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Nachhaltigkeit auf den Weg gebracht Dokumentation zur 5. Mostviertler Nachhaltigkeitskonferenz am 3. und 4. September 2012 im Steinschaler DĂśrfl, Pielachtal

Finanziert aus Mitteln des NĂ– Wirtschafts- und Tourismusfonds.

www.nachhaltigkeitskonferenz.at


5. Nachhaltigkeitskonferenz | Inhalt

Inhalt

VORWÖRTER UND EINLEITUNG

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Mag. Andreas Purt: Nachhaltigkeit auf den Weg gebracht

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Dr. Stephan Pernkopf: Nachhaltigkeit muss gelebt werden!

keynote 6

Mag.Mag. Dr. Petra Stolba: Tourismus und Nachhaltigkeit: Version 2.0

EDEN-AWARD 10

Maša Puklavec: EDEN-Award: Slovenia Green

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Dipl. Ing. Bernd Fischer: EDEN-Award: Peene, Amazonas des Nordens

INTERVIEW GASTGEBER

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Dipl. Ing. Johann Weiss: Das Prozesshafte der Nachhaltigkeit

SANFTE MOBILITÄT IN DEN ALPEN

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Dipl. Ing. Otfried Knoll: Imagefaktor ÖV – Freiheit der Mobiliät

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Dr. Gerhard Stindl: Regionalentwicklung durch Bahn & Lift ?

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Thierry Müller, MAS: Attraktive Mobilitätsangebote

NACHHALTIGE ENTWICKLUNG IM LÄNDLICHEN RAUM

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Univ.-Prof. Dr. Werner Bätzing: Nachhaltige Entwicklung im ländlichen Raum

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Helmuth Innerbichler: Keine Entwicklung ohne umfassende Konzepte

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Mag. Arno Kronhofer: Mit sanften Angeboten punkten

GRÜNE VERANSTALTUNGEN IN DER PRAXIS

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Christine Opitz: Green Event – Hype oder Trend?

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Markus Punz: Sauberhafte Feste – poppige Ideen

NACHHALTIGKEIT AUF DEN MARKT GEBRACHT

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Mag. Wolfgang Schneeweiß: Nachhaltigkeit als Träger touristischen Marketings

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Josef Schett: Kommen sie zu uns – wir haben nichts!

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Partner

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5. nachhaltigkeitskonferenz | VORWÖRTER UND EINLEITUNG

Nachhaltigkeit auf den Weg gebracht Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile! Diese Bilanz zogen – frei nach Aris­toteles – nicht nur die drei Referentinnen und zehn Referenten der 5. Mostviertler Nachhaltigkeitskonferenz, sondern auch die 130 TeilnehmerInnen. Denn im Zentrum jeden nachhaltigen Handelns steht immer das gemeinsame Engagement aller Beteiligten, die vielen kleinen Beiträge, die in Summe nicht nur ein nachhaltiges Ergebnis liefern, sondern auch Impulse geben für permanente Weiterentwicklung. Über die Voraussetzungen waren sich alle ExpertInnen einig: Ein unverklärter Blick in die Vergangenheit, um „alte Schätze“ bewahren zu können. Eine klare Analyse der Gegenwart, um durch das Erkennen von Potentialen Ressourcen gezielt zu nutzen. Und ambitionierte Ziele für die Zukunft, um den nachfolgenden Generationen ein „lebens- und liebenswertes Leben“ (© Petra Stolba) zu ermöglichen. Mag. Andreas Purt, Mostviertel Tourismus GmbH, www.mostviertel.info

Nachhaltigkeit „Version 02“ – Schlagwort oder Werthaltung? Das Wort mag in aller Munde sein – doch nur dort, wo Nachhaltigkeit als selbstverständliche Wertehaltung auch (vor-)gelebt wird, entfaltet sie Wirksamkeit. Ist Nachhaltigkeit erst einmal ins Kerngeschäft integriert, kann sich das Tourismusland Österreich auch international differenzierend zum Wettbewerb positionieren. Der Mehrwert, so Petra Stolba, Geschäftsführerin der Österreich Werbung, kommt im Tourismus dann über die Erschließung neuer Gästegruppen. Als Profilierungsthemen ortet Stolba vier Trends: Sehnsucht nach Authentizität, Bedürfnis nach Struktur und Verlässlichkeit (re-grounding), Natur als Zufluchts- und Rückzugsort, Urbanisierung der Natur (Beispiel roof-top-gardening). EDEN-Award – Ruhekissen oder Innovations-Motor? Destinationsentscheidend ist ein EDEN-Award (European Destinations of Excellence) wohl nur für wenige Gäste, meint Maša Puklavec, Global PR- und EDEN-Award-Managerin der Slowenischen Tourismuszentrale. Die ausgezeichneten Regionen profitieren dafür gleich in mehrerer Hinsicht, wie auch Bernd Fischer, Geschäftsführer des Tourismusverbandes Mecklenburg-Vorpommern bestätigt. Die nachhaltige Orientierung wird zur Basis für alle strategischen Überlegungen zur zukünftigen Entwicklung, gleichzeitig stärkt die Auszeichnung das Selbstbewusstsein der regionalen Bevölkerung. Und wer stolz ist auf sein Land, engagiert sich auch für nachhaltige Ziele. Sanfte Mobilität in den Alpen –„Image-Mascherl“ oder Antriebsmotor? Destinationen können ihr Image über den öffentlichen Verkehr wirksam definieren, beweist Otfried Knoll, Inhaber der KNOLL Traffic & Touristic Solutions Unternehmens­ beratung, anhand von drei ganz unterschiedlichen Best Practice Beispielen: der Usedomer Bäderbahn, der reaktivierten Vinschgerbahn in Südtirol und dem ÖV-System Cote d‘Azur mit der wieder errichteten Straßenbahn von Nizza. Vorzeigeprojekte gibt es freilich auch in Österreich, wie Gerhard Stindl, Geschäftsführer der NÖVOG, eindrucksvoll belegt: Ob die neue Mariazellerbahn, die Schneebergbahn oder der Reblausexpress – sie prägen das Angebot ganzer touristischer Regionen und sichern nachhaltige Regionalentwicklung. Großes Vorbild bleibt freilich die Schweiz. Dort, so Thierry Müller vom Amt für Energie und Verkehr Graubünden, wird auch das (fast) Unmögliche möglich gemacht – vom Kanu-Transport mit der Bahn bis zu Car-Sharing-Modellen für den nahtlosen Tür-zuTür-Transport.

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Nachhaltige Entwicklung im ländlichen Raum oder: Sterben die Alpen aus? Mit einem Blick in die vorindustrielle Zeit startete Werner Bätzing, Alpenforscher und Professor für Kulturgeografie, seinen Vortrag über die Herausforderungen und Chancen im alpinen Raum. Sein Zukunftszenario: Die Alpen werden allmählich menschenleer und verwildern, wenn sie als Kulturlandschaft nicht in enger Vernetzung aller Beteiligten erhalten und aktiv bewirtschaftet werden. Wie das funktionieren kann, zeigen zwei innovative Tourismus-Profis. Als Bürgermeister von Sand in Taufers in Südtirol hat Helmuth Innerbichler seine Gemeinde innerhalb von zehn Jahren zur Vorzeige-Gemeinde gemacht – im Bereich „Energieautarkie“ ebenso wie im Bereich „Förderung von Gesundheit und Lebensqualität“. Der Weissensee in Kärnten, so Arno Kronhofer, Geschäftsführer von Weissensee Tourismus, profiliert sich dagegen mit sanften und im alpinen Raum einzigartigen Mobilitätsangeboten für seine Gäste – vom kostenlosen Naturparkbus bis zur Genussfloßfahrt am motorbootfreien See. Green Events – Nischen-Produkt oder Zukunfts-Standard? Keinen Hype, sondern einen echten Trend zu „Green Meetings“ und „Green Events“ ortet Christine Opitz, Geschäftsführerin der Event Company Opitz & Hasil. Der Weg ist freilich lang und (noch) nicht an allen Locations umsetzbar. Ihr Tipp: Es genügt nicht, ein zerti­ fiziertes Event zu inszenieren – die Nachhaltigkeit muss den Gästen auch bewusst gemacht werden. Ein ebenso amüsantes wie eindrucksvolles Best Practice-Beispiel liefert Markus Punz von den Niederösterreichischen Abfallverbänden. Mit eindeutig-zweideutig beschrifteten Trash Freak Shirts, Kurzvideos auf Youtube und starkem Facebook-Auftritt werden Jugendliche im Rahmen „Sauberhafter Feste“ für das Thema Abfall bei Festivals sensibilisiert. Kommunizierte Nachhaltigkeit – Marketing-Tool oder Verkaufs-Argument? „Kommen Sie zu uns, wir haben nichts“ – mit diesem koketten Werbespruch sorgte Josef Schett, Obmann des Tourismusverbandes Innervillgraten, für mediale Aufmerksamkeit. Die 1.800 Einwohner-Gemeinde in Osttirol in einem „Neben-Nebental“ des Pustertales gilt seither als Paradebeispiel für sanften Tourismus und ungekünstelte Ursprünglichkeit. Was sich in ständig steigenden Gästezahlen und lokaler Zuwanderung positiv niederschlägt. „Wahrheitsbeweise für Nachhaltigkeit“ fordert auch Wolfgang Schneeweiß, Geschäftsführer der Naturel Hotels & Resorts, Feriendörfer Kirchleitn und Bad Kleinkirchheim. Den aufwendigen Prozess nachhaltiger Entwicklung muss der Gast nicht kennen – aber er soll ihn spüren können und wertschätzen. Erst dann wird das Schlagwort von der Nachhaltigkeit im Tourismus zur gelebten Praxis – in der Bevölkerung, bei MitarbeiterInnen und bei den Gästen. Nachschau und Vorschau Zusammenfassungen aller Vorträge finden Sie in dieser umfangreichen Dokumentation. Auf www.nachhaltigkeitskonferenz.at sind alle Präsentationen und Referate abrufbar. Wir freuen uns, wenn Sie bei der nächsten Mostviertler Nachhaltigkeitskonferenz am 9. und 10. September 2013 im Pielachtal dabei sind.

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5. nachhaltigkeitskonferenz | VORWÖRTER UND EINLEITUNG

Stephan Pernkopf – Eröffnung der 5. Mostviertler Nachhaltigkeitskonferenz

Nachhaltigkeit muss gelebt werden! Nachhaltigkeit als politische Leitlinie für das tägliche Handeln bedeutet in der Umsetzung konsequenterweise: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es! Damit Nachhaltigkeit umgesetzt werden kann, genügt es nicht, sie anzukündigen. Sie muss gelebt werden. Tag für Tag. Das beginnt bei der Regionalentwicklung und geht über Energiepolitik bis hin bis zum öffentlichen Verkehr. Gerade im Bereich Infrastruktur legt Niederösterreich ein ganz klares Bekenntnis ab, nicht zuletzt mit dem Ausbau der Mariazellerbahn und dem Bemühen, regional wichtige Skigebiete auch in Zukunft zu erhalten. Denn wenn das Land hier gezielt einspringt und investiert, haben Private die Möglichkeit, sich in jedem Sinn des Wortes nachhaltig zu engagieren. Nachhaltigkeit muss zum Standard werden! Das gilt auch im Hinblick auf die Lebensmittelversorgung. Wir müssen in den kommenden Jahren und Jahrzehnten dafür sorgen, dass Lebensmittel aus der Region erfolgreich vermarktet und die dafür notwendigen regionalen Strukturen aufgebaut werden. So schafft und schützt man Arbeitsplätze in der Region, kann höchstmögliche Qualität garantieren und schont aufgrund der kurzen Transportwege die Umwelt. Die Lebensmittelversorgung ist ein globales Problem angesichts der Prognosen, dass die Weltbevölkerung in den nächsten Jahrzehnten von 7 auf 9 Milliarden Menschen anwachsen wird. Umso wichtiger sind daher Aktionen wie die „Genuss Region Österreich” oder „So schmeckt Niederösterreich”, die ein neues Bewusstsein für Regionalität schaffen. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Energiepolitik, speziell im Hinblick auf nachhaltigen Tourismus. Schon heute ist Nachhaltigkeit für eine immer größer werdende Gruppe von Urlaubern ein positives Entscheidungsmerkmal bei der Auswahl eines Hotels oder einer Destination. Hier sind wir in Niederösterreich sehr gut aufgestellt. Derzeit werden 91 % des Strombedarfs aus erneuerbarer Energie erzeugt, bis zum Jahr 2015 sollen es 100 % sein. Gemeinsam mit den Verantwortlichen vor Ort wird geklärt, ob und in welchem Bereich Biomasse Sinn macht, wie sich Photovoltaik einsetzen lässt oder wo Windräder so aufgestellt werden können, dass sie sich bestmöglich in die Landschaft integrieren. Der Tourismus profitiert davon. Und ist gleichermaßen als Akteur daran beteiligt, dass nachhaltige Tourismuskonzepte – vom Gesundheitstourimus bis hin zu Wein, Kultur & Kulinarik – Qualität und Vielfalt im Angebot garantieren.

Dr. Stephan Pernkopf ist Landesrat für Umwelt, Landwirtschaft und Energie der Landesregierung Niederösterreich und – als Nachfolger von Ex-EU-Kommissar Dr. Franz Fischler – Präsident des Ökosozialen Forums, das sich als unabhängige Plattform und als „Think Tank“ für die Idee der Ökosozialen Marktwirtschaft und ihrer Umsetzung versteht.

Nachhaltigkeit muss finanziert werden! Nicht alle notwendigen und wünschenswerten Maßnahmen lassen sich am freien Markt finanzieren. Das gilt nicht nur für den Kulturbereich. Ein gutes Beispiel ist die Dirndlregion Pielachtal, die es ohne Regionalförderungen und Fördertöpfe aus der öffentlichen Hand in dieser Form gar nicht gäbe. Wir kämpfen daher in Brüssel um jeden Euro für die Regionalentwicklung und haben bereits dafür gesorgt, dass in Niederösterreich die Co-Finanzierung auch in den Budgets der nächsten Periode sichergestellt ist. Nachhaltigkeit muss Chancen nutzen! Dass die Landesausstellung 2015 „Natur und Technik – Aufbruch in einen neuen Mostviertler Bergsommer” ins Most­viertel geholt werden konnte, ist einer gemeinsamen Anstrengung vieler engagierter Menschen zu verdanken. Hier wurde in beispielhafter Weise eine Chance genützt. Weitere Konzepte, mit denen wir Nachhaltigkeit auf den Weg bringen, sollen und werden folgen. Denn die letzte Landesausstellung in Carnuntum hat bewiesen, dass ein solches Großprojekt noch jahrelang Investitionen nach sich zieht. Ich bin daher sicher, dass die Landes­ ausstellung 2015 ein wichtiger Motor und Impulsbringer für die ganze Region sein wird.

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5. nachhaltigkeitskonferenz | keynote

Petra Stolba – Keynote zur 5. Mostviertler Nachhaltigkeitskonferenz

Tourismus und Nachhaltigkeit: Version 2.0 Schlagwort oder Werthaltung?

Mag.Mag. Dr. Petra Stolba ist seit 2006 Geschäftsführerin der Österreich Werbung. Davor leitete die gelernte Kommunikations- und Politikwissenschaftlerin sowie Betriebswirtin die Bundessparte Tourismus und Freizeitwirtschaft der Wirtschaftskammer Österreich. Info & Kontakt: B2B www.austriatourism.com b2b_info@austria.info B2C www.austria.info urlaub@austria.info

Unsere Gesellschaft unterliegt einem permanenten Wandel, wobei Sozialforscher feststellen, dass wir uns derzeit in einer Phase des Übergangs befinden. In solchen Übergangsphasen werden alte Werte abgelöst, neue gewinnen an Bedeutung. Nachhaltigkeit ist einer dieser Werte, die unsere Gesellschaft derzeit auf vielen Ebenen bewegen. Für den Paradigmenwechsel, den wir gerade erleben, ist Nachhaltigkeit deshalb von besonderer Bedeutung, weil sie auf die Zukunft und die Lebensqualität nachfolgender Generationen ausgerichtet ist. Nachhaltiges Planen und Handeln wirkt in alle unsere Lebensbereiche hinein und wird das in Zukunft noch viel stärker tun. Das zeigt sich nicht nur in globalen Klimadiskussionen, in Politik und Kultur, sondern auch in Kernbereichen der westlichen Wirtschaft, wenn man etwa an die wachsenden Marktsegmente für Bio-Produkte oder nachhaltige Kapitalanlagen denkt. Aber auch im Tourismus, einem der „Sinnmärkte der Zukunft“, wird Nachhaltigkeit eine immer stärkere Rolle spielen. Nachhaltigkeit im Tourismus Der Begriff „Nachhaltigkeit“ kommt eigentlich aus der Forstwirtschaft und meint, nie mehr zu verbrauchen, als nachwachsen kann. Heute geht der Begriff über die reine Rohstoffversorgung hinaus und beschreibt die Nutzung eines regenerierbaren Systems insgesamt. Damit werden nun drei Dimensionen umfasst, nämlich die ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeit – wir sprechen daher vom „Drei-Säulen-Modell der Nachhaltigkeit“. Wenn sich heute ein Urlaubsland in Bezug auf Nachhaltigkeit präsentiert, so stehen meist begeisternde Naturlandschaften und Schutzgebiete – also die ökologische Dimension – im Vordergrund. Diese Ressourcen werden auch in Zukunft eine wesentliche Basis des österreichischen Tourismus sein. Dennoch gehört zu innovationsorientierten, nachhaltigen Angeboten deutlich mehr. Nur in Verbindung mit einer sozialen und ökonomischen Nachhaltigkeit können mittel- und langfristig auch erfolgreiche Angebote entwickelt werden! Kompetenz und Wertethema Obwohl die Reisebranche in der Bewerbung und den Katalogen den Aspekt der „Nachhaltigkeit“ immer wieder besonders herausstreicht, ist festzuhalten, dass Kunden ihre Reiseentscheidungen vorzugsweise nach anderen Kriterien treffen. Nachhaltigkeit wirkt im breiten Maße derzeit noch nicht als zentrales Motiv bei der direkten Reise­ entscheidung. Sie ist vielmehr als Kompetenz- und Wertethema zu verstehen, in dem die Verantwortung für eine bessere Welt von morgen ihren Ausdruck findet. Nachhaltigkeit darf also nicht nur als Mehrwert beim Reiseangebot gesehen, sondern muss in die Kerngeschäfte des Tourismus integriert werden. Um der Branche strukturierte Handlungsfelder und Möglichkeiten für die Angebotsund Produktentwicklung in diesem Bereich zu geben, hat die Österreich Werbung ein Grundlagen- und Diskussionspapier verfasst. In Form einer Pyramide werden drei Anforderungsebenen, deren Qualitätsmerkmale immer spezifischer und „spitzer“ werden, dargestellt.

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An der Spitze stehen Visionen In einem ersten Schritt gilt es für touristische Produkte und Dienstleistungen, die Basis­ anforderungen in puncto Nachhaltigkeit zu erfüllen. Das bedeutet, dass grundsätzlich nachhaltige Prinzipien (siehe 3-Säulenmodell) eingehalten werden müssen und das Produkt nicht im Widerspruch dazu stehen darf. Darauf aufbauend gilt es auf der zweiten Stufe der Angebots- und Produktentwicklung, nachhaltige Aspekte für Gäste spürbar und erlebbar zu machen – auf materieller und immaterieller Ebene. Konkret bedeutet das neben dem Einsatz nachhaltiger Materialien und nachhaltiger Unternehmensführung vor allem, Dienst- und Erlebnisleistungen zu gestalten, deren nachhaltige Aspekte in der Begegnung mit dem (potenziellen) Gast aktiv vermarktet und kommuniziert werden. Wer in der Produktentwicklung darüber hinausgehen will, wem es tatsächlich um Exzellenz geht, der muss Visionen haben und erkennen, wo Österreichs Tourismus besondere Profilierungschancen hat. Für den Tourismus haben wir diese dritte Anforderungsstufe der Visionen in drei Handlungsfelder gegliedert – und zwar: _ Vision Technologie. Null-Bilanz bei sämtlichen Emissionen und optimale Kreisläufe für Energie und Ressourcen. _ Vision Regionalität und Identitätskultur. Bewahrung des materiellen und immateriellen Erbes, aber auch dessen Hineinwirken in Gegenwart und Zukunft. _ Vision der wirksamen „Gast-Gastgeber-Beziehungen“. Gastgeber eignen sich verschiedene passende Kernkompetenzen an. Beispiel: Lebenskompetenz oder Fähigkeit zur Motivation, Überzeugung und Anleitung der Gäste, selbst für ihr Urlaubsglück verantwortlich zu sein.

Visionen für den Tourismus

Anforderungen an den Tourismus Nachhaltigkeit wird in Dienst- und Erlebnisleistungen spürbar

Basisanforderungen

Nachhaltigkeit im Tourismus die Österreich Werbung definiert hierfür 3 Anforderungsebenen und Qualitätsmerkmale in Form einer Pyramide

Produkt steht nicht im Widerspruch zum Drei-Säulen-Modell

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5. nachhaltigkeitskonferenz | keynote

Mecklenburg-Vorpommern hat 14 Klimawälder eingerichtet. Mit dem symbolischen Kauf eines Baumes bekommen umweltbewusste Urlauber die Chance, sich am Entstehen des ersten deutschen Tourismuswaldes zu beteiligen und ihren Urlaub damit CO2 – neutral zu gestalten. Im Klimawald auf der Insel Usedom steht nun auch ein Baum, der im Rahmen der Nachhaltigkeitskonferenz gepflanzt wurde.

Fazit und Ausblick Nachhaltigkeit als Kompetenz- und Werte­ thema mit allen skizzierten Facetten wird für den österreichischen Tourismus zu einem Profilierungsthema und damit zur Chance, neue Impulse für die Produktentwicklung und Absicherung des wirtschaftlichen Erfolges der Branche zu setzen. Nachhaltige Produkte und Leistungen dürfen jedoch nicht auf den ökologischen Blickwinkel reduziert werden. Nur das Zusammenspiel sozialer und ökonomischer Nachhaltigkeit garantiert den langfristigen Erfolg derartiger Impulse. Nachhaltigkeit darf aber auch nicht nur als kommunikativer Mehrwert beim Reiseangebot gesehen werden, sondern muss in die Kerngeschäfte des Tourismus integriert werden. Eine Fokussierung auf Erlebnisleistungen und eine konsequente Einbindung in die Vermarktung stellen wesentliche Anforderungen an die Entwicklung derartiger Produkte und Leistungen dar. Nur so wird es im internationalen Wettbewerb gelingen, das Tourismusland Österreich differenzierend zum Wettbewerb zu positionieren. Österreich hat eine ausgezeichnete Grundlage geschaffen, dieses für attraktive Zielgruppen so wichtige Profilierungsfeld über ernsthafte Lösungsansätze zu besetzen. Gelingt es, weiterführende Projekte zu entwickeln und am Markt zu implementieren, ist dies ein neuer, bedeutsamer Schritt vom reinen Erholungsurlaub zu einem Urlaub, der Erfahrungen vermittelt, die auch für die Gäste einen langfristigen Wert darstellen und Orientierung für die Zeit nach dem Urlaub geben. Begeisterung und hohe Loyalität sind die logischen Folgen eines derartigen Engagements.

Eine nachhaltige Tourismusentwicklung anzustreben bedeutet, die Zielsetzungen aller Bereiche der nachhaltigen Entwicklung (Ökologie, Ökonomie, Soziales) auf den Tourismus umzulegen. Und es bedeutet darüber hinaus, Visionen für die Zukunft zu entwickeln, die den anzustrebenden (aber schwer zu erreichenden) „Idealfall“ darstellen.

Am 3. und 4. September 2012 wurde nicht nur nachhaltig präsentiert, referiert, diskutiert, sondern auch logiert und gustiert: das Steinschaler Dörfl in Frankenfels.

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5. nachhaltigkeitskonferenz | eden-award

Maša Puklavec

EDEN-Award: Slovenia Green Nachhaltigkeit als nationales Erfolgsmodell: Slowenien zeigt vor, wie sich nachhaltige Orientierung in alle strategischen Überlegungen effizient einbinden lässt. Die „moderne“ Gesellschaft setzt auf Gemeinschaft, Natur, Authentizität und „Selfness“ – man will sich beim Genießen der Natur verbunden fühlen. Naturtouristische Ziele, deren Entwicklung auf der Ausgewogenheit der natürlichen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Aspekte beruht, werden daher immer öfter besucht. Genau das hat Slowenien zu bieten, vor allem die slowenischen EDEN-Destinationen.

Maša Puklavec, Global PR- und EDEN-Managerin der Slowenischen Tourismuszentrale, leitet seit Februar 2012 die Abteilung für Beziehungen zu ausländischen Öffentlichkeiten der Slowenischen Tourismusorganisation mit dem Schwerpunkt strategische Kommunikation. Info & Kontakt: www.slovenia.info/eden masa.puklavec@slovenia.info

SLOVENIA is green Slowenien verfügt über alle natürlichen Gegebenheiten, die für die Entwicklung des grünen Tourismus notwendig sind. Die besonderen und abwechslungsreichen Naturgegebenheiten stellen die Voraussetzungen für die Entwicklung eines Grünen und verantwortungsbewussten Tourismus dar: _ 65 % der Gesamtfläche Sloweniens sind von Wäldern bedeckt. Slowenien ist damit auf Platz drei der waldreichsten Länder in Europa. _ Ganze 36 % der Landesfläche Sloweniens sind in das Netzwerk Natura 2000 eingebunden. _ Ein Fünftel der slowenischen Küste befindet sich in einem geschützten Gebiet. _ Nach der Menge an Flusswasser pro Einwohner ist Slowenien eines der reichsten Länder Europas. _ In Slowenien gibt es insgesamt um die 28.000 Kilometer Wasserläufe und rund 1.300 Seen. _ In Slowenien sind mehr als 22.000 Tier- und Pflanzenarten beheimatet, deshalb gehört es zu den naturreichsten Ländern in Europa. _ In Slowenien liegt der Urwald nur 60 Kilometer von der Hauptstadt entfernt. Laut der Ergebnisse einer internationalen Studie über die Wettbewerbsfähigkeit der Tourismusbranchen, in der Slowenien zusammen mit 139 anderen Ländern untersucht wurde, erreichte Slowenien einen beeindruckenden 23. Platz bei der Bewertung der Bedingungen für eine nachhaltige Entwicklung der Umwelt. Die wichtigsten slowenischen touristischen Produkte sind eng mit der Natur verbunden. Gerade Sloweniens abwechslungsreiche Landschaft und unversehrte Natur machen das Land zu einem perfekten touristischen Ziel für Wandern, Nordic Walking, Radfahren, Golf, alle Arten von Wassersport und den Landtourismus. Und auch das gastronomische Angebot beruht auf einer großen Vielfalt lokaler und regionaler Küche.

In Slowenien bedeutet grün mehr als nur eine Farbe. Es steht für unberührte Natur und das Ziel sie zu bewahren.

SLOVENIA promotes green Die Gestaltung, Entwicklung, Kommunikation und Führung der Marke Sloweniens als touristisches Ziel zählen zu den vorrangigen strategischen Marketing-Ausrichtungen des slowenischen Tourismus. Wir möchten unsere Marke dazu nutzen, die richtigen Aussagen über unsere zentralen Werte und die Philosophie des Grünen zu vermitteln. In Slowenien ist grün mehr als nur eine Farbe; „das Grün Sloweniens“ drückt das Gleichgewicht zwischen der Ruhe der Natur und der Beharrlichkeit der Einwohner Sloweniens aus. Es ist ein Symbol für unversehrte Natur und das Engagement, diese zu erhalten. Es stellt einen ausgewogenen Lebensstil dar, der unsere unaufhaltsame Lebenslust der Slowenen mit einer gemeinsamen Vision einer Zukunft, Hand in Hand mit der Natur, vereint. Es ist der perfekte Ausdruck der Harmonie, die Slowenien ausmacht: der Duft des Waldes, das Plätschern des Baches, die überraschende Süße des Wassers und die Weichheit des Holzes. Wir fühlen Slowenien. SLOVENIA EDEN Die slowenischen EDEN-Destinationen können mit den größeren und bekannteren touristischen Destinationen in Slowenien zwar aufgrund ihrer begrenzten Beherbergungskapazitäten noch nicht unmittelbar konkurrieren, stellen jedoch ein wichtiges Segment des Angebotes dar. Sie sprechen den modernen anspruchsvollen Konsumenten an, der Wert auf Natur, gesellschaftliche Verantwortung und authentische Geschichte legt und der weniger besuchte touristische Destinationen entdecken möchte. Fast alle slowenischen EDEN-Destinationen verzeichnen in der Regel einen überdurchschnittlichen Anstieg der Übernachtungen, vor allem von Touristen aus dem Ausland. Das Soča-Tal, Solčavsko, Kolpa Fluss und Idrija sind Destinationen, die in den letzten Jahren an Geltung gewonnen haben, auch aufgrund des Netzwerks EDEN und seiner Vermarktungs­unterstützung.

Soča-Tal

Solčavsko

SLOVENIA goes green Das Konzept des Grünen Tourismus findet sich in der Marke I FEEL SLOVENIA wieder. Zu den strategischen Schlüsselausrichtungen des Grünen Tourismus in Slowenien gehören _ die aktive Ausrichtung des Tourismus auf die Grüne Wirtschaft _ das Informieren und Anregen der Tourismusindustrie, Grüne Geschäftsmodelle zu entwickeln _ Anregungen für touristische Zielorte, Modelle einer nachhaltigen Entwicklung unter Berücksichtigung einheitlicher Indikatoren zu erstellen _ Maßnahmen, die das Bewusstsein der Touristen stärken, sich für einen nachhaltigeren Lebensstil und ein umweltfreundliches Verhalten zu entscheiden. Idrija

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Der grüne Tourismus wird zu einem immer stärkeren Trend in Slowenien – Die außergewöhnlichen Naturschönheiten Sloweniens sind eine Gegebenheit, die das Land bewusst und zielorientiert zu erhalten versucht und auch für kommende Generationen erhalten möchte.

Kolpa Fluss

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5. nachhaltigkeitskonferenz | eden-award

Bernd Fischer

EDEN-Award: Peene, Amazonas des Nordens Was ist Mecklenburg-Vorpommern? Ein schönes Urlaubsland! Urlaubsland Nr. 2 nach Bayern in Deutschland, im Sommerhalbjahr sogar die Nummer 1.

Dipl. Ing. Bernd Fischer ist seit 1994 Geschäftsführer des Tourismusverbandes Mecklenburg-Vorpommern und Vorstandsmitglied des Deutschen Tourismusverbandes. Er vermarktet Deutschlands meistbesuchte Sommerdestination, die seit der Wende auf eine erfolg­ reiche Tourismusentwicklung zurückblicken kann. Info & Kontakt: www.auf-nach-mv.de info@auf-nach-mv.de

Eine abwechslungsreiche Landschaft, tolle Investitionen im Tourismus, die Ostsee, über 2.000 Seen und eine spannende Kulturlandschaft machen Mecklenburg-Vorpommern zum Aufsteiger der letzten Jahre im Tourismus in Deutschland. Was waren die Erfolgsfaktoren? _ Hochhäuser an der Küste und den Seen? Haben wir nicht zugelassen! _ Traditionelles bewahren? Backsteingotik, Schlösser und Herrenhäuser, die Bäderarchitektur und die Seebrücken haben viele private Investoren und die Kommunen neu belebt. _ Natur erhalten! Über 15 % der Landesfläche Mecklenburg-Vorpommerns werden von Großschutzgebieten bedeckt. Über 33 % der Fläche sind FFH-Gebiete. _ Moderne Verkehrsinfrastruktur schaffen! Sie können zwar von Wien nach Usedom fliegen, mit dem Nachtzug von Wien nach Rügen oder von Berlin nach Kopenhagen mit dem Pedelec fahren, aber sonst haben wir uns in diesem Bereich noch etwas für die nächsten Jahre übrig gelassen. Das Projekt Vorpommersche Flusslandschaft Von besonderer einmaliger landschaftlicher und touristischer Bedeutung ist die Peene mit ihren Nebenflüssen, die wegen ihrer Ursprünglichkeit und der Artenvielfalt „Amazonas des Nordens“ genannt wird. Sie zählt zu den wenigen unverbauten und nicht stauregulierten Flüssen in Deutschland. Wegen ihres geringen Gefälles besitzt sie eine niedrige Fließgeschwindigkeit und bietet damit auf einer Länge von 142,5 Kilometern optimale Voraussetzungen für den Wassertourismus. Im Bereich der Unteren Peene befindet sich das größte zusammenhängende Niedermoor­ gebiet Mitteleuropas, welches als Rückzugsgebiet für bedrohte und seltene Tier- und Pflanzenarten dient. Allein ein Viertel der über 150 anzutreffenden Brutvogelarten stehen auf der Roten Liste vom Aussterben bedrohter Arten. Vom lautlos dahingleitenden Boot aus sind Seeadler, Biber, Fischotter, Eisvogel und Silberreiher in ihren natürlichen Lebensräumen besonders gut zu beobachten. Unter Berücksichtigung von Umweltschutz und Ökologie wird diese Region nun nachhaltig als Reisegebiet für Natur- und Aktivurlauber mit gehobenen Ansprüchen entwickelt. Tourismus spielte in dieser Region bis 2005 keine Rolle. Neben einer hauptsächlich angestrebten Nutzung als Paddelgewässer sind seit 2009 auch verschiedene Solarboote im Einsatz. Dadurch wird dieses Gebiet in seiner Natürlichkeit am wenigsten beeinflusst und diese Natur für Touristen nachhaltig erlebbar. Amazonas des Nordens Das konkrete Produkt „Auf dem Amazonas des Nordens“ ist eine 6-tägige Kanureise. Nach Gebietsausweisung im Jahr 2011 findet die gesamte Reise im Naturpark Peenetal statt. Diese Kanurtour wurde im Jahr 2007 eingeführt und 2008 erstmals über Reise­ büros angeboten. Beteiligt als Leistungsträger waren von Beginn an 10 verschiedene lokale Tourismusbetriebe wie Bootsverleiher, Natur- und Landschaftsführer, Hotels und Pensionen, Gaststätten, Campingplätze, Wasserwanderrastplätze sowie Beförderungsunternehmen der Region. Die Kanureise wird wöchentlich pro Saison jeweils von Mai bis Oktober angeboten. Die Mindestteilnehmerzahl beträgt vier Personen. Die Gäste sind nach einer umfassenden Einweisung durch Natur- und Landschaftsführer individuell mit Reisebeschreibung unterwegs und haben täglichen Kontakt zum Guide. Die maximale Teilnehmerzahl pro

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Reisetermin beträgt 12 Personen. Damit ist sichergestellt, dass der ökologisch wertvolle Naturraum schonend genutzt wird. Gleichzeitig orientiert sich die Gruppengröße an den Kapazitäten der regionalen Beherbergungs- und Restaurantbetriebe und sichert deren nachhaltige Auslastung. Entwicklung des sanften Wassertourismus Im Einführungsjahr 2007 buchten 16 Gäste das neue Pauschalarrangement. 2011 waren es bereits über 600 Reiseteilnehmer mit mehr als 2.900 Übernachtungen. Erstmals wurde im November 2009 ein gemeinsamer Reisekatalog für Kanureisen und Boots­­charter für das Gebiet aufgelegt und auf der Austrian Boat Show 2012 in Tulln präsentiert. Somit entstanden ab Mai 2009 mit dem Restaurant und Hotel „Peenetal“ der Gutshof Liepen GmbH insgesamt sieben feste Arbeitsplätze. Die Schaffung von mindestens zwölf festen neuen Arbeitsplätzen ist nach Beendigung der Um- und Ausbaumaßnahme des Objektes bzw. dem Neubau einer Bade- und Wellnessanlage durch dieses Unternehmen vorgesehen. Als Eigner und Mitentwickler von zwei Solar-Katamaranen sind die Inhaber der Hotelanlage aktiv an der Entwicklung des sanften Wassertourismus beteiligt. Mit diesen Booten können bis zu 23 Touristen nahezu geräuschlos die Peene und die angrenzenden Flusslandschaften befahren.

Einfach drauflos paddeln: Ob von Insel zu Insel oder von See zu See - ein dichtes Netz aus Wasserstraßen verbindet die Naturschönheiten von Deutschlands Wasserland Nr. 1 mit­einander.

Naturpark Flusslandschaft Peenetal

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5. nachhaltigkeitskonferenz | interview gastgeber

Aktuelles Interview

Das Prozesshafte der Nachhaltigkeit Johann Weiss, Mit-Initiator und Gastgeber der Nach­ haltigkeitskonferenz im Steinschaler Dörfl, im aktuellen Interview mit Konferenz-Moderator Johannes Kaup. Der Steinschalerhof und das Steinschaler Dörfl sind Naturhotels, in denen das Thema Nachhaltigkeit bereits seit vielen Jahren konsequent im täglichen Betrieb umgesetzt wird. Dieses Engagement wurde mit einigen Auszeichnungen gewürdigt – u.a. dem Öster­reichischen Umweltzeichen, dem EDEN-Award für das Pielachtal, dem Staats­ preis für Tourismus („Energieeffizienz in der Hotellerie und Gastronomie“) und dem EMAS-Siegel. Zu den nachhaltigsten Maßnahmen der Naturhotels zählen der überwiegende Bezug von Lebensmitteln aus der Region, die eigene Stromerzeugung durch Photovoltaikanlagen, die Verwendung energiesparender LED-Leuchtmittel und der Passivhausstandard bei Bauten. Dipl. Ing. Johann Weiss wuchs auf dem Bauernhof, der heute den Steinschalerhof beherbergt, auf und bewirtschaftete ihn nach dem frühen Tod des Vaters neben dem Studium der Mathematik an der TU. Nach mehreren Jahren bei internationalen Unternehmen kehrte er ins Dirndltal zurück und betreibt gemeinsam mit seiner Frau das Seminarhotel Steinschalerhof und das Steinschaler Dörfl. Info & Kontakt: Steinschalerhof & Steinschaler Dörfl Tel.: +43/2722/22 81 www.steinschaler.at office@steinschaler.at

Johannes Kaup: Wie ist Ihr persönlicher Zugang zum Thema Nachhaltigkeit? Johann Weiss: Ich habe noch die Landwirtschaft in den 50er-Jahren hier im Pielachtal erlebt. Da wurde alles wiederverwertet, was noch irgendwie genutzt werden konnte. Es gab praktisch keinen Müll, und das ist mir ins Blut übergegangen. Ebenso wie ein behutsamer Umgang mit Natur und gesundes Essen nach dem Motto „zünftig und vernünftig“. Johannes Kaup: Wie kam es zu der Idee einer „nachhaltigen“ Ausrichtung der Steinschaler Naturhotels? Johann Weiss: Ich wollte ein Modell in die Praxis umsetzen, das auf vier gleichwertigen Achsen basiert: Ökonomie + Ökologie + sozioökonomische Vernetzung + ständiges Dazu­ lernen. Die Umsetzung hat geklappt, aber auch sehr viel Pioniergeist verlangt. Denn in vielen Bereichen waren wir mit den Naturhotels nicht nur Vorreiter in der Region, sondern in ganz Österreich – beispielsweise mit dem ersten Nachhaltigkeitsbericht, den ein Hotel hierzulande veröffentlicht hat. Johannes Kaup: Wie würden Sie den Prozess der Nachhaltigkeit am Beispiel des Stein­ schaler Dörfls beschreiben? Johann Weiss: Wir haben gelernt, dass alles am Laufen bleiben muss – man darf sich nicht auf den erworbenen Lorbeeren ausruhen. Und wir haben erkannt, dass wir alles immer wieder in Frage stellen müssen: Sind wir noch am richtigen Weg? Wenn ja, was ist der nächste Schritt? Und der übernächste? Dieser permanente Nachdenkprozess hat zu Projekten geführt, die ursprünglich gar nicht angedacht waren. Die Steinschaler Gärten und Teiche beispielsweise, oder der geheizte Schwimmteich, der 2013 in Betrieb genommen wird, aber auch die Veranstaltung von „Green Meetings“, für die wir nun zertifiziert sind. Johannes Kaup: Wo sehen Sie als Hotelbetreiber die größten Herausforderungen, einen Betrieb „nachhaltig“ zu führen? Johann Weiss: Preise für Nachhaltigkeit sind erfreulich, aber davon kann ein Hotel nicht leben. Ein Hotel braucht eine gewisse Anzahl von Zimmern, sonst funktioniert es nicht – auch nicht als „Edel-Seminarhaus“. Natürlich gab es auch kritische Stimmen in

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Bezug auf die Baumaßnahmen der letzten Jahre. Hauptsächlich von Skeptikern, die nicht aus der Branche kommen. Denen sage ich klipp und klar: Bau selber ein Hotel und dann denkst und rechnest du anders – vor allem, wenn Nachhaltig­keit nicht nur auf der Fahne stehen, sondern auch in allen Bereichen gelebt werden soll. Johannes Kaup: Welche Pläne gibt es für die kommenden Jahre? Johann Weiss: Mein Ziel ist es, wirtschaftlich auf zwei Beinen zu stehen – 50 % Seminargäste, 50 % Urlaubsgäste. Dazu bauen wir gerade unser Kreativangebot aus – es wird z.B. ver­mehrt Kreativkurse und Seminare geben, die zu unseren Häusern, aber auch zur Region passen. Das reicht von Kochkursen unter dem Titel „Koch dir den Sommer ein“ bis zum „Näh-dir-deineigenes-Dirndl“-Workshop. Dazu gibt es spezielle Angebote, zum Beispiel für Gäste mit Hund. Silvester mit Bombenstimmung, aber ohne Feuerwerk und Knaller – dieses Angebot ist jetzt schon ausgebucht. Johannes Kaup: Danke für das Gespräch!

Austragungsort der Mostviertler Nachhaltigkeitskonferenz war bereits zum fünften Mal das Steinschaler Dörfl in Frankenfels im Pielachtal. Hausherr Johann Weiss zählt zu den regionalen Pionieren in Sachen Nachhaltigkeit.

Steinschaler Dörfl – Das Seminardorf in der Natur Das Steinschaler Dörfl liegt auf 730 m Seehöhe, absolut ruhig an einem sonnigen Südosthang mit herrlicher Aussicht. Um einen zentralen Dorfplatz gruppieren sich die revitalisierten Häuser des ehemaligen Bauernhofes. Ergänzt wird dieses Ensemble auf der Terrassenebene durch das Jagdhaus und das Haus Talblick, sowie – alles überragend – das Dorfhotel. Seminare & Incentives Für Seminare, Incentives und Veranstaltungen bietet das Steinschaler Dörfl ideale Einrichtungen: _ Seminarräume für bis zu 350 Personen (25 bis 297 m²) _ 100 gut ausgestattete Zimmer – vom urigen „Kammerl” am Dorfplatz bis zum topmodernen Designer-Raum _ Dorfwirtshaus, Restaurantstuben und Stüberl für bis zu 500 Personen _ Grüne Hauben-Küche: Rascher Mittagstisch vom reichhaltigen und leichten Landküche-Buffet aus der „Steinschaler Küche” = Regionales & Saisonales _ Möglichkeiten für Outdoorprogramme und Hochseilelemente im Hotelbereich, Kletterfelsen in der Nähe _ Spezielle Incentive-Module – von der „Almolympiade” bis zum „Dirndlkirtag” _ Für Kreative: ein Hobbyraum mit 140 m2 in der ehemaligen Säge

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Otfried Knoll

Imagefaktor ÖV – Freiheit der Mobiliät Destinationen können ihr Image über öffentlichen Verkehr (ÖV) definieren. Denn in mobilen Gesellschaften gilt: „Auf das eigene Auto verzichtet nur, wer Alternativen hat“. Angesichts des immer größer werdenden Angebotes an touristischen Zielen müssen sich auch Regionen mit traditionell hohem Erlebniswert an den Wünschen der Konsumenten orientieren. Trotz der grundsätzlich guten Perspektiven für den Tourismus ist eine gewisse Abhängigkeit von Trends nicht zu vermeiden. Als Destination wahrgenommen zu werden, bedeutet jedenfalls, Profil zu zeigen.

Dipl.-Ing. Otfried Knoll, Inhaber der KNOLL TRAFFIC & TOURISTIC SOLUTIONS Unternehmensberatung, ist Experte für regionale und touristische Verkehrssysteme. Spezialgebiete in seinem Beratungsportfolio sind u. a. nutzerorientierte Betrachtungsweisen. Als Eisenbahner und Raumplaner (TU Wien) ausgebildet und Träger des Tourismus-Oscar der Stadt Gmunden, war er Betriebsleiter eines großen Verkehrsbetriebes und von 1997 bis 2010 Geschäftsführer der Niederöster­ reichischen Verkehrsorganisa­ tionsgesellschaft NÖVOG. Info & Kontakt: www.knoll-tts.com office@knoll-tts.com

Den Blickwinkel richtig zu wählen, wird immer wichtiger.

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Mobilität als bestimmender Faktor Steigendes Qualitätsbewusstsein wird in naher Zukunft nach neuen Unterscheidungsmerkmalen verlangen. Wenn Mobilität als bestimmender Faktor individueller Lebensgestaltung weiter an Bedeutung gewinnt, werden Marktanteile künftig noch stärker über die Erreichbarkeit gewonnen oder verloren werden. Die konservativen Positionen dazu sind bekannt: „Die Freiheit der Mobilität ist ein zentrales Element der modernen Gesellschaft“ und „Auf das eigene Auto verzichtet nur, wer auch Alternativen hat“. Es ist jedoch anzunehmen, dass zukünftig ökologische Faktoren der Mobilität generell an Bedeutung gewinnen werden. Insofern wird ein glaubwürdig qualitätsorientiertes ÖV-System früher und leichter Partner einer sich dem Trend anpassenden Tourismuswirtschaft werden können. Wenn es gelingt, den klaren strategischen Vorteil eines immer verfügbaren Transportmittels, wie es das eigene Auto ist, durch Angebots- und Erlebnisqualität öffentlicher Transportsysteme zumindest zu egalisieren, wird auch der öffentliche Verkehr im kompetitiven Freizeitmarkt als gerne nachgefragte Dienstleistung Prestige und Marktanteile gewinnen können. Dabei spielen sowohl die Zugänglichkeit, als auch die Präsenz der Mobilitätsangebote in den gängigen Informationsmedien, insbesondere aber auch im Alltagsleben, eine entscheidende Rolle.

Urlaubserfahrung verändert Alltagsverhalten Ein mögliches Ziel einer nachhaltigen Destinations-Charta könnte lauten, dass jeder Gast ohne eigenen Pkw jedes Ziel innerhalb der Destination erreichen können soll. Mit anderen Worten: _ Alle Binnenfahrten außer der An- und Abreise sollten mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder ökologisch unbedenklichen Fahrzeugen vor Ort erfolgen können. _ Der touristische Verkehr muss deshalb weitgehend Teil des – als selbstverständlich, weil qualitätsvoll wahrgenommenen – Alltagsverkehrs sein. _ Im Urlaub stressfrei gemachte, eigene Erfahrungen mit einem gut funktionierenden Netz des öffentlichen Verkehrs werden auch im Alltagsverhalten einen veränderten Blickwinkel auf nachhaltigere Mobilitätsformen bewirken können. Die Frage „Können Verkehrssysteme das Image einer Region positiv beeinflussen?“ kann insofern eindeutig mit Ja beantwortet werden, als die näher untersuchten Destinationen Südtirol, Usedom und Nizza exemplarisch vermitteln, was eine integrierte Verkehrspolitik zusammen mit engagierten Betreibern zu ermöglichen imstande ist. Auch wenig Hoffnung gebende Ausgangssituationen konnten dort mit den passenden Methoden zu Erfolgsgeschichten verwandelt werden. Zwei Länder, zwei Lösungen: Usedomer Bäderbahn & Straßenbahn in Nizza Deutschland ist für die hohe Qualität seines ÖV-Systems bekannt, die Insel Usedom nimmt aber aufgrund der geschichtlichen Entwicklung, der Grenzziehung zu Polen und des Pilotcharakters der Usedomer Bäderbahn, die diese Grenzen gezielt überwunden hat, eine herausragende Stellung ein. Frankreich beweist seit Jahren, dass – insbesondere im städtischen Agglomerationsbereich – in den 1960er Jahren gemachte Fehler der Verkehrspolitik als solche erkannt werden. Die Konsequenz bei deren Korrektur ist mitunter atemberaubend, die Qualität der städtebaulichen Lösungen bei der Wiedereinführung der Straßenbahnen hat in mittlerweile fast 20 Städten dem öffentlichen Verkehr und der Stadtgestalt eine völlig neue Dimension verliehen. Hochintegrierte Angebotssysteme zwischen öffentlichem Verkehr, Carsharing und Leihrädern sind zusammen mit einer gezielten Stadterneuerung mittlerweile Teil der urbanen Identität. In Nizza ist dies besonders anschaulich zu erleben. Erfolgreiche Wiederinbetriebnahme der Vinschgerbahn Dem Land Südtirol ist es gelungen, die aktuelle Themenführerschaft bei der Angebotsqualität eines landesweiten öffentlichen Verkehrssystems zu übernehmen. Auch hier sind Integrationsgrad und Angebotsdichte beeindruckend, noch mehr aber das innovative Tarifsystem, mit dem gezielt öffentliche Mobilität auch für junge Leute und Senioren gefördert wird. Landeshauptmann Luis Durnwalder ließ in seiner 5. Regierungserklärung im Dezember 2008 mit dem Satz aufhorchen: „Ich glaube, dass die große Zeit des Individualverkehrs vorbei ist. Er ist ein Opfer seines eigenen Erfolgs. Die große Zeit des öffentlichen Nahverkehrs, seine Renaissance, steht noch bevor.“ Das derzeitige Handlungsportfolio des Landes bestätigt diese Haltung eindrucksvoll. Hintergrund des klar erkennbaren Wertewandels war das im öffentlichen Verkehr Südtirols zweifelsohne wichtigste Projekt der letzten beiden Jahrzehnte: Die erfolgreiche Wiederinbetriebnahme der Vinschgerbahn.

Erfolgsstory an der Ostsee: Die Usedomer Bäderbahn. Neue Brücken wurden nicht nur zum Festland, sondern - symbolisch mit der Streckenreaktivierung auch in das Nachbarland Polen gebaut. Fahrkartentasche der UBB

Nizza verband mit der Wiedereinführung der Straßenbahn einen vorbildlichen städtebaulichen und verkehrspolitischen Relaunch.

Website der Gemeinde Naturns an der reaktivierten Vinschgerbahn.

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Gerhard Stindl

Regionalentwicklung durch Bahn & Lift? Bahnlinien einzustellen ist (relativ) einfach. Sie am Leben zu erhalten, ist eine Herausforderung. Der NÖVOG ist dieses Kunststück bereits mehrmals gelungen.

Dr. Gerhard Stindl beschäftigt sich seit 1978 mit dem Einfluss des öffentlichen Verkehrs auf nachhaltige Regionalentwicklung. Seit 2010 ist er Geschäftsführer der NÖVOG Niederösterreichische Verkehrsorganisationsgesellschaft und Vorsitzender der Fachvertretung der Schienenbahnen der Wirtschaftskammer NÖ. Info & Kontakt: www.noevog.at office@noevog.at

Die NÖVOG wurde am 8. März 1993 gegründet, um den öffentlichen Regionalverkehr in Niederösterreich zu organisieren. Das erste Großprojekt war die Entwicklung des Wieselbus-Systems, das heute aus dem öffentlichen Verkehr Niederösterreichs nicht mehr wegzudenken ist. Am 14.01.2010 unterzeichneten Land Niederösterreich, Republik Österreich und ÖBB eine Grundsatzvereinbarung zur Übernahme von 630 km Regionalbahn­strecken. Mit 12.12.2010 wurden die Strecken von der NÖVOG übernommen. Seither ist die NÖVOG ein operatives Eisenbahnunternehmen. Das Schienennetz der NÖVOG beträgt 630 km, davon werden 380 km genutzt. Unternehmensgegenstand seit 2010: _ Planung und Betrieb von Bus- und Bahnlinien sowie Bergbahnen _ Planung und Betrieb von touristischen Verkehren _ Immobilienbewirtschaftung und Unternehmensbeteiligungen Wieselbahnen, Bergbahnen und Wieselbus Seit Ende 2010 ist die NÖVOG ein operatives Eisenbahnunternehmen und betreibt unter der Dachmarke „Wieselbahnen“ die Mariazellerbahn, die Wachaubahn, den Reblaus-Express, die Waldviertelbahn und die Citybahn Waidhofen. Zusätzlich ist die NÖVOG Muttergesellschaft dreier Bergbahnen: Die Schneebergbahn gehört seit Jänner 2012 zu 100 Prozent zur NÖVOG, deren Tochtergesellschaft Schneeberg Sesselbahn damit zu 91 Prozent. Und die Bergbahnen Mitterbach sind im Sommer 2011 von der NÖVOG übernommen worden. Der Wieselbus verbindet die Zentren des Wald-, Wein- und Industrieviertels mit St. Pölten. Auf den 11 Schnellbuslinien werden mit der Wieselbus-Flotte, bestehend aus 47 Fahrzeugen, jährlich über 700.000 Fahr­ gäste befördert. Was haben alle diese Bahnen gemeinsam? 1. Einstellung bereits erfolgt oder 2010/2011 vorgesehen. 2. Kraftakt des Landes Niederösterreich verhindert weiteren Infrastrukturrückzug aus peripheren Regionen.

Slow Go: Wer mit der Mariazellerbahn in die niederösterreichischen Voralpen reist, muss sich ein wenig Zeit nehmen. Aber besser kann man die Zeit sowieso nicht nützen. Über 600 Höhenmeter überwindet die Bahn von St. Pölten bis zum Scheitelpunkt der Strecke auf fast 900 Metern Seehöhe.

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Die Mariazellerbahn ist eine elektrifizierte Schmalspurbahn (760 mm Spurweite). Die Strecke verläuft von St. Pölten nach Mariazell (84 km). Ihre Einstellung war 2010 geplant. Das Land Niederösterreich investiert in die längste Schmalspurbahn Österreichs in den nächsten Jahren 117 Mio. Euro. Damit ist die Mariazellerbahn auf dem besten Wege, ein Vorzeigeprojekt für nachhaltigen Regionalverkehr zu werden. Investiert wird einerseits in neue, hochmoderne Zuggarnituren, die den Namen „Die Himmelstreppe“ tragen, andererseits in Gleisanlagen, Tunnels und das Leitungsnetz. Gleichzeitig wird ein neues Betriebszentrum in Laubenbachmühle inkl. Bahnhof, Werkstatt und Remise gebaut.

Die Waldviertelbahn ist eine Schmalspurbahn (760 mm Spurweite) von Groß Gerungs über Gmünd nach Litschau (69 km). Ihre Einstellung war 2010 geplant. 12 Mio. Euro werden investiert. Neben der Sanierung der Fahrzeuge und der Strecke wird ein neues Betriebszentrum in Gmünd errichtet. Auch hier wurde im Juli und August 2012 eine Fahrplanverdichtung mit täglichen Fahrten umgesetzt. Der Reblaus-Express ist eine Schmalspurbahn (760 mm Spurweite) zwischen Retz und Drosendorf (39 km). Seine Einstellung war 2010 geplant. Als Ergänzung zu den geplanten Investitionen wurde ein Leader-Projekt gestartet, um gemeinsam mit der Region die Entwicklungsmöglichkeiten für die nächsten zehn Jahre zu erarbeiten. Ziel ist es, die Zahl der Fahrgäste signifikant zu steigern. Schneebergbahn – Schneeberg-Sesselbahn – Gemeindealpe Mitterbach Die Schneebergbahn bringt ihre Fahrgäste seit mittlerweile 115 Jahren auf den höchsten Berg Niederösterreichs. Die Einstellung der schmalspurigen Zahnradbahn war 1995 geplant. Vor 15 Jahren wurde sie durch das Land Niederösterreich übernommen, seit 2012 gehört sie zu 100 % zur NÖVOG. Heute zählt die Schneebergbahn zu einem der beliebtesten Ausflugsziele des Landes. Die Schneeberg-Sesselbahn in Losenheim am Schneeberg wurde 2003 eingestellt und 2005 wieder aufgebaut. Sie befördert die Fahrgäste ganzjährig an Wochenenden und Feiertagen auf den Fadensattel. Die Bergbahnen Mitterbach waren 2011 von der Einstellung bedroht und wurden von der NÖVOG übernommen. Seither wird sukzessive in die Vierer- und Zweiersesselbahn investiert und mit Monsterrollern und Mountaincarts auch ein vielseitiges Sommeran­ gebot geboten.

Die Gemeindealpe ist nicht nur ein wunderbares Skigebiet im Winter, sondern auch im Sommer ein idealer Ausgangspunkt für schöne Wanderungen, Flüge mit Paraoder Hängegleitern oder für eine Abfahrt mit den Monsterrollern.

Die Himmelstreppe – die Zukunft der Mariazeller­ bahn: Neun moderne Triebwagengarnituren und vier Panoramawagen mit Premiumausstattung sollen die Mariazellerbahn mit Komfort und Schnelligkeit zu einem attraktiven Nahverkehrsmittel machen.

Die Wachaubahn ist eine Normalspurbahn (1435 mm Spurweite). Die Strecke verläuft zwischen Krems und Emmersdorf (33 km). Ihre Einstellung war 2010 geplant. 25 Mio. Euro fließen in den kommenden Jahren in die Sanierung des Wagenmaterials und der Strecke in der Wachau. Zusätzlich wurde in der Saison 2012 eine Fahrplanverdichtung mit täglichem Planverkehr umgesetzt.

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Thierry Müller

Attraktive Mobilitätsangebote Graubünden gilt als erfolgreiches Beispiel für ein hochwertiges Mobilitätsangebot im Alpenraum – dank Kooperationsmodellen zwischen Transportunternehmen und Tourismus. Wie kommt das Gepäck direkt ins Hotelzimmer? Ist Kanutransport mit der Bahn möglich? Gibt es Car-Sharing-Modelle für den nahtlosen Tür-zu-Tür-Transport? Die Antworten auf diese Fragen sind die entscheidenden Faktoren, damit ein attraktives Mobilitätsangebot auch genutzt wird und zur nachhaltigen Entwicklung des Tourismus in der Region beiträgt.

Thierry Müller, MAS, ist seit 2012 Projektleiter für den öffentlichen Verkehr im Kanton Graubünden. Davor war er für verschiedene Bahnunternehmen tätig, u.a. in Paris, um mit den französischen Bahnen SNCF die TGV-Linie Paris – Strasbourg – Zürich aufzubauen und danach in der Schweiz zu vermarkten. Info & Kontakt: www.aev.gr.ch thierry.mueller@aev.gr.ch

Ein wichtiger Erfolgsfaktor für den Verkehr in Graubünden ist das Knotensystem, das dem Fahrgast ein reibungsloses multimodales Verkehrsnetz bietet.

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Durchgängige Transportkette als Fundament In der Schweiz macht der Freizeitverkehr knapp die Hälfte aller Fahrten auf dem Verkehrs­ netz aus. Im Gegensatz zum Pendlerverkehr erfolgt der Freizeitverkehr mehrheitlich auf der Straße. Im Sinne einer nachhaltig orientierten Gesellschaft braucht es Anstrengungen, um den Freizeitverkehr zukünftig umweltverträglicher zu gestalten. Dies soll entsprechend den Zielen der Regierung mit attraktiven Angeboten statt mit Verboten realisiert werden. _ Gesamtsystem. Ein attraktiver öffentlicher Verkehr besteht aus einem funktionierenden Gesamtsystem der kombinierten Mobilität. Dabei werden die attraktiven Angebote von unzähligen Partnern zu einer Transportkette von „Tür-zu-Tür“ verbunden. Dies löst eine Koordination in den Bereichen Fahrplan, Basel Informationssysteme und bei den Tarifen aus. _ Perfekte Abstimmung. So wurden in der Schweiz auf dem gesamten TransportBiel/Bienne netz so ge­­nannte Knoten Olten Zürich definiert, an denen sich die verschiedenen Bahnen, Busse, Seilbahnen und 00/30 min Schiffe jeweils zur Minute Bern 00 und 30 treffen. Die 15/45 min Transportkette zwischen rund 90.000 Haltepunkten wird mit zeitlich und Lausanne distanzmäßig kurzen Übergängen sichergestellt. Attraktives Preissystem für den einfachen Einstieg Neben den klassischen Pendlerabonnements bieten die Transportunternehmen attraktive nationale Abonnements für den Freizeitverkehr an, welche für alle Verkehrsträger genutzt werden können. _ Das Generalabonnement (über 425.000 Karten im Umlauf ) bietet freie Fahrt auf einem Netz von über 23.000 km mit Bahn, Bus, Schiff, Bergbahnen und den lokalen Verkehrsbetrieben in den Städten. _ Das Halbtax-Abonnement für ca. € 130,- ist ein Bestseller (über 2,3 Mio. Karten bei 7,9 Mio. Einwohnern) und garantiert Ermässigungen von 50 % auf dem gesamten Netz. _ Spezielle Angebote für Touristen werden als „Swiss Travel System“ angeboten.

Mobilität in Graubünden Als dünn besiedelte Randregion in einem topografisch alpinen Gelände ist es eine große Herausforderung, diese attraktive Transportkette auch hier in gleicher Qualität anzubieten. Dabei liefern uns die nationalen Maßnahmen das nötige Fundament, um den Modalsplit zugunsten des öffentlichen Verkehrs zu erhöhen. Mit geschickten und innovativen Lösungen können wir diesen Effekt sogar noch positiv beeinflussen. Dazu gehört in einer Tourismusregion auch ein funktionierender Gepäcktransport. Dieser wird weltweit von jedem Flughafen aus angeboten, indem der Kunde den Koffer mit einem Zusatzetikett kennzeichnet. Damit wird der Koffer direkt an die Zieldestination und bei vielen beteiligten Gastgebern direkt ins Hotelzimmer transportiert. Ab Deutschland, Frankreich, Österreich und Luxemburg wird dieser Service bei Anreise mit der Bahn sogar mit Abholservice vom Wohndomizil angeboten. Immer beliebter werden in letzter Zeit Ferienreisen in Etappen, bei denen jeden Abend in einem anderen Hotel übernachtet wird. Auch hier wird das Gepäck, für den Feriengast unsichtbar, per Bahn und Bus transportiert. Damit der öffentliche Verkehr auch Reiseziele abseits der üblichen Transportströme anbieten kann, wird das Angebot mit Bedarfsbussen oder mittels Car-Sharing abgedeckt. Zusammen mit dem Partner „Mobility Carsharing“ werden an den wichtigsten Bahnhöfen über 2.600 Fahrzeuge in Selbstbedienung rund um die Uhr zur Verfügung gestellt.

Das Kanu oder Rad bequem mit dem Zug transportieren – gelungene Kooperationsprojekte Tourismus und ÖV.

Erfolgsfaktoren für die kombinierte Vermarktung von ÖV und Tourismus Die größten Effekte eines nachhaltigen Transports der Feriengäste sind in der Tourismus­ destination selber zu erzielen. Hier kann eine sehr enge Kooperation zwischen dem öffentlichen Verkehr und dem Tourismus viel bewirken. So wird z.B. den Hotelgästen die Benutzung des öffentlichen Verkehrs mit der Gästekarte kostenlos angeboten. Wichtig ist aber auch, dass Möglichkeiten für den Transport der Sportgeräte (Fahrräder, Kanus, …) vorhanden sind. Nicht nur der Transport von A nach B soll nachhaltig erfolgen. Gute Beispiele regen meist an, diese zu kopieren. So sollten die Eindrücke auch nach der Reise abrufbar sein. Ein kleines Beispiel dafür ist die Reise mit dem Bernina-Express, die mit „Street View“ von Google bequem vom Wohnzimmer aus nochmals erlebt werden kann.

Durchgängige Transportkette als Fundament

Ein attraktiver öffentlicher Verkehr besteht aus: _ einem funktionierenden Gesamtsystem der kombinierten Mobilität _ Transportketten von „Tür-zu-Tür“ _ einheitlichen und einfachen Informationssystemen (Fahrpläne, …) _ gemeinsamen Tarifen über alle Verkehrsträger „Ein Ticket für alles“ In der Schweiz besteht dieses System aus rund 90.000 Haltepunkten, welche untereinander mit einer funktionierenden Transportkette verbunden sind.

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Werner Bätzing

Mostviertel Fest 2012 Im Rahmen der Nachhaltigkeitskonferenz fand am Abend des 3. September das alljährliche Mostviertel Fest statt. Die Niederösterreichische Landesausstellung 2015 und der neue Bergsommer rund um den Ötscher standen im Mittelpunkt der Abendveranstaltung. Zum Fest begrüßten LAbg. Michaela Hinterholzer, Vorsitzende der Generalversammlung von Mostviertel Tourismus, und Geschäftsführer Mag. Andreas Purt rund 400 Gäste.

Beste Stimmung beim Mostviertel Fest – von links nach rechts: Niederösterreichische Mostkönigin Christina Schmatz, GF Mag. Andreas Purt (Mostviertel Tourismus), MSc. Gudrun Wiesenhofer (Mostviertel Tourismus)

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Nachhaltige Entwicklung in ländlichen Räumen, speziell in den Alpen, stellt Gesellschaft und Politik vor Probleme, bietet aber auch Herausforderungen und Chancen. Um die Grundsatzfrage beantworten zu können, was „nachhaltige Entwicklung“ für ländliche Räume heute bedeutet, ist es von zentraler Bedeutung, das heutige Verständnis von räumlicher Entwicklung kritisch daraufhin zu befragen, ob es in Bezug auf Nachhaltigkeit tragfähig ist. Zu diesem Zweck setzt dieser Vortrag ganz bewusst in der vor­ industriellen Zeit an, um den großen Bruch der räumlichen Entwicklung, der mit der Industriellen Revolution entsteht, überhaupt in den Blick zu bekommen und um ihn angemessen in Bezug auf die heutigen Herausforderungen bewerten zu können. Die Alpen dienen dabei als anschauliches Beispiel für die Entwicklung von ländlichen Räumen in Europa.

Von links nach rechts: Daniela Zeller (Moderation), GF Mag. Andreas Purt (Mostviertel Tourismus), LAbg. Michaela Hinterholzer, GF Kurt Farasin (Niederöster­ reichische Landesausstellungen)

Von links nach rechts: LAbg. Michaela Hinterholzer, LAbg. Karl Bader, Dirndlkönigin (2010–2012) Doris Fugger, LAbg. Dr. Martin Michalitsch und Niederösterreichische Mostkönigin Christina Schmatz

Nachhaltige Entwicklung im ländlichen Raum

Die Situation der Alpen in der vorindustriellen Zeit Die vorindustrielle Zeit ist dadurch geprägt, dass Bauerngesellschaften grundsätzlich alle potenziell nutzbaren Flächen im Gebirge zum Zwecke von Ackerbau und Viehwirtschaft nutzen. Da Landwirtschaft auf den Faktoren Sonnenenergie, Bodenfruchtbarkeit und menschlicher Arbeit beruht, die nur in geringem Maße räumlich konzentriert werden können, bildet sie ein dezentral-flächenhaftes System aus. Dieses System ist nicht fix, sondern fluktuiert permanent in einem gewissen räumlichen Rahmen (Klimafluktuationen, Kriege, Wirtschaftszyklen). In Europa und auch in den Alpen ist die Landwirtschaft seit dem späten Mittelalter nicht mehr ausschließlich auf die Selbstversorgung ausgerichtet, sondern mittels der zahllosen Märkte mit der Regionalwirtschaft verflochten („marktoffene Subsistenzwirtschaft“), auch wenn dabei die Strukturen der Selbstversorgerwirtschaft bis 1970 bestehen bleiben. Neben diesem dezentral-flächenhaften Wirtschaften mit Dörfern, Weilern, Einzelhöfen gibt es auch in den Alpen ein spezialisiertes Wirtschaften (Handwerk, Gewerbe, Handel), das sich in Städten räumlich konzentriert und das stark durch regionale und überregionale Wirtschaftsbeziehungen geprägt ist. Auf dem Hintergrund eines „romantischen Alpenbildes“ wurde dieser Teil der alpinen Wirtschaft oft zu Unrecht aus „den Alpen“ ausgegrenzt.

Univ.-Prof. Dr. Werner Bätzing ist seit 1995 Professor für Kultur­ geographie an der Universität Erlangen-Nürnberg. Forschungsund Lehrschwerpunkt: Nachhaltige Regionalentwicklung am Beispiel der Alpen und der ländlichen Räume; daneben Autor von Wanderführern über die piemontesischen Alpen. Info & Kontakt: werner.baetzing@geographie. uni-erlangen.de

Der Einbruch der Industriellen Revolution in die Alpen Mit der Erfindung der Dampfmaschine wird das arbeitsteilige, spezialisierte Wirtschaften der vorindustriellen Zeit sehr viel produktiver (Faktor 10), wodurch das gesamte vorindustrielle Wirtschaften fundamental verändert wird. Zentrales Merkmal ist die extrem hohe Produktivität menschlicher Arbeit (durch schnelle Vernutzung von Steinkohle/ Erdöl mit ermöglicht), die mit einer extremen räumlichen Konzentration verbunden ist. Da auf den kleinen Gunstflächen extrem viel extrem günstig produziert wird, braucht es die ungünstigeren Flächen jetzt – erstmals in der Geschichte der Menschheit! – nicht mehr: Der Gegensatz zwischen Zentren und Peripherie entsteht jetzt als ein absoluter Gegensatz. Die Alpen werden von dieser Entwicklung verspätet erreicht (ab 1880): _ Reduktion. Alle dezentralen Formen des Wirtschaftens werden stark geschwächt (Land- und Forstwirtschaft ) oder ganz aufgehoben (Bergbau, Säumerei, Handwerk) _ Konzentration. Die neuen Wirtschaftsformen (Industrie, Wasserkraft, Handel, Tourismus) sind räumlich sehr stark konzentriert. Als Ergebnis kann man feststellen, dass die Alpen heute in den gut erreichbaren Tallagen stark verstädtert sind, während der eigentliche Gebirgsraum (mit Ausnahme von knapp 300 Tourismuszentren) allmählich menschenleer wird.

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“Nur wer Herkunft hat, hat auch Zukunft.” (Zitat Martin Heidegger, Philosoph)

Die mit dieser Entwicklung verbundenen Probleme _ Ressourcenverlust. Wertvolle wirtschaftliche Ressourcen der Alpen werden gar nicht mehr (Land-/Forstwirtschaft, Handwerk, Energie, Tourismus) oder von außeralpinen Akteuren (Wasserkraft, Tourismus) genutzt. _ Verwilderung. Die ehemaligen Kulturlandschaften der Alpen (sehr hohe Biodiversität und landschaftliche Vielfalt plus lokale/regionale Identität) verwildern. _ Artensterben. Die Verwilderung führt u.a. zu einem Rückgang der Biodiversität, zu weniger attraktiven Landschaften und ökologischen Probleme in langen Übergangsphasen. _ Klimaerwärmung. Diese Probleme werden durch die Klimaerwärmung (Auftauen Permafrost) noch zusätzlich verstärkt (Gefährdung der Erreichbarkeit der dezentralen Siedlungen). _ Heimatverlust. Im sozio-kulturellen Bereich führt dieser Wandel dazu, dass die Alpenbewohner ihre frühere Verantwortung für „ihre“ Heimat verlieren und zu den Alpen ein instrumentelles Verhältnis als Freizeitraum aufbauen. In allen drei Bereichen (Wirtschaft – Umwelt – Gesellschaft ) findet also ein Verlust statt, der auch durch die durchaus vorhandenen Gewinne der modernen Entwicklung nicht kompensiert wird. Perspektiven für die Zukunft Das Dogma der Globalisierung lautet, dass Wirtschaften umso effektiver, kreativer und konkurrenzfähiger werde, je mehr es sich auf die großen Zentren konzentriere – Wirtschaften in der Peripherie sei zu teuer. Diese Sichtweise greift zu kurz. Eine Gegenposition, die auch ich vertrete, könnte folgendermaßen formuliert werden: Die Metropolen können ihre Funktion als hochspezialisierte, hochproduktive und innovative Netzknoten in der globalisierten Wirtschaft nur dann dauerhaft wahrnehmen, wenn parallel neben ihnen die ländlichen Räume als gleichwertige Räume existieren und diese für die ökologische, sozio-kulturelle und ökonomische „Bodenhaftung“ der Metropolen sorgen (regionale Verankerung) – andernfalls würden die Metropolen durch innere Widersprüche zerrissen. Deshalb ist es aus dieser Bewertung heraus notwendig, _ dass die Alpen als ein dezentraler Lebens- und Wirtschaftsraum in Europa langfristig erhalten bleiben, _ dass sie nicht von der modernen Entwicklung abgekoppelt werden (z.B. als reiner Ausgleichsraum für die Umweltbelastungen der Städte, als großes Naturschutzgebiet oder als Wildnis), _ dass im ländlichen Raum „Lokalzentren” für die kleinräumige Daseinsversorgung der Peripherien zuständig sind (indem hier Krankenhäuser, Fachärzte, weiterführende Schulen, größere Einkaufsmöglichkeiten u.ä. angesiedelt werden/bleiben), _ dass sie auch dezentral verkehrsmäßig erschlossen werden bzw. erschlossen bleiben (mit welchen Verkehrsmitteln ist dabei noch zu diskutieren).

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Ausgewogene Doppelnutzung Der ländliche Raum kann in folgenden Bereichen gezielt aufgewertet werden: _ im Bereich landwirtschaftlicher Produkte (Qualitätsprodukte, am besten regionale Spezialitäten), _ im Bereich Holz (als Bauholz und für andere Zwecke), _ im Bereich regenerativer Energienutzung (sehr hohes Potenzial, allerdings nur in umwelt- und sozialverträglichen Nutzungsformen), _ im Bereich Handwerksprodukte (auf Basis lokaler Rohstoffe und Traditionen), _ im Bereich Bauwesen/Architektur, _ im Bereich nicht-technischer Tourismus (landschafts- und kulturorientiert) und nicht-touristischer Dienstleistungen. Diese Aufwertungen können sich jedoch nicht an musealen Formen orientieren, sondern müssen in lebendiger Auseinandersetzung mit der Tradition neu in umwelt- und sozialverträglichen, dezentralen Strukturen entwickelt werden, ergänzt durch moderne, Internet-basierte Nutzungsformen, die mit der globalisierten Welt verflochten sind. Fazit am Schluss: Werden die vorhandenen dezentralen endogenen Ressourcen gezielt aufgewertet, dann können die Alpen wieder zu einer lebendigen Wirtschaftsregion in Europa werden.

“Die umsichtige Überlegung erhellt die jeweils faktische Lage des Daseins in seiner besorgten Umwelt.” (Zitat Martin Heidegger, Philosoph)

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Helmuth Innerbichler

Keine Entwicklung ohne umfassende Konzepte Nachhaltige Gemeindeentwicklung gelingt dort, wo der Mut zur Vision mit der Zeit für Planung, Überzeugungskraft und Durchhaltevermögen zusammenkommt. Die Marktgemeinde Sand in Taufers mit 5.300 EinwohnerInnen ist Mittelpunktgemeinde sowie wirtschaftliches und touristisches Zentrum des Tauferer Ahrntals in Südtirol mit einer Gesamtfläche von knapp 165 km², wovon der größte Teil zum Naturpark Rieserferner – Ahrn gehört. Sand in Taufers ist im landesweiten Vergleich eine wirtschaftlich starke Gemeinde. Neben Handwerk, Handel und der Landwirtschaft steht der Tourismus im Vordergrund. Der Ferienort verfügt über 3.200 Betten; pro Jahr werden 410.000 Nächtigungen gezählt.

Helmuth Innerbichler ist seit 2005 Bürgermeister der Markt­ gemeinse Sand in Taufers und Präsident des Südtiroler Wirtschaftsringes. Sein Handwerks­ betrieb beschäftigt derzeit 30 MitarbeiterInnen und zählt südtirolweit zu den führenden Unternehmen in den Bereichen Malerei, Gipsbau und Vollwärmeschutz. Info & Kontakt: www.sandintaufers.eu info@sandintaufers.eu

Die öffentliche Verwaltung ist gefordert Bei meinem Amtsantritt im Mai 2005 habe ich mir eine nachhaltige Weiterentwicklung der Gemeinde zum Ziel gesetzt. _ Gesamtkonzept. Erarbeitung eines längerfristig angelegten Gesamtkonzeptes, Vereinbarung konkreter und messbarer Ziele (inkl. Aktivierung von Zusatzeinnahmen für die Gemeinde). _ Agenda 21. Ernennung von Sand in Taufers zur ersten Agenda 21 – Gemeinde Südtirols im April 2008 (strategische und operative Verpflichtung zur nachhaltigen Entwicklung). _ Stärken- & Schwächen-Analyse. Umfassende Erhebung der Stärken und Schwächen auf der Grundlage von 74 Indikatoren, definiert von der Universität Innsbruck. _ Handlungsanleitung. Systematische Ermittlung des konkreten Handlungsbedarfs anhand der Analysen (erste Maßnahmen dort, wo die Notwendigkeit am größten war und ein sichtbarer Erfolg garantiert werden konnte). Umwelt und Energie Eine der ersten Entscheidungen: Sand in Taufers positionierte sich als „Energiegemeinde“ und wollte zur ersten CO2 neutralen Gemeinde Südtirols werden. Dazu wurden folgende Maßnahmen gesetzt: _ Wasserkraft. Errichtung eines Wasserkraftwerkes am Reinbach mit einer Jahresleistung von 64 Mio. kWh (Einnahmen aus dem Produktionsverkauf optimieren den Finanzhaushalt der Gemeinde). _ Energiemanagement. Einsparungen in der Höhe von € 35.000,00 pro Jahr (ohne Verschlechterung der Versorgungsqualität) durch konsequentes Energiemanagement in öffentlichen Gebäuden. _ Klimahausstandards. Verpflichtender Klimahausstandard A (Verbrauch von 3l/m²/Jahr) für alle neu zu errichtende, öffentliche Gebäude; Klimahausstandard B bei Sanierungen von öffentlichen Gebäuden. _ Energieeffizienz. Errichtung von Photovoltaik Straßenbeleuchtungen im Gemeindegebiet, Aufbau einer Elektrotankstelle im Ortskern, Photovoltaikanlagen an den gemeindeeigenen Gebäuden sowie die Gründung der Elektroverteilergenossenschaft (EVG). _ Zukunftsprojekte. Errichtung einer Fernwärmezentrale für die Nutzung von Biomasse und Holzgas im Gemeindegebiet; Umsetzung der verbleibenden Maßnahmen im Bereich der Mobilität, darunter auch die Errichtung einer Biotankstelle. Maßnahmen im Sozialbereich Sand in Taufers ist dem Netzwerk der „Gesunden Gemeinden“ beigetreten und unterstützt durch ein eigenes Veranstaltungsprogramm die Sensibilisierungs- und Informationsarbeit zu wichtigen Gesundheitsthemen wie Ernährung, Bewegung usw. Treu dem

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Motto „Wir für uns“ setzt die Gemeindeverwaltung auf aktive Bürgerbeteiligung. Unter Einbindung aller Bevölkerungsgruppen und –schichten wurde eine Reihe von Vorhaben realisiert: _ Kindergerecht. Errichtung von Kinderspielplätzen sowie einer Kindertagesstätte. _ Barrierefrei. Abbau von architektonischen Barrieren im Gemeindegebiet (426 Positionen in 5 Jahren). _ Gut vernetzt. Lebenslanges Lernen & interkultureller Austausch in einem Netzwerk europäischer Partner(städte). _ International aktiv. Abwicklung von EU Förderprogrammen wie Leader, Comenius, Interreg oder dem Europäischen Sozialfonds (ESF). Unternehmerisch denken – wirtschaftlich handeln Auch in der öffentlichen Verwaltung sind unternehmerisches Denken und Handeln wichtige Voraussetzungen für erfolgreiche Weiterentwicklung. _ Projekt Bad CASCADE. Am 25. September 2011 eröffnet, ist das Bad CASCADE in der Architektur und im Erholungsangebot ein landesweites Vorzeigeprojekt, das inzwischen von fast 90.000 Menschen besucht worden ist und die gesamte Ferienregion Tauferer Ahrntal enorm aufwertet. _ Käsefestival. Im landwirtschaftlichen Bereich unterstützt die Gemeinde Sand in Taufers Veranstaltungen wie das Käsefestival und damit die Vermarktung regionaler Produkte. Dadurch werden kleine Wirtschaftskreisläufe belebt und der Konsum von einheimischen Lebensmitteln unterstützt. Die Gemeinde hat durch ihre regen Aktivitäten eine Reihe von Arbeitsplätzen neu geschaf­fen, unter anderem auch in den gemeindeeigenen Tochtergesellschaften wie der Elektrover­teilergenossenschaft (Stromverteilung), der Taufer GmbH (Fernwärme) sowie der CASCADE.

Sand in Taufers ist eine VorzeigeGemeinde – im Bereich „Energie­ autarkie“ ebenso wie im Bereich „Förderung von Gesundheit und Lebensqualität“.

Sand in Taufers lebt es vor: Mut zur Vision Zeit für Planung + Überzeugungskraft + Durchhaltevermögen = Nachhaltige Gemeindeentwicklung

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5. nachhaltigkeitskonferenz | nachhaltige entwicklung im ländlichen raum

Arno Kronhofer

Mit sanften Angeboten punkten Wo nachhaltiger Tourismus im Einklang mit der Natur betrieben wird, lassen sich auch in Sachen Mobilität ökologisch verträgliche Wege beschreiten. Der Naturpark Weissensee ist das Kärntner Aushängeschild für Tourismus im Einklang mit der Natur. Seit vielen Jahren werden sanfte Angebote geschnürt – von der Genussfloßfahrt im Sommer bis hin zum ökologisch verträglichen Eissportevent im Winter. Das wichtigste touristische Kapital der Naturparkregion Weissensee ist sein naturgegebenes großartiges Landschaftspanorama. Der Ostteil des Sees mit seinen Fjord-ähnlichen Einschlüssen birgt eine Idylle: Nur Nadelwälder säumen die Ufer, kein Auto weit und breit, völlig unverbaut präsentieren sich zwei Drittel des Ufers.

Mag. Arno Kronhofer ist seit Oktober 2007 Tourismusdirektor im Naturpark Weissensee und in dieser Funktion Produktenwickler nachhaltiger Projekte wie jenes zur Förderung der autofreien Mobilität. Er ist passionierter Imker und Honigreferent des Landesverbandes für Bienen­zucht in Kärnten. Info & Kontakt: www.weissensee.com info@weissensee.com

Tourismus im Einklang mit der Natur Die ursprüngliche Form kommt nicht von ungefähr. _ Restriktive Bauordnung. Von der gesamten Gemeindefläche sind 76 km² als Landschafts- und Naturschutzgebiet ausgewiesen und Dank einer restriktiven Bauordnung sind 2/3 des Seeufers unverbaut und somit frei zugänglich. _ “Leiser” Verkehr. Abgesehen von wenigen Ausnahmeregelungen ist Motorbootverkehr am Weissensee streng verboten. _ Sauberes Wasser. Der Weissensee war Kärntens erster großer See, an dem eine Ringkanalisation gebaut wurde. Seither erhält der See alljährlich das Prädikat „Sauberster Badesee der Alpen“. Urlaub autofrei Seit Ende der 1960iger Jahre von den Gemeindeverantwortlichen in weiser Vorausschau eine Durchzugstraße verhindert werden konnte, haben die sanfte Mobilität und die Reduktion des Verbrennungsmotorverkehrs im Naturpark Weissensee einen hohen Stellenwert. Um den Verkehr am Weissensee weiter zu verringern, wurde im Jahr 2010 ein Projekt initiiert, das die Urlaubsmobilität am Weissensee sprichwörtlich revolutioniert hat. Inhaltlich geht es bei dem Projekt um die autofreie Mobilität in den Urlaub und im Urlaub vor Ort. Das Service der Gemeinde ist dabei umfassend: _ Abholservice. Alle bahnanreisenden Gäste werden mit einem bedarfsorientierten Shuttlebus vom rund 8 km entfernten Bahnhof in Greifenburg gratis abgeholt und zum Betrieb der Wahl gebracht. _ Naturparkbus. Vor Ort macht ein halbstündlich getakteter Naturparkbus, der den Gästen von 8.30 Uhr bis 20.30 Uhr zur Verfügung steht, sanft mobil. _ MoBilli. Das Maskottchen MoBilli, der schlaue Mobilitätsfuchs vom Weissensee, macht die Gäste in der Region auf sanfte Mobilitätsangebote aufmerksam. _ Parkraumbewirtschaftung. Das Parken am Ortseingang ist gratis (wichtig für Tagestouristen!), die Parkplätze im Ortsinneren sind bewirtschaftet. Tagesgäste können den Naturparkbus gratis benutzen und so Geld und CO2 sparen (Klima aktiv Auszeichnung im Jänner 2012). Kulinarik auf köstlichem Niveau Zu einer ganzheitlichen Betrachtung eines nachhaltigen touristischen Angebotes gehört im Urlaub natürlich auch die kulinarische Komponente. Daher wurden in den vergangenen Jahren einige Impulse gesetzt, damit der Weissensee auch mit seinen kulinarischen Angeboten punkten kann. Bestes Beispiel: „Genussflößen am Weissensee“, zu dem der Tourismusobmann einlädt. Am Genussfloß, das mehrmals im Sommer in See sticht, kredenzen Spitzenköche aus

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der Region das Beste aus der Weissensee Küche in roher und veredelter Form. Wie man zu diesem besonderen Erlebnis kommt? Ganz einfach: Schwimmend oder mit dem Boot, denn das Floß legt nirgends an. Körperliche Ertüchtigung ist auch der einzige Preis, den man für die Genussfloßfahrt bezahlen muss, denn am Floß ist alles gratis – tatsächlich eine Einladung vom Tourismusverband Weissensee. Winter einmal anders Dass sich der Tourismus am Weissensee von anderen Regionen deutlich unterscheidet, zeigt sich speziell im Winter. Während anderswo fast jährlich neue Lifte und Seilbahnen gebaut werden, geht es am Weissensee beschaulicher zu. Die Gäste kommen wegen des einzigartigen Eislaufangebotes. Auf der 6,5 km² großen Eisfläche tummeln sich tausende Eisläufer, die auf Kufen ihre Runden ziehen. Ende Jänner/Anfang Februar organisieren die Holländer am Weissensee das größte Eissportevent der Welt mit 4000 aktiven Eisschnelläufern: Die „Alternative holländische 11-Städte-Tour“. Ausgezeichnete Ökologiebemühungen Die ganzheitlichen Bemühungen, Tourismus und Umweltschutz unter einen Hut zu bringen, brachten und bringen der Gemeinde zahlreiche Auszeichnungen ein, u.a.: _ 1995: EU-Preis für Tourismus und Umwelt _ 2006: Ernennung der Region zum Naturpark _ 2012: Auszeichnung mit dem europäischen Dorferneuerungspreis

Das Floßfahren hat am Weissensee in Kärnten eine lange Tradition. Früher nutzte man diese Fortbewegungsart in der Landwirtschaft, um Heu vom Süd- zum Nordufer und Holz vom Ost- zum Westufer zu transportieren - heute zählt das „Genussflößen am Weissensee“ zu den beliebtesten Veranstal­ tungen in der Region

Gemeinde Weissensee

Tourismus

Sanfte Mobilität

Landwirtschaft

Dortgestaltung

Energieeffizienz

Naturpark

GREEN in allen Bereichen Entwicklungssäulen im Naturpark Weissensee

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5. nachhaltigkeitskonferenz | grüne veranstaltungen in der praxis

Christine Opitz

Green Event – Hype oder Trend? Green Events sind (noch) Nischen-Produkte. Doch Green ist bei allen Eventformen angekommen und die Chancen stehen gut, dass der „green Gedanke” zu keimen beginnt. Sind Green Events ein Zukunfts-Trend – oder gar Zukunfts-Standard? Als erste Event Agentur in Österreich ist die Event Company Opitz & Hasil seit Januar 2011 lizenziert, Veranstaltungen gemäß den „Richtlinien Uz62 Green Meetings“ zu zertifizieren. Mittlerweile gibt es 21 Lizenznehmer in Österreich. Zum Auftakt daher gleich ein paar aktuelle Zahlen zur Entwicklung von Green Events in der Alpenrepublik: _ 2010 wurden 2 Green Meetings zertifiziert _ 2011 waren es bereits 20 Green Meetings _ 2012 wurden zwischen Jänner und Ende September 39 Green Meetings und zwischen April und Ende September 3 Green Events zertifiziert Christine Opitz, Geschäftsführerin der Event Company Opitz & Hasil, spezialisierte sich bereits 1991 auf die professionelle Planung und Durchführung von UnternehmensEvents. 2011 erhielt sie vom Lebensministerium die Lizenz, „Green Meetings“ mit dem Österreichischen Umweltzeichen zu zertifizieren. Info & Kontakt: www.event-company.at office@event-company.at

aufgeschlossen ist. Denn auch da zeigt die Erfahrung: Ist das Interesse vorhanden, lassen sich alle nötigen Unterlagen und Nachweise recht unkompliziert und in kurzer Zeit beschaffen. Wird der Green-Gedanke dagegen (bewusst oder unbewusst) boykottiert, erweist sich die Umsetzung eines Green Events an manchen Locations als unmöglich. Unser Fazit: Egal, ob es sich um Location, Catering, Zulieferant oder Auftraggeber handelt – „green” ist keine Frage der Firmengröße, sondern eine Frage der Unternehmensphilosophie!

Ganzheitliche Betrachtung der Veranstaltung

Die klare Antwort auf die Eingangsfrage: Green ist bei allen Eventformen angekommen – ob Europäische Gemeinde, Hotellerie oder Sportveranstaltungen, selbst bei Events mit jungen Zielgruppen (Festivalbereich) beginnt der „green Gedanke“ zu keimen. Die vom Österreichischen Ökologie-Institut betreute Initiative „Green Events Austria“ hat u.a. folgende Projekte begleitet: „1. Fachkonferenz „Greening Events“ im Zuge der österreichischen EU-Präsidentschaft“, „Green Mountainbike Weltcup Planai Schladming 06“, „ECO Events – Jugend für Umwelt und Sport in Wien“ und „Nachhaltige Europäische Kulturhauptstadt Linz 09“. Auch die 2011 erstellte Event-Zukunftsstudie, die sehr stark die Veränderungen in der Gesellschaft in Bezug auf Kommunikation, Werte und Erwartungen der Menschen behandelt und insgesamt 6 Trends aufzeigt, erkennt in Trend Nr. 5: „Ohne grün keine Events der Zukunft.“ (Download unter http://www.hotelderzukunft.at/pdf/handbuchevent-der-zukunft-2011.pdf ) Großes Interesse – mäßige Umsetzungsbereitschaft Die Förderung und Verbreitung des Green Event-Gedankens erweist sich in der Theorie allerdings einfacher als in der Praxis. Die Erfahrung zeigt: Wenn wir auf Messen unsere Kunden direkt ansprechen, überwiegt die Neugier – wer will nicht nachhaltig wirtschaften und/oder zu einer nachhaltigen Wirtschaft im Sinne des Lebens zurückkehren! Letztendlich sind die Reaktionen aber durchaus widersprüchlich: _ 15 % finden die Idee gut und unterstützenswert _ 42 % sind interessiert, befürchtet aber Ablehnung von höherer Stelle (Motto: Ich will ja, ABER …) _ 35 % reagieren mit einer freundlichen Floskel (“natürlich wollen wir etwas in der Richtung tun”), signalisieren aber gleichzeitig, dass ihnen der Aufwand zu groß ist _ 8 % reagieren ablehnend (“ist nur eine neue Masche für Geldmache”)

Das Verlangen nach gutem Gewissen wird zum Eventmotor der Zukunft aber die coole Inszenierung darf nicht zu kurz kommen. Umweltschutz darf alles, nur nicht langweilig sein!

Zukunftstrend „Green Event” Trotz einiger Rückschläge sprechen die Daten und Fakten eine klare Sprache: Innerhalb eines Jahres gab es eine Verdoppelung (und bis Jahresende vielleicht sogar eine Verdreifachung) von zertifizierten Events in Österreich. Gleichzeitig gibt es zahlreiche Unternehmen in der „Übungsphase”, die in vielen Bereichen bereits nachhaltig wirtschaften, aber noch nicht so weit sind, ihre Events auch zertifizieren zu lassen. Wir erleben aber immer öfter, dass nach den ersten Hürden des Lernens und Verstehens bei allen Beteiligten der Spaß am „grünen Denken” überwiegt. Neue, kreative Umsetzungen und Ideen tun sich auf, wenn klar wird: Umweltschutz darf alles sein, nur nicht langweilig!

Schwierig gestaltet sich teilweise auch der Einkauf im Catering von Bio- & Regional­ produkten. Hohe Qualität ist in größeren Mengen oft nicht zu bekommen, hier fehlt noch die Industrie dahinter. Ein weiterer Problembereich: die unterschiedlichen Zeitvorstellungen. Der Lieferant möchte (und muss) bei größeren Mengen seine Bestellung bereits 3 bis 4 Wochen im Voraus kennen, um gut planen zu können. Die Kunden geben dagegen im Catering immer später ihre endgültigen Bestellungen auf, d.h. oft erst eine Woche vor dem Event (mit Garantiezahlen 3 bis 5 Tage vor Event). Viel Zeit investier(t)en wir auch in die Suche nach geeigneten Locations. Wir mussten eine eigene Datenbank aufbauen und herausfinden, wer dem Thema „Green” gegenüber

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5. nachhaltigkeitskonferenz | grüne veranstaltungen in der praxis

Markus Punz

Sauberhafte Feste – poppige Ideen Die Summe vieler kleiner, regionaler Aktivitäten macht den Erfolg beim Klimaschutz aus. Beispielsweise die konsequente Abfallvermeidung bei Festen und Events.

Teilnahmeberechtigt an den „Sauberhaften Festen“ sind jene Veranstalter, die sich zur Einhaltung der Mindestkriterien bereit erklären: die ausschließliche Verwendung von Mehrweggeschirr im gesamten Service-Bereich sowie die sinnvolle Trennung der Festabfälle, zumindest aber von Altspeisefett, Altglas und Restmüll.

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Sags mit einem T-Shirt: „reduce, reuse, recycle“ Mit einem speziellen Projekt unter dem Motto „reduce, reuse, recycle“ sollten 2012 vor allem junge Festbesucher angesprochen werden – auf eine Art und Weise, wie es sie in der Abfallwirtschaft noch nicht gegeben hat. Das Medium: ein T-Shirt in vier Varianten. Die Messages: zweideutig und provokant. Die Sprücheliste reichte von „PETting” bis zu „Alte Schachtel will flach gelegt werden”. Durch diese „Botschaften mit Hintergrund” sollten das Interesse der Jugendlichen auf Themen und Fakten in der Abfallwirtschaft gelenkt und die TrägerInnen der T-Shirts auch nach der Veranstaltung zum Nachdenken angeregt werden. Wichtiger Punkt: Alle T-Shirts wurden aus zertifizierter Biobaumwolle gefertigt und garantieren nicht nur ein angenehmes Tragegefühl, sondern auch nachhaltigen Umweltschutz.

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PETting Design PETTING: Weniger PET, Thema Plastik

Die Aktion Trash freak shirts ist auch auf Facebook zu finden: http://www.facebook.com/ trashfreakshirts

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Diese Art der niederösterreichischen Festkultur wird mit dem Gütesiegel Sauberhafte Feste ausgezeichnet. Das Gütesiegel garantiert umweltbewusstes, traditionelles Feiern und soll dazu beitragen, diese „ausgezeichneten” Feste noch bekannter und beliebter zu machen.

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Info & Kontakt: www.abfallverband.at office@noeawv.at

Gütesiegel „Sauberhafte Feste” Plastikbesteck ist weder nachhaltig noch benutzerfreundlich. Durch die Verwendung von Mehrweggeschirr und Mehrwegbechern können Feste umweltfreundlicher gestaltet werden – und die Gäste genießen die angebotenen Köstlichkeiten ohne Restmüll. _ Geschirrmobile. Die niederösterreichischen Abfallverbände bieten privaten und kommunalen Veranstaltern mehr als 20 Geschirrmobile sowie Leihgeschirrspüler, Mehrweggeschirr und -becher an. _ Wiederverwertung. Durch die Trennung des Mülls in Restmüll, Papier, Speisefett, Glas und Dosen können bis zu 90 % der Festabfälle wiederverwertet werden. _ Reduktion. Durch den ausschließlichen Einsatz von Mehrweggeschirr und ordentliche Trennung aller Festabfälle lässt sich die Rest-Abfallmenge von 20 Litern pro Person auf bis zu 0,25 Liter reduzieren! _ Einsparung. So können große Mengen an Ressourcen und nebenbei auch noch Entsorgungskosten eingespart werden.

Prestigeobjekt „Festival-Shirt” Die Shirts gab es exklusiv beim Tomorrow Festival 2012 in Zwentendorf und beim Beat Patrol Festival 2012. Allerdings wurden sie weder verschenkt noch verkauft, was das Interesse daran enorm steigerte und die Shirts zu einem begehrten Prestigobjekt machte. Um eines der exklusiven Shirt zu ergattern, mussten sich die Jugendlichen aktiv einbringen. Gefragt war ihre Meinung zu den Themen „nachhaltig Feiern“ und „Abfall bei Festivals“. Dazu wurden direkt am Festival Fragebögen ausgeteilt und anschließend Interviews vor laufender Kamera geführt bzw. Kurzfilme mit Pantomime gedreht. Um die Aktion zielgruppengerecht aufzubereiten, wurden die Aufnahmen von Jugendlichen für Jugendliche gemacht, professionell geschnitten und danach in Medien wie Facebook und Youtube gepostet. Der Ansturm auf die T-Shirts war enorm – mehr als 1.100 Teile wurden ausgegeben, mehr als 20 Stunden Videomaterial wurden gedreht. Neben persönlichen C H ACH ES Gesprächen mit einer bisher noch nicht erreichten Zielgruppe wurden auch zahlreiche Fragebögen ausgefüllt, die ac r das große Interesse der Jugendlichen am h ge gt we le Thema Abfallvermeidung belegen. w ill

Markus Punz ist Abfallberater, Netzwerkadministrator und Stellvertreter der Geschäftsführung beim GVU St. Pölten. Gemeinsam mit seinem Kollegen Johannes Kadla hat er u.a. das Jugend­ projekt „reduce, reuse, recycle” entwickelt und bei Festen/Musik­ festivals in Niederösterreich umgesetzt.

Feste und Veranstaltungen sind nicht nur regionale Treffpunkte und wesentlicher Be­ stand­teil unserer Kultur, sie haben auch wirtschaftliche Bedeutung. Wie der dabei entstehende Abfall vermieden werden kann, zeigt die Initiative „Sauberhafte Feste“ – ins Leben gerufen von den niederösterreichischen Abfallverbänden und dem Land Niederösterreich. Zahlreiche öffentliche und private Festveranstalter zeigen seit Jahren durch ihr Engagement, dass ihnen Festbesucher und Umwelt am Herzen liegen. Sie verwenden Mehrweggeschirr und trennen die Festabfälle vorbildlich. Bei den „Sauberhaften Festen” wollen die Abfallverbände Niederösterreichs in erster Linie jene Veranstaltungen vor den Vorhang bitten, welche bereits die Mindestkriterien erfüllen. So werden durch ordentliche Ess- und Trinkkultur und saubere Festgelände die Sinne der Festbesucher angeregt. Als Vorbildwirkung sollen andere Veranstalter motiviert werden, ihre Feste nach denselben Kriterien durchzuführen.

Design: Problematik Müllvolumen zusammenlegen

Die NÖ Abfallverbände wollen gemeinsam mit dem Land NÖ aufmerksam machen - und das auf eine Art und Weise wie es sie in der Abfallwirtschaft noch nicht gegeben hat.

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5. nachhaltigkeitskonferenz | nachhaltigkeit auf den markt gebracht

Wolfgang Schneeweiß

Nachhaltigkeit als Träger touristischen Marketings Den aufwendigen Prozess nachhaltiger Entwicklung muss der Gast nicht kennen – aber er muss ihn als gelebte Praxis spüren können, um ihn wertzuschätzen. Die Feriendörfer Kirchleitn in St. Oswald, Bad Kleinkirchheim, wurde 1980 von Baumeister Rogner erbaut, an TUI verkauft und vom Konzern selbst betrieben. Ab dem Jahr 2000 wurden die Investitionen von TUI eingestellt. 2009 erwarb Wolfgang Schneeweiß die Feriendörfer, um sie nach einer intensiven Sanierungsphase 2011 selbst zu betreiben. Dadurch konnte die Wertschöpfung des über 600 Betten verfügenden Betriebes mit rund 10 % des Bettenangebotes in Bad Kleinkirchheim wieder in die Region verlagert werden. 2011 wurden die Dorfhotels Schönleitn und Seeleitn am Kärntner Faaker See gemeinsam mit der langjährigen Geschäftsführerin von TUI erworben und werden nun unter der Marke Naturel Hotels betrieben.

Mag. Wolfgang Schneeweiß erwarb im Jahr 2009 die beiden Ferienanlagen Kirchleitn in St. Oswald und ist seit 2011 auch Eigentümer und geschäftsführender Gesellschafter der beiden Ferienanlagen Seeleitn und Schönleitn am Faaker See. Info & Kontakt: www.kirchleitn.com w.schneeweiss@kirchleitn.com

Doaswalder halten ‘zam - ein einmaliger Zusammenschluss beinahe aller touristischer Betriebe von St. Oswald zu einem ge­meinsamen Unternehmen.

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Nachhaltige Potentiale nutzen Mit Aussagen wie „Zurück zur Natur“ oder „Täglich grüßt das Abenteuer“ wird das Thema Nachhaltigkeit direkt an die Gäste gebracht. Dahinter liegen weitreichende Verpflichtungen. Kirchleitn besteht aus den Feriendörfern Kleinwild und Großwild. Die 170 AlmAppartements in 44 Bauernhäusern direkt an der Talstation wurden aus dem Holz alter Bauernhäuser errichtet und bieten Platz für über 600 Gäste. In der Sanierung wurden nachhaltige Potenziale genutzt. _ Technische Sanierung – über ein neues Sekundärnetz zwischen den Häusern. _ Ölheizung – Umstellung auf Alternativenergie durch Initiierung einer Genossenschaft zum Bau eines Biomasse-Heizwerkes für den gesamten Ort. _ Entsorgung – über Baustellenverkauf bzw. Recycling wiederverwendbarer Materialien durch regionale Firmen. _ Regionale Anpassung – z. B. Holzzaun, Granitblöcke, über 600 Bilder aus der Region. _ Sanierung bestehender Holzböden (2.000 m2) statt Austausch. _ Gründung Biowärme St. Oswald eGen. Holzhackschnitzel aus max. 80 km Umgebung sparen über 1.100 t CO2 jährlich.

Vernetzung mit regionalen Anbietern Nachhaltig betrieben wird Kirchleitn durch intensive Vernetzung mit den regionalen Anbietern. Das 3-Tage Kirchleitn Ranger Programm mit Nationalparkrangern beschert über 100 Kindern jährlich Abenteuer in der Natur, Kachelofen-Heizer-Seminare vermitteln Informationen zur Holzwirtschaft. Nockfleisch (Gemeinschaft 17 Landwirte) produziert wöchentlich das Buffet, um direkten Kontakt zwischen jährlich 20.000 Gästen und Erzeugern herzustellen. Im Steakhaus wird regionales Fleisch angeboten, die Frühstücksecke kommt direkt vom Bauern und Wabenhonig von der Biobäuerin der Region. Ein Abfallwirtschaftskonzept wird gelebt. Von den nun rund 60 MitarbeiterInnen stammen mittlerweile rund 2/3 aus der Region (Mitarbeiterorientierung durch Betreuungsmöglichkeit für Kinder, Dienstpläne für AlleinerzieherInnen, Schulungsprogramme, Motivationssysteme etc.). Nachhaltigkeit zeigt sich auch an regionaler Wertschöpfung: Früher zahlte der Gast im Buchungsland ein und ließ aufgrund des All-Inclusive Angebots kaum Geld in der Region. Heute zeigen die im Dezember 2011 von TUI übernommenen Anlagen am Faaker See (175 Appartements) regionale, nachhaltige Kompetenz durch ein Abfallwirtschaftskonzept, ISO 14.000 Zertifizierung, Österreichisches Umweltzeichen, TUI Umweltchampion Award, Green Meetings Auszeichnung, Umweltausstellungen und Einsatz der Lebenshilfe Ledenitzen (geschützte Werkstätte) zur Gartenpflege.

Feriendörfer Kirchleitn - Das in die Jahre gekommene Dorf wurde von der St. Oswalder Familie Schneeweiß aufgekauft und generalsaniert. Eine durch­greifende Qualitätsoffensive, die sehr achtsam das unverfälscht Echte des Dorfes erhalten hat.

Wertegemeinschaft in der und für die Region Kirchleitn im Bad Kleinkirchheimer Ortsteil St. Oswald wurde im alten Dialektnamen „Doaswald“ genannt. „Doaswald“ ist auch der Kooperationstitel von 8 Unternehmern im 170 Einwohner-Ort. Gepflegt werden kulturelle Veranstaltungen wie Kirchtag, Erntedankfeste etc. sowie kooperative Aktivprogramme für Gäste. _ Zentrales Produkt ist die „Doaswald Kulinarik“: Jeder Gast hat täglich die Wahl zwischen 8 Restaurants. _ Ein weiteres Highlight ist die kulinarische Wanderung durch 4 Restaurants mit je einem Menügang und Weinbegleitung. _ Die Kooperation sieht sich aber auch als Wertegemeinschaft der Region, ein eigener Folder vermittelt dies im Innenverhältnis und nach außen an Gäste und Interessierte. Ausgehend von der Geschichte des Hochtales werden Zukunftsinvestitionen nachhaltig im ökonomischen, ökologischen und sozialen Sinn hinterfragt. _ Speik (eine seltene heilkräftige naturgeschützte Pflanze der Region) und Zirbe sind Basis für Produkte des „Doaswalder Kistl“, das 7 Schätze der Region enthält. _ Aktuell ist eine Flurnamenstudie zur besseren Kenntnis und Geschichte einzelner Orte im Gange. In der Gemeinde Bad Kleinkirchheim wurde 2011 ein Masterplan mit Zielen und Maßnahmen in den vier Bereichen LebensQualität, TourismusQualität, LebensRaum und Strukturen entwickelt. Rund 800 Hauptwohnsitzen (ca. 1.900 Einwohner) stehen rund 1.200 Zweitwohnsitze gegenüber. Zur Stärkung der Integration und des Zusammenlebens der Einheimischen im intensiv bewirtschafteten Tourismusort wurden zahlreiche Maßnahmen entwickelt, um LebensQualität im nachhaltigen sozialen Sinn zu steigern.

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5. nachhaltigkeitskonferenz | nachhaltigkeit auf den markt gebracht

Josef Schett

Kommen sie zu uns – wir haben nichts! Kein Skilift. Keine After-Ski-Partys. Kein alpiner Ballermann. In Villgraten ist man stolz auf das, was nicht gemacht wurde. Und auf all das, was es immer schon gab. „Kommen Sie zu uns, wir haben nichts“. Dieser Satz, zufällig bei einer wunderschönen Skitour in der grandiosen Villgrater Bergwelt entstanden, ging als Überschrift und Schlag­zeile durch die gesamte deutschsprachige Presse und hat viele Erholungssuchende neugierig auf unser Tal gemacht. Ergänzend sollte es aber heißen: Wir haben nichts von der neumodischen Überzivilisierung, die heute in großen Teilen die Alpen prägt. Eine kleine Insel im Strom der hektischen Zeit, wo man auch stolz auf gerade das ist, was man nicht gemacht hat.

Josef Schett, mehrfach aus­ gezeichneter Unternehmer (Villgrater Natur Produkte), ist seit 2006 Tourismusobmann der Osttiroler Gemeinde Innervillgraten, seit 2008 im Aufsichtsrat des Tourismusverbandes Osttirol. Zusätzliche Aktivitäten im „Verein Kraftwerk” und im Gesundheits­ netzwerk Osttirol. Info & Kontakt: www.villgraternatur.at office@villgraternatur.at

Das Villgrater Natur Haus des Josef Schett – selbst Schafbauer – steht mitten in der Natur. In Innervillgraten. In hellen, sonnendurchfluteten Räumen aus heimischem Zirben- und Lärchenholz findet man neben hausgemachten regionalen kulinarischen Spezialitäten wie Schaf- und Ziegenkäse, Lammwürsten, Honig, Marmeladen und Schnäpsen auch Kosmetik und Seifen aus Schafmilch. Auch viele nette Geschenkideen und handgemachte Produkte aus den Osttiroler Bergen.

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Menschen mit Bodenhaftung Daher findet man bei uns noch Dinge, die viele von uns in romantischer Erinnerung aus der Kindheit kennen und heute vielfach vermissen: _ Ruhe und Beschaulichkeit, _ Menschen mit Bodenhaftung und Prinzipien, _ eine funktionierende Landwirtschaft, _ liebevoll gepflegte Fluren und Almen bis in die höchsten Regionen, _ eine reiche Vielfalt an Handwerk und überliefertem Können, das sich unter anderem auch in unserer Baukultur ausdrückt, _ und vor allem: die ausgeprägte Gastfreundschaft der Villgrater. Wir als Tal haben uns langfristige Nachhaltigkeit zum Ziel gesetzt. Darunter verstehen wir nicht nur ökonomische und ökologische, sondern auch soziale Aspekte. Mit unserem langfristigen, naturnahen Konzept versuchen wir, egoistische, politische Interessen außen vor zu lassen und ein möglichst positives, langfristiges Bestehen des Tales zu ermöglichen. Vor allem in der schnelllebigen Zeit von heute ist das nicht immer einfach.

Am Leben teilhaben Als Gast erlebt man nicht nur unseren landwirtschaftlich genutzten und geprägten Talbereich, sondern auch die gepflegten Almen mit ihren Blumenwiesen, Rinder- und Schafweiden, die sich teilweise bis auf fast 3.000 m Seehöhe erstrecken. Man findet dabei Erholung, Ruhe und Kraft für den Alltag wie kaum irgendwo anders; im Sommer bei unzähligen Wandertouren entlang der „Herz-Ass-Route“ rund um unser Tal mit Ausblicken nach Süden in die Dolomiten und nach Norden bis zum Großglockner. Im Winter bieten unsere weiten Almmatten herrliche Winterwanderungen und Skitouren in allen Schwierigkeitsgraden. Im zum Gourmetrestaurant umgebauten Bauernhof mit 60 Betten über gut bürgerliche Gastronomie, Urlaub am Bauernhof oder auf über 60 ursprünglichen Almhütten lassen wir unser Gäste an unserem Leben in den Bergen teilhaben. Dadurch können viele Familien und Handwerksbetriebe im Dorf die wirtschaftliche Grundlage verbessern und Arbeitsplätze sind dadurch entstanden. Kleine Strukturen – lokale Investoren Vor allem für Bergbauern ist es heutzutage nicht immer einfach, das wirtschaftliche Auskommen zu finden, doch mit diesen Strukturen wird das wesentlich erleichtert. Wir haben uns bewusst gegen große Fremdinvestoren entschieden, die Skilifte und große Hotels bauen wollten. Natürlich würden solche Projekte auch Arbeitsplätze bringen. Allerdings wären wir dann von den Entscheidungen fremder Parteien abhängig, deren Interessen sich nicht unbedingt mit denen der Einheimischen decken und die wenig Rücksicht auf unsere kleinen Strukturen nehmen würden. Viele Beispiele in den Alpen zeigen, dass die Orientierung nach dem schnellen Geld vielfach mit dem Verlust der eigenen Identität und Aufgabe gewachsener Strukturen einhergegangen ist. Orientierung an Gästewünschen Die Frage nach der Ausrichtung unseres Tales und der nachhaltigen Gestaltung hat in der Vergangenheit auch zu vielen kontroversen Diskussionen geführt. Wie können wir uns abheben und was ist das Besondere bei uns? Das sind Fragen, die sich jede Tourismusgemeinde individuell stellen und auswerten sollte. In vielen Gesprächen und Umfragen bei unseren Gästen stellte sich heraus, dass Menschen, die in unser Tal kommen, ganz bewusst Natürlichkeit, Ursprünglichkeit und Ruhe vom hektischen Alltag suchen. Damit sind wir zu dem Schluss gekommen, dass das Villgratental auf den über Jahrhunderte gewachsenen bäuerlichen und handwerklichen Strukturen aufbauen und diese behutsam weiterentwickeln soll. Innervillgraten ist eines der wenigen Dörfer, das in den letzten Jahren einen Bevölkerungszuwachs zu verzeichnen hat. Auch die Nächtigungszahlen sind in den letzten 10 Jahren gestiegen. Allein diese Tatsachen zeigen, dass wir den meiner Meinung nach richtigen Weg verfolgen. Wir versuchen, mit unserem Konzept langfristig ökologische, ökonomische und soziale Interessen zu vereinen, damit unser Tal selbstbestimmt einer guten Zukunft entgegensehen kann.

Prägend für die Villgrater Bergwelt sind die vielen Almen, die allesamt liebevoll renoviert sind und heute zum Teil auch den Besuchern für einen einfachen, naturverbundenen Urlaub in den Bergen dienen.

Im Villgratental setzt man auf „ungekünstelte Ursprünglichkeit“ und sieht in der Berglandwirtschaft mit ausgeprägter Almwirtschaft und im traditionellen Handwerk die touristischen Aushängeschilder des Tales.

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5. nachhaltigkeitskonferenz | partner

gugler* cross media – Vorzeigebetrieb mit Visionen Das Crossmedia-Unternehmen gugler* versteht sich als Öko-Pionier seiner Branche und hat sich von einer klassischen Druckerei zu einem modernen Kommunikationshaus entwickelt, das Agenturleistungen und nachhaltige Medienproduktion unter einem Dach anbietet. Ökonomischer Erfolg und gesellschaftliche Verantwortung gehen Hand in Hand: Langfristig gedacht ist das eine ohne das andere gar nicht möglich. Werte-Marketing und nachhaltige Medienproduktion 95 MitarbeiterInnen entwickeln und produzieren maßgeschneiderte Einzel- und Gesamtlösungen – von der Visitenkarte bis zu den schönsten Büchern Österreichs, vom kreativen Mailing über CMS-Websites bis zur integrierten Werbekampagne. Schon bei der Beratung und Konzeption werden die Weichen gestellt, um den ökologischen Fußabdruck so gering wie möglich zu halten.

Kontakt: gugler* cross media GmbH Reinhard Herok, Nachhaltigkeitsbeauftragter 3390 Melk, Auf der Schön 2 Tel. +43/2752/500 50-234 herok@gugler.at www.gugler.at www.printthechange.com

Weltweit einzigartig: Cradle to Cradle®-Druckprodukte Seit Jahresbeginn 2012 bietet gugler* als erstes Unternehmen weltweit Cradle to Cradle®-Druckprodukte und garantiert damit den höchsten Standard für ökologische Druckproduktion. Das revolutionäre Druckverfahren orientiert sich am Vorbild der Natur und schafft Druckprodukte, die für den biologischen und technischen Kreislauf optimiert sind. Alle Inhaltsstoffe wurden speziell für umfassendes Recycling bzw. Kompostierung entwickelt und von Umweltforschern auf ihre Umwelt- und Gesundheitsverträglichkeit geprüft.

KALOVEO – ELECTRIC MOVE ADVENTURE Der Einsatz von e-bikes in touristischen Bereich ist mittlerweile weit verbreitet und eine erfolgreiche Möglichkeit, die Attraktivität einer Region zu erhöhen. Allerdings sind die Anforderungen – topografieabhängig – sehr unterschiedlich. Einerseits müssen die e-bikes den speziellen Anforderungen des Bergeinsatzes entsprechen, andererseits erwarten sich Touristen ein sportliches Image der e-bikes. Zusätzlich sind jene Gäste zu berücksichtigen, die eine gemütliche Ausfahrt mit einem Tiefeinsteiger-e-bike oder einem praktischen Falt-e-bike bevorzugen. Auf all diese Bedürfnisse ist KALOVEO spezialisiert. Österreichische Lösung für e-bike Vermietung Produktbasis sind hochwertige Marken-e-Bikes mit leistungsfähigen Antrieben. Das „eBike as a Service“ Konzept (kurz eBaaS) bietet dem Vermieter entscheidende Vorteile: saisonale Monatsmiete statt kostspieliger Investitionen. KALOVEO kümmert sich um das laufende Service, die Versicherung und die jährliche Wartung der Fahrzeuge. Das KALOVEO business-Modell unterscheidet sich klar von anderen Anbietern:

Dipl. Ing. Johann Weiss (Steinschaler Hotels), Theres Friewald-Hofbauer (Club NÖ), Dr. Stephan Pernkopf (Landesrat für Umwelt, Landwirtschaft und Energie), Mag. Andreas Purt (Mostviertel Tourismus), Dr. Petra Stolba (Österreich Werbung), Prof. Christoph Madl (Niederösterreich Werbung), Dr. Werner Bätzing (Uni Erlangen-Nürnberg), Bernd Fischer (Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern)

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Kontakt: KALOVEO ELECTRIC MOVE ADVENTURE by SAMO Marketing GmbH Mag. Bernhard Mildner, Geschäftsführer 4625 Offenhausen/Wels, Kapsamerstraße 55 Tel. +43/7247/811 09 Mobil +43 660/476 34 29 office@kaloveo.com www.kaloveo.com

1. Ausschließlich Qualitäts-e-bikes auf dem neuesten Stand der technischen Entwicklung 2. Vermietung nur 1 Saison – jedes Jahr die neuesten Modelle 3. Verkauf der gebrauchten e-bikes über www.used-ebike.com 4. Service, Wartung, Versicherung inklusive 5. Marketing für Partner auf www.kaloveo.com und www.facebook.com/kaloveo.ebikes

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Kontakt: Österreichisches Ökologie Institut Austrian Institute of Ecology Gabriele Bernhofer 1070 Wien, Seidengasse 13 Tel. +43/6991/523 61 32 Fax +43/1 523 58 43 www.ecology.at

Österreichisches Ökologie-Institut – Nachhaltigkeit heißt Zukunft gestalten Das Österreichische Ökologie-Institut wurde 1985 als unabhängiger gemeinnütziger wissenschaftlicher Verein gegründet. 25 MitarbeiterInnen aus verschiedensten Disziplinen arbeiten in Wien und Bregenz (seit 1991) an innovativen Ideen und Strategien für nachhaltige Entwicklung. Als etablierte Forschungs- und Beratungseinrichtung stellt sich das Institut ambitionierten Herausforderungen und sichert durch seine Fachexpertise ein weites Feld an inhaltlichen und methodischen Zugängen. Initiative Green Events Austria (www.greeneventsaustria.at) Green Events berücksichtigen während des gesamten Organisationsablaufs von Veranstaltungen Umwelt- und Nachhaltigkeitsaspekte. Österreich hat durch die vom Lebens­ ministerium in Kooperation mit dem Österreichischen Ökologie-Institut gestartete Initiative „Green Events Austria” eine internationale Themenführerschaft übernommen. Die Initiative Green Events Austria setzt sich dafür ein, Standards für nachhaltige Events und Veranstaltungen in den verschiedenen Eventbereichen zu etablieren. FUWA – Future of Waste Das EU-Projekt unterstützt den grenzüberschreitenden Erfahrungsaustausch Österreich – Tschechische Republik und ermöglicht die Entwicklung von Konzepten und neuen Lösungsansätzen für alle Stufen der Abfallhierarchie. Durch innovative Pilotprojekte mit Bürgerbeteiligung wird die Bewusstseinsbildung unterstützt.

Kontakt: Europäische ARGE Landent­ wicklung und Dorferneuerung Theres Friewald-Hofbauer Geschäftsführerin www.landentwicklung.org

Europäischer Dorferneuerungspreis: Vorhang auf für die Besten unter den Guten! Seit 1990 lobt die Europäische ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung, ein Verein mit Sitz in Wien, im zweijährigen Rhythmus den Wettbewerb um den Europäischen Dorferneuerungspreis aus. Bewertet werden: _ innere und äußere Qualitäten der Dörfer und Gemeinden, also Aktivitäten im Sinne einer dem Standort angepassten wirtschaftlichen Entwicklung, _ die Schaffung zeitgemäßer sozialer Einrichtungen, _ die Auseinandersetzung mit Fragen der Architektur, der Siedlungsentwicklung, der Ökologie und der Energieversorgung, _ kulturelle Initiativen und Weiterbildungsmaßnahmen. Wesentlich dabei sind der ganzheitliche Ansatz, die Orientierung in Richtung Nachhaltigkeit sowie die von Bürgerbeteiligung und Kooperationsbereitschaft geprägte Methodik. Gefragt sind Visionen und Pioniergeist, vorwärtsorientierte und zukunftsbejahende Projekte, die dem jeweiligen Motto Rechnung tragen. Nachhaltige Stärkung Vorrangige Intention des Europäischen Dorferneuerungspreises ist es, beispielhafte Maßnahmen und Initiativen im Sinne einer nachhaltigen Stärkung der Zukunftsfähigkeit ländlicher Räume vor den Vorhang zu bitten und über den Austausch der Dorfbeispiele den Respekt voreinander und die Anerkennung des Andersseins zu verstärken. Im Vordergrund steht die Motivation der Landbevölkerung, aus Gegenwart und Geschichte den Auftrag zur eigeninitiativen Zukunftsgestaltung abzuleiten und damit zur Sicherung der dörflichen Lebensräume beizutragen.

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Impressum Herausgeber: Tourismusregion Mostviertel. Finanziert aus Mitteln des Niederösterreichischen Wirtschafts- und Tourismusfonds. Redaktion: Mostviertel Tourismus GmbH, Adalbert-Stifter-Straße 4, 3250 Wieselburg. Gestaltung: Sandra Almonte de Leon. Text und Lektorat: ReferentInnen, Kinz Kommunikation. Fotos: weinfranz.at/Mostviertel Tourismus GmbH (Titelblatt, S. 2, 9, 18, 19, 24, 25, Rückseite), Andreas Pessenlehner/ Most­viertel Tourismus GmbH (S. 4, 5, 8, 10, 12, 14, 16, 18, 20, 23, 26, 28, 30, 32, 34, 36, 38), Österreich Werbung/Specht (S. 6), Österreich Werbung (S. 7, 9), Slowenische Tourismuszentrale (S. 10, 11), TMV (S. 13), TMV/Werk 3 (S.13), Steinschaler Naturhotels (S. 15), DI Otfried Knoll/KNOLL TTS (S. 16, 17), Hannes Rausch (S. 19), Andrea Badrutt, Chur (S. 20), Rhätische Bahn (S. 21), Kanuschule Versam GmbH (S. 21), Mostropolis (S. 22), 2012 die [foto]macher.it (S. 27), Gemeinde Sand in Taufers (S. 27), Franz GERDL (S. 29), VKI (S. 31), Hotel der Zukunft (S. 31), Gerald Lechner (S. 32), GVU (S.33), Markus Punz (S. 33), DOASWALD (S. 34), Feriendörfer Kirchleitn (S. 35), Villgrater Naturprodukte (S. 36, 37). Druck: Gugler GmbH, Auf der Schön 2, 3390 Melk.


Nachhaltigkeit im Tourismus Wie sehr ist sanfte Mobilität im ländlich-alpinen Raum verankert? Welche Ansätze und Best Practice-Beispiele gibt es? Welche Chancen eröffnet Nachhaltigkeit für die Regionalentwicklung und dem Tourismus? Green Events - wo stehen wir und was steckt wirklich dahinter? Diese Fragen wurden von den ReferentInnen und rund 120 TeilnehmerInnen der 5. Mostviertler Nachhaltigkeitskonferenz im Pielachtal unter dem Thema „Nachhaltigkeit auf den Weg gebracht“ diskutiert. Die Schwerpunkte der von Mostviertel Tourismus, der Niederösterreich-Werbung und dem Club Niederösterreich organisierten Veranstaltung waren sanfte Mobilität, nachhaltige Entwicklung im ländlich-alpinen Raum und „green events“. Es referierten neben WissenschaftlerInnen und BeraterInnen auch PraktikerInnen aus Tourismus und Hotellerie.

Die 6. Mostviertler Nachhaltigkeitskonferenz findet am 9. und 10. September 2013 statt.

Weitere Informationen: Mostviertel Tourismus 3250 Wieselburg Adalbert-Stifter-Straße 4 Tel. +43/7416/521 91 office@most4tel.com www.mostviertel.info www.nachhaltigkeitskonferenz.at Bild oben: ökologische Nachhaltigkeit, Bild Mitte: ökonomische Nachhaltigkeit, Bild unten: sozio-kulturelle Nachhaltigkeit

Die Veranstaltung entspricht den Kriterien des Öster­reichischen Umweltzeichens für Green Meetings Dieses Produkt wurde nach den Regeln des Umweltzeichens in einem ökologisch optimierten Produktionsprozess sowie unter Einsatz von Strom aus erneuerbaren Energiequellen erzeugt. Gedruckt nach der Richtlinie „Druckerzeugnisse“ des Österreichischen Umweltzeichens. gugler cross media, Melk; UWZ 609; www.gugler.at


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