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Gemeinschaft fördern

19. Tag

ärgern. Im Brief an die Römer heißt es: »Es ist unsere Pflicht, die anderen in ihren Schwächen mitzutragen, anstatt selbstgefällig nur an uns zu denken. Jeder von uns soll seinen Mitmenschen zu Gefallen leben, natürlich in gutem Sinn und das heißt so, dass damit die Gemeinschaft gefördert wird und die Gemeinde aufgebaut wird« (Römer 15,1f; GN). Und an Titus schreibt Paulus: »Ermahne sie […], friedfertig zu sein und allen Menschen  freundlich zu begegnen« (Titus 3,2; GN). 19. Tag: In jeder Gemeinde und in jeder KleinGemeinschaft fördern  gruppe finden sich Menschen – meist mehrere –, die wir als schwierig einstufen würden. Diese Menschen haben besondere emotionale Bedürfnisse, tiefe Unsicherheiten, störende Verhaltensweisen oder geringe soziale Fertigkeiten. Es sind Menschen, die eine Extraportion Barmherzigkeit und Gnade brauchen. Gott hat diese Menschen zu unserem und zu ihrem Vorteil in unsere Mitte gestellt. Sie sind eine Herausforderung, an der wir wachsen und die Qualität unserer Gemeinschaft erkennen können. Werden wir sie als Brüder und Schwestern lieben und ihnen mit Achtung begegnen? In einer Familie kommt es nicht darauf an, wie intelligent, nett, gebildet oder schön man ist. Wir gehören zusammen, weil wir eine Familie sind. Wir verteidigen und schützen unsere Familie. Ein Mitglied der Familie mag ein wenig seltsam sein, aber es ist Teil der Familie. Oder wie die Bibel es formuliert: »In herzlicher Liebe sollt ihr miteinander verbunden sein und gegenseitige Achtung soll euer Zusammenleben bestimmen« (Römer 12,10; Hfa). Es ist eine Tatsache, dass wir alle unsere Ecken und Kanten haben. Aber Gemeinschaft fragt nicht danach, ob wir zusammenpassen. Die Grundlage für unsere Gemeinschaft ist unsere Beziehung zu Gott. Deshalb sind wir eine Familie. Ein Schlüssel zur Freundlichkeit ist zu verstehen, woher Menschen kommen. Entdecken Sie ihre Geschichte. Wenn Sie wissen, was sie durchgemacht haben, werden Sie sie auch besser verstehen. Statt daran zu denken, welchen weiten Weg sie noch vor sich haben, denken Sie daran, welchen Weg sie trotz ihrer Verletzungen schon zurückgelegt haben. Ein anderer Aspekt von Freundlichkeit ist es, die Zweifel anderer nicht herunterzuspielen. Nur weil Sie etwas nicht fürchten, ist die Furcht des anderen deshalb nicht ungerechtfertigt. Echte Gemeinschaft entsteht, wenn Menschen erfahren, dass Beziehungen sicher genug sind, um über Zweifel und Ängste zu sprechen, ohne verurteilt zu werden. 147


2. Lebensziel: Sie wurden als Teil von Gottes Familie erschaffen

Vertraulichkeit Gemeinschaft zu fördern, erfordert Vertraulichkeit. Nur in der sicheren Umgebung von Akzeptanz und Vertrautheit können sich Menschen öffnen und ihre tiefsten Verletzungen, Nöte, Fehler und Bedürfnisse offen legen. Vertraulichkeit bedeutet nicht zu  schweigen, wenn ein anderer Christ sündigt, sondern dass das, was in der Gruppe Die Gemeinschaft besprochen wird, auch um jeden Preis in innerhalb der Gemeinde der Gruppe bleibt und nicht nach außen ist wichtiger als eine getragen wird. Einzelperson.  Gott hasst Gerede, besonders, wenn es dann auch noch fromm als »Gebetsanliegen« für jemanden kaschiert wird. Gott sagt: »Ein hinterlistiger Mensch sät Zank und Streit und ein Lästermaul bringt Freunde auseinander« (Sprichwörter 16,28; Hfa). Gerede verursacht immer Verletzungen und Spaltung. Es zerstört Gemeinschaft. Gott sagt sehr deutlich, dass wir die zur Rechenschaft ziehen sollen, die unter Christen Spaltungen verursachen.26 Vielleicht reagiert jemand sauer und verlässt die Gemeinde, wenn man ihn auf dieses Verhalten anspricht, aber die Gemeinschaft innerhalb der Gemeinde ist wichtiger als die Einzelperson.

Regelmäßigkeit Gemeinschaft zu fördern, erfordert einen festen Rhythmus. Sie brauchen regelmäßigen Kontakt mit Ihrer Gruppe, um echte Gemeinschaft aufzubauen. Beziehungen brauchen Zeit. In der Bibel heißt es: »Einige haben es sich angewöhnt, den Gemeindeversammlungen fernzubleiben. Das ist nicht gut; vielmehr sollt ihr einander Mut machen (Hebräer 10,25; GN). Wir sollen es zu einer Gewohnheit machen, uns zu treffen. Eine Gewohnheit ist etwas, das man regelmäßig tut, nicht nur gelegentlich. Sie müssen Zeit mit Menschen verbringen – eine Menge Zeit –, denn die ist nötig, um tiefe Beziehungen aufzubauen. Das ist der Grund, warum die Gemeinschaft in vielen Gemeinden so oberflächlich ist: Man verbringt einfach nicht genügend Zeit miteinander, und wenn doch, verbringt man die Zeit meistens damit, einer einzigen Person zuzuhören. Gemeinschaft entsteht nicht, wenn wir zufällig Lust darauf haben, sondern aus der Überzeugung heraus, dass sie für unsere geistliche Gesundheit wichtig ist. Wenn Sie echte Gemeinschaft aufbauen wollen, 148


Gemeinschaft fördern

19. Tag

bedeutet das, dass Sie sich auch dann treffen, wenn Sie keine Lust haben – weil Sie davon überzeugt sind, dass es wichtig ist. Die ersten Christen trafen sich täglich: »Tag für Tag versammelten sie sich einmütig im Tempel und in ihren Häusern hielten sie das Mahl des Herrn und aßen gemeinsam, mit jubelnder Freude und reinem Herzen« (Apostelgeschichte 2,46; GN). Gemeinschaft erfordert einen hohen Einsatz an Zeit. Wenn Sie Mitglied einer Kleingruppe sind, möchte ich Ihnen Mut machen, miteinander einen Vertrag zu schließen, der die neun Kennzeichen biblischer Gemeinschaft einschließt: Wir werden unsere wahren Gefühle mitteilen (Authentizität), wir werden einander ermutigen (Gegenseitigkeit), wir werden einander unterstützen (Mitgefühl), wir werden einander vergeben (Barmherzigkeit), wir werden die Wahrheit in Liebe sagen (Ehrlichkeit), wir werden unsere Schwächen zugeben (Demut), wir werden unsere Unterschiede annehmen (Freundlichkeit), wir werden nicht übereinander reden (Vertraulichkeit) und wir werden den Gruppentreffen eine Priorität einräumen (Regelmäßigkeit). Wenn Sie diese Liste betrachten, werden Sie verstehen, warum echte Gemeinschaft so selten ist. Echte Gemeinschaft bedeutet, die eigene Ichbezogenheit und Unabhängigkeit aufzugeben und sich in eine gegenseitige Abhängigkeit zu begeben. Aber die Vorteile, die es mit sich bringt, wenn man auf diese Weise das Leben miteinander teilt, sind so groß, dass sie die Kosten leicht aufwiegen. Außerdem bereitet sie uns auf den Himmel vor.

Denkanstöße Ein Gedanke zum Mitnehmen: Gemeinschaft verlangt persönlichen Einsatz. Ein Vers zum Auswendiglernen: »Christus gab sein Leben für uns hin; daran haben wir erkannt, was Liebe ist. Auch wir müssen deshalb unser Leben für unsere Brüder und Schwestern einsetzen.« (1. Johannes 3,16; GN) Eine Frage zum Nachdenken: Wie kann ich dazu beitragen, die Kennzeichen echter Gemeinschaft in meiner Kleingruppe und Gemeinde zu fördern?

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20. Tag

Zerbrochene Gemeinschaft heilen

»All dies verdanken wir Gott, der durch Christus mit uns Frieden geschlossen hat. Er hat uns beauftragt diese Botschaft überall zu verkünden.« 2. Korinther 5,18; Hfa

Es lohnt sich immer, zerbrochene Beziehungen wiederherzustellen. Da es im Leben vor allem darum geht, lieben zu lernen, ist es Gott wichtig, dass wir Beziehungen wertschätzen und uns darum bemühen, sie zu erhalten, statt gleich aufzugeben, wenn Risse, Verletzungen oder Konflikte auftreten. In der Bibel können wir nachlesen, dass Gott uns den Auftrag gibt, Beziehungen wiederherzustellen.27 Aus diesem Grund geht es im Neuen Testament oft um die Frage, wie wir als Menschen miteinander auskommen können. Paulus schreibt: »Helft und ermutigt ihr euch gegenseitig? Seid ihr zu liebevollem Trost bereit? Spürt man bei euch etwas von der Gemeinschaft, die der Heilige Geist schafft? Verbindet euch herzliche und mitfühlende Liebe? […] Vollkommen aber ist meine Freude, wenn ihr die gleiche Gesinnung habt und in der Liebe miteinander verbunden seid« (Philipper 2,1–2; Hfa). Paulus weist also darauf hin, dass unsere Fähigkeit, miteinander auszukommen, auch etwas mit unserer geistlichen Reife zu tun hat.28 Da Jesus darauf Wert legt, dass Außenstehende die Mitglieder seiner Familie an ihrer Liebe zueinander erkennen,29 ist es ein schlechtes Zeugnis für Nichtchristen, wenn die Gemeinschaft zerstört ist. Aus diesem Grund war Paulus auch so entsetzt, als sich die Christen in Korinth in miteinander streitende Fraktionen spalteten und sich sogar gegenseitig vor Gericht verklagten. Er schrieb: »Ich sage dies, damit ihr euch schämt. Hat denn unter euch niemand so viel Verstand und kann einen Streit unter Brüdern und Schwestern schlichten? Müsst ihr wirklich gegeneinander prozessieren, und dazu noch vor Ungläubigen« 150


Zerbrochene Gemeinschaft heilen

20. Tag

(1. Korinther 6,5–6; GN)? Er war entsetzt, dass kein Mitglied der Gemeinde reif genug war, um den Konflikt friedlich beizulegen. Im selben Brief schrieb er: »Liebe Brüder, im Auftrag unseres Herrn Jesus Christus möchte ich euch aber bitten: Hört auf, euch zu streiten. Duldet keine Spannungen in der Gemeinde, sondern steht fest zusammen und seid einig in allem, was ihr denkt und glaubt« (1. Korinther 1,10; Hfa). Wenn Sie Gottes Segen in Ihrem Leben spüren und als Kind Gottes gelten wollen, müssen Sie lernen, Frieden zu schaffen. Jesus sagte: »Glücklich sind die, die Frieden stiften, denn Gott wird sie seine Kinder nennen« (Matthäus 5,9; Hfa). Jesus sagte nicht: »Selig sind, die den Frieden lieben.« Jeder liebt den Frieden. Er sagte auch nicht: »Selig sind die Friedlichen«, die sich durch nichts aus der Ruhe bringen lassen. Nein, er sagte bewusst: »Selig sind diejenigen, die Frieden stiften«, die sich aktiv darum bemühen, Konflikte zu lösen. Friedensstifter sind selten, da es Arbeit ist, Frieden zu stiften. Da Sie Teil der Familie Gottes sind und das zweite Lebensziel für Ihr Leben lautet, lieben zu lernen und mit anderen Menschen in Beziehung zu leben, gehört die Fähigkeit, Frieden zu stiften zu den wichtigsten Fähigkeiten, die Sie lernen können. Unglücklicherweise wurde den meisten von uns nie beigebracht, wie man das tut. Frieden zu stiften bedeutet nicht, Konflikte zu meiden. Vor einem Problem wegzulaufen, zu tun, als existiere es nicht, oder sich zu scheuen, darüber zu reden, ist in Wahrheit Feigheit. Jesus, der Friedefürst, hatte keine Angst vor Konflikten. Es gab sogar Situationen, in denen er Konflikte um der anderen willen bewusst provozierte. Manchmal ist es wichtig, Konflikte zu meiden, manchmal müssen wir sie provozieren, manchmal müssen wir sie lösen. Deshalb müssen wir den Heiligen Geist um ständige Führung bitten. Frieden zu stiften bedeutet auch nicht, immer Zugeständnisse zu machen. Immer nur nachzugeben, immer nur ausgenutzt oder überrannt zu werden, ist nicht das, was Jesus meinte. Er weigerte sich in vielen Situationen, auch nur einen Fußbreit nachzugeben, und beharrte auf seiner Position.

Wie können wir Beziehungen heilen? Als Christen ist uns von Gott der »Dienst der Versöhnung aufgetragen« (2. Korinther 5,18). Im Folgenden finden Sie sieben biblische Schritte, um Beziehungen zu heilen und Gemeinschaft wiederherzustellen: 151


2. Lebensziel: Sie wurden als Teil von Gottes Familie erschaffen

1. Sprechen Sie mit Gott, bevor Sie mit den betroffenen Personen sprechen Sprechen Sie das Problem mit Gott durch. Wenn Sie mit Gott im Gebet über ein Problem reden, statt sich zuerst mit einem Freund darüber aufzuregen, werden Sie häufig erleben, dass Gott entweder Ihr Innerstes oder die andere Person ohne Ihr Zutun verändert. Alle Ihre Beziehungen wären konfliktärmer, wenn Sie mehr  beten würden. Machen Sie es wie David mit seinen 20. Tag: Psalmen und nutzen Sie das Gebet als VenZerbrochene til nach oben. Sagen Sie Gott, was Sie frusGemeinschaft heilen  triert. Schreien Sie zu ihm. Er ist durch Ihren Ärger, Ihre Verletzungen, Ihre Unsicherheit oder andere Emotionen niemals überrascht oder aufgebracht. Sagen Sie ihm deshalb, was in Ihnen vorgeht. Die meisten Konflikte haben ihre Wurzeln in unerfüllten Bedürfnissen. Manche dieser Bedürfnisse können nur von Gott gestillt werden. Wenn Sie erwarten, dass irgendjemand – ein Freund, Ihr Ehepartner, Ihr Chef oder Ihre Familie – ein Bedürfnis erfüllen soll, das nur Gott stillen kann, dann schaffen Sie eine Situation, in der Sie nur enttäuscht werden können. Nur Gott kann alle Ihre Bedürfnisse erfüllen. Der Apostel Jakobus stellte fest, dass viele unserer Konflikte durch mangelndes Gebet verursacht werden: »Ihr wollt alles haben und werdet nichts bekommen. […] Solange ihr nicht Gott bittet, werdet ihr nichts empfangen« (Jakobus 4,2; Hfa). Statt unsere Hoffnung auf Gott zu setzen, erwarten wir von anderen Menschen, dass sie uns glücklich machen, und werden ärgerlich, wenn sie unsere Erwartungen nicht erfüllen. Gott fragt: »Warum kommt ihr nicht zuerst zu mir?« 2. Ergreifen Sie immer die Initiative Es ist egal, ob Sie den Konflikt verursacht haben oder nicht: Machen Sie den ersten Schritt. Gott erwartet das von Ihnen. Warten Sie nicht auf den anderen. Zerbrochene Beziehungen zu heilen ist so wichtig, dass es sogar Vorrang vor gemeinsamer Anbetung hat. Jesus sagte: »Wenn du während des Gottesdienstes ein Opfer bringen willst und dir fällt plötzlich ein, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, dann lass dein Opfer liegen, gehe zu deinem Bruder und versöhne dich mit ihm. Erst dann komme zurück und bringe Gott dein Opfer« (Matthäus 5,23–24; Hfa). Wenn eine Beziehung zerbrochen ist, sollten Sie so schnell wie möglich eine Friedenskonferenz planen. Schieben Sie nichts auf, suchen Sie keine 152


Zerbrochene Gemeinschaft heilen

20. Tag

Entschuldigungen, und flüchten Sie sich auch nicht in das Versprechen, den Konflikt irgendwann einmal anzugehen. Vereinbaren Sie sobald wie möglich ein persönliches Treffen. Durch eine zeitliche Verzögerung wird die Bitterkeit nur stärker und die ganze Angelegenheit schlimmer. Bei Konflikten heilt die Zeit nichts; sie lässt die Wunden nur stärker schmerzen. Schnelles Handeln reduziert auch den geistlichen Schaden. Die Bibel macht deutlich, dass sündiges Verhalten – und das beinhaltet ungelöste Konflikte – unsere Gemeinschaft mit Gott blockiert und verhindert, dass unsere Gebete beantwortet werden.30 Davon abgesehen fühlen wir uns dabei schlecht. Hiobs Freunde erinnerten ihn: »Wer sich Gott in blinder Wut entgegenstellt und in seiner Dummheit aufbegehrt, der bringt sich um« (Hiob 5,2; Hfa) und: »Du zerfleischst dich selbst in deinem Zorn« (Hiob 18,4; Hfa). Der Erfolg einer solchen Friedenskonferenz hängt oft vom richtigen Ort und der richtigen Zeit ab. Treffen Sie sich nicht, wenn einer von Ihnen müde oder in Eile ist oder Sie gestört werden könnten. Die beste Zeit ist dann, wenn Sie beide ausgeruht und konzentriert sind.

3. Versuchen Sie, die Gefühle des anderen zu verstehen Setzen Sie Ihre Ohren stärker ein als Ihren Mund. Bevor Sie versuchen, irgendein Missverständnis zu lösen, sollten Sie auf die Gefühle des anderen hören. Paulus schlägt vor: »Denkt nicht immer zuerst an euch, sondern kümmert und sorgt euch um die anderen« (Philipper 2,4; Hfa). Im Griechischen wird hier das Wort skopos verwendet, von dem sich unsere Worte »Teleskop« und »Mikroskop« ableiten. Sich um den anderen zu kümmern und zu sorgen, bedeutet also so viel, wie sich voll und ganz auf den anderen einzulassen. Konzentrieren Sie sich auf die Gefühle des anderen, nicht nur auf Fakten! Erst kommt das Mitgefühl, dann der Lösungsansatz.  Versuchen Sie nicht, Ihrem Gegenüber Gott erwartet von seine Gefühle auszureden. Hören Sie einIhnen, dass Sie den fach zu und lassen Sie den anderen seine ersten Schritt machen. Gefühle loswerden, ohne dass Sie sich  gleich verteidigen. Nicken Sie als Bestätigung, dass Sie verstehen, was er sagt, auch wenn Sie inhaltlich nicht zustimmen. Gefühle sind nicht immer logisch. Ärger lässt uns oft dumm handeln und fühlen. David gibt zu: »Als ich verbittert war und innerlich zerrissen, da hatte ich den Verstand verloren, wie ein Stück Vieh stand ich vor dir« (Psalm 73,21–22; GN). Wenn wir verletzt sind, verhalten wir uns alle »tierisch«. 153


2. Lebensziel: Sie wurden als Teil von Gottes Familie erschaffen

Im Gegensatz dazu heißt es in der Bibel: »Ein Mensch, der Einsicht hat, regt sich nicht auf, es gereicht ihm zur Ehre, bei Kränkungen Nachsicht zu üben« (Sprichwörter 19,11; GN). Geduld ist das Resultat von Weisheit, und die Weisheit erlangen wir, wenn wir uns die Perspektive des anderen anhören. Wenn ich zuhöre, vermittle ich meinem Gegenüber: »Ich schätze deine Meinung und mir ist unsere Beziehung wichtig. Du bist mir wichtig.« Das Klischee stimmt: Es interessiert die Menschen nicht, was wir wissen, solange sie nicht wissen, dass wir uns für sie interessieren. Um eine Beziehung wiederherzustellen, müssen wir »die anderen in ihren Schwächen mittragen, anstatt selbstgefällig nur an uns zu denken« (Römer 15,1; GN). Es ist ein Opfer, den Ärger des anderen zu ertragen und auszuhalten, besonders dann, wenn er unbegründet ist. Aber denken Sie daran, dass das genau das ist, was Jesus für Sie getan hat. Er hat für uns unbegründete Schmähungen ertragen: »Auch Christus hat ja nicht sich selbst zu Gefallen gelebt, sondern so wie es in der Heiligen Schrift vorhergesagt worden war: Die Schmähungen, mit denen man dich, Gott, lästert, sind auf mich gefallen« (Römer 15,3; GN).

4. Bekennen Sie Ihren Anteil am Konflikt Wenn es Ihnen wirklich wichtig ist, die Beziehung wiederherzustellen, sollten Sie damit beginnen, dass Sie Ihre Fehler und Ihre Schuld eingestehen. Jesus sagte, dass man auf diese Weise klarer sieht: »[…] zieh zuerst den Balken aus deinem Auge! Und dann wirst du klar sehen, um den Splitter aus deines Bruders Auge zu ziehen« (Matthäus 7,5; ELB). Da wir alle in gewisser Weise blind sind, ist es manchmal sinnvoll, eine dritte Person zu bitten, mit Ihnen Ihre Schuld am Konflikt durchzusprechen, bevor Sie sich mit der Person treffen, mit der Sie diesen Konflikt haben. Bitten Sie auch Gott, Ihnen zu zeigen, welche Schuld Sie an diesem Problem tragen. Fragen Sie sich, ob Sie vielleicht selbst das Problem sind. Sind Sie unrealistisch, zu empfindlich oder zu wenig empfindsam? In der Bibel steht: »Wenn wir behaupten, wir sind ohne Schuld, dann betrügen wir uns selbst und die Wahrheit ist nicht in uns« (1. Johannes 1,8; GN). Schuld zu bekennen ist ein hilfreiches Mittel auf dem Weg zu Versöhnung. Oft verursacht unser Umgang mit einem Problem noch mehr Verletzungen als der ursprüngliche Konflikt. Wenn Sie aber demütig Ihre eigenen Fehler zugeben, zerstreuen Sie damit den Ärger des anderen und nehmen ihm den Wind aus den Segeln, weil er vermutlich darauf eingestellt war, dass Sie sich verteidigen. Versuchen Sie nicht, Ihre 154


Zerbrochene Gemeinschaft heilen

20. Tag

Fehler durch Umstände zu entschuldigen oder zu erklären; stehen Sie einfach zu Ihren Fehlern und zu Ihrer Schuld am Konflikt. Akzeptieren Sie die Verantwortung für Ihre Fehler und bitten Sie um Vergebung.

5. Attackieren Sie das Problem und nicht die Person Sie können das Problem nicht lösen, wenn Sie damit beschäftigt sind, die Schuld auf andere zu schieben. Sie müssen sich entscheiden. In der Bibel steht: »Eine versöhnliche Antwort kühlt den Zorn, aber ein verletzendes Wort  heizt ihn an« (Sprichwörter 15,1; GN). Ein In einem Konflikt ist unfreundlicher Ton verhindert eher, dass die Art und Weise, Ihre Botschaft ankommt. Wählen Sie Ihre wie Sie etwas sagen, Worte also weise. Ein liebevoller Ton hat genauso wichtig wie viel mehr Macht als Sarkasmus. das, was Sie sagen.  In einem Konflikt ist die Art und Weise, wie Sie etwas sagen, genauso wichtig wie das, was Sie sagen. Wenn Sie angreifen, wird der andere sich verteidigen. Gott sagt: »Ein weiser Mensch steht in hohem Ansehen, und je besser er spricht, desto leichter überzeugt er« (Sprichwörter 16,21; GN). Nur herumzunörgeln, funktioniert nicht. Sie werden nie überzeugen, wenn Sie nur aggressiv sind. Während des Kalten Krieges einigten sich beide Seiten darauf, einige Waffen niemals einzusetzen, weil ihre Zerstörungskraft zu groß war. Heute sind biologische und chemische Waffen geächtet und Atomwaffen werden in großen Stückzahlen abgebaut. Auch Sie müssen Ihren Waffenbestand zerstören. Sie müssen aufhören, anzuklagen, zu beleidigen, zu verletzen, zu verdammen, in Schubladen zu stecken, herabzusetzen und sarkastisch zu sein. Paulus fasste diesen Rat in den Worten zusammen: »Lasst kein giftiges Wort über eure Lippen kommen. Seht lieber zu, dass ihr für die anderen, wo es nötig ist, ein gutes Wort habt, das weiterhilft und denen wohl tut, die es hören« (Epheser 4,29; GN). 6. Kooperieren Sie so weit wie möglich Paulus sagte: »So weit es möglich ist und auf euch ankommt, lebt mit allen Menschen in Frieden« (Römer 12,18; GN). Frieden hat immer einen Preis. Manchmal kostet er uns unseren Stolz, oft unsere Ichbezogenheit. Um der Gemeinschaft willen sollten Sie Ihr Möglichstes tun, um Kompromisse zu schließen, auf andere zuzugehen und ihnen zu geben, was sie brauchen.31 Genau das meint Jesus, wenn er in seiner 155


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