Page 1

Residenz Revue Maga zin der Atl a s S tif t ung

N R . 7 – D e z e m b e r 2 016


4

Das Eine nicht ohne das Andere – Architektur und Kunst

12

Auch Gebäude wollen in Würde altern

18

Behaglichkeit fängt mit Architektur und Gestaltung an

24

«Zentral gelegene Stadtwohnungen mit hotelähnlicher Infrastruktur»

28 Trivia

Behaglichkeit Die Bildstrecke in der vorliegenden Residenz Revue ergibt sich aus Lichtspielen und Fluchten der Treppenhäuser der Seniorenresidenzen Konradhof, Spirgarten und Südpark. Sie stehen symbolisch als Aufgang in behagliche, lichtdurchflutete und einladende Wohnungen.


I n h alt

Liebe Leserin, lieber Leser

R

und acht Monate wurde die Seniorenresidenz Konradhof umgestaltet. Ende November konnten wir den Konradhof dann neu renoviert wieder als behagliches Zuhause feiern.

Dies haben wir zum Anlass genommen, «Behaglichkeit» als Leitmotto dieser Ausgabe der Residenz Revue zu küren. Gerne nehmen wir Sie mit auf gedankliche Spaziergänge über Wohnarchitektur in Verbindung mit Kunst und Stilrichtungen im Allgemeinen. Davon ausgehend fokussieren wir auf den Zusammenhang von baulichen Aspekten mit der «Behaglichkeit» des Wohnens. Aus den vielen Gesprächen mit Experten für behagliche Wohnarchitektur haben wir die interessantesten Begegnungen für Sie herausgepickt. Wir wünschen Ihnen eine «erbauliche» Lektüre! Ihre Atlas Stiftung

3


R ESIDENZ R EV U E

Das Eine nicht ohne das Andere – Architektur und Kunst

«D

as Glas bringt uns die neue Zeit, Backsteinkultur tut uns nur leid.» Paul Scheerbarts aphoristische Texte regten zumindest einen Architekten der Moderne an. Sie dienten als Inspiration und zierten Bruno Tauts «Fassade des Pavillons». Verse und Gedichte prägten Tauts Glasarchitektur, wurden darin verewigt und so stand Lyrik in einer Wechselbeziehung mit Architektur, in der sich die eine Kunstform von der anderen nicht mehr zu trennen vermochte.

Die Ingenieure des 19. Jahrhunderts hatten Glas ausschliesslich als rationales Verkleidungsmaterial verwendet. In einer Zeit, die vom Krieg überschattet war, konstruierte Bruno Taut mit seinem «Pavillon der Deutschen Glasindustrie» auf der Kölner Werkbundausstellung 1914 einen facettenreichen Werbeträger. Glas erhielt eine neue Bedeutung, wurde verspiegelt, teilweise farbig eingesetzt und kreierte damit die Vision einer neuen paradiesischen Welt. Dieser Bau sowie die Texte Paul Scheerbarts, die das Äussere zierten, erhoben das Material zum Element einer neuen Moral der Industriekultur.

Bauhaus Bis heute steht das «Bauhaus» als Synonym für eine radikale Modernisierung der Kunst. Es gab wohl kaum einen Bereich des Lebens, den seine Kunst nicht reformieren und neugestalten wollte. Und nicht nur die Architektur und Malerei gehören zu seinen Themen, sondern auch Tanz und Theater, Fotografie und Design. Walter Gropius übernahm im März 1919 die Leitung der von Henry van de Velde begründeten Weimarer

4


A r c h itektur u n d K u n st

5


R ESIDENZ R EV U E

Kunsthochschule, die er zusammen mit der ehemaligen Kunstgewerbeschule zum «Staatlichen Bauhaus Weimar» vereinte. Es war sein Ziel, eine neue Einheit von Kunst und Handwerk zu schaffen. Während das «Bauhaus» inhaltlich zur führenden künstlerischen Kraft der Avantgarde in Europa

ästhetisch orientierten Konstruktivismus trat nun eine Kunstproduktion, die sich streng wissenschaftlich organisiert gab. 1930 gab es erneut einen Wechsel; Meyer wurde durch den Architekten Ludwig Mies van der Rohe abgelöst. 1932 schliesslich wurde die Kunstschule von den Nationalsozialisten geschlossen.

aufstieg, geriet es politisch zunehmend unter Druck. Den wiedererstarkenden konservativen Kräften war die progressive Kunstschule, die auch ihren politischen Ansatz lautstark vortrug, ein Dorn im Auge. 1925 musste das «Bauhaus» in Weimar schliessen und ein neuer Anfang wurde in Dessau gestartet mit dem dort von Walter Gropius errichteten «Bauhaus»-Gebäude, das der Kunstschule nun auch einen architektonischen Rahmen bot: Eine Architektur, die den Inhalten entspricht. 1928 verliess Walter Gropius als Direktor das «Bauhaus». Als Nachfolger wurde wieder ein Architekt gewählt und zwar der Schweizer Hannes Meyer. An die Stelle eines eher

Le Corbusier

6

Bereits seit den 20er Jahren waren angesichts der allgemeinen Wohnungsnot die Probleme des Wohnungs- und Siedlungsbaus zu einem zentralen Anliegen zahlreicher Architekten geworden. Wohnungen wurden für Luft und Licht geöffnet, die Bauweise rationalisiert und soziale Aspekte standen im Vordergrund. Diese wurden in den gemeinschaftlichen Bereichen wie Waschküchen und Dachgärten bei Siedlungsbauten realisiert. Le Corbusier, der wohl bedeutendste Architekt des Jahrhunderts, hatte sich mit den Fragen des kollektiven Wohnens nicht nur in seinen Theorien zum


A r c h itektur u n d K u n st

Städtebau auseinandergesetzt. Mit der «Unité d’habitation» in Marseille entstand 1947 bis 1952 ein Komplex, der die verschiedensten Bedürfnisse seiner Bewohner in einem einzigen Gebäude zu befriedigen suchte. Die einzigartige Infrastruktur deckte Hotel, Dachgarten, Planschbecken für die Kinder und Kindergarten bis hin zur Einkaufshalle ab. Es ist kein Zufall, dass auch diese Architektur Corbusiers an einen riesigen Ozeandampfer erinnert, dessen ebenso zweckmässige wie ästhetisch ansprechende Formen schon in den frühen Werken seines Schaffens eine tragende Rolle spielten. Auch in der Materialverwendung setzte Corbusiers «Unité» neue Akzente. Der rohe unverkleidete Beton – der «beton brut» –, ohne den seine Konstruktion nicht denkbar wäre, entwickelte bei ihm eine eigenständige Qualität und fand gleichberechtigt neben anderen Materialien auch an der Fassade Verwendung.

Alvar Aalto Der geborene Finne und Sohn eines Vermessungsingenieurs Hugo Alvar Henrik Aalto wurde zum einflussreichsten skandinavischen Architekten der «anderen Moderne». Freischwingende Kurven, fensterlose Ziegelmauern und rhythmische Glasfassaden gehören zu seinen Merkmalen. Er setzte sich von den Vertretern der «radikalen Moderne» ab. Die landschafts- und materialbezogene Architektur Aaltos erlangte schnell Beachtung in der europäischen Bewegung des neuen Bauens. Sein Beitrag zum internationalen Architekturdiskurs ist die Synthese, die gemäss finnischer Tradition gefügten Holzverbindungen mit dem avantgardistischen Funktionalismus und damit mit einer Ablesbarkeit von inneren Organisationsstrukturen zu gestalten.

Wenn die Zukunft zur Gegenwart wird Die Technik siegt: Am 21. Juli 1969 betrat mit Neil Armstrong der erste Mensch den Mond. «Ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein grosser Schritt für die Menschheit», verkündete der amerikanische Astronaut der Apollo 11-Mission. Zum Inbegriff der 70er-Jahre-Architektur und ihrer Vorliebe für Technizismen wurde das Pariser Centre National d’Art et de Culture Georges Pompidou, kurz als «Centre Pompidou» bekannt. Ganz im Sinne der Pop Art wurde das Centre Pompidou zu einem ebenso universellen wie populären Museumsbau, einem glanzvollen Höhepunkt der Architektur, der damit kokettiert, dass er von aussen deutlich zu Markte trägt, was üblicherweise in seinem Inneren verborgen wäre. Parallel zur Krise der klassischen Moderne in den 60er- und 70er-Jahren formierte sich eine eigene architektonische Richtung: Die «Tessiner Schule». An die Stelle der bisherigen Massenbauten setzte sie eine eher monumentale Architektur, die auf die landschaftlichen Gegebenheiten Rücksicht nahm und zugleich auf die individuellen Bedürfnisse der Nutzer einging. Zu den führenden Vertretern der Tessiner-Schule zählt der Schweizer Mario Botta (siehe Bild S. 8; Chiesa di San Giovanni Battista bei Fusio), der zu Beginn seiner Karriere mit dem bedeutendsten Schweizer Architekten des Jahrhunderts, Le Corbusier, zusammenarbeitete. Einfamilienhäuser bilden den vielleicht qualitätsvollsten Schaffensbereich Bottas. Sie überraschen durch spektakuläre Lösungen, obwohl er sich formal weitgehend auf geometrische Formen wie den Kreis, das Rechteck und das Quadrat beschränkte. Gefühlvolle Kombinationen von geometrischen Grundformen

7


R ESIDENZ R EV U E

8


A r c h itektur u n d K u n st

Kontraste aus offenen und geschlossenen Wandflächen und die farbige Materialverwendung an den Fassaden, meist durch roten oder gelben Backstein, führten zu aussergewöhnlichen Resultaten.

Der Pfeil in die Zukunft Schräge Scheiben eingesetzt in nackten Beton überschneiden sich. Eine gigantische Glasscheibe macht die Fahrzeughalle zum Schaukasten. Die dramatisch zugespitzte Betonplatte des Vordachs scheint zu schweben. Die schiefen Stahlstäbe, die sie tragen, spotten aller konstruktiven Vernunft. Die Dekonstruktivistin Zaha Mohammad Hadid, die stark vom russischen Konstruktivismus beeinflusst wurde, verleiht dem Vitra-Feuerwehrhaus in Weil am Rhein eine Exzentrik, welche die Funktionalität in den Schatten rückt. Und tatsächlich hat das Feuerwehrhaus heute seine Funktion verloren. Es ist selbst skulpturales Museumsstück geworden im illustren Architekturpark am Rhein. Hadids Baustil und Design wird von Kritikern als fliessend oder kinetisch bezeichnet. Für ihr Schaffen erhielt die aus dem Irak stammende Zaha Hadid 2004 als erste Frau die bedeutendste Ehrung in der Architektur: Den «Pritzker-Architektur-Preis». Text: Tanja Bernold

9


R ESIDENZ R EV U E

Auch Gebäude wollen in Würde altern

M

iller & Maranta findet zeitgenössische Antworten in Form von Architektur – wir haben uns mit Professor Quintus Miller, der unter anderem die Seniorenresidenz Spirgarten in Zürich-Altstetten konzipiert hat, über Baugestaltung und Wohnbedürfnisse von Menschen in fortgeschrittenem Alter unterhalten. Wie beschreiben Sie Ihren Baustil? Quintus Miller: Heute gibt es «Tendenzen» – seit dem «Bauhaus» kann man die Frage nach Baustil nicht mehr stellen. Ja, Tendenzen existieren in der Architektur, man macht aber keine Stilarchitektur mehr, da dies eine aufgesetzte Form über eine Nutzung ist, über eine Situation, wo Form und Inhalt keinen Zusammenhang haben. Wir als zeitgenössische Architekten destillieren Fragen aus dem Ort oder aus der Aufgabe oder der Situation und entwickeln daraus eine angemessene Form. Das lässt sich aber nicht mit Neugotik oder mit neobyzantinischer Architektur vergleichen, denn die Architektur des späten 20. Jahrhunderts oder des 21. Jahrhunderts hat eine andere Formfindung als jene des 19. Jahrhunderts. Was sind typische Merkmale eines Miller & Maranta-Baus? Das typische Merkmal eines Miller & Maranta-Baus ist, dass er immer ganz präzise auf den Ort, auf die Nutzung und auf die Bauherrschaft zugeschnitten ist. Jedes Gebäude ist anders und zwar grundlegend anders. Wir sind

12

keine «Signature-Architekten», wir haben keine Handschrift. Wir machen keine Marke indem wir immer gleiche Elemente wiederholen – das interessiert uns nicht. Wir sind Architekten, die versuchen, einen Ort in der Stadt zu hinterfragen. Was braucht ein Ort? Was braucht die Nutzung? Was braucht der Nutzer? Und dafür versuchen wir, zeitgenössische Antworten zu finden. Der Hauptregler am Entscheidungspunkt ist die Antwort auf die Frage, was angemessen ist. Mal kann ein Bruch passieren, etwas Extremeres angemessen sein, mal kann eine ganz starke Integration, ein Einfügen fast einer Tarnkappe gleich, das Richtige sein. Mich interessiert es nicht, ob man weiss von wem das Gebäude ist, es muss einfach stimmen. Wo finden wir zeitgenössische Architektur in der Seniorenresidenz Spirgarten? Bei der Residenz Spirgarten ist uns etwas Schönes gelungen, wie ich finde. Der Bau fügt sich wunderbar in die Umgebung ein, als stände er schon Jahre lang dort. Er wirft aber auch Fragen auf. Wenn man der Badenerstrasse entlang geht, steht man plötzlich vor diesem Waschsalon, vor dem grossen Fenster mit Waschmaschinen. Man findet aber keinen Eingang, denn von aussen ist er nicht zugänglich. Es hat keine Tür, keinen Einlass. Das hat mit zeitgenössischer Architektur und mit Kunstverständnis zu tun. Man findet eine Situation, die man von der Badenerstrasse kennt – Menschen stehen im Waschsalon – aber der Waschsalon ist nicht


G ebäudear c h itektur

öffentlich, er gehört zum Gebäude. Und wenn ich davorstehe und mir überlege, wie ich da reinkomme, dann bin ich schon mitten in der Architektur drin. Uns interessiert es als Architekten, gesellschaftliche Zusammenhänge sichtbar zu machen, sie zu thematisieren und natürlich die Gesellschaft auch anzuregen, darüber nachzudenken.

auf der Begegnungen stattfinden können. Man findet überall Fenster auf dem Weg zu den Wohnungen, man kann überall rausschauen und man sieht wieder auf den Vorplatz wo alles begann.

«Architektur ist Theater, ist eine Choreographie, die eine Geschichte erzählt; in diesem Fall die Geschichte vom Ankommen»

Was macht eine Seniorenresidenz einladend? Aus der Sicht der Architektur gibt es in der Seniorenresidenz Spirgarten zwei Flügel, die wie zwei Arme die Menschen empfangen, wenn man über den Vorplatz läuft. Links ist das Residenz Café, in der Mitte die Eingangshalle und rechts das Cheminée Zimmer. Alles ist wie in einem Hotel und das Gebäude umfasst und begrüsst jeden Gast und auch Anwohner. Architektur ist Theater, ist eine Choreografie, die eine Geschichte erzählt; in diesem Fall die Geschichte vom Ankommen. Die Seniorenresidenz ist eine Art Hotel, man kann sagen, das letzte Hotel auf unbestimmte Dauer. Wo findet Begegnung statt? In den öffentlichen Räumen im Erdgeschoss, im Garten, im Residenz Café, im Cheminée Zimmer oder im Waschsalon, aber auch auf jedem Stockwerk. Der Gang ist konzipiert wie eine Strasse,

Warum befindet sich die Pflegeabteilung auf dem Dach? Wenn man bettlägerig ist, kann man liegend auf die Dachbegrünung rausschauen und man sieht auf die Blumen, welche genau auf Augenhöhe sind. Das sind kleine aber wichtige Details. Dort kann man sich gut erholen und neue Energie schöpfen oder sollte es Zeit dafür sein, sich zu verabschieden und zu gehen, all das über den Dächern von Zürich.

Wie gliedert sich die Residenz Spirgarten städtearchitektonisch ein? Bewohner, die noch sehr mobil sind, befinden sich zwar einerseits in den geschützten Wänden des Spirgartens und andererseits aber auch bereits «mitten im Geschehen»; man kann von der Seniorenresidenz aus zu Fuss einkaufen gehen, zur Bank, zur Post und zu Tram- und Bushaltestelle. Hier ist man Teil einer Stadt und nicht an ein Stadtende mit grüner Wiese und ruhiger Umgebung gebunden oder abgestellt. Und trotzdem bietet der Bau einen geschützten Rahmen.

13


R ESIDENZ R EV U E

Worauf wurde besonders geachtet? Die Wohnungen sind wie in einem Mehrfamilienhaus über mehrere Stockwerke verteilt. Altersgerecht ist der Zuschnitt der Wohnungen und wie sie ausgestattet sind. Eine Zwei-Zimmer-Wohnung hat zwar nur eine kleine Küche, diese braucht es auch nicht wirklich, denn für die Mahlzeiten ist ja ohnehin gesorgt, und doch hat man die Sicherheit und die Freiheit, sich immer und zu jeder Zeit etwas Kleines kochen zu können. Bei der Materialisierung haben wir uns viele Gedanken zu den möglichen Bewohnern gemacht, die wahrscheinlich zur Zeit des Neubaus ungefähr um 1920 geboren sind. Wir wollten ein haptisches Haus bauen. Eines mit Farben und Materialien, das man anfassen, riechen und sehen kann. Die ganze Verkleidung im Erdgeschoss und in den Wohnungen ist aus Ulmenholz. Das Ulmenholz wurde statt vertikal, horizontal furniert und zwar so, wie man das aus den 30er- und 40er-Jahren kennt. Und bewusst wurde auf Schattenfugen verzichtet, es ist eine Holzverkleidung ohne Fugen. Für uns war wichtig, dass die Verkleidung rundherum geht, dass es eine satte gestossene Verkleidung und eine bis ins letzte Detail durchdachte Holzvertäfelung ist. Wer das Gebäude betritt, wird dies spüren. Von aussen war uns wichtig, ein helles und einladendes Erscheinungsbild zu kreieren, das wir mit Weisszement und dem enthaltenen Jurakalk, der sandgestrahlt ist, erreichen konnten. Diese Fassade lässt sich auch als Kunststein bezeichnen, der eine explizit warmtönige Färbung hat. Und all diese

14

Elemente lassen sich anfassen und erleben. Genau wie wir Menschen werden auch sie alt und erhalten eine Patina. Dieses «alt werden in Würde» ist auch beim Menschen etwas Besonderes. Eine alte Person, der man das Leben ansieht, ist doch etwas Wunderschönes. Interview: Tanja Bernold


G ebäudear c h itektur

Quintus Miller Quintus Miller ist dipl. Architekt ETH BSA SIA und Mitbegründer des Architekturbüros «Miller & Maranta». Was 1994 an einem Küchentisch begann, ist heute ein Unternehmen mit 50 Mitarbeitern, das viele Wettbewerbserfolge verzeichnet. So unter anderem die «Seniorenresidenz Spirgarten» in Zürich-Altstetten.

15


R ESIDENZ R EV U E

Behaglichkeit fängt mit Architektur und Gestaltung an

E

s ist ein typisch garstiger Novembertag. Die Wolken hängen tief über Winterthur, die Farbe Grau dominiert, es fröstelt uns. Doch kaum haben wir die Seniorenresidenz Konradhof betreten, durchströmt uns wohlige Wärme.

Frau Grego, worauf haben Sie beim Innenausbau speziell Wert gelegt? Jasmin Grego: Früher dominierte die Briefkastenanlage den Eingangsbereich und führte in einen Gang. Diesen Windfang haben wir zusammen mit den Winterthurer Architekten Graf Biscioni neu über die ganze Fassadenflucht verlängert. Wir haben die Briefkästen zur Réception verschoben und die neu entstandene Lobby weiter mit den bestehenden Räumen verwoben. So ist ein zusätzlicher, neuer halböffentlicher Raum entstanden, der von aussen einsehbar ist. Das heisst, der Raum ist auch für die Öffentlichkeit offen. Ja, die Lobby, das Residenz Café und das Strassencafé im Sommer sind für alle offen. Welches Ziel verfolgten Sie damit? Offenheit fördert die Kommunikation. Unser Ziel war, die Lobby zu einem Teil des Wohnraums zu machen, in dem sich die Residenz-Bewohner nicht nur zum Essen treffen, sondern auch zum Jassen, Diskutieren oder Lesen.

18

Tatsächlich, die Sitzgruppen mit den Holztischen und grün bezogenen Stühlen, die locker angeordneten Sitzecken und Sofas um den Kamin sind gut besetzt. Eine Gruppe debattiert über dies und jenes, während an den Nebentischen noch Mahlzeiten gereicht werden. Andere Grüppchen sind bereits beim Kaffee oder sitzen Zeitung lesend in den gemütlichen Sofas am lodernden Kaminfeuer – dem Blickfang schlechthin. Farben seien immer Geschmackssache, sagt Jasmin Grego. Die Braun- und Grüntöne aber machen das Foyer gleichermassen zur Verlängerung des üppigen Gartens im Innenhof der Residenz. Einzig die Sitzecke mit den schwarz-weissen Sesseln bricht das Thema auf.

Wie man sieht, wird die Lobby gut angenommen. Seniorengerechtes Planen und Bauen ist ein hochaktuelles Thema. Aber es ist mehr als ein Schlagwort. Was heisst es für Ihre Arbeit konkret? Ich möchte vorausschicken, dass alle Menschen, egal welchen Alters, Bedürfnisse an Behaglichkeit, Wohnlichkeit und Sinnlichkeit haben. Früher lag der Fokus im seniorengerechten Wohnen auf Funktionalität. Das schuf häufig Spital-Atmosphären. Heute geht es uns darum, eine atmosphärische und wohnliche Umgebung zu schaffen, die gleichzeitig und diskret alle funktionalen Bedingungen erfüllt.


B e h agli c h keit

Ich gehe davon aus, dass barrierefreies und schwellenloses Bauen zu den wichtigsten Bedingungen gehören. Ja, absolut. Die Residenzen garantieren ihren Bewohnerinnen und Bewohnern Barrierefreiheit. Es ist eine Voraussetzung, keine Treppen, Stufen oder Schwellen einzubauen, da sie das grösste Unfallpotential bergen. Kabel beispielsweise lässt man am besten in den Boden ein. Die Barrierefreiheit beginnt übrigens bereits vor der Residenz, welche über eine schön gestaltete «Rampe» aus Calanca Gneis betretbar ist. Zudem sind alle Türen und Durchgänge breit genug für Rollstühle und Rollatoren. Böden können generell ein Sturzrisiko bergen. Haben Sie sich deshalb für einen Parkettboden und gegen Stein entschieden? Oder anders gefragt: Welche Anforderungen sind an einen Boden in einer Seniorenresidenz gestellt? Ein Steinboden ist nicht per se schlechter als Parkett. Aber Holz ist immer wohnlicher als Stein, den man zudem mehr mit dem öffentlichen Raum assoziiert. Böden müssen rutschfest sein und dürfen weder glänzen noch spiegeln, da Lichtreflexionen das Auge irritieren. Ausserdem dürfen sie nicht zu dunkel sein, da man darauf das Gefühl für Distanz und Tiefe verlieren kann. Wie steht es mit Teppichen? Teppiche sind wohnlich, angenehm zum darauf laufen und gut für die Akustik. Aber sie dürfen natürlich nicht zur Rutschgefahr werden. Das

heisst, Teppiche sollten keine Kanten aufweisen und nicht hochflorig sein. Doch auch hier gilt, dass wir nicht auf all die Möglichkeiten verzichten sollten, die Wohnlichkeit schaffen. So können Teppiche beispielsweise in das Parkett eingelassen werden. Der Teufel liegt wie so oft im Detail. Dies gilt auch für die Anforderungen an die Akustik. Es gibt kaum etwas Unangenehmeres als laute, hallende Restaurants, in denen man sein Vis-à-Vis kaum hört. Nicht so im Residenz Café des Konradhofs, wo eine angenehme Akustik herrscht. Hier können sich auch grössere Gruppen angeregt unterhalten, ohne dass die Tischnachbarn alles mitbekommen. Dies liegt zum einen daran, dass die Tische nicht zu nahe beieinander stehen, damit die Sitzgelegenheiten auch mit einem Rollator oder Rollstuhl zugänglich sind. Zum anderen handelt es sich bei den Wänden indirekt auch um Akustikwände. Räume müssen Lärm schlucken können, dürfen aber dennoch nicht schalltot sein. Worauf muss man noch achten zum Beispiel beim Licht? Abgesehen davon, dass die Räume nicht zu dunkel sein sollten, dürfen die Lichtquellen keine Schatten am Boden werden, da diese irritieren. Natürlich darf eine Lampe nicht blenden. Da hilft es, wenn wir das Licht mit einem Stoffschirm filtern. Die kleinen Stehleuchten braucht es hier weniger, um den Raum zu erhellen, als vielmehr um ein sichtbares Licht auf Augenhöhe zu haben. Das allgemein strahlende Licht hat atmosphärisch ähnliche Qualitäten wie Kerzenlicht.

19


R ESIDENZ R EV U E

20


B e h agli c h keit

Der Konradhof verfügt über 98 unmöblierte Ein- bis Drei-Zimmer-Wohnungen mit Bad, Küche, Wohnund Schlafräumen. Die Bewohnerinnen und Bewohner bringen nicht nur ihre eigenen Möbel mit, sondern versorgen sich auch selber. Das Mittagessen jedoch ist im Pensionspreis inbegriffen. Die Küchen sind offen und Teil des Wohnraums. Sie sind voll ausgerüstet, aber mit kleineren Geräten. Keine Stolperfallen und die Barrierefreiheit sind auch in den Badezimmern wichtig. So sind die Lavabos unterfahrbar und die Toiletten hängen höher. Auch gibt es keine Wannen mehr, sondern Duschen. Auf ein Bad verzichten muss aber niemand: Die Residenz verfügt über ein Therapie- und Pflegebad.

Jasmin Grego

Last but not least: Welche Tipps können Sie zur Möblierung geben? Überall steht, man solle auf Möbel verzichten, welche scharfe oder vorstehende Teile, Ecken und Kanten aufweisen. Oder Wohnungen sollten nicht überstellt sein. Möblierung ist etwas sehr individuelles. Die einen mögen eine volle Wohnung, andere weniger. Wir wollen den Residenz-Bewohnern das Leben erleichtern. Aber eine ewige und totale Sicherheit gibt es nicht. Allerdings müssen sie auf nichts verzichten, wenn es intelligent geplant ist.

Residenz Konradhof Schwimm- und Therapiebad; täglich zu geniessen

Jasmin Grego hat Kunstgeschichte an der Universität Zürich und Architektur an der ETH Zürich studiert und ist Mitbegründerin und -inhaberin der «GREGO Jasmin Grego & Stephanie Kühnle Architektur GmbH». Jasmin Grego war auch als Professorin tätig an der Fachhochschule Nordwestschweiz am Institut für Innenarchitektur, Möbeldesign und Szenographie und Gastdozentin an der ETH Zürich.

Behaglichkeit für Bewohner unserer Residenzen

Residenz Spirgarten Regelmässig sorgen «Herrenabende» und «Frauenabende» für gemütlichen Austausch Residenz Südpark Donnerstag ist Wellnesstag im Südpark; es werden wohltuende und entspannende Wellness- und Pflegebäder angeboten

Interview: Petra Stöhr Weitere Informationen: www.residenz-konradhof.ch/aktivitaeten/anlaesse www.residenz-spirgarten.ch/aktivitaeten/anlaesse www.residenz-suedpark.ch/aktivitaeten/anlaesse

21


R ESIDENZ R EV U E

«Zentral gelegene Stadtwohnungen mit hotelähnlicher Infrastruktur»

D

er Konradhof wurde 1999 eröffnet und bedurfte nach rund 20 Jahren einer Renovation und Modernisierung, die von den jungen Winterthurer Architekten Graf Biscioni in Zusammenarbeit mit Grego Architekten betreut wurde. Die Umbauzeit dauerte rund acht Monate. Ende November waren die Arbeiten in der Seniorenresidenz Konradhof in Winterthur abgeschlossen und mit einem kleinen Festakt wurde die Residenz wieder (ein-)geweiht. Wir haben dies zum Anlass genommen für ein Gespräch mit dem Geschäftsführer des Konradhofs, Herrn Freddy Stocker.

Auch wenn sich die neu gestalteten Räume nun noch vermehrt als Begegnungszonen anbieten, entscheiden die Bewohner selber, wie viel Kontakt sie mit anderen pflegen möchten. Die individuelle Privatsphäre wird uneingeschränkt respektiert und so ist und bleibt die Wohnung Privatbereich der Bewohner. Auch unsere Mitarbeitenden dürfen zum Beispiel die Wohnungen nur für die Reinigung, für Reparaturen oder bei Notfällen betreten. Bis zur Wohnungstüre ist das Haus jedoch öffentlich. Wir freuen uns immer sehr, wenn auswärtige Gäste in den Konradhof kommen und «Leben» ins Haus bringen.

Wie erleben Sie den «neuen» Konradhof? Freddy Stocker: Architektur, Design und Ausstattung wurde vor allem im Parterre, in den Begegnungszonen und in den öffentlichen Räumen stark verändert. Die Infrastruktur in den neugestalteten, sehr modernen und grosszügigen öffentlichen Räumen ermöglicht es, sich mit anderen Personen zu treffen. Neu gibt es ein wunderschönes Foyer mit Cheminée und eine Lobby, die zum Verweilen einladen. Immer wieder hören wir die Aussage von unseren Bewohnern: «Wir wohnen in einem Hotel für Senioren an bester Lage.» Insbesondere seit dem Ende der Umbauarbeiten laden die Bewohner ihre Angehörigen sehr gerne ein und zeigen ihnen mit Stolz ihr «neues» Zuhause. Im Gegensatz zu früher zieht jetzt die offene, helle und grosszügige Gestaltung des Parterres Gäste an. Vor dem Umbau war eher das Gegenteil der Fall.

Wie haben Sie den Umbau erlebt? Wir alle, Bewohner und Mitarbeitende, hatten grossen Respekt vor diesem «Kraftakt» bei laufendem Betrieb. Und tatsächlich waren die ersten zwei Monate mit Lärm, Schmutz und häufigen Umdisponierungen eine grosse Herausforderung. Dank der guten Planung, der Flexibilität und dem Durchhaltewillen aller haben wir dies aber gemeinsam gut gemeistert. Ein besonderes Dankeschön gebührt dabei unseren Bewohnern. Sie waren es, die uns Mitarbeitende immer wieder mit einem aufmunternden Spruch oder einer schönen Geste Mut gemacht haben! Jetzt ist es vorbei und das Resultat lässt uns die intensive Zeit schnell vergessen.

24

Was macht den Konradhof so einzigartig? Das Gesamtkonzept der Residenz Konradhof ist in sich stimmig; es orientiert sich an den Bedürfnissen von Menschen in fortgeschrittenem Alter


P ers รถ n li c h

25


R ESIDENZ R EV U E

und ist die optimale Verbindung von eigenständigem Wohnen an zentraler Lage mit integrierter, gepflegter Gastronomie und einem reichhaltigen Angebot rund um Gesundheit, Unterhaltung und Wellness. Die hervorragende Lage des Konradhofs ermöglicht es, den Bewohnern – selbst bei eingeschränkter Gesundheit – noch selber einzukaufen, ins Theater oder ins Konzert zu gehen. Es ist praktisch alles in «nächster Nähe». Die Dienstleistungen der Residenz sind einerseits hotelähnlich und andererseits auf das Leben im Alter ausgerichtet; zum Beispiel hinsichtlich

Interessenten müssen - Schweizer Bürger sein, - dem Mittelstand angehören, - zum Zeitpunkt des Einzugs noch selb- ständig einen Haushalt führen können - physisch und psychisch noch fit sein, damit das «Loslassen» von der alten Wohnung / Haus, der Umzug in den Konradhof und der Start in der neuen Umgebung gut verkraft wird. Weitere Informationen: www.konradhof.ch

26

Ernährung oder bezüglich der hausinternen Spitexleistungen. Diese zusätzlichen Dienstleistungen können modular zusammengestellt und nach Bedarf in Anspruch genommen werden. Weiter gibt ein grosses Angebot an Aktivitäten und Veranstaltungen, ausgerichtet auf die verschiedensten Bedürfnisse (Gesundheit, Musik, Kultur). Wenn jemand das Haus aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr verlassen kann, kommt er doch noch in den Genuss von Konzerten, Vorträgen und kulturellen Veranstaltungen. Besonderen Wert legen wir auf Bewegungs-Aktivitäten. Weshalb soll sich jemand für den Konradhof entscheiden? Hierzu gibt es verschiedene Gründe. Der Konradhof verfügt über Ein-, Zwei- und Drei-ZimmerWohnungen, wobei letztere nur an Paare, respektive zwei Personen vergeben werden. Die angebotenen Dienstleistungen sind «hotelähnlich». Somit entscheiden sich neue Bewohner für nichts Anderes als für eine «sehr zentral gelegene Stadtwohnung». Dabei wird das gewohnte, individuelle Leben weitergeführt mit den eigenen vertrauten Möbeln, Bildern, Lampen und weiteren persönlichen Gegenständen. Einer der Hauptgründe für einen Umzug in den Konradhof ist die Sicherheit; das heisst: Das Spitex-Angebot (24 Stunden-Betrieb) sowie Alarm-Einrichtungen


P ers ö n li c h im ganzen Haus geben unseren Bewohnern ein Gefühl der Sicherheit. Rund um die Uhr stehen deshalb auch immer kompetente Fachpersonen zur Verfügung. Und sollte die eigene Gesundheit es eines Tages nicht mehr erlauben, in der Residenzwohnung zu leben, so kann in der Regel garantiert werden, dass jemand bis zu seinem Lebensende im Konradhof bleiben kann, da unser Haus ja auch über eine kleine, feine Pflegeabteilung verfügt. Auf die Frage, wie jemand auf den Konradhof aufmerksam wurden, hören wir immer wieder:

«Man kann eigentlich nicht zu früh in den Konradhof kommen, aber zu spät!»

Kann man sich den nun rundum erneuerten Konradhof jetzt überhaupt noch «leisten»? Leider kursieren in Winterthur und Umgebung immer wieder Fantasiezahlen, was die Kosten für einen Aufenthalt im Konradhof anbelangt. Ein «Normalbürger» könne sich diesen Aufenthalt überhaupt nicht leisten und es hätte sowieso nur «Mehrbessere» an der Konradstrasse 7. Diese undifferenzierten Aussagen sind leider nur schwer aus der Welt zu schaffen und hindern Menschen daran, sich näher über unser Haus zu informieren. Denn wenn man die im Pensionsvertrag inbegriffenen Leistungen übers Ganze betrachtet, weicht dieser Betrag nicht mehr viel von einer Vollkostenrechnung in einer schönen Miet- oder Eigentumswohnung ab! Interview: Atlas Stiftung

«Wir kennen eine oder mehrere Personen, die im Konradhof wohnen und sie haben uns das Haus wärmstens empfohlen.» Hat der «neue» Konradhof noch Platz oder muss man sich auf Jahre hinaus anmelden? Es steht ausser Frage, dass der neu gestaltete Konradhof die Nachfrage noch mehr belebt. Leider ist es jedoch oft so, dass sich Interessierte zu spät mit dem Thema ihrer Wohnsituation im Alter befassen. Sie melden sich meist erst, wenn sie gesundheitliche Probleme haben und ihr gewohntes Leben nicht mehr weiterführen können. Dann ist in der Regel ein Einzug bei uns aber nicht mehr sinnvoll oder manchmal auch gar nicht mehr möglich. Zudem ist ein schneller Einzug aufgrund der aktuellen Wartezeit von rund 20 Monaten sowieso in nur ganz seltenen Fällen möglich. Wir empfehlen allen Interessenten, sich am besten ein provisorisches Einzugsdatum vorzunehmen und alle Vorbereitungsarbeiten darauf auszurichten. Wenn sie dann vielleicht noch einen Moment auf eine Wohnung warten müssen, ist jedoch bereits alles für den baldigen Umzug in die Wege geleitet. Somit kann man eigentlich nicht zu früh in den Konradhof kommen, aber zu spät!

Freddy Stocker

Freddy Stocker ist Geschäftsführer der Seniorenresidenz Konradhof in Winterthur.

27


R ESIDENZ R EV U E

Trivia - wussten Sie schon, . . .

…dass «hygge» das dänische Wort für Behaglichkeit ist und «hyggelig» behaglich bedeutet?

…dass der 23. September der «Tag der Behaglichkeit» ist? Behaglichkeit beschreibt einen körperlichen und seelischen Zustand subjektiven Wohlbefindens: Es sich gemütlich und bequem machen. In einer behaglichen Umgebung fühlen wir uns wohl, im Winter denken wir an einen kuschelig gewärmten und heimelig beleuchteten Raum, im Sommer an einen angenehm kühlen und beschatteten Aufenthaltsort. Im heutigen Sprachgebrauch wird der Begriff «Behaglichkeit» oft synonym zu «Gemütlichkeit» oder auch zu «Geborgenheit» verwendet. Im 19. Jahrhundert definierte man «Behaglichkeit» mit einer «anhaltend angenehmen Empfindung, besonders Zufriedenheit mit dem gegenwärtigen, schmerz- und sorgenlosen Zustand».

28

Und die Dänen müssen‘s ja wissen: Sie gelten als das glücklichste Volk der Welt. Forscher des Instituts für Glücksforschung in Kopenhagen, erklären, warum:«Bei uns geht es in erster Linie um Atmosphäre, um das Erleben schöner Dinge, das Zusammensein mit seinen Lieben, das Gefühl von Zuhause sein.» Viele Kerzen, schöne Lampen, flackerndes Kaminfeuer, Naturelemente wie Zweige, Nüsse, Felle aber auch Bücher, schöne Keramik, Decken und Kissen gehören in Dänemark in ein kuscheliges, «hyggeliges» Zuhause. Gutes Essen und heisse Getränke in geselliger Runde mit Freunden, Familie oder Kollegen schaffen eine entspannte, warme und freundliche Atmosphäre. «Wir verwöhnen uns und andere – und geniessen das. Das macht unser Glück aus.»


trivia

…dass Weihnachten DAS Fest der Behaglichkeit ist?

…dass der Winter die behaglichste Jahreszeit ist? Wehmütig verabschieden wir im Herbst den Sommer und sehen jedes Jahr dem Winter mit gemischten Gefühlen entgegen: Wird er nass-kalt mit Regen und Wind oder frostig-klar mit Eis und Schnee? Und doch: Wer von uns erinnert sich nicht an herrliche, klare Skitage, an Schlittenfahren über verschneite Hänge oder an Spaziergänge im knirschenden Schnee durch tiefverschneite Wälder? Lebensfreude pur. – Und dann das Aufwärmen danach: mit dampfendem Tee am warmen Ofen, mit heisser Schokolade vor dem Kamin oder mit einer wundervollen Tasse Grog in eine wohlig angewärmte Decke gehüllt – kann es etwas Genussvolleres geben? Lässt sich diese wärmende Zufriedenheit, dieses Wohlbehagen noch übertreffen?

Marjorie Holmes, amerikanische Schriftstellerin, hat es im Buch «Die Nacht, in der die Sterne sangen» treffend formuliert: «An Weihnachten führen alle Wege nach Hause.» Wir allen wünschen uns Weihnachten als eine Zeit der Wunder und Besinnung, mit leuchtenden Kinderaugen, in der Menschen näher zusammenrücken und die Hoffnung neu entfacht wird. Wir verbinden dieses Fest mit behaglicher Nestwärme, Glaube und Liebe und natürlich mit Weihnachtsbaum, Kerzen und Sternen. Es ist diese Sehnsucht in uns nach etwas Konstantem und Gewohntem im schnelllebigen Alltag. Das heute in der westlichen Hemisphäre gefeierte Weihnachtsfest in der Familie, mit Weihnachtsbaum, Weihnachtsliedern, Krippe, Geschenken und einem Gottesdienstbesuch hat seine Anfänge in der Bürgerfamilie des 19. Jahrhunderts. Die Entstehung vieler Weihnachts- und Adventsbräuche in unseren Breitengraden geschah vor dem Hintergrund, dass Weihnachten in den kalten Winter und in die dunkelste Zeit des Jahres fällt. Auf der Südhalbkugel wird Weihnachten im Hochsommer gefeiert, das hat zwangsläufig zu anderen Bräuchen geführt; der Tannenbaum zum Beispiel hat dort keine einschlägige Symbolkraft. Text: Patricia Smidt

29


Impressum Herausgeber & Redaktion Atlas Stiftung, www.atlas-stiftung.ch, 044 233 33 55 Konzept, Illustration & Gestaltung Dr. Helen-Deborah Maier Texte Atlas Stiftung, Tanja Bernold, Patricia Smidt, Petra Stöhr Bilder Atlas Stiftung, Adriano Biondo, Fotolia, Giovanelli, Guinandimage, Freddy Stocker Auflage 2000; deutsch Bezug Seniorenresidenz Konradhof, www.residenz-konradhof.ch, 052 265 15 15 Seniorenresidenz Spirgarten, www.residenz-spirgarten.ch, 043 336 75 75 Seniorenresidenz Südpark, www.residenz-suedpark.ch, 061 366 55 55


Profile for Atlas Stiftung

Residenz Revue Nr. 7 - Dezember 2016  

Residenz Revue Nr. 7 - Dezember 2016  

Advertisement