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Ausgabe 1

H e r b s t/ W i n t e r 2 0 1 7/ 1 8

Entdeck die Bucklige Welt in den Wiener Alpen

Menschen wie Antonia Krenn & Michael Mandl /  Wirte und Feuerwehrfrauen/ Most / lokale Produkte/Reisen  im Herbst und Advent


E n t d e c k d i e B u c k l i g e W e lt

Die Bucklige ist eine kleine Welt, in der die groĂ&#x;e, weite ihre Probe hält

Der Herbst zieht in die Bucklige Welt und ziert ihren meist blauen Himmel mit Schleiern aus Nebel


E n t d e c k d i e B u c k l i g e W e lt

H e r bs t 2 0 1 7

6 – 13 Eine Herbstreise durch die ­Bucklige Welt – drei Tage lang

4 – 5

Editorial

Meine Buckel: Kommentar von Josef Kleinrath

14 – 15

Inhalt

Most zum Menü: Mostbauer R ­ ainer Pichler und Wirt Peter Pichler

  A 2    W i e n 

  W I E N E R    N E U S T A DT 

  K A T Z E L S DORF 

16 – 17 Mostprodukte & Welt­geschmack: Kommentar von Roland Graf

  S c hwa r za u    a m S t e i n f e l d 

  L A N Z E NKIRC H E N    W A L P E R S B A C H 

  B A D E RL A C H    P ITT E N    S 6 

18 – 19

  S E E B E N S T E IN 

  S C H E I B LINGKIRC H E N -    T H E RN B E RG 

Das hauen wir nicht weg! Porträt eines ehemaligen Flusswärters

  H o c hw o l k e r s d o r f    B ROM B E RG 

  W A RT H    S C H W A R Z E N B A C H   Grimmenstein   LIC H T E N E GG 

  H o c he g g 

20 – 21

  E DLIT Z 

Fuchs, du hast die … gestohlen. Die Entenzüchter Karnthaler und Wirt Andreas Unger

  W I E S M A T H 

Die Bucklige Welt in den Wiener Alpen ist ein traditionelles Naherholungsgebiet für Menschen aus dem Ballungsraum Wien. Beliebtes Ziel für spontane Kurzurlaube, bietet die Bucklige Welt aber mehr, als man an einem Tag entdecken kann. Diesem Entdecken der Eigenheiten dieser Region widmet sich das Magazin. Es stellt die Lebenskultur der Menschen in dieser schönen und abwechslungsreichen Landschaft vor: vom Schweinezüchter über Feuerwehrfrauen bis zum Hersteller exklusiver Ski. Natürlich spielt auch die Kulinarik eine große Rolle. In der Buckligen Welt arbeiten Produzenten und Wirte zusammen, um wirklich einzigartige, regionale Spezialitäten anbieten zu können. Zum Wohl der Gäste und der lokalen Natur. Probieren Sie einfach aus, wie sich die Bucklige Welt anfühlt und wie sie schmeckt! Sie ist ja nicht weit.

  H OLL E NT H ON 

40 – 41

  T H OM A S B E RG 

Weihnachtsprodukte & Lebenswelt: Kommentar von Viktoria Koll   KRUM B A C H 

22 – 23

  KIRC H S C H L A G 

42 – 47

  Z Ö B E RN 

Bring mir die Beute der Bienen! Der Imker Gottfried Schwarz

  B A D S C H Ö N A U    G S C H A IDT    H OC H N E UKIRC H E N    A 2    G r az 

26 – 29 Fahrt über vier Kontinente. Die Mountainbikerin Sandra Jerard IM P R E S S UM Herausgeber und Medieninhaber: WIENER ALPEN in ­N iederösterreich Tourismus GmbH,

34 – 39 Einsatz für die Gemeinschaft: Freiwillige Feuerwehrfrauen

24 – 25 Wie ich Pitten sehe. Porträt des Fremdenführers Erich Göschl

© Franz Zwickl

Eine Adventreise in die ­Bucklige Welt – drei Tage lang

30 – 31

48 – 51

Mostbäuerin aus Leidenschaft: Heurigenwirtin Sabine Ungerböck

Back dir deine Ski! Die exklusiven Ski von Hans Ostermann

32 – 33 Rambo liegt gern in der Suhle. Der Eber und sein Herr Lukas Döller

Schlossstraße 1, 2801 Katzelsdorf, T: 02622 78960, info@wieneralpen.at, www.wieneralpen.at Artdirektion & Grafik: www.grafikum.com Alle Angaben wurden mit großer Sorgfalt erhoben, erfolgen jedoch ohne Gewähr und erheben nicht den Anspruch auf Vollständigkeit 3


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Meine Buckel

© Franz Baldauf

Josef Kleinrath, auf einem Bauernhof in der Buckligen Welt aufgewachsen und heute Publizist, schreibt über seine alte Heimat

Große Dinge eines Danzers Apfelsaft aus der Buckligen Welt statt Rot­ wein aus der Toskana. Dort ist es fast so schön wie in der Buckligen Welt. „Große Dinge“ von Georg Danzer statt „Glory Days“ von Bruce Springsteen. Passt besser zum Thema der Kolumne. Große Dinge: In diesem Lied hat uns Danzer seine Erinne­ rungen an die Bucklige Welt hinterlassen. Erinnerungen, die er als klana Bua in unse­ ren Wiesen und Wäldern aufgesogen und ein Leben lang nicht vergessen hat. Dafür hat er den „Goldenen Schnida­ hahn“, die Auszeichnung der Buckligen Welt, erhalten, 2007, kurz vor seinem Tod. Ich erinnere mich an das Glück, den „Gol­ denen Schnidahahn“ gleichzeitig mit ihm bekommen zu haben. Der Apfelsaft hingegen erinnert mich ans Obstklauben. Im Herbst, wenn ich vom Internat auf den Bauernhof meiner Eltern heimgekommen bin (ich fahre heute noch „heim“, obwohl ich seit fast 30 Jahren in der Stadt lebe), musste ich helfen, Äpfel und Birnen aus den steilen Obstgärten einzu­ bringen. Mit Bucklkorb, bei jedem Wetter. Im Herbst ist es bei uns strahlend schön. Wenn es regnet, unangenehm, aber den­ noch schön! Und mein Opa, war der streng! Kein Blatt, kein Stängl durfte im Obst sein. Weil das den Most bitter macht. Wenn wir Kinder dann den frischen Saft direkt aus der alten Holzpresse trinken konnten, waren wir glücklich. Alle Mühe hatte sich gelohnt. Und der beste Most ist sowieso draus geworden. Große Dinge eben, wie sie heute noch vielerorts in der Buckligen Welt passieren. 4

„Georg Danzer hat uns in einem Lied seine Erinnerungen an die Bucklige Welt hinterlassen“

© Franz Zwickl

J o s e f K l e i n r at h


AUS B LICK

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Blick in die Bucklige Welt bei Wiesmath und Hochwolkersdorf


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Eine Herbstreise durch die Bucklige Welt

© Franz Zwickl

JOSHUA KÖB

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H E R B S TR E I S E

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Asiatische Entspannung, Hügel­hopsen per E-Bike, Eintauchen in alte Geschichten, Begegnungen mit Ziegen und ihren vorzüglichen Produkten, Autofahrten durch eine scheinbar zeitlose Welt, Nachsitzen bei Heurigen und Staunen über die große Welt im Klitzekleinen – das alles ist in drei Tagen möglich

Tritt man, aus dem Trubel Wiens kommend, ins Linsberg Asia in Bad Erlach, erlebt man einen Wechsel der Atmosphäre. Nicht zufällig flankieren zwei BuddhaFiguren den Eingang. Für den Kontrast sorgen dann nicht nur die asiatisch anmutende Einrichtung und die musikalische Untermalung, sondern vor allem auch der leicht blumige Duft.

© Linsberg Asia

Freitags Entspannung in asiatischem Ambiente Blick in ein Zimmer des Hotels Linsberg Asia in Bad Erlach

In diesem Hotel liegt das Kommende förmlich in der Luft. Es verheißt Ruhe und Erholung, Einklang mit sich und der Natur. Nicht umsonst bilden ein Mensch und ein Baum das chinesische Schriftzeichen für „sich ausruhen“. Die Räumlichkeiten des Hotels zeigen viel Bambus, aber auch originale Kunstwerke und Figuren aus China, Thailand oder Indien. Gegenüber der Rezeption sind hinter Glasvitrinen japanische Marionetten zu bestaunen, Figuren des klassischen Bunraku-Theaters. Hie und da trifft man auch auf Bonsais. Wie kommt es zu einem asiatischen Wellness-Hotel in der ­Buckligen Welt? Die Idee entstand Mitte der Nullerjahre. Man wollte sich vom Rest des Hotelangebotes abheben – auch ohne fernöstliche Wurzeln. So ist das mit exotischen Sehnsuchtsorten: Ihr Ursprung liegt in der Idee. Gelingt die Umsetzung, erfüllen sich Wünsche. Die Eröffnung fand an einem Glückstag statt, dem 08. 08. 08. Die Gestaltung der Innenräume erfolgte gemäß Feng-Shui­Kriterien. Seit Oktober 2016 sind Hotel und Spa Gästen ab ­16 Jahren vorbehalten, den Bedürfnissen der Erwachsenenwelt. Das Erholungsangebot reicht von der Freiluft-Sauna über die Relax

Lounge, das Private Spa mit eigenem Dampfbad, Solarium, Sekt und Obstplatte bis hin zu Bewegungstrainings und verschiedenen Massagen. Wir probieren uns durch. Abends zeigt sich, dass auch ein Tag im Zeichen der Entspannung den Appetit weckt. Glücklich ist, wer im hauseigenen Hauben-Restaurant zu Abend speist. Küchenchef Michael Suttner verbindet europäische und asiatische Küche. Auf der Karte stehen etwa Seesaibling mit thailändischen Schlangenbohnen oder Entenbrust mit rotem Curry, Litschi und Ananas. Trotz aller asiatischen Einflüsse bekennt sich der Küchenchef zu den Produkten der Region. Das Gebäck wird von der Bäckerei Bernhard in Bromberg bezogen, das Bier liefert Wolfsbräu in Thernberg und die naturtrüben Säfte kommen von der Familie Winkler aus Kirchschlag. Nach so viel Entspannung und dem Genuss des feinen ­Essens fällt dann auch das Einschlafen leicht. Text kürzen? 7


E n t d e c k d i e B u c k l i g e W e lt

„Wer mit Ziegen arbeitet, den wundert bald gar nichts mehr“

© Bienenkunst Stawoski

Antonia Krenn, Ziegenbäuerin

© Franz Zwickl

E-Bikes sind einfach etwas Feines. Darum testen wir die des Hotels. Natürlich nicht aus Faulheit, sondern Interesse. Kontrolle über das Rad muss man allerdings auch motorisiert beweisen. Warnen hilft. Bemerkbar macht man sich auch in E-Bike-Zeiten am besten mit der guten, alten Fahrrad­ klingel. Fußgänger mögen das. Oder?

Wallfahrtsort auch für Bienen: Gleich neben der Bergkirche steht ein Bienenhotel Der pensionierte Schlosser Erich Göschl vor der Bergkirche in Pitten

Asia Resort Linsberg Thermenplatz 1, 2822 Bad Erlach T: 02627 480 00 www.linsbergasia.at Öffnungszeiten Therme: So bis Do, Feiertage vor Arbeits­tagen von 9 bis 22 Uhr; Fr, Sa, Fenstertage, Feiertage & Tage vor Feiertagen von 9 bis 23 Uhr Mandl’s, Ziegenhof Pengersdorf 7, 2813 Lichtenegg T: 0676 944 49 63 www.ziegenhof.at

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Samstags Bewegung am hügeligen Land mit Ziegen Unterwegs am Thermenradweg Eurovelo 9. Es geht in den Nachbarort, ins pittoreske Pitten. Und wir brauchen dabei einige Male unsere Klingeln. Nach ein paar hundert Metern Fahrt fällt uns ein Schild ins Auge: Es zeigt den Weg zu einem Waldfriedhof. Über allen Wipfeln ist Ruh. Ein schönes Plätzchen für langes Liegen. Die Weiterfahrt eröffnet dem Blick Felder zwischen dem Fluss Pitten und dem einspurigen Bahngleis. Dann erscheinen die ersten blumenverwachsenen Häuschen. Ja, Pitten kann sich sehen lassen. Und weil es zu jeder Sehenswürdigkeit eine Geschichte zu erzählen gibt, haben wir uns mit Ortsführer Erich Göschl verabredet (mehr über ihn findet man auf Seite 24). Der sympathische Pensionist nimmt uns plaudernd mit zu einem wunderbaren Rosengarten. Wir hätten im Juni kommen sollen, dann steht hier alles in Blüte. Aber das lässt sich ja nachholen. Wir folgen Göschl entlang des Historienpfades zur Bergkirche Zum Heiligen Georg. Am Kirchenvorplatz begrüßt uns ein Hund. Auch schön. Wir blicken auf einige Miniaturkirchen aus Holz. Der Hundebesitzer Pawel, ein gebürtiger Pole, fertigt


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Michael Mandl und Antonia Krenn mit ihren Ziegen auf ihrem Hof in Lichtenegg © Franz Zwickl

sie alle von Hand an. Später wird uns Erich Göschl einen kleinen Waldabschnitt zeigen, in dem noch mehr davon stehen. Einige hat Bienenfreund Pawel als Bienenstöcke eingerichtet. Aber zunächst führt unser Weg in die Felsenkirche. Wir erfahren, dass die Höhle im Fels bereits in vorchristlicher Zeit als Kultraum genutzt wurde. Überhaupt trifft man hier allerorts auf alte Geschichte. Nach gut zweieinhalb Stunden endet die Tour, auch wenn da noch viel mehr Geschichten auf uns warten würden. Aber wir wollen zurück ins Hotel. Und die weiteren Wege mit dem Auto zurücklegen. So tauchen wir dann am Nachmittag in die Welt der Hügel und Wiesen ein. Über Bromberg fahren wir nach Lichtenegg bis hinaus nach Pengersdorf. In Erwartung einer Landschaft, in der die Menschen noch in enger Verbindung mit Pflanzen und Tieren leben. Und wir werden nicht enttäuscht – im Gegenteil. Auf einem der vielen Hügel steht der Ziegenhof Mandl. Erst vor Kurzem wurde der Hofladen fertiggestellt. Michael Mandl und

­ ntonia Krenn betreiben hier einen biologischen Ziegenhof – A auch das Futter wird selbst angebaut. Das junge Paar kümmert sich um 230 Ziegen. Sie geben täglich rund 400 Liter Milch. Daraus werden in der hofeigenen Käserei unter Beigabe von verschiedenen Kräutern und Gewürzen verfeinerte Ziegenbällchen und Ziegenrollen. Hier wird mit Herz und Verstand gearbeitet. Für das moderne Betriebskonzept erhielt der Ziegenhof 2015 den Klimaschutzpreis. Hört man Antonia Krenn zu, werden auch Pläne für die Zukunft so schnell nicht ausgehen. Am wichtigsten sei immer der hohe Standard: „Geht’s den Viechern nicht gut, kannst du nichts Gescheites produzieren“, erklärt sie. Die Idee zum hofeigenen Laden habe sich wie von selbst ergeben. Denn das Interesse an der Herkunft von Nahrungsmitteln steige, die Menschen seien mit ihren Wünschen ganz von selbst gekommen. Also musste der Hofladen her. Nun können wir durch die Fenster im Verkaufsraum direkt in den Stall 9


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Unterwegs durch die Bucklige Welt im Herbst

­ licken. Von dort führt eine Ziegenbrücke auf die Freilaufweide. b Erstaunlich: die Tiere liegen lieber auf der Brücke, statt auf die Wiese zu gehen. „Wer mit Ziegen arbeitet, den wundert bald gar nichts mehr“, erzählt uns die junge Bäuerin. „Du kannst sie zu nichts zwingen, was sie nicht wollen“, fügt sie lachend hinzu. Zum Abschluss des Besuchs kosten wir noch eine vorzügliche Käseplatte, die uns der freundliche Mitarbeiter Horst zusammenstellt. Sein Bruder in Kärnten wird in naher Zukunft das Fleisch der Ziegen zu Wurst verarbeiten. Alles am Hof hier wird verwertet, auch die Ziegenfelle. Mit denen werden nämlich Pauken bespannt. Über Wiesmath und Hochwolkersdorf fahren wir weiter nach Lanzenkirchen. Zwischen Waldstücken zeigen sich immer wieder Maisfelder. Darüber heben sich am blauen Himmel kleine Wölkchen ab. Wir passieren viele Höfe und kurven auf engen und verschlungenen Straßen durch die winkelige Gegend. Allmählich sinken wir mehr und mehr in die Leichtigkeit des 10

Landlebens ein. Die Zeit scheint hier langsamer zu gehen. Oder einfach nur natürlichen Gesetzen zu folgen. Wir legen einige Pausen ein. Verweilen mit Blick auf die Gegend oder vertreten uns ein wenig die Beine. Süße Trägheit macht sich breit. Ganz gemächlich nähern wir uns unserem nächsten Ziel Lanzenkirchen mit seinen Sagenwegen. Auf ihnen taucht man in die jahrhundertealte Mythologie des Ortes ein und erfährt etwa, wie er zu seinem Namen kam, oder auch über die Leithahexen, den Totenkopf, die Irrwurzel, das Teufelsschlössl, das Edenhaus und die Schrift an der Kirchenmauer. Der Reisetag endet dann, wo er begonnen hat, in Pitten. Im gemütlichen Gastgarten des Restaurants Unger wollen wir zu Abend essen. Dort erwartet uns ein besonderes Entengericht. Das Festessen ist eine Koproduktion von Gastwirt Andreas Unger und dem Hofladen Karnthaler in Lanzenkirchen (mehr darüber auf Seite 20). Der kulinarische Genuss rundet unsere Entdeckungsfahrt ab. Morgen geht es dann in eine ganz kleine Welt.


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Restaurant Vinothek Andreas Unger Wiener Neustädter Str. 167 2823 Pitten T: 02627 822 61 www.unger-pitten.at Familie Karnthaler Hoffeldgasse 7 2821 Lanzenkirchen-Haderswörth T: 02627 458 01 www.thermengemeinden.at/ a-hofladen-karnthaler

© Franz Zwickl

© Wiener Alpen / Florian Lierzer

© Franz Zwickl

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Martina Karnthaler in Lanzenkirchen mit einer ihrer Enten Doluptatur nimetur arum reicium illaces nonsecae Wirt undEt Küchenchef a consequiAndreas atem entUnger ut vendit im Restaurant Unger in Pitten

Die Zeit scheint hier langsamer zu gehen. Oder einfach nur natürlichen Gesetzen zu folgen

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„Ich mag ein lebendiges Museum. Da muss sich etwas bewegen“ ­

© Franz Zwickl

F r a n z R i e d e r , K u r a t o r i m Z i n n f i g u r e n m u se u m

Zur Herstellung von Zinnfiguren braucht man Schieferstein. Mit Sticheln werden die vorskizzierten Figuren den Formensteinen eingraviert. In diese Formen wird dann das flüssige Metall gegossen. Nach dem Guss und der Abkühlung werden die Figuren bemalt – je detailreicher, umso schöner und wertvoller ist eine Figur.

© Franz Zwickl

Sonntags Unterhaltung mit den Allerkleinsten

Franz Rieder betreut die fantastische Zinnfigurenwelt Katzelsdorf Lukas Döller an einem seiner Weinstöcke. Sein Heuriger liegt in Katzelsdorf

Zinnfigurenwelt Katzelsdorf Hauptstraße 69, 2801 Katzelsdorf Öffnungszeiten: Samstag, Sonntag und Feiertage jeweils von 10 bis 17 Uhr (vom 24. 12. bis 1. 1 . geschlossen). Führungen für Gruppen sind jederzeit möglich. Voranmeldung: T: 02622 782 50 oder 02622 782 00 www.zinnfigurenwelt-katzelsdorf.at Heuriger und Weinbau Döller Eichbüchler Straße 43 2801 Katzelsdorf T: 02622 784 05 weinbau-doeller.at

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Die Zinnfiguren, die in der Katzelsdorfer Werkstatt für Kunden aus aller Welt hergestellt werden, bestehen vorwiegend aus Zinn, Wismut und Antimon. Für die Herstellung einer dreidimensionalen Figur werden bis zu 80 Einzelteile gegossen und von Hand zusammengesetzt. Bemalt wird je nach erforderlicher Qualität. Massenanfertigungen sind weniger aufwendig koloriert als private Einzelstücke. Rund 40.000 Figuren werden in der Zinnfigurenwelt in Katzelsdorf jährlich produziert. Man fertigt für den Eigengebrauch, aber auch für andere Museen, die Spanische Hofreitschule und private Sammler. Ein Besuch der Zinnfigurenwelt verbindet das Unterhalt­ same mit dem Lehrreichen. Wenn Franz Rieder durch die Ausstellung führt, bleiben keine Fragen offen. Seit 14 Jahren wacht der Wiener Zinnfiguren-Experte über 200 Vitrinen und 40.000 Figuren. Jährlich werden viele der Exponate ausgetauscht, außerdem ergänzen zahlreiche Sonderausstellungen das abwechslungsreiche Programm. Im Museum werden Geschichten erzählt, einzelne Szenen in Dioramen dargestellt: Diese dreidimensionalen Schaubilder zeigen etwa den Philosophen Diogenes, dem Alexander der Große die Sonnensicht verstellt, oder eine regimetreue Theaterdarstellung aus der DDR. Man geht auch auf die reichhaltige regionale Geschichte ein, Originalexponate wie ein Schädelfund aus römischer Zeit oder ein mittelalterliches Kettenhemd runden das Schauerlebnis ab. Das Museum ist das zweitgrößte Fachmuseum der Welt. Es besitzt die größte Flachfigur, eine Nachbildung des


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© Wiener Alpen/Croy, Zinnfigurenwelt Katzelsdorf

© Franz Zwickl

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Bucintoro, der Staatsbarke des venezianischen Dogen. Nur einen Millimeter groß ist die kleinste Figur. Eines ist Franz Rieder besonders wichtig. Obwohl viele so denken würden, seien Zinnfiguren nicht mit Zinnsoldaten gleichzusetzen. Ursprünglich waren die Figuren Beigaben naturkundlicher Werke. Bis 1920 wurden sie ausschließlich als teures Spielzeug reicher Kinder hergestellt. „Die armen Kinder kannten kein Spielzeug“, erklärt er uns bei dieser Gelegenheit. Später seien sie vor allem zu begehrten Sammelstücken geworden. Wir erfahren, dass besonders um originalverpackte Produkte in letzter Zeit ein regelrechter Hype entstanden sei, der bis zur Spekulation reiche. Im Zweiten Weltkrieg beherbergten die heutigen Museumsräume ein Pferdelazarett. Die Anbindestationen sind noch erhalten. Dienstags und freitags kommen Jugendliche, um FantasyRollenspiele mit Zinnfiguren zu spielen. „Ich mag ein lebendiges Museum. Da muss sich was bewegen“, sagt Franz Rieder dazu.

Gegen Mittag verabschieden wir uns und spazieren ein paar Meter weiter zum Heurigen von Lukas Döller. Querfeldein geht es leider nicht, der Heurige liegt auf der anderen Seite der Leitha. Nach dem Essen werden wir noch ein wenig durch die idyllische Natur der Leitha-Auen schlendern. Das Wochenende neigt sich langsam, aber sicher dem Ende zu. Ein guter Grund, die Abfahrt noch etwas hinauszuzögern. Doch erst einmal geht es wieder zu Tisch. Beim Heurigen von Lukas Döller – über den und seine Zucht von Freilaufschweinen lesen Sie mehr auf Seite 32. Und über die Köstlichkeiten, die er daraus gewinnt, wie Wurst, Speck und Grammelschmalz. Eben alles, was das Jausenherz begehrt. Vom jungen Heurigenwirt erfahren wir, dass abends öfter ein Fuchs sein Unwesen zwischen Tischen und Bänken treibt. Anfangs seien die Gäste erschrocken, mittlerweile haben sich Fuchs und Stammgäste aneinander gewöhnt. Wie wir uns ans Genießen der Buckligen Welt. | 13


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Most zum Most-Menü Sabine Edith Braun

Freiherr August Wilhelm von Babo, erster Direktor des Önologisch-Pomologischen Instituts in Klosterneuburg, hat sie 1861 im österreichischen Weinbau eingeführt: die nach ihm benannte „Klosterneuburger Mostwaage“. Das etwa 15 cm lange Gerät misst allerdings kein Gewicht. Es funktioniert mittels Lichtbrechung. Die tech­nisch korrekte Bezeichnung dafür lautet: Refraktometer. Rainer Pichler, Absolvent der Höheren Bundeslehranstalt für Wein- und Obstbau, wie die Weinbauschule heute heißt, benutzt die Mostwaage, um damit den Zuckergehalt seiner Saftproben zu bestimmen. Der Mostbauer betreibt mit seiner Lebensgefährtin Andrea sowie mit seinen Eltern Engelbert und Marianne Pichler einen gemischt landwirtschaftlichen Betrieb samt 1,3 Hektar Obstbau. In seinen Obstgärten in Hochegg bei Grimmenstein sind sogenannte Spindelbäume gepflanzt – Bäume ohne große Kronen, in erster Linie Apfelbäume verschiedenster Sorten. Die Mostpresse fasst 1.700 Liter Maische. Der Trester, der nach der Saftgewinnung anfällt, wird von den Jägern zur Wildfütterung verwendet. Was übrig bleibt, verwertet die hauseigene Biogasanlage. Rainer Pichler ist nicht nur mehrfacher Preisträger der Wieselburger Ab-Hof-Messe, er ist auch in der Verkosterjury. „Nach der zweiten Auszeichnung mit der ‚Goldenen Birne‘ haben sie mich in die Jury eingeladen“, sagt er. Wenn der Labortest bestanden ist, wobei die Einhaltung gesetzlicher Richtlinien wie Alkohol- und Schwefelgehalt geprüft wird, kommt die Blindverkostung. Immer zwei Tester werden zusammengelost. Es gibt ein „Tischurteil“ und zwei Einzelurteile. Das hilft, objektive Bewertungen zu erstellen und Fehler zu minimieren. 14

Der Wirt und der Mostbauer: Peter Pichler ü ­ bernimmt Most vom mehrfach preisgekrönten Rainer Pichler

Nicht alle denken beim Most gleich an die Gegend südlich von Wiener Neustadt. „Mostbau gibt es hier aber schon sehr lange“, sagt Rainer Pichler, und ergänzt: „Wir haben die höchste Heurigendichte in Niederösterreich!“ Die Mitglieder der „Obstmostgemeinschaft“, eines Vereins von rund vierzig Mostproduzentinnen, wo Pichler im Vorstand sitzt, stimmen ihre „Aussteckzeiten“ untereinander ab. So hat in der Buckligen Welt fast immer ein Heuriger geöffnet. Von Frühling bis Herbst dauert die Hauptsaison. Im Winter sind weniger Betriebe offen. Produzenten wie Rainer Pichler und Gastronomen wie Peter Pichler sind in der Buckligen Welt eng vernetzt – Schlagwort: „Sooo gut schmeckt die Bucklige Welt“. In dieser Interessengemeinschaft kommen auch kleine Betriebe zu Vermarktungschancen. Hier ist Peter Pichler aktiv. „Über sieben Ecken“ ist der Gastwirt aus Petersbaumgarten an der Wechselbundesstraße mit dem Mostbauern Pichler in Hochegg verwandt.


P r o d u z e n t e n u n d G a s t r o n o me n

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© Franz Zwickl (2)

Die meisten Heurigen Niederösterreichs findet man in der Buckligen Welt. Dort trinkt man Most wie vom preisgekrönten Mostbauern Rainer Pichler in Hochegg zu Most-Menüs von Wirt Peter Pichler in Petersbaumgarten

Peter Pichler an der Schank in seinem Wirtshaus in Petersbaumgarten. Fast alles, was er verkocht, stammt aus der Region

Nahezu alles, was Peter Pichler verkocht, stammt aus der Region. Von der Milch bis zum Geselchten. Und es ist AMA-zertifiziert. „Wir haben alles da“, sagt er. Seine Gäste wissen das zu schätzen. Es sind vor allem Einheimische, aber auch Ausflügler sowie die Besucher der zwei nahen Krankenhäuser, des Reha-Zentrums und des Landesklinikums in Hochegg. Die Speisekarte verzeichnet einige Mostprodukte, doch auf Wunsch gibt es eigene Most-Menüs. „Man kann Most auch als Aperitif reichen“, sagt Peter Pichler. Und zu welchen Speisen passt Most? „Zu allem, wo Saft dabei ist“, sagt der Wirt. „Unser Most hat mit dem von früher kaum mehr etwas gemeinsam. Er ist gleichzusetzen mit Grünem Veltliner oder Welschriesling.“ Einen sortenreinen Braeburn etwa könne man sogar zu Fisch genießen. Mostbauer Rainer Pichler erklärt, warum: „Er ist eine Spur lieblicher, nicht so hoch in der Säure, mit Restzucker ausgebaut. Das geht schon sehr in Richtung Wein.“ |

Gasthof Pichler Hier kann man auch übernachten. Wechselbundesstraße 2 2840 Petersbaumgarten T: 02644 7313 www.gasthofpichlerpetersbaum garten.at Mostheuriger Pichler Steinbruchweg 3 2840 Grimmenstein-Hochegg T: 02644 7375 www.mostheuriger-pichler.at

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© Wiener Alpen/Zwickl

Blick auf Zöbern in der Buckligen Welt

Most – weit mehr als nur zum Trinken

Apfelmost Braeburn Rainer Pichler hat für seinen Most schon zweimal die „Goldene Birne“ bei der Wieselburger Ab-HofMesse bekommen – auch wenn es ­Apfelmost ist. Jetzt sitzt er selbst in der Jury (mehr auf Seite 14). www.mostheuriger-pichler.at

Apfelmostgelee mit Zitronenkräutern

Kraxados-Apfelbrand im Eichenfass gereift

Apfelsaft vom Stegbauer

Fa milie Böhm

W e r n e r K ö l be l

Sabine Ungerböck

Neben Heurigem und Most­­­­­­ speziali­ täten gibt es am Hof in Katzelsdorf eine Noriker-Zucht von Michael Böhm. Farbschlag: Schwarzflecktiger.

So sieht ein Seriensieger aus. Für ihre Kraxados-Brände erhalten Edith und Werner Kölbel Jahr für Jahr sehr viele Auszeichnungen.

Das Porträt der Produzentin lesen Sie auf Seite 30. Der Saft schmeckt so, wie die Bäurin, die ihn herstellt, die Welt sieht: reizvoll.

www.kraxados.at

www.mostwirtshaus.at

www.heuriger-boehm.at

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© Franz Zwickl, Viktoria Koll (5)

F AMILI E P ICHL E R


Produkte der region

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Weltgeschmack Roland Graf

Sortenmost Apfelwein

Fleischerei Höller

Eduard Winkler

Karl und Magdalena Höller nennen ihre Schmankerln eine „geschmackvolle Alternative zu industrieller Massenware. Und das zu fairen Preisen.“ Na, dann lassen wir es uns schmecken!

Seit 2002 führen Edi und Julia ­ inkler den elterlichen Betrieb. Sie W sind auf Obstsäfte spezialisiert, produzieren aber auch Apfelwein wie den Vinum Rosae. Auch mit Holunder oder als Apfel-Birnenwein.

www.hoeller-fleischer.at

www.obstmost.at

Gastwirte und Bauern, also Produzenten, legen Wert auf enge Zusammenarbeit

Die Adressen zu den Produkten der Region Mostheuriger Pichler Engelbert und Marianne Pichler Steinbruchweg 3 2840 Grimmenstein-Hochegg T: 02644 73 75 www.mostheuriger-pichler.at

Kölbel Edelbrände Werner und Edith Kölbel Kraxenberg 1 2851 Krumbach T: 02647 43248 www.kraxados.at

GenussBauernhof Böhm Hauptstraße 86 2801 Katzelsdorf T: 02622 780 01 www.heuriger-boehm.at

Fleischerei Höller Karl und Magdalena Höller Kampichl 35 2871 Zöbern T: 02642 82 46 www.hoeller-fleischer.at

Heurigenbetrieb „Stegbauer” Sabine Ungerböck Ödhöfen Berg 120 2853 Bad Schönau T: 02646 83 01 www.mostwirtshaus.at

Obstverarbeitung Winkler Ungerbach 30 2860 Kirchschlag T: 02646 25 49 oder 0650 25 491 11 www.obstmost.at

© Christian Barz

Mostknoferl zur Jause

Roland Graf stammt aus der Buckligen Welt und schreibt Bier- und Bar­­­ge­schichten für den deutschen Sprachraum. www.trinkprotokoll.at

Wolf für Tachles und Krah Krah Vor fünf Jahren wanderten sie samt Brauerei nach Thernberg. Heute gibt es bei Karin und Markus Wagner bierigen Proviant. Egal, ob man sich von Innerschildgraben oder der Schlatten her nähert: Wer rechnet am Ende des Wegs mit einer Brauerei in skandinavisch klaren Linien? „Wolfsbräu“ war kein Zufallsprojekt. Karin Wagner stammt aus der Kärntner Brauerfamilie Moser, die in Wolfsberg (daher der Name!) aktiv war, ehe sie in 9. Generation die Brauanlage 2012 in die Bucklige Welt übersiedelte. „Das Quellwasser Thernbergs war natürlich ideal zum Brauen“, erklärt Markus Wagner, während er mir das erste Glas einschenkt. Es ist das nur zart filtrierte „Kristall“, wie man das Märzen nennt. Heimische Rohstoffe – neben dem Quellwasser Gerstenmalz und Bio-Hopfen – werden mit Hefe in offener Hauptgärung zum Bier. Während nebenan gerade der nächste Sud blubbert, erläutert Wagner neben diesem „Kräuse“ genannten Schaum seine Rezeptur. Er schwört auf reine Gärkohlensäure. Daher verlässt Thernberg auch nur Unpasteurisiertes. „Die Haltbarkeit mag kürzer sein, dafür sind alle guten Inhaltsstoffe drinnen.“ In der regionalen Gastronomie ist „Wolfsbräu“ unübersehbar. Aber auch im Café Tachles am Karmelitermarkt oder im Krah Krah in Wien wird das Naturbier aus der Buckligen Welt getrunken. Wir lassen uns derweil noch ein naturtrübes Zwickl schmecken. Mit Blick auf den alten Bauernherd und das Spielzeug der 10. Generation. www.wolfsbrau.at 17


E n t d e c k d i e B u c k l i g e W e lt

Das hauen wir nicht weg!

Ein mächtige Pfahl, auch „Pilot“ genannt, wurde um 1850 bei der Errichtung der Katzelsdorfer Eisenbahnbrücke in die Erde gerammt. Dann musste er baulichen Veränderungen weichen. Er wurde eingegraben und lag lange Zeit versteckt im Uferboden. Viele Jahre später wusch ihn ein Hochwasser aus und schwemmte ihn an Land. Heute ziert er gemeinsam mit unzähligen weiteren Fund­stücken den Garten des ehemaligen Flusswärters Werner Götz. „Hinter allen Dingen steckt eine Geschichte“, ist Götz sicher. So ist es auch kein Zufall, dass der wuchtige Pilot ausgerechnet bei ihm gelandet ist. Schließlich war der bärtige Katzelsdorfer zwanzig Jahre lang Flusswärter der Leitha und des Katzelsdorfer Mühlbachs. Im Zuge seiner Arbeit, die von der Bauverhandlung über Aufräumarbeiten bis zum Brennnesselmähen reichte, förderte er Hunderte Funde zu Tage – darunter auch Piloten. Weil „Dinge für immer verschwinden, wenn man sie weghaut“, schafft er ihnen einen eigenen Platz. Auf dem Gelände seines ehemaligen Bauernhofs entstand so ein faszinierendes Kleinod. Im langgezogenen Garten und in den angrenzenden Wirtschaftsgebäuden finden sich unzählige Steine und Schwemmhölzer aus der Leitha, zerfurchte Baumstümpfe und historische Werkzeuge. Das Wasser hat auf ihnen seine Spuren hinterlassen. Ein Stein zeugt beispielhaft davon: Er wurde so lange ab- und ausgewaschen, bis nur noch das Negativ einer Muschel sichtbar geblieben ist. In diesem Garten gibt es wirklich viel zu entdecken. Kein Wunder, dass manche Besucher hier „den halben Tag“ bleiben, wie der seit fünf Jahren pensionierte Flusswärter erzählt. Auf dem gesamten Areal hat er die Gegenstände gemeinsam mit seiner Frau Annemarie liebevoll arrangiert. Nun gleicht das Ganze 18

© Franz Zwickl

Barbara Moser

einem kunstvoll angelegten Freilichtmuseum. Wie ein Archivar, der Dinge vor dem Vergessen bewahren will, sortiert der Katzelsdorfer hier seine Funde. Bunte Backformen zieren die hölzernen Wände eines Schuppens. Von der Decke baumeln Schwemmholzmobiles, draußen plätschert Brunnenwasser über abgeschliffene Leitha-Steine. Eine alte Sitzbadewanne dient als Wassersammler für den Küchengarten. Am Schuppen hängen auch Dutzende Spitz­hacken. Das rarste Exemplar ist gut 150 Jahre alt. Jeder Streifzug durch dieses wunderbare Sammelsurium – Besichtigungen sind unter Voranmeldung möglich – wird auch zur Zeitreise, auf der man unzähligen Schöpfkellen, Spazier­ stöcken, Wetzsteinen, Ankern, Schleif- und Mühlsteinen, Schustereisen, Hämmern, Ketten, Hufeisen und Beißzangen begegnet. Außerdem zu entdecken: seltene Schaffänger, Heugabeln aus Blech, Eisen für Hobelbänke, Schusterhämmer und Eisenbahner­ schaufeln. Der Variantenreichtum ist verblüffend: Allein die Sägen reichen von Fleischhacker-Beinsägen über Baumsägen


P ORTR Ä T

Herbst 2017

Er hat eine eigene Welt in Katzelsdorf geschaffen: der ehemalige Flusswärter Werner Götz

Werner Götz im Schuppen seines Gartens, wo er altes Werkzeug aufbewahrt

und Eisensägen bis zu historischen Zwei-Mann-Sägen. Doch Werner Götz trägt nicht nur zusammen, was der Fluss für ihn preisgibt. Viele seiner Fundstücke stammen von Flohmärkten und aus dem Sperrmüll. Seit mehr als vierzig Jahren hortet er alles, „was schön ist“. „Schönes lässt man nicht verkommen“, meint der Sammler. Seine Devise: „Das hauen wir nicht weg, das richten wir her!“ ­Abgebrochene Hacken stielt er neu ein, knorrige Wurzeln nutzt er als originelle Gartendeko. Aus Baumstümpfen, die einst „voll Moos, Algen und Dreck“ aus der Leitha geborgen wurden, zimmert er Tischplatten. Alte Schwemmhölzer funktioniert er zu modernen Hockern um. „So alt werde ich gar nicht, dass ich das ganze Material verarbeiten kann“, lacht der Sammelkünstler Götz. Mittlerweile kommen immer mehr Menschen mit ihren ­individuellen Möbelwünschen auf ihn zu. Die erfüllt er, so gut er eben kann. Denn „der Natur kannst du nicht sagen, wie sie ­wachsen soll.“ |

Beschaulich nächtigen lässt es sich in den Thermengemeinden, etwa in Klingfurth – Walpersbach: Pension Hendling Klingfurth 31 2822 Walpersbach T: 02627 482 22 oder 0680 302 66 18 www.pensionhendling.at/de

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E n t d e c k d i e B u c k l i g e W e lt

Fuchs, du hast die … gestohlen JOSHUA KÖB

Die Hauptfigur dieses Stücks ist eine Ente. Noch vor Kurzem genoss sie gemeinsam mit ihren Geschwistern und vielen Gänsen ein unbeschwertes Leben auf der Weide am Karnthaler Hof. Gut beschützt von Hofhündin Nora. Bald wird sie zum Ruhm der Küche von Andreas Unger ihren Beitrag leisten. Schon jetzt kennt man das Restaurant Unger bis über die Grenzen der Buckligen Welt hinaus für seinen grandiosen Gastgarten. Seit 120 Jahren gehören Haus und Garten zum Ortsbild des beschaulich-romantischen Pitten. Nicht weit davon entfernt, am Karnthaler-Hof in Haderswörth bei Lanzenkirchen, liegt ein weiterer besonderer Garten. Besser gesagt: eine Weide. Für rund 250 Enten und Gänse. In Pitten schreibt Andreas Unger in mittlerweile fünfter Generation die Erfolgsgeschichte seines Wirtshauses fort. Unter seiner Führung erhielt das Restaurant von „Falstaff“ die Goldene Gabel, der Gastgarten wurde zum schönsten Niederösterreichs gekürt. Doch in der Gastronomie kann man sich nicht ausruhen. Im Gegenteil, man muss stets Neues entdecken, weiß Andreas Unger: „Wir haben eine ständig wechselnde Karte mit vielen saisonalen Schwerpunkten und legen viel Wert auf regionale Produkte.“ Seine Experimentierfreude trägt zu seinem Erfolg 20

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Nein, eben nicht, sondern Enten der Familie Karnthaler. Sie tragen zum kulinarischen Ruhm des Restaurants Unger in Pitten bei

Sie erfüllen ihre Aufgabe mit großer Gelassenheit: die Enten am Hof der Familie Karnthaler

bei. Genauso wichtig aber ist seine enge Vertrautheit mit den Produkten, die er verkocht. Sie kommen großteils aus der Umgebung. So entstehen immer wieder lokale Gustostückerl. Und dabei spielt auch unsere Ente eine Rolle. Der Gastgarten war Ort der ersten gemeinsamen Zusammenkunft von Andreas Unger, Martina und Bernhard Karnthaler sowie der Hauptfigur des Stücks, unserer Ente. Sie erfüllt ihre Aufgabe mit großer Gelassenheit. Stellvertretend für ihre Geschwister fügte sie sich ihrem Schicksal. Die können ihr Leben noch in vollen Zügen genießen, gut behütet und ohne Angst vor dem berüchtigtsten aller Diebe: dem Fuchs. Dreimal nacheinander stahl er eine von ihnen. Seither bleibt der schützende Stall nachts geschlossen. Hündin Nora kann schließlich nicht überall sein. Die Idee mit der Gänse- und Entenzucht entstand, nachdem Stammkunden nach einer Martini-Gans gefragt hatten, erzählt Martina Karnthaler. „Also haben wir es einfach einmal probiert.


P r o d u z e n t e n u n d Gas t r o n o m e n

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Chef Andreas Unger versucht unsere Hauptfigur, die Ente, anzulocken. Ihre Züchter, Martina und Bernhard Karnthaler, zeigen sich noch unentschlossen

Erst mit dreißig Gänsen. Dann wurden es mehr. Vor drei Jahren kamen die Enten dazu.“ Zu den Gänsen und Enten gesellen sich Schweine, 25 Mutterkühe und Antonello, der 1.300 Kilogramm schwere, aber gutmütige Blonde-d’Aquitaine-Bulle. Kühe und Stier werden gemeinsam gehalten, Antonello hat Wahlfreiheit. Ochsen und Kalbinnen, weibliche Tiere ohne Nachwuchs, verarbeitet Bernhard Karnthaler im hauseigenen Schlagraum zu Fleisch- und Wurstwaren. Höfe mit solchen Schlachträumen sind heutzutage eine Seltenheit. Etwa sieben Mal im Jahr veranstaltet das Ehepaar am Hof zudem einen Bauernmarkt mit ihren Produkten. Vom Hof zurück in den Garten. In Pitten ist man nicht nur in der Küche kreativ. In den vergangenen Jahren bot der Gastgarten mehrfach Raum für Kunstwerke. „Wir haben zwischen fünf und zehn Skulpturen im Garten. Unsere Gäste können sie, vor oder nach dem Essen vorbeischlendernd, betrachten. Das kommt sehr gut an“, verrät Andreas Unger. Zudem finden regel-

Restaurant Vinothek Andreas Unger Wiener Neustädter Str. 167 2823 Pitten, T: 02627 822 61 www.unger-pitten.at Familie Karnthaler Hoffeldgasse 7, 2821 Lanzenkirchen– Haderswörth, T: 02627 458 01 www.­thermengemeinden.at/ a-hofladen-karnthaler Übernachten im Romantic Cottage Ackerstraße 424, 2823 Pitten T: 02627 854 58 www.fgh-solutions.at/cottage.html

mäßig musikalische Events wie Jazz- und DJ-Abende oder verschiedene Brunchs statt. Immer beliebter werden auch Hochzeiten im Garten. Unsere Ente, ganz bio aufgewachsen, ist auch da zu Diensten. | 21


E n t d e c k d i e B u c k l i g e W e lt

Bring mir die Beute der Bienen!

Ausgerechnet ein Meißel als ständiger Begleiter eines Imkers? „Ein Räuchergerät besitze ich nicht. Aber ohne den Schabmeißel geht gar nichts“, sagt Gottfried Schwarz. Zwei befinden sich schon mehr als zwanzig Jahre im Besitz des Imkers aus Bad Erlach. Anders als ein normaler Meißel ist der Schab- oder Stockmeißel an beiden Enden scharf geschliffen. Das erleichtert es, die Holzzargen der Behausung der Bienen, die Bienenbeute genannt wird, voneinander zu trennen, aus diesen Waben zu entnehmen sowie Propolis und Wachsverbauungen abzuschaben. Wer die Gelegenheit bekommt, sich mit Schwarz über die Imkerei zu unterhalten, begreift schnell, dass er mit Herzblut bei der Sache ist, und das nicht erst seit gestern. Man könnte fast sagen, es fließt Honig durch seine Adern, denn bereits sein Vater und dessen Brüder waren als Imker tätig. Er selbst hat als Jugendlicher damit angefangen: „Gemeinsam mit dem Großvater habe ich immer einem alten Imker aus der Gegend zugeschaut. Irgendwann hat er gesagt, wenn es dich interessiert, schenk’ ich dir einen Bienenstock“, erinnert sich Schwarz. Ein paar Jahre später hat er dann einige Stöcke dazugekauft. Seit 1974 gibt es die Imkerei Schwarz. Obwohl familiär einschlägig vorbelastet, gab es für ihn viel zu lernen. Dabei halfen die Kurse der früher in Wiener Neustadt und mittlerweile in Warth ansässigen Imkerschule. Basierend auf den Erfahrungen, die er bei einem deutschen Großimker sammelte, baute er seine ersten eigenen Bienenbeuten. Bis zu 35 Kilogramm schwer ist so eine Beute. Ein Bienenvolk kann im Sommer auf bis zu fünf Beuten anwachsen. Mittlerweile stecken Schwarz’ dreißig Bienenvölker in neuen, etwas kleineren Beuten. Sie sind rund zehn Kilo leichter, was die Handhabung enorm 22

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Gottfried Schwarz betreibt Wanderimkerei, das heißt, die Bienen übersiedeln je nach Jahreszeit. Dazu sagt er: „Ich muss mindestens fünf Kilometer von zuhause entfernt sein, weil die Bienen sonst dorthin zurückfliegen“

vereinfacht. Da Schwarz eine Wanderimkerei betreibt, kommt das besonders zu tragen: Die Bienen übersiedeln je nach Jahreszeit zu den gerade verfügbaren Futterquellen. Nur tun sie das nicht selber, sondern die Bienenbeuten müssen zu den diversen Standorten rund um Bad Erlach transportiert werden. Selbst wenn das eine gewisse Schlepperei mit sich bringt, genießt er es nach wie vor, die etwas entlegeneren Ecken der Buckligen Welt aufzusuchen und in der freien Natur unterwegs zu sein. Die Platzwahl will dabei wohl überlegt sein: „Ich muss mindestens fünf Kilometer von zuhause entfernt sein, weil die Bienen sonst dorthin zurückfliegen. Auch sollten die Bienenbeuten möglichst nah an der Hauptertragsquelle stehen. Bereits bei ­ 500 Metern Distanz zu dieser wird die halbe Ernte als Flugtreibstoff verbraucht.“ Mit der Wahl des Aufstellungsorts lässt sich auch die Art des Honigs beeinflussen, den die Bienen produzieren. Schwarz stellt vor allem Blüten- und Waldhonig her. „Für den Blütenhonig


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Imker Gottfried Schwarz erklärt uns die Grundlagen der Imkerei. Mehr dazu lässt sich in der Imkerschule Warth erlernen

Imkerei Gottfried Schwarz Stadlstraße 14, 2822 Bad Erlach T: 0664 932 46 16 oder 02627 484 97 www.imkerei-schwarz.at

sammeln die Bienen Nektar von unterschiedlichen Pflanzen. Beim Waldhonig vor allem Honigtau von Nadelbäumen. Dadurch schmeckt er auch würziger“, sagt Schwarz über seinen dunklen, bernsteinfarbenen Favoriten. Als Imker ist er natürlich auch mit dem Thema Bienen­ sterben befasst. Der Kampf gegen die Varroamilbe ist mittlerweile fester Bestandteil der Arbeit. Der Parasit hat aber auch einen überraschenden Nebeneffekt, wie Anna Ressler, Kurskoordinatorin der Imkerschule Warth, erklärt: „Aufgrund der medialen Aufmerksamkeit haben wir in den letzten Jahren einen regelrechten Hype gehabt. Viele Menschen wollen berechtigterweise die Bienen retten und lassen sich zu Imkern ausbilden. Die meisten bleiben dann auch dabei, weil es einfach eine schöne Erfahrung ist, mit den Bienen draußen in der Natur zu sein.“ Dank der Imkereischule und Gottfried Schwarz ist also sichergestellt, dass „Milch und Honig“ in der Buckligen Welt weiterhin fließen. |

Der Honig ist ab Hof, in der Bäckerei Woltron in Bad Erlach (www.bäckerei-woltron.at) und in den Merkur-Märkten in Wiener Neustadt erhältlich. Wer sich für das Kursangebot der Imkerschule Warth interessiert, wird hier fündig: Fachschule Warth, Aichhof 1, 2831 Warth T: 02629 22 22 21 oder 0650 922 22 21 www.lfs-warth.ac.at Essen: Schmankerlheuriger Breitsching Wiener Neustädter Straße 5 2822 Bad Erlach, T: 0676 963 36 76 www.facebook.com/schmankerl heurigerbreitsching

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E n t d e c k d i e B u c k l i g e W e lt

Wie ich Pitten sehe Joshua KÖB

Im Rosengarten Pitten zeigen Schilder auf rostigen Guss­ eisenformen Gästen, wo welche Rosen blühen. Früher wurden diese Formen auf Friedhöfen zur Gräbereintei­ lung verwendet. So wusste man, wer wo und in welcher Reihe bestattet liegt. Diese Objekte hat der ehemalige Kunstschlosser Erich Göschl viele Jahre lang gesammelt. 32 Jahre lang betrieb er eine Schlosserei im Ort. Noch kurz vor seiner Pensionierung fertigte er für die Olympischen Spiele in Turin Türen und Fenster an. Und natürlich gibt es auch heute in der Werkstatt immer wieder etwas zu tun. Mit seiner Frau Malu hegt und pflegt Erich Göschl außerdem Teile des historischen Pittens. Das zeigt sich nirgendwo besser als im Rosengarten mit seinen 2.600 Rosenstöcken. „Das sind zwischen 8.000 und 9.000 Blüten“, erklärt er. Der zweitgrößte Rosengarten Niederösterreichs wurde 2008 eröffnet. Seither kümmert sich Malu Göschl um die Blumen. Erich hat die Beete mit Flacheisen-Einfassungen ausgestattet. Seit seiner Pensionie­ rung vor neun Jahren und einer Ausbildung zum Kirchenführer zeigt er Gästen auch die schönsten Plätze Pittens. „Das mach’ ich halt so“, meint er. „Und es macht mir Spaß.“ Hauptattraktion ist die berühmte Felsenkirche, durch die Göschl führt, wie es in der „Herbstreise“ auf Seite 6 und folgenden dieses Magazins beschrieben wird. Pfarrhof und Rosengarten sind weitere Höhepunkte der Führung. Über den im Jahr 1652 errichteten und 1728 barocki­ sierten Bau weiß Göschl neben vielem anderen zu berichten, dass das Gebäude ursprünglich auf Holzpfählen stand. Die Ge­ gend um den Pfarrhof lag nämlich im Sumpfgebiet der mäan­ drierenden Pitten. Schon vor 3.500 Jahren siedelten Menschen im Gebiet dieses Flusses. Doch erst im zwanzigsten Jahrhundert 24

Der ehemalige Schlosser Erich Göschl führt Gäste durch den Ort und seine Kirchen. Auf sehr persönliche Weise verbindet er historische Wahrheit, Legenden und Anekdoten

Beschaulich nächtigen lässt es sich in den Thermengemeinden, etwa in Schwarzau: Gästezimmer Gerlinde Gerlinde Wolf, Erlacher Straße 153 2625 Schwarzau am Steinfeld T: 02627 834 00 oder 0676 477 41 02 www.gaestezimmer-gerlinde.at Bucklige Welt Shop Frau Malu Göschl Wiener Neustädter Straße 370 2823 Pitten


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P o r t r ä t Z UR H E R B STR E IS E

Blick auf die Bergkirche der Marktgemeinde P ­ itten. Die Felsenkirche, ein Höhle mit Fresko, liegt gleich daneben

Erich Göschl vor einem alten Fresko in der Felsenkirche von Pitten

wurde die Regulierung der Pitten abgeschlossen. So gehörten häufige Überflutungen zur bewegten Geschichte des Marktes. Vom alten Gemeindehaus Richtung Bad Erlach kommt man nicht nur an der ehemaligen Schlosserei Göschl, sondern auch am Bucklige-Welt-Shop vorbei. In diesem Hausladen verkauft Malu Göschl seit sechs Jahren Geschenkkörbe mit Originalprodukten aus der Region. Zum jährlichen Herbstauftakt bastelt sie extra zehn „Schnidahähne“. Die mit Bändern geschmückten Figuren aus Stroh gehen auf einen alten Volksbrauch zurück. Wenn die Schnitter seinerzeit mit der Arbeit fertig waren, gab es neben dem Lohn noch einen Hahn obendrein und ein ordent­ liches Fest dazu. Heute lässt man die Tradition vor allem in kuli­ narische Hinsicht wieder aufleben, beim alljährlichen Schman­ kerl-Festreigen von Juni bis Oktober, genannt „Schnidahahn“. Man hört Erich Göschl gern zu, wenn er über die Geschich­ te des Orts spricht. Mit seinen Anekdoten regt er auch immer wieder zum Schmunzeln an. „Ich will nicht einfach nur vom Buch ablesen. Es soll aus mir und meinem Wissen kommen, was ich erzähle. Ist es nicht schön, wenn man irgendwo fremd ist und von einem Einheimischen auf seine Weise die Bedeu­ tung der Orte erfährt?“ Dem kann man nur beipflichten. Wenn Göschl beispielsweise vor der Gedenksäule Wolfgang Teufels die Geschichte der vierjährigen Verteidigung des Orts gegen den Ungarnkönig Matthias Corvinus vorträgt, weiß er gekonnt Geschichte und Legende zu verschmelzen und mit einer scherz­ haften Wendung zu schließen. Vom damaligen Geschehen legt auch ein kleiner Corvinus­ Becher Zeugnis ab. Er befindet sich heute im neuen Gemein­ demuseum. Dieses wird nächstes Jahr anlässlich der Niederös­ terreichischen Landesausstellung 2019 vorab eröffnet. Zu sehen sind dann auch die Pittener Schenkungsurkunde, bronzezeitli­ che Grabinhalte wie ein 3.500 Jahre altes Kupferdiadem sowie die Erwähnung in der mittelalterlichen „Nibelungenklage“. Erich Göschl wird sich auf die neue Herausforderung vorbereiten: Im Herbst beginnt er eine Museumskurator-Ausbildung des Landes Niederösterreich. Hoffentlich vergisst er danach nicht auf seine humorvoll-­persönlichen Anekdoten. | 25


E n t d e c k d i e B u c k l i g e W e lt

Fahrt über Kontinente

Eine bewegte Vorgeschichte hatte dieses silberne Kettenblatt am schwarzen Lederband nicht. Bis es an Sandra Simons (heute: Jerards) Hals kam. Seither hat es als ständiger Begleiter auf ihren Reisen Kontinente hinter sich gebracht und mehr Kilometer bewältigt als viele Fahrradketten der Welt. Begonnen hat es in Sandras Heimatgemeinde Krumbach: „Seit Jahren gibt es bei uns den Mountainbike-Marathon. Mit 15 habe ich gedacht, da fahre ich einfach mit. Mit dem Mountainbike von meinem Papa, das mir um Welten zu groß war, bin ich trainieren gefahren. Wie mir diese Idee gekommen ist, weiß ich eigentlich bis heute nicht“, sagt sie mit einem Schmunzeln. Den Marathon beendet sie so erfolgreich, dass ein Lehrer am Bundesrealgymnasium Wiener Neustadt auf sie aufmerksam wird. Und schon kurz darauf beginnt sie ihre Karriere als Profi-Sportlerin. „Von 1998 bis 2003 bin ich Cross-Country gefahren. Nach einer verpatzten Saison habe ich die Olympia-Qualifikation verpasst. Ein bisschen frustriert vom Leistungssport war mir klar, da muss was Neues her.“ Noch im Training für die Saison 2004, hört sie von der Tour d’Afrique. Nach nur sechs Wochen Vorbereitung steht sie mit einer Handvoll Gleichgesinnter am Start in Kairo, knapp vier Monate später als Gesamtsiegerin in Kapstadt. „Ich habe mir damals nicht viele Gedanken darüber gemacht und keine Ahnung gehabt, durch welche Länder die Strecke führt, geschweige davon, was da auf mich zukommt. Heute würde ich mir das sicher länger überlegen.“ Denn die Strapazen enden nicht, wenn man dann abends vom Rad absteigt. Statt Hotelzimmer und Gourmet-Buffet erwarteten die Mitfahrenden magere Kost und eine weitere Nacht im Zelt. Etwas, das Sandra erst allmählich zu schätzen lernt. Und zwar so sehr, dass sie auch noch das Silk-Route-Race von Istanbul nach Peking und 26

Sandra Jerard hat die Welt gesehen – nicht nur die Bucklige. Auch wenn sie dort draußen auch hauptsächlich über Buckel gefahren ist

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die V ­ uelta Sudamericana von Rio nach Quito mitmacht. Manche mögen das Schwierige wirklich gern. „Auf der Tour d‘Afrique habe ich erfahren, dass der Wettbewerb auf so einer langen Strecke in den Hintergrund rückt. Bei den anderen Touren ist es mir dann schon mehr ums Reisen gegangen: immer wieder stehen bleiben und Fotos machen, Land und Menschen kennenlernen.“ Von den insgesamt rund 40.000 Kilometern hat sie unzählige Geschichten und Erfahrungen nach Lanzenkirchen mitgebracht. Und ihren Ehemann Duncan. Sie lernt ihn beim SeidenstraßenRennen kennen. Von dort führt ihr gemeinsamer Weg einmal quer durch Südamerika über Duncans Heimat Neuseeland in die Bucklige Welt. Mittlerweile leben die beiden seit einem Jahr hier. Wer so viel unterwegs ist, entwickelt dann auch einen eigenen Blick auf Begriffe wie Heimat und Zuhause: „Duncan lebt seit 17 Jahren nicht mehr in seinem Geburtsland. Von ihm habe ich gelernt, dass man sich überall zuhause fühlen kann. Zuhause ist


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Mehr über Sandra Jerards bewegtes Leben erfährt man in ihren Büchern:

man bei den Menschen, die man gern hat. Ich weiß aber auch, dass ich die Verbundenheit mit Österreich und mit der Buckligen Welt nicht verlieren werde. Ich brauche einfach die Möglichkeit, jederzeit zurückkommen zu können.“ Fernweh und Abenteuerlust sind noch immer nicht verschwunden, finden ihre Verwirklichung aber mittlerweile auch in anderen Bahnen. Verantwortlich dafür sind Sandras Tätigkeit als Psychologin in der Jungenbetreuung und ihr Sohn Lionel. Mit gerade einmal zwei Jahren ist er noch zu klein für ausgedehnte Touren auf steinigem Geläuf. Der Kampf gegen die Sesshaftwerdung ist aber nicht aufgegeben, sondern nur vertagt. Die nächsten Nadelstiche sind bereits in Planung: Ein Wohnwagen soll her. Natürlich ist auch ein Fahrradtrip in Vorbereitung. Diesmal aber ganz zivilisiert auf dem EuroVelo, dessen Teilstrecke in den Wiener Alpen zu neunzig Prozent durch die Bucklige Welt führt. Das ist weniger strapaziös als eine Andenüberquerung und auch mit dem Junior im Fahrradanhänger zu bewältigen. |

„Rad um Rad, Zahn um Zahn – Die Anfänge als Rennfahrerin“ „Tour d‘Afrique – Zwischen Härte und Herz“ „Seidenstraße – Zwischen Magie und Wirklichkeit“

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© Wiener Alpen / Thomas Bartl

© Franz Zwickl

E n t d e c k d i e B u c k l i g e W e lt

„Ich habe mir damals nicht viele Gedanken darüber gemacht, durch welche Länder die Strecke führt“ „Ich weiß, dass ich die Verbundenheit mit der Buckligen Welt nicht verlieren werde“

Streckentipps für Radsportler

Bike the Bugles

Rosalien-Tour

Er führt von Danzig nach Pula. Seine Strecke durch die Wiener Alpen beginnt am Bahnhof in Wiener Neustadt, verläuft über Katzelsdorf und Lanzenkirchen nach Bad Erlach, zur Therme Linsberg Asia und entlang der Hügelkette der Rosalia nach Walpersbach. Danach von Pitten über Scheiblingkirchen und Warth nach Grimmenstein, bis Aspang und hinauf nach Mönichkirchen am Wechsel.

Sandra Jerard empfiehlt für alle MountainbikeBegeisterten den Austragungsort des Mountainbike-Marathon-Klassikers „Bike the Bugles“. Die Route führt von Krumbach hinauf über den Kühriegl, Ransdorf, Purgstall und Tiefenbach zurück nach Krumbach. Wer aber nicht gleich die kompletten 70 Kilometer abspulen möchte, kann auch nur einzelne Etappen der Strecke in Angriff nehmen. Dass die Region auch „Land der tausend Hügel“ heißt, lässt sich bei den wurzeligen und technisch anspruchsvollen Pfaden um den Hutwisch hautnah erleben. Traumhaftes Panorama und rasante Abfahrten gehören da genauso dazu wie die knackigen Anstiege und brennenden Oberschenkel.

Eine der beliebtesten Routen im Rosaliengebirge verläuft von Lanzenkirchen über Mittereck nach Ofenbach. Vom ehemaligen Hotel Sonnblick führt sie durch den Süßenbrunner Wald direkt auf den Kamm des Rosaliengebirges. Nur wenige Passagen sind wirklich steil und anspruchsvoll und lenken von der Ruhe und Abgeschiedenheit der Wegführung ab. Zwischendurch lässt sich sogar noch ein Blick auf den Sonnblick erhaschen, bevor man über die gemütliche Abfahrt durch den Großen Kaiserwald ins Ofenbachtal gelangt. Beim Rastplatz vor dem dortigen Bergkircherl lässt sich auch ein kleiner Zwischenstopp einlegen, bevor die Schlussetappe auf der Frohsdorfer Hauptstraße die Runde komplettiert.

www.wieneralpen.at/eurovelo9

www.wieneralpen.at/bike-the-bugles-strecke

www.wieneralpen.at/rosalien-tour

EuroVelo 9

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Weltklima

© Alois M. Holzer

A l o i s M . H o l ze r

Alois M. Holzer, Meteorologe beim ORF, über das Wetter in der Buckligen Welt

Die schönste Jahreszeit

Die Hügel machen das Radfahren für die Beine nicht einfach, dafür aber gibt es viele aussichtsreiche Momente für die Augen und das Gemüt

Wiener-Alpen-Tour Die Bucklige Welt ist ein sehr abwechslungsreiches Rennradrevier und punktet mit ihrer verkehrsgünstigen Situation. Ein besonderes Highlight ist die bei der Kirche in Bad Schönau beginnende Wiener-Alpen-Tour. Verläuft die Strecke anfangs noch ruhig und sanft, wird die Fahrt am Wechsel hinauf zum Semmering steil und anspruchsvoll. Via Gloggnitz und Neunkirchen geht es zurück in die Bucklige Welt zum Ausgangspunkt. Dazwischen liegen knapp 5 ½ Stunden Fahrzeit und 142 mit fast 2.700 Höhenmetern gespickte Streckenkilometer. Die anspruchsvolle Tour belohnt mit einer Fülle an traumhaften Ausblicken. www.wieneralpen.at/rennradtour-durchdie-wiener-alpen

Einkehren im zertifizierten „Bike & Bett Betrieb“ Grandhotel Niederösterreichischer Hof Wiener Neustädter Straße 76 2821 Lanzenkirchen, T: 02627 458 10 noehof.at Weitere „Bike & Bett Betriebe“: www.wieneralpen.at / bett-bike

Ja, doch! Wer in einer Blechdose auf Rädern von Wien oder Graz Richtung Bucklige Welt und Wiener Alpen unterwegs ist, merkt es oft: Je kürzer die Tage werden, desto mehr Sonne gibt es im „Land der tausend Hügel“. Da tönt der Wetterbericht von zähem Nebel über dem Flachland und genau an solchen Tagen – oft sind es zum Leidwesen der Städter ganze Wochen – behauptet sich in der Buckligen Welt und in den Wiener Alpen überraschend oft die Sonne. Das hat natürlich seinen Grund in dieser speziellen Landschaft. Die vielen Hügel und kleinen Täler schaffen es: Berghänge, die von der tief stehenden Sonne im passenden Winkel erwärmt werden können. Der folgende, hauchzarte Aufwind führt zu einer Durchmischung der Talluft. Sogar die nächtlichen, sanften Bergwindbrisen putzen in den höher gelegenen Tälern immer wieder den Himmel frei. So wird der Nebel zumindest für einige Zeit ins Flachland ­hinausgedrängt. Da kommen Momente, die ich sehr genieße. Etwa wenn bei einer Spätherbstwanderung die letzten Weißdornfrüchte wie Mini-Äpfelchen in ihrem schönsten Rot der Sonne entgegenleuchten. Der AlpannoniaWeitwanderweg verläuft im Abschnitt von Mönichkirchen über den Waldbauernriegel bis zum Hutwisch an einigen dieser knorrigen und betagten Weißdornbäume vorbei. Weil es doch früh finster wird, bleibt genug Zeit für eine Rast beim Mostheurigen. Auf dem Heimweg glitzert vielleicht schon nächtlicher Raureif – aber dazu ein ­andermal. 29


E n t d e c k d i e B u c k l i g e W e lt

Mostbäuerin aus Leidenschaft

So eine Obstpresse leistet Gewaltiges: An die tausend Kilogramm Obst schafft das Gerät in der Stunde. Die Äpfel gelangen zuerst in ein Wasserbad, in dem sie gewaschen werden. Danach werden sie in einer Schnecke nach oben befördert, nochmals abgespült und in einer sogenannten Retzmühle gemahlen. Durch die Dosierung des Trichters fällt die Maische in die Presse und wird zwischen Tuch und Walzen ausgepresst. Kerngehäuse und Fruchtfleisch nutzen Jäger zur Rehfütterung oder aber sie werden kompostiert. Der Saft wird zu Most oder Apfelsaft weiterverarbeitet. Und darauf freut sich Sabine Ungerböck schon jedes Jahr aufs Neue. Die Mostbäuerin aus Krumbach Ödhöfen bei Bad Schönau wartet schon darauf, dass der Herbst ins Land zieht und die Obstpresse in Betrieb geht. Sie hofft dann, dass genügend Äpfel in der Umgebung wachsen. Diese bringt sie zur Mostpresse. Am nächsten Tag wird abgefüllt. Das geht sechs bis sieben Wochen so. Dabei gilt es, einen bestimmten Arbeitsrhythmus einzuhalten, da sonst die Mühlen stillstehen. Trotzdem nimmt sie sich genügend Zeit für Menschen, die ihre Äpfel bringen und den Saft mitnehmen. Freizeit ist für Ungerböck ohnehin kein Thema. Und wenn sie wirklich Zeit für sich braucht, so nimmt sie sich diese einfach. „Das entscheide ich kurzfristig. Meine Arbeit nimmt mir ohnehin keiner ab.“ Sie betreibt auch einen Mostheurigen, der siebenmal im Jahr an acht aufeinanderfolgenden Tagen geöffnet hat. Das bedeutet, Mehlspeisen backen, Braten in den Ofen schieben und Erdäpfel aufstellen, damit zu Mittag alles fertig für die Gäste ist. Es stört sie auch nicht, dass man nie so recht weiß, was der Tag so alles bringt. Seelische Unterstützung geben ihr dabei ihre Kinder: „Die sind immer bei uns, wenn sie nicht gerade in der Schule sitzen 30

Sabine Ungerböck ist Bäuerin und damit gewohnt, mit der Natur zu leben. Auch wenn die es einmal krachen lässt, bleibt Ungerböck optimistisch in ihrem Naturparadies

© Franz Zwickl

Dieter Hönig


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Herbst 2017

– und das ist schön so!“ Der Entschluss, Mostbäuerin zu werden, ist bei Sabine Ungerböck schon in frühester Kindheit gereift: „In unserem Familienbetrieb wurde schon immer Most verarbeitet. Mein Vater hat in den 1980er Jahren mit der Direktvermarktung, dem ersten Bauernmarkt in Krumbach, angefangen. Der Most ist in Flaschen abgefüllt worden, was immer eine tolle Abwechslung für uns Kinder war.“ Ihr Vater habe es verstanden, sie gleich nach der Schule in den Betrieb einzubinden. Zum Mostbetrieb kam ab 1995 auch der bei Einheimischen wie bei Gästen beliebte Heurigenbetrieb dazu. „Es war eine reizvolle Aufgabe für uns alle, zu dem jeder seinen Teil beitragen konnte.“ Die wunderbare Landschaft der Buckligen Welt spielt für Sabine Ungerböck erst in letzter Zeit eine Rolle. Etwa wenn sie durch die Felder und den Wald spaziert und dabei Erholung genießt, wohl wissend, was noch alles zu tun ist. „Keiner hat es in seiner Mittagspause so schön. Man sitzt auf der Veranda und hört den Vögeln beim Singen zu. Ich bin ein positiv denkender Mensch, ich sehe immer zuerst das Schöne.“ Jüngst wurde ihr Betrieb von schweren Unwettern heimgesucht. Ein heftiger Sturm deckte der Halle das Eternit ab und riss auf anderen Dächern etliche Ziegel herunter. Die Ziegel konnte die Familie selbst wieder herrichten, für die Halle musste ein Dachdecker kommen. Der Schaden an den Obstbäumen hingegen lässt sich erst im Winter beheben. Ungerböck hofft, dass die Äpfel noch rechtzeitig reifen. Sie befürchtet auch, dass alle beschädigten Bäume neu zu pflanzen sind. „Wir wollen den Herbst abwarten und dann sehen, welcher es überlebt hat. Der Wald ist auch noch zu bearbeiten, vor allem die Fichten, da bei ihnen die Gefahr des Borkenkäferbefalls besteht.“ Sabine Ungerböck bleibt dennoch optimistisch. Derartige Rückschläge können die Bäuerin nicht erschüttern und sie ist froh, dass keines ihrer Tiere zu Schaden gekommen ist. „Unsere Kälber und der Ochse können es sich aussuchen, ob sie drinnen oder draußen schlafen. Beim Unwetter waren sie zum Glück draußen und haben unter den Bäumen friedlich geschlafen. Denn hätte der Sturm das Stalltor ausgehängt, so wäre das Vieh wahrscheinlich auf und davon. Auch wenn das Land noch so schön ist, es wäre nicht lustig gewesen, sie in der Buckligen Welt zu suchen.“ | Heurigenbetrieb „Stegbauer” von Sabine Ungerböck Ödhöfen Berg 120, 2853 Bad Schönau T: 02646 83 01 www.mostwirtshaus.at Most-Taufe: 20. 1 . 2018 Heurigentermine: 29. 1 1. 2017 bis 6.12. 2017 17. 1 . 2018 bis 24. 1 . 2018 21. 3. 2018 bis 28.3. 2018 2. 5. 2018 bis 9. 5. 2018 6. 6. 2018 bis 13. 6. 2018 11. 7. 2018 bis 18. 7. 2018 29. 8. 2018 bis 5. 9. 2018 28. 1 1. 2018 bis 5. 12. 2018

„Keiner hat es in seiner Mittagspause so schön. Man sitzt auf der Veranda und hört den Vögeln beim Singen zu“ 31


E n t d e c k d i e B u c k l i g e W e lt

Rambo liegt gern in der Suhle

Am Ortsrand von Katzelsdorf beginnt Rambos Reich. Seit gut eineinhalb Jahren regiert der stämmige Duroc-Eber unter freiem Himmel über seine drei Schwäbisch-Hällisch-Sauen. Duroc-Schweine stammen aus den USA. Sie sind für das besonders schön marmorierte Fleisch bekannt. Darum werden sie gern für die Zucht eingesetzt. Neben den drei Sauen herrscht der gutmütige Rambo über 13 Mastschweine, seine Söhne und Töchter. Sein Paradies hat der 270 Kilogramm schwere Eber einem jungen Mann zu verdanken. Dem Heurigenwirt, Weinbauer und Landwirt Lukas Döller. Für seine 22 Jahre hat er schon vieles erreicht. Seit mittlerweile dreieinhalb Jahren führt er die Landwirtschaft in Katzelsdorf. Vater Helmut kümmert sich um das etwa sechs Kilometer entfernt liegende, sieben Hektar große Weingut in Pöttsching. Weinbau hat bereits seit drei Generationen Tradition. Den Heurigen in Katzelsdorf erwarb die Familie im Jahr 1992. Eigentlich haben die Döllers genug zu tun. Doch das mit den Schweinen wollte Lukas einfach einmal ausprobieren. „Mein Großvater hat vor vierzig Jahren schon Zuchtschweine gehalten. Vielleicht kommt die Verbundenheit mit den Schweinen von da her“, meint er. Angeeignet hat er sich das Wissen durch intensive Beschäftigung. Er las Bücher, sprach mit anderen Zuchtbetreibern und sammelte Informationen im Internet. Ganz sicher war und ist sich der junge Mann hingegen in einem Punkt: „Ich möchte wissen, wo mein Produkt herkommt.“ Das Tierwohl steht dabei im Vordergrund. Darum auch das Freilaufgehege und die natürlichen Methoden. „Damit sich die Viecher wohlfühlen. Sie können frei entscheiden, wo sie liegen wollen. In der Suhle oder im Schatten.“ Die Arbeit hat sich ausgezahlt. Den Tieren geht es sichtlich gut 32

Obwohl die Schweine gern im Dreck liegen, stinkt das Gehege nicht, sondern riecht nur nach Tier Lukas Döller im Weingarten, den sein Vater Hemut Döller bewirtschaftet

in ihrem Heim. Ganz besonders lieben sie ihre Erfrischungsdusche. Nur Rambo liegt nach der Morgenwäsche meist den ganzen Tag in der Suhle. „Er steht nur zum Fressen auf – und zum Schauen, ob bei seinen Frauen alles passt“, erzählt Lukas Döller lachend. Kommt Nachwuchs, werden die Sauen zum Abferkeln abgesondert und in direkter Nähe des Heurigen gehalten. Ein paar Meter vom letzten Tisch entfernt steht das geräumige ­Gehege. Dort liegt Sau Berta grunzend unter einem gezimmerten Holzverschlag in der Sonne. Sie ruht sich wohl vom Essen aus. Wenn dieser Text erscheinen wird, hat sie fünf bis acht Ferkel zur Welt gebracht. Zweimal im Jahr bekommen die Sauen Junge. Die Kreuzungen aus Duroc-Eber und Schwäbisch-Hällisch-Sauen sind widerstandsfähig und pflegeleicht. Erst probierte es der junge Döller auch mit Mangalitzas – mittlerweile wieder recht bekannte Wollschweine. Sie schienen ihm aber nicht die Hellsten zu sein. So fand er die ideale Rasse im Schwäbisch-­Hällischen

© Franz Zwickl (3)

JOSHUA KÖB


P O RTR Ä T z u r he r bs t r e i se

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Der Jungbauer und -winzer Lukas Döller folgt einem Trend: Immer mehr Menschen wollen wissen, woher ihr Essen stammt. Er selbst auch. Und hat sich wie einst sein Großvater neben Landwirtschaft und Heurigenbetrieb Schweine zur Zucht angeschafft

Landschwein. Diese Schweine wachsen schneller, geben besseres Fleisch und sind braver. Sobald die Jungtiere etwa 1­ 20 Kilogramm schwer sind, werden sie im Ort geschlachtet und zu Salami, Speck, Leberpasteten, Grammelschmalz und anderen Schmankerln verarbeitet. Auf das Frischfleisch freut sich bereits eine ganze Kundenliste. Der erste Prosciutto ist gerade in Reife. Das Futter der Schweine kommt vom eigenen Feld. Nahe dem Gehege befindet sich auch ein Brunnen. „Soll ja ein Kreislauf sein, alles!“, so der umtriebige Jungbauer. Ob es die frische Luft oder einfach das große Gehege ist, eines erstaunt doch sehr: Rund um das Schweinereich lässt es sich gut aushalten. Natürlich riecht es nach Tier, doch Gestank herrscht hier keiner. Den Kindern aus der Umgebung würden die Schweine wohl auch gefallen, wenn der Geruch etwas strenger wäre. Sie kommen oft zum Gehege. Es erweist sich als wahrer Magnet. Auch beim alljährlichen Ferienspiel in Katzelsdorf. Am zweithäufigsten kamen die Kinder auf Besuch zu Luki und den Schweinen. |

Die Schweine werden in Katzelsdorf geschlachtet, die Produkte sind hausgemacht: Schmalz, Grammelschmalz, Leberpastete, Leberpastete mit Preiselbeeren, Rohwürste, Salami, Selchspeck würzig, Lardospeck, Schinkenspeck, Luftgetrocknetes vom Schopf, Luft­getrocknetes vom Karree Weinbau Döller Helmut & Lukas Döller Eichbüchler Straße 43 2801 Katzelsdorf T: 02622 784 05 weinbau-doeller.at Übernachten im Kupferdachl Familie Görg, Eichbüchl 23, 2801 Katzelsdorf, T: 02622 782 36 www.kupfer-dachl.at

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© Karin Wasner (3)

Die Frauen der Freiwilligen Feuerwehr

Einsatz für die Gemeinschaft K arin Wasner

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Wärmebildkameras sind aus dem Feuerwehreinsatz nicht mehr wegzudenken. Sie wan­ deln Wärmestrahlung, die Ob­ jekte oder Personen abgeben, in ein sichtbares Bild um. Damit werden vermisste Personen im Schnitt um achtzig Prozent schneller gefunden als ohne ihren Einsatz.

FF Brunn an der Pitten: lange nicht bewertet „Wenn alles voller Rauch ist, ist die Kamera ein Segen.“ Claudia Gregor weiß, wovon sie spricht. Als Oberverwaltungsmeiste­ rin der Freiwilligen Feuerwehr Brunn an der Pitten hat sie vor Jahren ihre Atemschutzausbildung absolviert. „Mit der Kamera hat man auch mit der Atemschutzmaske ein klares Bild.“ Die Feuerwehr arbeitet mit der Kamera bei der Suche von Personen in stark verrauchten Räumen oder in weitläufigem Gelände bei Dunkelheit. Und sie erleichtert das Aufspüren von Glutnestern bei Bränden. Eines der letzten Feuer, zu dem Claudia Gregor gerufen wur­ de, ist ihr noch gut im Gedächtnis. Gegen vier Uhr Früh heulen die Sirenen. Ein Wohnhaus in Brunn an der Pitten brennt. Der Feuerschein ist von Weitem sichtbar. Ein von den Flammen er­ hellter Nachthimmel weist den aus der umliegenden Gegend an­ rückenden Einsatzkräften den Weg. Sechs Feuerwehren ­treffen am Brandort in der Bauerngasse ein. „Zum Glück war der Hausbesitzer schon in Sicherheit. Das Wohnhaus, Nebengebäude und die Garage brannten leider schon lichterloh“, erzählt Gregor. Es galt vor allem den Brand­ übergriff auf umliegende Gebäude zu verhindern. Die Freiwilli­ gen Feuerwehren von Brunn an der Pitten, Bad Erlach, Walpers­ bach, Klingfurth, Pitten und Schwarzau waren mit insgesamt 75 Personen und 14 Fahrzeugen an den Löscharbeiten beteiligt. „Die Rauchentwicklung war so stark, dass wir nur mit schwerem Atemschutz arbeiten konnten.“ Auch Wärmebild­ kameras wurden eingesetzt, vor allem um bei den Nachlöschar­ beiten die immer wieder aufflammenden Glutnester in den Brandruinen zu entdecken. „Nach so einem Einsatz ist man froh, wenn hinterher alle wieder gesund im Auto sitzen“, sagt Gregor. Derzeit sind bei Niederösterreichs Feuerwehren 6.500 Frauen im aktiven Dienst. Einst eine Männerdomäne, haben heute Frauen ihren fixen Platz. „Wir sollten hier mit den Männern gemeinsam sitzen!“, beschwert sich Claudia Gregor beim Gespräch. „Wir sind eine Feuerwehr. Wir Frauen sind da ja nichts Besonderes.“ Die erste Feuerwehrfrau Österreichs kam 1993 im Burgenland

Claudia Gregor von der Freiwilligen Feuerwehr Brunn an der Pitten Sie wollen die Schnellsten sein: Frauen der ­Freiwilligen Feuerwehr Lembach

zum Dienst, in Niederösterreich 1994. Jährlich nimmt der Anteil der Frauen zu. 956 zusätzliche Frauen und Mädchen waren es 2016. Bei der niederösterreichischen Feuerwehrjugend sind mittlerweile ein Viertel der Jugendlichen Mädchen. „Anfangs war es nur eine Wette mit unseren Männern. Wir wollten ihnen zeigen, dass wir das auch können.“ Die Augen der hübschen Kindergartenbetreuerin Gregor leuchten verschmitzt. „Alle haben uns belächelt. Aber der Kommandant wollte das dann ordentlich machen.“ Ein Jahr Ausbildung absolvierten sie und ihre Freundinnen, bis im Jänner 1998 in Brunn an der Pitten die ersten neun Frauen angelobt wurden. „Wir waren Vorreiterinnen“, blickt Gregor auf die Anfangs­ jahre zurück. Sie und ihre Kameradinnen waren die Ersten, die als reine Frauentruppe bei einem Landesbewerb angetreten sind. Der Juror weigerte sich damals, sie zu bewerten. „Wir sind ein­ fach in Habtacht-Stellung stehen geblieben und haben gewartet. Irgendwann hat sich dann einer erbarmt und uns doch noch 35


© Karin Wasner

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Einsatzübung: Corina Bock (links) von der Freiwilligen Feuerwehr Kleinwolkersdorf und Claudia Gregor, FF Brunn an der Pitten

FF Kleinwolkersdorf: dankbar für Tee „Als Frau hast du nicht hundert Prozent zu geben, sondern zweihundert.“ Corina Bock, eine Kollegin von der benachbarten Freiwilligen Feuerwehr Kleinwolkersdorf, hat anfangs ähnliche Erfahrungen gemacht. Die zierliche Blondine, die in einem Büro in Wien arbeitet, ist seit zwölf Jahren Feuerwehrfrau. „Die kann das doch nicht einmal hochheben!“, habe sie oft gehört. Schon die normale Einsatzuniform mit Helm, Schutzjacke und -hose, Handschuhen und Stiefeln hat ein nicht zu unterschätzendes Gewicht. Und selbst bei einfachen Einsätzen wie kleinen Brän­ den oder ausgelaufenen Stoffen ist ein Atemschutzgerät erfor­ derlich. Allein das wiegt 15 Kilogramm. Je nach Bedarf bedeutet das ein Zusatzgewicht von 25 bis 45 Kilo. „Dann haben aber alle große Augen gemacht, was wir Frauen geschafft haben“, erin­ nert sie sich an ihre Ausbildungszeit. „Jeder hat seine Stärken und Schwächen. Es ist ja auch nicht jeder Mann schwindelfrei und ein Schwarzenegger.“ Corinas härtester Dienst war ein Hochwassereinsatz. Ein besorgter Anrainer hatte nach einem massiven Platzregen in der 36

© Karin Wasner

bewertet.“ Heute lacht sie über die anfänglichen Schwierigkeiten und die dummen Sprüche. „Oft musst du halt auch einen Spruch parat haben.“ Darüber macht sie sich kaum Gedanken. „Manch­ mal rennt bei den Männern halt ein anderer Schmäh.“

Melbeerleiten die Feuerwehr alarmiert. „Ich bin aus dem Auto ausgestiegen und die Wassermassen hätten mich fast weggeris­ sen.“ Sonst ein kleines Rinnsal, war der Ofenbach in der Ge­ meinde Lanzenkirchen stark angeschwollen und über die Ufer getreten. „Bis zu den Oberschenkeln reichte mir das Wasser.“ Mit Sand­säcken versuchten die Feuerwehrleute die Wassermassen abzuleiten. Am nächsten Tag gingen die Pump- und Aufräu­ marbeiten weiter, Wohnhäuser und Straßen mussten von den Schlammmassen gereinigt werden. „Meine Uniform war noch komplett nass vom Vortag. Und die Stiefel voll mit Gatsch.“ An ihre Grenzen kam sie auch bei einem Einsatz im Winter 2009. Nach schweren Schneefällen im Bezirk Wiener NeustadtLand wurde sie als Katastrophen-Hilfsdienst angefordert. Dieser Dienst, kurz KHD, wird vom Land organisiert und hilft bei außergewöhnlichen Notlagen, wenn lokale Kräfte nicht mehr ausreichen. „Um 17 Uhr erfährt der Kommandant, wie viele Leute und welche Geräte oder Fahrzeuge benötigt werden. Um 5 Uhr


D o r f l ebe n

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Freiwillige Feuerwehr Brunn/Pitten www.feuerwehr-brunn.at Freiwillige Feuerwehr Kleinwolkersdorf-Lanzenkirchen www.lanzenkirchen.gv.at

Früh geht es los.“ Rohr im Gebirge, eine kleine Gemeinde mitten in den Bergen der Wiener Alpen zwischen Schneeberg und Rax, war komplett eingeschneit. Weil die Schneefälle weiter anhiel­ ten, drohten viele Dächer unter den Schneemassen einzustür­ zen. „Schon auf der Anfahrt wurde der Schnee rechts und links immer mehr“, erinnert sich Corina. Drei Meter lag er bei ihrer Ankunft auf den Häusern. „Ich kämpfe immer ein bisschen mit der Höhe. Es gab keine Geschirre mehr, um sich abzusichern.“ Bis neun Uhr abends stand Corina im Einsatz. „Stundenlang haben wir geschaufelt und die Dächer sind immer rutschiger geworden. Am Abend war ich fix und fertig.“ An so einem Tag bauen Corina vor allem die glücklichen Bewohner auf, die dank der freiwilligen Helfer wieder vor die Türe können. „Die waren so dankbar und haben uns, so gut sie konnten, mit Tee versorgt.“ Corina engagiert sich außerdem als Jugendbetreuerin. Fünf­ undzwanzig Kinder trainiert sie jede Woche, zehn davon sind

Beim Landesfeuerwehrleistungs­ bewerb NÖ 2017 wurde die ­Wettkampfgruppe Lembach Damen Landessieger. www.ff-lembach.at

„Man muss schon einen kleinen Vogel haben, sonst macht man das nicht.“ C o r i n a B o c k , f e u e r weh r f r a u

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Mädchen. 2013 hat sie das 41. Landestreffen der niederösterrei­ chischen Feuerwehrjugend in Klein Wolkersdorf mitorganisiert. „Wenn ich diese Tausenden motivierten jungen Menschen sehe, rennt mir die Ganslhaut auf.“ 5.800 Teilnehmende treffen sich einmal im Jahr an immer anderen Orten. Es gibt Einzel- und Gruppenbewerbe, Staffelläufe, Hindernisrennen, gemeinsame Mahlzeiten und Freizeitgestaltung. „Für die Kinder ist es das absolute Highlight, vier Tage Halligalli! Am Montag danach muss ich mir jedes Mal Urlaub nehmen“, lacht die 32-Jährige. Freiwillige Feuerwehr, das bedeutet vor allem, seine Freizeit der guten Sache zu opfern. Urlaube, die man für Ausbildungen nimmt, zu denen man mit dem Privatauto fährt. Urlaubstage, die man braucht, weil man einen Keller auspumpt oder einen Baum von der Straße entfernt. Wochenenden, die man mit Zeltaufbau, Würstelgrillen und Kuchenverkauf beim Feuerwehrheurigen verbringt. Feierabende, an denen für Jugendbetreuung, Training oder Besprechungen Zeit ist. „Man muss schon einen kleinen Vogel haben, sonst macht man das nicht.“ Und doch strahlt aus Corinas Augen die Begeis­ terung für die Sache. Anderen Menschen zu helfen, füreinander da zu sein, die Gemeinschaft zu leben, all das fällt ihr ein, wenn man nach den Gründen fragt, warum sie das auf sich nimmt. „Der Zusammenhalt in der Mannschaft ist einzigartig.“ Auch abseits des Feuerwehrdienstes verbringt man die Zeit gern ge­ meinsam. Kanufahren, Grillabende, Wanderausflüge. „Wir sind eine große Familie.“ Bei Claudia Gregor ist das wörtlich zu nehmen. Ihr Vater war 15 Jahre Feuerwehrkommandant, ihr Mann Andreas ist es in Brunn an der Pitten seit 2011. Ihre beiden Söhne sind aktive Feuerwehrmänner, ihre Schwester, die Nichten, alle sind dabei. An den Moment, als sie das erste Mal mit ihrem Sohn Bernd auf Einsatz war, kann sie sich noch heute erinnern: „Als ich in Atemschutzmontur mit ihm im Einsatzfahrzeug saß, wurde mir plötzlich mulmig. Du bist immer noch Mutter und denkst in dem Moment nur: Hoffentlich passiert ihm nichts.“ Ihre Söhne sind mit der Feuerwehr aufgewachsen. „Zwei Wochen nach Bernds Geburt bin ich wieder angetreten und habe den Melder gemacht, weil ich noch nicht laufen durfte.“ Für die Bewerter war so etwas 1998 noch völlig neu. Heute sind Frauen auch bei Wettkämpfen selbstverständlich. Vielfach treten reine Damenteams an. Bei den meisten Bewerben gibt es eigene Damenwertungen.

„Klar sind die Geräte extrem schwer und die Arbeit ist körperlich fordernd“ M i c h a e l a K o n l e c h n e r , f e u e r weh r f r a u

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Sie haben es beim Firecup 2017 allen anderen gezeigt: die Frauen der Freiwilligen Feuerwehr Lembach

FF Lembach: für den Firecup qualifiziert Den Frauen der Freiwilligen Feuerwehr Lembach ist dieses Jahr etwas Besonders gelungen: Die reine Damengruppe qualifizierte sich für den Firecup 2017, die Meisterklasse der Bewerbe, zu dem nur die Besten eingeladen werden. „Als allererste Mannschaft aus Lembach haben wir das ge­ schafft!“ Stolz treffen sich Michaela Konlechner, Susanne Schrey und Regina Wedl im schattigen Garten des Gasthauses Stocker zum Gespräch. Sie sind drei von zehn jungen Frauen im Alter zwischen 19 und 31, die aktiv im Feuerwehrdienst stehen und regelmäßig mit einer eigenen Damenmannschaft bei Bewerben antreten. Durchwegs erfolgreich: 2017 wurden sie Landessieger und auch den Firecup holten sie nach Lembach. Das Gasthaus der Kräuterwirtin Gerda Stocker ist für sie das „inoffizielle Dorfzentrum“ des 260-Einwohner-Ortes in der Gemeinde Kirchschlag. Hier trifft man sich nach dem gemein­ samen Training bei hausgemachten Burgern, selbst gemachter Kräuterlimo und dem einen oder anderen Bucklige-Welt Land­ bier. „Wir trainieren einmal die Woche, vor Wettkämpfen auch öfter.“ Beim Firecup gilt es, zwei Disziplinen, Löschangriff und Staffellauf, schnell und fehlerfrei zu absolvieren. Der Weltrekord bis zum „Wasser marsch!“ liegt bei 28,16 Sekunden. Die Lemba­ cherinnen brauchten nur elf Sekunden länger – fehlerfrei. Michaela Konlechner ist Oberverwaltungsmeisterin. Für sie und ihre Schwester Susanne gibt es kein sinnvolleres Hob­ by. „Anderen helfen, sich dabei sportlich betätigen und Teil einer Gemeinschaft sein“, bedeutet der Feuerwehrdienst für die 31-jährige Personalverrechnerin. Ihre Schwester Susanne hat ihren ersten Sohn Florian nach dem Heiligen Florian von Lorch, dem Schutzpatron der Feuerwehr, getauft. Unter der Woche wohnt und arbeitet Michaela in Wien und nimmt doch für die


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© Karin Wasner (2)

D o r f l ebe n

Das Gasthaus der Kräuterwirtin Gerda Stocker ist das „inoffizielle Dorfzentrum“ von Lembach in der Gemeinde Kirchschlag. Hier trifft man sich nach dem gemeinsamen Training

wöchentliche Feuerwehrübung die Fahrt nach Hause auf sich. „Jeder Handgriff, jeder Schritt muss sitzen. Das ist Teamarbeit, da zählt jeder oder jede Einzelne!“ Ein hoher Ausbildungsstand bei der Feuerwehr ist wichtig, um in der Anspannung eines echten Einsatzes die Nerven zu bewahren. Die vielen Leistungs­ abzeichen in den Bereichen Funk, Wasserdienst, Atemschutz, Sprengdienst oder Löscheinsatz, die in Bronze, Silber und Gold bei den Bewerben erworben werden, zeugen vom hohen Stan­ dard bei den freiwilligen Einsatzkräften. „Klar sind die Geräte extrem schwer und die Arbeit ist körperlich fordernd.“ Für Regina, die als Physiotherapeutin in der Steiermark ar­ beitet, mehr Ansporn als Hindernis. Als sie mit 22 im Bewerb um das Funkleistungsabzeichen gegen 700 Mitstreiter antritt, holt sie Tagesbestzeit. „Im Ernstfall dürfen wir keine Fehler machen.“ Und mit „wir“ meint sie alle ihre Kameraden, Frauen wie Männer. „Im Krieg waren nur mehr die Frauen die Feuerwehr. Und was die konnten, können wir auch!“ |

Gasthaus Gerda Stocker Lembach 11 2860 Kirchschlag T: 02646 2288 www.gasthaus-stocker.at Feuerwehrmuseum Lanzenkirchen Karl Zehetner Schloßplatz 2, 2821 Lanzenkirchen T: 0664 183 20 23 Übernachten: Gasthof Mühlendorfer Haderswörth Hauptstraße 186 2821 Lanzenkirchen, T: 02627 456 76 www.muehlendorfer.com

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Bad Schönau im Winter. Zur Adventzeit der ideale Ort, um sich vom Großstadttrubel zu erholen

© Gemeinde Bad Schönau

(mehr dazu ab Seite 42)

Alles Weihnacht, oder was?

Von der Ziege, mit scharf mandls ziegenhof

„Geht’s den Viechern nicht gut, kannst du nichts Gescheites produzieren“, erklärt Antonia Krenn vom Ziegenhof Mandl auf Seite 8. Der Qualität ihrer Ziegenmilchprodukte nach können die Tiere nicht klagen. Schmeckt gut, tut gut. www.ziegenhof.at

Café Konditorei Beiglböck

Lebkuchen und der berühmte Bratapfel in einem. Mehr Weihnachten kann man nicht in den Mund nehmen. Die Café Konditorei Beiglböck begann 1949 mit Schaumrollen und Kokoskuppeln. Heute gibt es auch Eis. www.beiglboeck.at

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Blütenhonig, cremig und zart

Dark Strong Ale Starkbier

Got tfried Schwarz Honig

Schwarzbr äu

Der Imker, der kein eigenes Räuchergerät besitzt, wie Gottfried Schwarz auf Seite 22 verrät. Wo er seinen Honig herstellt, erfährt man dort. Und natürlich auch seine Lieblingshonigsorte.

Gerald Schwarz führt persönlich ­ urch seine Brauerei. Er hat damit d vor sieben Jahren begonnen, wie man auf Seite 42 und folgenden erfahren kann. Zur Weihnachtszeit gibt es bei ihm Starkbier und Bock.

www.imkerei-schwarz.at

www.schwarzbraeu.at

© Viktoria Koll (4), Mandls Ziegenhof, Audivision

Lebkuchen mit Apfelfülle


P RODUKT E D E R R E GION

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Lebenswelt

Bucklige Welt Kalender 2018

Kletzenbrot macht Wangen rot

Audiovision

Bäckerei Breitsching

Um nicht zu vergessen, wie schön die Welt vor den Toren Wiens sein kann, hängt man sich am besten diese Bilderinnerung an die Bucklige Welt an die Wand. Bringt Stimmung in die Wohnung.

… sagt der Volksmund. Und beißt in die Backwaren der Bäckerei, die seit 1905 in Scheiblingkirchen und Seebenstein nicht nur zur Weihnachtszeit die Kundschaft mit ihrem Gebäck verwöhnt.

www.audiovision.at

www.breitsching.at

Mehr Produkte findet man auf den Adventmärkten in der Buckligen Welt

Die Adressen zu den Produkten der Region Café Konditorei Beiglböck Hauptstraße 19 2852 Hochneukirchen T: 02648 217 www.beiglboeck.at

Mandl’s Ziegenhof Pengersdorf 7 2813 Lichtenegg T: 0676 944 49 63 www.ziegenhof.at

Privatbrauerei Gerald Schwarz Bundesstraße 100 2851 Krumbach T: 0664 88 55 09 74 www.schwarzbraeu.at

Audiovision Strobl Kaiserriegl 4 2851 Krumbach T: 0699 17 31 76 88 www.audiovision.at

Imkerei Gottfried Schwarz Stadlstraße 14 2822 Bad Erlach T: 0664 932 46 16 oder 02627 484 97 www.imkerei-schwarz.at

Café Bäckerei Breitsching Hauptplatz 39 2831 Scheiblingkirchen T: 02629 22 04 www.breitsching.at

© fibi - photography

Vik toria Koll

Viktoria Koll lebt in der Buckligen Welt und liebt sie wirklich. Daher lädt sie euch gern hierher ein

Sucht euch euren Blick auf die Welt! Der Herbst zählt wohl zu einer der schönsten Jahreszeiten in der Buckligen Welt. Man kann förmlich sehen, wie sich die sanften Hügel in eine Vielzahl von Rot-, Orangeund Brauntönen kleiden. Die Temperaturen sind angenehm warm und laden zu einem ausgiebigen Spaziergang ein. Ihr fahrt am besten hinauf, sodass ihr auf die Hügel kommt und dabei eine wunderschöne Aussicht auf das bunte Farbenmeer genießen könnt. Es ist unmöglich, sich daran satt zu sehen. Ich habe das Privileg, einen der schönsten Ausblicke der Buckligen Welt direkt von meinem Fenster zu haben. Falls ihr einmal hier vorbeischaut, ein kleiner Tipp: Besucht Bad Schönau und spaziert zur sagenumwobenen Teufelsmühle, geht weiter Richtung Buchegg und sucht euch das Platzerl mit der schönsten Aussicht. Lasst euch Zeit und genießt den Blick über Bad Schönau und Krumbach. Hier könnt ihr die Seele so richtig schön baumeln lassen und den Alltag für einen wunderschönen Moment vergessen. Der Vorteil hier zu wohnen ist, dass man es immer zu den schönsten Augen­ blicken sieht und nicht nur, wenn man zufällig hier ist. Unbeschreibliche Sonnenuntergänge, atemberaubendes Wetterleuchten, traumhafte Regenbögen und zauberhafte Wolkenformationen. Ich kann mich schon sehr glücklich schätzen. Und deshalb lade ich euch ein, die Bucklige Welt zu besuchen und zu erleben. Die Ruhe und Gelassenheit einzuatmen und das Sanfte der Hügel in euer Herz zu schließen. 41


E n t d e c k d i e B u c k l i g e W e lt

Adventreise in die Bucklige Welt

Š Wiener Alpen / Strobl

S o n j a D r i es

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AD V E NTR E I S E

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Der Nebel liegt schwer über Wien, als ich mich auf den Weg in die Bucklige Welt mache. Der Hektik entfliehen und in weihnachtliche Stimmung kommen, ist der Plan. Und auf kleinen Adventmärkten handgemachte Geschenke entdecken

© Vitalzeit Hotel Weber / Christian Camus

Ein Sternenhimmel über mir, eine weiche Liege unter mir, leise Musik im Ohr und Meeresduft in der Nase. Dennoch bin ich nicht im sommerlichen Triest. Der Sternenhimmel überzieht die Decke der Salzgrotte des Vitalzeit Hotels Weber und wurde vom Hausherrn eigenhändig gestaltet; die Liege ist eine der Relax-Liegen dort; die Saison Winter; die Musik ertönt aus dem Hintergrund und der Meeresduft stammt von Trockensalz. In einer Mühle gemahlen und mit einem Generator als feiner Salzstaub in die Luft gesprüht, verleiht es der Salzgrotte ein angenehmes Klima. Mit geschlossenen Augen lasse ich die friedliche Stimmung auf mich wirken und entspanne. Vor Kurzem bin ich in Bad Schönau angekommen.

Ein Freitag wie am Meer Blick auf den Sternenhimmel in der Salzgrotte des Vitalzeit Hotels Weber in Bad Schönau

Nach einer guten Stunde Fahrt von Wien her hat mich gleich an der Rezeption Petra Weber als Gastgeberin mit einem ApfelWeichselsaft vom Winkler empfangen und zu meinem Genießerzimmer „Leila Ron“ geführt. Moderne Holzmöbel, farblich fein abgestimmte Accessoires, ein gemütliches Doppelbett und ein großes Bad auf neuestem Stand erwarten mich. Benannt ist die Suite nach jener Künstlerin, die das Zimmer mitgestaltet hat. Da mich derzeit eine Erkältung plagt, habe ich mich gleich für eine Sitzung in der Salzgrotte eingetragen. Schon nach kurzer Zeit komme ich mir vor wie am Meer. Das Trockensalz geht über den Atem in den Stoffwechsel und kann so akuter Erkältung, aber auch chronischen Atemwegs- oder Lungenbeschwerden, Allergien der Atemwege, Hautproblemen, Stress und Abgespanntheit entgegenwirken. Als ich die Salzgrotte nach einer 45-minütigen Sitzung entspannt verlasse, ertönen Flöten und Gesang. Am Haustisch neben dem Kachelofen haben sich einige Gäste zum „Umasitzen um den Adventkranz“ eingefunden. Die Kinder der Familie Weber musizieren und gemeinsam singt man Weihnachtslieder. Geschichten und Gedichte werden vorgelesen, Glühwein wird getrunken, alle Räume, die Stiegenhäuser und Fenster sind mit Reisig, Moos, roten Beeren, Holzfiguren und Kerzen geschmückt.

Gegen sieben am Abend meldet sich der Hunger. Ich gehe zum Abendessen ins Restaurant. Auf den Tischen weihnachtliche Gestecke, auch auf meinem, an dem mich ein Vier-Gang Menü erwartet. Dabei wird auf Saisonalität und Regionalität Wert gelegt. So bestelle ich eine Entenleber-Terrine auf SellerieApfelsalat, danach eine Kürbisschaumsuppe. Nun kann ich zwischen drei Hauptspeisen wählen. Eine vegetarische Variante ist wie immer dabei, doch ich entscheide mich für das Ragout und Nüsschen vom heimischen Reh mit Paunzn und RotweinCharlotten. Den süßen Abschluss bildet ein Zimtparfait mit Zwetschkenragout und Karamell-Salzbrezel-Eis vom Krumbacher Eis-Greissler. Nach dem guten Essen nehme ich noch einen Hirschbirnenbrand vom Kölbel, auch aus Krumbach. Welche Köstlichkeiten um Bad Schönau zu haben sind, zeigt mir ein Blick ins „Genusskistl“ gleich neben der Rezeption. Hier entdecke ich regionale Produkte von Mandls Ziegenkäse aus Lichtenegg über Obstsäfte vom Winkler in Kirchschlag bis zur Buckelade – Schokolade aus der Caritas-Tagesstätte in Krumbach. Zufrieden summend lege ich mich ins gemütliche Bett. 43


E n t d e c k d i e B u c k l i g e W e lt

© Franz Zwickl

Dumpf dröhnt es durch den Raum: Gerald Schwarz schlägt mit einem großen Hammer den goldenen BierZapfhahn in ein Holzfass. Er dreht am Schlüssel des Hahns und schon läuft ein bernsteinfarbenes Bier langsam in ein großes Glas. „O’zapft is“ in der Privatbrauerei Schwarzbräu, der ich heute einen Besuch abstatte.

© Franz Zwickl

Ein Samstag auf Adventmärkten

Gerald Schwarz führt persönlich durch seine Brauerei Schwarzbräu in Krumbach

Vitalzeit Hotel Weber Petra und Alfred Weber Kurhausstraße 16, 2853 Bad Schönau T: 02646 84 08, www.hotelweber.at Privatbrauerei Gerald Schwarz Bundesstraße 100, 2851 Krumbach T: 0664 88 55 09 74 www.schwarzbraeu.at Gasthaus Krumbacherhof Karin u. Andreas Ottner Bundesstraße 19, 2851 Krumbach T: 02647 422 50 oder 0676 612 00 75 www.krumbacherhof.at Bäckerei Barbara Ochmann Marktstraße 22, 2851 Krumbach T: 02647 423 19, www.ochmannbrot.at

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Frühmorgens war die hügelige Landschaft schon mit einer weißen Schicht bedeckt und dicke Flocken rieselten vom Himmel. Eierspeise und weiche Eier von Monikas Hühnerhof, Milch vom Bauernhof, hausgemachte Marmeladen und Kuchen, Brot vom heimischen Bäcker, hausgetrockneter Prosciutto – auch am Frühstücksbuffet entdecke ich viele regionale und hausgemachte Produkte. Nach dem Frühstück geht es los. Ich habe mich für eine Führung in der Brauerei Schwarzbräu angemeldet. Mit dem Reisedienst Schwarz, den mir Petra Weber organisiert hat, reise ich nach Krumbach. Da heute noch einige Verkostungen und Punschstände auf mich zukommen könnten, lasse ich das Auto lieber stehen. Am Dorfplatz in Bad Schönau fahren wir am großen Adventkalender vorbei, bei dem heute schon das neunte Türchen geöffnet wird. Auch in Krumbach ist alles festlich geschmückt. Einige Kinder testen vorsichtig das Eis am Stickelberger See, einige haben eine Schneeballschlacht begonnen. Gerald Schwarz empfängt mich am Eingang seiner Brauerei. Der Quereinsteiger hat aus seinem Hobby vor sieben Jahren seinen Beruf gemacht. Er beginnt die Führung mit Einblicken in die Geschichte des Biers. Verschiedene Malzsorten stehen in Säcken in der kleinen Halle. Malz – das muss ich gleich probieren! Dann schauen wir uns die gesamte Produktion von der Malzmühle über das Sudhaus und die Gärung bis zur Abfüllung an und dürfen Bier in 0,1-LiterTastern verkosten. Bock und drei weitere Starkbiere, es ist ja Weihnachtszeit. Bevor Gerald Schwarz seine Brauerei eröffnet hat, war er im Krumbacherhof untergebracht. Das nahegelegene Restaurant empfiehlt er mir gleich fürs Mittagessen. Im gemütlichen Gasthaus an der Landstraße steht Chef Andreas Ottner in der Küche. Seine Frau Karin leitet den ­Service. Ich frage sie nach lokalen Feinheiten und entscheide mich für etwas Leichtes: Gebratene Lachsforellenmedaillons aus dem Krumbacher Schlossteich auf Erdäpfelpüree und frischem Gemüsegröst’l und dazu, weil es gerade passt, ein Bockbier vom Schwarzbräu. Das Krumbacher Museumsdorf kann ich gut zu Fuß ­erreichen. Hier wartet der erste Adventmarkt auf mich. Das ­Heimatmuseum des Dorfes besteht aus fünf Gebäuden, von denen manche bis ins 16. Jahrhundert zurückgehen. So besteht


© Wiener Alpen / Strobl

AD V E NTR E I S E

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Adventmarkt auf Burg Kirchschlag: 8., 9. und 10. Dezember 14 bis 20 Uhr

etwa das Bürgerspital im Dorf schon seit 1571. Damals war es als Altenheim für Burgbedienstete vom Adeligen Erasmus von Puchheim gestiftet worden. Auch die alte Mühle und eine kleine Kapelle versetzen mich in eine andere Zeit zurück. Erste Weihnachtsstimmung verbreiten die Christbäume am Eingang zum Adventmarkt – auch wenn ich mir jetzt noch keinen kaufe. Alle Aussteller hier stammen aus der Umgebung und haben ihre Handwerkskunst mitgebracht. Bin schon gespannt. Da gibt es Keramik, gehäkelte Sterne und Engel für den Christbaum, Gefilztes, Gedrechseltes und Gestricktes. Der örtliche Bäcker verkauft Mehlspeisen und Kaffee, der „Stegbauer“ Brote, Geselchtes und Surbraten. Die Musikschule begleitet das Geschehen mit weihnachtlichen Melodien. Schon bald entdecke ich das eine – und noch ein Geschenk, das ich dieses Jahr unter den Weihnachtsbaum legen werde. Nachdem ich mich satt gesehen und gekostet habe, führt mich ein Gratis-Shuttle-Bus der Region Bucklige Welt zum

Die stimmungsvolle Kulisse zum Adventmarkt in Kirchschlag bietet die alte Burgruine hoch über dem Ort

nächsten Markt, diesmal in Kirchschlag. Praktisch, so ein Bus, vor allem für versierte Punschtrinker. In Kirchschlag steige ich am Hauptplatz aus – aber wo ist der Markt? O, da oben am Schlossberg – „O du Fröhliche“ … Zum Glück bringt mich ein weiterer kostenloser Shuttle-Bus nach oben. Hier stehen die Reste der im 12. Jahrhundert erbauten Burg. Einst galt sie als wichtige Grenzfestung und war in Besitz zahlreicher Grafen. Heute ist das, was nach den Jahrhunderten von ihr übrig ist, in stimmungsvolles Licht getaucht. Eine große Krippe mit Holzfiguren steht am Eingangstor. Schon von Weitem höre ich einen Chor, der gerade „O du Fröhliche“ anstimmt – sind die auch mit dem Shuttle gekommen? Die Sängerinnen allesamt Bäuerinnen aus der Umgebung. Es gibt bestimmt über zwanzig Aussteller: von Ton- und Holzkunstwerken über Lebkuchen und Honigprodukte bis hin zu Handwerksstücken aus Textilien und Naturprodukten ist alles dabei. Es werden Schnäpse und geräucherte Forellen a ­ ngeboten. 45


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Eis-Greissler Bio-Hof und Eis-Manufaktur Königsegg 25, 2851 Krumbach T: 02647 429 50 www.eis-greissler.at Schafkäse Wolfsbauer Anna Heißenberger Schützenkasten 5, 2853 Bad Schönau T: 02648 48 00 www.schafkaese-wolfsbauer.at Schlosswaldforelle Josef Tanzl, Ransdorf 13 2813 Lichtenegg T: 02643 21 27 oder 0664 301 04 02 Fleischhauerei Kager Josef Kager Hauptstraße 10, 2853 Bad Schönau T: 02646 83 93 www.badschoenau.at Fleischhauerei_Kager

Gratis-Shuttlebus Region Bucklige Welt durch Reisedienst Schwarz T: 02646 83 86 Schloss Krumbach im Advent. Auch hier gibt es einen stimmungsvollen Adventmarkt: Samstag 18. 1 1., Sonntag 19. 1 1. 2017 Samstag 25. 1 1., Sonntag 26. 1 1. 2017 Sa 12– 20 Uhr, So 11.30– 18 Uhr

Auch ein Maronibrater hat seinen Stand aufgebaut. Um 16 Uhr liest der Heimatdichter Franky Beisteiner Weihnachtsgeschichten vor. Ich bin zwar noch nicht wirklich hungrig, aber mir steigen wunderbare Gerüche in die Nase. Zwei Restaurants aus dem Ort schenken Glühwein und Punsch aus, braten dazu Grillwürstel und heiße Kartoffeln. Ich hole mir ein „Stangerlbrot“, für das der Stand der Pfadfinder bekannt und beliebt ist. Zu Fuß geht es dann hinunter zum Hauptplatz, beschwingt vom Punsch. Dort sind schon Nikolaus und sein Krampus angekommen, bestaunt von den Kindern – zu fürchten haben sie nichts mehr. Viele Menschen zünden Fackeln an und ziehen in ihrem Schein gemeinsam hinauf zur Burg. Ich schaue dem Fackelzug lange nach und übersehe dabei, dass mir bereits ziemlich kalt geworden ist, schließlich hat es fast den ganzen Tag geschneit. Zum Aufwärmen kehre ich im Hotel Post ein. Es liegt gleich am Fuße der Burg. Hier wurde im vorigen Jahr alles renoviert. Trotzdem strahlt der Gastraum mit seinen alten Bildern 46

und Kochbüchern immer noch eine urige Gemütlichkeit aus. Das Restaurant und das Hotel werden bereits seit 1884 von der Familie Hönig betrieben. Christoph Hönig, der Juniorchef, steht in der Küche, während sich seine Eltern Fritz und Christa sowie seine Frau Ilona Hönig um die Gäste kümmern. Auch hier wird bei Speisen und Getränken großer Wert auf Regionalität gelegt. Was also gibt es für mich zu entdecken? Ich wähle eine Topinamburschaumsuppe und Filetspitzen in Schwammerlsauce mit Strohkartoffeln. Als Nachspeise genehmige ich mir ein Eierlikörparfait mit eingelegten Feigen – gutes Essen aus der Region genießen war schließlich eines meiner Ziele für dieses Wochenende. Ein Taxi bringt mich spät am Abend zurück nach Bad Schönau. Mit einem „O du Fröhliche“ auf den Lippen (kommt das vom Eierlikör oder dem Schnaps danach? Oder vom bequemen Hin und Her zwischen den Orten?) setze ich mich in die Dampfdusche und lasse den Tag Revue passieren.


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Heute ist der Himmel blau und der Schnee glitzert in der aufgehenden Sonne. Das Thermometer der Wetterstation im Bad Schönauer Kurpark zeigt drei Grad an, der Hygrometer eine Luftfeuchtigkeit von 87 Prozent. Kein Lüftchen ist zu spüren. Der Wetterhahn steht ganz still.

© Wiener Alpen / Christian Kremsl

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Adventmarkt im Museumsdorf Krumbach: 2. und 3. sowie 8., 9. und 10. Dezember, 13 bis 18 Uhr

© Franz Zwickl

Nach dem Check-out und einer herzlichen Verabschiedung, will ich heute die Umgebung erkunden. Petra Weber hat mir den „Weg der Blicke“ (www.wieneralpen.at/weg-der-blicke-badschoenau) empfohlen. Er beginnt im Kurpark von Bad Schönau unweit des Hotels und erstreckt sich über sechs Kilometer. „Wer kein Ziel vor Augen hat, kann auch keinen Weg hinter sich bringen“ ist der erste Spruch von vielen, die mich auf blauen Tafeln auf meinem Weg begleiten werden. Verfasst hat sie Ernst Ferstl, Schriftsteller in Zöbern. Nachdem ich den Kurpark durchquert habe, geht es durch den Wald und gleich ziemlich steil bergauf. Ich komme ins Schwitzen und bin froh, als ich die Höhe erreicht habe. Die Mühe hat sich gelohnt: Vor mir liegt eine wahrhaft Bucklige Welt, deren schneebedeckte Hügel in der Sonne glitzern. Die Dächer der Häuser von Bad Schönau und seiner Wehrkirche aus dem ­12. Jahrhundert tragen weiße Mützen. „Wer seinen Träumen nicht entgegengeht, dem kommt nur Alltägliches entgegen“, steht zwanzig Minuten später auf einer weiteren Tafel. Mir stehen Schloss Krumbach und weit entfernt auch der Schneeberg gegenüber. Nach rund eineinhalb Stunden komme ich wieder im Zentrum von Bad Schönau an. Die frische Luft, die Bewegung und die Sonne haben gutgetan. Zum Mittagessen fahre ich über Egg und den Lindenhof nach Tiefenbach. Hier findet sich das idyllisch gelegene Gasthaus Buchegger, das an diesem Wochenende sein traditionelles Forellenessen veranstaltet. Die Forellen, die Wirtin Heidemarie Buchegger köstlich zubereitet, kommen aus der eigenen Zucht vom Teich hinter dem Haus. Das selbst gebackene Bauernbrot und die hausgemachten Mehlspeisen machen den genuss­ reichen Abschluss des Tages perfekt. Während ich noch auf das Essen warte, unterhält Karl Buchegger mich und die anderen Gäste mit seinem Schmäh und dem ein oder anderen historischen Schmankerl aus der Gegend. Draußen werden die Christbäume des Familienbetriebs verkauft und der Himmel sieht so aus, als würde es bald wieder schneien. Während des Essens fallen mir einige Produkte ein, die mir an diesem Wochenende untergekommen sind: Schafkäse von der Wolfsbäuerin, Krumbacher Bier vom Schwarzbräu oder auch Saibling und Lachsforelle vom Tanzl und Wurzelspeck vom Kager.

© Wiener Alpen / Christian Krems

Sonntag mit Ausblicken und Weihnachtsgefühl

Auf der Heimfahrt mache ich einen Abstecher zum Schloss Krumbach. Die Festung, die im 13. Jahrhundert zum Schutz vor Überfällen erbaut worden ist, ist heute ein Schloss- und Seminarhotel. Ich bin aber nur zum Entspannen hier, setze mich ins Café, blicke durch die halbrunde Fensterfront auf die verschneite Landschaft und trinke eine Melange, während mir die schönsten Momente des Wochenendes durch den Kopf gehen. Die Hektik der Großstadt ist längst vergessen, ich bin im Advent angekommen. Und dann halte ich das Auto noch einmal an. Am Adventmarkt im Museumsdorf stopfe ich endlich den Christbaum, der mir schon am Samstag ins Auge gestochen ist (nicht dass er mich wirklich gestochen hätte, so viel Punsch hatte ich nicht!), in den Wagen. Auf der Heimfahrt kommt dann das „Stille Nacht“ wie von selbst aus meinem Mund. |

Hotel Post – Hönigwirt Günserstraße 2, 2860 Kirchschlag T: 02646 22 16 www.hotel-post-hoenig.at Gasthaus Buchegger Tiefenbach 1, 2851 Krumbach T: 02647 422 63 www.gasthaus-buchegger.at

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Back dir deine Ski!

Ski kaufen kann jeder. Der echte Wintersportler aber baut sich seine Spitzenski selbst zusammen: bei Ostermann in Wiesmath

B A R B A R A F R E IT A G

Weiß und schwarz sind die Bahnen des zusammengelegten Stoffs. Hans Ostermann nimmt die große, alte Schneiderschere zur Hand und beginnt mit dem Schnitt. In der modernen Skierzeugung mit ihren Hightech-Materialien würde man das nicht erwarten. „Glasfaser“, lächelt er. „Das ist ein wichtiger Bestandteil der Schichten im Ski. Man kann es kinderleicht mit der Schere schneiden und ganz ohne Schutzhandschuhe.“ Das Firmengebäude, in dem die Schere zum Einsatz kommt, steht in Wiesmath. Es gehört einem Familienunternehmen, das in der dritten Generation hochwertige Einrichtungen aus Holz herstellt, für private Räume ebenso wie für Gastronomielokale oder Büros. Dann kam der Juniorchef auf die Idee, auch Ski zu erzeugen. Ausgerechnet in einer Zeit, da Holzlatten längst passé scheinen. Doch, so erklärt Hans Ostermann, „in jedem Qualitätsski steckt auch heute ein Holzkern. Denn geschäumte Materialien, wie sie in günstigen Ski verwendet werden, haben keine Struktur und können die Spannung nicht so halten wie Holz.“ Die Liebe zum Skifahren und Freunde aus dem Sporthandel brachten ihn auf die Idee. „Wir konnten dort immer die neuesten Ski ausprobieren, manchmal sogar Prototypen kleiner Firmen, die noch gar nicht am Markt waren“. Dabei lernte er viel und machte die Erfahrung, dass es verschiedene Ski für unterschiedliche Schneearten gibt. Ausschlaggebend für die tatsächliche Produktion eigener Top-Ski wurde 2008 eine Wette im Freundeskreis. „Nach drei Wochen hatten wir unseren Prototypen“, erzählt Ostermann. ­ Die Komponenten waren klar, doch die Verklebung wurde zur Herausforderung. „Die braucht viel Erfahrung.“ Er experimentierte mit unterschiedlichen Holzarten für den Kern, um die 48

„Es geht hier um das Erlebnis. Aber man sollte schon Freude am handwerklichen Arbeiten mitbringen“

mit den richtigen Eigenschaften zu finden. Auch die Stärke des Kerns und die Taillierung der Ski wurden mehrfach variiert. Nach zehn Paaren aus der eigenen Erzeugung war es Ostermann schließlich klar: „Wir können das.“ Auch beim Design gab es eine klare Entscheidung: Holz­ oberflächen aller Art, denn man ist ja eine Tischlerei. Mittlerweile fertigt die Tischlerei Ostermann Maßski auf Bestellung. Noch mehr Spaß bereiten Ostermann allerdings Selbstbaukurse. Er leitet sie persönlich. Man kann sie auf Wunsch buchen. Mehrere Hobbybastler haben seither ihr ganz eigenes und unverwechselbares Paar Ski selbst produziert. Muss man ein begnadeter Heimwerker sein, um das zusammenzubringen? „Überhaupt nicht“, beruhigt Ostermann. „Es geht hier um das Erlebnis. Aber man sollte schon Freude am handwerklichen Arbeiten mitbringen.“ Er unterstützt einen dabei und hat immer ein strenges Auge auf jeden Handgriff, denn am Ende soll ein perfektes Paar Ski herauskommen. Die Kurse


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© Franz Zwickl (2)

P o r t r ät

Hans Ostermann prüft in seiner Firma ein ­Holzfurnier für einen neuen Ski

­ nden am Wochenende statt, wenn die firmeneigene Produktifi onshalle frei ist. Dabei müssen die Profis eine Menge an Vorbereitungen treffen, denn von null anzufangen wäre für Laien doch zu kompliziert. Vor allem geht es darum, jedem Teilnehmer die für ihn passenden Ski zu entwerfen. Sollen es Abfahr-, Slalom- oder Tourenski sein? Wie ist das Fahrverhalten des Benutzers, rasant oder langsam? Welche Härte, welche Vorspannung sollen sie haben? Welche Steifigkeit, welche Taillierung, welche Länge? Und vor allem: Welches Holzfurnier soll die Bretter schmücken, vielleicht Eiche, Buche oder Ahorn? Wenn es losgeht, werden zunächst der Belag zugeschnitten, die Kanten gebogen und angeklebt. Dann kommt der Kern dran: für Alpinski aus Esche, für Tourenski aus exotischen Hölzern. Als Nächstes richtet man die Skispitze ein und schneidet die Glasfaserbahnen. Ihre Menge errechnet sich aus dem gewünschten Härtegrad. Hier kommt die eingangs erwähnte Schere ins Spiel.

Ein heikler Schritt ist die Herstellung der individuellen Laminierform, in der die Beläge fixiert werden. Mit einer Malerrolle wird Kunstharz aufgetragen und die erste Glasfaserschicht daraufgelegt. Dann kommt der Holzkern drauf und auf diesen die nächste Schicht Glasfasern, ebenfalls mit Kunstharz bestrichen. Zuletzt dann das Holzfurnier und zusätzlich noch ein Stoff, um das überschüssige Harz aufzusaugen. Das ganze Paket wird in eine Vakuumhülle aus Plastik gesteckt und in einen Ofen geschoben, damit sich das Harz verteilt und der Unterdruck die Ski in ihre Form presst. Bei siebzig Grad bleiben die Ski die ganze Nacht über im Ofen. Ihre Konstrukteure können einen entspannten Abend verbringen. Im Nachbarort sitzt man gemütlich beisammen und reflektiert gemeinsam den interessanten Tag. Am nächsten Morgen wird es richtig aufregend: nämlich wenn die Ski-Rohlinge aus dem Ofen geholt werden. Es ist die Stunde der Wahrheit. Etwaige Fehler lassen sich nicht mehr 49


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© Karl Gradwohl

Arbeiten am eigenen Ski macht Hunger und Durst. Beides stillt man in Hollenthon beim Stickelberger Wirt. Und übernachten kann man dort auch

Hollenthon ist nicht nur eine österreichische Heavy-Metal-Band, sondern auch ein malerischer Ort in der Buckligen Welt mit dem Stickelberg als Hausberg

korrigieren. Jeder Teilnehmer, mit Handschuhen und Gesichtsschutz versehen, entfernt die Folie von seinem Paket und schneidet die Ski entlang der Kanten mit der Stichsäge aus dem Rohling. Jetzt noch die Kanten im richtigen Winkel schleifen und den Belag mit Struktur versehen. Fertig ist das höchstpersönliche Paar! „Manche nehmen sie gleich mit. Wir bieten aber auch an, sie gebrauchsfertig zu machen und die Bindungen montieren zu lassen.“ Ostermann selbst bevorzugt Bindungen ohne Platten: „Einzig Weltcupfahrer benötigten Bindungsplatten“, meint er, um genügend Druck aufbauen zu können. Alle anderen Hobbyfahrer sähe er lieber ohne. Auch wenn die Skiproduktion nie ein Haupterwerbszweig der Tischlerei Ostermann werden soll, machen die Kurse dem Juniorchef Freude. „Es ist schön für uns, wenn unsere Gäste ein spannendes Abenteuer erleben und dann auch noch so ein schönes Produkt mit nach Hause nehmen können“. Ski von 50

Ostermann sind wahrlich ein einzigartiges Souvenir aus der Buckligen Welt. | Weitere Informationen: www.oh2.at

Wirtshaus zum Stickelberg Wer seine Ski bei Ostermann bastelt, findet hier Mittag- und Abendessen sowie eine feine Übernachtungsmöglichkeit. Stickelberg 19, 2812 Hollenthon; T: 02645 22 13 www.stickelberg.at


Michael Rösch

Der Vorarlberger war zuletzt in der Ukraine und in Nigeria im Einsatz. „Ich will meine Fähigkeiten dort einsetzen, wo sie am dringendsten gebraucht werden. Chirurgische Hilfe rettet Leben, vor allem in Konfliktgebieten.“ Unabhängig. Unparteiisch. Unbürokratisch. Ärzte ohne Grenzen wirkt weltweit. Wirken Sie mit.

www.aerzte-ohne-grenzen.at/mitarbeiten

schulterwurf

Chirurg ohne Grenzen


Großes Ambiente

Einmal die Zeit loslassen und beim Advent in der Buckligen Welt die Hektik vergessen

Schneeberg

© Wiener Alpen/Franz Zwickl

Maria Schnee

Die schönsten Ausflüge zur besinnlichsten Zeit des Jahres. Im Advent zeigen sich die Wiener Alpen und ganz besonders die Bucklige Welt von ihren romantischen Seiten. Umringt von Lichterzauber, Glühweinduft und altem Brauchtum kommt auf Christkindl-Märkten festliche Weihnachtsstimmung auf.

www.wieneralpen.at/advent Regelmäßig mehr über die Wiener Alpen erfahren? Einfach anmelden: www.wieneralpen.at/newsletter

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