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Grundeinkommen Meilenstein für ein neues Verständnis der Arbeit

Papst Franziskus Im Spiegel argentinischer Befreiungstheologen

Alter im Film Ein gesellschaftliches Tabu auf der Leinwand

Nummer 198 20. Juni 2013 Jahrgang 26

www.aufbruch.ch

UNABHÄNGIGE ZEITSCHRIFT FÜR RELIGION UND GESELLSCHAFT

Götzen, Geld und Gerechtigkeit Was Christen herausfordert


Inhalt

Papst Franziskus. Was unterscheidet die Befreiungstheologie von der Sozialpastoral, die Jorge Maria Bergoglio als Kardinal von Buenos Aires gelebt hat? Fragen an den argentinischen Theologen Juan Carrillo Martinez. Seite 6

E wie Emil. Als Kabarettist Emil Steinberger kürzlich achtzig wurde, floh er vor dem Geburtstagsrummel nach Schanghai. Auf der Bühne will er aber weiter präsent sein. An Abschied denkt der Luzerner noch lange nicht. Seite 38

Im Fokus

Politik & Gesellschaft

4 Betrachtung Nachgefragt

5 Ina Praetorius will post-

patriarchale Neudefinition der Arbeit und Grundeinkommen für alle MONTAGE: ROHRWICK/BLATTER

Papst Franziskus

6 Theologe Juan Carrillo

Martinez über die Befreiungstheologie und den neuen Pontifex Götzen, Geld und Gerechtigkeit Das Christentum und die Vorherrschaft der Wirtschaft. »Gegen die sanfte Verblödung«: Ein Gespräch über Herausforderungen und Aufgaben, vor denen Christinnen und Christen heute stehen – und über »die Kraft, die Hoffnung gibt«. Mit dem Religionspädagogen Norbert Mette, der politischen Theologin Katja Strobel und Christian Weisner, Mitbegründer der Kirchenvolksbewegung: »Wir sind Kirche«. Seite 22

Kommentare

8 Nationalrat Balthasar

Glättli zur Asylabstimmung. Marlene Hofstetter lehnt Babyfenster ab 8 fairNetz 41 Bücher Alter im Film

42 Sensible Katalysatoren

für die öffentliche Debatte 44 Personen & Konflikte Porträt

45 Isabelle Neulinger 46 Agenda 46 Briefe 47 Impressum Das Allerletzte

48 Nina Hagen und

die Konvertiten

aufbruch

2 Nr. 198 • 2013

Alter im Film

Märkte und Monopole

9 »Nehmt unser Geld«.

Reiche wollen Vermögensabgabe zahlen Sozialwort 2013

10 Die zweite Chance.

Kirchen planen Sozialinitiative. Sie sollten die Basis beteiligen 11 Die Initiative »anders wachsen« fordert die Abkehr vom Wirtschaftswachstum Karamba Diaby

12 Der Obama von Halle Kampf gegen die Mafia

14 Besuch bei der mutigen

Familie Maniacis, die in Sizilien einen Fernsehsender betreibt Initiativen und Modelle

16 »Was glaubst du denn?«

Wanderausstellung über Muslime in Deutschland Sozialprotokoll

17 Valeria Ochoa Sevilla, Kaf-

feebäuerin in Nicaragua Theologie und Biografie

18 Himmelwärts. Alles Den-

ken über Gott trägt biografische Züge. Das zeigen Lebensgeschichten grosser Theologen

FOTO: ADRIAN STÄHLIN/FARBFILM VERLEIH

Schweiz

Vorbildlicher Umgang Sohn: »Malte hat angerufen.« Mutter Margarete Sieveking fragt: »Wie heisst der?« Sohn: »Malte – dein Mann.« »Ist ja nicht mein Mann«, entgegnet sie. »Na ja, mein Vater«, antwortet der Sohn, »und du bist meine Mutter«. Nicht nur Regisseur David Sieveking ist mit Vergiss mein nicht ein überaus einfühlsamer Dokument eines liebevollen Umgangs mit dem Alter gelungen. Auch andere aktuelle Kinofilme brechen die Tabuthemen Alter, Krankheit und Zerbrechlichkeit des Lebens auf. Der Anfang einer gesellschaftlich überfälligen Debatte ist gemacht. Seite 42


Editorial

Liebe Leserinnen und Leser FOTOS: RUBEN WYTTENBACH, ARCHIV NEULINGER

Die Initiative zur Asylverschärfung wurde mehrheitlich angenommen von der Schweizer Stimmbevölkerung, obwohl die sozialen Organisationen und die christlichen Kirchen ein NEIN empfohlen hatten. Nun steht die längst fällige Grundsatzdiskussion zwischen den Kirchen und jenen Politikern an, die einer C- oder E-Partei angehören und seit Jahren konträr zu den Kirchenparolen politisieren. Macht es noch Sinn, dass Parteien weiterhin ein »C« oder »E« im Namen führen? Und macht es noch Sinn, wenn die Kirchenleitungen zu ethischen und sozialen Fragen Parolen fassen, wenn sie damit lediglich riskieren, auch noch die Mitglieder am rechten Rand zu verlieren? Oder sollten sich die Landeskirchen den rechtsbürgerlichen Parolen anschliessen, um ihre tatsächliche Hauptklientel anzusprechen? Denn die Landeskirchen und die Bischöfe sind über ihre Netzwerke (Studentenverein, Zünfte, Singkreise etc.) letztlich ja doch sehr eng mit den C- und E-Parteien verbandelt. Balthasar Glättli, Nationalrat der Grünen und zuvor Politischer Sekretär der Asyl-Organisation Solidarité sans frontières, kommentiert die Abstimmung auf Seite 8.

Vom Mut einer Mutter. Für Isabelle Neulinger wurde das gelobte Land zur Falle. Mit ihrem Sohn wagte sie eine abenteuerliche Flucht. Seite 45

Religion & Kirchen

Die alternde Gesellschaft wird in Büchern, auf Theaterbühnen und auf der Kinoleinwand vermehrt thematisiert. Ausgelöst durch die jüngsten Streifen Rosie, Amour, Von heute auf morgen und Vergiss mein nicht reflektiert Judith Albisser über die Themen Alter, Demenz, Zerbrechlichkeit und Sterblichkeit im zeitgenössischen Kino. Seite 42.

Christen in der Moderne

22 »Gegen die sanfte Verblö-

dung«. Gespräch über Aufgaben, vor denen Christinnen und Christen heute stehen – und über »die Kraft, die Hoffnung gibt«

Publik-Forum-Redaktor Thomas Seiterich interviewt den Theologen Juan Carrillo Martinez zur Frage, wie genau das Herz von Franziskus für die Armen schlägt. Wie viele Bürgerliche zeigt auch der neue Papst Mitgefühl für die Armen. Doch gleichzeitig ist er wenig offen für strukturelle soziale Veränderungen, wie sie beispielsweise die Befreiungstheologie seit 40 Jahren fordert. Worin unterscheiden sich Befreiungstheologie und Sozialpastoral? Mehr darüber auf Seite 6.

Kirche von unten

28 Die Ware Mensch.

Eine Initiative gegen Zwangsprostitution Islamverbände in Deutschland

Mit diesem Editorial verabschiede ich mich als Mitglied der aufbruch-Redaktion und danke sowohl dem Redaktionsteam als auch dem Vorstand und der Leserschaft für das Wohlwollen und den offenen Geist. Die Echos von Leserinnen und Lesern haben mich gefreut. Eines beschäftigt mich aber heute noch. Ein Leser hat das Abo gekündigt, weil der aufbruch zu wenig über Aufbrüche in den Kirchen schreibe. Man kann eben als Journalist – im Unterschied zum Romanautor – nur über Dinge schreiben, die es auch tatsächlich gibt. Nun, die Hoffnung stirbt zuletzt. Als Autor bleibe ich dem aufbruch gerne verbunden, wenn ich nun die Leitung der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft übernehme und mich dort mit sozialen Themen befassen werde. Adieu!

29 Es gibt zwei verschiedene.

Beide sind nötig, sagt Hamed Abdel-Samad Ägypten

30 Unter Muslimbrüdern

sehr allein. Christen im Schura-Rat Leib-und Seele-Gespräch

nicht witzig«. Der heutige Popstar Tim Bendzko hat nach der Matur zunächst Theologie studiert

Eine anregende Lektüre wünscht Ihnen

FOTO: ZVG

32 »Meine Eltern fanden das

Journal Emil Steinberger

38 E wie Emil. Der achtzig-

LUKAS NIEDERBERGER Redaktor

jährige Kabarettist über Komik in den Medien, die Rolle der Kirche und sein Alter Nr. 198 • 2013

3 aufbruch


Papst und Befreiungstheologie

Sein Herz schlägt für die Armen Was unterscheidet die Befreiungstheologie von der Sozialpastoral des Papstes? Fragen an den argentinischen Theologen Juan Carrillo Martinez

Von Thomas Seiterich aufbruch: Wie denken die Befreiungstheologen in Argentinien über Jorge Mario Bergoglio, den neuen Papst Franziskus? Juan Carrillo Martinez: Es gibt derzeit keine aktuelle, veröffentlichte Position vonseiten der argentinischen Befreiungstheologen zum neuen Papst. Klar ist jedoch: Es gab und gibt grosse Unterschiede zwischen der Sozialpastoral, die Jorge Mario Bergoglio als Kardinal-Erzbischof von Buenos Aires mit grossem Einsatz gelebt hat, und dem unspektakulären Engagement der Curas en la Opción por los Pobres (COP), der Priester mit der Option für die Armen.

Wer sind diese Priester, die eine Option für die Armen vertreten? Juan Carrillo Martinez: Argentiniens Befreiungstheologen verfügen nicht über grosse Namen wie zum Beispiel Leonardo und Clodovis Boff in Brasilien oder Gustavo Gutiérrez in Peru. Argentiniens Befreiungstheologen spielen an theologischen oder gesellschaftswissenschaftlichen Fakultäten keine besondere Rolle. Sie sind einfache Priester im Alter ab 35 Jahren und in der Regel Arbeiterpriester. Sie gehen Tag für Tag den Weg der Ausgebeuteten, deren Leben sie teilen. Darin liegt ihre grosse Stärke und ihre Authentizität. aufbruch

6 Nr. 198 • 2013

Wo arbeiten sie genau? Juan Carrillo Martinez: Sie arbeiten zum Beispiel in den grossindustriellen AgrarExport-Zonen Nordargentiniens, wo in Monokulturen Soja, Energieträger und Futtermittel für die norddeutsche Fleischproduktion oder den europäischen Biosprit produziert werden. In diesen Regionen ist der Leistungsdruck für die Arbeiter so stark, dass sich Leute schon zu Tode geschuftet haben. Andere Arbeiterpriester der COP leben zusammen mit den Müllsammlern in den Städten. Viele teilen das triste Leben von Armen auf dem Land. Diese Befreiungstheologen liefern mithin keine grossen gesellschafts- oder theologiekritischen Entwürfe. Ihr Sprecher, der 58-jährige Pfarrer Eduardo de la Serna, ein Cousin von Ernesto Che Guevara, schreibt zuweilen im linken, von der linksperonistischen Regierung Cristina Kirchners finanziell abhängigen Magazin Pagina12. Einer der Hauptautoren dort ist übrigens der Journalist Horacio Verbitzky, der die anklagenden Artikel gegen Bergoglio bereits vor dem Konklave 2005 verfasste. Er hat anlässlich der Papstwahl nun seine damaligen Vorwürfe in Bezug auf Bergoglios Verhalten als JesuitenProvinzial während des »Schmutzigen Krieges« von 1976 bis 1978 in Teilen neu formuliert.

Liegen die Befreiungstheologen alle auf einer Linie? Juan Carrillo Martinez: In den 1970er- und 1980erJahren verkannten und verachteten die Befreiungstheologen die traditionelle Volksfrömmigkeit in Argentinien. Das ist kein Wunder, denn diese an Schutzheiligen und an der Muttergottes orientierte, gefühlige Frömmigkeit – wie sie bis heute auch in benachteiligten Gebieten Südeuropas zu finden ist – bildete eine Menge vom Leiden, von der verinnerlichten Unterdrückung, von der Alltagserfahrung und den Sehnsüchten der einfachen Leute ab. Argentinische Theologen wie etwa der 82-jährige Befreiungsphilosoph und Jesuit Juan Carlos Scannone halfen durch eine neue, aufgeklärte Betrachtungsweise und kontextuelle Lesart der traditionellen Volksfrömmigkeit den Befreiungstheologen aus ihrer ursprünglichen schematischen und etwas hölzernen Vorstellung von Befreiung heraus. Was unterscheidet nun den sozialpolitischen Ansatz von Bergoglio von dem der Befreiungstheologen? Juan Carrillo Martinez: Franziskus ist 76 Jahre alt. Dieser Mann hat demzufolge viele Wandlungen und Entwicklungen in seinem Leben hinter sich – weitaus mehr Veränderungen als viele der Befreiungstheologen in Argentinien. Zweitens: Als


Papst und Befreiungstheologie Schweiz

Die Befreiungstheologen legen grossen Wert darauf, auf Augenhöhe mit den Armen umzugehen. Ist das bei Bergoglio auch so? Juan Carrillo Martinez: Die Haltung des Papstes ist eher sozialfürsorglich. Er hat durchaus

Juan Carrillo Martinez ist Theologe und Psychiater in Buenos Aires. Der 50-Jährige leitet eine Klinik für psychisch Kranke und Behinderte. Drei Jahre war Jorge Maria Bergoglio im Collegio Maximo de San José sein spiritueller Ausbilder und Beichtvater im Noviziat der Jesuiten. 1986 verliess Carrillo Martinez den Orden.

patriarchal-väterliche Züge. Bergoglio hegt keinerlei Skrupel, seine kirchliche und politische Macht zugunsten der Armen einzusetzen. Dieser Einsatz hat zur stillen Voraussetzung, dass man selbst in den Sphären dieser Macht verkehrt – was die Arbeiterpriester auf ihre anarchistische und radikal-christliche Weise seit jeher ablehnen.

Die Pfarrei Bruder Klaus ist eine mittelgrosse Stadtpfarrei in einem familienfreundlichen Quartier der Stadt Zürich mit vielfältigen sozialen und kulturellen Angeboten. Auf den 1. August 2013 oder nach Vereinbarung suchen wir

Wie hat der heutige Papst seine Haltung in seiner Zeit in Buenos Aires gelebt? Juan Carrillo Martinez: Bergoglio hat als Erzbischof in Buenos Aires eine überlegte Machtpolitik betrieben. Er verschob die Gewichte, indem er 22 jüngere Geistliche in die Vilas, in die Elendsviertel, schickte. Dort hat er sie dann häufig besucht. Er zog seine besten Kräfte aus den gutbürgerlichen und mit vielen Spenden gesegneten Pfarreien ab. Zu deren Pfarrern unterhielt Erzbischof Bergoglio lediglich das, was man korrekte Beziehungen nennt. Konservative Priester, die unehelich geborene Kinder nicht taufen wollten, hat er scharf kritisiert. Sein Herz schlug für die Pastoral unter den Armen, sie ist unter ihm erstarkt und immer selbstbewusster geworden. Die Curas Villeros, die Armenpfarrer, sind politisch reflektierte Anwälte ihrer Leute. Anders als die anarchistischen Befreiungstheologen älterer Tradition nutzen sie ihre Drähte zur kirchlichen Hierarchie, um den Leuten in ihren bedrängten Gemeinden zu helfen. Hat Bergoglio einen unmittelbaren, persönlichen Draht zu den Menschen? Juan Carrillo Martinez: Ja, er hat einen echten Draht zu den Leuten. Ich habe dies in meinen Jahren mit ihm immer wieder erlebt. Seine grösste Stärke liegt in seiner Zugewandtheit, in der Begegnung mit dem anderen. Er ist sehr präsent im persönlichen Kontakt und vermag es wie kaum einer sonst, sein Gegenüber anzuschauen. Viele Priester können dies nicht. Bergoglio wird auch nicht müde, von Begegnungen mit anderen Menschen zu erzählen – seien sie Machthaber oder Müllsammler, mit denen er auf dem Boden ihrer Hütte sitzt und Mate-Tee trinkt. Aus diesen Begegnungen und aus seiner inneren Begegnung mit Gott zieht Franziskus seine Kraft. Das ist eine persönliche Stärke, die viel mit der speziellen Spiritualität der Jesuiten zu tun hat. Kardinal Bergoglio konnte bei seinen Besuchen in den durchnummerierten Armenvierteln von Buenos Aires stundenlang zuhören. Und er hat, wo immer möglich, energisch Selbsthilfeprojekte der Armen gefördert. „

einen Pastoralassistenten/ eine Pastoralassistentin (60–100 %) Wir wünschen uns eine/n Mitarbeiter/in für folgende Aufgaben: • Predigtdienst, Gestaltung von Wort-Gottes-Feiern und Abdankungen • Allgemeine Seelsorgeaufgaben • Organisation und Durchführung des Firmweges • Religionsunterricht 5./6. Klasse • Mitarbeit bei Pfarreianlässen. Wir erwarten: • Eine gewinnende und belastbare Persönlichkeit • Eine Person mit lebendigem Glauben und einer konstruktiven Einstellung zur katholischen Kirche • Abgeschlossene theologische Ausbildung und eine weltoffene Spiritualität • Team- und Integrationsfähigkeit • Aufgeschlossenheit, Kontaktfreudigkeit und Initiative. Sie finden bei uns: • Ein aufgeschlossenes Seelsorgeteam • Eine abwechslungsreiche Tätigkeit und Raum für eigene Ideen • Einen modernen Arbeitsplatz mit entsprechender Infrastruktur • Anstellung und Besoldung nach den Richtlinien der röm.-kath. Kirche im Kanton Zürich • Bei Bedarf kann eine schöne Wohnung zur Verfügung gestellt werden. Weitere Auskünfte erteilt Ihnen gerne Pfarrer Martin Burkart, Milchbuckstrasse 73, 8057 Zürich. Tel. 043 244 74 44

INSERAT

Jesuit ist Bergoglio ab 1958, also seit seinem 22. Lebensjahr, dafür ausgebildet worden, eine herausragende Rolle in der damals noch fast geschlossenen katholischen Gesellschaft Argentiniens zu spielen. Dies unterscheidet ihn und seine Karriere vom Weg der Arbeiterpriester, die sozusagen von unten kommen. Drittens: Er wird als junger Student zu Beginn der 1960er-Jahre Peronist. Juan Domingo Peron (1895–1974), der von den einen umjubelte und von den anderen, insbesondere den hohen Militärs, gehasste Caudillo-Führer und ins Exil nach Franco-Spanien geflüchtete Staatspräsident, war der erste Politiker in der Geschichte der Nation, der sich um das Schicksal der Armen kümmerte. Am 16. Juni 1955 exkommunizierte ihn Papst Pius XII. – am selben Nachmittag unternahmen Marineoffiziere einen Putsch gegen Peron, der blutig niedergeschlagen wurde. Doch drei Monate später, im September 1955, jagten ihn die Militärs dann aus dem Amt. Gegen den erbitterten Widerstand der Hierarchie der vorkonziliaren Kirche erreichte Peron, dass die vielen unehelichen Kinder den ehelich Geborenen rechtlich gleichgestellt wurden. Er sorgte für die erste nationale Krankenversicherung, für eine Rentenversicherung und setzte mit seiner Frau Evita 1951 das Frauenwahlrecht durch. Arbeiter erhielten erstmals gesetzlich garantierte Ferien. Ein düsteres Kapitel seines Wirkens besteht darin, dass Peron seine Gegner mit Gewalt und Mord verfolgte und den faschistischen Träumen einer Volksgemeinschaft nachhing. Dem jungen Bergoglio erschien Perons Sozialpolitik damals wie eine Verwirklichung der katholischen Soziallehre. Er knüpfte Verbindungen zu den Regierenden – und die tragen teils bis heute.

Ihre Bewerbung mit den üblichen Unterlagen richten Sie bitte bis 30. Juni an die Personalverantwortliche der Kirchenpflege: Frau Fabienne Kuhn, Wehntaler Str. 71, 8057 Zürich

Nr. 198 • 2013

7 aufbruch


Aufbruch 198: Götzen, Geld und Gerechtigkeit