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INFOBLATT DER 3. AUSGABE

AUGE/UG OBERÖSTERREICH

BLICKE

Alternative und Grüne GewerkschafterInnen, Unabhängige GewerkschafterInnen Eine Fraktion in der Arbeiterkammer und anerkannte Fraktion im ÖGB

Wer kann Führungskraft?! Es sind Selbstverständlichkeiten, die dafür sorgen könnten, dass dort, wo jetzt Arbeitsfrust herrscht, wieder Spaß und Motivation einziehen.

W

äre doch super: Du fühlst dich geachtet, die Vorgesetzten sagen Bitte und Danke. Wenn man dir eine Arbeit anschafft, wird auf dein Können und deine Erfahrung gebaut. Selbst wenn es Kritik gibt, ändert sich an dieser Einstellung nichts. Fragen, Zuhören und Argumente be­stimmen den Dialog. FÜHREN HEISST ZUHÖREN Deine Rechte sind im Unternehmen auf allen Ebenen bekannt und werden aktiv respektiert. Du bekommst, was du brauchst, damit du deine Arbeit gut machen kannst; auch für private Betreuungspflichten gibt es ein offenes Ohr. Denn den Vorgesetzten ist klar: „Ich bin nur so gut, wie mein Team!“ Darum wirst du frühzeitig in Änderungsüberlegungen einbezogen und nach deinen Ideen gefragt. Egal, welche Auf­ gabe du im Unternehmen erfüllst.

Die Realität sieht mehrheitlich anders aus. Und zwar deshalb, weil man Führungskräfte meist nach den fachlichen, aber nicht nach ihren sozialen Fähigkeiten auswählt. Mit einem verpflichtenden Führerschein für Führungskräfte (von der Unternehmensspitze abwärts) könnte

Sommerfest der AUGE/UG 26. Aug. Volksgarten Linz, 17 Uhr Live-Musik: Robinson, The Tapeworms, UrDrummer. Würstel 1 Euro. Luftballons. Eintritt frei.

Abhilfe geschaffen werden: Feststellung der Eignung – gezielte Schulung – regelmäßige Supervision. Es ist höchst an der Zeit. Denn falsches Führungsverhalten macht krank und gefährdet den Unternehmens-Erfolg! Beides können wir uns nicht leisten. 

FOTO: ISTOCK

VORGESETZTE AUF DIE SCHULBANK

Christian Krall

Info-Folder: Arbeitslosigkeit „Und raus bist Du?“ Folder mit konkreten Antworten, wie ein Kurswechsel am Arbeitsmarkt gelingen könnte. Kostenlos anfordern: office@auge-ooe.at

Wir mischen uns ein! auge-ooe.at


Putzt’s euch mit euren Mini-Löhnen!

Der Preisverfall in der Reinigungsbranche nimmt dramatische Ausmaße an. Leidtragende sind (wie fast immer) die Großteils weiblichen Arbeiter und Ange­stellten.

U

nsere Kontaktperson Frau B. bittet mich, ihren vollen Namen keinesfalls zu nennen; sie fürchtet Repressalien ihrer ehemaligen Arbeitgeberin, einer großen Reinigungsfirma, bzw. aus der ganzen Branche. Sie hat viele Jahre Erfahrung (auch in der Führungsebene) gesammelt und ist bereit, anonym mit uns zu sprechen.

meistertätigkeiten dürfen „alle anbieten, die einen Kübel und einen Mop haben“ erläutert uns ein Interviewpartner, der lange als Objektleiter tätig war und ebenfalls anonym bleiben möchte. „Man kann es sich ein bisschen vorstellen wie bei den Taxis, es sind viel zu viele.“

„Wissen Sie“ beginnt sie mit ihren Schilderungen, „angefangen haben die Probleme, wie die ganzen ‚Kleinen‘ gekommen sind. Die sind wie die Schwammerl aus dem Boden geschossen und haben die Preise kaputt gemacht.“

Sowohl er als auch Frau B. schildern, dass zahl­ reiche Unternehmen Familienmitglieder beschäftigen, die maximal geringfügig angestellt werden und solcherart die Preise unterbieten.

Zur Zeit ist das Reinigungsgewerbe nur zum Teil reglementiert. Stiegenhausreinigung, bzw. Haus-

WEDER SERIÖS NOCH KOSTENDECKEND

Ordentlich kalkuliert würde sich eine Reinigungsstunde mit mindestens 20 € zu Buche schlagen; momentan kursieren Stundentarife von etwa 13 € – von seriös und kostendeckend sind wir damit weit entfernt! Überhöhte Anforderungen, prekäre Dienstverhältnisse und enormer Zeitdruck sind nur drei der vielen Folgen des harten Verdrängungswettbewerbs in der umkämpften Branche. Falls Sie nicht in der Reinigung tätig sind: halten Sie bitte die Augen offen für die Reinigungskräfte in Ihrem Unternehmen. Und danken Sie jenen, die Ihnen ein angenehm sauberes Arbeitsumfeld erst ermöglichen. 

Anbieten können alle, die einen Kübel und einen Mopp haben …

Julia Nusko, Soziologin, Betriebsrätin, Vorstandsmitglied AUGE/UG

SCHARF (Un-)flexibler Europameister! SERVIERT

KR Martin Gstöttner, Landessprecher AUGE/UG, Vorstandsmitglied der AK

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Der Wirtschaftsminister (ÖVP) fordert sie. Sogar die Familienministerin (ÖVP) fordert sie. Die Industriellenvereinigung fordert sie sowieso. Die „flexible“ Arbeitszeit!

nahe, als schon jetzt die tägliche Arbeitszeit bis zu 12 Stunden (die wöchentliche bis zu 60 Stunden) ausgedehnt werden kann, wovon nur die wenigsten Unternehmen Gebrauch machen…

Je nach Auftragslage eines Betriebes muss der/ die ArbeitnehmerIn bis zu 12(!) Stunden täglich arbeiten. Lässt das Auftragsvolumen wieder nach, darf dann aus dem Topf der geleisteten (Mehr-) Stunden abgebaut werden. Der Verdacht, dass sich die Wirtschaft Überstunden- bzw. Zeitausgleichzuschläge ersparen möchte, liegt bei genauer Betrachtung der Kollektivverträge insofern

Welche “außerordentliche Flexibilität“ hingegen die Wirtschaft ihrerseits bei der finanziellen Gleichstellung von Mann und Frau beweist, unterstreicht die Tatsache, dass Österreich nicht nur bei der Einkommensschere trauriger Vize­ europameister ist, sondern mit der höchsten durchschnittlich geleisteten Wochenarbeitszeit von 44 Stunden erstmals sogar Europameister! 


Alles, was Recht ist

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GIBT ES FÜR ÜBERSTUNDEN ZEITAUSGLEICH? Ein generelles Recht darauf besteht nicht – das musst du ausdrücklich mit deinem Arbeitgeber vereinbaren. Auch hast du kein Anrecht, den Zeitausgleich zu einer bestimmten Zeit nehmen zu können. Es kann dazu auch Regelungen in deiner Branche (Kollektivvertrag) oder im Betrieb geben (Betriebsvereinbarung). Das heißt: Du solltest dich unbedingt rechtzeitig informieren, wenn von dir Überstunden erwartet werden. DIE 40-STUNDEN-WOCHE ALS MASS Wenn Zeitausgleich vereinbart ist, gilt das selbe Verhältnis wie beim Auszahlen der Überstunden: eineinhalb Stunden für eine geleistete Überstunde, also 1 : 1,5. Dieser Zuschlag kann jedoch auch entfallen. Wenn deine kollektivvertragliche Vollarbeitszeit nicht 40, sondern 38,5 Stunden beträgt, bekommst du für die ersten eineinhalb Stunden pro Woche, die du darüber hinaus arbeitest, nur einen Ausgleich von 1 : 1. ANDERER SCHLÜSSEL BEI TEILZEIT Wenn du Teilzeit arbeitest, sind zusätzlich geleistete Arbeitsstunden bis zum Ausmaß der Vollzeit keine Überstunden, sondern Mehrarbeitsstunden. Wenn du für solche Mehrarbeitsstunden innerhalb eines Kalendervierteljahres Zeitausgleich bekommst, erfolgt der Ausgleich ebenso 1 : 1. Bei einer Auszahlung der Mehrarbeitsstunden gilt ein Verhältnis von 1 : 1,25. 

Ein scharfer Beobachter und hellwacher kritischer Geist im Dienste der guten Sache. Bei der AUGE-Benefiz-Veranstaltung im stimmungsvollen Kepler-Salon Linz ließ Gerhard Haderer keinen Zweifel daran, dass es in Sachen Menschenrechte nicht den geringsten Spielraum für Kompromisse geben darf. 

Gerhard Haderer Beim dritten AUGE-Benefiz war mit der Versteigerung eines Originals von Gerhard Haderer ein extra Coup gelungen. Denn Haderer-Originale sind nicht zu kaufen – ein unumstößliches Prinzip des unbeugsamen Künstlers. Der Ertrag ging an das Streetwork-Projekt JUST. Dessen MitarbeiterInnen unterstützen obdach­ lose oder prekär wohnende Jugendliche im Bereich Hygiene, Gesundheit und Kleidung, mit gemeinsamem Kochen, Alltagsgestaltung und bei Behördengängen. 

Enthüllungen der anderen Art Wir haben keine Milliarden zu verschieben, sondern Interessen der KollegInnen zu vertreten. Die Liste, wo wir aufgrund unserer Wahlerfolge und dank engagierter Mitglieder aktiv sind, sieht entsprechend anders aus.

Arbeiterkammer OÖ – Fraktionsstatus, 5 Mandate, Kooptierung im Vorstand. Gebiets­ krankenkasse OÖ – Mandat Generalversammlung. PVA – Mandat Generalversammlung. ÖGB – Sitz im Landesvorstand. PRO-GE – Sitz im Landesvorstand. GPA-djp – Sitz im Landes­vorstand. Arbeits- und Sozialgerichte in Linz, Wels,

Ried, Steyr – 29 LaienrichterInnen. Oberlandesgericht – 2 Laienrichter. Evangelische Diakonie – Zentralbetriebsratsvorsitzender. ÖBB – Konzernbetriebsräte. GRZ – Betriebsratsvorsitzender. Plasser & Theurer – Stv. Betriebsratsvorsitzender. Fischer Sports – Betriebsratsvorsitzender. Pro mente plus – Betriebsratsvorsitzende. Thalia – Betriebsratsvorsitzender. Borland GmbH – Betriebsratsvorsitzender. Johannes Kepler Universität – Betriebsrat. Bosch Rexroth – Betriebsrat. KTM – Betriebsrat. U.v.m.

MEHR DAZU: Wer sich als Betriebsrat/rätin ebenfalls zu uns deklarieren möchte: OFFICE@AUGE-OOE.AT

Damit die Arbeit nicht das Leben frisst! auge-ooe.at

Man sieht, was alles möglich ist! Übrigens: auch bei den „Metallern“. 

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WEITER SAGEN

Pensionen, es geht sich aus!

D

er dramatische Anstieg des Steuerzuschusses zu den Pensionen ist ein Märchen. Er beträgt aktuell 6,03 % des BIP und steigt bis 2060 nur um 0,33 Prozentpunkte an. Allerdings ist der Zuschuss extrem ungleich verteilt. Im Durchschnitt 45.000 € für eine Beamtenpension und nur 5.000 € für eine sonstige Pension. Dazu kommt: 23 % der alleinlebenden PensionistInnen sind armutsgefährdet! Dieses Ergebnis, und nicht die Höhe des Steuerzuschusses, wird von der EU kritisiert. NEUES, GRÜNES MODELL

Lukas Wurz, Sozialreferent der Grünen, AK-Rat der AUGE/UG Wien

Das grüne Modell: Jede Person ab 65, die zu arbeiten aufhört (oder wer berufsunfähig ist), bekommt 14x jährlich 880 € als Grundpension. Bedingung:

40 Jahre Aufenthalt nach dem 15. Lebensjahr in Österreich. Selbst bei prekären Arbeitsverhältnissen und unterschiedlichsten Lebensentwürfen ist damit eine Absicherung garantiert. Die Grundpension wird komplett aus Steuermitteln bezahlt. Und das kostet nicht mehr als der jetzige Steuerzuschuss. GERECHTER UND BERECHENBAR Dazu kommt eine Erwerbspension, die aus der jeweiligen Erwerbsbiografie errechnet wird. Diese Pension wird nur aus Beiträgen finanziert (Umlageverfahren) und kostet den Staat nichts. Die Summe beider Pensionen ist mit der ASVG-Höchstpension gedeckelt. Mehr Geschlechter-Gerechtigkeit: Pensionsansprüche, die in Partnerschaftszeiten erworben wurden, werden zusammengerechnet und Halbe Halbe auf beide PartnerInnen verteilt. 

© MUCH

AUGE/UG Oberösterreich Landgutstraße 17, 4040 Linz Tel: 0732 / 739 840 Web: auge-ooe.at E-Mail: office@auge-ooe.at Impressum: Themen der Arbeitswelt aus grünalternativer Sicht. Inhaberin, Hg: AUGE/UG OÖ. 4040 Linz, ZVR 706630453. Offenlegung: auge-ooe.at. Layout: gplus.at. Fotos: AUGE, istock. Druck: Gaisbauer Druck-Service, auf CO2-neutralem Papier. Auflage: 27.000 Stück; Juli 2016

3 FRAGEN Arbeit mit und für Menschen AN ...

1.

Maria Buchmayr, Landes­ sprecherin der Grünen OÖ

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Politik ist Arbeit. Warum? Politik stellt die Weichen für die Entwicklung eines Landes. Das bedeutet Arbeit mit und für Menschen, kreative Arbeit, das Entwickeln von Konzepten und Ideen. Politik bedeutet, sich mit den Problemen der Menschen auseinander zu setzen und sie zu lösen.

2.

Was taugt dir am meisten? Vor allem der intensive Kontakt zu den Menschen – insofern finde ich Wahlkampfzeiten zwar herausfordernd, aber auch besonders spannend. Und dann natürlich das Umsetzen der Anliegen der BürgerInnen, aber auch der eigenen politischen Ideen.

3.

Wann wird es mühsam? Lange Sitzungen gehören natürlich auch zur politischen Arbeit. Werden sie aber zu lange und ist kein Ergebnis in Sicht, zehrt das schon an den Kräften. Zum Ausgleich brauche ich unbedingt Zeit für die Bergwelt und für meine Alpintouren! 

Augenblicke, Ausgabe 3  
Augenblicke, Ausgabe 3  

Zeitung der Alternativen und Grünen Gewerkschafterinnen, AUGE/UG, Oberösterreich, Ausgabe 3, Juli 2016

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