Issuu on Google+


An Den Leser ● Der Grund, dass in all diesen Arbeiten die Widerlegung der Evolutionstheorie so stark betont wird, liegt darin, dass diese Theorie eine Grundlage für jede gegen die Religion gerichtete Philosophie darstellt. Der Darwinismus, der die Schöpfung und damit die Existenz Allahs ablehnt, hat seit 140 Jahren vielen Menschen ihren Glauben genommen oder sie in Zweifel gestürzt. Aus diesem Grund ist es eine wichtige Aufgabe, die Widerlegung der Theorie zu veröffentlichen. Der Leser muss die Möglichkeit zu dieser grundlegenden Erkenntnis erhalten. Da manche Leser vielleicht nur die Gelegenheit haben, eines der Bücher zu lesen, wurde beschlossen, in allen Büchern Harun Yahyas diesem Thema ein Kapitel zu widmen, wenn auch nur als kurze Zusammenfassung. ● In allen Büchern des Autors werden Fragen, die sich auf den Glauben beziehen, auf der Grundlage des Inhalts des Quran erklärt, und die Menschen werden dazu ermutigt, Allahs Wort zu lernen und ihm entsprechend zu leben. Alle Themen, die Allahs Offenbarung selbst betreffen, werden in einer Weise erklärt, dass sie beim Leser keine Zweifel oder unbeantwortete Frage hinterlassen. Die aufrichtige, direkte und fliessende Darstellung erleichtert das Verständnis der behandelten Themen und ermöglicht, die Bücher in einem Zug zu lesen. Harun Yahyas Bücher sprechen Menschen jeden Alters und jeder sozialen Zugehörigkeit an. Selbst Personen, die Religion und Glauben streng ablehnen, können die hier vorgebrachten Tatsachen nicht abstreiten und deren Wahrheitsgehalt nicht leugnen. ● Die Bücher von Harun Yahya können individuell oder in Gruppen gelesen werden. Leser, die von diesen Büchern profitieren möchten, werden Gespräche über deren Inhalte sehr aufschlußreich finden, denn so können sie ihre Überlegungen und Erfahrungen einander mitteilen. ● Gleichzeitig ist es ein großer Verdienst, diese zum Wohlgefallen Allahs verfassten Bücher bekannt zu machen und einen Beitrag zu deren Verbreitung zu leisten. In allen Büchern ist die Beweis- und Überzeugungskraft des Verfassers zu spüren, so dass es für jemanden, der anderen die Religion erklären möchte, die wirkungsvollste Methode ist, die Menschen zum Lesen dieser Bücher zu ermutigen. ● Wir hoffen, der Leser wird die Rezensionen der anderen Werke des Autors zur Kenntnis nehmen. Sein reichhaltiges Quellenmaterial über glaubensbezogene Themen ist äußerst hilfreich und vergnüglich zu lesen. ● In diesen Werken wird der Leser niemals – wie es mitunter in anderen Werken der Fall ist – die persönlichen Ansichten des Verfassers vorfinden oder auf zweifelhafte Quellen gestützte Ausführungen; er wird weder einen Schreibstil vorfinden, der Heiligtümer herabwürdigt oder mißachtet, noch hoffnungslos verfahrene Erklärungen, die Zweifel und Hoffnungslosigkeit erwecken.


GERECHTIGKEIT UND TOLERANZ IM QURAN … Und wenn du richtest, richte zwischen ihnen in Gerechtigkeit. Siehe, Gott liebt die Gerechtigkeit Übenden. (Sure al-Ma’ida, 42)

HARUN YAHYA (ADNAN OKTAR)


Über Den Autor ADNAN OKTAR, der unter dem Pseudonym HARUN YAHYA schreibt, wurde 1956 in Ankara geboren. Nachdem er Grundschule und Gymnasium in Ankara absolviert hatte, studierte er Kunst an der Mimar Sinan Universität in Istanbul und Philosophie an der Istanbul Universität. Seit den 1980er Jahren verfasst er zahlreiche Werke zu Themen des Glaubens, der Wissenschaft und der Politik. Harun Yahya ist bekannt als Autor wichtiger Werke, die die Hochstapeleien der Evolutionisten aufdecken, ihre falschen Behauptungen und die dunklen Verbindungen zwischen Darwinismus und so blutigen Ideologien wie Faschismus und Kommunismus. Harun Yahyas Werke, übersetzt in 57 Sprachen, umfassen mehr als 45000 Seiten mit 30000 Illustrationen. Das Pseudonym des Autors besteht aus den Namen Harun (Aaron) und Yahya (Johannes), im geschätzten Andenken an die beiden Propheten, die gegen den Unglauben kämpften. Das Siegel des Propheten, das auf dem Umschlag aller Bücher des Autors abgebildet ist, symbolisiert, dass der Quran das letzte Buch und das letzte Wort Allahs ist und dass der Prophet Muhammad (Möge Allah ihn segnen und Frieden auf ihm sein lassen) der letzte der Propheten ist. Der Autor verwendete in all seinen Arbeiten den Quran und die Sunnah (Überlieferungen) des Propheten Muhammad (Möge Allah ihn segnen und Frieden auf ihm sein lassen) zu seiner Führung. Er zielt darauf ab, alle grundlegenden Behauptungen der ungläubigen Systeme einzeln zu widerlegen, die Einwände gegen die Religion endgültig auszuräumen und ein "letztes Wort" zu sprechen. Er verwendet das Siegel des letzten Propheten, der endgültige Weisheit und moralische Perfektion erlangte (Möge Allah ihn segnen und Frieden auf ihm sein lassen) als Ausdruck seiner Absicht, ein abschließendes Wort zu sprechen. Das gemeinsame Ziel aller Werke des Autors ist es, die Verkündigungen des Quran in der Welt zu verbreiten und auf diese Weise die Menschen dazu anzuleiten, über grundlegende Glaubensthemen wie die Existenz Allahs, Seine Einheit und das Jenseits nachzudenken und das verrottete Fundament der ungläubigen Systeme und deren heid-


nische Praktiken vor aller Augen darzulegen. So werden denn auch die Werke Harun Yahyas in vielen Ländern der Welt, von Indien bis Amerika, von England bis Indonesien, von Polen bis Bosnien, von Spanien bis Brasilien, von Malaysia bis Italien, von Frankreich bis Bulgarien und Russland gerne gelesen. Die Bücher, die u.a. in englisch, französisch, deutsch, italienisch, spanisch, portugiesisch, urdu, arabisch, albanisch, chinesisch, suaheli, haussa, divehi (gesprochen in Mauritius), russisch, bosnisch, serbisch, polnisch, malaisch, uigurisch, indonesisch, bengalisch, dänisch und schwedisch übersetzt wurden, finden im Ausland eine große Leserschaft. Die Werke werden auf der ganzen Welt begeistert aufgenommen, und mit ihrer Hilfe haben viele Menschen den Glauben an Allah zurückgewonnen und tiefere Einsichten in ihren Glauben bekommen. Jeder, der diese Bücher liest, erfreut sich an deren weisen, auf den Punkt gebrachten, leicht verständlichen und aufrichtigen Stil sowie an der intelligenten, wissenschaftlichen Annäherung an das Thema. Eindringlichkeit, absolute Konsequenz, einwandfreie Darlegung und Unwiderlegbarkeit kennzeichnen die Werke. Für ernsthafte, nachdenkliche Leser besteht keine Möglichkeit mehr, materialistische Philosophien, Atheismus und andere abwegige Ansichten zu verteidigen. Werden diese dennoch verteidigt, dann lediglich aufgrund einer Trotzreaktion, da die Argumente widerlegt wurden. Alle leugnerischen Strömungen unseres Zeitalters mussten sich dem Gesamtwerk von Harun Yahya ideologisch geschlagen geben. Ohne Zweifel resultieren diese Eigenschaften aus der beeindruckenden Weisheit und Erzählweise des Quran. Der Autor hat nicht die Absicht, sich mit seinen Werken zu rühmen, sondern beabsichtigt lediglich, andere zu veranlassen, den richtigen Weg zu finden. Er strebt mit der Veröffentlichung seiner Werke keinerlei finanziellen Gewinn an. Wer die Menschen ermutigt, diese Werke zu lesen, ihren Geist und ihre Herzen zu öffnen und sie anleitet, noch ergebenere Diener Allahs zu sein, leistet der Gemeinschaft einen unschätzbaren Dienst. Gegenüber der Bekanntmachung dieser wertvollen Werke käme die Veröffentlichung von bestimmten Büchern allgemeiner Erfahrung, die den Verstand der Menschen trüben, die gedankliche Verwirrung hervorrufen und die bei der Auflösung von Zweifeln und bei der Rettung des Glaubens ohne starke Wirkung sind, einer Verschwendung von Mühe und Zeit gleich. Doch mehr noch als das Ziel der Rettung des Glaubens ist deutlich, dass bei Werken, die die literarische Kraft des Verfassers zu betonen versuchen, diese Wirkung nicht erreicht wird. Falls diesbezüglich Zweifel aufkommen, so möge es aus der allgemeinen Überzeugung des Autors verständlich sein, dass es das einzige Ziel der Werke Harun Yahyas ist, den Atheismus zu beseitigen und die Moral des Quran zu verbreiten und dass Wirkung, Erfolg und Aufrichtigkeit dieses Anliegens deutlich zu erkennen sind. Man muss wissen, dass der Grund für die Unterdrückung und die Qualen, die Muslime erlitten haben, in der Vorherrschaft des Unglaubens liegt. Der Ausweg besteht in einem ideologischen Sieg der Religion über den Unglauben, in der Darlegung der Glaubenswahrheiten und darin, die Quranische Moral so zu erklären, dass sie von den Menschen begriffen und gelebt werden kann. Es ist klar, dass dieser Dienst in einer Welt, die tagtäglich immer mehr in Unterdrückung, Verderbtheit und Chaos versinkt, schnell und wirkungsvoll durchgeführt werden muss, bevor es zu spät sein wird. Das Gesamtwerk von Harun Yahya, das die Führungsrolle bei diesem wichtigen Dienst übernommen hat, wird mit dem Willen Allahs die Menschen im 21. Jahrhundert zu der im Quran beschriebe-


www.harunyahya.de information@harunyahya.com


INHALT Einführung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8 Gott befiehlt Gerechtigkeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13 Gerechtigkeit muss ungeachtet der Sprache, Rasse oder Ethnie auf alle Menschen gleich angewendet werden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15 Gott hat für die Waisenkinder eine eindeutige Gerechtigkeit angeordnet . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19 Auch wenn ein Urteil über eine nahe stehende Person gefällt wird, muss der Gläubige der Gerechtigkeit verpflichtet sein . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 21 Der Hass gegen eine Gesellschaft kann einen Gläubigen nicht von der Gerechtigkeit abhalten . . . . . . . . . . . . . . . . . . 24 Die Gesandten Gottes brachten Gerechtigkeit. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 28 Das für die gesamte Menschheit beispielhafte Leben des Propheten Muhammad (s.a.w.s) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 32 Prophet Muhammad (s.a.w.s) hat sich gegen jede Art von Rassismus gestellt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 35 Das Abkommen, welches zu Zeiten unseres Propheten (s.a.w.s) mit den Anhängern der Schriftreligionen und Heiden unterzeichnet wurde, befriedete die Gesellschaft . . . . . . . 37 Die Schriftreligionen in der Zeit unseres Propheten (s.a.w.s). . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 43 Auch zur Zeit der Kalifen wurde die Gerechtigkeit entsprechend des Quran umgesetzt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 45 Die Schriftreligionen im Quran . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 49 Die Schriftreligionen im Quran . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 50 Wie sollten Muslime zu den Juden stehen? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 51 Respekt vor den Andachtsorten der Schriftreligionen . . . . . . . . . . . . . 56 Der gesellschaftliche Frieden unter wahrer Gerechtigkeit. . . . . . . . . . . . . 59 Die Minister, die im großen Seldschukischen Reich mit der Gerechtigkeit betraut waren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 60 In die Länder, die vom Osmanischen Reich erobert wurden, zog die Gerechtigkeit ein . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 63 Die gerechte Führung in der ersten Zeit des Osmanischen Reiches. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 66 Zu Zeiten Sultan Mehmets dem Eroberer bestand wahre Gerechtigkeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 71 Zusammenfassung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 75 Der Evolutionsschwindel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 78


EINFÜHRUNG

ährend Sie diese Zeilen lesen, wird in der ganzen Welt weiter Krieg geführt, sterben Menschen oder werden verletzt, sind Menschen gezwungen, ihre Häuser oder ihre Heimat zu verlassen. Hunderte Kilometer legen die Flüchtlinge im Regen und Schnee zurück, dabei kämpfen sie gegen den Hunger, den Durst und Seuchen. Doch die Personen, welche diese Tyrannei verursachen, führen mit gutem Gewissen ihr Leben weiter, essen und können friedlich in ihren warmen Betten schlafen. Wenn wir einige Länder auf der Welt betrachten, so können wir feststellen, dass die Gerechtigkeit zu einer Prozedur geworden ist, die von einigen wenigen, wenn sie dies gerade wünschen, angewendet wird. Wenn die Bedürftigen “Mitleid erregen", so reicht man ihnen die Hand und man verhält sich ihnen gegenüber gerecht. Überall auf der Welt machen Menschen ungerechtfertigte Gewinne, beugen die Rechte der Armen und leben in Wohlstand. Während unschuldige Menschen bestraft werden, genießen die wahren Schuldigen einen guten Ruf und Ansehen. Kurz gesagt, in vielen Ländern der Welt regiert die Ungerechtigkeit. Aber warum? Verstehen die Menschen nicht die Notwendigkeit von Gerechtigkeit?

W

Adnan Oktar


EINFÜHRUNG

Eigentlich verstehen alle Menschen unter dem Begriff Gerechtigkeit dasselbe und er wird von den meisten Menschen weltweit akzeptiert. Dabei handelt es sich um eine Gerechtigkeit, die ohne Unterschied alle Menschen einschließt, trotz der Unterschiede in Sprache, Religion oder Abstammung und die darauf abzielt, eine Welt zu errichten, in der nicht der Stärkste regiert und alle Menschen am Recht teilhaben können. Der Einfluss, unter dem sich die Menschen von dieser Gerechtigkeit, die sie alle akzeptieren, entfernen, liegt im Konflikt mir ihren eigenen Interessen. So weiß beispielsweise jeder, dass Bestechungsgelder kein guter Weg sind und dass es eine Ungerechtigkeit darstellt und unmoralisch ist, diese anzunehmen. Doch einige Menschen legen sich eine Vielzahl von “Begründungen“ zurecht, wenn ihnen ein attraktives Bestechungsangebot gemacht wird und denken nicht einmal mehr über die genannten Maßstäbe mehr nach. Genauso weiß und akzeptiert jeder, dass man vor Gericht als Zeuge unbedingt die Wahrheit sprechen muss und die Wirklichkeit wiedergeben. Dennoch verändern einige Menschen ihre Meinung, wenn sie vor Gericht als Zeugen aussagen sollen und es um einen Vorteil für sich selber oder ihre Nächsten geht und erzählen ohne weiteres Lügen. Diese Menschen akzeptieren prinzipiell die Gerechtigkeit, doch wenn sie im Konflikt mit ihrem eigenen Vorteil stehen, dann beugen sie das Recht ohne zu zögern. Auch würde jeder im Prinzip zustimmen, dass die Güter der öffentlichen Hand gerecht verteilt werden sollten. Doch wenn eine “Hilfskampagne“ durchgeführt wird, dann unterdrückt ein Mensch den anderen, um mehr zu bekommen als ein anderer, ja sogar mehr als ihm selber zustehen würde. Und wieder steht der eigene Vorteil über der Gerechtigkeit. Harun Yahya

11


12

GERECHTIGKEIT UND TOLERANZ IM QURAN

Wir könnten viele solcher Beispiele anführen. Doch letztendlich würden wir nur wieder auf dieselbe Tatsache stoßen: Wenn es um den eigenen Vorteil geht, sind einige Menschen bereit die Gerechtigkeit zu beugen, auch wenn sie an die Notwendigkeit der Gerechtigkeit eigentlich glauben. Weil in manchen Gesellschaften Menschen, die so denken, die Mehrheit bilden, bleibt der Begriff Gerechtigkeit illusionär. Damit die Gerechtigkeit auf Erden Verbreitung finden kann, braucht die Menschheit ein Moralsystem, das sie davon abbringt, nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht zu sein. Diese Moral hat uns Gott beigebracht und aufgetragen, es ist die Moral des Quran. Denn die Moral des Quran sieht keinerlei Unterschied zwischen den Menschen vor und befiehlt eine reine, direkt von Gott gegebene Wahrheit. Gott befiehlt in der Sure anNisa, dass jemand auch dann gerecht handeln soll, wenn sich das zu seinen Ungunsten auswirkt: O ihr, die ihr glaubt! Tretet für die Gerechtigkeit ein, wenn ihr vor Gott Zeugnis ablegt, und sei es gegen euch selber oder euere Eltern und Verwandten. Handele es sich um arm oder reich, Gott steht euch näher als beide. Und überlasst euch nicht der Leidenschaft, damit ihr nicht vom Recht abweicht. Wenn ihr (das Recht) verdreht oder euch (von ihm) abkehrt, siehe, Gott weiß, was ihr tut. (Sure an-Nisa, 135)

Wie der Vers mitteilt, ist die wahre Gerechtigkeit die Gerechtigkeit, die aus der Ehrfurcht vor Gott entsteht, die durch die Beobachtung von Gottes Barmherzigkeit entsteht und keinerlei Unterschied trifft. Wenn eine solche Gerechtigkeit angestrebt wird, so wird einzig und allein nach dem Gesetz entschieden, ohne auf den persönlichen Gewinn, Freundschaft, Feindschaft oder auf die Weltsicht der Person, ihre Sprache, Adnan Oktar


EINFÜHRUNG

Rasse oder Hautfarbe zu achten. Eine Gesellschaft, die nach den moralischen Werten des Quran lebt, lebt mit wahrer Gerechtigkeit, wahrem Frieden und in Sicherheit. Denn lediglich jemand, der Ehrfurcht vor Gott empfindet und in seine Berechnung einbezieht, dass am Tag der Abrechnung alle seine Taten in die Waagschale gelegt werden, kann für wahre Gerechtigkeit sorgen. Das hat uns die Geschichte bewiesen. Denn es gibt, wie Gott uns wissen lässt, zu allen Zeiten der Geschichte Zeiten “... unter denen, die wir erschufen eine Gemeinschaft, welche zur Wahrheit leitet und ihr gemäß gerecht handelt“ (Sure al-A'raf, 181), also Zeiten, in denen Gerechtigkeit herrschte. Insbesondere zur Zeit der Propheten und auch später, während deren Wegen gefolgt wurde, wurde sehr gerecht regiert und die Gesellschaft lebte in Frieden und Sicherheit. So wurde beispielsweise das Muslimisch-türkische Volk in den vergangenen Jahrhunderten für die ganze Zeit ein Beispiel für wahre Gerechtigkeit. Sowohl in Seldschukischer als auch in Osmanischer Zeit haben die Angehörigen sehr unterschiedlicher Religionen, mit unterschiedliche Sprachen und verschiedenen Gesellschaften unter einer Flagge friedlich zusammengelebt und für Gerechtigkeit in der Gesellschaft gesorgt. Die Muslimischen Türken waren dafür bekannt, dass sie überall dorthin, wo sie auftauchten, Gerechtigkeit brachten und wegen ihres toleranten, friedlichen und barmherzigen Verhaltens wurden sie von den Völkern, die sie eroberten, freundlich empfangen. Das Ziel dieses Buches besteht darin, die im Quran beschriebene Gerechtigkeit dem Menschen näher zu bringen. Doch vergessen Sie dabei nicht, dass auch Sie etwas dafür tun müssen, um so in Frieden und Sicherheit leben zu können. Falls Harun Yahya

13


14

GERECHTIGKEIT UND TOLERANZ IM QURAN

auch Sie so ein friedvolles Leben führen möchten und den kommenden Generationen Gerechtigkeit und ein sicheres Umfeld bieten möchten, sollten zuforderst Sie die Gerechtigkeit erkennen und den Menschen ein Vorbild sein. Auch Sie haben die Möglichkeit einer von denjenigen zu sein, die in dem Vers als “Gemeinschaft, welche zur Wahrheit leitet“ beschrieben wird, zu sein. Vergessen Sie nicht: “… Gott liebt die Gerechtigkeit Übenden.” (Sure al-Ma’ida, 42)

Adnan Oktar


GOTT BEFIELT GERECHTIGKEIT

D

ie wahre Gerechtigkeit, wie Gott sie im Quran befielt, ist eine Herrschaft der Gerechtigkeit, in der niemals ein Unterschied zwischen den Menschen gemacht wird, die Rechte des einzelnen geschützt werden, Tyrannei niemals vergeben wird, Stellung für diejenigen Bezogen wird, die Grausamkeit erleiden und jedem die Hand gereicht wird, der bedürftig ist. Diese Gerechtigkeit schützt, wenn ein Urteil gefällt werden muss, die Rechte beider Parteien und bewertet das entsprechende Ereignis aus verschiedenen Blickwinkeln. Es beinhaltet vorurteilsfreies Denken, Unparteilichkeit, Gerechtigkeit, Ehrlichkeit, Toleranz, Barmherzigkeit und Sanftmut. Wenn eines davon fehlt oder einem davon das Hauptgewicht eingeräumt wird, ist es schwer, wahre Gerechtigkeit walten zu lassen. Wenn ein Ereignis nicht nüchtern bewertet wird, sondern Emotionen und Gefühle dabei im Spiel sind, kann der Mensch kein gesundes Urteil fällen und diese Gefühle werden in das Urteil einfließen. Dennoch muss jemand, der Rechtsprechen soll, seine eigenen persönlichen Gefühle hintanstellen und sich den Hilfesuchenden gegenüber Harun Yahya


16

GERECHTIGKEIT UND TOLERANZ IM QURAN

gerecht verhalten, unter allen Bedingungen und Umständen auf Seiten der Wahrheit stehen, niemals ein Zugeständnis in Bezug auf Ehrlichkeit und Wahrheit machen und die Moral des Quran für sich als Wegweisend annehmen. Die Person muss über eine solche Moral verfügen, dass sie die Gegenseite über den persönlichen Gewinn stellt und selbst wenn sie selber einen Schaden erleiden sollte gerecht sein, sollte die Gegenpartei das Recht auf ihrer Seite haben. “O ihr, die ihr glaubt! Steht in Gerechtigkeit fest, wenn ihr vor Gott bezeugt. Der Hass gegen (bestimmte) Leute verführe euch nicht zu Ungerechtigkeit. Seid gerecht, das entspricht mehr der Gottesfurcht. Und fürchtet Gott. Siehe, Gott kennt euer Tun”. (Sure al-Ma’ida, 8)

Wie im dem Vers beschrieben, weiß Gott alles, was wir tun. Eine Person, die Gott fürchtet und weiß, dass ihr am Tag des Jüngsten Gerichts Rechenschaft abverlangt werden wird, lässt Gerechtigkeit walten, um das Wohlwollen Gottes zu erlangen. Sie weiß, dass Gott alle ihre Taten, Worte und Gedanken am Tag des Letzten Gerichts hinterfragen wird und dafür ohne Ausnahme was sie verdient erhalten wird. Daher muss der Mensch vollständig nach der Moral des Quran leben, um die Barmherzigkeit Gottes zu erlangen, den Qualen der Hölle zu entkommen und die Wohltaten Gottes zu erfahren. Jeder einzelne Mensch muss sich persönlich dafür einsetzen, diese Moral zu erreichen, alle egoistischen Wünsche und persönlichen Gewinn hinter sich lassen und seinen Weg gerecht, barmherzig, tolerant, gütig und friedlich fortsetzen. Gott hat die wahre Gerechtigkeit im Quran erklärt und offengelegt, dass jede Art von Konflikten dadurch gelöst werden kann, dass die Gerechtigkeit siegt. Eine Gesellschaft, die sich aus Adnan Oktar


GOTT BEFIELT GERECHTIGKEIT

gerechten Führern und gerechten Menschen zusammensetzt, kann jede Art von Auseinandersetzung leicht lösen. Im Quran ist die Gerechtigkeit vollständig erklärt und bekannt gegeben, wie Gläubige mit den Ereignissen, mit denen sie konfrontiert werden, umgehen sollen und wie sie die Gerechtigkeit anzuwenden haben. Das ist eine große Erleichterung für die Gläubigen und eine große Gnade, die Gott ihnen gewährt. Deswegen müssen die Gläubigen sowohl danach streben Gott zufrieden zu stellen, als auch die Verantwortung tragen, dass sie ein Leben in Frieden, Sicherheit und Wohlbehagen führen können, indem für alle Menschen gleichermaßen Gerechtigkeit herrscht.

Gerechtigkeit muss ungeachtet der Sprache, Rasse oder Ethnie auf alle Menschen gleich angewendet werden Wenn wir die Entwicklungen auf der Welt betrachten, so können wir bezeugen, dass Gerechtigkeit abhängig von Ort, Zeit und Person unterschiedlich angewendet wird. In einigen Gesellschaften beispielsweise beeinflusst die Hautfarbe eines Menschen diejenigen, die für Gerechtigkeit sorgen sollten. Für dieselbe Tat erhalten ein Weißer und ein Schwarzer unterschiedliche Urteile. In einigen Gesellschaften spielt die Rasse eine große Rolle. Ein Beispiel dafür findet sich im vergangenen Jahrhundert. Hitler sah die arische Rasse als den anderen Rassen überlegen an und wollte Millionen von Menschen nur aufgrund ihrer Rasse ermorden. Auch heute werden Menschen aufgrund ihrer Rasse oder Hautfarbe benachteiligt oder ungerecht behandelt. In den USA und Südafrika wurden Schwarze jahrelang als Rasse zweiter Klasse Harun Yahya

17


18

GERECHTIGKEIT UND TOLERANZ IM QURAN

behandelt. In vielen asiatischen und afrikanischen Ländern kam es zu heftigen Auseinandersetzungen, ausschließlich wegen ihrer unterschiedlichen Rassen. Dabei steht im Quran, dass einer der Gründe, warum unterschiedliche Völker und Stämme erschaffen wurden, darin liegt, dass die Menschen sich “gegenseitig kennen lernen“ sollen. Sie alle sind die Sklaven Gottes und die verschiedenen Völker oder Stämme sollen sich gegenseitig kennen lernen, also ihre unterschiedlichen Kulturen, Sprachen, Bräuche und Fähigkeiten. Das Ziel, wenn unterschiedliche Rassen und Völker aufeinander treffen besteht nicht im Krieg und Kampf, sondern im kulturellen Reichtum. Diese Vielfalt stellt eine der Schönheiten in Gottes Schöpfung dar. Dass einige Menschen größer sind, einige weiß und manche gelb, ist nicht Zeichen von Überlegenheit über den Anderen und das Andere darf nicht als Mängel bewertet werden. Jeder einzelne ist nach Gottes Ebenbild und mit großer Weisheit erschaffen. Doch diese Unterschiede haben vor Gott keinerlei Bedeutung. Jeder Gläubige weiß sehr wohl, dass die einzige Erhabenheit des Menschen in der Frömmigkeit liegt, also in der Ehrfurcht vor Gott und in der Erhabenheit im Glauben. Gott lässt uns diese Tatsache in der Sure al-Hudschurat, auf diese Weise erfahren: O ihr Menschen! Wir erschufen euch aus einem Mann und einer Frau und machten euch zu Völkern und Stämmen, damit ihr einander kennenlernt. Doch der vor Gott am meisten Geehrte von euch ist der Gottesfürchtigste unter euch. Gott ist fürwahr wissend, kundig. (Sure al-Hudschurat, 13)

Wie der Vers uns wissen lässt, kennt das Gerechtigkeitsverständnis, welches Gott befielt, keinerlei Diskriminierung und Adnan Oktar


GOTT BEFIELT GERECHTIGKEIT

jeder Mensch muss in den Genuss von Gleichheit, Toleranz und Friede kommen. Auch unser Prophet Muhammad (s.a.w.s) hat sich in seiner Zeit immer sehr gerecht den Völkern anderer Rassen gegenüber verhalten. Er hat es zu jeder Gelegenheit auf das schärfste kritisiert, wenn Menschen aufgrund ihrer Rasse eine unterschiedliche Behandlung erfahren haben und hat diese Moralauffassung als “ungebildete Moral“ bezeichnet. Unser Prophet hat daran erinnert, dass ungebildete Gesellschaften Feindschaft gegen Menschen hegen, die sich lediglich in der Hautfarbe oder der Rasse unterscheiden und die Muslime im Quran dazu aufgerufen, von diesem hässlichen Verhalten Abstand zu nehmen. Der Quran wurde dem Menschen vor 1400 Jahren mit Hilfe unseres Propheten Muhammad (s.a.w.s) als Segen geschickt. Die primitive Logik wurde durch den Quran aufgehoben und bekannt gegeben, dass alle Menschen ungeachtet der Farbe, Rasse oder Sprache, gleich sind. Unser Prophet (s.a.w.s) hat denjenigen, die der Einfachheit halber weiterhin die Menschen nach ihrer Rasse und Farbe bewerteten und im ungebildeten Glauben verfangen waren, in seiner Abschiedshutba an das arabische Volk folgendermaßen gewendet: “Man sollte nicht mit seiner Abstammung prahlen. Die Araber stehen nicht über den Persern, weil sie Araber sind, genauso wenig wie die Perser über den Arabern stehen, weil sie Perser sind. Denn vor Gott ist der am höchsten, der Ihm gegenüber am frömmsten ist.“

Unser Prophet (s.a.w.s) hat mit diesen Worten ein weiteres Mal die Menschen daran erinnert, was auch in dem 13. Vers der Sure al-Hudschurat steht, nämlich dass ein Mensch über einen anderen Menschen höchstens im Glauben erhaben sein kann. Harun Yahya

19


20

GERECHTIGKEIT UND TOLERANZ IM QURAN

Der Islam hebt diese altmodische Sichtweise, wie es uns unser Prophet (s.a.w.s) hat wissen lassen, vollständig auf. In einer Umgebung, in welcher nach der Islamischen Moral gelebt wird, wird kein Mensch weil er Jude, Schwarzer oder amerikanische Ureinwohner ist beschuldigt, anders behandelt oder zum Opfer. Das liegt im Ermessen Gottes und Gott hat jeden Menschen auf die schönste Art und Weise geschaffen und ihm das schönste Antlitz verliehen. Man sollte über jeden Menschen jederzeit gerecht, respektvoll, tolerant, barmherzig, friedliebend und liebend denken. Außerdem kann es eine aus dem Glauben regierte Gerechtigkeit nicht beeinflussen oder verhindern, ob ein Mensch reich ist oder arm. Es stellt eine sehr große Ungerechtigkeit dar, wenn ein Mensch ausschließlich, weil er über die finanziellen Möglichkeiten verfügt, anderen Menschen Unrecht zufügen kann oder diese tyrannisieren und dafür nicht bekommt, was er verdient. Doch wenn wir heutzutage einige Staaten betrachten, dann bemerken wir die Haltung, dass die Reichen geschützt werden und die Armen eine Behandlung zweiter Klasse erfahren. Dementsprechend profitieren einige Reiche eher von der Gerechtigkeit und betrachten es auch als ihr Recht, sich über den Armen zu sehen. Darüber hinaus arbeitet der Justizmechanismus zu seinem eigenen Vorteil. Diese Haltung ist der Grund für große Ungerechtigkeiten innerhalb von Gesellschaften, die nicht auf Grundlage der Religion leben. Während ein Teil der Menschheit gegen das große Elend kämpft, verwenden die anderen ihre Vorteile, die sie durch Reichtum erhalten haben. Doch trotz all dieser widrigen Umstände ist es möglich Gerechtigkeit zu erhalten und ein Leben einzurichten, in dem Adnan Oktar


GOTT BEFIELT GERECHTIGKEIT

die Menschen in gesellschaftlichem Frieden zusammenleben. Das ist möglich, wenn man die Moral des Quran für gültig erklärt und die Menschen keine Zugeständnisse an diese Wertvorstellungen machen. Denn Gott befiehlt in einem Vers folgendes: … Tretet für die Gerechtigkeit ein, wenn ihr vor Gott Zeugnis ablegt, und sei es gegen euch selber oder euere Eltern und Verwandten. Handele es sich um arm oder reich, Gott steht euch näher als beide. Und überlasst euch nicht der Leidenschaft, damit ihr nicht vom Recht abweicht ... (Sure anNisa, 135)

Wenn man diesem Befehl Gottes gehorcht, dann wird ein Gläubiger, der vor Gott Ehrfurcht empfindet, in jedem Fall Gerechtigkeit walten lassen, egal ob die Person ihm gegenüber reich ist oder arm und egal was die Bedingungen sind. Wegen der wirtschaftlichen Lage einer Person wird er sich nicht anders verhalten. Denn er weiß, dass Reichtum oder Armut vorübergehende Zustände in dieser Welt sind, die Gott geschaffen hat, um den Menschen zu prüfen. Nach dem Tod verlieren Geld und Güter eines Menschen jeden Wert, er wird nur nach seinem Glauben bewertet. Das Verhalten, welches Gott zufrieden stimmt, ist Gerechtigkeit, Rechtschaffenheit, Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit. Für diese schönen Tugenden erhält man das ewige Leben im Jenseits.

Gott hat für die Waisenkinder eine eindeutige Gerechtigkeit angeordnet Eines der Beispiele des Quran über Gerechtigkeit, bietet das Eigentum von Waisenkindern. In den Versen wird angeordnet, dass die Güter von Weisenkindern, bis diese selber das Alter Harun Yahya

21


22

GERECHTIGKEIT UND TOLERANZ IM QURAN

erreichen, indem sie diese verwalten können, auf die gerechteste Art und Weise verwendet werden. Die Sure al-An'am drückt es folgendermaßen aus: Und kommt dem Vermögen der Waise nicht zu Nahe, außer um es zu mehren, bis sie herangewachsen ist. Und gebt Maß und Gewicht nach Gerechtigkeit... (Sure al-An'am, 152)

Auch in anderen Versen ruft Gott dazu auf, dass die Menschen sich absolut fair verhalten sollten und die Waisen daran erinnern sollten, dass sie den Besitz nicht zu schnell ausgeben, wenn sie noch nicht volljährig sind. Einige Verse zu diesem Thema sind die folgenden: Und gebt den Waisen ihr Vermögen und tauscht nicht (euer) Schlechtes gegen (ihr) Gutes ein und schlagt nicht ihren Besitz dem eurigen hinzu; siehe, das ist ein großes Verbrechen. (Sure an-Nisa, 2) Und prüft die Waisen, bis sie ehefähig geworden sind. Und wenn ihr bei ihnen Vernunft feststellt, dann händigt ihnen ihr Vermögen aus. Und zehrt es nicht verschwenderisch und in Eile auf, bevor sie großjährig werden. Der reiche (Vormund) enthalte sich (des Waisenguts) und der arme nutze es nach Billigkeit. Und wenn ihr ihnen ihr Vermögen aushändigt, dann lasst es vor ihnen bezeugen, obwohl Gott als Rechenschaftsleger genügt. (Sure an-Nisa, 6) Und bleibt dem Vermögen der Waise fern, außer zu ihrem Besten, bis sie das Alter der Reife erlangt hat. Und haltet die Verträge. Siehe, für Verträge werdet ihr zur Rechenschaft gezogen. (Sure al-Isra, 34)

Wer gegen die in den Versen genannte Moral verstößt und die Güter der Waisen verschwendet und ungerecht ausgibt, wird mit Qualen bestraft. Gott sagt “Siehe, wer der Waisen Adnan Oktar


GOTT BEFIELT GERECHTIGKEIT

Vermögen zu Unrecht aufbraucht, der füllt seinen Bauch mit Feuer und wird in der Flamme brennen.“ (Sure an-Nisa, 10) Und untersagt es mit diesem Vers dem Menschen, sich ungerecht zu verhalten. Wie das Beispiel zeigt, handelt es sich bei der im Quran vorgeschriebenen Gerechtigkeit um eine Gerechtigkeit, die das gesamte Leben eines Menschen umfasst. Die Sorgfalt, die ein Mensch bei der Anwendung von Gerechtigkeit obwalten lässt, ist im Leben nach dem Tod dieses Menschen dafür ausschlaggebend, ob er ins Paradies oder in die Hölle kommt.

Auch wenn ein Urteil über eine nahe stehende Person gefällt wird, muss der Gläubige der Gerechtigkeit verpflichtet sein Vielleicht fällt es Ihnen leicht, sich jederzeit gerecht und anhand der Richtlinien zu verhalten und vielleicht sind Sie auch in allen Ihren Urteilen gerecht. Doch wenn aufgrund Ihres gerechten Urteils eine nahe stehende Person, Ihre Mutter, Ihr Vater oder ein Verwandter körperlichen oder seelischen Nachteil erleidet, könnten Sie dieses Urteil dann ebenso leicht fällen? Können Sie gerecht, unparteiisch und offen urteilen, wenn es um eine geliebte, aber vom rechten Weg abgekommene Person geht? Vor dieser Frage zögern viele Menschen. Und wirklich ist es für viele Menschen schwer, in so einer Situation gerecht zu bleiben. Gegenüber einer geliebten Person kann man sich toleranter verhalten als gegenüber jemand anderem und auch wenn es nur für einen Moment ist, vielleicht den Tatsachen nicht ins Auge blicken. Doch das eigentlich wichtige besteht darin, dass man die Gerechtigkeit unter keiner Bedingung und unter keinen Umständen beugt und den Vers “O ihr, die ihr glaubt! Harun Yahya

23


24

GERECHTIGKEIT UND TOLERANZ IM QURAN

Tretet für die Gerechtigkeit ein, wenn ihr vor Gott Zeugnis ablegt, und sei es gegen euch selber oder euere Eltern und Verwandten...“ (Sure an-Nisa, 135) immer sorgsam befolgt. Wenn die Menschen Vertrauen schaffen, so wird auch das Gegenüber unter jeder Bedingung sich aufrecht verhalten. Es ist klar, dass es Unsicherheiten schafft und Menschen, die auf Gerechtigkeit hoffen verunsichert, wenn nur aufgrund von Blutsverwandtschaft oder Freundschaft die Nahestehenden geschützt und behütet werden. Insbesondere wenn Menschen, die in leitenden Positionen sind, ein solches Verhalten an den Tag legen, so hat dies verheerende Folgen für die Gesellschaft. Nur jemand, der entsprechend der Verordnungen des Quran handelt, entspricht den Richtlinien Gottes “... Und seid gerecht bei der Aussage (vor Gericht), wäre es auch gegen einen Verwandten. Und haltet euer Versprechen gegenüber Gott. All dies gebot Er euch, damit ihr es euch zu Herzen nähmt." (Sure al-An'am, 152) Diese Haltung zeugt von einem starken Glauben an Gott und von einer guten Moral. Der Quran teilt uns zu diesem Thema ein Beispiel aus dem Leben des Prophet Moses (a.s) mit. Es wird mit dem folgenden Vers in der Sure al-Qasas erzählt: Und er betrat die Stadt zu einer Zeit, da ihre Bewohner nicht darauf achteten. Und er fand dort zwei Männer, die miteinander kämpften, der eine von seinen Leuten und der andere von seinen Feinden. Da rief ihn der Mann von seinen Leuten zu Hilfe gegen den, der von seinen Feinden war. Moses versetzte ihm einen Faustschlag, der für ihn tödlich war. Da rief er: "Das ist ein Werk des Satans! Fürwahr, er ist ein offenkundiger Feind, der irreführt." (Sure al-Qasas, 15)

Adnan Oktar


GOTT BEFIELT GERECHTIGKEIT

Bei diesem Ereignis war Prophet Moses (a.s) Zeuge von einem Streit, an dem auch einer seiner Anhänger beteiligt war. Prophet Moses (a.s) gesellte sich neben die Person, die zu seinen Anhängern gehörte und stellte sich mit dieser gemeinsam dessen Gegner entgegen. Während des Kampfes verpasst er dem Gegner einen Schlag und ohne es beabsichtigt zu haben, tötet er ihn dadurch. Doch später erkannte er, dass er einen großen Fehler begangen hatte. Das ist für das Gerechtigkeitsverständnis eines Gläubigen ein sehr wichtiges Beispiel. Denn eine Person zu unterstützen, lediglich weil sie einem nahe steht, ein Verwandter oder ein Freund ist, ohne erforscht zu haben, wer schuldig ist und wer unschuldig, ist eine Moralauffassung, die Gott nicht gefällt. Daher hat auch Prophet Moses (a.s), der ein heiliger Prophet war, diese Tatsache sofort erkannt und sein Handeln als “Tat des Satans“ bewertet. Was Prophet Moses (a.s) als “Tat des Satans" bezeichnet hatte, die “Gruppendynamik“ ist hauptverantwortlich für das Blutvergießen in allen Zeiten. Die fixe Idee des Menschen, dass nicht entsprechend der Gerechtigkeit und des Gesetzes, sondern ungeachtet zugunsten des Vorteils der Familie, des Stammes, der Anhänger oder der Rasse Recht gesprochen wird, war Ausgangspunkt für unzählige Auseinandersetzungen und Kriege. Die Haltung, die ein gläubiger Muslim gegen solche Aufhetzerei einnehmen sollte, erläutert der Quran wieder am Beispiel des Propheten Moses (a.s). Prophet Moses (a.s) hat mit seinem Gewissen sofort verstanden, dass dieses schlechte Gefühl eine von Satan gesendete Geißel an den Menschen war und bereute seinen Fehler, zu dem Satan ihn provoziert hatte und stellte gläubig seine Sache Gott anheim. Die Fortsetzung des Harun Yahya

25


26

GERECHTIGKEIT UND TOLERANZ IM QURAN

Ereignisses über das Beispiel Moses (a.s) und sein gewissenhaftes Verhalten wird folgendermaßen geschildert: Er sprach: "Mein Herr, ich habe mich gegen mich versündigt! Verzeihe Mir denn!" Da verzieh Er ihm. Er ist fürwahr der Verzeihende, der Barmherzige. Er sprach: "O mein Herr! Wie Du mir gnädig warst, so will ich nie mehr ein Helfer von Missetätern sein." (Sure al-Qasas, 16-17)

Der Hass gegen eine Gesellschaft kann einen Gläubigen nicht von der Gerechtigkeit abhalten Ein Faktor, der einen Menschen daran hindern kann ein gerechtes Urteil zu fällen, rechtschaffen zu denken oder sich intelligent zu verhalten, besteht in Wut oder Hass auf die entsprechende Person oder die Gesellschaft. Das ist noch heute in ungebildeten Völkern eine weit verbreitete Herangehensweise. Einige Menschen können mit Leichtigkeit ungerecht und unmoralisch handeln, wenn es sich gegen eine Person richtet, gegen die sie feindselige Gefühle hegen. Und auch wenn sich diese Personen bewusst sind, dass es sich um grundlose Anschuldigungen handelt, dass das Gegenüber unschuldig ist, sagen sie zu dessen Ungunsten aus. Einzig und allein aufgrund dieser feindseligen Haltung sind viele Menschen unschuldig großen Benachteiligungen ausgesetzt. Einige Menschen würden, selbst wenn sie die Wahrheit kennen, gegen einen Feind nicht zu dessen Gunsten aussagen und wenn sie einen Unschuldsbeweis für diese Person in Händen haben, diesen zurückhalten. Diese Personen würden sich sogar freuen, wenn der anderen Person ein großes Leid zustößt, sie Ungerechtigkeit erfahren muss oder Qualen erleidet. Ihre größte Angst besteht darin, dass die Adnan Oktar


GOTT BEFIELT GERECHTIGKEIT

Gerechtigkeit siegen könnte und die Unschuld der betroffenen Person bewiesen wird. Daher ist es innerhalb einer ungebildeten Gesellschaft auch sehr schwer, dass die Menschen einander vertrauen können. Jeder muss fürchten, dass die Person, die ihm gerade gegenübersteht, ihm jeden Moment etwas Schlechtes antun könnte. Wenn das gegenseitige Vertrauen verloren gegangen ist, so gehen menschliche Eigenschaften wie Hilfsbereitschaft, Toleranz, Barmherzigkeit, Erbarmen und Brüderlichkeit mit der Zeit verloren und der Hass zieht ein. Doch das Urteil, das ein Gläubiger fällt, wird niemals durch die Gefühle, die er der Person oder der Gesellschaft gegenüber hegt, beeinflusst werden. Egel wie schlecht die Person ist, wie feindlich sie sich auch verhält, ein gläubiger Mensch wird immer seine eigenen Gefühle hinten an stellen, wenn er ein Urteil zu fällen hat und sich immer gerecht verhalten, ein gerechtes Urteil fällen und gerechte Ratschläge erteilen. Die Gefühle der Person gegenüber sind nicht stärker als sein Verstand oder sein Gewissen. Sein Gewissen wird ihm jederzeit sagen, dass er den Geboten und Ratschlägen Gottes folgen muss und von der guten Gerechtigkeit niemals abweichen. Denn das ist ein Gebot, das Gott den Gläubigen im Quran übermittelt hat. Die Sure al-Ma’ida erläutert das mit dem folgenden Vers: “O ihr, die ihr glaubt! Steht in Gerechtigkeit fest, wenn ihr vor Gott bezeugt. Der Hass gegen (bestimmte) Leute verführe euch nicht zu Ungerechtigkeit. Seid gerecht, das entspricht mehr der Gottesfurcht. Und fürchtet Gott. Siehe, Gott kennt euer Tun”. (Sure al-Ma’ida, 8)

Laut diesem Vers ist eine gerechte Haltung der Frömmigkeit am nächsten. Ein gläubiger Mensch weiß, dass er die Harun Yahya

27


28

GERECHTIGKEIT UND TOLERANZ IM QURAN

Anerkennung im Angesicht Gottes nur dann erlangen kann, wenn er sich gerecht verhält. Jeder, der Zeuge dieser schönen Moral wird, wird sich neben dieser Person wohl fühlen, ihr jede Art von Verantwortung und Aufgabe leichten Herzens anvertrauen. Solche Menschen genießen Respekt, sogar von ihren Feinden. Ihre Haltung kann sogar Ungläubige zur Umkehr bewegen, wenn diese sich daran ein Beispiel nehmen. Eines der schönsten Beispiele ist Prophet Muhammad (s.a.w.s.). Unser Prophet (s.a.w.s) hat die Herzen vieler seiner Zeitgenossen, die Christen, Juden, Ungläubige oder Polytheisten waren für den Islam gewonnen, indem er ohne Unterschied seine Toleranz und Barmherzigkeit jedem gezeigt hat. Und auch für die heutigen Gläubigen sind ohne Zweifel die Verhaltensweisen unseres Propheten, wie sie uns der Quran lehrt, das schönste Vorbild. So wie zu Zeiten des Asr-i Saadet leben auch heute Menschen mit sehr unterschiedlichem Glauben, wie Christen, Juden, Buddhisten, Hindus, Atheisten, Ungläubige, Polytheisten und Heiden zusammen in derselben Gesellschaft. Was immer ein Muslime für sein Gegenüber empfinden mag, er muss tolerant, verzeihend, gerecht und menschlich handeln. Denn für jeden Menschen besteht die Möglichkeit, dass er zu einem späteren Zeitpunkt zum Glauben findet, Muslim wird und sich Gott anvertraut. Ein Gläubiger darf diese Tatsache niemals aus den Augen verlieren. Die Gläubigen tragen die Verantwortung, zu Gottes Religion mitsamt ihrer Schönheit, Friedfertigkeit und Toleranz einzuladen. Die Entscheidung, diese Wahrheit zu leben und zu glauben oder nicht, obliegt dem Gegenüber. Einen Menschen zum Glauben zu zwingen oder unter Zwang jemanden dazu zu bewegen etwas zu akzeptieren, widerspricht der Moral des Adnan Oktar


GOTT BEFIELT GERECHTIGKEIT

Quran. Gott hat das über den Quran mit dem folgenden Vers mitgeteilt: “Kein Zwang im Glauben! Klar ist nunmehr das Rechte vom Irrtum unterschieden. Wer die falschen Götter verwirft und an Gott glaubt, der hat den festesten Halt erfasst, der nicht reißen wird. Und Gott ist hörend und wissend.” (Sure al-Baqara, 256)

Harun Yahya

29


DIE GESANDTEN GOTTES BRACHTEN GERECHTIGKEIT

E

ine Umgebung, in welcher die Art von Gerechtigkeit herrscht, welche wir im ersten Kapitel dieses Buches erläutert haben, ist für die meisten Menschen eine Utopie, welche nur in Büchern beschrieben wird und die Träume der Menschen ausschmückt. Dieser Ansicht nach ist es unmöglich, dass eine Gesellschaft existiert, in welcher die Gerechtigkeit regiert. Doch in der gesamten Geschichte der Menschheit gab es Zeiten, in welcher die Gerechtigkeit des Quran regierte und die Menschen miteinander in echtem Frieden, Toleranz und Sicherheit lebten. In den Gesellschaften, denen Gott seine Botschafter zu Warnung an den Menschen schickte, herrschte große Toleranz, Frieden und Gerechtigkeit. Und jedes Volk hat seinen Gesandten. Und erst nachdem ihr Gesandter kam, wird in Gerechtigkeit zwischen ihnen entschieden, und so erleiden sie kein Unrecht. (Sure Yunus, 47) So wie hier beschrieben, wurde in dieser Zeit niemand unterdrückt und es regierte zwischen den Menschen die Gerechtigkeit. Gott hat allen Seinen Botschaftern befohlen, dass zwischen Adnan Oktar


DIE GESANDTEN GOTTES BRACHTEN GERECHTIGKEIT

den Menschen die Gerechtigkeit regieren möge. So wie Prophet Muhammad (s.a.w.s) es im Quran getan hat, haben auch Jesus (a.s), Moses (a.s) und David (a.s) mit ihren offenbarten Büchern die Menschen zu guter Moral, Toleranz, Frieden und Sicherheit aufgerufen. In dem Vers “Wahrlich, Wir entsandten Unsere Gesandten mit klarer Botschaft, und schickten mit ihnen das Buch und die Waage herab, auf dass die Menschen Gerechtigkeit üben möchten...“ (Sure al-Hadid, 25) erklärt Gott, dass einer der Gründe, warum die Botschafter geschickt wurden, darin liegt, “die Gerechtigkeit aufrecht zu erhalten”. Prophet David (a.s) ist einer der Menschen, die im Quran als Beispiel der Propheten angeführt werden, die den Menschen Gerechtigkeit gebracht haben. Zwei Kläger wandten sich an David (a.s), damit er ihren Streit schlichten würde. Hast du von den Streitenden gehört, wie sie über die Mauer in sein Gemach einsteigen? Wie sie bei David eindrangen und er sich vor ihnen fürchtete? Sie sagten: "Fürchte dich nicht! Wir sind zwei Streitende, von denen der eine sich gegen den andern vergangen hat. Richte daher gerecht zwischen uns und sei nicht unbillig, sondern leite uns auf den richtigen Weg. Siehe, dies ist mein Bruder. Er hat neunundneunzig Mutterschafe, ich aber habe nur ein einziges. Dennoch sagte er: "Übergib es mir!" und setzte mich stark unter Druck. (Sure Sad, 21-23)

Der Vers teilt uns mit, dass die beiden Kläger von Gottes Botschafter wünschen, dass er ihnen den rechten Weg weisen möge und den Streit schlichten. Sie vertrauen, dass er ein gerechtes Urteil fällen wird und wollten sich danach richten. Die Antwort des Propheten David (a.s) ist folgende: (David) sprach: "Wahrlich, es war dir gegenüber Unrecht, dass Harun Yahya

31


32

GERECHTIGKEIT UND TOLERANZ IM QURAN

er dein Mutterschaf zu seinen Mutterschafen verlangte. Doch viele Geschäftspartner vergehen sich gegeneinander, außer denen, die glauben und das Rechte tun; das aber sind nur wenige..." (Sure Sad, 24)

Dieses Urteil des Propheten David (a.s) stellt für den Gläubigen ein sehr schönes Beispiel dar. Denn Prophet David (a.s) war nicht auf der Seite des Stärkeren, sondern auf der Seite dessen, der im Recht war und hat Gerechtigkeit walten lassen. Im 25. Vers derselben Sure belohnt Gott die vorbildliche Moral des Propheten David (a.s) mit den Worten “Er wird wahrlich nahen Zugang zu Uns und eine schöne Heimkehr haben” und verspricht ihm einen schönen Ort. In 26. Vers wird so erwähnt: “... Wir machten dich zu einem Stadthalter auf Erden. So richte zwischen den Menschen in Gerechtigkeit und folge nicht deinem Vorlieben; denn es führt dich abseits von Gottes Weg...“ Zweifelsfrei macht dieser Vers die Bedeutung der Gerechtigkeit deutlich, da auf diejenigen, die von Gottes Weg abkommen und die den Tag der Abrechnung vergessen, eine schlimme Qual wartet. Prophet Schuayb (a.s) wurde dem Volk der Madyan gesandt, sein Stamm war im Handelsleben sehr ungerecht. Das Maß und die Waage wurden nicht genau geeicht, der Wert der Waren falsch angeben und die Menschen wurden betrogen. Prophet Schuayb (a.s) warnte sein Volk wegen dieser ungerechten Haltung und forderte sie zur Gerechtigkeit auf. In den Versen wird dies folgendermaßen beschrieben: Und zu den Madyan (entsandten wir) ihren Bruder Schuayb. Er sprach: "O mein Volk! Dient Gott; ihr habt keinen Gott außer Ihm. Schon ist ein deutlicher Beweis von euerem Herrn zu euch gekommen. So gebt volles Maß und Gewicht und Adnan Oktar


DIE GESANDTEN GOTTES BRACHTEN GERECHTIGKEIT

haltet nicht zurück, was den Leuten zusteht, und stiftet auf der wohlgeordneten Erde kein Verderben. Das ist besser für euch, so ihr glaubt. (Sure al-A'raf, 85)

In einem weiteren Vers wird daran erinnert, dass es noch wertvoller war, als der Stamm des Propheten Schuayb (a.s) das Erbarmen Gottes erlangte, dass dort Gerechtigkeit stattfand. “O mein Volk! Gebt rechtes Maß und Gewicht und enthaltet den Leuten nichts vor und richtet auf Erden kein Unheil an. 86. Gottes Rest ist das Beste für euch, falls ihr gläubig seid. Doch ich bin nicht euer Hüter.” (Sure Hud, 85-86)

Der Quran liefert viele Beispiele für gerechte Haltung anhand von Prophet Moses (a.s), Prophet Jesus (a.s), Prophet Joseph (a.s) und den anderen Propheten und hat die Stämme, zu denen sie gesendet wurden, zu dieser Gerechtigkeit aufgerufen. Auch unser Prophet Muhammad (s.a.w.s) hat sein Leben lang das im Quran aufgetragene Gebot “…Tretet für die Gerechtigkeit ein, wenn ihr vor Gott Zeugnis ablegt, und sei es gegen euch selber oder euere Eltern und Verwandten…“ (Sure an-Nisa, 135) eingehalten und auf den Stamm, zu dem er entsandt war, die Gerechtigkeit angewendet. Seine überragende Sorgfalt in der Anwendung von Gerechtigkeit und seine schöne Moral haben Stück für Stück das Vertrauen der Menschen in ihn gesteigert und dabei geholfen, sie zum Glauben an Gott zu binden. Viele derer, die in den ersten Jahren nach Offenbarung des Quran noch leugneten, haben wegen der moralischen und gerechten Urteile unseres Propheten (s.a.w.s) sich ihm mit ganzem Herzen anvertraut und sind zum Islam beigetreten. Unser Prophet (s.a.w.s) hat viele solcher Ereignisse erlebt. Ein Großteil davon ist uns über die Haditen oder über die Islamgeschichte überliefert. Unser Prophet (s.a.w.s) war zu allen Harun Yahya

33


34

GERECHTIGKEIT UND TOLERANZ IM QURAN

Zeiten durch seine gerechte, tolerante, barmherzige und gnadenreiche Art für die Muslime ein gutes Vorbild. In allen seinen Verhaltensweisen, seinen Worten und Taten findet sich für den Gläubigen Weisheit. Gott hat in einem Vers die erhabene Moral unseres Propheten (s.a.w.s) und seine Hingabe für alle Muslime erläutert: Wahrlich, nun kam bereits ein Gesandter aus euerer Mitte zu euch. Schwer liegen euere Missetaten auf ihm. Fürsorglich ist er für euch! Gegen die Gläubigen (aber) ist er gütig und barmherzig. (Sure at- Tauba, 128)

Das für die gesamte Menschheit beispielhafte Leben des Propheten Muhammad (s.a.w.s) Wie wir auf den vorherigen Seiten sehen konnten, hat Gott seinen Gesandten, die er als Mahner zu den Menschen geschickt hat, aufgetragen, für Gerechtigkeit unter den Menschen zu sorgen. Der letzte Prophet Muhammad (s.a.w.s) war in Medina, dem Ort der ihm offenbart wurde, damit betraut die Religion des Islam und eine gerechte Haltung zu verbreiten. Zu dieser Zeit gab es in Arabien, insbesondere in Mekka, eine Vielzahl von Problemen auf gesellschaftlicher Ebene. Diese vorIslamische Zeit wird als “Zeit der Unwissenheit“ bezeichnet und es gab seinerzeit zwischen den Rassen und den Religionen große Auseinandersetzungen und aufgrund dessen herrschte Unfriede. Zwischen Stämmen unterschiedlicher Religionszugehörigkeiten herrschte Intoleranz, es gab Stammesfehden, eine ungerechte Aufteilung der Wirtschaft, Plünderungen, eine tiefe Kluft zwischen Arm und Reich und noch viele weitere Ungerechtigkeiten. Es konnte nicht für Gerechtigkeit gesorgt Adnan Oktar


DIE GESANDTEN GOTTES BRACHTEN GERECHTIGKEIT

werden, die Schwachen wurden von den Starken und Reichen so weit möglich unterdrückt, die Menschen tyrannisierten sich gegenseitig aufgrund ihrer Rassen, Religionen oder Sprachen. Um ihre Mägen zu füllen mussten die Menschen unter sehr harten Bedingungen arbeiten und erlebten schwere Plagen. Diejenigen, die wenig hatten, wurden durch das Zinssystem im Handelsleben schwer gebeutelt, während die Reichen im Überfluss lebten. Einige dieser Unsitten hatten bereits Tradition. So hat es beispielsweise die Preise beeinflusst, dass die Araber in der unwissenden Zeit die Handelskarawanen überfielen und die Reisenden plünderten, um die so erlangten Waren zu günstigen Preisen auf den Markt zu bringen. Manchmal haben sie die Waren absichtlich versteckt, um sie auf Schwarzmärkten zu verkaufen. Der Quran liefert viele Informationen über die Gesellschaft vor der Zeit des Propheten Muhammad (s.a.w.s), die zum größten Teil aus Beduinen bestand. Mit dem Vers “Unter den arabischen Beduinen sind manche (besonders) verstockt in Unglauben und Heuchelei. Und es ist sehr wahrscheinlich, dass sie die Vorschriften, welche Gott auf Seinen Gesandten hinabgesandt hat, nicht kennen. Und Gott ist wissend und weise.“ (Sure at- Tauba, 97) hat Gott im Quran erklärt, wie unwissend und unverständig dieses Volk war. Unser heiliger Prophet Muhammad (s.a.w.s) wurde zu diesem unwissenden und ungebildeten Stamm geschickt, um ihnen die Wahrheit zu erklären und sie zum moralischen Handeln aufzufordern. Doch keinerlei Schwierigkeiten begegneten dem Botschafter Gottes und diesen “verstockten und ungläubigen" Stämmen hat er die Religion Gottes übergeben und er war ihnen ein Leben lang ein gutes Vorbild. So Harun Yahya

35


36

GERECHTIGKEIT UND TOLERANZ IM QURAN

wie im folgenden Vers befohlen, wurde der Stamm dazu aufgerufen, immer gerecht zu sein: Sprich: "Mein Herr hat Gerechtigkeit befohlen...” (Sure alA'raf, 29)

Die Botschaft des Propheten Muhammad (s.a.w.s) und seine gute Moral hatten auf der arabischen Halbinsel einen großen Einfluss und die Menschen in seiner Zeit sind in Strömen dem Islam beigetreten. Die über den Quran festgesetzten gerechten Gesetze brachten eine gute Moral, Toleranz und Frieden, sowie eine Ordnung des sozialen Lebens. Einer der wichtigsten Gründe hierfür liegt darin, dass Prophet Muhammed (s.a.w.s) nach dem Vers "... wenn ihr unter den Leuten richtet, richtet nach der Gerechtigkeit." (Sure an-Nisa, 58) vorging und die Gerechtigkeit wahrte, ohne zwischen den Menschen zu unterscheiden. Ein Beispiel dafür sind die Verträge, die unser Prophet (s.a.w.s) mit dem Volk von Najran, das über eine Schriftreligion verfügte, traf. Auf den folgenden Seiten werden wir diesen Text genauer betrachten und zeigen, dass Prophet Muhammad (s.a.w.s) ein Rechtsverständnis unter den Menschen etabliert hat, was zu dieser Zeit seines gleichen sucht. Unser Prophet Muhammad (s.a.w.s) hat dies mit den Worten “Wer Gerechtigkeit sucht, wird sie finden und weder Tyrannei noch Ungemach erleiden..."1 ausgedrückt und damit gesagt, welche Art von Gerechtigkeit er den Menschen bringen wird. Aus dieser unvergleichlichen Führungsart heraus genoss der Botschafter Gottes in seiner Zeit sehr großes Vertrauen und sogar seine strengsten Feinde haben sich nicht gescheut einzuräumen, dass er sehr ehrlich und aufrecht ist. Die Beispiele für gute Moral, die dadurch entstanden sind, Adnan Oktar


DIE GESANDTEN GOTTES BRACHTEN GERECHTIGKEIT

dass unser Prophet (s.a.w.s) die Befehle Gottes komplett erfüllte, zeigen auch die Toleranz, Frieden und Friedlichkeit, die der Botschafter ins soziale Leben brachten. Es ist offensichtlich, dass in einem Umfeld, in welchem vollständig nach der Moral des Quran gelebt wird, so wie wir am vorherigen Beispiel sehen konnten, brüderlich und friedlich zusammengelebt wird.

Prophet Muhammad (s.a.w.s) hat sich gegen jede Art von Rassismus gestellt Wie wir bereits das gesamte Kapitel über betont haben, hat Prophet Muhammad (s.a.w.s) zu seinen Lebzeiten die Gerechtigkeit zwischen allen Menschen aufrechterhalten und die natürliche Hoheit bestimmter Sprachen, Rassen, Sozialstatus und Ethnien, wie dies in den unwissenden Glaubensrichtungen vorgesehen war, zurückgewiesen. Denn die Menschen aufgrund dieser Eigenschaften unterschiedlich zu betrachten, stellt einen starken Verstoß gegen die Moral des Quran dar. “Rassismus“ nach unserer heutigen Definition wurde im Quran verboten und ist eine Idee, die lediglich unter Unwissenden weit verbreitet ist. So wie wir im ersten Kapitel dieses Buches beschrieben haben, ist eine der Weisheiten, die sich dahinter verbirgt, dass die Menschen unterschiedlich erschaffen wurden, die Tatsache, dass sie sich “untereinander kennen lernen“ sollen. Vor Gott sind alle Menschen gleich und die einzige Erhabenheit besteht in ihrem Glauben und der Frömmigkeit zu Gott. Unser Prophet (s.a.w.s) hat die Stämme, bei denen der Rassismus weit verbreitet war, wissen lassen, dass zwischen den Menschen der Unterschied in der Ethnie keinen Unterschied macht, dass alle Menschen vor Gott gleich sind und dass das einzig Wichtige im treuen Glauben an Gott besteht. Als unser Prophet Muhammad (s.a.w.s), die Harun Yahya

37


38

GERECHTIGKEIT UND TOLERANZ IM QURAN

Stämme dazu einlud, dem Glauben an Gott zu folgen, ordnete er an, dass kein Unterschied zwischen den Menschen gemacht werden dürfe und sprach folgendes: “Menschen, passt auf! Ihr habt nur einen Gott. Es gibt keine Erhabenheit als die der Frömmigkeit, kein Araber steht über einem Nichtaraber, kein Nichtaraber über einem Araber, kein Schwarzer über einem Roten, kein Roter über einem Schwarzen. Ohne Frage ist vor dem Höchsten Gott der am erhabensten, der die meiste Ehrfurcht vor Gott dem Erhabenen hegt.“2

Unser Prophet (s.a.w.s) hat auch verkündet, dass Gott den Menschen aus dem Nichts erschaffen hat, dass er alle Menschen gleich erschaffen hat und im Angesicht Gottes alle Menschen alleine sind und einzeln Rechenschaft ablegen werden und es daher einen großen Irrtum darstellt, auf die Abstammung des Menschen zu sehen und darin eine Erhabenheit zu erkennen. Ebu Hureyre hörte von unserem Propheten (s.a.w.s) folgendes: Ihr Menschen! Wir alle sind Kinder Adams. Und Adam wurde aus Staub erschaffen. Der Mensch muss es unbedingt unterlassen, mit seiner Rasse zu prahlen.3

In einer anderen Hadise drückt Prophet Muhammad (s.a.w.s) folgendermaßen aus, dass es keine Erhabenheit zwischen den Menschen gibt, außer im Glauben. Eure Abstammung ist nichts, was euch erhaben macht oder Hochmut gegenüber einem Anderen verleiht. (Ihr Menschen)! Ihr seid alle die Kinder Adams. Ihr seid wie die Weizenkörner auf einem Messlöffel, die einander wie ein Ei dem anderen gleichen… Dabei ist niemand über den anderen erhaben, außer in der Religion und Frömmigkeit. Damit ein Mensch schlecht ist, reicht es aus, dass er das Essen eines anderen isst, ihn missachtet, Adnan Oktar


DIE GESANDTEN GOTTES BRACHTEN GERECHTIGKEIT

geizig ist, schlechter Gesinnung ist oder alle Grenzen überschreitet.4 Unser Prophet (s.a.w.s) hat sein gesamtes Leben über die Menschen dazu aufgerufen ihren unwissenden und ketzerischen Glauben aufzugeben und ein Leben nach den Gesichtspunkten zu führen, die im Quran aufgetragen sind. Im Quran wird die rassistische Haltung als “Schutz der Abstammung“ bezeichnet und die ungestüme Haltung der Menschen in Bezug darauf wird kritisiert. Ein Vers zu diesem Thema lautet wie folgt: Als die Ungläubigen in ihren Herzen blinden Eifer trugen, den blinden Eifer der Unwissenheit, da senkte Gott Seine Ruhe auf Seinen Gesandten und die Gläubigen und machte ihnen ständiges Gottesbewusstsein zur Pflicht; denn sie waren dessen am würdigsten und verdienten es am meisten. Und Gott kennt alle Dinge. (Sure al-Fath, 26)

In diesem Vers wird deutlich, dass die Muslime, die dem Ruf Gottes folgen, sowohl zu Zeiten des Propheten Muhammad (s.a.w.s), als auch in den darauf folgenden Zeiten in Frieden und Sicherheit lebten, während der Zeiten eines gerechten Herrschers.

Das Abkommen, welches zu Zeiten unseres Propheten (s.a.w.s) mit den Anhängern der Schriftreligionen und Heiden unterzeichnet wurde, befriedete die Gesellschaft Nach der Hidschra unseres Propheten (s.a.w.s) von Mekka nach Medina, war er mit einer Gesellschaft konfrontiert, die sich aus sehr unterschiedlichen Menschen zusammensetzte. Zu dieser Zeit hatten Juden und Christen einen sehr großen gesellschaftlichen Einfluss in Medina und lebten mit Heiden Harun Yahya

39


40

GERECHTIGKEIT UND TOLERANZ IM QURAN

zusammen, die noch dem alten Religionsverständnis anhingen und nicht zum Islam beigetreten waren. In dieser Umgebung versuchte Prophet Muhammad (s.a.w.s) gesellschaftliche Einheit und Frieden herzustellen und zu diesem Zweck hat er innerhalb der kosmopolitischen Strukturen in Medina mit unterschiedlichen Gruppierungen teils via Briefwechsel, teils in persönlichen Gesprächen versucht eine Einigung zu erreichen.5 T. W. Arnold, hat die Bedeutung der gesellschaftlichen Einheit, die unser Prophet (s.a.w.s) versucht hat herzustellen, mit folgenden Worten beschrieben: “Während zuvor in der arabischen Welt keine Ergebenheit unter einen einzigen Befehl herrschte, wurde plötzlich eine politische Einheit erreicht und sich diesem Befehl anvertraut. Prophet Muhammad (s.a.w.s) brachte die sozialen Splittergruppen, die teilweise aus nur 100 Mitgliedern bestanden und miteinander in ständigem Konflikt standen, zusammen."6

In vielen Versen des Quran ist beschrieben, dass die Anhänger anderer Religionen in Toleranz lebten. Das ist eine Ethik, die im Charakter des Islam vorgesehen ist. Gott befielt den Muslimen in einem Vers, dass sie an jedes heilige Buch glauben sollen und dass sie dem Glauben dieser Bücher Respekt zollen sollen. Lade darum dazu ein und verhalte dich richtig, so wie dir anbefohlen worden ist. Und folge nicht ihren Neigungen und Abneigungen, sondern sprich: "Ich glaube an das Buch, das Gott hinabgesandt hat. Mir wurde geboten, zwischen euch gerecht zu richten. Gott ist unser Herr und euer Herr; für uns unsere Werke und für euch euere Werke! Kein Streit sei zwischen uns und euch. Gott wird uns (alle) versammeln, und zu Ihm ist die Heimkehr. (Sure asch-Schura, 15) Adnan Oktar


DIE GESANDTEN GOTTES BRACHTEN GERECHTIGKEIT

In der oben aufgeführten Sure steht beschrieben, wie sich ein Muslim den Anhängern der anderen Religionen gegenüber verhalten soll. Muslime sind verpflichtet sich an der Ethik des Propheten ein Beispiel zu nehmen und allen Menschen gegenüber dieselbe Gerechtigkeit und Toleranz walten zu lassen. Egal, ob es sich dabei um einen Juden, Christen, Heiden, Buddhisten oder gar einen Atheisten handelt. Egal an was oder wen ein Mensch glaubt oder auch wenn er gar keinen Glauben hat, so muss man sich gerecht und aufrichtig verhalten, denn das wird einen positiven Einfluss auf die entsprechende Person haben und dabei helfen, dessen Herz für den Islam zu erwärmen. Als unser Prophet (s.a.w.s) nach Medina kam, hat er gezeigt, dass die Menschen unterschiedlicher Rassen, Religionen und Sprachen, wenn sie sich brüderlich und tolerant verhalten, gemeinsam in Frieden zusammenleben können. Einer der wichtigsten Beweise für seine Aufforderung zu Frieden und Toleranz besteht in einem der ersten Schriftsätze, die er verfasst hat. Es handelte sich dabei um ein Friedensabkommen.7 Prophet Muhammad (s.a.w.s) hat nach der Eroberung Mekkas sogar diejenigen Heiden freigelassen, die zuvor die Muslime gefoltert hatten und ihnen große Toleranz entgegengebracht. Für diese erhabene Ethik unseres Propheten Muhammad (s.a.w.s) gab es in der arabischen Welt zuvor kein Beispiel und wurde von den Menschen mit Hochachtung betrachtet. Auch bei der Eroberung fremder Länder in dieser Zeit, war Prophet Muhammad (s.a.w.s) für alle Muslime ein Vorbild in Bezug auf die wahre Gerechtigkeit, die er obwalten lies. Der Prophet wendete auf das Volk der eroberten Länder die im Quran bekannt gegebene Gerechtigkeit an und traf Abkommen Harun Yahya

41


42

GERECHTIGKEIT UND TOLERANZ IM QURAN

mit ihnen, die beide Seiten zufrieden stellten und die Menschen nicht den geringsten Nachteil erleben lies. Daher sind die Angehörigen jeder Religion oder Rasse, nachdem ihr Land erobert wurde, der durch den Islam gebrachten Gerechtigkeit mit Zufriedenheit begegnet. Denn Prophet Muhammad (s.a.w.s) und seine Anhänger erinnerten sich an den Vers “Und unter denen, die wir erschufen eine Gemeinschaft, welche zur Wahrheit leitet und ihr gemäß gerecht handelt.“ (Sure al-A'raf, 181) und so entstand zwischen den Menschen eine Gemeinschaft, die Gerechtigkeit brachte. Eines der schönsten Beispiele für die Toleranz und Gerechtigkeit unseres Propheten (s.a.w.s) besteht in dem Vertrag, welchen er mit dem christlichen Volk der Najran auf dem südlichen Teil der Arabischen Halbinsel abgeschlossen hat. Einer der Paragraphen des Vertrages lautet wie folgt: “Alles, was das Volk von Najran und dessen Gefolge an Lebewesen, Waren, besitzt, ob sie eine Religion haben oder nicht, ihre Familien, Angehörigen und alles, was sie besitzen gehört Gott und wird unter den Schutz von Gottes Propheten gestellt.“8

Unser Prophet (s.a.w.s) hat mit diesem und ähnlichen Abkommen dafür gesorgt, dass der im Folgenden aufgeführte Vers der Gesellschaft offenbart wird und die Nicht-Muslime mit den Muslimen gemeinsam ein Leben voll Behaglichkeit und Frieden führen können. Siehe, die da glauben, auch die Juden und die Christen und die Sabäer- wer immer an Gott glaubt und an den Jüngsten Tag und das Rechte tut, die haben ihren Lohn bei ihrem Herrn. Keine Furcht kommt über sie, und sie werden nicht traurig sein. (Sure al-Baqara, 62)

Adnan Oktar


DIE GESANDTEN GOTTES BRACHTEN GERECHTIGKEIT

Die zuvor aufgeführten Beispiele sind nur einige wenige für die Gerechtigkeit, die unser Prophet (s.a.w.s) walten lies. Doch der bedeutendste dieser Verträge ist der Vertrag von Medina, den unser Prophet (s.a.w.s) gemeinsam mit der christlichen, jüdischen und heidnischen Bevölkerung schloss. Noch heute ist dieser Vertrag häufig der Inhalt von Artikeln, es wurden weitgehende Forschungen darüber erstellt. Der Vertrag von Medina wurde vor rund 1400 Jahren, im Jahr 622 geschlossen. Um die Ansprüche von Anhängern unterschiedlicher Glaubensrichtungen zu befriedigen, wurde Prophet Muhammad (s.a.w.s) federführend in diesem schriftlichen juristischen Vertragswerk, dass er entstehen lies. Im Endergebnis erhielten alle unterschiedlichen Religionsgruppen und Rassen, die über 120 Jahre in Feindschaft miteinander gestanden hatten, einen Platz in dem Abkommen. Prophet Muhammad (s.a.w.s) hat durch diesen Vertrag ein Ende für die Fehden zwischen den unterschiedlichen Gruppierungen, die sich bei jeder sich bietenden Gelegenheit angegriffen haben und einander feindselig gesinnt waren, gefunden und ihnen einen Weg gezeigt, wie sie miteinander auskommen und zusammen leben können. Nach dem Vertrag von Medina steht es jedem Menschen frei, ohne irgendeinem Druck ausgesetzt zu sein, seine Religion, Rasse, politische oder philosophische Ausrichtung zu wählen. Dadurch entsteht eine Gemeinschaft aus Individuen, die ihre eigenen Ansichten vertreten. Es steht ihnen frei, ihr eigenes Rechtssystem anzuwenden. Doch jemand, der eine Straftat begangen hat, wird von niemandem geschützt. Die Gruppen, die das Abkommen unterzeichnet haben, helfen einander gegenseitig, liefern Unterstützung und stehen unter dem Schutz Harun Yahya

43


44

GERECHTIGKEIT UND TOLERANZ IM QURAN

unseres Propheten Muhammad (s.a.w.s). Bei Streitigkeiten unterschiedlicher Parteien wird das Anliegen an den Gesandten Gottes angetragen. Unser Prophet (s.a.w.s) setzte diesen Vertrag stufenweise von 622 bis 632 um. Mit diesem Pakt wurde das auf Blut und Verwandtschaftsbeziehungen aufbauende Stammessystem abgelöst und Menschen mit unterschiedlicher Herkunft, kultureller und ethnischer Abstammung fanden zusammen um eine Einheit zu bilden. Der Vertrag von Medina sicherte eine große Glaubens- und Religionsfreiheit. Der Paragraph, durch den diese gesichert war, ist folgender: “Die Juden von Banu Awf bilden mit den Muslimen eine Nation; die Juden haben ihre Religion und die Muslime haben ihre.“9

Dieser Vertrag hat den Juden und Heiden ein Mitgliedsrecht eingeräumt. Der 16. Paragraph besagt, dass “der Jude, der uns folgt, genießt unsere Unterstützung und dieselben Rechte wie jeder einzelne von uns. Er soll nicht ungerecht behandelt werden und seinem Feind soll nicht geholfen werden.“ 10 Diese Auffassung haben die Getreuen und Nachfolger unser Prophet (s.a.w.s) auch zu späteren Zeiten auf Berber, Buddhisten, Brahmanen und andere angewendet und ihnen die entsprechenden Rechte eingeräumt. 11 Die Konflikte in der damaligen Zeit waren einfach zu lösen und jeder zollte dem Glauben des Nächsten Respekt und für einen langen Zeitraum herrschten Frieden und Gerechtigkeit. So wie mit den Anhängern der Schriftreligionen schloss der Prophet auch mit den Heiden einige Verträge, die das gesellschaftliche Zusammenleben regelten. Den Heiden gegenüber handelte er jederzeit gerecht und er gewährte ihnen Schutz und Sicherheit. Adnan Oktar


DIE GESANDTEN GOTTES BRACHTEN GERECHTIGKEIT

Dieser Anspruch auf Schutz bedeutete, dass sie gegen die Möglichkeit eines Angriffs oder eines Unrechts beim Propheten Unterschlupf finden konnten. Sein gesamtes Leben lang stellten viele Nicht-Muslime und Heiden Anspruch auf Schutz an unseren Propheten (s.a.w.s). Er hat sie dann auch unter seine Obhut genommen und für ihre Sicherheit gesorgt. Gott hat über die Sure Tauba wissen lassen, dass die Heiden, wenn sie Anspruch auf ihr Asylrecht stellen, dieses gewährt werden muss. Der Vers drückt dies folgendermaßen aus: Und wenn einer der Götzendiener bei dir Zuflucht sucht, dann gewähre ihm Zuflucht, damit er Gottes Wort vernimmt. Dann lass ihn den Ort erreichen, an dem er, sich sicher fühlt. Dies, weil sie ein unwissendes Volk sind. (Sure at-Tauba, 6) Wie aberkönnen die Götzendiener mit Gott und seinem Gesandten in ein Bündnis treten, außer jenen, mit denen ihr in der Nähe der unverletzlichen Moschee einen Vertrag geschlossen habt? Doch so lange sie euch treu bleiben, haltet ihnen auch die Treue. Siehe, Gott liebt die Gottesfürchtigen. (Sure at-Tauba, 7)

Dem Vers können wir entnehmen, dass Gott den Heiden gegenüber eine gerechte Haltung fordert. Wenn sie Schutz suchen, so sind die Muslime dazu verpflichtet, ihnen Sicherheit zu gewähren.

Die Schriftreligionen in der Zeit unseres Propheten (s.a.w.s) Wie wir anhand der Beispiele auf den vorangegangenen Seiten gesehen haben, hat unser Prophet (s.a.w.s) in den ersten Jahren, in denen er den Islam verbreitete, eng mit den Christen zusammengearbeitet. Während die Muslime in Mekka von den Harun Yahya

45


46

GERECHTIGKEIT UND TOLERANZ IM QURAN

Heiden unterdrückt wurden, empfahl unser Prophet (s.a.w.s) ihnen nach Äthiopien auszuwandern, das von Christen bewohnt war. Der christliche Herrscher dieses Landes, Necasi, nahm die Muslime, die in diese Region flohen, auf und schützte sie vor der Verfolgung. Im Quran werden die Jünger des Propheten Jesus (a.s) den Muslimen als Beispiel für Gottes Botschafter genannt. Zwischen den ersten Muslimen und den ersten Christen gab es auch große Gemeinsamkeiten. Die ersten Glaubenden waren vielen Leiden und Folter ausgesetzt und dennoch haben sie die Verbindung zu den Gesandten aufrechterhalten. Der Quran drückt sich folgendermaßen über die ersten Christen zu Zeiten des Propheten Jesus (a.s) aus, die einen treuen Glauben hatten und sich dem Glauben an Gott übergeben hatten. Und als Jesus ihren Unglauben wahrnahm, sprach er: "Welches sind meine Helfer auf dem Weg zu Gott?" Die Jünger sprachen: "Wir sind Gottes Helfer. Wir glauben an Gott und bezeugen, dass wir gottergeben sind. (Sure al-Imran, 52) Und als Ich den Jüngern eingab: “Glaubt an Mich und an Meinem Gesandten", da sprachen sie: "Wir glauben, sei Du auch Zeuge, dass wir Dir ergeben sind.“ (Sure al-Ma’ida, 111)

Auch die Toleranz unseres Propheten (s.a.w.s) den Juden gegenüber ist für die Gläubigen ein schönes Beispiel. Während des Vertrags von Medina verhielt sich unser Prophet (s.a.w.s) den Juden gegenüber tolerant und gemäßigt. In einer Hadithe soll er gesagt haben “Zwischen den Muslimen und Juden wird Hilfsbereitschaft, Beratung und Güte herrschen“12. Und dieses Wort hat er in die Tat umgesetzt. Diese gerechte und tolerante Haltung unseres Propheten (s.a.w.s) bestand gegenüber allen Menschen jeder Religion und jeder Rasse. Unser Prophet Adnan Oktar


DIE GESANDTEN GOTTES BRACHTEN GERECHTIGKEIT

(s.a.w.s) hat jederzeit den Weg des Friedens und der Vergebung bevorzugt, trotz jeder Art von Verrat, Angriff und Fallen und uns dies mit den Worten “Die da spenden in Freud und Leid und den Zorn unterdrücken und den Menschen vergeben ...“ (Sure alImran, 134) überliefert. Und mit dem Vers “Lade zum Weg deines Herrn mit Weisheit und schöner Ermahnung ein, und diskutiere mit ihnen auf die beste Art und Weise…” (Sure anNahl, 125) wurden die Menschen jederzeit mit einem guten Rat zum Islam eingeladen.

Auch zur Zeit der Kalifen wurde die Gerechtigkeit entsprechend des Quran umgesetzt Auch die Kalifen, die an die Stelle des Propheten Muhammad (s.a.w.s) kamen, nachdem dieser verstorben war, verhielten sich sehr sensibel in Bezug auf die Umsetzung von Gottes Gerechtigkeit. In den eroberten Ländern lebte nicht nur das dortige Volk, sondern auch die neu ankommenden in Frieden und Sicherheit. Der erste Kalif, Ebubekir hat bei seinem Abzug aus Syrien nach der Eroberung eine Anweisung gegeben. Die Gerechtigkeit und Toleranz, welche er in den eroberten Ländern anwenden wollte, sind ein schönes Beispiel für die Moral des Quran. Ebubekir gab folgende Anweisungen: “Ihr Menschen, ich gebe euch zehn Gesetzte, die ihr mit euren Herzen befolgen mögt: Begeht keinen Verrat und kommt nicht vom rechten Weg ab. Mordet keine Kinder, Frauen und Alten. Brennt nicht die Dattelbäume ab und zerstört diese; Fällt keinen einzigen Obstbaum. Tötet auch keine Kamele. Bewahrt sie für euch auf. Ihr werden Menschen begegnen, die ihr Leben dem Jenseits gewidmet haben und sie dem Einsiedlertum überlassen. Ihr werdet Menschen begegnen, die Harun Yahya

47


48

GERECHTIGKEIT UND TOLERANZ IM QURAN

euch die unterschiedlichsten Speisen darbieten werden. Esst, doch vergesst dabei nicht, euch an den Namen Gottes zu erinnern.“13

Auch Kalif Ömer war für seine Gerechtigkeit berühmt und hat nach Ebubekir so wie unser Prophet (s.a.w.s) verschiedene Abkommen mit der Bevölkerung der eroberten Länder geschlossen, die beispielhaft für Gerechtigkeit und Toleranz sind. So hat Kalif Ömer beispielsweise den Christen in Jerusalem zugesichert, dass er ihre Kirchen nicht abreißen wird und eine Garantie darauf gewährt, dass die Muslime sich nicht in den Kirchen zur Andacht versammeln. Den Christen in Bethlehem sicherte er dieselben Bedingungen zu. Bei der Eroberung von Medain wurde dem Nasturi Patriarchen Isuayheb II. (650-660) dieselbe Sicherheit gewährt, nämlich dass die Kirchen nicht abgerissen werden und kein Gebäude in eine Moschee oder Wohnhaus umgewandelt wird 14. Ein Brief des III. Nasturi Patriarchen, den er nach der Eroberung an einen Freund verfasst hat, ist ein schönes Beispiel für die Barmherzigkeit und Toleranz, welche den Buchreligionen entgegengebracht wurde, geschildert aus dem Blickwinkel eines Christen. “Gott hat seinen Willen den Arabern gegeben… sie haben uns nicht gequält. In der Tat haben diese unserer Religion, unseren religiösen Ämtern, Kirchen und Klöstern gegenüber Respekt gezeigt…“15

Der Schutz, den Prophet Ömer gewährte, belegt, wie ein Muslim die im Quran beschriebene Moral zeigt und Toleranz aufbringt. “Der erteilte Schutz umfasst Gesunde und Kranke, Gute und Schlechte, sämtliche Individuen des Gebietes samt ihrer Religion, Leben, Eigentum, Kirchen und Anhänger. Genauso wenig wie die Kirchen verwüstet werden, werden die Adnan Oktar


DIE GESANDTEN GOTTES BRACHTEN GERECHTIGKEIT

Wohnhäuser zerstört und es wird nichts von dort entwendet werden. Niemand im Volk wird auch nur den geringsten Schaden nehmen. Die in diesem Buch niedergeschriebenen Bedingungen sind die Bringschuld, die aus dem Vertrag mit Gott und dem Propheten für die Kalifen und Muslime entstanden ist.“16 All diese Beispiele zeigen weise das Verständnis von Gerechtigkeit und Toleranz der gläubigen Muslime. Dank der Eroberungen in der Zeit der Kalifen wurde die Bevölkerung nicht nur von Unterdrückung befreit, sondern hatte auch die Möglichkeit, den Islam kennen zu lernen. Die Bevölkerung wurde niemals dazu gezwungen dem Islam beizutreten. Gott spricht: “Euch euer Glaube und mir mein Glaube!“ (Sure al-Kafirun, 6) Diesem Vers nach kann jeder seine Religion und Gottesandacht frei ausleben und ist keinerlei Druck ausgesetzt. Die Religion des Islam wurde dadurch erlebt und gelernt, dass wahre, nach dem Glauben lebende Muslime, als Vorbild dienten und der Islam gewann dadurch einen großen Einfluss. Ein großer Teil der Bevölkerung folgte der Einladung der Gläubigen, die sich mit ganzem Herzen Gott hingaben und so erfreute sich der Islam eines regen Zuwachses. In der Zeit des Kalifs Ebubekir beispielsweise hat sich ein Teil der Christen von Kinde und Iyad nach der Eroberung von Damaskus ganz ohne Zwang aus eigenem Wunsch dazu entschieden, dem Islam beizutreten.17 Der Glaube, dass die von Muslimen eroberten Länder dazu gezwungen wurden dem Islam beizutreten wird auch von westlichen Forschern abgewiesen. Jeder kennt die gerechte und tolerante Haltung der Muslime. Der westliche Forscher L. Browne drückt diese Tatsache folgendermaßen aus: “… Es ist eine wahre Tatsache, dass die Muslime das Volk in Harun Yahya

49


50

GERECHTIGKEIT UND TOLERANZ IM QURAN

den Regionen, die sie erreichten, nicht mit dem Schwert zum Übertritt zum Islam zwangen und es lässt sich beweisen, dass diese aus christlichen Quellen stammenden Behauptungen nicht haltbar sind... Der dynamische Einfluss während der Eroberungen bestand im Aufruf zur Brüderlichkeit des Islam… Und im Rahmen dieser Brüderlichkeit wuchsen die Anhängerscharen an, wie eine Lawine.“18

Adnan Oktar


DIE SCHRIFTRELIGIONEN IM QURAN

A

uf der Welt gibt es die unterschiedlichsten Gesellschaften, die sich in Hautfarbe, Sprache und Religion unterscheiden. Diese Unterschiede waren, wie wir bereits in den vorherigen Kapiteln gesehen haben, über Jahrhunderte Grund für Feindschaft. Die zwischen den Menschen so weit verbreitete Überzeugung besagt, dass Menschen mit so unterschiedlichen Eigenschaften niemals in Frieden zusammenleben können und dass zwischen ihnen immer Konflikte herrschen werden. Das ist ein großer Irrtum. Denn Gott hat die Menschen als unterschiedliche Gruppen erschaffen. Und Gott hat im Quran alle Menschen dazu aufgerufen, in Frieden und Sicherheit zusammen zu leben. O ihr, die ihr glaubt! Gebt euch Gott ganz und gar hin und folgt nicht den Fußstapfen des Satans; siehe, er ist offenkundig euer Feind. (Sure al-Baqara, 208) Und Gott lädt zur Wohnung des Friedens ein und leitet, wen Er will, auf einen rechten Pfad. (Sure Yunus, 25)

Mit Seiner Gesandten hat Gott die Menschen aller Religionen aufgefordert, an den einzigen Gott zu glauben und Er empfiehlt Harun Yahya


52

GERECHTIGKEIT UND TOLERANZ IM QURAN

die gute Moral und verurteilt die schlechte Moral. Auch wenn anders als der Islam die übrigen Religionen heute verfälscht sind, kann man dennoch in einigen Bereichen erkennen, dass die grundsätzliche Botschaft gleich ist. Daher gibt es für diese künstlichen Konflikte, welche wir heute erleben, keine wirkliche Grundlage und keine logische Erklärung. Wie im oben zitierten Vers beschrieben, liegt der Hauptgrund für Unstimmigkeiten zwischen den Menschen darin, dass sie der Einladung zum Glauben an Gott nicht folgen und “auf den Wegen des Satans wandeln“. Der Herr des Himmels und der Erde hat Seinen Gläubigen untersagt, dass sie gegeneinander feindselige Gefühle hegen und alle Gläubigen wissen, dass es sich dabei um eine Moral handelt, die Gott verzürnt. Gott hat den Menschen Frieden, Toleranz und Freundschaft befohlen. Gott hat im Quran, den Er mittels Seines letzten Gesandten, dem Propheten Muhammad (s.a.w.s) übermittelt hat, den Gläubigen sehr eindeutige Befehle und Anweisungen zu diesem Thema gegeben.

Die Schriftreligionen im Quran Der Quran bezeichnet diejenigen, die Religionen angehören, die mittels Gesandter Gottes an die Menschen weitergegeben wurden, also die Juden und die Christen, als Schriftreligionen. In den Versen und den Haditen unseres Propheten (s.a.w.s) ist genau erklärt, wie die Gläubigen sich den Schriftreligionen gegenüber verhalten sollen und wie sie ihre Beziehungen und das soziale Leben regeln sollen. Die Schriftreligionen gehen im Grunde auf die Offenbahrungen Gottes zurück und verfügen über viele moralische Werte sowie über die Begriffe verboten und rechtmäßig. Daher ist eine Mahlzeit, welche ein Adnan Oktar


DIE SCHRIFTRELIGIONEN IM QURAN

Angehöriger einer Schriftreligion zubereitet hat, im Quran für die Muslime als rechtmäßig definiert. Auch dürfen Muslimische Männer Frauen heiraten, die einer Schriftreligion angehören. In dem entsprechenden Vers spricht Gott folgendes: Heute sind euch alle guten Dinge erlaubt. Auch die Speise derer, denen die Schrift gegeben wurde, ist euch erlaubt, so wie euere Speisen ihnen erlaubt sind. Und (erlaubt sind euch zu heiraten) tugendhafte Frauen, die gläubig sind, und tugendhafte Frauen von denen, welchen die Schrift vor euch gegeben wurde, sofern ihr ihnen ihr Brautgeld gegeben habt und tugendhaft mit ihnen lebt, ohne Unzucht, und keine Geliebten nehmt. Wer den Glauben verleugnet, dessen Werk ist fruchtlos, und im Jenseits ist er einer der Verlorenen. (Sure al-Ma’ida, 5)

Wenn man die Islamgeschichte betrachtet, so sieht man, dass die Muslimische Gesellschaft den Anhängern der Schriftreligionen gegenüber jederzeit warm und tolerant war. Dies wird insbesondere anhand unseres kulturellen Erbes, dem Osmanischen Reich, deutlich. Während die Juden im katholischen Spanien nicht das Recht auf Leben hatten und verfolgt wurden, fanden sie im Osmanischen Reich den Frieden, den sie suchten. Wenn wir auch die späteren Kapitel näher betrachten, sehen wir, dass Sultan Mehmet der Eroberer den Christen und Juden in Istanbul nach der Eroberung das Recht auf ein freies Leben gewährt hat. Während der gesamten osmanischen Geschichte wurden die Juden als Schriftreligion betrachtet und hatten die Möglichkeit in Frieden zu leben.

Wie sollten Muslime zu den Juden stehen? Wie wir anhand der Beispiele auf den vorherigen Seiten Harun Yahya

53


54

GERECHTIGKEIT UND TOLERANZ IM QURAN

gesehen haben, hat sich unser Prophet (s.a.w.s) den Schriftreligionen gegenüber immer gerecht und tolerant verhalten. Aufgrund dieses Verhaltens unseres Propheten (s.a.w.s) sind der führende jüdische Rabbi Abdullah Ibn Selam und seine Freunde dem Islam beigetreten und haben ihm geglaubt. In der europäischen Geschichte gab es die Inquisition, die aus dem religiösen Fanatismus der Christen heraus entstanden ist oder auch den Antisemitismus, der aus der Rassenidee entstanden ist. In der Islamischen Welt hat es so etwas niemals gegeben. Die Kämpfe und der Unfrieden, welche zwischen Juden und Muslimen im 20. Jahrhundert im Mittleren Osten aufgetaucht sind, entstammen einer abseits der Religion, auf Rassismus basierenden Ideologie, dem Zionismus. Dafür sind die Muslime nicht verantwortlich. Der Zionismus ist sicherlich für die Muslime und für den Weltfrieden eine äußerst gefährliche und schädliche Ideologie. Der Kampf gegen die Idee des zionistischen Judentums ist die Aufgabe jedes Menschen, egal welcher Religion oder politischen Auffassung er ist, ebenso wie jedes Muslimen. Doch wie in Bezug auf alle Bereiche, muss auch hier Gerechtigkeit herrschen und vorurteilsfrei gehandelt werden. Wenn sich die Muslime gegen die Zionisten stellen, dann dürfen sie die unschuldigen Juden nicht unterdrücken und sind dazu verpflichtet, Ungerechtigkeiten zu verhindern. So wie jede Art des Rassismus ist auch der Antisemitismus eine Ideologie, die der Islamischen Moral widerspricht. Ein Muslim unterscheidet die Menschen nicht nach ihrer Religion, Rasse oder ethnischen Abstammung und ist gegen jede Art von Völkermord, Folter und Unterdrückung. Die Muslime Adnan Oktar


DIE SCHRIFTRELIGIONEN IM QURAN

unterstützen nicht die geringste Ungerechtigkeit, die gegen Juden oder ein anderes Volk begangen wird, sie verurteilen dies. Im Quran werden diejenigen, die sich subversiv verhalten, den Menschen unterdrücken und zu unrecht Leid zufügen, verdammt. Folgende Verse beschäftigen sich mit dem Thema: Und suche mit dem, was dir Gott gegeben hat, die künftige Wohnung, ohne deinen Anteil an dieser Welt zu vergessen. Und tu Gutes, so wie Gott dir Gutes tat, und stifte kein Verderben auf Erden; siehe, Gott liebt nicht die, welche Unheil stiften!" (Sure al-Qasas, 77) Wenn ihr euch abwendet, wollt ihr dann vielleicht Unheil auf Erden stiften und euere Blutsbande zerreißen? Solche (Leute) verflucht Allah. Er hat sie taub gemacht und ihre Augen geblendet. (Sure Muhammad, 22-23) Vorwurf trifft nur die, welche die Menschen unterdrücken und auf Erden ohne jede Rechtfertigung Gewalttaten verüben. Ihnen steht schmerzliche Strafe bevor. (Sure aschSchura, 42)

Entsprechend dem Willen Gottes dürfen die Reaktionen gegen den Zionismus niemals eine “Judenfeindlichkeit“ annehmen und unschuldige Menschen dürfen keinen Schaden dadurch nehmen. Gerecht und barmherzig sein bedeutet genau das. So wie der Antisemitismus sind auch die anderen Beispiele für Rassismus (beispielsweise gegen Schwarze) Irrungen, die aus unterschiedlichen Ideologien und eitlem Aberglauben entspringen. Wenn man den Antisemitismus und andere Beispiels für Rassismus näher betrachtet, so vertreten diese eine Moral, die ganz im Gegensatz der des Qurans steht und vertritt ein ebenso gegensätzliches Gesellschaftsmodell. In den Wurzeln Harun Yahya

55


56

GERECHTIGKEIT UND TOLERANZ IM QURAN

des Antisemitismus liegen Hass, Gewalt und Unbarmherzigkeit. Ein Antisemit kann so erbarmungslos sein, dass er sogar dafür eintritt, Juden (auch Frauen, Kinder und Alte) zu foltern oder zu töten. Dabei lehrt die Moral des Quran den Menschen Gerechtigkeit, Liebe, Erbarmen und Barmherzigkeit. er befiehlt den Muslimen sogar in Bezug auf ihre Feinde gerecht und wenn nötig versöhnlich zu sein. Im Quran heißt es: “… wer angeordnet, dass wer einen Menschen tötet, ohne dass dieser einen Mord begangen oder Unheil im Lande angerichtet hat, wie einer sein soll, der die ganze Menschheit ermordet hat…“ (Sure al-Ma’ida, 32) Daher ist es ein nicht als gering anzusehendes Verbrechen, wenn man auch nur einen einzigen unschuldigen Menschen tötet. Allerdings sind Antisemiten nicht bereit mit Menschen, die einer anderen Rasse, einer anderen ethnischen Abstammung oder einen anderen Glauben haben, zusammen zu leben. So sind beispielsweise die deutschen Rassisten, die Nazis, und die jüdischen Rassisten, die Zionisten, nicht bereit, dass Juden und Deutsche zusammenleben und beide Seiten betrachten die Anderen als Degeneration ihrer eigenen Rasse. Dabei trifft der Quran nicht die geringste Unterscheidung zwischen den Rassen und unterstützt Menschen unterschiedlicher Glaubensrichtungen dabei, zusammen in einer Gesellschaft zu leben. Im Quran werden diejenigen unterschieden, die nicht glauben und Gottes Religion nicht anerkennen. Es wird bekannt gegeben, dass gegen diejenigen, die sich gegen die Religion richten, Haltung angenommen werden muss aber gegen die, die keine Feindschaft zeigen, Gerechtigkeit obwalten muss. Gott verbietet euch nicht, gegen die gütig und gerecht zu sein, Adnan Oktar


DIE SCHRIFTRELIGIONEN IM QURAN

die euch nicht wegen eueres Glaubens bekämpft oder euch aus eueren Häusern vertrieben haben. Gott liebt fürwahr die gerecht Handelnden. 9. Gott verbietet euch nur, mit denen Freundschaft zu schließen, die euch des Glaubens wegen bekämpft oder euch aus eueren Wohnungen vertrieben oder bei euerer Vertreibung geholfen haben. Wer mit ihnen Freundschaft schließt, tut Unrecht. (Sure al-Mumtahina, 8-9)

Im Quran wird den Menschen befohlen, dass sie nicht gegen die Angehörigen einer Rasse, eines Volkes oder einer Religion pauschal richten sollen. In jeder menschlichen Gesellschaft gibt es gute und schlechte Menschen. Darauf macht der Quran aufmerksam. Nachdem beispielsweise erklärt wurde, dass ein Teil der Schriftreligionen sich gegen Gott und seine Religion auflehnen, wird festgestellt, dass es sich dabei um eine Ausnahme handelt. Es heißt wie folgt: Sie sind aber nicht alle gleich. Unter den Leuten der Schrift gibt es eine aufrechte Gemeinde, welche die Verse Gottes zur Zeit der Nacht liest und sich niederwirft. Diese glauben an Gott und an den Jüngsten Tag und gebieten das Rechte und verbieten das Unrechte und wetteifern in guten Werken; und sie gehören zu den Rechtschaffenen. Und was sie an Gutem tun, es wird ihnen niemals bestritten; und Gott kennt die Gottesfürchtigen. (Sure Al-Imran, 113-115)

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es für Muslime, die Ehrfrucht vor Gott haben und entsprechend den Geboten des Quran denken, nicht möglich ist gegen Juden aufgrund ihrer Religion oder ihres Glaubens eine Feindschaft zu hegen. Die Moral des Quran hat jede Art von Rassismus aufgehoben. Daher kann sich kein Muslime, der dem Quran verpflichtet ist, rassistisch verhalten und Menschen wegen ihrer Rasse Harun Yahya

57


58

GERECHTIGKEIT UND TOLERANZ IM QURAN

demütigen. Der Quran befiehlt, dass wenn gegenüber dem Islam und den Muslimen keine feindselige Haltung eingenommen wird, man sich gegenüber anderen Religionen höchst freundschaftlich und gemäßigt verhalten soll. Daher zeigen Muslime, die dem Quran verpflichtet sind, anderen Religionen, insbesondere den Schriftreligionen gegenüber, eine besonders freundschaftliche und gütige Haltung. Der Blickwinkel eines Muslims in Bezug auf das Judentum und den Völkermord muss auf diesen Grundmerkmalen beruhen. Kritik an den Juden darf lediglich aufgrund ihres rassistischen Verhaltens, dem Blutvergießen im Namen des Zionismus, einigen Verfälschungen an den Geboten des Alten Testaments und aufgrund der Unterdrückung anderer Menschen geübt werden. Der Wunsch der Muslime besteht darin, das sowohl die antisemitischen rassistischen Bewegungen als auch die von Seiten der Juden durchgeführten rassistischen Ideologien, wie der Zionismus, Geschichte werden und eine Weltordnung entsteht, in der alle Rassen und Glaubensrichtungen in Frieden und auf Gerechtigkeit beruhend zusammenleben.

Respekt vor den Andachtsorten der Schriftreligionen Die Muslime müssen den Andachtsorten der Schriftreligionen gegenüber respektvoll verhalten und diese Orte schützen. Egal ob diese den Christen oder den Juden gehören, weil man sich im Inneren an den Namen Gottes erinnert, sind sie für die Muslime wertvoll und müssen von allen Gläubigen geschützt werden. Der Quran sagt, dass die Andachtsorte der Schriftreligionen, also die Klöster, Kirchen und Adnan Oktar


DIE SCHRIFTRELIGIONEN IM QURAN

Synagogen, Gebetsorte sind, die unter dem Schutz Gottes stehen. Jenen, die schuldlos aus ihren Wohnungen vertrieben wurden, nur weil sie sagten: "Unser Herr ist Gott!" Und hätte Gott nicht die einen Menschen durch die anderen abgewehrt, wären (viele) Klöster, Kirchen, Synagogen und Moscheen, in denen Gottes Name häufig gedacht wird, bestimmt zerstört worden. Und wer Ihm helfen will, dem hilft gewiss auch Gott; denn Gott ist stark und mächtig. (Sure al-Hadsch, 40)

Unser Prophet (s.a.w.s) war sehr sensibel darauf, dass die Andachtsorte der Schriftreligionen nicht zerstört werden, da er in diesen Religionen eine Offenbarung der Gebote Gottes sah. Eine solche Zerstörung würde zuerst den Geboten Gottes widersprechen und außerdem bedeuten zu verhindern, dass die Menschen, die an Gott glauben, diesen Glauben ausleben könnten. Denn Prophet Muhammad (s.a.w.s) hat in seinem Friedensabkommen mit den Christen festgelegt, dass ihre Gotteshäuser nicht zerstört werden und ihnen keinerlei Schaden zugefügt werden wird. In dem Tributabkommen mit den Christen hat unser Prophet (s.a.w.s) ebenfalls eine Garantie gewährt, dass die Gotteshäuser nicht niedergerissen werden. Das erste Abkommen, das in der Zeit nach dem Prophet Muhammad darüber, dass die Kirchen nicht abgerissen werden, geschlossen wurde, stammt von Halid b. El-Velid mit der Verwaltung der Stadt Anat. Die Abkommen, die Ibn Ishak und Halid b. El-Velid abgeschlossen haben, wurden von Kalif Ebubekir nicht für ungültig erklärt und auch den späteren drei Kalifen schienen sie angemessen und wurden daher fortgeführt. 19 Außerdem bot Kalif Ebubekir dem Volk von Najran zu seiner Zeit dieselben Garantien an, wie seinerzeit des Harun Yahya

59


60

GERECHTIGKEIT UND TOLERANZ IM QURAN

Propheten Muhammad (s.a.w.s). Es fällt außerdem auf, dass die Gesellschaften, die der echten Islamischen Moral auch nach der Zeit des Propheten Muhammad (s.a.w.s) folgten, besondere Sensibilität in Bezug auf dieses Thema hatten. Diejenigen Muslimischen Herrscher, die dem Quran und der Lebensweise des Propheten (s.a.w.s) folgten, verhielten sich den Andachtsstätten der Nicht-Muslime in den eroberten Ländereien gegenüber immer sehr respektvoll und sie waren auch dem Klerus gegenüber respektvoll. Für lange Jahrhunderte lebten die Christen unter muslimischer Verwaltung und haben niemals wegen religiöser Angelegenheiten rebelliert. Das ist ohne Frage ein Ergebnis dessen, dass die Muslimischen Herrscher entsprechend der Gebote des Quran gerecht und tolerant waren.

Adnan Oktar


DER GESELLSCHAFTLICHE FRIEDEN UNTER WAHRER GERECHTIGKEIT

D

ie bisherigen Kapitel dieses Buches haben sich damit beschäftigt, welche Art von Gerechtigkeit laut dem Quran vorgesehen ist, wie sich die Gläubigen gegenüber den Anhängern der Schriftreligionen verhalten sollen und wie während der Zeit der Propheten Gerechtigkeit und Toleranz herrschten. Wenn man die Menschheitsgeschichte erforscht, lässt sich erkennen, dass die wahre Gerechtigkeit, unter der während der Zeit der Propheten gelebt wurde, auch während der Regierung der anderen Führer geherrscht hat, sofern diese über Gerechtigkeit verfügten. Auch den gerechten Führern nach unserem Propheten Muhammad (s.a.w.s) gelang es, indem sie die Moral des Quran achteten und dem Weg der Gesandten folgten, eine Gesellschaft aufzubauen, die in Frieden und Wohlbehagen lebte. Die im Quran beschriebene wahre Gerechtigkeit, Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit wurde auch während der Zeit der Herrscher fortgesetzt und sie waren damit den Menschen, die nach ihnen kamen, ein Beispiel. Harun Yahya


62

GERECHTIGKEIT UND TOLERANZ IM QURAN

Besonders das türkische Volk ist eine der seltenen Gesellschaften, die eine sehr ehrenvolle Vergangenheit hat und wegen seiner gerechten, toleranten und aufrichtigen Führung in die Geschichte eingegangen ist. Diese Tatsache, die wir auf den folgenden Seiten dieses Buches näher betrachten werden, wird von vielen westlichen Historikern bestätigt. Auch von Forschern, die Völkern angehören, die seit jahrhunderten unter der Führung türkischer Herrschaft stehen, wird diese Tatsache ehrlich zur Sprache gebracht. Die ersten Beispiele, die einem dabei einfallen, sind die Seldschuken und die Osmanen, die großen Repräsentanten des Türkischen Reiches. Die Herrscher dieser Reiche haben dafür gesorgt, dass über Jahrhunderte verschiedene Völker wahre Gerechtigkeit erleben und in der Gesellschaft Frieden und Toleranz herrschten.

Die Minister, die im großen Seldschukischen Reich mit der Gerechtigkeit betraut waren Nachdem die Türken dem Islam beigetreten waren, haben auch die Minister und Regenten damit begonnen, ihre Herrschaft entsprechend der Islamischen Moral auszuüben. Die Herrscher wendeten die Gerechtigkeit an, die Gott über den Quran vermittelt hat und erreichten damit große Erfolge, große Eroberungen und leisteten damit einen wichtigen Beitrag für die Verbreitung des Islam. Der britische Forscher Sir Thomas Arnold hat in seinem Buch The Preaching of Islam folgendermaßen erklärt, weshalb die Christen unter die Herrschaft der Seldschuken gehen wollten. “Die Tatsache, dass sie ihr religiöses Leben in Sicherheit wissen konnten, hat den Christen in Kleinasien (Anatolien) dabei geholfen, die seldschukischen Türken als Retter zu Adnan Oktar


DER GESELLSCHAFTLICHE FRIEDEN UNTER WAHRER GERECHTIGKEIT

betrachten. Unter Michael VIII (1261-1282) hat die Bevölkerung der kleinen Dörfer in Kleinasien sich an die Türken gewandt, damit sie ihre Dörfer einnehmen und sie so der Gewaltherrschaft der byzantinischen Kaiser entkommen. Einige sowohl reiche als auch arme Leute des Volkes haben auch eine Flucht in die türkischen Gebiete ins Auge gefasst. In dieser Glanzzeit des großen Türkischen Reiches war der Herrscher Melikschah besonders darauf bedacht, die Gebote des Quran umzusetzen. Er begegnete den Menschen in den von ihm eroberten Gebieten mit ausgesprochener Toleranz und Barmherzigkeit, weshalb ihn auch die Völker der unterworfenen Länder mit Liebe und Respekt aufnahmen. Der armenische Historiker Urfali Mathiu beschreibt das große Selduschukische Reich folgendermaßen: “Das Sultanat von Melikschah hat die Gunst Gottes erfahren. Seine Gerechtigkeit hat sich bis auf weit entfernte Ländereien erstreckt und auch den Armeniern Frieden geschenkt. Sein Herz war voller Zuneigung den Christen gegenüber. Er verhielt sich den eroberten Völkern gegenüber wie ein Vater. Viele Städte und Regionen sind aus eigenem Willen unter seine Regentschaft getreten. Alle griechischen und armenischen Ortschaften kannten seine Gesetze.“21

Alle unparteiischen Geschichtsschreiber betonen die gerechte und tolerante Haltung von Melikschah. Seine Toleranz hat die Herzen der Angehörigen der Schriftreligionen für ihn eingenommen. Es sind sogar viele Städte auf eigenen Wunsch unter die Verwaltung von Melikschah getreten, was in der Geschichte seines gleichen sucht. In demselben Buch erzählt Sir Thomas Arnold über einen Mönch aus dem Kloster San Denis mit Namen Odo de Diogilo, der als privater Schreiber Louis VII. auf den 2. Kreuzzug begleitet hat. Er beschreibt mit viel Harun Yahya

63


64

GERECHTIGKEIT UND TOLERANZ IM QURAN

Warmherzigkeit, wie gerecht die Muslime anderen Menschen begegnen, egal welcher Religion das Gegenüber angehört. “Hätte sich in den Herzen der Muslimischen Türken in Angesicht dieses Elends und dieses Jammers nicht Mitleid entwickelt, wäre es gräulich für die zurückgebliebenen Kreuzzügler geworden. Die Türken besahen sich die Wunden der hilflosen, ernährten großzügig die Armen und befreiten sie von ihrem Leid. Einige Muslime haben sogar das französische Geld, welches den Kreuzzüglern von den Griechen durch Bedrohung und Betrug abgenommen worden war, zurückgekauft und denen gegeben, die es benötigten. Dass die Kreuzzügler zum einen mit dem schützenden Verhalten derer, die nicht derselben Religion angehören und gleichzeitig den Aktionen der Griechen, die schlugen und betrogen, konfrontiert waren, führte dazu, dass viele auf eigenen Wunsch hin die Religion der Muslime annahmen, die sie errettet hatten.“22 Odo de Diogilo beschreibt seine Erlebnisse während des 2. Kreuzzugs. Mit folgender Zeile beschreibt er, zu welch schönem Resultat die Toleranz, Barmherzigkeit und gerechte Haltung der Muslimen führte: “Sie entfremdeten sich von ihren Glaubensbrüdern, die sich ihnen gegenüber brutal verhielten und gingen unter den Schutz derer, die in ihren Augen ohne Glauben waren, doch deren Gesetze sanftmütig und barmherzig waren. Und so wie wir vernommen haben, haben bis zu dreitausend dem Drang der Türken nachgegeben... Aber in Wirklichkeit haben die Dienste der Muslimen ausgereicht und kein einziger wurde dazu gezwungen, seine Religion aufzugeben."23

Diese Zeilen, die von Historikern geschrieben sind, belegen, dass die Islamische Moral auch während Zeiten des Krieges und der Schwierigkeiten die Gerechtigkeit befohlen hat. Diese Adnan Oktar


DER GESELLSCHAFTLICHE FRIEDEN UNTER WAHRER GERECHTIGKEIT

erhabene Moral, welche die Türken – während auf der gesamten Welt despotische Herrscher regierten - gezeigt haben, ist ein Zeichen für ihre Verbundenheit mit dem Quran und ihren hohen Charakter. Daher wurden auch die Völker oder Gruppen, die mit den Türken konfrontiert waren, egal wie groß ihre Vorurteile gegen den Islam gewesen sein mochten, in Anbetracht der Muslimischen Moral, ganz so wie die Christen im Heer der Kreuzritter, ihre Herzen erweicht und mit Liebe zum Islam angefüllt.

In die Länder, die vom Osmanischen Reich erobert wurden, zog die Gerechtigkeit ein Die Geschichte liefert uns viele Beispiele, wie Frieden und Ruhe in das soziale Leben der Gesellschaften einkehrte, die nach der Islamischen Moral lebten. Das Osmanische Reich ist ein Beispiel für diese Gerechtigkeit. Das Osmanische Reich erstreckte sich über Jahrhunderte über große Teile von drei Kontinenten. Noch heute kann man auf dem Balkan, im mittleren Osten, in Nordafrika und an vielen Orten die Spuren des Osmanischen Reiches sehen. Überall, wo das Osmanische Reich Fuß fasste, wurde der erhabene Charakter der Türken bekannt. Das zehnbändige Werk Histoire de la Turquie von La Marine aus dem Jahr 1854 spiegelt sehr schön die Spuren der Osmanen heute wieder. “Besuchen Sie Izmir, Istanbul, Syrien oder den Libanon. Gehen Sie dort in die Klöster, die religiösen Orte oder die Ausbildungsanstalten. Betrachten Sie sich die Konzessionsschulen und fragen Sie “Mangelt es am Verhalten oder am Schutz der Osmanen Ihnen gegenüber?“ Sie alle werden Ihnen gegenüber die Unparteilichkeit des Osmanischen Sultans erwähnen… Es ist Harun Yahya

65


66

GERECHTIGKEIT UND TOLERANZ IM QURAN

eine Tatsache, dass der Herrschaft über diese religiösen Orte die Osmanen ganz unparteiisch, respektvoll und friedlich gegenüberstehen…“24 Das Osmanische Reich war dank seiner gerechten Herrschaft, angefangen von dessen Gründer Osman Bey bis hin zu Sultan Mehmet dem Eroberer, der Menschheit ein Beispiel. Zu dieser Zeit lebten die Menschen jeder Religion und jeden Glaubens friedlich zusammen. Es gab sogar Gruppen, die sich vollkommen aus feien Stücken an Sultan Mehmet übergaben. Das zeigt, wie zufrieden die Menschen mit seiner gerechten Herrschaft waren. Wie in allen Muslimischen Staaten, haben auch die Osmanischen Sultane sich den Nicht-Muslimen in den von ihnen eroberten Gebieten gegenüber äußerst gerecht verhalten.25 Denn nach der Moralvorstellung des Quran sind die Einwohner dieser Gebiete unter der Obhut Gottes. Diese zu schützen und zu verhindern, dass ihnen Schaden zugefügt wird, ist die Aufgabe der gerechten Herrscher. Daher haben es sich die Osmanischen Sultane zum Ziel gemacht Wohlstand in die eroberten Gebiete zu bringen, während die europäischen Staaten in den von ihnen besetzen Ländereien Völkermord begingen, das Volk unterdrückten und den natürlichen Reichtum der Länder vernichteten. Die Osmanen haben nicht versucht den Glauben der eroberten Völker zu ändern, ganz im Gegenteil haben sie dafür gesorgt, dass die Menschen ihre Religion in Frieden ausleben konnten.26 Die Türken haben die Sprache, Religion sowie weite Teile der sozialen und administrativen Strukturen derer, die unter ihrer Verwaltung lebten, sprich die Kultur, nicht eingeschränkt. Daher konnten in dieser Zeit Menschen unterschiedlicher Religionen Adnan Oktar


DER GESELLSCHAFTLICHE FRIEDEN UNTER WAHRER GERECHTIGKEIT

und Völker friedlich zusammenleben. Zu diesem Thema äußert sich der Historiker A. Miquel: “Die Christlichen Volksgruppen fanden sich unter einer sehr guten Verwaltung wieder, wie sie sie zur Zeit des byzantinischen oder lateinischen Staates nicht gekannt hatten. Sie hätten niemals eine systematische Unterdrückung erfahren. Ganz im Gegenteil wurde das Reich, insbesondere Istanbul, ein Zufluchtsort für Juden, die in Spanien gefoltert wurden. Nirgendwo wurde eine Islamisierung erzwungen.“27

Die Länder unter türkischer Herrschaft, in denen nach Islamischer Gerechtigkeit regiert wurde, waren für Menschen aller Religionen eine Erleichterung. So konnten beispielsweise die anatolischen und griechischen Nicht-Muslimen während des Osmanischen Reiches nach ihren alten Sitten weiterleben, ohne dass gegen ihre Religion oder ihr soziales Leben vorgegangen worden wäre.28 Die Osmanischen Herrscher haben für soziale Gerechtigkeit gesorgt und dafür, dass entsprechend den eindeutigen Geboten des Quran Niemand aufgrund seiner Rasse, Sprache oder ethnischen Herkunft diskriminiert wird und die Menschen miteinander leben. Der Historiker Ismail Hakki Uzuncarsili beschreibt in seinem Buch Osmanli Tarihi (Osmanische Geschichte), als was für eine Befreiung die nichtMuslimischen Völker die große Toleranz der Türken betrachtet haben: “Dadurch, dass die Türken den religiösen Gefühlen und Gewissen der nicht-Muslimischen Gemeinden Respekt gezeigt haben, haben diese Menschen die Osmanische Verwaltung als Rettung aufgefasst.“29

Der europäische Historiker Richard Peters beschreibt die Gerechtigkeit, welche die Türken, die den Islam angenommen hatten, ihren über die Jahrhunderte Eroberten Ländern Harun Yahya

67


68

GERECHTIGKEIT UND TOLERANZ IM QURAN

gegenüber gezeigt haben, folgendermaßen: “Die Türken haben über Jahrhunderte über die verschiedensten Völker geherrscht. Doch sie haben niemals versucht, diese zu assimilieren. Sie verliehen ihnen Freiheit und die Möglichkeit, ihre Religionen und Kulturen auszuleben."30

Alle diese Beispiele belegen, dass die Türken die eroberten Länder nicht unterdrückt haben, sondern den Rechten der Menschen gegenüber Respekt bewiesen. So wie die Seldschuken, haben auch die Osmanischen Sultane die Menschen, die in den von ihnen eroberten Gebieten lebten unter ihren Schutz gestellt und sich die Aufgabe, diese zu schützen, zu eigen gemacht. Daher konnten Menschen unterschiedlicher Völker und Religionen ohne Streit und Zwist friedlich zusammen leben. Wären die Osmanischen Herrscher nicht so gerecht gegenüber den unterschiedlichen Gruppierungen, aus denen sich die Gesellschaft zusammensetzte, gewesen, hätten sie nie so ein fest verwurzeltes Reich aufbauen können und die Menschen über Jahrhunderte zusammenhalten. Allerdings können wir beobachten, dass die hohen Ideale und Vorstellungen, die sie durch den Islam gewonnen haben, ihnen eine äußerst weit entwickelte Kultur und Zivilisation geschenkt hat.

Die gerechte Führung in der ersten Zeit des Osmanischen Reiches Bereits in den ersten Jahren nach Gründung des Osmanischen Reiches haben es sich die Gründer des Staates zum Grundsatz gemacht, gerecht zu handeln. Den unterschiedlichen Religionsgruppen und Ungläubigen, mit denen sie zusammenlebten, gegenüber bestand eine gerechte Herrschaft, Adnan Oktar


DER GESELLSCHAFTLICHE FRIEDEN UNTER WAHRER GERECHTIGKEIT

es wurden keinerlei Versuche unternommen, die Religion zu verändern und zu jeder Zeit bestand das Ziel darin, in Frieden miteinander zu leben. Osman Bey, der Gründer des Osmanischen Reiches, unterhielt freundschaftliche Beziehungen zu den NichtMuslimen und Muslimen in seinem Reich. Aufgrund dieser guten Beziehungen konnte ein gegenseitiges Vertrauensverhältnis entstehen. Als Osman Bey beispielsweise mit seiner Sippe auf eine Hochebene ging, überließ er sein Hab und Gut den NichtMuslimen in Bilecik. Bei seiner Rückkehr brachte er ihnen Öl, Käse und Teppiche als Geschenk.31 Weil der von Osman Bey gegründete Bazar in Eskisehir so sicher war, gingen die NichtMuslime und Germiyan häufig für ihre Einkäufe dorthin.32 Mit den Nicht-Muslimen bestand ein intensiver Dialog und soziale Beziehungen. Eine Begebenheit, die der Historiker Joseph von Hammer in seinem Buch Osmanli Tarihi (Osmanische Geschichte) beschreibt, zeigt, dass Osman Bey zwischen den Menschen immer Gerechtigkeit obwalten lies, egal welcher Religion sie angehörten. “Eines Tages brachte ein Nichtmuslim aus Bilecik eine Ladung Gläser auf den Bazar. Ein Muslim aus Germiyan erstand eines davon, doch er zahlte nicht. Der Nicht-Muslim wandte sich an Osman Bey, um sich über den Germiyanen zu beschweren. Osman Bey rief diesen zu sich, verlangte das Geld und übergab es dem Nicht-Muslim. Auf diese Weise vermittelte Osman Bey, dass niemand den Nicht-Muslimen in Bilecik Schaden zufügen darf. Osman Bey war so gerecht, dass sogar die nichtMuslimischen Frauen auf den Bazar in Bilecik gehen konnten, um sicher einzukaufen. Das nicht-Muslimische Volk war während der Herrschaft von Osman Bey in Sicherheit und unter Harun Yahya

69


70

GERECHTIGKEIT UND TOLERANZ IM QURAN

seinem Schutz. Folgende Antwort gab Osman Bey, wenn man ihn nach dem Grund für die Gerechtigkeit, die er den NichtMuslimen in Bilecik zukommen lies, fragte. “Es sind unsere Nachbarn. Auch zu Zeiten, in denen wir ihnen fremdartig erschiehen, waren sie uns freundlich gesonnen. Jetzt müssen wir ihnen unsere Hochachtung zeigen.“33 Die hohe Moral, die Osman Bey aufwies, folgt dem Befehl, den Gott und im Quran mitgeteilt hat. Und dient Gott und setzt Ihm nichts an die Seite. Und seid gut zu den Eltern, den Verwandten, den Waisen, den Armen, dem Nachbar, sei er einheimisch oder aus der Fremde, zu den Kollegen, den Reisenden und zu denen, welche ihr von Rechts wegen besitzt. Siehe, Gott liebt nicht den Hochmütigen, den Prahler. (Sure an-Nisa, 36)

Ein Verhalten entsprechend der Moral des Quran hat die Herzen vieler Menschen für den Islam erwärmt. Nachdem Osman Bey Yarihisar, Inegöl, Bilecik und Yenisehir erobert hatte, begegnete er den dort lebenden Nichtmuslimen mit Gerechtigkeit und Toleranz, er ließ ihnen auch ihr Land. Und zwar dergestalt, dass diejenigen, die in diesen Ländereien lebten, ein sehr viel besseres Leben hatten als vor der Herrschaft der Osmanen und innerhalb kurzer Zeit die Ländereien florierten. Weil so viel Sicherheit und Gerechtigkeit in den Ländern Osman Beys herrschte, strömten auch die Nicht-Muslimen aus anderen Regionen, die davon gehört hatten, in das Reich Osmans, um sich dort niederzulassen.34 Hätte Osman Bey die Gerechtigkeit, Toleranz und Sicherheit, die der Islam bringt, nicht hergestellt, hätte sich auf den von ihm eroberten Gebieten eine Feindschaft zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen entwickeln können. Doch weil er ein Herrscher war, der den Befehlen Gottes folgte, Adnan Oktar


DER GESELLSCHAFTLICHE FRIEDEN UNTER WAHRER GERECHTIGKEIT

hat er den Menschen die Gerechtigkeit befohlen. Es ist weiterhin bekannt, das Osman Bey als Zeichen seiner Toleranz und seines Respekts auf Hochzeiten der Nicht-Muslimen teilnahm und Geschenke brachte.35 Ein weiteres Beispiel für die gerechte Haltung Osman Beys liefert das Buch Osmanli Tarihi (Osmanische Geschichte) von Joseph von Hammer. “An einem Freitag entbrannte ein Streit zwischen einem Muslimen, der einer Germiyanischen Türkischen Sippe entstammte und einem Christen der griechischen aus Bilecik, bei dem Osman für den Christen Recht sprach. Daraufhin haben alle Rechtsliebenden im Land damit begonnen, von dem Recht und der Gerechtigkeit von Osman, dem Sohn des Ertugrul, zu sprechen. Denn die Legende besagt, dass Osman Bey vor seinem Tod seinem Sohn Orhan als Vermächtnis hinterlassen haben soll, dass er “über alle Menschen die Gleichheit bewahren möge und diejenigen, die ihm untergeben sind, zufrieden stellen“37 möge. Seine gerechte Herrschaft war vielerorts bekannt. Daher musste Osman Bey bei der Eroberung Bursas keinerlei Gewalt anwenden. Der Burgfürst übergab sich aus freien Stücken. Daraufhin fragte der Veteran Orhan den Wesir des Burgfürsten namens Saroz, weshalb er die Festung übergeben hatte. Unter anderem erhielt er folgende Antwort: “Die, die unter Ihrem Schutz stehen, haben es gut. Auch wir wünschen uns das.38 Auch die Griechen in Bursa gaben dieselbe ehrliche Antwort auf diese Frage. “Wir haben verstanden, dass ihr Staat von Tag zu Tag wächst und unserer untergeht. Die Dörfer, die unter die Verwaltung ihres Vaters gefallen sind, sind zufrieden damit. Wir haben Harun Yahya

71


72

GERECHTIGKEIT UND TOLERANZ IM QURAN

gesehen, dass man uns aufgenommen hat und auch wir wollen diesen Frieden erleben.“39 Wie tolerant sich Orhan Gazi und die Staatsmänner in seinem Gefolge den Christen gegenüber benahmen, zeigt ein Brief von Gregory Palama, dem Erzbischof von Thessaloniki aus dem Jahr 1355, nachdem er in Gefangenschaft bei den Osmanen geraten war. In seinem Brief schreibt Palamas, dass die Christen in den Muslimischen Ländern ganz frei sind und dass Süleyman Pascha, der Sohn Orhan Beys ihm offene Fragen über das Christentum gestellt habe und auch Sultan Orhan persönlich mit seinen Glaubensbrüdern Diskussionen geführt habe.40 Orhan Gazi verhielt sich nicht nur den Christen, sondern auch den Juden gegenüber äußerst gerecht und tolerant. Weil die Juden, die in Edirne und anderen Städten Trakiens lebten, viel staatliche Unterdrückung erfahren hatten, haben sie mit großer Freude die Eroberung durch die Türken begrüßt.41 Auch zu Zeiten Murats I. wurde diese Vorgehensweise der Osmanischen Imperatoren gegenüber den Juden fortgesetzt. Der zeitgenössische byzantinische Geschichtsschreiber Khalkokondylas beschreibt die Gerechtigkeit und Toleranz Sultan Murats folgendermaßen: “Den Völkern und Personen gegenüber, die ihm gehorsam waren und dienten, verhielt er sich stets gut, sanft und großzügig, egal welcher Religion sie anhingen. Denjenigen gegenüber, die feindselig waren, war er unerbittlich. Kein Feind konnte seiner Hand entkommen. Auch wenn sein gegebenes Wort später gegen ihn verwendet wurde, blieb er loyal und erhielt daher das Vertrauen sowohl von Freund als auch Feind.“42

Ein weiterer Historiker, der Brite Gibbon, beschreibt Murats Toleranz den Christen gegenüber folgendermaßen. Adnan Oktar


DER GESELLSCHAFTLICHE FRIEDEN UNTER WAHRER GERECHTIGKEIT

“Er stand über allen Herrschern und Staatsmännern seiner Zeit. Er hat sogar die Träume, die sein Vater gesetzt hat, bei weitem überschritten. Eine der erstaunlichsten Entwicklungen in der Geschichte wurde zu Gunsten der Osmanen entschieden. Sie behandelten die Orthodoxen und die Katholiken bei weitem besser, als diese sich gegenseitig behandelt hatten.“43 Alle diese Beispiele zeigen, dass das Osmanische Reich nach der Gründung und in den ersten Jahren schnell an Macht gewonnen hat. Die gerechte Haltung der Herrscher gegenüber den Anhängern anderer Religionen hatte einen sehr positiven Einfluss und das Osmanische Reich konnte sich mit atemberaubender Geschwindigkeit ausbreiten. Der Grund, weshalb diese rasante Entwicklung auch während der Regierungszeit der übrigen Sultane so schnell fortgesetzt werden konnte, lag darin, dass sie dieselbe tolerante und gerechte Haltung hatten. Die Toleranz und Gerechtigkeit zu Zeiten Sultan Mehmets des Eroberers wird von allen Historikern offen beschrieben.

Zu Zeiten Sultan Mehmets dem Eroberer bestand wahre Gerechtigkeit Während der Zeit Sultan Mehmets des Eroberers dehnte sich das Imperium auf drei Kontinente aus und mit der Eroberung Istanbuls begann ein neues Zeitalter. Nicht nur für die osmanische Geschichte, auch für Europa war dies ein Wendepunkt. Durch einen militärischen Geniestreich konnte Istanbul erobert werden und nach dieser epochalen Veränderung brachte Sultan Mehmet in alle neu eroberten Länder die Gerechtigkeit und Toleranz des Islam. Die Toleranz des Sultan Mehmet gegenüber den Harun Yahya

73


74

GERECHTIGKEIT UND TOLERANZ IM QURAN

Schriftreligionen ist bis heute mit vielen Abkommen belegt. Die Toleranz, die er aus seiner Islamischen Moral schöpfte, wandte er gegen Christen, Juden, Armenier und Aramäer an.44 Daher waren viele fremde Völker höchst zufrieden, wenn sie unter die Regentschaft Sultan Mehmets kamen. Der byzantinische Herrscher Düka Notaras hat diese Tatsache mit dem Ausspruch “Ich bevorzuge es eher, den Turban der Türken in Byzanz zu sehen, als den Hut der Lateiner.“ Zu Beginn hatten die Nicht-Muslime große Angst nach der Eroberung Istanbuls durch Sultan Mehmet. Sie gingen davon aus, dass sie Unterdrückung und Angriffen ausgesetzt werden würden und ein Teil floh oder versammelte sich in der Hagia Sophia. Doch Sultan Mehmet der Eroberer begegnete ihnen mit Toleranz und Gerechtigkeit und verlangte von ihnen, dass sie sich nicht fürchten mögen und in ihre Häuser zurückkehren und ihren normalen Geschäften nachgehen mögen.46 Er hat in Bezug auf ihre Religion keinerlei Druck ausgeübt und ganz im Gegenteil die Religionsvertreter besonders tolerant empfangen und eine Grundlage geschaffen, dass sie ihre Religion in Frieden ausleben können. Im Palast lebten Muslimische und christliche Gelehrte Seite an Seite und diskutierten alle wissenschaftlichen Themen miteinander. 47 Sultan Mehmet versuchte das Christentum mit Hilfe eines Christen zu verstehen48 und gab an den Patriarchen einen Erlass aus, dass die Gemeinde Jesu einen “Modus Vivendi“ zusprach. Mehmet verlieh dem Patriarchat große Möglichkeiten und so erhielt es zum ersten Mal während der Türkenzeit Autonomie. Der Historiker Hammer hat anhand von Quellen in Ost und West herausgefunden, dass der Sultan dem Patriarchen folgenden Freispruch zukommen lies: Adnan Oktar


DER GESELLSCHAFTLICHE FRIEDEN UNTER WAHRER GERECHTIGKEIT

“Niemand darf den Patriarchen unter seine Herrschaft stellen. Niemand, egal war, darf ihn berühren. Der Patriarch und die hohen Mönche in seinem Gefolge sind auf unbefristete Zeit von allen allgemeinen Diensten freigestellt:“50

Sultan Mehmet hat direkt nach der Eroberung damit begonnen, sich für die Rechte der Nicht-Muslime zu interessieren und Gennadius zum Griechisch-Orthodoxen Patriarchat geschickt, um ein Abkommen mit ihnen zu schließen. Mit den Angehörigen der Schriftreligionen in Galata schloß er ein Abkommen, dass die Kirchen in Galata nicht beschlagnahmt oder in Moscheen umgewandelt werden und dass keine Einmischung in die Ausübung der Religion stattfinden wird und auch kein Nicht-Muslime zum Übertritt zum Islam gezwungen werden wird.51 Ein anderes Abkommen aus derselben Zeit besagt, dass die spirituellen Führer, die bis dahin den Titel “Metropolit“ trugen, diesen auch weiterhin tragen dürfen.52 Aber nicht nur den Christen, auch den Juden räumte Sultan Mehmet der Eroberer Rechte ein. Sie erhielten das Recht ihre Religion frei auszuleben und ihre eigenen Rabbis und Synagogen zu haben. Sultan Mehmet lud den ersten Rabbi der osmanischen Zeit zu sich ein, erlangte dessen Gunst und erliess ein Dekret, dass er allen Gerichtsverhandlungen, an denen Juden beteiligt waren, beiwohnen durfte.53 Dieser Fortschritt, der mit der Eroberung Istanbuls durch Sultan Mehmet begonnen hatte, wurde von den späteren Sultanen fortgesetzt. Zwei Mal stand das osmanische Heer vor den Toren Wiens, Serbien, Albanien, Bosnien-Herzegowina, Rumänien und der gesamte Balkan wurden erobert, Ungarn viel unter Osmanischen Schutz und die Osmanen eroberten die Meere. Das Harun Yahya

75


76

GERECHTIGKEIT UND TOLERANZ IM QURAN

Schwarze Meer wurde ein See innerhalb der Türkei, die Peleponez, Rhodos, Kreta, Chios und viele weitere Inseln in der Ägäis, wurden eingenommen, der Kaukasus wurde erobert, Bagdad, Täbris, Jemen, Syrien, Irak, Libanon, Ägypten, Palästina, Jerusalem, Marokko, Tunis, Algerien, Ostanatolien, die Gewürzstraße, Polen und viele weitere Orte gehörten dem Türkischen Reich an. Alle Menschen, egal welcher Konfession oder Ausrichtung sie waren, die auf den eroberten Gebieten wohnte, lebten in Frieden und Toleranz. Niemand wurde wegen seiner Religion, seiner Sprache oder seiner Rasse unterdrückt. Ganz im Gegenteil, die Menschen mit unterschiedlichen Glaubensrichtungen, Sitten und Bräuchen konnten ohne Zwist friedlich über Jahre unter der gerechten Herrschaft der Osmanen leben. Eine Gesellschaft, die so eine gerechte und tolerante Regierung hat, ist noch heute das Modell, was am meisten vermisst wird. Die einzige Lösung besteht darin, die Moral des Quran vollständig zu leben. Wie wir anhand der oben aufgeführten Beispiele gesehen haben, haben die Herrscher, die sich nach der Moral des Quran richteten und die Menschen, die von ihnen regiert wurden, in größtmöglichem Wohlstand gelebt. Weil sie nach der Moral lebten, die der Quran befiehlt, wurden vom höchsten Regenten bis hin zum Gewerbetreibenden jedem Einzelnen Mitglied der Gesellschaft Frieden und Ruhe gebracht, dadurch dass sie gerecht, barmherzig, tolerant, liebevoll, respektvoll, verzeihend und aufrichtig waren. Es spricht nichts dagegen, dass eine solche Gesellschaft nicht wieder entstehen könnte. Das einzige, was dafür notwendig ist, ist dass die einzelnen Menschen selber damit beginnen, ein Leben nach der Moral des Quran zu führen und sich dann darum bemühen, dass dieselbe Moral sich weiter unter den Menschen verbreitet. Adnan Oktar


ZUSAMMENFASSUNG:

I

n diesem Buch war davon die Rede, was für ein Verständnis von Gerechtigkeit und Toleranz ein Gläubiger haben muss und was für eine Gesellschaft entsteht, wenn solch eine Gerechtigkeit und Toleranz zwischen den Menschen gelebt wird. Doch hier gibt es einen wichtigen Punkt zu beachten. Damit innerhalb der Gesellschaft Gerechtigkeit herrschen kann, müssen die Menschen sich bemühen, sie müssen dieselbe Sorgfalt auch darauf verwenden, das Leben mit Gottes Religion und den Versen des Quran zu füllen. Daher müssen die Muslime, die an den Quran glauben, das Verständnis von echter Gerechtigkeit ganz in ihr Leben einbeziehen. So sehr, wie ein Muslim die Gebote und religiösen Handlungen, die Gott im Quran mitgeteilt hat erledigen muss, so sehr muss er auch die Gerechtigkeit, die Gott befohlen hat und Toleranz obwalten lassen. Anderenfalls würde das bedeuten, dass der Gläubige an einen Teil des Quran glaubt und an einen anderen nicht und im Quran wird auf eine weitere Tatsache hingewiesen, welche die Menschen bedenken sollten: ... Glaubt ihr denn nur einem Teil der Schrift und leugnet einen anderen? Wer aber solches unter euch tut, den trifft kein anderer Lohn als Schande (schon) in diesem Leben. Und am Harun Yahya


78

GERECHTIGKEIT UND TOLERANZ IM QURAN

Tag der Auferstehung werden sie der schwersten Strafe ausgeliefert werden; denn Gott ist nicht achtlos dessen, was ihr tut. (Sure al-Baqara, 85)

Der Gläubige weiss, wie gewaltig die Qualen sein können, die Gott in den Versen offenbart hat. Gott lässt die Gerechtesten die perfekteste Gerechtigkeit zwischen den Menschen verwirklichen. So wie im Diesseits Gerechtigkeit herrscht, so zeigt er sie seinen Sklaven auch im Jenseits. Jede Bewegung, die ein Mensch während seines Lebens tut, jedes Wort, das er spricht, jeder Gedanke, jede kleine oder große Handlung zieht Gott zu seiner Beurteilung der Gerechtigkeit hinzu und die Menschen werden dementsprechend belohnt oder bestraft. Entweder winken die endlosen Freuden des Paradieses oder die schrecklichen Qualen der Hölle. Zu Ihm ist euere Heimkehr allzumal. Gottes Verheißung ist wahr. Siehe, Er bringt die Schöpfung hervor. Dann lässt Er sie sich wiederholen, auf dass Er diejenigen gerecht belohne, die glauben und das Rechtschaffene tun. Und die Ungläubigen ihnen ist ein siedender Trank und schmerzliche Strafe bestimmt, weil sie nicht glaubten. (Sure Yunus, 4)

Daher vermeiden gläubige Muslime jede Art von Verhalten, das Gott nicht zufrieden stellt. Der Grund für das friedliche und friedliebende soziale Leben zu Zeit unseres Propheten (s.a.w.s), den Kalifen, die seinem Weg folgten und allen Muslimischen Herrschern, liegt in ihrer Verbindlichkeit zum Quran. Dieses Buch hat mit den schönsten Beispielen beschrieben, wie auch das Muslimische Volk der Türken mit Gerechtigkeit, Toleranz, Barmherzigkeit, Gewissen und Ehre der Welt eine Ordnung geschenkt hat und eine ehrenvolle Vergangenheit erlangte. Daher gibt es kein Hindernis dabei von den Adnan Oktar


ZUSAMMENFASSUNG

Erfahrungen der Vergangenheit zu profitieren und f端r Gerechtigkeit zu sorgen und dadurch die Unterdr端ckung zu beenden. Das einzige, was daf端r unternommen werden muss besteht in der nationalen Einheit und sich ernsthaft daf端r einzusetzen, dass die Moral die im Quran gelehrt wird, an die Macht kommt.

Harun Yahya

79


DER EVOLUTIONSSCHWINDEL

D

ie Evolutionstheorie wurde aufgestellt mit dem Ziel, die Tatsache der Schöpfung zu leugnen. In Wahrheit ist sie nichts als peudowissenschaftlicher Unsinn. Die Theorie behauptet, das Leben sei durch Zufall aus toter Materie entstanden, doch sie wurde durch den wissenschaftlichen Beweis der wunderbaren Ordnung des Universums einschließlich der Lebewesen widerlegt. So hat die Wissenschaft die Tatsache bestätigt, dass Gott das Universum und alles Leben in ihm erschaffen hat. Die heutige Propaganda, die die Evolutionstheorie am Leben halten soll, basiert einzig und allein auf der Verdrehung wissenschaftlicher Fakten, auf voreingenommenen Interpretationen und auf Lügen und Fälschungen, die als Wissenschaft verkleidet werden. Doch all die Propaganda kann die Wahrheit nicht verbergen. Die Tatsache, dass die Evolutionstheorie der größte Betrug der Wissenschaftsgeschichte ist, wurde in den vergangenen 30 Jahren in der wissenschaftlichen Welt immer öfter ausgesprochen. Insbesondere die Forschungen in den 1980er Jahren haben offen gelegt, dass die Behauptungen des Darwinismus völlig unbegründet sind, etwas, dass schon lange von einer großen Zahl Wissenschaftler festgestellt worden war.

Adnan Oktar


DER EVOLUTIONSSCHWINDEL

Besonders in den USA erkannten viele Wissenschaftler aus so unterschiedlichen Gebieten wie der Biologie, Biochemie und Paläontologie die Ungültigkeit des Darwinismus, und sie erklären nunmehr den Ursprung des Lebens mit der Schöpfung. Wir haben den Zusammenbruch der Evolutionstheorie und die Beweise der Schöpfung in vielen unserer Werke wissenschaftlich detailliert dargestellt, und wir tun dies weiterhin. Der vorliegende Artikel fasst dieses bedeutende Thema zusammen.

Der wissenschaftliche Zusammenbruch des Darwinismus Obwohl der Grundgedanke des Darwinismus bis ins antike Griechenland zurück reicht, wurde die Evolutionstheorie erst im 19. Jahrhundert intensiv verbreitet. Die Entwicklung gipfelte 1859 in der Veröffentlichung von Charles Darwins Der Ursprung der Arten, wodurch sie zum zentralen Thema in der Welt der Wissenschaft wurde. In seinem Buch bestritt er, dass Gott alle Lebewesen auf der Erde getrennt erschaffen hat, denn er behauptete, alles Leben stamme von einem gemeinsamen Vorfahren ab und habe sich im Lauf der Zeit durch kleine Veränderungen diversifiziert. Darwins Theorie basierte nicht auf konkreten wissenschaftlichen Befunden; er gab auch zu, sie sei nur eine “Annahme“. Mehr noch, Darwin gestand in dem besonders langen Kapitel seines Buches “Probleme der Theorie“, seine Theorie versage angesichts vieler kritischer Fragen. Darwin setzte alle seine Hoffnungen in neue wissenschaftliche Entdeckungen, von denen er erwartete, sie würden diese Probleme lösen. Doch entgegen seinen Erwartungen vergrößerten neue wissenschaftliche Erkenntnisse Harun Yahya

81


82

GERECHTIGKEIT UND TOLERANZ IM QURAN

nur die Dimension dieser Probleme. Die Niederlage des Darwinismus angesichts der Wissenschaft kann anhand dreier Grundgedanken der Theorie festgestellt werden: 1) Die Theorie kann nicht erklären, wie das Leben auf der Erde entstand. 2) Kein wissenschaftlicher Befund zeigt, dass die von der Theorie vorgeschlagenen “evolutionären Mechanismen“ eine wie auch immer geartete evolutionäre Kraft hätten. 3) Der Fossilienbestand beweist genau das Gegenteil dessen, was die Theorie nahe legt. In diesem Abschnitt werden wir diese drei Punkte im Allgemeinen untersuchen.

Der erste unüberwindliche Schritt: Die Entstehung des Lebens Die Evolutionstheorie setzt voraus, dass alle lebenden Arten sich aus einer einzigen lebenden Zelle entwickelt haben, die vor 3,8 Milliarden Jahren auf der Erde entstanden sein soll. Wie eine einzige Zelle Millionen komplexer lebender Arten generiert haben soll, und – falls eine solche Evolution tatsächlich stattgefunden hat – warum man davon keine Spuren im Fossilienbestand finden kann, sind Fragen, die die Theorie nicht beantworten kann. Doch zuallererst müssen wir fragen: Wie kam es zu der “ersten Zelle“? Da die Evolutionstheorie die Schöpfung und jede Art übernatürliche Intervention ausschließt, muss sie behaupten, die “erste Zelle“ sei zufällig im Rahmen der gegebenen Naturgesetze aufgetaucht, ohne irgendein Design, einen Plan oder ein anderes Arrangement. Der Theorie zufolge muss unbelebte Materie eine lebende Zelle produziert haben, als Adnan Oktar


DER EVOLUTIONSSCHWINDEL

Ergebnis zufälliger Ereignisse. Doch diese Behauptung widerspricht dem unerschütterlichsten Grundsatz der Biologie:

“Leben entsteht aus Leben“ Nirgendwo in seinem Buch bezieht sich Darwin auf den Ursprung des Lebens. Das primitive Wissenschaftsverständnis seiner Zeit beruhte auf der Annahme, Lebewesen hätten eine sehr einfache Struktur. Seit dem Mittelalter war die Hypothese der spontanen Entstehung weithin akzeptiert, die davon ausgeht, dass nicht lebende Materialien zusammen kommen und lebende Organismen bilden können. Man glaubte beispielsweise, Insekten entstünden aus Nahrungsmittelresten und Mäuse aus Weizen. Obskure Experimente wurden ausgeführt, um solche Theorien zu beweisen. So legte man Weizenkörner auf ein schmutziges Tuch und wartete auf die Mäuse, die doch nach einer Weile auftauchen mussten. Auch Maden, die sich in faulendem Fleisch entwickelten, galten als Beweis für die spontane Entstehung. Erst viel später fand man heraus, das die Würmer nicht spontan im Fleisch auftauchten, sondern dass deren Larven von Fliegen dort abgelegt werden, unsichtbar für das menschliche Auge. Noch als Darwin den Ursprung der Arten schrieb, war die Auffassung, Bakterien entstünden aus toter Materie, in der wissenschaftlichen Welt allgemein anerkannt. Doch fünf Jahre nach dem Erscheinen von Darwins Buch stellte Louis Pasteur nach langen Studien und Experimenten seine Forschungsergebnisse vor, die die spontane Entstehung, ein Meilenstein in Darwins Theorie, widerlegten. In seiner triumphalen Vorlesung im Jahr 1864 an der Sorbonne sagte Pasteur: “Die Doktrin der spontanen Entstehung wird sich nie Harun Yahya

83


84

GERECHTIGKEIT UND TOLERANZ IM QURAN

von dem tödlichen Schlag erholen, den ihr dieses simple Experiment versetzt hat.“54 Die Advokaten der Evolutionstheorie bestritten diese Entdeckungen. Doch als die sich weiter entwickelnde Wissenschaft die komplexe Struktur einer lebende Zelle aufdeckte, geriet die Vorstellung, Leben könne zufällig entstehen, noch weiter in die Sackgasse.

Ergebnislose Bemühungen im 20. Jahrhundert Der erste Evolutionist, der im 20. Jahrhundert das Problem des Ursprungs des Lebens aufgriff, war der russische Biologe Alexander Oparin. Er stellte in den 1930er Jahren mehrere Thesen auf, mit denen er die Möglichkeit der zufälligen Entstehung beweisen wollte. Seine Studien waren jedoch erfolglos und Oparin musste eingestehen: Unglücklicherweise ist das Problem der Herkunft der Zelle der vielleicht rätselhafteste Punkt der gesamten Studie der Evolution von Organismen.55

Die Anhänger Oparins versuchten, das Problem mit Experimenten zu lösen. Das bekannteste dieser Experimente wurde 1953 von dem amerikanischen Chemiker Stanley Miller durchgeführt. Indem er die Gase, von denen er annahm, dass sie in der primordialen Atmosphäre der Erde existiert haben in seiner Versuchsanordnung kombinierte und dieser Mixtur Energie zuführte, synthetisierte Miller mehrere organische Moleküle, Aminosäuren, aus denen Proteine bestehen. Nur wenige Jahre verstrichen, bevor man herausfand, dass sein Experiment, dass als wichtiger Schritt in der Beweisführung der Evolutionstheorie präsentiert wurde, wertlos war, weil die im Experiment erzeugte Atmosphäre sich von den damals real Adnan Oktar


DER EVOLUTIONSSCHWINDEL

vorhandenen Bedingungen wesentlich unterschied.56 Nach langem Schweigen gab Miller zu, dass die Atmosphäre, die er benutzt hatte, unrealistisch war.57 Alle evolutionistischen Bemühungen des 20. Jahrhunderts, den Ursprung des Lebens zu erklären, schlugen fehl. Der Geochemiker Jeffrey Bada vom San Diego Scripps Institute akzeptiert diese Tatsache in einem Artikel, den er 1998 im Earth Magazine publizierte. Heute, da wir im 20. Jahrhundert leben, sehen wir uns immer noch dem größten ungelösten Problem gegenüber, das wir hatten, als wir ins 20. Jahrhundert eintraten: Wie entstand das Leben auf der Erde?58

Die komplexe Struktur des Lebens Der Hauptgrund, warum die Evolutionstheorie mit dem Versuch, den Ursprung des Lebens zu erklären, auf der ganzen Linie gescheitert ist, besteht darin, dass selbst die scheinbar simpelsten Organismen eine außerordentlich komplexe Struktur aufweisen. Eine lebende Zelle ist komplizierter aufgebaut, als jede vom Menschen erfundene Technik. Auch heute kann eine Zelle selbst in den modernsten Laboratorien der Welt nicht mit Hilfe organischer Chemie künstlich erzeugt werden. Die Voraussetzungen zur Zellbildung sind schon rein quantitativ zu hoch, um durch zufällige Ereignisse erklärt werden zu können. Die Wahrscheinlichkeit, dass Proteine – die Bausteine der Zelle – sich zufällig synthetisieren, beträgt für ein durchschnittliches, aus etwa 500 Aminosäuren bestehendes Protein 1 zu 10 hoch 950. Mathematisch gilt schon eine Wahrscheinlichkeit, die kleiner ist als 1 zu 10 hoch 50 als unter praktischen Gesichtspunkten gleich Null. Harun Yahya

85


86

GERECHTIGKEIT UND TOLERANZ IM QURAN

Das DNS Molekül, das sich im Zellekern befindet und in dem die genetische Information gespeichert ist, ist eine Datenbank, die kaum zu beschreiben ist. Würde man die in der DNS enthaltenen Informationen aufschreiben, so entstünde eine Enzyklopädie mit etwa 900 Bänden zu je 500 Seiten. Hier ergibt sich denn auch folgendes Dilemma: Die DNS kann sich nur replizieren mit Hilfe spezieller Proteine, den Enzymen. Doch die Synthese dieser Enzyme kann nur stattfinden anhand der in der DNS gespeicherten Information. Da also beide – DNS und Enzyme – voneinander abhängen, müssen beide gleichzeitig existieren, damit eine Replikation stattfinden kann. Insofern ist das Szenario, in dem das Leben sich selbst generiert, an einem toten Punkt angelangt. Prof. Leslie Orgel, ein Evolutionist an der Universität von San Diego, Kalifornien, gibt diese Tatsache in der Septemberausgabe 1994 des Scientific American zu: Es ist extrem unwahrscheinlich, dass Proteine und Nukleinsäuren, die beide komplex strukturiert sind, spontan am selben Ort und zur selben Zeit entstehen. Es scheint jedoch unmöglich, dass man die Einen ohne die Anderen haben kann. Auf den ersten Blick sieht es also so aus, dass man daraus schließen muss, das Leben könne tatsächlich niemals durch chemische Prozesse entstanden sein.59

Es besteht also kein Zweifel: Falls das Leben nicht auf natürliche Weise entstanden sein kann, muss man akzeptieren, dass das Leben auf übernatürliche Weise geschaffen worden ist. Diese Tatsache widerlegt die Evolutionstheorie, deren Hauptzweck es ist, die Schöpfung zu bestreiten, definitiv.

Der imaginäre Evolutionsmechanismus Der zweite wichtige Punkt, der Darwins Theorie widerlegt, Adnan Oktar


DER EVOLUTIONSSCHWINDEL

ist dass beide von der Theorie benannte Evolutionsmechanismen in Wahrheit keinerlei evolutionäre Kraft haben. Darwin führte die Evolution vollständig auf den Mechanismus der “natürlichen Selektion“ zurück. Die Bedeutung, die er diesem Mechanismus zumaß, wird schon im Namen seines Buches Der Ursprung der Arten durch natürliche Zuchtwahl deutlich… Natürliche Selektion bedeutet, dass Lebewesen, die stärker sind und die besser an die natürlichen Bedingungen ihrer Lebensräume angepasst sind, den Überlebenskampf gewinnen werden. Von einem Hirschrudel zum Beispiel, dass von wilden Tieren angegriffen wird, werden die überleben, die am schnellsten rennen können. Daher wird das Rudel aus schnellen und starken Tieren bestehen. Doch zweifellos wird dieser Mechanismus nicht dafür sorgen, dass Hirsche sich entwickeln und sich in eine andere Art verwandeln, zum Beispiel in Pferde. Darum hat der Mechanismus der natürlichen Selektion keine evolutive Kraft. Darwin war sich dieser Tatsache wohl bewusst, und er musste in Der Ursprung der Arten feststellen: Die natürliche Selektion kann nichts bewirken, solange nicht vorteilhafte Unterschiede oder Variationen auftreten.60

Lamarcks Einfluss Wie also konnte die These der “vorteilhaften Variationen“ entstehen? Darwin versuchte, diese Frage aus dem primitiven Wissenschaftsverständnis seiner Zeit zu beantworten. Folgt man dem Chevalier de Lamarck (1744-1829), einem französischen Biologen, der vor Darwin gelebt hatte, so vererben die Lebewesen, die während ihrer Lebenszeit erworbenen Eigenschaften an die nächste Generation. Er behauptete nun, diese über Generationen hinweg akkumulierenden Harun Yahya

87


88

GERECHTIGKEIT UND TOLERANZ IM QURAN

Eigenschaften, brächten neue Arten hervor. Giraffen seien demnach aus Antilopen entstanden, weil deren Hälse sich von Generation zu Generation verlängerten, als sie sich abmühten, an die Blätter hoher Bäume zu gelangen. Darwin zählte ähnliche Beispiele auf. Er behauptete zum Beispiel, Bären, die im Wasser auf Nahrungssuche gewesen seien, hätten sich im Lauf der Zeit in Wale verwandelt.61 Doch die von Gregor Mendel (1822-1884) entdeckten Vererbungsgesetze, die von der Wissenschaft der Genetik bestätigt sind, die im 20. Jahrhundert aufkam, widerlegten die Legende, erworbene Eigenschaften könnten an nachfolgende Generationen weiter gegeben werden. So fiel die natürliche Selektion als evolutiver Mechanismus aus.

Neodarwinismus und Mutationen Um eine Lösung für das Dilemma zu finden, stellten die Darwinisten Ende der 1930er Jahre die “Moderne synthetische Theorie“ vor, besser bekannt als Neodarwinismus. Der Neodarwinismus fügte den “Ursachen für vorteilhafte Veränderungen“ die Mutationen hinzu. Mutationen sind Abweichungen in den Genen von Lebewesen, die durch externe Faktoren wie Strahlung oder Replikationsfehler auftreten. Heutzutage meint man, wenn man von der Evolutionstheorie spricht, den Neodarwinismus. Er besagt: Die Millionen existierenden Lebewesen sind durch einen Prozess entstanden, in dem die komplexen Organe (Ohren, Augen, Lungen, Flügel) zahlreicher Organismen mutiert sind. Eine Mutation aber bedeutet nichts anderes als einen genetischen Defekt. So gibt es denn auch eine wissenschaftliche Tatsache, die diese Theorie vollständig unterminiert: Mutationen sorgen niemals für Adnan Oktar


DER EVOLUTIONSSCHWINDEL

Entwicklung. Im Gegenteil, sie sind immer schädlich. Der Grund dafür ist ganz einfach: Die DNS hat eine sehr komplizierte Struktur, und zufällige Veränderungen können sie daher nur beschädigen. Der amerikanische Genetiker B. G. Ranganathan erklärt es folgendermaßen: “Erstens sind echte Mutationen in der Natur sehr selten. Zweitens sind die meisten Mutationen schädlich, denn sie sind zufallsbedingt und ergeben daher keine geordnete Veränderung der Genstruktur; Jede Veränderung in einem System hoher Ordnung wird zu dessen Nachteil sein, nicht zu dessen Vorteil. Wenn ein Erdbeben die geordnete Struktur eines Gebäudes erschüttert, so ergeben sich zufällige Veränderungen an seiner Statik und seinen Bauelementen, die aller Wahrscheinlichkeit nach keine Verbesserungen bewirken werden.62

So überrascht es auch nicht, dass bisher keine nützliche Mutation, keine, die den genetischen Code verbessert hätte, beobachtet werden konnte. Alle Mutationen haben sich als schädlich erwiesen. Es besteht heute Einigkeit darüber, dass Mutationen, die als “evolutionärer Mechanismus“ präsentiert werden, tatsächlich eine genetische Begleiterscheinung sind, die die betroffenen Organismen schädigt und Missbildungen verursacht. Der bekannteste Effekt einer Mutation beim Menschen ist der Krebs. Es versteht sich von selbst, dass ein zerstörerischer Mechanismus kein evolutionärer Mechanismus sein kann. Andererseits kann die natürliche Selektion selbst gar nichts bewirken, wie auch Darwin feststellte. Diese Zusammenhänge zeigen uns, dass es keinen evolutionären Mechanismus in der Natur gibt. Wenn dies aber so ist, dann kann auch kein Prozess namens Evolution in der Natur stattgefunden haben.

Harun Yahya

89


90

GERECHTIGKEIT UND TOLERANZ IM QURAN

Keine Übergangsformen im Fossilienbestand Der beste Beweis, dass das von der Evolutionstheorie angenommene Szenarium nicht stattgefunden hat, ist der Bestand an ausgegrabenen Fossilien. Der Theorie zufolge stammt jede Art von einem Vorfahren ab. Eine einstmals existierende Art verwandelte sich im Lauf der Zeit in eine andere Art, und so sind angeblich alle Arten entstanden. Dieser Verwandlungsprozess soll sich sehr langsam in Millionen Jahren vollziehen. Wäre das der Fall, so müssten zahlreiche Zwischenformen der Arten existiert haben während dieser langen Transformationsphase. Es hätte zum Beispiel Wesen gegeben haben müssen, die halb Fisch und halb Reptil waren, die also zusätzlich zu ihrem Fischcharakter bereits Eigenschaften von Reptilien erworben hatten. Und es müssten Reptilienvögel existiert haben, mit erworbenen Vogeleigenschaften zusätzlich zu den Reptilieneigenschaften, die sie schon hatten. Da solche Wesen sich aber in einer Übergangsphase befunden hätten, müssten sie behinderte, verkrüppelte Wesen gewesen sein. Evolutionisten reden von solchen imaginären Kreaturen, die nach ihrer Überzeugung gelebt haben, als “Übergangsformen“. Hätten solche Tiere tatsächlich gelebt, dann hätte es an Zahl und Vielfalt Milliarden von ihnen geben müssen. Die Überreste dieser seltsamen Kreaturen müssten im Fossilienbestand präsent sein. Darwin erklärt in Der Ursprung der Arten: “Wenn meine Theorie stimmt, dann müssten ganz sicher zahllose Übergangsvariationen, die alle Arten derselben Gruppe eng miteinander verbinden, existiert haben… Konsequenterweise würde man die Beweise ihrer früheren Existenz nur unter fossilisierten Überresten finden.“63 Adnan Oktar


DER EVOLUTIONSSCHWINDEL

Darwins zerstörte Hoffnungen Doch obwohl die Evolutionisten seit Mitte des 19. Jahrhunderts weltweit enorme Anstrengungen unternommen haben, sind bisher keine Übergangsformen entdeckt worden. Alle Fossilien zeigen im Gegensatz zu den Erwartungen der Evolutionisten, dass das Leben auf der Erde plötzlich und vollständig ausgeformt auftauchte. Der britische Paläontologe Derek V. Ager, gibt diese Tatsache zu, obwohl er Evolutionist ist: “Der Punkt ist erreicht, an dem wir bei detaillierter Untersuchung des Fossilienbestands feststellen, dass wir – ob auf der Ebene der Ordnung oder auf der Ebene der Arten – keine graduelle Evolution finden, sondern das plötzliche, explosionsartige, zahlenmäßige Ansteigen einer Gruppe auf Kosten einer anderen.64

Das heißt, es tauchen im Fossilienbestand alle Arten plötzlich auf, voll ausgeformt, ohne Übergangsformen dazwischen. Es ist genau das Gegenteil von Darwins Annahmen. Das ist auch ein sehr starkes Indiz, dass alle Lebewesen erschaffen wurden. Die einzige Erklärung dafür, dass ein Lebewesen plötzlich und in jedem Detail vollständig auftaucht, ohne dass ein evolutionärer Vorfahr vorhanden gewesen wäre, ist, dass es erschaffen wurde. Diese Tatsache wird auch von dem weithin bekannten evolutionistischen Biologen Douglas Futuyma eingeräumt: “Schöpfung oder Evolution, das sind die beiden möglichen Erklärungen für den Ursprung des Lebens. Organismen tauchten entweder vollständig ausgeformt auf der Erde auf, oder sie taten es nicht. Falls sie es nicht taten, dann müssen sie sich aus vorher existierenden Arten durch irgend einen Prozess der Modifikation entwickelt haben. Falls sie aber vollständig ausgeformt aufgetaucht sind, so müssen sie tatsächlich von einer omnipotenten Intelligenz geschaffen worden sein.“65 Harun Yahya

91


92

GERECHTIGKEIT UND TOLERANZ IM QURAN

Die Fossilien zeigen, dass die Lebewesen vollständig ausgeformt auf der Erde erschienen. Das bedeutet; Der Ursprung der Arten ist im Gegensatz zu Darwins Annahme nicht Evolution, sondern Kreation, die Schöpfung.

Das Märchen von der Evolution des Menschen Das von den Advokaten der Evolutionstheorie am Häufigsten aufgebrachte Thema ist das der Herkunft des Menschen. Die darwinistische Behauptung geht dahin, dass der Mensch sich aus affenähnlichen Kreaturen entwickelt habe. Während dieses angeblichen Evolutionsprozesses, der vor 4 – 5 Millionen Jahren begonnen haben soll, haben angeblich mehrere “Übergangsformen“ zwischen dem modernen Menschen und seinen Vorfahren existiert. Es werden vier Kategorien von Übergangsformen genannt: 1. Australopithecus 2. Homo Habilis 3. Homo Erectus 4. Homo Sapiens Der Name des ersten in der Reihe der angeblichen affenähnlichen Vorfahren, Australopithecus, bedeutet “südafrikanischer Affe“. Umfassende Forschungen an verschiedenen Australopithecus-Exemplaren, durchgeführt von zwei Anatomen aus England und den USA, Lord Solly Zuckerman und Professor Charles Oxnard, haben jedoch gezeigt, dass die Kreaturen einer ausgestorbenen Affenart angehörten, und keinerlei Ähnlichkeit mit Menschen aufwiesen.66 Evolutionisten klassifizieren das nächste Stadium der Evolution des Menschen als “Homo“, was “Mensch“ bedeutet. Adnan Oktar


DER EVOLUTIONSSCHWINDEL

Ihrer Behauptung zufolge sind die Wesen der Homo-Reihe höher entwickelt als Australopithecus. Die Evolutionisten entwarfen durch Arrangieren verschiedener Fossilien dieser Kreaturen in einer bestimmten Reihenfolge ein wunderliches Evolutionsschema. Doch das Schema ist aus der Luft gegriffen, denn es wurde nie bewiesen, dass es eine evolutionäre Verwandtschaft zwischen diesen verschiedenen Klassen gibt. Ernst Mayr, einer der bedeutendsten Evolutionisten des 20. Jahrhunderts, schreibt in seinem Buch Ein langer Streit, dass “insbesondere historische [Puzzles] wie das des Ursprungs des Lebens oder des Homo Sapiens, extrem schwierig sind und sich vielleicht sogar einer endgültigen, befriedigenden Erklärung entziehen“.67 Indem die Verbindung von Australopithecus über Homo Habilis und Homo Erectus zum Homo Sapiens hergestellt wird, implizieren die Evolutionisten, das diese Arten voneinander abstammen. Neuere paläontologische Funde haben jedoch ergeben, dass Australopithecus, Homo Habilis und Homo Erectus gleichzeitig gelebt haben, wenn auch in verschiedenen Teilen der Welt.68 Homo Erectus lebte noch bis in die moderne Zeit. Homo Sapiens Neandertalensis und Homo Sapiens Sapiens (der moderne Mensch) koexistierten sogar in denselben Landstrichen.69 Diese Situation zeigt auf, dass die Behauptung, die genannten Menschtypen stammten voneinander ab, unhaltbar ist. Stephen Jay Gould erklärte diesen toten Punkt der Evolutionstheorie, obwohl er selbst einer ihrer führenden Befürworter des 20. Jahrhunderts war: “Was ist aus unserer Stufenleiter geworden, wenn es drei nebeneinander bestehende Stämme von Hominiden (A. Africanus, die robusten Australopithecine, und H. Habilis) gibt, keiner deutlich von dem anderen abstammend? Darüber hinaus zeigt keiner von ihnen Harun Yahya

93


94

GERECHTIGKEIT UND TOLERANZ IM QURAN

irgendeine evolutive Neigung während seines Daseins auf der Erde.70

Kurz, das Szenarium der menschlichen Evolution, das mit Hilfe von Zeichnungen der Art “halb Affe, halb Mensch“ in den Medien und Lehrbüchern aufrecht erhalten wird, durch Propaganda also, ist nichts als ein Märchen ohne jede wissenschaftliche Grundlage. Lord Solly Zuckerman, einer der berühmtesten und respektiertesten Wissenschaftler im Vereinigten Königreich, der dieses Thema jahrelang erforscht und AustralopithecusFossilien 15 Jahre studiert hat, kam am Ende – obwohl selbst Evolutionist – zu dem Schluss, es gebe in Wahrheit keinen Familienstammbaum der von affenähnlichen Kreaturen zum Menschen reichen würde. Weiterhin stellte Zuckerman eine Skala vor, auf der die Wissenschaften geordnet waren nach solchen, die er als "wissenschaftlich" ansah bis hin zu denen, die er als "unwissenschaftlich" bezeichnete. Nach dieser Wissenschaftlichkeitsskala stehen Chemie und Physik an erster Stelle, da sie auf konkreten Daten beruhen. Danach kommen die biologischen Wissenschaften und dann die Sozialwissenschaften. Am anderen Ende der Skala finden sich die "unwissenschaftlichsten" Felder, paranormale Wahrnehmung, Telepathie, der "sechste Sinn" und endlich – menschliche Evolution. Zuckerman erklärt seine Überlegungen so: Wenn wir uns von der objektiven Wahrheit wegbewegen, hin zu den Feldern biologischer Pseudowissenschaften wie extrasensorische Wahrnehmung oder die Interpretation der Fossiliengeschichte des Menschen, in denen für den Gläubigen alles möglich ist, und wo der fanatisch Gläubige manchmal gleichzeitig an sich widersprechende Dinge glaubt.71 Adnan Oktar


DER EVOLUTIONSSCHWINDEL

Das Märchen von der menschlichen Evolution erweist sich als nicht mehr als die voreingenommenen Interpretationen einiger Fossilien, ausgegraben von bestimmten Leuten, die blind an ihrer Theorie festhalten.

Die Darwin-Formel Nach all den “technischen“ Beweisen, mit denen wir uns bisher beschäftigt haben, lassen Sie uns nun untersuchen welche Art Aberglauben die Evolutionisten pflegen, und zwar an einem Beispiel, das so einfach ist, dass sogar Kinder es verstehen werden: Man bedenke, dass die Evolutionstheorie behauptet, dass das Leben durch Zufall entsteht. Entsprechend dieser Behauptung taten sich leblose, unbewusste Atome zusammen um die Zelle zu bilden, und dann bildeten sie irgendwie andere Lebewesen, einschließlich des Menschen. Wenn wir alle Elemente zusammenbringen, die die Bausteine des Lebens ausmachen, wie Kohlenstoff, Phosphor, Stickstoff und Natrium, dann ist damit nur ein Gemenge gebildet. Ganz egal, welche Behandlungen es erfährt, diese Anhäufung kann kein einziges Lebewesen bilden. Wir wollen ein "Experiment" zu diesem Thema formulieren, und für die Evolutionisten untersuchen, was sie wirklich behaupten ohne es laut bei dem Namen "Darwinsche Formel" zu nennen": Die Evolutionisten mögen große Mengen von Materialien, die in der Zusammensetzung von Lebewesen vorhanden sind, wie Phosphor, Stickstoff, Kohlenstoff, Sauerstoff, Eisen und Magnesium in große Fässer geben. Außerdem mögen sie dem Inhalt dieser Fässer jegliche Materialien, die unter natürlichen Bedingungen nicht zu finden sind, von denen sie jedoch glauben sie seien erforderlich, beifügen. Sie mögen dieser Mischung nach Belieben Aminosäuren – welche sich unter Harun Yahya

95


96

GERECHTIGKEIT UND TOLERANZ IM QURAN

natürlichen Bedingungen nicht bilden können – und Proteine – von denen ein einziges eine Entstehungswahrscheinlichkeit von 1:10950 hat – hinzufügen. Sie mögen diese Mischung nach Belieben Hitze- und Feuchtigkeitseinwirkungen aussetzten, und mögen sie mit jeglichen technologischen Hilfsmitteln behandeln. Sie mögen die gelehrtesten Wissenschaftler neben den Fässern aufstellen, und diese Experten mögen sich Billionen, selbst Trillionen von Jahren neben den Fässern im Warten ablösen. Sie mögen jegliche Arten von Voraussetzungen schaffen, die ihnen zur Bildung eines Menschen erforderlich erscheint. Egal was sie tun, sie können aus diesen Fässern keinen Menschen erstehen lassen, wie etwa einen Professor, der seine eigene Zellstruktur unter dem Elektronenmikroskop untersucht. Sie können keine Giraffen, Löwen, Bienen, Kanarienvögel, Pferde, Delphine, Rosen, Orchideen, Lilien, Nelken, Bananen, Orangen, Äpfel, Datteln, Tomaten, Wassermelonen, Kürbisse, Feigen, Oliven, Trauben, Pfirsiche, Perlhühner, Fasane, bunten Schmetterlinge oder Millionen von anderen Lebewesen wie diese hervorbringen. In der Tat, sie könnten nicht einmal eine einzige Zelle deren irgendeines produzieren.

Kurz gesagt, unbewusste Atome können aufgrund ihres Zusammentreffens keine Zelle bilden. Sie können keine Entscheidung zur Teilung dieser Zelle treffen, und dann weitere Entscheidungen um die Professoren zu erschaffen, die zuerst das Elektronenmikroskop entwickeln und dann ihre eigene Zellstruktur unter diesem Mikroskop untersuchen. Materie ist eine unbewusste, leblose Anhäufung von Atomen und wird durch Gottes, über alles erhabenen Schöpfungsakt zum Leben erweckt. Die Evolutionstheorie, welche gegenteilige Behauptungen aufstellt, ist eine totale Verirrung in vollständigem Widerspruch zur Vernunft. Es bedarf nur wenigen Nachdenkens über die Adnan Oktar


DER EVOLUTIONSSCHWINDEL

Behauptungen der Evolutionisten um zu dieser Realität zu gelangen, wie es sich in dem obigen Beispiel zeigt.

Technologie in Auge und Ohr Ein weiteres Thema, das die Evolutionstheorie ungeklärt lässt ist die hervorragende Aufnahmequalität des Auges und des Ohrs. Bevor wir uns dem Thema Auge zuwenden sei kurz auf die Frage "wie wir sehen" eingegangen. Lichtstrahlen, die von einem Objekt ausgehen fallen seitenverkehrt auf die Netzhaut des Auges. Hier werden diese Lichtstrahlen von speziellen Zellen in elektrische Impulse übersetzt und an einen winzig kleinen Punkt im hinteren Teil des Gehirns weitergeleitet, der Sehzentrum genannt wird. Diese elektrischen Impulse werden in jenem Gehirnzentrum nach einer Reihe von Prozessen als Bild wahrgenommen. Mit diesem technischen Hintergrund wollen wir nun ein wenig darüber nachdenken. Das Gehirn ist isoliert von jeglichem Licht. Das bedeutet, dass innerhalb des Gehirns absolute Dunkelheit vorherrscht, und dass Licht keinen Zugang zu dem Ort hat wo das Gehirn sitzt. Der Ort, der als Sehzentrum bekannt ist total finster und kein Licht gelangt jemals dorthin; es ist möglicherweise der finsterste Platz den man sich vorstellen kann. Und dennoch erleben wir eine helle, leuchtende Welt inmitten dieser pechschwarzen Finsternis. Das Bild das im Auge und Sehzentrum geformt wird ist von solcher Schärfe und Deutlichkeit, die selbst die Technologie des 20. Jh. nicht hervorbringen kann. Betrachten Sie beispielsweise nur das Buch das Sie lesen, Ihre Hände mit denen Sie es halten, und dann erheben Sie Ihren Blick und schauen sich in Ihrer Harun Yahya

97


98

GERECHTIGKEIT UND TOLERANZ IM QURAN

Umgebung um. Können Sie durch irgendein anderes Medium solch ein klares und deutliches Bild erhalten? Selbst die bestentwickelten Fernsehbildschirme der größten Fernsehgeräte-Hersteller können Ihnen solch ein klares Bild nicht geben. Es ist ein 3-dimensionales farbiges und äußerst scharfes Bild. Tausende von Ingenieuren sind seit über 100 Jahren darum bemüht diese Schärfe hervorzubringen. Fabriken mit ungeheurem Arbeitsraum wurden errichtet, eine Unmenge von Forschung wurde unternommen, Pläne und Designs wurden zu diesem Zweck angefertigt. Werfen Sie nochmals einen Blick auf den Bildschirm und auf das Buch in Ihrer Hand, und beachten Sie den Unterschied in der Bildqualität. Abgesehen davon zeigt sich auf dem Bildschirm ein 2dimensionales Bild ab wobei die Augen eine räumliche Perspektive mit wirklicher Tiefe geben. Wenn man genau hinsieht wird man erkennen, dass das Fernsehbild zu einem gewissen Grad verschwommen ist, während sie mit Ihren Augen ein scharfes, dreidimensionales Bild sehen können. Viele Jahre hindurch haben sich Zehntausende von Ingenieuren bemüht, 3-dimensionales Fernsehen zu entwickeln und die Bildqualität des natürlichen Sehens zu erreichen. Sie haben zwar ein 3-dimensionales Fernsehsystem entwickelt, doch die erwünschte Wirkung kann nur mit Hilfe von speziellen Brillen erzielt werden, und fernerhin handelt es sich hierbei nur um eine künstliche Räumlichkeit. Der Hintergrund ist mehr verschwommen und der Vordergrund erscheint wie Papierschablonen. Es war bisher nicht möglich ein scharfes und deutlich abgegrenztes Bild wie das der natürlichen Sicht hervorzubringen. Sowohl in der Kamera als auch auf dem Bildschirm vollzieht sich eine Einbusse der Bildqualität. Adnan Oktar


DER EVOLUTIONSSCHWINDEL

Die Evolutionisten behaupten, dass sich der Mechanismus, der dieses scharfe und deutlich abgegrenzte Bild hervorbringt, durch Zufall entwickelt hat. Was würden Sie nun denken, wenn jemand sagte, dass der Fernseher in Ihrem Wohnzimmer sich als Ergebnis eines Zufalls bildete, dass alle Atome aus denen er besteht sich aufs Geratewohl zusammenfanden und dieses Gerät aufbauten, das ein Bild hervorbringt? Wie können Atome das zustande bringen, was Tausende von Menschen nicht können? Seit einem Jahrhundert haben Zehntausende von Ingenieuren Forschung betrieben und sich in den bestausgerüsteten Laboratorien großer industrieller Anlagen mit Hilfe modernster technologischer Mittel bemüht, und erzielten eben nur dies. Wenn ein Apparat, der ein primitiveres Bild erzeugt als das Auge sich nicht durch Zufall gebildet haben konnte, konnte sich offensichtlich das Auge samt dem Bild, das es wahrnimmt, um so weniger durch Zufall gebildet haben. Es bedarf eines wesentlich feiner detaillierten und weiseren Plans und Designs als denen die dem Fernsehen zugrunde liegen. Das Urheberrecht des Plans und Designs für eine optische Wahrnehmung von solcher Schärfe und Klarheit gehört Gott, der Macht über alle Dinge hat. Die gleiche Situation herrscht beim Ohr vor. Das äußere Ohr fängt die vorhandenen Töne durch die Ohrmuschel auf und leitet sie zum Mittelohr weiter. Das Mittelohr übermittelt die Tonschwingungen indem sie sie verstärkt. Das Innenohr übersetzt diese Schwingungen in elektrische Impulse und leitet sie zum Gehirn. Analog wie beim Auge vollzieht sich die Höraktion im Hörzentrum des Gehirns. Die gleiche Situation wie die des Auges trifft auch auf das Harun Yahya

99


100

GERECHTIGKEIT UND TOLERANZ IM QURAN

Ohr zu, d.h. das Gehirn ist gegen Ton genauso wie gegen Licht isoliert, es lässt keinen Ton eindringen. Daher herrscht innerhalb des Gehirns absolute Stille, unabhängig davon wie laut es Außen auch sein mag. Nichtsdestoweniger vernimmt man die schärfsten Töne im Gehirn. Im Gehirn, das gegen jegliche Laute isoliert ist hört man die Symphonien eines Orchesters und den Lärm einer belebten Strasse. Falls die Lautstärke innerhalb des Gehirns jedoch zu dem entsprechenden Zeitpunkt mit einem hochempfindlichen Gerät gemessen würde, würde sich zeigen, dass dort vollständige Stille vorherrschte. Wie im Falle der Bildtechnik werden seit Jahrzehnten Anstrengungen unternommen eine originalgetreue Qualität in der Tonwiedergabe zu erzeugen. Die Ergebnisse dieser Bemühungen sind Tonaufzeichnungsgeräte, Hi-Fi Systeme und tonempfindliche Systeme. Trotz all dieser Technologie und der Bemühungen von Tausenden von Ingenieuren und Fachleuten, die sich damit beschäftigen ist bisher noch keine Tonwiedergabe gelungen, die die gleiche Schärfe und Klarheit hätte wie die akustische Wahrnehmung des Ohrs. Man wähle ein Hi-Fi System der höchsten Qualität, das vom größten Hersteller in der Akustik-Industrie hergestellt wird – selbst in diesen Geräten geht ein Teil der Tonqualität bei der Aufzeichnung verloren, und wenn das System angeschaltet wird ist immer ein leises Nebengeräusch vorhanden bevor die Tonwiedergabe beginnt. Die akustische Wahrnehmung dagegen, die durch die Technologie des menschlichen Körpers erzeugt wird, ist äußerst scharf und klar. Ein gesundes menschliches Ohr vernimmt Töne niemals begleitet von Rauschen oder atmosphärischen Nebengeräuschen wie ein Hi-Fi Gerät sie hervorbringt; es nimmt den Ton genau so wahr wie er ist, scharf und deutlich. Dies ist Adnan Oktar


DER EVOLUTIONSSCHWINDEL

immer so gewesen seit der Erschaffung des Menschen. Bis heute ist keine von Menschen hergestellte visuelle oder audiotechnische Apparatur so empfindlich und erfolgreich bei der Wahrnehmung sensorischer Daten, wie Auge und Ohr. Doch was das Sehen und Hören angeht, so liegt dem noch eine viel größere Wahrheit zu Grunde. Wem gehört das Bewusstsein, das im Gehirn sieht und hört? Wer sieht im Gehirn eine bezaubernde Welt, lauscht Symphonien und dem Gezwitscher der Vögel, wer riecht den Duft einer Rose? Die Stimulationen, die von Augen, Ohren und Nase eines Menschen kommen, erreichen das Gehirn als elektrochemische Impulse. In der einschlägigen biologischen Literatur finden Sie detaillierte Darstellungen, wie ein Bild im Gehirn geformt wird. Doch Sie werden nie auf die wichtigste Tatsache stoßen: Wer nimmt diese elektrochemischen Nervenimpulse als Bilder, Töne und Gerüche im Gehirn wahr? Es gibt ein Bewusstsein im Gehirn, dass dies alles wahrnimmt, ohne das es eines Auges, eines Ohres und einer Nase bedarf. Wem dieses Bewusstsein gehört? Natürlich nicht den Nerven, der Fettschicht und den Neuronen, aus denen das Gehirn besteht. Deswegen können darwinistische Materialisten, die glauben, alles bestehe aus Materie, diese Fragen nicht beantworten. Denn dieses Bewusstsein ist der Geist, der von Gott geschaffen wurde, der weder das Auge braucht, um die Bilder zu betrachten, noch das Ohr, um die Töne zu hören. Es braucht außerdem auch kein Gehirn, um zu denken. Jeder, der diese ausdrückliche wissenschaftliche Tatsache liest, sollte über den allmächtigen Gott nachdenken und bei Ihm Harun Yahya

101


102

GERECHTIGKEIT UND TOLERANZ IM QURAN

Zuflucht suchen, denn Er quetscht das gesamte Universum in einen stockdunklen Ort von der Größe einiger weniger Kubikzentimeter, in eine dreidimensionale, farbige, schattige und leuchtende Form.

Ein materialistischer Glaube Die Informationen, die wir bisher präsentiert haben, zeigen uns, dass die Evolutionstheorie mit wissenschaftlichen Befunden inkompatibel ist. Die Behauptungen der Theorie über den Ursprung des Lebens widerspricht der Wissenschaft, die angeblichen evolutionären Mechanismen haben keine evolutive Kraft, und die Fossilien demonstrieren, dass die erforderlichen Übergangsformen nie existiert haben. Daraus folgt ganz sicher, dass die Evolutionstheorie als unwissenschaftliche Idee beiseite geschoben werden sollte. Schon viele Vorstellungen, wie die des Universums mit der Erde als Mittelpunkt, sind im Verlauf der Geschichte revidiert worden. Doch die Evolutionstheorie wird auf der Tagesordnung der Wissenschaft gehalten. Manche Menschen stellen Kritik an ihr sogar als Angriff auf die Wissenschaft dar. Warum? Der Grund ist, dass die Theorie für bestimmte Kreise ein unverzichtbarer dogmatischer Glaube ist. Diese Kreise sind der materialistischen Philosophie blind ergeben und adoptieren den Darwinismus, weil er die einzige materialistische Erklärung ist, die vorgestellt werden kann, um das Funktionieren der Natur zu erklären. Interessant genug ist, sie geben diese Tatsache von Zeit zu Zeit zu. Ein wohlbekannter Genetiker und in der Wolle gefärbter Evolutionist, Richard C. Lewontin von der Harvard Universität

Adnan Oktar


DER EVOLUTIONSSCHWINDEL

gesteht, er sei “zuallererst einmal Materialist und dann Wissenschaftler“: “Es ist nicht etwa so, dass die Methoden und Institutionen der Wissenschaft uns in irgendeiner Weise dazu zwingen, eine materielle Erklärung für diese phänomenale Welt zu akzeptieren, sondern wir sind gezwungen durch unser a priori Festhalten an materiellen Ursachen einen "Ermittlungsapparat" und eine Reihe von Konzepten zu schaffen, die materielle Erklärungen produzieren, gleichgültig wie mystifizierend dies sein mag und wie stark sich die Intuition des nicht Eingeweihten dagegen sträuben mag, und dadurch, dass Materialismus absolut ist, wir können es uns also gar nicht erlauben, eine heilige Intervention zuzulassen...“72

Das sind ausdrückliche Feststellungen, dass der Darwinismus ein Dogma ist, dass nur zum Zweck des Festhaltens am Materialismus am Leben gehalten wird. Das Dogma behauptet, es gebe kein Sein außer Materie. Deswegen argumentiert es, unbelebte, unbewusste Materie erschuf das Leben. Es besteht darauf, dass Millionen unterschiedlicher Lebewesen als Ergebnis von Interaktionen zwischen Materie wie dem strömenden Regen und Blitzeinschlägen und ähnlichem entstanden sein sollen. Das ist wider Verstand und Wissenschaft. Doch die Darwinisten fahren fort, es zu verteidigen, damit sie keine heilige Intervention zulassen müssen. Jeder, der ohne materialistisches Vorurteil auf den Ursprung des Lebens blickt, wird die offensichtliche Wahrheit erkennen: Alles Leben ist das Werk eines Schöpfers, Der allmächtig, unendlich weise und allwissend ist. Dieser Schöpfer ist Gott, Der das gesamte Universum aus der Nichtexistenz geschaffen, es in perfekter Weise geordnet und alles Leben in ihm gestaltet hat.

Harun Yahya

103


104

GERECHTIGKEIT UND TOLERANZ IM QURAN

Die Evolutionstheorie, der Fluch der Welt Jeder der frei ist von Vorurteilen und dem Einfluss irgendeiner Ideologie, der seinen Verstand und seine Logik einsetzt, wird verstehen, dass der Glaube an die Evolutionstheorie, die den Aberglauben von Gesellschaften ohne Kenntnis von Zivilisation und Wissenschaft in Erinnerung ruft, ganz unmöglich ist. Wer an die Evolutionstheorie glaubt, denkt, dass ein paar Atome und Moleküle, die man in einem großen Bottich wirft, denkende, vernünftige Professoren und Studenten, Wissenschaftler wie Einstein und Galilei, Künstler wie Humphrey Bogart, Frank Sinatra und Pavarotti sowie Antilopen, Zitronenbäume und Nelken hervorbringen können. Schlimmer noch, die Wissenschaftler und Professoren, die an diesen Unsinn glauben, sind gebildete Leute. Deshalb kann man mit Fug und Recht hier von der Evolutionstheorie als dem größten Zauber der Geschichte sprechen. Nie zuvor hat irgendeine andere Idee den Menschen dermaßen die Fähigkeit der Vernunft geraubt, es ihnen unmöglich gemacht, intelligent und logisch zu denken und die Wahrheit vor ihnen verborgen, als habe man ihnen die Augen verbunden. Es ist eine schlimmere und unglaublichere Blindheit als die der Ägypter, die den Sonnengott Ra anbeteten, als die Totemanbetung in manchen Teilen Afrikas, als die der Sabäer, die die Sonnen anbeteten, als die des Volkes Abrahams, dass selbst gefertigte Götzen anbetete oder als die des Volkes des von Moses, das das goldene Kalb anbetete. Gott weist im Quran auf diesen Verlust an Vernunft hin. In mehreren Versen bestätigt Er, dass der Verstand mancher Menschen verschlossen sein wird und dass sie die Wahrheit nicht sehen können. Einige der Verse lauten: Adnan Oktar


DER EVOLUTIONSSCHWINDEL

Siehe, den Ungläubigen ist es gleich, ob du warnst oder nicht warnst: sie glauben nicht. Versiegelt hat Gott ihre Herzen und Ohren, und über ihren Augen liegt eine Hülle, und für sie ist schwere Strafe bestimmt. (Sure al-Baqara, 6-7) … Herzen haben sie, mit denen sie nicht verstehen. Augen haben sie, mit denen sie nicht sehen. Und Ohren haben sie, mit denen sie nicht hören. Sie sind wie das Vieh, ja verirren sich noch mehr. Sie sind die Achtlosen. (Sure al-A’raf, 179) Selbst wenn Wir ihnen ein Tor des Himmels öffnen würden, beim Hinaufsteigen Würden sie doch sagen: “Unsere Blicke sind (nur) berauscht! Ja, wir sind bestimmt verzauberte Leute!“ (Sure al-Hidschr, 14-15)

Worte können das Erstaunen kaum ausdrücken, dass einen überkommt, wenn man sich klarmacht, wie dieser Zauber eine so große Gemeinschaft verhext hat und dass dieser Zauber seit 150 Jahren ungebrochen ist. Es ist verständlich, dass einige wenige Menschen an diese unmöglichen Szenarien und dummen, unlogischen Behauptungen glauben. Doch Magie ist die einzig mögliche Erklärung, wenn Menschen auf der ganzen Welt glauben, dass leblose Atome sich zusammengefunden und ein Universum haben entstehen lassen, dass nach einem fehlerlosen System aus Organisation, Disziplin, Vernunft und Bewusstsein funktioniert, dass Atome den Planeten Erde mit allen seinen Merkmalen, die so perfekt auf das Leben zugeschnitten sind und den Lebewesen, die aus zahllosen komplexen anatomischen Strukturen bestehen, aus sich selbst heraus bilden konnten. Tatsächlich erwähnt Gott im Quran im Zusammenhang mit den Vorfällen zwischen dem Propheten Moses und Pharao, dass Menschen, die atheistische Philosophien vertreten, andere Harun Yahya

105


106

GERECHTIGKEIT UND TOLERANZ IM QURAN

Menschen in der Tat durch Magie beeinflussen. Als Pharao von der wahren Religion berichtet wurde, sagte er Moses, dieser solle mit den Magiern des Landes zusammentreffen. Als Moses dieser Aufforderung nachkam, forderte er sie auf, als erste ihre Fähigkeiten zu demonstrieren. Der entsprechende Vers fährt an dieser Stelle fort. Er sagte: “Werft!“ Und als sie geworfen hatten, bezauberten sie die Augen der Leute und jagten ihnen Angst ein und entfalteten einen gewaltigen Zauber.(Sure al-A‘raf, 116)

Pharaos Magier konnten jedermann täuschen, außer Moses und die, die an ihn glaubten. Moses brach den Zauber, “verschlang ihren Trug“, wie es der Vers formuliert: Und Wir gaben Moses ein: “Wirf deinen Stab!“ Und da verschlang er ihren Trug. So erwies sich die Wahrheit, und ihr Werk erwies sich als nichtig.(Sure al-A‘raf, 117-118)

Als klar wurde, dass die Magier, die zunächst die anderen verzaubert hatten, nur eine Illusion erzeugt hatten, verloren sie jegliches Vertrauen. Auch heute gilt: Auch diejenigen, die unter dem Einfluss eines ähnlichen Zaubers an diese lächerlichen Behauptungen glauben und ihr Leben damit zubringen diese zu verteidigen, werden gedemütigt werden, wenn die volle Wahrheit ans Licht kommt und der Zauber gebrochen wird. Malcolm Muggeridge, über 60 Jahre lang atheistischer Philosoph und Vertreter der Evolutionstheorie, der – wenn auch spät – die Wahrheit erkannte, gab zu, dass er gerade durch diese Aussicht geängstigt wurde: Ich selbst bin davon überzeugt, dass die Evolutionstheorie, besonders das Ausmaß, in dem sie angewendet wird, als einer der größten Witze in die Geschichtsbücher der Zukunft eingehen wird. Die Nachwelt

Adnan Oktar


DER EVOLUTIONSSCHWINDEL

wird sich wundern, wie eine so schwache, dubiose Hypothese so unglaublich leichtgläubig akzeptiert werden konnte.73

Diese Zukunft ist nicht mehr weit entfernt: Die Menschen werden bald sehen, dass der Zufall kein Gott ist, und sie werden zurück blicken auf die Evolutionstheorie als die schlimmste Täuschung und den schrecklichsten Fluch der Welt. Dieser Fluch wird bereits weltweit von den Schultern der Menschen genommen. Viele, die das wahre Gesicht der Evolutionstheorie erkennen, wundern sich, wie sie jemals darauf hereinfallen konnten.

Sie sagten: "Preis Dir, wir haben nur Wissen von dem, was Du uns lehrst; siehe, Du bist der Wissende, der Weise." (Sure 2:32 – al-Baqara)

Harun Yahya

107


108

GERECHTIGKEIT UND TOLERANZ IM QURAN

Notes 1. Majid Khoduri, Islam'da Savas ve Baris, Fener Yayinlari, Istanbul, 1998, S. 209 2. Müsned-i Ahmed b. Hanbel, 5/411 3. Sünen-i Ebi Davud, 4/331 4. Müsned-i Ahmed b. Hanbel, 4/158, Ibnu Kesir, 4/218 5. Hamidullah, Muhammed, Islam Müesseselerine Giris, Çev. 1. S. Sirma, Düsünce Yayinlari, Istanbul, 1981, S. 330; Yrd. DOÇ. DR. Orhan Atalay, DoguBat› Kaynaklar›nda Birlikte Yaflama, Gazeteciler ve Yazarlar Vakfi Yayinlari, Istanbul, 1999, S. 87 6. Arnold, T. W, Intiflar-› Islam Tarihi (The Preaching of Islam), Cev. Halil Hamit, Ankara, 1971, S. 68-69 7. ‹bn Hiflam, Ebu Muhammed Abdulmelik, Es-Siretü'n-Nebeviyye, Daru't-Türasi'l-Arabiyle, Beyrut, 1396/1971, II/141-150; Yrd. DOÇ. DR. Orhan Atalay, Do¤u-Bat› Kaynaklar›nda Birlikte Yaflama, Gazeteciler ve Yazarlar Vakf› Yay›nlar›, ‹stanbul, 1999, S. 149 8. Majid Khoduri, ‹slam'da S.a.w.safl ve Bar›fl, Fener Yay›nlar›, ‹stanbul, 1998, S. 209-210 9. Muhammed Hamidulllah, ‹slam Müesseselerine Girifl, Düflünce Yay›nlar›,‹stanbul, 1981, S. 128 10. ‹bn Kesir, El-Bidaye, III/224-225; Hamidullah, El-Vesaik, No:1, s.39-44; Do¤u-Bat› Kaynaklar›nda Birlikte Yaflama, Orhan Atalay, S. 40 11. Muhammed Hamidulllah, ‹slam Müesseselerine Girifl, Düflünce Yay›nlar›, 1981, S. 162-163 12. Muhammed Hamidullah, El-Vesaik, S. 44-45 13. Majid Khoduri, ‹slam'da S.a.w.safl ve Bar›fl, Fener Yay›nlar›, ‹stanbul, 1998, s. 123 ; Taberi, Tarih I, 1850

14. Hamidullah, Mecmuatü'l-Vesaik, 195-197 15. Frend, 289; Hamidullah, ‹slam Peygamberi, II. 920; Levent Öztürk, Asr› Saadetten Haçl› Seferlerine Kadar ‹slam Toplumunda H›ristiyanlar, ‹z Yay›nc›l›k, istanbul, 1998, S. 55 16. Yrd. Doç. Dr. Orhan Atalay, Do¤uBat› Kaynaklar›nda Birlikte Yaflama, Gazeteciler ve Yazarlar Vakf› Yay›nlar›, ‹stanbul, 1999, s. 95; Hamidullah, ElVesaik, S. 380-381, No: 358 17. ‹bn ‹shak'tan naklen Ebu Yusuf, 146; Levent Öztürk, Asr-› Saadetten Haçl› Seferlerine Kadar ‹slam Toplumunda H›ristiyanlar, ‹z Yay›nc›l›k, istanbul, 1998, S. 55 18. L. Browne, The Prospects of Islam, s. 11-15, S. 269-270 19. Levent Öztürk, Asr-› Saadetten Haçl› Seferlerine Kadar ‹slam Toplumunda H›ristiyanlar, ‹z Yay›nc›l›k, ‹stanbul, 1998, S. 111 20. Yesevizade, Sevgi Peygamberi, Hakikati Aray›fl Neflriyat›, Ankara, 1996, s. 272-273; Sir Thomas Arnold, The Preaching of Islam, s. 97; Finlay: 4A History of Greece, III, 358-9; J. H. Krause: "Die Byzantiner des Mittelatters", Halle, 1869, S. 276 21. Osman Turan, Türk Dünya Nizam›n›n Milli, ‹slami ve ‹nsani Esaslar›, Cilt 2, S. 138 22. Yesevizade, Sevgi Peygamberi, Hakikati Aray›fl Neflriyat›, Ankara, 1996, S. 273-274 23. Yesevizade, Sevgi Peygamberi, Hakikati Aray›fl Neflriyat›, Ankara, 1996, S. 274-275; Sir Thomas Arnold, The Preaching of Islam, S. 99-101; Migne: 'Patrologia Latina', Paris, 1844-55, tom. CXCV, S. 1243

Adnan Oktar


NOTES

24. Lamartine, Histoire de la Turquie, 1854'den al›nt›. Hürriyet Gazetesi, 18 Ekim 2000, Ertu¤rul Özkök 25. Prof. Dr. Bilal Ery›lmaz, Osmanl› Devletinde Gayrimüslim Tebaan›n Yönetimi, Risale Bas›n-Yay›n LTD. Mart, 1996, S. 26 26. Prof. Dr. Nejat Göyünç, Osmanl› ‹mparatorlu¤u Hakk›nda Baz› Düflünceler, Ayy›ld›z Matbaas›, Ankara, 1973, S. 29 27. F. Emecen, K. Beydilli, M. ‹pflirli, M.A. Ayd›n, ‹. Ortayl›, A. Özcan, B. Yediy›ld›z, M. Kütüko¤lu, Osmanl› Devleti ve Medeniyeti Tarihi, ‹slam Tarih, Sanat ve Kültür Araflt›rma Merkezi, ‹stanbul, 1994, S. 467 28. Prof. Dr. Bilal Ery›lmaz, Osmanl› Devletinde Gayrimüslim Tebaan›n Yönetimi, Risale Bas›n-Yay›n LTD. Mart, 1996, S. 24 29. ‹smail Hakk› Uzunçarfl›l›, Osmanl› Tarihi, 1.cilt, 4. Bask›, Türk Tarih Kurumu Bas›mevi, Ankara-1982, S. 183 30. Toktam›fl Atefl, Osmanl› Toplumunun Siyasal Yap›s› (Kurulufl Dönemi), Say Kitap Pazarlama, S. 116; Richard Peters, "Geschichte der Türken", S. 8 31. M. Altay Köymen, Nesri Tarihi, Kültür ve Turizm Bakanl›¤› Yay›nlar› no- 525, Ankara-1983, S. 45; A. Nihat Ats›z, Afl›kpaflao¤lu Tarihi, Kültür ve Turizm Bakanl›¤› Yay›nlar› no:604, Ankara, 1985, S. 22 32. Prof. Dr. Bilal Ery›lmaz, Osmanl› Devletinde Gayrimüslim Tebaan›n Yönetimi, Risale Bas›n-Yay›n LTD. Mart, 1996, S. 24 33. Prof. Dr. Bilal Ery›lmaz, Osmanl› Devletinde Gayrimüslim Tebaan›n Yönetimi, Risale Bas›n-Yay›n LTD. Mart, 1996, S. 24-25 34. A. Nihat Ats›z, Afl›kpaflao¤lu Tarihi, Kültür ve Turizm Bakanl›¤› Yay›nlar› no604, Ankara, 1985, S. 27 35. Mehmet Nesri, Nesri Tarihi, S. 51-52;

A. Nihat Ats›z, Afl›kpaflao¤lu Tarihi, Kültür ve Turizm Bakanl›¤› Yay›nlar› no604, Ankara, 1985, S. 24-25 36. Joseph Von Hammer, Osmanl› Tarihi, C. I, Milliyet Matbaas›, ‹stanbul, 1996, S. 5 37. Prof. Dr. Bilal Ery›lmaz, Osmanl› Devletinde Gayrimüslim Tebaan›n Yönetimi, Risale Bas›n-Yay›n LTD. Mart, 1996, S. 26 38. Mehmet Nesri, Nesri Tarihi, S. 68 39. Osman Turan, Türk Dünya Nizam›n›n Milli, ‹slami ve ‹nsani Esaslar›, Istanbul:Turan Neflriyat ve Matbaac›l›k, 1969, Cilt 2, S. 187 40. Prof. Dr. Bilal Ery›lmaz, Osmanl› Devletinde Gayrimüslim Tebaan›n Yönetimi, Risale Bas›n-Yay›n LTD. Mart, 1996, S. 26 41. Prof. Dr. Bilal Ery›lmaz, Osmanl› Devletinde Gayrimüslim Tebaan›n Yönetimi, Risale Bas›n-Yay›n LTD. Mart, 1996, S. 26 42. Y›lmaz Öztuna, Osmanl›Devleti Tarihi-1, "Siyasi Tarih", Ankara:T.C. Kültür Bakanl›¤› Yay›nlar›/2068, 1998, Cilt 1, s. 77; Khalkokondylas, Paris tab'i, S. 29 43. Y›lmaz Öztuna, Osmanl› Devleti Tarihi-1, Cilt 1, s. 77, (Oxford 1916, S. 52) 44. Sadi Bilgiç, S›z›nt› Dergisi, Aral›k 1997, say› 227, S. 512 45. Y›lmaz Öztuna, Osmanl› Devleti Tarihi-1, S. 106 46. Prof. Dr. Bilal Eryilmaz, Osmanl› Devletinde Gayrimüslim Tebaan›n Yönetimi, Risale Bas›n-Yay›n LTD. Mart, 1996, S. 29-30 47. Cumhuriyet Gazetesi, Fatih ve Fetih 4, Erdo¤an Ayd›n, 31 May›s 2000, S. 9 48. Cumhuriyet Gazetesi, Fatih ve Fetih 4, Erdo¤an Ayd›n, 31 May›s 2000, S. 9 49. Osman Turan, Türk Dünya Nizam›n›n Milli, ‹slami ve ‹nsani Esaslar›, Turan Neflriyat ve Matbaac›l›k,

Harun Yahya

109


110

GERECHTIGKEIT UND TOLERANZ IM QURAN

‹stanbul 1969, Cilt 2, S. 190 50. Prof. Dr. Bilal Ery›lmaz, Osmanl› Devletinde Gayrimüslim Tebaan›n Yönetimi, Risale Bas›n-Yay›n LTD. Mart, 1996, S. 28 51. Prof. Dr. Bilal Ery›lmaz, Osmanl› Devletinde Gayrimüslim Tebaan›n Yönetimi, Risale Bas›n-Yay›n LTD. Mart, 1996, S. 29 52. Osmanl› Hukukuna Girifl ve Fatih Devri Kanunnameleri, Fey Vakf› Yay., 1990, S. 406 53. Prof. Dr. Bilal Ery›lmaz, Osmanl› Devletinde Gayrimüslim Tebaan›n Yönetimi, Risale Bas›n-Yay›n LTD. Mart, 1996, S. 31 54. Sidney Fox, Klaus Dose, Molecular Evolution and The Origin of Life, W.H. Freeman and Company, San Francisco, 1972, S. 4 55. Alexander I. Oparin, Origin of Life, Dover Publications, NewYork, 1936, 1953 (Nachdruck), S. 196 56. “New Evidence on Evolution of Early Atmosphere and Life“, Bulletin of the American Meteorological Society, Band 63, November 1982, 1328-1330 57. Stanley Miller, Molecular Evolution of Life: Current Status of the Prebiotic Synthesis of Small Molecules, 1986, S. 7 58. Jeffrey Bada, Earth, Februar 1998, S. 40 59. Leslie E. Orgel, “The Origin of Life on Earth“, Scientific American, Band 271, October 1994, S. 78 60. Charles Darwin, The Origin of Species by Means of Natural Selection, The Modern Library, New York, S. 127 61. Charles Darwin, The Origin of Species: A Facsimile of the First Edition, Harvard University Press, 1964, S. 184 62. B. G. Ranganathan, Origins?, Pennsylvania: The Banner of Truth

Trust, 1988, S. 7 63. Charles Darwin, The Origin of Species: A Facsimile of the First Edition, S. 179 64. Derek A. Ager, “The Nature of the Fossil Record“, Proceedings of the British Geological Association, Band 87, 1976, S. 133 65. Douglas J. Futuyma, Science on Trial, Pantheon Books, New York, 1983, S. 197 66. Solly Zuckerman, Beyond The Ivory Tower, Toplinger Publications, New York, 1970, 75-14; Charles E. Oxnard, “The Place of Australopithecines in Human Evolution: Grounds for Doubt,“ Nature, Band 258, 389 67. “Could science be brought to an end by scientist‘s belief that they have final answers or by society‘s reluctance to pay the bills?“ Scientific American, Dezember 1992, S. 20 68. Alan Walker, Science, Band 207, 7. März 1980, S. 1103; A.J. Kelso, Physical Antropology, 1, Ausgabe, J.B. Lipincott Co., New York, 1970, S. 221; M.D. Leakey, Olduvai Gorge, Band 3, Cambridge University Press, Cambridge, 1971, S. 272 69. Jeffrey Kluger, “Not So Extinct After All: The Primitive Homo Erectus May Have Survived Long Enough To Coexist With Modern Humans,“ Time, 23. Dezember 1996 70. S.J. Gould, Natural History, Band 85, 1976, S. 30 71. Solly Zuckerman, Beyond The Ivory Tower, S. 19 72. Richard Lewontin, “The DemonHaunted World,“ The New York Review of Books, 9. Januar, 1997, S. 28 73. Malcolm Muggeridge, The End of Christendom, Grand Rapids: Eerdmans, 1980, S. 43

Adnan Oktar


GERECHTIGKEIT UND TOLERANZ IM QURAN