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FELIX M AYER hat in München, Paris, Pisa und Düsseldorf Komparatistik und Literaturübersetzen studiert und übersetzt Literatur und Sachbücher aus dem Französischen, Englischen und Italienischen. BET TINA SUND studierte Translatologie und Politikwissenschaft in Leipzig, Paris und Lissabon. Sie lebt in Berlin und arbeitet als Übersetzerin in den Bereichen Wissenschaft, Kunst und Politik. VOLKER ZIM MERM ANN studierte Geschichte und Literaturwissenschaften in Erfurt und am Dartmouth College. Er lebt in Paris und übersetzt Literatur und Graphic Novels aus dem Französischen und Englischen.

dieser Mann, der scheinbar aus dem Nichts kam? Was prägte ihn? Wer sind die Menschen an seiner Seite? Welche Rolle wird er für Deutschland und Europa spielen? Anne Fuldas einfühlsam erzählte Biographie zeigt den Menschen Macron in all seinen Facetten und Widersprüchen. Sie vermittelt eindrücklich, mit wem wir es in den nächsten fünf Jahren zu tun haben. »Geschickt erkundet die französische Autorin Anne Fulda die komplexe Persönlichkeit Macrons. Sie zeichnet den Werdegang eines Hochbegabten aus

DIE BIOGRAPHIE

aber auch als sehr charmant und willensstark. Wer ist

EMMANUEL MACRON

NICOL A DENIS wurde mit einer Arbeit zur Übersetzungsgeschichte promoviert. Sie übersetzte u. a. Werke von Alexandre Dumas, Honoré de Balzac, Olivia Rosenthal und Éric Vuillard.

Frankreichs jüngster Präsident gilt als unnahbar,

ANNE FULDA

Foto © Bruno Klein

ANNE FULDA ist seit vielen Jahren Politik-Journalistin beim Figaro. Sie hat bereits mehrere Bücher veröffentlicht, u. a. einen Porträtband über den ehemaligen Finanzminister Frankreichs (François Baroin, Le faux discret, 2012).

WER IST DER NEUE MANN AN DER SPITZE DER GRANDE NATION?

»Er hat sich dem System angepasst, das ihn hervorgebracht hat, um sich umso besser von ihm abheben zu können und schließlich sogar als Anti-System-Kandidat aufzutreten.« Aus der Einleitung

ANNE FULDA

EMMANUEL

MACRON

Amiens nach, der stets ältere Ziehväter gesucht,

DIE BIOGRAPHIE

gefunden und sich von ihnen emanzipiert hat.«

Mit einem Vorwort von Elisabeth Raether

Frankfurter Allgemeine Zeitung

ISBN 978-3-351-03698-0 18,50 [A] ÖSTERREICH

18,00 [D]

Auch als E-Book erhältlich www.aufbau-verlag.de

Anne Fulda zeichnet das Porträt eines charismatischen, ehrgeizigen Mannes, der es ohne den Rückhalt einer Partei ganz nach oben geschafft hat und von dem niemand so recht weiß, wofür er politisch steht. Der ehemalige Wirtschaftsminister und frühere Investmentbanker verfügt über ein exzellentes Netzwerk, mit dessen entscheidenden Protagonisten Anne Fulda gesprochen hat: Von den Eltern in Amiens, einer Provinzstadt im Norden Frankreichs, über die Wegbegleiter aus der Eliteschule in Paris bis hin zu David de Rothschild oder François Hollande im Elysée-Palast. Ihre wichtigste Zeugin aber ist Brigitte – Macrons frühere Lehrerin, über 20 Jahre älter und die Liebe seines Lebens. Diese plastisch erzählte Biographie kommt dem Mysterium Macron so nahe wie keine andere.

Umschlaggestaltung zero-media.net, München, unter Verwendung eines Motives von Imago, Berlin

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ANNE FULDA

EMMANUEL

MACRON DIE BIOGRAPHIE Aus dem Franzรถsischen von Nicola Denis, Felix Mayer, Bettina Sund und Volker Zimmermann

Mit einem Vorwort von Elisabeth Raether

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Die Originalausgabe ist unter dem Titel Emmanuel Macron, un jeune homme si parfait im April 2017 bei Éditions Plon, Paris, erschienen. Die Beleglogik der Zitate folgt der Originalausgabe.

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MIX Papier aus verantwortungsvollen Quellen

www.fsc.org

FSC® C083411

ISBN 978-3-351-03698-0 Aufbau ist eine Marke der Aufbau Verlag GmbH & Co. KG 1. Auflage 2017 © Aufbau Verlag GmbH & Co. KG, Berlin 2017 © Éditions Plon, a Dept of EDI8, 2017 Druck und Binden CPI books GmbH, Leck, Germany Printed in Germany www.aufbau-verlag.de

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Inhalt

Vorwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Prolog – Manus Traum . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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»Der Sohn Gottes« . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Manu und Manette: »Du bist mein ein und alles« . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leben und lieben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Brigitte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Macron, der Literat und Philosoph . . . . . . . . . . Verführungskünste . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Förderer und »große Brüder« . . . . . . . . . . . . . . Ein Kind des Systems und seine Väter: Jean-Pierre, Jacques, Alain und David . . . . . Gesellschaft und Promiklatsch . . . . . . . . . . . . . . Ein politisches UFO . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

31 57 67 85 109 119 133 151 183 197

Epilog – Mowgli oder Babar . . . . . . . . . . . . . . . . 211 Anmerkungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 217

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»Ich will Präsident werden. Und ich habe euch verstanden. Ich liebe euch.« Emmanuel Macron auf einem Wahlkampfmeeting in Toulon, 18. Februar 2017

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PROLOG

Manus Traum

»Emmanuel Macron? Er wirkt ein bisschen wie ein Mutant.« Dieser Ausspruch stammt von Michel Houellebecq, der sich in solchen Dingen auskennt. Als er im Januar 2017 zu dem quasi aus dem Nichts aufgestiegenen Präsidentschaftskandidaten befragt wurde, gab sich der Autor der Elementarteilchen ratlos: »Er ist merkwürdig, man weiß nicht, woher er kommt. … Ich habe versucht, ein Interview mit ihm zu führen. Aber, ehrlich gesagt: Es ist unglaublich schwer, Leuten, die so eloquent sind, eine konkrete Aussage, eine Art Wahrheit zu entlocken.«1 Wie so oft liegt Houellebecq richtig. Emmanuel Macron bleibt hinter seinem freundlichen Auftreten, der glatten Fassade eines an den besten Hochschulen der Republik ausgebildeten Technokraten, unergründlich und vielschichtig. Entschlossen, von seinem Inneren nur das preiszugeben, was er will, aber freizügig genug, zu verbreiten, was er für hervorhebenswert hält. Niemand kennt ihn wirklich. Er hat nur wenige Freunde. »Emmanuel braucht zugleich alle und niemanden. Er lässt die Leute kaum an sich heran und hält sie auf Distanz«,2 bestätigt seine Frau. 25

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Der ehemalige Wirtschaftsminister hat sogar mitten im Rampenlicht noch etwas Geheimnisvolles und Verborgenes; wie eine Scheinarchitektur, ein Bauwerk auf beweglichen Fundamenten. Seine persönliche Geschichte, die ruhig ein bisschen geschönt und ausgeschmückt werden darf, steht dabei im Dienste seines unbedingten Willens zum Erfolg. Lautlos hat Macron, der »Mutant«, die Bühne betreten. In den Medien wurde er schrittweise präsenter, posierte mit dem fast kindlichen Technokratengesicht cool in Hemdsärmeln an seinem Schreibtisch im Élysée-Palast. Schon bald wurde in den Vorzimmern der Macht und den Zeitungsredaktionen der Name des früheren Rothschild-Investmentbankers geflüstert. Es war gut, ihn zu kennen. Zum engeren Kreis desjenigen zu zählen, der in den kommenden Jahren eine wichtige Rolle spielen würde. Blitzgescheit, außerdem freundlich und zugänglich, mit philosophischer Vorbildung. Seine Handynummer war Gold wert. Und es galt als schick, wenn man sagen konnte: »Ich habe mit ›Manu‹ telefoniert.« Er war bis spät in die Nacht erreichbar, für die Präsidenten des CAC 40 (Leitindex der vierzig führenden Aktiengesellschaften und Pendant zum deutschen DAX ) wie für die Journalisten. Auch für die Abgeordneten und Politiker, die nicht gleich begriffen, mit wem sie es zu tun hatten. Und die es zum Großteil noch immer nicht begriffen haben. 26

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Bei François Hollande hat Macron sich verhalten wie bei allen anderen, die seine unbestrittene Begabung erkannt und ihm in den letzten Jahren geholfen haben, ganz nach oben zu kommen: Er hat ihn, genau wie Anne Baxter ihre ältere Kollegin Bette Davis in Alles über Eve, eingehend beobachtet. Er hat sich unverzichtbar gemacht, ist in vielerlei Hinsicht unschlagbar geworden. Er hat sich dem System angepasst, das ihn hervorgebracht hat, um sich umso besser von ihm abheben zu können und schließlich sogar als Anti-System-Kandidat aufzutreten. Ein Kandidat, der Frankreich mit der gleichen Empathie begegnet, die er bei seinen diversen Ziehvätern unter Beweis gestellt hatte: ein richtiger Schwamm, sagen die, die ihn mögen. »Jemand, der die Leute aussaugt wie ein Blutegel«, beschreibt ihn unsanft ein ehemaliger »Mitschüler« von der französischen Elitehochschule für Staatsbeamte ENA (École nationale d’administration), »ein affektloses Wesen«, das wie François Hollande hinter einer freundlichen Fassade ein stählernes Gehäuse verbirgt. Auch Macrons Verhältnis zur Zeit ist erstaunlich. Er wirkt nie unvorbereitet oder gehetzt, scheint immer im Hier und Jetzt zu sein. Eine Zugewandtheit, die seine Anziehungskraft steigert. »Er hat mehrere Leben, kann sich sehr gut in der linearen Zeit bewegen und alles, was er macht, genau vorausplanen«, erläutert der ehemalige französische Finanzminister 27

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Thierry Breton anerkennend. Ein bisschen wie ein großes Kind, das folgendes Zitat von Oscar Wilde zu beherzigen scheint: »Nicht die Jahre in unserem Leben zählen, sondern das Leben in unseren Jahren.« Für Emmanuel Macron schien schon früh ein außergewöhnliches Schicksal vorgezeichnet. Der heimliche Traum einer großen Bestimmung. Er hat zwar seinen Eltern nicht geschworen, Präsident oder Papst zu werden, aber rasch die innere Gewissheit gespürt, sich aus der Menge abzuheben. Von der strengen Liebe seiner Großmutter gestärkt, deren Wohlwollen ihn, wie später die Unterstützung Brigittes, unbesiegbar machte, konnte der junge Mann mit den Siebenmeilenstiefeln seinen Ehrgeiz nach und nach entfalten und auf die üblichen Hahnenkämpfe verzichten, die von jeher die französische Politik prägen. Dabei zog er eine unterschwellige Parallele zwischen der Eroberung einer verheirateten Frau, Mutter dreier Kinder und vierundzwanzig Jahre älter als er, und der Eroberung Frankreichs. Wenn er mutig und entschlossen genug gewesen war, diese Liebe durchzusetzen, warum sollte er dann nicht ein weiteres Mal die Konventionen brechen und auch Frankreich gewinnen können? Diejenigen, die ihn kennen oder zu kennen glauben, spürten schon früh seine unbedingte Entschlossenheit, ein fast unmerkliches Überlegenheitsgefühl, ein unerschütterliches Vertrauen in seine Bestim28

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mung: Ausdruck einer tiefen und gut kaschierten Egozentrik. Von Kindheit an war Macron stets der Auserwählte, wurde systematisch als der Beste ausgesucht, bezeichnet und anerkannt. Meist fand er in den Augen der anderen Bewunderung, Ermutigung und Wohlwollen. »Er ist eine Mischung aus Kennedy und Gérard Philipe«, äußert sich ein Banker, der mit Macron zusammengearbeitet hat. »You look like Napoleon!«, ruft spontan eine junge Frau, die dem Kandidaten von En Marche! am Sonntag, dem 5. Februar 2017, in der Bibliothek des Centre Pompidou begegnet.* Emmanuel Macron lächelt und protestiert nicht. Möglicherweise teilt er die Überzeugung des Helden der Schlacht an der Brücke von Arcole: »Geniale Männer sind Meteore, die zum Brennen bestimmt sind, um ihr Jahrhundert zu erleuchten.«

* Emmanuel Macron besuchte das Museum anlässlich des vierzigjährigen Bestehens und beschloss seinen Rundgang durch die Retrospektive des amerikanischen Malers Cy Twombly mit einem Besuch der Bibliothek im Centre Pompidou.

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Leseprobe: Anne Fulda - Emmanuel Macron  
Leseprobe: Anne Fulda - Emmanuel Macron  

Der neue Mann an der Spitze der Grande Nation Frankreichs jüngster Präsident gilt als unnahbar, aber auch als sehr charmant und willensstar...