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Finanzmärkte – die dauernde Krise endlich beenden! Die Problematik der globalisierten und kaum kontrollierten Finanzmärkte wurde im letzten Jahr deutlich sichtbar: das Platzen der US-amerikanischen Immobilienblase, die BAWAG verspekulierte Milliarden an Gewerkschaftsgeldern in der Karibik, die Vorkommnisse rund um Meinl European Land, und nun verliert auch schon die ÖBB ihr Geld an der Börse. Zunehmend versuchen auch österreichische Firmen sich durch Verlagerung in Steueroasen jeglicher Kontrolle zu entziehen.

höhere und schnellere Renditen winken. Die damit verbundene Spekulation ist verantwortlich für instabile Wechselkurse und zu hohe Zinsen. Das führt zu steigender Arbeitslosigkeit und prekären Jobs, hemmt die Gesamtnachfrage der Wirtschaft und macht langfristige realwirtschaftliche, ökologisch und sozial nachhaltige Investitionen immer schwieriger. Shareholder Value regiert die Unternehmen: Seit Anfang der 70er kommt es zu einer Machtverschiebung zu Gunsten der AktienbesitzerInnen. Das Management wird dafür belohnt, den Aktienkurs hochzujagen – oft durch Massenkündigungen, Lohnkürzungen und Standortverlagerungen.

Globale Finanzmärkte – lokale Auswirkungen In einer neoliberalen Welt haben die globalen Finanzmärkte zunehmend Auswirkungen auf Beschäftigung, Altersvorsorge, Standort- und Steuerwettbewerb: Löhne, Pensionen und Sozialleistungen werden gekürzt und öffentliche Einrichtungen sowie Staatsaufgaben privatisiert. Konzerne investieren ihre Rekordprofite immer weniger in die Realwirtschaft, sondern zunehmend in die Finanzmärkte, wo

Diese Entwicklungen zeigen, wie dringend notwendig eine Neuregulierung der Finanzmärkte ist, um zukünftige Krisen zu vermeiden, mehr Transparenz zu schaffen und endlich für eine gerechtere Verteilung zu sorgen. Sybille Pirklbauer, Christian Schoder

Zentrales Thema Das ganze Jahr über gab es zahlreiche Aktivitäten von Attac, die diese Probleme analysierten und Alternativen aufzeigten: Um die Attac-Forderungen kompakt zusammenzufassen wurde ein Positionspapier erstellt. Unter dem Titel „Cash oder Crash? Die Rolle der globalen Finanzmärkte – Probleme und Alternativen“ werden darin die wichtigsten Entwicklungen und Probleme der Finanzmärkte erläutert und Ansätze für eine alternative Gestaltung dargestellt. Ein Glossar mit den wichtigsten Begriffen ergänzt den Text. Die 6. Attac Sommerakademie 2007 begab sich zurück zu den Ursprüngen von Attac und stellte die Finanzmärkte ins thematische Zentrum. Mit Podiumsdiskussionen und einem vielfältigen Workshopangebot wurden das Thema verständlich und greifbar gemacht und Handlungsmöglichkeiten aufgezeigt. Im November 2007 gab es eine Pressekonferenz zur umfassenden Neuregulierung der Finanzmärkte, um die andauernde Krise endlich zu beenden. Der Standard, die Salzburger Nachrichten und Profil berichteten darüber. Dem renommierten

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Wirtschaftsmagazin Trend waren die Attac-Forderungen sogar einen Leitartikel wert. Mit dem Buch „Tobinsteuer - „Sand ins Getriebe“ der Finanzmärkte und Einnahmen für Entwicklung“ von Cornelia Staritz, Finanzmarktexpertin von Attac, wurde eine brandneue Publikation zur Gründungsforderung von Attac präsentiert. Auch abseits der Augen der Öffentlichkeit tut sich bei Attac Wichtiges zu den Finanzmärkten. Im Rahmen einer internen Fortbildung wurden ReferentInnen zum Themenbereich geschult, die nun in den Attac-Regionalgruppen Vorträge halten. Ziel ist es, bundesweit kompetente AnsprechpartnerInnen aufzubauen, die Fragen zu den Finanzmärkten beantworten können und im Rahmen von Vorträgen und Diskussionen die Attac-Positionen weitertragen. Denn: Je mehr Menschen über die Finanzmärkte Bescheid wissen, desto stärker kann eine gerechte Politik eingefordert werden und umso besser stehen die Chancen auf echte Veränderung. Jede/r kann dazu beitragen, durch Information, Engagement oder auch durch Spenden eine andere Globalisierung möglich zu machen.

Attac Jahresbericht 2008  

das siebte Jahr

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