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Unter Mitarbeit von Hildegard Kalbermatten, die einen wesentlichen Beitrag zur Erarbeitung und Beschreibung der Pflanzenwesen leistete.

7. Auflage, 2011 Š 2002 AT Verlag, Aarau, Schweiz Fotos: Roger Kalbermatten, Ceres Heilmittel AG, Kesswil Lithos: AZ Grafische Betriebe AG, Aarau Druck und Bindearbeiten: Appl, Wemding Printed in Germany ISBN 978-3-85502-744-6 www.at-verlag.ch


Inhaltsverzeichnis 7 8 8 9

Grundlagen der Pflanzenheilkunde Die Bedeutung der Heilpflanzen Phytotherapie – die älteste Heilkunst Die neue Dimension der Heilpflanzentherapie

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Die Dosierung der Heilpflanzen Die Umkehr der Wirkung – ein biologisches Grundgesetz Die vier Phasen der Arzneiwirkung Das Grundprinzip der Homöopathie Die Dosierung eines Heilpflanzenpräparats

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Die drei Wirkprinzipien Wirkstoffe Information Wesen und Lebensenergie Der Einfluss der Wirkprinzipien auf die Dosierung

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Die Herstellung von pflanzlichen Arzneimitteln Lösen und Verdichten der Wirkstoffe Der Rhythmus bei der Herstellung Das Ceres-Verfahren

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Wesen und Signatur Wesen Signatur Die Wesenserkenntnis der Pflanzen

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Anwendung und Wirkungsweise von wesenhaften Urtinkturen

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Pflanzenbeschreibungen Artischocke Baldrian Bärlauch Birke Brennnessel Efeu Esche Frauenmantel Gänseblümchen Gelber Enzian Ginkgo Goldrute Gundelrebe Hafer

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Hirtentäschel Holunder Hopfen Johanniskraut Kamille Kapuzinerkresse Lavendel Löwenzahn Mariendistel Meisterwurz Melisse Mistel Passionsblume Ringelblume Rosmarin Rosskastanie Ruprechtskraut Salbei Schachtelhalm Schafgarbe Schwarze Johannisbeere Sonnenhut Spitzwegerich Steinklee Stiefmütterchen Tausendgüldenkraut Thymian Weissdorn Wermut Wilde Möhre Wolfstrapp

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Indikationsverzeichnis Verzeichnis der lateinischen Namen


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Pflanzenbeschreibungen

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Artischocke Botanischer Name: Cynara scolymus Name der Urtinktur: Cynara scolymus 0/ Für die Urtinktur verwendeter Pflanzenteil: frische Blätter und Blüten

Die Artischockenpflanze – eine mediterrane Kulturpflanze.

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Wesen der Pflanze Fülle, Masslosigkeit, Ausschweifung - Selbstbeschränkung Das Wesen der Artischocke äussert sich in völlig gegensätzlichen Tendenzen. Einerseits bringt die Pflanze Üppigkeit und Fülle hervor, andererseits enthält sie ein Prinzip, das dieser Üppigkeit entgegenwirkt. In der Artischocke kommt das Gleichgewicht zwischen Ausschweifung und Selbstbeschränkung zum Ausdruck. Das Wesen dieser Pflanze unterstützt den Menschen im Bestreben, einen Ausgleich zwischen Masslosigkeit und Verzicht zu finden. In der Annäherung an dieses Gleichgewicht können die Gedanken etwas von ihrer Schwere und Erdgerichtetheit verlieren und auf Höheres gelenkt werden. Signatur Die Artischockenpflanze entwickelt eine massige Gestalt. Ihre Blätter sind weit ausladend, doppelt fiederschnittig geteilt und mit deutlichen Abständen zwischen den einzelnen Abschnitten. Der üppig vergrösserte Blütenkorb wird ausserordentlich schwer, und die zahlreichen Hüllblätter verschaffen ihm einen festen äusserlichen Halt. Sie sind innen fleischig und dienen – kurz vor der Blüte geerntet – als wertvolles Gemüse. Die Pflanze geht in jeder Hinsicht extrem in die Fülle und strotzt vor Saftigkeit. Das Blatt ist wässrig und von geringer Festigkeit. Ein Blattstück kann mühelos zwischen den Fingern zerrieben werden, es besitzt keine innere Struktur, die sich der Auflösung widersetzen könnte. Wenn man die Blätter bei der Ernte oder Verarbeitung kräftig anfasst, überziehen sich die Hände mit einer wachsartigen, zusammenziehenden Substanz. Es handelt sich dabei um die bitter schmeckenden Sesquiterpenlactone, die an der Oberfläche der Blattoberseite von Drüsenhaaren gebildet werden. Bei Regen können die Bitterstoffe leicht abgewaschen werden, da sie nur an der Blattaussenseite lokalisiert sind. Diese Stoffe wirken zusammenziehend und stehen somit in der Polarität zur auffälligen Üppigkeit der Pflanze. Die wachsartigen Bitterstoffe scheinen die Pflanze wie eine Schale von aussen zu umgeben und zu strukturieren. Die Artischocke bringt überschiessende Lebenskräfte zum Ausdruck, die von aussen gedämpft und strukturiert werden. Dieses begrenzende Prinzip, das von aussen auf das Wässrige im Innern der Pflanze wirkt, kommt in den Blüten besonders stark zum Ausdruck. Masslosigkeit erkennen wir in der sehr grossen und schweren Artischockenblüte, die aber durch den Mantel der zähen Hüllblätter begrenzt wird. Im Knospenstadium ist die Artischocke von den Hüllblättern vollständig umschlossen, und im Blütestadium bildet der Mantel nur eine geringe Öffnung als Raum für die feinen violetten Blütenhaare. Von allen Pflanzen, die in diesem Buch beschrieben sind, muss die wesenhafte Urtinktur der Artischocke am höchsten dosiert werden. Das Wesen der Pflanze, das eine strukturierende und formbildende Kraft hat, ist bei der Artischocke nicht bis ins Innere vorgedrungen. Es festigt und begrenzt den Körper vor allem von aussen, wie es im Tierreich z. B. bei einer Schnecke der Fall ist. In diesem Sinne ist die Artischocke die Schnecke unter den Pflanzen. Da sich das Wesen der Artischocke nicht so sehr mit der Materie verbunden hat, ist sein Beitrag als Wirkprinzip geringer als bei anderen Pflanzen.


Andrerseits macht dieses eher schwach durchdringende Wesen die Artischocke gerade zu einem idealen Heilmittel bei Arteriosklerose. Bei dieser Krankheit erkennen wir ein Schwinden jugendlicher Lebenskräfte, worauf die strukturierenden Wesenskräfte des Menschen bis ins Innerste, bis in die Gefässe kristallisierend und verhärtend wirken. Man kann die Zubereitungen aus Artischockenblättern – regelmässig eingenommen – zu den besten Mitteln zur Vorbeugung gegen Arteriosklerose und zur Verzögerung von Alterungsprozessen bezeichnen. Anwendungsgebiete Bei Störungen des Fettstoffwechsels, zur Arterioskleroseprophylaxe, bei Appetitlosigkeit und Verdauungsbeschwerden.

Die Hüllblätter begrenzen die Üppigkeit der Artischockenblüte von aussen.

Dosierung der wesenhaften Artischockenblätter-Urtinktur 2–3 x täglich 7–12 Tropfen vor oder nach den Mahlzeiten in etwas Wasser oder unverdünnt einnehmen.

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Baldrian Wesen der Pflanze Ableitung von Spannungen, Erdung Der eine Pol des Baldrianwesens, dem die oberirdischen Teile entsprechen, will der Erde entfliehen, der andere Pol, das unterirdische Wurzelsystem, das ungewöhnlich stark ausgebildet ist, ist fest im Boden verankert und geerdet. Baldrian entspricht dem Menschentyp, der Gefahr läuft, den Boden unter den Füssen zu verlieren und zu schweben, der eine übersteigerte Gedankenaktivität mit Neigung zur Gedankenflucht und eine Überempfindlichkeit der Sinne entfaltet. Solche Menschen haben oft etwas Durchsichtiges, Ätherisches. Durch die Erdung stellt der Baldrian wieder das Gleichgewicht zwischen der Denkund Sinnesaktivität und der Stoffwechselaktivität her. Signatur Die Blüten des Baldrians entwickeln einen betörenden Duft. In einem blühenden Baldrianfeld mit seiner Spannungsgeladenheit durch Duft, Farbe und Form ist es kaum längere Zeit auszuhalten. Der Blütenstand ist eine Trugdolde, das heisst, er ist äusserlich ähnlich wie der Blütenstand von Doldengewächsen, obwohl er nicht so geordnet strukturiert ist wie dieser. Die Blütenfarbe ist weiss bis rosa und wirkt durchsichtig und leicht phosphoreszierend. Nachdem der Baldrian verblüht ist, entstehen zur Fruchtzeit aus dem Kelch fedrig behaarte Borsten, die mit ihren filigranen, grauen Mustern das Bild der Pflanze prägen. Die Blätter sind gefiedert und haben tief schräg eingesägte Teilblätter. Das ganze Blatt vermittelt einen spannungsgeladenen, zerrissenen Eindruck wie von einem hochfrequenten, unregelmässigen Schwingungsmuster. Obwohl die Pflanze dekorativ ist, stellt sie wohl kaum jemand in einer Vase ins Wohnzimmer; dies nicht nur wegen des Dufts. Beim Pflücken knickt meistens der Stengel ab. Eigenartig, denn an seinem Standort ist der Baldrian recht standhaft. Aber offensichtlich verliert er seine Stabilität, wenn er abgeschnitten ist. Bei der Wurzel verändert sich der Charakter der Pflanze tief greifend. An einem daumendicken Rhizom hängen unzählige lange, dünne Wurzeln. Ausgegraben und gewaschen sieht die Wurzel wie ein langer, weisslicher Bart mit beinahe geraden Haaren aus. Die Wurzel beeindruckt durch ihre Fülle und ihren einfachen, parallelen Aufbau; Wurzel schmiegt sich an Wurzel. Der gesamte Wurzelstock ist – obwohl aus einer Vielzahl von Einzelwurzeln bestehend – ruhig und harmonisch. Man kann sich leicht vorstellen, wie fest der Baldrian mit seinen vielen Einzelwurzeln im Boden verankert ist und wie er diejenigen Energien zu erden und abzuleiten vermag, die in der Feingliedrigkeit und Spannungsgeladenheit der oberirdischen Pflanzenteile zum Ausdruck kommen. Am Geruch der Baldrianwurzeln, der noch intensiver als der Blütenduft, doch von ganz anderem Charakter ist, scheiden sich die Geister: Viele mögen ihn nicht leiden, doch dies ändert nichts daran, dass er meistens sehr tragend und beruhigend wirkt. Eine Abhandlung über Baldrian wäre unvollständig, erwähnte man die grosse Vorliebe der Katzen für diese Pflanze nicht. Eine Baldrianpflanze, ins Freie gestellt, wird zum rege besuchten Anziehungspunkt für alle Katzen des Quartiers. Sie suhlen sich darin, versuchen ihn mit dem Kopf zu durchdringen, legen sich mit dem Rücken darauf und fressen davon (obwohl sie ansonsten alles Vegetarische verabscheuen). Katzen suchen bekannterweise im Gegensatz zu Hunden gerade diejenigen Orte auf, die durch Stör-

Botanischer Name: Valeriana officinalis Name der Urtinktur: Valeriana 0/ Für die Urtinktur verwendeter Pflanzenteil: getrocknete Wurzel

Die blassrosa Blüten verleihen dem Baldrian etwas Ätherisches. Verblühter Baldrian mit seinen «Kelchfedern» scheint bereit zum Abheben.

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felder belastet und für den Menschen nicht zuträglich sind. Wir können ebenfalls feststellen, dass Katzen sich gerne zu Kranken ins Bett legen. Offensichtlich haben diese geschätzten Haustiere eine wichtige Funktion für den Menschen. Sie können Energien, die für den Menschen krank machend sind, assimilieren und ableiten. So haben wir eine energetische Symbiose zwischen Mensch und Katze, indem beide voneinander profitieren. Diese Beobachtungen bestätigen die bisherigen Erkenntnisse, dass Baldrianwurzeln einen energetisch ableitenden und abbauenden Charakter haben. Sie ziehen ein Übermass an Energie, die für die Sinnes- und Gedankentätigkeit benötigt wird, ab und bewirken so eine Besänftigung der nicht aufzuhaltenden, zehrenden Nerventätigkeit. Anwendungsgebiete Zubereitungen aus Baldrianwurzeln werden bei Unruhezuständen, nervös bedingten Einschlafstörungen, bei Unruhe und Gedankenflucht, Überempfindlichkeit aller Sinne, Muskel- und Nervenschmerzen sowie bei Neigung zu Ohnmachtszuständen angewandt. Dosierung der wesenhaften Baldrian-Urtinktur 1–3 x täglich 2–5 Tropfen oder 1 x täglich vor dem Schlafengehen 3–7 Tropfen in etwas Wasser oder unverdünnt einnehmen. Bei Baldrian gibt es sehr grosse Unterschiede in der individuellen Dosierung, und Umkehrwirkungen sind häufig. Viele Menschen werden schon bei tiefer Dosis aktiviert und unruhig, was grundsätzlich ein Zeichen richtiger Arzneimittelwahl, aber zu hoher Dosierung ist. In solchen Fällen z. B. folgende Dosierung wählen: 1–2 Tropfen Urtinktur in ein Glas Wasser geben, davon nur 1 Schluck trinken und den Rest fortgiessen.

Eine solche Wurzel ist gut im Boden verankert. Unruhe und Spannung spricht aus den Blättern.

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Bärlauch Wesen der Pflanze Expansionskraft, Macht, Undifferenziertheit Der Bärlauch ist ein äusserst mächtiger, durchdringender Frühlingsbote. Er überwindet die durch Winter und Kälte symbolisierten Stauungs- und Verhärtungstendenzen in Körper und Seele. Wenn der Bärlauch sich mit seinem intensiven Geruch im Frühling in den Wäldern ausbreitet, werden durch seine kraftvolle Gegenwart Siegeskräfte frei. Bärlauch durchdringt die Blutzirkulation mit neuer Energie, regt die Willenskräfte und den Tatendrang an.

Botanischer Name: Allium ursinum Name der Urtinktur: Allium ursinum 0/ Für die Urtinktur verwendeter Pflanzenteil: frisches Kraut vor der Blüte

Signatur Der Bärlauch ist ein einfacher Geselle. Man kann die Pflanze lange betrachten und nach irgendwelchen Besonderheiten in der Signatur suchen, man wird vorerst wohl kaum fündig. Die Pflanze hat einfache, lanzettliche Blätter, etwa 12–20 cm lang und 3–5 cm breit. Von oben betrachtet sind die Blätter sattgrün, von unten hellgrün. Die 4–20 Blüten pro Pflanze sind zu einem doldenartigen Blütenstand zusammengefasst und sehen aus wie helle weisse Sterne mit sechs Zacken. Beeindruckend am Bärlauch ist seine dichte und grossflächige Ausbreitung. Die Massenbestände bedecken im Frühling oft gewaltige Flächen von Laubwaldböden beinahe lückenlos und verbreiten einen intensiv durchdringenden, knoblauchartigen Geruch. Sein Geschmack ist sehr würzig, und die jungen Blätter ergeben eine beliebte Zugabe für Frühlingssalate. Wo der Bärlauch Fuss gefasst hat, bleibt für andere Frühlingspflanzen kaum mehr Raum. Kein anderes Kraut unserer Wälder hat eine dermassen flächendeckende vegetative Ausbreitungskraft, und kein anderer Duft ist dermassen dominierend wie der Bärlauchduft. Der Bärlauch hat also ein Erfolgsrezept. Worin besteht dies? Man könnte biochemische Erklärungen heranziehen wie diejenige, dass er bestimmte Substanzen ausscheidet, die das Wachstum anderer Pflanzen hemmen. Doch solche Antworten betreffen nur die Aussenseite der Dinge und werden dem Wesen nicht gerecht. Immer wieder habe ich beobachtet, wie um Burgen und Ruinen der Bärlauch besonders prächtig gedeit. Schon bevor ich es begründen konnte, spürte ich, dass das Wesen des Bärlauchs und das, was die Burgen einst verkörperten, etwas Gemeinsames haben. Worin mag die grosse Expansionskraft wohl begründet sein? Tauchen wir noch tiefer in die Signatur der Pflanze ein und betrachten wir ganz genau die Stelle nahe am Boden, wo die Blattstiele angewachsen sind. Wir bemerken, dass etwas mit der Pflanzengeometrie nicht ganz stimmt. Was uns als Blattoberseite erscheint, ist in Wirklichkeit die Unterseite. Der Bärlauch hat die Blattseiten verkehrt. Das kommt so: Die jungen Blätter streben steil nach oben. Ab einer gewissen Grösse kommt das schwerer werdende Blatt in eine überhängende Lage und wölbt sich nach hinten, so dass nun die Unterseite zur Aussenseite des Blattgewölbes wird. Im Bärlauch finden wir also eine Umkehr von Verhältnissen, es werden nicht die richtigen Seiten beachtet. Der Bärlauch breitet sich aus, indem seine Blätter in Wirklichkeit rückwärts gerichtet sind. Wir fragten nach dem Erfolgsrezept, nun sind wir in der Lage, darauf eine Antwort zu geben. Beobachten wir Menschen, die zu grosser Macht gelangen, werden wir bei vielen feststellen, dass sie ihr Umfeld selektiv wahrnehmen. Sie schöpfen ihre Energie 39


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aus Vereinfachungen, indem sie gewisse Aspekte der Realität ausblenden. Das Gegenbeispiel dazu ist ein echter Philosoph, der nach der Wahrheit sucht. Sein Weltbild ist differenziert. Doch daraus würde er niemals die Kraft schöpfen können (abgesehen davon, dass er es gar nicht wollte), um zu Macht zu gelangen. Macht im äusserlichen Sinne (es gibt auch geistige Macht, die nichts damit zu tun hat) kann nur derjenige erlangen, der es mit der Wahrheit nicht immer genau nimmt, die Tatsachen (unbewusst oder bewusst) vereinfacht und damit oft umdeutet. Die ganze Energie wird zur Ausbreitung aufgewendet und nicht zur differenzierten Betrachtung der Realität. Es werden wechselnde Bündnisse geschlossen, je nach dem augenblicklichen Nutzen, ohne Rücksicht auf Gerechtigkeit und die Interessen anderer. Dass viele, die im Weg stehen, verdrängt und ungerecht behandelt werden, kümmert den Eroberer wenig, denn seine Expansionskraft und seine Erfolge geben ihm Recht und lassen ihn glauben, dass sie der Lohn für gerechte Taten seien. Obwohl vorwärts schreitend, ist seine Ausrichtung rückwärts gerichtet. An seinem breiten Rücken prallt alles ab. Und so fehlt ihm die Wahrnehmung für die Opfer, die er auf seinem Feldzug überrennt. Trotzdem hat diese Wesensart auch positive Auswirkungen, denn sie ist ein Teilaspekt des praktischen Lebens, ohne den wir nicht auskommen. Die Vereinfachung und selektive Wahrnehmung ist in vielen Situationen angebracht. Wer immer nur eine absolut philosophische, differenzierte Betrachtungsweise anwendet, kommt bei vielen Aufgaben des praktischen Lebens nicht vom Fleck, weil alles ein Dafür und Dawider hat. Deshalb kann uns die Wesensart des Bärlauchs hilfreich sein, ohne dass wir darum befürchten müssen, zum Machtmenschen zu werden. Anwendungsgebiete Der Bärlauch ist ein mächtiger Blutreiniger. Er wird angewandt bei Bluthochdruck und zur Vorbeugung von Arteriosklerose. Er hilft bei gefässbedingtem Kopfschmerz. Bärlauch ist auch ein Nierenheilmittel. Er regt z. B. im Rahmen einer Ausleitungstherapie von Schwermetallbelastungen die Ausscheidung über die Nieren an. Im Weiteren ist seine Wirkung bei chronischen Darmerkrankungen zu erwähnen. Dosierung der wesenhaften Bärlauch-Urtinktur 1–3 x täglich 2–5 Tropfen in etwas Wasser oder unverdünnt einnehmen.

Der Bärlauch ist ein mächtiger Frühlingsbote. Die grosse Ausbreitungskraft des Bärlauchs «dank» seinen rückwärts gewendeten Blättern.

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Birke Botanischer Name: Betula pendula Name der Urtinktur: Betula folium 0/ Für die Urtinktur verwendeter Pflanzenteil: frische Blätter

Der einzige Baum mit weisser Rinde. Blühende Birken werden durchströmt von einem erquickenden Saft.

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Wesen der Pflanze Anmut, Jugendlichkeit und Beweglichkeit, Polarität von Leben und Tod, Jugend und Alter Die Birke unterstützt die Flexibilität in Körper, Seele und Geist und vermittelt das Gefühl von Anmut und Schönheit. Wenn der jugendliche Schwung in den Gedanken und Gefühlen nachlässt, wenn kindliche Fröhlichkeit und Ausgelassenheit als Belästigung empfunden werden und die Freude an der körperlichen Bewegung verloren geht, führt dies zu einer Erstarrung und zu Stauungen der Lebenskräfte. Dann ist die Birke ein reich fliessender Quell neuer Kräfte. Signatur Welches Kind kennt sie nicht, die Birke, den einzigen Baum mit weisser Rinde? Weiss ist die Farbe der Reinheit, der Unberührtheit, des Brautkleids. Es ist die Farbe der Verheissung, denn das weisse Licht kann sich teilen in die fundamentalen Farben des Regenbogens. Weiss ist keine seltene Farbe im Pflanzenreich, es gibt zahlreiche schöne weisse Blüten. Der Begriff blütenweiss gilt als Synonym für höchste Reinheit. In der weissen Blüte begegnet uns ein Bild verheissungsvollen jungen Lebens. Ansonsten finden wir die weisse Farbe vor allem in der unbelebten Natur, wie zum Beispiel im Schnee. Der Anblick einer frisch verschneiten Landschaft berührt uns feierlich. Wir spüren die Reinheit, Frische und Erneuerung, die von der sanften, im Sonnenschein glitzernden Schneedecke ausgehen. Doch es wäre ein voreiliger Schluss, das Wesen der Birke – wegen ihrer weissen Rinde – mit Reinheit zu bezeichnen. Bevor wir die Bedeutung der weissen Birkenrinde deuten können, müssen wir das Wesen der üblicherweise braunen Rinde verstehen. Wenn wir einen Apfel aufschneiden und an der Luft stehen lassen, verfärbt er sich braun; die lebensabbauenden Oxidationsprozesse ergreifen die verletzten Zellen an der Schnittstelle des Apfels. Braun begleitet im Pflanzenreich immer den Abbau. Die Rinde ist braun wie die Erde, der Humus und besteht aus abgebautem Pflanzenmaterial, das nicht mehr von den Lebenssäften durchströmt wird. Die Rinde hat also eine wesenhafte Verwandtschaft mit der Erde. Beide befinden sich auf dem Weg von lebendiger Substanz zu mineralischer Substanz. Heisst dies nun, dass die weisse Birkenrinde noch blütenhaft und nicht erdhaft abgebaut ist? Nein, im Gegenteil. Denn schreitet der Abbauprozess weiter, entsteht als letzte Stufe das Mineral, die reine weisse Asche. In der Birke sehen wir einen Baum, dessen Rinde die vollständige Auflösung des Lebendigen symbolisiert, den Tod. Damit kommen wir zu der anderen Bedeutung von Weiss, wie sie vor allem in östlichen Kulturen erkannt wird, als Farbe der Trauer und des Todes. Jetzt erst haben wir ein vollständiges Bild dieser Farbe, denn in ihr liegt die Polarität des Anfangs und des Endes des Lebenskreises, der Verheissung des Lebens und des Todes. Scheinbar ferne Gegensätze liegen in Wirklichkeit nahe beieinander, denn sie werden durch die immerwährende Bewegung des Lebens zum Kreis geschlossen. Zwischen diesen Polen – beide symbolisiert durch Weiss – spannt sich die Lebenskraft, die uns bewegt. Das Wesen der lebendig kreisenden Bewegung ist es also, was uns in der Birkenrinde symbolhaft begegnet. Leben heisst Bewegung, Veränderung, Flexibilität. Die Birke ist ein äusserst beweglicher Baum. Besonders bei der Hängebirke – welche die arzneilich verwendeten Blät-


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ter liefert – sehen wir eine tänzerische Anmut der Bewegung, wenn der Wind durch ihre Zweige fährt. Die Zweige sind fein und elastisch, deshalb bedient man sich ihrer auch zur Herstellung von Reisbesen und Ruten. Im Frühling sind die Birken reich durchströmt von einem Überfluss an lebenserweckendem Saft, der oft zur Entschlackungskur getrunken wird. (Das zu diesem Zweck erforderliche Anzapfen der Birken sollte nur von Fachleuten vorgenommen werden, um den Baum nicht zu schädigen.) Die Birkenblätter verbreiten einen besonders lieblichen, süsslichen Duft, der unsere Seele mit Verjüngungskräften durchströmt. Anwendungsgebiete Birkenblätterzubereitungen werden vor allem zur Ausleitung (Drainage) über die Nieren angewandt. Dies kann erforderlich sein bei allgemeiner Müdigkeit im Frühling und bei Hautausschlägen. Im Weiteren zur unterstützenden Behandlung rheumatischer Beschwerden, zur Anregung der Nierenfunktion bei bakteriellen und entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege und bei Nierengriess.

Das goldgelbe Blattkleid der Birke im Herbst.

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Dosierung der wesenhaften Birkenblätter-Urtinktur 1–3 x täglich 4–6 Tropfen pur oder in etwas Wasser einnehmen. Bei der Behandlung von bakteriellen oder entzündlichen Erkrankungen der Harnwege soll eine reichliche Menge Flüssigkeit aufgenommen werden.


Brennnessel Wesen der Pflanze Aggression, Wille, Selbstüberwindung, Blutreinigung, Eisen Aggression wird meistens mit einer negativen, zerstörerischen Aktivität in Verbindung gebracht. Doch ist Aggression nicht zwangsläufig mit Negativität gepaart, sondern nur wenn gewisse Schranken überschritten werden. Im ursprünglichen, positiven Sinne verstanden, beseitigt Aggression Hindernisse, damit sich eine neue Aktivität entfalten kann (lat. aggredi = etwas angehen). Sie entfernt das Alte, Verbrauchte, Kraftlose, Überfällige und schafft dadurch Raum für Neues. Aggression und schöpferische Tätigkeit gehören untrennbar zusammen. Für die persönliche Entwicklung und Freiheit ist es wichtig, eine positive, beim eigenen Wesen anpackende Aggression in der Form von Selbstüberwindung und Willen zu entwickeln, um im eigenen Leben die Führung zu übernehmen und sich nicht durch Triebe beherrschen zu lassen. Fehlt der zügelnde Wille, so können behindernde Neigungen und Bindungen nicht losgelassen werden, was zur Ansammlung von seelischen und körperlichen «Schlacken» führt. Auf der Körperebene häufen sich aufgrund einer Fehlernährung (üppig, eiweissreich) Schlacken (stickstoffhaltige Abbauprodukte, Harnsäure) im Blut an, und es kommt dadurch zu einer Einschränkung der Bewegungsfreiheit (rheumatische und gichtartige Beschwerden). Hier hilft die Brennnessel mit ihrer Aggression, indem sie die Möglichkeit schafft, erstarrte Strukturen in Seele und Körper dynamisch aufzubrechen. Aufgrund ihres Eisengehalts besitzt sie eine spezifische Beziehung zum Blut. Es ist die ins Blut getragene Aggression, die den Organismus von den alten, unbrauchbaren Stoffen befreit. Bei keiner anderen Pflanze ist der alte Begriff «Blutreinigung» derart zutreffend wie bei der Brennnessel.

Botanischer Name: Urtica dioica Name der Urtinktur: Urtica dioica 0/ Für die Urtinktur verwendeter Pflanzenteil: frisches blühendes Kraut

Signatur Auf Spaziergängen oder im Garten werden wir gelegentlich von der Brennnessel überrascht und erfahren dabei ihre heftig brennende Wirkung. Eine Pflanze, die brennt, ist eine ungewöhnliche Erscheinung, und die Brennnessel bildet denn auch in dieser Hinsicht eine Ausnahme. Schmerzlich spürbares Hauptmerkmal der Pflanze sind die typischen Brennhaare, deren kugelförmige Spitze bei der leisesten Berührung abbricht. Dabei entsteht eine scharfkantige Kanüle, aus der das Gift in die geritzte Haut fliesst, was zu Brennen, Juckreiz, Quaddelbildung und Rötung führt. Das Gift besteht aus Stoffen, die sonst vor allem im Tierreich vorkommen (Acetylcholin, Serotonin, Ameisensäure). Die Brennnesseln besiedeln übersäuerte, mit Stickstoff überdüngte Böden, und man trifft sie daher häufig um Alphütten, an Waldrändern und auf Schutthalden an. Sie erfüllen für diese Böden eine wichtige Funktion, indem sie ihnen den überschüssigen Stickstoff entziehen und damit das biologische Gleichgewicht wieder herstellen. Der aus dem Boden aufgenommene Stickstoff wird in der Pflanze in Eiweissverbindungen umgewandelt. Der hohe Eiweissgehalt macht die Brennnessel zu einer attraktiven Futterpflanze für Raupen und andere Insekten. Die Raupen vieler bunter Schmetterlinge (Tagpfauenauge, kleiner Fuchs, Admiral) sind von dieser Futterpflanze abhängig. Brennnesseln sind manchmal derart dicht mit Raupen besiedelt, dass sie von diesen bis auf den Stengel kahlgefressen werden.

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Die Brennnessel ist eine martialische Pflanze.

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Eine andere Folge des Eiweissreichtums ist der rasch eintretende Zersetzungs- und Fäulnisprozess, wenn man sie in Wasser einlegt, um eine Jauche zu bereiten. Brennnesseljauche ist ein wirksamer und beliebter Flüssigdünger im biologischen Gartenbau. Ein dichter Brennnesselbestand entwickelt an heissen, sonnigen Sommertagen einen kräftigen, herb würzigen Duft, dem eine Wesensverwandtschaft mit Tiergeruch nicht abgesprochen werden kann. Keine andere Pflanze besitzt eine derart ausgeprägte Beziehung zum Eisen. Die Brennnessel hat eine hohe Selektivität für das Metall und reguliert auf diese Weise Böden mit zu hohem Eisengehalt. Deponien und Schutthalden mit Alteisen sind denn auch beliebte Brennnesselstandorte. Während ein hoher Eisengehalt sich nur bei wenigen Pflanzen findet, da Eisen in der Biochemie der Pflanzen keine spezifischen Funktionen besitzt, erfüllt es bei Mensch


und Tier eine wichtige Funktion. Als Zentralatom des Häms, des roten Blutfarbstoffs, ermöglicht das Eisen die Bindung des Sauerstoffs im Blut, so dass dieser zu seinem Bestimmungsort in den Zellen transportiert werden kann. Damit ist das Eisen verantwortlich für eine der wichtigsten Aufgaben des Bluts, den Sauerstofftransport. Eisen kann deshalb als zentraler Funktionsträger in der Atmung bezeichnet werden, und es bildet die Basis für die Verbrennung der Nährstoffe. Gewissermassen als Ausgleich zu dem im Pflanzenreich untypisch hohen Eisengehalt besitzt die Brennnessel einen hohen Chlorophyllgehalt. Chlorophyll, der grüne Pflanzenfarbstoff, ist das chemische, optische und funktionelle Spiegelbild zum Häm. Beide Verbindungen haben eine sehr ähnliche chemische Struktur mit dem Unterschied, dass Häm als Zentralatom ein Eisenion und Chlorophyll ein Magnesiumion besitzt. Im Weiteren ist erwähnenswert, dass sich die beiden Farben Grün und Rot spiegelbildlich verhalten. Sie sind Komplementärfarben. Die Funktion von Chlorophyll ist die Assimilation von Lichtenergie und deren Umwandlung in chemische Energie, die benötigt wird, um aus Wasser und Kohlendioxid Glucose aufzubauen und Sauerstoff freizusetzen. Glucose ist die Ausgangssubstanz für die Bildung sämtlicher weiterer energiereicher organischer Verbindungen. Chlorophyll bildet somit die Grundvoraussetzung für die Aufnahme der Sonnenenergie, deren Speicherung in Biomasse und der Freisetzung von Sauerstoff. Demgegenüber ermöglicht Hämoglobin die Aufnahme von Sauerstoff als Voraussetzung für die Verbrennung von Nährstoffen (Biomasse) zu Kohlendioxid und Wasser unter Freisetzung der gespeicherten Energie. Die Energie wird für Muskelkraft oder die zahllosen physiologischen Reaktionen verwendet, wobei als wesentliches Nebenprodukt Wärme frei wird. Man kann deshalb sagen, dass am Beginn der langen Reaktionskette, die unsere Blutswärme ermöglicht, das Eisen steht. Die Blattgestalt der Pflanze enthält keine auffälligen Züge. Die Blätter sind scharf gezähnt, kreuzweise gegenständig und sehr regelmässig, rhythmisch am vierkantigen Stengel angeordnet. Zahlreiche andere Pflanzen, wie zum Beispiel die Taubnesselarten, besitzen ähnliche Blätter, obwohl sie einer ganz anderen Familie angehören. Allein die Blüten geben der Brennnessel einen unverwechselbaren äusseren Charakter. Die Blüten – es gibt männliche und weibliche, die getrennt, auf verschiedenen Pflanzen vorkommen – sind farblos und sehr klein, aber durch ihre grosse Anzahl prägen sie das Aussehen der Brennnessel vom Hochsommer bis in den Herbst. Wie helle, schmale Würstchen oder Raupen stehen sie vom Stengel ab und verleihen dem Blütenstand dadurch einen tierhaften Charakter. An der Brennnessel können wir somit einige für Pflanzen untypische Merkmale erkennen, die sonst nur im Tierreich auftreten. Dies bedeutet, dass in ihrem Wesen gerade diejenigen Elemente hervortreten, die das Tierreich vom Pflanzenreich unterscheiden, das heisst die innere Triebkraft zur Bewegung und Veränderung im umfassendsten Sinn. Auf den Menschen bezogen sind dies Wille und Durchsetzungskraft. Anwendungsgebiete Ausleitung und Entgiftung über die Niere, bei Stoffwechselkrankheiten wie Rheuma, Gicht, Allergien, nesselsuchtartigen Hautkrankheiten, als Diuretikum bei entzündlichen Erkrankungen der Harnwege, Nierengriess, bei Blutarmut, Erschöpfungszuständen, Frühjahrsmüdigkeit. Dosierung der wesenhaften Brennnessel-Urtinktur 1–3 x täglich 2–5 Tropfen in etwas Wasser einnehmen.

Schmucklose Blütenstände wie Raupen.

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Efeu Botanischer Name: Hedera helix Name der Urtinktur: Hedera helix 0/ Für die Urtinktur verwendeter Pflanzenteil: frische Blätter und Blüten

Klammernd am stützenden Baum strebt der Efeu zum Licht.

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Wesen der Pflanze Selbsterkenntnis, Überwindung von Angst, Anklammerung und Freiheit, Verbindung von Unterbewusstsein und Bewusstsein, Bewusstwerdung der Schatten, Aufbrechen von verhärteten Strukturen Eine Schlüsselfunktion in der Seelenentwicklung des Menschen hat die Wahrnehmung, die Verarbeitung und das Akzeptieren der inneren Bilder, Kräfte und Eigenschaften, die aus der Tiefe des Unterbewussten ins Bewusstsein aufsteigen. Diese im Dunkel der Seelentiefe verborgenen Bilder, die oft als bedrohliche Schatten erscheinen, gehören ebenso zu unserer Ganzheit wie die uns bewussten und akzeptierten Eigenschaften. Trotzdem ist der Prozess der Bewusstwerdung oft mit existenziellen Problemen verbunden, da man sich vor den Schatten in der Regel fürchtet und sie darum abweist und verdrängt. Diese unbewusste Angst führt zu einer Enge in Seele und Körper. So wie Angst das freie Atmen der Seele einschränkt, führt sie auf der Körperebene zur Behinderung der Atmung in Form von Symptomen wie Krampfhusten, Bronchitis oder Asthma. Das Wesen des Efeus ist die Verbindung des im Dunkeln liegenden Pols des Unterbewussten mit dem im Licht befindlichen Pol des Bewussten. Schlüsselorgan für diese Verbindung ist die Schilddrüse, deren Funktion durch Efeu angeregt wird. Efeu löst somit psychisch bedingte Krampfzustände der Atmungsorgane und befreit die Atmung. Signatur Der Efeu ist eine der grössten Mysterienpflanzen. Die Triebe des jungen Efeus mit den typischen fünflappigen Blättern kriechen durch feuchte, schattige Gründe und bedecken manchmal grössere Flächen des Waldbodens. Stellen sich ein Baum oder eine Mauer in den Weg, klammert sich der Trieb mit seinen Haftwurzeln daran fest und steigt empor zum Licht. Nach vielen Jahren – der untere Teil des Stamms ist jetzt dicht überdeckt mit Efeublättern – verzweigen sich die Seitentriebe. Sie streben weg vom stützenden Stamm und benötigen keine Haftwurzeln mehr. Nun kommt das Erstaunliche: Die Blätter der Seitentriebe sind anders geformt als die am Baum anliegenden Blätter. Viele Laien erkennen sie nicht als Efeublätter, obwohl sie bei einem mächtigen, baumumklammernden Efeu den Hauptanteil ausmachen. Sie sind nicht gelappt, sondern ungeteilt eiförmig. Man nennt die gelappten Blätter die juvenilen, die eiförmigen die adulten Blätter. Das heisst: Der Efeu hat Jugend- und Erwachsenenblätter mit verschiedenen Formen. Beide Blattformen sind lederartig, zäh und überdauern den Winter. Manchmal scheint ein Baum im Winter Blätter zu haben; es ist jedoch ein Efeu, der Stamm und Äste bis zur Krone umklammert. An den adulten Seitentrieben beginnen sich doldenartige Blütenstände zu entwickeln, die im Oktober erblühen und den Bienen einen letzten Nektar anbieten. Über den Winter entwickeln sich langsam die Früchte, die bis zum Frühling zu schwarzen Beeren heranreifen. Erwähnt sei noch ein wichtiger Inhaltsstoff: Efeu ist sehr reich an Jod, was sonst bei Landpflanzen unüblich ist und nur bei Meerespflanzen vorkommt. Der Efeu gehört zur Familie der Araliaceae, einer Pflanzenfamilie, die mit ihren Arten vor allem die Südhalbkugel der Erde besiedelt. Beginnen wir nochmals von vorne: Zuerst stellen wir also die juvenilen Triebe mit ihren Blättern fest, die wie fünfzackige Sterne aussehen. Nun machen wir ein Experi-


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ment. Wir nehmen einen jungen Efeutrieb und den Trieb einer beliebigen anderen Pflanze und setzen sie an einem beschatteten Standort direkt nebeneinander in die Erde. Was geschieht? Der Trieb jeder anderen Pflanze wächst zum Licht, der Efeu jedoch wächst in die entgegengesetzte Richtung, in den Schatten. Der Efeu strebt ins Dunkel des Waldes hinein. Wenn sich ihm ein Hindernis entgegenstellt und er daran emporsteigen muss, zeigen die fünfzackigen Blattsterne alle mit ihren Spitzen nach unten. Welch vielsagendes Symbol der Schattenwelt! Wenn der Efeu schliesslich nach Jahren auf seinem Weg im Zeichen des Schattens die höchsten Wipfel erreicht, so trägt er das Wesen des Schattens ans Licht. Es ist die Ausrichtung ins Dunkel, die den Efeu kennzeichnet, und es ist das Licht, das er erreicht. Dies steht nicht im Widerspruch zu den geistigen Gesetzen. Ganz ist nur derjenige, der die beiden Welten miteinander verbinden kann. Wer den Schatten flieht, wird sich nicht zum Licht erheben können, denn der Schatten wird ihn immer verfolgen und einholen. Die tiefen Gründe der Schatten, des Unterbewussten, müssen durchdrungen werden mit dem Licht der Selbsterkenntnis. Und hier sehen wir die tiefgründige Bedeutung des hohen Jodgehalts des Efeus. Jod ist das essenzielle Element für die Funktion der Schilddrüse. Dieses wichtige Organ bestimmt unser Wachstum und unsere Intelligenz. Ohne Schilddrüse wären wir dumpfe, unbewusste Wesen, bar jeglicher Fähigkeit zur geistigen Bewusstwerdung. Eine schwere Schilddrüsenunterfunktion führt zum so genannten Kretinismus (Zwergwuchs und zurückgebliebene geistige Entwicklung). Die Bewusstsein ermöglichende Wärme des Jods muss am Tor zur Schattenwelt erblühen (wie der Efeu im Herbst, am Tor zum Winter erblüht) und in der Kälte und Dunkelheit des Winters seine geistigen Früchte heranreifen lassen. Dem Efeu geht es nicht um die Pflege der Schatten, das Ausleben der niederen Triebe, sondern um ihr bewusstes Anschauen und Erkennen als Teil seiner selbst. Das ist etwas ganz anderes, als was die meisten Menschen spontan machen, nämlich vor den Schatten zurückweichen und sie verdrängen. Der Efeu versinnbildlicht die Verbindung zweier Welten; es ist eine Pflanze mit zwei Blattformen, den nach unten gerichteten Blättern der Unterwelt und den ganzen, eiförmigen Blättern der Lichtsphäre. So steigt der Efeu aus dem Süden bzw. dem Wasser (Symbole für das Unterbewusste) hinauf in den Norden bzw. das Land (Symbole für das Bewusste), beladen mit den Früchten der Selbsterkenntnis. Wer diesen Weg nicht geht – und dies trifft auf uns alle immer wieder in verschiedenen Phasen unseres Lebens zu –, wer den Weg zum Licht ohne die Durchdringung der Schatten gehen will, wird eingeholt von den Schemen der Angst, die ihn würgen wie der Efeu den Wirtsbaum. Eine wesenhafte Arznei aus den Efeublättern ist eines der grössten Heilmittel bei Übergangssituationen der seelisch-geistigen Entwicklung des Menschen. Anwendungsgebiete Auf der körperlichen Ebene werden Zubereitungen aus Efeublättern angewandt bei krampfartiger Bronchitis, akuten und chronisch-entzündlichen Bronchialerkrankungen, Keuchhusten, Asthma, Halsentzündung, Kehlkopfentzündung, akuten Entzündungen der Verdauungsorgane, Schilddrüsenunterfunktionen, rheumatischen Erkrankungen und zur unterstützenden Behandlung bei Alkoholismus.

Die fünflappigen Efeublätter sind nach unten gerichtet.

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Nebenwirkungen Eine Schilddrüsenüberfunktion kann verstärkt werden.


Dosierung der wesenhaften Efeublätter-Urtinktur 1–3 x täglich 2–5 Tropfen in etwas Wasser oder unverdünnt einnehmen. Bei der Anwendung von Efeu zur seelischen Unterstützung im Sinne des Wesens der Pflanze muss die Urtinktur sehr tief dosiert werden: 2 Tropfen in ein Glas Wasser geben, 5 Minuten stehen lassen und dann davon nur einen Schluck trinken.

Am Tor zum Winter erblüht der Efeu. Eine «innere Wärme» lässt die Früchte im Winter reifen.

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Esche Wesen der Pflanze Duldsamkeit, Beugsamkeit, Tragfähigkeit, Opferbereitschaft, Weltenbaum Das Wesen der Esche steht im Zeichen der Dienstbereitschaft, ohne sich dabei – durch Forderung von Anerkennung – selbst in den Mittelpunkt stellen zu wollen. Die Esche kann tragen und helfen, ohne dass diejenigen, denen sie dient, emotional erdrückt werden. Sie erduldet es auch, wenn ihre Hilfe nicht erkannt oder verdankt wird. Die Esche ist der Prototyp des altruistischen, nicht auf Eigennutz bedachten Wesens. Diese Eigenschaft ist in reiner Form beim Menschen ausserordentlich selten, wird jedoch umso häufiger imitiert. Da der psychosomatische Zusammenhang zwischen einer Selbstaufopferung, die auf Selbstbestätigung ausgerichtet ist, und rheumatischen Beschwerden (dem Anwendungsgebiet von Eschenblättern) heute bekannt ist, hierzu ein interessantes Zitat über das Psychogramm des chronischen Polyarthritikers von Weintraub (zitiert nach Karl): «In seinem innersten Kern verschlossen, abgekapselt, trägt er seine seelischen Nöte und Kämpfe nur mit sich selbst aus und gibt nicht das Gefühl, seelischen Beistands zu bedürfen. Er zeigt demnach oft keine seelischen Erregungen und erscheint manchmal sogar unzugänglich. Unwahrscheinliche Duldsamkeit und Schicksalsergebenheit ‹zeichnen ihn aus›. Er scheint so nur für andere zu leben und eigene Daseinsansprüche kaum geltend zu machen. Die mangelnde persönliche Selbstverwirklichung zieht sich wie ein roter Faden durch sein Leben. Dass damit auch ein Mangel an gelebter Aggression verbunden ist, kann wohl kaum bestritten werden, und es fragt sich, ob diese nicht nach aussen getragene Aggressivität sich mehr und mehr nach innen richtet und zur so genannten Autoaggressionskrankheit führt. Gleichzeitig führt die Selbstverborgenheit zur dauernden einseitigen unphysiologischen Selbstüberforderung, mit andern Worten zur langdauernden fehlerhaften Beeinflussung des allgemeinen Adaptationssyndroms und so zum Entstehen der Adaptationskrankheit, wozu auch die chronische Polyarthritis gehört.» Signatur Die Esche führt durch ihr Wesen der Duldsamkeit und Beugsamkeit dem geschilderten Menschentypen die erforderlichen Seelenkräfte zu. Die Esche ist ein verbreiteter und häufiger Baum aus der Familie der Ölbaumgewächse (dazu gehören auch der Olivenbaum, Flieder, Jasmin, Forsythie und Liguster). Das Holz der Esche ist ebenso hart wie das der Eiche, doch im Gegensatz zu diesem von höchster Elastizität. Es eignet sich daher besonders gut für Stiele von stark beanspruchten Werkzeugen und für Pfeilbogen. Früher wurden auch Flugzeugpropeller und Skier daraus gefertigt. Jugendliche auf dem Land machen sich manchmal einen Spass daraus, auf junge Eschen zu klettern, um sich dann, an der Baumspitze hängend, langsam auf den Boden sinken zu lassen, was das ganze Bäumchen zu einem Riesenbogen spannt. Welch grausames Spiel mit einem Baum – doch kein anderer Baum als die Esche würde das ertragen. Die Knospe ist der vitalste Teil einer Pflanze. Darin ist der ganze Trieb oder die ganze Blüte in Miniaturform enthalten und drängt zur Entfaltung. Eine Knospe birgt potenzielle Pflanzenenergie in höchstem Grad. Die Farbe, die diese Vitalität zum Ausdruck bringt, ist natürlich Grün, wie die der Blätter der meisten Pflanzen. Manchmal können Knospen auch rot sein und damit eine innewohnende Wärmekraft zum Ausdruck bringen. Würde es uns die Esche nicht zeigen, wären schwarze Knospen schwer

Botanischer Name: Fraxinus excelsior Name der Urtinktur: Fraxinus excelsior 0/ Für die Urtinktur verwendeter Pflanzenteil: frische Blätter

Wo früher Herren und Diener lebten, wächst heute eine Esche. Die Eschenkrone lässt den Durchgang für das Licht frei.

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vorstellbar. Die Esche hat also tatsächlich schwarze, samtartige Knospen und unterscheidet sich damit markant von anderen Pflanzen. Schwarz ist keine Farbe, sondern deren Abwesenheit, schwarze Flächen reflektieren kein Licht, Schwarz schluckt das lebensspendende Licht und ist darum in der belebten Natur sehr selten. Wir erkennen also einen enormen Gegensatz zwischen der Vitalität im Innern der Knospe und ihrer äusseren Farbe. Dieser Gegensatz erstaunt um so mehr, als die Esche zu den vitalsten und wuchskräftigsten Bäumen zählt. Könnte das Eschenwesen durch diesen Gegensatz zum Ausdruck bringen, dass seine ganze Lebenskraft in den Dienst von anderen gestellt wird und nicht zur Vermehrung des eigenen Glanzes dient? Die Eschenblätter sind 9- bis 13-teilig gefiedert mit lanzettlichen, fein gezähnten Teilblättern. Die Anordnung der einzelnen Blätter folgt selbst in der mächtigsten Eschenkrone einem umsichtigen Plan, so dass immer noch direktes Sonnenlicht bis zum Boden dringen kann. Betrachtet man von unten her eine Baumkrone, kann man die gleichmässige Beblätterung mit zahllosen Blätterspiralen deutlich erkennen. Blickt man – an einem sonnigen, nicht ganz windstillen Tag – wieder zu Boden, können wir uns an einem Spiel von tanzenden Lichtern im Schatten erfreuen. Das heisst, andere Lebewesen, die sich im Einflussbereich der mächtigen, schützenden Esche aufhalten, stehen nicht im Schatten, sie haben Zugang zum Licht, können sich ihrem Wesen gemäss entfalten. Fallen die Blätter im Herbst, hinterlassen sie an den Zweigen auffallende Narben. Zweige von älteren Bäumen sind übersät mit solchen Blattnarben. Beim Verrottungsprozess der Eschenblätter gibt es ein bemerkenswertes, aber leider sehr seltenes und auch vielen Fachleuten unbekanntes Phänomen. Offensichtlich unter besonderen Temperatur- und Feuchtigkeitsbedingungen können verrottende Eschenblätter im Februar oder März einen wundervollen, blütenartigen Duft entwickeln. Ich habe einmal erlebt, wie ein ganzer Wald in dieser winterlichen Jahreszeit von Wohlgeruch erfüllt war. In der Auflösung der Lebenskräfte kann es geschehen, dass aus dem Eschenblatt etwas aufsteigt, was auf die Lebendigkeit des kommenden Sommers hindeutet. Anwendungsgebiete Eschenblätter schaffen Linderung bei allen Formen rheumatischer Erkrankungen, wie auch bei chronischer Polyarthritis und Weichteilrheumatismus. Selbstverständlich kann eine Heilpflanze allein bei solch tief greifenden und schmerzhaften Erkrankungen keine umfassende Heilung bewirken. Im günstigen Falle kann sie Erleichterung verschaffen. Unerlässlich im Falle von rheumatischen Erkrankungen ist eine radikale Umstellung der Ernährung auf Vollwertkost. Vor allem heisst dies: Verzicht auf tierische Eiweisse und andere Säure bildende Nahrungsmittel wie Zucker. Auch sollte mit geeigneten Mineralsalzen und Spurenelementen dafür gesorgt werden, dass der pH-Wert wieder ins Gleichgewicht kommt. Nähere Informationen können den vielen guten Publikationen über die naturgemässe Behandlung von Rheuma entnommen werden. Dosierung der wesenhaften Eschenblätter-Urtinktur 1–3 x täglich 2–5 Tropfen in etwas Wasser einnehmen. Schwarze Eschenknospen; nicht auf Glanz bedacht.

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Frauenmantel Wesen der Pflanze Umhüllung, Behütung, Hervorbringung Welche andere Pflanze könnte die Wesensart des weiblichen Geburtsschosses besser verkörpern als der Frauenmantel? Im geborgenen Grund ihres mantelartig umhüllenden, nach oben empfangend geöffneten, weichen Blattes bringt die Pflanze einen silbernen Tautropfen hervor. Alchemilla steht für die Bejahung der weiblichen Rhythmen und des Frauseins.

Botanischer Name: Alchemilla xanthochlora (Sammelart) Name der Urtinktur: Alchemilla 0/ Für die Urtinktur verwendeter Pflanzenteil: frisches blühendes Kraut

Signatur Lassen Sie das Bild des Frauenmantels auf sich wirken! Bedarf es noch vieler Worte über die Signatur dieser Pflanze? Die gefässbildende Fältelung des Blattes spricht für sich und hat wohl immer wieder Anlass dazu gegeben, den Frauenmantel als überzeugendes Beispiel für die Signaturenlehre anzuführen. In dieser Hinsicht ist der Frauenmantel eine Ausnahme, denn die Signaturen der meisten Pflanzen erfordern eine sehr viel differenziertere Betrachtung. Auch die von den Wimpernhaaren des Blattrandes ausgeschiedene und sich im Blattgrund zum silbernen Tropfen vereinigende Flüssigkeit redet eine deutliche Sprache. Alchemilla verdankt ihren Namen der hohen Wertschätzung durch die früheren Alchemisten. Der Tautropfen aus ihrem Blattgrund wurde von ihnen gesammelt und als Ausgangssubstanz für die Herstellung von Elixieren verwendet. Sie ist gewissermassen die Alchemistin unter den Pflanzen. Einige weitere botanische Merkmale bringen ebenfalls das Wesen der Pflanze zum Ausdruck. Die Frucht ist von einem weichen, glatten Kelchbecher umschlossen, mit diesem aber nicht verwachsen wie bei den anderen Gattungen und Arten aus der Familie der

Der silberne Tautropfen im geborgenen Grund des Frauenmantelblatts.

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Rosaceae. Die Frucht entwickelt sich also geschützt, wie in einer Gebärmutter. Die meisten der zahlreichen Arten der Gattung Alchemilla sind apomiktisch, das heisst, sie entwickeln Früchte ohne Befruchtung. Sie entwickeln keinen normalen Pollen und die Staubbeutel platzen nicht, der Pollen wird nicht freigegeben. Die Alchemillen sind sehr artenreich und unterscheiden sich oft nur durch schwer erkennbare Merkmale. Die exakte Bestimmung einer Pflanze ist meistens (selbst für erfahrene Botaniker) sehr aufwendig – oft sogar verwirrend – und generell nur möglich, wenn die Pflanze schon Früchte gebildet hat. Auf den ersten Blick könnte man meinen, dass die Alchemilla-Arten nicht klar definiert sind und einer starken Variabilität unterworfen sind, das heisst ihre Merkmale über die Generationen hin immer wieder leicht verändern. Es ist aber gerade das Gegenteil der Fall. Dem Fachbuch «Flora der Schweiz» von Hess, Landolt, Hirzel entnehmen wir: «Von allen Spezialisten der Gattung Alchemilla wird die Konstanz der kleinen Artunterschiede über grosse geografische Gebiete als einzig dastehendes Beispiel bei den Blütenpflanzen geschildert.» Die Alchemilla-Arten sind also – obwohl von schwer durchschaubarer Vielfalt – ausserordentlich stabil in ihrer Gestalt, sie sind in sich selbst ruhend. Das lebensbewahrende Wesen kommt auch darin zum Ausdruck, dass die Pflanze stark antioxidativ wirkende Substanzen enthält. Anwendungsgebiete Frauenmantelzubereitungen werden bei verschiedenen Frauenleiden angewandt wie: Menstruationsbeschwerden, heller Ausfluss, Unterleibsentzündungen, Vor- und Nachbereitung bei Geburten. Im Weiteren bewährt sich Frauenmantel als zusammenziehendes Mittel bei Blutungen und Durchfall. Dosierung der wesenhaften Frauenmantel-Urtinktur 1–3 x täglich 2–5 Tropfen unverdünnt oder in etwas Wasser einnehmen.

Der blühende Frauenmantel lässt sich noch nicht exakt bestimmen.

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Gänseblümchen Botanischer Name: Bellis perennis Name der Urtinktur: Bellis perennis 0/ Für die Urtinktur verwendeter Pflanzenteil: frisches blühendes Kraut

Wesen der Pflanze Unberührtheit, Unschuld, Unversehrtheit, Kindlichkeit Das Wesen des Gänseblümchens ist auf die Bewahrung einer kindlichen Unschuld und Reinheit gerichtet. Es versucht sich vor Befleckung durch schuldhafte Verstrickungen, wie sie zum Älterwerden gehören, zu behüten. Da dies letztlich unmöglich ist, scheut es sich vor der Welt der Erwachsenen. So scheu und verletzlich es auch ist, kann es dennoch grosse Kräfte freimachen, um die Übergriffe auf seine seelische und körperliche Unversehrtheit zu heilen. Im anderen Namen dieser Pflanze, Massliebchen, kommt zum Ausdruck, dass es in der Liebe Mass hält, das heisst, es dosiert die Leidenschaftlichkeit des Liebesverlangens, es dämpft die überschiessende Potenz. Das Gänseblümchen ist eine wunderbare Hilfe bei allen seelischen und körperlichen Verletzungen, die durch ungestüme Gewaltanwendung, vor allem auch durch sexuelle Aggression entstanden. Signatur Wer hat nicht als Kind Gänseblümchen gepflückt und daraus der Mutter ein Sträusschen gemacht? Klingt nicht ein ganz reiner, heller Ton in unseren Herzen an, wenn wir kleine Kinder dabei beobachten, wie sie Gänseblümchen pflücken und sich gegenseitig damit ihre Haare schmücken? Kinder fühlen eine innere Nähe zu dieser kleinen, bescheidenen Blume, die oft übersehen und getreten wird und sich dennoch ihre Unversehrtheit bewahrt. Das Gänseblümchen ist eine Rasen- und Wiesenblume. Es gehört zur artenreichen Familie der Korbblütler. Man kann den einfachen, klaren Aufbau des Blütenköpfchens wohl als Prototyp einer kindlichen Blume bezeichnen. Die Zungenblüten, beim Aufblühen rosa, werden später rein weiss, die Blütenscheibe ist ein einfacher, gelber Kreis. Wird der Rasen im Frühling zum erstenmal gemäht und werden dabei die Blütenköpfchen abgehauen, geht es nicht lange, bis die Pflanze wieder neue Blüten bildet, nun aber mit kürzeren Stielen. Wird der Rasen noch kürzer gemäht, passt sich dieses Pflänzchen sofort wieder an. Es scheint unverwüstlich zu sein, es kennt nur eines: sein Blütenköpfchen nach oben zu recken und rein zu erhalten. Woher kommt diese Kraft, dieser Mut, dem man nichts anhaben kann? Die Pflanze hat eine ungewöhnlich widerstandsfähige Blattrosette, aus der sie immer wieder neue Kräfte mobilisiert. Die zahlreichen Blätter sind alle bodenständig und bilden eine dichte Rosette. Beim genauen Betrachten der Blattstruktur nehmen wir scheinbar unvereinbare Eigenschaften wahr: derbe, fleischige Blätter, die dennoch einen starken Glanz ausstrahlen. Darin erkennen wir den Ausdruck von Robustheit und Vitalität. Beim Verblühen machen Pflanzen im Allgemeinen einen deutlich sichtbaren Wandel durch: Der Glanz der Farben und die Pracht der Formen weichen, die welken Blütenblätter mahnen an die Vergänglichkeit allen Lebens. Aber haben Sie schon einmal ein verblühtes Gänseblümchen gesehen? Natürlich machen sie keine Ausnahme – auch sie verblühen wie alles Leben. Doch ihnen ist es gegeben, derart diskret zu verblühen – die weissen Zungenblüten fallen ohne grosse Verfärbung rasch ab und das Gelb der Blütenscheibe nimmt das Grün des Rasens an –, dass sich die verblühten Pflänzchen wie unsichtbar in den Rasen einfügen. Das Gänseblümchen möchte also scheinbar nur Blüte sein und sich den Folgen des Fortpflanzungsprozesses (Welke und Reife) entziehen.

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Anwendungsgebiete Zubereitungen aus Gänseblümchen eignen sich zur Behandlung von Blutungen, Blutergüssen, Muskelzerrungen und Muskelschmerzen und sind besonders dann angezeigt, wenn solche Verletzungen mit dem Gefühl einhergehen, Unrecht erlitten zu haben, egal, ob es sich um eine rein subjektive Wahrnehmung handelt oder objektiv im Falle von erlittener Gewaltanwendung begründet ist. Dies gilt auch dann, wenn man seinem eigenen Körper Unrecht angetan hat, indem man durch Forcierung oder Überanstrengung eine Muskelzerrung oder Verletzung verursacht hat. Gänseblümchentinktur kann äusserlich und innerlich angewandt werden, Letzteres zur systemischen Unterstützung des Heilungsprozesses und zur Linderung der seelischen Folgen der Verletzung. Diese Heilpflanze kann auch zur seelischen Unterstützung bei Folgen von sexuellen Übergriffen empfohlen werden. Dosierung der wesenhaften Gänseblümchen-Urtinktur 1–3 x täglich 2–5 Tropfen einnehmen oder 10–20 Tropfen in etwas Wasser äusserlich anwenden.

Auch neben dem Stamm der grossen Linde bewahrt das Gänseblümchen seine Reinheit.

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Gelber Enzian Wesen der Pflanze Zerteilung, Überwindung, Verdauung Die Verarbeitung von Gefühlseindrücken hat viele Gemeinsamkeiten mit dem Verdauungsprozess. Bei beiden müssen die aufgenommenen wesensfremden Substanzen und Energien überwunden und einverleibt werden. Können bewegende Ereignisse oder Bilder emotional nur schwer verdaut werden, so besteht meist auch eine organische Verdauungsschwäche. Oft liegen dann Gefühle oder eben Nahrungsmittel schwer auf dem Magen, und es entsteht ein starker Druck in der Magengegend. Enzian besitzt die Wesenskraft, Fremdes zu überwinden und zu zerteilen, und unterstützt dadurch sowohl die körperliche als auch die seelische Verdauung. Enzian hilft insbesondere bei der Eiweissverdauung. Signatur Wenn wir den Namen Enzian hören, denken wir in der Regel an schöne, tiefblaue Blumen, die wie kleine Glocken unsere Alpweiden zieren. Der blaue Enzian ist wohl der Inbegriff der Bergblume. Die Heilpflanze Enzian ist jedoch von ganz anderer Art. Wie schon ihr Name sagt, sind ihre Blüten gelb, und ausserdem ist sie mit einer Grösse von bis zu 1,2 m eine sehr stattliche Pflanze. Der gelbe Enzian hat bis zu 30 cm lange und 15 cm breite ovale Blätter mit stark hervortretenden Nerven. Die Blätter gleichen jenen des sehr giftigen weissen Germers (Veratrum album), was zu gefährlichen Verwechslungen führen kann. Durch die gegenständige Blattstellung kann der Enzian jedoch leicht vom Germer unterschieden werden, dessen Blätter wechselständig sind. Die oberen Blätter des gelben Enzians sind wie Halbschalen gewölbt. Zu Beginn umschliessen diese Schalen den Stengel und verbergen in ihrem Innern die Blütenknospen. Wenn sich die Blattschalen öffnen und in die Horizontale legen, geben sie eine grosse Anzahl von Blüten frei. Diese haben eine für die Gattung Enzian völlig untypische Gestalt. Die Kronblätter der anderen Enzianarten sind vom Grund bis weit über die Mitte miteinander verwachsen und bilden dadurch glocken- oder röhrenförmige Blüten. Die Blüten des gelben Enzians hingegen sind fast bis zum Grund geteilt. Ausserdem sind die Kronblätter schmal und lang, so dass sie im voll aufgeblühten Zustand anders als bei der typischen Enzianblüte als einzelne, abgetrennte Elemente in den Vordergrund treten und wie fünf- bis sechsstrahlige Sterne aussehen. Da der Blütenstand des gelben Enzians ausserdem aus zahlreichen Einzelblüten zusammengesetzt ist, die in verschiedene Richtungen blicken, wirkt er sehr inhomogen, um nicht zu sagen wirr. Wir erkennen deutlich, dass hier ein stark zerteilendes Wesen an der Gestaltung mitgewirkt hat. Die den Stengel umfassenden Blätter mit den Blütenknospen in ihrem Innern können wir als feste Einheit auffassen, in deren Innern – in den Blüten – ein zerteilendes Prinzip wirksam wird. Die teilende Kraft ist auch an den mächtigen Wurzeln erkennbar. Sie können als vielköpfig bezeichnet werden, wobei die einzelnen Teile sich immer wieder ineinander verschlingen. Die innere Betrachtung des Wesens dieser Pflanze lässt eine Verwandtschaft mit dem Wesen des Rinds erkennen. Das Rind ist das Tier, dessen Wesen wohl am stärksten auf die Verdauung ausgerichtet ist. Die Kuh ist tiergewordenes Verdauungsprinzip. Die Gestalt des Rinds ist relativ blockförmig, und im Innern dieses Blocks wirkt die zerteilende Kraft der Verdauung.

Botanischer Name: Gentiana lutea Name der Urtinktur: Gentiana 0/ Für die Urtinktur verwendeter Pflanzenteil: frische Wurzeln

Der gelbe Enzian dominiert eine spätsommerliche Alpwiese. Verschlungene Enzianwurzel.

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Der Enzian kann geradezu als ein Wundermittel zur Zerteilung von schwer verdaulichen Kuhmilchprodukten bezeichnet werden, von warmen Zubereitungen aus Käse wie zum Beispiel Pizza, Raclette oder Fondue. Enzian ist wohl die am stärksten wirkende Heilpflanze zur Unterstützung der Verdauung.

Die oberen Stengelblätter umhüllen die Blütenknospen. Die Blütenblätter sind fast bis zum Grund geteilt.

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Anwendungsgebiete Die Hauptanwendungsgebiete gehen aus den obigen Angaben deutlich hervor. Es sind dies Verdauungsbeschwerden wie Appetitlosigkeit, Völlegefühl, Blähungen. Ausserdem ist Enzian ein wirksames Tonikum und wird mit Erfolg bei allgemeinen Erschöpfungszuständen und Müdigkeit eingesetzt. Enzian besitzt auch eine Wirkung bei Kopfschmerzen, vor allem wenn diese durch eine Verdauungsschwäche hervorgerufen werden. Bei Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren sollte Enzian nicht eingenommen werden. Dosierung der wesenhaften Enzian-Urtinktur 1–3 x täglich 2–5 Tropfen unverdünnt oder in etwas Wasser einnehmen.


Ginkgo Wesen der Pflanze Einheit von Bild und Spiegelbild, Gleichgewicht der Polaritäten, Gold Alles in der Natur entsteht, wird bewegt und vergeht durch Kräfte, die aus dem Spannungsfeld zweier Pole hervorgehen. Dieses fundamentale und offensichtliche Polaritätsgesetz zeigt sich in den Gegensätzen von Tag und Nacht, Mann und Frau, Jugend und Alter usw. Trotzdem vergessen wir immer wieder, dieses Polaritätsgesetz in die Praxis unseres täglichen Lebens miteinzubeziehen. Meist wird die eine Seite einer Sache bevorzugt und festgehalten und die dazugehörige andere Seite abgelehnt oder bekämpft. Durch dieses Vorgehen verliert man Dynamik und Lebenskraft, denn diese können nur im Spannungsfeld von Gegensätzen bestehen, die einander gleichberechtigt gegenüberstehen oder die sich in zeitlicher Folge ablösen. In unserer Kultur wird das kausal-analytische Denken der linken Gehirnhälfte überbewertet und gefördert, wodurch das analog-synthetische Denken der rechten Hirnhemisphäre vernachlässigt wird und verkümmert. Dabei kann auf die Dauer ein Vitalitätsverlust des Gehirns und eine Degeneration seiner Funktionen als Ganzes nicht ausbleiben. Der Ginkgo symbolisiert mit seinem zweilappigen Blatt, das in sich selbst die beiden Pole – männlich und weiblich – vereinigt, die Einheit und das Gleichgewicht der Polaritäten. Da im Gleichgewicht die Lebenskraft am stärksten ist, hat der Ginkgobaum eine sehr hohe Vitalität, was seine enorme Widerstands- und Regenerationskraft beweist, die im Pflanzenreich unübertroffen ist. Diese Vitalität regeneriert die Leistungsfähigkeit des Gehirns, des Organs, welches als einziges in unserem Körper beide Pole in sich birgt. Signatur Das zweilappige Ginkgoblatt übte schon immer eine grosse Faszination auf den Menschen aus. Es dient als Motiv für Schmuck und Ornamente, wird in der bildenden Kunst dargestellt, verziert wertvolle Gebrauchsgegenstände und erscheint in Firmenlogos. In der Goethe-Stadt Weimar begegnet uns auf Souvenirs das berühmte Gedicht des grossen Dichters über das Ginkgoblatt auf Schritt und Tritt. Dem Ginkgoblatt haftet die Aura des Aussergewöhnlichen an, denn es gibt kein anderes Blatt, das ihm nur annähernd vergleichbar wäre. Der Ginkgobaum scheint in der Evolution am Übergang zwischen Nadelbäumen und den höher entwickelten Laubbäumen zu stehen. Die Botaniker sprechen von einem lebenden Fossil, weil der Ginkgo aus einer sehr alten Pflanzenfamilie stammt, die bis auf diese eine Art ausgestorben ist. Der Ginkgo ist wohl eines der tiefgründigsten Symbole aus der Natur für das Mysterium des Menschseins. Der Mensch, ein gespaltenes Doppelwesen; der Einheit entsprungen, zur Einheit gerufen. Die Trennung in zwei polare Hälften ist ein umfassendes Merkmal von Mensch und Natur, nicht nur der Geschlechter. Alles steht unter dem gleichen Gesetz der Polaritäten, der Gegensätze, die sowohl Leben als auch Konflikt und Tod hervorbringen. Die Spaltung in die Polaritäten und ihre Konflikte hat einen Anfang. Die Bibel spricht vom Essen der Früchte des Baums der Erkenntnis von Gut und Böse. Dies ist die symbolische Andeutung dafür, dass die Trennung, der Verlust der Einheit der beiden Lebenspole, im Bewusstsein und Denken begründet liegt. Spiegelbildlich dazu gründet der Weg zurück zur Einheit in einem anderen, neuen Bewusstsein, genährt aus den Früchten des Baums des Lebens.

Botanischer Name: Ginkgo biloba Name der Urtinktur: Ginkgo 0/ Für die Urtinktur verwendeter Pflanzenteil: frische Blätter

Die zweifach gabelige Verzweigung der Blattnerven ist von tiefer Symbolik.

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Warum zeigt uns gerade das zweilappige Ginkgoblatt (lateinisch biloba = zweilappig) das Wesen von Teilung und Einheit, wo es doch auch viele andere Pflanzen gibt, die in irgendeiner Weise die Zahl zwei zum Ausdruck bringen? Die Antwort finden wir in der Blattnervenstruktur des Ginkgos. Um jedoch deren Besonderheit zu begreifen, müssen wir uns zuerst die Struktur der Nervatur, wie sie üblicherweise auftritt, vor Augen führen. Die entwicklungsgeschichtlich einfacheren Pflanzenarten (einkeimblättrige) haben Blätter mit parallel laufenden Nerven. Die höher entwickelten (zweikeimblättrige) haben meistens Blätter mit einer netzartig verzweigten Nervenstruktur; wir erkennen einen Hauptnerv in der Mitte des Blattes, daraus verzweigen sich Nebennerven, und von diesen trennen sich wiederum kleinere Nerven ab. Im Überblick betrachtet zeigt sich oft ein ähnliches Bild wie das eines grossen Stroms mit Nebenflüssen und Nebenbächen. Manchmal haben Blattnerven auch eine Netzstruktur. Beim Ginkgoblatt finden wir nun die Ausnahme eines streng zweiteilig gegabelten Verzweigungsmusters. Folgen wir einem Nerv vom Blattgrund nach aussen, so finden wir an der Verzweigungsstelle kein seitliches Abzweigen eines kleineren Nervs, sondern der Ursprungsnerv teilt sich in zwei genau gleich starke Folgenerven und so weiter. Das ergibt für die Verzweigung der Nerven dasselbe Muster, wie wenn wir JaNein-Entscheidungsprozesse in Form eines Baumdiagramms grafisch darstellen. Gehen wir also vom Ursprung des Ginkgoblatts zur Peripherie, so folgen wir einem Weg der wiederholten Spaltung in Zwei (= Analyse), gehen wir den umgekehrten Weg, von der Peripherie zum Ursprung, so folgen wir einem Weg der wiederholten Vereinigung von Zwei (= Synthese). Angesichts dieser tiefgründigen Struktur der Nervatur könnte es beinahe schon banal wirken, auf die frappante Ähnlichkeit der Peripherie des zweilappigen Ginkgoblattes mit einem Querschnitt durch die beiden Hirnhälften hinzuweisen.

«Dieses Baums Blatt, der von Osten Meinem Garten anvertraut, Gibt geheimen Sinn zu kosten, Wie’s den Wissenden erbaut. Ist es ein lebendig Wesen, Das sich in sich selbst getrennt? Sind es zwei, die sich erlesen, Dass man sie als eines kennt? Solche Frage zu erwidern, Fand ich wohl den rechten Sinn; Fühlst du nicht an meinen Liedern, Dass ich eins und doppelt bin?» Johann Wolfgang von Goethe

Anwendungsgebiete Zubereitungen aus Ginkgoblättern werden vor allem bei Durchblutungsstörungen des Gehirns angewandt, bei Symptomen wie Konzentrations- und Gedächtnisschwäche, Ohrensausen, Schwindel und Kopfschmerzen. Ginkgo fördert die Durchblutung bei arteriellen und peripheren Durchblutungsstörungen infolge von degenerativen Gefässerkrankungen. In den letzten Jahren wurden auch bei der Behandlung von Alzheimer-Erkrankungen zunehmende Erfolge verzeichnet. Ginkgo ist auch angezeigt bei hyperaktiven Kindern. Dosierung der wesenhaften Ginkgo-Urtinktur 1–3 x täglich 2–5 Tropfen in etwas Wasser oder unverdünnt einnehmen.

Der Ginkgo ziert manche ehrwürdige Parkanlage. Ginkgoblätter bleiben über den ganzen Sommer vital. Im Herbst verfärben sich die Blätter von aussen nach innen.

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Goldrute Botanischer Name: Solidago virgaurea Name der Urtinktur: Solidago 0/ Für die Urtinktur verwendeter Pflanzenteil: frische Blütenstände

Die Goldrute bevorzugt Standorte mit einer schönen Aussicht. Die Blütenkörbe stehen dicht zusammen und ergänzen gegenseitig ihre Lücken.

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Wesen der Pflanze Verbindung, Liebe, Beziehungsfähigkeit, Fliessen Durch sein Wesen, das eine innig freundschaftliche Beziehung symbolisiert, verbindet Solidago das Getrennte und Unvollständige zu einem Ganzen. Freundschaft und Liebe verbindet die Menschen und aktiviert die Energien, die eine gesunde Nierenfunktion ermöglichen. Wenn der harmonische Fluss der verbindenden Gefühle versiegt, wenn Enttäuschungen, Frustrationen und Schuldgefühle Beziehungen blockieren, wird die psychische Energie geschwächt, und die Nieren leiden. Die Goldrute ist das spezifischste Nierenfunktionsmittel. Sie ist insbesondere bei Nierenleiden angezeigt, die mit schmerzlichen Erfahrungen in Beziehungen und Partnerschaften und bei Beziehungsverlusten zusammenhängen. Signatur In Mitteleuropa findet man drei Arten der Gattung Solidago: die einheimische Solidago virgaurea, die Echte oder Gemeine Goldrute, welche die Stammpflanze für die Urtinktur liefert, und die beiden grosswüchsigen, aus Nordamerika eingeschleppten und verwilderten Arten S. canadensis und S. gigantea. Das Augenfälligste an der Echten Goldrute ist das strahlende goldgelbe Blütenkleid. Zahlreiche Blütenkörbchen bilden dichte, endständige Rispen. Die Gesamtheit der Blüten vermittelt einen harmonischen, vollendeten Eindruck. Betrachtet man jedoch ein einzelnes Blütenkörbchen aus der Nähe, so entdeckt man eine bei den Korbblütlern sehr seltene Unvollkommenheit: Die randständigen Strahlenblüten bilden nicht wie üblich (wie z. B. bei der Sonnenblume) einen vollständigen Kranz, eine lückenlose Blütenkrone. Es bestehen zahlreiche Lücken, so dass die einzelnen Blütenköpfchen unvollständig sind. Durch das dichte Zusammenstehen der Blütenstände jedoch reichen die Strahlenblüten der einen Körbchen in die Lücken der anderen und ergänzen sich auf diese Weise gegenseitig. Gerade die Unvollständigkeit der einzelnen Blüten führt durch die Verbindung und gegenseitige Ergänzung zu einem harmonisch vernetzten Ganzen. Die Echte Goldrute wächst in trockenen, lichten Wäldern, an Waldrändern und Böschungen. Sie tritt nur vereinzelt oder in lockeren Beständen auf und unterscheidet sich dadurch von den nordamerikanischen Arten, die sich sehr stark ausbreiten und mit ihren dichten Beständen die einheimische Flora verdrängen. Im Spätsommer und Herbst leuchten deren gelbe Blütenstände weithin sichtbar und schmücken ihre Standorte – Gärten, Bahndämme, Flussufer und Ödplätze. Die Echte Goldrute hingegen ist ausserordentlich wählerisch in Bezug auf die Harmonie ihrer Standorte. Diese haben meistens einen besonderen Reiz und laden durch ihre Schönheit und Atmosphäre zum Verweilen und Auftanken ein. Während die eingeschleppten Goldrutenarten durch die sich ausbreitenden, dichten Bestände eine grosse Lebenskraft beweisen, bringt die Echte Goldrute ihre ebenbürtige Vitalität auf eine andere Art zum Ausdruck; sie besitzt eine ungewöhnliche Ausstrahlung mit einer starken emotionalen Anziehungskraft. Zusammen mit Arnika und Johanniskraut gehört die Echte Goldrute wohl zu den Heilpflanzen mit der stärksten Ausstrahlung. Der einfühlsamen Betrachtung entgeht nicht, wie sich die Pflanze bald nach der Ernte auffällig verändert. Noch bevor der natürliche Welkprozess einsetzt, werden die


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Blüten und Blätter matt und verlieren ihren schönen Glanz. Man spürt, wie die Goldrute unter der Trockenheit leidet und nach Wasser verlangt. Für eine Pflanze, die an trockenen Standorten wächst und naturgemäss mit wenig Wasser auskommt, ist das Ausmass dieser Reaktion ungewöhnlich. Jede Pflanze braucht Wasser; über dieses biologische Erfordernis hinaus besitzt die Goldrute jedoch ein wesenhaftes Bedürfnis nach der Verbindung mit dem Wasser. Die Pflanze behält ihre Ausstrahlung und Schönheit nur in der ständigen Anbindung an das fliessende Element. Abgeschnitten und auf sich allein gestellt, wird sie fad und ausdruckslos, ihrem Wesen entfremdet. Der Geruch und Geschmack ist angenehm erfrischend, leicht und unaufdringlich aromatisch und erinnert an Honig, eine Andeutung des verbindenden, freundlichen Wesens der Pflanze. Die Signatur der Echten Goldrute bringt ihr auf Verbindung, Ergänzung, Harmonie, Lebenskraft und Fluss ausgerichtetes Wesen deutlich zum Ausdruck. Es besitzt alle Merkmale einer harmonischen Beziehung in gegenseitiger emotionaler Ergänzung. Die Goldrute verkörpert auf der psychischen Ebene den Bereich von Partnerschaft, Liebe und Beziehungsfähigkeit. Diesem Bereich entspricht auf der physischen Ebene die Nierenfunktion. Ebenso wie die Goldrute ein spezifisches Nierentherapeutikum darstellt, repräsentiert ihr Wesen die spezifischen Kräfte, die für eine harmonische emotionale Beziehung, für eine echte Freundschaft erforderlich sind. Vielfach sind Nierenfunktionsstörungen der physische Ausdruck einer gestörten Beziehungsfähigkeit, einer Störung in der Wechselwirkung zwischen emotionalem Geben und Nehmen. In solchen Fällen können die Wesenskräfte der Goldrute einerseits zu einer Wahrnehmung und Bewusstwerdung der eigenen Problematik führen, während andererseits die Nierenfunktion angeregt wird. Die Goldrute verbindet, was getrennt wurde. Sie heilt Wunden auf der physischen wie auch im Sinne einer emotionalen Unterstützung auf der psychischen Ebene. Die Pflanze war in früheren Jahrhunderten eines der bewährtesten Wundheilkräuter und trug ursprünglich den Namen «heidnisch Wundkraut». Im lateinischen Solidago (von solidum agere = das in der Verwundung Getrennte wieder fest zusammenfügen) kommt auch das verbindende Wesen zum Ausdruck. Anwendungsgebiete Die Echte Goldrute wird eingesetzt bei akuter und chronischer Nierenentzündung, zur Durchspülungstherapie bei entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege (auf reichliche Flüssigkeitszufuhr achten), zur Rezidivprophylaxe bei Harnwegsinfekten, bei Nierengriess, zur Steinprophylaxe, bei Eiweiss im Urin, bei Ödemen renalen Ursprungs, bei Nierenerkrankungen, verbunden mit Hautausschlägen und Drüsenschwellungen. Goldrute wird ebenfalls eingesetzt, wenn im Verlaufe von Infektionskrankheiten die Besserung nur langsam eintritt, wenn der Urin spärlich, dunkel und trüb wird und bei Mangel an psychischer Energie (Chi). Die kleinwüchsige alpine Goldrute hat eine besonders hohe Heilkraft. Die aus Nordamerika eingeschleppte Riesengoldrute verdrängt die einheimische Flora.

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Dosierung der wesenhaften Goldruten-Urtinktur 1–3 x täglich 2–5 Tropfen in einem halben Glas Wasser langsam trinken. Solidago 0/ kann zu einer starken Reaktion der Nieren führen. Daher muss mit einer tiefen Dosierung begonnen werden. Bei Schmerzen in der Nierengegend soll die Dosierung verringert werden.


Gundelrebe Wesen der Pflanze Loslassen und Erneuerung, Gelassenheit, lebenserweckende Wärme Die unscheinbare, zwerghafte Gestalt der Gundelrebe trägt ein höchst lebendiges Licht- und Wärmewesen in sich. Dieses vermag die durch innere Kälte gestockten und erstarrten Prozesse wärmend zu durchdringen und neu zu beleben. Die Gundelrebe vermittelt die Fähigkeit, Zustände, die – bewusst oder unbewusst – festgehalten wurden und dadurch nicht mehr im lebendigen Prozess der fortwährenden Veränderung stehen, zu erneuern. So können seit langem erstarrte Prozesse wiederum in den Lebensfluss aufgenommen werden. Die Gundelrebe beendet Winterstarre und Dunkelheit durch ihre lösenden Wärme- und Lichtkräfte und lässt so neue Lebensenergie durch die Adern fliessen. Das Wesen der Gundelrebe greift nie forcierend ein. Es verkörpert Gelassenheit, Geduld und innere Ruhe und das Vertrauen auf die helfenden Naturkräfte. Die Wesenskräfte dieser Heilpflanze stärken den Menschen in seinem Glauben an das Wunderbare, an das Leben selbst. Signatur Die Gundelrebe ist so lebendig und kommunikativ, dass sich ihr Wesen dem einfühlsamen Betrachter schon nach kurzer Zeit offenbart. Schwieriger ist es, die innere Wahrnehmung an der Signatur zu verifizieren. Mit wenigen Pflanzen habe ich so viele Stunden intensiven Studiums verbracht, ohne ihre Schlüsselmerkmale zu entdecken. Ich machte den Fehler, mich vor allem der Einzelpflanze zu widmen, studierte deren Formen und Farben bis ins Detail und konnte dadurch ihrem Wesen nicht gerecht werden. Die Gundelrebe ist keine Einzelgängerin. Sie kommt erst dann ihrem Wesen gemäss zur Geltung, wenn sie Teil eines grösseren Ganzen, eines Bestandes von gleichen Pflanzen ist. Die Gundelrebe strebt nicht nach Selbstdarstellung. Sie hebt sich nie vor dem Hintergrund ab, sondern sucht gemeinsam mit anderen die Ausbreitung in die Horizontale. Ihr Wesen ist es mitzuschwingen mit den Rhythmen und Kräften der Natur. Die Gundelrebe kann mit den Lebenskräften in Resonanz treten und wirkt dadurch als ihr Verstärker. Um einen Gundelrebenstandort spüren wir höchste Lebendigkeit und die Gegenwärtigkeit von Elementarwesen, den so genannten Erdgeistern, die für das Pflanzenwachstum sorgen. Betrachten wir den Bestand und schauen etwas unscharf, so nehmen wir ihn als Ganzheit und nicht nur seine Teile wahr. Wir sehen jetzt eine reiche Zahl von Rundformen, die miteinander zu kommunizieren scheinen. Das Bild wird zusammengehalten durch die rundlichen Blätter mit ihren rund gekerbten Blatträndern. Die vielen Halbkreise sind wie Elemente von Wellenlinien, von Schwingungsmustern, die durch den ganzen Bestand vibrieren und ihn zu einer Einheit verbinden. Darin zeigt sich die Fähigkeit, in Resonanz zu treten mit den umgebenden Lebenskräften. Welcher Art sind die Kräfte, mit denen die Pflanze in Resonanz tritt? Es sind die Sonnenkräfte, die auf die Verlebendigung der Erde gerichtet sind. So sind denn auch die jungen Blätter am Vegetationspunkt jeweils zu zweien flach aneinander geschmiegt, wie zwei zusammengefaltete, nach oben gerichtete Hände. Die Pflanze ist ausgeprägt warm und erdverbunden. Ihr Aroma ist würzig warm und von stark erdigem Charakter, ihre Blätter sind im Jugendstadium violett-braun überzogen und gleichen sich in ihrer Farbe oft dem rotbraunen Erdboden an.

Botanischer Name: Glechoma hederacea Name der Urtinktur: Glechoma hederacea 0/ Für die Urtinktur verwendeter Pflanzenteil: frisches blühendes Kraut

Die Gundelrebe hat einen zwergenhaften Charakter.

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Die Gundelrebe gehört zur Familie der Lippenblütler, eine Familie, die viele Gewürzund Heilpflanzen hervorbringt, die in ihren typischen Aromen vor allem das Element der Sonnenwärme in Substanzform assimiliert haben. Die Gundelrebe ist die erste Art dieser Familie, die im frühen Frühling mit ihrem warmen, erdigen Aroma die Winterstarre überwindet. Die Blüten sind ausladend, sie dehnen sich sehr weit in die Horizontale, oft über die Blätter hinaus, die Oberlippe ist abgeflacht, und so wirken die Blüten wie eine Geste des Loslassens und Empfangens. Zusammenfassend kann man festhalten: Die Gundelrebe befreit vom Einzelkämpfertum. Sie hilft, die starre Idee loszulassen, alles aus eigener Kraft vollbringen zu müssen. Sie überlässt sich vertrauensvoll den schöpferischen und wundertätigen Kräften der Natur und nimmt deren Hilfe dankbar an. Anwendungsgebiete Aus dem Wesen der Pflanze ergibt sich ihre Anwendung. Sie wird insbesondere bei langwierigen, hartnäckigen und zehrenden Krankheitszuständen angewendet, wenn das Vertrauen in die eigenen inneren Heilungskräfte verloren gegangen ist. Sie wird bei folgenden Symptomen eingesetzt: Erkrankungen der Atmungsorgane wie Rachenkatarrh, Bronchitis, Asthma, Schnupfen, Schleimhautentzündungen, Nieren-BlasenBeschwerden (Reizblase), zur Unterstützung bei einer Frühjahrskur und bei Stoffwechselerkrankungen. Dosierung der wesenhaften Gundelreben-Urtinktur 1–3 x täglich 2–5 Tropfen einnehmen.

Die Blüten zeigen eine Geste des Loslassens. Die Blätter des Gundelrebenbestands bilden ein Schwingungsmuster.

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Hafer Botanischer Name: Avena sativa Name der Urtinktur: Avena sativa 0/ Für die Urtinktur verwendeter Pflanzenteil: frisches blühendes Kraut

Wesen der Pflanze Belastbarkeit, Auffangen von Erschütterungen, Stabilisierung von Rhythmen Es ist das Wesen des Hafers, die Energie von Einflüssen, die uns aus dem Rhythmus bringen können, zu absorbieren. Dies ist dann der Fall, wenn wir uns bedrängt oder gar gejagt fühlen, sei es durch schwer zu bewältigende Aufgaben, Arbeiten unter Zeitdruck, Bedrängnis oder Erschütterungen. Hafer fängt Erschütterungen auf und fördert dadurch die Belastbarkeit. Er unterstützt die seelische Bewältigung von äusserem Druck wie auch von grosser, körperlicher Erschöpfung. Bei nervösen Erschöpfungszuständen und Verlust des eigenen Rhythmus aufgrund der genannten Situationen oder nach erschöpfenden Krankheiten wirkt Hafer nervenstärkend und vermag den gestörten Schlaf-Wach-Rhythmus wieder einzupendeln. Signatur Der Hafer, zur Familie der Gräser (Graminaceae) gehörend, ist eine äusserst bewegliche und elastische Pflanze; alles Starre ist ihm fremd. Vergleichen wir ihn mit anderen Getreidepflanzen wie Gerste, Roggen oder Weizen, fällt uns ein grosser Unterschied in der Anordnung der Blüten bzw. Früchte auf. Die Früchte dieser Getreidearten sitzen dicht am Stengel und bilden eine kompakte Ähre. Wie anders gebärdet sich da der Hafer. Seine Blüten bzw. später die Früchte hängen an feinen, filigranen Stielchen. Wenn ein Haferfeld im Wind wogt, beginnen die feinen Blüten in einer zweiten, zusätzlichen Schwingung leise zu vibrieren und eine stille Melodie zu spielen. Dies ist möglich, weil die Blüten nicht starr am Stengel befestigt, sondern an sehr dünnen Blütenstielen beweglich aufgehängt sind. Wie muss ein Gebäude konstruiert sein, um starke Erschütterungen aufzufangen, also etwa ein Bau in einem erdbebengefährdeten Gebiet? Starre Konstruktionen taugen hier wenig, gefordert ist eine Bauweise, die die Energie von Erschütterungen absorbieren kann. So ist auch der Blütenstand des Hafers aufgebaut. Das Wesen seiner Konstruktion ist das Tragen von oben wie bei einer Hängebrücke. Zum Vergleich wären die anderen Getreidearten dann Brücken, die auf festen Pfeilern abgestützt sind. Der inneren Wahrnehmung erschliesst sich der Hafer als ein Kraftliniensystem aus einer tragenden Bogenkonstruktion mit aufgespannten Saiten – wie bei einer Harfe. Hafer – Harfe, die Ähnlichkeit der Begriffe ist gewiss kein Zufall. Die Pflanze Hafer und das Instrument Harfe besitzen eine Wesensverwandtschaft. Anwendungsgebiete Die Pflanze kann vor allem bei verschiedenen Formen von Überforderung angewandt werden. Wenn wir den Belastungen und Anforderungen des aktuellen Lebens nicht mehr gewachsen sind und sich dies in Erschöpfungszuständen und Schlafstörungen äussert, haben wir im Hafer einen treuen Helfer. Auch wenn wir uns nach zehrenden Krankheiten völlig erschöpft und am Boden fühlen, kann uns die Kraft des Hafers nervlich und körperlich wieder aufbauen. Ausserdem eignet er sich zur Unterstützung bei Suchtbehandlungen, indem er die Last der Entzugssymptome erträglicher macht.

Die Haferblüten hängen an filigranen Stielchen.

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Dosierung der wesenhaften Hafer-Urtinktur 1–3 x täglich 2–5 Tropfen oder 1 x täglich vor dem Schlafengehen 3–7 Tropfen in etwas Wasser einnehmen.


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Hirtentäschel Botanischer Name: Capsella bursa pastoris Name der Urtinktur: Bursa pastoris 0/ Für die Urtinktur verwendeter Pflanzenteil: frisches blühendes Kraut

Wesen der Pflanze Bewahren, Einschränken, Umrahmen Hirtentäschel ist eine Pflanze von intensiv vibrierender innerer Lebendigkeit, die sie jedoch nach aussen hin weder durch Farbe noch durch Ausstrahlung zum Ausdruck bringen kann. Es gehört zu ihrem Wesen, ihre Lebenskräfte zu umfassen und im Innern festzuhalten, um dadurch einen Verlust zu verhindern. Das Wesen dieser Pflanze könnte man als das Gegenteil von charismatisch bezeichnen. Es ist konservativ, also bewahrend und fällt mit ihren Lebensäusserungen nie aus dem Rahmen. Hirtentäschel ist eine Pflanze für Menschen, die sich oft zu stark verausgaben, indem sie aus ihrem persönlichen Rahmen fallen. Den dadurch hervorgerufenen Verlust an Lebensenergie kann man auf die körperliche Ebene bezogen auch als eine Blutung bezeichnen. Bursa pastoris ist also eine Pflanze, die äusserst spezifisch gegen körperliche und seelische Arten des Blutverlusts wirksam ist. Signatur Ich habe sehr lange gebraucht, bis ich Signatur und Wesen des Hirtentäschels verstanden habe. Während Jahren habe ich sie immer wieder intensiv studiert, um ihr Geheimnis zu ergründen. Die Signaturenlehre ist nichts Schematisches, bei dem man nach bestimmten Regeln vorgehen kann. Es gibt keinen Katalog mit Angaben über die Bedeutungen verschiedener Pflanzenformen. Der erste Schritt ist immer die seelische Verbindung mit einer Pflanze, indem man sich ihrer Ausstrahlung öffnet. Das Hirtentäschel hat mich aber völlig irritiert, weil es die einzige Pflanze war, bei der ich einfach keine Ausstrahlung wahrnehmen konnte. Ich habe die Pflanze stundenlang betrachtet und auch mit dem Mikroskop in allen Varianten untersucht, konnte aber nichts Bedeutsames finden. Bis ich eines Tages erkannte: Das Hirtentäschel hat gar keine Ausstrahlung, sondern es strahlt nach innen. Und dann verstand ich seine Signatur und sein Wesen. In der Elektrotechnik kennen wir Antennen. Sie können elektromagnetische Strahlung empfangen oder ausstrahlen. Dies ist in der belebten Natur genauso. Auch hier gibt es «Antennen», lange Dornen oder Haare zum Beispiel. Sie sind in der Lage und haben die Aufgabe, Strahlung – in diesem Fall Lebensenergie – aufzunehmen oder abzustrahlen. Um eine zielgerichtete Bewegung grafisch zum Ausdruck zu bringen, zeichnen wir einen Pfeil. Die Spitze eines Pfeils zeigt immer in die Richtung der Bewegung oder Strahlung. Auch in der Natur gibt es Pfeile, allerdings viel seltener als Antennen. Ein solches Beispiel ist nun das Hirtentäschel. Betrachten wir einmal die Form der Fruchtschoten. Es sind Pfeile, die nach innen, zur Pflanze hin gerichtet sind. Nach innen gerichtete Pfeile sind eine sehr grosse Ausnahme. Diese Pfeile deuten an, in welche Richtung die Lebenskräfte des Hirtentäschels strömen. Beim Hirtentäschel haben wir also keine Ausstrahlung wie bei allen anderen Pflanzen, die mit ihren ausstrahlenden Kräften nach aussen hin kommunizieren, sondern der Fluss der Kräfte strömt in der Gegenrichtung. Das heisst, das tiefste Wesen dieser Pflanze besteht darin, auch nur den geringsten Verlust an Lebenskraft möglichst zu vermeiden. Aus dieser Wesensart lässt sich die blutstillende Wirkung bestens verstehen, denn Blut ist pure Lebenskraft.

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Anwendungsgebiete Symptomatische Behandlung von starken und unregelmässigen Menstruationsblutungen. Zur lokalen Anwendung bei Nasenbluten, Schleimhautblutungen und Steinleiden. Dosierung der wesenhaften Hirtentäschel-Urtinktur Innerlich: 1–3 x täglich 2–5 Tropfen in etwas Wasser oder pur einnehmen. Äusserlich: 5–10 Tropfen in etwas Wasser und mit einem Wattebausch auftupfen.

Die Fruchtschoten zeigen mit ihren Spitzen ins Innere der Pflanze. Vertikale und horizontale Linien prägen das Bild eines Hirtentäschelbestands.

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Holunder Botanischer Name: Sambucus nigra Name der Urtinktur: Sambucus nigra 0/ Verwendeter Pflanzenteil für Urtinktur: frische Blätter und Blüten

Ältere Äste des Holunders formen Rundbögen.

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Wesen der Pflanze Reifung, Vollendung von Wärmeprozessen, Erwachsenwerden, Verantwortung, Schutz Die Natur liefert uns Rohstoffe, die wir durch unsere Arbeit und Schöpfungskraft zu Gebrauchs- und Kulturgegenständen vollenden. Auch auf der seelischen Ebene gibt es «Rohstoffe» – von innen und aussen kommende Anlagen und Erfahrungen –, die durch innerliche Arbeit zu einem reifen Charakter geschmiedet werden müssen. Es ist der Prozess der Reifung, des Erwachsenwerdens, der Übernahme von Verantwortung. Der Holunder unterstützt die Vollendung seelischer und körperlicher Reifungsprozesse und besitzt eine ausgeprägte Beziehung zu den durchlüfteten Organen (Atemwege und Nebenhöhlen). Er wird eingesetzt bei stockenden – nicht zur Vollendung kommenden – Wärmeprozessen, wenn zum Beispiel eine Entzündung lange nicht ausheilt oder zum Chronischwerden neigt. Entzündungen und hartnäckige Verschleimung im Bereich der Atemwege, chronische Sinusitis und Raucherhusten sprechen gut auf Sambucus an. Signatur Der Holunder beginnt sich im Frühjahr als einer der ersten Sträucher unserer Wälder zu regen. Aus Stamm und Zweigen schiessen neue Triebe senkrecht nach oben und strecken sich in kurzer Zeit zu einer beachtlichen Länge. So überschiessend ist ihr Wachstum, dass die Borkenbildung nicht Schritt halten kann; mit einer blattartig grünen, dünnen Rindenhaut sind die jungen Triebe vorerst nur dürftig geschützt. Der Geruch dieses jungen, ungestüm treibenden Lebens ist, wie auch derjenige der Blätter, eigenartig brenzlig, unvollendet. Er erinnert an mottendes Feuer, dem es an ausreichendem Luftzug, an Sauerstoff fehlt. Ein Jahr später hat sich das Jungholz äusserlich gefestigt, die Borke ist ausgebildet, und nun beginnen sich die Zweige leicht zur Erde hin zu biegen. Betrachten wir das Innere der Äste, indem wir mit einem Messer Schicht um Schicht des Holzes abschälen, entdecken wir ein schwammig poröses, leichtes Mark. Der Vergleich mit Styropor drängt sich auf. Der Holunderzweig ist in seinem Mark also reichlich luftdurchdrungen. Sind dies nicht eigenartige Zusammenhänge? Im Mark finden wir Lufteinschlüsse, während der Geruch der Blätter und jungen Triebe an einen Verbrennungsprozess mit ungenügender Luftzufuhr erinnert. Im weiteren Wachstum biegen sich die Zweige immer weiter nach unten. Bei älteren Sträuchern finden wir die Äste manchmal zu schön ausgeprägten Bogentoren geformt. Am Scheitel solcher Tore steigen immer jüngere Äste auf, die sich später ebenfalls zu Bogen formen, so dass oft mehrere gebogene Äste übereinander liegen. So finden wir im Holunder den Ausdruck grüner, aufstrebender Lebenskraft, die von der Erdenschwere erfasst wird, sich neu formt, nach oben reckt, um dann wieder nach unten gezogen zu werden. Die Rinde eines alten, reifen Holunders sieht zerschlissen und greisenhaft aus. Es ist wohl kein grösserer Gegensatz vorstellbar zwischen der grünen Haut der jungen Zweige und der zerfetzten grauen Borke des alten Stamms. Doch der Holunder ist nicht krank, neue Triebe spriessen wie eh und je, er sieht nur sehr alt aus. Im Frühling bringt der Holunder eine reiche Blütenpracht hervor. Die weissen Dolden (es sind Trugdolden) sind oft leicht konkav, wie empfangende, nach oben gerichtete Parabolspiegel, was für Dolden ganz ungewöhnlich ist. Die kleinen Einzelblüten sind


wie blinkende, weisse Sternchen, die die übervollen gelbgoldenen Staubbeutel umschliessen. Kaum eine andere Pflanze produziert so grosse Mengen an Blütenpollen. Trocknet man beispielsweise Holunderblüten auf einem weissen Tuch oder Papier, ist dieses übersät mit einer Schicht aus gelbem Pollenpulver, das an feuriges Schwefelpulver erinnert. Der Blütenduft ist geheimnisvoll süsslich, er trägt unsere Seele in andere Welten. Wenn wir die Tiefe des Holunderdufts ergründen möchten, muss es in den Abendstunden eines schönen Frühsommertags geschehen. Dann ist der Duft am stärksten. Im Herbst hängen die Früchte schwer am Strauch. Ihre Farbe ist schwarz wie die Nacht, der Geschmack säuerlich herb. Was hat uns all dies zu sagen? Das Hauptthema, das sich wie ein roter Faden durch die Signatur des Holunders zieht, ist das Thema der Lebensenergie, die sich in den Dienst eines geistigen Reifungsprozesses, eines Wärmeprozesses stellt. Es liegt in der Natur des Lebens: erwachsen werden, Verantwortung übernehmen und vor allem geistige Reife erlangen ist nur in dem Masse möglich, wie sich die Lebensenergie transformieren kann und nicht mehr im vollen Übermut der Jugend ausgelebt wird. Dies führt notwendigerweise dazu, dass die jugendliche Vitalität abnimmt und sich ein Älter- und Reiferwerden in jeder Hinsicht einstellt. Ein geistig-seelischer Entwicklungsprozess erfordert auch immer wieder eine Neuorientierung, ein Verlassen von Konzepten und Zielen. Denn jede Entwicklung auf einer bestimmten Bahn, so gut sie zu Beginn auch sein mag, verliert nach einer gewissen Zeit an Kraft und wird negativ – sie biegt sich zur Erde hin. Darum muss auf dem Höhepunkt einer Entwicklung die alte Bahn verlassen und ein neuer Weg eingeschlagen wer-

Junge Seitentriebe streben empor. Holunder – der Schutzbaum von Haus und Hof.

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den. Nur so kann von wirklichem innerem Fortschritt die Rede sein. Dies zeigt uns der Holunder in eindrücklicher Weise. Das Märchen «Frau Holle» der Gebrüder Grimm gibt uns ein vollkommenes Bild vom Wesen des Holunders (Holler). Nachdem die Hauptfiguren durch den Brunnenschacht zu einer tieferen Ebene (Ebene der seelischen Transformation) hinabgetaucht sind, müssen sie zunächst einen Reifungsprozess vollenden (gebackene Brötchen aus dem Ofen nehmen, reife Äpfel pflücken). Danach müssen sie ihre Lebenskraft in den Dienst von Frau Holle stellen, damit ihr Geist zur Klarheit kommt (Schnee auf der Erde). Wer diese Lebensaufgabe selbstlos und mit Hingabe erfüllt, wird mit geistigem Gold beschenkt, wer sie widerwillig und nur der Belohnung wegen ausführt, wird mit dem klebrigen Pech der Verstrickung ins Schicksal übergossen. Der Holunder gehört zu den grossen Mysterienpflanzen. Er ist das äussere Sinnbild für eine wahrhaft geistige Entwicklung. In früheren Einweihungsschulen war die Pflanze denn auch ein wichtiges Symbol für den Weg zum höchsten Ziel, das ein Mensch je erreichen kann. Anwendungsgebiete Der Holunder wird angewandt bei allen körperlichen und seelischen Wärmeprozessen, die nicht zur Vollendung gekommen sind, wo also die Verbrennung zum Erliegen gekommen ist, weil zu wenig Luft vorhanden ist. Dies ist zum Beispiel dann der Fall, wenn eine Entzündung chronisch geworden ist. Als Grundregel gilt: Krankheiten, die mit Atmung und Entzündung zu tun haben, werden mit Holunder behandelt. Dazu gehören: Erkältungskrankheiten, zur Chronifizierung neigende Entzündungen der Atemwege, schlecht ausheilender Stockschnupfen, chronische Sinusitis, Raucherhusten, fieberhafte grippale Infekte ohne Schweiss. Ausserdem wirkt Holunder immunstärkend bei grippalen Infekten. Dosierung der wesenhaften Holunder-Urtinktur 1–3 x täglich 2–5 Tropfen in etwas Wasser oder unverdünnt einnehmen.

Die Blütensterne enthalten sehr viel goldgelben Pollen. Im Herbst hängen die schwarzen Früchte schwer nach unten.

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Hopfen Wesen der Pflanze Fröhlichkeit, Leichtigkeit Das Wesen des Hopfens ist sehr leicht und fröhlich. Menschen, die eher im Stoffwechselpol verhaftet sind, die zu einer gewissen Erdenschwere neigen, tagsüber schläfrig sind und nachts wach liegen, verlieren durch Hopfen das Schwerfällige, Schläfrige und erhalten nachts eine lösende Ruhe. Signatur Der Hopfen ist eine Schlingpflanze, die bis zu 8 m hoch wird. Die Pflanze ist zweihäusig, das heisst, es gibt weibliche und männliche Pflanzen. Der angebaute Hopfen ist ausschliesslich weiblich, da für die Herstellung von Bier oder Heilmitteln die weiblichen Fruchtstände, die Hopfenzapfen kurz vor der Reife verwendet werden. Der gelblich grüne, hängende Fruchtstand ist eiförmig und besteht äusserlich aus 1–2 cm langen Deckblättern (Schuppen), die sich dachziegelartig decken. Die Innenseiten der Deckblätter sind übersät mit kleinen, glänzenden, hellgelben Drüsenschuppen. In diesen Drüsen sind die Wirkstoffe enthalten: das bitter schmeckende Harz und das aromatisch riechende ätherische Öl. Wenn im Spätsommer der Hopfen zur Verarbeitung in unserem Labor ankommt, ist dies immer ein sehr freudiges Ereignis, denn gute Laune und Unbeschwertheit sind in der Lieferung mit inbegriffen. Ein Sack frischer Hopfen verbreitet einen wunderbaren, süsslichen Duft, der sofort auf die Psyche wirkt; Fröhlichkeit und Leichtigkeit breitet sich aus, und die Menschen fühlen sich miteinander verbunden. Die Schuppen des Panzerhemds unserer Persönlichkeit, mit dem wir uns oft innerlich abschotten, fallen wie von selbst ab und lassen uns aufeinander zugehen. Auch der dachziegelartige Bau der Hopfenzapfen ist etwas Besonderes und Geheimnisvolles. Frische Hopfenzapfen sind fein, leicht, weich und doch kompakt; sie verheissen ein reiches Innenleben, Fülle und Fruchtbarkeit. Man möchte die Zapfen berühren, sie öffnen, zerpflücken – sie sind einfach unglaublich anziehend. Die Hopfenzapfen sind weiblich und eiförmig. Sie verheissen Leben und Fruchtbarkeit. Es ist Leben in der Vereinigung, in der Symbiose; viele kleine Schuppen sind es, die das Ei bilden. Die Hopfenzapfen lassen an die Kindheit denken, an die Unbeschwertheit und die Symbiose mit der Mutter. Der Hopfen ist eine nährende Pflanze; er nährt nicht mit Kalorien, sondern mit Lebenskräften. Im Bier werden die Kalorien vom Malz und vom Alkohol geliefert, und so ist dieses beliebte Getränk ein wunderbares Mittel, um Geborgenheits- und Verschmelzungsgefühle aufkommen zu lassen, wie sie in der Kindheit selbstverständlich waren. Da die lieblich einlullende und nährende Wirkung des Hopfens auf der psychischen Ebene stattfindet und dort das Verlangen nach Verschmelzung teilweise befriedigt, wird der Geschlechtstrieb – das Verlangen nach körperlicher Verschmelzung – abgeschwächt. Hopfen ist von alters her ein Mittel zur Dämpfung eines übersteigerten männlichen Geschlechtstriebs. Zu erwähnen ist noch die Tatsache, dass die Hopfenpflanze rechtswindend ist. Dies ist eine Seltenheit, denn die meisten Schlingpflanzen sind linkswindend. Der Drehsinn von Spiralformen hat eine wichtige energetische Bedeutung; linksdrehende Spiralen führen Kräfte aus der Materie hinaus, und rechtsdrehende Windungen begleiten die Materialisierung von Kräften. So wird durch die Rechtsdrehung das mütterliche, symbiotische Wesen des Hopfens zusätzlich unterstrichen.

Botanischer Name: Humulus lupulus Name der Urtinktur: Lupulus 0/ Für die Urtinktur verwendeter Pflanzenteil: frische Zapfen

Der Hopfen wird bis zu acht Meter hoch.

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Anwendungsgebiete Hopfen ist sowohl ein Beruhigungsmittel als auch ein Mittel zur Anregung der Verdauung (Bitterstoffe). Die Anwendungsgebiete sind: Schlaflosigkeit, Einschlafstörungen, nervöse Magen-Darm-Beschwerden, nervöser Durchfall. Hopfen ist ein Anaphrodisiakum für Männer.

Hopfenzapfen sind weich und leicht.

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Dosierung der wesenhaften Hopfen-Urtinktur 1–3 x täglich 2–5 Tropfen in etwas Wasser oder unverdünnt einnehmen.


Johanniskraut Wesen der Pflanze Lichtassimilation, Nervenkraft, Stabilität Johanniskraut hat von allen Heilpflanzen die stärkste Beziehung zum Licht. Die zur Zeit der Sommersonnenwende blühende Pflanze fördert die Aufnahme und Speicherung von Licht und dessen Umwandlung in Nervenkraft. Licht ist eine essenzielle Energiequelle für die Nerven, die Schnittstelle zwischen Körper und Seele. Wer zu wenig aus dieser Quelle schöpfen kann, weil – konstitutionsoder situationsbedingt – die Lichtaufnahmefähigkeit geschwächt ist oder das Lichtangebot durch anhaltend trübe Witterung oder langen Aufenthalt in künstlich beleuchteten Räumen vermindert ist, wird trübsinnig und depressiv. Dann wirkt Johanniskraut aufhellend. Johanniskraut ist vor allem auch bei Verletzungen angezeigt, und zwar gleichermassen auf Körper und Seele bezogen. Depressionen als Folge erlittener physischer und psychischer Verletzungen und Kränkungen oder Schnitt- und Stichwunden mit Nervenverletzungen werden damit sehr erfolgreich behandelt. Das Nervensystem wird stabilisiert. Dosierung beachten! Signatur Johanniskraut ist eine Pflanze des Mittsommers, sie blüht um den Johannistag (24. Juni). Sie gehört zur Familie der Hartheugewächse und wächst an Wegrändern, in Kahlschlägen, auf Brachwiesen sowie in Kiesgruben. Ihre auffallenden Merkmale sind die Stabilität des Stengels, die Lichthaftigkeit der Blüten, die «perforierten» ovalen Blätter und der in ihr enthaltene rote Farbstoff. Der Familienname Hartheugewächs sagt schon viel aus. Noch im Schnee des Winters stehen die starren, dürren Stengel des Johanniskrauts am Wegrand und wecken wehmütige Erinnerungen an vergangene Sommertage. Der Stengel ist fest und zweikantig (eine Seltenheit im Pflanzenreich) und strebt aufrecht mit einer leichten Spiralwindung und einem leichten Aufwärtsbogen (wie bei einer Wirbelsäule) zum Licht. Die zahlreichen kreuzweise gegenständig angeordneten, mehr oder weniger geradlinigen Seitentriebe sind schräg nach oben gerichtet, so dass jeweils zwei Seitentriebe ein auf die Spitze gestelltes, nach oben offenes gleichseitiges Dreieck bilden. Wie bei einer Figur, deren Arme empfangend schräg nach oben ausgestreckt sind. Lassen wir dieses Gerüst aus Stengel und Seitentrieben auf unser Gemüt wirken, so haben wir ein Bild von Stabilität und Gleichgewicht. Eine Waage, die sich im Gleichgewicht befindet. Dies gerade deshalb, weil wir im Gerüst eine hohe Ordnung, aber keine vollkommene Geradlinigkeit und Symmetrie finden. Alles ist leicht verdreht und gebogen und bringt so das Stabilitätsprinzip der Natur zum Ausdruck. Warum? In der Natur herrscht ein weiser Plan, und alles ist nach einer bestimmten Ordnung gefügt. Wir finden in der belebten Natur Symmetrien, Zahlengesetzmässigkeiten, Kreisläufe, harmonikale Muster, Rhythmen, doch sie sind niemals mathematisch perfekt. Die mathematische Perfektion gehört in die Sphäre des Mineralischen, der Kristalle. Im Reich des Lebendigen bedeutet die absolute Ordnung Starre und Tod. Man weiss zum Beispiel, dass Patienten kurz vor einem Herzinfarkt einen Herzrhythmus haben, dessen Phasen absolut zeitgleich sind. Ein starres System kann nicht mehr reguliert werden und kippt bei der geringsten Störung.

Botanischer Name: Hypericum perforatum Name der Urtinktur: Hypericum 0/ Für die Urtinktur verwendeter Pflanzenteil: frisches blühendes Kraut

Der Stengel des Johanniskrauts ist leicht verdreht.

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Die goldgelben Blütenblätter des Johanniskrauts sind radiär symmetrisch, in einer Ebene ausgebreitet wie kleine Sonnenscheiben. Beim Anblick von oben fällt auf, wie sie von innen nach aussen verdreht sind. Die Johanniskrautblüten haben einen deutlichen Drehsinn und erinnern an kleine Windräder. In welche Richtung läuft die Drehung? Wir finden etwa in gleicher Zahl rechts- und linksdrehende Blüten – und dies ist eine Ausnahme im Pflanzenreich. Es gibt zwar andere Blüten, die ebenfalls einen Drehsinn haben, doch dieser läuft immer nur in dieselbe Richtung. Oleanderblüten zum Beispiel sind immer rechtsdrehend und Immergrünblüten immer linksdrehend. Besteht ein Gleichmass zwischen rechts und links, deutet dies auf ein «In-der-Mitte-Stehen» hin. Zur Johanniszeit findet der Wechsel vom aufbauenden Teil des Jahres (durch Rechtsdrehung symbolisiert) zum abbauenden Teil des Jahres (durch Linksdrehung symbolisiert) statt. Das Johanniskraut blüht nicht zufällig in der Mitte des Jahres (auch andere Pflanzen blühen zu dieser Zeit), sondern weil dies zu seinem innersten Wesen gehört. Dann, wenn die Tage am längsten, die Lichtkräfte am intensivsten sind, entfaltet Hypericum seine sonnenhaften Blüten und scheint deren Lichtenergie wie mit Rädern (vergleiche Chakras) aufzunehmen. Die Überfülle an Lichtkräften kommt eindrücklich in den sehr zahlreichen Staubfäden und Staubbeuteln zum Ausdruck, die strahlenartig, wie Funken versprühend, von der Blütenscheibe ausgehen. Die harmonisch geformten ovalen und ungestielten Blätter erscheinen wie punktiert durchlöchert (daher der Namenszusatz perforatum). In Wirklichkeit sind dies die durchscheinenden Zellen von Exkretbehältern. Hier besteht ein direkter Bezug zwischen der Signatur und der spezifischen Wirkung des Johanniskrauts bei Stichverletzungen. Dies hat auch eine seelische Dimension, da Johanniskraut auch bei seelischen Verletzungen eingesetzt werden kann. Beim Zerdrücken der Blüten oder Knospen zwischen den Fingern tritt ein blutroter Farbstoff aus. Es handelt sich um die Substanzgruppe der Hypericine. Auch die Hypericum-Urtinktur oder das Johannisöl sind tiefrot. Rot ist die Farbe der Aktivität und der Willenskraft. Durch diesen reichlich enthaltenen Farbstoff bringt das Johanniskraut zum Ausdruck, dass die assimilierten Lichtkräfte zu Willenskraft transformiert werden können. Anwendungsgebiete Johanniskraut ist in erster Linie eine stabilisierend wirkende Nervenpflanze. Seine Heilkraft entfaltet sich gleichermassen auf der seelischen wie auf der körperlichen Ebene. Johanniskrautzubereitungen werden eingesetzt bei psychovegetativen Störungen, Depressionen, Angstzuständen, nervöser Unruhe und nervösen Erschöpfungszuständen. Körperlich hilft Johanniskraut bei Schnitt- und Stichwunden, Nervenverletzungen, Myalgien, Ischias, Rückenschmerzen, Verbrennungen ersten Grades, Herpes und Neuralgien.

Die punktiert durchscheinenden Blätter sind namensgebend. Wie Lichtstrahlen gehen die Staubfäden von den Blütenscheiben aus.

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Nebenwirkungen und Wechselwirkungen In seltenen Fällen kann eine Photosensibilisierung auftreten. Hoch dosierte Präparate können mit gewissen synthetischen Arzneimitteln in Wechselwirkung treten und deren Blutspiegel erniedrigen, so dass ihre Wirksamkeit abgeschwächt wird. Wenn folgende Medikamente vom Arzt verordnet sind, dürfen keine hoch dosierten Hypericum-Präparate eingenommen werden: Immunsuppressiva (z. B. Cyclosporin) nach Organtransplantationen (zur Vermeidung der Organabstossung), Digoxin-Präparate (Herzmittel), Cumarin-Präparate (Blutverdünnungsmittel), Ovulationshemmer (Pille). Für wesenhafte Urtinkturen besteht diese Einschränkung nur


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bei den Immunsuppresiva. Die anderen genannten Präparate können zusammen mit der Hypericum-Urtinktur eingenommen werden und werden in ihrer Wirkung nicht nur nicht abgeschwächt, sondern verstärkt (siehe Kapitel über die Dosierung Seite 9). Dosierung der wesenhaften Johanniskraut-Urtinktur 1–3 x täglich 1–5 Tropfen einnehmen. Die Erfahrung zeigt, dass mit der wesenhaften Urtinktur bei den meisten Patienten sehr schnell starke Wirkungen erzielt werden. Deshalb muss die Dosis mit grösster Sorgfalt ermittelt und individuell bestimmt werden. Man beginne in jedem Fall mit einer sehr niedrigen Dosierung von 1–3 Tropfen, 2 oder 3 x täglich. Nach jeweils einer Woche die Dosis um 1 Tropfen erhöhen, bis die gewünschte Wirkung eintritt. Dann – wichtig! – wieder mit der Dosis etwas zurückgehen oder allenfalls das Medikament nur jeden 2. oder 3. Tag einnehmen. Eine allfällige Verschlimmerung eines depressiven Zustands deutet fast immer auf eine Überdosis hin.

Johanniskrautblüten erscheinen wie links- und rechtsdrehende Windräder.

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Kamille Wesen der Pflanze Geborgenheit, Geduld, Sanftmut, Mutter Kamille vermittelt ein Gefühl mütterlicher Geborgenheit, indem sie eine übersteigerte innere oder äussere Sinnesempfindlichkeit dämpft und Krampfzustände durch milde Wärme löst. Bei einer gesteigerten Sinnesempfindlichkeit erscheinen Mitmenschen, Situationen und Umwelt sowie der eigene Körper wie in einem grellen, übertriebenen Bild. Dann fühlt man sich angreifbar, ungeborgen, man ist sehr schmerzempfindlich, reizbar und reagiert bei geringstem Anlass ärgerlich und ungeduldig. In diesen Situationen vermittelt die Kamille eine ruhevolle Sanftheit und lindert entzündliche und krampfartige Prozesse. Signatur In den Kamillenblüten sehen wir das gleissende Licht des Hochsommers. Über dem trockenen, warmen Ackerboden haben die Lichtkräfte in ihr ihren Ausdruck gefunden. Der Blütenkranz ist blendend weiss, die aufgewölbte Blütenscheibe hellgelb glänzend. Die Blütenmitte fühlt sich fein an und hat eine glatte Oberfläche, so dass sie im Sonnenlicht einen starken Glanz ausstrahlt. Die Blätter sind sehr fein, zweifach fiederschnittig. Die einzelnen Abschnitte sind nur noch als Linien angedeutet. Wie Antennen oder wie feinfühlige Sinnesorgane richtet die Kamillenpflanze ihre Blattspitzen in alle Richtungen. Alles an ihr ist auf das Empfangen und Aufnehmen gerichtet. Eine hohe Sensibilität spricht aus ihrer Gestalt. Und doch ist die Kamille deswegen nicht hypernervös. Im Gegenteil, allerorts ist das dämpfende Prinzip, die Abfederung, am Werk. So sind die Blätter sehr weich, wie Federn. Am deutlichsten kommt das Prinzip der Dämpfung im gewölbten gelben Blütenboden zum Ausdruck. Im Verlaufe der Entwicklung wölbt er sich stark nach oben. In der Längsrichtung durchschnitten, gibt der zylindrische Blütenboden einen luftgefüllten Hohlraum frei. Wie durch ein Luftkissen dämpft die Blüte jegliche Heftigkeit ab. Das Blendende, Gleissende wird gemildert durch das sanft Dämpfende des luftgepolsterten Blütenbodens. Die Kamille hat ein tiefblaues ätherisches Öl, was eine Ausnahme ist; die ätherischen Öle sind meistens farblos oder gelblich. Doch das Öl ist nicht schon in der frischen Pflanze blau, sondern nimmt erst nach der Gewinnung durch die Wasserdampfdestillation diese Farbe an. Dabei wird ein blauer Stoff gebildet, der das Öl färbt. Das farblose, undifferenzierte ätherische Öl der Kamille wandelt sich in der Verbindung mit Wasser und Wärme zum Blauöl, das Sanftheit, Ruhe und mütterliche Geborgenheit ausstrahlt. Blau ist die Farbe des Ozeans, der Leben hervorbringt, und auch der Urmutter. Das farblose, undifferenzierte Wasser nimmt im strahlenden Sonnenlicht die tiefblaue Farbe des Ozeans an. Wesensverwandt sind die lateinischen Begriffe mare, mater und materia – und daran fügt sich die Matricaria, die Kamille, an. Der typische Geruch des Kamillenöls hat einen angenehm warmen, aber nicht feurigen Charakter. Die Kamille ist wohl der Inbegriff einer Heilpflanze. Ein von Bauchweh geplagtes Kind, die umsorgende Mutter, der warme Kamillentee – das gehört einfach zusammen. Es sind nicht nur die krampflösenden Wirkstoffe, die dem Kind so gut tun, das Kamillenwesen verstärkt zudem die mütterliche Zuwendung.

Botanischer Name: Matricaria recutita Name der Urtinktur: Chamomilla 0/ Für die Urtinktur verwendeter Pflanzenteil: frische blühende Pflanze

Das Erkennungszeichen der echten Kamille ist der hohle Blütenboden.

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Das Kind wird bei der Geburt aus der weichen, warmen, dunklen Geborgenheit des Mutterschosses hinausgestossen in eine harte, kalte und helle Welt. Das Neugeborene erfährt das Licht zuerst als einen blendenden Schmerz, doch nach und nach lernt es, sich am Licht zu orientieren, mit den Augen die Welt in sich aufzunehmen. Die Mutter umgibt das Kind mit der Weichheit und Wärme ihrer Geborgenheit, und sie begleitet es bei den ersten Entdeckungen im Licht der Welt, aber sie muss es immer wieder vor den extremen, gleissenden Sinneseindrücken behüten. Das Bedürfnis nach Wärme und Weichheit ist also geblieben, aber das Licht verliert langsam seine Bedrohlichkeit für den Säugling. Das Kind erwacht mehr und mehr im Verlangen nach dem weichen Schein des Lichts. Licht, Weichheit und Wärme begegnen uns in der wunderbaren Kamille. Anwendungsgebiete Entzündungen der Atmungsorgane, Zahnungsbeschwerden, Entzündungen und Krämpfe der Verdauungsorgane und der weiblichen Geschlechtsorgane, heftige Schmerzzustände, reizbare Verstimmungszustände. Dosierung der wesenhaften Kamillen-Urtinktur 1–3 x täglich 2–5 Tropfen einnehmen oder 10 Tropfen in einem halben Glas lauwarmem Wasser zum Spülen oder Gurgeln verwenden.

Die Kamille bevorzugt warme und trockene Standorte. Die Kamille hat einen wesenhaften Bezug zum Blau des Himmels.

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Kapuzinerkresse Botanischer Name: Tropaeolum majus Name der Urtinktur: Tropaeolum majus 0/ Für die Urtinktur verwendeter Pflanzenteil: frisches blühendes Kraut

Wesen der Pflanze Lichtdurchdringung des Feuchten und Dunklen Mykosen sind ein verbreitetes und schwerwiegendes Gesundheitsproblem unserer Zeit, das mit schulmedizinischen Antimykotika nicht dauerhaft gelöst werden kann. Auch in der Ganzheitsmedizin können sie nur durch die kombinierte Anwendung von mehreren Heilmitteln und Therapien sowie einer strengen Diät eingedämmt werden. Sehr nützlich ist dabei Tropaeolum 0/ . Warum? Pilze benötigen für ihr Wachstum neben den richtigen Nährstoffen geeignete Umweltbedingungen. So finden wir Pilze bevorzugt an dunklen, feuchten Stellen, an Orten also, die ungenügend mit Licht und Wärme durchdrungen sind. In Analogie dazu benötigen auch die inneren Mykosen neben den Nährstoffen, die aus falscher Ernährung (z. B. hoher Zuckerkonsum) stammen, ein geeignetes Milieu. Physiologisch wird das Milieu durch den pH-Wert und die Elektrolytzusammensetzung von Blut und anderen Körperflüssigkeiten bestimmt. Energetisch betrachtet deutet das Auftreten von Mykosen darauf hin, dass die Körperflüssigkeiten zu wenig von Licht- und Wärmekräften durchdrungen sind. Die Kapuzinerkresse führt Licht- und Wärmekräfte in das «Dunkel des Stoffwechsels» ein und schafft auf diese Weise die Voraussetzungen für eine Änderung des Milieus und damit ein «Austrocknen» der Pilze. Signatur Die Kapuzinerkresse gehört zu den Pflanzen mit einer besonders ausdrucksstarken Signatur. Ihre Blätter sind eigentlich nicht diejenigen einer Landpflanze. Der Blattstiel ist mit der Mitte der Blattspreite verwachsen, so dass das beinahe kreisrunde Blatt wie ein Schild aussieht. Normalerweise ist der Blattstiel mit dem Grund der Blattspreite verwachsen, auch dann, wenn das Blatt sich ganz in die Runde ausbreitet, wie z. B. beim Frauenmantel. Das Konstruktionsprinzip dieses Blatts kommt sonst nur bei einigen Wasserpflanzen vor, deren Blätter auf dem Wasser schwimmen. Damit erkennen wir schon einen zentralen Aspekt der Signatur: Die Landpflanze Kapuzinerkresse bringt durch ihre Blätter den Charakter einer Wasserpflanze zum Ausdruck, und die Blattflächen markieren gewissermassen die Wasseroberfläche. Nun hat aber die Kapuzinerkresse äusserst licht- und wärmebetonte Blüten, wie man sie bei Wasserpflanzen nicht findet. Die grossen, schön geformten Blüten sind leuchtend gelb, strahlend orange und feurig rot. Viele andere Pflanzen bringen ebenfalls lichtbetonte Blüten hervor, die sich dann möglichst nach aussen hin orientieren, dem Licht zugewendet. Bei der Kapuzinerkresse finden wir umgekehrte Verhältnisse. Die strahlenden Blüten werden immer wieder von den Blättern überwachsen und ins Dunkel abgedrängt. Die Pflanze bildet zwar wieder neue Blüten, doch diese erleiden das gleiche Schicksal. So zeigt sich oft das erstaunliche Bild, dass die lichthaften Blüten, völlig verdeckt von den Blattschilden, im Dunkel vor sich hin leuchten. Da die Blattflächen wie oben dargelegt als «Wasseroberfläche» gesehen werden können, erkennt man darin das Wesen der Pflanze, das in der Lichtdurchdringung des Feuchten besteht.

Ein Beet mit Kapuzinerkresse strahlt viel Wärme aus.

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Anwendungsgebiete Kapuzinerkresse wird bei Krankheiten angewandt, deren Ursache in einem Mangel an Wärme- und Lichtkräften und einem Überschuss an wässrigen Prinzipien liegt.


Sie wird eingesetzt zur Unterstützung einer Therapie von Mykosen, zur Behandlung von akuten grippale Infekten und Infektionen der Harnwege. Tropaeolum wird ebenfalls erfolgreich eingesetzt beim prämenstruellen Syndrom. Dosierung der wesenhaften Kapuzinerkressen-Urtinktur 2–4 x täglich 2–5 Tropfen in etwas Wasser oder unverdünnt einnehmen.

Die Blüten werden von den Blättern überwachsen. Die schildförmige Blattspreite ist in der Mitte mit dem Stiel verwachsen.

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Lavendel Botanischer Name: Lavandula angustifolia Name der Urtinktur: Lavandula 0/ Für die Urtinktur verwendeter Pflanzenteil: frische Blüten

Wesen der Pflanze Klärung, Reinigung, Transzendenz Lavendel ist eine der grossen «Seelenpflanzen», deren Bedeutung schon seit Jahrhunderten intuitiv verstanden wurde. Das kommt unter anderem im wissenschaftlichen Namen zum Ausdruck, der vom lateinischen lavare (waschen) stammt. Die Reinigung ist aber nicht stofflich zu verstehen, sondern es ist eine seelische Reinigung, die durch den Duft bewirkt wird. Lavendel wirkt klärend und beseelend. Er reinigt das Seelengefäss und bereitet den Raum für subtilere und höhere Werte. Klärung bringt Ruhe und Nervenstärke, die Aufnahmebereitschaft für Neues wächst. Signatur Der Lavendel, eine mediterrane Bergpflanze, gehört zur Familie der Lippenblütler (Labiatae), aus der auch viele andere Duft- und Gewürzpflanzen stammen. Die weiten, blauvioletten Lavendelfelder in den Berggebieten der Provence besitzen eine magische Anziehungskraft. Hat sich hier ein Stück Himmel mit der Erde verbunden? In einem duftenden Lavendelfeld fühlen wir uns durchstrahlt von einer stillen, reinen Energie. Der Blütenstand des Lavendels ist ganz aus der Sphäre der Blätter herausgehoben. Dicht aneinander gereiht umfassen die Blüten das Ende der aufrechten Zweige und entziehen – wenn viele Pflanzen zusammenstehen – die schmalen Blätter unserem Blickfeld. Dies führt dazu, dass kurz vor und zum Zeitpunkt der Blüte das Licht der Sonne nur noch abgeschwächt bis zur vegetativen Sphäre der Blätter hindurchdringen kann; die Pflanze ist ganz zur Blüte geworden und gibt sich der Luft des Himmels hin. Wie sind nun die einzelnen Blütenquirle im Blütenstand angeordnet? Nachdem der Zweig die Blätter schon etwas überragt, beginnt sich der Blütenstand mit einem kleinen, den Stengel umfassenden Blütenquirl anzukündigen. Nach einem Abstand kommt ein zweiter Quirl, und nach einem weiteren, kürzeren Abstand tritt der volle Blütenstand in Erscheinung. Die Blütenwirkung kündigt sich stufenförmig an – in einer Art Blütenleiter mit sich verkürzenden Stufen. Haben Sie schon einmal Lavendelblüten aus der Apotheke genau betrachtet? Wer über botanische Grundkenntnisse verfügt, erkennt, dass es sich hierbei mehrheitlich um Blütenkelche handelt. Die ovalen Kelche haben die gleiche tiefe Farbe wie die Blüten, darum fällt die «Unstimmigkeit» nicht sofort auf. Es gehört zur Besonderheit des Lavendels, dass er kurz vor oder zu Beginn der Blütezeit geerntet wird und dass somit die Mehrheit der «Lavendelblüten» noch im Knospenstadium sind. Dies hat einen Grund: Entgegen der Regel, dass der Duft- und Wirkstoffgehalt von Blütendrogen zum Zeitpunkt der vollen Blüte am höchsten ist, finden wir bei der Lavendelblüte die grösste Heilkraft zu Beginn der Blüte. Der ovale Blütenkelch ist wie ein Gefäss. Die fünf Kelchblätter sind vollständig verwachsen, und vier der fünf Kelchblattzähne sind kaum mehr vorhanden. Der fünfte Kelchblattzahn ist jedoch erweitert und bildet eine herzförmige Lippe, die sich über die Öffnung des Kelchgefässes legt (mit Lupe erkennbar). Diese Lippe öffnet sich sofort, wenn die Blütenkrone aus dem Kelch hervordrängt. Eine wunderschöne Signatur: ein eiförmiger Kelch mit einem kleinen Deckelchen.

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In der Entwicklung des Lebens folgt auf das Keimen des Samens die Entfaltung und das Wachstum, dann die Blüte und die Fortpflanzung, später das Verblühen, die Fruchtreife und schliesslich das Verwelken und Absterben, um dann einem neuen Kreislauf Raum zu geben. Der Höhepunkt des natürlichen Lebens wird in der vollen Blüte gesehen. Aber erst wenn diese verblüht, kann sich daraus eine Frucht, ein Keim für neues Leben entwickeln. Der Lavendel hat seinen Höhepunkt nicht wie üblich zur Zeit der vollen Blüte, sondern etwas davor. Es scheint, als wolle der Lavendel noch auf eine andere Entwicklungsmöglichkeit als diejenige des natürlichen, biologischen Kreislaufs hinweisen. Eine seelische Höherentwicklung – soll sie zu echter Weisheit im Alter heranwachsen – muss zu einem Zeitpunkt beginnen, wo der Mensch noch über seine volle Vitalität verfügt. Transzendenz kommt auch in der Blütenfarbe Violett zum Ausdruck. Anwendungsgebiete Lavendelblüten besitzen eine ausgesprochen nervenstärkende Wirkung und können daher bei psychovegetativ labilen Zuständen angewandt werden, bei denen Nervosität, verbunden mit Magenschwäche, im Vordergrund steht. Lavendelblüten wirken beruhigend bei inneren Unruhezuständen und Einschlafstörungen wie auch bei nervös bedingten Oberbauchbeschwerden (nervöser Reizmagen, Blähungen, nervöse Darmbeschwerden).

In einem duftenden Lavendelfeld fühlen wir uns durchstrahlt von einer stillen, reinen Energie.

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Lavendelblüten können auch bei seelischen Übergangszuständen angewandt werden. Dazu gehören Phasen der Neuorientierung im Sinne einer Abschwächung von materialistischen Lebenszielen und einer Hinwendung zu seelischen Entwicklungen. Lavendel kann auch als Mittel bei der Sterbebegleitung sehr hilfreich sein. Dosierung der wesenhaften Lavendelblüten-Urtinktur 1–3 x täglich 2–5 Tropfen in etwas Wasser oder unverdünnt einnehmen.

Die Blütenknospen sind mit einem «Deckelchen» verschlossen. Wilder Lavendel in den Bergen der Provence.

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Löwenzahn Wesen der Pflanze Wandlung, Anpassungsfähigkeit, Fliessen, Wärme, Lebenskraft Der Löwenzahn gehört zu den anpassungsfähigsten und vitalsten Pflanzen. Die durch den Löwenzahn vermittelte Wandlungs- und Anpassungsfähigkeit bezieht sich gleichermassen auf Ideen, Wertvorstellungen und Anschauungen wie auf die Stoffwechselaktivität der Leber. Beide Ebenen weisen einen engen Zusammenhang auf: So wie die Leber eine rege Umwandlungsaktivität von chemischen Substanzen entfaltet, erfährt auch die innere Anschauung im Verlauf des Lebens immer wieder Anpassungen, Änderungen und Erweiterungen. Vorstellungen müssen an der Lebenserfahrung überprüft und – wenn erforderlich – angepasst oder korrigiert werden. Doch bereitet kein anderer Prozess auf der seelisch-geistigen Ebene so viel Mühe wie die Änderung von einmal gebildeten Werten und Anschauungen. Zwar weichen Vorstellung und Realität aufgrund der Unvollkommenheit des Bewusstseins immer mehr oder weniger voneinander ab, wird jedoch ein bestimmtes Mass der Abweichung überschritten, so führt dies zu Ärger oder Bitterkeit. Damit ist in der Regel auch eine Störung der Leberfunktion und des Gallenflusses verbunden. Der Löwenzahn dynamisiert die Wandlungs- und Anpassungsprozesse, löst Stauungen und Erstarrungen in Geist und Körper und vermittelt dadurch neue Lebenskraft. Signatur Der Löwenzahn kündigt mit grosser Kraft den Frühling an: Die Wiesen sind noch winterkalt und nass. Am Himmel zieht die Sonne wieder höhere Bahnen und berührt die Natur mit den ersten wärmenden Strahlen. Das neue Jahr erwacht. Nun erblüht der Löwenzahn in grosser Zahl, färbt ganze Wiesen gelb mit Tausenden auf die Erde gesunkenen kleinen Sonnen. Eine Zeit lang können wir uns an diesen Frühlingsboten erfreuen, doch bald schon verwandeln sich die Sonnenblüten in die silberhellen, durchlüfteten Kugeln der Fruchtstände. Ist der Zeitpunkt der Samenreife gekommen, werden die kleinen Fallschirmchen mit dem ersten Wind in die Weite getragen. Die gelben Blüten sind wie Spiegel der Sonne; verschwindet sie hinter den Wolken, schliessen sie sich. Regnet es, sind die Blüten manchmal so stark geschlossen, dass nicht mehr erkennbar ist, ob sie nicht schon verblüht sind. Die ganze Pflanze ist weich, der Stengel hohl, röhrenartig, von reichlich strömendem weissem Milchsaft durchflossen. Alle Pflanzenteile enthalten diesen Milchsaft, der – wenn Kinder mit den Stengeln spielen und Wasserleitungen bauen – auf den Kleidern schwarze, nicht mehr auswaschbare Flecken hinterlässt. Die Blätter sind vielgestaltig gezähnt (daher der Name); keine zwei Blätter könnten in ihrer Form zur Deckung gebracht werden. Der Geruch ist schwach, kaum wahrnehmbar, aber der Geschmack aller Pflanzenteile ist bitter. In diesem bitteren Geschmack finden wir die Beziehung des Löwenzahns zur Leber und zur Galle, da bittere Stoffe den Gallenfluss und die Leberfunktionen anregen. Der Löwenzahn steht mit seinem ganzen Wesen völlig im Gegensatz zu jeglicher Erstarrung und Fixierung auf feste Formen und Stabilität. Er ist ganz auf Veränderung ausgerichtet. In seinem Wandel der Formen ist er ein Spiegelbild für die sich ständig im Fluss befindlichen Stoffwechselprozesse der Leber.

Botanischer Name: Taraxacum officinale Name der Urtinktur: Taraxacum 0/ Für die Urtinktur verwendeter Pflanzenteil: frische ganze Pflanze

Wer möchte da nicht hineinblasen?

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Mit der kräftigen Pfahlwurzel ist der Löwenzahn gut verankert. Der Löwenzahn ist vielgestaltig und anpassungsfähig.

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Anwendungsgebiete Die Leber ist der grosse Alchimist in unserem Körper. Dasselbe könnte man in Bezug auf den Löwenzahn in der Natur sagen. Löwenzahn ist auf der körperlichen Ebene vor allem bei Krankheiten angezeigt, bei denen eine ungenügende Leberfunktion zu Erstarrungs-, Ermüdungs- und Stauungsprozessen führt. Erstarrungsprozesse auf der körperlichen Ebene sind oft Spiegel von Fixierungen auf der seelischen Ebene, wenn nicht mehr genügend Lebenskraft aufgebracht werden kann für die Anpassung an die sich ständig verändernden Situationen in unserem Alltag und ein Rückzug auf starre Gedanken und Gefühlsnormen stattfindet. Der Löwenzahn wird verwendet zur Anregung der Leber- und Gallefunktion, das heisst z. B. bei mangelhaftem Gallenfluss und bei Neigung zu Gallensteinen oder bei Appetitlosigkeit und Verdauungsbeschwerden, mangelnder Fettverdauung oder Verstopfung. Löwenzahn ist ein äusserst wichtiges Ausleitungsmittel zur Entgiftung über die Leber. Dies ist angezeigt bei Stoffwechselkrankheiten wie Rheuma und Gicht. Auch bei Allergien und Hautkrankheiten wird Löwenzahn wegen der ausleitenden Wirkung zur unterstützenden Behandlung eingesetzt. Ein wichtiges Anwendungsgebiet sind Schwäche und Müdigkeit, z. B. auch beim chronischen Müdigkeitssyndrom, da diese Symptome oft auf einen Mangel an Leberenergie hinweisen. Ausserdem wird Löwenzahn eingesetzt bei Kältegefühl in den Extremitäten und bei gastrischem Kopfschmerz. Dosierung der wesenhaften Löwenzahn-Urtinktur 1–3 x täglich 2–5 Tropfen in einem halben Glas Wasser einnehmen.


Mariendistel Wesen der Pflanze Abgrenzung, Schutz, Individualität Die Mariendistel fördert die Fähigkeit, sich gegenüber emotionaler und physischer Ausbeutung, gegenüber Angriffen und Manipulationen angemessen zu behaupten. Sie unterstützt damit die Wahrung der eigenen Persönlichkeit, indem sie die aktive Abgrenzung gegenüber schädigenden psychischen Einflüssen stärkt. Zu beachten ist, dass sich eine psychische Abwehrschwäche auf gegensätzliche Arten äussern kann, nämlich entweder in der Unfähigkeit zur Abgrenzung und zum Neinsagen oder aber in einer übersteigerten, aggressiven Abgrenzung. Eine solche Schwäche kann zu einer Störung der Entgiftungs- und Ausscheidungsfunktionen der Leber führen und damit Ursache von chronischen Krankheiten sein. In jeder zwischenmenschlichen Beziehung muss das richtige Mass zwischen Öffnung und Abgrenzung gefunden werden. Einerseits kann eine Beziehung, eine Zusammenarbeit auf emotionaler Ebene nur hergestellt werden, wenn jeder Partner etwas von seiner individuellen Eigenheit preisgibt, sich dem anderen gegenüber öffnet und ihn an seinem Innenleben teilhaben lässt. Diese Öffnung kann aber auch zu weit gehen, so dass der andere in Bereiche eindringt, die zum individuellen Freiraum gehören. Zu einer intakten Beziehungsfähigkeit gehört, dass der andere Pol der Öffnung – die Abgrenzung – ebenso bewusst gelebt wird. Es gibt viele Menschen, die sich der auf sie einstürzenden Flut von Übergriffen auf ihren Freiraum nicht mehr erwehren können. Übergriffe im Sinne übertriebener Ansprüche von Mitmenschen, von Druck, einer bestimmten Meinung zuzustimmen, oder der Forderung nach Konformität. Hier ist ein gesundes Mass an Abgrenzung, an Schutz des eigenen, individuellen Freiraums vonnöten. Es ist wichtig, klar und entschieden Nein sagen zu können. Diese Fähigkeit verkörpert die Mariendistel auf eindrückliche Weise. Eine ganzheitliche Arznei aus dieser Pflanze schärft die Wahrnehmungsfähigkeit für Probleme im Zusammenhang mit der Polarität von Öffnung und Abgrenzung und kann zu einem bewussteren Umgang damit führen. Wer seinen individuellen Freiraum nicht schützen kann, wird ausgebeutet und verliert Lebenskraft. Auf der körperlichen Ebene werden wesentliche Teile der Individualisierungs- und Schutzfunktion von der Leber übernommen. Die Leber baut aus den über die Nahrung aufgenommenen Aminosäuren das individuelle Eiweissmuster des Bluts auf und bringt toxische Verbindungen zur Ausscheidung. Bei ungenügender Ausscheidung von Toxinen entwickeln sich verschiedene chronische Erkrankungen, die alle im Zusammenhang mit einer nachlassenden Regulationsfähigkeit, mit einem Verlust an Lebenskraft stehen. Signatur Die Mariendistel bevorzugt warme, trockene Standorte; sie stammt aus dem Mittelmeergebiet, wo sie weit verbreitet ist. In Mitteleuropa wird sie gelegentlich angebaut. Die Mariendistel ist eine starke Pflanzenpersönlichkeit. Mit ihrer stattlichen Grösse und den äusserst wehrhaften Stacheln verschafft sie sich Respekt und hält Mensch und Tier in sicherem Abstand. Mit ihren charakteristischen zweifarbigen, zähen Blättern trägt sie den Stempel betonter Individualität: Sie kann nicht übersehen oder verwechselt werden. Wer einmal eine Mariendistel gesehen hat, vergisst sie nicht wieder.

Botanischer Name: Silybum marianum Name der Urtinktur: Carduus marianus 0/ Für die Urtinktur verwendeter Pflanzenteil: getrocknete Samen

Die verblühte Mariendistel bildet ein kegelförmiges Schutzdach.

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Die Signatur der Mariendistel bringt das Wesen von Schutz, Abgrenzung und Individualität deutlich sichtbar zum Ausdruck. Wie viele andere Distelarten ist sie an den Blütenkörben und den Blättern mit Stachelspitzen bewehrt. Die Abwehrfunktion ist so vollendet wie bei kaum einer anderen Distel. Schon bei einer leichten Berührung dringen die Stacheln in die Haut. Sie sind so scharf, hart und lang, dass man sich der Pflanze nur mit äusserster Vorsicht nähern kann. Bei der Ernte der reifen Blütenköpfchen bekommt man diese Wehrhaftigkeit trotz Schutzkleidung oft schmerzhaft zu spüren. Die Blätter sind sehr fest, glänzend und wirken dauerhaft wie die Blätter oder Nadeln winterharter Gewächse. Die charakteristische Färbung der Blätter ist das sicherste Erkennungszeichen der Mariendistel. Das satte Grün wird entlang der Blattnerven von einem Netzwerk breiter, weisser Streifen überzogen, die die Blattnerven markieren. So liegt das eigentliche Blattgrün wie Inseln verteilt in diesem weissen Bändernetz. Man erkennt also in den Blättern farblich klar voneinander abgegrenzte Zonen. Der Blattrand ist nach innen gebuchtet und weit über die Blattebene hinaus aufgeworfen, so dass der Blattumfang, die Blattgrenze deutlich vergrössert und betont wird. Eine sanftere Form der Abwehr und des Schutzes finden wir im Inneren der Blütenköpfchen. Die purpurnen, leicht klebrigen Röhrenblüten machen nach dem Verblühen eine überraschende Veränderung durch. Die Farbe wandelt sich von Purpur über Blau zu Grau. Gleichzeitig legen sich die kleinen, röhrenförmigen Blütenblätter – ausgehend von der Mitte der Köpfchen – radial nach aussen um und verkleben miteinander. Auf diese Weise bilden sie als Schutz für die reifenden Früchte ein regendichtes Dach, das wie ein perfektes, kegelförmiges Strohdach aussieht. Anwendungsgebiete Toxische Leberschäden: Therapie und Prophylaxe von Leberschäden, die durch Lebergifte hervorgerufen wurden (Alkohol, Gewerbegifte, Umweltgifte). Drainage (Entgiftung) im Rahmen einer homöopathischen Behandlung, z. B. bei Ekzemen. Akute und chronische Hepatitiden. Chronisch degenerative Lebererkrankungen (Leberzirrhose); Folgeerscheinungen einer Lebererkrankung wie Verdauungsbeschwerden, Durchfall oder harter Stuhl. Wirkungen Der Hauptwirkstoff der Mariendistelsamen, Silymarin, wirkt antagonistisch gegenüber zahlreichen Lebergiften. Die therapeutische Wirksamkeit des Stoffes beruht auf zwei Wirkungsmechanismen: Zum einen verändert Silymarin die Struktur der äusseren Zellmembran der Leberzellen derart, dass Lebergifte nicht in das Zellinnere eindringen können. Zum anderen stimuliert Silymarin die Regenerationsfähigkeit der Leber und die Neubildung von Leberzellen. Dosierung der wesenhaften Mariendistel-Urtinktur 1–3 x täglich 2–5 Tropfen in etwas Wasser oder unverdünnt einnehmen.

Die wehrhafte Mariendistel ist eine Individualität, die man nicht so schnell vergisst. Die Blätter weisen deutlich abgegrenzte Zonen mit zwei Färbungen auf. In den Samen liegt die Heilkraft.

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Weissdorn Wesen der Pflanze Impuls, Auflösung von Stauungen, Herz In der rhythmischen Auflösung und Entspannung einer sich ständig aufbauenden Stauung und Verdichtung kommt das Wesen des Weissdorns zum Ausdruck. Somit besteht eine deutliche Beziehung zur Herztätigkeit. Auch auf der seelischen Ebene findet man eine Entsprechung dazu: Wenn sich die Gefühle aufgrund von grossen Sorgen, seelischem Schmerz oder anhaltendem Stress stauen, empfindet man eine Enge und ein schweres Gewicht auf der Brust. Bleibt dieser Zustand bestehen, wird auch die Herzleistung nachlassen. Weissdorn vermittelt neue Lebensimpulse. Er lässt die Gefühle wieder fliessen, schenkt Vertrauen und löst dadurch seelisch bedingte Beklemmungs- und Druckgefühle in der Herzgegend. Bei nachlassender Herzleistung ist Weissdorn ein bewährtes Langzeittherapeutikum. Signatur Der Schlüssel zum Verständnis des Weissdorns liegt in seiner Struktur verborgen, die am besten ohne das umhüllende Blattkleid untersucht werden kann. Beginnen wir deshalb unsere Betrachtung im Winter, wenn das Muster von Stamm und Geäst sichtbar ist. Ein einzelner Weissdornstrauch besitzt mehrere, ineinander verschlungene Stämme, die ein dicht gedrängtes, verworrenes und undurchdringliches Ast- und Zweigwerk tragen. Ein ausgewachsener Weissdorn wird freistehend mehrere Meter hoch. Seine Holzmenge würde jedoch für einen viel grösseren Strauch einer anderen Pflanzenart ausreichen. Während die Struktur der Äste und Zweige bei Bäumen und Sträuchern normalerweise ein freies Streben oder Fliessen zur Peripherie hin erkennen lässt, ist die Struktur des Weissdorns Ausdruck des Ringens entgegengesetzter Kräfte: der grossen Vitalität in den Wachstumsprozessen einerseits und des Zurückdrängens andererseits. Die Zweige streben naturgemäss immer nach aussen hin zum Licht, werden aber beim Weissdorn scheinbar wie von aussen zurückgedrängt, so dass immer wieder Umlenkungen im Verlauf eines Astes erkennbar sind, die ins Innere der Baumkrone gerichtet sind. Dies führt zu einer hohen Verdichtung der Verzweigungsstruktur. Gestaute Vitalität ist das Hauptmotiv der Weissdornstruktur. Die Stauung der Vitalität führt einerseits zu einer Verhärtung und Verdichtung der physischen Erscheinungsform und andererseits zu impulsiven Entladungen. Die Verdichtung äussert sich in der aussergewöhnlichen Härte des Weissdornholzes und in der Dichte des Geästs. Jede Stauung führt notwendigerweise zu einer impulsiven Entladung. Ausdruck davon sind unter anderem die Dornen. Dornen haben eine wichtige energetische Funktion; sie schaffen die Möglichkeit zur Entladung gestauter Vitalität. Spitze Formen haben sowohl in der belebten Natur als auch in der Technik die Eigenschaft, Energien ausstrahlen oder empfangen zu können. Dornen sind «Antennen» der Pflanzen, über die Lebenskräfte aufgenommen oder abgegeben werden. Ein anderer Ausdruck der Entladung ist das impulsive Aufblühen des Weissdorns. Im Frühsommer ist er jeweils dicht übersät mit Blüten, die, nach aussen gedrängt, fast die ganze Baumperipherie weiss umhüllen. Der Blütenduft ist unangenehm, faulig fischartig, was durch den hohen Amingehalt bedingt ist. Amine sind stickstoffhaltige, flüchtige Verbindungen. Stickstoff ist der Hauptbestandteil der Luft und der chemisch-

Botanischer Name: Crataegus monogyna, C. laevigata Name der Urtinktur: Crataegus 0/ Für die Urtinktur verwendeter Pflanzenteil: frische Früchte

Kugelförmige Blütenknospen haben sich zu strahlend weissen Blüten entfaltet – wie ein befreiendes Aufatmen. Der ganze Weissdorn erblüht an der Peripherie. In der Struktur des Weissdorns erkennt man das Wirken gestauter Kräfte.

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materielle Ausdruck der emotionalen Ebene (zur besseren Einordnung dieser Feststellung: Kohlenstoff ist Ausdruck der materiellen, Sauerstoff der lebensenergetischen, Stickstoff der emotionalen und Wasserstoff der mentalen Ebene). Stickstoffhaltige Substanzen, die faulig riechen, weisen auf einen noch nicht zum Abschluss gekommenen Zersetzungsprozess hin. Auf der emotionalen Ebene entspricht dies der impulsiven Entladung von angestauten Gefühlen. Es ist selbstredend, dass in einem solchen Fall die Gefühle nicht verarbeitet, nicht ausgegoren sein können. Es liegt im Wesen des Weissdorns, dass die im Innern wirkenden Kräfte nicht frei nach aussen fliessen können, sondern zuerst gestaut und dann explosiv entladen werden. Für die Herstellung der Urtinktur werden die Früchte des Weissdorns verwendet. Diese haben eine blutrote Farbe. Es gibt in der Pflanzenwelt viele rote Früchte, aber die wenigsten haben eine dem Blut so ähnliche Farbe wie die des Weissdorns, was auf einen wesenhaften Bezug zum Blut schliessen lässt. Ausserdem weist die feine, netzartige Verzweigung der Blattnerven auf einen Bezug zum Gefässsystem. Durch seinen hauptsächlichsten Wesenszug der Anstauung von Lebenskräften wird der Weissdorn zum Prototypen einer Herzpflanze. Denn es ist das Wesen des Herzens, Blut anzustauen, um dadurch den rhythmischen Fluss des Blutes zu ermöglichen. Anwendungsgebiete Druck und Beklemmungsgefühl in der Herzgegend, krampfartiger Schmerz in der Herzgegend, der bis in den linken Arm ausstrahlt, nachlassende Leistungsfähigkeit des Herzens, kreislaufbedingte Müdigkeitsanfälle oder Erschöpfungszustände, Herzschwäche, Altersherz, leichte Formen von Herzrhythmusstörungen, Extrasystolen, Angina pectoris, Störungen des Blutdrucks, während oder nach Infektionskrankheiten zur Stützung des Kreislaufs, bei Asthma. Dosierung der wesenhaften Weissdorn-Urtinktur 1–3 x täglich 4–8 Tropfen in etwas Wasser einnehmen. Blätter mit netzartiger Nervenstruktur. Aus den blutroten Früchten wird die Urtinktur hergestellt.

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Wermut Wesen der Pflanze Energetische Durchdringung der Stoffwechselfunktionen, Interesse Wermut weckt das Interesse für Leben und Aktivität und fördert die emotionale, sprich energetische Durchdringung der Stoffwechselfunktionen. Menschen, denen es an Interesse mangelt und die manchmal teilnahmslos sind, können die Stoffwechselfunktionen energetisch zu wenig durchdringen und werden atonisch. Sie werden in ihren Verdauungsorganen geschwächt, wodurch allgemeine Erschöpfungszustände bis hin zu Depressionen auftreten können. In solchen Situationen ist Wermut ein starkes Energetikum für Psyche und Körper. Durch die Erwärmung und Tonisierung des erschlafften Magens fördert er die Verdauungsfunktionen.

Botanischer Name: Artemisia absinthium Name der Urtinktur: Absinthium 0/ Verwendeter Pflanzenteil für Urtinktur: frisches blühendes Kraut

Signatur Der Wermut gehört zur Familie der Korbblütler. Er gedeiht in den Tälern der Zentralalpen an sonnigen Lagen. Die stattliche, mehrjährige Pflanze wird teilweise über zwei Meter hoch. Die dreifach fiederteiligen Blätter sind beiderseitig graufilzig behaart und fühlen sich sehr weich an. Der ebenfalls filzig behaarte Stengel ist stark verzweigt und von Längsrillen durchzogen. Der Wermut lässt in seiner Gestalt kaum eine Gliederung erkennen, er schafft keine klaren Konturen und Grenzen. Er erscheint durchgängig von aussen nach innen, von oben nach unten; das Luftelement (Blattäusseres) geht sanft ins Wasserelement (Blattinneres) über. Korbblütler sind gekennzeichnet durch strahlende, meist relativ grosse Blütenköpfchen, die sich der Sonne zuwenden. Die Sonnenblume, der Löwenzahn, die Margerite sind typische Vertreter dieser artenreichen Pflanzenfamilie. Wenn wir mit diesem Wissen im Hintergrund die Blüten des Wermuts betrachten, befremden uns die kleinen Blüten, die alle nach unten, zur Erde hin gerichtet sind. Auch wenn der Wermut in voller Blüte steht, muss man genau hinsehen, um dies am Blütenpollen zu erkennen. Es gibt kein prachtvolles Öffnen der Blüten in bunten Farben und ausladender Geste; sie bleiben wie geschlossen, in sich selbst gekehrt, sie scheinen «drinnen» zu blühen. Die Wermutblüte strebt nicht nach dem Verströmen von Formen, Farben und Düften, es ist kein Austausch mit Licht und Luft, wie es dem Blütenwesen an sich eigen ist. Die Gestalt zeigt eine nach innen gerichtete Signatur an. Der Wermut vereinigt höchste Bitterkeit mit einem intensiven, durchdringenden Aroma. Wir wissen, dass uns Düfte und Aromen unmittelbar in eine bestimmte Gefühlsstimmung versetzen. Über Duftstoffe wird unsere Gemütsverfassung direkt, ohne Umweg über Gedanken beeinflusst und bewegt. Jedem Aroma entspricht somit eine bestimmte Qualität auf der Schwingungsskala emotionaler Energien. Bitterstoffe regen den Gallenfluss und die Magensaftproduktion an. Sie haben alo einen Einfluss auf das vegetative Geschehen, ein Geschehen, dass sich unserer bewussten Kontrolle entzieht. Die Vereinigung dieser zwei herausragenden Eigenschaften (Aroma und Bitterkeit) ist selten. Die meisten bitteren Heilpflanzen haben ein wenig ausgeprägtes, eher flaches Aroma, so dass das Bittere uneingeschränkt dominiert. Beim Wermut hingegen finden wir beide Eigenschaften sehr stark ausgeprägt. Die verschiedenen Ebenen des Menschen durchdringen und fördern sich. So bildet die emotionale Energie, die Kraft unserer Gefühle und unseres Verlangens die wichtigste Quelle für die Vitalität des Stoffwechsels und deshalb für unsere Gesundheit. Die Lebensprozesse unserer Zellen werden aus dem emotionalen Energiepotenzial geleitet 149


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und genährt. Daher ist es verständlich, dass jede Krankheit eine seelische Ursache hat. Für einen vitalen Stoffwechsel ist es entscheidend, dass die emotionalen Energien sich in den Dienst der Lebensprozesse stellen. Oft kommt es jedoch vor, dass die Gefühle ein Eigenleben führen. Dies beobachten wir dann, wenn ein Mensch sich seinen Gefühlen und Verlangen so sehr hingibt, dass er im «Wohlgefühl» einen Selbstzweck sieht. Dann wird auch kaum mehr Interesse für die Welt und die anderen Menschen aufgebracht. Es fehlt dazu an Energie, weil die Gefühlsenergie nicht mehr in Lebensenergie umgewandelt wird. Die Gefühle (das Luftelement) werden abgeschlossen, in sich selbst gefangen gehalten und können die Lebensprozesse (das Wasserelement) nicht mehr durchdringen und anfachen. Anwendungsgebiete Wermut wird in erster Linie bei vegetativen Energiemangelzuständen eingesetzt. Diese können sich in verschiedenen Symptomen ausdrücken wie allgemeine psychovegetative Schächezustände, Depressionen, Appetitlosigkeit und Verdauungsbeschwerden. Bei mangelndem Tonus (Spannkraft) des Magens oder der Gallenwege. Zu erwähnen ist auch die bewährte Wirkung bei Aerophagie (Luftschlucken, Gefühl eines Luftkissens im Magen). Neuerdings wird Wermut auch in der Therapie nach Clarck bei Parasitenbefall angewandt. Wenn die Lebensfunktionen energetisch nicht mehr ausreichend durchdrungen werden, können sich niedere Lebensformen (Parasiten) eher ausbreiten. Dosierung der wesenhaften Wermut-Urtinktur 1–3 x täglich 1–3 Tropfen vor oder nach den Mahlzeiten. Wermuttinktur ist extrem bitter und muss daher in niedriger Dosis und am besten in einem halben Glas Wasser eingenommen werden.

Wermut ist eine der bittersten Pflanzen. Der Wermut scheint «innen» zu blühen.

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Wilde Möhre Botanischer Name: Daucus carota L. Verwendeter Pflanzenteil für die homöopathische Zubereitung: frisches blühendes Kraut

Zur Fruchtzeit stülpt sich die Blüte zur Mitte um. Die Wilde Möhre – ein Kreis mit Mittelpunkt.

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Wesen der Pflanze Zentrierung Das Wesen der wilden Möhre ist die Zentrierung von Bewusstseinskräften. Um zu verstehen, was das bedeutet, müssen wir zunächst den Zustand einer mangelnden Zentrierung beschreiben. Unsere Zeit ist gekennzeichnet durch eine kaum zu bewältigende Vielfalt und Kompliziertheit von Einflüssen, die auf den Menschen einwirken und seine Aufmerksamkeit erfordern. Dies kann je nach Konstitution und Intensität der Belastung zu einer inneren Zerrissenheit und Unausgeglichenheit der Kräfte führen. Die Bewusstseinskräfte werden zerstreut und geschwächt. Dabei ist es oft nicht mehr möglich, die Energie auf das Wesentliche, auf das Zentrum zu lenken. Zerfahrenheit, Konzentrationsmangel, ein leerer Kopf, Benommenheit, sich im Kreis drehende Gedanken, Schwindelgefühle, Mangel an Entschlussfähigkeit und Antriebskraft, psychische Verstimmungszustände oder Schweissausbrüche können die Folge davon sein. In solchen Situationen erweist sich die Wilde Möhre als hilfreich. Sie vermag zerstreute Kräfte wieder zum Mittelpunkt hinzuführen, den Blick für das Wesentliche zu schärfen, zu zentrieren. Die Wilde Möhre besitzt eine wichtige Beziehung zu den Augen. Die Augen sind dabei nicht im Sinne des Gesichtssinns zu verstehen, sondern als Fenster der Seele. Seelische Unausgeglichenheit geht oft einher mit einer Trübung der Augenstrahlung. Wenn mentale oder psychische Beschwerden verbunden sind mit einer Trübung der Augen, kann die Wilde Möhre helfen; sie klärt den Blick. Signatur Das Kraut der wilden Möhre (die Wildform unserer Karotte) wurde früher in der Volksmedizin als Harn treibende und tonisierende Heilpflanze verwendet. Für dieses Anwendungsgebiet wird die Pflanze heute kaum mehr gebraucht. Darüber hinaus besitzt sie aber die bis anhin unbekannte Wirkungseigenschaft der Zentrierung, die gerade in unserer Zeit sehr aktuell ist. Diese Wirkungsweise wird durch die Signatur der Pflanze auf eindrückliche und wohl unübersehbare Weise dargestellt. Daucus carota gehört zur Familie der Doldengewächse (Apiaceae). Gemeinsames Merkmal dieser Familie ist die Blütendolde: Zahlreiche kleine, meist weisse Blüten sind zu einem schirmförmigen Blütenstand vereinigt. Bekannte Vertreter der Doldengewächse sind der Wiesenkerbel oder der Bärenklau. Einzigartig an der wilden Möhre ist nun, dass sich inmitten der zahlreichen weissen Einzelblüten gerade die eine Blüte im Zentrum der Dolde in purpurroter Farbe zeigt. Der Blütenstand weist somit einen deutlich ausgeprägten Mittelpunkt auf. Nach dem Verblühen der Dolden stülpt sich der Schirm um; die äusseren Blüten wölben sich zunächst nach oben und später zum Zentrum hin, so dass die nunmehr zum Fruchtstand gewordene Dolde ein geschlossenes kugeliges Gebilde darstellt, einem Vogelnest ähnlich. Durch diese zentrierende Bewegung weist die Wilde Möhre zusätzlich auf ihr Zentrum hin. Eine derart ausgeprägte, auf den Mittelpunkt gerichtete Signatur ist einzigartig unter den Pflanzen der mitteleuropäischen Flora. Sie ist charakteristisch für die Wilde Möhre und weist auf ihre zentrierende Wirkungsweise hin.


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Zubereitung Die Wilde Möhre kann nicht als Urtinktur verabreicht werden. Sie wirkt zu rasch und zu stark und würde daher sehr bald eine Umkehrwirkung verursachen. In jahrelangen Versuchen habe ich die Mischung von drei homöopathischen Potenzen als wirksamste Zubereitung ausgetestet. Es ist dies eine Mischung aus Daucus D 6, Daucus D 8 und Daucus D 12 zu gleichen Teilen. Diese Mischung verursacht praktisch keine Umkehrwirkungen, während die gewünschte Wirkung nach einer Weile gleich stark ist wie die der Urtinktur. Der Unterschied ist nur der, dass sie erst nach einer längeren Anwendungsdauer eintritt. Anwendungsgebiete Daucus carota in homöopathischer Zubereitung wird angewandt bei Zuständen, wo der Mensch nicht in seiner Mitte ruht. Dazu gehören Konzentrationsstörungen, Antriebsschwäche, mangelnde Wachheit und Depressionen. Durch die Einnahme der homöopathischen Zubereitung von Daucus carota verschärft sich die Wahrnehmungskraft von Augen und Gehör sowie die Aufnahmebereitschaft des Verstands. Dosierung der homöopathischen Dilution Man nimmt 3 x täglich 5 Tropfen direkt unter die Zunge oder in etwas Wasser und behält das Heilmittel eine Weile im Mund. Das Präparat muss normalerweise etwa 3 Wochen regelmässig eingenommen werden, bis eine Wirkung eintritt. In einzelnen Fällen ist jedoch eine sofortige Wirkung feststellbar. Dann kann die Dosis verringert werden (z. B. nur 1 x oder 2 x täglich 5 Tropfen). Um über einen längeren Zeitraum eine optimale Wirkung zu erhalten, ist es erforderlich, eine Intervallbehandlung durchzuführen, die sich folgendermassen gestalten kann: Einnahme des Heilmittels während 4 Wochen; Pause während 1–2 Wochen, dann Wiederholung dieses Rhythmus. Das Einschalten von Behandlungspausen ist notwendig; ein guter Erfolg darf nicht dazu verleiten, das Mittel ununterbrochen einzunehmen, da dann die Wirkung aufhören oder sich gar ins Gegenteil verkehren kann, was übrigens für viele homöopathische Mittel zutrifft. In speziellen Situationen kann auch eine kurzzeitige oder gar einmalige Behandlung sinnvoll sein. Durch das aufmerksame Beachten der Reaktionen kann die optimale Dosierung und Therapiedauer erspürt werden.

Die Samen zum Zentrum gerichtet.

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Wolfstrapp Wesen der Pflanze Rhythmus, Kühlung, Effizienz Der Wolfstrapp schwingt in einem intensiven Lebensrhythmus, der durch nichts aus seinem Gefüge gebracht werden kann. Wenn die verschiedenen Aktivitäten des Lebens einander im harmonischen Wechsel folgen, wenn sie von einem klaren Rhythmus getragen werden, führt dies zu einer hohen Effizienz. Das heisst, mit wenig Energie wird viel erreicht. Geht der Rhythmus verloren, wie etwa in Stresssituationen, wo man verschiedene Dinge gleichzeitig und unvollständig erledigt, steigt der Energiebedarf für die gleiche Leistung, das heisst, der Wirkungsgrad sinkt. Das Organ, das den Wirkungsgrad im Körper bestimmt, ist die Schilddrüse. Ist sie überaktiv, wird der Grundumsatz gesteigert, das heisst, es wird mehr Energie als nötig für die Aufrechterhaltung der Grundfunktionen umgesetzt. Der Wolfstrapp kühlt die Überhitzung, die Überaktivität der Schilddrüse ab, bringt wieder Rhythmus und Effizienz in den Energiehaushalt. Auch in Bezug auf die weiblichen Rhythmen besitzt der Wolfstrapp eine stabilisierende Wirkung. Wenn rhythmische Vorgänge, wie das Auf- und Absteigen des Hormonspiegels während des weiblichen Zyklus, Seele und Körper belasten, wirkt Lycopus erleichternd. Wenn der innereigenste persönliche Rhythmus nicht in Übereinstimmung mit einem von aussen auferlegten Rhythmus gebracht werden kann, wirkt die Pflanze ausgleichend. Signatur Der Struktur des Wolfstrapps ist in jeder Hinsicht rhythmisch. Betrachten wir zunächst die Anordnung der Blätter. An jedem Knoten liegen zwei gegenständige Blätter. Die übereinander liegenden Blattpaare stehen jeweils in einem rechten Winkel zueinander. Von oben betrachtet bilden die Blätter ein Kreuz. Mann nennt diese Blattstellung kreuzweise gegenständig. Denkt man sich eine harmonische Verbindungslinie zwischen den Spitzen von übereinander liegenden Blättern jeweils einer Diagonalseite, so bekommt man regelmässige, sich nach oben verjüngende Wellenlinien. Jeder Pflanzenkenner wird sich wundern, warum ich dieser Blattstellung eine Bedeutung zumesse, da doch sehr viele Pflanzen kreuzweise gegenständige Blätter tragen. Gerade für die Familie der Lippenblütler, zu der Lycopus gehört, ist diese Blattstellung typisch. Das Besondere am Wolfstrapp ist, dass das Rhythmische, das bei dieser Blattstellung generell vorhanden ist, nicht durch die Blüten gestört wird. Betrachten wir andere Pflanzen mit kreuzweise gegenständigen Blättern, so liegen zwischen den Blattetagen oft mehr oder weniger grosse Blüten, die das wellenförmige Gesamtbild, das die Blätter allein bilden würden, unterbrechen. Es gibt zwar auch Lippenblütler mit ebenso kleinen Blüten wie beim Wolfstrapp (Melisse, Pfefferminze), diese weisen aber so geringe oder unregelmässige Blattabstände auf, dass sie nicht als rhythmisch bezeichnet werden können. Als nächstes betrachten wir ein Blatt. Wir verfolgen mit unseren Augen die regelmässige, tiefe Kerbung, die sich über den ganzen Blattumfang zieht. Jetzt lassen wir die Gesamtgestalt des Blattes auf uns wirken. Spüren Sie, dass eine starke, rhythmisch schwingende Kraft am Bau dieser Blattgestalt gewirkt hat? Natürlich gibt es viele andere gekerbte oder gesägte Blätter, wie diejenigen der Brennnesseln oder der Gundelrebe. Es sind jedoch kleine Nuancen in Form und Grösse der Einkerbungen, die jeweils

Botanischer Name: Lycopus europaeus Name der Urtinktur: Lycopus europaeus 0/ Für die Urtinktur verwendeter Pflanzenteil: frisches blühendes Kraut

Eine rhythmische Blattform.

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einen ganz anderen Charakter vermitteln. Bei der Brennnessel bringt das Zackenförmige der Zähnung das Aggressive des Pflanzenwesens zum Ausdruck, während beim Wolfstrapp die Kerben innen und aussen leicht abgerundet sind, so dass sie harmonisch ineinander übergehen. Der Wolfstrapp ist je nach Standort sehr variationsreich in seiner Gesamtgestalt. In Wäldern, feuchten Gräben und an Wegrändern finden wir stark verzweigte Pflanzen mit kleineren, hellgrünen Blättern, und an trockeneren, nährstoffreichen Stellen finden wir weniger verzweigte Pflanzen mit sattgrünen, grossen Blättern. So verschieden die Pflanze aber erscheinen mag, der erwähnte rhythmische Charakter ist bei allen Formen durchwegs das dominierende Prinzip. Anwendungsgebiete Schilddrüsenüberfunktion mit vegetativ-nervösen Störungen, Herzklopfen, Spannungsgefühl und Schmerzen in den Brüsten (Mastodynie), prämenstruelles Syndrom. Dosierung der wesenhaften Wolfstrapp-Urtinktur 1 x täglich 1–3 Tropfen in etwas Wasser oder unverdünnt einnehmen.

Die kleinen Blüten halten sich zurück. Das Rhythmische in höchster Vollendung.

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Indikationsverzeichnis Abwehrschwäche Echinacea purpurea 0/ 131 Alkoholleber Carduus marianus 0/ 95 Altersherz Crataegus 0/ 147 Anaphrodisiakum für Männer Lupulus 0/ 79 Angina pectoris Crataegus 0/ 147 Angstzustände Hypericum 0/ 81 Antriebsschwäche Hypericum 0/ 81 Appetitlosigkeit Absinthium 0/ 149, Centaurium 0/ 142, Cynara scolymus 0/ 34, Gentiana 0/ 61, Millefolium 0/ 124 Arterioskleroseprophylaxe Cynara scolymus 0/ 34 Atemwege, Verschleimung Imperatoria 0/ 98 Atmungsorgane, Erkrankungen der Glechoma hederacea 0/ 69 Ausfluss, heller Alchemilla 0/ 55 Ausleitung über Nieren Betula folium 0/ 42 Ausleitung über Leber Taraxacum 0/ 93 Beine, Schweregefühl und Schmerzen Melilotus 0/ 137 Bindegewebereinigung Equisetum arvense 0/ 121 Blähungen Gentiana 0/ 61 Blasenentzündung Solidago 0/ 66 Blutarmut Rosmarinus 0/ 111 Blutdruck, hoher Viscum album 0/ 103 Blutdruck, niedriger Rosmarinus 0/ 111 Blutergüsse Bellis perennis 0/ 58 Blutreinigung Allium ursinum 0/ 39, Urtica dioica 0/ 45 Blutungen, starke Millefolium 0/ 124 Blutverlust Bursa pastoris 0/ 74 Bronchialkatarrh Hedera helix 0/ 48, Plantago lanceolata 0/ 133 Brüste, Spannungsgefühl Lycopus europaeus 0/ 155 Bulimie Centaurium 0/ 142 Darmbeschwerden, nervöse, Reizmagen Lavandula 0/ 90 Depression Hypericum 0/ 81 Druck, Beklemmungsgefühl in Herzgegend Crataegus 0/ 147 Drüsenschwellungen Geranium 0/ 116 Durchblutungsstörungen, cerebrale Ginkgo 0/ 63 Durchfall Alchemilla 0/ 55 Einschlafstörungen, nervös bedingt Valeriana 0/ 37 Ekzeme Viola tricolor 0/ 139 (äusserliche und innerliche Anwendung) Energiemangel Taraxacum 0/ 93 Entgiftung über die Leber Carduus marianus 0/ 95 Entgiftung über Nieren Urtica dioica 0/ 45 158

Entspannend Lavandula 0/ 90 Entzündungen Chamomilla 0/ 85 Erfrierungen Calendula 0/ 108 Erkältungen Echinacea purpurea 0/ 131, Sambucus nigra 0/ 76 Erschöpfungszustände Gentiana 0/ 61 Erschöpfungszustände nach Krankheit Avena sativa 0/ 72 Erschöpfungszustände bei nervlicher Belastung Avena sativa 0/ 72 Fettleber Carduus marianus 0/ 95 Fettstoffwechselstörungen Cynara scolymus 0/ 34 Fieberbläschen an den Lippen Melissa officinalis 0/ 101 (äusserliche Anwendung) Frühjahrskur Glechoma hederacea 0/ 69 Frühjahrsmüdigkeit Allium ursinum 0/ 39, Urtica dioica 0/ 45 Gallensteine Taraxacum 0/ 93 Geburt, Vor- und Nachbereitung Alchemilla 0/ 55 Gedächtnisschwäche Ginkgo 0/ 63 Gewaltanwendung Bellis perennis 0/ 58 Gicht Urtica dioica 0/ 45 Grippale Infekte Tropaeolum majus 0/ 88 Grippale Infekte, fieberhaft, ohne Schweissabsonderung Sambucus nigra 0/ 76 Grippe Echinacea purpurea 0/ 131 Halsschmerzen Salvia 0/ 119 Hämorrhoiden Aesculus 0/ 113, Melilotus 0/ 137 Harmonisierend Lavandula 0/ 90 Harnmenge, Erhöhung Ribes nigrum 0/ 128 Harnverhaltung Solidago 0/ 66 Harnwegsinfekt, Blasenentzündung Betula folium 0/ 42 Harnwegsinfekt, zur Durchspülung Equisetum arvense 0/ 121 Harnwegsinfektion Tropaeolum majus 0/ 88 Hautausschläge Betula folium 0/ 42 Hauteiterung Calendula 0/ 108 Hauterkrankungen Bellis perennis 0/ 58 Heiserkeit Hedera helix 0/ 48 Herzbeschwerden, psychovegetative Melissa officinalis 0/ 101 Herzschwäche Crataegus 0/ 147 Hitzewallungen Salvia 0/ 119 Husten, siehe auch Reizhusten Husten bei Kindern (Pseudokrupp) Thymus vulgaris 0/ 144 Husten, bellender Thymus vulgaris 0/ 144


Husten, krampf- und schleimlösend Hedera helix 0/ 48 Husten, trockener Thymus vulgaris 0/ 144 Infektionen Echinacea purpurea 0/ 131 Insektenstiche (Zecken!) Geranium 0/ 116 Konzentrationsstörungen Ginkgo 0/ 63 Kopfschmerzen (verdauungsbedingt) Gentiana 0/ 61 Kopfschmerzen Melilotus 0/ 137, Rosmarinus 0/ 111 Krampfaderleiden Millefolium 0/ 124 Krampfadern Aesculus 0/ 113 Krampfzustände Chamomilla 0/ 85 Krankheitszustände, hartnäckige, zehrende Glechoma hederacea 0/ 69 Kreislaufschwäche Crataegus 0/ 147, Rosmarinus 0/ 111 Leberschwäche Taraxacum 0/ 93 Leberstechen Carduus marianus 0/ 95 Leberzirrhose Carduus marianus 0/ 95 Luftschlucken Absinthium 0/ 149 Lungenschwäche Plantago lanceolata 0/ 133 Lymphflussaktivierung Geranium 0/ 116 Magen-Darm-Störungen, nervöse Melissa officinalis 0/ 101 Magenkrämpfe, Magenverstimmung Millefolium 0/ 124, Imperatoria 0/ 98 Magersucht Centaurium 0/ 142 Melancholie Geranium 0/ 116 Menstruationsbeschwerden Alchemilla 0/ 55 Menstruationsblutung, zu starke Bursa pastoris 0/ 74 Milchschorf Viola tricolor 0/ 139 Müdigkeit, chronische Taraxacum 0/ 93 Mund- und Rachenschleimhaut, Entzündungen Plantago lanceolata 0/ 133 (Mundspülung) Mykosen (Pilzbefall) Tropaeolum majus 0/ 88 Nasenbluten, lokale Anwendung Bursa pastoris 0/ 74 Nervenschwäche Lavandula 0/ 90 Nervenverletzungen Hypericum 0/ 81 Nierenentzündung, akut oder chronisch Solidago 0/ 66 Nierenschwäche Solidago 0/ 66 Ödeme Equisetum arvense 0/ 121 Ohnmacht, Neigung zu Valeriana 0/ 37 Osteoporoseprophylaxe Equisetum arvense 0/ 121 Paradontose Calendula 0/ (Mundspülung) 108 Pilzbefall, siehe Mykosen Polyarthritis, chronische Fraxinus excelsior 0/ 53 Prämenstruelles Syndrom Lycopus europaeus 0/ 155 Quetschwunden Calendula 0/ 108 (äusserlich verdünnt anwenden) Reizblase Glechoma hederacea 0/ 69 Reizhusten Thymus vulgaris 0/ 144

Rheumatische Beschwerden Betula folium 0/ 42, Ribes nigrum 0/ 128, Urtica dioica 0/ 45 Rheumatischer Formenkreis Fraxinus excelsior 0/ 53 Risswunden Calendula 0/ 108 (äusserlich verdünnt anwenden) Schilddrüsenüberfunktion mit vegetativ-nervösen Störungen Lycopus europaeus 0/ 155 Schilddrüsenunterfunktion Hedera helix 0/ 48 Schlaflosigkeit Lupulus 0/ 79 Schlaflosigkeit durch kreisende Gedanken Valeriana 0/ 37 Schläfrigkeit tagsüber Lupulus 0/ 79 Schlafstörungen bei Kindern und älteren Menschen (Sorgen, Angst) Passiflora incarnata 0/ 105 Schleimhautblutungen Bursa pastoris 0/ 74 Schmerzen, heftige Chamomilla 0/ 85 Schnitt- und Stichwunden Hypericum 0/ 81 Schnupfen, Stockschnupfen Sambucus nigra 0/ 76 Schockzustände, psychisch bedingt Geranium 0/ 116 Schwächezustände, psycho-vegetativ Absinthium 0/ 149 Schweissabsonderung, erhöhte Salvia 0/ 119 Schweregefühl in den Beinen Aesculus 0/ 113 Schwindel Ginkgo 0/ 63, Viscum album 0/ 103 Spannungskopfschmerz Passiflora incarnata 0/ 105 Stirnhöhlenentzündung, chronische Sambucus nigra 0/ 76 Stoffwechselerkrankungen Glechoma hederacea 0/ 69 Stress Avena sativa 0/ 72 Suchtmittelentzug, Unterstützung Avena sativa 0/ 72 Trübsinn Hypericum 0/ 81 Überempfindlichkeit der Sinne Valeriana 0/ 37 Unruhezustände, nervöse Melissa officinalis 0/ 101, Valeriana 0/ 37 Unruhezustände, psychische Passiflora incarnata 0/ 105 Unruhezustände, verbunden mit Schmerzen in Herzgegend Passiflora incarnata 0/ 105 Unterleibsentzündungen Alchemilla 0/ 55 Uterusentzündung Chamomilla 0/ 85 Venenleiden Aesculus 0/ 113, Melilotus 0/ 137 Verbrennungen Calendula 0/ 108 Verdauungsbeschwerden Absinthium 0/ 149, Centaurium 0/ 142, Cynara scolymus 0/ 34, Gentiana 0/ 61 Vergiftungserscheinungen, akute Imperatoria 0/ 98 Vergiftungszustände, chronische, Therapie Imperatoria 0/ 98 Verletzungen Bellis perennis 0/ 58 Verstopfung Taraxacum 0/ 93 159


Wadenkrämpfe, nächtliche Melilotus 0/ 137 Wasseransammlungen Solidago 0/ 66 Wechseljahrbeschwerden Ribes nigrum 0/ 128 Weichteilrheumatismus Fraxinus excelsior 0/ 53 Wundheilmittel Millefolium 0/ 124 Zahnungsbeschwerden Chamomilla 0/ 85 Zeckenbisse, Folgen davon Geranium 0/ 116

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Verzeichnis der lateinischen Namen Absinthium 0/ Wermut-Urtinktur 149 Aesculus 0/ Rosskastanien-Urtinktur 113 Alchemilla 0/ Frauenmantel-Urtinktur 55 Allium ursinum 0/ Bärlauch-Urtinktur 39 Avena sativa 0/ Hafer-Urtinktur 72 Bellis perennis 0/ Gänseblümchen-Urtinktur 58 Betula folium 0/ Birken-Urtinktur 42 Bursa pastoris 0/ Hirtentäschel-Urtinktur 74 Calendula 0/ Ringelblumen-Urtinktur 108 Carduus marianus 0/ Mariendistel-Urtinktur 95 Centaurium 0/ Tausendgüldenkraut-Urtinktur 142 Chamomilla 0/ Kamillen-Urtinktur 85 Crataegus 0/ Weissdorn-Urtinktur 147 Cynara scolymus 0/ Artischocken-Urtinktur 34 Echinacea purpurea 0/ Sonnenhut-Urtinktur 131 Equisetum arvense 0/ Schachtelhalm-Urtinktur 121 Fraxinus excelsior 0/ Eschen-Urtinktur 53 Gentiana 0/ Gelber-Enzian-Urtinktur 61 Geranium 0/ Ruprechtskraut-Urtinktur 116 Ginkgo 0/ Ginkgo-Urtinktur 63 Glechoma hederacea 0/ Gundelreben-Urtinktur 69 Hedera helix 0/ Efeu-Urtinktur 48 Hypericum 0/ Johanniskraut-Urtinktur 81 Imperatoria 0/ Meisterwurz-Urtinktur 98 Lavandula 0/ Lavendel-Urtinktur 90 Lupulus 0/ Hopfen-Urtinktur 79 Lycopus europaeus 0/ Wolfstrapp-Urtinktur 155 Melilotus 0/ Steinklee-Urtinktur 137 Melissa officinalis 0/ Melissen-Urtinktur 101 Millefolium 0/ Schafgarben-Urtinktur 124 Passiflora incarnata 0/ Passionsblumen-Urtinktur 105 Plantago lanceolata 0/ Spitzwegrich-Urtinktur 133 Ribes nigrum 0/ Schwarze-Johannisbeer-Urtinktur 128 Rosmarinus 0/ Rosmarin-Urtinktur 111 Salvia 0/ Salbei-Urtinktur 119 Sambucus nigra 0/ Holunder-Urtinktur 76 Solidago 0/ Goldruten-Urtinktur 66 Taraxacum 0/ Löwenzahn-Urtinktur 93 Thymus vulgaris 0/ Thymian-Urtinktur 144 Tropaeolum majus 0/ Kapuzinerkressen-Urtinktur 88 Urtica dioica 0/ Brennnessel-Urtinktur 45 Valeriana 0/ Baldrian-Urtinktur 37 Viola tricolor 0/ Stiefmütterchen-Urtinktur 139 Viscum album 0/ Mistel-Urtinktur 103

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