Page 18

felbuch, eine britische Flagge und eine Bibel, im inneren Krater bemerkt er als Erster Fumarolen und Schwefelablagerungen, und wie andere vor ihm besucht er den gefrorenen Leoparden am Leopard Point. 1938 erreicht dann das Hakenkreuz des Deutschen Reiches den ehemaligen «höchsten Punkt deutscher Erde». Zum Glück nur verstohlen, nämlich mit den Zeltwimpeln einer Expedition der Alpenvereinssektion Stuttgart. Zwei ihrer Teilnehmer steigen auf der Normalroute zum Kibogipfel, und Eugen Eisenmann und Theo Schnackig erschließen eine südliche Anstiegsroute über den Deckengletscher. Eisenmann überschreitet zudem gemeinsam mit Robert Hildebrand den Mawenzi von der Hans-Meyer-Spitze bis zur Lathamspitze. Dabei werden die Purtscheller- und die Borchersspitze zum ersten Mal bestiegen. Hildebrand besteigt später mit Konrad von Wuest Londt Peak, so dass er den Mawenzigrat nun bis auf die Pinnacles überschritten hat. Vor allem kommt damit Ordnung in das Gewirr der «Unnamed 1», «Unnamed 2» und «Twin Peaks»; der Name «Purtscheller Peak» war sogar an zwei verschiedene Bergspitzen vergeben worden. Im Einvernehmen mit dem Mountain Club of East Africa trägt nunmehr der zweithöchste Mawenzigipfel Purtschellers Namen, der nächste, Borchers Peak, wird nach einem Mäzen der Expedition benannt, der dann folgende nach Fritz Klute. Die Bergsteiger reisen weiter, zum Ruwenzorimassiv. Sie ahnen sicherlich nicht, dass dies ihre letzte Gelegenheit zu Bergfahrten in Ostafrika ist und dass sie bald einem Gebirgsjägerbataillon angehören werden. Ein verderbenbringendes Gebräu aus Demütigung und Machtrausch macht die Deutschen trunken und lässt sie zu Mördern ihrer Nachbarn werden. Es wird still im Kilimandscharogebirge. Dies ist nicht die rechte Zeit für Bergfahrten. Die Bergsteiger aus Kenia, Tanganyika und Südafrika sind zumeist an fernen Fronten. Aber eine der treibenden Kräfte hinter ihnen, Arthur Firmin, kommt 1942 zum Kibo, und es gelingt ihm sogar, die erstmals von William Tilman bemerkten Fumarolen im Krater zu fotografieren. Im folgenden Jahr erkundet dann J. H. Ash den Innenkrater – die Benennungen Ash Cone und Ash Pit erinnern daran. Inzwischen sind auch einige der afrikanischen Träger und Bergführer in Uniformen gesteckt worden: Sie kämpfen in Äthiopien gegen Italiener, in Burma gegen Japaner. Verwendung für ihre Fähigkeiten gibt es erst in den Fünfzigerjahren wieder, als eine Expedition der Universität Sheffield die geologische Struktur des Kilimandscharogebirges erforscht. Dabei unternehmen britische Wissenschaftler den ersten erfolgreichen Abstieg in den größeren der beiden Mawenzi-Barrancos – schon Eduard Oehler hatte das vergeblich versucht – und steigen, wahrscheinlich ebenfalls als Erste in dieser Richtung, durch die Western Breach zum Kraterkessel auf. 1955 wird dann im kenianischen Oloitokitok ein Outward Bound Center gegründet. (Die über die ganze Erde verbreiteten Outward-Bound-Privatschulen dienen einer naturnahen Fortbildung, die 234

Profile for AS Verlag

Kilimandscharo – Der weiße Berg Afrikas  

Als leichtester der höchsten Gipfel aller Kontinente erfreut sich der Kilimandscharo großer Beliebtheit. Der höchste Berg Afrikas zieht Berg...

Kilimandscharo – Der weiße Berg Afrikas  

Als leichtester der höchsten Gipfel aller Kontinente erfreut sich der Kilimandscharo großer Beliebtheit. Der höchste Berg Afrikas zieht Berg...

Profile for as-verlag