserne von Kuenring. So treu er seinem König diente, so untreu verhielt er sich gegenüber seiner Frau Adelheid. Diese starb nach kurzer Ehe und schon nach wenigen Monaten heiratete Heinrich ein zweites Mal, obwohl man zu dieser Zeit stets ein ganzes Jahr wartete. Als dann auch Heinrich plötzlich ver-

starb, sahen alle darin Gottes Strafe für seine Tat. Seither zeigt sich jedes Jahr, in der Todesnacht Heinrichs, bei den Fenstern der verfallenen Burg eine Frau in schneeweißem Gewand.

Die Legende besagt, das sei der Geist der Adelheid, die wegen der Untreue ihres Mannes keine Ruhe finden kann und unentwegt klagt: „Nit ein Jahr!“

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