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Attac in den Medien 2007

G8-Gipfel Der G8-Gipfel stellte für das gesamte Spektrum sozialer Bewegungen nicht nur eine große logistische Herausforderung dar. Von Beginn an war klar, dass auch der „mediale Erfolg“ großen Anteil am Gelingen der Proteste haben würde. Über die Phantasie und Gestaltungskraft der Menschen ihren Protest in - auch für die Medien - attraktiven Bildern zu gestalten, mussten wir uns keine Sorgen machen. Dennoch war es bei aller Macht der Bilder unser Anliegen den Protest nicht zum medialen Spektakel verkommen zu lassen: Wogegen? Warum? Wie anders? Schon Wochen und Monate vor dem Gipfel wurde daher intensiv daran gearbeitet JournalistInnen auf inhaltliche Kritik „einzustimmen“. Die Pressekonferenz des österreichischen G8-Bündnisses wenige Tage vor dem Gipfel war ein voller Erfolg. Zahlreiche Medien berichteten über die Kritik am „Gipfel der Scheinheiligkeit“. Auch vom Sonderzug nach Rostock mit der „bunten Schar“ österreichischer TeilnehmerInnen gab es in Printmedien erfreuliche Berichte. Mit den gewaltsamen Ereignissen auf der internationalen Großdemonstration war der mediale Beginn allerdings wenig erfreulich. Gegen diese Bilder und Horrorzahlen von 1000 Verletzten waren 80.000 friedliche Demonst-

rantInnen und inhaltliche Botschaften fast chancenlos. Ein brennendes Auto und schon brannte in manchen Medien ganz Deutschland: Aber nicht überall war die Berichterstattung derart verzerrt. Der Versuch, Inhalte in den Vordergrund zu rücken, war zunächst jedoch zunichte gemacht. In Folge der Gewalt kam Attac eine schwierige Sprecherrolle zu, welche auch kritisch zu hinterfragen war. Die Ansprüche der Medien stehen jenen von sozialen Bewegungen - nämlich auf zentrale Sprachrohre zu verzichten - diametral entgegen. Die jahrelange Medienarbeit bescherte uns zwar einen hohen Aufmerksamkeitsgrad, die „Repräsentation“ der Breite der Bewegung konnte und sollte in dieser schwierigen Situation nicht gelingen. Bei all diesen Schwierigkeiten ist auch Positives zu vermerken: Ganz im Gegensatz etwa noch zu Genua 2001 kam Attac, einzelne Boulevardblätter ausgenommen, in der Gewaltfrage nie in Rechtfertigungszusammenhänge. Die jahrelange Betonung der Gewaltfreiheit, die jahrelange inhaltlich vorgetragene Kritik an der neoliberalen Globalisierung hat das Bild vom „seriösen“ Ansprechpartner für Medien gefestigt. Die zweite Woche der Proteste brachte den großen Umschwung: Die friedlichen, in grünen Wiesen und am Sperrzaum die Polizei austricksenden DemonstrantInnen veränderten die Bilderlandschaft und die Bereitschaft sich mit Inhalten

Attac Jahresbericht 2008  

das siebte Jahr

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