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Österreich EINE RUNDREISE DURCH DAS LAND

Durch Österreich reisen bedeutet immer auch mit besonderen Plätzen in Berührung kommen. Entdecken Sie die Vielfalt des Landes und tauchen Sie ein in unterschiedlichste Welten, die allesamt Österreich einzigartig machen. www.austria.info


Liebe Leserin, lieber Leser Österreich vereint traumhafte Naturlandschaften – von den Alpen über die Donau bis hin zur pannonischen Ebene. Und dazwischen entdecken Sie viele interessante Plätze und Geschichten, die das Land ausmachen. So imposant die Alpen, so klar die Seen oder idyllisch die Städte auch sind, was ein Land letztlich besonders macht, sind die Leute, die dort leben. Gerade die Österreicher sind ja bekannt für ihre lockere Lebensart, ihre Gelassenheit – und für ihren speziellen Humor. Sie werden eine besondere Mentalität bei den Menschen erleben. Und ein Land, das zu leben versteht.

Ihre Petra Stolba

Geschäftsführerin der Österreich Werbung

Inhaltsverzeichnis S 4

Alpen-Inspiration Wandern auf dem Berliner Höhenweg.

S 12

Zu Besuch im ältesten Salzbergwerk der Welt.

Sechs Tage zu Fuß unterwegs auf einem der spektakulärsten Höhenwege Österreichs. Übernachtung auf Schutzhütten inklusive.

S 16

Ranger-Erlebnisse Unterwegs im Nationalpark Hohe Tauern

Auf den Spuren des Salzes Ein Rückblick auf 7000 Jahre

S 20

Nicht nur der Steinbock lebt hier in seiner ursprünglichen Umgebung.

Mit der Donau im Fluss Radfahren als Zeitreise Der Donauradweg führt entlang ein­drucksvoller Landstriche und einzigartiger Kulturschätze

Impressum Herausgeber und Verleger: Österreich Werbung, Vordere Zollamtsstraße 13, 1030 Wien. ZVR-Zahl: 075857630. Projektleitung: Eva Maria Mayrhuber, Dr. Michael Scheuch. Redaktion: Margit Turac, Andreas Kerschbaumer, Michaela Schwarz, Martin Betz, Barbara Moser. Recherche: Monika Plank, Sandra Sigl. Druckvorstufe: Blaupapier. Druck: Ueberreuter Print & Packaging GmbH. Stand März 2016. Alle Angaben ohne Gewähr.

Eine Rundreise durch das Land

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TIROL

Alpen-Inspiration T E X T: M A R T I N B E T Z

Um vier Uhr früh aufstehen und mit Stirnlampen wandern? Wer kommt denn auf so eine bescheuerte Idee? Was? Ich? Na dann, Super-Idee! Meine zwei Begleiter wälzen sich missmutig aus den Matratzen, langsam kommt die Erinnerung wieder: Am Vorabend sind wir auf der Berliner Hütte im holzgetäfelten „Rittersaal“ gegessen, haben unter handgeschnitzten Kronleuchtern in Erinnerungen geschwelgt und neue Pläne geschmiedet. Auf diesem Ozeandampfer unter den Schutzhütten kann man leicht auf übermütige Ideen kommen. Aber der Reihe nach: Stolz stellten wir fest, dass wir in den sechs Tagen auf dem Berliner Höhenweg für alles Verwendung gefunden hatten, was in unseren Rucksäcken Platz hatte. Wir zählten auf: Die Hüttenschlafsäcke, ja, die brauchten wir jede Nacht, schließlich wanderten wir täglich von Hütte zu Hütte. Auch den Sonnenschutz benötigten wir mehr als einmal, vor allem, als wir eines sonnigen Nachmittags auf der herrlichen Wollgraswiese vom Schrahnbachkar alle viere von uns streckten. Mütze und Handschuhe kamen uns zugute, als uns am schroffen Grat des Schönbichlerhorns ein eisiger Wind um die Ohren pfiff. Selbst für Ohropax hatten wir Verwendung, nachdem nachts auf den Hütten so manches menschliche Sägewerk seinen Betrieb aufnahm. Und auch die Kerzen brauchten wir, wenn auch nur für die schummrige Stimmung, während wir uns vor der Olperer Hütte an einem berückenden Sternenhimmel ergötzten. Für wirklich alles hatten wir Verwendung, nur die Stirnlampen, ja, die Stirnlampen, diese für den Notfall gedachte Hilfsbeleuchtung, die haben wir bislang nicht gebraucht. Und dann kam die Idee: Wir wollten noch vor Morgengrauen mit den Lampen losgehen, um den Sonnenaufgang am Schwarzsee zu erleben. Meine Idee! Und jetzt stehen wir bei Dunkelheit vor der Berliner Hütte, dieser unter Denkmalschutz stehenden „Mutter aller Hütten“, die so viel Komfort, ein weiches Bett und noch vieles mehr zu bieten hat – und tauschen sie gegen ein dunkles Nirgendwo namens Zillertaler Alpen. 4

So viel zum Thema „Schnapsidee“! Doch schon nach ein paar Schritten merken wir, dass wir nicht die einzigen Frühaufsteher sind. Nur ein paar Meter entfernt pfeift ein Murmeltier, und wenig später sehen wir Gämsen auf dem Rossrugg herumsteigen, einem Berg, an dem bis vor wenigen Jahrzehnten noch Granat abgebaut wurde. Der Steig durch die Hochmoorlandschaft ist ein alter Säumerweg, auf dem seinerzeit Waren von A nach B gebracht wurden. Nicht immer ganz legal. Angesichts der nachtschlafenden Zeit fühlen wir uns auch ein wenig wie die Schmuggler, von denen erzählt wird, dass sie früher Wein, Tabak und sogar Autoreifen von hier nach Italien geschmuggelt haben sollen. Inzwischen graut der Morgen und eine dicke Wolke schiebt sich über die Stelle, an der wir eigentlich die Sonne vermutet haben. Als uns leichter Nieselregen trifft, scheint der Unmut meiner beiden Begleiter überzukochen. Glücklicherweise sind sie zu unausgeschlafen, um ihn artikulieren zu können. Also noch mal Mütze und Kapuze aufsetzen. Doch wenig später kommt ein kräftiges Lüftchen, das hier „Oberwind“ genannt wird, und schiebt die fette Wolke beiseite. Noch bevor die Sonne aufgeht, erreichen wir nach eineinhalb Stunden Gehzeit den Schwarzsee, der nun alles andere als dunkel ist. Im ersten Licht des Tages spiegeln sich in ihm die Gletscher vor uns, zum Greifen nah. Und nun schimmern im ersten Sonnenlicht die rot leuchtenden Felswände einer ganzen Arena von Dreitausendern – Großer Möseler, Schwarzenstein und Großer Löffler – im türkisblauen Wasser des Bergsees. Ganz großes Kino! Jetzt wären Liegestühle fein! Doch im Moos zu sitzen, tut auch gut. Und die Augen meiner Begleiter leuchten mindestens ebenso stark wie die aufgehende Sonne! Manchmal, meine ich, sind meine Ideen dann doch nicht so schlecht.

BERLINER HÜTTE

Eine Rundreise durch das Land

F O TO   To ur is m us v e rb a nd Tux - F i n ken b er g

Der Berliner Höhenweg hoch oben in den Zillertaler Alpen verspricht pures Abenteuer. Auch zu sehr ungewöhnlichen Tageszeiten.


IN DEN ALPEN

Von Almhütte zu Almhütte T E X T: M A R T I N B E T Z

Mehrtägige Höhenwanderungen bedeuten nicht nur intensives Kennenlernen der Natur, sie sind auch eine Art Lebens­ philosophie, eine Reise nach innen, auf der man sich ständig mit sich selbst auseinandersetzen muss. Wer sich dem Weitwandern widmet, sollte vor allem eines mitbringen: viel Zeit. Trekking-Touren setzen eine gewisse Kondition voraus, untrainiert sollte man eine mehrtägige Tour keinesfalls angehen. Zur Ausrüstung gehören sowohl leichte Kleidung für Schönwetter als auch warme Kleidung wie ein guter Anorak, Handschuhe, Wollhaube und Regenschutz für den Fall eines Kälteeinbruchs. Unentbehrlich ist auch ein Wanderführer sowie gutes Kartenmaterial. Das Wichtigste sind aber die Schuhe: Empfohlen sind mittelschwere Bergschuhe mit griffiger Sohle. Für die Übernachtungen auf den Hütten sollte man einen Hüttenschlafsack bei sich haben, auch ein Handtuch sollte immer dabei sein. Für Mitglieder des Alpenvereins oder anderer Organisationen wie der Naturfreunde gibt es auf den Schutzhütten dieser Vereine Ermäßigungen auf die Übernachtungen.

D A S W A N D E R P A R A D I E S N AT I O N A L P A R K H O H E TA U E R N :

STUBAIER HÖHENWEG. Dieser anspruchsvolle Höhenweg durchquert die Stubaier Alpen und bietet atemberaubende hochalpine Ausblicke auf die Gletscher dieses Tiroler Gebirges. Die Innsbrucker Hütte am Ausgangspunkt des Höhenwegs wurde genau am Übergang zweier Gesteinszonen errichtet: zwischen kristallinem Gestein und Kalkgestein. Alle acht Hütten des Stubaier Höhenwegs liegen auf über 2000 m Seehöhe, wobei es von jeder Hütte Abstiegsmöglichkeiten ins Tal gibt. Somit bietet sich die Gelegenheit, auch nur ein Teilstück des Höhenwegs zu begehen. Neben einer guten Grundkondition sollte man für die teils seilversicherten Steige Trittsicherheit und Schwindelfreiheit mitbringen. Belohnt wird man auf der Strecke mit einer unvergleichlichen Viel­falt an alpiner Flora, herrlichen Rastplätzen an Bergseen, Gipfeln, die grandiose Fernblicke ermöglichen, und Hütten, die mit regionaler Tiroler Kost aufwarten. www.stubaier-hoehenweg.at/de/som/hoehenweg.1.htm/

IMMER GUT FÜR TR AUMHAF TE AUSBLICKE

G E S A M T L Ä N G E : 1 0 0 K M , H Ö H E N M E T E R : 8 0 0 0 , TA G E S E TA P P E N : 8 .

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Eine Rundreise durch das Land

F O TO S   Ö s t e rr ei c h Wer bu n g, A nd r e S c hö n her r / r ec ht s : Ös t er r eic h We rb un g , P e t e r P o dbe ra

Österreichs Höhenwege bieten viele Gelegenheiten für die innere und äußere Einkehr. Letztere wird durch ein dichtes Netz an Schutzhütten gewährleistet.


ADLERWEG, AUF DEM WEG ZUR STEINSEEHÜTTE K R A F T TA N K E N : R A S T A U F D E R A L M H Ü T T E

DER K ARNISCHE HÖHENWEG in Kärnten verläuft im wechselnden Auf und Ab entlang der österreichisch-italienischen Grenze. Für die gesamte Wegstrecke zwischen Plöckenpass und Sillian in Osttirol sollte man etwa sechs Tage einplanen. Karge Kalksteinlandschaften wechseln sich hier mit saftigen Almwiesen ab. Der Käse, der auf vielen Almen gesennt wird, ist eine köstliche Stärkung für die Rast zwischendurch. Die wahre Attraktion der Karnischen Alpen ist aber ihr geologischer Aufbau – kaum sonst wo hat die Erdgeschichte so deutliche Spuren hinterlassen wie hier: Fossilien von Muscheln, Armfüßern oder Seelilien im Fels belegen eindrucksvoll, dass die Karnier vor 365 Millionen Jahren ein riesiges Korallenriff im Urmeer waren. Sogenannte „Geo-Trails“, zum Beispiel rund um den idyllischen Wolayer See, vermitteln auf Naturpfaden mit Schautafeln Wissenswertes über diese versteinerten Zeugen der über Jahrmillionen verlaufenden Kontinentalbildung. www.karnischer-hoehenweg.at

F O T OS   L i nk s : Ti ro l Wer bu n g, D o m i n ik G ig l er / r ec ht s : TV B St u b ai , A n dr e Sc h ö n h e rr

G E S A M T L Ä N G E : 2 5 0 K M , H Ö H E N M E T E R : 7 . 2 4 2 , TA G E S E TA P P E N : 8 - 1 1 .

DER ADLERWEG ist kein Rundwanderweg, sondern ein Netz von Wanderwegen, das sich durch ganz Tirol zieht. Der Name leitet sich von der Form der Routen ab, die an die Schwingen des Adlers erinnern. Die Hauptroute führt über 24 Etappen von St. Johann in Tirol bis nach St. Anton am Arlberg, wofür man mehr als drei Wochen veranschlagen sollte. Wer die vielen Regional­ routen, die bis nach Osttirol reichen, absolvieren wollte, müsste sogar 1.480 km zurücklegen. Es empfiehlt sich daher, sich seinen ganz persönlichen Adlerweg aus Einzelrouten zusammenzustellen. Landschaftlich reizvoll ist etwa die mehrtägige Wanderung entlang der Hauptroute zwischen den Etappen 2 und 8, die „im Koasa“ – im Kaisergebirge – beginnt, über Kufstein, weitläufige Almgebiete und das Rofangebirge verläuft und schließlich am Achensee, Tirols größtem See, endet. www.adlerweg.com G E S A M T L Ä N G E ( H A U P T R O U T E ) : 3 3 0 K M , TA G E S E TA P P E N : 2 3 .

SALZBURGER ALMENWEG. Salzburg ist das Land der Almen. Mehr als 1.800 bewirtschaftete Almen erstrecken sich über ein Viertel der Fläche des Bundeslandes. Der Salzburger Almenweg verbindet auf 31 Etappen 120 dieser Almen, von denen viele mit Spezialitäten wie Milch, Käse, Butter, Topfen, Joghurt, Brot, Speck oder selbstgebranntem Schnaps aufwarten können. Der Weg durchquert das ganze Pongau und bietet fantastische Ausblicke auf Dachstein, Tennengebirge, Hochkönig und die vergletscherte Welt der Hohen Tauern. Auch hier empfiehlt es sich, einen Abschnitt des Almenwegs herauszunehmen und eine individuelle Route zusammenzustellen. Auch wenn man dabei eine Vielzahl von Almen und Hütten passiert, wird man bald feststellen: Keine Alm gleicht der anderen. Jede einzelne hat ihre Besonderheiten und eigenen köstlichen Spezialitäten. www.salzburger-almenweg.at G E S A M T L Ä N G E : 3 5 0 K M , TA G E S E TA P P E N : 3 1 .

DER ALPE-ADRIA-TR AIL ist ein echter Weitwanderweg, der vom Hochgebirge bis zur Adria und damit durch drei Länder führt: Österreich, Italien und Slowenien. Er startet in Kärnten und verläuft vom höchsten Berg Österreichs, dem Großglockner, über die Nockberge und Kärntner Seenlandschaft nach Kranjska Gora in Slowenien bis nach Muggia. Mit 43 Etappen und 690 km Wegstrecke ist er nicht darauf ausgelegt, in einem Stück erwandert zu werden. Im Vordergrund steht das Genusswandern. Die meisten Etappen erfordern jeweils sechs Stunden Gehzeit und verlaufen vorwiegend im nichtalpinen Bereich mit möglichst geringem Höhenunterschied. Auf jeder Etappe befindet sich zumindest ein „Magischer Ort“, der als Juwel der Landschaft zum Verweilen einlädt. Verschiedene Tourismusorganisationen bieten maßgeschneiderte Trekking-Pakete nach thematischen Schwerpunkten.www.alpe-adria-trail.com G E S A M T L Ä N G E : 7 5 0 K M , H Ö H E N M E T E R : 2 6 . 0 0 0 , TA G E S E TA P P E N : 4 3 .

DER SCHL ADMINGER-TAUERN-HÖHENWEG führt durch eine der abgeschiedensten und unberührtesten Berglandschaften Österreichs. Auf sieben Tagesetappen werden die Schladminger Tauern durchwandert, die mit ihren Zirbenwäldern, Wildbächen, weiten Hochflächen und Almtälern diese Rundtour zu einem echten Landschaftserlebnis machen. Den besonderen Reiz dieses Weges machen die mannigfaltigen Erscheinungsformen des Wassers aus: Nicht weniger als 300 Bergseen und 150 Wasserfälle verlocken zum Schauen, Rasten und Erleben. Als landschaftlicher Höhepunkt gilt die Königsetappe durch den Klafferkessel zur Preintaler Hütte. Der Klafferkessel ist ein ehemaliger Gletscherboden, in dem sich 30 türkis schimmernde Bergseen befinden, über denen der bizarre Fels des Greifensteins thront: absolutes Foto-Highlight! Für den gesamten Höhenweg ist etwas alpine Erfahrung, Trittsicherheit und teilweise Schwindelfreiheit erforderlich. Von jeder Hütte auf der Strecke ist ein Abstieg ins Tal möglich. www.schladming-dachstein.at G E S A M T L Ä N G E : 7 1 K M , H Ö H E N M E T E R : 5 . 5 5 2 , TA G E S E TA P P E N : 7 .

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VORARLBERG

Mit Laib und Seele T E X T: M I C H A E L A S C H W A R Z

Das Läuten der Glocken tönt durch das ganze Dorf. Es ist ein wahres Volksfest, als die bunt geschmückten Kühe am Ende des Sommers von der Alp kommen und an den alten, schindel­ gedeckten Häusern vorbeiziehen. So wie die Kühe hier in den engen Gassen von Schwarzenberg empfangen werden, wird das Ende des Sommers im ganzen Bregenzerwald gefeiert. Es herrscht Volksfeststimmung – wirklich jeder ist auf der Straße, und kaum ein Gesicht, das nicht fröhlich ist. Stirbt allerdings eine Kuh während des Sommers auf der Alm oder im späten Frühjahr auf den vorgelagerten Vorsäßen, entfällt beim Almabtrieb der ganze Schmuck. Aber das kommt so gut wie nie vor: Zu rein scheint die Luft hier zu sein, zu frisch das Heu, zu glücklich die Kühe – und die Menschen. Hier zufrieden zu sein ist auch gar nicht schwer, in dieser angenehmen Landschaft aus grün gewellten Hügeln, weiten Wäldern und bis in den Frühsommer hinein schneebedeckten Bergspitzen. Der Käse ist allgegenwärtig im Bregenzerwald – die Kühe, die nun gemütlich zu ihren Heimathöfen trotten, haben über den ganzen Sommer die beste Milch dafür gegeben. Und die Senner, die an diesem besonderen Tag ebenso mit Blumen und Kränzen geschmückt sind, haben den Käse oben nach alter Tradition per Hand geschöpft und den sogenannten Alpkäse gesennt. „Bei mir hat jeder Kas an Namen“, sagt Hermann Berchtold aus Schwarzenberg, der seinen Bergkäse auch im Tal noch ohne Maschinen herstellt. Und meint damit, dass jeder Laib von Menschenhand gewendet und gebürstet wird, und nicht, wie es immer mehr gang und gäbe ist, von Robotern. Er hat aus seiner Sennerei die Maschinen verbannt und macht alles in Handarbeit. „Das Sennen auf diese Art ist zwar viel anstrengender, aber auch mit Fühlen, Greifen und Schmecken verbunden“, sagt Berchtold. Und das schmeckt man auch – die frische Rohmilch 10

und das natürliche Lab, die verwendet werden, geben dem Käse seinen ursprünglichen, herzhaften Geschmack. Das angenehme Lebensgefühl Vorarlbergs ist auch in seinen Gebäuden zu spüren. Im ganzen Land sorgt Holzarchitektur für ein wohlig-sinnliches Wohngefühl, überall ist die hohe handwerkliche Kunst mit diesem regionalen Material zu spüren. Die Wiege dieser Architektur steht quasi im Bregenzerwald: Die alten Bauernhäuser mit ihren Holzschindel-Fassaden und dem typischen „Schopf“, einer Art Wintergarten vor dem Eingangsbereich, dienten als Vorbild für die neue Architektur mit Naturmaterialien: zeitgemäß interpretiert in einem schlichten und eleganten Stil mit klaren Linien. Letztlich ist das Leben hier vielleicht deshalb so angenehm, weil die Vorarlberger diese unprätentiöse Mischung aus Stolz und Bescheidenheit an den Tag legen. Die Bescheidenheit kommt aus einer Zeit, als das Land noch arm war – so lange ist das gar nicht her. Der Stolz kommt von der noch länger zurückliegenden Wehrhaftigkeit: sichtbar etwa an den trotzigen Burgen und Festungen in Feldkirch, eine der besterhaltenen mittelalterlichen Städte Österreichs, oder in Hohenems mit der Burgruine Alt-Ems und mit dem Schloss Glopper. Dass sich hier ab dem 17. Jahrhundert ein blühendes jüdisches Kultur- und Gesellschaftsleben entwickelte, daran erinnert heute noch das Jüdische Museum der Stadt. Und noch etwas weist im „Ländle“ auf die Bescheidenheit hin: die Sprache, deren oberstes Gebot die Verkleinerungsform ist. Dass man diese niedliche Buchstabensuppe im restlichen Österreich kaum versteht, macht den „Gsibergern“ gar nicht viel aus. Denn damit ist jeder Vorarlberger mehrsprachig – wenn Gäste da sind, wechselt man wie selbstverständlich ins Hochdeutsche. FEST L ICH G ESCH M ÜCK T FÜ R D EN A L M A BT R I EB I M B R EG EN ZERWA L D

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F O T O  B r eg e nz er w al d To ur i s m us , Ch r is t o p h L i ng g

Für ein bisschen Lebensglück braucht man mitunter nur ein gutes Stück Käse. Ist das der Grund, warum die Vorarlberger so locker sind?


SALZKAMMERGUT

Auf den Spuren des Salzes T E X T: M A R T I N B E T Z

Das Salz hat dem Land einen unfassbaren Reichtum gebracht. Im ältesten Salzbergwerk der Welt tauchen wir in die Geschichte des „weißen Goldes“ ein.

Wie kam denn das Salz in das Salzkammergut? Die Antwort konnten wir vom Hallstätter See aus beinahe greifen. Wir mussten nur den Blick schweifen lassen über das Ufer, wo die Natur gerade so viel Platz gelassen hatte, dass hier einige Häuser an den Rand des Berghangs gebaut werden konnten, hinauf auf den Salzberg, der beinahe versteckt hinter dieser spektakulären Landschaft aus Wald, Felsen und Wasser liegt. Es ist genau dieser Berg, der die Region reich gemacht hat, mit seinem „weißen Gold“, das hier seit nicht weniger als 7000 Jahren gefördert wird. Dort wollen wir hinauf, ins älteste Salzbergwerk der Welt. Zunächst mit der Seilbahn, dann gehen wir noch zehn Minuten zu Fuß zum Knappenhaus, einen idyllischen Waldweg entlang, nicht ahnend, dass man hier eigentlich über ein prähistorisches Gräberfeld wandelt. Hier wurden so reichhaltige Funde gemacht, dass man eine ganze Epoche nach Hallstatt benannt hat, die Hallstattzeit (800 bis 400 v. Chr.). Aber wie kam nun so viel Salz in den Hallstätter Berg, wo doch weit und breit kein Meer ist ...? Das erfahren wir nach der atemberaubenden Einfahrt in den Berg mit der Grubenbahn. Dort erwarten einen massive, hinterleuchtete Salzsteine, die in rötlichem Gold verführerisch schimmern. Einmal möchte man Reh sein und daran lecken, doch als Besucher schickt sich das wohl nicht. Vor allem die Kinder haben ihre helle Freude, als es über die erste Bergmannrutsche 50 m einen Horizont tiefer geht – so nennen die Bergleute die Stockwerke im Berg. Auf dem Hosenboden, versteht sich. 12

Und endlich ist es so weit – und wir bekommen unsere Antwort. Es soll vor 240 Millionen Jahren begonnen haben, als der Urkontinent zerfiel und die Kontinentalplatten auseinander­ drifteten. Im Salzkammergut muss es damals beschaulich gewesen sein: Strände ohne Ende mit tropischem Klima. Ja, es war so heiß, dass die Lagunen, die sich an den Küsten bildeten, austrockneten. Was blieb, war das Salz. Dass dieses Millionen Jahre alte Salz durch Vulkanausbrüche, Gebirgserhebungen und Plattenverschiebungen schließlich im Berg eingeschlossen wurde, um irgendwann doch in unseren Salzstreuern zu landen, ist eines der Wunder der Natur, die wir wohl nie ganz begreifen werden. Doch nein, man versteht es doch: An einem unterirdischen Salzsee taucht man in eine spektakuläre Multimedia-Inszenierung ein. Direkt aus dem Wasser erstehen die Berge in purpurrotem Licht, und die Eroberung des Salzes durch den Menschen wird in abstrakten Bildern an den Felswänden sichtbar. Inklusive der Geschichte des „Mannes im Salz“, der tausende Jahre im Berg eingeschlossen war und 1734 hier gefunden worden sein soll. Salz und die konstante kühle Temperatur sorgen schließlich dafür, dass alles im Berg konserviert bleibt. So auch eine prähistorische, 3500 Jahre alte Holzstiege, die sogar über verstellbare Treppen verfügt. Diese haben wir uns in einer Spezialführung angesehen, nachdem die Kinder unbedingt noch einmal in den Berg wollten: der aufregenden Rutschen wegen.

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Salz hat Österreich zu einem Treffpunkt

der Kulturen

F O T OS   g e t t y i m a g es / S a lz we l t en A l t au s s ee / Ös t e rr e ic h Wer bun g , J ul i a K n o pp

gemacht.

H A L L S TAT T – I D Y L L I S C H E L A G E A M S E E , H I S T O R I S C H E G E B Ä U D E IM BERGWERK DAS SAL Z ERLEBEN S T E I N S A L Z , E I N W E R T V O L L E R S C H AT Z A U S Ö S T E R R E I C H

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F O TO S   O b er ö s t er r ei ch To u ri s m u s, R ö b l

S E E S C H L O S S O R T, E I N E B E L I E B T E H O C H Z E I T S L O C AT I O N

LEDERHOSENMACHER PETER AHAMER, EBENSEE AM TRAUNSEE

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Im Herzen Österreichs. Keine andere

Landschaft verkörpert so sehr die Seele des Landes wie das Salzkammergut.

So viel Schönheit kann kein Zufall sein. 240 Millionen Jahre Erdgeschichte haben aus dem Salzkammergut das gemacht, was es heute ist: eine einzigartige Landschaft mit insgesamt 76 größeren und kleineren Seen. Sie sind recht kühl und nur an wirklich heißen Sommertagen als Badeseen geeignet. Sie bestechen durch ihren Fischreichtum, ihre Sauberkeit und klare Sicht – für Angler, Segler und Taucher ein wahres Eldorado. GLÜCKSGEFÜHL UND GRÜNGEFLAMMTES AM TRAUNSEE Wer mit der „Gisela“, dem ältesten kohlebefeuerten Raddampfer der Welt, den Traunsee befährt, ahnt, warum die Römer diesen See „Lacus felix“, glücklicher See, nannten. Mit dem mächtigen Traunsteinmassiv nicht weit von seinen Ufern ist er in eine einmalige Land­schaft gebettet. Nicht versäumen sollte man einen Besuch der Stadt Gmunden. Schon die Flaniermeile am Ufer, die Esplanade, verströmt jenen mondänen Charakter, der die Stadt geprägt hat. Die reiche Tradition kann man auch bei einem Besuch der seit 300 Jahren bestehenden Gmundner Keramikmanufaktur nachempfinden. FISCHR ARITÄT IM SEESCHLOSS ORT Das Seeschloss Ort, die rund 1000 Jahre alte Wasserfestung im Traunsee, mit seinem wehrhaften weißen Turm mit Schindelholzdach ist schon von weitem ein Blickfang. Schloss Ort ist nicht nur eine der beliebtesten Hochzeitslocations des Landes, sondern auch ein kulinarischer Hotspot. Hier stellt Küchenchef Johann Parzer gerne seinen Holzkohlegrill in der Nähe der Seeterrasse auf und bereitet eine einzigartige Fischspezialität zu: den Riedling. Nur mehr im Baikalsee in Sibirien und im Traunsee vorkommend, soll er ein Überbleibsel aus dem Urmeer, also seit mindestens 240 Millionen Jahren hier heimisch sein. Für dieses stolze Alter ist er erstaunlich wohlschmeckend ... SPORT UND INSPIR ATION: DER AT TERSEE Ein wahrer Hotspot für Wassersportler! Segler schätzen den sogenannten „Rosenwind“, ein steter Ostwind, der für ungetrübtes Segel- und Surfvergnügen sorgt, und Taucher schwärmen von Sichtweiten bis 25 m. Das sanfte Licht und die Landschaft haben auch berühmte Künstler inspiriert: Der Komponist Gustav Mahler verbrachte seine Sommerfrische in Steinbach am Attersee, und Gustav Klimt verfeinerte hier seine Landschaftsmalerei. Heute können Kunstliebhaber auf dem Themenweg „Klimt am Attersee“ auf den Spuren des großen Meisters wandeln. SEE MIT AUSSICHT: DER WOLFG ANGSEE Der Zauber des türkis schimmernden Wolfgangsees liegt vor allem in seinen geschichtsträchtigen Orten. Da ist einmal St. Wolfgang mit seinen engen Altstadtgassen und dem berühmten Hotel „Weißes Rössl“ mit der wunderbaren Seeterrasse. St. Gilgen verbreitet mit seinen Badewiesen zwischen Obstbäumen entspanntes Urlaubsgefühl, während Strobl vor allem die Wanderfreunde anspricht. Hier marschiert man auf dem Bürglsteinweg teils auf Holzstegen über das Wasser und umrundet dabei den Hausberg des Ortes. Wandernd kann man auch den Schafberg bei St. Wolfgang erklimmen, die meisten erreichen jedoch bequem mit der steilsten Dampf-Zahnradbahn Österreichs ihr Ziel: Belohnt wird man mit einem atemberaubenden Ausblick auf nicht weniger als 13 Seen des Salzkammerguts.

DER FJORD DER ALPEN: DER HALLSTÄT TER SEE Reinanken, Saiblinge, Seeforellen – all diese köstlichen Wildfische bekommt man an fast jedem See des Salzkammerguts. So auch am Hallstätter See, der mit einer beeindruckenden Tiefe von 125 meinen besonderen Fischreichtum aufzuweisen hat. Bei einer Bootsrundfahrt genießt man den Ausblickauf eine der wohl schönsten Ortschaften der Welt: Hallstatt – so schön, dass man es in China sogar nachbaute. Doch das Original bleibt unübertroffen: An den Hang schmiegen sich malerisch die alten Bürgerhäuser und Gasthöfe. Dass der Name „Hall“ das alte germanische Wort für Salz ist, erklärt auch die uralte Kultur- und Wirtschaftsgeschichte von Hallstatt, wo im ältesten Salzbergwerk der Welt nach wie vor Salz gefördert wird. LEBENDIGE TR ADITIONEN Wo man auch hinkommt, das Salzkammergut atmet Geschichte. Das äußert sich vor allem im Brauchtum der Region sowie in den alten Handwerkstraditionen. Nirgendwo in Österreich hat die Tracht einen derart hohen Stellenwert wie hier: Im steirischen Teil des Salzkammerguts, im Ausseerland, befinden sich die besten Trachtenwerkstätten des Landes. Hier werden die farbenprächtigen Dirndlstoffe noch im Handdruckverfahren hergestellt. Jedes Dirndl wird an seine Trägerin individuell angepasst. Nicht minder traditionell sind die „Goiserer“, ein Lederschuh mit sogenannter „Zwienaht“ (Doppelnaht), der vor 140 Jahren in Bad Goisern als erster Bergschuh das Licht der Welt erblickte. ERLEBNIS FÜR DIE G ANZE FAMILIE Wer nach einer Rundreise durch das Salzkammergut nach Salzburg weiterfährt, sollte bei zwei besonderen Erlebnispunkten haltmachen: Bei Werfen erhebt sich auf einem steilen Felskegel die 900 Jahre alte Burg Hohenwerfen. Bei einer Erlebnisführung taucht man in die Welt des Mittelalters ein, und zum Abschluss lassen sich Flugvorführungen mit vorwiegend heimischen Greifvögeln erleben. Nur wenige Kilometer entfernt befindet sich die größte Eishöhle der Welt: die Eis­riesenwelt Werfen. Bei den geführten Touren durch dieses beeindruckende Höhlenlabyrinth erwarten die Besucher bizarre Eisformationen in riesigen Ausmaßen: Eiszapfen, wie Orgelpfeifen angeordnet, Eisberge mit 70 m Umfang, Figuren, die einmal an zottelige Eisbären, dann wieder an den Schleier einer Eiskönigin erinnern – genug Raum für eine unterirdische Reise ins Reich der Fantasie! KRÖNENDER ABSCHLUSS: SAL ZBURG In Salzburg angekommen, taucht man wiederum in eine andere Welt ein: Die Altstadt mit Dom- und Residenzplatz gehört wohl zu den schönsten Barockensembles der Welt, die Getreidegasse mit ihren wunderschönen Fassaden lädt zum Einkaufen, Schauen und Staunen ein. An jeder Ecke warten neue geschichtliche und kulturelle Highlights: Ein Blick in Mozarts Geburts- und Wohnhaus gehört ebenso zu einem Salzburgbesuch wie ein Rundgang durch die wehrhafte Festung Hohensalzburg, über die die Fürsten und Erzbischöfe der Stadt herrschten oder auf der sie, wenn sie Pech hatten, auch gefangen gehalten wurden. Ihren Reichtum verdankten sie übrigens jenem wertvollen Rohstoff, der aus dem Salzkammergut kam: dem Salz – jahrhundertelang die wichtigste Einnahme­ quelle der Stadt mit ihrer uneinnehmbaren (Salz-)Burg.

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N AT I O N A L PA R K H O H E TA U E R N

Ranger-Erlebnisse T E X T: M I C H A E L A S C H W A R Z

Wälder, Felder und Berge sind ihr Revier. Ausgebildete Ranger entführen Naturfans in die unberührtesten Winkel

Ein Rudel kommt näher“, flüstert Andreas und lugt in sein Spektiv. Er deutet den Besuchern, ihre Ferngläser zu zücken. Hinter der Linse tummeln sich Steinböcke in schwindelerregender Höhe. Früher ein undenkbarer Anblick, wie der ausgebildete Nationalpark-Ranger erklärt: „Lange Zeit waren die Steinböcke hier im Ködnitztal ausgerottet. Mittlerweile konnten sie aber wieder erfolgreich angesiedelt werden.“ Aber auch andere bedrohte Arten – von raren Schmetterlingen bis zum Steinadler – kann man bei der Nature-Watch-Wanderung in Kals mit ein bisschen Glück sichten. „Den Besuchern zeigen, wie Tiere in ihrer ursprünglichen Umgebung leben“, das will Andreas und betont im Nachsatz: „Als Nationalpark-Ranger bin ich Vermittler zwischen Mensch und Natur.“ Unverfälschte Natur-Schauspiele hautnah spüren können Neugierige im Nationalpark Hohe Tauern am besten an der Seite eines erfahrenen Rangers. Über Fauna und Flora des größten Naturschutzgebietes im gesamten Alpenraum erzählen die Guides ebenso wie über die 266 Dreitausender, die es einschließt, die 279 Bäche, 26 Wasserfälle, 551 Seen und 10 Klammen, die es beherbergt. Immer dann, wenn der harte Winter im Hochgebirge Einzug hält, ist die Zeit für alpine Schneeschuh-Wanderungen gekommen. So wie an diesem November-Tag, an dem das matte Licht sanft die majestätischen Felsen umschmeichelt. Ausgerüstet mit Proviant und wetterfester Kleidung macht sich die junge Rangerin Anna mit einem sechsköpfigen Trupp zu einer Tour ins Osttiroler Virgental auf. Vier Stunden dauert die Expedition, bei der die Wildtiere so wenig wie möglich gestört werden sollen. „Die Energie-Reserven der Tiere sind um diese Zeit ohnehin sehr 16

knapp“, weiß Anna. Auf geschmeidig leisen Sohlen bewegt man sich über tief verschneite Felder und durch Wälder, um Gämse und Steinbock, Adler und Bartgeier zu beobachten. „Gegen alles ist ein Kraut gewachsen“, schmunzelt Ranger Matthias. Er steht gebeugt über eine sattgrüne Sommer-Wiese, in seiner Hand hält er farbenprächtige Heilpflanzen. Eine Teilnehmerin will wissen, wofür sie helfen. „Johanniskraut wirkt gegen depressive Verstimmungen, Arnika gegen Muskelzerrungen“, weiß der Experte. Die Wanderer befinden sich auf einem KräuterSpaziergang durch Prägraten. Malerisch ist die Osttiroler Landschaft, die sie durchstreifen, und saftig die Sajatmähder, über die sie flanieren. Am Ende des Ausflugs werden die gesammelten Schätze gemeinsam zu Aufstrichen und Tinkturen verarbeitet. Zwei der Besucherinnen bekennen lächelnd, sie seien Wiederholungstäterinnen: Mehrmals schon waren sie mit Guides im Nationalpark unterwegs. Zuletzt bei einem besonders eindrucksvollen Rundgang zum Innergschlöss, das nicht wenige für den schönsten Talabschluss der Ostalpen halten. Die zweitägige Gletscher-Reise heben sie sich aber lieber für nächstes Jahr auf. „Da gehört nicht nur eine gute Kondition, sondern auch eine Portion Mut dazu“, erklärt Andreas. Warum? Weil man sich vom Teischnitzkees direkt in eine Gletscher-Spalte abseilen lässt. „Aber keine Sorge, wir bringen alle Teilnehmer wieder heil auf den Boden“, scherzt der Ranger. Und man glaubt es ihm bereitwillig, diesem Hüter des geschützten Landschaftsraums.

N AT U R E W AT C H I M N AT I O N A L P A R K H O H E TA U E R N

Eine Rundreise durch das Land

F O T O  © Ös t er r ei ch We r bu ng , Ch r is t o p h S ch o ec h

des Nationalparks Hohe Tauern.


Natur-Juwelen im Nationalpark. Urige

F O T OS   Ö s t er r ei ch We rb u ng , S ea n B y r n e, Ju l ius S i lv e r

Alpendörfer, grandiose Panoramen, Wasser­ fälle und vieles mehr.

Hoch hinaus: Die Großglockner Bergbahnen entführen bequem in eine faszinierende Hochgebirgslandschaft. Bei der Fahrt eröffnet sich ein Panorama-Blick auf den höchsten Gipfel Österreichs und mehr als 50 weitere Dreitausender. Ein steiles Vergnügen garantiert die Reißeck-Standseilbahn, mit der man Steigungen bis zu 82 % zurücklegt. Ziel ist ein Bergrestaurant, in dem man sich nach der schwindelerregenden Tour stärken kann. Nostalgie pur verspricht die Panoramabahn Kreuzeck, die aus dem Jahr 1956 stammt. Vorbei am Wasserspeicher Rosswiese liegt den Besuchern mit der Kreuzeckgruppe ein eindrucksvolles Wander-Gebiet zu Füßen. Wie entsteht Leben? Und wie kann es im Hochgebirge existieren? Das BIOS Nationalparkzentrum Mallnitz geht in verschiedenen Ausstellungen seinen vielfältigen Formen und Launen nach. In den Natio­ nalparkwelten Mittersill kann man mit allen Sinnen durch den geschützten Gebirgsraum wandern. In acht Erlebnis-Stationen werden Besucher durch die alpine Welt geführt – vorbei am Großglockner, den ­Gletschern und Wasserfällen. Abenteuerlustige wagen eine rasante Canyoning- oder Raftingtour auf der Isel oder der Möll. Tosendes Wildwasser, steil aufragende Felswände und abgesicherte Schluchten machen diesen Ausflug zum spektakulären Nervenkitzel. Aber keine Sorge: Erfahrene Guides bringen Sie heil über das Wasser. Adrenalin gepaart mit Panorama-Blick: Der Osttirodler ist ein spektakulärer Alpine Coaster. Über unzählige Steilkurven düst man auf Schienen vom Lienzer Skigebiet Hochstein geradewegs Richtung Talboden. Fun Alpin heißt eine weitere Sommer-Rodelbahn in der Region. Sie nimmt ihren Ausgang neben dem Wildpark Assling und führt an grasenden Hirschen und Rehen vorbei. Im kärntnerischen Flattach liegt mit der Raggaschlucht eine der imposantesten Naturschluchten der Alpen. Mächtig bahnt sich der Raggabach seinen Weg zwischen steilen Felswänden, während Besucher auf schwindelerregend hohen Steigen das Schauspiel beobachten und durchwandern. Ein Action-Paradies ist auch der Wasser-Erlebnispark Galitzenklamm, der von anspruchsvollen Kletterrouten bis zum Wasserschaupfad ein kontrastreiches Programm für die gesamte Familie bietet.Wer nach einem anstrengenden Aufstieg zum Kitzstein­horn Entspannung sucht, findet sie auf satten 20.000 Quadratmetern. Inmitten der Nationalpark-Gegend lädt das Spa Zell am See-Kaprun zum herrschaftlichen Relaxen ein. Gelegenheiten zur Regeneration hat man in der Region einige, darunter auch in der Alpentherme Gastein. Der Hollersbacher Kräutergarten ist ein kleines Paradies für Fein­schmecker und eine Entdeckungsreise zugleich – durch ein Beeren­labyrinth zum Naschen sowie zu Kräutersternen und Kräutermonden mit mehr als 500 verschiedenen Pflanzenarten und -sorten.

K R I M M L E R WA S S E R FÄ L L E G ROSSG LOC K N ER H OC H A L PENST R ASSE

In Lienz, der beschaulichen Hauptstadt Osttirols, kann man durch mittelalterliche Gassen bummeln und flanieren. Oder Kultur pur auf Schloss Bruck erleben: Hier sind das umfangreiche Stadt-Museum und die Albin-Egger-Lienz-Galerie untergebracht. Hoch über der Sonnenstadt, wie Lienz gerne genannt wird, thront der ehemalige Sitz der Görzer Grafen. Traditionell ticken die Uhren in St. Jakob im Defereggental. Immer im Juni färben Meere von blühenden Almrosen die Umgebung rund um den Obersee am Staller Sattel prächtig in allen Rot-Tönen ein. Dieses Natur-Schauspiel wird mit einem rauschenden Almrosenfest gefeiert. Tanz und Musik, volkstümliche Gruppen, Schuhplattler, ein Handwerksdorf und ein buntes Kinder-Programm dürfen dabei keinesfalls fehlen. Das Bergdorf Heiligenblut ist beschaulich – und doch imposant, liegt es doch zu Füßen eines Giganten: des Großglockners mit seiner stolzen Höhe von 3798 m. Bergfans können von Heiligenblut aus auch den steinernen Riesen besteigen und die Großglockner-Hochalpenstraße hat hier ebenfalls ihren Ausgang. Die berühmteste unter den Hochalpenstraßen entführt mit einem Höhenanstieg von 2504 m, 36 Kehren und einer Länge von 48 km mitten ins Herz des Nationalparks. Das Panorama sucht seinesgleichen: Den Großglockner und die Pasterze im Blick, tuckert man an satten Almwiesen, leuchtenden Wäldern, ewigem Eis und einer majestätischen Bergwelt vorbei. Die Krimmler Wasserfälle gehören zu den meistbesuchten Sehenswürdigkeiten Österreichs. Und das aus gutem Grund: Mit ihren 380 m Fallhöhe sind sie die höchsten in Europa und die fünftgrößten der Welt überhaupt. Auf Schatzsuche? Dann zahlt sich ein Besuch im salzbur­ gischen Rauris aus. Nicht umsonst wird das Örtchen „Dorf der Geier und Goldsucher“ genannt: Einst war es der größte Goldbergbau Europas – und der höchste der Welt obendrein. Die Blütezeit ist vorbei, Hobby-Detektive können beim Goldwaschen in der Rauriser Ache aber noch immer etwas von diesem wertvollen Juwel zu Tage fördern, mit glänzenden Aussichten: Den gefundenen Schatz darf man am Ende mit nach Hause nehmen.

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D O N A U TA L

Mit der Donau im Fluss T E X T: A N D R E A S K E R S C H B A U M E R

Eines muss man den Menschen in Oberösterreich lassen: Sie sind herzliche Leute – und sie verbergen ihren Stolz nicht. „Der Johann Strauss hat schon gewusst, was er da komponiert“, sagt uns der Wirt. Dieser Johann Strauss hat vor 150 Jahren den Walzer komponiert. Der ursprüngliche Titel des Stücks lautete aber: „An der schönen blauen Donau“. Viele sagen, es sei die inoffizielle Hymne des Landes. Und den Oberösterreichern dient es, um „ihrer“ Donau zu huldigen. Zu Recht? Wir werden das herausfinden – und zwar mit jenem Fahrzeug, das sich am besten für die Flusslandschaft eignet: mit dem Fahrrad. Und werden nicht enttäuscht, im Gegenteil. Die Donau ist zwar nicht überall blau, sie ist aber wunderschön. Und die Landschaft um sie herum sanft, hügelig, mit naturbelassenen Wäldern. Man hat irgendwie das Gefühl, man lässt sich eher treiben, als dass man radelt. Vielleicht liegt das auch nur an der kraftvollen Flussströmung, die nebenan in unsere Richtung vorbeizieht und von der wir uns geistig mittreiben lassen. Egal, das schönste Gefühl überkommt uns dann nach vier, fünf Kilometern. Die Bewegungen haben sich schon lange verselbstständigt, wir müssen nicht mehr denken. Nehmen aber alles andere viel intensiver wahr. Das Plätschern, das Knirschen, den Duft – und die vielen Schätze, die sich auf dem Weg befinden. Die kleinen Dörfer mit ihren schmalen Gassen und romantischen Altstädten, Grein, Maria Taferl. Die vielen Ruinen, die hoch oben aus den Wäldern hervorragen. Und dann ein Wunder der Natur: die Schlögener Schlinge. Dort vollzieht die Donau eine 180-Grad-Schleife. Wir wandern hoch, um uns das von oben anzuschauen. Der Lohn ist ein unfassbares Naturschauspiel in der Abendsonne, das sich vor uns abspielt. Dazu passt der Spruch, der hier eingraviert ist: „Wenn du den Blick zur Donau senkst, dabei an etwas Liebes denkst, kurz, still verharrst wie im Gebet, ein Wunsch dir in Erfüllung geht.“ Man muss sich in diesem Moment eigentlich gar nichts mehr wünschen. 20

Am nächsten Tag geht es weiter. Wieder treibt uns die Strömung im Geiste an. Und dann kommt sie, die Wachau, Weltkulturerbe. Traumhafte Flusslandschaft, übersät mit Marillenbäumen, die gerade in gleißend weißen Blüten erstrahlen und einen so kraftvollen Duft verbreiten. Auf der einen Seite der Donau ragen die Wälder gen Himmel, auf der anderen die Weinberge. Obwohl, Weinberge kann man gar nicht sagen. Es sind Weinterrassen aus Gestein, die auf den steilen Hängen ihre grafischen Linien durch die Landschaft ziehen. Überhaupt, es dreht sich hier – so macht es den Anschein – alles um Marillen und Wein. In den wunderschönen mittelalterlichen Dörfern gibt es kleine, idyllische Marillenläden und urige Heurigen. Wenn es eine „Insel der Seligen“ tatsächlich geben sollte, dann wäre sie hier. Irgendwie haben wir den Eindruck, als hätten die Leute hier keine Sorgen. Schon gar nicht der Winzer beim Heurigen in Dürnstein. „Dort oben machen wir alles von Hand, mit einem Traktor kommt man da nicht hinauf, das macht den Wein so einzigartig“, deutet er in Richtung seines Weinhangs. Die Winzer, sie sind hier überhaupt höchst eloquente Chronisten ihrer Weine – und ihrer Heimat. Das können wir mittlerweile gut verstehen. Schließlich wollten wir nur eine kurze Rast machen, sitzen aber jetzt schon seit zwei Stunden da. Erfreuen uns an dem würzigen Grünen Veltliner, schauen auf den imposanten blauen Kirchturm und hinunter auf die Donau, deren unendlicher Fluss uns inspiriert. Der Herr Strauss hatte Recht. Auch wenn die Donau nicht immer blau ist.

AUF DEM DONAURADWEG BEI GREIN

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Eine Radtour entlang der Donau – das ist wie eine Zeitreise zurück. Bis man schlussendlich beim Wachauer Winzer ankommt.


Als einziger großer Fluss Europas verläuft die Donau von West nach Ost. Dieser Umstand machte sie zu einem der wichtigsten Handels­wege – und verhalf ihrem Umland zu einer glanzvollen Geschichte.

LINZ Eine Stadt als Ausdruck für Weltoffenheit, Buntheit und als Ort der Begegnung. Früher galt Linz als „graue“ Industriestadt, heute ist sie eine innovative Kunst- und Kulturstadt. Und ein Treffpunkt im Herzen Europas – in vielerlei Hinsicht. Weil Linz als Donau­ stadt an der wichtigsten Handelsroute durch Europa seit jeher ein Anziehungs­punkt ist. Weil hier moderne, zeitgenössische Bauten wie das Ars Electronica Center, das Lentos Kunstmuseum oder das neue Opernhaus eine geniale Symbiose mit dem baukulturellen Erbe der Stadt eingehen. Kurzum: Linz ist eine Stadt, die pulsiert. www.linz.at/Tourismus DIE SCHLÖGENER SCHLINGE An der Schlögener Schlinge wendet die Donau in einer engen Kehre um 180 Grad. Die Flussschlinge ist nicht nur offiziell ein „Naturwunder Oberösterreichs“. Wenn man am Aussichtspunkt steht und hinunterblickt auf das einzigartige Naturschauspiel, bleibt einem kurz der Atem weg. Es hat wirklich etwas Magisches. www.oberoesterreich.at GREIN Grein ist dort, wo sich der mächtige Donaustrom mit der ur­ tümlichen, sanften Hügellandschaft verbindet. Es ist einer der idyllischsten Orte an der Donau und bietet eine interessante Kultur. Dank des Schlosses Greinburg, das seit 500 Jahren über der Stadt thront. Oder wegen des Schifffahrtsmuseums. Hier erfährt man, warum die Schifffahrt bis vor 100 Jahren die wichtigste Einkommensquelle war und die Stadt dadurch florierte. So konnten sich die Greiner den Bau des Schlosses überhaupt erst leisten. www.grein.info MARIA TAFERL Dieser wichtige Wallfahrtsort mutet tatsächlich mystisch an. Nicht nur der Legenden aus dem 17. Jahrhundert wegen. Demnach soll an der berühmten Kreuzeiche ein schwerverletzter Viehhirt sofort geheilt und ein ortsansässiger Richter von seiner tiefen Depression befreit worden sein. Ob wahr oder nicht, heute liegt der Ort mit der Wallfahrtsbasilika noch immer hoch oben über dem Donautal. Mit einem grandiosen Panoramablick über die gesamte Alpen­ kette. www.mariataferl.at MELK Es ist ein Schauspiel. Wenn die Morgensonne das Benediktiner­ kloster Stift Melk erleuchtet, wirkt das so, als würde ein kolossales und wunderschönes Monument zum Leben erweckt. Das Stift Melk ist der größte bestehende Barockbau in Österreich. Und es ist das Wahrzeichen der Wachau, die seit 2000 zum UNESCO-­ Weltnaturerbe zählt. Eine der erstaunlichsten Naturlandschaften der Welt liegt einem hier zu Füßen. Die steilen und stufenartigen Weinberge prägen das Landschaftsbild. Sie können teilweise aufgrund der Hanglage nur manuell von den Winzern gepflegt werden. Während des Wachauer Marillen-Frühlings blühen entlang der Donau die Marillenbäume gleißend weiß und verbreiten einen herrlichen Duft. www.stiftmelk.at

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RUINE AGGSTEIN Die Ruine Aggstein liegt auf einem steilen Felsen über der Donau. Sie ist eine der berühmtesten Ritterburgen in Österreich. Ein mystisches Erlebnis mit versteckten Stiegen und Türmen, einem Verlies, Rittersaal und einer Kapelle. Sagenhaft ist nicht nur der Blick zurück ins Mittelalter, sondern auch hinunter ins Donautal und in den Dunkelsteiner Wald. www.ruineaggstein.at DÜRNSTEIN verkörpert den Charme der Wachau: ein mittelalterliches Städtchen direkt an der Donau, eingebettet in steile Wachauer Weinhänge. Mit engen Gassen und einer wunderschönen Stiftskirche samt markantem blau-weißem Turm. Darüber wacht die Ruine Dürnstein, in welcher der englische König Richard Löwenherz gefangen gehalten wurde. Die Ruine ist heute frei zugänglich. www.duernstein.at KREMS Wenn man von der Wachau nach Krems kommt, spürt man: Das ist ein Ort der Kontraste. Hier sind auch ausgefallene Künstler am Werk. Das beginnt schon bei der neuen Donau-Schiffstation Krems-Stein, auch das „Eingangstorzur Wachau“ genannt. Dementsprechend ist die Schiffstation als überdimensionales metallenes Tor gestaltet. Unweit davon vereint die Kunsthalle Moderne und Tradition: Wo im 19. Jahrhundert eine große Tabakfabrik untergebracht war, wird heute zeitgenössische Kunst präsentiert. Modern ist auch das gegenüberliegende Karikaturmuseum. Diese zeitgenössischen Architekturprojekte verleihen den vielen historischen Bauwerken eine spezielle Wirkung. Das Steinertor ist dabei der Eingang zum baukulturellen Erbe der Stadt, zu dem allen voran die Dominikanerkirche und die Gozzoburg am Hohen Markt zählen. Letztere ist eines der bedeutendsten mittelalterlichen innerstädtischen Gebäude des Landes. www.krems.info STIF T KLOSTERNEUBURG Beim Stift Klosterneu-burg muss man einfach absteigen und hineingehen. Allein der Anblick des Prachtbaus ist ein Geschenk: eine Mischung aus mittelalterlicher und barocker Baukultur, eingebettet in die Weinhänge von Klosterneuburg. Hinter den Mauern verbirgt sich einer der wertvollsten Schätze des Landes: Der Verduner Altar, von Nikolaus von Verdun 1181 erbaut, ist eines der größten erhaltenen romanischen Goldschmiede-Kunstwerke. Auf ein Glas Wein kann man sich auch gerne einladen lassen. Schließlich betreibt das Stift Klosterneuburg das älteste Weingut Österreichs. Mit einer Rebfläche von 108 Hektar zählt es auch zu den größten des Landes. www.stift-klosterneuburg.at

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Ruinen, Burgen und Klöster reihen sich im

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Donautal praktisch aneinander

BURGRUINE AGGSBACH D I E GOZ ZO B U RG I N K R EM S D E L I K AT M I T D E R W A C H A U E R M A R I L L E : M A R I L L E N K N Ö D E L

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Die Donau, eine Kultur-Quelle.

DAS ARS ELECTRONICA CENTER IN LINZ

ARS ELECTRONICA FESTIVAL Das Ars Electronica Festival ist eines der wichtigsten Festivals für Medienkunst weltweit. Linz wird damit zur Schnittstelle von Kunst, digitaler Technologie und Gesellschaft. Mehr als 200 Einzelveranstaltungen arbeiten mit viel Kreativität, Idealismus und hohem Fachwissen an einer alternativen Zukunft. www.aec.at/festival AUSSTELLUNGEN AUF DER BURG SCHALL ABURG Das Renaissance-Schloss ist ein architektonischer Höhepunkt – und ein kultureller: Es beherbergt jährlich große Ausstellungen. Beeindruckend sind die Sonderausstellungen zu historischen Ereignissen. www.schallaburg.at BAROCK TAGE MELK Die Barocktage in Melk bedeuten: internationale Spitzenensembles im Weltkulturerbe. „Ein Fest für die Augen und ein Traum für die Ohren“, schreiben die Veranstalter. Und das trifft es tatsächlich. Schauplätze für die künstlerischen Darbietungen sind die prächtige Stiftskirche Melk, der Gartenpavillon oder auch das nahe gelegene Schloss Pielach. www.kultur-melk.at MARILLENKIRTAG IN DER WACHAU Die Marille ist das kulinarische Wahrzeichen der Wachau. Und sie ist ein Synonym für Lebenskultur. Im Sommer wird die Marille gefeiert – bei den legendären Marillenkirtagen. In den kleinen mittelalterlichen Städtchen herrscht Festtagsstimmung, die Einheimischen zeigen den Gästen, welche Spezialitäten sie aus der Wachauer Marille zubereiten: Marillenknödel, Marmelade, Schnaps, Kuchen. Da werden Volkstänze und Lieder dargeboten – und natürlich Wachauer Wein getrunken. Dann versteht man alsGast, was mit der „Wachauer Lebensfreude“ tatsächlich gemeint ist. www.wachauermarille.at 24

GL AT T & VERKEHRT IN KREMS Das „Glatt & Verkehrt“ ist eines der angenehmsten Musikfestivals des Landes. Mit Künstlern aus aller Welt, die sich auf originelle, witzige und überraschende Weise mit ihren eigenen musikalischen Wurzeln auseinandersetzen. Herauskommen dabei originäre, traditionelle Musikstile vermischt mit zeitgenössischen Strömungen. Und zwar mit einer breiten musikalischen Vielfalt aus aller Welt. Veranstaltungsorte beim Festival sind Heurigenlokale in der Wachau, das Schloss zu Spitz an der Donau, die Kremser Minoritenkirche oder das Stift Göttweig. Inspirierende Plätze mit inspirierender Musik. Hier lässt es sich leben. www.glattundverkehrt.at GR AFENEGG FESTIVAL Ein Sommertag in Grafenegg könnte so aussehen: Ein Besuch des Schlosses, danach ein Spaziergang durch den englischen Landschaftsgarten. Und zwar mit dem Picknickkorb, der im Picknickpavillon nach eigener Wahl zusammengestellt wird. Ein schattiges Plätzchen unter einem der jahrhundertealten Bäume auf der Schlosswiese. Und dann sind die Sinne frei: für ein FreiluftKonzert im skulpturalen „Wolkenturm“ oder im Auditorium während des Grafenegger Klassikfestivals. Am Abend gönnt man sich dann in der Schlosstaverne noch ein Glas Kamptaler Wein zum gemütlichen Ausklang. www.grafenegg.com ARCHÄOLOGISCHER PARK CARNUNTUM Ein Besuch des Archäologischen Parks Carnuntum ist wie eine Zeitreise zurück ins 4. Jahrhundert nach Christus. Im Altertum war das römische Lager Carnuntum Teil der Provinz Pannonien. Heute sind die wichtigsten Architekturtypen eines römischen Stadtviertels rekonstruiert: ein Bürgerhaus, eine Stadtvilla und eine öffentliche Thermenanlage. Diese Rekonstruktionen sind dabei keine fiktiven oder musealen Objekte. Sie sind bewohnbare Häuser, die mit römischen Fußbodenheizungen und funktionstüchtigen Herden in den Küchen ausgestattet sind. www.carnuntum.co.at

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F O TO   S t ad t L in z

BRUCKNERFESTIVAL Der weltbekannte Komponist Anton Bruckner hat in Linz seine Inspiration für seine Symphonien gefunden. Beim Brucknerfest im September wird der Großmeister der Symphonik wieder zum Leben erweckt, zumindest musikalisch. Ein sensationelles Hörerlebnis in der Bruckner-Stadt Linz. www.linz.at/Tourismus

DONAUFESTIVAL IN KREMS Beim Donaufestival präsentiert sich Krems mit vielen Überraschungen und begeistert mit einer aufregenden Mischung aus kuriosem Tanz, Schauspiel und schräger Musik. Der Mainstream ist fernab. Besonderes Augenmerk legen die Initiatoren dabei auf (noch) Unbekanntes und eine Fülle von Eigenproduktionen, die es nur hier zu erleben gibt. Trotzdem bietet das Programm immer auch internationale Größen: So stellte in Krems Rufus Wainwright eines seiner Alben vor, die Melvins hatten einen bejubelten Auftritt, 2010 brachte Peaches Techno-Punk zu Gehör und 2011 machte John Cale hier Station. www.donaufestival.at


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HÖHENWEG ÜBER LINZ

W E N D E LT R E P P E I M S T I F T M E L K

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KÄRNTEN

Abgetaucht im Land der Seen T E X T: M A R T I N B E T Z

Die letzten Sonnenstrahlen tauchen die Wiesen und Wälder rund um den Weißensee in warmes Licht, als wir in unsere Tauch­ anzüge steigen. Kein Laut ist zu hören, nur das Zirpen der Grillen, der ewige Soundtrack der Sommernächte. Der wolkenlose Himmel verspricht eine sternenklare Nacht und lässt mein Herz höherschlagen. Denn das bedeutet, dass der fast schon volle Mond unseren Nachttauchgang mit seinen Lichtspielen begleiten wird. Dennoch bedarf es natürlich einer Unterwasserlampe, um die faszinierende Welt des nächtlichen Weißensees vor allem in tieferen Lagen zu erforschen. Auch wenn es paradox klingen mag: Ein ganz besonderer Reiz des Nachttauchens liegt gerade in der Beschränkung des Sichtfelds. Nur was im Lichtkegel der Lampe auftaucht, wird auch wahrgenommen – das dafür aber umso intensiver. Zumal die Farben der Tiere und Pflanzen, die aus kurzer Entfernung vom Licht beschienen werden, stärker zur Geltung kommen. Nun noch einmal die Ausrüstung überprüfen: Pressluft, Tauchkompass, Tiefenmesser, Bleigürtel, alles dabei. Schon tauchen wir im glasklaren Wasser ab, für das der Weißensee weit über die Grenzen hinaus bekannt ist. Bereits nach einigen Metern nehme ich im Augenwinkel eine Silhouette wahr: Ein Hecht steht elegant zwischen den Schilfhalmen, wohl auf der Lauer nach Beute. Er wird nicht der einzige Wasserbewohner bleiben, den wir erspähen: Viele nachtaktive Raubfische sind jetzt auf der Jagd, und da sie kaum Fluchtverhalten zeigen, lassen sie sich besonders gut beobachten. Scheinbar schwerelos schweben wir durch diese geheimnisvolle, stille Welt. Schon nähern wir uns unserem Ziel: dem wunderschönen Seerosenfeld vor dem Strandbad – ein fast surrealer Unterwassergarten, der auch vielen Kleinfischen Unterschlupf 26

bietet. Schon der versunkene Wald, den wir tags zuvor erkundet haben, war ein faszinierender Anblick: Die alten Bäume, die hier im Lauf der Zeit ins Wasser stürzten, bilden nun den idealen Lebensraum für Rotaugen oder Karpfen. Das Besondere am Weißensee ist nicht nur seine intakte Tier- und Pflanzenwelt, sondern auch das kristallklare Wasser, das am Tag Sichtweiten von bis zu 15 m erlaubt. Dank seines smaragdgrünen Wassers wird der See von vielen auch als „Karibik der Alpen“ bezeichnet – ein Eindruck, der dadurch verstärkt wird, dass rund zwei Drittel des Seeufers völlig unverbaut sind. Doch hoppla! Was ist das? Plötzlich taucht ein Kamberkrebs im Lichtkegel auf. Nach einer Schrecksekunde verschwindet er erstaunlich flink hinter einem Stein, um sich vor unseren neugierigen Blicken zu schützen. Man sollte nicht glauben, wie lebendig es nachts im Weißensee zugeht. Hier kommt eine Seeforelle geschwommen, dort beäugt uns aus sicherer Entfernung ein im Schilf versteckter junger Barsch. Doch die Zeit vergeht wieder viel zu schnell und schon müssen wir an die Rückkehr denken. Als wir auftauchen, glitzern tausende Sterne am Firmament – und zugleich auf der Wasseroberfläche, wo sie sich widerspiegeln. Später dann, bei einem kühlen Bier, werden wir es kaum erwarten können, unsere Eindrücke untereinander auszutauschen. Doch jetzt, in der Stille dieser Sommernacht, steigen wir schweigend aus dem Wasser. Als ob wir damit den Zauber der Unterwasserwelt noch ein klein wenig verlängern könnten.

GL ASK L A R UN D T IEFBL AU: DER WEISSENSEE

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Was einen dazu treibt, nachts in einen Bergsee abzutauchen? Die Faszination einer unberührten, mystischen Welt voller magischer Bilder.


STEIERMARK

Kernig, steirisch unverfälscht T E X T: M I C H A E L A S C H W A R Z

Das Kürbiskernöl aus der Steiermark hat Charakter – so wie die Menschen, die es herstellen. Am besten überzeugt man sich davon direkt am Bauernhof.

Es ist einer jener prächtigen Herbsttage, an denen die Luft glasklar erscheint und das sanfte Sonnenlicht die bunten Baumkronen leuchten lässt. Die „Grain-Oma“ sitzt in ihrer unverwüstlichen Küchenschürze auf einem Hocker am Feld und putzt Kürbisse. Sie tut das wie jedes Jahr, und das seit so vielen Jahren, dass sie gar nicht mehr so genau weiß, seit wann. Zwar werden heute nur noch kleine Mengen der Feldfrüchte per Handarbeit gesäubert, doch das Ritual gehört nun einmal zum Herbst dazu, so wie die schimmernden Edelkastanien, die im Laub liegen. Man könnte annehmen, es ginge dabei vorrangig um die Gewinnung des Kürbisfleisches, doch es ist genau umgekehrt: Die Kerne sind der wahre Schatz der Frucht, denn sie liefern – zu Tausenden gesammelt, gemahlen, geknetet, geröstet und gepresst – das kostbare Kürbiskernöl. So wie die Familie Grain gibt es viele „Kernöl-Bauern“ hier in der Region, bei denen man das „grüne Gold“ an Ort und Stelle verkosten und erwerben kann. Wer es zum allerersten Mal probiert, ist wahrscheinlich überrascht: So intensiv ist der fein-nussige Geschmack, so ungewöhnlich die dunkelgrüne Farbe. Dieses Öl hat Charakter, keine Frage – und spätestens bei der zweiten Kostprobe, vielleicht als Dip zu einem Stück knusprigen Bauernbrotes oder als Krönung eines zart-herben Endiviensalates, sichert sich das Kürbiskernöl einen festen Platz in Herz und Vorratskammer jedes Feinschmeckers. Zumal es ein naturreines Produkt ist, das dank seines hohen Gehalts an Vitaminen, Mineralstoffen und ungesättigten Fettsäuren auch in ernährungsphysiologischer Hinsicht überzeugt. Mitunter treibt der Hype rund um das Kürbiskernöl aber auch bunte Blüten: So durfte ein 28

Murtaler Bauer sein Kernöl nicht „steirisch“ nennen – nur weil es nicht aus einem traditionellen Kürbisanbaugebiet stammte. Doch zurück zum Bauernhof Grain, wo sich nun langsam der herrliche Duft gerösteter Kastanien ausbreitet. Im Hof werden die „Kästn“ über der Glut gebraten, ebenso wie die frisch geernteten „Woazn“ – so der einheimische Begriff für die Maiskolben, die mit Butter und Salz einfach herrlich schmecken. Getrunken wird dazu, wie immer zu dieser Zeit, ein Glas „Sturm“: jener fruchtig-trübe, junge Wein nach der ersten Gärung, der so gut zum Geschmack der Kastanien passt. Handelt es sich beim „Sturm“ noch um ein Übergangsprodukt zwischen Most und Wein, so genießt Letzterer längst einen international anerkannten Ruf: Neben dem Kürbiskernöl ist der steirische Wein der zweite große Verkaufs- und Exportschlager der Region. Und so befinden sich auch etliche Buschenschenken gleich in der Nähe. Wer schon einmal den hervorragenden Weißburgunder oder Welschriesling direkt beim benachbarten Weinbauern gekostet hat, der will gar nicht mehr weg. Was aber auch an der Herzlichkeit der Steirer liegen könnte. Und so erfährt man ganz nebenbei gleich ein paar Geschichten aus der Gegend, während man in der Sonne sitzt und genüsslich am Wein nippt, diesmal übrigens ein würziger Chardonnay. Dass dies nicht der letzte Besuch im Kürbiskernland war, ist eigentlich schon längst beschlossen. Ebenso wie die Tatsache, dass bei der Fahrt nach Hause ein paar Flaschen vom „grünen Gold“ im Kofferraum liegen werden.

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I N D E R S Ü D L I C H E N S T E I E R M A R K W E I T V E R B R E I T E T: D E R K Ü R B I S

KÜRBISKERNÖL: DAS GRÜNE GOLD DER STEIERMARK

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Doch das allein ist nicht der Grund für die erstaunliche Vielfalt an Delikatessen, die hierzulande je nach Region auf den Tisch gezaubert werden. Auch das große agrarische Spektrum – von den Almlandschaften bis hin zu den südlichen Weinbergen – sorgt für eine besonders bunte Speisekarte. Wer die Steiermark also richtig kennenlernen will, begibt sich am besten auf einen kulinarischen Streifzug quer durch das Land und plant dabei genügend Zeit für den einen oder anderen kulturellen Abstecher ein. Denn auch damit ist die „grüne Mark“ reich gesegnet. G AUMENFREUDEN IM AUSSEER L AND Erst schnuppert man das Flair der Kaiserzeit beim Anblick der prächtigen k. u. k. Villen, danach schnuppert man den Duft eines knusprig gebratenen Seesaiblings, der kurz davor noch im Altausseer See geschwommen ist. Für sein zartes hellrosa Fleisch geschätzt, wird der schmackhafte Saibling gerne auch über Buchenholz geräuchert – ein Gedicht! Für den Nachtisch empfiehlt sich ein Besuch im nahe gelegenen oberösterreichischen Bad Ischl: Der legendäre „Zaunerstollen“ der gleichnamigen Konditorei gehört bis heute zu den beliebtesten Spezialitäten des Hauses. Wer dabei erst richtig auf den Geschmack kommt, den erwartet „beim Zauner“ auch noch das größte Kuchenbuffet Österreichs. DIE GRÖSSTE KLOSTERBIBLIOTHEK DER WELT Über viele Jahrhunderte hinweg wurde in der Klosterbibliothek des Benediktinerstiftes Admont das Wissen der jeweiligen Zeit gesammelt und archiviert. Im 19. Jahrhundert sogar als „Achtes Weltwunder“ bezeichnet, sind die Dimensionen der Bibliothek – 7 Kuppelgewölbe und 70.000 Bücher auf 70 m Länge – auch für heutige Maßstäbe noch gewaltig. Schreitet man über den edlen Marmorboden durch die 13 m hohen Säle und lässt den Blick über die Schriftwerke und die prächtigen Deckenfresken von Bartolomeo Altomonte schweifen, so spürt man eine tiefe Ehrfurcht vor den künstlerischen Meisterleistungen, zu denen die Menschen schon zu damaliger Zeit imstande waren. WILDROMANTISCH: DAS GESÄUSE Seinen Namen verdankt das wildromantische Tal dem gewaltigen Donnern und Brausen, mit dem der Fluss Enns über die Felsen ins Tal stürzt. Darüber thronen die Gipfel der Ennstaler Alpen, um­ringt von jenen dichten Wäldern, die der Steiermark den Bei­ namen „grüne Mark“ gaben. In dieser atemberaubenden Landschaft, die als „Nationalpark Gesäuse“ in ihrer Ursprünglichkeit bewahrt wird, findet das Wild einen natürlichen Lebens- und Rückzugsraum: In einer Höhe von 700 bis 1600 m ernährt es sich von frischen Kräutern und Gräsern. Kein Wunder also, dass man in den Restaurants und Gasthäusern, aber auch in den Fein­kost­ läden der Gegend jede Menge ausgezeichneter Wildspezialitäten findet. Empfehlung: Gams-Krainer und Hirschwürstel für zuhause mitnehmen! PILGERSTÄT TE UND BÜRGER ALM: MARIA ZELL Wer dem Rummel rund um die Mariazeller Basilika, einer der wichtigsten Wallfahrtsorte Europas, lieber den Rücken kehrt, fährt am besten mit der Seilbahn auf die Mariazeller Bürgeralpe. Hier verzaubert im Sommer auf 1300 m Seehöhe die „Mariazeller Bergwelle“ die Gäste: eine gelungene Kombination aus Bergpanorama, Licht- und Lasertechnik, Wasserspielen und Live-Musik. Während unterschiedlichste Künstler und Musikgruppen auf der Seebühne auftreten, tanzen bis zu 40 m hohe Wasserfontänen zur Musik. DIE ERSTE GEBIRGSBAHN DER WELT Für Eisenbahnnostalgiker ist ein Abstecher zur nahen Semmeringbahn geradezu ein Muss: 1854 in Betrieb genommen,

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führte die erste Gebirgsbahn der Geschichte über die für damalige Zeiten ziemlich waghalsige, weil schluchten- und kurvenreiche Strecke von Gloggnitz nach Mürzzuschlag und zurück. 1998 wurde die Semmeringbahn zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt, und auch heute noch ist dieser Teilabschnitt der Bahnstrecke von Wien in den Süden ein Erlebnis für sich. DER NATURPARK ALMENL AND Man wähnt sich im Märchen, wenn man an den saftig grünen Wiesen und dunklen Wäldern entlangfährt und plötzlich, eingebettet in ein weites Hochplateau, den dunkelblauen Teichalmsee vor sich sieht. Wem der Magen knurrt, der interessiert sich möglicherweise mehr für das, was da auf den Almwiesen in großer Zahl herumsteht und -liegt: Rund 4000 Almochsen weiden auf der Teichalm unter freiem Himmel, stärken sich an frischen Gräsern, würzigen Kräutern und klarem Quellwasser. Diese angenehmen Lebensbedingungen erfreuen indirekt auch den Gast, denn ein rosa gebratenes Almochsen-Steak zergeht auf der Zunge. DIE GENUSSHAUPTSTADT ÖSTERREICHS So eine Bezeichnung muss erst verdient werden; für Graz allerdings eine Leichtigkeit: Rund 800 Stadtbauern versorgen die zweitgrößte Stadt Österreichs mit hochwertigen, frischen Produkten – und die KöchInnen in den Restaurants wissen sie vortrefflich zuzubereiten. Daneben ist Graz eine der insgesamt 10 von der UNESCO ernannten „Cities of Design“ und wartet mit einem außergewöhnlichen kulturellen Angebot auf: Festivals wie die Styriarte Graz oder der Steirische Herbst locken alljährlich tausende Besucher an, wie auch der österreichische Skulpturenpark, das Universalmuseum Joanneum und das moderne Kunsthaus. Das Schloss Eggenberg und der historische Stadtkern zählen zu den UNESCO-Welterbestätten. DER GR A ZER KR AUTHÄUPTEL Die Gegend rund um Graz eignet sich hervorragend für den Anbau von Salaten. Am bekanntesten davon ist der Grazer Krauthäuptel, den man in der Saison auf jedem Grazer Bauernmarkt findet. Beliebt ist er vor allem wegen seines zart-knackigen, leicht süßlichen und bitterfreien Geschmacks. Tipp: Mit steirischem Kürbiskernöl und Apfelessig marinieren – oder einfach in einem der vielen guten Restaurants der Stadt bestellen. GRUSEL UND GENUSS: DIE OSTSTEIERMARK Gleich drei Ausstellungen auf der Riegersburg entführen die Besucher auf eine multimediale Reise in die Zeit der Türkenkriege und Hexenverfolgungen, aber auch der barocken Lebenslust. So gruselig die Vergangenheit der einst mächtigsten Festung der Christenheit, so genussvoll eine kulinarische Erkundung der Umgebung: Bei der Verkostungstour in der Schokoladenmanufaktur Zotter erfährt man alles über die bekannte Schokolade, und in der Schinkenwelt „Vulcano Ursprung“ werden die Gäste in die Welt des feinen Vulkanschinkens der Region eingeführt. Ebenso eine Kostprobe wert: Mangalitzaspeck und -schinken – vorzugsweise mit frisch geriebenem steirischem Kren. DIE SÜDSTEIRISCHE WEINSTR ASSE Auch wenn der Begriff „Steirische Toskana“ schon viel zu oft verwendet wurde: Beim Anblick der sanften Weinhügel und Zypressen hier im Süden des Landes drängt sich dieser Vergleich geradezu auf. Ganz anders steht es um die Spezialitäten der Region: Am besten bestellt man in einer Buschenschank einen Käferbohnen-Salat mit Kernöl und ein Glas steirischen Wein, zum Beispiel einen Weißburgunder oder Sauvignon Blanc. Wenn man dann richtig Appetit bekommen hat, lässt man sich eine reich garnierte „Brettljause“ mit frischen Schinken- und Wurstspezialitäten von heimischen Produzenten servieren.

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Willkommen im

Genuss-Land! Wer schon einmal hier war, weiß: Die Steirer sind einfach Genuss­-

F O TO S   O EW M, An na S t ö ch er / a us t r i an im ag e s .c o m

menschen.

MORGENSONNE ÜBER SÜDSTEIRISCHEN WEINGÄRTEN DIE MURINSEL IM ZENTRUM VON GRA Z D E R G R A Z E R H A U P T P L AT Z

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WIEN

Wien kaiserlichdynamisch T E X T: M I C H A E L A S C H W A R Z

Von charmanten Designerläden bis zu farbenfrohen Märkten: Das imperiale Wien ist vielmehr eine aufregende Metropole

mit unzähligen Überraschungen.

Als wir zum ersten Mal am Donaukanal entlangflanieren, glauben wir uns zunächst mitten in Berlin. Knallbunte Graffiti zieren die Steinmauern, am Ufer des Donauarms reihen sich Szene-Bars und Beach-Clubs aneinander. Das ist eine Meile für Genussmenschen, für Jogger, Radler, Sonnensüchtige. Und jene, die den Blick aufs sanft fließende Wasser lieben. Was uns imponiert, ist diese herrliche Symbiose aus Moderne und Historischem. Die farbenfrohe Straßenkunst leuchtet hier mit weltberühmter Jugendstil-Architektur um die Wette: Otto Wagner begegnet einem gleich mehrmals entlang des Weges. Bei den Gebäuden der U-Bahn-Stationen Friedensbrücke und Roßauer Lände. Oder beim Schützenhaus, das Wagner einst zur Regulierung des Donaukanals plante. Mittlerweile ist darin ein gleichnamiges, auf traditionelle Küche spezialisiertes Restaurant untergebracht. Unser nächster Halt: das MuseumsQuartier. Eines der größten Kunst-Areale weltweit beherbergt innerhalb der Mauern ehemaliger Hofstallungen rund 60 kulturelle Einrichtungen. Darunter auch sehr bedeutende Institutionen wie die Kunsthalle Wien, das Leopold Museum und das mumok (Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig). Die barocken Bau-Elemente mischen sich mit junger Architektur, das Szene-Flair trifft auf facettenreiche Kultur-Angebote. Mittendrin entfaltet sich ein großzügiger Innenhof, der anmutet wie ein urbanes Wohnzimmer. Bevölkert von Jung und Alt, die hier auf den innovativen Sitzgarnituren plaudern, lesen, sich entspannen. 32

Nur wenige Meter weiter, in den engen Gässchen rund um die große Einkaufsmeile Mariahilfer Straße, sprießen junge Designer-Läden aus dem Boden. Wir spüren förmlich, dass hier das kreative Viertel von Wien angesiedelt ist. Ein Blick durch die kleinen Schaufensterläden gibt uns Recht: Viele individuelle Einzelstücke, weitab vom Mainstream, sind zu sehen. Ob Mode, Accessoires oder Design. Zum Beispiel am Spittelberg, wo sich in romantischen Biedermeier-Häusern liebevolle Fashion-Boutiquen verstecken. Manche der dort ansässigen Designer sind mittlerweile über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Allen voran Lena Hoschek, deren Retro-Style auch Stars wie Katy Perry begeistert. Oder Susanne Bisovsky, deren Wiener Chic internationale Haute Couture repräsentiert. Die trendige Wiener Seele erleben wir auch auf den farbenfrohen Genussmärkten der Stadt. Beim berühmten Naschmarkt, der mit seinen vielen Bars, Ständen und dem Flohmarkt am Samstag ein Rundum-Erlebnis bietet. Dort flanieren wir durch orientalische Kulturen, kosten uns durch das breite EssensAngebot und lassen uns anschließend zu einer entspannten Nachmittagspause nieder. Um bald zu entdecken, dass es noch mehr Geheimtipps gibt. Der Karmelitermarkt im zweiten Bezirk versprüht hippes Flair, ebenso wie der aufstrebende Meidlinger Markt oder der frisch sanierte Vorgartenmarkt. Sie alle zeigen die Zuckerseiten des Lebens: leicht, unbeschwert und genießerisch. Genau so, wie wir es haben wollen.

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F O T OS   K u ns t h a lle W i en 2 0 14 , S t ep h an W y ck o f f / S us an n e Bi s o v x k y

KUNSTHALLE WIEN IM MUSEUMSQUARTIER

S U S A N N E B I S O V S K Y / „ W I E N E R C H I C & 3 M A E D E R L H O U S E “ S W A R O V S K I - S TA G E V I E N N A 2 0 1 6

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Rhythmisch geht’s beim Vienna Blues Spring zu: Seit 2005 überzieht das Festival die Stadt mit vielen Blues-Konzerten. Mehr als sechs Wochen lang kann man den internationalen und heimischen Acts lauschen. Mit dabei waren schon Größen wie Charlie Musselwhite, Kim Wilson oder Eddie „The Chief“ Clearwater. Wichtigster Austragungs-Ort: das Veranstaltungszentrum Reigen, wo schon in den 50er-Jahren erste Jazz-Konzerte stattfanden. www.viennabluesspring.org Wer tief in die österreichische Musik-Szene eintauchen will, sollte das Popfest nicht versäumen. Bei freiem Eintritt wird die Vielfalt der heimischen Talente gezeigt. Viele der Konzerte finden unter Sternenhimmel statt: Gespielt wird Open Air auf der Seebühne vor der Karlskirche, die dann imposant mit kunstvollen Visuals beleuchtet wird. Stimmungsvoll und lebendig ist dieses mehrtägige Event, bei dem auch benachbarte Orte bespielt werden: das brut im Künstlerhaus etwa oder die Räumlichkeiten der Technischen Universität. www.popfest.at Einen Besuch ist garantiert auch das Akkordeon Festival wert. Und das nicht nur für Fans diesesvielfältigen Instruments, sondern auch für alle, die es noch werden wollen: Einen ganzen Monat lang steht das Akkordeon mit seinen zahlreichen künstlerischen Facetten im Fokus. Seit dem Jahr 2000 wächst dieses Festival stetig – zu einem Event von internationalem Rang, bei dem sich berühmte Tonkünstler mit Newcomern, Konzerte mit Workshops und Tanz abwechseln. Performt wird an rund 20 Spielstätten. www.akkordeonfestival.at Gleich ganz dem Tanz hat sich eines der international wichtigsten Wiener Festivals verschrieben: ImPulsTanz. Was klein begonnen hat, gilt mittlerweile als die größte europäische Veranstaltung für zeitgenössischen Tanz. International berühmte Choreografen und Tänzer von Wim Vandekeybus über Jerome Bel bis zu Marie Chouinard verzaubern Wien dann fünf Wochen lang mit Contemporary Dance. Mitmachen können übrigens alle: Zahlreiche Workshops, oft von namhaften Szene-Größen geleitet, laden zum Lernen und Entdecken ein. www.impulstanz.com Hoch über den Dächern schlägt der Stadt-Puls besonders schnell. So auch im Restaurant Le Loft, das im 18. Stockwerk des Sofitel einen beeindruckenden Blick über Wien erlaubt. Vom Stephansdom über die hügeligen Wein-Gegenden bis zum angrenzenden Donaukanal erstreckt sich die faszinierende Kulisse. Hier wird elsässisch inspirierte Küche in hellem und rundum verglastem Ambiente serviert. Das Le Loft sticht übrigens schon von Weitem ins Auge: dank einer imposanten, sich spiegelnden Lichtdecke von Medien-Künstlerin Pipilotti Rist. Lässiges Flair in luftigen Höhen versprüht der Dachboden im 25hours Hotel. Mit bunten Möbeln und gemütlichen Sitzgelegen­heiten wird ein lässiges Ambiente zwischen Wohnzimmer-Atmosphäre und spielerischem Zirkus-Varieté geschaffen. Wer mag, nimmt seinen Drink mit nach draußen: Auf der wunderbaren Terrasse hat man das Parlament im Visier, bei gutem Wetter reicht die Sicht sogar bis zu den Weingärten Korneuburgs. Außerdem legen regelmäßig DJs auf und verwandeln den entspannten Afterwork-Hotspot in ein Tanz-Parkett. www.25hours-hotels.com Die jungen Ecken der Stadt entdeckt man am besten bei einem Spaziergang. Interessant ist etwa eine Wanderung durch die kleine Theobaldgasse (6. Bezirk), die innerhalb weniger hundert Meter gleich mehrere innovative Geschäfte und Projekte 34

beherbergt. Einmal den Shop We Bandits, der Eigenkreationen und modische Entdeckungen aus Skandinavien oder Asien zum Kauf anbietet. Dann das Label anzüglich mit seiner fair produzierten Bio-Mode. Ein paar Häuser weiter hat sich der besondere Bioladen Feinkoch angesiedelt, der fix abgewogene Zutaten (samt Rezept) für den schnellen Kochgenuss bereitstellt. Auch in dieser kleinen Gasse daheim: die Espresso-Bar Akrap, deren Kaffee aus der hauseigenen Rösterei kommt, der Club Mon Ami und Afrika-­ Spezialist Habari. Wer noch mehr heimisches Design entdecken will, kann auf der benachbarten Gumpendorfer Straße weiter flanieren. Dort findet man von Anukoo bis zur Nachbarin Schönes und Tragbares aus individuellen Kollektionen. Noch mehr junge Mode kann man in Gehweite rund um die Linden- und Neubaugasse im 7. Bezirkentdecken. Bei Ina Kent werden Taschen-Fans fündig, lila verwöhnt alle, die eine Mischung aus urbaner Lässigkeit und wandelbarem Look suchen. Art Point steht für avantgardistische Mode, Elke Freytag hat coole Röcke im Angebot. Aber auch nordisch inspirierte Läden, vom finnshop über Fjordlys bis zu designqvist, entdeckt man bei diesem Rundgang. Zum Stöbern laden in dieser Gegend auch zahlreiche Second-Hand-Boutiquen ein. Beeindruckend ist das Palmenhaus im Sommer wie im Winter. 1882 wurde das Gewächshaus als wunderschöne Stahl-­ Konstruktion errichtet. Neben dem Bereich zum Überwintern von Pflanzen beherbergt es auch ein Schmetterlingshaus. Und eine gleichnamige Brasserie, die den Charme alter Tage mit hippem Flair vereint. Einst nutzte der Kaiser diese Räumlichkeiten zur Entspannung, heute lassen sich im Jugendstil-Bauwerk viele nieder, um zu frühstücken oder einen der erlesenen Weine zu probieren. An einem Seitentrakt der Hofburg gelegen, hat man auf der imposanten Terrasse den Burggarten direkt zu Füßen. Das ist ein Treffpunkt für Romantiker, Nostalgiker und KulturInteressierte: Laufend bespielen Künstler und Musiker diese besonderen Räumlichkeiten. www.palmenhaus.at Er ist eine Institution und gehört zu Wien wie das Kaffeehaus und die Lipizzaner: der Würstelstand. An unzähligen StadtEcken zu finden, wird er zum Treffpunkt für Menschen unterschiedlicher sozialer Schicht und Herkunft. Es wird geplauscht, philosophiert – und natürlich auch geschmaust. Etwas Urwienerisches, diese Melange aus Gemütlichkeit und alter Zeit, kommt durch ihn zum Ausdruck. Der eine oder andere hat sich optisch stilvoll der Moderne angepasst und lässt die alte Tradition auf zeitgenössische Weise aufleben. Die bekannten Bitzinger Würstelstände am Albertinaplatz oder beim Riesenrad etwa, die mit als Wiens beste gelten. Und als chicste sowieso: in stylischer Optik, reduziert, modern. Vom Opernball-Besucher bis zum Taxifahrer genehmigen sich hier Hungrige einen Bosna, einen Hotdog oder eine Käsekrainer. Man muss nämlich wissen: Am Würstelstand sind alle gleich. Dazu gibt’s Bier vom Fass, Weine und sogar Champagner. Ein wenig untypisch mutet der Xpedit Kiosk an, wo zum Würstel hippes Flair serviert wird – hier, im im trendigen Freihaus-Viertel, das eine Meile kleiner Galerien ist.

G E N U S S I M J U G E N D S T I L- A M B I E N T E : D A S P A L M E N A H U S I N W I E N

Eine Rundreise durch das Land

F O TO   Pa l m en h au s W ie n, Gr eg or L ec hn er

Am Puls von Wien. Von Strauss bis Haydn: Wien ist eine Stadt berühmter Komponisten. Auch die aktuelle Musikszene pulsiert.


WIEN UND UMGEBUNG

Einmal raus aus der Stadt! T E X T: M I C H A E L A S C H W A R Z

Prunkvolle Schlösser, naturbelassene und herrliche Weine: in der Gegend rund um Wien gibt es allerhand zu besichtigen und zu entdecken.

Das Marchfeld ist ein spannender Teil Niederösterreichs. Als eine der größten Ebenen des Landes wird es auf zwei Seiten von Flüssen begrenzt: im Osten von der March, im Süden von der Donau und ihren malerischen Auen. Seinen zweiten Namen als „Kornkammer Österreichs“ verdankt es der ertragreichen Landwirtschaft und dient damit dem nahe gelegenen Wien als wichtiger Gemüselieferant. Die Gegend verfügt aber auch über ein reiches historisches Erbe. Prunkvoll sind die Spuren, die Adelige in den vergangenen Jahrhunderten hier hinterlassen haben. In guter Erreichbarkeit zur Donaumetropole bauten sie sich auf dem Land glamouröse Sommer- und Freizeitsitze. Faszinierende Garten­anlagen säumten die herrschaftlichen Schlösser, die großteils im Barock des 18. Jahrhunderts gebaut wurden. Sechs dieser herrschaftlichen Gebäude, die den Glanz vergangener Zeiten zeigen, sind unter dem Namen Marchfelder Schlösser bekannt. Dazu werden üblicherweise Schloss Marchegg, Hof, Niederweiden, Eckartsau, Orth und Obersiebenbrunn gezählt. Letzteres beherbergt mittlerweile ein Kloster. Auch andere haben nach einer Revitalisierung eine neue Nutzung erfahren: Schloss Orth etwa, in dem die Nationalpark-Verwaltung Donau-­ Auen untergebracht ist. Von hier aus starten viele ihre Entdeckungs-­ Tour durch die geschützte, 38 km lange Naturlandschaft, die eine der größten intakten Auen-Landschaften Europas ist. Besonders beeindruckend ist Schloss Hof, das sich über eine Fläche von mehr als 50 Hektar erstreckt und damit Österreichs größte Schloss-Anlage auf dem Land ist. Prinz Eugen von Savoyen erschuf sich hier in den späten 1720er-Jahren einen Land- und Jagdsitz der Sonderklasse: ein prunkvoller Gebäude-­ Komplex, der zu Europas Superlativen zählte. Herzstück war ein atemberaubender Garten, bepflanzt mit Rarem und Exotischem, der über sieben Terrassen bis zur March hinabreichte. 36

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F O TO   S ch l os s H of

B A R O C K I N R E I N K U LT U R : S C H L O S S H O F

DER GARTEN VON SCHLOSSHOF

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F O T OS   B u r ge n la nd Tou r is m u s , Pet e r B u r gs t al le r

KIRSCHBLÜTE IM BURGENLAND

S C H L O S S E S T E R H A Z Y I N E I S E N S TA D T

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F O TO   Ös t e r re ic h We rb un g , Ra l f K re u els

Ab dem Jahr 2002 erfuhr das Schloss eine umfassende Revitalisierung. Die originalen Möbel und Kunstgegenstände wurden wieder an ihre Plätze gerückt, der Garten mit seinen mächtigen Brunnenanlagen, seinen verwinkelten Nischen, den herrlichen Blumenmeeren und eindrucksvollen Skulpturen erstrahlt wieder im ursprünglichen Glanz. In dieser zauberhaften Welt können Besucher lustwandeln oder sich in der Meierei – von der Korbflechterei bis zur Schnapsbrennerei – durch das barocke Leben probieren. Außerdem finden vom Ostermarkt über Garten-­ Workshops bis zum großen Barock-Fest regelmäßig Veranstaltungen in des Prinzen Traumland statt. Niederösterreich ist nicht nur ein Land der Schlösser, sondern auch der Naturschönheiten. Als geschütztes Gebiet gilt neben dem bereits erwähnten Nationalpark Donau-Auen auch der Nationalpark Thayatal. Der kleinste österreichische Nationalpark wartet mit viel unberührter Landschaft auf: mit steil abfallenden Felswänden, natürlichen Laubwäldern und sanften Wiesen. Auf den Spuren von Bibern und Fischottern kann man bei Führungen durch das Areal wandern. Als einzige Metropole weltweit verfügt Wien über nennenswerten Weinbau. Aber auch die Regionen rund um die Hauptstadt haben eine Vorliebe für den edlen Tropfen. Bestes Beispiel dafür ist das niederösterreichische Langenlois, Österreichs größte Weinbau-Gemeinde. Im wunderschönen Kamptal gelegen, bietet es neben sanften Gärten und lieblichen Hügeln auch die Loisium Weinerlebniswelt, das wohl außergewöhnlichste Wein-Zentrum weit und breit, geplant vom amerikanischen Star-Architekten Steven Holl als extravagantes kubusförmiges Wahrzeichen mit einer futuristischen Hülle aus gebürstetem Aluminium. Dieses Weinmuseum mit angeschlossenem Design-Hotel beeindruckt auch auf den zweiten Blick: Es führt in eine bis zu 900 Jahre alte, labyrinthische Kellerwelt hinab. Einmal in der Gegend sollte man die Gelegenheit nicht verpassen, diese zu erkunden. Zum Beispiel bei einem Ausflug ins benachbarte Gartendorf Schiltern für einen Abstecher zu Arche Noah, einem Verein zur Erhaltung und Entwicklung der Kulturpflanzen-Vielfalt. Oder man kehrt im beschaulichen Städtchen Krems ein, das malerisch an der Donau gelegen ist. Auch im Burgenland dreht sich’s vielerorts um den süßen Rebstock. Im Süden etwa liegt der Naturpark in der Weinidylle: ein Areal, in dem Auwälder und Feuchtwiesen auf strohgedeckte Kellerviertel und romantisch angelegte Weingärten treffen. Das vielleicht ungewöhnlichste Juwel ist Heiligenbrunn, wo sich mehr

als hundert denkmalgeschützte Weinkeller befinden. So wandert man von einer Buschenschank zur nächsten, lässt sich bereitwillig vom Leben einlullen und genießt dabei den Wein regionaler Bauern. Auch im nördlichen Burgenland bildet der fruchtbare Lössboden die Grundlage für viele preisgekrönte Weine und an einem ganz besonderen kühlen Nass kommt man hier kaum vorbei: dem Neusiedler See. Das „Meer der Wiener“, so wird er oft sehnsüchtig genannt, hat seinen Namen nicht zu Unrecht: Beinahe unendlich weit blickt man auf eine Wasser- und Schilffläche von insgesamt 320 Quadratkilometern hinaus. Das Klima ist mild, satte 2000 Sonnenstunden zählt man hier im Jahr. Die häufig starken Winde machen den See auch zu einem beliebten Zentrum für Segler, Surfer und Kiter. Mittlerweile zählt der Neusiedler See zum UNESCO-Welterbe. Einkehren sollte man unbedingt in die Mole West. Das Café-Restaurant verführt mit spielerischer Leichtigkeit: Direkt über dem Neusiedler See erbaut, beobachtet man das rege Treiben der Segler, die sich spiegelnden Farben im Wasser oder Vögel im Sinkflug. Ein wunderbares Schauspiel, das man gemeinsam mit moderner Küche, gezaubert aus frischen und oft regionalen Zutaten, genießen kann. Dazu gesellen sich regelmäßig Konzerte. Zum Greifen nah ist es hier also, das Dolce Vita. Vor allem dann, wenn man sich auf die herrliche Terrasse setzt und der Sonne beim farbenfrohen Untergehen zusieht. Der bekannteste Genuss-Produzent der Region heißt übrigens Erich Stekovics und ist in Frauenkirchen anzutreffen. Aus dem kleinen Gemüsebetrieb seines Vaters stampfte er eine ungewöhnliche Landwirtschaft: Stekovics züchtet alte, längst vergessene Tomaten-Sorten. Sie reichen von „Dattelwein“ bis zur „Rose vom Libanon“, sind mal gelb, dann wieder grün, schmecken exotisch nach Melone oder Banane. Über 3200 vom Aussterben bedrohte Sorten erweckt der Bauer hier aus ihrem Dornröschenschlaf. Im Sommer kann man an Führungen teilnehmen, bei denen Stekovics auch über Herkunft und Geschmäcker seiner Lieblinge erzählt. Eines betont Erich Stekovics gerne: Seine Tomaten gießt er niemals. Er überlässt sie der vielen Sonne, die hier scheint. Und dem kräftigen Wind, der immer wieder bläst. Ein Leben nah an der Natur und eine Region voller Leichtigkeit, zu der das Motto der Mole West gut passt: „Es steckt mehr Philosophie in einer Flasche Wein als in allen Büchern dieser Welt.“ (Louis Pasteur)

KITE-SURFER AM NEUSIEDLERSEE

Eine Rundreise durch das Land

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die nur der See und ich Zweisamkeit

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