2017 05 Asphalt

from Volker

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2,20 EUR davon 1,10 EUR Verkäuferanteil

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MIT VIEL GESPÜR FÄHRTENSUCHER In Bleckede werden Zollhunde ausgebildet.

TELLERWÄSCHER

Jon Bon Jovi kocht und spült für Obdachlose.

PLATZRÄUMER

Ein Trinkraum soll Probleme am Raschplatz lösen.


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Notizblock

6 Angespitzt 7

Spürnasen

Die Ausbildung zum Zollspürhund verlangt vollen Einsatz von Mensch und Tier.

10 Gut zu wissen 11 Wer war eigentlich …? 12 Rockstar mit sozialem Gewissen

Jon Bon Jovi spricht über seine Stiftung zur Bekämpfung von Hunger und Obdach­ losigkeit.

16 Stadttauben: Vögel mit Imageproblemen

Tauben in der Stadt genießen keinen guten Ruf. Ein Verein wirbt um mehr Verständnis.

19 Ein Raum für Trinker

Die Trinkerszene auf dem Raschplatz beschäftigt weiterhin Politik und Verwaltung. Ein Trinkraum soll für Entlastung sorgen.

22 Aus der Szene 23 Das muss mal gesagt werden 24 Aus dem Leben

von Asphalt-Verkäufer Adrian

27 Rund um Asphalt 28 Grenzerfahrungen

Ehrenamtliche Hebammen und Gynäkolo­ ginnen versorgen Flüchtlingsfrauen in nord­ französischen Lagern an der Kanalküste.

32 Familienausflug

Das Asphalt-Gewinnspiel für die ganze Familie.

34 Buchtipps 35 Mai-Tipps 38 Impressum/Ihr Engagement 39 Silbenrätsel

Titelfoto: dpa

Das Asphalt-Prinzip

Asphalt-Verkäuferinnen und -Verkäufer sind Menschen mit brüchigen Biographien. Irgendwann sind sie in ihrem Leben durch schwere Schicksale, Krankheiten oder traumatische Erlebnisse aus der Bahn gewor­ fen worden. Heute versuchen sie, durch den Verkauf des Asphalt-Magazins ihrem Leben wieder Struktur und Sinn zu verleihen. Viele sind oder waren wohnungslos, alle sind von Armut betroffen. Sie kaufen das Asphalt-Magazin für 1,10 Euro und verkaufen es für 2,20 Euro. Asphalt ist eine gemeinnützige Hilfe-zur-Selbsthilfe-Einrichtung und erhält keinerlei regelmäßige staatliche oder kirchliche Zuwendung.


das politische Wahljahr 2017 verspricht spannender zu werden als zunächst gedacht. Die Angebote politischer Parteien machen inzwischen einen vielfältigeren Eindruck, so dass nach Jahren schwindender Wahlbeteiligung wieder mehr Menschen motiviert sind und zur Wahl gehen wollen. Im Interesse einer demokratischen politischen Kultur, die sich gegen skrupellose Demagogen rechtspopulistischer Parteien richtet, ist dies nur zu begrüßen. Die in diesem Monat stattfindenden Landtagswahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen werden erste Hinweise dafür liefern, was mit der Bundestagswahl im September auf uns zukommen wird. Unseren beiden großen Volksparteien kommt dabei eine entscheidende Rolle zu. Die Union muss klären, wie sie sich einen modernen Konservativismus vorstellt. Die SPD steht vor der Aufgabe, gegen ihre nicht vergessene Agenda 2010 endlich wieder Vertrauen für ihr Grundthema der sozialen Gerechtigkeit zu vermitteln. Der medial inszenierte Schulz-Effekt ist schnell verpufft, wenn es nicht gelingt, mit überzeugenden realpolitischen Vorschlägen über die eigene Partei hinaus in der Gesellschaft dauerhaft mobilisieren zu können. Dies gilt für beide Volksparteien. Diese Bezeichnung können sie nur dann weiterhin für sich in Anspruch nehmen, wenn sie willens und in der Lage sind, sich in den alltäglichen Strukturen unserer Gesellschaft, in den Vereinen, Verbänden, Religionsgemeinschaften und sozialen Initiativen zu verankern. In der vorliegenden Mai-Ausgabe von Asphalt geht es etwas tierisch zu. Denn wir berichten nicht nur über die Ausbildung von Spürhunden in der Zollhundeschule, sondern auch über die »Friedensvögel mit Imageproblemen«, also über Stadt­ tauben. Das uns immer wieder bewegende Thema der Flüchtlinge in Europa greift Asphalt mit einer Fotogeschichte über Gynäkologinnen ohne Grenzen und ihren Einsatz in einem Flüchtlingslager bei Calais in Frankreich auf. Und Jon Bon Jovi, vielen, auch älteren Leserinnen und Lesern dürfte er ein Begriff sein, spricht über sein soziales Engagement. Was einen millionenschweren Rockstar und Obdachlose verbindet, lesen Sie auf den folgenden Seiten. Ihr

Heiko Geiling · Mitherausgeber von Asphalt

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Liebe Leserinnen, liebe Leser,

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Foto: Silas Stein/dpa

Streit um Kinderehen

Bauern gegen Gewässerschutz Hannover. Gegen ein von Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel initiiertes Grundwasserschutzgesetz sind Bauern in Hannover vor dem Landtag aufmarschiert. Sie fürchten finanzielle Einbußen und sogar den Ruin einiger bäuerlicher Betriebe, wenn Gesetz wird, was der Minister zum Schutz des Grundwassers im Land verlangt: den Verzicht auf Düngung in Randbereichen zu Gewässern. Nach Berechnungen des Landvolkes Niedersachsen würde der beabsichtigte Fünf-MeterStreifen an Gewässern insgesamt den Verlust von 80.000 Hektar landwirtschaftlicher Nutzf läche bedeuten. Sie würden den Landwirten sowohl für die Erzeugung von Futter für ihre Tiere als auch zur Erzeugung von Lebensmitteln verloren gehen. Bei einer durchschnittlichen Größe von rund 80 Hektar, über die ein landwirtschaftlicher Betrieb heute verfügt, würde rechnerisch rund 1.000 Höfen komplett die Existenzgrundlage entzogen. Ein rechnerischer Vermögensverlust in Höhe von rund 2,5 Milliarden Euro. Wie berichtet ist gerade im Bereich Cloppenburg/Vechta das Grundwasser an vielen Stellen kaum noch brauchbar, weil es zu sehr mit Nitrat aus der Gülledüngung belastet ist. Die Fünf-MeterVerzicht seien daher nötig, um die Grundwasser-, mithin die Trinkwassergüte zu verbessern, sagt das Ministerium. »Ein Meter muss ausreichen«, sagt Landvolkpräsident Werner Hilse. MAC

Hannover. Die rechtspolitische Sprecherin der CDU-Fraktion, Mechthild Ross-Luttmann, hat sich im Landtag für ein Verbot von Kinderehen ausgesprochen. Justizministerin Niewisch-Lennartz (Grüne) warf sie vor, die Dimension des Problems zu verkennen. Diese hatte zuvor gesagt, Ehen zwischen erwachsenen Männern und Mädchen müssten »differenziert betrachtet werden«. Ein Verbot solcher Ehen könne sogar dem Wohl des Kindes zuwiderlaufen, meinte die Ministerin. Dazu nun Ross-Lutt­ m ann: »Kinderehen sind Kindesmissbrauch. Junge Mädchen werden ihrer Kindheit, ihrer sexuellen Selbstbestimmung und ihrer Würde beraubt.« Man brauche angesichts wachsender Zahlen von Kinderehen ein klares Verbot, diese im Ausland geschlossene Ehen Minderjähriger in Deutschland fortzuführen. »Die Akzeptanz der Ehen wegen daraus entstandener Kinder bedeutet, sexuelle Ausbeutung zu akzeptieren«, so Ross-Luttmann. Hintergrund: Auf Bundesebene ist ein Gesetz in Vorbereitung, nach dem alle Ehen von einem Gericht aufgehoben werden sollen, bei denen einer der Gatten zum Zeitpunkt der Eheschließung unter 18 Jahren alt war. MAC

Mehr Geld für sozialen Wohnraum Hannover. Niedersachsen schafft mehr Anreize für sozialen Wohnungsbau und gewährt nun auch Tilgungszuschüsse. Diese können bis zu 15 Prozent betragen, wenn die Förderdarlehen für die Schaffung von preisgünstigem Wohnraum verwendet werden. Die Wohnungswirtschaft habe laut Sozial- und Bauministerin Cornelia Rundt für diesen Fall weitere Investitionen zugesagt. »Dieser Ankündigung sollten jetzt Taten folgen«, so die Ministerin. Hintergrund: Seit Niedersachsen die Verantwortung für den sozialen Wohnungsbau vom Bund übernommen hat, hält der Neubau mit dem Bedarf nicht Schritt. Schlimmer noch: Immer mehr preisgünstige Wohnungen fallen aus der Sozialbindung heraus, der Bestand an sozialem Wohnraum schrumpft also. Hier soll nun etwas gegengesteuert werden. Rundt hofft zudem, dass die Kommunen schon bei der Baulandplanung verstärkt Flächen für den sozialen Wohnungsbau ausweisen. UM


ZAHLENSPIEGEL »FRÜHLINGSGEMÜSE«

Hannover. Als »Fehler und Geldverschwendung« hat Niedersachsens Verkehrsminister Olaf Lies die Entscheidung des Bundes bezeichnet, den Ausbau der A7 zwischen Bockenem und Göttingen als Öffentlich-Private-Partnerschaft (ÖPP) zu realisieren. Schon 2013 hat der Bundesrechnungshof die Pläne gerügt, weil der Ausbau als ÖPP zwölf Millionen Euro teurer wird, als in staatlicher Regie. Hintergrund: Die Bevorzugung von privaten Akteuren gegenüber staatlicher Planung wurde jahrelang als kosten- und zeitsparend beworben. Inzwischen ist die Begeisterung der Ernüchterung gewichen. Viele ÖPPProjekte erwiesen sich als langwieriger und teurer, dies gilt besonders für den Straßenbau. Dennoch wurde der Auftrag nun offensichtlich aus rein ideologischen Gründen an eine private Firma vergeben. »Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Autobahnmeisterei haben das Nachsehen. Erst die PKW-Maut, dann der Aufbau einer Bundesinfrastrukturgesellschaft und jetzt dieses unsinnige ÖPP-Projekt. Der Bund zieht sich immer mehr aus seiner Verantwortung zurück. Unser Autobahnnetz ist aber Teil der Daseinsvorsorge und gehört in staatliche Hand«, betont Lies. UM

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ÖPP-Projekt als »Geldverschwendung«

Gewerkschafter für Rot-Rot-Grün Hannover. Die Ungleichheit war »in Deutschland nie größer als heute«. Das schreiben Verdi, IG Metall und GEW aus Hannover gleichlautend an den »lieben Martin« von der SPD und die Parteivorsitzenden der Linken und der Grünen. In den Briefen treten die regionalen Gewerkschaftsführer dafür ein, eine politische (Macht-) Alternative für soziale Gerechtigkeit nicht von vornherein auszuschließen. Von einem rot-rot-grünen Bündnis erhoffen sie sich gerechtere Steuern und Investitionen in Bildung, Pflege und Infrastruktur, statt in die »schwarze Null«. Außerdem wenden sich die Gewerkschafter u.a. gegen die »sachgrundlose Befristung von Beschäftigung« und die Privatisierung öffentlicher Aufgaben. Nur so könne man auch dem »anhaltenden Rechtspopulismus« entgegentreten, heißt es. UM

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Wie das statistische Bundesamt mitteilt, wurden 2016 bundesweit über

3,5 Millionen

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Tonnen Gemüse geerntet: Mit 642.000 Tonnen sind Möhren

und Karotten Spitzenreiter

bei der Freiland-Ernte. Des Deutschen liebstes Frühlingsgemüse, der Spargel, erzielte mit

120.000 geernteten Tonnen zwar

keine Top-Platzierung, siegt jedoch im Anbau­ flächen-Vergleich: 27.000 Hektar, 5 %

mehr

als noch 2015, wurden im letzten Jahr für den Spargel-Anbau genutzt. Knapp 6.000

dieser Hektar liegen in Niedersachen.

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ANGESPITZT

Es war ein historischer Tag, dieser 23. März 2017. Der Tag, an dem die 7-Uhr-Radionachrichten folgende Meldung an die deutsche Bevölkerung sendeten: »Die Bundesregierung warnt vor der zunehmenden Spaltung von Arm und Reich!« Wenn die Entwicklung so weiterginge, hätte das schlimme Folgen für die Gesellschaft. »Oha«, dachte sich da der gewarnte Arme, »das will ja keiner. Dann werde ich mal versuchen, diese Spaltung nicht mehr zu forcieren. Vielleicht ziehe ich mir heute etwas Schickes an, soziale Unterschiede sind ja schon durchs Äußere so stark erkennbar. Der dunkelblaue Nadelstreifenanzug mit dem maßgeschneiderten Hemd wäre eine Möglichkeit – viel besser als die abgerissenen Klamotten, die ich sonst immer trage. Vielleicht fahre ich auch heute nicht mit dem Fahrrad zur Spätschicht, sondern nehme den fetten 5-er aus der Garage, der muss auch mal wieder bewegt werden. Meiner Tochter werde ich die Warnung der Bundesregierung direkt weitergeben und ihr verbieten, heute Mittag zur Kindertafel zu gehen. Wir gehen nämlich ab heute überhaupt nicht mehr zur Tafel, auch nicht, um Lebensmittel zu holen! Nein, wir kaufen jetzt nur noch bei Edeka oder Rewe, so wie es sich für Nicht-Abgespaltene gehört. Und heute Abend

»DIE WARNUNG«

lade ich meine Frau endlich ins Theater ein, das wünscht sie sich doch schon seit Jahren… Ach, wie herrlich wird das Leben ohne diese Spaltung sein – zum Glück hat mich die Bundesregierung noch rechtzeitig gewarnt!« »Oha«, dachte sich der Reiche zeitgleich, der während seiner allmorgend­ lichen 7-Uhr-Routine ebenfalls vom Radio beschallt wurde, und wischte sich einen Tropfen Zahnpasta von der Weste. Jeanette Kießling


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Fotos: V. Macke

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WOTANS NASE Kiloweise Heroin, meterweise Zigarettenstangen, bündelweise Geldscheine: Immer wieder machen Zollhunde mit spektakulären Funden auf sich aufmerksam. Ausgebildet werden die besonderen Tiere in der Zollhundeschule in Bleckede bei Lüneburg für ganz Norddeutschland. Ein Besuch. Wotan ist aufgekratzt. Die Rute schlägt hin und her, die das die Hundetrainer der Zollhundeschule in Bleckede. Ein Ohren sind aufgerichtet, beinahe zappelig zieht er an der metallischer Klicklaut und der zielsicher vor dem Drogen­ Leine, denn es wartet wieder Training auf ihn. Schnüffeltrai- koffer erstarrte Hund bewegt sich wieder. Prüfung bestanning. Diesmal Amphetamine im Koffer. Für Menschennasen den, Leckerli, noch drei, vier Tests und am Ende ein Ball. Zum komplett geruchlos. 15 Reisegepäckstücke sind wie am Flug- Spielen. »Spielen ist das Allergrößte für unsere Hunde, Hunde hafen in einer Reihe aufgestellt. Nur in einem liegen die Dro- ohne übergroßen Spiel- und Beutetrieb können wir für unsere gen. Keine 10 Sekunden und da erstarrt der schwarze Schä- Arbeit beim Zoll auch gar nicht gebrauchen«, sagt Hermann ferhund geradezu vor einem der Koffer. »Einfrieren« nennen Geering.


Nicht nur während der Ausbildung leben die Hunde auch im Zwinger. »Durchaus artgerecht, denn die Tiere brauchen einen Rückzugsraum nur für sich nach der anstren­ genden Arbeit«, sagt Cheftrainer Hermann Geering.

Geering ist so etwas wie der Godfather der Spürhundeausbilder in Bleckede. 40 Jahre lang macht er den Job schon. Hat ganze Generationen an Zollhunden und Zollhundeführern für den gesamten norddeutschen Raum ausgebildet. Er weiß alles über Hunde. Leckt sich der Hund über die Nase, blinzelt er in einer angespannten Situation? Geering kann jede Regung, jeden Blick, jedes Verhalten des Tieres verstehen. Und weiß genau, was für einen perfekten Spürhund wie Wotan nötig ist. »Wenn bei Ihnen zuhause ein neuer Hund kaum zu bändigen ist, ständig spielen will, über Tische und Bänke springt und dabei Blumentöpfe achtlos von Fensterbänken reißt, weil ihm die Suche nach seiner Beute das Allerwichtigste ist, dann wäre das schon ein guter Kandidat für eine Karriere als Zollhund«, sagt der Ausbilder. Die Rasse spielt dabei keine Rolle. »Spürhund kann im Grunde jeder werden«, ergänzt Jennifer Egyptien, Leiterin der Zollhundeschule. »Ob Rassehund oder ein rumänisches Kind der Liebe – egal. Hauptsache er bringt guten Spürsinn und ausgeprägten Spieltrieb mit.« Nur wenn ein Spürhund wie Wotan zugleich auch Schutzhund sein soll, dann muss es ein Hund einer Diensthunderasse sein. Ein belgischer, holländischer oder deutscher Schäferhund, oder auch eine Mischung

daraus. »Auf Stammbäume legen wir grundsätzlich keinen Wert«, so Egyptien. Nur zufällig hat der edle sechsjährige Wotan einen, sogar einen recht langen. Anderswo auf dem Gelände in Bleckede sieht man neben Schäferhunden auch Cocker, Jack Russel und Mischlinge. Geübt wird an Koffern, präparierten Autos, in Kellern oder Treppenaufgängen und immer wieder an einer Reihe unterschiedlichster Geruchsproben, in Gläsern verpackt zum Beispiel. Gewürze sind darin, auch vermeintlich Leckeres, und viel Störendes. Und immer irgendeine Drogenprobe. Hier trainiert auch die eineinhalbjährige Jule aus Oldenburg, eine von rund 40 eingesetzten Zollspürhunden in Niedersachsen. Ihre Hundeführerin ist mit ihr gemeinsam bei Geering und Co seit wenigen Wochen zur Ausbildung. Zweiter Teil. Den Grundlehrgang »Rauschgift I« hat das Gespann bereits durch. Schutzhund ist der Schäferhundmischling auch. Jetzt geht es im zweiten Spürhund-Lehrgang ins Feintuning. Ziel sei stets, dass die Hunde sich nicht ablenken oder irreführen lassen und ihrem Trieb folgend möglichst zielgenau die gesuchten Drogen oder Geldscheine finden, erläutert Geering, der die Szenen in der Trainingshalle kritisch beobachtet. Auch wenn es mal länger dauert und selbst wenn die »Beute« dick verpackt oder mit intensiven Düften zur Ablenkung versehen wurde. »Der ausgebildete Spürhund ist ausdauernd, zielgenau, mutig und voller Lust auf Spielen.« Jule erstarrt vor der Drogenprobe, Geering lässt seinen Klicker ertönen und Jule tollt mit ihrem Ball durch die Halle. Nicht das aufgespürte Amphetamin, Heroin, Geld oder die Zigaretten sind ihr Lohn. »Der Klick ist so etwas wie das Versprechen auf eine Belohnung«, sagt Geering. Und die besteht in einigen Leckerlis und als Höhepunkt im Toben und Spielen. Möglichst viel, möglichst wild, wenn die Arbeit getan ist. Aber warum so ein Klicklaut? Warum nicht ein »brav, fein gemacht«? »Wir sind mit den Hunden in Situationen, in denen wir selbst angespannt sein könnten, in denen womöglich auch, jemand anderes mit dem Hund arbeiten muss, das metallische Klicken ist immer gleich, zu jeder Zeit von jedem Hundeführer, das ist klarer und eindeutiger als jede menschliche Stimme«, erläutert Geering. 250 Millionen Riechzellen stehen den Hunden für ihre Arbeit jeweils zur Verfügung. Nur 5 Millionen hat der Mensch. »Wenn man sich vor Augen hält, dass zum Beispiel so genannte Mantrailer-Hunde,


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Jule, die 1,5 Jahre alte Azubi-Hündin aus Oldenburg ist »eingefroren«

Jennifer Egyptien, Leiterin der 60 Jahre alten Zollhunde­

vor der Drogenprobe an der Gläserreihe.

schule im niedersächsischen Bleckede.

noch nach Tagen in der Lage sind, winzigste Spuren wie Haut- die Hunde für durchschnittlich bis zu 2.500 Euro schuppen von Vermissten auf Straßen oder in Wäldern zu ankauft, werden sie vom Tierarzt auf Herz und erschnüffeln, bekommt man eine Ahnung von der Leistungs­ Nieren überprüft. Etwa zehn Jahre lang sind die fähigkeit der Tiere«, sagt Egyptien. Kein Druck, kein Schimp- Tiere dann im Dienst, leben – außer während der fen, keine Schläge: Nur Duftproben, Kommandos, Klarheit, Aus- und Fortbildungsphasen – in den Familien den Klicker und den Ball braucht es für eine gute Schutz- und ihrer Hundeführer quer übers Land verteilt. Wie Spürhundausbildung. Und nein, süchtig gemacht würden die auch Wotan und Jule. »Dabei legen wir Wert darauf, Hunde nicht, damit sie heiß aufs Suchen nach Drogen sind. dass die Hunde sowohl Familienanschluss als auch »Eine Mär, die sich hartnäckig hält«, sagt Egyptien. »Aber ers- einen eigenen Zwinger als ihr ganz persönliches tens wollen wir keinen Kadavergehorsam, sondern echte Rückzugsgebiet nach getaner Arbeit haben«, sagt Teams ausbilden, und zweitens wäre das ja auch ein ganz gro- Geering. Und wenn dann das Alter irgendwann an der ber Verstoß gegen das Tierschutzgesetz, wäre es doch absicht­ liches Krankmachen.« Dass alle Hunde zu jeder Zeit gemäß Hüfte nagt, der Geruchssinn nachlässt oder andere Tierschutzvorgaben gehalten und ausgebildet werden, ist Gebrechen hinzukommen, bleibt der Hund trotzEgyptien ganz wichtig zu betonen. »Es ist vielmehr sogar so, dem in der Familie des Zollhundeführers, bekommt dass hier alle geradezu verrückt nach Hunden sind, wir wollen bis zum Tod eine Rente und kostenlose tierärztliche als Behördenmitarbeiter zudem natürlich Vorbild sein.« Versorgung. Nahezu alle 24 Mitarbeiter der Zollhundeschule haben auch Volker Macke privat einen Hund. Auch Egyptien hält sich einen – »für den Dienst aber komplett untauglichen« – Rottweiler. Nur Chef­ Anzeige trainer Geering hat keinen Hund. Im Moment. Der Tod seines PC-Hilfe vor Ort · Roland Balzer alten sei noch nicht so ganz verwunden, sagen die Kollegen. PC-Handy-Tablet · Hannover · Hilfe Rund 400 Hunde sind für den Zoll deutschlandweit im bei C-Problemen, Anschaffung & Einsatz: in Häfen, Flughäfen und an Grenzen. Etwa 40 ZollInstallation · 25 Jahre Kurserfahrung · hunde schnüffeln aktuell dienstlich in Niedersachen. Wer dazu Std ab 20 € · Tel 0173 8715287 gehören will, muss neben den ausgeprägten Spiel- und SchnüfSenioren-Home-Techniken · Hilfen feleigenschaften mindestens 12 Monate alt, leicht dominant um länger zuhause zu wohnen veranlagt und körperlich in Topform sein. Bevor der Zoll


GUT ZU WISSEN

Betrügerische Internetshops

Petition für arme Kinder

Die Verbraucherzentrale warnt vor Fakeshops: Immer mehr dieser betrügerischen Internetseiten tauchen im Netz auf. Immer häufiger komme es vor, dass jemand auf scheinbar billige Schnäppchen hereinfalle, so die Verbraucherschützer. Nichtsahnend bestellt man günstig ein paar Schuhe oder gar Medizin und bekommt am Ende gar nichts oder nur mangelhafte Ware geliefert. Für den Kauf im Internet gelten folgende Tipps: Überprüfen Sie, ob Kontaktdaten wie E-Mail- sowie Post-Adresse und Telefonnummer vorhanden sind. Wenn kein »Widerrufsrecht« angegeben ist, kann dies ein Zeichen für einen Fakeshop sein. Weitere Tipps und Informationen rund um Fakeshops unter www.verbraucherzentrale-niedersachsen.de. EDU

Drei Millionen Kinder und Jugendliche in Deutschland leben in Armut. Diakonie, Caritas, AWO und Kinderschutzbund wollen das ändern und haben dafür eine Petition an den Bundestag zum Mitzeichnen ins Netz gestellt. Es gehe darum, diesen Kindern »ein Leben mit Perspektiven und ohne Ausgrenzung« zu ermöglichen. Gefordert wird eine einheitliche Geldleistung, die das Existenzminimum sichere: »Das tatsächliche Existenzminimum muss ohne Rechentricks ermittelt und ausgezahlt werden.« Die Petition kann auf der Seite https:// weact.campact.de, Stichwort »keine Ausreden«, unterschrieben werden. MAC

Nazis erkennen per App Auf den ersten Blick sieht es aus wie das Zimmer eines gewöhnlichen Jugendlichen. Erst auf den zweiten Blick wird Besucherinnen und Besuchern klar, wo sie gelandet sind: mitten im Zimmer eines Neonazis. Das interaktive und online frei zugängliche Projekt »Kein Raum für Rechts!« macht es möglich, virtuell in die Welt rechtsextremer Menschen einzutreten und rechtsextreme Symbolik zu erkennen. Das diene als Basis, um sich gegen Rechtsextremismus abzugrenzen, zu intervenieren und sich für die Demokratie einsetzen zu können, so die Initiatoren vom Zentrum Demokratische Bildung in Wolfsburg. Die Zielgruppe der Seite www.kein-raum-für-rechts.de ist auch die größte Zielgruppe der Neonazis selbst: junge Menschen. Die Website mit videospielähnlichem Charakter ist daher inter­ aktiv, multimedial und für das Smartphone optimiert. MAC

Brillen für Alle Die »youngcaritas« aus Paderborn hat eine Petition an den Bundestag veröffentlicht, die besonders Menschen mit Brille oder solche, die eine bräuchten, betrifft. Gesetzlich Krankenversicherte, die von einer kleinen Rente leben, Arbeitslosengeld II oder Grundsicherung bekommen, erhalten für den Kauf einer Brille keine finanzielle Hilfe. Das soll die Petition ändern. Konkret fordern die Initiatoren die Mitglieder des Bundestages auf, Brillen in den Leistungskatalog des Sozialgesetzbuches aufzunehmen bzw. eine Härtefallregelung für Brillen zu schaffen, analog der Regelung für Zahnersatz. Die Petition kann noch rund drei Monate gezeichnet werden und soll dann vom neugewählten Bundestag erörtert werden. Bisher wurden bereits gut 6.000 Unterschriften gesammelt. Wer unterschreiben möchte, kann sich von der Initiativen-Seite www.dendurchblickbehalten.de zur Petition weiterleiten lassen. EDU


… VERA F. BIRKENBIHL?

Foto: Münchner Verlagsgruppe/mvg

Sätze, die sitzen – die waren eine Stärke zweck sein sollte. So sollte man mit der von Vera F. Birkenbihl. »Eine Gesellschaft Bi rkenbi h l-Met hode auch schwere hat Angst vor den Kreativen«, sagte sie Fremdsprachen wie nebenbei lernen zum Beispiel gerne. Die Gesellschaft sei können. Um diese Denkschule promizur Norm erzogen und habe Angst vor nenter zu machen, gründete sie das Ins­ dem Ungewissen. Deshalb zwinge sie titut für gehirn-gerechtes Arbeiten. Kinder dazu, prognostizierbar zu werEin solches, spielerisches Lernen den und nenne das dann »normal«. Weil ist nicht linear. Birkenbihls Bücher, mit aber die Kreativität nicht ganz aus einer Collagen, Zeichnungen und TextschnipGesellschaft verbannt werden könne, seln versehen, wirken auf klassische gebe es den Künstler, den Kreativen Sachbuchleser deshalb oft wüst. Kritimit Etikett, dem man seine Kreativität ker nannten ihre Werke trivial, manche zugestehe. In einer solchen Gesellschaft hielten die unorthodoxe Frau gar für wollte Vera F. Birkenbihl nicht leben. Und spinnert. Sie wusste zu provozieren: Das wurde, beim Versuch dies zu ändern, zur klassische Schulsystem spucke »geistige bekanntesten Motivations- und ManageKrüppel« aus und mache »Hochbegabte menttrainerin Deutschlands. zu Sondermüll«. Man merkte ihr an, dass Sie schrieb dutzende Bücher, hielt unzählige Vorträge, ihr trotz millionenfach verkaufter Bücher und ehrfurchtsvoller moderierte Fernsehsendungen (»Kopfspiele«, »Alpha – Sicht- Danksagungen eines doch fehlte: wissenschaftliche Anerkenweisen für das dritte Jahrtausend«) und fiel dort immer wieder nung. »Der Prophet gilt nichts im eigenen Land«, sagte sie nach als etwas schrullige Querdenkerin auf. In ihrer farbenfrohen einem ihrer letzten Auftritte. Kleidung, mit ihrer unverhohlenen, fast rotzigen Art war sie der Über das Privatleben von Vera F. Birkenbihl ist wenig absolute Kontrast zum pomadeglatten Coach mit Einstecktuch. bekannt. Die Arbeit war ihr Leben, und sie hätte diesen Satz Noch bevor in Deutschland das Wort »Infotainment« einge- wohl gar nicht bedenklich genannt. Zu ihren Vorträgen fuhr führt war, zog Birkenbihl damit durch das Land. sie meist mit dem eigenen Wohnmobil, in dem sie sich vor dem Vera F. Birkenbihl – auf das F für Felicitas bestand sie – Auftritt noch einen frischen Tee aufbrühen konnte, dazu gab’s wurde 1946 in München geboren. Sie emigrierte schon als eine Zigarette. Zu Hause lief meist der Fernseher, während Teenager in die USA. Auch, um Abstand zu bekommen vom Birkenbihl bis spät in die Nacht arbeitete. Auch der Smalltalk Vater Michael, Mediziner und Psychowar nicht Birkenbihls Sache, vielleicht loge, der damals schon ein bekannter ein Merkmal des bei ihr diagnosti»Intellektuell bin ich Motivationstrainer und Unternehzierten Asperger-Syndroms. Sie leide mensberater war (»Train the Trainer«). aber nicht darunter, betonte sie in 151 Jahre alt.« In den USA soll sie Psychologie und Interviews, vielmehr leideten andere Journalismus studiert, spontan geheidarunter. Emotional sei sie nämlich ratet und sich wieder scheiden lassen haben – belegt ist davon zwölf Jahre alt, im besten Fall, manchmal aber auch erst vier. allerdings gar nichts. Aus der Zeit in den USA ist nur noch »Aber intellektuell bin ich 151.« bekannt, dass Birkenbihl dort die moderne Hirnforschung Am Ende ihres Lebens war Vera F. Birkenbihl schwer krebskennenlernte. krank. Trotz nachlassender Körperkraft gab sie noch SemiAls selbstbewusste Frau kehrte Birkenbihl 1972 ins bayeri- nare über das Internet. Am 3. Dezember 2011 starb sie an einer sche Odelzhausen zurück, jetzt mit dem Vater auf Augenhöhe. Lungenembolie in ihrer Wohnung in Osterholz-Scharmbeck Die klassische Schule mit ihrer preußischen Lerndisziplin war bei Bremen. ihr schon immer zuwider, sie entwickelte neue Lerntechni- Gerd Schild ken. »Es gibt keine trockene Theorie, nur trockene Theoretiker« war einer ihrer Lieblingssätze. Birkenbihl ging es um die spielerische Wissensvermittlung. Um Lernen, das nicht Selbst-

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WER WAR EIGENTLICH …

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Foto: dpa

SOCIAL JON Jon Bon Jovi ist ein erfolgreicher Rockstar – soweit allgemein bekannt. Dass sich der 55-Jährige seit über zehn Jahren mit seiner eigenen Stiftung sozial engagiert, ist weniger geläufig. Mit uns spricht der Sänger offen über Musik, Politik und sein Restaurant für Obdachlose, in dem er sogar selbst die Teller spült.


Es war eine schwierige Zeit. Es gab so viele Unruhen, aber einleitend möchte ich sagen, dass ich hier mit dem Redakteur eines Magazins spreche, dessen Verkäufer die Zeitschriften auf der Straße anbieten. Deshalb will ich hier nicht in Selbstmitleid zerfließen. ›Das Leid eines Rockstars‹ ist nicht unbedingt etwas, für das ich werben möchte. Aber ja, ich habe ein paar Überraschungen erlebt und auch einige Schockerlebnisse: das plötzliche Verlassen der Band durch Richie Sambora und auch mein heilloses Zerstreiten mit der Plattenfirma über das Musikgeschäft. Ich denke, dass das eine einmalige Zeit in meinem Leben war, in der ich mich verwundbar fühlte. Jetzt erleben wir eine Wiedergeburt. Ich glaube zwar nicht, dass ich schon das Licht am Ende des Tunnels erreicht habe, aber zum ersten Mal in mehr als drei Jahren sehe ich es wenigstens.

Die Band begleitet Sie länger als Ihr halbes Leben. Denken Sie, dass Bon Jovi Ihr Vermächtnis sein wird? Ich denke, mein Vermächtnis ist nicht konkret mit dieser Band verbunden. Platten aufnehmen ist das, was ich mache, aber nicht das, was ich bin. Ich definiere mich nicht nur über meine Musik, das ist eher meine Berufung. Sehr stolz bin ich auf die Arbeit unserer Stiftung, der Jon Bon Jovi Soul Foundation. Ein Restaurant wie unseres – in dem jeder Gast entweder so viel zahlt, wie er kann oder durch Mitarbeit Essensgutscheine erhält – gab es so vorher nicht. Ich stehe also nicht nur am Mikrofon und halte eine Rede darüber, wie man Obdachlose mit Essen versorgt: Ich bin dort und wasche die verdammten Teller ab.

Ihre früheren Alben haben den einfachen Arbeiter repräsentiert. Seitdem ist viel Zeit vergangen. Insbesondere in den USA hat sich politisch einiges getan. Wie beurteilen Sie die derzeitige Situation? Die Welt hat sich dramatisch verändert. Um die aktuelle Situation verstehen zu können, hilft es zu wissen, dass ein gewisser Teil der amerikanischen Bevölkerung – der Teil, der älteren, weißen, schlecht gebildeten Männer, die auch zu Trumps Anhängern zählen – Angst hat und traurig ist. Sie haben nicht diesen Topf voll Goldmünzen bekommen: Ihre Arbeit in der Fabrik ist weg, die Hypothek aber noch da. Auf der anderen Seite steht die Millennium-Generation, die – wenn wir politisch bleiben wollen – gern Bernie Sanders als Präsidenten gehabt hätte. Sie vertreten die Einstellung: »Nun, ich werde nie ein Haus mein Eigentum nennen und komme damit klar. Wir als Gesellschaft müssen stattdessen damit anfangen,

Mehr als 130 Millionen Platten hat Jon Bon Jovi seit seinen musikalischen Anfängen im Jahr 1982 verkauft. Geboren als John Francis Bongiovi jr. ist er der Sohn eines aus Sizilien stammenden Frisörs und eines ehe­ maligen Playboy-Modells. 1989 heiratete der heute 55-Jährige seine Highschool-Freundin Dorothea Hurley (Foto). Mit ihr hat er vier Kinder. 2006 grün­ dete der Sänger die Jon Bon Jovi Soul Foundation, eine Stiftung, mit der er Probleme wie Obdachlosig­ keit und Hunger in den Vereinigten Staaten angeht, indem er beispielsweise Unterkünfte bereitstellt. 2011 eröffnete Jovi die JBJ Soul Kitchen in Red Bank, gelegen in seinem Heimatbundesstaat New Jersey. Das Restaurant arbeitet mit der einfachen Prämisse: Iss dort – und entweder spendest du etwas oder du hilfst mit in der Küche. Für sein soziales Engagement erhielt Jon Bon Jovi im September 2016 den Clinton Global Citizen Award.

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mehr über unsere Zukunft nachzudenken.« Ich persönlich glaube, dass wir anerkennen sollten, dass das, was uns trennt, das ist, was uns wieder zusammenbringen muss – diese Polarisierung w ird in nächster Zeit nicht besser werden. Dieses: jeden wie den Einband eines Buches bewerten – Hautfarbe, Religion, sexuelle Orientierung, finanzieller Hintergrund. Es gibt doch so viele Nischen … Ich habe die Hoffnung zwar nicht aufgegeben, dass Technologie uns zu besseren Dingen führen kann, es bricht mir aber

Foto: Picture-Alliance/AP/Invision

Mr. Jovi, die letzten Jahre waren turbulent für Ihre Band: Richie Sambora hat Bon Jovi verlassen und die Band hat sich nach 32-jähriger Zusammenarbeit von ihrer Plattenfirma getrennt. Sehen Sie mittlerweile das Licht am Ende des Tunnels?

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Foto: Chris Keane/Reuters

»Ich bin Demokrat, seit mich meine Frau vor ungefähr 30 Jah­

das Herz, wenn Politik oder Habgier sich dem in den Weg stellen. Denn: Jeder logische Verstand sagt uns doch, dass Geld und Habgier nur eine teuflische Kombination sein können.

ren aufgeklärt hat«, beschreibt Jon Bon Jovi. 2016 unterstütz­ te er – wie hier mit Lady Gaga – Hillary Clinton bei ihrem Wahlkampf.

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Der Gebrauch moderner Technologie spielt auch in Ihrer Stiftungsarbeit eine tragende Rolle … Ja, ein Teil der Arbeit meiner Stiftung ist das EET-Programm, Employment- and Empowerment-Team (Arbeits- und Stärkungsteam). Es gibt dort zum Beispiel Menschen über 50, die versuchen, auf dem Arbeitsmarkt wieder Fuß zu fassen. Sie wissen aber nicht, wie man am Computer arbeitet. Die junge Generation ist damit aufgewachsen, die Älteren aber haben oft keine Ahnung davon, wie man beispielsweise eine OnlineBewerbung ausfüllt – wo man eingibt, welche Dienstleistun-

gen man anbieten kann oder welche Fähigkeiten man hat. Es kann schon beängstigend sein, wenn sich die Welt um einen herum in so kurzer Zeit so sehr verändert.

In Ihrer Stiftung geht es darum, den Stolz in sich selbst und in der Gesellschaft wiederherzustellen. Woher kommt diese Philosophie? Durch eine prägende Erfahrung. Eines Tages blickte ich aus dem Fenster eines New Yorker Hotels. Da habe ich diesen Typen auf einem Gitter schlafen sehen  – im tiefsten Winter. Ich denke, das war es nicht, worüber George Washington und Ben Franklin nachgedacht haben, als sie durch diese Straßen liefen. Da wurde mir alles klar. Ich habe es verstanden, dieses Problem der Obdachlosigkeit. Es ist egal, ob du weiß bist oder schwarz, jung oder alt, Republikaner oder Demokrat. Es kann jeden treffen, zu jeder Zeit. Viele Menschen leben nur zwei Gehaltschecks weit weg von einer Katastrophe. Nach dieser Erfahrung habe ich mich mit einer Expertin auf diesem Gebiet getroffen. Sie ist Nonne. Wir waren das personifizierte Klischee eines Rockstars und einer Nonne, aber der Rockstar und die Nonne wurden schnell Freunde. Ihre Expertise und mein hübsches Gesicht öffneten uns viele Türen. Das war die Geburtsstunde der JBJ Soul Foundation.


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Foto: Brian Snyder/Reuters

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Seit 2011 sind Sie auch Restaurantbetreiber. Welches Konzept verfolgt die JBJ Soul Kitchen?

Passt Ihr soziales Engagement zu Ihrer politi- Mit Hits wie »Livin’on a schen Haltung? Prayer« und »Always«

Unser wagemutiger Plan für das Restaurant bestand Ich bin Demokrat, seit mich meine Frau vor ungedarin, Menschen Macht zu verleihen. Wir wollten fähr 30 Jahren aufgeklärt hat, davor war ich zu jung Menschen aus unterschiedlichen sozialen Umfel- und habe nicht wirklich achtgegeben. Als Ronald dern an einem Ort zusammenbringen. Es gab auch Reagan uns dann gesagt hat, jeder von uns sollte Gegenstimmen, die gesagt haben: »Wir werden einen weißen Lattenzaun und zwei Autos in der das nicht unterstützen.« Warum nicht? Aus Angst? Auffahrt haben – und ich war 18 und wusste es nicht Okay, aber aus Angst wovor? Weil ich nicht mit besser – dachte ich mir, ja klar, ich mag das. Heute ist einem Obdachlosen zusammensitzen möchte? mir aber vor allem bewusst, dass niemand aufwacht Wirklich? Unsere Mission besteht darin, die Men- und sich sagt: »Ich habe eine tolle Idee für eine Karschen – egal ob arm oder reich – zusammenzubrin- riere: Ich will ein Obdachloser auf der Straße sein«. gen. Langsam aber sicher lehren wir unseren Gäs- Nein, denn wer zum Teufel will das schon? Was auch ten, dass die Gemeinsamkeit, das Essen, ihnen die immer sie in diese Hoffnungslosigkeit geführt hat, Möglichkeit gibt, die Personen aus ihrer Umgebung es war sicher nicht das, was sie sich für ihre Zukunft kennenzulernen. Und dann, 55.000 Essen später, vorgestellt und vor allem gewünscht haben. in einem Restaurant mit 33 Sitzplätzen, wissen wir, Terri White. Mit freundlicher Genehmigung von dass es funktioniert! The Big Issue UK/INSP.ngo

hat sich Jon Bon Jovi nicht nur in die Herzen seiner Fans gesungen, sondern auch Musikge­ schichte geschrieben.


Fotos: K. Knopke

TAUBEN: EIN IMAGEPROBLEM Sie übertragen Krankheiten und Parasiten, verschmutzen das Stadtbild und ernähren sich von Abfall. Kein Zweifel: Tauben haben ein gravierendes Imageproblem. Das Netzwerk Taubenrettung Hannover will das ändern. »Das steckt so fest, das bleibt nicht durch Zufall hängen.« ren regelmäßig auf Futtersuche. Die Aktivistinnen locken die Schwer vorstellbar, wie der Verschlussclip ans Bein der Taube Tiere an und beobachten sie. »Sind Verletzungen oder abgegelangt ist, klar ist jedoch, dass er einwachsen oder das Bein schnürte Füße zu sehen? Ist das Gefieder gepflegt? Zeigen die abschnüren kann. Marie und Valerie sind in Hannover-Lin- Tauben ein merkwürdiges Verhalten?«, beschreibt Valerie ihre den unterwegs und haben gleich zu Beginn ihrer sogenannten Beobachtungen. Fällt eine Taube auf, wird sie eingefangen Entschnürungstour ein betroffenes Tier gefunden. Startpunkt und untersucht. Während Marie die Taube festhält, befreit ist der Küchengarten, hier ist ein Schwarm aus etwa 100 Tie- Valerie das Tier von dem Verschlussclip. Dieses Mal wurde


a m n e s t y a f t e r wo r k

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kein größerer Schaden als eine Druckstelle ver- Netzwerks holt das Tier dann ab und bringt es zu einem Tierursacht. »Tauben haben eine hohe Heilungsten- arzt oder in eine private Pflegestelle. »Außerdem ist uns ein denz und sind insgesamt sehr zähe, anpassungs­ Anliegen, dass wir Vorurteile gegenüber Tauben ausräumen«, fähige Tiere«, sagt Marko Legler, Veterinär an der unterstreicht Valerie. »Zu unserem harten Kern kommt noch Tiermedizinischen Hochschule Hannover und ein Freundeskreis von etwa 40 Personen, zwischen 11 und Spezialist für Vögel. »Da sie eine hohe Körpertem- 65 Jahren«, erzählt sie weiter. Marie und Valerie haben beide peratur haben, können die meisten Umweltkeime einen tiermedizinischen Hintergrund, sie sind Tierarzthelfenicht auf ihnen überleben. Das macht sie wenig rin und Tiermedizin-Studentin. »Wir haben aber ganz unteranfällig für Infektionen«, resümiert der Tiermedizi- schiedliche Berufe in der Gruppe«, sagt Marie, »und mit der Erfahrung kommt dann auch das nötige Wissen.« ner weiter. Valerie und Marie klappern nach und nach verschiedene Stadttauben sind ein polarisierendes Thema. Die Einen fühlen sich gestört, bedrängt, angeekelt, Plätze im Stadtteil Linden ab. »Tauben sind auch ein mensehen Tauben als Schädlinge. Die Anderen sehen sie schengemachtes Problem«, sagt Marie. »Die heutigen Stadtals klassischen Teil von Stadtbild und Ökosystem. tauben sind verwilderte Haustiere. Immer wieder verirren »Wieso helfen sie denen? Die übertragen Krankhei- sich Hochzeits- oder Brieftauben und schließen sich innenten!«, sagt eine Frau im Vorübergehen am Küchen- städtischen Schwärmen an«, unterstreicht die Aktivistin. Doch garten. »Wir kennen diese Reaktionen, da ist Wider- die Mitglieder des Netzwerks Taubenrettung haben auch spruch zwecklos«, sagt Marie und zuckt mit den Verständnis für Hausbesitzer, die sich durch den TaubenSchultern. Aber übertragen Tauben wirklich Krankheiten an den Menschen? »Eine Übertragung an den Menschen ist generell unüblich«, stellt Veterinär Legler fest. »Theoretisch ist eine Übertragung von Anzeige Clamydien möglich, aber nicht ohne Grund wird hier auch von Papageien-Krankheit gesprochen: Der Mensch müsste engen Kontakt mit dem Tier haben, das ist aber eher bei Haustieren der Fall.« Ähnlich sieht es laut Marko Legler bei Parasiten aus: »Taubenzecke und rote Vogelmilbe können auf den Schreiben Sie für die Menschenrechte – Menschen übergehen, aber auch dafür müsste der gegen Verfolgung, Gewalt und Folter Mensch mit vielen Tieren engen Kontakt haben.« Grundsätzlich gehe von Tauben kein größeres Risiko aus als von anderen Wildtieren. Als Marie und Valerie ihre Tour fortsetzen und sich einen kleineren Schwarm an der Limmerstraße genauer ansehen, ist dort ein Tier dabei, das Verschnürungen an einem Fuß hat. Ursache sind meist die Bänder von gelben Säcken, Textilfäden oder auch menschliches Haar. Es wickelt sich so um die Gemeinsam für die Menschenrechte Füße der Tauben, dass diese sich nicht selbst davon Sie können helfen: Wir laden Sie herzlich ein, uns montags zu befreien können. Für solche Fälle haben die Aktivisbesuchen. Lassen Sie Ihren Tag mit einer guten Tat bei Kaffee, Tee tinnen kleine Scheren und Pinzetten dabei, um den und Gebäck ausklingen, indem Sie sich mit Faxen, Petitionen oder Briefen gegen Menschenrechtsverletzungen in aller Welt einsetzen. Vögeln möglichst schnell zu helfen. Das Netzwerk Taubenrettung Hannover hat sich Öffnungszeiten: im Januar 2016 gegründet, seit März 2017 ist es ein Montag 18 bis 19 Uhr after work cafe Dienstag 11 bis 12 Uhr, Donnerstag 18.30 bis 19.30 Uhr eingetragener Verein. Etwa zehn aktive Mitglieder amnesty Bezirksbüro Hannover engagieren sich regelmäßig für die Gesundheit der Fraunhoferstraße 15 · 30163 Hannover Tiere. Dafür machen sie nicht nur EntschnürungsTelefon: 0511 66 72 63 · Fax: 0511 39 29 09 · www.ai-hannover.de touren, sondern haben auch ein Notfalltelefon einSpenden an: IBAN: DE23370205000008090100 · BIC: BFSWDE33XXX gerichtet. Hieran können sich Bürger wenden, wenn Verwendungszweck: 1475 sie eine verletzte Taube finden. Ein Mitglied des

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Valerie und Marie vom Netzwerk Tauben­ rettung befreien eine Taube von einem Verschlussclip, der an ihrem Bein feststeckt.

kot gestört fühlen. »Die Harnsäure im Kot kann Schäden an Gebäuden verursachen«, erklärt dazu Marko Legler. »Hausbesitzer sollten darauf achten, dass die Vögel kein Futter finden und angemessene Vergrämungsmaßnahmen einrichten«, empfiehlt Marie. Spieße auf Vorsprüngen oder Fensterbrettern sollen verhindern, dass die Vögel dort brüten. Werden sie aber nicht flächendeckend angebracht, bieten die Lücken eine gute Möglichkeit für den Nestbau. »Die Spieße dürfen natürlich nicht so spitz sein, dass die Tiere sich verletzen können«, sagt dazu Marko Legler. Werden andere Maßnahmen, wie Netze, falsch angebracht, kann das sogar ein Fall für das Veterinäramt werden. »Sind die Netze nicht ausreichend gespannt oder unzureichend befestigt, können die Tauben sich verfangen und sterben dort einen elendigen Hungertod«, sagt Gabriele Doil, Veterinäroberrätin der Stadt Hannover. »Wir können dann zu Ausbesserungsarbeiten verpf lichten.« Gute und schlechte Beispiele für Vergrämungsmaßnahmen sehen Marie und Valerie am Ende ihrer Tour im Ihmezentrum. An einer Außenwand hängen in einem losen Netz gleich zwei Tauben-Kadaver. »Auf der Rückseite scheinen aber neue Netze angebracht worden zu sein«, bemerkt Valerie.

Die Zahl der Tauben in Hannover hat laut der Veterinäroberrätin in den letzten Jahren abgenommen. »Wir zählen regelmäßig an bestimmten Plätzen in der Innenstadt von Hannover. 2001 konnten wir an fünf Plätzen noch 250 Tauben feststellen. 2016 waren es nur noch 60 Tauben«, erklärt Doil. Inwieweit diese Stichproben zu verlässlichen Schätzungen der Population führen, bleibt allerdings unklar. Valerie von der Taubenrettung bezweifelt die Zahlen jedenfalls: »Die Schwärme an Hauptbahnhof, Kröpcke und Steintor haben für sich genommen schon mehr als 50 Tiere.« »Wo Futter ist, sind auch Tauben«, sagt Veterinär Legler. Da es sich um ehemalige Haustiere handelt, ist eine Bestandsregulierung durch die Jagd nicht erlaubt. Stattdessen gibt es in Hannover ein Fütterungsverbot. Doch was die Tauben selbst finden, ist meist kein artgerechtes Futter. Falsche Ernährung kann laut Veterinär Legler beispielsweise zu Knochenweiche führen, die die Tiere entstellt. »Tauben sind Körnerfresser und benötigen eine ausgewogene Mischung. In Weißbrot zum Beispiel fehlen die entsprechenden Nährstoffe«, erläutert Valerie weiter. Ein Teufelskreis: Durch die Achtlosigkeit von Menschen mitverursacht finden die Tiere ungeeignetes Futter oder verletzen sich. Sie werden durch die Folgen negativer wahrgenommen und ein schlechterer Umgang mit ihnen ist die Folge. Das Netzwerk Taubenrettung setzt sich daher für eine Bestandsregulierung über betreute Taubenschläge ein. So könnten die Tiere artgerecht ernährt und die Bestände durch Eierentnahme reguliert werden. Das derzeitige Fütterungsverbot sei nicht artgerecht, weil den Vögeln in ihrer Haustiervergangenheit ein ganzjähriger Bruttrieb angezüchtet wurde und die Tauben im Zweifel auf ungesunde Essensreste ausweichen. »Man muss einen artgerechten Umgang mit den Tieren finden. Denn man wird sie nie gänzlich aus Städten vertreiben können«, sagt Marie. Katharina Knopke


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Foto: U. Matthias

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FREIRAUM AM RASCHPLATZ Die Trinkerszene am Raschplatz erhitzt auch weiterhin die Gemüter. Jetzt erwägt das Rathaus die Einrichtung eines Trinkraumes. Damit würde Hannover dem Beispiel anderer Städte folgen. Ein Überblick. Seit April ist er wieder da, der Raschplatz: In der öffentlichen Debatte, in den Verlautbarungen der Politiker, in den Plänen der Stadtverwaltung. Das Areal hinterm Bahnhof hat eben seine Konjunktur. Immer dann, wenn die Krokusse blühen, die Hannoveraner ihre Wintersachen tief in den Schränken verstauen und die Sonne selbst die langen Schatten in der Betonschüssel auf der Kehrseite der City vertreibt, dann wird der

Raschplatz erneut zum Thema. Allerdings nicht, weil der graue Flecken zum Verweilen einlüde.

Das Problem Über »Schlägereien, wildes Urinieren und Pöbeleien gegen Passanten« ereifern sich Presse und Politik und verweisen auf


die »Trinkerszene«, die dort solche Probleme bereite. Und weil diese Vorwürfe immer wieder kommen, muss man auch immer wieder darauf verweisen, dass der Raschplatz kein Kriminalitätsschwerpunkt ist. Jedes Bundesligaspiel und jedes Schützenfest bringen mehr Besoffene, Schlägereien und Gepöbel in die Stadt. Und wilde Urinierer. Das ist es nicht. Der Raschplatz wird zum Thema, weil die warmen Tage die Armut wieder sichtbar machen, die hässliche, dreckige, ungeschminkte Armut. Gerade hier, hinterm Bahnhof, einem natürlichen Anziehungspunkt für die Gestrandeten, die Reisenden zwischen den Welten, die Migranten, die Aus-der-BahnGeworfenen (ja, in mehrfacher Hinsicht) wie in allen Städten, seit es Bahnhöfe gibt. In Hannover noch begünstigt von der Anlage des Platzes, unterhalb des Straßenniveaus, unwirtlich für den durchschnittlichen Stadtbewohner und mit vielen dunklen Ecken zum Schlafen, Trinken und ja, auch zum wilden Urinieren. Das alles ist nicht schön. Selbst jene, die sozialen Problemen gegenüber sonst aufgeschlossen sind, spüren beim Anblick der Betrunkenen meist wenig Empathie. Die »Trinker vom Raschplatz« sind nicht die Armen, mit denen man sich am Rande einer Wohltätigkeitsveranstaltung fotografieren lassen möchte. Aber die Gefahr besteht auch nicht. Sehr unwahrscheinlich, dass diese Klientel bei derartigen Events aufkreuzen würde. Und darin liegt ein Teil des Problems.

Sicherheit & Ordnung Die Stadt betrachtet die Probleme am Raschplatz wie in der gesamten Innenstadt vorrangig unter dem Aspekt von Sicherheit und Ordnung. Ziel sei es, »klarere Regeln festzulegen für ein friedliches Miteinander. Es geht also nicht um Vertreibung, wie es gelegentlich vereinzelt unterstellt wird«, erklärte Stadtsprecher Andreas Möser gegenüber Asphalt. Allerdings ist auch der Stadt bewusst, dass die »zusätzlichen Kontrollen im Umfeld des Raschplatzes« (Möser) in der Konsequenz zu »Platzverweisen durch die Polizei« führen müssen. Wie und wo dieser feine Unterschied zum Tragen kommt, vermag die Verwaltung nicht zu erklären. Stattdessen (oder deswegen) wird nun »die Einrichtung eines Trinkraums nach Anzeige

Muss man hören: Hertzliches Hannover das Wohnungslosen-Magazin. Immer am 2. Montag im Monat, 17 Uhr. ... auf UKW 106.5 oder Kabel 102.5 und bei www.leinehertz.de

dem Vorbild anderer deutscher Großstädte« erwogen, »wo es eine Reihe positiver Erfahrungen gibt«, wie Möser meint. Im Umfeld des Raschplatzes seien auch schon einige Räume »in Augenschein« genommen worden. »Ob dort auch Alkohol ausgeschenkt wird, ist denkbar, aber noch nicht entschieden«. Weshalb die Stadt über einen Alkoholausschank nachdenkt, kann Möser nicht erklären und verweist auf die Praxis in anderen Städten. Das wollten wir genauer wissen und fragten einmal nach.

»Entlastung für Umfeld« »Das Sozialpädagogische steht bei uns nicht im Vordergrund«, sagt Reinhard Böttner, Geschäftsführer des Straßenmagazins Hempels, das auch Betreiberin des Kieler Trinkraumes ist, »das Angebot ist bewusst niedrigschwellig angelegt, um diese Zielgruppe zu erreichen, die den Weg in die Beratungsstellen meide.« Der erste Trinkraum in Kiel entstand am Sitz von Hempels in der Schaßstraße, in einem Dreieck zwischen Hauptbahnhof, einem Discounter und einem Tagestreff für Drogenabhängige. Nachdem die dortige Trinkerszene mehrmals vertrieben wurde und am Ende auf einem Spielplatz Zuflucht suchte, erkannte die Stadt frühzeitig, dass allein mit ordnungs- und sicherheitspolitischen Maß­ nahmen keine Verbesserung der Lage eintreten wird. Eines Tages tauchte ein Mitarbeiter der Verwaltung bei Hempels »Zum Sofa« auf, einem Cafébetrieb der Straßenzeitung. Gemeinsam überlegte man sich eine Lösung, die schließlich in den ersten Trinkraum von Kiel mündete. Das war 2003. Der Trinkraum in der Schaßstraße beschäftigt zwei Mitarbeiter aus der Szene. »Die genießen höhere Akzeptanz und können die Regeln besser durchsetzen«, erläutert der Geschäftsführer. Und die Regeln sind einerseits weitgesteckt, andererseits aber auch sehr strikt: »Rauchen ist ok, Hunde sind ok. Es darf aber nicht zu Gewalt kommen, hochprozentiger Alkohol und illegale Rauschmittel sind nicht erlaubt«, sagt Böttner. Im Großen und Ganzen funktioniere das auch und für das Umfeld stelle die Existenz eines Trinkraumes auch eine Entlastung dar. Heute ist das Konzept allseits akzeptiert und hat sich so bewährt, dass 2010 ein weiterer Trinkraum in Kiel-Gaarden eingerichtet werden konnte.


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Foto: © dpa

Foto: U. Matthias

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Am Raschplatz. Entsteht hier Hannovers erster Trinkraum?

Aktion »saubere Stadt«

Ganz »normal«. Ein Gast im Trinkraum »Cafe Berta« in Dortmund.

Gewolltes Elend

Der Trinkraum in Kassel wird vom Verein »Szene Ob ein Trinkraum auch in Hannover angenommen wird, ist direkt« betrieben, der 2012 mit dem Vorschlag, einen keineswegs ausgemacht. »Ein Trinkraum würde die Probleme geschützten Raum für die schwierige Klientel einzu- dieser Leute nicht lösen«, meint ein Sozialarbeiter und Szerichten, »bei der Stadt offene Türen einrannte«, wie nekenner, der seinen Namen hier nicht veröffentlicht sehen Bärbel Ackermann, langjährige Geschäftsführerin möchte. Aber die Probleme dieser Menschen sind Kalkül, ihre der Einrichtung, sagte. Die Idee zum Trinkraum zunehmende Verelendung politisch gewollt. Sie dient der entstand im Vorfeld der damaligen documenta. Ziel Abschreckung. Nur auffallen sollte es nicht. sei es gewesen, die Stadt zur documenta sauberer zu Diese Szene besteht zum großen Teil aus osteuropäischen machen und damit sei nicht zuletzt das Verschwin- Migranten, die hier keinen Anspruch auf Sozialleistungen oder den der Trinkergruppen auf einem zentralen Innen- Wohnheimplätze haben. »Die Stadt könnte da freiwillig durchstadtplatz gemeint gewesen. aus was machen, aber das ist politisch nicht erwünscht«, meint Im Trinkraum in Kassel wird kein Alkohol ver- der Sozialarbeiter. Deshalb greifen auch die üblichen Mechakauft. Dagegen gibt es Kaffee und Kuchen sowie nismen der Konfliktbewältigung nicht. Der Platz wird die Menbelegte Brötchen. Die Gäste dürfen Wein und Bier schen immer wieder anziehen, die ordnungspolitischen Mitmitbringen, aber keine harten Sachen. »Schnaps tel sind begrenzt und die Sozialarbeit läuft oftmals ins Leere, ist tabu, ebenso wie andere Drogen«, betont Acker- weil sie keine Angebote machen kann. Angebote für Menschen, mann. die keine Arbeit, keine Wohnung und keine echte Perspektive Auch in Kassel stehen Angehörige aus der haben und unter denen viele sind, die sich mit einem Mix aus Szene hinter dem Tresen. Sie erhalten fünf Euro legalen und illegalen Drogen betäuben. Bei der Stadt weiß man die Stunde und arbeiten in 3-Std-Schichten. Sie auch, dass eine Vertreibung der Szene nur deren Verlagerung müssen mit dafür sorgen, dass die Regeln ein- bedeuten würde. Deshalb liegt jetzt der Vorschlag mit dem gehalten werden und notfalls auch Hausverbote Trinkraum auf dem Tisch. Vertreiben oder Verbergen, darauf aussprechen. Dadurch wird der Trinkraum als laufe es hinaus, so der Fachmann, das könne es doch nicht sein. Szene­laden anerkannt, der eben auch kein rechtsWohin die Reise geht, wird sich in den nächsten Wochen freier Raum sein dürfe. »Es ist allen klar, dass die zeigen. Noch vor dem Sommer will die Stadtverwaltung ihr Regeln eingehalten werden müssen, wenn wir Konzept vorlegen. Für Sicherheit und Ordnung in der Innenden Raum behalten wollen. Das funktioniert«, so stadt. Ackermann. Ulrich Matthias


AUS DER SZENE

Foto: privat

Hannover. Der traditionelle Flohmarkt am Hohen Ufer hat nun eine kleine, soziale Schwester bekommen. Auf dem Hof von Diakonie und Heilsarmee, Am Marstall 25, startete am 8. April der erste soziale Flohmarkt des christlichen Vereins Neues Land. Die Initiative ermutigt drogen- und medienabhängige Menschen zu einem suchtfreien Leben. Ein Ziel, dem auch der soziale Flohmarkt dienen soll. Die meisten Verkäufer sind ehemalige Abhängige, die ihre Therapie erfolgreich beendet haben. Das Flohmarkt-Projekt bietet ihnen eine sinnvolle Beschäftigung und soll ihnen den Schritt in die Arbeitswelt erleichtern. Etwa 500 Besucher erlebten die Premiere des Flohmarktes, der künftig jeden zweiten Samstag im Monat stattfinden soll. Die Initiatoren freuen sich über Spenden gebrauchter, gut erhaltener Dinge. Kontakt: Detlef Mücke, Tel.: 0152 – 29 30 62 99. UM

Wohnungslosentreffen 2017 Freistatt n

Asphalt-Verkäufer Hasso: »Alles verändert sich, wenn wir es ändern! Armut, Ausgrenzung, Obdachlosigkeit und Hilflosigkeit sind keine Naturgesetze« – das ist das Motto des zweiten Wohnungslosentreffens in Freistatt. Das diesjährige Treffen findet vom 23. bis 30.7. statt. Neben einer Menge Workshops wird es zwei bis drei Konzerte, einen Grillabend und einen Abend am Lagerfeuer geben. Essen, Trinken und Übernachtung sind für die Teilnehmer kostenlos. Zelte werden gestellt, Fahrkosten können übernommen werden. Ihr könnt aber auch eure eigenen Zelte mitbringen. Die Anmeldung für das Treffen startet am 1. Juni auf www.wohnungslosentreffen.de. Anmeldeschluss ist der 30. Juni 2017.

O -To

Sozialer Flohmarkt gestartet

Dankeschön für den Kältebus Hannover. Da waren die ehrenamtlichen Johanniter vom Kältebus-Team gerührt: Bei ihrem letzten Einsatz der Wintersaison 2016/17 bekamen sie von einer Kundin eine Dankeschön-Karte überreicht. »An den Mitarbeitern des Kältebusses! Hiermit möchten WIR uns, die am Kältebus, immer Dienstag und Donnerstag, das warme Essen gegessen haben! Einfach mal ›danke‹ sagen!« Unterzeichnet war die Karte mit einem großen DANKE auf der Vorderseite von zwölf Frauen und Männern, die regelmäßig zum Kältebus gekommen waren. »Außerdem gab es noch eine Rose für eine Kollegin und mich«, sagt Dana Jörk, Gruppenführerin der SEG Verpflegung im Ortsverband Hannover-Wasserturm. Seit sechs Jahren versorgt der Kältebus mit 15 Helfern von Dezember bis März mit Essen, Tee, Winter­ sachen und Decken am Bahnhof und am Kröpcke die, die winters auf der Straße leben. Nach eigenen Angaben diesmal 750. MAC


Ich koche – nein kein Süppchen – ich koche vor Wut, wenn ich lese, mit welcher Dreistigkeit eine Lehrerin es wagt, ihre Mitmenschen zu belügen und zu betrügen. Kein bisschen Selbstzweifel regen sich in ihr, so dass sie es sogar wagt, gegen ein Urteil gegen sie Einspruch einzulegen. Sie betrügt und belügt mehrere Ärzte, um ihre Tochter – nachdem ihr Wunsch auf Sonderurlaub abgelehnt wurde – ins »RTL-Dschungelcamp« begleiten zu können und ist empört, dass ihr niemand ihre Krankheit abnimmt. Was ist das für eine Lehrerin? Was für eine Pädagogin, deren Aufgabe es sein sollte, junge Menschen auf den Weg zum Erwachsenwerden zu begleiten, ihnen ein Vorbild zu sein? Aber was für ein Vorbild, wenn sie sich ihren Weg durch Lügen und Betrügen, durch Dreistigkeit bahnt? Und für wie dumm hält sie ihre Kolleginnen und Kollegen? Als Lehrerin wird sie von uns Steuerzahlern entlohnt, und es darf doch wohl nicht sein, dass der Staat so ein Verhalten auch noch unterstützt. Am allermeisten ärgert es mich, mit welcher Dreistigkeit wir »für dumm verkauft« werden sollen! Karin Powser

Karin Powser lebte jahrelang auf der Straße, bevor ihr eine Fotokamera den Weg in ein würdevolleres Leben ermöglichte. Ihre Fotografien sind mittlerweile preisgekrönt. Durch ihre Fotos und mit ihrer Kolumne zeigt sie ihre ganz spezielle Sicht auf diese Welt.

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Das muss mal gesagt werden…

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»ASPHALT IST GOLD« Aus dem Leben: Im Gespräch mit Asphalt-Verkäufer Adrian (36).

Adrian, was hat es mit dem Hocker auf sich, den du mitge- Wie ist deine Wohnsituation? bracht hast? Ich habe das Glück in der Garage eines netten deutschen EheDas ist mein Asphalt-Verkaufsstand. Den Hocker habe ich mir mal aus Rumänien mitgebracht und ihn mit dem Asphalt-Logo beklebt. So können mich die Leute sehen und ich habe die Hände frei. Ich stehe jeden Tag viele Stunden an meinem Verkaufsplatz und dann finde ich es schön, wenn ich so etwas wie einen kleinen Verkaufsstand habe.

paars wohnen zu können. Sie haben mich aufgenommen. Dort habe ich ein Bett und in der kalten Jahreszeit auch eine kleine Elektroheizung. Das Ehepaar ist sehr nett zu mir und wir verstehen uns gut. Sonntags laden sie mich immer zum Essen zu sich ein. Ich bin ihnen wirklich dankbar für ihre Hilfsbereitschaft und auch dafür, dass ich Gesellschaft habe.

Ist Rumänien dein Heimatland?

Fühlst du dich in Deutschland wohl?

Ja, ich bin erst vor vier Jahren nach Deutschland gekommen. Zuerst war ich in Bremen. Dort habe ich für sechs Monate als Helfer im Trockenbau gearbeitet. Aber die Firma ist pleitegegangen.

Ja, ich bin froh, hier sein zu können. Mir geht es sehr gut. Hier habe ich Asphalt. Ich kann Geld verdienen und dadurch meine Kinder versorgen. Deshalb möchte ich mich auch bei all den Menschen bedanken, die mich unterstützen. In Rumänien ist das alles ganz anders: Dort habe ich keine Chance, eine Arbeit zu bekommen.

Seit wann verkaufst du Asphalt? Seit zwei Jahren. Ich bin sehr froh, die Zeitung verkaufen zu können. Ich kann mir gut vorstellen, das noch 20 oder 30 Jahre weiterzumachen. Für mich ist Asphalt Gold. Ich habe zwei Söhne. Mein kleiner Sohn ist zehn Jahre alt und der große 13. Ich muss allein für sie sorgen. Meine Frau hat sich von mir getrennt, als unser kleiner Sohn gerade acht Monate alt war. Sie hat jetzt einen neuen Mann und lebt in Mailand. Die Kinder sind bei mir geblieben. Ich konnte sie aber nicht mit nach Deutschland nehmen. Sie leben bei meiner Mutter in Rumänien in einer kleinen Wohnung. Mein verdientes Geld schicke ich immer zu ihnen. Außerdem schicke ich ihnen Pakete mit Süßigkeiten und all den Sachen, die sie gerne mögen.

Hast du noch mehr Familienmitglieder in Rumänien? Ich habe zwei Brüder. Der eine ist in Rumänien geblieben. Er ist Soldat. Der andere hat unsere Heimat verlassen, genau wie ich. Er wohnt und arbeitet jetzt in Spanien. Mein Vater ist leider schon gestorben. Er war sehr krank.

Hast du in Oldenburg Freunde gefunden? Ich bin froh, das nette Ehepaar kennengelernt zu haben. Freunde habe ich bisher leider nicht so richtig gefunden. Ich habe eine Frau kennengelernt, mit der unterhalte ich mich immer mal wieder, aber manchmal ist es schwierig, weil mein Deutsch nicht so gut ist. Ich habe mir alles selbst beigebracht, würde aber gern schon viel besser sprechen. Verstehen kann ich viel, aber das Sprechen bereitet mir immer noch Probleme. Ich bin schüchtern und traue mich oft nicht.

Und wie sieht es mit einer neuen Partnerschaft aus? Es gibt eine nette Frau, die ich sehr mag – in meiner Heimat Rumänien. Sie ist alleinerziehende Mutter. Wir telefonieren und schreiben uns, wenn ich hier in Oldenburg bin, aber wirklich zusammen sind wir bisher nicht. Vielleicht kommt das ja noch.

Was wünschst du dir für deine Zukunft? Wie oft siehst du deine Kinder? Ich bin immer zweieinhalb Monate in Oldenburg und dann fahre ich für drei Wochen zu meinen Kindern nach Rumänien. Das muss sein. Sie fehlen mir wirklich sehr, und sie brauchen auch ihren Vater, wenn ihre Mutter schon nicht da ist. Wir telefonieren zweimal täglich. Schlimm ist es immer, wenn sie weinen, weil sie mich vermissen. Das tut mir im Herzen weh. Langsam verstehen sie aber, dass ich hier sein muss, um Geld zu verdienen. Ohne meine Mutter würde ich das alles gar nicht schaffen. Ich bin so froh, sie zu haben.

Nur eine Sache: Ich möchte mit meinen Kindern zusammen sein und sie nicht nur alle zwei oder drei Monate sehen. Ich wünschte, sie könnten auch hier sein. Sie fehlen mir sehr. Interview und Fotos: Svea Kohl


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Adrian verkauft Asphalt vor Galeria Kaufhof in Oldenburg.


Das Fahrgastfernsehen. · Goethestraße 13 A · 30169 Hannover · (0511) 366 99 99 · redaktion@fahrgastfernsehen.de


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RUND UM ASPHALT

Es hat schon eine kleine Tradition: Zum vierten Mal lud Pro Beruf Asphalt-Verkaufende zu einem opu­ lenten Essen ins Haus der Jugend. Die gemeinnüt­ zige Gesellschaft bietet jungen Arbeitslosen Ausund Weiterbildungsmöglichkeiten in verschiedenen Berufen, so auch in der Gastronomie. Und dabei gilt wie überall: Übung macht den Meister. Nutznießer der Kochausbildung waren diesmal rund zwei Dut­ zend Asphalter, die sich genüßlich an Maisroulade, Kartoffeln und Broccoli labten. Pro-Beruf-Bereichs­ leiterin Anja Holmer hieß die Gäste willkommen, Sozialarbeiter Christian Ahring bedankte sich im Namen von Asphalt für die Einladung. Verkäufer Guido war hinterher des Lobes voll: »Das Essen war superlecker und reichhaltig, der Service hat sich rüh­ rend um uns gekümmert, auch das Küchenpersonal war superdrauf! Da kann man nur dankbar sein.« UM

Foto: C. Ahring

Zu Gast bei Pro Beruf

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gesucht – gefunden Verkäufer Jürgen: Suche eine Matratze und einen Lattenrost, 100 cm x 200 cm. Beides müsste gebracht werden. Ich wohne in Wülfel. [V-Nr. 627] Kontakt: 0157 – 56 20 23 94. Verkäufer Mario: Ich suche eine Kommode bis 100 cm breit und einen Kühlschrank. [V-Nr. 1970] Kontakt: 0157 – 55 43 35 09. Verkäuferin Martina: Ich suche einen funktionstüchti­ gen Schnellkochtopf, der maximal fünf Euro kosten darf. [V-Nr. 2107] Kontakt: 01577 – 213 99 10. Verkäuferin Stefanie: Ich suche einen (gebrauchten) Laptop. Schön wäre, wenn er Windows 10 tauglich ist. [V-Nr. 2254] Kontakt: 0163 – 197 58 37. Verkäufer Thomas: Liebe Kunden aus Ledeburg, bis der Aldi wiedereröffnet, verkaufe ich Asphalt bei Netto und Rewe. Schöne Grüße! [V-Nr. 1909] Kontakt: 0152 – 55 43 84 52. Verkäufer Michael: Suche Übungs- und Lehrmaterialien für Blechblasinstrumente, speziell für Tenorhorn, gerne auch Schallplatten oder CD’s. Vielen Dank im Voraus. [V-Nr. 1115] Kontakt: 0177 – 496 69 54 oder 0163 – 791 06 19.

Kommen Sie mit – zum sozialen Stadtrundgang! Asphalt zeigt Ihnen das andere Hannover. Unsere Verkäuferinnen und Verkäufer füh­ ren Sie zu Orten, an denen Wohnungslose keine Randgruppe sind. Ein außergewöhnlicher Stadtrundgang – von ExpertInnen der Straße geführt! Nächster Termin: 26. Mai 2017, 15 Uhr. Treffpunkt: Asphalt, Hallerstraße 3, 30161 Hannover. Bitte anmelden: 0511 – 30 12 69-20. Teilnahme auf Spendenbasis: ab 5 Euro pro Person. Gruppen vereinbaren bitte gesonderte Termine! Auf Nachfrage auch in englischer Sprache!


HART AN DER GRENZE Sie hoffen auf ein anderes Leben und warten: Flüchtlingsfrauen in Lagern an der Grenze von Frankreich zu Großbritannien. Ehrenamtliche Hebammen helfen den Gestrandeten und Gepeinigten. Nicht nur medizinisch. Hütte 54 ist ihr Zuhause. Ein Spanplattenverschlag, zwölf Die Hilfsorganisation versorgt Frauen in den Flüchtlingslagern Quadratmeter auf grauem Kiesboden. Wenn Sherine Omar in der Küstenregion. Baineux lebt in der Region Hauts-de-France, deren nörd(Name geändert) auf den tragbaren Herdplatten kocht, kann sie den Verkehr auf der Autobahn Richtung Belgien rauschen licher Teil sich zwischen belgischer Grenze, Nordsee und hören. Die 30-Jährige lebt hier mit ihrem Mann und den bei- Ärmelkanal erstreckt. Wegen der Nähe zu Großbritannien ist den Kindern, fünf und sieben Jahre alt. Seit fünf Monaten der Küstenstreifen seit Jahrzehnten ein Anziehungspunkt für wartet die Familie auf eine Gelegenheit, um das Flüchtlings- Migranten. Tausende Menschen aus Afrika und dem Nahen lager in der nordfranzösischen Hafenstadt Grande-Synthe zu Osten harren dort oft monatelang aus, um auf meist illegale verlassen. Ziel: Großbritannien. Bald werden sie zu fünft in der Weise den Ärmelkanal zu überqueren. Weil sie meistens kein Hütte sein, denn Omar ist im siebten Monat schwanger. Asyl in Frankreich wollen, gehen sie nicht in offizielle AuffangElisabeth Baineux stattet ihr mitsamt einer Spritze zur Prophy- lager, wo sie sich registrieren lassen müssten, sondern leben laxe gegen Rhesusunverträglichkeit und einer Übersetzerin stattdessen in illegalen Zeltstädten. Die humanitäre Lage in einen Besuch ab. Baineux arbeitet ehrenamtlich für »Gynéco- den Camps führt immer wieder zu Räumungen. Bekanntestes logie Sans Frontières« (Gynäkologie ohne Grenzen, kurz GSF). Symbol der Dauerkrise war der »Dschungel« von Calais – das


Mittlerweile, 17 Monate nach Beginn der Mission, akzeptieren die sonst eher misstrauischen Migranten die Helferinnen, sprechen sie auch von sich aus an oder kommen in die Sprechstunde. Das zeigen auch die Zahlen: Zu Beginn der Mission führte GSF in allen Camps etwa 60 Behandlungen durch, im vergangenen Sommer waren es mehr als 200. Seit der Räumung des »Dschungels« sind es mehr als 500. Auch missbrauchte Frauen bitten mittlerweile um Hilfe. Für Alexandra Duthe ist das der schönste Lohn für ihr Engagement: »Die Frauen sind völlig isoliert. Ich freue mich, wenn ich für sie eine Vertrauensperson sein kann. Wenn die Frauen uns wiedererkennen, anlächeln und auf uns zugehen: Was braucht man mehr?«, sagt die 37-Jährige, die neben dem Schichtdienst im Krankenhaus in Grande-Synthe als Freiwillige arbeitet und zudem als Koordinatorin der Hilfsmission für die Freiwilligen telefonisch erreichbar ist. Kollegin Elisabeth Baineux hat ihren Brotjob in der Krankenhausverwaltung komplett aufgegeben und ist mit der Arbeit bei GSF wieder zur »ursprünglichen« Hebammenarbeit zurückgekehrt, wie sie sagt. Gerade hat die 54-Jährige im kleinen Behandlungszimmer in Grande-Synthe Halina Duran (Name geändert) behandelt, die mit ihrer Dank der kleinen Holz­­ kleinen Tochter vorbeigekommen ist, weil das Ver- hütten gilt Grandehütungsimplantat im Oberarm ein paar Tage nach Synthe als Vorzeige­ dem Einsetzten noch juckte und hat der jungen flüchtlings­lager. Kurdin eine Babytrage, Decke und Spielzeug für Alexandra Duthe ist seit ihr Neugeborenes mitgegeben. Baineuxs nächste 17 Monaten dort aktiv.

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Lager mit seinen zuletzt mindestens 6.000 Einwohnern wurde im Oktober von den Behörden evakuiert und zerstört. Im November 2015 begann für Baineux und ihre Kollegin Alexandra Duthe ihre Hilfsmission. Für GSF ist es der erste Einsatz im eigenen Land und zugleich der bisher schwerste. Für Auslandsmissionen wie etwa im jordanischen Zaatari hätten sie 300.000 Euro vom Außenministerium bekommen, so GSF-Vizepräsident Richard Matis. Für den Einsatz in Frankreich gab es keinen Cent vom Staat. Die Hilfsmission wird ausschließlich von Privatspenden getragen. Die Finanzierung ist wacklig. Matis rechnet regelmäßig damit, dass der Einsatz in ein paar Monaten eingestellt werden muss. Doch bisher kamen immer ausreichend Spenden zusammen. Auf öffentliche Gelder hofft der Gynäkologe nicht mehr. Die Politik gehe davon aus, dass die Flüchtlinge wieder verschwinden würden, wenn man ungünstige Bedingungen schaffe, so Matis. »Das ist idiotisch. Die Menschen sind seit Jahren hier. Dass man sie im Schlamm leben lässt, hat daran bisher auch nichts geändert.« GSF ist nach der Räumung des »Dschungels« in Calais in noch vier Camps aktiv. Das größte ist die Hüttenstadt in Grande-Synthe. Bei deren Errichtung lebten dort laut Stadtverwaltung etwa 1.300 Menschen, zwischendurch nur etwa 600. Doch nach der Räumung des »Dschungels« sei die Bewohnerzahl wieder auf mehr als 1.000 angestiegen, so Matis. Die Menschen, die dort leben, sind hauptsächlich Kurden. Etwa 15 Prozent sind Frauen. Das Lager Grande-Synthe ist beinahe ein Vorzeigeprojekt: Die Hütten sind beheizbar. Es gibt Toiletten, Duschen, Waschmaschinen, Gemeinschaftsräume und Sprachkurse. Die Flüchtlinge können hier wohnen, ohne sich registrieren zu lassen. Gebaut wurde das Camp auf Initiative der Stadt GrandeSynthe und der Hilfsorganisation »Ärzte ohne Grenzen«, denn die Zustände im ursprünglichen wilden Lager waren laut Stadtverwaltung im vergangenen Winter unhaltbar geworden. Es wurde nur »Camp der Schande« genannt, erzählt Duthe. Die Stadt hatte das Innenministerium vergeblich um Unterstützung für den Bau gebeten, die Kosten wurden schließlich von »Ärzte ohne Grenzen«, der Stadt Grande-Synthe sowie der Nachbarstadt Dunkerque gestemmt. Doch Grande-Synthe bleibt Ausnahme. In den anderen benachbarten Lagern, in denen GSF aktiv ist, leben die Menschen weiterhin in Zelten.

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Elisabeth Baineux kontrolliert bei der geflüchteten Kurdin Halima Omar das Verhütungsstäbchen.

Hebamme Alexandra Duthe kontrolliert Ultraschallbilder im Lager Grande-Synthe.

Patientin ist Sonia Mohammed (Name geändert). Die 20-Jährige ist mit ihrem Mann und ihrer vierjährigen Tochter gerade erst im Camp angekommen. Die vergangenen drei Monate haben sie in einer Turnhalle in Duisburg gelebt. Von Grande-Synthe aus soll es nach Großbritannien weitergehen, ihr Mann habe dort entfernte Verwandte, so Mohammed. »Mehr weiß ich nicht, mein Mann organisiert alles«, sagt sie lachend. Die junge Frau klagt über Jucken und glaubt, dass sie eine Vaginalinfektion hat. Baineux versucht mit Hilfe einer Dolmet-

scherin herauszufinden, wann ihre Patientin die letzte Regelblutung hatte und ob sie Medikamente nimmt. Schließlich stellt sich heraus, dass Mohammed eine Schwangerschaft außerhalb des Uterus hatte und eine Fehlgeburt eingeleitet wurde. »Aber sie wurde nicht operiert?«, fragt Baineux. Richtig lässt sich nicht klären, was passiert ist. Baineux untersucht Mohammed, lässt eine Urinprobe nehmen und gibt ihr Tabletten, Salbe und Waschlotion mit. Mohammed entschuldigt sich, dass sie nicht sehr sauber sei, sie komme gerade erst an und habe noch nicht geduscht. Die Frauen lachen. »Die meisten Frauen sind stark, aber es gibt auch Momente, in


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In den nordfranzö­ sischen Nachbarlagern leben viele Flüchtlings­ frauen in Wohnwagen und Zelten

Bei den Helferinnen der GSF gibt es Medikamente und Schwangerschaftstests für die Flüchtlingsfrauen.

denen die Verzweif lung hochkommt«, sagt Baineux. Etwa, cher und sexueller Gewalt kümmert und dafür sorgt, wenn sie berichten, dass sie ihre Kinder zu Hause zurücklas- dass betroffene Frauen gerichtsmedizinisch untersen mussten oder auf der Flucht verloren haben. »Schwere sucht werden. Mehrere Migrantinnen hätten bereits Momente, wenn sie in meinen Armen zu weinen beginnen.« Anzeige erstattet, sagt Duthe – in der Hoffnung auf Zudem seien die Frauen im Lager und auf der Flucht sexueller Gerechtigkeit in der Fremde. Gewalt, Misshandlungen oder dem rüden Vorgehen der Poli- Text: Carolin Küter/Fotos: Jelca Kollatsch zei ausgesetzt, die die Zelte in den kleineren Camps immer wieder zerstöre, ergänzt Alexandra Duthe: Um diesen Frauen Mitte April, kurz vor Redaktionsschluss, ist das besser helfen zu können, hat GSF die Mission in den vergange- Camp nach heftigen Unruhen großteils abgenen Monaten weiterentwickelt, arbeitet mit einer Frauenbera- brannt. Über den Verbleib vieler Bewohner ist tungsorganisation zusammen, die sich um Opfer von häusli- noch nichts bekannt.


Fotos: Patrice Kunte/Schloss Marienburg

FAMILIEN­ AUSFLUG Der Frühling ist da, höchste Zeit für einen Ausflug mit der ganzen Familie! Wie wäre es mit einem Besuch der Marienburg, dem authentisch erhaltenen Märchenschloss vor den Toren Hannovers?

Asphalt verlost zehn Familientickets inklusive Schlossführung und Ausstellung »Der Weg zur Krone« für je zwei Erwachsene und bis zu drei Kinder im Wert von jeweils 59 Euro! Lösen Sie einfach unser Rätsel rund um die Marienburg

und Sie haben die Chance, ein Ticket für Ihre Familie zu gewinnen. Das Lösungswort ergibt sich aus den unterlegten Buch­staben – dann wissen Sie auch, was wir Ihnen außer viel Glück beim Rätselraten für Ihren Ausflug wünschen!


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1. K  önigin Marie wünschte sich von ihrem Mann König Georg V. von Hannover das Schloss Marienburg als

32 2. In welchem Stil entstand zwischen 1858 und 1867 die Marienburg unter der Leitung der vom König beauftragten Architekten Conrad Wilhelm Hase und Edwin Oppler?

3. D  as Schloss liegt auf dem Marienberg in der Region Hannover bei Schulenburg, einem Stadtteil welcher Kommune?

4. H  eutiger Eigentümer der Marienburg ist Erbprinz Ernst-August von Hannover aus dem Fürstengeschlecht der

5. D  as gut erhaltene Schloss ist nicht nur ein beliebtes Fotomotiv, sondern dient auch immer wieder als Filmkulisse – so auch für die deutsch-australische Jugendserie

Das Lösungswort senden Sie bitte bis zum 31. Mai 2017 per Post, Fax oder E-Mail an: Asphalt-Magazin, Hallerstraße 3 (Hofgebäude), 30161 Hannover; Fax: 0511 – 30 12 69-15; gewinne@asphalt-magazin.de.

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BUCHTIPPS Politik als Pop Die Wahl des 45. Präsidenten der USA ist eine Zäsur. Doch was für eine? Statt Trumps Grenzüberschreitungen als individuelle Pathologie oder als ärgerlichen politischen Systemfehler abzutun, geht für Georg Seeßlen der Riss tiefer: Sein Essay handelt davon, »dass die Demokratie, so wie wir sie kannten, mit allen ihren Schwächen und Widersprüchen, nicht mehr der Normalfall sein wird.« Für Seeßlen verschmelzen mit Trump die zwei großen Erzählungen: Der ökonomisch-politische Diskurs, der alles Irrationale ausschließt, und das System Pop, die Alles-ist-möglich-Welt der Emotio­ nen und Effekte. Der Lügner, Selfmademan, Volksheld, Sugardaddy Trump ist in allen Facetten Hollywood – ein Held zwischen Faszination und Abscheu. Der Rassist und Trump-Berater Steve Bannon wusste bereits: »Dick Cheney. Darth Vader. Satan. Das ist Macht.« Politik, Pop und Religion – it’s a mess. Dieses Antirationale ist das Rezept der radikalen Rechten zur »Heilung« der angeschlagenen westlichen Demokratien. Wir sollten uns zügig um ein Gegengift bemühen. BP Georg Seeßlen · Trump! POPulismus als Politik · Bertz und Fischer · 7,90 Euro

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Nach »Der Schwimmer« und »die hellen Tage« hat Best­ seller-Autorin und ChamissoPreisträgerin Zsuzsa Bánk jetzt ihren dritten Roman vor­ gelegt: »Schlafen werden wir später«. Auf knapp 700 Seiten erzählt die Autorin mit ungari­ schen Wurzeln die Geschichte der Schriftstellerin Márta, die mit Mann und drei Kindern in der Großstadt lebt und ihrer Freundin Johanna, die als Lehrerin im Schwarzwald wohnt. »Schlafen werden wir später« ist ein Briefroman: Die beiden Frauen Anfang 40 schrei­ ben einander Emails – »ergreifende Dokumente eines täglichen Ringens um Selbstbehauptung, Freiheit und Glück« –, in denen sie die zähe Gegenwart, die Abgründe der Vergangenheit und vor allem die Erwartungen an eine erfüllte Zukunft aufblättern: »Was fangen wir noch an mit diesem Leben, jetzt, nachdem wir die halbe Strecke schon gegangen sind?« Kopf, Herz, Bauch – schön und traurig. Und ein Loblied auf die (Frauen-) Freundschaft. BP Zsuzsa Bánk · Schlafen werden wir später · S. Fischer · 24 Euro


Kino Alles Gut

Offenes Gericht

Im Spätsommer 2015 bewegen drei Worte ein gan­ zes Land: »Wir schaffen das«. Millionen Bundesbür­ ger engagieren sich für Asylbewerber. Brennende Flüchtlingsheime und Streitigkeiten über Obergren­ zen zeigen die andere Seite. Der Dokumentarfilm erzählt von zwei Kindern, die zu dieser Zeit mit ihren Familien nach Deutschland kommen: Djaner (7) aus Mazedonien und Ghofran (11) aus Syrien. Ihre Flucht endet in Hamburg, im gutbürgerlichen Stadtteil Othmarschen. Pia Lenz begleitete die beiden ein Jahr lang bei ihrer Suche nach sich selbst und einem neuen Leben. Die Perspektive der Kinder eröffnet einen unverstellten Blick auf die Situation Hundert­ tausender Geflüchteter. 12.5., 20.30 Uhr, Kino im Sprengel, Klaus-MüllerKilian-Weg 2, Hannover. Eintritt 5 Euro, mit Hannover-Aktiv-Pass 2,50 Euro.

Um 11 Uhr begrüßt Justizministerin Antje NiewischLennartz die Gäste zum Tag der offenen Tür im Fachgerichtszentrum, in dem das Niedersächsische Finanzgericht, das Landesarbeitsgericht, das Arbeitsgericht Hannover, das Sozialgericht Hanno­ ver und das Verwaltungsgericht Hannover unterge­ bracht sind. Das anschließende Programm sieht simulierte Verhandlungen der verschiedenen Gerichte, eine Podiumsdiskussion zum Thema »Asylverfahren in der Praxis«, Führungen, Info­ stände sowie eine Asservatenausstellung vor. Daneben gibt es viele Attraktionen für Kinder und Jugendliche sowie musikalische Begleitung durch die Country-Band »Mary Lou and the Deputies« und ein Ensemble aus dem Netzwerk des Welcome Boards. Für das leibliche Wohl sorgen ein Kuchen­ buffet und Gegrilltes. 13.5., 11 bis 17 Uhr, Fachgerichtszentrum Hannover, Leonhardtstraße 15, Hannover. Eintritt frei.

Verschiedenes

Oftmals erwecken Diskussionen um das Thema Rente den Eindruck, diese seien nur für ältere Men­ schen interessant. Doch das Gegenteil ist der Fall. Die Konferenz soll einen Überblick über die aktuelle Rentenpolitik geben. Zugleich soll eine Auseinan­ dersetzung mit Argumenten derer stattfinden, die sich für eine Privatisierung der Altersvorsorge ein­ setzen. Anhand anderer europäischer Rentenmo­ delle soll aufgezeigt werden, dass die Rentenpolitik nicht alternativlos ist, sondern vom gemeinsamen politischen Gestaltungswillen abhängt. Anmeldung per E-Mail an sozialpolitik@sovd-nds.de oder telefo­ nisch unter 0511 – 701 48 39. 10.5., 10 Uhr, Veranstaltungszentrum Rotation in den ver.di-Höfen Hannover. Eintritt frei.

Foto: Fachgerichtszentrum Hannover

Jung und prekär – alt und arm?!

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KULTURTIPPS

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Malala Malala Yousafzai lebt im pakistanischen Swat-Tal, in dem seit 2004 fundamentalistische Taliban wüten. Alle Frauen und Mädchen müssen Burkas tragen und die Frauen müssen zu Hause bleiben. Malala und ihre Freundinnen gehen heimlich zur Schule. Auf der Fahrt dorthin wird Malala im Schulbus ange­ schossen und überlebt nur knapp. Doch sie lässt sich nicht einschüchtern und macht öffentlich auf das Schicksal der Mädchen in Pakistan aufmerksam. So wird sie 2014 zur jüngsten Friedensnobelpreis­ trägerin. Auf einfühlsame und kluge Weise wird Malalas reale Geschichte in diesem Stück für Kinder ab acht Jahren erzählt. 21.5., 15 Uhr; 22.5., 9 Uhr, Theater Hameln, Rathausplatz 5, Hameln. Eintritt: Kinder und Jugendliche 6 Euro, Erwachsene 12 Euro, ermäßigt 6 Euro.

Kinder Eliot und Isabella im Finsterwald Rattenkind Eliot und seine Freundin Isabella wollen Opa Pucki zum Waldfest abholen. Doch die Hütte ist leer. Da es oberverdächtig nach Bockwurst riecht, ist die Sache ja wohl klar! Der Opa wurde von Bocky und seiner Rüpelbande entführt. Eliot und Isabella folgen der Spur durch den tiefen, finsteren Wald, wo für Rattenkinder viele Gefahren lauern. Aber immer wenn es brenzlig wird, hat Eliot ziemlich gute Ideen. So kommen sie nicht nur Opa Pucki auf die Spur, sondern begeben sich auch noch auf eine Schatz­ suche. Das Figurentheater Marmelock inszeniert den neuen Krimi von Ingo Siegner für Kinder ab vier Jahren. Telefonische Kartenreservierung unter 0511 – 899 59 40. 27.5., 16 Uhr; 28.5., 11 und 15 Uhr; 29.5. und 30.5., 9.30 Uhr. Theatrio Figurentheaterhaus, Großer Kolonnenweg 5, Hannover. Eintritt: Kinder 6 Euro, Erwachsene 8 Euro. Mit HannoverAktiv-Pass Eintritt frei.

Theater Bilder deiner großen Liebe Schauspielerin Sandra Hüller, die mit dem Film »Toni Erdmann« große Erfolge feierte, schlüpft in dem Stück nach dem Roman von Wolfgang Herrndorf in die Rolle der Isa – des Mädchens also, das Tschick und Maik auf ihrer turbulenten Reise mit dem geklauten Lada in Herrndorfs Erfolgsroman »Tschick« kennenlernen. Gemeinsam mit den Musi­ kern Moritz Bossmann und Sandro Tajouri singt, erzählt und spielt sie Isas Reise mit all ihren rätsel­ haften Begegnungen und Erlebnissen. »Bilder dei­ ner großen Liebe« ist Wolfgang Herrndorfs letzter unvollendet gebliebener Roman, an dem er bis zu seinem Tod 2013 arbeitete. 30.5., 20 Uhr, Schauspielhaus Hannover, Prinzenstraße 9, Hannover. Eintritt: 21,50 – 43,50 Euro, ermäßigt 11,50 Euro, Hartz-IV-Empfänger: 6,20 Euro.


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Ausstellung Religramme. Gesichter der Religionen Die interaktive Ausstellung mit Fotos von Patrice Kunte zeigt zwanzig Frauen und Männer aus zwanzig Religionsgemeinschaften in Niedersach­ sen – und ihre Geschichten: Wer sind sie, wo kommen sie her, wie leben sie und was ist ihnen wichtig an ihrer religiösen Tradition? Unter den Porträ­ tierten sind auch Prominente aus Hannover wie Zen-Meisterin Dagmar Doko Waskönig, Myriam Abdel-Rahman Sherif, die Gründerin des TibetZentrums, und Balasubramanian Ramani, Lokalpolitiker und Initiator der Gandhi-Büste zwischen Rathaus und Maschsee. Sozialministerin Cornelia Rundt und Landessuperintendentin Petra Bahr eröffnen die Ausstellung, die noch bis Mitte Juni läuft. 29.5., 17 Uhr, Foyer der Volkshochschule, Burgstraße 14, Hannover. Eintritt frei.

Musik The Undertones Mit »Teenage Kicks« prägte die 1975 im nordirischen Derry gegründete Punkrockband The Undertones eine ganze Generation. Der Song hat bis heute nichts von seiner Wirkung eingebüßt. Daran haben auch der Ausstieg von Sänger Feargal Sharkey 1983 und die anschließende Auflösung der Band wenig geändert. Seit 1999 sind The Undertones wieder mit Paul McLoone als Sänger aktiv und haben seither zwei neue Alben veröffentlicht. 21.5., 20 Uhr, 60er-Jahre Halle, Kulturzentrum Faust, Zur Bettfedern­ fabrik 3, Hannover. Eintritt: 23 Euro (VVK), 29 Euro (AK), mit HannoverAktiv-Pass (nur bei Ticketerwerb vor Ort) 11,50 Euro (VVK), 14,50 Euro (AK).

36 Am Lindener Berge 38 30449 Hannover Telefon 45 44 55 www.jazz-club.de

Mai 2017 Freitag, 5. Mai LURRIE BELL & THE CHICAGO BAND Grammy Nominee 2017 Eintritt: 20 Euro Montag, 8. Mai Die Gesellschaft der Freunde des Jazz präsentiert: AMOK AMOR Peter Evans – Wanja Slavin – Christian Lillinger – Peter Eldh Eintritt: 20 Euro/ermäßigt 15 Euro Montag, 15. Mai SYLVIE COURVOISIER feat. Drew Gress & Kenny Wollesen Eintritt: 20 Euro/ermäßigt 15 Euro Freitag, 19. Mai THE SINGIN’ BIRDS CD-Relaese „Swing & Roll“ Eintritt: 20 Euro/ermäßigt 15 Euro Mittwoch 24. Mai & Donnerstag 25. Mai

Arm und Reich Die Capella St. Crucis präsentiert unter Leitung von Florian Lohmann A-capella-Musik, die sich mit einem der polarisierendsten Themen der heutigen Gesellschaft auseinander setzt: Arm und Reich. Neben der Urauf­ führung einer zehnstimmigen Auftragskomposition von Marcus Aydintan aus Hannover erklingen Chorwerke von Rheinberger, Kodaly, Bunk, Britten und Jennefelt. Flankiert wird das Konzert von der Fotoausstellung »Keine Gnade auf der Straße« der Asphalt-Fotografin und -Kolumnistin Karin Powser. Die Bilder sind vom 19. bis einschließlich 22. Mai zwischen 10 und 18 Uhr in der Marktkirche zu sehen (Eintritt frei). 20.5., 18 Uhr, Marktkirche, Hanns-Lilje-Platz, Hannover. Eintritt: 10 Euro, ermäßigt 7 Euro.

ENERCITY SWINGING HANNOVER 2017 Samstag, 27. Mai Die Gesellschaft der Freunde des Jazz präsentiert: NILS WOGRAM’S ROOT 70 CD-Release „Luxury Habits“ Eintritt: 20 Euro/ermäßigt 15 Euro

Konzertbeginn jeweils um 20.30 Uhr, Einlass ab 19.30 Uhr

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IHR ENGAGEMENT

Machen Sie mit! Impressum

Herausgeber: Prof. Dr. Heiko Geiling, Hanna Legatis, Rainer Müller-Brandes

Gründungsherausgeber: Walter Lampe

Geschäftsführung: Rainer Müller-Brandes

Redaktion: Volker Macke (Leitung), Jeanette Kießling, Svea Kohl, Ulrich Matthias

Fotografin/Kolumnistin: Karin Powser

Freie Mitarbeit dieser Ausgabe: K. Knopke, J. Kollatsch, C. Küter, B. Pütter, G. Schild, L. Stegner, W. Stelljes, T. White, K. Zempel-Bley

An jedem letzten Dienstag im Monat trifft sich die Runde der Ehrenamtlichen in den hannoverschen Asphalt-Redaktionsräumen. Da werden Veranstaltungen organisiert, Info-Stände geplant und Ideen gesammelt, um die Arbeit von Asphalt engagiert zu unterstützen. Besonders für unsere Asphalt-Verkäuferinnen und -Verkäufer ist es wichtig zu spüren, dass viele Menschen hinter ihnen stehen. Wir freuen uns, wenn Sie sich dieser lebendigen Runde anschließen möchten! Rufen Sie uns einfach vorher an: 0511 – 30 12 69-0. Das nächste Treffen ist am Dienstag, 30. Mai 2017, um 17 Uhr.

Anzeigen: Heike Meyer

Verwaltung: Janne Birnstiel (Assistentin der Geschäftsführung), Heike Meyer

Vertrieb & Soziale Arbeit: Thomas Eichler (Leitung), Romana Bienert, Christian Ahring (Sozialarbeiter)

Asphalt gemeinnützige Verlags- und Vertriebsgesellschaft mbH Hallerstraße 3 (Hofgebäude) 30161 Hannover Telefon 0511 – 30 12 69-0 Fax 0511 – 30 12 69-15 Spendenkonto: Evangelische Bank eG IBAN: DE 35 5206 0410 0000 6022 30 BIC: GENODEF1EK1

Online: www.asphalt-magazin.de redaktion@asphalt-magazin.de vertrieb@asphalt-magazin.de herausgeber@asphalt-magazin.de Herstellung: eindruck, Hannover

Druck: v. Stern’sche Druckerei, Lüneburg Druckauflage: Ø 25.000

Asphalt erscheint monatlich.

Asphalt dankt: Ev.-luth. St.-Nikolai-Kirchengem., J. + M. Seitz, L. Reuter, U. + I. Koester, K. Gerwig, Altenkreis Bergstraße, J. + K. Strohschein, S. Loercher, C. Katzmann, AWO, E+S Rückversicherung AG, K. + D. Sickau, M. Ziegler, G. + H. Zilic, R.-D. Junge, A. Gieseler, M. Metze, J. + W. Schraeder, B. Reinders, Ev.-luth. Heilig-Geist-Kirchengem., G. + H. Gross, S. KruseJoost, W. Riek, Apothekerkammer Nds., G. Borkenhagen, Ev.-luth. Martin-Luther-Kirchengem., Ev. Hilfsverein Albertinum, T. Itmann, M. Gieselberg, M. Mackel, D. Riemenschneider, R. Stoebener, P. Lehmann, N. Botterbrod, Fam. Mueller, E. Osieka, R. Koenig, U. E. Focke, M. + R. Rabe, H. Deeken, E. + H.-J. Schwarz, Tourist-Information, H.-K. + M. Schoenhagen, A. Schroeder, H.-J. Rauer, B.  +  K.-H. Flöemme, B. Stegemeier, Link & Partner GmbH, B. Hellberg, M. Priesner, J. Beuch, E. Niens, S. Banko-Kubis, Ev.-luth. Timotheus-Kirchengem., Ev.-luth. Melanchthon-Kirchengem., U. Thoms, J. Kriwath, I. Thiem, C. Lorenz sowie allen anonymen Spendern und allen Asphalt-Patinnen und -Paten.

Redaktionsschluss dieser Ausgabe: 21. April 2017

Für unaufgefordert eingesandte Manu­ skripte, Bilder und Bücher übernehmen wir keine Gewähr. Rücksendung nur, wenn Porto beigelegt wurde.

Gesellschafter:

H.I.o.B. e.V. Hannoversche Initiative obdachloser Bürger

Verkäuferausweise

Bitte kaufen Sie Asphalt nur bei Ver­käuferInnen mit gültigem Aus­weis! Zurzeit gültige Ausweisfarbe (Region Hannover): Orange


Aus den nachfolgenden Silben sind 17 Wörter zu bilden, deren erste und vierte Buchstaben – jeweils von oben nach unten gelesen – ein Zitat von Pestalozzi (1746 – 1827) ergeben: ame – be – be – bel – bo – cher – dar – der – ei – ei – el – er – er – gal – ge – ge – gen – gen – ger – glau – hau – he – ho – ida – ing – kin – la – le – le – len – ling – man – ne – re – ri – sa – sen – ta – tan – treue – tru – tum – un – un – uni – wer – wi – zen

1. Eier im Vogelnest 2. Verrat 3. Bewegung zur Musik 4. Besitz 5. gesetzlich 6. Kleinstadt in der Lüneburger Heide 7. Misstrauen

Unter den Einsendern der richtigen Lösung verlosen wir insgesamt sechs­ mal den mehrfach preisgekrönten Film »Ich, Daniel Blake« – dreimal als DVD und dreimal als Blu-ray. Die bewegende Geschichte um den 59-jähri­ gen Tischler Daniel Blake, der nach einem Herzinfarkt auf staatliche Hilfe angewiesen ist und fortan die bürokratische Härte der Ämter zu spüren bekommt. Viermal verlosen wir den Episodenroman »Dass man durch Belgien muss auf dem Weg zum Glück« von Judith Kuckart. In elf Geschichten erleben die Protagonisten ganz Unerhörtes: Wie Emilie und Maria, beide über sieb­ zig, die nicht mehr genau wissen, ob sie mit dem betrunkenen Klavierlehrer die Nacht verbracht haben. Am Ende gehört natürlich alles zusammen: Lust und Schrecken, Liebe und Tod, Schuld und Glück. Für Kinder ab 11 Jahren haben wir dreimal das Buch »Bird und ich und der Sommer, in dem ich fliegen lernte« von Crystal Chan. Als im Sommer plötzlich der Junge John auftaucht, hat die auf dem Land lebende Jewel das erste Mal in ihrem Leben einen Freund. In ihrer Multikulti-Familie ist das Leben manchmal eine ganz schöne Herausforderung.

8. Lufttrübung 9. Teil des Frühstücksgeschirr 10. Heilpflanze 11. Echsenart 12. Kastenmöbel 13. Vorrichtung zum Trocknen 14. Staat der USA 15. Körperteil

Die Lösung des April-Rätsels lautete: Nur wer positiv denkt, kann etwas bewegen. Das Silbenrätsel schrieb für Sie Ursula Gensch. Die Lösung (ggf. mit Angabe Ihres Wunschgewinnes) bitte an: Asphalt-Magazin, Hallerstraße 3 (Hofgebäude), 30161 Hannover; Fax: 0511 – 30 12 69-15. E-Mail: gewinne@asphalt-magazin.de Einsendeschluss: 31. Mai 2017. Bitte vergessen Sie Ihre Absenderadresse nicht! Viel Glück!

16. germanisches Seefahrervolk 17. Anhänger einer bestimmten Glaubensrichtung

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SILBENRÄTSEL

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