Issuu on Google+

Thannhaeuser


Thannhaeuser


Thannhaeuser


1898 ‒ 1963 Thannhaeuser


1898 China verpflichtet sich, die Halbinsel Kiautschou auf 99 Jahre an das Deutsche Reich zu verpachten. Deutsche Panzerkreuzer besetzten 1897 die Bucht von Tsing-Tau-Kan. Die USA erklären Spanien den Krieg und beenden ihn mit dem Frieden von Paris. Hawaii wird annektiert und Kuba wird Republik. Es sterben die österreichische Kaiserin Elisabeth, der ehemalige Reichskanzler Otto von Bismarck und der Schriftsteller Theodor Fontane. Pierre und Marie Curie entdeckten das radioaktive Element Radium. Namhafte Künstler um Walter Leistikow und Max Liebermann rufen die Berliner Secession ins Leben.


1898–1917 Herbert Thannhaeuser wird am 2.12.1898 in Berlin Weißensee geboren. Er ist eines von fünf Kindern und wächst unter schwierigen Verhältnissen auf. Sein Vater, ein aus Schlesien stammender Weber, fand nur gelegentlich als ungelernte Kraft Arbeit. 1913 beginnt er nach achtjährigen Schulbesuch mit 14 Jahren eine Lehre als Porzellanmaler bei Max Huhn. Von 1914 bis 1916 lehrnt er im Atelier des Kunstmalers Ernst Deutsch (Dryden). Nach der Ausbildung folgt eine Anstellung als Anzeigenzeichner im Ullsteinverlag. Im Mai 1917 wird er zum Militär eingezogen.


1913–1914 Lehrzeit bei Max Huhn


1914–1916 Lehrzeit bei Ernst Deutsch


1914–1916 Lehrzeit bei Ernst Deutsch seit 1911 Superstar der Berliner Werbeszene


1914–1916 Lehrzeit bei Ernst Deutsch seit 1911 Superstar der Berliner Werbeszene

1911


1914–1916 Lehrzeit bei Ernst Deutsch seit 1911 Superstar der Berliner Werbeszene

1912


1914–1916 Lehrzeit bei Ernst Deutsch seit 1911 Superstar der Berliner Werbeszene

1912


1914–1916 Lehrzeit bei Ernst Deutsch seit 1911 Superstar der Berliner Werbeszene

1913


1914–1916 Lehrzeit bei Ernst Deutsch seit 1911 Superstar der Berliner Werbeszene

1915


1914–1916 Lehrzeit bei Ernst Deutsch


1914–1916 Ernst Deutsch (ab 1919 Dryden) *1887 Wien †16. Mai 1938 in Los Angeles 1910 – 1917 Berlin 1919 – 1927 Wien 1926 – 1933 Paris 1933 – 1938 Los Angeles Grafiker, Plakatgestalter, Modezeichner, Innenarchitekt künstlerische Beratung diverser Modehäuser und Modezeitschriften


1918 Der erste Weltkrieg endet im November durch den Waffenstillstand von Compiègne. Europas Grenzen und die der Welt werden neu gezogen. Kaiser Wilhelm II. unterzeichnet seinen Thronverzicht und dankt ab. Philip Scheidemann ruft am Reichstag die Deutsche Republik aus. Moskau wird Hauptstadt Rußlands. Die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) wird in Berlin gegründet. In Großbritannien dürfen zu den Unterhauswahlen erstmals Frauen ab 30 Jahren wählen. Max Planck und Fritz Haber erhalten die Nobelpreise für Physik und Chemie.


1918–1932 Herbert Thannhaeuser wird im Mai 1917 zum Militär eingezogen. Nach einer Verwundung in Frankreich folgt die Lazarettzeit in Berlin, wo er auch das Kriegsende erlebt. 1919 wird er aus dem Militär entlassen. 1920 heiratet er Gertrud und es wird sein Sohn Walter geboren. 1922 findet er Anstellung bei der 1921 gegründeten Firma Erasmusdruck Gebrüder Krause GmbH, Berlin. 1925 wird er mit 27 Jahren freier künstlerischer Leiter der Erasmusdruck. 1928 erscheint ein viel beachtetes Schriftmusterbuch der Firma und seine erste Schrift.


1922–1934 Thannhaeuser bei Erasmusdruck

a

Erasmusdruck war eine Ausgründung der Abteilung Reklame der angesehenen Firma Max Krause Briefpapiere die seit 1865 in Berlin ansässig war.

Alexandrinenstraße 93–94


1922–1934 Erasmusdruckprobe in Gebrauchsgraphik Heft 1 1929

a


a Erasmusdruck Schriftmusterbuch 1928


a Erasmusdruck Schriftmusterbuch 1928


a Erasmusdruck Schriftmusterbuch 1928


a Erasmusdruck Schriftmusterbuch 1928


a Erasmusdruck Schriftmusterbuch 1928


a Erasmusdruck Schriftmusterbuch 1928


a Erasmusdruck Schriftmusterbuch 1928


a Erasmusdruck Schriftmusterbuch 1928


a Erasmusdruck Schriftmusterbuch 1928


a Erasmusdruck Schriftmusterbuch 1928


1928 Adastra D. Stempel AG, Frankfurt Main

f


1929 Thannhaeuser Schrift Schriftguss AG, vormals Br端der Butter, Dresden

d


1930 Parcival Antiqua Schelter & Giesecke AG, Leipzig

b


1931 Schwung Adastra

f


1932 Parcival Antiqua fett

b


1933 Reichspräsident Hindenburg ernennt Hitler zum Reichskanzler. Der Reichstag brennt, das Ermächtigungsgesetz beendet die Weimarer Republik. Alle Parteien außer der NSDAP lösen sich auf bzw. werden verboten. Es beginnt die Gleichschaltung des gesellschaftlichen Lebens in Deutschland. Erste Bücherverbrennungen finden statt. Der Volksempfänger wird von Propagandaminister Göbbels anläßlich der 10. Funkausstellung in Berlin präsentiert. Die Prohibition in den USA endet.


1933–1945 Herbert Thannhaeuser wird 1933 künstlerischer Berater der Abteilung Schriftguß bei Schelter & Giesecke in Leipzig. Er verdient sehr gut und siedelt nach Kleinmachnow um. 1934 beendet er die Zusammenarbeit mit Erasmusdruck. 1934 – 1937 berät er die Berliner Firma H. S. Herrmann - Büxenstein, Druck- und Vertriebsanstalt, die später als Ernst Steiniger, Druckund Verlagsanstalt firmiert. 1938 wird er Berater der Firma Carl Werner, Reichenbach i.V. 1940 wird er wieder zum Militärdienst eingezogen. Während der Militärzeit arbeitet er weiter an Schriften.


1933 Thannhaeuser Schrift Schriftguss AG, vormals Br端der Butter, Dresden

d


1934 Thannhaeuser Schrift

d


1934 Hermann Gotisch Schelter & Giesecke AG, Leipzig

b


1934 Werbedeutsch Schelter & Giesecke AG, Leipzig

b


1935 Graviera Schelter & Giesecke AG, Leipzig

b


1935 GroĂ&#x;deutsch Schelter & Giesecke AG, Leipzig

b


1938 Thannhaeuser Fraktur Schelter & Giesecke AG, Leipzig

b

g


1939 Thannhaeuser Fraktur

b


1938–1939 Thannhaeuser Fraktur

b


1938–1939 Thannhaeuser Fraktur

b


1939 Kornett Schelter & Giesecke AG, Leipzig

b


1939 Kurier Schelter & Giesecke AG, Leipzig

b


1946 Die Wiederaufnahme des Postverkehrs zwischen Deutschland und dem Ausland wird durch die Alliierten genehmigt. In der sowjetischen Besatzungszone werden die Parteien KPD und SPD zur SED zwangsvereinigt. In Berlin wird die Freie Deutsche Jugend (FDJ) unter Vorsitz Erich Honeckers gegr端ndet. Die ersten deutschen Soldaten kehren aus sowjetischer Gefangenschaft zur端ck. Die USA beginnen Atomwaffentests auf dem Bikini-Atoll.


1946–1949 Am 1. September kehrt der 47 jährige Thannhaeuser aus der Kriegsgefangenschaft heim. Bereits vor 1940 begonnene Schriftprojekte liegen brach. Er arbeitet für diverse kleinere Berliner Verlage und sieht sich oft genötigt, seine freischaffende Arbeit gegenüber staatlichen Stellen zu recht­fertigen. Thannhaeuser, der jegliches politisches Engagement vermied, wird am 30.1.1947 Mitglied im Kulturbund und später im Verband Bildender Künstler Deutschlands (VBKD). Die Zusammenarbeit mit Schelter & Giesecke bzw. dem VEB Polygraph Druckmaschinen und Schriftguß bleibt erhalten.


1945 pow Lt. Thannhaeuser


1945 pow Lt. Thannhaeuser


1946 Thannhaeusers Zweite Nachkriegsarbeit Die Betriebsgebäude von Schelter & Giesecke blieben weitgehend unbeschädigt. Viele andere Betriebsstätten waren zerstört. Verwertbare Maschinen und Materialien wurden demontiert. Die Europa, von der Mergen­thaler Setzmaschinen­fabrik ins Programm aufgenommen, wurde nicht mehr ausgeführt.

Mergenthaler Setzmaschinenfabrik, Chausseestraße 25, Berlin


1946–1948 Thannhaeusers Zweite Nachkriegsarbeit Arbeiten als Buchgestalter und Zeichner fßr die Berliner Verlage Williams & Co., Transmare und die Deutsche Buchvertriebs- und Verlagsgesellschaft sind nachweisbar.


1948 schon 1940 f端r S&G gezeichnet


1948 Technotyp


1948 Technotyp


1948 Technotyp


1949 Das Grundgesetz wird verk端ndet und die ersten Bundestagswahlen finden statt. Durch die Gr端ndung der Bundesrepublik und der DDR wird die getrennte Entwicklung Deutschlands festgeschrieben. Die seit Juni 1948 bestehende Blockade West-Berlins wird im Mai beendet. Die UdSSR geben ihren ersten Atomwaffentest bekannt. Mao Tse-tung verk端ndet die Volksrepublik China.


1949–1963 Im Mai 1951 wird die frühere Schriftgußabteilung von Schelter & Giesecke in Leipzig mit dem VEB Schriftguss in Dresden vereinigt. Im Oktober 1951 wird 52jährige Thannhaeuser durch das Ministerium für Leichtindustrie der DDR zum künstlerischen Leiter berufen. Im selben Monat erhält der Zusammenschluß den Namen VEB Typoart. Der wesentliche Auftrag ist der Entwurf und die Produktion von Matrizenschriften. 1960 erhält er den Kunstpreis der DDR.


1951

c


1951

c


1952 Meister, schon 1940 f端r S&G gezeichnet Typoart, Dresden

c


1952 Meister

c


1952 Erler Versalien Typoart, Dresden

c


1955 Garamond Typoart, Dresden

c

g


1955 Garamond

c

g


1955 Lotto Typoart, Dresden

c


1958 Didot Typoart, Dresden

c

g


1958 Didot

c

g


1958 Liberta (Europa), schon 1943 f端r S&G bzw. Mergenthaler gezeichnet Typoart, Dresden

c

g


1958 Liberta

c

g


1958 Liberta

c

g


1959 Liberta

c


1960 Liberta

c


1960 Technotyp Typoart, Dresden

c


1960 Kunstpreis


1961 Liberta Typoart, Dresden

c


1963 Am 12. April 1963 stirbt Herbert Thannhaeuser im Alter von 64 Jahren in seinem Haus in Kleinmachnow. Der Gesellschaft hinterläßt er ein reiches, teilsweise auch umstrittenes, typografisches Werk. Es spiegelt exemplarisch seine Epoche wieder und läßt manche Frage offen. Es war ihm ein besonderes Anliegen, nicht für eine Elite künstlerisch tätig zu sein, sondern für die breite Masse. Er wird als energische Persönlichkeit, distanziert und doch freundlich beschrieben. Wenn sich eines aus seinem Leben herauslesen läßt, so ist es der Widerspruch, zwischen seinem Streben nach Unabhängigkeit und seiner Anpassung an die jeweiligen Umstände.


Die Liebe zur Schrift hat ihre tiefe Ursache immer in der Liebe zur Sprache. Der Schriftkünstler will mit seinen Schrift­ schöpfungen der Sprache ein neues Kleid für ihre graphische Erscheinung schaffen. Ob es ein Festgewandt oder ein Arbeitskleid ist – es soll für seinen Zweck und für seine Zeit schön sein.



1965 Magna Typoart, Dresden

Fotosatzversion von Karl Heinz Lange

c


2006 Phoenica German Type Foundry

Phoenica Hairline 25 Phoenica Hairline 35 Phoenica Light Phoenica Medium Phoenica Medium Italic Ingo Preuß


germantype.com


Thannhaeuser works - lecture slides