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SCALE

IAT

Stocker

WS16/17_LV 149.810

Institut fĂźr Architektur technologie

Industrielles Bauen


STADTENTWICKLUNG Städte im Wandel der Zeit

- Haussmannisation - Postliberales Paris - Die moderne Stadt: von Le Corbusier bis Kenzo Tange - Die postmoderne Stadt


AUGEWÄHLTE BEREICHE

Aus unterschiedlichen „Stilepochen“

- Les Halles I Centre Georges-Pompidou - Bercy I Bibliothèque nationale de France - Ernst-Reuter-Platz I Interbau (IBA 57) - Karl-Marx-Allee (frühere Stalinallee) - Potsdamer Platz - Alexanderplatz


Les Halles I Centre Georges-Pompidou Miriam Hofer, Anna Srpova

1

Vgl. De Moncan 2015, 10 - 28.

Abb.1: Les Hallen, The new heart Paris

Georges-Eugène Haussmann wurde von Kaiser Napoleon III beauftrag, aus Paris eine einheitliche, kontrollierbare, moderne Großstadt zu erschaffen. Im 19.Jahrhundert ist die Bevölkerung von Paris extrem schnell gewachsen, sie litt unter katastrophalen hygienischen Bedingungen. Die wachsende Unzufriedenheit der Bürger gipfelte in der Revolution im Februar 1848. Haussmann musste sich all diesen sozialen, wie auch politischen Problemen stellen. Diese wollte er durch neu angelegte, meist geradlinige, breite Straßen lösen, welche die Errichtung von Barrikaden verhindern sollten und gleichzeitig für Militärparaden geeignet waren. Die Straßen wurden wie Schneisen durch die bestehende mittelalterliche Stadtstruktur gelegt. Zwei Parks welche zusammen eine doppelt so große Fläche haben wie der Central Park in New York, wurden angelegt. Es entstanden öffentliche Plätze, ein getrenntes Trink- und Abwassersystem wurde eingerichtet und um die Infrastruktur zu verbessern wurde eine Eisenbahnlinie mit Kopfbahnhöfen innerhalb der Stadtmauer gebaut.1


Projektdaten

ArchitektIn(nen) Georges-Eugène Haussmann

Ort | Lage des Projektes Paris

Planungszeit | Bauzeit 1853 - 1869

Typologie | Nutzung Städtebau

Größe | Kosten 384 km Straßen 100 000 neu errichtete Gebäude 66 500 abgerissene Gebäude 2 554 Millionen Francs

Ausgangslage | Aufgabenstellung Transformation von Paris

Art des Auftrages Öffentlicher Auftrag Auftraggeber | Auftraggeber-Typus Kaiser Napoleon III:

Konstruktion | Bauteile Überwiegend Massivbau 8


Abb.2: Haussmanns Plan 1836 9


Haussmanns Plan

Abb.3: Masterplan Haussmann

1

Vgl. De Moncan 2015, 11 - 17.

10

Die Umsetzung des Masterplans von Haussmann wurde in drei Etappen aufgeteilt. In der ersten Etappe wurde die OstWest Achse, in mehreren kleineren Abschnitten fertiggestellt. Mit der Schaffung dieser Achse, als Bestandteil des croisée de Paris, konnte man den ersten städtebaulichen Erfolg verbuchen. Auch die Nord-Süd Achse sollte bald gebaut werden. Mit dem Durchbruch des 30 Meter breiten, geraden Boulevards de Strasbourg, wurde auch der erste Abschnitt der Nord-Süd Achse realisiert.

Er legte jedoch in dieser Etappe nicht nur Straßen an, sondern auch Grünflächen, insbesondere einen Park im Westen sowie einen im Osten. Der westliche Park - Bois de Boulogne - wurde dabei mit Hilfe der 40 Meter breiten, mit Bäumen gesäumten Avenue Foch, an das Stadtzentrum angeknüpft. In der zweiten Etappe musste ein Durchbruch durch die Cité realisiert werden und die Brücken Pont au Change, sowie die Pont Saint-Michel mussten angepasst werden, um die Nord-Süd Achse zu vervollständigen.1


Haussmanns Plan

Abb.4: Masterplan Haussmann

Ein weiterer Punkt war der mittlere Boulevardring. Der grösste Teil dieser Umfahrungsstrasse bestand bereits, um den Kreis aber zu schließen, mussten die verbliebenen Lücken geschloßen werden. Diese Umfahrungsstraße lag direkt neben dem Aufruhr- und Barrikadenviertel, dieses sollte nicht nur umfahren werden, sondern auch zerteilt werden, um es besser kontrollieren zu können. Dies wurde durch die zwei 20 Meter breiten Durchbrüche des Rues Claude-Bernard und Gay-Lussac im Westen und der Rue Monge im Osten erreicht.

Meistens führten die Straßen von einem Monument zum nächsten, wie beispielsweise beim Boulevard Voltaire. Dieser verläuft geradlinig vom Place de Républic zum Place de la Nation, wobei dichtbewohnte Handwerker- und Arbeiterviertel absichtlich durchbrochen wurden. Die Zoll-und Steuergrenze liess Haussmann abreisen, da sie keinen praktischen Nutzen mehr hatte und nur die Ausdehnungsfläche der Stadt eingrenzte. Eine neue Grenze wurde durch den Boulevard périphérique festgelegt.1

s

1

Vgl. De Moncan 2015,17 - 20. 11


Haussmanns Plan

Bois de Boulogne

Bois de Vincennes

Abb.5: Plan von Paris im Juni 1848

Nun bildetet die militärische Befestigungsmauer die Stadtgrenze, am liebsten hätte Haussmann diese durch einen 250 Meter breiten Grüngürtel ersetzt, um im Weiteren den Bois de Vincennes im Osten mit dem Bois de Boulogne im Westen zu verbinden. Als letzter Punkt der zweiten Etappe wurde die Stadtbahn, welche um Paris verläuft, 1863 fertiggestellt. 1 2

Vgl. De Moncan 2015, 20. Vgl. Maneglier 2009, 42.

12

In der dritten Etappe wurde der Place de la République und der Place de la Nation

neugestaltet, dabei wurden die Hallen realisiert und die Oper wurde nach dem Entwurf von Charles Garnier gebaut. Im Jahr 1870 wurde Haussmann aufgrund der neuen Regierungsbildung aus dem Amt verabschiedet.1 All diese Neugestaltungsarbeiten verursachen so immense Kosten, dass Jahrzentelang keine städtebaulichen Maßnahmen mehr realisiert werden konnten.2


Auswirkungen

Abb.6: Elendsviertel

1

Vgl. De Moncan 2015, 17 - 20.

Der Haussmanns Plan prägt immer noch das Bild vom modernen Paris. Die Stadt wurde dank den enormen urbanistischen Eingriffen durch Boulevards, die gute Verkehrserschließung ermöglichten und durch präzise geplante moderne Blockrandbebauung, deutlich klarer organisiert. Die katastrophalen hygienischen Verhältnisse wurden dank der neuen Wasserversorgung durch Aquädukten und der breiten Straßen, mit frischer Luft bessere durchlüftet, wodurch sich die Lage wesentlich verbesserte. Die neu gelegte Kanalisation führte das

Abwasser unter die Straßen in die Seine. Die Dimensionierung der Kanalisation wurde aber erheblich unterschätzt. Die breiten Boulevards mit moderner Blockbebauung schafften einerseits durch seine Typologie sozialer Durchmischung, andererseits bildeten sie aber auch eine Grenze, die die Innenstadt mit extrem erhöhten Mieten von Elendsviertel trennten. Diese Maßnahmen wurden in vielen Aspekten erfolgreich, aber sie verlangten auch seine Opfer, in dem ein wesentlicher Teil des alten romantischen Paris abgerissen werden musste. 1 13


Les Halles - Haussmanns Plan

Abb.7: Les halles centrales, Perspektive

Die Lage des Handelsviertels, dem Emile Zola den Nicknamen Ventre de Paris gegeben hat, wurde durch die baulichen Maßnahmen des Haussmann‘s Plans wesentlich verstärkt, indem die neu gelegten Boulevards das Viertel zum neuen Leben geweckt haben. Um den Platz für die Boulevards zu schaffen, wurden kleine Gassen und 300 Häuser zerstört. Kleine Geschäfte und Märkte wurden zentralisiert und zwischen die Halle aux blés (Getreidehalle) und die Pfarrkirche Saint-Eustache verlegt, wo sich schon der Markt der Innocents befunden hat. Der 14

Wettbewerb für einen zentralen Markt hat Viktor Baltard mit Felix Callét gewonnen. Der Entwurf bestand aus insgesamt 12 Pavilonen (10 von denen wurden zwischen 185270 gebaut, die letzten 2 erst später in 1936). Die einzelnen Glas und Stahl Pavilonen wurden entlang einer zentralen Passage (Halle aux blés - Rue Pierre Lescot) geordnet und durch kleinere Passagen wurden die Pavilonen an die neue Straßenstruktur gebunden. Die Achse von Place des Halles - Pfarrkirche Saint-Eustache wurde behalten und zur Rue Baltard umbenannt. 3,4,5

3 4 5

Vgl. Gloagen 2013. Vgl. Kaltenbach 2014, 460. Vgl. Berger/Anziutti 2014, 3-5.


Les Halles - Planung

Abb.8: Les Halles Haussmanns Plan Detail

Abb.9: 1780 Paris Plan

Abb.10: Les Halles Plan 15


Les Halles - Abbruch der alten Hallen

Abb.11: Willerval Pavilons

Wegen dem mangelhaften Verkehrsnetz wurden die Märkte in 1962 nach Rungis versetzt. Die Hallen wurden nur unregelmäßig für Festivals, Konzerte und Kulturveranstaltungen verwendet. In 1964 wurde ein Wettbewerb für Les Hallen und Beauborg ausgeschrieben. Das Ziel für Les Halles war eine neue kommerzielle Zone zu schaffen und Beauburg (später Le Pompidou Center) sollte ein neues Wohnviertel mit kommerziellen Center werden. Um das Verkehrsproblem in dieser Gegend Vgl. Gloagen 2013. Vgl. Berger/Anziutti 2014, 4. zu lösen, wurde beschlossen RER Station

Abb.13: Willerval Pavilons RER - Station Schnitt

3 5

16

Abb.12: Willerval Pavilons

unteridisch zu bauen. Trotz zahlreichen Protesten wurden die Hallen in 1971 zerstört. Anstatt den Hallen wurde von Jean Willerval ein kommerzielles und kulturelles Pavilon, das den Eingang zur RER Station markierte gebaut. Die programmatische Herausforderungen konnte das Pavilon nicht unterbringen, im Gegensatzt zur magelhaften Funktionen der RER Station. Das Pavilon wurde wegen Konstruktionsfehlern bald leer und die ganze Gegend hat sich so den Spitznamen Schandfleck verdient.3,5


Les Halles - Willerval pavilions

Abb.14: Willerval Pavilons 17


Patrick Berger, Grand prix d’architecture 2004, Patrick Berger et Jacques Anziutti architectes

“As an articulation between built space and the plant milieu, the Canopy will strike up a resonance between natural energy and urban energy.”

Abb.15: Canopée

Die größte Herausforderung war die unatraktive unterirdische Stadt von Châtelet - Les Halles, die durch das Verbinden von drei SBahnlinien und fünf Metrolinien entstanden ist umzuplanen, um die Zugänglichkeit und Vernetzung mit dem Straßenniveau und der Umgebung zu schaffen. Der erste Wettbewerb in 2004, an dem auch unter anderem MVRDV, OMA und Jean Nouvel teilgenommen haben, haben mit dem Entwurf für einen Park, der auf der zentralen Achse der ehemaligen Viktor Baltards‘ Hallen basiert, SEURA (David Mangin) ge18

PATRICK BERGER AND JACQUES ANZIUTTI ARCHITECTES / L’AUTRE IMAGE

Les Halles - Neue Entwicklung

wonnen. Diese zentrale Achse, die Borse LES deHALLES, THE NEW HEART OF PARIS IIIII 19 Commerce (ehemalige Getreidehalle) mit der Station verbindet, schafft auch die Blickbeziehung zum Centre Pompidou. Der Park ist durch die Ost - West zentrale Promenade charakterisiert und durch zahlreiche Alleen, in der Nord-Süd Richtung auf dem Straßennetz verknüpft. Die Grünfläche ist durch Nivellierungen des Terrains und durch dynamischen Aktivitäten wie Kinderspielplatz, Schachfeld und Sport, für jede Generation zu einem spannenden Vgl. Gloagen 2013. Vgl. Berger/Anziutti 2014, 4 . Erlebnis.4,5,6 Vgl. Chupin 2015, 195 - 207. 4 5 6


E

R REC PTION OR THE INHABITANTS RIS Entrance points

Map showing pedestrian

Porte du Louvre Porte Berger

Porte Pont-Neuf

rue Pierre Lescot

Porte Lescot Patio

ill be grouped together at each easier for those with reduced

Existing routes New routes

rue Berger Place Marguerite de Navarre

Fußgägerwege Map of theAbb.17: gardens tomorrow Map Mapofofthe thegardens gardenstomorrow tomorrow Map of pedestrian areas in 2010 Place R. Cassin Map of pedestrian areas tomorrow

rue

Water garden Water Watergarden garden

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rue du Louvre

The garden and superstructural elements are designed to make it as easy as possible for pedestrians to cross them. Thanks to a spacious PlateauPlay des areas Halles(7-11 years) central area, pedestrians will now be able to get from one side to Play Playareas areas(7-11 (7-11years) years) the other without detours: from Beaubourg towards Palais-Royal, from the boulevards to the Seine, and diagonally from Fontaine des ré Honoré Innocents to Montorgueil and from Pont-Neuf to Saint-Denis. rue Saint rue Saint Hono South rueSouth Southrue d de es sH Ha all lle es s

Abb.18: Ehemaliger Park

The pedestrian precinct will also be extended outwards from the rue de Riv rue de Rivoli oli gardens to take in rues Coquillière, Berger, des Prouvaires, Abb.19: Sauval Dynamische Zonen des neuen Parks and Vauvilliers, providing a more direct link between the Forum and rue de Rivoli / rue du Louvre.

Meadow Meadow Meadow

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boulevard de Sébastopol

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Etienne Marcel Marcel rue Etiennerue

eil rue Montorgu

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Place PlaceR.R.Cassin Cassin

eil rue Montorgu

North path North Northpath path

rue Montorgu

The surface reorganization of Les Halles simplifies pedestrian Etienne Marcel Marcel routes and offers increased circulation options for what will be arue Etiennerue very busy site by creating a new articulation between the gardens and the underground areas via the patio.

Music garden Music garden garden Plateau des Halles Play area (2-6 years) Music Play Playarea area(2-6 (2-6years) years) rue du Louvre

flow

The 3 new entrances to the transport hub

rue du Louvre

The 2 existing entrances to the transport hub

boulevard de Sébastopol

Abb.16: Verbesserte durchThe neue Eingänge Map of the gardens today The 7 entrances at present Vernetzung 2 new entrances Letting foot traffic Map Mapofofthe thegardens gardenstoday today

rue Montorgu

ré Honoré rue Saint rue Saint Hono

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rue de Riv rue de Rivoli oli

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LES HALLES, THE NEW HEART OF PARIS IIIII 1

SEURA Architectes - Philippe RAGUIN Landscape architect / Golem SEURA Architectes - Philippe RAGUIN Landscape architect / Golem SEURA Architectes - Philippe RAGUIN Landscape architect / Golem

aux, aux, ux,

rue Rambuteau

Porte Rambuteau

boulevard de Sébastopol

to get around, and simplified d outdoors will be faster, more uation routes from the transport ops on all levels of the Forum will

Porte du Jour

Porte Saint-Eustache

Allée André Breton

rances, complete with a central of the Canopy. With 9 entrances ng 5 entrances providing direct ad of 2 as at present), pedestrian ll be more evenly distributed.

rue du Louvre

plified circulation

Abb.20: Blickbeziehung von der historischen Börse zu der Station und Centre Pompidou

LES HALLES, THE NEW HEART OF PARIS IIIII 15

19

LES LESHALLES, HALLES,THE THENEW NEWHEART HEARTOFOFPARIS PARISIIIII IIIII1515


The patio

BREATHING

Les Halles Canopée NEW -LIFE INTO LES H

ALLES

A hive of activity under an open-air roof Open to the light but sheltered from the elements, the patio will be the place to go for everyone who visits Les Halles.

PATRICK BERGER AND JACQUES ANZIUTTI ARCHITECTES / L’AUTRE IMAGE

As a concourse providing access to cultural facilities and shops, the patio is a totally public area which will make an impressive setting for events of a cultural or commercial nature.

Abb.21: Grundriss

Abb.22: Blickbeziehungen zwischen unterirdischen Teil und dem Park

20 IIIII

Abb.23: Schnitt

Der zweite Wettbewerb von 2007 für das Design der Station mit dem Entwurf Canopée, der sich am sensibelsten mit den urbanischen Problemen auseinandersetzt, haben Patrick Berger und Jacques Anziutti gewonnen. Canopée Formensprache ist durch Fußgängerströmungen stark geprägt und deutlich von Frei Otto beinflusst, bei dem Berger als Praktikant gearbeitet hat. Les Halles besteht aus drei oberirdischen Geschossen, die wie Flügel den Eingang umschließen. Jeder Flügel beinhaltet eine 20

Fläche von 14 000m2, die für kulturelle Zwecke bestimmt ist, wie Bibliothek, Musikschule oder Tanzschule. In den fünf unterirdischen Geschossen befinden sich kommerzielle Flächen und RER Station. Der unterirdische Teil öffnet sich mit Blickbeziehungen zum Park und zu der historischen Börse und ist durch großzügigen Treppen mit dem Straßenniveau verbunden. Der Entwurf hat die Station wieder in die Umgebung integriert, in dem er wesentlich die Vernetzung verbessert hat. Das Canopée Design bleibt aber noch immer unbeliebt.4,5,6

Abb.24: Vorplatz vom Canopée 4 5 6

Vgl. Kaltenbach 2014, 460 - 7. Vgl. Berger/Anziutti 2014, 4 . Vgl. Chupin 2015, 195 - 207


21


Les Halles - Technologie

Abb.25: Schnitt

Abb.26: Fischbauchträger Detail

Die einheitliche Hülle des Canopées spannt über die Fassade und das Dach, ihre Form ist von Beobachtungen der Natur und Menschen inspiriert und ihre Neigung ist durch meistherschende Windrichtung bestimmt. Die große Struktur ist in zwei Teilen unterteilt, der größere im Osten und kleinere im Westen. Die sandähnliche Farbe des Canopées entspricht der Natursteinfassade der Nachbargebäuden. Die neue Struktur musste sich an den bestehenden Stützenraster der Stahlbetonkonstruktion der RER Station aus der 70er Jahre 22

Abb.27: Schnitt

anpassen. Die Stahlkonstruktion des Canopées ist mit starken Queschnitten wie ein biegesteifer Rahmen entworfen. Der größere Teil besteht aus Fischbauchträgern, die zwischen einem Kastenträger liegen und die anhand von Ober- und Untergurten und Druckbänder miteinander verbunden sind. Die Fischbauchträger sind mit verglasten Lamellen verkleidet. Die Spannweite bei dem großeren Dachteil varriert von 45 bis 96 m. Der kleinere Teil besteht aus Kragarmen, die mit den Kastenträger verbunden sind.4,5

4 5

Vgl. Kaltenbach 2014, 460 - 7. Vgl. Berger/Anziutti 2014, 4.


Abb.28: Axonometrie der CanopĂŠekonstruktion 23


Centre Pompidou

Auf dem Bauplatz stand zuvor ein baufälliger Häuserkomplex welcher abgerissen wurde. Bis 1930 war es städtisches Brachland, erst 30 Jahre später wurde es als Parkplatz genutzt. Als George Pompidou Präsident Frankreichs wurde, schrieb man einen internationalen Architekturwettbewerb aus. Dabei sollte für die Hauptstadt ein einzigartiges Kulturzentrum errichtet werden, welches ein Museum für moderne Kunst, eine Bibliothek, ein Zentrum für Design und ein Institut für zeitgenössische Musik beherbergen sollte. Insgesamt wurden 681 Projekte eingereicht, wobei das Projekt von Renzo Piano und Richard Rogers gewann, da sie mit ihrem Entwurf nicht den gesamten Bauplatz bebauen wollten, sondern nur die Hälfte. Dieser Platz davor war für sie ebensowichtig wie das Gebäude selbst: „in einer so dicht besiedelten Stadt wie Paris dürfe man nicht das gesamte verfügbare Gelände verbauen.“2 Durch die Gestaltung des Vorplatz wird das Kulturzentrum zu einem Teil der Stadt.

Abb. 29: (oben) Centre Pompidou Abb. 30: (mitte) Platz vor Centre Pompidou Abb. 31: (unten) Haustechnik des Centre Pompidou 24

Das spezielle an diesem Gebäude ist, dass es von außen die Anmutung einer Maschine hat und weniger die eines Kulturzentrums. Die gesamte Tragkonstruktion, die Erschließung, wie auch die Haustechnik wurden außerhalb der Fassade platziert und dadurch kann die „Maschine“ ihrer einzigen Funktion nachkommen und zwar einen freien, flexiblen und nackten Raum zu erzeugen.


Abb.32: Fassadenansicht

Abb.33: Schnitt

Abb.34: Grundriss

Es gibt drei Untergeschoße, welche in Massivbauweise ausgeführt wurden. Dort befinden sich Parkplätze und die schalldichten Konzertsäle. Die gesamte oberirdische Konstruktion ist ein einziges Metallgerüst, welches offen zur Schau gestellt wird. Die gesamte Gebäudefassade besteht aus Glas, in ihr spiegelt sich die Stadt wieder. Vor der Fassade im Westen, zum Platz hin, wurden die Außengalerien, sowie die vorgesetzten Rolltreppen, welche die fünf Stockwerke miteinander verbindet, platziert.

Auf der anderen Fassadenseite befindet sich zwischen Glasfassade und Zugstab, die gesamten haustechnischen Installationen wie z.B. die Lastenaufzüge, die Klimaanlagen und die Elektrischen Leitungen. Es wird nichts verkleidet, alles wird offen gezeigt und mit den verschiedenen Farben noch verstärkt. Blau steht für das Wasser, Grün für die Luft, Gelb für den Strom und Rot für den Menschen- und Warenverkehr. 7

8 Vgl. Copans Richard: Architectures : le centre Georges Pompidou, Frankreich 1997 (online unter http://boutique. arte.tv/f301-architectures_centre_georges_pompidou).

25


Bestand

Centre Pompidou

Piazza

Bestand

Abb. 35: Schnitt durch Centre Pompidou mit Umgebung 26


Abb. 36: Centre Pompidou Draufsicht 27


Le Grand Paris Seit 2007 wird mit der Initiative „Le Grand Paris“ versucht, die Fehler jahrzentelanger Fehlplanungen zu korrigieren. Dabei arbeiteten fachübergreifende Teams aus Historikern, Soziologen und Stadtplanern, mit bekannten Architekten zusammen. Auch wenn es bisher nicht gelang, mit Hilfe der Ideen dieses Wettbewerbs, zu einem Konsens zwischen den verschiedenen Fraktionen zu gelangen, gelang es dadurch trotzdem, Paris wieder städtebaulich auf internationaler Bühne interessant zu machen. Die Arbeitsgruppen versuchten dabei Lösungen für das Versagen der Politik zu finden, die es zugelassen hatte, dass die Stadt über die Jahre hinweg in zwei Teile zerfiel. Auf der einen Seite die Gentrifizierung der Innenstadt und die damit verbundenen sozioökonomischen Auswirkungen für das Zentrum und auf der anderen Seite die vernachlässigten Vorstädte von Paris. Die heruntergekommenen Banlieues, als Schattenseite der Gesellschaft, die durch die früheren Infrastrukturmaßnahmen vom Zentrum der Stadt abgeschnitten wurden, galt es durch gezielte Maßnahmen, wieder mit dem Rest der Stadt zu verbinden um eine Kompaktheit zu schaffen. Abb. 37: (oben) Funktionen mixen in der Industriezone von Jean Nouvel Abb. 38: (unten) Artikulation zwischen unterschiedlichem Stadtgefügen 28

Dabei versuchten die Arbeitsgruppen über viele unterschiedliche Methoden, Paris urbaner zu gestalten.


Abb. 39: Fotografie von Paris aus dem All

Die Urbanität der Stadt sollte „Wunden schließen, verbinden, mit Verdichtung und Ausdehnung spielen“ und vor allem die Exzesse des Modernismus korrigieren, welcher durch den sozialen Wohnungsbau in Randgebieten, zu den aktuellen Problemen immens beigetragen hatte. Dabei wurden Vorschläge genannt, wie die Begrünung von Dächern und oberen Stockwerken und vor allem die Flexibilisierung der Normen und Zwänge welche sich durch Flächennutzungspläne ergeben.

Im durch „das ches

internationalen Kontext wurde „Le Grand Paris“ auch wieder farbige Bauen“ entdeckt, weldem grauen Alltag entgegensteht.

Durch „Le Grand Paris“ wurde städtebaulichen Maßnahmen wieder höhere Priorität zugestanden und diesen der wichtige Aspekt – als Ort der kommunikativen Vermittlung zwischen vielen Fraktionen – anerkannt.8 8 Vgl. Bocque, Denis Arch+ 2011, 18 - 19. 29


Quellenverzeichnis Literaturverzeichnis: De Moncan, Patrice: Le Paris d‘Haussmann, Paris 2015 Maneglier, Hervé: Paris Impérial. La vie quotidienne sous le Second Empire, Paris 2009 Gloaguen, Laurent (25.9.2013):< http://vergue. com/pages/Halles-et-marches-de-Paris >, in: <http://vergue.com/>, Zugriffsdatum: [10.1.2017] Kaltenbach, Frank: Vom Forum Les Halles zum Canopée - Operation am offenen Herzen von Paris, in: Detail, 21.05.2014, 460 - 467 Berger/Anziutti (August 2014): Project: Canopy and transport hub: <http://www.parisleshalles.fr/ sites/default/files/2014-07-Plaquette-Halles-webUK.pdf>, in: <http://www.parisleshalles.fr/>, Zugriffsdatum: [10.1.2017] Chupin, Jean - Pierre u. a: Architecture Competitions and the production of culture, quality and knowledge:an international inquiry, Quebeck 2015, 195-207 Copans Richard: Architectures : le centre Georges Pompidou, Frankreich 1997; Arte, online unter http://boutique.arte.tv/f301-architectures_ centre_georges_pompidou

30

Bocque Denis: Aufbruchsignale - „Grand Paris in Berlin“, in: Arch+ 2011. 201/202, 18-19


Abbildungsverzeichnis Abb.1: Aus http://www.parisleshalles.fr/sites/default/files/2014-07-Plaquette-Halles-web-UK.pdf, Zugriffsdatum: 10.1.2017 Abb.2: Aus http://www.nature.com/articles/ srep02153/figures/2, Zugriffsdatum: 13.1.2017 Abb.3: Aus https://newhavenurbanism.org/european-urbanism/paris/, Zugriffsdatum: 12.1.2017 Abb.4: Aus https://s-media-cacheak0.pinimg. com/originals/bd/fe/d1/bdfed15357736bfa8988e24ac1a8ec27.jpg, Zugriffsdatum: 10.1.2017 Abb.5: Aus https://thefunambulist.net/history/history-chronological-cartography-of-the-1871-pariscommune, Zugriffsdatum: 10.1.2017 Abb.6: http://www.zeit.de/reisen/2014-01/fscharles-marville-paris, Zugriffsdatum: 10.1.2017 Abb.7: Baltard/ Callet: Monographie des Halles centrales de Paris construites sous le règne de Napoléon III et sous l‘administration de M. le Baron Haussmann..., Paris 1863, Zugriffsdatum: 10.1.2017 Abb. 8: Baltard/ Callet: Monographie des Halles centrales de Paris construites sous le règne de Napoléon III et sous l‘administration de M. le

Baron Haussmann..., Paris 1863, Zugriffsdatum: 10.1.2017 Abb. 9: Baltard/ Callet: Monographie des Halles centrales de Paris construites sous le règne de Napoléon III et sous l‘administration de M. le Baron Haussmann..., Paris 1863, Zugriffsdatum: 10.1.2017 Abb. 10: Baltard/ Callet: Monographie des Halles centrales de Paris construites sous le règne de Napoléon III et sous l‘administration de M. le Baron Haussmann..., Paris 1863, Zugriffsdatum: 10.1.2017 Abb.11: Aus http://paris-projet-vandalisme. blogspot.co.at/2013/03/de-si-jolies-halles-parisdans-les.html, Zugriffsdatum: 11.1.2017 Abb.12: Aus http://paris-projet-vandalisme. blogspot.co.at/2013/03/de-si-jolies-halles-parisdans-les.html, Zugriffsdatum: 11.1.2017 Abb.13: Aus http://paris-projet-vandalisme. blogspot.co.at/2013/03/de-si-jolies-halles-parisdans-les.html, Zugriffsdatum: 11.1.2017 Abb.14: Aus http://shmelock.blogspot. co.at/2010/03/paris-pret-lancer-les-grandstravaux-au.html Abb.15: Aus http://www.parisleshalles.fr/sites/default/files/2014-07-Plaquette-Halles-web-UK.pdf, Zugriffsdatum: 11.1.2017 31


Quellenverzeichnis Abb.16: Aus http://www.parisleshalles.fr/sites/default/files/2014-07-Plaquette-Halles-web-UK.pdf, Zugriffsdatum: 11.1.2017 Abb.17: Aus http://www.parisleshalles.fr/sites/default/files/2014-07-Plaquette-Halles-web-UK.pdf, Zugriffsdatum: 11.1.2017 Abb.18: Aus http://www.parisleshalles.fr/sites/ default/files/2014-07-Plaquette-Halles-web-UK. pdf,Zugriffsdatum: 11.1.2017 Abb.19: Aus http://www.parisleshalles.fr/sites/default/files/2014-07-Plaquette-Halles-web-UK.pdf, Zugriffsdatum: 11.1.2017 Abb.20: Aus http://www.parisleshalles.fr/sites/default/files/2014-07-Plaquette-Halles-web-UK.pdf, Zugriffsdatum: 11.1.2017 Abb.21: Kaltenbach, Frank: Vom Forum Les Halles zum Canopée - Operation am offenen Herzen von Paris, in: Detail, 21.05.2014, 461, Zugriffsdatum: 12.1.2017 Abb.22: Aus http://www.parisleshalles.fr/sites/default/files/2014-07-Plaquette-Halles-web-UK.pdf, Zugriffsdatum: 11.1.2017 Abb.23: Aus http://aasarchitecture.com/2016/03/ redevelopment-of-les-halles-station-by-patrickberger-and-jacques-anziutti-architectes.html, Zugriffsdatum: 13.1.2017

32

Abb.24: Aus http://forumdeshalles.com/fr-FR/ centre, Zugriffsdatum: 13.1.2017 Abb.25: Kaltenbach, Frank: Vom Forum Les Halles zum Canopée - Operation am offenen Herzen von Paris, in: Detail, 21.05.2014, 464, Zugriffsdatum: 12.1.2017 Abb.26: Kaltenbach, Frank: Vom Forum Les Halles zum Canopée - Operation am offenen Herzen von Paris, in: Detail, 21.05.2014, 467, Zugriffsdatum: 12.1.2017 Abb.27: Schnitt: Kaltenbach, Frank: Vom Forum Les Halles zum Canopée - Operation am offenen Herzen von Paris, in: Detail, 21.05.2014, 462, Zugriffsdatum: 12.1.2017 Abb.28: Aus http://aasarchitecture.com/2016/03/ redevelopment-of-les-halles-station-by-patrickberger-and-jacques-anziutti-architectes.html, Zugriffsdatum: 13.1.2017 Abb.29: Aus http://diepresse.com/home/kultur/ kunst/5093509/Pariser-Centre-Pompidoueroeffnet-Museum-in-Bruessel, Zugriffsdatum: 10.1.2017 Abb.30: Aus www. placesinparis.com/centrepompidou/, Zugriffsdatum: 10.1.2017 Abb.31: Aus www.centrepompidou.fr/en/TheCentre-Pompidou/The-Building, Zugriffsdatum: 12.1.2017


Abb.32: Aus https://christinamcmahon.files.wordpress.com/2011/08/pompidou_front_elevation. jpg, Zugriffsdatum: 12.1.2017 Abb.33: Aus https://christinamcmahon.files.wordpress.com/2011/08/pompidou_side_elevation. jpg, Zugriffsdatum: 12.1.2017 Abb.34: Aus http://www.archello.com/en/project/centre-pompidou/1953214, Zugriffsdatum: 12.1.2017 Abb.35: Aus https://www.pinterest.com/ pin/392165080022704776/, Zugriffsdatum: 17.01.2017 Abb.36: Aus http://bbsc303.arch.school.nz/blog/ labels/gamma.html, Zugriffsdatum: 17.01.2017 Abb.37: Aus https://www.ateliergrandparis.fr/ construire/, Zugriffsdatum: 13.1.2017 Abb.38: Aus https://www.ateliergrandparis.fr/ construire/, Zugriffsdatum: 13.1.2017 Abb.39: Aus https://kwerfeldein.de/2015/02/03/ aus-dem-all-fotografien-von-alexander-gerst/, Zugriffsdatum: 13.1.2017

33


Bercy

Johannes Bernsteiner

Bercy ist ein Paradebeispiel für zeitgenössische Stadtplanung. Das ungenützte Gebiet wurde zu einem funktionierenden Stadtviertel umgewandelt, welches sowohl moderne als auch traditionelle Qualitäten Pariser Stadtplanung vereint. Das im Osten von Paris gelegene Areal wird begrenzt durch die im Südwesten gelegene Seine und der daran entlang verlaufenden Autobahn sowie der sich im Nordwesten befindlichen Eisenbahnanlagen, welche zum Gare du Lyon führen. Das 800m lange Areal grenzt im Südosten zudem an den Boulevard Poniatowski und somit an ein Teilsegment der konzentrisch um Paris verlaufenden Boulevards.

Abb.1 Luftbild von Bercy mit Blick in Richtung Zentrum von Paris


Projektdaten

Architekt(Innen) Michel Andrault Jean-Pierre Buffi Paul Chemetov Jean-Pierre Feugas Marylène Ferrand Frank Gehry Aydin Guvan Bernard Huet Borja Huidobro Pierre Parat Jean Prouvé Christian de Portzamparc Bernard Le Roy et al.

Ort | Lage des Projektes Bercy (Paris)

Planungszeit | Bauzeit 1985-2000

Größe | Kosten ca. 15ha

Ausgangslage | Aufgabenstellung Stadtteilrevitalisierung

Auftraggeber | Auftraggeber-Typus Stadt Paris 36


Abb. 2 Luftbild von Paris, Bercy Viertel in rot 37


Historie

Ursprünglich befand sich in diesem Gebiet ein großflächiges Lager- und Logistikzentrum für Wein. Die über die Seine angelieferten Güter mussten aufgrund der strategischen Position außerhalb der ehemaligen Stadtmauer des 18. Jahrhunderts (Fermiers Généraux) nicht verzollt werden. Unzählige kleine Backsteinhäuser reihten sich entlang enger Straßen, auf denen die Waren auf Gleisen mit Pferden gezogenen Wagons von und zur Seine transportiert wurden. Im Jahr 1982 begann die Stadt Paris mit einem breit angelegten Programm (Zone d’Aménagement Concertée - ZAC) zur Aufwertung von Ostparis, welches auch das bereits seit 1877 im Besitz der Stadt befindliche Areal von Bercy umfasste. Die Herausforderung lag dabei im Umgang mit der dezentralen und kaum durch öffentliche Verkehrsmittel erschlossenen Lage sowie in der Umnutzung der ursprünglich als Weinlager genutzter Flächen.

Abb. 3+4 Historische Fotos der Weinlager 38


Abb. 5 Historischer Stadtplan von Bercy mit Weinlagerbebauung 39


Stadtentwicklungskonzept

Es wurde ein 12,5ha großer Park (Parc de Bercy) sowie 1.500 Wohneinheiten im Norden welche teilweise subsidär gefördert sind und 13.000m2 Büroflächen bzw. 40.000m2 Geschäftsflächen im Südosten geschaffen. Bei der Parkgestaltung durch die Architekten Ferrand, Feugas, Leroy und Huet wurden bestehende Bäume sowie vormalige industrielle Anlagen und Gebäude als historische Referenz in das Gestaltungskonzept integriert, welches vielfältige Aufenthaltsräume und Nutzungen vorsieht. In den folgenden Jahren wurden das Palais Omnisports de Paris-Bercy, das Ministère des Finances sowie das American Center errichtet.

Abb. 6 Stadtentwicklungsprogramm von Bercy mit Darstellung einzelner städtebaulicher Funktionen 40


Abb. 7 (oben) Parc de Bercy Abb. 8 (unten) Lageplan von Bercy, städtebauliche Barrieren durch Bahnhof und Seine (in rot) 41


Wohnbau

Als Koordinator für die Gestaltung und Errichtung der einzelnen Bauabschnitte wurde der italienische Architekt Jean-Pierre Buffi einberufen, welcher seit den 1960er in Paris unter anderem für Jean Prouvé arbeitete. Hier orientierte er sich an der Pariser Tradition (Haussmann) in dem er die Straßen rechtwinklig zum Park setzte und richtete durch offene Innenhöfe so viele Wohneinheiten wie möglich zum Park hin aus. Um eine einheitliche und durchgehende Fassade parkseitig zu gewährleisten zog er Balkone über die gesamte Länge der Parkfront durch (vgl. Casa Rustici von Terragni & Lingeri in Mailand). Trotz der vielen unterschiedlichen und zum Teil illustren Architekten (z.B. Pritzker-Preisträger Christian de Portzamparc) konnte Buffi ein kohärentes aber gleichzeitig abwechslungsreiches Stadtbild der Parkbebauung schaffen und wurde dafür für den Mies van der Rohe Award 1994 nominiert.

Abb. 9 (oben) Parktfront von Bercy Abb. 10 (unten) Casa Rustici, Mailand 42


Touristenattraktionen

In 1998 wurde die Linie 14 der Pariser Metro eröffnet, welche eine Verbindung in 5min zum Stadtzentrum ermöglicht und maßgeblich zum Erfolg des Viertels beigetragen hat. In 2006 wurde schließlich die vom österreichischen Architekt Dietmar Feichtinger entwickelte Fußgängerbrücke eröffnet, welche Bercy mit dem aufstrebenden Viertel am linken Ufer der Seine verbindet wo sich unter anderem die bekannte Bibliothéque National de France befindet. Darüber hinaus gibt es im nördlichen Teil des Parks das ehemalige American Center von Frank Gehry (heute Cinémathèque Française), das daran angeschlossene Museum und eine themenbezogene Forscherbibliothek. Eine der östlich davon erhalten gebliebenen Weinhallen hat das Musée des arts forains (Museum für Jahrmarktswesen) aufgenommen. In der original mit Bahngleisen erhaltenen Gasse Cours de St-Emilion befinden sich als touristischer Anziehungspunkt noch einige restaurierte Weinlager mit Geschäften und Restaurants in einer pittoresken Umgebung.

Abb. 11 (oben) American Center Abb. 12 (unten) Bercy Village 43


Palais Omnisports de Paris-Bercy (POPB)

Abb. 13 Palais Omnisports de ParisBercy, im Hintergrund das Ministère des Finances et de l‘Economie 44

Das Gebäude weist die Form einer abgeschnittenen Pyramide auf, welche eine in den Boden versenkte quaderförmige Arena überdeckt. Das metallene Gerüst des Dachs des Ingenieurs Jean Prouvé wird von vier runden Betonpfeilern mit einem Durchmesser von 6m getragen und bietet eine stützenfreie Spannweite von 80m. Das Gebäude ist Teil des Stadtentwicklungsprogramms von Bercy und wurde im Hinblick der Olympiade von 1992 gebaut.

Auf 55.000 m2 finden zwischen 3.500 und 17.000 Zuschauer Platz. Dank des flexiblen veränderbaren Innenraums finden neben Sportveranstaltungen auch Kunstaustellungen und Rockkonzerte statt. Im Gegensatz zum funktionalen Interieur erscheint das Gebäude von außen sehr monumental und im Stil des Brutalismus. Um diesen Effekt abzuschwächen und das Gebäude optisch besser in die urbane Parklandschaft zu integrieren wurden die geneigten Außenwände begrünt.


Pierre Parat, Michel Andrault, Aydin Guvan; 1979-83

Abb. 14 Querschnitt durch die ZuschauertribĂźne des POPB 45


Ministère des Finances et de l’Economie

Abb. 15 Ministère des Finances et de l‘Economie gesehen vom Pont de Bercy 46

Das Finanzministerium befand sich ab 1871 im Louvre. Mit der Errichtung des Grand Louvre zog das Ministerium 1989 in diesen Neubau, der zwischen dem Gare de Lyon und dem Bercy Park liegt. Als größtes Ministerium Frankreichs sollte das Gebäude 225.000m2 Bürofläche zur Verfügung stellen und den Prototyp für staatliche Funktionen außerhalb traditioneller Paläste liefern. Das längliche Grundstück machte es unmöglich, eine klassische Fassade parallel zum Fluss zu errichten. Der Bau wurde des-

halb wie ein Viadukt entworfen welcher die Straße überbrückt und deren erster Pfeiler in der Seine verankert ist. Auf diese Weise soll er ein monumentales Stadttor im Pariser Osten bilden. Hinter dem länglichen Gebäude befinden sich zudem flache Atriumgebäude, die auch zwei ehemalige Zoll-Pavillons aus dem 19. Jahrhundert miteinschließen.


Paul Chemetov, Borja Huidobro; 1982-89

In der medialen Rezeption wurde das Gebäude mit stalinistischer und faschistischer Architektur in Verbindung gebracht und als Autobahnmautstelle bezeichnet. Seine Position an der Stelle der ursprünglich verlaufenden Stadtmauer (barrières) weißt zudem auf die damalige wie heutige Funktion der Steuereintreibung hin. Der High-Tech Baustil mit seinem schweren Stein und dem überdimensionierten Helikopterpad am Dach wiederspricht nicht zuletzt dem demokratischen Verständnis von Offenheit und Transparenz einer staatlichen Einreichung.

Abb. 16 Lageplan des Ministère des Finances et de l‘Economie 47


Quellenverzeichnis

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Ayers, Andrew: The Architecture of Paris, Stuttgart/London 2004, 188-200

Abb.1: Luftbild von Bercy mit Blick in Richtung Zentrum von Paris; https://commons.wikimedia. org/wiki/File:Bercy,_Paris.jpg (aufgerufen am 12.01.2017)

Buffi Associés: Percy Park Front Appartment Buildings, http://www.buffi-associes.com/en/theprojects/housing-hotels/127-1994---2005-bercypark-front-apartment-buildings.html (aufgerufen am 12.01.2017) Gleiniger, Andrea/Matzig, Gerhard/Redecke, Sebastian: Paris. Architektur der Gegenwart. München 1997 Marvillet, Jacques: Vingt ans d’urbanisme amoureux à Paris, L’Harmattan, Paris 2005 o.A.: Historische Entwicklung des Stadtteils Bercy, http://www.deuframat.de/regionen/ paris-berlin-hauptstadtportraets/stadtsanierungund-revitalisierung-am-beispiel-von-paris-bercy/ historische-entwicklung-des-stadtteils-bercy.html (aufgerufen am 12.01.2017) o.A. Die Planungen der ZAC Bercy, http://www. deuframat.de/regionen/paris-berlin-hauptstadtportraets/stadtsanierung-und-revitalisierung-ambeispiel-von-paris-bercy/die-planungen-der-zacbercy.html (aufgerufen am 12.01.2017)

48

Abb. 2: Luftbild von Paris; Bercy Viertel in rot; Google Maps, Bearbeitung durch Autor Abb. 3+4: Historische Fotos der Weinlager; http://www.unjourdeplusaparis.com/en/parisreportage/monuments-disparus-de-paris/attachment/halles-aux-vins-paris-2 (aufgerufen am 12.01.2017) Abb. 5: Historischer Stadtplan von Bercy mit Weinlagerbebauung; http://www.deuframat. de/regionen/paris-berlin-hauptstadtportraets/ stadtsanierung-und-revitalisierung-am-beispielvon-paris-bercy/historische-entwicklung-desstadtteils-bercy.html (aufgerufen am 12.01.2017) Abb. 6: Stadtentwicklungsprogramm von Bercy mit Darstellung einzelner städtebaulicher Funktionen; http://www.deuframat.de/regionen/ paris-berlin-hauptstadtportraets/stadtsanierungund-revitalisierung-am-beispiel-von-paris-bercy/ die-planungen-der-zac-bercy.html (aufgerufen am 12.01.2017)


Abb. 7 (oben): Parc de Bercy; https:// www.tripadvisor.com/LocationPhotoDirectLink-g187147-d2513746-i164712084-Parc_de_ Bercy-Paris_Ile_de_France.html (aufgerufen am 12.01.2017)

Abb. 13 Palais Omnisports de Paris-Bercy, im Hintergrund das Ministère des Finances et de l‘Economie; http://de.france.fr/de/sehenswert/ mein-paris-bercy (aufgerufen am 12.01.2017)

Abb. 8 (unten): Lageplan von Bercy, städtebauliche Barrieren durch Bahnhof und Seine (in rot); http://www.wikitravel.org (aufgerufen am 12.01.2017)

Abb. 14: Querschnitt durch die Zuschauertribüne des POPB; http://projets-architecte-urbanisme.fr/ renovation-palais-omnisport-paris-bercy/ (aufgerufen am 12.01.2017)

Abb. 9 (oben) Parktfront von Bercy; http://www.buffi-associes. com/en/the-projects/housing-hotels/127-1994--2005-bercy-park-front-apartment-buildings.html (aufgerufen am 12.01.2017)

Abb. 15: Ministère des Finances et de l‘Economie gesehen vom Pont de Bercy; http:// www.collectivites-locales.gouv.fr/files/files/modele_newsletter/lettre_colloc_37.htm (aufgerufen am 12.01.2017)

Abb. 10 (unten) Casa Rustici, Mailand; https://it.wikipedia.org/ wiki/Casa_Rustici (aufgerufen am 12.01.2017)

Abb. 16: Lageplan des Ministère des Finances et de l‘Economie; http://www.entreprises.gouv. fr/secteurs-professionnels/outils-dameliorationla-performance-industrielle-au-service-lafiliere-chimi?language=en-gb (aufgerufen am 12.01.2017)

Abb. 11 (oben) American Center; https://www.emaze.com/@ ACCTZWZW/Postmoderne (aufgerufen am 12.01.2017) Abb. 12 (unten) Bercy Village; https://it.wikipedia.org/wiki/ File:Bercy_village_1.jpg (aufgerufen am 12.01.2017)

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Passerelle Simone-de-Beauvoir Jonathan Droste

Die Passerelle Simone-de-Beauvoir ist eine Fußgängerbrücke über die Seine im Osten von Paris zwischen dem 12. und dem 13. Arrondissement. Sie ist die 37. Pariser Brücke und damit die vierte der für Füßgänger vorbehaltenen Brücken und die erste die einen weiblichen Namen tägt. Sie trägt den Namen der französischen Schriftstellerin Simone de Beauvoir.

Abb. 1(rechts): Blick von der Passerelle in Richtung Park de Bercy Vgl. Böckl, 2006

Die Brücke fungiert als zentrales Verbindungsglied eines groß angelegten Stadtumbaus des Pariser Ostens. Dort, wo sich bis in die 1970er Jahre ausgedehnte Lager- und Markthallenkomplexe befanden, die per Schiff von der Seine her beliefert wurden, sind mit dem Parc de Bercy am Nordufer und dem neuen Stadtteil rund um die Nationalbibliothek von Dominique Perrault am Südufer völlig neue urbane Strukturen entstanden.1 Die Passerelle besticht durch ihre verblüffend einfache Konstruktion, welche ihre filigrane und elegante Erscheinung erzeugt und zudem zusätzliche Nutzungsmöglichkeiten bietet.


Projektdaten

ArchitektIn(nen) DFA | Dietmar Feichtinger Architectes

Ort | Lage des Projektes Paris 12ème et 13ème arrondissements

Planungszeit | Bauzeit Planungsbeginn 06/99 | Bauzeit 06/04 07/06

Typologie | Nutzung Fußgängerbrücke

Größe | Kosten Gesamtlänge 304 m | Breite 12 m | freie Spannweite 194 m | Baukosten 18,9 Mio

Ausgangslage | Aufgabenstellung Verbinden des linken und rechten Seineufers | Park de Bercy und Nationalbibliothek

Art des Auftrages Internationaler Wettbewerb

Auftraggeber | Auftraggeber-Typus Stadt Paris | Wettbewerb Abb. 2(rechts): Blick von der Passerelle in Richtung Park de Bercy 52

Konstruktion | Bauteile Fischbauch-Fachwerkträger-Brücke mit

gevouteten Vertikalstäben


53


Struktur

Die 304 Meter lange Brücke verbindet untrennbar Architektur und Tragwerksentwurf. Sie besteht aus zwei synergetischen Elementen, einem schlanken Bogen und einer Kettenlinie. Diese beiden Kraftlinien gleichen sich gegenseitig aus und sorgen für Kraft und Leichtigkeit. Abb. 3. Schnitt o.M. Vgl. Lavalou/Lamarre/Robert 2006, 20. 3 Ebda., 18. 2

54

In der Mitte bildet das Zusammentreffen der beiden einander gegenüberliegenden Kurven, die durch den Bogen und die Kettenlinie erzeugt werden, eine Linse oder lentille.

An den zwei Flußbänken, werden mit Hilfe der Konsolen die Anschlusspunkte zu den jeweiligen Uferseiten geschaffen. Die zentrale Linse ist in den Widerlagern den die Konsolen, les consoles, bilden, verankert..2 Die neue Fußgängerbrücke überquert den Fluß sanft in einer einzigen flexiblen und natürlichen Bewegung, die mehrere mögliche Routen schafft, um die Brücke von jedem


Struktur

Flussufer zu erreichen.

und die Struktur untrennbar verbunden.

miteinander

Die Fußgängerbrücke fungiert wie ein Organismus, der sich diesen verschiedenen Situationen und den verschiedenen An- und Austrittspunkten anpasst. Vier Ebenen sind verknüpft: Die Promenaden an den beiden Uferquartieren, die Bercy-Parkterrasse und die Bibliotheksplattform sind miteinander verbunden, die von einer aussergewöhnlichen Aussicht ablenken könnten. 3 Dadurch, dass Feichtinger die Gehwege 55


Materialität

Abb.4:Deck 56


Materialität

Zwei Arten von Material kommen bei dem Bau der Brücke zur Verwendung, um die Leichtigkeit der Struktur zu erhöhen: Stahl und Holz. 1600 Tonnen Stahl wurden verwendet, um die Brücke zu bauen. Der Stahl kommt in Form von geschweißten Blechkastenbalken und Stahlblechen zu tragen. Auf Bolzen wurde nahezu vollständig verzichtet, um reine Details zu schaffen und jedwedes mögliches potentielles Rosten zu vermeiden.Für komplexe Knotenpunkte wurden Gußelemente verwendet.

Latten aus Eiche wurden für die Deckung der Gehwege der Decks verwendet. Das Holz kam aus beibehaltenen Wäldern aus der Ile-de-France Gegend. Zur Rutschfestigkeit ist in jede Bohle eine zentrale Nut gefräst, die mit harzgebundenem Silex aufgefüllt ist. Zum Teil stammt das Holz von Bäumen, die dem verheerenden Sturm von 1999 zum Opfer gefallen waren.Die Geländer zwischen den in Aluminium gefertigten Handläufen sind aus einem gewebten rostfreien Stahl-mesh. Das Netz sorgt für völlige Transparenz zwischen Brücke und Fluss.4

Abb.5: Fußgänger genießen den Ausblick auf der Brücke Abb.6: Blick in das zentrale Deck, die Lens, die Fußgänger zum Verweilen einlädt 4

Vgl. Lavalou/Lamarre/Robert 2006, 20. 57


Technologie

Dietmar Feichtinger Architekten schaffen durch die Kombination einer Hängekonstruktion und eines Bogens - beides Tagwerke mit einem sehr geringen Stich und grosser Spannweite - das stützenfreie Überbrücken der Seine und gewährleisten ein stabiles Tragwerk. Abb.7 (oben): Längsschnitt Abb.8 (unten): Ansicht 5 Vgl. Dietmar Feichtinger Architectes.

58

Durch die Überlagerung der beiden Kurven wird in der Mitte des Flusses ein räumliches Volumen ausgebildet, das eventuelle temporäre Einrichtungen aufnehmen kann.

Durch die Wegführung, die am Tragwerk entlang führt, wird einerseits die Nähe zum Wasser, anderersteits der Bezug zu Paris hergestellt.5 Die beiden Elemete Bogen und Kette sind durch schlanke, vertikale Stützen, den Obelisken, in einem Abstand von 7 Metern verknüpft. Die Obelisken setzen sich aus vier Röhren zusammen, die eine Pyramide bilden, wobei der Gipfel einer Pyramide mit der Kette und die Basis mit dem Bogen verbunden ist.


Technologie

Vertikal schafft dies eine Art semi-Vierendeel Strahlträger. Die Struktur wird auf den Komposit-Widerlagern (Druck, Zug) fixiert. Das Gleichgewicht wird durch die Geometrie der Boomerangs geboten.6

Abb.9: Prinzip der Verankerung Abb.10. Kräfteverlauf in der Brücke Vgl. Lavalou/Lamarre/Robert 2006, 20.

6

59


Technologie

Im Aufriss zeigt sich die Fussgängerbrücke aus mehreren Teilen zusammengesetzt: An den Ufern ragen an geknickt schrägen Stützen, die mit auf Zug vorgespannten Stäben im Grund verankert sind, dreissig Meter lange Träger über den Fluss hinaus.

Abb.11: Querschnitte 60

Der linsenförmige Träger in der Mitte, dessen Spanten jene der Ufer- Brückenträger verlängern, bildet mit den im Bogen eingespannten Stützen einen Semi-Vierendeel’schen Träger. Schliesslich überspannen an beiden Enden der Brücke zwei 35 m lange, eigen-

ständige und flache Bogenträger die Quaistrassen und verbinden die oberen Teile der Passerelle mit den beiden Geländeterrassen. Trotz ihres leicht gewölbten Profils schreiben sie sich nicht exakt in die Kontinuität des eigentlichen Brückenschwungs ein. Der leichte Winkel, den sie am Brückenansatz bilden, bricht kaum spürbar die geometrische Reinheit des Ganzen. Der Bogen besteht aus zwei parallelen Kast-


Technologie

enträgern im Abstand von 5,20 m, die untereinander durch Auskreuzungen verbunden sind. Die Zugbänder werden durch zwei massive Bleche von einem Meter Breite und 100 mm Dicke im Bereich der Linse bzw. 150 mm in den seitlichen Bereichen gebildet.7

7

Abb.12: Konsolendetail Vgl. Lemoine 2007, 40-43 61


Transport

Abb. 13 Die Linse auf dem Transport: Das 106 m lange, 12m breite und 4,45 m hohe Element ist das zetnrale Element der Struktur, und wurde von Lauterbourg über den Rhein in die Nordsee, dann von Rotterdam nach Paris geschifft. 62

Von den Werkstätten der Firma Eiffel in Lauterburg im Elsass war dieser 106 Meter lange Träger mit seinen 510 Tonnen Gewicht auf einem Frachtkahn via Rhein, Nordsee und Seine nach Paris transportiert und des Nachts innerhalb einiger Stunden an Ort und Stelle montiert worden. Schwierig gestaltete sich die Fahrt vom Elsass in die Hauptstadt. Dafür kam nur der Wasserweg in Frage. Auf zwei Frachtkähnen ging es den Rhein hinunter bis zur Nordsee. In der Nähe von Rotterdam musste auf

Grund von Schlechtwetter eine drei-wöchige Pause gemacht werden. Nach der Pause ging es schließlich bei ruhiger See zur Mündung der Seine, durch enge Schleusen Paris. Dort nahm man Ballast auf, um unter einigen niedrigen Brückenbögen hindurchgleiten zu können. Bei optimalen Wetterbedingungen konnten die Frachtkähne nun quer zur Seine festge-


Transport

macht werden und die Tonnen schwere Br체cke wurde auf ihre Fundamente gehoben.9 Die Montage der Fussg채ngerbr체cke wurde gleichzeitig von beiden Flussufern aus begonnen, dann setzte man die vorgefertigte zentrale Linse ein. 10

Abb. 14: Montageprinzip 8 9

Vgl. H채g 2011 Vgl. Lemoine 2007, 44. 63


Quellenverzeichnis

Literaturverzeichnis: Böckl, Matthias:Schwebender Stadtraum; Auszug aus „Architektur Aktuell“ September 2006 Dietmar Feichtinger Architectes http://www.feichtingerarchitectes.com/display_ project.php/1/32, aufgerufen am 17.01.2017 um 17.54 Uhr Häg, Wolfgang: Mit Simone de Beauvoir über die Seine, Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 09.01.2011, http://www.faz.net/aktuell/technikmotor/umwelt-technik/fussgaengerbruecke-mitsimone-de-beauvoir-ueber-die-seine-1575798. html, aufgerufen am 18.01.2017 um 19.28 Uhr Lavalou, Armelle/Lamarre, Francoise/Robert, Jean-Paul (Hg.): Passerelle Simone-de-Beavoir, Feichtinger Architectes, Brüssel 2006 Lemoine, Bertrand: Ein schwebender Spazierweg Die Fussgängerbrücke Simone de Beauvoir in Paris von Dietmar Feichtinger, werk, bauen + wohnen 3|2007

64

Abbildungsverzecihnis : Abb.1: Blick von der Passerelle in Richtung Park de Bercy, aus: http://pre01.deviantart.net/d703/th/ pre/i/2012/311/f/1/passerelle_simone_de_beauvoir_ii_by_hmdll-d5ka299.jpg, aufgerufen am 18.01.2017 um 20.38 Uhr Abb. 2 - Abb. 5: Lavalou, Armelle/Lamarre, Francoise/Robert, Jean-Paul (Hg.): Passerelle Simone-de-Beavoir, Feichtinger Architectes, Brüssel 2006 Abb.6: Blick in das zentrale Deck, aus; https://lynseybarr.files.wordpresscom/2013/03/5324741291_3 dc2a97, aufgerufen am 15.01.2017 um 16.23 Uhr Abb. 7 - Abb. 13: Lavalou, Armelle/Lamarre, Francoise/Robert, Jean-Paul (Hg.): Passerelle Simone-de-Beavoir, Feichtinger Architectes, Brüssel 2006 Abb. 14: Montageprinzip, aus Lemoine, Bertrand: Ein schwebender Spazierweg Die Fussgängerbrücke Simone de Beauvoir in Paris von Dietmar Feichtinger, werk, bauen + wohnen 3|2007


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Bibliothèque nationale de France Heiko Holzer

1 Vgl. Langdon 2011: AD Classics: National Library of France / Dominique Perrault Architecture (online unter http://www.archdaily. com/103592/ad-classicsnational-library-of-francedominique-perrault-2) Abb.1(rechts): Nationalbibliothek.

Am Ufer der Seine, östlich von der Île de la Cite und der Innenstadt von Paris, stehen die vier glitzernden Türme der Nationalbibliothek von Frankreich. Rund um die Außenbezirke einer öffentlichen Promenade, sind diese Türme Dominique Perrault‘s und nehmen Bezug auf die uralte Pariser Tradition der monumentalen öffentlichen Architektur. Das Projekt ist sowohl Volumen und Nichtigkeit, Gehäuse und Exposition, eine Gegenüberstellung von kontrastierenden Ideen, die als Ehrfurcht vor seinem Platz in einem tausendjährigen Erbe ist, da es bewusst selbstkritisch ist. Die Bibliothek begann als die ehrgeizigste in einer langen Reihe von architektonischen Unternehmen - die Grands Projets - unter Führung von Präsident François Mitterand in den 1980er und frühen 90er Jahren. Neben dem Arabischen Weltinstitut, dem Parc de la Villette, der berühmten umstrittenen Pyramide am Louvre und anderen, zielten diese Projekte darauf ab, einen neuen Satz moderner Denkmäler für eine durch die Architektur definierte Stadt zu schaffen. Im Jahr 1989 hat Mitterand einen großen Wettbewerb zur Gestaltung der neuen Nationalbibliothek ins Leben gerufen, der aus 244 Architekten weltweit Beiträge schreibt. Es war zu dem großen Erstaunen der meisten, als der junge Franzose, Perrault, den Wettbewerb mit nur sechsunddreißig Jahren gewann.1


Projektdaten

ArchitektIn(nen) Dominique Perrault

Ort | Lage des Projektes Quai Francois Mauriac, 75013 Paris

Planungszeit | Bauzeit Planungsbeginn August 1989/Baubegin 1992/Bauzeit 3 Jahre

Typologie | Nutzung Bibliothek

Größe | Kosten 365178.0 m²

Ausgangslage | Aufgabenstellung Wettbewerb Februar 1989

Art des Auftrages Neubau

Auftraggeber | Auftraggeber-Typus 2 Vgl. Perrault : National Library of France (online unter: http://www.perraultarchitecture.com/en/projects/2465national_library_of_france. html). Abb.2(rechts): Grundriss/ Schnitt o.M. 68

Stadt Paris / Präsident François Mitterand

Konstruktion | Bauteile Stahlskelettbau / Glasv


Grundriss 1.100 69


Gebäudekonzept

3 Vgl. Gleininger/Matzig 1997, 42. Abb. 3: Skizze 70

Das Konzept von Dominique Perrault war äußerst klar und prägnant. Vier winkelförmige Ecktürme stehen sich wie vier geöffnete Bücher gegenüber und begrenzen einen symbolischen Raum. Die Hochhäuser die zunächst 100 Meter hoch werden sollten und dann auf 79 Meter reduziert wurden, sollen die Ansammlung von Wissen oder auch die Ansammlung unerreichtem Wissen repräsentieren. Die Türme gliedern sich in verschiedenen Zonen. Sechs Bürogeschosse, dann zehn Magazin- und zwei Technikgeschosse. Nur knapp die Hälfte

des gesamten Buchmagazins auf einer Länge von 400km befindet sich, entgegen der ursprünglichen Planung, in den Türmen. Der Rest ist im Sockel hinter den Lesesälen gelagert. Gefüllt oder leer, in den Türmen sind die Bücher von außen nicht wahrzunehmen, da hinter der doppelten Verglasung und den aufklappbaren Holzelementen aus Gründen des Licht- und Feuerschutzes eine weitere Wand eingebaut wurde. Die Entwurfsidee des Architekten, dass von außen erlebt werden kann, wie sich über die Jahre hinweg das Magazin in den Glastürmen füllt musste


Gebäudekonzept

damit verworfen werden. Die Gesamtwirkung des Neubaues bestimmen weniger die Baukörper als der durch die vier Ecktürme definierte leere Raum. Zwischen den Türmen ist wie ein Plateau der zentrale Platz eingehängt, der in seiner Größe der Place de la Concorde entspricht. In der Mitte liegt tief unten der zentrale Hof der Bibliothek, den der Architekt „einen Klostergarten der Ruhe und Besinnlichkeit“ nennt.

Abb.4:Skizze 2 71


Analyse

So klar das Konzept und die Ausführung des Objektes auch ist, muss es trotz aller dem kritisch hinterfragt werden. Das Sammlungsgut einer Bibliothek besteht zum größten Teil aus den organischen Materialien Pergament, Leder, Papier, Holz, Gewebe, Klebstoff, aber auch Kunststoffe sind vertreten, aus denen die modernen Datenträger wie Filme, Tonbänder, Disketten, CDs und DVDs hergestellt werden. Die Haltbarkeit dieser Materialien unterliegt der Gesetzmäßigkeit der sogenannten ‚natürlichen Alterung‘, die sich prinzipiell nicht aufhalten läßt, deren Verlauf aber ganz wesentlich von den Aufbewahrungsbedingungen abhängig ist. Die Umwelt der Bücher im Magazin wird bestimmt durch die Faktoren: • Temperatur • Luftfeuchtigkeit • Luft und • Licht

4 Vgl. Petersen 2005 Aufbewahrung,Handhabung und Pflege von Büchern (online unter: http://www.uni-muenster.de/ Forum-Bestandserhaltung/ kons-restaurierung/gspetersen.h). 5 Vgl. Ritte 1999, Ein Massengrab für Bücher? Probleme der Pariser Nationalbibliothek (online unter: http://www. nextroom.at/building. php?id=1878). 72

Deswegen stellt sich die Frage warum bei diser Bibliothek gerade eine Glasfassade gewählt wurde, wenn man das Sammelgut von UV-Strahlung schützen sollte. Der einzige Vorteil an dieser Fassade ist, dass die Mitarbeiter nicht in einer finsteren Gruft ihre Arbeit nachgehen müssen. Noch ein negativer Aspekt ist, dass sich fast die Hälfte der Bücher garnicht in die dafür vorgesehenen „Lesetürme“ befindet, sondern im Sockel hinter den Lesesälen befindet. Es widerspricht sich auch, dass man eine Glasfassade gewählt hat um die Ansammlung an Büchern von außen wahrnehmen zu können, wenn man Aufgrund der UV belastung eine aufklappbares Holzelement hinter der Doppelverglasung einfügen muss, welche die Sicht durch das Glas gänzlich unmöglich macht. Die vier Glastürme weisen auch eher eine Bürotypologie auf als, eine typische Typologie einer Bibliothek. Es beschleicht einem das Gefühl als wollte François Mitterand sich mit dem Bau der Bibliothek ein Denkmal errichten wollte, und ein dermaßen monumetaler öffentlicher Bau ist natürlich die perfekte Möglichkeit. Jedoch muss auch festgehalten werden, dass durch diese Zielsetzung das Erscheinungsbild der Bibliothek klar vor der Funktion gestanden ist..


Analyse

Die Neue Zürcher Zeitung schreibt dazu am 10 Juli 1999-Jürgen Ritter „Ein Massengrab für Bücher ?“ Ein gewisser Hang zum Pharaonismus ist der architektonischen Hinterlassenschaft des 1996 verstorbenen Staatspräsidenten François Mitterrand nicht abzusprechen, auch wenn die Halbwertzeit so manchen Grossprojekts - Opéra de la Bastille oder Grande Arche in La Défense - bedeutend kürzer auszufallen droht als etwa bei ägyptischen Pyramiden. Was aber Mitterrands letzten Bauwillen angeht, die Très Grande Bibliothèque im Pariser Osten, so fühlen sich einige Pariser Zeitgenossen weniger an Gizeh oder Luxor erinnert als an die biblische Turmbaupleite zu Babel. Tatsächlich sehen sie in den vier Glastürmen des Stararchitekten Dominique Perrault, der neuen Heimstatt der französischen Nationalbibliothek, nichts als die schauerliche Kulisse für eine babylonische Bücherverwirrung von wahrhaft kolossalem Ausmass. Kaum eröffnet, blieb die Bibliothek einen Monat lang geschlossen. Das in Windeseile informatisierte Katalog- und Reservationssystem spielte verrückt, ein Teil des Personals, in dunklen Kellernischen untergebracht, wurde es. Sein Arbeitsraum war den Büchern geopfert worden, für die der Platz, trotz dem riesigen Bauvolumen, trotz den 8 Milliarden Francs, die das Projekt verschlungen hatte, nicht reichte. Tatsächlich hatte Perrault - laut Ausschreibungstext - eine «médiathèque» entworfen, eine Art Bild- und

Schallarchiv mit Platz für höchstens zwei Millionen Bücher. In seinem unergründlichen, aber zweifellos weisen Ratschluss entschied der baufreudige Präsident indes anders: Perraults Gebäude sollte die schönste, grösste und modernste Bibliothek der Welt aufnehmen - mit knapp zwölf Millionen Büchern und Dokumenten. Er hatte, o Wunder, ein Schwimmbecken in ein Fussballstadion verwandelt.5

5 Vgl. Ritte 1999, Ein Massengrab für Bücher? Probleme der Pariser Nationalbibliothek (online unter: http://www. nextroom.at/building. php?id=1878). 73


Quellenverzeichnis

Literaturverzeichnis:

Abbildungsverzecihnis :

Langdon, David (12.01.2011): AD Classics: National Library of France / Dominique Perrault Architecture <online unter http://www.archdaily. com/103592/ad-classics-national-library-offrance-dominique-perrault-2>, Zugriffsdatum: [19.01.2017]

Abb.1: Aus http://www.perraultarchitecture.com/ en/projects/2465-national_library_of_france.html, Zugriffsdatu: 19.01.2017 Abb.2: In: AV Monographs 134, 2008, 41 Abb.3: In EL Cropuis 104, 1990/2001 140

Perrault, Dominique: National Library of France <online unter: http://www.perraultarchitecture. com/en/projects/2465-national_library_of_france. html> Gleininger/Matzig: Paris Architektur der Gegenwart, Prestel München-New York Petersen, Ernst (01.2015): 2005 Aufbewahrung,Handhabung und Pflege von Büchern <online unter: http://www.uni-muenster.de/Forum-Bestandserhaltung/kons-restaurierung/gs-petersen.h> Ritte,Jürgen :Ein Massengrab für Bücher? Probleme der Pariser Nationalbibliothek <online unter: http://www.nextroom.at/building. php?id=1878>

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Abb.4: Aus http://www.perraultarchitecture.com/ en/projects/2465-national_library_of_france.html, Zugriffsdatu: 19.01.2017


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Die moderne Stadt

Csilla Huss | Michaela Mayr | Miriam Bueno Omar Moustafa | Victoria Klug 1. Die moderne Stadt am Bsp. Berlin 2. Ostberlin 2.1 Quartier Bsp.: Karl - Marx - Allee 2.2 Gebäude Bsp.: Kino International 3. Westberlin 3.1 Quartier Bsp.: Ernst Reuter Platz 3.2 Gebäude Bsp.: Telefunken Hochhaus 3.3 Quartier Bsp.: Interbau 1957 3.4 Gebäude Bsp.: Alvar Aalto Building


1. Die moderne Stadt am Bsp. Berlin

History of Berlin The city of Berlin emerges with the union of two colonies in the thirteenth century, Cölln and Berlin. During World War II the greater part of the city was destroyed, divided in four administrative sectors to finalize the War. Years later, the United States, France and the United Kingdom unified three of the sectors, with a disagreement on the part of the Soviet Union and the creation of the Democratic Republic of Germany, establish East of Berlin like the capital. In this way, it was decided to lift the Berlin Wall, surrounding the sectors and separating them from the city. Due to the population‘s discontent with the construction of the wall, the isolation of the inhabitants and the various conflicts derived from the Cold War, the Berlin Wall was destroyed in 1989. In 1990, the German Democratic Republic ceased to exist, reestablishing The unity of Germany and establishing Berlin as the capital. Berlin is now the center of Germany‘s economic, political and cultural power.1

1 Breve ; Historia La fundacion 2017. Abbild 1 (Seite 3): Aussicht Berlin, https:// www.welt.de/img/icon/ crop140853917/0130193495ci3x2l-w780/Berlin-SkylinePanorama.jpg Abbild 2: Die Mauer teilt Berlin, http://www.20min. ch/interaktiv/Deutschland/ jflow12/1961.html 78


Die Stadtentwicklung der Moderne am Bsp. Berlin Gegen der Ideale des „Neuen Bauens“ in den 1920er Jahren, konzentrierte sich die Modernisierung in den europäischen Großstädten nach 1945 besonders auf bessere Lebensbedingungen der arbeitenden Bevölkerung. Die Menschen in dieser Zeit und ihre sozialen Beziehungen wurden vor große Veränderungen gestellt, da es überall an Wohnraum fehlte und sowohl industrielle Massenproduktion als auch Konsumkultur herrschte. 2 Auch bekannt unter dem Namen „das doppelte Berlin“, war die geteilte Hauptstadt nach dem zweiten Weltkrieg Hauptschauplatz des Kalten Kriegs. „An keinem anderen Ort der Welt hat die politische Konfrontation zwischen Ost und West so deutliche Spuren in Architektur und Städtebau hinterlassen wie in Berlin.“ Bereits vor „der Mauer“, welche 1961 in Berlin gebaut wurde, führten Konfrontationen und Konkurrenz der beiden gegensätzlichen politischen und gesellschaftlichen Systeme zu einem Wettstreit in Städtebau und Architektur. Ein längeres oder kürzeres Schwanken inmitten Moderne und Traditionalismus der Architektur und Stadtplanung, sowohl in West und Ost, lässt sich daher aus einer größeren Perspektive ablesen...3 Währenddessen die DDR nach sowjetischem Vorbild in den beginnenden 1950er Jahren Abstand von der architektonischen und städtebaulichen Moderne nahm, jedoch mit der Industrialisierung im Bauwesen durch dieses Vorbild trotzdem nach und

nach zur Moderne zurückkehrte, vertrat der Westen lange Jahre vorbehaltlos das Konzept der „aufgelockerten und gegliederten Stadt“.4 „Besonders im Städtebau Berlins zeigt sich der doppeldeutige Charakter der Moderne. Auf der einen Seite sind in deren Namen schwere Beschädigungen des Stadtgrundrisses und bedeutende Verluste an wertvollster Bausubstanz vor allem im historischen Zentrum zu verzeichnen. Auf der anderen Seite hat die Moderne die Architekten und Städtebauer zu Schaffung architektonischer Ensembles und Bau- bzw. Raumtypologien inspiriert, deren Qualitäten gerade unter dem Aspekt der nachhaltigen Stadtentwicklung zu bewahren sind. Der bestehende Stadtgrundriss hat vor allem durch seine Mischnutzung seine Robustheit und Anpassungsfähigkeit bewiesen, sowohl bei der Teilung als auch beim Mauerbau.“5

2 Vgl. Eue/Wüst/Krausse 2015. 3 Vgl. Flierl. 4 Vgl. Flierl. 5 Schlusche 2011. Abbild 1 (Seite 3): Aussicht Berlin, https:// www.welt.de/img/icon/ crop140853917/0130193495ci3x2l-w780/Berlin-SkylinePanorama.jpg Abbild 2: Die Mauer teilt Berlin, http://www.20min. ch/interaktiv/Deutschland/ jflow12/1961.html 79


Stadtentwicklung im geteilten Berlin 28 Jahre der Mauer haben die Stadtentwicklung nachhaltig beeinflusst und die Folgen der Teilung einer 800 jährigen Geschichte einer Stadt sollten noch lange zu spüren sein. Stadtentwicklung ist ein komplexer Vorgang mit langen Vorläufern und Nachwirkungen, weshalb auch wenn inzwischen alles wieder mit einer Selbstverständlichkeit genutzt und belebt wird doch die Auswirkungen einer derart brutalen Konsequenz einer politischen Führung zu spüren sind und sein müssen. Nichts-desto-trotz werden die katastrophalen Kriegszerstörungen, besonders in innerstädtischen Bezirken, von vielen der Stadtplanern und Fachleuten als große Chance betrachtet, die Möglichkeit eine „Stadtlandschaft“ zu gestalten. Eine rasterartige Stadtstruktur, der wohl radikalsten gesamtstädtischen Planung dieser Phase vom Leiter des Planungskollektivs – Hans Scharoun, entlang des Urstromtals der Spree die die Stadt in ihrer Nutzungsstruktur neu ordnen wollte, folgte der vorläufig letzte im Auftrag einer GesamtBerliner Verwaltung erarbeitete Plan von Karl Bonatz, der Bonatz-Plan. Ein Modell einer neuen, funktional getrennten Stadt mit reduzierter Dichte.6 6 Vgl. Schlusche 2011. Abbild 3: Berliner Mauer in Kreuzberg, https:// upload.wikimedia.org/ wikipedia/commons/b/bc/ Bundesarchiv_B_145_BildF078996-0006%2C_ Berlin%2C_Berliner_Mauer_in_Kreuzberg.jpg 80


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2. Ostberlin

Gesellschaftspolitische Voraussetzungen der DDR – Ostberlin: Prinzipiell ist das Leben und Arbeiten der Menschen in der damaligen DDR von Grunddeterminanten wie etwa Geschlecht, Alter, gesundheitlichem Zustand, intellektuellen und praktischen Fähigkeiten bestimmt worden. Darüber hinaus wurden die Menschen vom politischen und wirtschaftlichen Sozialismus geprägt. Die politische Herrschaftsstruktur der DDR wurde in diesem Zusammenhang als „moderne Diktatur“ bezeichnet. Die Herrschaft war einerseits durch den fortbestehenden Anspruch der SED gedeutet, auf der Grundlage einer umfassenden, einzig „richtigen“ Weltanschauung in allen politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Fragen über die alleinige Entscheidungskompetenz zu verfügen. Zudem hat die Partei über moderner Medien sowie mittels Bildungsinstitutionen und Massenorganisationen einschließlich entsprechender Überwachung permanent versucht, die Gesellschaft von der Richtigkeit dieser Ideologie und ihrer daraus „notwendig“ resultierenden Führung zu bekehren – und wenn notwendig, auch zu zwingen. Deshalb wurde von der DDR auch als einer „Erziehungsdiktatur“ gesprochen.1

1 Vgl. Heydemann 2002. 2 Vgl. Schlusche 2011. 3 Vgl. Ebda. 82

Wohnungs- und Städtebau in Ost-Berlin Die geprägte Lage von Wohnungsmangel und Überbelegung erforderte in beiden Teilen Projekte mit Modellcharakter und praktischer Relevanz. Im Osten fand eher eine Absage an den Städtebau der Moderne und

den Begriff „Stadtlandschaft“ statt. Die hierarchische Struktur der existierenden Stadt und die herausgehobene Rolle des Zentrums wurden betont. Dazu setzte eine Delegation von SED-Baupolitikern sich mit städtebaulichen Grundsatzfragen auseinander und legte als Ergebnis „Die sechzehn Grundsätze des Städtebaus“ vor. Der Wille zur Umgestaltung des Zentrums zum politischen Mittelpunkt und zum Ort für Aufmärsche und Volksfeiern diente lediglich als Legitimation für den Abriss des Berliner Schlosses, womit 1950 begonnen wurde.2 Zentrumsplanung in Ost-Berlin Der Bezugsraum im Sinne des Wiedervereinigungsanspruchs umfasste ganz Berlin. Dies stieß auf zunehmenden Protest in OstBerlin. Deshalb hielt sich die DDR planerisch heraus. In Ostberlin wurden bereits 1950 erste Planungen für das historische Zentrum erarbeitet. Hanns Hopp und Richard Paulick hatten erste Entwürfe zum Kernelement dargelegt. Auch ein Wettbewerb 1958/59 und ein weiterer interner Wettbewerb zeigten keine tragfähigen Ergebnisse.3


Erst ein Entwurf des Chef-Architekten von Ost-Berlin Herman Henselmann, der einen „Turm der Signale“ als vertikale Dominante des Zentrums vorschlug zeigte Erfolge.4 Die Mauer - Zerstörung der Stadt Die Folgen der Berliner Mauer waren erheblich. Wohnbauten wurden sukzessive geräumt und unbewohnbar gemacht, Arbeitsquartiere durchquert, Geschäfts- und Verkehrsbereiche sowie Verkehrsanlagen, Parks, Kleingärten und Wasserräume geteilt. Mitte der 70er Jahre betrug die Tiefe des Grenzstreifens in der Regel 50 Meter, wuchs in einigen Abschnitten aber auf 250 Meter an. Entlang der 43,7 Kilometer langen Grenzanlage im innerstädtischen Bereich nahm die die Grenze 1989 eine Fläche von 330 Hektar ein. Die Mauer verursachte auch eine Blockade von vier Eisenbahnlinien, fünf S-Bahn- und zwei U-Bahn- Linie und fünf Wasserstraßen. Zudem wurde die „unterirdische Stadt“ , also die Wasser-, Abwasser-, Gas- und Stromversorgung, teilweise lahmgelegt. Die Mauer entwickelte sich somit von einer scharfen Trennlinie im städtischen Leben zu einer nachhaltigen Zerstörung der Stadt.5 4 Vgl. Schlusche 2011. 5 Vgl. Ebda. Abbild 4 (oben): Arbeiter beim Bau der Berliner Mauer,http:// www.mdr.de/zeitreise/ddr/ honecker-mauerbau108.html, 1961 Abbild 5 (unten): Ostberlin, Bln.-Friedrichshain, Andreasstr.Febr. 1960 83


6 Vgl. Schlusche 2011. Abbild 6: Plattenbauten der „Wohnungsbauserie 70“, Marzahn, 1984, http://www.bpb. de/geschichte/zeitgeschichte/ deutschlandarchiv/233369/ amnesiopolis-macht-raumund-plattenbau-in-nordostberlin 84

Der Kurswechsel in der Baupolitik OstBerlins und dessen Folgen Ausgelöst durch den Wechsel in der sowjetischen Führung, kam es ab 1956 in Ost-Berlin zu einer kritischen Auseinandersetzung über die Bauten in der Stalinallee, die sich bald zu einer grundsätzlichen Debatte über Effizienz im Wohnungsbau und über Wege zur Industrialisierung und Standardisierung des gesamten Bauwesens entwickelte. Zu Beginn der 60er Jahre wurde die Grundsatzentscheidung für die industrielle Produktion des Wohnungsbaus in Großtafel-

bauweise gefällt. Auch die Bauweise und die Ästhetik sollte dem, noch zehn Jahre zuvor als kapitalistisch verurteilten Leitgedanken des Bauens der Moderne, angenähert werden. Schlussendlich stand 1970 der Beschluss fest, Wohnungsneubauten generell nur noch in industrieller Großtafelbauweise an der Peripherie durchzuführen. Trotz der hohen Baustandards führten diese Neubauten zu gravierenden Folgen der Altbausubstanzen – viele Altbauten wurden abgerissen.6


Der Aufbau des Ost-Berlin Zentrums Ab 1960 wurde eine neue Konzeption hin zum Zentrum der DDR-Hauptstadt, Gemäß des gültigen politischen Ziels, welches von einer Massenmotorisierung ausgeht, geplant und umgesetzt. Entlang der zwei parallel verlaufenden Straßen (Leipziger Straße und der Tasse Unter den Linden) wurde ein breites Verkehrsnetz geschaffen. Bis hin zu zwölfspurige Verkehrstrassen und Kreuzungsbauwerken schädigten den wesentlichen Grundriss von Alt-Berlin schwer. Viele Altbausubstanzen wurden unwiderruflich

vernichtet. Durch den Bau des Alexanderplatzes 1969 wurde der Zentrumsbereich durch einen großen Freiraum erweitert, nach Osten hin markiert. Der Platz fungierte somit als Gelenk zwischen dem Zentrumsband und der früheren Stalinallee und nachmaligen Karl-Marx- bzw. Frankfurter Allee. Der Generalbebauungsplan für Ost-Berlin machte deutlich, dass die Stadtentwicklung dort anders als die West-Berlins bis 1989 durch ein ungebrochenen extensives Flächenwachstum und einen deutlichen Einwohnerzuwachs geprägt war.7

7 Vgl. Schlusche 2011. Abbild 7: Westlicher Teil der Karl Marx Allee von Südwesten, Peters & Lindner, Eine Zukunft für die Karl-MArx Allee,1997 85


Wohnen Der Wohnraum in der DDR stellte ein unverändertes knappes Gut, welches mit westlichen Devisen fast nicht zu erwerben war. Bauliche Kriegsschäden waren meist nicht oder nur wenig behoben worden, sodass in Anbetracht mangelnder Instandsetzung Ende der siebziger Jahre ein enormer Verfall der Altbaubestände einsetzte. Im Vergleich zur Bundesrepublik war in der DDR bis 1970, gemessen an der Bevölkerungszahl, nur beinahe die Hälfte an Wohnungen gebaut worden. Das mit Honeckers Amtsantritt unter beträchtlichem Aufwand angefangene Wohnungsbauprogramm konnte im Oktober 1988 die Fertigstellung der zweimillionsten Wohnung feiern. Jedoch der bereitgestellte Wohnraum blieb für die Bevölkerung insgesamt zu wenig. Die Schwierigkeit gebrauchte Dienstleistungen zu bekommen und mangelhafte Reparaturen, minderten die Wohnqualität und die Zufriedenheit mit der individuellen Wohnsituation.8

8 Vgl. Heydemann 2002. Abbild 8: Eine Aufrisszeichnung eines Wohnungstypes im Hochhaus, http://www.zeit. de/kultur/karl-marx-allee/index.html#chapter-02 86


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2.1 Quartier Bsp.: Karl - Marx - Allee

1 Vlg. http://www.berlinermauer-gedenkstaette.de/ de/uploads/50jahrestag_tagung_dokumente/schluschemauer-und-stadtentwicklung. pdf (Stand: 12.01.2017). 2 Vlg. https://journals.ub.uniheidelberg.de/index.php/ icomoshefte/.../13869 (Stand: 12.1.2017). Abbild 9: Figure-ground diagram of Berlin from 2010, http://www.shlur.com/2014/02/ schwarzplan-maps-monochrome/ 88

„Als erstes Projekt zur demonstrativen Umsetzung der Grundsätze der Baupolitik der DDR wählte man die Karl-Marx-Allee( frühere Stalinallee). Ein den Straßenraum symmetrisch einfassender und zwei Plätze torartig betonendes Projekt sowie eine Architektur in beeindruckender, eher traditioneller Bauweise mit gefliesten Fassaden und klassizistischen Formen wie Säule, Portal und Pilaster entstand.“ 1 Die Allee, ein repräsentativer Boulevard mit dem früheren Namen Stalinallee, zeichnet

sich durch die vielen „Wohnpaläste“ und markanten Plätze, die durch Turm- und Torbauten akzentuiert werden aus. „ ‚Berlin, der Schutthaufen bei Potsdam ‘, schrieb Bertolt Brecht nach dem zweiten Weltkrieg über diese Gegend. Ein paar Jahre später entstand sie als sowjetisches Wunschbild für das ‚Nationale Aufbauprogramm Berlins‘.“ 2


Abbild 10: Schwarzplan KarlMarx-Allee 89


3 Vlg. http://www.zeit. de/kultur/karl-marx-allee/ index.html#prolog (Stand: 12.01.2017). Abbild 11: Allee nach dem Krieg, http://www.zeit.de/ kultur/karl-marx-allee/index. html#chapter-02 90

Geschichte Beginnend in der Nähe vom Fernsehturm am Alexanderplatz, reicht die Karl-MarxAllee 2,3 Kilometer bis nach Friedrichshain und wirkt mit einer Breite von 90 Meter wuchtiger als die Champs-Élysées. „»Der letzte große europäische Boulevard, der gebaut wurde«, sagte der italienische Architekt Aldo Rossi über sie.“ Die damalige Stalinallee, wie sie vor Umbenennung hieß, wurde im italienischen „Zuckerbäckerstil“ erbaut und als erste sozialistische Hauptstraße wollte man den Rest der

Welt damit beeindrucken. Als Einschüchterung und Beglückung der Arbeiter der DDR geplant, entzündete die Allee einige Monate später den Volksaufstand des 17. Juni 1953. Die startende Revolution wurde mithilfe der Roten Armee niedergeschlagen. Nicht länger als zwei Jahrzehnte nach der Umbenennung in Karl-Marx-Allee sollten vergehen bis die Ostberliner wieder auf dieser Prachtstraße demonstrierten, jetzt für den Mauerfall. 3


Darauf folgte: die Deutsche Einheit, Euphorie, Enttäuschung, Arbeitslosigkeit, die Wiederentdeckung und Gentrifizierung der Allee. Gesellschaftlicher Glaube und Realität Hermann Henselmann, ein Architekt des gigantischen sozialistischen Wiederaufbauprojekts nach dem Krieg beginnend 1951, kam von Weimar nach Ost-Berlin um die Allee zu gestalten: nationale Bautradition, sowjetischer Realismus, aber auch preußische Eleganz wie die der Bauten von Karl Friedrich Schinkel sollten er und vier weitere Architekten verwirklichen. „Paläste für die Arbeiter und Bauern sollten hier entstehen, das war die Utopie. 38 Millionen Ziegel, vier Millionen Arbeitsstunden, 2.767 Wohnungen insgesamt, 90 Pfennig Miete der Quadratmeter. Jeder der Arbeiter hoffte, eine davon zu bekommen. Hoffte auf warmes Wasser, Parkett, Fernwärme, Fahrstuhl. Dass aber in der Straße nicht alle gleich waren, hatte die Menschen früh gemerkt.“ 4,5 4 http://www.zeit.de/ kultur/karl-marx-allee/ index.html#prolog (Stand: 12.01.2017). 5 Vlg. http://www.zeit. de/kultur/karl-marx-allee/ index.html#prolog (Stand: 12.01.2017). Abbild 12: Beim Entstehen: Blick vom Strausberger Platz Richtung Frankfurter Tor, http:// www.zeit.de/kultur/karl-marxallee/index.html#chapter-02 91


Damals nach dem Krieg war Stalin für viele eine der großen Bezugspersonen, heute sei es so , „»als habe man ein Monster geliebt«.“

6 Vlg. http://www.zeit. de/kultur/karl-marx-allee/ index.html#prolog (Stand: 12.01.2016). Abbild 13: Mietpreisentwicklung seit 1953, http://www. zeit.de/kultur/karl-marx-allee/ index.html#chapter-03 92

Die große Idee von Hermann Henselmann der Karl-Marx-Allee war zu diesem Zeitpunkt längst nicht mehr in den Köpfen der Menschen. „Das gesellige Leben, das er mit der »Zärtlichkeit des Fußgängers« geplant hatte, war von den Bürgersteigen, aus den Hinterhöfen und Laubengängen gewichen.“ Einziehnen durften Linientreue, Ausgewählte, Kameraden. Rundum standen Autos. Die

Stasi lauert hinter jeder Ecke. Am Beginn der Allee in den 50er Jahren rissen sich alle Bürger der DDR um Plätze in den Wohnungen. Doch der Staat verlangte mehr als Miete. „Und wer auszog, war verdächtig.“ 6


Architektur Eine ländliche Bebauung mit Gärten, Arbeitersiedlungen und Einfamilienhäusern waren die ursprünglichen Entwürfe für das Terrain im Bezirk Friedrichshain, welche am 3. Februar 1945 bei einem Luftangriff in Schutt und Asche gelegt worden waren. Entgegen des Ansehens des „Generalissmus“ war dies der SED jedoch zu bieder. Studien der sowjetischen Erfahrungen im Städtebau sowie der Einfluss Moskauer Architekten brachten den berühmt-berücktigten „Zuckerbäckerstil“ hervor. Bestehend aus dicken Säulen, venezianischen Kolonnaden, klassistizischen Fensterumrahmungen, stupiden Figurenreliefs, wunderlichen Simse und angeklebte Balkonen sahen sie dem Moskauer Straßenzug aus den dreißiger Jahren verblüffend ähnlich. „Spötter sprachen von „Stalin-Gotik“. 7

7 Vlg. http://www.spiegel. de/einestages/ost-berlinsstalinalle-prachtstrasse-in-derddr-a-947843.html, (Stand: 12.1.2017). Abbild 14: Übersichtsplan der Karl-Marx-Allee (bis 1961 Stalinallee), https://de.wikipedia. org/wiki/Karl-Marx-Allee#/ media/File:Grafik_Karl-MarxAllee_Clio_Berlin.jpg 93


8 Vlg. http://www.kinokompendium.de/international_kino_ berlin.htm, (Stand: 11.1.2017). Abbild 15: Blick vom Strausberger Platz in die Allee, Fertigstellung der Allee, http://www. zeit.de/kultur/karl-marx-allee/ index.html#chapter-02 94

Durch die Stadtplanung der DDR wurde die Karl-Marx-Allee zum Vorzeigprojekt der sozialistischen Architektur. Von 1952 – 1953 wurde der I. Bauabschnitt vom Frankfurter Tor bis zum Strausberger Platz gebaut. Vom Strausberger Platz bis zum Alexanderplatz reichte der II. Bauabschnitt, welcher ein Areal von ca. 60 Hektar umfasste. Entgegen den ursprünglichen Plänen wurde die Straße nicht bis hin zum Alexanderplatz einheitlich bebaut. Ein wesentlicher Grund hierfür waren die hohen Baukosten der repräsentativen Arbeiterpaläste sowie ein zwi-

schenzeitlich eingetretener Stilwandel. Aus einem Wettbewerb im Herbst 1958 ging der Entwurf von Josef Kaiser und Werner Dutschke hervor, der den Bau von ca. 5000 Wohnungen in Großplattenbauweise vorsah. Zentraler Punkt des Viertels stellte der U-Bahnhof Schillingstraße dar. Das „Cafè Moskau“, „Hotel Barcelona“, ein Pavillion und das „Kino International“ gruppieren sich um diesen zentralen Punkt und wurden 1990 unter Denkmal gestellt. 8


Quartiere und öffentliche Räume Als Aufmarschfläche für Massendemonstrationen dient der westliche Aschnitt der Allee, vom Strausberger Platz bis zum Alexanderplatz. Er hat einer Breite von 125 Metern und wurde ab 1958 im Stil der Moderne bebaut. 9 „Auf eigens gezimmerten Tribünen empfingen die Mächtigen des Arbeiter-und-Bauern-Staates die Huldigungen des Volkes und nahmen unter dem Protest der Stadtkommandanten von West-Berlin Militärpara-

den und Kampfgruppenaufmärsche ab. Die bekanntesten Bauwerke in diesem Abschnitt sind das Haus des Lehrers mit der 125 Meter langen „Bauchbinde“ des Malers Walter Womacka, das Café Moskau, das Filmtheater International sowie die legendäre Mokka-Milch-Eisbar.“ 10

9 Vlg. http://www.spiegel. de/einestages/ost-berlinsstalinalle-prachtstrasse-in-derddr-a-947843.html, (Stand: 12.1.2017). 10 http://www.spiegel.de/ einestages/ost-berlinsstalinalle-prachtstrasse-in-derddr-a-947843.html, (Stand: 12.1.2017). Abbild 16: Historisches Abbild der öffentlichen Bereiche im Umfeld des Strausberger Platzes, Berlin-Stalinallee-Blickzum-Strausberger-Platz-1957. jpg 95


11 Vlg. http://www.spiegel. de/einestages/ost-berlinsstalinalleprachtstrasse-in-der-ddra-947843.html, (Stand: 12.1.2017). Abbild 17: Eine Aufrisszeichnung eines Wohnungstypes im Hochhaus, http://www. zeit.de/kultur/karl-marx-allee/ index.html#chapter-02 96

Gebäude in der Karl-Marx-Allee „Zum Komfort der Wohnungen in der Stalinallee gehörten Aufzug und Müllschlucker, separate Badezimmer, Parkettfußböden, Diele mit Wandschränken, Küche mit Einbaumöbeln, Fernwärme und Dachterrasse. Die Fassaden wurden kostenaufwendig mit Meißener Keramik verkleidet. Die Miete von 90 Pfennig je Quadratmeter deckte nur einen Bruchteil der Kosten. Doch die Staatsführung verlangte noch ein bisschen mehr von ihren Mietern. In jedem Haus waren die Bewohner in Par-

teigruppen organisiert oder hatten in Friedenskomitees oder Mieterkommissionen mitzuarbeiten. Hausversammlungen, die Teilnahme an Demonstrationen und anderen politischen Veranstaltungen gehörten zu den Pflichten der Bewohner in der „ersten sozialistischen Straße“. Wer dessen überdrüssig war und seine Wohnung zum Tausch anbot, musste sich dafür verantworten.“ 11


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2.2 Gebäude Bsp.: Kino International

ArchitektIn(nen) Josef Kaiser und Heinz Aust

Ort | Lage des Projektes Karl-Marx-Allee, Berlin Mitte, Berlin, Deutschland

Planungszeit | Bauzeit 1961-63

Typologie | Nutzung Freizeit, Kino

Größe | Kosten 1330 m²

Ausgangslage | Aufgabenstellung Kino & Grbäude fü Treffpunkt schaffen

Auftraggeber | Auftraggeber-Typus DDR

Konstruktion | Bauteile Massiv/Skelettbau

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Abbild 18: Kino International Berlin, http://www.panoramio. com/photo/31655259 99


1 Vgl. Bester. Abbild 19: Kino International Berlin Frontansicht, http:// www.huffingtonpost.de/ thomas-steiger/50-jahre-kinointernation_b_4259123.html 100

Geschichtliche Hintergründe Gebaut wurde das Kino in dreijähriger Bauzeit von 1961 bis 1963 unter der Leitung und Ausführung von Heinz Aust. Eröffnet wurde das Kino mit dem sowjetischen Revolutionsdrama „Optimistische Tragödie“ und seit 1992 wird es von der Yorck Gruppe ausgeführt, welche das Grundstück 1996 kaufte. Die Avantgarde und Liebling der Filmschaffenden, das KINO INTERNATIONAL, wurde somit zwei Jahre nach dem Mauerbau eröffnet. Das einstige DEFA-Premierenhaus ist bis heute eines der wichtigsten Urauf-

führungskinos in Berlin und seit 1990 jährlich Spielort der Berlinale. Legendär ist das Filmtheater auch dank seines eleganten 60er Jahre Interieurs, einem perfekt proportionierten Kinosaal und der „Panorama“-Bar mit ihrer atemberaubenden Aussicht auf die einstige Prachtstraße Ostberlins. Parallel zum „Kino International“ wurde auch ein zweites „Kino Kosmos“ vom Architekten Josef Kaiser für den I. Bauabschnitt der damaligen Stalinallee geplant, welches bereits 2005 als Kino geschlossen wurde.1


Städtebaulicher Kontext Anders als im ersten Bauabschnitt, in dem die Gebäude im aufwendigen Stil des Sozialistischen Klassizismus gebaut und gestaltet wurden, entschied sich die Jury beim zweiten Bauabschnitt unter anderem aus finanziellen Gründen für den Entwurf der Stadtplaner Josef Kaiser, Edmund Collein und Werner Dutschke. Dieser Entwurf sah eine gemischte Bebauung aus Plattenbauten, Geschäften, Restaurants und kulturellen Einrichtungen vor. Unter anderem zählen das Café Moskau,

die Mokka-Milch-Eisbar, das Hotel Berolina und das Kino International zu diesen Einrichtungen. 2

2 Vgl. Topfstedt, 1988. Abbild 20: Kino International Berlin, Lageplan,Eine Zukunft für Karl-Marx-Allee, Seite 1 101


3 Vlg. Kitter/Kohzer, 2015. Abbild 21: Kino International Relieffassade, https://commons.wikimedia.org/wiki/ File:20150604_xl_IMG_4309_ Relief_Fassade_des_Kino_International_Berlin.JPG 102

Formensprache und Fassade Der auf einem grauen Steinsockel lagernde weiße Betonkörper des Gebäudes greift durch eine gekrümmte Linie die Schräge des innenliegenden Kinosaals auf. Durch das freischwebende Foyer über dem Bürgersteig entsteht eine großzügige Überdachung des Eingangs. Werbe-Blickfang bietet das handgemalte Filmplakat welches die Symmetrie der Front bewusst unterbricht und den goldenen Schriftzug, sowie die Fensterfront in zwei unterschiedliche Teile teilt.

Die Fassade, gestaltet von Waldemar Grzimek der Professor an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee war, bestand aus 14 unterschiedlichen Szene-Motiven aus dem Freizeit- und Berufsleben des sozialistischen Alltags. Das später betitelte Thema „Aus dem Leben der heutigen Menschen“ wurde von jeweils sieben Motiven der zwei Bildhauer Schiefelbein und Schamal entworfen. Die Arbeiten in der gedachten Leserichtung von rechts nach links wurden 1964 erfolgreich abgeschlossen.3


Räume, Materialien und Besonderheiten im Inneren Mit der Idee den Besucherstrom der gehenden und kommenden Besucher zu trennen, wurden die Abgänge vom unterem ins obere Foyer separiert und links und rechts neben den Aufgängen befinden sich die Garderoben. Sowohl die Kassenhalle, mit je links und rechts in die Wand eingelassenen Kassenhäuschen als auch die Garderobenhalle befinden sich im Erdgeschoss und sind durch verglaste Türen getrennt. Auch eine kleine runde Sitzgruppe in der Mitte des

Raumes, eine oberhalb dieser Sitzgruppe liegende wabenförmige Deckenverkleidung und die Toiletten befinden sich hier unten. Entgegen des Erdgeschosses ist der Aufenthalt im Foyer des 1. Obergeschosses mit Blick auf das „Cafè Moskau“, angenehmer. Hier befinden sich mehrere Sitzgruppen und eine Theke welche sich hinter der Plakatwand verbringt um kein Fenster zu verstellen. Mit Boden aus Parkett, holvertäfelten Wänden und Kronleuchtern aus Kristallglas ist dieser Raum besonders sehenswert.4

4 Vlg. Kitter/Kohzer, 2015. Abbild 22: Aus dem Leben heutiger Menschen Relief, https://www.flickr. com/photos/54359823@ N03/7182684163/in/photostream/ 103


5 Vlg. Kitter/Kohzer, 2015. Abbild 23: Kino International Kinosaal, http://images. huffingtonpost.com/201311-12-KinoInternationalSaalcYorckKinogruppePhilippPlumLarge.jpg 104

Im hinteren Gebäudeteil führen Treppenhäuser zu den fensterlosen Vortrags- und Clubräumen im 2. Obergeschoss. Ein ehemaliger Bibliothekraum, der sporadisch auch als Bar dient, liegt hinter der holzverkleideten Rückwand in der Garderobenhalle und seine Fensterfront breitet sich entlang der gesamten Rückwand des Gebäudes aus. Mit Blick auf den schönen pailettenbesetzten weißen Vorhang und die wellenförmige, hypnotisch-wirkende Decke betritt man den

leicht ansteigenden Kinosaal durch zwei holzvertäfelte Gänge von hinten links oder rechts. Die Wände in hellem Holzpaneel verkleidet beeindruckt der Raum auch durch eine große Leinwand und gemütliche blaue Polsterstühle.5


105


3. Westberlin

1 http://www.visitberlin.de/de/ artikel/leben-in-einer-geteiltenstadt-west-berlin (Stand 15.01.2017). 2. Ebda. 3. Ebda. 4 Vgl. Ebda. 106

Gesellschaftspolitische Ansichten und Politischer Sonderstatus – Westberlin Im geteilten Berlin (1961-1989) war der westliche Stadtteil komplett von der Mauer umgeben, so entstand die historische Besonderheit einer Stadt mit politischem Sonderstatus, die ein ganz eigenes und neues Lebensgefühl erzeugte. Dieser Stadtteil umfasste die Bezirke Tiergarten, Kreuzberg, Charlottenburg, Wilmersdorf, Reinickendorf, Spandau, Steglitz-Zehlendorf, Neukölln, Schöneberg, Tempelhof und Wedding. „Laut dem sogenannten Viermächte-Status verblieb die politische Macht bei den WestAlliierten.“1 Die Stadt war in drei Sektoren geteilt, die Amerikaner im Süden, die Franzosen im Norden und die Engländer im Westen. Auch im Stadtbild waren die Alliierten präsent, hier wurden zB. Straßennamen nach ihnen benannt und es gab Geschäfte und Kinos ausschließlich für Angehörige der aliierten Streitkräfte. Sogar in den Sommermonaten feierte man das Amerikanische und Französiche Volksfest mit landestypischen Spezialitäten. „Der besondere Status der Stadt zeigte sich auch darin, dass die West-Berliner keinen bundesdeutschen Personalausweis besaßen sondern den ‚Behelfsmäßigen Personalausweis‘ mit grünem statt grauem Einband.“2 Des weiteren gab es in Westberlin keine Wehrpflicht und auch keine Sperrstunde, was es zum Anziehungspunkt für Wehrdienstverweigerer machte und nebenbei ein blühendes und abwechslungsreiches Nachtleben entstand.

Um die wirtschaftliche und politische Kontrolle über ganz Berlin zu gewinnen, wurde nach der Währungsreform 1948 der westliche Stadtteil von den sowjetische Truppen abriegelt. Ein Schlupfloch bildete die amerikanische und britische Luftbrücke, welche den Lebensmittel- und Kohletransport durch den Luftraum ermöglichte. „Das prägende Lebensgefühl für viele gerade nach Blockade und Mauerbau war die Inselmentalität, so wurde West-Berlin auch als Insel im roten Meer (des Kommunismus) und als letzte Bastion westlicher Werte angesehen.“ Das trotzige Verhalten zeigte sich auch in der Ablehnung von Angeboten der DDRRegierung. Viele kauften während der Blockade und auch später nicht in Ostberliner Geschäften ein oder nutzten die S-Bahn nicht (da sie der Ostberliner Führung unterstand). „In den späten 60ern und in den 70ern war West-Berlin eine der Hochburgen der Studentenbewegung, die sich gegen die erstarrten Strukturen der Gesellschaft wandten.“3 Der Vietnamkrieg änderte bei vielen Studenten die Einstellung, wodurch die amerikanische Haltung der älterer Westberliner gegenüberstand, die die Allierten noch als Freund und Schutzmacht ansahen.4


Neben der Politik wurden auch die Formen des Privatlebens in Frage gestellt und neue Wege ausprobiert. Als der Senat einige Altbauten abreißen lassen wollte um Platz für neue Hochhäuser zu schaffen, wurden die Häuser als Protest und Behinderung besetzt und es kam immer wieder zu Auseinandersetzungen mit der Polizei. „Traurige Berühmtheit als Drogenmetropole erlangte West-Berlin 1978 mit dem Buch ‚Wir Kinder von Bahnhof Zoo‘ von Christiane F., das die dunklen Seiten von Drogenkonsum, Kriminalität und Prostitution unter der glitzernden Oberfläche zeigte.“5 Der wohl bis heute bekannteste Berliner Stadtteil ist Kreuzberg, welcher oft für ganz Berlin als typisch angesehen wurde. Durch den Mauerverlauf direkt betroffen und an den Stadtrand gedrängt, war es ein Arbeiterviertel mit vielen teils maroden Altbauten. Viele Künstler und Studenten siedelten sich hier, auf der Suche nach alternativen Lebenswegen an. Durch die vielen türkischen Migranten bekam Kreuzberg bald den Spitznamen „Klein-Istanbul“. 6

5 http://www.visitberlin.de/de/ artikel/leben-in-einer-geteiltenstadt-west-berlin (Stand 15.01.2017). 6 Vgl. http://www.visitberlin. de/de/artikel/leben-in-einergeteilten-stadt-west-berlin (Stand 15.01.2017). Abbild 24: Westberlin, http:// www.abload.de/img/udlpkwy. jpg 107


7 Schlusche 2011, 3. 8 Vgl. Ebda., 3. 9 Hanauske 2011, 40. 10 Ebda., 40. 11 Vgl. Ebda., 40. Abbild 25: Besatzungszonen Berlin, http://resfed.com/article-1370 108

Wohnungs- und Städtebau West - Berlin Nach den Zerstörungen vom zweiten Weltkrieg, stellte sich die Aufgabe, Westberlin neu aufzubauen vor allem in den Innerstädtischen Bereichen. Anders als in Ostberlin war hier die Idee der „Stadt von Morgen“ stark geprägt, „die sich positiv von der antimodernen Ideologie des ‚Völlkischen Bauens‘ und von der Baugestaltung abgrenzen soll“.7, 8 Die Wohnsiedlungen West - Berlins entsprachen in den 50ern städtebaulich „der damals im Westen vorherrschenden Grund-

vorstellung der »organisch gegliederten und aufgelockerten«, gleichzeitig »autogerechten« Stadt.“9 Typisch für die damalige Architektur waren Zeilenbauten und als optische Dominanten vereinzelt Wohnhochhäuser. „Die als städtebauliche »Nachbarschaften« geplanten Siedlungen umfassten im Allgemeinen nicht mehr als 2 000 Wohneinheiten.“10, 11


Nach der Spaltung der Berliner Stadtverwaltung war West-Berlin baupolitisch bis 1952 in einer Defensive. Hier kam es während der sowjetischen Blockade wegen fehlender Baustoffe zu einem Stillstand im Wohnungsbau, folgend von einer tiefen Wirtschaftskrise nach Beendigung der Blockademaßnahmen im Mai 1949, die eine extrem hohe Arbeitslosigkeit mit sich brachte.12 Die Situation besserte sich erst mit den Konzepten des sozialen Wohnungsbaus ab 1952. Dieser wurde bis 1961 zu fast 60% aus öffentlichen Mitteln finanziert, die wiederum

überwiegend aus Bundesmitteln stammten.13 „Als augenfällige Beispiele in der baulichen Ost-West-Konkurrenz sollten Wohnbauten unmittelbar an der Sektorengrenze dienen.“14 Eine erste Reaktion West - Berlins auf die Bebauung der Stalinallee war die Errichtung der Ernst-Reuter- Siedlung 19531955 an der Sektorengrenze im Bezirk Wedding, gefolgt von der Interbau 1957 im stark zerstörten Hansaviertel am Rande des Tiergartens.15

12 Vgl. Hanauske 2011, 37-39. 13 Vgl. Ebda., 37-39. 14 Ebda., 40. 15 Vgl. Ebda., 40. Abbild 26: Wohnungsnot, http://auguststrasse-berlinmitte.de/wp-content/myfotos/ wohnungsnot/wohnungsnot08.jpg 109


Unterschiede der Wohnverhältnisse in Ost-, West - Berlin in den 50ern Innerhalb Berlins wiesen die östlichen Stadtteile traditionell ungünstigere Wohnverhältnisse auf als die im Westen: Während im Osten 1949 erst 60% der Wohnungen eine Innentoilette, nur 30% ein Bad oder eine Dusche und noch 95% eine Ofenheizung aufwiesen, waren 1950 bereits 70% der Wohnungen in West – Berlin mit einer Innentoilette, 50% mit Bad oder Dusche und ca 17% mit einer modernen Heizung ausgestattet.16 Zentrumsplanung in West - Berlin Der Wettbewerb „Hauptstadt Berlin“ startete 1956 im Westen Berlins. Ziel war die Planung eines neuen Regierungsviertels und wirtschaftliche und kulturelle Einrichtungen in der durch den Krieg zertstörten Mitte Berlins, sowie einer neuen Stadtautobahn die das historische Zentrum einfassen sollte. Der erster Preis ging 1958 an Friederich Spengelin, Fritz Eggeling und Gert Pempelfort. Trotz der Bemühungen erwies sich der Wettbewerb für West-Berlin als trügerisches Unternehmen. Der Umbau des schwer beschädigten Reichstagsgebäudes wurde aber umgesetzt.17

16 Vgl. Hanauske 2011, 37. 17 Vgl. Schlusche 2011, 4. 18 Vgl. Schlusche 2011, 5 – 6. 19 Vgl. Zawatka 2015. 110

Die Entwicklung in Berlin nach 1961 Die offizielle Teilung der Stadt durch den Bau der Berliner Mauer 1961 hatte zunächst keine unmitelbaren Auswirkungen auf das Baugeschehen im Westen Berlins, denn hier hatte man sich bereits von den meist schwer beschädigten innerstädtischen Ge-

bieten entlang der Sektorgrenze abgewandt (mit Ausnahme des neuen Springer Hochhauses). Hier stand die Neugestaltung des Bereichs um den Banhof Zoo und die Gedächtniskirche im Mittelpunkt des Baugeschehens, die zusammen mit dem neuen Europacenter zum neuen Identifikationsraum West-Berlins wurde. Im übrigen Aufbau dominierte der unauffällige Wohnungsneubau der Nachkriegszeit, welcher sich in Baulücken und auf freigeräumten Flächen breit machte. Doch der Mauerbau verstärkte mit der Zeit die räumliche Isolation West Berlins und den Einwohnerrückgang. Als Maßnahme startete der West Berliner Senat ein Programm für den Neubau von großen Wohnsiedlungen an der Peripeherie West Berlins. Parallel dazu startete Bürgermeister Willy Brandt 1963 ein Stadterneuerungsprogramm für 6 innerstädtische Altbaugebiete, welche ganz nach den Vorstellungen der Moderne vollständig abgerissen und komplett neu strukturiet werden sollten. Der 1965 beschlossene Flächennutzungsplan war zwar nur für West-Berlin gültig, enthielt aber trotzdem 2 gesamtstädtische Ansätze. Zum einen die innerstädtischen Tangenten und den Stadtautobahnring, zum anderen ein zentrales Kulturband, das die alte Mitte mit dem Neuen Westen verbinden sollte. 18 Die westliche Innenstadt sollte auf diese Weise baulich aufgelockert, die Außenräume verdichtet und Wohnen und Gewerbe entflechtet werden. 19


„Die polyzentrische Struktur der Teilstadt, mit der City-West als Hauptkern und vielen bezirklichen Nebenkernen, wurde planerisch gestaltet. Die Industrie folgte bandartig den Wasserläufen, Kanälen und Eisenbahnlinien.“20, 21 Planen und bauen gegen die Stadt Ab 1970 war klar, dass das Kulturband nicht ausreichen würde, um die städtischen Verbesserungen umzusetzten. Die stadtzerstörende Neustrukturierung, besonders die rigorose Autobahnplanung, wurde immer

sichtbarer und brachte große Leerflächen und Stadtbrachen in die ohnehin vernachlässigten Zonen entlang der Mauer. Viele Altbauquartiere verwandelten sich für mehrere Jahre in menschenleere Abrisszonen. Je näher diese „Säuberungsmaßnahme“ auch von wertvoller Bausubstanz rückte, desto schlimmer wurden die sozialen Missstände, die man dort eigentlich zu beseitigen versuchte.22, 23

20 Zawatka 2015. 21 Vgl. Ebda. 22 Schlusche 2011, 7. 23 Vgl. Ebda., 6 - 7. Abbild 27: Generalbebauungsplan 1969/Arbeitsplan FNP 1965, http://www.stadtentwicklung.berlin.de/planen/ fnp/pix/historie/6_GBP_1969_ FNP_1965_gr.pdf 111


„Ab 1975 spitzte sich die Lage in den WestBerliner Innenstadtquartieren immer mehr zu, als sich der Protest der angestammten Wohnbevölkerung mit den neuen sozialen Bewegungen verband und zu einem grundsätzlichen Kurswechsel der Stadtpolitik führte.“24, 25 West – Berlin, die Innenstadt als Wohnort Durch einen krisenreichen Prozess wurden 1978 die radikalen Erweiterungsprojekte der 70er für die Peripherie West-Berlins gestoppt, genauso wie die Planungen für die Stadtautobahn und Sarnierungsmaßnahmen der Altbauquartiere. „Der Auftrag zur ‚modellhaften Rettung der kaputten Stadt‘[...]“26 wurde durch den Parlamentsbeschluß zur Durchführung einer Internationalen Bauaustellung (IBA 1987) politisch vorbereitet.27

24 Schlusche 2011, 7. 25 Vgl. Ebda., 6 - 7. 26 Schlusche 2011, 10. 27 Vgl. Ebda., 10. 28 Ebda., 11. 29 Ebda., 11. 30 Vgl. Ebda., 11 – 12. 112

Die IBA entwickelte für die Demonstrationsgebiete Kreuzberg und Tiergarten ein Programm das für eine Innenstadt als Wohnort und für deren ‚kritische Rekonstruktion‘ stand. „Dieses Programm war quantitativ nicht sehr umfangreich. Aber in seiner aus der Analyse des Baubestandes abgeleiteten Programmatik [...] etablierte es eine Baukultur der Wiederaneignung der vorhandenen Stadt sowie der Rehabilitation und Umnutzung des Baubestandes, die weit über Berlin hinaus Bedeutung erlangte.“28 Die IBA machte die polyzentrische Stadtstruktur wieder zur Grundlage der Stadtentwicklung.

Parallel dazu kam es zu einer Neufassung des Flächennutzungsplanes für West-Berlin von 1984, in welchem die Idee des WestOst-verbindenden Kulturbandes aufgelöst wurde und die neue Vision von zwei Stadthälften mit eigenem Zentrum entstand. Im Vordergrund stand nun „das Konzept einer umweltschonenden und am Bestand orientierten Stadtentwicklung [...]“.29 Mit dieser Wende änderte sich auch das hierarchische Planungssystem West-Berlins radikal. Es wich nun einem interaktiven, die einzelnen Planungsebenen verbindenden Planungsverständnis.30


3.1 Quartier Bsp.: Ernst - Reuter - Platz

1 Vgl. Wikipedia (13. August 2016 ): Ernst-Reuter-Platz, <https://de.wikipedia.org/ wiki/Ernst-Reuter-Platz>, 11.01.2017 Abbild 28 (Links): Lageplan West-Berlin, Quelle: F4map. com Abbild 29 (Rechts): Ernstreuter-Platz 1968, http://www. lia.tu-berlin.de/images/monospace_3/Ernst%20Reuter%20 Platz/arc-xx-11-xx-ernst_reuter_platz_1968.jpg 114

Das Quartier West-Berlin war nach Ende des Zweiten Weltkriegs bis 1990 unter der Verwaltung von den drei Besatzungsmächten Frankreich, Vereinigte Staaten und Vereignetes Königreich. Der Ernst-Reuter-Platz gehört zu West-Berlin, nach der Errichtung der Berliner Mauer (1961-1986) in Charlottenburg im Britischen Sektor.1


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2 Vgl. Wikipedia (13. August 2016 ): Ernst-Reuter-Platz, <https://de.wikipedia.org/ wiki/Ernst-Reuter-Platz>, 11.01.2017 Abbild 30: Kubaturen im Ernst-Reuter-Platz, Quelle: F4map.com 116

Geschichte Wegen der Verbindung zwischen den Berliner Schloss und der Charlottenburg Schloss knickte sich die Berlinerstraße 19 Jh. Richtund Nord-West beim Ernst-Reuter-Platz und hieß ab 1831 „Am Knie“ in die Heute benannte Otto-Suhr-Allee. Ab 1900 war das „Knie“ der Kreuzungspunkt mehrere Straßenbahnen. Nach dem Zweiten Weltkrieg blieb die Funktion des Platzes erhalten. Der östlicher Teil der Berliner Straße wurde zu Straße des 17 Juni umbenannt und der westlicher Teil

zu der Otto-Suhr-Allee. Der Platz wurde am 3 Oktober zu Ehren des Verstorbenen Bürgermeister Ernst Reuter umbenannt. Die aktuelle Ausdehnung des Platzes war Ergebnis der National-sozialistische Planung zur Welthauptstadt und damit einer der Größten Plätze Europas. Von Mitte 1950 bis 1970 entstanden die Bauten die Heutzutage von der Tu Berlin und die Deutsche Telecom benutzt werden. In den 1960 gilt der Platz als Vorzeigeprojekt des „Neuen Berlin“.2


Entstehung 1955 gab es einen städtebaulichen Wettbewerb für das Konzept des Platzes, das Siegerprojekt war von Bernhard Herkmes. Eine freie und nicht geschlossene Bauordnung wurde entwickelt. Der große Kreisverkehr ist bis zu 230m breit und hat eine grün gestaltete Mittelinsel. Die Hochhäuser in der Umgebung sind in eine lockere Bauweise gebaut. Zwei Brunnenanlagen funktionierten in der Mittelinsel mit 4 Fontänen bis der Betrieb im Jahr 1990 wegen Verschmutzung und

Geldmangel eingestellt wurde. 2014 übernahm die Wall AG nach der Sanierung die Betriebskosten des Brunnensystems. Der Platz ist neben dem Hansaviertel eines der prägnantesten Beispiele der Nachkriegsmoderne in West-Berlin.3

3 Vgl. Wikipedia (13. August 2016 ): Ernst-Reuter-Platz, <https://de.wikipedia.org/ wiki/Ernst-Reuter-Platz>, 11.01.2017 Abbild 31: Ernst-Reuter-Platz, Quelle: http://www.berlinshots.de/tl_files/fotos/ blogs/2014/2014-09-23_reuter/reuter_16.jpg 117


3.2 Gebäude Bsp.: Telefunken Hochhaus

ArchitektIn(nen) Paul Schwebes, Hans schoszberger

Ort | Lage des Projektes Ernst-Reuter-Platz, Berlin, Germany

Planungszeit | Bauzeit 1958-1960

Typologie | Nutzung Büro Hochhaus

Größe | Kosten 10 Milionen Mark

Ausgangslage | Aufgabenstellung Wettbwerb

Art des Auftrages Stadt Berlin

/ Konstruktion | Bauteile Stahlbetonskelettbau

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4 Vgl. Wikipedia 3.11.2016: Telefunken-Hochhaus, https://de.wikipedia.org/ wiki/Telefunken-Hochhaus, 2.01.2017. Abbild 34 (Rechts): Lageplan Telefunkenhochhaus Quelle: F4map.com Abbild 32 (Seite 45): Telefunken Hochhaus 1963, http://mapio.net/pic/p-15254501/ Abbild 33 (Links): Telefunken Hochhaus Quelle: http://de.academic.ru/ pictures/dewiki/84/Telefunken_ hochhaus.jpg 120

Telefunken Hochhaus Durch den städtebaulichen Entwurf von Bernhard Herkmes waren die Abmessungen und Geschosszahlen der Gebäude rund um den Platz vorgegeben. Die Architekten Paul Schwebes und Hans Schoszberger planten das an der Ecke Otto-Suhr-Allee für rund zehn Millionen Mark errichtete Hochhaus. Die Tochterfirma von AEG hieß Telefunken und ließ das Gebäude als Firmenzentrale errichten. Nach der Fusion der zwei Firmen zur Aeg-Telefunken AG wurde das Gebäude bis zum Jahr 1975 weiter benutzt und dann

an den Berliner Senat verkauft. Heute gehört das Gebäude zur Technischen Universität Berlin. Neben Fachinstituten und Zentraleinrichtungen der TU Berlin haben Unternehmen wie das Telekom Innovation Laboratories der TU Berlin, die Daimler AG und das Center for information and communication technologies ebenso ihren Sitz im Hochhaus. Im EG wird das Café „Telquel“ von Studenten geführt und im 20. OG ist eine öffentlich zugängliche Cafeteria.4


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5 Vgl. Wikipedia, 3.11.2016: Telefunken-Hochhaus, https:// de.wikipedia.org/wiki/Telefunken-Hochhaus, 12.01.2017. Abbild 36: Zeichnung aus dem Archiv von Bernhard Herkmes Quelle: Der Ernst-Reuter-Platz in Berlin, Dagmar Gausmann Abbild 35: Grundriss Telefunken Hochhaus, Quelle: http:// www.rothmann-und-partner. de/t-lab/grundriss.jpg 122

Fünf Aufzüge befinden sich in der Mitte des Gebäudes, der Lastenaufzug wurde im Jahr 2007 zu einem Feuerwehraufzug umgebaut. Zwei Treppenhäuser liegen an den Außenecken des Gebäudes und dienen als Fluchttreppen. Vier Stahlbeton Stützen verjüngen sich entlang der zwei Fronten. Der Haupteingang liegt zum Platz wo die zwei ersten Geschoße Vollflächig verglast sind. Die Fensterreihen durch horizontale Betongesimse versehen. Die Brüstungen sind mit gefärbte Mosaiken

aus Glas geschmückt. Ein Nebeneingang befindet sich auf der Westseite mit einem Parkhaus für die Mitarbeiter Fahrzeuge. Nach der Umbauphase zwischen 2005 und 2007 wurden mehrere Etagen komplett renoviert um die Zellenstruktur der Büroräume zu verbessern und mit einer offenen Bürolandschaft und einer internen Cafeteria ergänzt. In der zweiten Umbauphase wurde eine Laboretage im 15. und ein Konferenzbereich im 20. Geschoß gebaut. 2009 wurde die Westfassade renoviert.5


6 Gausmann,1992, 122. 7 Vgl.Ebda., 122. 8 Vgl.Ebda.,132. 9 Ebda.,134. Abbild 37: Grundriss und Schnitt vom Pirelli Hochhaus. Q u e l l e : h t t p : / / w w w. s t a d t fragen.ch/wp-content/uploads/2010/08/Schnitt_Grundriss.jpg

„Das Telefunken Hochhaus dominiert auch über zwanzig Jahre nach seiner Errichtung immer noch auf weite Sicht die Umgebung“.6 Das Hochhaus hat die Form einer Scheibe, da die Relation zwischen Höhe (80m), Länge (52m) und Tiefe (16m) besonders hoch ist. Ein Wechselspiel aus Brüstung und Fensterband lässt die einzelnen Stockwerke leicht erfassen.7 Das Hochhaus stand damals als eins der gößten architektonischen Leistungen im

Licht der Öffentlichkeit. Zeitgleich entstand in Mailand ebenso ein Hochhaus der Allgemein großen Eindruck machte und die show vom Telefunken Hochhaus stahl. Es ist das Pirelli Hochhaus von Gio Ponti der fast die selbe Struktur und Raster aufweist8 „Der Raster war also spätestens um 1960 zu einem Bild der allseits gefürchteten „Vermassung“.“9

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3.3 Quartier Bsp.: Hansaviertel

1 Vgl. Interbau 2016. 2 Schlusche 2011, 3. 3 Ebda., 3. 4 Vgl. Ebda.,3. 5 Vgl. Interbau 2016. Abbild 38: Berlin Ortsteil Hansaviertel, https://upload. wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/b/b3/Berlin_Ortsteil_Hansaviertel.svg/250pxBerlin_Ortsteil_Hansaviertel. svg.png 124

Geschichte Die Interbau war eine Internationale Bauausstellung in Berlin im Jahr 1957, die durch die Arbeit von 53 namhaften Architekten aus 13 Ländern, mit der Neugestaltung des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Hansaviertels im Stil der Nachkriegsmoderne 1956 begann.1 Sie wollte eine neue Idee der Stadt ins Leben rufen, „die über das Licht-Luft-Sonne Programm der Weimarer Republik“2 weit hinausgehen sollte. „Ihr Leitbild war die Stadt-

landschaft, die Verschmelzung von Stadt und grüner Landschaft in unmittelbarer Nähe zum großen Tiergarten und zum neuen Zentrum um die Gedächtniskirche.“3,4 Aufgrund der weitflächigen Zertstörung der Bausubstanz durch den zweiten Weltkrieg war gerade im innerstädtischen Bereich Berlins eine Veranstaltung für neues Bauen von großer Wichtigkeit und Bedeutung.5


Architektur und Städtebau Die Gebäude der Interbau 1957 gruppieren sich um den Hansaplatz und verdeutlichen den städtebaulichen und architektonischen Neubeginn nach dem Krieg. Dieses Bauvorhaben galt auch als Antwort auf die erste Wiederaufbau - Großbaustelle der DDR, die Stalinallee in Berlin-Friedrichshain. Mit der „aufgelockerten, gegliederten Bebauung demonstrierte das Hansaviertel [...]“6 nicht nur die Abwendung der dicht bebauten Städte des 19. Jahrhunderts, son-

dern auch die Abkehr von der monumentalen Architektur der 1930er bis 1950er Jahre. Die freiheitliche westliche Gesellschaft präsentierte sich symbolisch auch in der landschaftlichen, offenen, nicht mehr hierarchischen Stadtgestaltung und wollte so gegenüber dem Osten verdeutlichen, „dass West-Berlin als wirtschaftliche Einheit lebensfähig ist und von der gesamten freien Welt gestützt wird.“7, 8

6 Interbau 2016. 7 Ebda. 8 Vgl. Ebda. Abbild 39: Gabi Dollf-Bonekämper, Das Hansaviertel Internationale Nachkriegsmoderne in Berlin. 125


9 Interbau 2016. 10 Ebda. 11 Vgl. Ebda. Abbild 40: Hansaviertel 1962, https://www.pinterest.com/ pin/567101778050745490/ 126

Dies motivierte die West – Berliner Bewohner in ihrem „Aufbauwillen und Streben nach Freiheit und Fortschritt [...].“9 Die Architekten des Hansaviertels setzten die vielen Möglichkeiten des neuen Wohnungsbaus durch unterschiedliche Bautypen ein, so entstand ein Mix aus Punkt- und Scheibenhochhäusern, Zeilenbauten, Mehrfamilien- und Einfamilienwohnhäusern, die sich alle in einer grünen Landschaft locker einordnen. Das Geschäftszentrum dieses neuen Satdt-

teils bildet der Hansaplatz, bestehend aus niedrigen Flachbauten in welchen Läden, Restaurants, Kino, Bibliotheken und ein UBahnhof untergebracht sind. „Südlich des Hansaplatzes sind als dominierende städtebauliche Figur acht- bis zehngeschossige Scheibenhochhäuser angeordnet, die im rechten Winkel gegeneinander versetzt sind.“10, 11


Entlang des Stadtbahnviadukts sind viergeschossige Zeilenbauten angeordnet, an denen sich 5 Punkthochhäuser anschließen, welche die Skyline des Hansaviertels bestimmen. Hinter den Hochhäusern erstreckt sich eine Bebauung aus Atriumbungalows, die sich teppichartig zusammensetzt und durch einen öffentlichen Grünestreifen geteilt wird und des weiteren mehrere Mehrfamilienhäuser. Das östliche Gelände war ursprünglich für Reihenhäuser geplant, wurde 1959-1960 aber für die Errichtung der Aka-

demie der Künste umgewidmet. „Die freistehenden Bauten bilden großzügige, offene Raumkompositionen, wobei Durchblicke, Engstellen und Aufweitungen wechselnde Raumerlebnisse ermöglichen. Die fließenden, offenen Räume zwischen den Häusern verstand man als Gegenbild zur Blockrandbauweise, die das Bild der verachteten »Mietskasernenstadt« geprägt hatte. Das Wohngebiet geht fließend in den benachbarten Tiergarten über.“12, 13

12 Interbau 2016. 13 Vgl. Ebda. Abbild 41: Hansaviertel: Luftaufnahme vor der Zerstörung, https://www.deutsche-digitalebibliothek.de/item/KYBD6L5LG4LWYJXBTW6VF3VMGJ37Y5VX 127


Abbild 42: Lageplan Interbau (IBA 1957), https://upload. wikimedia.org/wikipedia/commons/2/23/Lageplan_Interbau. jpg 128


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3.4 Gebäude Bsp.: Alvar Aalto Building

ArchitektIn(nen) Alvar Aalto

Ort | Lage des Projektes Hansaviertel, Berlin, Germany

Planungszeit | Bauzeit Beginning 1955, term 1957-60

Typologie | Nutzung Housing block/appartements

Größe | Kosten 1010 m²

Art des Auftrages Competition

Auftraggeber | Auftraggeber-Typus The city of Berlin

Konstruktion | Bauteile Reinforced concrete and prefabricated

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1 Vgl .wikiarquitectura. 2 Vgl. wiki.ead.pucv.cl. Abbild 43 (Seite 57): Alvar Aalto, Hansaviertel, Berlin / 1955-57, https://s-mediacache-ak0.pinimg.com/564x/ cc/69/6a/cc696adcfab98738a9122cc4c0fa5866.jpg Abbild 44: Gebäude 22, http:// www.buergerverein-hansaviertel-berlin.de/das_hansaviertel/ labelarchitekten/22gallery/22g allery.html 132

Historic context After World War II, 140 of the 161 buildings occupying the residential area at the northwestern end of the Berlin Tiergarten known as Hansaviertel - were destroyed. In 1953 a competition for the reconstruction of the zone was summoned, which was the starting point of the Internationale Bauausstellung of 1957. The initial planning was modified, with a large variety of buildings corresponding to different typologies - laminated blocks, towers, single or row houses.

Urban context The Interbau called the „City of Tomorrow“ was located in the district of Hansaviertel in the west of Berlin, belonging to the district of Tiergarten. Around the main square, the Hansaplatz, the facilities and amenities of the neighborhood were built: two churches (Protestant and Catholic), a subway station, a cinema, a library and a nursery, to which the Akademie der Künste , Finished in 1960.1, 2


Components of the whole program Alvar Aalto designed the housing block as a building that narrows in the central part due to the main lobby of the ground floor. The block consists of different apartments of varying sizes in ten floors. There are a total of 78 apartments throughout the block. One of Alto‘s main ideas was to have apartments of different areas so the block shows an asymmetry from the shortening that has in the central part being reflected at the ends of it. Another idea was to locate the circulations to each third of the building in order to ef-

ficiently share the spaces. Finally one of the concepts that stand out in this building are the balconies that allow a connection between the exterior and the interior titling it as an „OPEN ATRIO“. 3, 4

3 Vgl .wikiarquitectura. 4 Vgl. wiki.ead.pucv.cl. Abbild 45: Lageplan Alvar Aalto Building 133


5 Vgl .wikiarquitectura. 6 Vgl. wiki.ead.pucv.cl. Abbild 46: Hansaviertel: Alvar Aalto Entry Concourse , https://smedia-cache-ak0.pinimg. com/564x/aa/c1/bc/aac1bcb34ed46d4d3533b89da4edfdd4.jpg 134

Spaces The building is a block that becomes narrower in the central part because of the lobby. This one has two accesses, one by means of a staircase and the second by means of a ramp, both circulations are realized by a lateral sense, which leave visible the windows of the access patio. Unlike all levels, the access has height and average, making reference to the importance of the site. The block has ten levels and are distributed among them 78 apartments of different sizes. One of them was finished in time for the

Interbau exhibition. The spaces that each apartment contains are: Kitchen, bathroom, living room, dining room, one bedroom, two or three bedrooms and balcony. 5, 6


Structure and Materials It was designed a building composed of reinforced concrete structure bearing prefabricated concrete pieces. The building is based on columns or pilotis, which in certain places become double for aesthetic and structural reasons. The color of the building is white. That is why the umbrellas on the balconies play an important role, since being of different colors, provide the necessary warmth to the image of the property. The joinery was made of extruded steel profiles.

The furniture inside the apartments are in wood, pure Finnish style, as well as curtains and lamps, with high designs.7, 8

7 Vgl .wikiarquitectura. 8 Vgl. wiki.ead.pucv.cl. Abbild 47: Flats at Hansaviertel, Berlin, Germany, http:// w w w. g r e a t b u i l d i n g s . c o m / cgi-bin/gbi.cgi/Flats_at_Hansaviertel.html/cid_1146954371_ PICT3243.html 135


Quellenverzeichnis: 1. Die moderne Stadt am Bsp. Berlin Historia La fundacion de Berlin, 2017, Online unter: http://www.guiadeberlin.de/index. php?article_id=10 (Stand 10.01.2017). Breve Historia de Berlín, Online unter: https:// xixerone.com/berlin/breve-historia (Stand 10.01.2017). Eue, Ralph/ Wüst, Florian/ Krausse, Joachim, 2015, Die moderne Stadt in: ARCH+, Online unter: http://www.archplus.net/home/news/7,111528,1,0.html, (Stand: 12.01.2017). Flierl Thomas, Karl-Marx-Allee und „Interbau 1957“, Berliner Nachkriegserbe zwischen Konfrontation und Koevolution, Online unter: https:// journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/icomoshefte/.../13869 (Stand: 12.1.2017). Schlusche, Günter: Stadtentwicklung im geteilten Berlin, Tagung 16.-18.06.2011, Online unter: http://www.berliner-mauer-gedenkstaette.de/de/ uploads/50jahrestag_tagung_dokumente/schlusche-mauer-und-stadtentwicklung.pdf, in: http:// www.berliner-mauer-gedenkstaette.de/de/dermauerbau-1961-970.html (Stand 12.01.2017). 2. Ostberlin Heydemann Günther: Informationen zur politischen Bildung, Gesellschaft und Alltag in der DDR, in bpb: Bundeszentrale für politische Bildung, Heft 270 (2002), Online unter: http://www. bpb.de/izpb/9766/gesellschaft-und-alltag-in-derddr?p=all, (Stand: 12.1.2017). Schlusche, Günter: Stadtentwicklung im geteilten Berlin, Tagung 16.-18.06.2011, Online unter: http://www.berliner-mauer-gedenkstaette.de/de/ uploads/50jahrestag_tagung_dokumente/schlusche-mauer-und-stadtentwicklung.pdf, in: http:// www.berliner-mauer-gedenkstaette.de/de/dermauerbau-1961-970.html (Stand 12.01.2017). 136

2.1 Quartier Bsp.: Karl - Marx - Allee Dobbert Steffen / Hugendick David, Karl-MarxAllee, Das neue Leben der Stalinallee, in: Zeit online 2013, Online unter: http://www.zeit.de/ kultur/karl-marx-allee/index.html#prolog (Stand: 12.01.2017). Flierl Thomas, Karl-Marx-Allee und „Interbau 1957“, Berliner Nachkriegserbe zwischen Konfrontation und Koevolution, Online unter: https:// journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/icomoshefte/.../13869 (Stand: 12.1.2017). Kitter Christian/Kohzer Benjamin,(2`15): Berlins unabhängiger Kinoführer, International, in: http:// www.kinokompendium.de/international_kino_ berlin.htm, (Stand: 11.1.2017). Schlusche, Günter: Stadtentwicklung im geteilten Berlin, Tagung 16.-18.06.2011, Online unter: http://www.berliner-mauer-gedenkstaette.de/de/ uploads/50jahrestag_tagung_dokumente/schlusche-mauer-und-stadtentwicklung.pdf, in: http:// www.berliner-mauer-gedenkstaette.de/de/dermauerbau-1961-970.html (Stand 12.01.2017). Taubert Klaus, Ost-Berlins Stalinallee, Prachtstraße in der DDR, in Spiegel Online 2012, Online unter: http://www.spiegel.de/einestages/ost-berlins-stalinalle-prachtstrasse-in-der-ddr-a-947843. html, (Stand: 12.1.2017). 2.2 Gebäude Bsp.: Kino International Bester, Cordula: Kino International, Eine Ikone der Moderne, in: https://yorck.de/kinos/kino-international, (Stand: 11.10.2017). Kitter Christian/Kohzer Benjamin,(2`15): Berlins unabhängiger Kinoführer, International, in: http:// www.kinokompendium.de/international_kino_ berlin.htm, (Stand: 11.1.2017). Topfstedt, Thomas: Städtebau in der DDR 1955– 1971, Leipzig 1988


3. Westberlin Hanauske, Dieter: Wohnungspolitik im Kalten Krieg, in: Probleme/Projekte/Prozesse. Berlinische Monatsschrift (2001), Heft 3, Online unter: http://www.luise-berlin.de/bms/ bmstxt01/0103proe.html (Stand 12.01.2017). Schlusche, Günter: Stadtentwicklung im geteilten Berlin, Tagung 16.-18.06.2011, Online unter: http://www.berliner-mauer-gedenkstaette.de/de/ uploads/50jahrestag_tagung_dokumente/schlusche-mauer-und-stadtentwicklung.pdf, in: http:// www.berliner-mauer-gedenkstaette.de/de/dermauerbau-1961-970.html (Stand 12.01.2017).

uploads/50jahrestag_tagung_dokumente/schlusche-mauer-und-stadtentwicklung.pdf, 3.4 Gebäude Bsp.: Alvar Aalto Building Wikiarquitectura (13.04.2015): Bloque de viviendas en Hansaviertel, <https://es.wikiarquitectura. com/index.php/Bloque_de_viviendas_en_Hansaviertel>, (Stand 11.01.2017) wiki.ead.pucv.cl (05.04.2014): bloque de viviendas en Hansaviertel- Alvar Aalto ,<http://wiki. ead.pucv.cl/index.php/Bloques_de_vivienda_en_ Hansaviertel_-_Alvar_Aalto,_Alem%C3%A1nia>, (Stand 12.01.2017)

Zawatka-Gerlach, Ulrich: 50 Jahre Flächennutzungsplan: Ein Blick in die bunte Seele Berlins, 03.08.2015, in: Der Tagesspiegel, Online unter: http://www.tagesspiegel.de/berlin/50-jahre-flaechennutzungsplan-ein blick-in-die-bunte-seeleberlins/12136400.html (Stand 12.01.2017). http://www.visitberlin.de/de/artikel/leben-in-einergeteilten-stadt-west-berlin (Stand 15.01.2017).

Abbildungsverzeichnis:

3.1 Quartier Bsp.: Ernst Reuter Platz Wikipedia (13.08.2016 ): Ernst-Reuter-Platz, <https://de.wikipedia.org/wiki/Ernst-Reuter-Platz>, (Stand 11.01.2017)

Abbild 2: Die Mauer teilt Berlin, http://www.20min. ch/interaktiv/Deutschland/jflow12/1961.html

3.2 Gebäude Bsp.: Telefunken Hochhaus Wikipedia (3.11.2016): Telefunken-Hochhaus, <htps://de.wikipedia.org/wiki/Telefunken-Hochhaus>, (Stand 12.01.2017) Gausmann, Dagmar: Der Ernst-Reuter-Platz in Berlin, Hamburg 1992 3.3 Quartier Bsp.: Interbau 1957 IBA 1957 (Interbau), 27.10.2016, https://deu.archinform.net/stich/543.htm, in: https://deu.archinform.net (Stand 12.01.2017). Schlusche, Günter: Stadtentwicklung im geteilten Berlin, Tagung 16.-18.06.2011, Online unter: http://www.berliner-mauer-gedenkstaette.de/de/

1. Die moderne Stadt am Bsp. Berlin Abbild 1 (Seite 3): Aussicht Berlin, https://www. welt.de/img/icon/crop140853917/0130193495ci3x2l-w780/Berlin-Skyline-Panorama.jpg

Abbild 3: Berliner Mauer in Kreuzberg, https:// upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/b/bc/ Bundesarchiv_B_145_Bild-F078996-0006%2C_ Berlin%2C_Berliner_Mauer_in_Kreuzberg.jpg Abbild 4 (oben): Arbeiter beim Bau der Berliner Mauer,http://www.mdr.de/zeitreise/ddr/honeckermauerbau108.html, 1961 2. Ostberlin Abbild 5 (unten): Ostberlin, Bln.-Friedrichshain, Andreasstr.Febr. 1960 Abbild 6: Plattenbauten der „Wohnungsbauserie 70“, Marzahn, 1984, http://www.bpb.de/geschichte/zeitgeschichte/deutschlandarchiv/233369/ amnesiopolis-macht-raum-und-plattenbau-innordost-berlin 137


Abbild 7: Westlicher Teil der Karl Marx Allee von Südwesten, Peters & Lindner, Eine Zukunft für die Karl-MArx Allee,1997 Abbild 8: Eine Aufrisszeichnung eines Wohnungstypes im Hochhaus, http://www.zeit.de/kultur/karl-marx-allee/index.html#chapter-02

2.1 Quartier Bsp.: Karl - Marx - Allee Abbild 9: Figure-ground diagram of Berlin from 2010, http://www.shlur.com/2014/02/schwarzplan-maps-monochrome/ Abbild 10: Schwarzplan Karl-Marx-Allee Abbild 11: Allee nach dem Krieg, http://www.zeit. de/kultur/karl-marx-allee/index.html#chapter-02 Abbild 12: Beim Entstehen: Blick vom Strausberger Platz Richtung Frankfurter Tor, http://www.zeit. de/kultur/karl-marx-allee/index.html#chapter-02 Abbild 13: Mietpreisentwicklung seit 1953, http://www.zeit.de/kultur/karl-marx-allee/index. html#chapter-03

Abbild 18: Kino International Berlin, http://www. panoramio.com/photo/31655259 Abbild 19: Kino International Berlin Frontansicht, http://www.huffingtonpost.de/thomas-steiger/50jahre-kino-internation_b_4259123.html Abbild 20: Kino International Berlin, Lageplan,Eine Zukunft für Karl-Marx-Allee, Seite 1 Abbild 21: Kino International Relieffassade, https:// commons.wikimedia.org/wiki/File:20150604_xl_ IMG_4309_Relief_Fassade_des_Kino_International_Berlin.JPG Abbild 22: Aus dem Leben heutiger Menschen Relief, https://www.flickr.com/photos/54359823@ N03/7182684163/in/photostream/ Abbild 23: Kino International Kinosaal, http://images.huffingtonpost.com/2013-11-12-KinoInternationalSaalcYorckKinogruppePhilippPlumLarge. jpg

Abbild 14: Übersichtsplan der Karl-Marx-Allee (bis 1961 Stalinallee), https://de.wikipedia.org/wiki/ Karl-Marx-Allee#/media/File:Grafik_Karl-MarxAllee_Clio_Berlin.jpg

3. Westberlin

Abbild 15: Blick vom Strausberger Platz in die Allee, Fertigstellung der Allee, http://www.zeit.de/ kultur/karl-marx-allee/index.html#chapter-02

Abbild 25: Besatzungszonen Berlin, http://resfed. com/article-1370

Abbild 16: Historisches Abbild der öffentlichen Bereiche im Umfeld des Strausberger Platzes, Berlin-Stalinallee-Blick-zum-StrausbergerPlatz-1957.jpg Abbild 17: Eine Aufrisszeichnung eines Wohnungstypes im Hochhaus, http://www.zeit.de/kultur/karl-marx-allee/index.html#chapter-02

138

2.2 Gebäude Bsp.: Kino International

Abbild 24: Westberlin, http://www.abload.de/img/ udlpkwy.jpg

Abbild 26: Wohnungsnot, http://auguststrasseberlin-mitte.de/wp-content/myfotos/wohnungsnot/wohnungsnot08.jpg Abbild 27: Generalbebauungsplan 1969/Arbeitsplan FNP 1965, http://www.stadtentwicklung. berlin.de/planen/fnp/pix/historie/6_GBP_1969_ FNP_1965_gr.pdf


3.1 Quartier Bsp.: Ernst Reuter Platz

3.3 Quartier Bsp.: Interbau 1957

Abbild 28 (Links): Lageplan West-Berlin, Quelle: F4map.com

Abbild 38: Berlin Ortsteil Hansaviertel, https:// upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/ thumb/b/b3/Berlin_Ortsteil_Hansaviertel. svg/250px-Berlin_Ortsteil_Hansaviertel.svg.png

Abbild 29 (Rechts): Ernst-reuter-Platz 1968, http://www.lia.tu-berlin.de/images/monospace_3/ Ernst%20Reuter%20Platz/arc-xx-11-xx-ernst_reuter_platz_1968.jpg

Abbild 39: Gabi Dollf-Bonekämper, Das Hansaviertel - Internationale Nachkriegsmoderne in Berlin.

Abbild 30: Kubaturen im Ernst-Reuter-Platz, Quelle: F4map.com

Abbild 40: Hansaviertel 1962, https://www.pinterest.com/pin/567101778050745490/

Abbild 31: Ernst-Reuter-Platz, Quelle: http://www.berlin-shots.de/tl_files/fotos/ blogs/2014/2014-09-23_reuter/reuter_16.jpg

Abbild 41: Hansaviertel: Luftaufnahme vor der Zerstörung, https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/item/KYBD6L5LG4LWYJXBTW6VF3VMGJ37Y5VX

3.2 Gebäude Bsp.: Telefunken Hochhaus

Abbild 42: Lageplan Interbau (IBA 1957), https:// upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/2/23/ Lageplan_Interbau.jpg

Abbild 32 (Seite 45): Telefunken Hochhaus 1963, http://mapio.net/pic/p-15254501/ 3.4 Gebäude Bsp.: Alvar Aalto Building Abbild 33 (Links): Telefunken Hochhaus Quelle: http://de.academic.ru/pictures/dewiki/84/ Telefunken_hochhaus.jpg Abbild 34 (Rechts): Lageplan Telefunkenhochhaus Quelle: F4map.com Abbild 35: Grundriss Telefunken Hochhaus, Quelle: http://www.rothmann-und-partner.de/t-lab/ grundriss.jpg

Abbild 43 (Seite 57): Alvar Aalto, Hansaviertel, Berlin / 1955-57, https://s-media-cacheak0.pinimg.com/564x/cc/69/6a/cc696adcfab98738a9122cc4c0fa5866.jpg Abbild 44: Gebäude 22, http://www.buergerverein-hansaviertel-berlin.de/das_hansaviertel/label architekten/22gallery/22gallery.html Abbild 45: Lageplan Alvar Aalto Building

Abbild 36: Zeichnung aus dem Archiv von Bernhard Herkmes Quelle: Der Ernst-Reuter-Platz in Berlin, Dagmar Gausmann

Abbild 46: Hansaviertel: Alvar Aalto Entry Concourse, https://s-media-cacheak0.pinimg.com/564x/aa/c1/bc/aac1bcb34ed46d4d3533b89da4edfdd4.jpg

Abbild 37: Grundriss und Schnitt vom Pirelli Hochhaus. Quelle:http://www.stadtfragen.ch/wp-content/uploads/2010/08/Schnitt_Grundriss.jpg

Abbild 47: Flats at Hansaviertel, Berlin, Germany, http://www.greatbuildings.com/cgi-bin/gbi. cgi/Flats_at_Hansaviertel.html/cid_1146954371_ PICT3243.html

139


Die Postmoderne Stadt

Perez Cerpa Antonio, Spitzer Natascha, Suppan Lisa, Weiß David, Wuitz Jacqueline Maria Inhaltsverzeichnis: Allgemeine Definition der Postmoderne Definition der Postmodernen Stadt nach „Ludger Basten“ „Learning from Las Vegas“ Die historische Entwicklung am Alexanderplatz -Die städtebauliche Theorie für den Wiederaufbau am Alexanderplatzes Kritische Betrachtung des Masterplanes Hans Kollhoff/ Timmermann Die historische Entwicklung am Potsdamer Platz Masterplan und Gebäude am Potzdamer Platz Weinhaus Huth – Umgang mit bestehenden Strukturen Kritiken Potsdamer Platz Axel Springer Campus Literaturnachweis Abbildungsnachweis


Abb.01:Piazza dâ&#x20AC;&#x2122;Italia


Allgemeine Definition der Postmoderne

1 Vgl. Roeder Ralf: Postmoderne - ca. 1972–1990, (o.J.), http:// www.baukunst-nrw.de/ epoche/Postmoderne. htm, 10.Jänner.2017. 2 Vgl. Borkmann u.a. 2005, 325.

Charles Jencks führte den Begriff Postmodere bereits Mitte der 70er Jahre in die Architekturdiskussion ein.1 Die Architektur der Postmoderne der 1960er- bis 1980erJahren bezieht durch den ironischen und spielerischen Umgang mit den historischen Bauformen und Typen der klassischen Moderne, eine Gegenposition zur klassischen Moderne der 1920er- und 1930er- Jahren.2 Die Postmoderne definiert sich als Architektur der Erinnerung und stellt sich somit der Moderne und deren Grundsatz des stetigen Fortschreiten, dem Schaffen von Neuem und dem Funktionalismus entgegen. Die Ästhetik sollte sich nicht nur an der Funktion sondern auch an Bedeutungsinhalten orientieren. Das Ziel war es nie historische Vorbilder nachzuahmen, sondern viel mehr war es die teils ironische Zuhilfenahme historischer Stilelemente. Diese Anwendung von Zitaten ist ein wesentliches Merkmal der Postmoderne.1


Definition der Postmodernen Stadt nach „Basten Ludger“ „Nahezu alle Versuche, die neue, postmoderne Struktur der Stadt zu charakterisieren, greift dazu auf das Bild eines Gitters oder Netzes zurück, [...]. Zentral bezeichend für die neue Stadtstruktur ist damit die Abwesenheit eines Zentrums, das dem ganzen eine hierarchische Struktur und eine zielgerichtete Ordnung geben könnte. Zwar bestehen auch im Gitternetz der postmodernen Stadt Verknüpfungspunkte, doch diese stehen im Wesentlichen gleichwertig nebeneinander.“3

Ludger, Basten 2005

3

143


„Learnig from Vegas“

4 Dr. Reiter , Karl : Die 68er Bewegung, http://forumstadtpark.at/index.php?idc atside=470&mod12_1=pri nt),10.01.2017. 5 Wallerstein, Imanuel, 2013, S39. 6 Vgl. Jenckes, Charles,1977. 7 Vgl. Müller, Michael,Archplus, Ausgabe 33, S.4. 8 Stierli, Martino, 2015, S.37.

Abb.02: Postkarte von Vegas 144

Mit Beginn der 60er Jahre keimt in der Gesellschaft ein internationales Aufbegehren gegenüber dem drückenden Kapitalismus auf, welches sich in den darauffolgenden Jahren von Studentenbewegungen zu einem gesamtgesellschaftlichen Phänomen avanciert und den globalen Protest zum Ausdruck bringt. „Es ist die Suche nach einem allgemeingültigem Interesse, sprich Ansprüchen und Bedürfnissen einer individuellen und gesellschaftlichen Emanzipation in einer kapitalistischen Gesellschaft“7. Immanuel Wallenstein oft zitierte „ Weltrevolution“5 ziegt die Dimension auf, da das Phänomen nicht national bewältigt werden könne. So ist es nicht verwunderlich, dass die Architektur unverschont blieb. Pioniere der objektiven Wahrnehmung des Wandels und der gravierenden Veränderungen auf die Architektur in Amerika ist das Team um den Architekturtheoretiker Robert Venturi mit Ehefrau Denise Scott Brown und Student Steven Izenour. Aus einer universitären Forschungsarbeit mit darauffolgender Veröffentlichung erstmals 1972 und Publikation 1977, war die Erschütterung auf die Architekturszene ebenso einschneidend wie die 68er Bewegung auf das Weltgeschehen. Ein rhetorischer Geniestreich der allein im Titel verdeutlicht wird. „Learning from Las Vegas“ richtet sich einerseits an die blasierte Elite der Architektur, die ihren ermüdenden, reproduzierbaren Modernismus zelebriert und mit Scheuklappen sich der Realität entzieht.

Mehr sollte „Architektur ‚Mythen‘ kreieren und somit einen gesellschaftlichen Zusammenhalt fördern“6 oder auch „Architektur im Alltag als eine gestaltete Organisationsform des Zusammenlebens begreifen“7. Beide Auffassungen sieht Venturi in der Moderne für ungenügend gegeben. Die Postmoderne, als jüngstes Kind jener, versuche lediglich dem „gesellschaftlichen Jargon der Straße“6 wieder gerecht und angemessen zu werden, womit die zweite Kernaussage Venturis zum Ausdruck kommt. Die gegenwärtige bauliche Realität die auf die Amerikaner beinah „peristatisch“ einwirkt und sie formt, ist ernüchternd. Anhand des Musterbeispiels Las Vegas, kann er der Architekturwelt vor Augen führen, woher sein Anliegen kommt. Das Auto und die „subtile Rhetorik der Werbetafeln“8sind die Hauptparameter für das presente Stadtbild. Die Fokussierung auf das Auto, welches sich entlang des Stripes bewegt, vorbei an konkurrierender Lichtreklame, die dem städtischen Raum das einizge Wiedererkennungsmerkmal verleiht, ist ein Hauptcharakteristikum der amerikanischen Stadt.


Ebda., S.37. 9 Veturi, Brown, Izenour : Learning from Las Vegas, 1977. 9 Ebda., 1977. 7 Vgl ., Müller, Michael : Learning from Las Vegas? - Anmerkungen zu einem durchaus folgerichtigen Mißverständis, Archplus, Ausgabe 33, S.4. 8

Abb.02: Postkarte von Vegas

Was dahinter passiert ist außer einer Aneinanderreihung schwer zu ordnen. Damit besiegelt sich die „Vorherrschaft der symbolischen Kommunikation vor der traditionellen Formensprache der Architektur“1. Zwei unterschiedliche architektonische Grundelemente gehen für Venturi daraus hervor. Die Ente „Duck“5 in der die Gesamtkonstruktion des Gebäudes zum Ornament wird und der dekorierte Schuppen „decorated shed“7. Es ist eine Gesamtkritik, dass die Architektur nicht einer postmodernen Gesellschaft, die durch mediale

Kommunikation und Elektronik geprägt ist, entspricht.8Ansätze wie von Archigram mit utopischen, futuristischen Stadtszenarien oder Raimund Abrahams frühe Visionen waren Ansätze die den Ansprüchen gerechter sein könnten.

145


Was übrig geblieben ist, ist die vielleicht belanglose Aneinanderreihung der Gebäude hinter den Werbetafeln, die in den Städten der Gegenwart eingezogen sind. Rem Koolhaas bezeichnet es später als Generic City „is not planned, it just happens“10. Ein Stadtraster aus endloser Wiederholung gleicher Strukturen. Die deutsche Übersetzung von eigenschaftslosen Städten zu sprechen, ist ein wenig irreführend, mehr sei die wahllose Streuung von Gebäuden mit ein und der selben Intention gemeint, Verknüpfungen zu erzeugen und auf sich aufmerksam machen zu wollen, ohne jeglichen Identitätsanspruch. Die europäische Stadt sieht sich, trotz der Hochhaltung und Wahrung einer jahrhundertalter Identität per Denkmalpflege, gleichen Entwicklungen konfrontiert. Stadträume verändern sich und entstehen, nach dem Vorbild amerikanisierter kapitalistischer Symbolkraft des Konsums. Eine Gegenüberstellung zweier prominenter Plätze in Berlin, beide wichtige Handels und Verkehrsknotenpunkte und dennoch einer völlig unterschiedlichen Entstehunggeschichte, soll dies verdeutlichen.

10

Koolhaas, Rem(o.J.).

Abb.03:The Walking City Abb.04:Stadt von Morgen Abb.05:OMA & Zenghelis 146


Die historische Entwicklung am Alexanderplatz

11 Vgl. Sturm, Eric: Die historische Entwicklung des Alexanderplatzes, (2000) , http://unternull.de/geschichte/ entwicklung-des-alexanderplatzes/,10.Jänner.2017.

Abb.06:AlexanderplatzCollage

Der Alexanderplatz veränderte aufgrund seines historischen Bedeutungswandels einige Male seine Ausdehnung, Form und Gestalt. Seine Anziehungskraft für Besucher und Einwohner erzielte er immer aus der Vielfalt seiner Funktionen. Aus der Verknüpfung von Arbeitsplatz, Wohnort und öffentlichen Verkehr, von Ladengeschäften, Markthallen, Warenhäuser, Handwerk und Dienstleistungen, öffentlicher Verwaltung und Nachtleben, von Polizei und Gefängnis.

Als Berlin Ende des 19. Jahrhunderts zur Hauptstadt wurde, eskalierten die Bodenspekulation und Bevölkerungsexplosion sowie eine die daraus resultierend Bebauungsverdichtung. Dadurch kam es so weit, dass der Alexanderplatz als östliches Eingangstor zur Altstadt total überforderte war.11

147


Abb.07:Luftbild Alexanderplatz

148


1805 erhielt der Alexanderplatz durch den Staatsbesuch vom russischen Zaren Alexander I. seinen Namen. Zuvor war er auch als Königs Thor Platz oder Platz und Platz am Georgientor bekannt.11

Bereits Ende des 17. Jahrhunderts vergab der Kurfürst vor dem Eingangstor der Stadtmauern günstige Landstücke, wo sich rund 700 Familien niedergelassen haben und ein Vieh- und Wochenmarkt von den Einwohner betrieben haben.12

11 Vgl. Sturm, Eric: Die historische Entwicklung des Alexanderplatzes, (2000) , http://unternull.de/geschichte/ entwicklung-des-alexanderplatzes/,10.Jänner.2017. 12 Vgl. o.A.: Die Geschichte vom Alexanderplatz Berlin, (o.J.) , http://hiberlincenter. com/de/alexanderplatz-berlingeschichte/,10.Jänner.2017.

Abb.08: Alexanderplatz 1804 149


11 Vgl. Sturm, Eric: Die historische Entwicklung des Alexanderplatzes, (2000) , http://unternull.de/geschichte/ entwicklung-des-alexanderplatzes/,10.Jänner.2017. 12 Vgl. o.A.: Die Geschichte vom Alexanderplatz Berlin, (o.J.) , http://hiberlincenter. com/de/alexanderplatz-berlingeschichte/,10.Jänner.2017.

Abb.09.: Alexanderplatz um 1900 150

Im Zuge der Reichsgründung 1871 wurde der Alexanderplatz durch die Infrastruktureinrichtungen wie Post, Behörden, Warenhäuser, Geschäftshäuser und Gastronomie zu einem modernen Geschäftsstandort.11 Von 1870 bis 1886 wurde das Grand Hotel, das Polizeipräsidium, Amtsgericht und die Zentralmarkthalle errichtet. Wiederum wurde der Platz funktional aufgeteilt. Im nördlichen Teil befand sich der aufkommende Individualverkehr und der ehemalige Paradeplatz von 1804 im

Süden wurde zu einem Park. Die Blütezeit des Alexanderplatzes war das 20. Jahrhundert, als die Kaufleute Herman Tietz, Georg Wertheim und Han große Warenhäuser errichtet haben.12


Auch als Verkehrsknotenpunkt wurde der Platz immer bedeutender und drohte aufgrund der Fülle von U-Bahn-Linie, Fern- und S-Bahn, Omibusse, Pferde und elektrische Straßenbahnen zusammenzubrechen.12 1926 wurde Martin Wagner zum Berliner Stadtbaudirektor ernannt. Er befasste sich vor allem mit dem Thema, wie er durch verkehrsstrukturelle Defizite, vor allem durch die Ost-West-Verbindung es vermeiden kann, dass das vornehme Quartier jenseits

des Potsdamer Platzes zum eigentlichen Geschäftszentrum wird und der Osten ausblutet. Dafür schlägt er ein „Cityband“ vor, wodurch das alte Zentrum mit dem Neuen verknüpft wird. Im Osten sollte der Alexanderplatz zum „Cityschwerpunkt“ werden und so auch in das Blickfeld der Umgestaltungsinteresse.11

11 Vgl. Sturm, Eric: Die historische Entwicklung des Alexanderplatzes, (2000) , http://unternull.de/ geschichte/entwicklung-des-alexanderplatzes/,10.Jänner.2017. 12 Vgl. o.A.: Die Geschichte vom Alexanderplatz Berlin, (o.J.) , http://hiberlincenter.com/de/alexanderplatz-berlin-geschichte/,10. Jänner.2017.

Abb.10.: Lageplan Alexanderplatz 1927- 1932 151


11 Vgl. Sturm, Eric: Die historische Entwicklung des Alexanderplatzes, (2000) , http://unternull.de/geschichte/ entwicklung-des-alexanderplatzes/,10.Jänner.2017.

Abb.11.: Alexanderplatz 1930 152

Dieses „Cityband“, das Martin Wagner bereits 1926 vorgeschwebt war, für die Stadt Berlin entsprach bereits der Idee und dem Konzept einer postmodernen Stadt. Dabei wurde der Alexanderplatz einen Verknüpfungspunkt de mit einen weiteren, den Brandenburger Tor verbunden werden sollte, wobei die beiden Quartiere gleichwertig nebeneinander in der Stadt platziert sind. Martin Wagner seine Idee vom „Weltstadtplatz“ im Osten erfüllen zu können wurde

1929 der Wettbewerb zur Erweiterung der Verkehrsinfrastruktur ausgeschrieben. In der Ausschreibung befand sich bereits eine detaillierte Ausarbeitung des Lösungsansatzes von Ernst Reuter, der die Gestaltung eines Verkehrsplatzes aus einem Guss vorsah. Zum Alexanderplatz sollen fünf Straßen münden, wodurch eine Verkehrssituation wie ein Kreisverkehr entsteht.11


Der Siegesentwurf des Büros Hans und Wassili Luckhardt konnte durch mehrere Komplikationen mit Investoren nicht umgesetzt werden.12 Es meldeten sich amerikanische Investoren, die die Ergebnisse des Wettbewerbs verwarfen und Peter Behrens mit einem

neuen Gesamtentwurf beauftragten, bis 1932 nur das Berolina- und das Alexanderhaus parallel zur Straßenbahn errichtet wurden. 1945 Hinterliesen die Artillerie der Roten Armee in der Innenstadt fast nur Brandruinen.11

11 Vgl. Sturm, Eric: Die historische Entwicklung des Alexanderplatzes, (2000) , http://unternull.de/ geschichte/entwicklung-des-alexanderplatzes/,10.Jänner.2017. 12 Vgl. o.A.: Die Geschichte vom Alexanderplatz Berlin, (o.J.) , http://hiberlincenter.com/de/alexanderplatz-berlin-geschichte/,10. Jänner.2017.

Abb.12.: Lageplan Berolina- u. Alexanderhaus 153


Die städtebauliche Theorie für den Wiederaufbau am Alexanderplatzes Im Ministerratsbeschluss von 1950 wurde in den „16 Grundsätze des Städtebaus“ wurde das Stadtzentrum ganz klar definiert: Das Zentrum soll den Kern einer Stadt bilden und der politische Mittelpunkt für das Leben seiner Bevölkerung sein. Hier sollen sich die wichtigsten politischen, administrativen und kulturellen Stätten befinden als auch politische Demonstrationen, Aufmärsche und Volksfeiern an Festtagen stattfinden. Im Stadtzentrum befinden sich die wichtigsten monumentalen Gebäude, wodurch die architektonische Komposition bestimmt und die architektonische Silhouette der Stadt bestimmt wird.

11 Vgl. Sturm, Eric: Die historische Entwicklung des Alexanderplatzes, (2000) , http://unternull.de/geschichte/ entwicklung-des-alexanderplatzes/,10.Jänner.2017. 12 Vgl. o.A.: Die Geschichte vom Alexanderplatz Berlin, (o.J.) , http://hiberlincenter. com/de/alexanderplatz-berlingeschichte/,10.Jänner.2017.

154

Für das Berliner Zentrum bedeutet das nun ganz präzise: Es soll keine Rekonstruktion der Altberliner Stadt entstehen, sondern es soll ein gesellschaftliches Zentrum mit Wohnbauten entstehen. Dabei sollte jedoch die Wohndichte von 500 Einwohnern pro Hektar reduziert werden, die vor dem Krieg bei 850 bis 1000 Einwohner pro Hektar lag. Außerdem soll das Stadtzentrum über den Tangenten-Ring von einer Schnellstraße erschlossen werden und ein verstärkter Ausbau der U-Bahn stattfinden. Dieser Beschluss war natürlich ein Wunschdenken, das der Verkehr zunehmen und man weniger Büroflächen benötigen würde und es wurde auch nie mehr Wohnraum

am Alexanderplatz geschaffen aus vor den Krieg.11 In der städtebaulichen Theorie für den Wiederaufbau des Platzes verschwindet die Idee einer postmodernen Stadt wieder. Die Vorstellung einer verkehrsgerechten Stadt von Martin Wagner konnte aufgrund der Teilung Berlins nicht realisiert werden und anstatt der geplanten Wohn- und Handelshäuser wurden in Plattenbauweisen neue Gebäude errichtet worden. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Alexanderplatz auf 80.000 Quadratmeter vergrößert, was eine Vervierfachung bedeutete. Er wurde zum zentralen Kundgebungsort von dem aus die jährlichen Paraden, zur Feier der Gründung der DDR über die 125 Meter breite Karl Marx Allee stattgefunden haben. Die sozialistische Stadtplanung der 1970er Jahren passte nicht mehr zur aktuellen Denkweise Berlins, wodurch wiederum ein Wettbewerb zu Umgestaltung des Alexanderplatzes ausgeschrieben wurde.12


Kritische Betrachtung des Masterplanes Hans Kollhoff/Zimmermann

Der Alexander Platz im Jahr 2017 leidet immer noch an den nicht enden wollenden Umsetzungsplänen des Senats von einem über 20 Jahren alten Städtebauentwurfs von Helga Timmermann und Hans Kollhoff. Die damals vorherrschende Euphorie der Nachwendejahre, dem amerikanischen Vorbild nachzuziehen und eine kleines Manhattan direkt auf die Ostmoderne zu stülpen und zu integrieren, war damals wie heute eine stark umstrittene Vorstellung. Gegenüber dem Potsdamer Platz fehlte am Alexander Platz der nötige Investitionsdruck, so dass

einstige Visionen Kollhoffs mit heute nicht mehr vereinbar wären und dennoch hält der Berliner Senat krampfhaft daran fest. Kleine Anpassungen, wie die Reduzierung von elf Hochhäusern auf neun rund um die Alexander Straße entsprechen nicht den Bedürfnissen einer Stadt wie Berlin, die scheinbar keinen Bedarf an Megaprojekten mit diversen Mischnutzungen, Räume für Start Up‘s oder Bürotowers hat. Abb.13.: Masterplan von Hans Kollhoff/Zimmermann 155


Die vorherrschende Kreativwirtschaft sucht sich Immobilien jenseits der Stadtzentren hin zu den Szenebezirken und dem Bestand. Trotz einer gewaltigen Nachfrage nach Wohnraum, würden die Kosten für Neubauten und die aufwendige Denkmalpflege einen gewinnbringenden Absatz nicht erfüllen. Die angesprochene Kontroverse zwischen dem zwanghaften Streben, die europäische Stadt mit Hochhausenklaven dem Zeitgeist anzupassen, scheint zumindest in einer Metropole wie Berlin nicht aufzugehen. tion von einer postmodernen Abb.14.: Modell Hans Kollhoff/ Zimmermann 156

Stadt, jenseits funkelnder Wolkenkratzer und dem Einfluss von Großinvestoren, die sich weniger als Teil eines Gesamtkonstruktes verstehen, denn als Einzelkämpfer, denen es um den bloßen Profit geht. Ebenso sieht sich die Postmoderne, sofern man noch von Postmoderne sprechen kann, einem „global-Stile“ konfrontiert, der von grundauf mit identitätsstiftender Architektur kontrastiert. Es sei zu überlegen, ob man den Kollhoff-Plan ebenso fallen lässt, wie einst Martin Wagners City-Band.


Die historische Entwicklung am Potsdamer Platz

13 Vgl. o.A.: Berlin Potsdamer Platz.Geschichte bis 1945,(o.J.),http://www.berlinpotsdamerplatz.de/geschichte-1945/,11.Jänner.2017.

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts war der Potsdamer Platz nur ein fünfeckiger Verkehrsknotenpunkt und verband die alte Reichsstraße mit der die Ostpreußen. 1833 wurde der Platz zu einem Fernbahnhof, wodurch sich der Charakter immer mehr zu einem großstädtischen Umschlagplatz wandelte. Immer mehr Hotels und Gastronomiebetriebe wurden errichtet.

1911/12 errichtete Architekten Franz Schwechten das sechsstöckige „Haus Potsdam“, was eine Mischung aus Vergnügungspalast und Verwaltungshochhaus darstellte.13

Abb.15:Potsdamer Platz Collage 157


Das Stadtviertel rund um den Potsdamer Platz entwickelte sich zu einem großstädtischen Amüsierviertel, an dem tagsüber Angestellte, Geschäftsleute und Touristen am Platz verweilten. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstand rund um den Platz ein Rotlichtmilieu und das Verkehrsaufkommen am Platz wurde immer mehr ausgebaut.13 13 Vgl. o.A.: Berlin Potsdamer Platz.Geschichte bis 1945,(o.J.),http://www.berlinpotsdamerplatz.de/geschichte-1945/,11.Jänner.2017.

Abb.16.: Potsdamerplatz 1925 158


14 Vgl.o.A.: Berlin Potsdamer Platz. Geschichte 1945 bis 1990, (o.J.),http://www.berlinpotsdamerplatz.de/geschichte-1945-90/, 11.Jänner.2017.

Abb.17:Potsdamer Platz nach dem Krieg

Durch den Angriff der Alliierten im Zweiten Weltkrieg lag der Potsdamerplatz in Trümmern. Nach dem Krieg wurde der Platz zum „Dreiländereck“ zwischen dem sowjetischen, dem britischen sowie dem amerikanischen Sektor und es entstand ein blühender Schwarzmarkt. Am 21. August 1945 zog man erstmals einen Grenzverlauf zwischen dem sowjetischen und den angrenzenden Westsektoren durch einen Strich im Asphalt. Da der Wiederaufbau so schnell wie möglich erfolgen sollte, wurde die Bebauun-

gen nur notdürftig wiederaufgebaut ohne den Pomp und Gloria der 1920er-Jahren. Bei dem Volksaufstand am 17. Juni 1953 brannten einige Gebäude erneut nieder, wodurch sich in den meisten Gebäuden rund um den Potsdamer Platz breitete, sich der Leerstand aus, da keine Investoren die Belebung des Viertels unterstützen wollten.14

159


1961 wurde der Platz durch die Berliner Mauer geteilt und dadurch zum Grenzgebiet, wodurch er so gut wie ausgestorben war. Auf der Ostseite des Platzes gab es einen Todesstreifen. Alle Gebäude, die innerhalb des Streifens lagen, mussten abgerissen werden, währenddessen auf der Westseite kaufte der Senat von Berlin nach und nach die ungenutzten Ruinengrundstücke auf.

14 Vgl.o.A.: Berlin Potsdamer Platz. Geschichte 1945 bis 1990, (o.J.),http://www.berlinpotsdamerplatz.de/geschichte-1945-90/, 11.Jänner.2017.

Abb.18:Berliner Mauer am Potsdamer Platz 160

Bis zur Öffnung der Mauer im Jahr 1989 war der Platz ein innerstädtischer Schandfleck. Im Westen des Potsdamer Platzes befanden sich Imbissbuden, Souvenirgeschäfte für Touristen sowie Podeste, von denen man einen Blick in den östlichen Teil der Stadt erhalten konnte. 14


Masterplan und Gebäude am Potzdamer Platz

15 Vgl. Haubrich Rainer:Der Masterplan hält alles zusammen,(2008),https:// www.welt.de/regionales/berlin/ article2517831/Der-Masterplanhaelt-alles-zusammen.html,12. Jänner.2017. o.A.: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen,(o.J), http://www. stadtentwicklung.berlin.de/ planen/staedtebau-projekte/ leipziger_platz/de/realisierung/ potsdamer_platz/debis/index. shtml, 12.Jänner.2017. o.A.: 1992-2000.Potsda mer Platz, (o.J.), http://www. rpbw.com/project/44/potsdamer-platz/#, 12.Jänner.2017. o.A.: Potsdamer Platz.Architektur.Atrium Tower,(o.J.),https:// potsdamerplatz.de/architektur/,12.Jänner.2017. Cobbers Arnt: Sony Center,(2015 ),https://www.berlin.de/ sehenswuerdigkeiten/35608683558930-sony-center.html, 12.Jänner.2017.

Abb.19,20,21: Masterplan von Hilmer und Sattler/ Masterplan Renzo Piano / Potsdamer Platz Heute

Grundlegend für den 1992 ausgelobten internationale Realisierungswettbewerb für den Masterplan war ein Entwurf von Hilmer und Sattler. Das Konzept des Entwurfs war eine typische europäische Stadt ohne dichte Hochhausbebauung. Mit diesem Wettbewerb wollte man eine Verbindung zwischen Friedrichsstadt und dem Kulturforum schaffen. Den ersten Preis erhielten die Architekten Renzo Piano und Christoph Kohlbecker, die eher eine Hochhausstadt vorschlugen. Dieser Masterplan war grundlegend für die Rea-lisierung, die durch sechs Architekturbüros stattfinden sollte.

Darunter Lauber & Wöhr, Kollhoff, Rafael Moneo, Arata Isozaki, Richard Rogers und Renzo Piano. Der wichtigste Investor für dieses Vorhaben war Daimler Benz.15

161


15 Vgl. Haubrich Rainer:Der Masterplan hält alles zusammen,(2008),https:// www.welt.de/regionales/berlin/ article2517831/Der-Masterplanhaelt-alles-zusammen.html,12. Jänner.2017. o.A.: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen,(o.J), http://www. stadtentwicklung.berlin.de/ planen/staedtebau-projekte/ leipziger_platz/de/realisierung/ potsdamer_platz/debis/index. shtml, 12.Jänner.2017. o.A.: 1992-2000.Potsdamer Platz, (o.J.), http://www.rpbw. com/project/44/potsdamerplatz/#, 12.Jänner.2017. o.A.: Potsdamer Platz.Architektur.Atrium Tower,(o.J.),https:// potsdamerplatz.de/architektur/,12.Jänner.2017. Cobbers Arnt: Sony Center,(2015 ),https://www.berlin.de/ sehenswuerdigkeiten/35608683558930-sony-center.html, 12.Jänner.2017. o.A.: Beisheim Center ,(2016),https://de.wikipedia. org/wiki/Beisheim_ Center#cite_note-1, 12.Jänner.2017.

162

In Mitten des Masterplans gibt es als Mittelpunkt eine Piazza, den Marlene Dietrich Platz, um die sich weitere Gebäude gruppieren. Ziel war eine klare und kompakte städ-tebauliche Gestalt mit einer Gestaltung, die im Erdgeschoss eher transparent sein sollte. Die Gebäude sollten ein breites Spektrum für verschiedene Arten von Mietern erfüllen: Wohnungen, Büros, Casino, Theater, Restaurants, Büros und Einzelhandel. Durch Gehwege, Straßen, Wege, Wasser und Bäume wurden neue Orte und neue Verbindungen definiert. Renzo Piano Building Workshop entwarf acht Gebäude und die anderen Architekturbüros entwarfen insgesamt zehn. Bevor mit der Bebauung begonnen werden konnte musste ein 14-geschoßiges Hochhaus, das 1971 erbaut wurde und das als Hotel und später als Studentenwohnheim genutzt wurde, weichen. Auf der Südwestseite befindet sich ein Unterhaltungskomplex mit Theater und Casino, der so entworfen wurde um mit der Neuen Staatsbibliothek und dem Kulturforum eine Verbindung zu schaffen. Es wurde auch mit Baumethoden experimentiert. Die Fundamente für das gesamte Projekt wurden unter Wasser gebaut und für unterschiedliche Lösungen an der Fassade wurde Terrakotta verwendet. Am Eingang des neuen Stadtteils stehen zwei gewaltige Bürogebäude wie Wächter.

Der Kollhoff-Tower von Hans Kollhoff und der Forumtower von Renzo Piano. Daneben steht der Bahn-Tower, der von Helmut Jahn entworfen wurde. Neben dem BahnTower findet man das Beisheim Center, das aus fünf Gebäuden besteht und von vier Architek-ten entworfen wurde: Hilmer und Sattler, David Chipperfield, Bernd Albers und Moder-sohn & Freiesleben. Auf der Westseite des Bahn-Towers steht das Sony Center, ein Gebäudekomplex welcher von Helmut Jahn entworfen wurde. An dem Forumtower schließt das einzige erhaltene Gebäude, das Huth Haus, an. Neben diesem Gebäude befinden sich die Potsdamer Platz Arkaden. Der westlich des Tilla-Durieux-Park stehen-de Bürokomplex wurden von Richard Rogers entworfen. Weiter im Süden findet man den Atrium Tower von Renzo Piano, der einen Abschluss des Quartiers bildet.15


Der Masterplan bringt diese unterschiedlichen Projekte zu einem Ganzen zusammen und führt zu einem verdichteten Stadterlebnis. Dennoch wirken die einzelnen Quartiere ein wenig isoliert, da sie nach allen Seiten begrenzt sind. Im Norden durch den Großen Tiergarten, Im Süden durch den Landwehrkanal und im Westen durch das Kulturforum. 15 Vgl. Haubrich Rainer:Der Masterplan hält alles zusammen,(2008),https:// www.welt.de/regionales/berlin/ article2517831/Der-Masterplanhaelt-alles-zusammen.html,12. Jänner.2017.

Abb.22: Potsdamer Platz Luftbild 163


Weinhaus Huth – Umgang mit bestehenden Strukturen

16 Vgl.o.A.: Potsdamer Platz.Architektur.Atrium Tower,(o.J.),https://potsdamerplatz.de/architektur/,12. Jänner.2017. o.A.: 100 Jahre Weinhaus Huth,(o.J.)http://www.visitberlin.de/de/event/100-jahre-weinhaus-huth ,12.Jänner.2017.

Abb.23:Weinhaus Huth 164

Das Weinhaus Huth wurde 1911/12 von den Architekten Conrad Heidenreich und Paul Michel für den Weinhändler Christian Huth erbaut. Das fünf stöckige Gebäude beinhaltete eine Weinhandlung im Erdgeschoss und die dazugehörigen Veranstaltungsräume im 1. Obergeschoss. Die oberen Geschosse wurden vermietet. Durch die starken Lasten des Weinlagers, entschied man sich damals für eine StahlskelettKonstruktion. Dieser Bauweise ist es zu verdanken, dass das Gebäude den Zweiten Weltkrieg und die Teilung

Berlins nahezu unbeschadet überstanden hat. Dadurch wurde als „das letzte Haus am Potsdamer Platz“ zum Symbol für die Zerstörung und Teilung Berlins.16


16 Vgl.o.A.: Potsdamer Platz.Architektur.Atrium Tower,(o.J.),https://potsdamerplatz.de/architektur/,12. Jänner.2017. o.A.: 100 Jahre Weinhaus Huth,(o.J.)http://www.visitberlin.de/de/event/100-jahre-weinhaus-huth ,12.Jänner.2017.

Abb.24:Weinhaus Huth nach der Bauphase

Im Zuge der Neugestaltung des Potsdamer Platzes 1990 wurde das Gebäude in die Planung von Renzo Piano und Christoph Kohlbecker miteinbezogen. Ursprünglich stand das Gebäude für den Bau eines Untergeschosses, als Verbindung der Potsdamer Platz Arkaden und dem Fernbahnhof, im Weg. Dennoch wurde das Gebäude in den Masterplan integriert. Um das Haus erhalten zu können, wurde es um einige Zentimeter angehoben, das Untergeschoss darunter gebaut und danach das Gebäude an der gleichen Stelle wieder abgesetzt. Die Restaurierung des Hauses erfolgte dann von 1994-99 unter Christine Kreplin und Hubertus Duwensee und somit erstrahlte das Ge-

bäude mit der Muschelkalkfassade wieder in altem Glanz. Heute beherbergt das Gebäude das Weinund Feinkostlokal „Lutter & Wegner“ im Erdgeschoss, in den oberen Geschossen befindet sich Kunstsammlung „Daimler Contemporary“, die seit 1999 wechselnde Ausstellung zeigt. Das Gebäude liegt an der Alten Potsdamer Straße, zwischen dem Bürokomplex von Richard Rogers, den Potsdamer Platz Arkaden und dem Forum Tower. Auf der Rückseite liegt der dreiseitig umbaute Fontane Platz.16

165


Kritiken Potsdamer Platz Konsum 1995 wurde der Neubau des Potsdamer Platzes in der Kulturevent-Reihe „Schaustelle Berlin“ inszeniert sowie kommerziell vermarktet. Es war ein „Baustellen Event“ mit einer roten Info Box am Leipziger Platz. Es wurde als „Europas größte Baugrube“ mit Erlebniswert vermarktet und sorgte täglich für durchschnittlich 70.000 Besucher, darunter 40.000 Touristen. International wurde diese Neubebauung stark medial kommuniziert, was Berlin eine neue Positionierung im internationalen Städtewettbewerb verschaffte. Die internationale Architektur macht den Potsdamer Platz zum Vorzeigeplatz des weltoffenen Berlin und zu einen Schauplatz für Postmoderne Architektur. Für die baukulturellen Kritiker war das südliche Areal konform mit dem Leitbild der europäischen Stadt wohingegen das Sony Center als „amerikanische Stadt“ bezeichnet wurde. Das Gebäude ist sehr stark auf den Konsum ausgerichtet und beinhaltet ein Cine-Star Kino, das Legoland Discovery Center, Die Deutsche Kinemathek – ein Museum für Film und Fernsehen, das Filmhaus, 13 Restaurants Cafés und Bars und 6 Shoppingangebote (Sony Store 1000m²).

17 Vgl.o.A.: Potsdamer Platz in Berlin,http://www.urlaubsziele. com/magazin/artikel/377/, 12.Jänner.2017. Vgl.Reuber Paul, 2006, S 209f, 215.

166

Bestandsgebäude Der Umgang mit den baulichen Strukturen am Potsdamer Platz ist durchaus kritisch zu betrachten. Der Bestand wurde mit großem Aufwand angepasst, anstatt die neuen Strukturen an den Bestand anzupassen. Dabei wurden die alten Gebäude verdeckt, wie das Hotel Esplanade, dass sich unter der Glasfassade verbirgt und mit weiteren Geschossen überbaut wurde. Oder das Haus Huth welches sich eher versteckt im Hintergrund der neuen Gebäude befindet. Insgesamt kam man mit dem Um- und Neubau auf Kosten von rund 460 Millionen Euro. 17


167


Axel Springer Campus

Opposite the existing Axel Springer headquarters on Zimmerstrasse, a street which previously separated East and West Berlin, the building will be situated at one of the city’s most significant locations. The new office block is bisected by a diagonal atrium that opens up to the existing Springer buildings – an extension of the Springer campus. The essence of the proposal is a series of terraced floors that together form a “valley”. Each floor contains a covered part for formal work, which is then uncovered on the terraces to act as an informal stage and a place to broadcast ideas to other parts of the company. The ground floor is open to the city and contains studios, event and exhibition spaces, canteens and restaurants.18 18 Vgl.o.A.: Axel Springer Campus, (2014),http://oma.eu/ projects/axel-springer-campus, 12.Jänner.2017.

Abb.25:Axel Springer Campus Modell 168


169


Projektdaten

ArchitektIn(nen) OMA

Ort | Lage des Projektes Berlín, Germany

Planungszeit | Bauzeit 2014 - ONGOING

Typologie | Nutzung Office

Größe | Kosten 82 000m²

Ausgangslage | Aufgabenstellung Design development

Art des Auftrages -

Auftraggeber | Auftraggeber-Typus Axel Springer

Konstruktion | Bauteile -

170


Abb.26:Axel Springer Campus Plan 171


Function of the Workspace

18 Vgl.o.A.: Axel Springer Campus, (2014),http://oma.eu/ projects/axel-springer-campus, 12.Jänner.2017.

Abb.27:Function 172

The design was developed around a series of terraced floors that together form a digital valley. Each floor contains a covered part as a traditional work environment, which is then uncovered on the terraces. Halfway through the building, the valley is mirrored to generate a three dimensional canopy. The common space formed by the interconnected terraces offers an alternative to the formal office space in the solid part of the building, allowing for an unprecedented expansion of the vocabulary of workspaces: a building that can absorb all the question marks of the digital future. The public can experience the building on

three levels - ground floor lobby, meeting bridge, and roof-top bar. The meeting bridge is a viewing platform from which the visitors can witness the daily functioning of the company and how it evolves. The ground floor is open to the city and contains studios, event and exhibition spaces, canteens and restaurants. The building will be situated opposite the existing Axel Springer headquarters on Zimmerstrasse, a street which previously separated East and West Berlin, at one of the cityâ&#x20AC;&#x2DC;s most significant locations.18


Transparent Digital Valley

Encounters between workers and interaction with the public should be enhanced, as this is regarded highly beneficial for dynamic creativity. A “digital valley” will be created in the centre of the building, which is supposed to form an accessible space where the public can enter the building and join the activities taking place. The digital valley suggests the creation of a public or open space within the private corporate context of the Axel Springer headquarters. The space has two key functions: stimulating dynamic creativity and innovation and presenting

Axel Springer as a transparent company, a “true digital common”. Transparency and sharing the work that is produced within the office is central to the concept of the digital valley. When a private company delivers civic amenities, qualities generally regarded important to public spaces, such as accessibility and attractiveness to a diversity of users, become secondary to more corporate-led ambitions.18

18 Vgl.o.A.: Axel Springer Campus, (2014),http://oma.eu/ projects/axel-springer-campus, 12.Jänner.2017.

Abb.28:Modell 173


Design as Symbol

18 Vgl.o.A.: Axel Springer Campus, (2014),http://oma.eu/ projects/axel-springer-campus, 12.Jänner.2017.

Abb.29:Rendering01 174

Also, it has to be kept in mind that the design of various accesses to a building does not necessarily create a publicly accessible building, just as a glass facade in itself does not make a company transparent. These design qualities are however used as symbols. Jérôme Picard (2014) – architect at OMA involved in the Axel Springer project – explains the importance of the symbolic value as follows: “…the aspect of being inviting, being open, being communicative, in an almost symbolic sense is absolutely crucial. So…it almost sounds like the definition of a civic place, such as a museum” The emphasis on giving the building iconic value and symbolic meaning is salient. Sociologist Manuel Castells (2004) theorized that in our network society architecture is being “called to the rescue in order to recreate symbolic meaning in the metropolitan region, making places in the space of flows”. With space of flows, Castells refers to the domains which link up locations in the interactive electronic network. As electronic networks have gained prominence, architecture has to create places that matter in the geographic spaces of everyday life. The Axel Springer media campus illustrates how architecture is used as a tool – or in Koolhaas’ terms as “an instrument” – to create “cultural expression and meaningful exchange” – as theorized by Castells. This idea of architecture as an instrument reveals a functionalist approach and fits the modernist belief that architecture can bring about social transformations.18


In contrast to a modernist approach though, in which design was expected to function everywhere equally and context was thus regarded of little importance, interaction with the space surrounding the Axel Springer media centre is seen as vital to its spatial and symbolic meaning. The building should add to the diversity of activities that Berlin has to offer and interact with its environment. It is envisioned to be an outwardlooking and transversal actor; work, play, leisure and culture are all brought together in the search for dynamic creativity. Secondly, it shows, again, the need to attract people to stay in the headquarters. Digitalization has made work more footloose and therefore the workplace should offer more than “work” to draw workers in. The CEO of Axel Springer formulated the aim to “bring together independent entrepreneurs in order to create a family”. To prevent people from working at home, the company becomes family, museum, “public” space, all in one, in order to attract people to its campus. This integrated, multifunctional, crosstransversal space sounds attractive, but at the same time has to be regarded with caution as it means the blurring of boundaries between public and private space, plus the extension of the scope of Springer’s domain into ‘the open’. Allowing the public to participate in the activities going on within the media centre and to ‘inspect’ the work of the company, Axel Springer allows itself to use the input of the public and inspect their behaviour.18

18 Vgl.o.A.: Axel Springer Campus, (2014),http://oma. eu/projects/axel-springercampus, 12.Jänner.2017.

Abb.30:Innenansicht 175


Literaturnachweis Allgemeine Definition der Postmoderne 1. Roeder, Ralf: Postmoderne - ca. 1972– 1990, http://www.baukunst-nrw.de/epoche/ Postmoderne.htm, in: http://www.baukunstnrw.de/, 10. Jänner.2017 2. Borkmann, Klaus u. a.: DUDEN. Kunst. Basiswissen Schule, Mannheim 2005 Definition der Postmodernen Stadt nach „Basten Ludger“ 3. Basten, Ludger: Postmoderner Urbanismus: Gestaltung in der städtischen Peripherie. LIT Verlag Münster, Bochum 2005 „Learnig from Vegas“ 4. Dr. Reiter, Karl: Die 68er Bewegung, http://forumstadtpark.at/index.php?idcatsi de=470&mod12_1=print), in: http://forumstadtpark.at/,10.Jänner.2017 5. Wallerstein, Imanuel: Stirbt der Kapitalismus?. Fünf Szenarien für das 21. Jahrhunder, Frankfurt 2013 , S39 6. Jenckes, Charles: The Language of PostModern Architecture, London 1977 7. Müller, Michael : Learning from Las Vegas?. Anmerkungen zu einem durchaus folgerichtigen Mißverständis, Archplus, Ausgabe 33, S.4 8. Stierli, Martino: Von Las Vegas heißt Bauen lernen, FAZ, 15.01.2015, S.37 9. Veturi, Brown, Izenour: Learning from Las Vegas, 1977 10. Koolhaas, Rem: „Generic City“ and „XLArchitecture“, (o.J) 176

Die historische Entwicklung am Alexanderplatz 11. Sturm, Eric: Die historische Entwicklung des Alexanderplatzes, http://unternull.de/ geschichte/entwicklung-des-alexanderplatzes/, in: http://unternull.de/,10.Jänner.2017. 12. o.A.: Die Geschichte vom Alexanderplatz Berlin, http://hiberlincenter.com/de/alexanderplatz-berlin-geschichte/,in: http://hiberlincenter.com,10.Jänner.2017. Die historische Entwicklung am Potsdamer Platz 13. o.A.: Berlin Potsdamer Platz. Geschichte bis 1945, http://www.berlin-potsdamerplatz. de/geschichte-1945/, in: http://www.berlinpotsdamerplatz.de,11.Jänner.2017 14. o.A.: Berlin Potsdamer Platz. Geschichte 1945 bis 1990, http://www.berlin-potsdamerplatz.de/geschichte-1945-90/, in: http://www.berlin-potsdamerplatz.de/, 11.Jänner.2017 Masterplan und Gebäude am Potzdamer Platz 15. Haubrich Rainer:Der Masterplan hält alles zusammen,(2008),https://www.welt. de/regionales/berlin/article2517831/DerMasterplan-haelt-alles-zusammen.html, in: www.welt.de, 12.Jänner.2017 o.A.: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen,(o.J), http://www. stadtentwicklung.berlin.de/planen/staedtebau-projekte/leipziger_platz/de/realisierung/potsdamer_platz/debis/index.shtml, in: http://www.stadtentwicklung.berlin.de, 12.Jänner.2017


o.A.: 1992-2000.Potsdamer Platz, (o.J.), http://www.rpbw.com/project/44/potsdamer-platz/#, in: http://www.rpbw.com, 12.Jänner.2017

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o.A.: Potsdamer Platz.Architektur.Atrium Tower,(o.J.),https://potsdamerplatz.de/ architektur/, https://potsdamerplatz.de, 12.Jänner.2017

Axel Springer Campus 18. o.A.: Axel Springer Campus, (2014),http:// oma.eu/projects/axel-springer-campus,in http://oma.eu, 12.Jänner.2017

Cobbers Arnt: Sony Center,(2015 ),https://www.berlin.de/ sehenswuerdigkeiten/3560868-3558930-sony-center.html, in: https://www.berlin.de, 12.Jänner.2017 o.A.: Beisheim Center ,(2016),https:// de.wikipedia.org/wiki/Beisheim_ Center#cite_note-1, in: https://de.wikipedia. org, 12.Jänner.2017 Weinhaus Huth – Umgang mit bestehenden Strukturen 16. o.A.: Potsdamer Platz.Architektur.Atrium Tower,(o.J.),https://potsdamerplatz.de/ architektur/, https://potsdamerplatz.de, 12.Jänner.2017 o.A.: 100 Jahre Weinhaus Huth,(o.J.)http:// www.visitberlin.de/de/event/100-jahreweinhaus-huth, in: http://www.visitberlin.de ,12.Jänner.2017 Kritiken Potsdamer Platz 17. Reuber Paul:Postmoderne Freizeitstile und Freizeiträume: Neue Angebote im Tourismus, Hg. Paul Reuber, Berlin 2006, S 209f, 215

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Abbildungsnachweis

Abb.01:Piazza d’Italia https://www.travelita.ch/wp-content/uploads/2013/05/Plazza_dItalia.jpg, 10.Jänner.2017 Abb.02: Postkarte von Vegas http://www.postcardroundup.com, 10.Jänner.2017 Abb.03:The Walking City http://archigram.westminster.ac.uk,12. Jänner.2017 Abb.04:Stadt von Morgen Raimund Abraham http://raccordi.blogspot.co.at,12. Jänner.2017 Abb.05:OMA & Zenghelis contemporarycity.org,12. Jänner.2017 Abb.06:AlexanderplatzCollage http://gruss-aus-berlin.com/wp-content/uploads/2011/12/berlin-mitte-alexanderplatzzeitreise.jpg,13.Jänner.2017 Abb.07:Luftbild Alexanderplatz https://www.bing.com/maps/default.asp x?q=gvb+graz&mkt=de&FORM=HDR SC4,13.Jänner.2017 Abb.08: Alexanderplatz 1804 http://www.unternull.de/wp-content/uploads/2011/01/Alexanderplatz_1804_ausschn.jpg, 10.Jänner.2017

178

http://file1.npage.de/005384/59/bilder/1927_32_lageplan_alexanderplatz.jpg, 14. Jänner.2017 Abb.11.: Alexanderplatz 1930 https://upload.wikimedia.org/wikipedia/ commons/f/fb/Alexanderplatz_1930.jpg, 10.Jänner.2017 Abb.12: Lageplan Berolina- u. Alexanderhaus https://upload.wikimedia.org/wikipedia/ commons/thumb/4/4e/Berlin_Alexanderplatz_2012.svg/2000px-Berlin_Alexanderplatz_2012.svg.png, 14. Jänner.2017 Abb.13.: Masterplan von Hans Kollhoff/ Zimmermann http://www.stadtentwicklung.berlin.de/ planen/staedtebau-projekte/alexanderplatz/ de/planungen/wettbewerb_93/teilnehmer/, 15.Jänner.2017 Abb.14.: Modell Hans Kollhoff/Zimmermann http://www.stadtentwicklung.berlin.de/ planen/staedtebau-projekte/alexanderplatz/ de/planungen/wettbewerb_93/teilnehmer/, 15.Jänner.2017 Abb.15:Potsdamer Platz Collage http://gruss-aus-berlin.com/wp-content/ uploads/2012/11/berlin-potsdamer-platzsueden-zeitreise.jpg, 12.Jänner.2017 Abb.16.: Potsdamerplatz 1925 https://www.dhm.de/fileadmin/medien/ lemo/images/ba008757.jpg, 13.Jänner.2017

Abb.09.: Alexanderplatz um 1900 http://images.zeno.org/Ansichtskarten/I/ big/AK01139a.jpg, 14.Jänner.2017

Abb.17:Potsdamer Platz nach dem Krieg http://www.medienwerkstatt-online.de/lws_ wissen/bilder/2251-1.jpg, 12.Jänner.2017

Abb.10.: Lageplan Alexanderplatz 19271932

Abb.18:Berliner Mauer amPotsdamer Platz


https://upload.wikimedia.org/wikipedia/ commons/thumb/a/af/Berlin_Wall_Potsdamer_Platz_November_1975_looking_east. jpg/1920px-Berlin_Wall_Potsdamer_Platz_ November_1975_looking_east.jpg,13. Jänner.2017

1333-kgey/700.jpg,12.Jänner.2017

Abb.19: Masterplan von Hilmer und Sattler http://www.stadtentwicklung.berlin.de/planen/staedtebau-projekte/leipziger_platz/de/ planungen/planungsgrundl/konzept/index. shtml, 12.Jänner.2017

Abb.28:Modell https://www.welt.de/img/kultur/kunst-undarchitektur/mobile127223469/8642508157ci102l-w1024/Entwurf-neues-Axel-SpringerGebaeude-vom.jpg, 12.Jänner.2017

Abb.20: Masterplan Renzo Piano http://www.rpbw.com/project/44/potsdamer-platz/#, 12.Jänner.2017

Abb.29:Rendering01 http://abload.de/img/omamediencampusyiu5i.jpg, 12.Jänner.2017

Abb.21: Potsdamer Platz Heute https://www.bing.com/maps?q=potsdam er+platz&mkt=de&FORM=HDRSC4,12. Jänner.2017

Abb.30:Innenansicht

Abb.27:Function http://apps.o5.no.s3.amazonaws.com/oma/ www/20150803194057-1333-itbx/original. jpg, 12.Jänner.2017

Abb.22: Potsdamer Platz Luftbild Bildquelle:http://static.bz-berlin.de/ data/uploads/2014/11/cl_mauerflug05044003001_029_1415126374.jpg,12. Jänner.2017 Abb.23:Weinhaus Huth https://potsdamerplatz.de/wp-content/uploads/2016/04/M0605_00-1280x1280.jpg, 12.Jänner.2017 Abb.24:Weinhaus Huth nach der Bauphase http://www.gerhard-gerigk.de/Bilder/ Radtouren/Spree/87-Spree-Berlin.JPG, 12.Jänner.2017

Abb.25:Axel Springer Campus Modell http://abload.de/img/04-oma-axel0vuqf. jpg,12.Jänner.2017 Abb.26:Axel Springer Campus Plan http://images.oma.eu/20150803194118179

Seminar for master students at Graz University of Technology. Institute for Architecture Technology  

SCALE | Städte im Wandel der Zeit | Urbane Strategien, Bauten und Projekte in Paris und Berlin |

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