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Die neue Orgel in der St. Andreas-Kirche Trier - Tarforst

Orgelweihe

am 21. April 2013

Kath. Kirchengemeinde Hl. Edith Stein, Trier


Großer Gott, du willst, dass wir Menschen dir in der Freude des Herzens dienen. Deshalb lassen wir Musik und Instrumente zu deinem Lob erklingen. Du hast deinem Diener Mose den Auftrag gegeben, Posaunen anzufertigen, damit sie bei der Feier des Opfers erschallen. Mit Flöten- und Harfenklang hat das auserwählte Volk dir seine Loblieder gesungen. Dein Sohn ist Mensch geworden und hat jenen Lobgesang auf diese Erde gebracht, der in den himmlischen Wohnungen durch alle Ewigkeit erklingt. Der Apostel mahnt uns, dir aus vollem Herzen zu singen und zu jubeln. In dieser festlichen Stunde bitten wir dich: Segne + diese Orgel, damit sie zu deiner Ehre ertöne und unsere Herzen emporhebe zu dir. Wie die vielen Pfeifen sich in einem Klang vereinen, so lass uns als Glieder deiner Kirche in gegenseitiger Liebe und Geschwisterlichkeit verbunden sein, damit wir einst mit allen Engeln und Heiligen in den ewigen Lobgesang deiner Herrlichkeit einstimmen dürfen. Amen.

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Herzlich willkommen zum Fest der Orgelweihe in St. Andreas • Trier - Tarforst am Sonntag, 21. April 2013

15.00 Uhr

festliche Andacht mit Segnung der Orgel durch Herrn Generalvikar Msgr. Dr. Georg Bätzing

Musikalische Gestaltung: Domorganist Josef Still Chorgemeinschaft St. Andreas Instrumentalisten aus der Pfarrei Hl. Edith Stein Leitung: Georg Kneip

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VorWort Es ist geschafft! Ein langgehegter Wunsch erfüllt sich in diesen Tagen. Eine neue Orgel wird ab sofort in St. Andreas klingen, den Gottesdienst verschönern, das Gebet der Gemeinde erheben und den Gesang begleiten. Viele haben mitgemacht, Zeit und Engagement investiert, um das Orgelprojekt zu einer Sache der ganzen Gemeinde zu machen. Und der Einsatz hat Früchte getragen. Heute dürfen wir sie miteinander ernten, denn heute spielt die neue Orgel zum ersten Mal im Gottesdienst.

gentlich nicht neu, sondern gebraucht ist. Mit dem Angebot einer solchen „Gebrauchtorgel“ konnten wir uns als Gemeinde finanziell auf das Projekt einlassen. Orgelbaumeister Fasen hat das vorhandene Material bearbeitet, renoviert, ergänzt und in ein neues Gehäuse eingebaut. Dabei muss man hier und da Kompromisse eingehen. Das haben wir in den letzten Monaten gelernt... Dazu an anderer Stelle mehr.

Die Tarforster und viele, die sich dem Orgelprojekt verbunden fühlen, haben in den letzten Jahren GroAllen, die in irgendeiner Weise dazu beigetragen ha- ßes geleistet, um den Wunsch nach einer neuen Orben, gilt mein aufrichtiger Dank - im Namen der Pfar- gel Wirklichkeit werden zu lassen. rei und im Namen all derer, die sich am Klang des Rund 120.000 Euro haben sie an Spenden erwirtneuen Instrumentes erfreuen - heute und in Zukunft. schaftet und aufgebracht, sodass die Orgel ganz und gar aus der Eigeninitiative bezahlt wurde. Die Weihe der Orgel in St. Andreas krönt gleichsam die vielen Initiativen und Renovierungsarbeiten in Nun verbindet sich damit natürlich auch die Hoffund an der St. Andreas - Kirche in den letzten acht nung, dass die St. Andreas-Kirche in dieser Zeit kirchJahren. Das Kirchendach, die Heizung, der Innenan- licher Strukturreformen und Immobilienkonzepte als strich... Gottesdienstort erhalten bleibt - denn schliesslich Und nun eben die neue Orgel, deren Innenleben ei- ist sie nun in allen Bereichen „gut ausgestattet“... 4


Ich wünsche uns, dass diese Hoffnung uns in Bewegung bringt, dass wir uns in St. Andreas immer wieder versammeln und Gottesdienst feiern. Ob die Kirche wirklich ein Ort im Leben der Gemeinde ist, hängt davon ab, ob es uns gelingt, weiter eine Gemeinde zu sein, die sich um Gott sammelt, die mittendrin in Tarforst „Gott einen Ort sichert“, an dem wir ihn suchen und finden können. Am Sonntagmorgen und auch zwischendurch. In den Feierlichkeiten des Dankens und der Freude, aber auch in der gemeinsamen Trauer. Im Gesang der ganzen Gemeinde und im Gebet des Einzelnen. Unsere neue Orgel wird ihren Teil dazu tun, mit der Musik unsere Herzen und auch den Himmel zu öffnen, damit Gott und Mensch zusammenfinden. Für das Geleistete sage ich Danke, für das Kommende erbitte ich uns Gottes Segen! Pastor Stefan Dumont 5


Gottesdienst zur Orgelweihe • Zum Einzug

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Lied •

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Gottesdienst zur Orgelweihe • Antwortgesang

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Das erste Lied der neuen Orgel

Nach dem Segensgebet spielt Domorganist Josef Still erstmals auf der neuen Orgel: Louis-Nicolas Clérambault 1676-1749 Suite du deuxième ton - Plein jeu - Duo - Trio - Basse de Cromorne - Flûtes - Récit de Nazard - Caprice sur les grands jeux

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Gottesdienst zur Orgelweihe

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Vater unser

Te deum laudamus

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Gottesdienst zur Orgelweihe •

Schlusslied

Nach dem Schlusslied spielt Domorganist Josef Still auf der neuen Orgel: Nicolaus Bruhns 1665-1697 Praeludium e-Moll

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Küster und Organist Benedikt Marx:

Aus dem Nähkästchen geplaudert...

Die alte Tarforster Orgel wurde 1962 als gebrauchtes Instrument von der Orgelbaufirma Gebrüder Späth aus Ennetach (Württemberg) angeschafft. Damals musste man sie, um sie auf der Empore unterbringen zu können, schon einmal umbauen und dazu noch um 90 Grad im Gotteshaus drehen, so dass der Prospekt der Orgel zur südlichen Seitenwand der Kirche ausgerichtet war. Seit langer Zeit schon leidet sie an chronischer Altersschwäche. Die pneumatische Traktur war bereits 1962 nicht mehr im besten Zustand und ist bis heute sehr reparaturanfällig. Deshalb sollte sie nach dem Einbau schon damals für 20 000 DM überholt werden. Dazu ist es aber nie gekommen... Im Jahre 2000 kam man zu der Überzeugung, dass es Sinn macht, sich nach einem neuen Instrument umzuschauen. Am 29.03.2000 fand die erste Sitzung des so genannten „Orgelpunktes“ Statt. Die Mitglieder dieser Gruppe waren: Pastor Josef Forse, Kirchenmusiker Georg Kneip, Wolfgang Schmitz, Anne Busert und Benedikt Marx. Der hinzugezogene Domorganist und Orgelsachverständige Josef Still erklärte, dass die Orgel in St.Andreas nicht erhaltenswert sei.

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Da es finanziell zu teuer gekommen wäre, ein neues Man muss es erwähnen: Auch dieses Mal steht das Instrument anzuschaffen, entschied man, sich nach neue Instrument, so wie schon 50 Jahre zuvor die alte einer gebrauchten Orgel umzusehen. Orgel, nicht mit den Prospektpfeifen der Kirchengemeinde zugewandt, sondern nach Osten ausgerichNachdem man bis 2005 schon fast 60 000 € ange- tet. Scheinbar hat das in Tarforst Tradition... spart hatte, stellte sich heraus, dass das Kirchendach undicht war. Um größere Schäden am Gottes- Ich danke allen Helfern, Spendern, Tarforster Gruphaus zu vermeiden, musste eine neue Eindeckung pen und Vereinen für ihre Unterstützung bei der Fivorgenommen werden. Die alte KIrchenheizung ent- nanzierung der neuen Orgel. Ebenso geht mein Dank sprach nicht mehr den geltenden Abgasnormen und an die Orgelbaufirma Hubert Fasen aus Oberbettinmusste ebenfalls komplett ausgetauscht werden. gen / Eifel für die gute Zusammenarbeit und für ihre Dem Anstrich der Kirche aussen folgte dann noch die guten Ideen bei der Neugestaltung. Sanierung innen. Bis 2011 galt alle Aufmerksamkeit und Spendensammlung diesen Maßnahmen. Auf den Festtag der Orgelweihe freue ich mich mit Ihnen und hoffe, dass „das musikalische Wort Gottes“ Mit Herrn Pastor Stefan Dumont, Margret Roth, Erich die Gemeinde begeistert. Zonker und Benedikt Marx wurde dann das Orgelprojekt wieder in Angriff genommen. Patenschaften für Herzliche Grüße Orgelpfeifen, Orgelwein und viele Veranstaltungen der Tarforster Vereine und Gruppierungen trugen Benedikt Marx dazu bei, eine „neue gebrauchte“ Orgel in Auftrag geben zu können. Das Engagement für eine bessere Orgel trug in diesem Jahr Früchte. Seit April 2013 findet man sie im nördlichen Seitenschiff der Kirche. 15


Die neue Orgel in der St.Andreas-Kirche von Orgelbaumeister Hubert Fasen und Walter Friehs

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Die Gestaltung der Orgel im Kirchenraum Bereits seit einiger Zeit bewegt das Orgelprojekt in St. Andreas die Verantwortlichen der Gemeinde. Die Pneumatik der alten Späth-Orgel in Tarforst war schon seit Jahren sehr störanfällig und führte immer wieder zu Tonaussetzern. Trotz häufiger Reparaturen war keine grundsätzliche Besserung des Zustandes in Sicht, die Unzuverlässigkeit des Instrumentes machte den Organisten immer wieder das Leben schwer. Der insgesamt schlechte Zustand der Orgel bewog die Verantwortlichen, keine weiteren Investitionen in das marode Instrument zu tätigen, sondern sich nach einer anderen, dauerhaften Lösung des Problems umzusehen. Da ein völliger Orgelneubau sich als nicht finanzierbar erwies, entschied sich der Verwaltungsrat für das Konzept „Neue Orgel mit Verwendung von Gebrauchtteilen“; so konnte der finanzielle Rahmen fast um die Hälfte reduziert werden. Ein geeignetes Instrument, das für die räumlichen und musikalischen Bedürfnisse angepasst werden konnte, fand sich schließlich bei Andreas Ladach, der in der ehemaligen Trinitatiskirche in Wuppertal einen Gebrauchtorgelhandel betreibt. Das Orgelgehäuse und weite Teile der Technik mussten für den

Aufbau der Orgel in St. Andreas allerdings neu angefertigt werden. Bei den Überlegungen zum Aufstellungsort stellte sich heraus, dass ein Aufbau der Orgel am ehemaligen Standort auf der Empore aus Platzgründen nicht weiter verfolgt werden konnte. Im Verlaufe der Angebotsphase wurden dann verschiedene Entwürfe für unterschiedliche Standorte konzipiert und ausgearbeitet, die in der jetzt ausgeführten Aufstellungsvariante mündeten.

Bild 2: Gesamtansicht der Orgel im Kirchenraum.

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Bei der Platzierung einer Orgel in der Nähe des Altars besteht immer ein Konflikt zwischen der gewollten Präsenz der Orgel inmitten der Gemeinde einerseits und der Gefahr der Ablenkung der Gottesdienstbesucher von den gottesdienstlichen Handlungen andererseits. Hier konnte in Zusammenarbeit aller Beteiligten eine gute Lösung gefunden werden. Die Orgel wird unmittelbar als Bestandteil des liturgischen Geschehens wahrgenommen, der Organist ist sehr direkt in den gottesdienstlichen Ablauf eingebunden. Auch kann bei dieser Aufstellung gut mit Chören und Instrumentalisten zusammen musiziert werden. Bild 3: Der vergoldete Stern vor der Montage im Seitenprospekt.

Gleichzeitig drängt sich die Orgel aber nicht optisch auf, bescheiden steht sie mit ihrem Seitenprospekt in der Flucht der nördlichen Hauptschiffwand. Auf Augenhöhe werden zunächst nur die ruhigen, flächigen Gehäuseteile wahrgenommen. Erst beim Rundgang durch den Kirchenraum kann die gesamte Prospektgestaltung, die asymmetrisch zum höchsten Prospektfeld an der Gehäuseecke strebt, erfasst werden. Die Pfeifenfelder haben keinen oberen Gehäuseabschluss, so wird eine größere Leichtigkeit erreicht und das Streben nach oben hin unterstützt. 18

Die Oberfläche des Orgelgehäuses aus Eiche ist naturbelassen und gewachst. Die Gestaltung der Schleierbretter über den seitlichen Prospektpfeifen und der Schallaustritt für das Unterwerk wurden schlicht gehalten. Auf Farben wurde bewusst verzichtet, um nicht in Konkurrenz zu den bunten Kirchenfenstern zu treten. Als einziger Zierrat krönt ein vergoldeter Stern den seitlichen Prospekt.


Der technische Aufbau Ein Gerüst aus massivem Kiefernholz trägt die Windladen mit den dazu gehörenden Pfeifen und die Technik. Das Innere der Orgel ist in zwei Etagen gegliedert. Im Untergehäuse befinden sich Spieltisch, Windversorgung und die Windladen für das Unterwerk und das Pedal. Darüber liegt auf Höhe der Prospektpfeifen das Hauptwerk. Die Tontraktur ist mechanisch ausgeführt; d.h. es besteht eine direkte, rein mechanische Verbindung von der Taste im Spieltisch bis zum Tonventil in der Windlade über Abstrakten, Winkel und Wellen.

Bild 5: Die Manualklaviaturen der Orgel mit den darüberliegenden Registerschaltern. Unter der Klaviatur sind die Setzer-Tasten angeordnet.

Bild 4: Das Wellenbrett im Hauptwerk lenkt die Bewegungen der Tasten zu den Ventilen um.

Da im Spieltischchassis kein Platz für die Unterbringung einer mechanischen Manualkoppel vorhanden war, wurde diese in elektrischer Ausführung nachgerüstet. Berührungslose optische Kontakte steuern hierbei Zugmagnete, die unmittelbar unter der Unterwerks-Windlade in die Traktur eingreifen. Die Betätigung der Register erfolgt ebenfalls elektrisch; mittels der über dem oberen Manual angeordneten Registerschalter werden die einzelnen Schleifen durch Zugmagnete betätigt. Die Schaltzungen im Spieltisch bestehen aus Grenadill, die Beschriftung ist eingraviert und mit weißer Farbe ausgelegt. 19


Eine im eigenen Hause entwickelte FABUS-Setzeranlage ermöglicht es den Organisten, alle gewünschten Kombinationen der 18 klingenden Pfeifenreihen, der drei Koppeln, sowie der beiden Nebenregister und der zwei Tremulanten vorzubereiten und auf Knopfdruck abzurufen. Die Anlage verfügt über 4.000 Speicherplätze in vier Speicherebenen, von denen drei mit Schlüsselschaltern zu sichern sind. Die Windversorgung erfolgt durch ein elektrisches Gebläse, das in einem gedämmten Kasten im Untergehäuse eingebaut ist. Über ein mechanisches Regulierventil gelangt der Wind zu einem Magazinbalg, der den Wind mittels Kondukten zu den einzelnen Windladen weiterleitet. Die drei Windladen sind mit Regulatoren ausgestattet, die den optimalen Winddruck für jedes Werk möglich machen.

Bild 6: In der Werkstatt ist der Grundaufbau gut erkennbar. Im „Erdgeschoss“ befinden sich der Spieltisch und die Unterwerkslade (auf der die Tasten des Hauptwerks liegen), darüber die Hauptwerkswindlade. Die Pedalwindlade fehlt hier noch.

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Die Restaurierung der Orgelteile Im Rahmen der Neukonzeption wurden alle gebrauchten Teile der Orgel gründlich überarbeitet: Die Windladen wurden soweit wie möglich zerlegt und aufwändig restauriert, um eine zuverlässige Funktion zu gewährleisten. Die Ventile wurden neu beledert und die Schleifen erhielten neue Dichtungen aus Liegelind. Risse wurden sorgfältig ausgespundet und abgedichtet und die Belederung der Regulierbälge wurde erneuert. Bedingt durch das geänderte Aufbaukonzept mussten die meisten Teile der Spieltraktur neu angefertigt werden. Die Wellenbretter von Unterwerk und Pedal wurden mit Wellen und Ärmchen aus Holz komplett neu gebaut. Die Abstrakten als mechanische Verbindung von der Taste zum Ventil wurden aus Zeder und Messingdraht neu angefertigt, was der Präzision und einem angenehmen Spielgefühl zugute kommt. Das Wellenbrett des Hauptwerks mit Metallwellen und -ärmchen konnte übernommen werden und wurde lediglich überarbeitet. Bild 7: Blick auf die Pfeifen der Hauptwerkswindlade

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Die Tastenbeläge der Manualklaviaturen wurden abgeschliffen und neu poliert. Defekte Austuchungen und Garnierungen wurden hier ersetzt. Die Klaviaturen sind mit Grenadill (Untertasten) und Knochen (Obertasten) belegt. Die neue Pedalklaviatur besteht aus Eichenholz, ebenso wie die neue, höhenverstellbare Orgelbank. Alle Metall- und Holzpfeifen wurden gründlich gereinigt, Beschädigungen ausgebessert und Stimmvorrichtungen repariert und neu abgedichtet. Die Holzpfeifen erhielten einen neuen Anstrich. Bild 9: Die Schalenglocken des Zimbelsterns vor dem Einbau in die Orgel. Der Anschlag erfolgt über ein kleines Hammerwerk.

Besonderheiten & Extras Beide Manualwerke besitzen regulierbare Tremulanten, die den Winddruck der einzelnen Werke periodisch variieren. Tonhöhe und Lautstärke verändern sich und der Ton schwingt oder bebt ähnlich einem Vibrato. Die Geschwindigkeit kann vom Organisten am Spieltisch nach Wunsch eingestellt werden.

Bild 8: Detailansicht: Die Farben der Kirchenfenster spiegeln sich in den neuen Prospektpfeifen.

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In Anlehnung an Gepflogenheiten der Barockzeit haben wir zwei damals sehr beliebte Effektregister eingebaut: einen Zimbelstern und eine Nachtigall.


Der Zimbelstern besteht aus einer klanglichen und einer optischen Komponente: sechs kleine Schalenglocken im Inneren der Orgel werden im regelmäßigen Rhythmus angeschlagen, hierzu dreht sich im Prospekt ein vergoldeter Stern, der über den Pfeifenmündungen im Seitenprospekt sichtbar ist. Bei der Nachtigall handelt es sich um ein Effektregister, bei dem eine kleine Pfeife kopfüber mit der Mündung in ein Gefäß mit Wasser eintaucht. Beim Einschalten des Registers bringt die durchströmende Luft die Wasseroberfläche in Bewegung, wodurch sich die in der Pfeife klingende Luftsäule ändert und so die verschiedensten Töne erklingen, die ein „Vogelgezwitscher“ nachahmen.

det sich ein Haltepedal. Über das im Spieltisch integrierte Steuergerät sind verschiedene Klangfarben abrufbar.

Klangkonzept und Intonation Das ursprüngliche Klangkonzept der gebrauchten Orgel wurde für die Belange des liturgischen Orgelspiels umgestellt. Zusätzlich konnten einige schön klingende Register der alten Späth-Orgel in die neue Disposition integriert werden.

Die Nachtigall erfordert als einziges Orgelregister regelmässige „Pflege“ durch den Organisten, der vor Gebrauch immer für den passenden Wasserstand sorgen muss. Als Besonderheit verfügt die neue Orgel über ein „EPiano“, das auf dem zweiten Manual gespielt werden kann. An den Tasten des oberen Manuals sind Kontakte angebracht, die ein anschlagdynamisches Spiel ermöglichen, oberhalb der Pedalklaviatur fin-

Bild 10: Im Eckturm stehen die tiefsten Pfeifen des Principal 8‘

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Mit den nun 18 klingenden Registern liegt der Schwerpunkt der Literatur sicher im Bereich der barocken Musik, aber es lassen sich durchaus auch Kompositionen anderer Stilrichtungen darstellen. Die Intonation (Charakter, Lautstärke und Ansprache der Pfeifen) wurde den Erfordernissen des Kirchenraumes angepasst. Dazu wurden alle Register - einzeln und auch in Kombination mit anderen Stimmen - von verschiedenen Positionen aus dem Raum abgehört, um den optimalen Klang zu gewährleisten. Jedes Register entfaltet seinen typischen Klangcharakter und durch die Klangverschmelzung der verschiedenen Register untereinander können unzählige Klangfarben erzeugt werden.

Bild 11: Blick in die geöffnete Unterwerks-Windlade mit neuen Ventilfedern, Abzugsdrähten und Bleischeiben zur Abdichtung

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Bild 12: Die Pfeifen im Unterwerk werden eingebaut. Im Vordergrund der erneuerte Stock des Nachthorn 4‘


Die Daten zur neuen Orgel im Überblick • Anzahl der klingenden Register: • Anzahl der Pfeifen insgesamt:

18 1.088 davon Holzpfeifen: 135 davon Zungenpfeifen: 112 davon Metallpfeifen: 841 • Länge der größten Pfeife:

ca. 320 cm, mit Fuß (Principal 8, C, im Prospekt)

• Länge der kleinsten Pfeife:

ca. 1 cm, ohne Fuß (Quinte 1 1/3‘ g3)

Bild 13: Der Orgelspieltisch

Zum Bau der Orgel wurden überwiegend seit alters bewährte Materialien verwendet: Eiche • Gehäuse, Windladen, Pedal Esche • Pfeifenstücke, Raster, Wellen Kiefer, Fichte • Holzpfeifen, Rüstwerk, Windanlage Weißbuche • Trakturteile Zeder • Abstrakten, Wippen, Ventile Grenadill • Tastenbelag, Registerwippen Zinn, Blei • Pfeifen Messing • Trakturdrähte, Zungenblätter, Kehlen Stahl • Beschläge, Ventilfedern Leder • Bälge, Dichtungen

Bild 14: Blick auf die Hauptwerkswindlade mit aufgelegten Schleifen

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An der Restaurierung, der Planung und dem Aufbau der Orgel in St. Andreas haben mitgewirkt: Meinrad Bohn, Walter Friehs, Fulko Harings, Oswald Hennes, Christian Kleibusch, Reiner Simon und Hubert Fasen. Bildnachweis: Bild 1 bis Bild 15: Š Walter Friehs, Orgelbau Hubert Fasen Nachdruck und Vervielfältigung nur mit Genehmigung der Rechteinhaber! Bild 15: Ansicht der Orgel mit geschlossenem Spieltischdeckel

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Die Disposition Pedal C - f‘

2. Manual, Unterwerk C - g‘‘‘

1. Subbass 16‘ 2. Flötbass 8‘ 3. Pedalkoppel I 4. Pedalkoppel II

1. Manual, Hauptwerk C - g‘‘‘

5. Principal 8‘ 6. Hohlflöte 8‘ 7. Dolce 8‘ 8. Octave 4‘ 9. Quinte 2 2/3‘ 10. Superoctave 2‘ 11. Terz 1 3/5‘ 12. Mixtur III- IV 13. Trompete 8‘ 14. Manualkoppel II - I 15. Tremulant

16. Gedackt 8‘ 17. Gemshorn 8‘ 18. Praestant 4‘ 19. Nachthorn 4‘ 20. Flageolet 2‘ 21. Quinte 1 1/3‘ 22. Krummhorn 8‘ 23. Tremulant

Nebenregister

24. Zimbelstern 25. Nachtigall

Zusatzfunktion E-Piano

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Wie die Orgel zu ihrem Standort kam Pastor Stefan Dumont

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Wer hätte gedacht, dass man eine lange Geschichte davon erzählen könnte, wie eine Orgel ihren Platz in der Kirche findet? Man kann, denn die Standortsuche für die neue Orgel in St. Andreas gestaltete sich gar nicht so einfach. Da ist zum einen das vorhandene Material der „gebrauchten Orgel“, die das Herz unseres neuen Instrumentes bildet. Die Pfeifen haben ihre Größe und die Windladen ihre festen Maße, die dem Orgelbauer Vorgaben machen für Höhe und Grundriss der Orgel. Nun ist die Tarforster Kirche ohne Gewölbe und erlaubt daher auf der Empore nur eine bestimmte Orgelhöhe. Bei der alten Orgel hatte man das Problem zu großer Pfeifen „pragmatisch“ gelöst, indem man sie auf den tief liegenden Stimmgang baute. Damit war die Orgel für die Wartung nicht mehr zugänglich. Auch wegen der fehlenden Mittel für eine komplette Sanierung der Empore entschied man sich, die Orgel im Kirchenraum aufzustellen. Nicht zuletzt bieten sich so neue Möglichkeiten im musikalischen Miteinander von Musiker, Chor, Instrumentalisten und dem Geschehen am Altar. Nachdem diese Entscheidung gefallen war, bot Orgelbaumeister Fasen uns das nun eingeweihte Instrument an und entwarf ein neues Gehäuse, das an der Stirnwand des linken Seitenschiffs aufgestellt werden sollte. Die Figur des hl. Andreas, der an dieser Wand seinen Platz hat, sollte in den Orgelprospekt integriert werden. Fest überzeugt,

dass dies der richtige Platz für die neue Orgel ist, begann die neue Werbekampagne zur Finanzierung der Orgel. Doch dann kam es anders... Als Kirchengemeinde sind wir verpflichtet, Baumaßnahmen dieser Größenordnung mit dem Bistum abzustimmen. Also begann im Sommer letzten Jahres eine intensive Auseinandersetzung mit der Diözesanbaukommission, die unseren gewählten Standort als ungeeignet befand, weil die Orgel „im Blick der Gemeinde“ sei und „aufgrund ihrer Dimensionen als bedeutendster Gegenstand im Raum“ wahrgenommen werden könnte. Lassen wir das unkommentiert mal so stehen... Bei einem Ortstermin in der Kirche wurde ein Gerüst in den Ausmaßen der neuen Orgel hin- und hergeschoben. Die Bilder links erzählen von jenem Nachmittag im Sommer 2012. Alles Argumentieren half nicht: Die Orgel sollte an den neuen Standort - oder das Projekt würde aufgeschoben... Und so begann die Planung von vorne. Dem Engagement der Tarforster ist es zu danken, dass wir die Orgel im Sommer 2012 fest bestellen konnten und von daher keine Zeit mehr war, weitere Kommissionen mit Diskussionen zu beschäftigen. Akkustisch wird der neue Standort gegenüber dem vorigen Entwurf keine Nachteile mit sich bringen. Über alles andere lohnt sich der Streit nur bei einer Porz Viez oder einem Glas Wein...

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Orgelpatenschaften Im Laufe der letzten Monate haben viele Sponsoren von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, die Patenschaft für eine oder mehrere Pfeifen in der neuen Orgel zu übernehmen. Manche von ihnen haben auch eine Patenschaft an Angehörige oder Jubilare verschenkt. Auf diese Weise konnten einige Register der Orgel finanziert werden.

St. Andreas-Orgelpaten sind:

Chorgemeinschaft St. Andreas • Peter Leyendecker • Anoize Ebigbo • Friederike Sigmund • Frauengemeinschaft St. Andreas • Wilhelm Gehlen • Gertrud & Jürgen Bender • Reinold & Maria Dörr • Musikverein Tarforst • Ludwig & Marga Willems • Ferdinand Wollscheid Birgit Berg • Irmgard Bambach • Jugend St. Andreas • Walter & Karin Gehlen • Erich & Rosalinde Zonker • Monika Krönig • Anna Maria Klein • Hilde Marx • Gerda & Jörg Savelkouls • Waltraud Morschett Familie Heinbücher • Monika & Hermann Meier • Elfriede Gehlen Eheleute Morgen • Heinz & Marlies Willems • Lydia Reiland • Familie Laux • Erich Zonker (Waldrach) • Josef & Magdalena Peters • Wolfgang & Therese Bach • Janina Keiser • Leon Keiser • Lukas Krebs • Elena Krebs • Katharina Neyer • Familie Becker • Hans-Josef & Beate Berg • Klaus-Rainer Berg • Männergesangverein Tarforst Hans & Marianne Willems • Agnes & Erich Bambach • Marina Müller Therese Zonker • Andreas & Christine Theis • Rosi & Hans Denkel Bero Gebhard • Daniel Gebhard • Sean Kolb • KrippchenGuckverein 1989 • Christa Loch • Häns Laux • Josef Marx • Gerda & Helmut Dumont • Noah Maas • Ursula Gobelius • Hermann-Josef Theis • Renate Schmidt • Irene Schulte • Anna Elisabeth & Hans Schumacher • Astrid & Lothar Brümmer • Gisela & Paul-Heinz Heuken • Erna Willems • Senioren St. Andreas • Waltraud & Benedikt Marx • Sparkasse Trier • Alois & Johanna Berg • Norbert Hinske • Eheleute Trampert • Rudolf Dietzen • Familie Gorges-Dietzen • Alois Jücker • Stadtwerke Trier • Hedwig Traumann • Margaretha & Ludwig Willems • Volksbank Trier • Agnes & Bernhard Dietzen • Marcellus Gehlen • Clemens Schuler • Die Kommunionkinder aus Tarforst 2013 31


Herzlichen Dank allen Sponsoren, die mit ihrer Werbeanzeige diese Festschrift zur Orgelweihe ermĂśglichen und damit das Tarforster Orgelprojekt unterstĂźtzen!


Ein großes Dankeschön gilt den vielen Initiativen in der Pfarrei, die das Projekt Orgel finanziell unterstützt haben. Neben vielen privaten Spenderinnen und Spendern haben zum Erfolg der Spendensammlung beigetragen: • Die Tarforster Frauen mit dem Verkauf selbst-

gebundener Advents- und Palmkränze • Der Pfarrgemeinderat bzw. das Gemeindeteam St.

Danke

Andreas mit der Organisation des Gemeindefestes im September • Die beiden „Krippchesguckvereine“, die seit Jahren am 3. Adventssonntag ein „Offenes Singen“ zugunsten der Tarforster Kirche organisieren • Die Chorgemeinschaft mit dem Verkauf selbstgebackenen Steinofenbrotes • Das Saarburger Kammerorchester mit einem Benefizkonzert • Die Tarforster „Orgelaktivisten“ Margreth Roth, Bene Marx und Erich Zonker, die die Spendenkampagne der letzten Jahre organisiert haben.


Kath. Kirchengemeinde Hl. Edith Stein Im Treff 15 • 54296 Trier www.edithstein-trier.de mail: pfarrbuero@edithstein-trier.de 0651-16644


Die neue Orgel in Tarforst