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mostviertel Reisen zum Leben am Land

Frühling 2013 im Mostviertel Niederösterreich Aufblühende Mostbirnen Mostbaron Urlaub am Biobauernhof Ötscherlandexpress Geschirrmuseum Pilgerführerin Trompetenbauer Harlekin & Nachtwächter Hoteliers am Radweg Weinbegleiterin Forellenzüchter Herr der Burgarena Gerti Kronsteiner Biobäuerin in Weistrach Mostviertel

Europäischer Landwirtschaftsfondsfür fürdie die Europäischer Landwirtschaftsfonds Entwicklung des ländlichen ländlichenRaums: Raums:Hier Hier Entwicklung des investiert Europa in die ländlichen Gebiete. investiert Europa in die ländlichen Gebiete.

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Bäuerliche Vierkanthöfe an der Moststraße

Schmieden im Kulturpark Eisenstraße

Kulturpark Eisenstraße

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Mostbirne Die Frucht, die derr Region den Namen gibt

Weinbau in der Region TraisentalDonauland

Wildfrüchte des Mostviertels: Dirndl, Elsbeere und Wildrose

Mostviertel Tourismus GmbH | 3250 Wieselburg, Österreich | Adalbert-Stifter-Straße 4 Tel.: +43 (0)7416/521 91 | E-Mail: office@most4tel.com | www.mostviertel.info Unsere Öffnungszeiten: Mo–Do 9.00–16.30 Uhr, Fr 9.00–12.30 Uhr Alle Angaben wurden mit großer Sorgfalt erhoben, erfolgen jedoch ohne Gewähr und erheben nicht den Anspruch auf Vollständigkeit.

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Die 10 Regionen des Mostviertels

Erleben Sie die Birnblüte!

Coverfoto und Editorialfoto: Weinfranz. Karte und Illustrationen: Typisch Beton

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Michaela Hinterholzer, Landtagsabgeordnete und Vorsitzende von Mostviertel Tourismus, und Andreas Purt, Geschäftsführer von Mostviertel Tourismus, laden zu „Reisen zum Leben am Land“ ein.

1. Die Moststraße

6. Pielachtal

200 Kilometer lang schlängelt sich die Moststraße durchs sanft-hügelige Land der Mostbirnbäume. Genießer schätzen die edlen Brände und die seltenen, sortenreinen Birnenmoste. www.moststrasse.at

Bekannt ist das „Tal der Dirndln“ für die roten Dirndl-Früchte. Die Bilderbuchlandschaft lässt sich beim Wandern oder bei Fahrten mit der Mariazellerbahn erkunden. www.pielachtal.info

2. Kulturpark Eisenstraße

7. Traisen-Gölsental

In der wild-alpinen Bergwelt, wo einst Schmiede, Köhler und Holzfäller arbeiteten, können sich Besucher heute auf spannende Zeitreisen begeben und alle fünf Elemente auf unterschiedliche Weise erleben. www.eisenstrasse.info

Durch Österreichs waldreichste Gegend verlaufen zwei Pilgerwege: die Via Sacra und der Wiener Wallfahrerweg. Radwege begleiten die Traisen (111 km lang) und die Gölsen (20 km lang). www.viasacra.at, www.traisentalradweg.at

3. Naturpark Ötscher-Tormäuer

8. Dunkelsteinerwald

Rund um den fast 2.000 Meter hohen Ötscher erstreckt sich der größte Naturpark Niederösterreichs. Charakteristisch sind tiefe Schluchten wie die bekannten Ötschergräben, bizarre Felsen, Wasserfälle und Wälder. www.naturpark-oetscher.at

Steile Abhänge an der Donau mit grandiosen Ausblicken über das Donautal und das Alpenvorland, Äcker, stille Wälder, sagenhafte Ruinen und vor allem Wildrosen und Hagebutten kennzeichnen die Region. www.arge-dunkelsteinerwald.at

4. St. Pölten

9. Elsbeere-Wienerwald

St. Pölten, die Landeshauptstadt von Niederösterreich, ist eine rege Kulturstadt. Barock und Jugendstil prägen das Stadtzentrum. Im Regierungsviertel und Kulturbezirk überrascht zeitgenössische Architektur. www.st-poelten.gv.at

Wo das Mostviertel an den Wienerwald grenzt, sind die Elsbeeren zuhause. Die bräunlich-roten Früchte werden zu exquisiten Bränden veredelt. Sie wachsen auf hohen Bäumen, die auf sonnigen Wiesen stehen. www.elsbeere-wienerwald.info

5. Traisental-Donauland

10. Melker Alpenvorland

In der verführerischen Rad- und Weinregion des Mostviertels gedeihen vorwiegend Weißweintrauben. Internationale Aufmerksamkeit wecken vor allem die puristisch-eleganten Grünen Veltliner mit mineralischer Note. www.traisental.info

Fruchtbare Felder, sanft geschwungene Hügel, blühende Wiesen und beweidete Almen erfreuen Wanderer und Radfahrer. Kulturelles Zentrum ist das weithin sichtbare Renaissanceschloss Schallaburg. www.schallaburg.at

Impressum Herausgeber Mostviertel Tourismus GmbH Adalbert-Stifter-Straße 4, 3250 Wieselburg T: 07416/521 91, E: office@most4tel.com Medieninhaber, Konzept, Redaktion und Herstellung: Falter Verlagsgesellschaft m. b. H. Bereich Corporate Publishing, Marc-Aurel-Straße 9, 1011 Wien T: 01/536 60-0 E: magazine@falter.at, Fotografie: Franz Weingartner, www.weinfranz.at Offenlegung: Die Offenlegung gem. § 25 Mediengesetz ist unter www.falter.at/offenlegung/falter-verlag ständig abrufbar

Im Frühling blüht das Mostviertel auf und zeigt sich von seiner schönsten Seite. Und wenn Ende April/Anfang Mai über 300.000 Birnbäume fast zeitgleich blühen, ist dies ein ganz besonderes Naturspektakel. Höhepunkt der Mostbirnblüte ist der „Tag des Mostes“ am 28. April 2013. Rund hundert Veranstaltungen finden statt, bei denen sich fast alles um den Most dreht.

Im heurigen Jahr feiern die Mostbarone ihr zehnjähriges Jubiläum – mittlerweile können sich ja viele nicht mehr vorstellen, dass es Mostbarone erst seit zehn Jahren gibt. So unverzichtbar sind sie mittlerweile für die Genusskultur des Mostviertels geworden. Dass nunmehr der weltbeste Wodka, nämlich O-Vodka, aus dem Mostviertel kommt, verdanken wir auch einem Mostbaron, dem Josef Farthofer. Im alpinen, wilden Mostviertel, wo die Wintersaison bis in den April dauert, beginnt der Frühling ein wenig später, dafür umso eindrücklicher. Den Auftakt zur Wandersaison machen die bereits zum dritten Mal stattfindenden Gipfelklänge Anfang Juni. Noch im Dezember 2012 hat die Mariazellerbahn mit der „Himmelstreppe“ ganz neue Zuggarnituren bekommen. Vorbei die Zeiten, wo man auf Holzsitzen langsam durch das Pielachtal nach Mariazell gezuckelt ist. Nun kann man das Bergpanorama des Naturparks Ötscher-Tormäuer mit zeitgemäßem Komfort genießen. Wer ein wenig sportlicher unterwegs sein möchte, dem sei eine Radfahrt von St. Pölten nach Mariazell empfohlen. Zu steil? Kein Problem, mittlerweile gibt es hier auch E-Bikes auszuleihen, mit denen man die Steigung problemlos bewältigt. Und zurück geht es dann mit der Himmelstreppe! www.mostviertel.info mostviertel · 3

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Aufblühen im Mostviertel ZOA Weltmusikfestival im MostBirnHaus-Stadl Vom 10. bis 11. Mai 2013 findet das zweitägige Weltmusik-Festival ZOA im MostBirnHaus-Stadl in Stift Ardagger statt. Zoa ist ein Mostviertler Begriff für einen geflochtenen Behälter zum Einsammeln von Obst. Ein Ziel des Festivals ist, eine Mostviertler Spezialität zu sein. Darum gibt es dazu auch kulinarische Spezialitäten aus dem Mostviertel. Auf der Bühne stehen pro Tag 3 Gruppen: unter anderem Herbert Pixner Projekt feat. Manuel Randi, Folksmilch, Federspiel und das Duo Georg Breinschmid/ Thomas Gansch. Tageskarten und Festivalpässe im MostBirnHaus und in sämtlichen Ö-Ticket Verkaufsstellen sowie unter www.oeticket.com. www.zoafestival.at

Der Bioladen Bauer in Rabenstein an der Pielach bietet eine breite Palette an regionalen, biologisch erzeugten Produkten: so etwa Eier, Milch und Milchprodukte, Getreide und Teigwaren, Brot, Gebäck und Mehlspeisen, saisonales Obst und Gemüse, Wurst und Fleisch, Öle und Essig, Säfte, Most, Edelbrände, Liköre, Honig und Fruchtaufstriche, Kräutertees und Gewürze, Fairtrade-Produkte sowie Bio-Kosmetik und Reinigungsmittel. Bioladen Bauer, 3203 Rabenstein an der Pielach, St.Pöltner Straße 7 Tel. 02723/261 41 E-Mail: bioladen.bauer@aon.at

Weinfranz

Bioladen im Pielachtal

Josefifest am Panoramaweg

Tag der Elsbeere

Traisental Wine Tasting

Am 17. März 2013 wird mit dem Josefifest am Panoramahöhenweg der Frühling eingeläutet. Zu Ehren des Namenspatrons und des Schutzheiligen der Zimmerer und Tischler feiern die Handwerker gemeinsam mit allen Josefs und Josefinen diesen Tag. Lokales Brauchtum, Geselligkeit und natürlich Mostviertler Kulinarik prägen das Josefifest im Kulturpark Eisenstraße. www.panoramahoehenweg.at

Sonntag, der 5. Mai 2013, ist der „Tag der Elsbeere“. Nach dieser Frucht ist sogar eine der Regionen des Mostviertels benannt. 2012 brachte es der Baum, auf dem die Elsbeere wächst und der nach ihr heißt, zum „Baum des Jahres“. Was an der Elsbeere als Frucht so ganz besonders ist, kann an diesem Sonntag in den Gemeinden der Region Elsbeere verkostet und erlebt werden. www.elsbeere-wienerwald.at

Am 27. und 28. April 2013 öffnen zahlreiche Traisentaler Winzer von 10 bis 20 Uhr ihre Verkostungsräume und Keller. Die Gäste genießen Kostproben der lokalen Weine, haben die Möglichkeit, den neuen Jahrgang zu probieren und Fachgespräche zu führen sowie einen Spaziergang mit den Traisentaler Weinbegleitern zu unternehmen. Der (einmalige) Kostenbeitrag umfasst alle Verkostungen und Weinbegleiter-Spaziergänge. www.traisental.info

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Sonderausstellungen im Mostviertel 2013 Großmutters Stübchen Wieselburg: Über religiöses Brauchtum im Jahr des Glaubens – der genaue Titel steht noch nicht fest. Großmutters Stübchen, Bahnstraße 9 3250 Wieselburg, Tel. 07416/587 36 Das 5e Museum in Waidhofen zeigt eine Ausstellung über die Beziehungen der Stadt zu Freising vom Hochstift bis zur heutigen Städtepartnerschaft unter dem Titel „Herrschaft und Partnerschaft“. 5e Museum – 5 Elemente im Rothschildschloss, Schloßweg 2, 3340 Waidhofen an der Ybbs, Tel. 07442/51 12 55, www.5e-waidhofen.at Das Hammerherrenmuseum in Lunz wird bis Mai 2013 umgebaut. Danach startet es mit einem neuen und ambitionierten Programm. Hammerherrenmuseum Amonstraße 16, 3293 Lunz am See Tel. 07486/80 81-15 E-Mail: info@lunz.gv.at, www.lunz.at

Ybbstalräder: mit dem E-Mountainbike unterwegs

Tag des Mostes

Salon des Mostes

Der „Tag des Mostes“ findet traditionell jeweils am letzten Sonntag im April statt. Das ist in diesem Jahr der 28. April 2013. Der „Tag des Mostes“ gilt als Höhepunkt des Mostfrühlings. Dieser selbst dauert von Anfang April (in manchen Jahren schon der Beginn der Mostbirnblüte) bis in den späten Juni und präsentiert sich als bunter Veranstaltungsreigen in allen Orten: mit Mostverkostungen, Musikfesten und mehr. www.moststrasse.at

Auf der Schallaburg, der Hochburg des Mostviertels, soll am 14. April 2013 der erste „Salon des Mostes“ stattfinden. Besuchern und Experten möchten die Betreiber der Schallaburg und Mostviertel Tourismus den Most als hochwertiges Genussmittel präsentieren. Auch die Mostbarone kommen zu Wort, um sich mit den Besuchern über die Güte ihrer Kreationen sowie deren Entwicklung auszutauschen. Tel. 07416/521 91, www.mostviertel.info

Die drei Gemeinden Göstling an der Ybbs, Hollenstein an der Ybbs und Lunz am See haben sich für ein attraktives E-Mountainbike-Angebot zusammengetan. Nun kann man aus dem Verleih von insgesamt 23 E-Mountainbikes auswählen, um die Bergwelt rund um Hochkar, Königsberg und Lunzer See zu entdecken. Basis ist das bestehende Mountainbike-Streckennetz in der Region. Daraus wurden besonders für E-Mountainbikes geeignete Routen zusammengestellt. Vom 15. April bis zum 31. Oktober stehen sie den Bikern zur Verfügung. Die Verleihpreise: 19,90 Euro für einen Tag, 14,90 Euro für einen Halbtag (bis zu 6 Stunden) und 10 Euro für bis zu drei Stunden. Tel. 07416/521 91, www.mostviertel.info

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Das Aufblühen der Birne Im Frühling zeigt sich die Mostbirne als Blüte. Ende April/Anfang Mai prangt das Mostviertel in Blütenpracht und lockt mit Baumblütenwanderungen und Mostverkostungen. www.moststrasse.at Der saftige Weg der Mostbirne vom Baum bis ins Glas lässt sich im MostBirnHaus in Ardagger verfolgen. www.mostbirnhaus.at

Weinfranz

Kürzlich hat der neue Mostviertel Online-Shop eröffnet! Jede Menge Mostviertler Ab-Hof-Produkte, Künstlerisches und Fan-Artikel können hier ebenso bestellt werden wie der weltbeste organische Wodka von Josef V. Farthofer. www.mostviertel.myproduct.at

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Laura Ari

Aus der Molkerei zum Mostbaron

„Wir haben damit ein altes Getränk wieder aufleben lassen, das passt zum Schwur der Mostbarone.“ Gemeint ist der Gödn – mehr davon auf Seite 9

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r schmeckte wie Saft. Als Sechzehn­ jährige habe ich ihn vor dem Wiener Flex aus Plastikbechern getrunken. Schnell, viel – und dank des Zuckers gleich im Blut. Fuhr wie Sau. Most machte einfach Spaß. Jahre später bin ich auf der Fahrt dort­ hin, wo der Most herkommt: ins Mostvier­ tel zu einem Mostbaron. Als typischer Stadtmensch habe ich natürlich kein Auto. Aber es gibt ja den Zug. Nach Amstetten sogar zwei: die ÖBB und die Westbahn. Hin mit der einen, zurück mit der anderen. Schön voll – der Zug natürlich.

der Most Gödn? „Früher, um Allerheiligen herum, kamen die Tauf­ und Firmpaten, die heißen bei uns Gödnleut. Und für die Gödnleut hat man einen jungen Most aus den Fässern lassen.“ Ein Jungmost also. Süß für die Damen, trocken für die Herren. Bekommt man glas­ und flaschenweise im Zeillerner Mostg’wölb (auch dort gibt es einen Shop).

Weinfranz. Illustration: Ligia González

Sepp Zeiner ist einer der Mostbarone. Was er heute so kredenzt, ist manchmal auch alkoholfrei, etwa der Birnen-Orangensaft Der Baron höchstpersönlich holt mich vom Bahnhof ab. Nicht hoch zu Ross, son­ dern rundlich, mit festem Händedruck, der meine Fingerchen gleich knacken lässt. „Jetzt fahren wir gleich ins Einkaufszent­ rum – ich zeig’ Ihnen mein Geschäft!“ Sonntag hat das zwar zu, aber Sepp Zeiner, so heißt der Mostbaron, einen Schlüssel. „Most & Kost“, der Bauern­ laden, führt neben Most auch Sachen wie Bio­Schokolade und Naturkosmetik. „Die Menschen kaufen gern Geschenke. Und unsere Waren kommen zu neunzig Prozent aus der Region.“ Das kommt gut an. Und Post Partner ist er auch noch. Wo der Bartl den Most holt, kann er gleich auch Briefe aufgeben und Geld einzahlen. „Wo kommt er denn her, der Most?“ Ich will einen trinken, meine Kehle ist nach der Anreise mit dem Zug trocken. So verlassen wir das Einkaufszentrum und Amstetten und kurven auf der Landstraße durch die hügelige Gegend, zuckeln durch das Dörfchen Zeillern, vorbei am O­Vodka­Star Josef Farthofer („O“ steht für „organic“), weiter nach Oberzeillern. In Oberzeillern hat Sepp Zeiner seinen Heurigen: das Zeillerner Mostg’wölb. Wieso einen Heurigen? Um den Most unter die Menschen zu bringen. Schließ­ lich wollen die ja nicht am Asphalt sitzen und Most aus Plastikbechern hinunter­ stürzen, das ist nur in der Pubertät cool. „Früher haben wir den Most nach Amstetten den Arbeitern zur Verköstigung ’bracht, das dürfte heute nimmer sein – das bissl Alkohol ist beim Arbeiten verboten“, erzählt Sepp. Wir sitzen mittlerweile in der Stubn und trinken ein Glaserl. Endlich. Was ganz Besonderes, einen „Gödn“. Wieso heißt

„Wir haben damit ein altes Getränk wieder aufleben lassen, das passt zum Schwur der Mostbarone.“ Schwur? Er verpflichtet dazu, die Kultur rund um den vergorenen Birnenmost zu pflegen und weiterzuentwickeln. Wenn man dem Sepp so zuhört und zuschaut, was er macht, ist er zu Recht ein Mostbaron. Neben dem Gödn gibt’s auch Neues, wie den Birnen­Orangensaft – Mostviertler Birnensaft mit rund einem Drittel gepressten Orangensaft. Das fan­ den viele, sagen wir mal, exotisch, wurde aber ein Renner. Das Mostg’wölb führt Sepp Zeiner mit seiner Frau Aloisia und Familie seit 1992. Davor hat er in einer Molkerei gearbei­ tet – kein Spaß. Sepp ist ein Kreativer, auch wenn er keine Hornbrille trägt. „Ich hab’ so viele Ideen, dass ich noch ein zweites Mal auf die Welt kommen müsst’.“ Womöglich hilft der Most dabei.

Reisetipp: Mostviertler Schinkenfest Warmes und kaltes Mittagsbuffet mit Schinkenschmankerln wie über 6 Monate gereiftem Schinkenspeck, Mostsaftschinken, Lammschinken, Rohschinken, Rohschinken nach Prosciuttoart. Am Sonntag, 28. April, zum „Tag des Mostes“. Mittagsbuffet ab 11.30 Uhr. Zeillerner Mostg’wölb Oberzeillern 126, 3311 Zeillern Tel. 07442/677 06 oder 0664/355 23 31 E-Mail: office@mostgwoelb.at

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Mostviertler Genießerzimmer

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Liebevoll gestaltet von engagierten Gastgebern, die sich auf eines ganz besonders gut verstehen: ihre Mostviertler Region spürbar und schmeckbar zu machen. www.mostviertel.info/geniesserzimmer

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„Wir haben hier unser kleines Paradies geschaffen.“ Gerti Kronsteiner über ihren Biobauernhof Dorferhof in Weistrach, Mostviertel mostviertel · 11

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„Mein Mann und ich schätzen die Annehmlichkeiten des Fortschritts, sind aber gleichzeitig sehr verwurzelt in diesem traditionellen Umfeld“ 12 · mostviertel

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Martina Weinbacher

Zufrieden bleiben W

ir haben uns hier unser kleines Paradies geschaffen“, sagt die 33-jährige Gerti Kronsteiner vom Dorferhof in Weistrach mit einem zufriedenen Lächeln. Gerti ist mit Leib und Seele Bäuerin, zusätzlich kümmert sie sich mit ihrer Familie zwischen Ostern und Mitte Oktober um rund hundert Gäste im Monat, die Urlaub am Dorferhof machen.

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Gerti Kronsteiner bringt auf ihrem Mostviertler Bauernhof, dem Dorferhof, Tradition und Moderne in Balance Weitere Besucher werden im hauseigenen Mostheurigen mit selbst gemachten Schmankerln wie Most, Säften, Mehlspeisen, Schafskäse, Rindfleisch und Hausbrot versorgt. Der Großteil der Lebensmittel stammt vom eigenen Hof und wird nach ökologischen Prinzipien hergestellt. 2013 plant die umtriebige Bäuerin, zusätzlich einen Gemüsegarten nach Prinzipien der Permakultur anzulegen, denn nachhaltiges Wirtschaften ist ihr ein wichtiges Anliegen. Seit 2009 ist der Dorferhof ein zertifizierter Gesundheitsbauernhof. Im Innenhof des Vierkanters befindet sich ein Hallenbad mit Kinderbecken und Sauna. Den Gästen bieten die Kronsteiners zudem ein abwechslungsreiches Programm mit Aqua Fitness, Qigong, (Klangschalen-)Massagen, Mountainbiking, Volleyball, und seit Kurzem gibt es einen 3D-Bogenparcours. „Unser Angebot orientiert sich an unseren Interessen. Mein Mann und ich betreiben gern Sport und sind sehr naturverbunden. Wir schätzen die Annehmlichkeiten des Fortschritts, sind aber gleichzeitig sehr verwurzelt in diesem traditionellen Umfeld.“ In ihrer Freizeit beschäftigt sich

Nachhaltiges Wirtschaften ist Gerti Kronsteiner ein großes Anliegen die Mutter von vier Kindern mit Naturwissenschaften. Neben der Erdgeschichte und der Kräuterkunde interessieren die junge Bäuerin die energetischen Vorgänge auf der Erde und beim Menschen. Vor drei Jahren schloss sie eine ReikiAusbildung ab, derzeit liest sie sich in die japanische Heiltechnik des Jin Shin Jyutsu ein: „Ähnlich wie bei Qigong oder Reiki geht es dabei darum, Blockaden zu lösen, damit die Energie fließen kann. Der Mensch besitzt sehr viele Selbstheilungskräfte. Wenn wir in uns hineinhorchen und unsere persönliche Balance finden,

können wir diese Kräfte aktivieren.“ Am Dorferhof hat die Familie Kronsteiner ein Umfeld geschaffen, das Besucher dabei unterstützen soll, ihre innere Mitte zu finden. „Unsere Gäste sind eingeladen, bei uns am Hof zu entschleunigen und die Verbindung mit der Natur zu genießen, etwa durch die Nähe zu den Tieren. Gerade in unserer schnelllebigen Zeit ist so ein Schritt zurück oftmals ein Schritt nach vorne.“ Während sie das traditionelle Leben am Hof genießt und an ihre vier Kinder weitervermittelt, ist Gerti offen für Neues. So schickte sie etwa eine ihrer Töchter auf deren ausdrücklichen Wunsch hin auf die Ballettschule der Wiener Staatsoper: „Wenn unsere Kinder den Drang und das Talent haben, möchten wir sie bei ihren Ideen unterstützen, auch wenn diese einmal nicht unseren Vorstellungen entsprechen sollten.“ Dass es zwischen den Generationen immer wieder Unstimmigkeiten gibt, weiß Gerti aus eigener Erfahrung. Nicht immer waren Alt und Jung am Dorferhof gleicher Meinung. Doch dank gegenseitiger Wertschätzung konnte stets ein Konsens erzielt werden. „Wichtig ist, dass man über Probleme spricht und den anderen so akzeptiert, wie er ist. Es gibt eben nie nur eine Lösung.“ Auf die Frage, was sie sich für die Zukunft erträumt, antwortet die Bäuerin: „Ich möchte einfach so zufrieden bleiben, wie ich jetzt schon bin.“

Dorferhof 3351 Weistrach Tel. 07477/427 41 oder 0680/553 98 83 E-Mail: urlaub@dorferhof.at www.dorferhof.at

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Als steilste Schmalspurbahn Österreichs ächzt der Ötscherlandexpress bis auf 700 Meter Seehöhe zum Scheitelbahnhof Pfaffenschlag hinauf 14 · mostviertel

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Nasen an den Fensterscheiben platt, um die eindrucksvollen Canyons und Felseinschnitte richtig bestaunen zu können. Bislang und heute auch heißt es in Lunz: „Endstation, bitte alle aussteigen!“ Doch ab dem Frühjahr 2013 fährt der Ötscherlandexpress weiter bis Göstling und ist dann die längste Museumsbahn Österreichs. Mit weiter Geste deutet Manfred Schneider über die Landschaft: „Ihre Gegensätze sind einmalig. Erst geht es durch die felsige Landschaft, dann durch ein weites Tal am

Eine der zwei Trestlework-Brücken aus Stahl auf der Strecke „Wir wollen ja nicht durch die Gegend schießen“, erklärt Manfred Schneider, Geschäftsführer der Niederösterreichischen Lokalbahnen Betriebsgesellschaft NÖLB, und meint damit die gemütlichen 25 Stundenkilometer, mit denen wir durch die wildromantische Landschaft brummen. Das Tempo halten die Dampflokomotiven ebenso wie die Diesellok, mit der wir unterwegs sind. „Der Ötscherlandexpress ist für Genießer.“ Als steilste Schmalspurbahn Österreichs ächzt der Zug bis auf 700 Meter Seehöhe zum Scheitelbahnhof Pfaffenschlag hinauf. Dabei überqueren wir die beiden eindrucksvollen Trestlework-Brücken aus Stahl, eine technische Meisterleistung. 1890 erbaut, gibt es nur noch drei Brücken dieser Art in Österreich. „Und zwei davon haben wir“, grinst Schneider. Nach Paffenschlag geht es bergab bis nach Lunz am See. Wir drücken unsere

Fluss entlang. Wir haben alles!“ Und dazu noch über 400 Mitglieder in der NÖLB. Davon sind 26 ehrenamtlich aktiv und sorgen jedes Wochenende von Ende Mai bis Anfang Oktober für ein außergewöhnliches Eisenbahnerlebnis. Freilich, ein Normalbetrieb wie bei der Mariazellerbahn wäre nicht rentabel. Die hat mit ihren neuen Zügen namens „Himmelstreppe“ gerade aufgerüstet. „Gelingt es, mit der ‚Himmelstreppe‘ den Pilger- und Pendlerverkehr vermehrt auf die Bahn zu bringen, böte dies eine gute wirtschaftliche Grundlage“, meint Schneider. Als Geschäftsführer der Betriebsgesellschaft darf er nicht nur Eisenbahnfan sein, er muss auch wirtschaftlich denken. Der Museumsbetrieb ist schon ein Erfolg. Doch ohne die ehrenamtlichen Eisenbahnfans wäre auch dieser nicht möglich. Beim Ötscherlandexpress arbeitet niemand für Geld. Im Gegenteil, manch einer bezahlt

kleinere Anschaffungen aus „dem eigenen Sack“. So wurden auch die historischen Diesellokomotiven 2093, 2190 und 2099 ebenso wie die Dampflokomotiven U1 und Uv1 in Eigenregie von Vereinsmitgliedern restauriert.

Am Ötscherlandexpress im Kulturpark Eisenstraße. Auf der Lok ein Herr aus Wien, im Abteil Manfred Schneider, Geschäftsführer des Vereins von Freiwilligen, der die Bahn betreibt, und draußen die fantastische Landschaft Ihr Einsatz begeistert Schneider immer wieder. Stolz erzählt er vom Lokführer, der uns heute durch die Landschaft fährt: „Ein Herr aus Wien, der mit über siebzig noch immer aktiv ist. Erst nach seiner Pensionierung hat er die Prüfung abgelegt und macht sich nun gelegentlich an Wochenenden um sechs Uhr früh auf den Weg nach Kienberg für seine Runde mit dem Ötscherlandexpress.“ Nicht nur die Liebe zur Eisenbahn verbindet sämtliche Mitglieder. Schneider kennt noch eine weitere Gemeinsamkeit: „Sie haben alle ein großes Herz. Und das am richtigen Fleck.“ Damit und mit einer Diesellok bringen sie auch mich sicher nach Lunz am See. Info: Tel. 07416/521 91 www.lokalbahnen.at/bergstrecke www.mostviertel.info

Reisetipp: Narzissenblüte im Bergsteigerdorf Lunz am See Im Frühling blühen die Narzissen rund um den Lunzer See in herrlichen Seitentälern und auf Bergwiesen, ein Schauspiel, das diese Jahreszeit und die Umgebung von Lunz am See mit Augen und Nase erleben lässt. Da macht das Wandern nicht nur Spaß, es riecht auch fein. Im Sommer kommt auch noch das Ohr zu seinem Genuss: Auf der schwimmenden Lunzer Seebühne treten Musiker aus aller Welt auf, um ihre Klänge in die Bergwelt zu bringen. Info: Tourismusverein Lunz am See Amonstraße 16, 3293 Lunz am See Tel. 07486/80 81 15 E-Mail: info@lunz.gv.at, www.lunz.at

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in Pfiff ertönt, die Lokomotive schnaubt im Kulturpark Eisenstraße. Dass es in Kienberg bei Gaming noch schnaubt und pfeift, ist nicht selbstverständlich. 1987 stellte die ÖBB den regelmäßigen Personenverkehr ein. Die Abtragung der Strecke drohte. Doch dank der Mitglieder des Vereins „Österreichische Gesellschaft für Lokalbahnen“ wird die Strecke seit 1989 als Museumsbahn geführt. Seit über zwanzig Jahren begeistert der Ötscherlandexpress Einheimische und Touristen gleichermaßen.

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Matthias Köb

Fein langsamer Genuss

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Wolfgang Pfoser ist eines der 400 Mitglieder der Niederösterreichischen Lokalbahnen Betriebsgesellschaft NÖLB, eines Vereins von Freiwilligen, die den Ötscherlandexpress am Laufen halten

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Martina Weinbacher

Kulturgut Steingut Winckhlmühle, aus eigenen Mitteln ein Museum einzurichten. „Wir bauen hier ein Kompetenzzentrum auf, das sich auf die regionale industrielle Produktion ab dem 18. Jahrhundert spezialisiert. In der Wissenschaft interessierte sich lange niemand für die industrielle Porzellanfertigung in Wilhelmsburg. Das Erkennen der Lücke war mein Beitrag“, freut sich der Schlossermeister.

Reisetipp: Keramikmuseum Scheibbs Seit 1993 sammelt die Familien Hottenroth weltweit Erzeugnisse der Scheibbser Keramik. Ihre Sammlung umfasst derzeit fast 2.500 Objekte und ist im neuen Keramikmuseum Scheibbs öffentlich zugänglich. Das Museum war ein Hammerwerk und beherbergte von 1924 bis 2004 die Keramikproduktion. Die ausgestellten Objekte wurden hier erzeugt. Gezeigt werden Keramikobjekte aus Jugendstil und Art déco, expressive Kunstkeramik der Tonindustrie Scheibbs (1923–1933) und der Scheibbser Keramik (seit 1937). www.keramikmuseumscheibbs.at Neben Historikern und Design-Interessierten wenden sich heute Menschen aus der ganzen Welt an Schönleitner. „So schrieb mir eine Australierin, die mehr über ihre Erbstücke wissen wollte, auf

denen sie das Zeichen des Wilhelmsburger Steingutes erkannte. Ebenso wandte man sich an mich, als man im Fürstentum Liechtenstein unter einer Burg Wilhelmsburger Steingut fand.“

Manfred Schönleitner baut ein Museum in seiner Heimatstadt Wilhelmsburg auf – als Beitrag zur österreichischen Identität. Nun ist er Experte für Mostviertler Keramik Obwohl der Autodidakt Schönleitner keine wissenschaftlich-theoretische Ausbildung besitzt, wird seine Arbeit in der Fachwelt hoch geschätzt. Neben der New Design Universität in St. Pölten arbeitet Schönleitner etwa mit der Universität für Angewandte Kunst in Wien zusammen. Auch die Politik hat den Wert der Arbeit von Manfred Schönleitner und seinem Team erkannt: Im November 2012 erhielten er und seine Lebensgefährtin das Bundesehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich. Schönleitners größter Wunsch hat sich allerdings noch nicht erfüllt: Im Büro seines sieben Mann starken Schlosser-Fachbetriebs hängt eine Uhr an der Wand, deren Zeiger seit 1997 auf 14.24 zeigen. Das war der Zeitpunkt, als der letzte Arbeiter die LilienporzellanFabrik verließ. „Mein Traum ist, diese Uhr wieder zum Laufen zu bringen. Erst wenn in Wilhelmsburg wieder Geschirr produziert wird, habe ich mein Ziel erreicht.“

Geschirr-Museum Wilhelmsburg Färbergasse 11, 3150 Wilhelmsburg Vom 5. April bis 25. Oktober 2013, Fr 13.30 bis 16 Uhr, Sa 9.30 bis 12 Uhr Tel. 02746/46 44 oder 0676/533 72 20 E-Mail: office@geschirr-museum.at www.geschirr-museum.at

Weinfranz, Keramikmuseum Scheibbs

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s ist vielen ein Begriff und die eine oder andere bewahrt es noch im Schrank auf: das pastellfarbene Geschirr „Daisy Melange“. Die wenigsten wissen allerdings, dass dieser Verkaufsschlager der Sechzigerjahre aus Wilhelmsburg im Mostviertel stammt. Diese Bildungslücke ein für alle Mal zu schließen, hat sich der 45-jährige Manfred Schönleitner zur Lebensaufgabe gemacht. Unterstützt von seiner Lebensgefährtin Johanna Kräftner und deren Tochter Martina Fink, baut Manfred Schönleitner seit 2004 das Wilhelmsburger GeschirrMuseum auf. „Ab 1795 wurde in Wilhelmsburg Geschirr gefertigt, zuerst das Wilhelmsburger Steingut und später das Lilien-Porzellan, zu dem die Serie ,Daisy Melange‘ gehört. Es ist ein Stück österreichische Identität, die wir hier zusammentragen und bewahren“, sagt der Museumsgründer stolz. Schönleitner, der aus einer typischen Wilhelmsburger Arbeiterfamilie kommt, interessierte sich schon als kleiner Bub für die industrielle Fertigung. Nach einer Ausbildung zum Elektromonteur machte er sich als Schlosser selbstständig und übernahm 1986 die Wartungsarbeiten im Produktionsbereich der örtlichen Geschirrund Sanitärfabrik. Über die Jahre eignete er sich nicht nur ein umfangreiches Wissen über die Keramikproduktion an, sondern lernte vor allem ihren historischen Wert zu schätzen. Als die Geschirrproduktion 1997 endgültig nach Tschechien ausgelagert wurde, war das für Schönleitner „eine mittlere Katastrophe“. Nicht nur einige hundert Arbeitsplätze, sondern auch die Seele des Orts und Erfahrungswerte über die Porzellanproduktion, die hier über Jahrhunderte gesammelt wurden, drohten verloren zu gehen. Das konnte Schönleitner nicht zulassen. So fasste er den Plan, im ältesten und stillgelegten Teil der Steingutfabrik, der 18 · mostviertel

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Weinfranz, Keramikmuseum Scheibbs

„Mir schrieb eine Australierin, die auf ihren Erbstücken das Zeichen des Wilhelmsburger Steingutes erkannt hatte.“ Die museale Arbeit von Schönleitner wird in der Fachwelt geschätzt. Er kooperiert mit der New Design Uni St. Pölten und der Uni für Angewandte Kunst in Wien mostviertel · 19

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Barbara Duras

Keine Schönwetter-Geherin

Pilgerangebote von Mostviertel Tourismus Inkludiert sind: · 3 oder 4 Übernachtungen mit Frühstück in ausgewählten Gasthöfen · Wanderführer und Karte: Fernwanderweg Via Sacra und Wiener Wallfahrerweg · Preis pro Person im Doppelzimmer: ab € 116 pro Person für 3 Nächte · Preis pro Person im Doppelzimmer: ab € 136 pro Person für 4 Nächte Buchbar: April bis Oktober 2013. www.mostviertel.info

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rotz der anspruchsvollen Bewegung ist Pilgern ein innerliches Zur-RuheKommen“, erklärt Susanne Schuster. „Man geht sich frei, spürt seinen Körper und kommt in Kontakt mit der Seele.“ Die Pastoralassistentin und Seelsorgerin ist Expertin auf dem Gebiet der feministischen Theologie. Sie bietet im Mostviertel spezielle Wanderungen für Frauen an.

Susanne Schuster, Expertin für feministische Theologie, führt Frauen auf den Wiener Wallfahrerweg

Weinfranz

Als ehemalige Pfadfinderin verbindet sie das Naturerlebnis mit einer individuellen Begleitung durch jenen spirituellen Prozess, der damit einhergeht. „Es gibt eine Rückbindung zwischen innerem und äußerem Weg. Durch die monotone Bewegung kommen innere Prozesse zustande. In diesem meditativen Zustand, den man beim Gehen erfährt, können Erfahrungen aus dem Leben achtsam wahrgenommen und dadurch auch losgelassen werden.“ Mit interessierten Frauen jeden Alters pilgert Susanne Schuster am liebsten im Frühjahr und Frühherbst auf dem Wiener Wallfahrerweg bis nach Mariazell. „Gemeinsam geht sich der Weg gleich viel leichter. Tragend sind dabei die Erfahrungen der Gruppe. Trotzdem kommt jede mit ihrem eigenen inneren Packerl. Dadurch wird jede Wallfahrt persönlich.“ Abends im Quartier gibt es als thematisches Rahmenprogramm eine rituelle Abendliturgie (Abendgebet). Dennoch ist Religiosität keine Voraussetzung. „Wichtig ist eine gewisse Fitness und die Freude daran, mit einer Gruppe unterwegs zu sein. Grundsätzlich haben viele der Teilnehmerinnen aber schon eine gewisse spirituelle Sehnsucht, die manche auch als Sehnsucht nach Gott bezeichnen.“ Neben

Susanne Schuster beim Schnitzen. Sie schätzt meditative Tätigkeiten der richtigen Grundeinstellung sind noch gutes Schuhwerk, Bekleidung und eine robuste Regenausrüstung entscheidend. „Ich bin keine reine Schönwetter-Geherin“, erklärt die 42-Jährige, die PilgerinnenGuide, Coach und Trainerin ist. Eine weitere Möglichkeit der spirituellen Wanderung sind sogenannte „Pilgerexerzitien“ – ein durchgehend schweigendes Miteinandergehen. Jeder Teilnehmerin steht am Tag eine halbe Stunde für Begleitgespräche zur Verfügung. Susanne Schuster bereitet sich auf jede ihrer Wanderungen gewissenhaft vor. „Auf der inhaltlichen Ebene ist der thematische Zugang für mich sehr wichtig. Je nachdem, wie gut ich einen Weg schon kenne bzw. ob sich auf der Strecke etwas verändert hat, gehe ich ihn zuvor noch einmal ab. Auch Sport wie Walken oder Laufen betreibe ich zur Vorbereitung ein Stückchen aktiver. Ich muss sehr fit sein, um stets mehr Kraftreserven zu haben, als der Weg fordert. Manchmal braucht es irgendetwas und

ich muss vor- oder zurückgehen oder ein Gruppenmitglied begleiten, das sich wehgetan hat.“ Auch muss sie die Länge der Strecke immer wieder neu bestimmen, da es unterschiedliche Rückmeldungen gibt. Der Schwierigkeitsgrad muss jeder Gruppe neu angepasst werden. Neben der Grundorganisation und der Begleitung des „äußeren“ Weges steht der innere Weg im Mittelpunkt. Beim Pilgern kann man verstärkt mit sich selbst in Kontakt kommen und unterdrückten Gedanken und Gefühlen Raum geben. „Es geht darum zu spüren, was am Leben dran ist und wo der persönliche Weg liegt. Dabei kann man Dinge aufspüren, die sonst im Alltag untergehen. Etwas wegzulassen, auszuprobieren oder auch schmerzhafte Erlebnisse zuzulassen, macht frei und offen für Neues.“

Reisetipp: Pilgerwanderungen Geführte Pilgerwanderungen wie „Natürliche Offenbarung“ oder „Wiener Wallfahrerweg – Pilgern in herrlicher Natur“ (ab € 116 für 3 Nächte) bei Mostviertel Tourismus. Tel. 07416/521 91 www.viasacra.at

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Urlaub wie im Märchen Der Zwergerlhof ist ein Biobauernhof im Dirndltal. Die Ferienwohnungen sind wie der ganze Hof kindergerecht ausgestattet. Was den Zwergerlhof einzigartig macht, ist der erlebnisreiche Rundwanderweg durch den Märchenwald. Opa Moser hat alle Märchenfiguren in Lebensgröße geschnitzt, bemalt und in den Märchenwald gestellt. Auch gibt es eine riesengroße Modelleisenbahn und eine Bienenvilla. Familie Sabine und Mario Moser Schwarzengrabengegend 3 3211 Loich, Tel. 02722/27 83 E-Mail: urlaub@zwergerlhof.at www.zwergerlhof.at

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Matthias Köb

Trompeten für die Welt E

in gemütliches kleines Musikgeschäft mit Reparaturwerkstatt und fünf Mitarbeitern, etwas abseits vom Dorfkern der 3.000-Seelen-Gemeinde Mank. So sah es aus, als Karl Schagerl jun. das Geschäft 1989 von seinem Vater übernahm. Mittlerweile beschäftigt das Musikhaus Schagerl 40 Personen und beliefert vom Mostviertel aus die besten Solisten und Orchester der Welt.

Gemeinsam machten die Brüder Karl und Robert Schagerl aus einem kleinen Musikhaus im Mostviertel eine weltbekannte Marke

Eines der Musikinstrumente der Brüder Schagerl

In Karl Schagerls Büro liegen Trompetenmodelle, alles Eigenproduktionen, mit einem Gesamtwert von mehreren Zehntausend Euro. Ein Meisterinstrument kostet um die fünftausend Euro. Während Bruder Robert in der Werkstatt tüftelt, ist Karl mit Ein- und Verkauf sowie der Pflege von Kundenkontakten beschäftigt. Er sitzt in Jeans und Pullover am kleinen Tisch, spricht ruhig und überlegt. Man könnte meinen, er leite noch immer den beschaulichen Fünf-Mann-Betrieb seines Vaters. Doch er steht in ständigem Austausch mit den besten Musikern der Welt. „Schon bei der Übernahme war mir klar, dass ich hier nicht nur sitzen und warten will, dass Kunden hereinspazieren.“ Also fuhr er nach Wien an die Musikuniversität, unternahm noch vor dem Mauerfall Reisen in den Osten, begann mit exklusiven Marken zu handeln und knüpfte zahlreiche Kontakte zu jungen, aufstrebenden Musikern. „Die Reisen in den Osten hat sich sonst keiner angetan. Doch ich habe immer schon gern Menschen kennengelernt. Und es hat sich ausgezahlt.“ Innerhalb kurzer Zeit entwickelte sich Schagerl zu einem renommierten Händler.

Als Bruder Robert, der Tüftler und Entwickler, ins Geschäft einstieg, begann man mit den ersten Eigenproduktionen. Die Kontakte von Karl, verbunden mit den handwerklichen Fähigkeiten von Robert, bildeten die Basis für eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit international bekannten Musikern. Etwa mit dem aus Melk stammenden Hans Gansch. Er gilt als einer der besten Trompeter der Welt und wurde zu einem entscheidenden Faktor in der Erfolgsgeschichte der Schagerls. „Nur wenige haben auf Musiker Einfluss – vor allem auf jemand wie Hans Gansch“, erklärt Karl. Sie sind Zugposaunen einer Marke. Wenn Hans Gansch ein Meisterinstrument von Schagerl spielt, weiß man das in Musikerkreisen. Nachahmer lassen nicht lange auf sich warten. Mittlerweile liegt der Fokus in Mank auf der Entwicklung und Produktion von Trompeten, das „Mischwarengeschäft“ besteht freilich noch immer. Völlig Neues wird auch bei selbst entwickelten Instrumenten nicht erfunden – eine Trompete hat immer noch keine Gitarrensaiten. Sie bleibt eine Trompete. Innovationen gibt es im Bereich des Ventilstocks oder bei den Einstellungen einer Öffnung, die um Zehntelmilli-

meter verändert werden. Selbst kleine Veränderungen haben mitunter große Auswirkungen auf Handling und Klang. Die vereinten Fähigkeiten der SchagerlBrüder bringen die Musik auch nach Mank. Rund 700 Meisterinstrumente wurden 2012 aus dem kleinen Ort in die Welt verkauft. Und dann kann es schon geschehen, dass Stars wie die australische Jazz-Legende James Morrison während eines Konzerts in der Oper von Sydney plötzlich rufen: „I’m playing an instrument from Austria, produced by Schagerl. Mr. Schagerl is also here!“ www.schagerl.com

„Das Indien der Maharadschas“ ist vom 23. März bis 10. November 2013 auf der Schallaburg zu erleben. Der Duft exotischer Gewürze, Tanzvorführungen, Musik und orientalische Erzählkunst vermitteln Indien für alle Sinne. Renaissanceschloss Schallaburg 3382 Schallaburg 1, Tel. 02754/63 17-0 www.schallaburg.at

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Reisetipp: Maharadschas auf der Schallaburg

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Robert Schagerl ist der Tüftler im erfolgreichen Duo der Schagerl-Brüder. Hier hält er eines seiner Meisterinstrumente in Händen

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„Heute weiß ich, unsere Welt braucht Menschen, die aus der Reihe tanzen.“ Werner Sandhacker in seiner Kluft als Nachtwächter von St. Pölten 26 · mostviertel

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Herbert Binder

Thomas Askan Vierich

Der aus der Reihe tanzt H

eute spielen Exp mit LSD“, verkündet das Plakat. Wir haben 1970 in St.-Pölten-Wagram – und einen Skandal. Werner Sandhacker, ein 14-jähriger Schüler, steht als Sänger und Keyboarder der Band LSD auf der Bühne. Er wird in den Siebzigerjahren noch in verschiedenen Rockbands der heutigen Landeshauptstadt auftreten, mit einer einen Preis gewinnen und zum Karrieresprung ansetzen. „Ich hätte nach Wien müssen, zögerte – da war die Chance schon vorbei“, sagt Sandhacker und zuckt mit den Achseln. „Ich habe mich nie dem Mainstream angepasst, die Regeln des Popbusiness interessieren mich nicht.“

Werner Sandhacker ist Musiker, Künstler, Harlekin und Nachtwächter in St. Pölten So zog er 1980 mit Freunden auf einen ehemaligen Bauernhof in Kirchweg, malte und spielte in neuen Bands. Aus einer sollte dann der spätere Schlagerstar Simone hervorgehen. In dieser Zeit begann Sandhacker sein Showtalent in Theater- und Performancearbeiten wirken zu lassen und wurde zum – Harlekin. „Ich bin ein Straßen- und Heurigenkünstler, ich brauche den direkten Kontakt zu meinem Publikum. Eigentlich habe ich mich von der klassischen Figur der italienischen Commedia dell’Arte weit entfernt – eher bin ich der Narr.“ Seine Augen sprühen Funken. „Aber das konnte ich meinem Vater nicht antun: sein Sohn ein Narr?“ Heute nennt er sich der letzte Harlekin. „Ich hoffe immer, dass jemand

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Reisetipp: Stadtrundgänge Sie sind buchbar über Tourismusinformation St. Pölten Rathausplatz 1, 3100 St. Pölten Tel. 0742/35 33 54 www.st-poelten.gv.at

kommt und sagt: Du bist nicht der letzte!“ Doch es kommt keiner. Werner Sandhacker macht eben, was keiner macht. Er nutzt dazu alles, „was man am Weg findet. Als ich angefangen habe, gab es noch keinen Kunstraum St. Pölten, in dem man auch jenseits des Mainstreams überleben kann.“ Um Geld zu verdienen, fuhr Sandhacker jahrelang Lkw. Zwei Persönlichkeiten verdankt er ein erfülltes Leben: zunächst Gerlinde „Shirley“ Locke, mit der er 33 Jahre zusammenlebte. Sie kümmerte sich ums Management und ums Catering. „Ihr konnte niemand das Wasser reichen. Sie war das Wichtigste und Größte in meinem Leben. Wir waren die perfekte Ergänzung. Aber wir hatten nie viel Geld. Da kommt mein Onkel Heinrich ins Spiel. Hätte er uns beim Kauf eines kleinen Häuschens nicht geholfen, wären wir wohl gescheitert.“ Geheiratet haben Werner und Shirley erst am 10. August 2002. Das war eine Doppelhochzeit mit Shirleys Tochter Eva. 2011 starb Shirley an Krebs. Im selben Jahr bekam Sandhacker als „Universalkünstler“ einen Förderpreis der Stadt St. Pölten. Seit einigen Jahren arbeitet er bei der Gemeinde. Er kümmert sich um das „Paradies der Phantasie“, das Kreativhaus für junge Menschen, und schlüpft als Stadtführer der etwas anderen Art ins Kostüm eines Harlekins oder in die Uniform eines Nachtwächters. Der „professionelle Dilettant“, wie er sich nennt, erinnert in seiner Karriere an ein Prinzip, das in einer globalisierten Welt oft vergessen wird: Kunst ist immer lokal – der Rest Marketing. So sprudelt Sandhacker in St. Pölten vor Ideen über. Manche klingen ein wenig spinnert, aber das gehört sich so. „Früher wollte ich die Welt retten“, sagt er und lächelt weise. „Heute weiß ich, unsere Welt braucht Menschen, die aus der Reihe tanzen.“ CD-Tipp: „Harlekin rÜtmus. MostViertel Welt Musik“. Werner Sandhacker mit Dieter Libuda und Martin Unterweger. STP 2005 www.unet.at/harlekin

ist Ehrenpräsident der österreichischen Zeitungsverleger und bekennender St. Pöltner. Hier stellt er Kultur aus der Stadt vor.

Kultur vom Feinsten Mit Dezember 2012 widerfuhr unseren Wiener Freunden eine markante Steigerung ihrer Lebensqualität: Genau so schnell, wie sie bisher öffentlich in Baden oder Klosterneuburg waren, sind sie nun auch in St. Pölten. In 25 Minuten – die neue ÖBBSuperstrecke macht’s möglich. St. Pölten ist für Feinspitze aus der Kulturszene ein neuer Topspot. Die Linzer

(51 Minuten Anfahrt) haben ihn bereits entdeckt: 2 Kulturbezirke (in der Innenstadt und beim Regierungsviertel in seiner signifikanten zeitgenössischen Architektur), 3 Bühnen, 4 Museen. Noch mehr Galerien. Und viel Kultur hier ist 2013 tatsächlich exklusiv: das internationale Ballett im Festspielhaus mit Cullberg Stockholm oder Sadler’s Wells London beispielsweise. Oder: „Mnozil Brass goes Wagner“, nach der Premiere in Bayreuth gleich in St. Pölten (26. 1.); Bernarda Fink mit Mahlers „Kindertotenliedern“ (6. 5.). Gäste am Landestheater sind das Deutsche Theater Berlin (31. 1. & 1. 2.), das Thalia Theater Hamburg mit „Hamlet“ (10. & 11. 5.). Im Landesmuseum gibt es „Von Boeckl bis West“ (bis 16. 6.) und die große Personale von Hans Kupelwieser (bis 27. 1.). Geheimtipps: „Kiesel und Klunker“ im Landesmuseum (bis 17. 3.); die Landesbibliothek; das Dokumentationszentrum für Moderne Kunst im Stadtmuseum. Nach St. Pölten also der Kultur wegen! Aber auch hungern muss niemand. Im kulinarischen Barockdreieck Bahnhof-Rathausplatz-Domplatz bummelnd, bieten sich samt Gepflegt-Ethnischem mehr als 30 Stätten der Atzung und Labung, im Regierungsviertel/ Kulturbezirk immerhin deren vier, einschließlich eines Wieselburger Spaniers und des stylishen Museums-Bistros. Sieben Tage die Woche servieren dazu die beiden 4-SternHotels kulinarisch Überdurchschnittliches. Why not St.Pölten – demnächst? mostviertel · 27

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in Lottogewinn soll den Kauf ermöglicht haben: Am Neujahrstag 2003 eröffnete Familie Meduna ihr Hotel Zum heiligen Brunnen in Mariazell. Heute sitzt Sabine Meduna in der gemütlichen Gaststube des Hotel Himmelreich – seit 2007 das zweite Haus der Familie – und amüsiert sich über das Gerücht: „Es stimmt überhaupt nicht! Angeblich hab’ ich beim zweiten Haus ja schon wieder gewonnen. Und vier Kinder hab’ ich auch.“ Tatsächlich gibt es in der Familie Meduna eine Tochter. Die Eröffnung des ersten Hotels hat mehr mit ihrer Geburt zu tun als mit sechs Richtigen im Lotto.

E-Bikes sollen den Traisental-Radweg noch populärer machen. An der Endstelle in Mariazell erwarten die Rad-Pilger zwei Ex-Polizisten

Pension Zum Heiligen Brunnen Dr.-Karl-Lueger-Gasse 10, 8630 Mariazell Tel. 03882/347 44 www.mariazell.at/hl-brunnen

Reisetipp: Saisoneröffnung Traisental-Radweg Die Saisoneröffnung 2013 des TraisentalRadwegs findet mit Sonder-Dampfzug am 28. April 2013 statt. Die Familie Meduna stellt in ihren 3-Stern-Hotels E-Bikes für den Radweg zur Verfügung.

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Fast zehn Jahre lang lebte das damals noch kinderlose Paar in Wien und war im Polizeidienst tätig. Doch die Tochter sollte nicht in der Großstadt aufwachsen. So fiel die Wahl auf das beschauliche Mariazell mit seinen rund 1.500 Einwohnern. Obwohl Sabine Meduna im Nachbarort groß geworden ist, sieht sie ihre Familie nach ihrer Zeit in Wien ein wenig als Aussteigerin. Mariazell und das Mostviertel? Als Station der Mariazellerbahn und des Traisental-Radwegs ist Mariazell stark mit dem Mostviertel verbunden. Auch Familie Meduna mit ihren beiden Häusern nahe der Grenze will von einer Zusammenarbeit profitieren. „Das praktiziert doch ganz Europa, so werden wir es in Österreich auch Bundesländer-übergreifend schaffen“, erklärt Sabine Meduna. Als vor rund einem Jahr der Vorschlag von Mostviertel Tourismus kam, sich als Partner beim E-Bike-Verleih zu betätigen, stimmten Sabine und Chris Meduna zu. „Man muss etwas machen, das noch nicht alle haben. Und E-Bikes haben noch nicht viele.“ Mit der Auslastung im ersten Jahr ist man zufrieden, besser kann es immer werden. Schließlich zählt der 111 Kilometer lange Traisental-Radweg von Traismauer bis Mariazell zu einem der beliebtesten Radwege in Österreich. Aber

es radelt sich eben nicht so mühelos wie im flachen Burgenland oder an der Donau. Deshalb können die Benützer der E-Bikes einen kleinen Motor zuschalten. „Es will ja nicht jeder den Berg hinaufstrampeln.“ Der Motor dient jedoch nur zur Unterstützung, treten muss man trotzdem. Noch immer sind die Pilger das Kerngeschäft des Wallfahrtsortes. Geht es nach Meduna, müssen diese jedoch nicht zwingend zu Fuß nach Mariazell kommen. Der religiöse Aspekt des Pilgerns rücke sowieso immer mehr in den Hintergrund. Dafür nehmen die Rad-Pilger zu. Darauf will man sich einstellen und das Radfahren in den Bergen salonfähig machen – als Ausgleich zur sonst so hektischen Welt: „Die wunderbare Gemeinschaft des Pilgerns, die Schönheit von Österreichs Bergen, wer hat denn das sonst?“ So sollen gestresste Geschäftsmänner zumindest für kurze Zeit zu „Aussteigern“ werden. Wie Familie Meduna – auch ohne Lottogewinn. Sabine Meduna nimmt die Gerüchte mit Humor: „Die Leute müssen mich ja für grenzdebil halten. Wenn ich wirklich gewonnen hätte, hätte ich die Häuser vielleicht gekauft, aber ich würde sie sicher nicht selbst betreiben“, erklärt sie in Anspielung auf ihren neuen, auch nicht stressfreien Beruf. Wie zur Bestätigung unterbricht erneut das Klingeln ihres Smartphones unser Gespräch. Reservierungen treffen ein, Rückfragen von Gästen, Personalanfragen – vom Betriebsurlaub ist nicht viel zu bemerken. Ruhepausen in Hotels sind halt ausschließlich für die Gäste. Hotel Himmelreich, Wr. Neustädter Str. 1 8630 Mariazell, Tel. 03882/347 44 www.mariazell.at/himmelreich

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Matthias Köb

Sicher kein Lottogewinn

Chris Meduna am Traisental-Radweg, der in Mariazell beginnt oder endet. Meduna war Polizist in Wien und führt nun mit seiner Frau Sabine zwei Hotels in Mariazell

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Thomas Askan Vierich

F眉hrt zum Wein

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986 war ein gutes Jahr“, sagt Martina Illek und lacht. Nicht (nur), weil sie zufällig 1986 geboren wurde, sondern weil sie Wein aus dieser Zeit besonders schätzt. „Bordeaux aus den späten Achtzigern ist noch bezahlbar und sehr gut“, sagt sie. Obwohl sie selbst reife Weißweine bevorzugt – denn sie seien „zum Drüber-Nachdenken“.

Die junge Sommelière Martina Illek kümmert sich um die Weinkultur an der Traisen: Sie führt durch Rieden und Keller und unterrichtet den richtigen Umgang mit Wein

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Geführte Weintouren durch die Rieden des Traisentals mit Martina Illek und anderen Weinbegleitern kann man über das Tourismusbüro Herzogenburg buchen. Tel. 02782/833 21 www.traisental.info

Aufgewachsen ist Martina Illek in einer aufblühenden Weinregion, dem Traisental. Sie schloss am WIFI die Ausbildung zur Jungsommelière ab, später kam noch das Diplom dazu. 2006 entwickelte sie gemeinsam mit dem Tourismusbüro Herzogenburg das Programm „Traisentaler Weinbegleiter“. In der Domäne Wachau lernte sie praktisch, wie guter Wein gemacht wird. Da sie sich für Marketingstrategien interessiert, studiert sie nun berufsbegleitend Kommunikation mit Schwerpunkt PR und Marketing an der FH Wien und arbeitet in einer Wiener PR-Agentur. „Zwischendrin habe ich auch als Sommelière im Hotel Sacher und Hotel Coburg in Wien gejobbt. Die Kombination Speisen und Wein fasziniert mich – Genusserlebnisse verschaffen, in die internationale Weinwelt eintauchen … Leider ist so ein Job in der Gastronomie nicht sehr familienfreundlich.“ Für die Gründung einer Familie war noch keine Zeit – es ist aber nicht ausgeschlossen, sie ist ja erst „sechsundzwanzigeinhalb“. Wie reagieren angehende Key-AccountManager, die von ihrer Personalabteilung zu einer jungen Frau geschickt werden, um zu lernen, wie man sich mit Kunden beim Geschäftsessen verhält? „Erleichtert“, sagt Martina Illek. Nicht peinlich berührt? „Nein, die fühlen sich unsicher

im Umgang mit echten oder angeblichen Weinexperten, wissen nicht, welcher Wein zu welchem Essen passt, wie man reagiert, wenn der Kellner fragt: Wer möchte probieren?“ Und wer soll? Der Kellner selbst? „Der sollte anhand des Korkens prüfen, ob der Wein grundsätzlich in Ordnung ist. Dann kostet jener am Tisch, der sich am besten mit Wein oder diesem speziellen Wein auskennt, ob Geschmack und Temperatur stimmen.“ Wen führt sie durch die Rieden an der Traisen? Japanische Touristen? „Nein“, lacht sie. „Weininteressierte aus der Region oder aus Wien.“ Oft ist auch ein bekannter Winzer wie Markus Huber dabei. Dann gibt es eine private Weinverkostung. Und das Ganze kostet nur vier Euro pro Person. Kein Wunder, dass sich jährlich bereits rund tausend Interessierte durch die Traisentaler Rieden und Keller führen lassen. Sehr beliebt ist die Korkenziehertour, benannt nach dem gleichnamigen Aussichtsturm in der längsten, ganzjährig bewirtschafteten Kellergasse Niederösterreichs zwischen Traismauer und Sitzenburg. „Von hier kann man an schönen Tagen bis nach Wien und ins Weinviertel blicken.“

Reisetipps: Stift und Urzeitmuseum Im 900 Jahre alten Kloster der Augustiner Chorherren leben und praktizieren 20 Brüder. Es wurde gerade renoviert und beherbergt viele wechselnde Sonderausstellungen, einen Barockgarten und einen Klosterladen mit regionalen Spezialitäten. www.stift-herzogenburg.at Mehr über die Geschichte des Stifts, vor allem aber die Jahrtausende davor, erfährt man im Urzeitmuseum Nußdorf. 3134 Nußdorf ob der Traisen Marktplatz 1, Tel. 02783/74 65 oder in der Gemeinde: Tel. 02783/84 02-0 www.nussdorf-traisen.gv.at/seiten /urzeitmuseum.htm

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Matthias Köb

Fisch fürs Hochkar N

Zufällig wurde der leidenschaftliche Jäger Engelbert Esletzbichler zum Fischzüchter. Nun ist er Obmann der Genussregion „Ybbstalforelle“ Zur Fischzucht in Göstling ist Esletzbichler durch Zufall gekommen. Als leidenschaftlicher Jäger galt sein Interesse eher den Wildtieren. Fische haben den ehemaligen Schutzhaus-Wirt am Hochkar eigentlich nur als Speisen interessiert. Als er seinen Gästen diese erstmals servieren wollte, waren die Teiche noch im Besitz eines Bekannten. „Nimm dir so viel heraus, wie du brauchst. Und wenn du

Reisetipp Wilde Wunder Card Wer die vielen „wilden Wunder“ rund um Ötscher, Hochkar, Gemeindealpe und Mariazell auf vorteilhafte Weise entdecken und ausprobieren möchte, profitiert von der kostenlosen „Wilde Wunder Card“. Sie ist Eintrittskarte für über 40 Attraktionen, Genuss- und Abenteuerprogramme und auch für Liftfahrten. Die Karte gilt von Anfang Mai bis Ende Oktober, bei einigen Gastgebern ausschließlich im Juli und August. Zu kaufen gibt es die Karte nicht – alle Gäste, die bei einem der rund 70 „Wilde Wunder“-Gastgeber in der Mostviertler Bergwelt oder in Mariazell wohnen, erhalten sie gratis. www.wildewunder.at

das machen willst, kannst es haben. Mich interessiert es nicht“, sagte der damalige Betreiber. „So bin ich halt zur Fischzucht gekommen.“ Der 65-jährige Pensionist lächelt. Wirklich Ahnung davon hatte er damals nicht. Man habe halt herumprobiert. Und irgendwann sind die Fische immer größer und immer mehr geworden. Bis sich die Frage aufdrängte: Wie bringt man die auf den Markt? Großen Anklang fanden sie bei den Gästen im Skigebiet nicht. Fisch isst man am Meer, am See oder im Fischrestaurant. Aber nicht am Hochkar – so die damals vorherrschende Meinung. Zudem war Fisch in den Neunzigerjahren noch nicht so populär. „Ich habe angefangen, immer zur Grillplatte ein kleines Stückchen dazuzulegen.“ Esletzbichler grinst spitzbübisch. Manche Gäste aßen es, manche ließen es liegen. Bis er mit seiner Frau begann, die Fische zu veredeln – also zu filetieren, zu räuchern und Aufstriche zu machen. Plötzlich war Fisch am Hochkar „salonfähig“. Seither hat sich einiges getan. Als 1994 nicht unweit seines Hauses ein Anwesen mit zwei halbfertigen Fischteichen vor dem Konkurs stand, kaufte es Esletzbichler. 2007 gründete er mit sieben anderen Züchtern die Genussregion „Ybbstalforelle“ und bekleidet bis heute den Posten des Obmanns. Das Ziel: den Bedarf an Fischen in der Region mit Eigenzüchtungen abdecken und diese weitum besser vermarkten. Die Zucht hat Esletzbichler unlängst an seinen Schwiegersohn Herbert abgegeben, der seinen Schlosser-Beruf nun als Teilzeitkraft ausführt. Esletzbichler ist nur noch „Helfer“. Seit dem Bau des Bruthauses im Frühjahr 2012 werden

Ybbstalforelle: Engelbert Esletzbichler, Lassing 65 3345 Göstling/Ybbs, Tel. 07484/74 52 Petra und Herbert Größbacher Lassing 34, 3345 Göstling/Ybbs Tel. 0650/322 35 00 oder 0660/550 18 60 Zu essen gibt es die Forellen bei Nahringbauers im Hotel Fahrnberger (dort erhält man auch die Wilde Wunder Card) Lassing 19, 3345 Göstling/Ybbs Tel. 07484/723 40, www.hotel-fahrnberger.at die Setzlinge nicht mehr von anderen Züchtern zugekauft. Vom Schlüpfen bis zur Entnahme kommen sie aus der Zucht der Esletzbichlers. Aus dem kleinen Becken im Bruthaus schwimmen sie in ein größeres, dann draußen von einem kleinen Teich in den großen. Zählbar seien sie nicht, meint er und streut eine Handvoll Futter in den Teich. Wie zur Bestätigung schwirrt eine Unzahl an Forellen und Saiblingen heran. Insgesamt seien es rund 30.000, schätzt er. Zur Ybbstalforelle zählen übrigens Saibling und Forelle – Hauptsache, der Fisch ist in der Region geboren und aufgewachsen. Ein echter Ybbstaler eben. Auch wenn Esletzbichler nur noch Helfer ist, schaut er täglich bei allen Teichen vorbei, füttert die Fische, reinigt die Abflüsse und entfernt tote Tiere. Die Arbeit macht er gern – und so lang er körperlich in der Lage ist. „Irgendwann kam die Euphorie: Man hat sich selber etwas aufgebaut. Ich bin nicht der Typ, der die Pension mit Schnapsen verbringt. Im Wirtshaus bin ich ja eh 35 Jahre lang gesessen.“

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ichts anfassen“, warnt Engelbert Esletzbichler. Die Hygienevorschriften sind hier besonders streng. Kein Wunder, wachsen hier doch rund 40.000 Babys und Kleinkinder auf. Besser gesagt: Kleintiere. Man riecht schon von Weitem, um welche Gattung es sich handelt. Fisch. Die Kleinsten sind gerade so groß wie eine Fingerkuppe. Frisch geschlüpft. Ein wenig erinnern sie an Kaulquappen. Die Größeren sind bereits draußen in den Teichen.


Weinfranz, Illustration: Artyom Yefimov/Fotolia.com, Bearbeitung Ligia González

Engelbert Esletzbichler, Fischzüchter und Obmann der Genussregion „Ybbstalforelle“, und Dagmar Nahringbauer vom Hotel Fahrnberger beim Bergen eines Fangs. Er sorgt für den Fisch, sie dafür, dass er auf den Teller kommt mostviertel · 33

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Thomas Askan Vierich

„Alle sind von der einmaligen Atmosphäre der Burgarena Reinsberg begeistert und kommen gerne wieder.“ Franz Faschingleitner

Rupert Steiner

Von Ritter Rüdiger bis Reggae-Jam

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as Dorf Reinsberg liegt in einem engen Tal im Kulturpark Eisenstraße, das vor 1.000 Jahren noch slawisches Siedlungsgebiet war. Um von hier aus die Christianisierung bis zum Ötscher voranzutreiben, baute Österreichs erste Herrscherdynastie, die Babenberger, eine Burg. Mit ihr konnten sie auch die Eisenstraße kontrollieren. Unter Burgherrin Adelhaid erlebte die Burg im 13. und 14. Jahrhundert ihre Blütezeit. 1597 wurde sie von aufständischen Bauern geplündert und verfiel. Nach dem Zweiten Weltkrieg diente die Ruine kurze Zeit als beliebtes Ausflugsziel, dann geriet sie in Vergessenheit.

Rupert Steiner

„Anfang der Neunzigerjahre konnte man sie gar nicht mehr sehen, so überwuchert war sie“, erinnert sich der heutige „Burgherr“ Franz Faschingleitner. Durch die Initiative des Reinsbergers Karl Prüller und unter Mitwirkung engagierter örtlicher Vereine begann man die Burg wiederaufzubauen. Mehr als 40.000 Stunden wurden für die Revitalisierung durch die Reinsberger unentgeltlich geleistet. Mit dabei war der Tischlermeister Franz Faschingleitner. Heute leitet er ein Software-Unternehmen, ist Vizebürgermeister und ehrenamtlich Geschäftsführer der Burgarena. „Die Burgarena ist ein Kulturträger für unsere Region und ein wichtiger

Ein Kran hält das Dach der Bühne auf Burg Reinsberg

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Auf der Burgarena Reinsberg finden neben Ritterspielen bedeutende Musikfestivals statt. Franz Faschingleitner ist der heutige Burgherr

„Die Burgarena ist ein Kulturträger für unsere Region“, sagt Franz Faschingleitner Wirtschaftsfaktor“, erklärt Faschingleitner. „Für unser beliebtes Familienmusical ‚Ritter Rüdiger‘ verwandelt sich die Ruine samt Umgebung in eine große Familienund Erlebnisburg mit Rittern, Geistern und Drachen.“ Die Burgarena bietet mehr als 1.000 Plätze. Der Großteil wird von einer an einem Kran hängenden, riesigen elliptischen Scheibe überdacht – was zum einmaligen Ambiente wesentlich beiträgt. Zu den Highlights der kommenden Saison zählen im Mai ein Konzert von Marc Pircher, Mitte Juni das überregional bekannte Festival Reggaejam und darauf das Voixjam: „Das ist unser Woodstock der Volksmusik“, sagt Faschingleitner. Außerdem wird es das Midsummernight Bluesfestival geben und sonntags im Sommer den beliebten Brunch mit Livemusik. Hier hat der bekannte Blues-Musiker Al Cook mal spontan drei Stunden gejammt. „Alle sind von der einmaligen Atmosphäre begeistert und kommen gerne wieder“, schwärmt Franz Faschingleitner. Deshalb wird auch Ritter Rüdiger im August wieder vorbeischauen. www.burgarena.reinsberg.at

Reisetipp: Wanderrast Hochschlag Von der Burgarena kann man entlang des Grenz- und Mautwanderwegs eine schöne Wanderung über den Mostbrunnen zum Hochschlag machen. Auf der ca. 1,5 Stunden dauernden Wanderung kommt man auf halbem Weg am „Mostbrunnen“ vorbei, aus dem man sich selbst Getränke heraufziehen kann. Die Jausenstation Hochschlag ist ein 400 Jahre alter, besonders uriger Bauernhof mit Ladenkegelbahn. Hier sollten Sie unbedingt das Bauernbratl probieren! Täglich geöffnet, Mittwoch Ruhetag. Nach dem Hochschlag geht die Wanderung weiter über die Skulpturenausstellung „Sclavinia“ vorbei zu der höchsten Erhebung Reinsbergs, dem 953 Meter hohen Runzelberg, und wieder zurück ins Dorf. Jausenstation Fam. Josef und Maria Daurer, Buchberg 29, 3264 Reinsberg Tel. 07487/27 22

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Spiel & Spaß am Bauernhof So ein Spaß! Auf einem typischen Mostviertler Vierkant-Bauernhof verbringen Sie abwechslungsreiche Familienurlaubstage. Wochenendangebot: • 2 Übernachtungen im Doppelzimmer oder in einer Ferienwohnung mit regionalem Frühstück bei einem qualitätsgeprüften „Urlaub am Bauernhof“-Betrieb • Würstel grillen am Lagerfeuer • Auf Wunsch: Einblicke in die Arbeit am Bauernhof. Helfende Hände sind willkommen. • Eintritt in den Tierpark Haag Preis pro Person im Doppelzimmer ab € 88,– Kinderermäßigung: bis 6 Jahre frei (im Zimmer der Eltern), von 6–15 Jahren € 54,– Wochenangebot: • 5 Übernachtungen im Doppelzimmer oder in einer Ferienwohnung mit regionalem Frühstück bei einem qualitätsgeprüften „Urlaub am Bauernhof“-Betrieb • Würstel grillen am Lagerfeuer • Auf Wunsch: Einblicke in die Arbeit am Bauernhof. Helfende Hände sind willkommen. • Eintritt in den Tierpark Haag • Eintritt ins Mostbirnhaus Preis pro Person im Doppelzimmer ab € 203,– Kinderermäßigung: bis 6 Jahre frei (im Zimmer der Eltern), von 6–15 Jahren € 120,– Buchbar: April bis Oktober 2013

Traisental-Radweg mit dem E-Bike Mit dem E-Rad von St. Pölten nach Mariazell. Auf einer Länge von 111 km führt der gut ausgebaute Radweg durch das Traisental. Inkludiert sind: • 3 Übernachtungen mit Frühstück in ausgewählten Unterkünften • E-Bike-Nutzung für 2 Tage (Ausgangspunkt St. Pölten oder Mariazell) • Fahrt mit der Mariazellerbahn von Mariazell nach St. Pölten oder umgekehrt • Karten- und Infomaterial Preis pro Person im Doppelzimmer ab € 232,– Buchbar: Mai bis Oktober 2013

Alles auf eine Karte: Die Wilde Wunder Card öffnet Tür & Tor Inkludiert sind: * Übernachtung mit Frühstück im Gasthof, Privatzimmer oder am Bauernhof * Wilde Wunder Card für die Dauer Ihres Aufenthalts * Picknickdecke Mostviertel * Süße Überraschung Preis pro Person im Doppelzimmer: für 3 Nächte ab € 99,– für 7 Nächte ab € 210,– für 14 Nächte ab € 395,– Kinderermäßigung: 0–2,9 Jahre frei 3–11 Jahre 50 Prozent 12–15 Jahre 30 Prozent Buchbar: Mai bis Oktober 2013

„Erholz euch gut!“ Wandern und Wellness in der Erlebniswelt Mendlingtal an der Eisenstraße. Holz war einst der wichtigste Rohstoff, den das Mendlingtal hervorbrachte und der so das Leben seiner Bewohner maßgeblich prägte. In der Erlebniswelt Mendlingtal findet man auch heute noch überall Zeugnisse dieser vergangenen Zeiten. Inkludiert sind: • 3 Übernachtungen mit Halbpension beim 4-Sterne-Wanderprofi • Benutzung des Wellnessbereiches „Hütten SPA“ • Eintritt in die Erlebniswelt Mendlingtal • ein „Kasnockerlessen“ in der Teichhütte (ab 4 Personen möglich, für 2 Personen gibt es ein Abendessen im Rahmen der Halbpension) • Wanderkarte „Lust aufs Wandern“ • Willkommenstrunk und Abschiedsgeschenk Preis pro Person im Doppelzimmer ab € 180,– Preis pro Person im Genießer-Doppelzimmer ab € 210,– Buchbar: 27. Mai bis 26. Oktober 2013 Tipp: Die Wilde Wunder Card erhalten Sie kostenlos von Ihrem Gastgeber. Sie gilt als Eintrittskarte für zahlreiche Attraktionen.

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Wir beraten Sie gerne! Mostviertel Tourismus Adalbert-Stifter-Straße 4 3250 Wieselburg Österreich/Austria Tel. +43 (0)7416/521 91 Fax +43 (0)7416/530 87 office@most4tel.com www.mostviertel.info

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