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Wegmarken der Berliner Sozialdemokratie – ein historischer Kalender fßr das Jahr 2011

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Wegmarken der Berliner Sozialdemokratie – ein historischer Kalender für das Jahr 2011 Vor 100 Jahren: der Mitbegründer und Vorsitzende der SPD Paul Singer gestorben; vor 65 Jahre: Zwangsvereinigung von SPD und KPD; vor 50 Jahren: Baubeginn der Mauer; vor 40 Jahren: Deutschlands erster „Ausländerbeirat“ in Berlin; vor 30 Jahren: Beginn des Häuserkampfs... Nur einige wichtige Daten im politisch-historischen Kalender Berlins. Die Geschichte der Berliner Sozialdemokratie ist traditionsreich, spannend und vielfältig. Der vorliegende Kalender orientiert sich nicht nur an den wichtigsten Eckdaten der Geschichte, sondern bietet Raum für Biografien, Ereignisse und Entwicklungen dieser Stadt. Mit der Zusammenstellung der wichtigsten Jubiläumsdaten möchten wir zur verstärkten Auseinandersetzung mit der Entwicklung der sozialdemokratischen Bewegung in Berlin einladen. Hinweise und Anregungen zu wichtigen Persönlichkeiten und Ereignissen, die in diesem Jahr fehlen oder in den nächsten Jahren nicht fehlen dürfen, nehmen wir gerne entgegen. Nähere Informationen und mitunter Archivmaterial zu den aufgeführten Persönlichkeiten und Ereignissen stehen in der Bibliothek des August Bebel Instituts zur Verfügung. Nicht zuletzt möchten wir bei dieser Gelegenheit auf unsere Dialogreihe „Werkstatt Linke Lebensläufe“ und unsere vielen zeitgeschichtlichen Veranstaltungen hinweisen, mit denen wir einen Beitrag zum zeitgeschichtlichen Bewusstseins in Bezug auf die Geschichte der Arbeiter/ innen-Bewegung, der anderen sozialen Bewegungen, der Idee einer sozialen Demokratie, des Widerstandes im Nationalsozialismus und einer Erinnerungskultur in der Einwanderungsstadt Berlin leisten. Wir laden Sie herzlich ein, mit uns in Dialog zu treten und hoffen, Sie mit unserem Kalender in Ihrem politischen Engagement zu unterstützen. Ingo Siebert f Willy Brandt und Klaus Schütz. Die Umschlagseite zeigt Paul Singer, der vor hundert Jahren starb, am 31. Januar 1911.


Januar 1.1.1931 – vor 80 Jahren: Willy Schneider in Berlin gestorben, Sozialdemokrat, Reichsbannerangehöriger; vor seinem Elternhaus in Prenzlauer Berg von einem SA-Mann ermordet. 6.1.1986 – vor 25 Jahren: Kurt Mattick (­Foto) in Berlin gestorben (*27.6.1908, Berlin), 1946 SPD Kreisleiter Wilmersdorf, Vorsitzender der Berliner SPD 1963-68, MdB. 11.1.1991 – vor 20 Jahren: Konstituierende Sitzung des Abgeordnetenhauses in der Nikolaikirche. Erstmals seit 1948 hat ganz Berlin wieder ein Parlament. 11.1.1976 – vor 35 Jahren: Fritz Hoffmann in Berlin gestorben (†5.7.1898, Rixdorf ). Schulreformer, Gründer der Fritz-Karsen­Gesamtschule. 11.1.1911 – vor 100 Jahren: Margarete Berger-Heise, geb. Linser, in Berlin geboren (*27.3.1981, Berlin). 1949-61 politische Sekretärin beim SPD-Landesvorstand,1950-53 MdA, 1953-68 MdB. 12.1.1951 – vor 60 Jahren: Elfriede Ryneck, geb. Staegemann, in Berlin gestorben (*14.12.1872, Berlin). 1912 Frauenvertreterin im Vorstand Charlottenburg, 1919 MdNV, 1919-33 SPD-Parteivorstand, Hauptvorstand der AWO, 1920-28 MdR, 1928-33 MdPL, ab 1946 in der AWO in Ost-Berlin aktiv. 15.1.1919 – vor 92 Jahren: Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht von konterrevolutionären Freikorps ermordet. 15.1.1981 – vor 30 Jahren: Der Berliner Senat unter Dietrich Stobbe tritt zurück. Am 23.1.1981 wurde Hans-Jochen Vogel zum Regierenden Bürgermeister von Berlin gewählt (Amtszeit bis 11.6.1981). 16.1.1961 – vor 50 Jahren: Gustav A. K. Klingelhöfer in Berlin gestorben (*16.10.1888, Metz). 1924-33 Wirtschaftsredakteur beim „Vorwärts“, 1946-51 Stadtrat für Wirtschaft, 1946-50 StVV bzw. MdA, 1953-57 MdB (Vertreter Berlins). 19.1.1881 – vor 130 Jahren: Georg Kermes geboren. 1920/21 für die USPD und 1925 für die SPD in der BV Prenzlauer Berg, 1927-33 Stadtverordneter in Prenzlauer Berg. 21.1.1926 – vor 85 Jahren: Reinhard Bühling in Erfurt geboren. 1958-63 BVV Wilmersdorf (ab 1961 Fraktionsvorsitzender), 196065 Magistratsdir. im Rechtsamt Schöneberg, 1963-65 MdA, 196683 MdB (Vertreter Berlins), 1983 Vorsitzender der SPD Neukölln. 22.1.1996 – vor 15 Jahren: Charlotte Rieke, geb. Schenk, in Mühlheim gestorben (*2.1.1909, Berlin). 1947-52 Frauensekretärin der SPD Tiergarten, 1946-54 MdA, 1948 AWO Landesdelegierte, 1958-63 BVV. 31.1.1911 – vor 100 Jahren: Paul Singer in Berlin gestorben, Vorsitzender der Berliner SPD, mit August Bebel und Wilhelm Liebknecht einer der drei Vorsitzenden der SPD. 4


100. Todestag von Paul Singer In vielerlei Hinsicht war Paul Singer in der SPD ohne Beispiel. Er war bürgerlicher Herkunft und ein erfolgreicher Unternehmer. Er war einer der ersten führenden Männer der Partei, die sich in der Kommunalpolitik engagierten. Er arbeitete ebenso im außerparlamentarischen Bereich, blieb gerade den Schwächeren stets nahe und half ihnen auch finanziell, wo immer er konnte. Noch etwas kam hinzu: Singer war Jude und gerade deshalb auch im Jahre 1883 Zielscheibe übelster antisemitischer Anwürfe. Die Berliner SPD ist diesen Angriffen offensiv begegnet: Im selben Jahr war er einer der ersten Sozialdemokraten in der Berliner Stadtverordnetenversammlung, ab 1884 Reichstagsabgeordneter. Beiden Gremien gehörte er bis zu seinem Tod im Jahre 1911 an; in beiden amtierte er als Vorsitzender der SPD-Frak­ tion. Nach Erlöschen der Sozialistengesetze wurde er 1890 zum Parteivorsitzenden gewählt. Auch das blieb er – seit 1892 gleichberechtigt neben August Bebel – bis zu seinem Tode. Auf seinem Trauerzug über die Oberbaumbrücke zur Beisetzung im Zentralfriedhof in Berlin-Friedrichsfelde begleiteten ihn tausende Menschen. Frank Lewitz, 2. Vorsitzender des Paul Singer e.V.

31.1.1876 – vor 135 Jahren: Paul Hennig in Halle geboren (†6.2.1965, Berlin). 1916 Gründungsmitglied der USPD, 1922 Rückkehr zur SPD, 1923 Kreisvorsitzender, 1929 und wieder 1946 BVV Tiergarten (zeitweise Vorsteher).

Februar 4.2.1946 – vor 65 Jahren: Erich Flatau in Berlin gestorben (*9.8.1879, Görlitz). 1926-33 StVV Schöneberg (ab 1929 Fraktionsvorsitzender). 13.2.1981 – vor 30 Jahren: Rolf Schwedler (Foto) in Berlin gestorben (*23.3.1914, Berlin). Leitender Magistratsdirektor, 1952 Senatsdirektor, 1955-72 Senator für Bau- und Wohnungswesen, 1961-69 Mitglied des SPD-Landesvorstandes, 1972-76 MdB (Vertreter Berlins). 17.2.1951 – vor 60 Jahren: Hermann Harnisch in Berlin gestorben (†1.9.1883, Teuchern). 1920 Vorsteher der BV Neukölln, 192325, 1929 und 1933 StVV Neukölln, 1924 MdPL; 1939 Haft im KZ Sachsenhausen; 1945 im Zentralausschuss und Bezirksvorstand der Berliner SPD. 5


17.2.1881 – vor 130 Jahren: Hermann Clajus in Leisnig/Sachsen geboren (†18.3.1933, Selbstmord, Berlin). 1920-21und 1925-33 StVV Tiergarten; erster Direktor des Strandbad Wannsee. 22.2.1840 – vor 171 Jahren: August Bebel in Deutz bei Köln geboren. 24.2.2001 – vor 10 Jahren: Alexander Voelker in Berlin gestorben (*1.8.1913, Neukölln). MdA 1949-79 (Fraktionsvorsitzender 1958-73). 24.2.1936 – vor 75 Jahren: Helios Mendiburu in Madrid geboren. 1990-2000 Bezirksbürgermeister Friedrichshain; 2001 Austritt aus der SPD. 27.2.1891 – vor 120 Jahren: Meta-Judith Zienau, geb. Gabriel, in Angerburg geboren. Kreisfrauenleiterin, BV Wilmersdorf, Mitarbeit in der AWO, 1950-62 BVV Kreuzberg. 27.2.1846 – vor 165 Jahren: Franz Mehring in Schlawe (Pommern) geboren (†29.1.1919, Berlin). Journalist, Historiker der Sozialdemokratie; 1906-11 Dozent der zentralen SPD-Parteischule.

März 1.3.1946 – vor 65 Jahren: SPD-Funktionärsversammlung im Admiralspalast. Beschluss über Durchführung einer Urabstimmung über die Vereinigung mit der KPD. 1.3.1886 – vor 125 Jahren: Paul von Essen in Allenstein geboren (†21.6.1933, Berlin, in der Köpenicker Blutwoche). Mitglied im Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, Gewerkschaftssekretär. Seine Leiche wurde am Ufer der Dahme gefunden. 5.3.1986 – vor 25 Jahren: Willy Kressmann in Berlin gestorben (*6.10.1907, Berlin). 1931 Parteiausschluss, 1933 Emigration in die CSSR, 1939 nach GB, 1949-62 Bezirksbürgermeister Kreuzberg, 1950-54 MdA, 1963 Austritt aus der SPD. 5.3.1956 – vor 55 Jahren: Gustav Gehrke in Berlin gestorben (*12.11.1874, Bredow).1931-33 StVV Neukölln; Festnahme im Rahmen der Aktion „Gewitter“, ins KZ Sachsenhausen verschleppt. 1945 Wiedereintritt in die SPD. 12.3.1971 – vor 40 Jahren: In der Türkei greift das Militär in die Politik ein und fordert den Rücktritt des Ministerpräsidenten Demirel und seiner Regierung. Der parteilose Professor Nihat Erim übernimmt die Bildung eines Technokratenkabinetts. 14.3.1906 – vor 105 Jahren: Franz Meyer in Friedrichshain geboren (†21.7.1983, Berlin). Mitglied im Reichsbanner SchwarzRot-Gold, ab 1933 illegale Arbeit im „Roten Stoßtrupp“, 1946-48 BVV Kreuzberg (Fraktionsvorsitzender), 1948-61 und 1971-75 StVV bzw. MdA, 1953-71 Kreisvorsitzender in Kreuzberg, 196171 Volksbildungsstadtrat. 19.3.1921 – vor 90 Jahren: Joachim Karnatz in Berlin geboren (†15.6.1977). 1954 Kreisvorsitzender, 1960-75 Bezirksbürgermei6


ster von Tiergarten, 1963-65 Mitglied des SPD-Landesvorstandes Berlin. 19.3.1911 – vor 100 Jahren: Erstmals demonstrieren rund eine Million Frauen in verschiedenen europäischen Ländern für Emanzipation, Wahlrecht und Demokratie. 27.3.1901 – vor 110 Jahren: Erich Ollenhauer in Magdeburg geboren (†14.12.1963, Bonn). 1952-63 SPD-Vorsitzender, 1949-63 MdB (Fraktionsvorsitzender). 27.3.1981 – vor 30 Jahren: Margarete Berger-Heise in Berlin gestorben (s. 11.1.1911). 29.3.1826 – vor 185 Jahren: Wilhelm Liebknecht in Gießen geboren (†7.8.1900, Charlottenburg). Mitbegründer der Sächsischen Volkspartei (zusammen mit August Bebel 1866) und der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei 1869. 31.3.1946 – vor 65 Jahren: Urabstimmung der Berliner SPD über den Zusammenschluss mit der KPD; nur in den damaligen Westsektoren, im Ostteil war sie verboten, aber dennoch in einigen Bezirken durchgeführt worden. Klare Ablehnung einer Verschmelzung (82,2 %).

April 7.4.1946 – vor 65 Jahren: Erster Landesparteitag der SPD nach der Urabstimmung. Formale Neukonstituierung der SPD in Berlin; Franz Neumann zum Vorsitzenden gewählt. 13.4.1881 – vor 130 Jahren: Ernst Heilmann in Berlin geboren (†3.4.1940, KZ Buchenwald). MdPL (Vorsitzender der SPD-Fraktion) und MdR bis 1933. 13.4.1871 – vor 140 Jahren: August Gebert in Perleberg geboren. 1902 Gauleiter beim Dachverband für gewerkschaftliche Verbände des Transportwesens, 1908 StVV Charlottenburg, 1918-19 Stadtrat, 1921 und 1925 BV Charlottenburg. 19.4.1846 – vor 165 Jahren: Ignaz Auer in Dommelstadl bei Passau geboren (†10.4.1907, Berlin). Organisator der sozialdemokratischen Partei während der Sozialistengesetze. 21.4.1976 – vor 35 Jahren: Käte Frankenthal in New York gestorben (*30.1.1889, Kiel). 1925-31 StVV Tiergarten, 1930-32 MdPL, 1933 Flucht in die USA. 21./22.4.1946 – vor 65 Jahren: Zwangsvereinigung von SPD und KPD zur SED im Admiralspalast in der Friedrichstraße. 24.4.1911 – vor 100 Jahren: Prof. Dr. Karl Schiller in Breslau geboren (†26.12.1994, Hamburg). 1949-57 MdBR, 1961-65 Senator für Wirtschaft und Kredit in Berlin, 1964-77 Mitglied des Parteivorstandes, 1965-69 MdB (Vertreter Berlins), 1966-72 Bundeswirtschaftsminister; 1972 Austritt aus der SPD und 1980 Wiedereintritt. 7


65 Jahre Zwangsvereinigung von SPD und KPD zur SED Mancher Gutwillige und Redliche gab sich zunächst – und noch bis in den Herbst 1947 – der Hoffnung hin, die Ostern 1946 gegründete Sozialistische Einheitspartei Deutschlands werde eine demokratische Massenpartei sein – mehr im sozialdemokratischen Sinne, jedenfalls keine leninistische oder gar stalinistische Kaderorganisation: sie werde die Parität von Sozialdemokraten und Kommunisten bei der Besetzung ihrer Führungsorgane wahren, und sie werde ihren „eigenen deutschen Weg zum Sozialismus“ suchen, jedenfalls nicht die nachgerade sklavische Nachahmung des sowjetischen Modells. Kurt Schumacher hatte früh gesagt, das alles glaube er nicht – nach seiner Überzeugung werde diese SED nichts anderes sein als die KPD unter einem neuen Namen. Binnen zweier Jahre gab die Geschichte ihm Recht: für die SED als „Parteien neuen Typus“, als marxistisch-leninistisch-stalinistische Partei – von 1948 an – war alles Häresie und zuchthauswürdiges Teufelswerk, was nach „Sozialdemokratismus“ roch – länger als vier Jahrzehnte. Manfred Rexin (aus: Zwangsvereinigung von SPD und KPD in Berlin, hg. vom SPD-Parteivorstand in Zusammenarbeit mit dem Landesverband Berlin)

26.4.1881 – vor 130 Jahren: Gertrud Scholz, geb. Uster, in Berlin geboren. 1921-25 StVV Neukölln, 1929 Frauenleiterin im Vorstand der SPD in Reinickendorf, BVV, 1946 Wiederwahl BVV Reinickendorf.

Mai 3.5.1941 – vor 70 Jahren: Peter Männing in Berlin geboren. 1971-75 persönlicher Referent von Walter Sickert, 1971-74 BVV Zehlendorf, 1982 Obman der Arbeitsgruppe Außenpolitik der SPD-Bundestagsfraktion. 6.5.1936 – vor 75 Jahren: Clara Bohm-Schuch in Berlin an den Folgen der Haft im Frauengefängnis Barnimstraße gestorben (*5.12.1879). 1919 MdDNV, 1920-33 MdR, Redakteurin bei „Die Gleichheit“. 9.-11.5.1946 – vor 65 Jahren: Auf dem ersten Parteitag der SPD in den drei westlichen Besatzungszonen wird Kurt Schumacher zum Vorsitzenden gewählt. 15.5.1901 – vor 110 Jahren: Kurt G. Exner (Foto) in Berlin geboren (†12.11.1996, Berlin). 1929-33 BV Neukölln, 1947-48 Kreisvorsitzender und Bezirksbürgermeister Prenzlauer Berg, 1949-59 Bezirksbürgermeister von Neukölln, 1959-67 Senator für Arbeit und Soziales. 8


18.5.1876 – vor 135 Jahren: Hermann Müller in Mannheim geboren (†20.3.1931, Berlin). Ab 1916 MdR, 1919 unterzeichnete er als Reichsaußenminister den Versailler Vertrag. 1928-33 (Demission) Vorsitzender der SPD-Reichstagsfraktion und Reichskanzler. 19.5.1976 – vor 35 Jahren: Jeanette Wolff (Foto), geb. Cohen, in Berlin gestorben (*22.6.1888, Bocholt/Westfalen). Überlebte während der NS-Zeit verschiedene KZ; 1946-52 StVV bzw. MdA, MdB 1952-61. 25.5.1971 – vor 40 Jahren: Regierungsabkommen der DDR mit Polen über die Entsendung von 650 Vertragsarbeitern. 28.5.1981 – vor 30 Jahren: Dr. Eleonore Lipschitz, geb. Krüger (*1922), in Berlin gestorben. 1963-70 MdA, 1967/68 Beisitzerin im SPD-Landesvorstand, 1964-70 AWO Landesvorsitzende. 29.5.1886 – vor 125 Jahren: Erich Lezinsky geboren (†6.3.1952). Zeitungsverleger (Spandauer Volksblatt), 1929-33 StVV Spandau. 30.5.1986 – vor 25 Jahren: Erika Heß (Foto) in Berlin gestorben (*16.5.1934, Hachen/ Sauerland). 1976-81 Bezirksstadträtin in Zehlendorf, 1981-86 Bezirksbürgermeisterin von Wedding („Mutter vom Wedding“), 1984 MdBV; 1986 Verleihung des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse. 31.5.1906 – vor 105 Jahren: Dorothea „Dora“ Lösche, geb. Ludwig, in Hagen/Westfalen geboren (†22.11.1985, Berlin). Vor 1933 Frauenleiterin im Wedding, 1945 Frauensekretärin in Neukölln, 1945/46 Frauensekretärin im SPD Bezirksvorstand, 1958-63 MdA Berlin, 1963-69 MdB (Vertreterin Berlins).

Juni 9.6.1891 – vor 120 Jahren: Frieda Rosenthal, geb. Schrinner, in Berlin geboren (†15.10.1936, Berlin). 1926-29 Stadtverordnete für Lichtenberg (KPD), 1929-30 für Kreuzberg (KPD), 1930-33 für Kreuzberg (zunächst fraktionslos, ab 1931 SPD). 10.6.1886 – vor 125 Jahren: Max Aschenbrenner in Berlin geboren (†5.7.1948, Berlin). 1929-33 Stadtverordneter für Neukölln; 1939 acht Wochen Haft im KZ Sachsenhausen; Mitglied des Freidenkerverbandes, der ab 1941 Juden versteckte. 12.6.1966 – vor 45 Jahren: Dorothea Hirschfeld in Berlin gestorben (*26.2.1877, Berlin). 1919 Mitbegründerin der AWO; erste Frau als Mitarbeiterin des Reichsarbeitsministeriums, ab 1920 Ministerialrätin; 1933 Entlassung aus antisemitischen Gründen, 1942 Deportation ins KZ Theresienstadt; nach 1945 im zentralen Frauenausschuss des Berliner Magistrats. 9


16.6.2001 – vor 10 Jahren: Klaus Wowereit zum Regierenden Bürgermeister von Berlin gewählt. 22.6.1966 – vor 45 Jahren: Rund 3.000 Student/innen demonstrieren in einem zehnstündigem Sit-in für eine umfassende Studienreform. 22.6.1876 – vor 135 Jahren: Gertrud Hanna in Berlin geboren (†26.1.1944, Selbstmord, Berlin). 1909 Leiterin des Arbeiterinnensekretariats der Freien Gewerkschaften, Mitglied im „Ausschuss für Frauenarbeit während des Krieges“, 1920-33 MdPL und Mitglied der Verfassungsgebenden Preußischen Landesversammlung; wegen Zwangsverpflichtung im NS-Staat Selbstmord. 23.6.1881 – vor 130 Jahren: Hans Lohmeyer in Thorn/Westpreußen geboren (†1968). 1914-19 Stadtrat und Syndikus in Schöneberg, 1919-33 Oberbürgermeister in Königsberg in Preußen, 1945-46 Bezirksbürgermeister von Tiergarten. 28.6.1911 – vor 100 Jahren: Eberhard Hesse in Rixdorf geboren (†28.3.1986). 1947-74 Geschäftsführer des August Bebel Instituts, 1960-71 Mitglied des SPD-Landesvorstandes (ab 1961 Landesgeschäftsführer), 1967-77 Kreisvorsitzender in Neukölln. 29.6.1961 – vor 50 Jahren: Anna Bormann in Berlin gestorben (*11.7.1884, Gefell). 1925-33 StVV in Neukölln, aktiv in der sozialdemokratischen Frauenbewegung – wiederholt verhaftet nach Demonstrationen für das Frauenwahlrecht; 1946-48 BVV Neukölln.

Juli 2.7.1981 – vor 30 Jahren: Horst Korber in Berlin gestorben (*16.3.1927, Stadtroda). Führte ab 1963 für die West-Berliner Seite u.a. die Passierscheingespräche; 1967-71 Berliner Senator für Familie, Jugend, Sport, 1971-75 für Justiz, 1975-79 für Arbeit und Soziales. 2.7.1976 – vor 35 Jahren: Wiedervereinigung Vietnams als sozialistische Volksrepublik; Flucht tausender Vietnamesen und in Vietnam lebender Chinesen, u.a. nach Deutschland und Berlin. 2.7.1906 – vor 105 Jahren: Herbert Ohning in Berlin geboren. SPD Abteilungsleiter, 1948 BVV Schöneberg, 1949-51 StVV bzw. MdA, 1959 MdBV (Vertreter Berlins). 15.7.1941 – vor 70 Jahren: August Heitmann in Kleinbarkau gestorben (*28.5.1869, Boksee). 1911-20 StVV des noch selbständigen Neuköllns, 1920-28 Vorsteher der BV Neukölln, 1924 MdPL. 17.7.1966 – vor 45 Jahren: Josef Braun in Berlin gestorben (*5.4.1907, Berlin). 1950 Kreisvorsitzender in Prenzlauer Berg, 1952-61 Geschäftsführer der Berliner SPD, 1961-66 MdB (Vertreter Berlins). 17.7.1881 – vor 130 Jahren: Arthur Bormann in Leipzig geboren 10


(†11.6. 1956, Berlin). 1923-25 StVV Neukölln, machte sich 1935 mit Lebensmittelgeschäft selbständig und konnte Verfolgte unterstützen; 1945 Wiedereintritt in die SPD. 23.7.1946 – vor 65 Jahren: Maria Jankowski in Berlin gestorben. 1921-33 BVV Köpenick, 1920-24 Stadträtin, 1933 von der SA in Köpenick schwer misshandelt, musste untertauchen; 1945 SPD Treptow. 26.-28.7.1946 – vor 65 Jahren: Erneute Gründung der Sozialistischen Jugend Deutschlands - Die Falken. 28.7.1981 – vor 30 Jahren: Otto Bach in Berlin gestorben (*22.12.1899, Stuttgart). Mit Eberhard Hesse von 1946-72 Geschäftsführer des August Bebel Instituts, 1946-54 StVV, 1951-53 Senator für Sozialwesen, 1961-67 Präsident des Abgeordnetenhauses. 29.7.1891 – vor 120 Jahren: Adolf Dünnebacke in Dortmund geboren (†1.5.1978, Berlin). 1945-46 kommissarischer Bezirksrat für Bau- und Wohnungswesen in Reinickendorf, 1946-60 Bezirksbürgermeister Reinickendorf, 1963-67 MdA.

August 2.8.1871 – vor 140 Jahren: Wilhelm Conrad in Kassel geboren (†21.2.1947, Berlin). 1920-21 StVV in Neukölln, 1921 besoldeter Bezirksstadtrat der BV Kreuzberg, vermutlich bis 1933. 6.8.1961 – vor 50 Jahren: Dr. Helmuth Schwenn gestorben (*12.4.1904). 1947 Bezirksbürgermeister von Lichtenberg. 8.8.1916 – vor 95 Jahren: Lily Braun in Berlin gestorben (*2.7.1865, Halberstadt; geb. Amalie von Kretschmann). Führend in der sozialistischen Frauenbewegung; bekannt durch ihre Autobiographie „Memoiren einer Sozialistin“. 9.8.1991 – vor 20 Jahren: Richard „Rix“ Löwenthal in Berlin gestorben (*15.4.1908, Berlin). Baute nach 1933 „Neu Beginnen“ mit auf, 1935 Emigration; 1975-88 stellv. Vorsitzender der Grundwertekommission der SPD, 1984-89 Mitglied der Programmkommission. 12.8.1976 – vor 35 Jahren: Christlich-maronitische Falangisten greifen gemeinsam mit der syrischen Armee das palästinensische Flüchtlingslager „Tal Zataar“ an. Bei den Masakern wurden mehr als 3.000 Palästinenser getötet. Viele der Überlebenden flüchteten nach Berlin. 13.8.1913 – vor 98 Jahren: August Bebel in Passugg (Schweiz) gestorben. 13.8.1961 – vor 50 Jahren: Baubeginn der Berliner Mauer. 13.8.1916 – vor 95 Jahren: Edith Lowka, geb. Hähne, in Berlin geboren (†7.10.1989, Walsrode). 1954 Bezirksverordnete in Tiergarten, 1959 MdBV, 1962 Beisitzerin im AWO Landesvorstand. 11


50 Jahre Mauerbau Der Mauerbau in Berlin – 1961– löste in der SPD ein politisches Umdenken aus. Willy Brandt (und mit ihm Egon Bahr) propagierte (spätestens seit 1963 auch öffentlich) mit dem – bis heute gern missverstandenen – Begriff „Wandel durch Annäherung“ einen Kurswechsel in der in eine Sackgasse geratenen Deutschlandpolitik. In der Berliner Sozialdemokratie begann das Umdenken freilich nur bei einer kleinen Zahl von führenden Sozialdemokraten, die große Mehrheit blieb zögerlich oder gar ablehnend. Nur die große und unbestrittene Autorität des Berliner Parteivorsitzenden und Regierenden Bürgermeisters Willy Brandt, unter dessen Führung die Berliner SPD im Februar 1963 mit fast 62 Prozent der Stimmen einen überwältigenden Erfolg bei den Wahlen zum Abgeordnetenhaus erzielt hatte, sorgte dafür, dass der Kurswechsel nicht auf mehr Widerspruch stieß. Siegfried Heimann (aus: Harry Ristock – Erinnerung von Weggefährten, hg. vom FNA, Berlin, 1993)

17.8.1901 – vor 110 Jahren: Maria Reuber, geb. Postau, in Berlin geboren (†11.3.1969, Berlin). SPD-Abteilungsvorsitzende Wannsee, 1948-54 BVV, 1952-55 Kreisvorsitzende in Zehlendorf, 1954-59 MdA (Beisitzerin im Vorstand der Fraktion), 1955-1956 und 1958-1960 Beisitzerin im SPD-Landesvorstand. 23.8.1951 – vor 60 Jahren: Franz Gutschmidt in Berlin gestorben (*20.10.1874, Alt-Glienicke). 1895 Gewerkschaftsgründer und -vorsitzender, 1921-33 StVV Neukölln, Neuköllner Kreisverbandsvorsitzender des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold. 25.8.1911 – vor 100 Jahren: Gertrud Müller in Berlin geboren. 1946/47 Kreisfrauenleiterin, 1949-54 und 1963-71 StVV bzw. MdA, 1954-63 BVV Spandau (ab 1961 Vorsitzende der Fraktion). 26.8.1936 – vor 75 Jahren: Heinrich Cunow in Berlin gestorben (*11.4.1862, Schwerin). 1917-23 herausgebender Redakteur der „Neuen Zeit“, wissenschaftliches Zentralorgan der deutschen Sozialdemokraten. 27.8.1891 – vor 120 Jahren: Hedwig Wachenheim in Mannheim geboren (†8.10.1969, Hannover). 1919 Mitbegründerin der AWO, 1920 Magistratsrätin, 1922 Regierungsrätin im Reichsministerium des Inneren, 1933 Emigration in die USA; dort Forschungen und Veröffentlichungen über die Arbeiterbewegung.

September 1.9.1966 – vor 45 Jahren: Erstmals und seitdem alljährlich wird der Antikriegstag begangen. 3.9.1911 – vor 100 Jahren: Rund 200.000 Menschen demonstrieren im Treptower Park bei Berlin für die Erhaltung des Friedens. Zu der bis dahin größten Antikriegskundgebung in Deutschland hatte die SPD aufgerufen. 12


3.9.1971 – vor 40 Jahren: Das Vier-Mächte-Abkommen über Berlin wird unterzeichnet. 14.9.1951– vor 60 Jahren: Carl Herz in Haifa gestorben (*29.7.1877). 1921 Stadtrat in Spandau, 1926 Bezirksbürgermeister von Kreuzberg, 1922 von den Nazis vertrieben. 15.9.1896 – vor 115 Jahren: Theodor Haubach in Frankfurt am Main geboren (hingerichtet am 23.1.1945 in Berlin-Plötzensee); führendes Mitglied des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold; Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus. 16.9.1951 – vor 60 Jahren: Bertha Lungwitz, geb. Krebs, in Selbach gestorben (*13.1.1874, Berlin). Stadtverordnete in Wedding: 1920-22 für die USPD und 1922-25 für die SPD. 17.9.1926 – vor 85 Jahren: Klaus Schütz in Heidelberg geboren. 1957-61 MdB (Vertreter Berlins), 1967-77 Regierender Bürgermeister von Berlin, 1977-81 Botschafter in Israel. 20.9.1921 – vor 90 Jahren: Franz Ehrke in Prenzlau geboren. 1965-71 SPD Kreisvorsitzender in Spandau, MdA 1955-81, ab 1977 Vorsitzender der SPD-Fraktion. 22.9.1981 – vor 30 Jahren: Klaus-Jürgen Rattay stirbt bei einer Demonstration gegen die Räumung von acht besetzten Häusern. 24.9.1951 – vor 60 Jahren: Karl Bonatz in Berlin gestorben (*6.7.1882, Rapportsweiler/Elsass). 1946 Baubezirksrat in Steglitz, 1947-50 Stadtrat für Bau- und Wohnungswesen beim Magistrat von Groß-Berlin. 25.9.1901 – vor 110 Jahren: Dr. Barbara Renthe-Fink, geb. Renthe, in Berlin geboren (†14.10.1983, Berlin). Ärztin, Mitbegrün-

30 Jahre Häuserkampf 22.9.1981 in Berlin (West). Autoreifen brennen, Demonstranten rennen, Polizei knüppelt hinter ihnen her. Hausbesetzeralltag in Schöneberg, Kreuzberg und anderswo. Und plötzlich stirbt Klaus-Jürgen Rattay auf der Potsdamer Straße, überfahren von einem BVG-Bus, dessen Fahrer bei der flüchtenden Menge keine Chance hatte, den Unfall zu vermeiden. Über 150 besetzte Häuser gab es in dieser Gegend. Was in den 70er Jahren als Protest gegen fehlende Studentenunterkünfte einerseits und Tausende für den Abriss entmietete Häuser andererseits begann, kippte um in einen verbissenen Kampf der Hausbesetzer/innen gegen die Staatsgewalt, vertreten durch Innensenator Heinrich Lummer und die Einsatzkräfte der Polizei. Was zeitweise aussah wie Bürgerkrieg, war der Kampf um die Erhaltung bezahlbarer Wohnungen und für die Reform einer verfehlten Sanierung. Letztlich blieben doch viele Häuser stehen, einige Besetzer/innen bekamen sogar Verträge und die Kahlschlagsanierung wandelte sich zum ökologischen Stadtumbau. Otto Edel, damaliger SPD-Kreisvorsitzender in Schöneberg

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derin des Demokratischen Frauenbundes Deutschlands in OstBerlin/SBZ, nach 1949 in West-Berlin SPD-Gesundheitsexpertin.

Oktober 1.10.1926 – vor 85 Jahren: Werner Salomon (Foto) in Berlin geboren. 1971-75 MdA, 1979-92 Bezirksbürgermeister Spandau. 9.10.1966 – vor 45 Jahren: Gertrud Kirchhoff in Berlin gestorben (*26.12.1902, Berlin). 1949-50 StVV, 1949-62 Beisitzerin im AWO-Landesvorstand, 1951-58 Mitglied im Fachausschuss Gesundheit beim SPD-Landesvorstand. 20.10.1946 – vor 65 Jahren: Erste und bis 1990 einzige freie Wahlen in ganz Berlin nach dem Zweiten Weltkrieg: SPD 48,7 %, CDU 22,2 %, SED 19,8 %, LDP 9,3 %. 23.10.1916 – vor 95 Jahren: Philip Rosenthal in Berlin geboren (†26.9.2001, Selb). 1969-83 MdB, 1974-76 und 1980-83 im Vorstand der SPD-Bundestagsfraktion; führte in seinem Unternehmen 1963 ein Beteiligungssystem für die Mitarbeiter ein. 23.10.1941 – vor 70 Jahren: Jürgen Egert in Berlin geboren (†16.12.1992, Berlin). 1965-69 persönlicher Referent des Bezirksbürgermeisters von Charlottenburg, 1969-71 Landesvorsitzender der Berliner Jusos, 1971-72 MdA, 1972-90 MdB (Vertreter Berlins), 1985-86 Vorsitzender der Berliner SPD. 23.10.1961 – vor 50 Jahren: Dr. Paul Hertz in Berlin gestorben (†23.6.1888, Worms). 1918-22 Politischer Redakteur der „Freiheit“, 1919-25 StVV, 1920-33 MdR; 1951-53 Senator für Kreditwesen, 1954 MdBV (Vertreter Berlins), 1955-61 Senator für Wirtschaft und Kredit. 31.10.1961 – vor 50 Jahren: Anwerbeabkommen von Gastarbeitern zwischen Deutschland und der Türkei in Bad Godesberg unterzeichnet. Mit der Wirtschaftskrise verhängte die Bundesregierung 1973 einen bis heute gültigen Anwerbestopp. Zu diesem Zeitpunkt lebten rund 80.000 Türken in der Stadt.

November 8.11.1971 – vor 40 Jahren: Susanne Räder-Grossmann, geb. Eulitz, in Berlin gestorben (*1.12.1901, Penig/Rochlitz). Vor 1933 BV in Steglitz; 1946-50 BVV Steglitz, 1948-50 StVV, 1950-53 stellvertretende SPD-Landesvorsitzende, 1954-63 wieder BVV. 12.11.1936 – vor 75 Jahren: Ingrid Holzhüter, geb. Krupke, in Berlin geboren (†25.9.2009, Berlin). 1978-87 Kreisvorsitzende der AsF Tempelhof, 1981-85 BVV Tempelhof, 1985-94 MdA, 1988-94 im AsF-Bundesvorstand, 1994-2002 MdB. 14


12.11.1986 – vor 25 Jahren: Magdalena Heilmann, geb. Müller, in Berlin gestorben (*19.12.1894, Mannheim). 1919 Mitbegründerin der AWO; 1947 Beisitzerin im AWO-Landesvorstand, 194654 BVV Wilmersdorf, 1947 Kreisobfrau im Ausschuss für die Opfer des Faschismus. 18.11.1966 – vor 45 Jahren: Ida Wolff in Berlin gestorben (*28.10.1893, Brieg). Vorsitzende der Arbeiterwohlfahrt in Berlin 1946-64, 1946-67 StVV bzw. MdA, 1947-58 Mitglied des Landesvorstandes. 20.11.1981 – vor 30 Jahren: Innensenator Heinrich Lummer (CDU) beschließt: Ausländische Jugendliche bekommen ab dem 18. Lebensjahr keine Aufenthaltsgenemigung, wenn sie bis dahin nicht seit fünf Jahren in Berlin leben („Lummer-Erlass“). Die Folge daraus war, dass im folgenden Schuljahr tausende Kinder vor Berliner Schulen standen, die kein Wort Deutsch sprachen. 22.11.1986 – vor 25 Jahren: Walter Momper (*21.2.1945, Sulingen) zum Vorsitzenden der Berliner SPD gewählt (Amtszeit bis August 1992). Von 1989-91 elfter Regierender Bürgermeister von Berlin. Seit 2001 Präsident des Abgeordnetenhauses in Berlin. 28.11.1911 – vor 100 Jahren: Walter Nicklitz in Berlin geboren (†4.10.1989, Berlin), 1952-71 Bezirksstadtrat für Bau- und Wohnungswesen in Wedding, 1959-65 stellv. Bezirksbürgermeister von Wedding. 28.11.1886 – vor 125 Jahren: Erich Raddatz in Konikow (Pommern). geboren (†16.2.1964, Berlin). 1920-25 BV Neukölln, 192528 StVV Neukölln, 1928-32 MdPL, 1926-30 Bezirksstadtrat in Neukölln, 1928-32 Magistratsmitglied, 1945-59 Bezirksstadtrat für Sozialwesen, stellv. Bürgermeister in Neukölln.

Dezember 1.12.1861 – vor 150 Jahren: Carl Legien in Marienburg/Westpreußen geboren (†26.12.1920, Berlin). Vorsitzender des ADGB; leitete während des Kapp-Putsches 1920 den Generalstreik, der die rechte Revolte gegen die erste deutsche Demokratie niederzwang. 1.12.1981 – vor 30 Jahren: Barbara John als erste „Ausländerbeauftragte“ ins Amt eingeführt, untersteht mit acht Mitarbeiter/ innen dem Sozialsenator. 2.12.1881 – vor 130 Jahren: Paul Rathmann in Berlin geboren (†5.10.1965, Berlin). 1919 StVV Schöneberg, 1921-33 BV Schöneberg, 1925 Geschäftsführer der Schöneberger Filiale des „Vorwärts“, 1925-33 Kreisführer des Reichbanners Schwarz-RotGold. 5.12.1896 – vor 115 Jahren: Ernst Scharnowski in PreußischEylau geboren (†9.3.1985, Berlin). 1948 Bezirksstadtrat in Neukölln, 1948 Mitbegründer der UGO (1950 Anschluss an den DGB), 1948-52 und1961-63 StVV bzw. MdA, 1957-61 MdB (Vertreter Berlins). 15


Vor 40 Jahren: Deutschlands erster „Ausländerbeirat“ in Berlin Anfang der siebziger Jahre war ein Drittel der Kreuzberger Bevölkerung nichtdeutscher Herkunft und ihr Anteil wuchs ständig. Spätestens mit dem Anwerbestopp 1973 und dem beginnenden Familiennachzug wurde deutlich, dass man es auch in West-Berlin nicht mehr mit befristet anwesenden „Gastarbeitern“ zu tun hatte, sondern mit einer dauerhaft hier lebenden nichtdeutschen Bevölkerung, die gesellschaftspolitisch integriert werden musste. Am 8.7.1971 reagierte die BVV Kreuzberg auf den kommunalpolitischen Problemdruck und beschloss, das Bezirksamt mit der Einrichtung eines Beirats für Ausländerfragen zu beauftragen. Am 9.12.1971 traf man sich zur konstituierenden Sitzung. Das zunächst noch einzige Mitglied mit Migrationshintergrund war der Türke Dr. Jur. Mesut Yildirim, der als Vertreter der Türkischen Beratungsstelle der Arbeiterwohlfahrt (Türk Danis). im Beirat saß. Die Betroffenen selbst mischten sich jedoch zunehmend ein und forderten die ihnen versprochene Beteiligung. Heute heißt das Gremium Beirat für Integration und Migration. Weitergehende politische Rechte und institutionalisierte Einflussmöglichkeiten fehlen noch heute, für die Organisation gesellschaftlicher Einflussnahme Nichtdeutscher ist es aber nach wie vor unabdinglich. Riza Baran, Beiratsmitglied

11.12.1961 – vor 50 Jahren: Joachim Lipschitz in Berlin gestorben (*19.3.1918, Berlin). 1945-48 SPD Kreisvorsteher in Lichtenberg, 1946 StVV, BVV Lichtenberg, 1949 Bezirksrat für Finanzen in Neukölln, 1951-61 MdA, 1955-66 Innensenator. 9.12.1971 – vor 40 Jahren: Konstituierende Sitzung des bundesweit ersten „Ausländerbeirats“ in Berlin Kreuzberg. Die erste Ausländerbeauftragte, Dolores Bauer, nimmt ihre Arbeit auf. 12.12.1966 – vor 45 Jahren: Dr. Wilhelm Königswarter in Berlin gestorben (*30.8.1890, Hannover). 1945 Vorsitzender des Ausschusses Geld und Kredit im SPD-Landesvorstand Berlin, 195261 MdB (Vertreter Berlins). 14.12.1966 – vor 45 Jahren: Heinrich Albertz (*22.1.1915, Breslau / †18.5.1993, Bremen) zum Regierenden Bürgermeister gewählt (Amtszeit bis 19.10.1967). 19.12.1876 – vor 135 Jahren: Richard Heckmann in Sachsenflur geboren (†24.10.1935, Berlin). 1919-20 StVV, Vorstand des Berliner Verbands der Gemeinde- und Staatsarbeiter. 19.12.1971 – vor 40 Jahren: Fritz Kranz in Berlin gestorben (*22.11.1888, Landsberg). Betriebsratsvorsitzender bei Siemens, 1925 BV Spandau (1929-33 deren Vorsteher), nach 1945 angestellt als Hauptreferent bei der SPD Spandau, 1950-54 MdA. 16


23.12.1931 – vor 80 Jahren: Die „Eiserne Front“ wird von SPD, ADGB, Arbeitersportverbänden und Reichsbanner Schwarz-RotGold zur Abwehr des Nationalsozialismus ins Leben gerufen. 26.12.1926 – vor 85 Jahren: Hildegard Sonntag, geb. Blum, in Berlin geboren († Dezember 2005, Berlin). Kreisfrauenbeisitzende in der SPD Friedrichshain , Kreisdelegierte, 1955-61 Angestellte der SPD Friedrichshain (Kreisbüro), ab 1961 in der SPDLandeszentrale. 28.12.1996 – vor 15 Jahren: Dr. Peter Mitz­­scherling (Foto) in Berlin gestorben (*14.12.1928, Löbau/Sachsen). 1974-80 Senatsdirektor für Arbeit, 1980-89 MdB, 198991 Wirtschaftssenator.


Quellenverzeichnis Sammlung und Archiv der „Werkstatt Linke Lebensläufe“ beim August Bebel Institut Die Mutter vom Wedding. Eine Dokumentation zum 20. Todestag von Erika Heß, hg. vom Franz-Neumann-Archiv, Berlin, 2006. Bettina Michalski: Louise Schroeders Schwestern, hg. Franz-NeumannArchiv, Bonn, 1996. Vor die Tür gesetzt. Im Nationalsozialismus verfolgte Stadtverordnete und Magistratsmitglieder 1933-1945, hg. vom Verein Aktives Museum, Berlin, 2006. Gisela Notz: Kalender „Wegbereiterinnen“. G. Seufert, Ch. Kubaseck: Die Türkei, hg. von der Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn, 2006. Sanem Kleff, Eberhard Seidel: Stadt der Vielfalt – das Entstehen des neuen Berlin durch Migration, hg. vom Beauftragten des Berliner Senats für Integration und Migration, Berlin, 2006. Holger Hübner, privates Archiv. Archiv der Berliner Stimme. Kreuzberg Museum für Stadtentwicklung und Sozialgeschichte, Adalbertstraße 95A, 10999 Berlin; Archiv und Ausstellung: Migtationsgeschichte. Archiv der Friedrich Ebert Stiftung: http://www.fes.de/archiv/adsd_neu/ inhalt/stichwort/falken.htm LeMO: Lebendiges virtuelles Museum Online: http://www.dhm.de/ lemo/home.html http://www.tagesspiegel.de/berlin/2-dezember-1981/781774.html

Abkürzungen ADGB BV BVV MdA MdB MdBR MdBV MdDNV MdPL MdR StVV UGO

Allgemeiner Deutschen Gewerkschaftsbundes Bezirksversammlung (vor 1933) Bezirksverordnetenversammlung (ab 1946) Mitglied des Abgeordnetenhauses Berlin Mitglied des Bundestags Mitglied des Bundesrats Mitglied der Bundesversammlung Mitglied der deutschen Nationalversammlung Mitglied des Preußischen Landtags Mitglied des Reichstags Stadtverordnetenversammlung Unabhängigen Gewerkschaftsorganisation

Impressum Herausgeber: August Bebel Institut Geschäftsführer und Studienleiter: Ingo Siebert Müllerstraße 163, 13353 Berlin Tel. (030) 4692 122, Fax (030) 4692 124 kontakt@ august-bebel-institut.de www.august-bebel-institut.de Redaktion: Daniela Honigmann, Historikerin Mitarbeit: Elisa Dold, studentische Mitarbeiterin Gestaltung: Udo Tremmel Pressebüro & Medienkonzepte Bildmaterial: Paul Singer e.V., ABI-Archiv, Paul Glaser


Personenregister Albertz, Heinrich 16 Aschenbrenner, Max 9 Auer, Ignaz 7 Bach, Otto 11 Bahr, Egon 12 Bauer, Dolores 16 Bebel, August 4, 6, 7, 11 Berger-Heise, Magarete 4, 7 Bohm-Schuch, Clara 8 Bonatz, Karl 13 Bormann, Anna 10 Bormann, Arthur 10 Brandt, Willy 12 Braun, Josef 10 Braun, Lily 11 Bühling, Reinhard 4 Clajus, Hermann 6 Conrad, Wilhelm 11 Cunow, Heinrich 12 Demirel, Süleyman 6 Dünnebacke, Adolf 11 Egert, Jürgen 14 Ehrke, Franz 13 Erim, Nihat 6 Exner, Kurt G. 8 Flatau, Erich 5 Frankenthal, Käte 7 Gebert, August 7 Gehrke, Gustav 6 Gutschmidt, Franz 12 Hanna, Gertrud 10 Harnisch, Hermann 5 Haubach, Theodor 13 Heckmann, Richard 16 Heilmann, Ernst 7 Heilmann, Magdalena 15 Heimann, Hugo 6 Heitmann, August 10 Hennig, Paul 5 Hertz, Paul 14 Heß, Erika 9

Herz, Carl 13 Hesse, Eberhard 10, 11 Hirschfeld, Dorothea 9 Hoffmann, Fritz 4 Holzhüter, Ingrid 14 Jankowski, Maria 11 John, Barabara 15 Karnatz, Joachim 6 Kermes, Georg 4 Kirchhoff, Gertrud 14 Klingelhöfer, Gustav A. K. 4 Königswarter, Wilhelm 16 Korber, Horst 10 Kranz, Fritz 17 Kressmann, Willy 6 Legien, Carl 15 Lezinsky, Erich 9 Liebknecht, Karl 4 Liebknecht, Wilhelm 4, 7 Lipschitz, Eleonore 9 Lipschitz, Joachim 16 Lohmeyer, Hans 10 Lösche, Dorothea 9 Löwenthal, Richard 11 Lowka, Edith 11 Lummer, Heinrich 15 Lungwitz, Bertha 13 Luxemburg, Rosa 4 Männing, Peter 8 Mattick, Kurt 4 Mehring, Franz 6 Mendiburu, Helios 6 Meyer, Franz 6 Mitzscherlin, Peter 17 Momper, Walter 15 Müller, Gertrud 12 Müller, Hermann 9 Neumann, Franz 7 Nicklitz, Walter 15 Ohning, Herbert 10 Ollenhauer, Erich 7

Räder-Grossmann, Susanne 14 Raddatz, Erich 15 Rathmann, Paul 15 Rattay, Klaus-Jürgen 13 Renthe-Fink, Barbara 13 Reuber, Maria 12 Rieke, Charlotte 4 Rosenthal, Frieda 9 Rosenthal, Philip 14 Ryneck, Elfriede 4 Salomon, Werner 14 Scharnowski, Ernst 15 Schiller, Karl 7 Schneider, Willy 4 Scholz, Gertrud 8 Schumacher, Kurt 8 Schütz, Klaus 13 Schwedler, Rolf 5 Schwenn, Helmuth 11 Sickert, Walter 8 Singer, Paul 4, 5 Sonntag, Hildegard 17 Stobbe, Dietrich 4 Voelker, Alexander 6 Vogel, Hans-Jochen 4 von Essen, Paul 6 von Kretschmann, Amalie 11 Wachenheim, Hedwig 12 Wolff, Ida 15 Wolff, Jeanette 9 Wowereit, Klaus 10 Yildirim, Mesut 16 Zienau, Meta-Judith 6


August Bebel Institut Berlin Das August Bebel Institut will mit seinen Veranstaltungen dazu beitragen, einen kreativen politischen Dialog in der Stadt zu gestalten und Menschen in ihrem politischen Denken und emanzipatorischen Engagement unterstützen. Das ABI ist eine gemeinnützige Einrichtung der politischen Bildung, die 1947 von sozialdemokratischen Zeitungsverlegern aus Berlin gegründet wurde, um Menschen für die kommunalpolitische Arbeit zu qualifizieren. Namensgeber ist August Bebel (1840– 1913), der Begründer der organisierten sozialdemokratischen Arbeiterbewegung in Deutschland.

Stadt – Politik – Geschichte Wir begleiten politisch Interessierte mit stadt- und kommunal­ politischen Workshops und initiieren den Dialog von verschiedenen Gruppen für eine demokratische Stadtkultur. Wir regen zur gesellschaftlichen Partizipation an und wollen junge Menschen zu selbstorganisierten politischen Aktivitäten befähigen. Im ABI befassen wir uns mit zeitgeschichtlichen Fragen in Bezug auf die Berliner Geschichte der Arbeiter/innen-Bewegung und der anderen sozialen Bewegungen, der Idee einer sozialen Demokratie, des Widerstandes im Nationalsozialismus und der Entwicklung des politischen Berlin in der Einwanderungsgesellschaft.

Bildung – Galerie – Bibliothek Mit der »Galerie im Kurt Schumacher Haus« haben wir einen Ort geschaffen, an dem sich politische und zeitgeschichtliche Ausstellungen mit künstlerischen Produktionen aus der Vielfalt der Stadt abwechseln. Hier kann sich Kultur und politische Bildung verbinden. Eine kleine Bibliothek legt besonderes Augenmerk auf die Aufarbeitung zeitgeschichtlicher Themen, speziell der Arbeiter/innen-Bewegung, der sozialen Bewegungen und der Geschichte der Sozialdemokratie Berlins. Regelmäßig erinnern wir an engagierte Persönlichkeiten des politischen Berlin.

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