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OSCAR

OSCAR | arttourist.com Jazz | Neue Musik | Elektro | 2018

#Jazz | Neue Musik | Elektro arttourist.com gazette 2018

Jazz | Neue Musik | Elektronische Musik | Festivals | Contemporary | Crossover |  Clubs


17.05.2018

LESZEK MOŻDŻER, DOMINIK BUKOWSKI & ATOM STRING QUARTET 27.05.2018

CÉCILE MCLORIN SALVANT & AARON DIEHL TRIO 08.09.2018

ANDREAS SCHAERER A NOVEL OF ANOMALY 03.10.2018

MICHAEL WOLLNY TRIO SPECIAL GUEST: EMILE PARISIEN 26.10.2018

AZIZA

22.12.2018

BLICK BASSY UND VIELE ANDERE

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21.02.18 15:02


OJAZZ

uns e ive hte 20 ten n rich.

OSCAR | arttourist.com Jazz | Neue Musik | Elektro | 2018

Editorial Liebe Leserinnen und Leser,
 Freunde des Jazz und der Neuen Musik, mich hat der Jazz schon früh gepackt. Als ich darüber nachdachte, wer so die ersten Künstler waren, die mich „infiziert“ haben, waren es wohl Mitte der 70er-Jahre die Musiker des United Jazz Rock Ensemble, allen voran Wolfgang Dauner, Barbara Thompson und Charlie Mariano. Aber auch der junge Bireli Lagrene im Jazzkeller Sauschadall in Ulm, Kai Geiger wo ich zu der Zeit meinem Freund Peter ab und an hinter der Theke half, Miles Davis, Maceo Parker, Martin Kolbe & Ralf Illenberger. Mit dem erstmaligen Lauschen und Genießen von Keith Jarretts Köln Konzert in den Morgenstunden auf einer Party im Hause Richter in Ulm war aus Infektion Leidenschaft geworden, die bis heute, viele, viele Jahre, Konzerte, Festivals und musikalische Entdeckungen später, immer noch anhält. Dass meine Tochter Emma die Leidenschaft für die Trompete und mein Sohn Moritz für das Saxofon entdeckt haben, kommt nicht von ganz ungefähr, wobei weniger Vaters Musikgeschmack hier Einfluss nahm als die herausragende Arbeit von leidenschaftlichen Musiklehrern an der Musikschule und dem Ellenrieder Gymnasium Konstanz. Projekte wie der Jazzgipfel in Konstanz, einem vom Jazzclub Konstanz initiierten jährlichen Treffen aller vier Konstanzer Gymnasien und einem renommierten Jazzdozenten, die gemeinsam mit dem Dozenten üben, musizieren und das Gelernte zur Aufführung bringen, sind große Motivation für junge Musiker und ein nicht hoch genug einzuschätzender Beitrag zur musikalischen Bildung und Entwicklung von Kindern und Jugendlichen.

Oscar Peterson Trio | Wohnzimmer

Oscar Peterson und seine Liebe zum Schwarzwald Der Beginn einer langen Freundschaft Es war ein großes Abenteuer für alle Beteiligten, als

er den Sound seines Pianos bislang auf Tonkonserve

der kanadische Pianist von Weltrang 1961 erstmals

noch nicht vernommen. Ganz so, als säße er noch

Villingen besuchte. Hans-Georg Brunner-Schwer

immer am Flügel, ohne die Störgeräusche eines

(HGBS), ehemaliger Inhaber der Hifi-Dynastie

Nachtclubs, und trotzdem in denkbar intimer At-

SABA, hatte sich gerade die erste Version seines

mosphäre. Petersons Enthusiasmus besiegelte eine

Studios eingerichtet, oberhalb des Wohnzimmers

lange Freund- und Seelenverwandtschaft mit dem

der Villa, ausgestattet mit der besten Aufnahme-

Hause Brunner-Schwer. In den Folgejahren machte

technik, die damals zu haben war. Genau damit

sich der Kanadier mit wechselnden Besetzungen re-

lockte der Pianobegeisterte

gelmäßig auf den Weg in den Black Forest, um seine

den Mann aus Kanada zu sich in den Schwarzwald. spiel in Zürich überwand

Im Rahmen einer umfang-

Peterson in seiner Limou-

reichen Wiederbelebung des

sine die Berge und wurde

MPS-Katalogs unter dem Ti-

mit seinem Bassisten Ray

tel „Reforest The Legend“

Brown und Drummer Ed

hat sich Triple A, das au-

Thigpen ins Wohnzimmer

diophile

an

Steinway-Flügel

Edel:Content die ehrgeizige

geleitet, wo bereits erwar-

Aufgabe gestellt, einige span-

8

Vinyl-Label

Lauschen Sie unseren Zeilen, lehnen Sie sich entspannt zurück und tauchen Sie ein in die inspirierenden Klänge des Jazz, der Neuen Musik und der elektronischen Musik. Herzliche Grüße, Ihr

OSCAR includes articles in English on page 3, 4, 6, 12, 16, 19, 20, 25, 27, 31, 32, 33, 34

nende Sektionen auch wieder

aus Übersee entgegenfie-

als LP zugänglich zu machen.

berten. „Bis morgens um

Dabei wird das Ursprungsma-

vier lauschte ich diesen

terial nach einem aufwendigen

Klängen, die Beatles wollte

analogen Remastering-Prozess als hochwertiges 180

ich von da an nicht mehr hören!“, erzählt Matthias

Gramm Vinyl mit den Original-Artworks veröffent-

Brunner-Schwer. Der Sohn des 2004 verstorbenen

licht (s.u.). Und wer könnte den Auftakt besser ge-

HGBS bekommt bei der Erinnerung noch ein halbes

stalten als der Mann, der bei MPS unstrittiges Herz-

Jahrhundert später leuchtende Augen. Nicht min-

stück und „Ahnherr“ aller Veröffentlichungen war

der begeistert war der Pianogigant selbst, als er nach

und ist: der Kanadier Oscar Peterson.

der Session dem Mitschnitt des nächtlichen Privat-

www.edel.com

konzerts lauschte. So direkt und unverfälscht hatte

JAZZ ACROSS EUR WWW.JAZZAC

OPE

ROSSEUROPE

.COM

Kai Geiger ART CITIES IN EUROPE GmbH, geiger@artcities.com

Impressum: ART CITIES IN EUROPE GmbH | Titel: Ralf Schmidt © Steffen Thalemann, www.thalemann.com| Produktion, Gestaltung & Layout: Chris Bernert, chris@ deluxe-grafik.com | Druck: Druckhaus Waiblingen www.dhw.de | Redaktion: ART CITIES IN EUROPE GmbH, Glärnischstraße 7, D-78464 Konstanz, Tel. +49 (0)7531 9073-0, Fax +49 (0)7531 9073-5, www.arttourist.com, info@arttourist.com

von

tungsvolle Gäste dem Star

JAZZ ACROSS EUROPE The goal of this project is the creation of an international platform linking existing jazz festivals and their visitors. The project

Weitere Publikationen von arttourist.com: PABLO

#1 arttourist.com gazette Frühjahr / Sommer 2012 Gratisexemplar

EMILE

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#2 arttourist.com gazette Herbst / Winter 2012 Gratisexemplar

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#3 arttourist.com gazette Frühling / Sommer 2013 Gratisexemplar

Kunst | Kultur | Festivals | Reisen | Essen & Trinken | Shopping

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#8 arttourist.com gazette Herbst/Winter 2015

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#12 arttourist.com gazette Herbst/Winter 2017

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#5 arttourist.com gazette Frühling 2013/2014

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FESTIVALS 2018

#4 arttourist.com gazette Winter 2013/2014

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their organizers, and to widen their current appeal by developing

LES RENDEZ-VOUS DE L’ERDRE, NANTES, 30.8. – 2.9.2018

VAL

Sie werden feststellen, dass einige Redaktionsstrecken in englischer Sprache sind. Dies ist der wunderbaren Möglichkeit geschuldet, dass OSCAR den Messemappen der diesjährigen jazzahead! und deren internationalen Fachbesuchern beiliegt. Hier geht ein großer Dank an die jazzahead!, mit denen wir auch im Projekt JAZZ ACROSS EUROPE verbunden sind.

nen zu lassen.

Direkt nach einem Gast-

den

Erstmalig wird unsere JAZZ / NEUE MUSIK-Ausgabe durch den Themenkomplex ELECTRO erweitert, zu dem sich viele Jazzmusiker und zeitgenössische Musiker hingezogen fühlen, wie z. B. der Pianist Ralf Schmid mit seinem Projekt pyanook, der auch unser OSCAR mit der Assoziation OSCAR Peterson ist.

Klänge auf Bandmaschine ban-

ekanntgabe aufsbeginn: e April 2018

te

Editorial  |  3

ZAHA Kunst | Kultur

| Festivals | Reisen

| Essen & Trinken

# 14 gazette Herbst 2018

arttourist.com

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erscheint im Herbst 2018


4  |  Festivals | Stuttgart

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FESTIVALS

Anouar Brahem © Anouar Brahem

John Greaves & Vincent Courtois @ GHJFest 9 (2017)

Basel ( CH) Jazzfestival Basel 2018 12.4. – 16.5.2018

Bucharest (RO) Green Hours JAZZ Fest - X
 31.5. – 3.6.

Das Jazzfestival Basel versucht auch 2018, die träumerischen Seiten, die musikalischen Freiheiten, das Spontante, Ungeplante, Zukunftsweisende, aber auch das Traditionsorientierte zur Geltung zu bringen. Das Festival 2018 soll ein Podium sein, das Rising Stars, Entdeckungsreisen durch die junge und aktuelle Musikszene des Jazz, Ethno-Music, Soul, Crossover-Projekte und den neuen Electric Jazz ins Zentrum des Interesses stellt, das daneben aber auch Legenden des Jazz der letzten 45 Jahre und grosse Stars nach Basel bringen will. Die Weltklasse ist zu Gast in Basel mit mehr als 30 Bands und über 200 Musikern aus den USA, Afrika, Italien, Skandinavien, Polen, Deutschland, England, Belgien und dem Nahen Osten. Das Offbeat-Programm 2018 berücksichtigt folgende spannende Schwerpunkte der aktuellen Musikszene: „Orient meets Jazz“, „New Guitar Sound“, „Vocals all over the World“, „das Klavier im Jazz“, „Jazz meets Classic“ und „Swiss Innovation“. Wir feiern in Basel den UnescoJazzDay 2018 im Jazzcampus mit einem Swiss Special-Day und zum zweiten Mal führen wir zusammen mit dem Jazzcampus den JugendMusikwettbewerb der Sparten Pop&Jazz durch und wollen so die ganz jungen Musiker fördern. Offbeat versucht auch wieder, interessante Crossover-Projekte zu präsentieren, die die stilistischen Grenzen zwischen E-Musik und Jazz verwischen oder abbauen. www.offbeat-concert.ch

Established in 1994, Green Hours is renown as the oldest jazz & theatre club of Romania and organized over 7000 indoor and outdoor live events in its own location, in the center of Bucharest - 120, CaleaVictoriei - and in other venues from our country or from abroad. In its 24th year of uninterrupted activity, between May 31st and June 3rd 2018, Green Hours will proudly present the 10th - anniversary! edition of the first - and probably still the only festival organized by a club in Romania: Green Hours JAZZ Fest - X. In the well-known cultural core from downtown - in  the bohemian garden of our hub will take place, during the four days of the festival, 10 concert sessions, bringing together very important names, as well as emerging valuable musicians from the European and Romanian jazz elite.  www.greenhours.ro | www.greenjazzfest.ro

Jason Moran Copenhagen Jazz Festival 2017 © Kristoffer Juel Poulsen

Copenhagen (DK) Copenhagen Jazz Festival 6. – 15.7.2018 Copenhagen Jazz Festival gets ready for a grand celebration of its first 40 editions in 2018. 2018 marks Copenhagen Jazz Festival’s 40th edition – a citywide celebration with international headliners, strong artistic curation, a smorgasbord of free concerts throughout Copenhagen and more than 1200 concerts and events in total. FORTSETZUNG AUF SEITE 6

Incognito © Marc Albert Photography

Bonn (D) Jazzfest Bonn 2018 26.4. – 12.5.2018 Was ist Jazz? Antworten auf diese Frage erleben Sie beim 9. Jazzfest Bonn, dem „Hotspot für Jazzmusiker aller Genres“ (WDR). Zwischen dem 26. April und 12. Mai werden an zwölf Abenden weltbekannte Künstler und aufregende Neuentdeckungen in Doppelkonzerten in ausgewählten Räumen zu erleben sein. Das Programm richtet sich an neugierige Musikinteressierte und erfahrene Jazzfreunde jeder Couleur – mal mit Einflüssen aus Klassik, Rock oder Pop, mal melodiös, mal experimentell, jedoch immer „im Hier und Jetzt“. Neben bekannten Größen wie John Scofield, Michael Wollny, Nils Wülker oder Nils Landgren werden einige Entdeckungen zu erleben sein, darunter das aus Deutschland stammende Trio Saskya (Schnabel, Wulff, Haberkamp), das Eyolf Dale Quintett und der Pianist Pablo Held, der mit neuem Quartett gastiert. Zu den Konzertstätten gehören die Bundeskunsthalle, der Post Tower, das Telekom Forum, das LVR-LandesMuseum Bonn, das Opernhaus, das Beethoven- Haus Bonn oder das Haus der Geschichte. Wie im vergangenen Jahr wird es an einzelnen Abenden Einführungsveranstaltungen geben. Nähere Informationen finden Sie unter www.jazzfest-bonn.de.

Theo Bleckmann © Lynne Harty

Stuttgart (D)

Die 31. Theaterhaus Jazztage Ein Festival der BIG NAMES

20 JAHRE JAZZNOJAZZ Wir freuen uns auf vier lange und intensive Konzertnächte mit über 20 Konzerten im Herzen von Zürich.

Programmbekanntgabe und Vorverkaufsbeginn: Ende April 2018

20th ZURICH JAZZNOJAZZ FESTIVAL Gessnerallee Zürich ZKB Club im Theater der Künste

31.10.– 3.11.18 www.ticketcorner.ch

www.jazznojazz.ch

28.3. – 2.4.2018 Dieses Angebot an Jazz-Größen bekommen Sie dieses Jahr bei den Theaterhaus Jazztagen zu hören, sehen und zu erleben:

John Surman | Michel Godard | Greetje Bijma Günter Baby Sommer | Paolo Fresu | Jan Lundgren | Richard Galliano Manfred Schoof | Theo Bleckmann | Mino Cinelu | Lee Konitz | Nils Landgren Tigran Hamasyan | Renaud Garcia-Fons | Wolfgang Haffner | Heinz Sauer Jasper van`t Hof | Karl Berger | Enrico Rava | Ernst Reijseger | Hamid Drake Chico Freeman | Christy Doran | Jean-Luc Ponty | Bireli Lagrène | Kyle Eastwood Vincent Peirani | Emile Parisien | Andreas Schaerer | Reto Weber | Gregor Hübner George Schuller | Shabaka Hutchings und viele andere mehr. Zu Beginn des Festivals am 28.3.2018 wird zum ersten Mal der Landesjazzpreis Baden-Württemberg: Sonderpreis für das Lebenswerk verliehen: In diesem Jahr bekommt diesen Professor Bernd Konrad, der mit seinen künstlerischen Wegbegleitern auftreten wird. www.theaterhaus.com Ein Höhepunkt ist das extra für die Theaterhaus Jazztage zusammengestellte European New York Jazz Collective. Darüber sprachen wir mit Werner Schretzmeier und Gregor Hübner.


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Mino Cinelu © Craig Bailey

Wie entstand die Idee zum European New York Jazz Collective? Werner Schreztzmeier: Durch die langjährige Zusammenarbeit mit Gregor Hübner und die vielen Geschichten, die mir Gregor über New York und die dortige Jazzszene erzählte. Dass er zu vielen europäischen Musikern seiner Generation Kontakt hat, ist fast selbstverständlich. Ich fragte ihn, ob er sich eine Band mit diesen Kollegen vorstellen könnte. Er musste nicht lange überlegen. So entstand diese Band. Was ist Ihre Intention? Werner Schretzmeier: Die Qualität dieser Musikergeneration von Gregor, die die nächsten 20-25 Jahre bestimmen werden, soll mit diesem Projekt dokumentiert werden. Außerdem die Tatsache, dass in der Zwischenzeit viele europäische Musiker in den Staaten leben und das Musikgeschehen mit gestalten. Vor 30 Jahren war dies noch unvorstellbar.

Wie sind Sie bei der Suche nach den Musikern vorgegangen? Wer ist Teil des European New York Jazz Collective? Gregor Hübner: Als Europäer kennt man sich meistens wenn man in gewissen Szenen sich bewegt und natürlich sucht man sich Musiker mit denen man gerne spielen würde oder auch schon gespielt hat. Mit Hans Glawischnig, der auch ein Mitglied meines NY-NRG Quartet’s ist habe ich schon oft gespielt und auch aufgenommen. Gregoire und Theo kenne ich beide schon sehr lange da wir ungefähr zur selben Zeit nach New York kamen und mit Theo habe ich zum Beispiel in Uri Caine’s Ensemble beim Music Festival Bejing

Stuttgart   |  5

Gregoire Maret

Heute hat sich dies komplett geändert, die europäischen Musiker sind viel selbstbewusster geworden und haben sich in der Zwischenzeit eine gleichberechtigte Rolle erarbeitet. Das zeigt sich daran dass viele Festivals nicht mehr nur amerikanische Bands buchen sondern vielfältiger geworden sind. Erst kürzlich hatte ich ein Gespräch mit Dave Liebman auf einer längeren Autofahrt genau darüber. Er meinte der heutige Jazz wird sich weiter entwickeln in dem es sich öffnet für World Musik , der europäischen Musiktradition oder und auch neuen rhythmischen Konzepten. Genau dies passiert in New York und die Europäer sind da mit dabei.

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Gregor Hübner? Werner Schretzmeier: 1987 erhielt das „Bel Art Trio“ mit Gregor und Veit Hübner den 1. Preis als beste Band bei „Jugend jazzt Baden-Württemberg“. Grund für mich dieses jugendliche Trio zu den 3. Theaterhaus Jazztagen einzuladen. Seit dieser Zeit ist Gregor, meist mit seinem Bruder Veit, einem exzellenten Bassisten, in verschiedensten Besetzungen, fester Bestandteil des Theaterhaus-Programms. Seit 3o Jahren verfolge ich nun den künstlerischen Werdegang von Gregor und seinem Bruder. Wären Sie auch gerne nach New York gegangen? Ein nicht gelebter Traum? Was fasziniert Sie an New York? Werner Schretzmeier: New York ist eine großartige Stadt. Damit aber auch andere Städte groß und arty bleiben, werden oder bleiben werden, dürfen nicht alle Kreative nur einen Ort stark machen. Ich habe mir Stuttgart ausgesucht, viele kulturinteressierte und begeisterungsfähige Menschen begleiten unsere Arbeit im Theaterhaus und machen die Arbeit zum Erfolg. Der Traum von Leben und Arbeit lässt sich auch in Stuttgart erfüllen. Und Sie? Warum sind Sie vor Jahren nach New York gegangen? Gregor Hübner: Ich war schon immer ein Fan von New York, noch als Schüler in der 11 Klasse war ich 2 Monate in New York mit dem Vorsatz mein Englisch aufzubessern wobei ich hauptsächlich in den Jazzclubs Konzerte hörte. Später hab ich dann an der Manhattan School of Music studiert was immer mein Ziel war. Direkt nach dem Studium hat mich Richie Beirach in sein Quartet engagiert und ich hab meine Frau La Juana kenngelernt. Hat sich Ihr amerikanischer Traum realisiert? Gregor Hübner: Ich denke ja. In den letzten Jahren hab ich mit unglaublichen Musikern gespielt, über 40 CD’s unter meinem Namen und unzählige CD’s als Sideman aufgenommen und veröffentlicht Als Komponist habe ich mit vielen verschiedenen Ensembles weltweit zusammengearbeitet. New York hat eine unglaubliche Energie die ich liebe und New York ist einfach immer noch, trotz politischem Wandel und Chaos in den 24 Jahren, in denen ich dort lebe, eine Schöpfquelle für unglaubliche Musiker und Kreativität geblieben.

Lage Lund © KariAntila

Meine Musik ist sehr beeinflusst vor allem wie vorher schon erwähnt von der Energie die in New York herrscht aber natürlich auch von den verschiedenen Kulturen wie zum Beispiel der lateinamerikanischen Musik. Zum Beispiel die rhythmische Komplexität der Bata Trommeln. Diese stammen aus Cuba und werden hauptsächlich bei den Zeremonien der Santeria Religon gespielt. Diese höchst komplexe Rhythmik hat mich als Komponisten sehr geprägt.    Wie laufen die Vorbereitungen? Gregor Hübner: Die Vorbereitungen sind im vollen Gange. Wir treffen uns jetzt im Februar in New York um schon mal zu sehen wer was schreibt für diese Besetzung, und freuen uns sehr dass das Theaterhaus uns die Möglichkeit gibt an den 2 Tagen vor unserem Konzert dieses Programm zu erarbeiten.   Ist das European New York Jazz Collective ein Projekt, Formation für ein einziges Konzert in Stuttgart? Oder gibt es Pläne? Werner Schretzmeier: Das European New York Jazz Collective ist zuerst ein Projekt und wird seine Premiere bei den Theaterhaus Jazztagen 2018 haben.Die Musiker treten mit dem Willen an daraus ein bleibendes Ereignis zu machen Ich tippe: Geburtsstunde von was Großem!!! Auf was dürfen wir uns freuen? Gregor Hübner: Auf einen wunderbaren Abend mit ungewöhnlicher Besetzung, neuen Kompositionen sowie der Teilnahme an der Entstehung einer neuen Band. DAS GESPRÄCH FÜHRTE KAI GEIGER.

Werner Schretzmeier © Helmuth Scham

gespielt. Mino, Ferenc und Lage sind Musiker mit denen ich schon immer spielen wollte und die ich musikalisch sehr schätze. Es ist keine Frau dabei? Gibt es keine europäischen Musikerinnen in New York? Gregor Hübner: Dasselbe hat meine Frau bemängelt und ich habe mich auch darum bemüht nur war ich etwas eingeschränkt wegen der Vorgaben für dieses Projekt, (wenn möglich, aus unterschiedlichen europäischen Ländern stammend und in New York lebend). Am Ende wollte ich dann aber sicher gehen dass es alles Musiker sind mit denen ich solch ein Vorhaben auf musikalisch höchstem Niveau erarbeiten kann und habe denk ich die richtigen Musiker dafür gefunden. Wie beeinflusst der europäische Jazz die amerikanischen Musiker? Und wie beeinflusst New York Ihre Musik? Gregor Hübner: Die meisten von uns sind zu einer Zeit nach New York in der Jazz immer noch hauptsächlich von der amerikanischen Szene beeinflusst und bestimmt war. Das war auch in meinem Fall der Grund nach New York zu gehen. Ich wollte mich nach meinen klassischen Studien 2 Jahre intensiv mit dem amerikanischen Jazz beschäftigen.

Gregor Huebner © Holger Keifel


6  |  Festivals

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FORTSETZUNG VON SEITE 4

Every single summer since 1979 Copenhagen Jazz Festival has been taking over Copenhagen as one of Europe’s most important international music events based on eminent artistic quality and a sharp focus on new acts in both Danish and international jazz. Lasting 10 days, the festival envelops the Danish capital, offering af sumptuous musical feast to the 250,000 guests who join us year after year. Here, the audience can enjoy live jazz on the city’s streets, in its clubs, cafés and concert halls, and at open-air night venues – all in the very heart of historical Copenhagen. Copenhagen is a beloved destination for tourists – especially the culturally inclined and the jazz curious who can take full advantage of Copenhagen Jazz Festival and its wide selection of events taking place both downtown, on the picturesque city squares and in the living, breathing musical milieus of La Fontaine, The Meat Packing District, Nørrebro and more. www.jazz.dk

Gent (B) Gent Jazz Festival 28.6. – 8.7.2018

© Gent Jazz

Gent Jazz Festival is celebrating its 17th edition in 2018 and proudly looks back on its ambitious history. Started in cooperation with the prestigious Blue Note label in 2002, the festival has always strived to delight the jazz community, by offering it with what it’s expecting and surprising it with new sounds. In 2008, Gent Jazz Festival decided to fully focus on the live experience and to not be as inherently attached to one record label. It’s been further developing and enriching its programme ever since. Herbie Hancock, Norah Jones, Gil Scott-Heron, Charles Bradley, Toni Benett& Lady Gaga, B.B. King, Belgian legend Toots Thielemans and ErykahBaduh are only a few of the many names that have graced the festival’s stage.So what to expect when you enter the festival grounds? The lush abbey gardens of the 13th century Bijloke site in Ghent immerse every music lover in an enchanting setting. With a drink (served in real glass!) in your hand, you take a seat at a table next to the Garden Stage and discover promising new jazz talents. You then head on over to the Main Stage where you will not only admire major artists giving it their all, but encounter some of the future international headliners. Concerts are seated or standing, depending on the music vibe of the day. Moreover, as a festival with a sustainable vision, Gent Jazz Festival strives to be as waste-free as possible. To conclude with the Gent mayor’s own words: “Gent Jazz has been upholding Ghent’s reputation as a festival city for many years already. It is one of the reasons why the city received the prestigious “Creative City of Music” recognition from UNESCO. Gent Jazz Festival is a cocktail of everything that makes Ghent the vibrant city it is: quality, authenticity, atmosphere and openness.” www.gentjazz.com

Hilden (D) Hildener Jazztage 29.5. – 3.6.2018

Jeff Cascaro2 017 © Jim Rakete

„Unter der Tonkunst schwillt das Meer unseres Herzens auf wie unter dem Mond die Flut.“ (Jean Paul) Weite – Offenheit – im Meer der Möglichkeiten baden – das ist Jazz. Es geht darum, musikalische Grenzen auszuloten und sie manchmal zu überschreiten. Diese Philosophie zelebrieren die Hildener Jazztage seit mehr als 20 Jahren auf höchstem Niveau. Das Erfolgsrezept von Peter Baumgärtner und Uwe Muth: Hochtalentierte Newcomer, routinierte Meister ihres Fachs und internationale Stars auf die Bühne zu bitten, um dem Publikum ein breites Spektrum unterschiedlichster Klangwelten zu eröffnen. „Der Ozean der Musik ist riesig und die stilistische Vielfalt im Jazz nahezu unendlich“, betont Peter Baumgärtner und fügt hinzu: „Das ist auch einer der Gründe, weshalb Jazzfestivals und Jazzclubs wieder einen so enormen Zuspruch finden, und das generationenübergreifend.“ Auch für dieses Jahr versprechen die Veranstalter wieder Hörgenuss - pur. Eines der zahlreichen Highlights: Das Konzert der WDR Big Band mit der griechischen Sängerin Magda Giannikou und dem aus Kolumbien stammenden Arrangeur Juan Andrés Ospina. Erstmalig werden die Künstler unten in der Saalmitte sitzen und die Zuhörer sich um die Band versammeln – intim, ganz nah an den Musikern. Der Auftritt wird live von WDR 3 übertragen! Weitere Highlights sind u.a. die Auftritte des New Yorker Highclass Trio besetzt mit Larry Goldings, Peter Bernstein, und Bill Stewart, des Soul Jazz Sängers Jeff Cascaro (WDR Mitschnitt), des Pablo Held Trios, der großartigen Sängerin Fay Claassen mit ihrem Projekt „ Luck Child“ , dem Gitarristen und Echopreisgewinner Tobis Hoffmann mit seiner Band oder der Stepptänzerin Pia Neises mit dem Martin Sasse Trio uva. www.hildener-jazztage.de

Katowice (PL) www.jazzartfestival.eu

www.einhaldenfestival.de

© Umbria Jazz

© Jazz Middelheim

Jazz Middelheim was born in 1969, making it one of Belgium’s oldest festivals. With major names such as Charles Lloyd, John Zorn, Wayne Shorter, Ahmad Jamal, Dianne Reeves and Patti Smith, it aims to be as diverse as possible, welcoming all genres, from vintage to experimental. Belgium’s harmonica legend, Toots Thielemans, was the festival’s proud godfather for 20 years. Every August, the green surroundings of Antwerp’s Park Den Brandt attract over 20.000 jazz aficionados looking for a place to escape from the usual hustle and bustle. Four days of music, food, drinks and togetherness that soothe the soul. www.jazzmiddelheim.be

mes on this year’s edition of the programme, which takes place in Perugia from July 13 to 22: QUINCY JONES, MASSIVE ATTACK, DAVID BYRNE, THE CHAINSMOKERS, PAT METHENY, MELODY GARDOT, CAETANO VELOSO, GILBERTO GIL, BRAD MEHLDAU, ROY HARGROVE, GREGORY PORTER, TERENCE BLANCHARD, TAKE 6, BILLY HART, JOSHUA REDMAN, VIJAY IYER, plus many, many more. The format of Umbria Jazz 18 will be that of recent years, with the Santa Giuliana Arena home to the main events, from rock to jazz. The more specialised concerts will take place at the Morlacchi Theatre, and there will also be midday concerts at the prestigious National Gallery of Umbria, which houses the city’s art and history. As always, there will also be a full programme of free outdoor concerts, with a  largely-renewed lineup of artists. And of course, there will be a marching band, who have become one of the distinguishing features of the Festival.  And finally, for those who wish to combine fine food and wine with great music, there will be jazz lunches, musical aperitifs and open-air restaurants at the Arena. www.umbriajazz.com

RDVdelErdre-2017 © Michael-Parque

Nantes (F) 32. The Rendez-vous de l’Erdre JAZZ AND YACHTING HERITAGE FESTIVAL 27.8. – 2.9.2018

The Rendez-vous de l’Erdre festival is one of the most atypical encounters between all different Jazz styles, and one of the most important meetings of heritage agship boats. The festival welcomes over 150,000 visitors and takes place on the banks of the Erdre river.
About the musical programming: JAZZ but... ALL that JAZZ: from blues to electro jazz, swing and contemporary. Well renowned international artists but also emerging musicians, many local ones from the region! Crowded concerts on the nautical scene but also intimate concerts in unusual places! Boats that have an exceptional due to their elegant appearance, their precious materials and their long history in association with the Erdre...
A festive atmosphere, friendly, conducive to the discoveryof new music, walking and meets-up with old friends. Not to mention oysters and Muscadet on sunny wharves! The Rendez-vous de l’Erdre festival it’s:
1 week of festival outdoor on the banks of a river, 10 towns engaged around Nantes, 15 stages, 350 artists and more than 100 concerts,200 traditional yachting boats, more Than 150 000 visitors. Some of 2018’s programming :BireliLagrene + Multiquarium Big Band «Remember JacoPastorius», Jimmy Burns Blues Band, ThorbjornRisager& the Black Tornado, Foenix Big Band invite Andreas Schaerercréation, Ping Machine, PierrickPedron quartet, MusicaNuda, François Corneloup Revolution création, Michel Benita Ethics, Orchestre National de Jazz dir. Olivier Benoit... www.rendezvouserdre.com

Perugia (I) UMBRIA JAZZ 18 13. – 22.7.2018

15. Einhaldenfestival 26. – 29.7.2018 Donnerstag 26.7.2018, 19:30 Uhr Paula Morelenbaum – Joo Kraus – Ralf Schmid bossarenova trio featuring Marcio Tubino, percussion

Middelheim (B) Jazz Middelheim 9. – 22.8.2018

Umbria Jazz has become a point of reference in the world of music and music festivals. It is also widely held to be Italy’s finest music festival and one of the best internationally. Since the festival first began in 1973 a great deal has changed, but not its spirit and identity which, combined with the quality of its programmes, are behind its success. Proof of this can be had by looking at the na-

©Matthias Heschl

Saalfelden (A) 39. Internationales Jazzfestival Saalfelden 23. – 26.8.2018 40 Konzerte – 8 Spielstätten – 4 Tage Wer denkt, Jazz ließe sich nur in einem extrovertierten Künstlerviertel einer amerikanischen Großstadt authentisch präsentieren, der irrt. Seit fast 40 Jahren zieht das Jazzfestival Saalfelden mit einer einzigartigen Kombination aus experimenteller Musik und einer landschaftlich atemberaubenden Gegend Anhänger der Jazzmusik aus der ganzen Welt in die Kleinstadt am Steinernen Meer. Das Festival hat sich einen hervorragenden Ruf für zeitgenössischen und experimentellen Jazz erarbeitet und zählt zu den bedeutendsten seiner Art in ganz Europa. Insbesondere deshalb, da hier seit Anbeginn der Begriff „Jazz“ immer sehr offen interpretiert wurde. Programm-Highlights 2018: Ulrich Drechsler „Liminal Zone“, Marc Ribot „Songs of Resistence“, King Shabaka feat. Shake Stew www.jazzsaalfelden.com

San Sebastian (E) 53rd Heineken Jazzaldia 25. – 29.7.2018

Gregory Porter, Cécile McLorinSalvant, Carla Bley, Dave Holland, Michel Portal and Zakir Hussain to perform at the 53 Heineken Jazzaldia It seems like only yesterday we closed the doors of an exceptionally magnificent 52nd Heineken Jazzaldia, and yet here we are already announcing our first names for the 53rd edition, to run from 25th to 29th July 2018. Let’s start with the voices: last year’s huge sensation, Gregory Porter, who’ll bring his new project with the songs of Nat “King” Cole accompanied by a symphony orchestra; and two major new FORTSETZUNG AUF SEITE 12


OSCAR | arttourist.com Jazz | Neue Musik | Elektro | 2018

Köln  |  7

PROGRAMM Samstag 8.9.2018 | 20 Uhr

thony Jackson (E-Kontrabassgitarre) und der Brite Simon Philips (Drums) mit.

A NOVEL OF ANOMALY

Andreas Schaerer voc, Luciano Biondini acc, Kalle Kalima git, Lucas Niggli dr, perc Vorverkaufsbeginn: Montag 14.5.2018 / EUR 27 Mittwoch 3.10.2018 | 20 Uhr Tag der Deutschen Einheit

MICHAEL WOLLNY TRIO

Michael Wollny p, Christian Weber b, Eric Schaefer dr special guest: Emile Parisien sax Vorverkaufsbeginn: Samstag 2.6.2018 / EUR 35 Freitag 12.10.2018 | 20 Uhr

DE CERCA TRÍO

Josemi Carmona git, Javier Colina b, Bandolero perc special guest:; Chano Domínguez p Vorverkaufsbeginn: Montag 14.05.2018 € 30,– Freitag 26.10.2018| 20 Uhr

AZIZA

Chris Potter sax, Dave Holland b, Lionel Loueke git, Eric Harland dr Vorverkaufsbeginn: Dienstag 26.6.2018 / EUR 35 Samstag 26.1.2019 | 20 Uhr

TERRI LYNE CARRINGTON AND SOCIAL SCIENCE

Terri Lyne Carrington dr, Matthew Stevens git, Aaron Parks keys, Débo Ray voc, Morgan Guerin multi-instr, Brian „Raydar“ Ellis dj Vorverkaufsbeginn: Mittwoch 26.9.2018 / EUR 30 Fraitag 8.3.2019 | 20 Uhr

SOLO WORLD TOUR

Hiromi p, keyb Vorverkaufsbeginn: Montag 14.5.2018 / EUR 30 Tickets: koelner-philharmonie.de Philharmonie-Hotline 0221 280 280 sowie bei allen bekannten Vorverkaufsstellen. Hiromi
© Muga Miyahara

Köln (D)

Transkulturell: Der Jazz von heute Eine Vorschau auf die Konzertsaison 2018/2019 in Sachen Jazz und improvisierte Musik in der Kölner Philharmonie Auch im Jazz spielt das Klavier eine entscheidende Rolle. Einerseits lässt sich darauf die Klangfülle eines Orchesters erzeugen, andererseits können die einzelnen Stimmen polyphon durch die achteinhalb Oktaven geführt werden. Deshalb ist das Piano das Instrument schlechthin, das auch im Jazz sowohl eine solistische Rolle als auch begleitende Funktion übernimmt. Als Michael Wollny vor 15 Jahren mit dem damals noch kollektiv geleiteten Trio [em] zum ersten Mal in der Szene in Erscheinung trat, hörte man sofort, dass hier ein Pianist mehr zu bieten hatte als nur seine spieltechnische Virtuosität zur Schau zu stellen. Virtuosität auf seinem Instrument hatte er auch, ohne Frage. Aber Wollny, 1978 im unterfränkischen Schweinfurt am Main geboren, wollte mehr: auf Augenhöhe mit seinen Mitmusikern kommunizieren und nach Wegen zur Improvisation suchen, die eben nicht jeder kennt. Sein Ziel war es, das Jazz-Piano-Trio als gleichschenkliges Dreieck

Terri Lyne Carrington © Tracy Love

mit den Eckpunkten Piano, Bass, Schlagzeug zu zeichnen, das im Akt des gemeinsamen Improvisierens von allen Partnern zugleich zum Kreiseln gebracht wird. Dieses Ziel hat Wollny, der Ende Mai 40 Jahre alt wird, erreicht. Obwohl das Trio mit dem Schweizer Christian Weber den dritten Bassisten auf dieser Position hat und der Name von dem etwas kryptischen Trio [em] in ein klassisches Michael Wollny Trio geändert wurde, so suchen die drei auch heute noch nach Herausforderungen: wenn sie Werke klassischer Komponisten in zeitgenössische Jazzmusik übersetzen oder den üblichen Rahmen der Besetzung, die längst zur musikalischen Gattung geworden ist, sprengen und den Sopransaxofonisten Emile Parisien als Gast hinzuholen, wie es am 3. Oktober in der Kölner Philharmonie der Fall sein wird. Die Eloquenz des Franzosen in der Phrasierung kommt ganz der Entdeckerlust dieses Trios um den deutschen Pianisten zugute.

Ein halbes Jahr später, am 8. März 2019, kommt Hiromi Uehara nach Köln. Ihr Auftritt in der Philharmonie wird sicherlich auch eine Art „revisited“ werden, denn dann ist es knapp zehn Jahre her, dass sich die 1979 im japanischen Hamamatsu geborene Pianistin zum ersten Mal in Köln von ihrer solistischen Seite gezeigt hatte. Die Kunst der unbegleiteten Solo-Piano-Piecen mag auf den ersten Blick seltsam für Hiromi erscheinen, denn die Pianistin ist eigentlich ein hochaufgeladenes Energiebündel, das unbedingt den musikalischen Schlagabtausch mit gleichwertigen Partnern braucht, sucht und auch findet, um ihren Jazz funkensprühend in den Äther zu jagen. Schaut man in die Liste der Musiker, mit denen sie bislang gespielt hat, so ist das keine Überraschung. Entdeckt wurde sie von ihrem eine Generation älteren Instrumentalkollegen Chick Corea, gefördert vom E-Bassisten Stanley Clarke und in ihrem aktuellen Trio wirken der Afroamerikaner An-

Andreas Schaerer © Reto Andreoli

Aber auch alleine über die 88 weißen und schwarzen Tasten gebeugt klingt Hiromi keineswegs nur introspektiv. Spieltechnisch und auch vom Repertoire her hat sie die komplette Palette von improvisierter und komponierter Klaviermusik parat. Sie kombiniert aus dem Stegreif zum Beispiel das wuchtige Oktavspiel von Stride-Pianisten wie etwa Art Tatum mit den repetitiven Patterns der Minimal Music, um mit überraschenden Kombinationen ihren eigenen Kreativkosmos zu bestücken. Dass sie dabei unglaublich viele Noten spielt, hat einen einfachen Grund: Die Materialmenge ergibt die Klangfülle, die es der zierlichen Japanerin ermöglicht, ihrer rasant brillante Solo-Klaviermusik Strukturen zu geben. Wie stilistisch vielfältig moderne Jazzmusik sein kann, aus wie vielen verschiedenen Quellen sich diese speist, auch das zeigen die Konzerte der Spielzeit 2018/19 in der Kölner Philharmonie. Vor allem ist Jazz von heute eines: transkulturell. Fast einen europäischen Folklore-Touch mit Hinwendung zur musikalischen Avantgarde hat zum Beispiel das Quartett A Novel Of Anomaly um den Berner Vokalartisten Andreas Schaerer, dessen Konzert am 8. September die neue Spielzeit für Jazz und improvisierte Musik in der Kölner Philharmonie eröffnet. Der Fokus verengt sich dann am 12. Oktober ein wenig mehr auf Spanien, wenn das De Cerca trio um den vor allem in seinem Heimatland berühmten Gitarristen Josemi Carmona mit seinem Gast, dem Pianisten Chano Domínguez, die Schnittstelle von Flamenco und US-Jazz analysiert. Stichwort USA: Das Mutterland des Jazz hat auch heutzutage noch immer eine Menge in Sachen improvisierter Musik zu bieten. Seit fünf Jahrzehnten lebt der gebürtige Brite Dave Holland in den USA, seitdem mischt er als Kontrabassist in der Jazzszene ganz vorne mit. Seine aktuelle Band Aziza ist eher ein Kollektiv mit den beiden Amerikanern Chris Potter (Saxofon) und Eric Harland (Drums) sowie dem in Westafrika geborenen, in den USA lebenden Lionel Loueke (Gitarre). Im interagierenden Zusammenspiel dieser vier Musiker verbindet sich die groovende Leidenschaft des Funk mit der packenden Sound­ästhetik des Techno und der eloquenten Phrasierungskunst des Modern Jazz aus den USA. Schon mit ihrem „Mosaic“-Projekt hat sich Terrie Lyne Carrington eines Themas angenommen, das der afroamerikanischen Schlagzeugerin seit langem sprichwörtlich auf den Nägeln gebrannt hat: die Rolle von Musikerinnen im modernen Jazz. Mit ihrer aktuellen Band Social Science, mit der sie am 26. Januar zu Gast in Köln ist, geht sie noch einen Schritt weiter: Der turbulenten politischen Situation in ihrer Heimat geschuldet richtet sie ihr Augenmerk auf die amerikanische Gesellschaft und präsentiert eine aufregende Mixtur aus Jazz, Soul, IndieRock und R&B. „Kreativität rettet Leben“, ist Carrington überzeugt: „Es ist meine Aufgabe als Musikerin, Verantwortung zu übernehmen, um den Menschen von den Missständen in unserer Gesellschaft zu erzählen.“ VON MARTIN LAURENTIUS

Michael Wollny 
© Jörg Steinmetz


8 | Jazz-Gipfel

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Jazz-Gipfel 2018, Foto © Stefan Pontius

Jazz-Gipfel 2018, Foto © Stefan Pontius

Jazz-Gipfel 2018, Foto © Stefan Pontius

Jazz-Gipfel Konstanz

Ein Projekt des Jazzclubs Konstanz in Zusammenarbeit mit den vier Konstanzer Gymnasien. Solche Initiativen benötigt der Jazz! Jährlich im Frühjahr lädt der Jazzclub Konstanz einen bekannten Jazzmusiker nach Konstanz ein, um Schülerinnen und Schüler der Orchester und Schulbands der vier Konstanzer Gymnasien für den Jazz zu begeistern. Der Dozent musiziert, inspiriert und erarbeitet schulübergreifend Stücke mit den jungen Musikerinnen und Musikern an dessen Ende der Jazz-Gipfel, ein gemeinsames Konzert steht. Wir sprachen mit Martin Kneer und Roland Baumgärtner vom Jazzclub Konstanz. Wie entstand die Idee zum JazzGipfel? Martin Kneer: Mit der 2005 gegründeten SUjazzSO-Big-Band wollte ich gerne ein Konzert mit ähnlichen Ensembles in Konstanz veranstalten. Kontakte, die ich noch aus der Zeit als Dozent für Jazz- und Popularmusik an der Musikhochschule Trossingen hatte, erleichterten das Projekt. Zwei ehemalige Studenten, Wolfgang Feucht (Humboldt-Gymnasium) und Gotthart Hugle (Ellenrieder-Gymnasium), waren mit ihren Schulbands sofort mit dabei und schnell waren die ersten Pflöcke eingeschlagen. Die Veranstaltung sollte von Anfang an Begegnungscharakter haben. Der vierte im Bunde, Wilfried Hetz (Geschwister-Scholl-Schule) ließ sich ebenfalls nicht lange bitten, und so konnte man 2006 den ersten JazzGipfel im K9 erleben. Schon damals – allerdings noch ohne Gastmusiker – mischten wir die Bands und spielten gemeinsam. Dieses Konzept kam nicht nur beim Publikum sehr gut an, auch die Mitwirkenden waren begeistert. Dass das konkurrenzlose Miteinander von vier Konstanzer Gymnasien so freundschaftlich und so gut musikalisch funktionierte, hat wohl manchen überrascht und verlangte nach einer Neuauflage. Ab dem 2. Jazz-Gipfel holte ich den Jazzclub Konstanz mit ins Boot. Ein Schritt, der dem Konzept neue Impulse und weitere Möglichkeiten gebracht hat. Eine kleine Erfolgsgeschichte folgte. Mittlerweile ist der Jazz-Gipfel fest im jährlichen Kulturfahrplan von Konstanz verankert. Roland Baumgärtner: Im Gespräch mit Martin Kneer sind wir bei der Überlegung, wie der Jazzclub diese tolle Veranstaltung unterstützen könnte, auf die Idee gekommen, dass wir „Profis“ zur Seite stellen könnten, die sowohl als Gastsolist wie auch als Workshopleiter eigene Ideen einbringen. Was wir seit der zweiten Auflage mit wachsendem Erfolg tun. Wer das sein könnte, wird jedes Jahr mit den Musiklehrern gemeinsam festgelegt. Mal soll ein bestimmtes Instrument gefördert werden, mal das Rhythmusgefühl, mal der gesamte Klangkörper. Bei der Auswahl der Gäste greifen wir gerne auf Musiker zurück, die dem Jazzclub eh schon seit Langem verbunden sind.

Was möchten Sie mit dem JazzGipfel bewegen? Martin Kneer: Unsere jungen Musikerinnen und Musiker sollen schulübergreifend zusammengebracht werden und sich dabei an Jazz- und Improvisationsformen versuchen, die sie in ihren eigenen Bands in der Regel nicht kennenlernen. Dabei spielt der jewei-

Minuten, wobei der jeweilige „Special Guest“ bei dem ein oder anderen Stück als Solist eingebunden wird. Als Höhepunkt treten dann unter Leitung des jeweiligen Gastmusikers die sogenannten „Gipfel-Bands“ auf, die sich aus verschiedenen Schülerinnen und Schülern aller Schulen zusammensetzen. Dies erfordert schon eine früh-

Auf dem Gruppenbild sehen Sie von links: Enrikö Driller, Steffen Schorn, Martin Kneer, Jakob Glässer, Georg Herrenknecht | © Stefan Pontius

Auf ein Wort mit den MusikerlehrerInnen Der Jazz-Gipfel ist für mich… … eine Möglichkeit, interessanten Jazz-Musiker-Persönlichkeiten zu begegnen und ihre Wege der Musikvermittlung kennenzulernen. Enikö Driller, Ellenrieder-Gymnasium

… ein Erlebnis, eine Herausforderung und eine wunderbare Gelegenheit, unsere Schülerinnen und Schüler an die Grenze ihrer musikalischen Möglichkeiten gehen zu sehen. Georg Herrenknecht, Geschwister-Scholl Gymnasium

Der Jazz-Gipfel ist für unsere Schülerinnen und Schüler ... … eine schöne Gelegenheit, die Big Bands der anderen Schulen zu erleben und gemeinsam zu musizieren. Einen besonderen Anreiz stellt die Zusammenarbeit mit Profi-Jazzern dar, die ihre eigenen Stücke mitbringen und diese mit den SchülerInnen erarbeiten und ihnen damit neue Zugänge zum Jazz und zum gemeinsamen Musizieren und Improvisieren eröffnen. Enikö Driller, Ellenrieder-Gymnasium

… in vielerlei Hinsicht eine der wertvollsten Veranstaltungen in ihrem musikalischen Werdegang. Georg Herrenknecht, Geschwister-Scholl Gymnasium

Martin Kneer, Foto © Stefan Pontius

Roland Baumgärtner © privat

lige „Special Guest“ eine entscheidende Rolle: Er bringt Musik ein, die von ihm selbst geschrieben oder arrangiert wurde. Mit einem renommierten Jazzmusiker zu proben und gemeinsam zu spielen vermittelt den Mitwirkenden immer ein hohes Maß an Authentizität und Professionalität. Ein weiterer Aspekt sind die vielen Kontakte, die sich unter den Jugendlichen ergeben. Man tauscht sich aus, findet sich zu neuen Jazz-Formationen zusammen und fördert damit eine junge „Jazz-Szene“ in Konstanz. Roland Baumgärtner: Die Jazzszene „vergreist“, hören wir allenthalben und stellen das beim Blick auf unsere Mitglieder selbst fest. Trotzdem ist es erstaunlich, dass unzählige junge Leute Jazzmusiker sind oder werden wollen. Das möchten wir fördern und natürlich gerne auch aufs Publikum übertragen. Junges Publikum für Jazz gewinnen und begeistern, jungen Musikern erste Auftrittsmöglichkeiten zu verschaffen, den Hörerkreis erweitern, so was steckt natürlich auch dahinter. Wie muss man sich den Jazz-Gipfel vorstellen? Wie funktioniert es? Martin Kneer: Beim Jazz-Gipfel treffen sich unterschiedliche Jazz-Formationen aller Konstanzer Gymnasien. Dabei gestaltet jede Schule bei den beiden Abendkonzerten und einer Matinee ein eigenes Set von etwa 20

zeitige Planung und den ständigen Austausch mit dem Gastmusiker: Die Besetzungen müssen festgelegt und geeignete Stücke ausgewählt werden, hinzu kommen Vorproben und ein erster Workshop mit dem Gastmusiker einige Wochen vor dem eigentlichen Jazz-Gipfel. Roland Baumgärtner: Für uns ist es relativ einfach: Die Arbeit machen die anderen. Wenn Termine und Gastmusiker bestimmt sind, dann sind die Musiklehrer mit ihren Bands dran. Neben dem laufenden Programm gilt es dann, ab einem möglichst nicht zu späten Zeitpunkt die Musik des Gastes zu bearbeiten und den ersten Workshop vorzubereiten. Der Jazzclub und das Kulturamt unterstützen so gut es geht bei allen anderen organisatorischen Aufgaben. Und wir schauen, dass hinterher noch Geld in der Kasse ist, um die Bands auch finanziell etwas zu unterstützen. Eine Freude ist es auch, die Entwicklung der jeweiligen Bands zu beobachten. Die Musiklehrer müssen ja jedes Jahr neue Musiker gewinnen und einbinden. Schwups sind die Abiturienten wieder weg und es geht von vorne los. Aber der Nachwuchs kommt und kommt und kommt, herrlich und bewundernswert. www.jazzclub-konstanz.de DAS GESPRÄCH FÜHRTE KAI GEIGER.

… eine Veranstaltung, bei der man sich immer wieder neuen musikalischen Herausforderungen stellen muss.

... mittlerweile ein wichtiger Fixpunkt innerhalb ihrer vielen musikalischen Aktivitäten.

Martin Kneer,

Martin Kneer,

Heinrich Suso-Gymnasium

Heinrich Suso-Gymnasium

... jedes Jahr viel Arbeit auf dem steilen Weg nach oben, aber man wird grandios belohnt! Jakob Glässer, Alexander-von-Humboldt-Gymnasium Konstanz

... ein Highlight, eine riesen Motivation, ein spannender Einblick in die Bandarbeit an anderen Schulen, eine tolle Bühne. 
 Jakob Glässer, Alexander-von-Humboldt-Gymnasium Konstanz

Jazzclub Konstanz

Der JAZZCLUB KONSTANZ wagt den „Blick über den Tellerrand“ und präsentiert das ganze Spektrum experimenteller und improvisierter Musik – auch anderer Genres neben Jazz. Musik an der Grenze steht auf dem Programm – Jazz als eine Art „Zukunftsmusik“! Höhepunkt im Konzertprogramm ist, neben den monatlichen Konzerten oder NewComerNights und dem Jazz-Gipfel mit verschiedensten Konstanzer Schülerbands, das mehrtägige Festival „Konstanzer Jazzherbst“ (2.-6.10.2018). Dieses Jahr blickt der Club auf sein 40jähriges Bestehen zurück. Mit vielfältigen Konzerten, an verschiedensten Orten und vielen Mitwirkenden wird dieses Jubiläum entsprechend gefeiert (29.11.3.12.2018). Uwe Ladwig „Geschichte des JAZZ in Konstanz“ (1. Auflage 2017) 181 Seiten, 98 Bilder, Diskografie, detailliertes Stichwort- und Namensverzeichnis mit über 2.000 Indexeinträgen, Verlag Stadler, Konstanz, EUR 25 ISBN 978-3-7977-0738-3


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Jazz-Gipfel | jazzahead!  |  9

Das jazzahead! Festival feiert seinen Auftakt am 6. April im Theater Bremen u.a. mit der Warsaw Village Band © Warsaw Village Band

Bremen (D)

JAZZSTARS UND ÜBERRASCHENDES POLEN Steffen Schorn, Foto © Roger Hanschel

Steffen Schorn

Das jazzahead! Festival findet vom 6. bis 22. April in Bremen statt. Diesjähriges Partnerland ist Polen, und Bremen lässt zwei Wochen die polnische Kulturszene und internationale Jazzwelt in der Hansestadt hochleben.

Workshopleiter Jazz-Gipfel 2018 Wie haben Sie die Arbeit mit den Schülerinnen und Schülern beim diesjährigen JazzGipfel erlebt? Steffen Schorn: Die Arbeit mit den Schülerinnen und Schülern war für mich sehr spannend, inspirierend und hat grossen Spass gemacht. Das Niveau war insgesamt erstaunlich und erfreulich, das Dozententeam war sehr kooperativ und hat sich top auf das Projekt vorbereitet. Wie haben Sie sich auf Ihre Aufgabe als Dozent es diesjährigen Jazz-Gipfels vorbereitet? Steffen Schorn: Ich habe verschiedene Stücke aus meinem Repertoire ausgesucht, die möglichst ein breites Spektrum abdecken – Kompositionen und Arrangements für Combo, Big Band und offene Besetzung – und die jeweils verschiedene Schwerpunkte setzen: Bei den Big-Band-Stücken geht es vorrangig um Ensemblespiel, Phrasierung, Intonation, Blending (die klangliche Mischung und Verschmelzung der einzelnen Stimmen) und solistische Beiträge. Bei den Combo-Stücken waren anspruchsvolle ungerade Taktarten dabei, die von den Schülern begeistert und messerscharf erarbeitet und dargeboten wurden, und bei den Stücken mit offener Besetzung und Form ging es mir darum, auch den Jüngeren und Jüngsten zu vermitteln, dass Improvisation im Grunde ganz leicht ist: Man kann ausgehend von einfachem Tonmaterial mit und ohne Noten sofort und ohne Berührungsängste loslegen, Spaß haben und erstaunliche Ergebnisse erzielen! Wie wichtig sind solche Angebote für den Jazz? Steffen Schorn: Dies kann man nicht hoch genug einschätzen. Ich wäre froh, hätte es so etwas zu meiner Schulzeit gegeben: Nicht nur, dass alle beteiligten Schulen über tolle, bestens ausgebildete und hoch engagierte Musiklehrer verfügen, die mehrere Jazz Ensembles bis hin zur Big Band künstlerisch und organisatorisch betreuen, sondern es findet auch eine freundschaftliche Zusammenarbeit und ein sich gegenseitig unterstützender Austausch statt. Dieser Spirit, diese geistige Haltung überträgt sich auf die Schüler. Diese Erfahrung mache ich täglich z.B. an der Hochschule für Musik in Nürnberg, wo wir u.a. mehrere Saxophon-Dozenten haben, die sehr unterschiedliche Persönlichkeiten und Herangehensweisen verkörpern, sich jedoch gegenseitig überaus schätzen und gerne und häufig miteinander musizieren. Dadurch entsteht ein Teamgeist, ein Bewusstsein für die Community, der heute mehr denn je unverzichtbar ist. Die Zeit der „Einzelkämpfer“ im Jazz ist vorbei,

Partnerland Polen im Fokus des jazzahead! Festivals und internationale Jazzwelt zu Gast in Bremen. jazzahead!

es geht darum, sich zusammenzutun, Kräfte zu bündeln, auf sich aufmerksam zu machen und gemeinsam neue Wege in einer sich schnell verändernden Kulturlandschaft zu finden. Als leuchtende Beispiele mögen die aktuellen Errungenschaften der seit einigen Jahren neu besetzten UDJ (Union Deutscher Jazz Musiker), oder auch das „Klaeng-Kollektiv“ und das „Subway Jazz Orchestra“ in Köln oder die „Metropolmusik“ in Nürnberg gelten. Doch nicht nur „für den Jazz“ sind solche Angebote von unschätzbarem Wert: Selbst wenn nur ein Bruchteil der Schülerinnen und Schüler später ihren Lebensunterhalt mit Musik verdienen werden, vermittelt diese Arbeit Werte wie Begeisterung, Flexibilität, Individualität und Teamgeist, Toleranz, gemeinsames Erleben, Improvisation, die Erfahrung, dass man durch Hingabe an eine Sache über sich hinauswachsen kann, Finden von neuen Lösungsansätzen … Wenn unsere heutige Gesellschaft eines braucht, dann das! Und haben Sie ein oder mehrere Talente entdeckt, von denen wir hören werden, wenn sie dabeibleiben? Steffen Schorn: Ja, einige: herausragend war sicherlich Laurenz Bogen, der nicht nur schon jetzt hervorragend Posaune und Klavier spielt, sondern auch eigene Stücke komponiert und ständig unterschiedliche Besetzungen zusammentrommelt und mit ihnen experimentiert. Schön und erwähnenswert ist auch, dass ein Jazz-Gipfel-Schüler der „ersten Stunde“, Frederik Mademann, der wie ich auf dem Humboldt in Konstanz war, letzte Woche seinen Abschluss bei uns in Nürnberg gemacht hat und nun wieder nach Konstanz ziehen will und vielleicht einen der kommenden Jazz-Gipfel leiten wird. www.steffenschorn.de

Polen wartet mit starkem und überraschendem Programm auf Schon Tradition hat die jazzahead! Festivaleröffnung im Theater Bremen: Am 6. April 2018 läuten hier drei polnische Acts zwei Wochen polnische Kultur in Bremen ein: Mit der Warsaw Village Band kommt eines der erfolgreichsten Ensembles Osteuropas nach Bremen. Das Duo Masecki/Rogiewicz bringt sein RagtimeProjekt mit und auch Polens Improtheater-Pioniere Klancyk halten einige Überraschungen bereit. Ein besonderes Stück Kultur aus Polen wird dieses Jahr vielen Bremern direkt auffallen: Die sechs mal drei Meter große Lichtinstallation „Terminal“ der Künstlerin Karolina Halatek steht vom 6. bis 22. April vor der Kunsthalle Bremen.

40 der aktuell spannendsten internationalen Acts sind vom 19. bis 22. April 2018 auf den drei Bühnen in Halle7 und dem Kulturzentrum Schlachthof zu sehen. Die Showcases beginnen traditionell mit der Nacht des Partnerlandes: Acht Bands zeigen am 19. April bei der Polish Night international bekannte Jazzgrößen sowie Vertreter der jüngsten Generation der polnischen Szene. Im European Jazz Meeting stehen am Nachmittag und Abend des 20. April 16 Bands aus elf europäischen Ländern auf dem Programm. Am Samstagnachmittag, 21. April, zeigen acht Bands aus Deutschland in der German Jazz Expo einen beeindruckenden Mix mit großer stilistischer Bandbreite. Den Abschluss bilden acht Bands von außerhalb Europas in der Overseas Night am Abend des 21. April.

Literatur ist während der zwei Festivalwochen neben der Musik ein weiterer Schwerpunkt: Die „Nacht der polnischen Literatur“ am 11. April ist eine Vier-Sterne-Konstellation und mit Olga Tokarczuk, Sylwia Chutnik, Jacek Dehnel und Dariusz Muszer hochkarätig besetzt.   Erstmals nimmt die jazzahead! in der Mitte des Festivals die Kulturszene des Partnerlandes unter die Lupe: mit Experten aus den Bereichen Literatur, Theater, Kunst und Publizistik wird zum Halbzeitgespräch am 12. April in der Bremischen Bürgerschaft diskutiert. „Über Polen wird derzeit viel berichtet. Es war und ist uns wichtig, jenseits von Klischees zu informieren, Kultur aus unserem Nachbarland zu präsentieren und das Publikum neugierig zu machen“, so Sybille Kornitschky, Projektleiterin der jazzahead!, auf der Pressekonferenz in Bremen.

DAS GESPRÄCH FÜHRTE KAI GEIGER.

Das glamouröse Highlight am Ende des Partnerlandprogramms ist das Galakonzert in der Glocke mit Anna Maria Jopek, Leszek Możdżer und dem Maciej Obara Quartet. Ausstellungen, zum Beispiel polnische Gegenwartskunst im Museum Weserburg, gehören ebenso zum Programm wie weitere Konzerte, u.a. mit Werken des Polish Radio Experimental Studio, Filme und Performances. An der Realisierung des Programms sind zahlreiche Kooperationspartner aus der Hansestadt beteiligt. 

Showcase-Festival Jazz-Gipfel 2018, Foto © Stefan Pontius

geläutet. Die Showcase-Konzerte bleiben weiterhin nicht nur den internationalen Messebesuchern zugänglich, sondern auch dem breiten Publikum.

Wenn die jazzahead! Fachmesse beginnt, dann wird auch das finale Festivalwochenende ein-

Die jazzahead! clubnight verwandelt am 21. April 30 Spielstätten in Bremen in Jazzclubs © Nikolai Wolff / Messe Bremen

jazzahead! clubnight 2018: 1 Nacht – 1 Ticket – 30 Clubs Zum achten Mal findet die jazzahead! clubnight statt und verwandelt am 21. April insgesamt 30 Spielstätten der Hansestadt in Jazz-Clubs. Von 14 Uhr bis in die Nacht können Besucher mit nur einem Ticket alle teilnehmenden Spielstätten besuchen und sich damit auf eine Reise durch Bremens Clubs, Kneipen, Kirchen oder Museen begeben. Und so verschiedenartig wie die Spielstätten ist auch das Programm. Zum ersten Mal gibt es bereits ab nachmittags eine Open-Air-Bühne auf Rädern, die an drei Plätzen der Stadt Halt macht. Die Tickets kosten 25 Euro (20 Euro ermäßigt) und beinhalten die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs im gesamten BSAG- und VBNGebiet. So kommen Jazz-Liebhaber nicht nur hin zur clubnight nach Bremen, sondern auch von Club zu Club.  6. – 22.4.2018 Festival
 19. – 22.4.2018 Showcase
 www.jazzahead.de


10 | Stuttgart

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Stuttgart (D)

25 Jahre jazzopen stuttgart Schlossplatz

Spardawelt Eventcenter

Altes Schloss

BIX Jazzclub


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Stuttgart  | 11

Über 50 Acts in elf Tagen auf sieben Bühnen mit ca. 40.000 Besuchern vom 12. – 22.7.2018 Neu: „Open Stage“ im Stadtmuseum Stuttgart Die jazzopen sind in zwei Jahrzehnten eines der wichtigsten und attraktivsten Festivals Deutschlands geworden und stehen in Europa als Marke mit Strahlkraft gleichberechtigt neben anderen großen Jazzfestivals wie Montreux oder Rotterdam. 2018 feiert das Festival 25-jähriges Jubiläum und präsentiert vom 12. bis 22. Juli unter dem Motto „Be Jazz be Open“ an 11 Tagen und auf sieben Bühnen zum 25. Mal Künstler internationaler Klasse der Jazz-, Blues-, Soul- und Pop-Szene und verwandelt so mit ca. 40.000 erwarteten Besuchern die Landeshauptstadt wieder in einen Hotspot für Musikfans. Das hochkarätige Line-Up sowie die Festivalbühnen an den schönsten Plätzen der Stadt zeichnen dieses Festival aus. Die jazzopen sind nicht nur generationsüberschreitend sondern setzen bei stilvoller Atmosphäre musikalische Grenzen außer Kraft. www.jazzopen.com Anlässlich des Jubiläums sprachen wir mit Jürgen Schlensog, Partner und Geschäftsführer Opus GmbH & Opus Arts & Entertainment, Promoter jazzopen. 

War es von Beginn an eine Erfolgsgeschichte oder gab es in den letzten 25 Jahren auch Momente, wo das Ende, das Scheitern näher als das weiter machen war? Jürgen Schlensog: Das Festival hielt sich von 1994 bis 2007 mit jährlich 3 – 5 Spieltagen und total 4 – 10.000 Besuchern so einigermassen über Wasser. Seit 2008 haben wir den jazzopen ein neues Gesicht gegeben, dessen Grundlage weiterhin der Jazz ist. Es hat einige Jahre gedauert, bis der Funke aufs Publikum übersprang. Gezweifelt haben wir nie. Zum Jubiläum werden wir über 40.000 zahlende Besucher haben. Wie ist Ihr Jazzbegriff und wie hat dieses sich über die Jahre und mit der Weiterentwicklung des Festivals verändert, geweitet? Jürgen Schlensog: Jazz ist mit Blues die Wurzel aller Popularmusik. Und das merkt man speziell den jungen Jazzmusikern an. Die lassen sich nicht mehr in Schubladen sperren sondern machen ihr Ding. Was dabei an musikalischem Genre entsteht, lässt sich oft kaum noch zuordnen. Aber es ist extrem spannend und öffnet dem traditionellen Jazzpublikum neue Welten. Was zeichnet die jazzopen aus? Jürgen Schlensog: Wir produzieren sehr aufwändig und mit hoher Qualität auf 5 Bühnen. Was Sponsoring angeht, haben wir unsere Hausaufgaben gemacht. Seit 2008 haben wir ohne öffentliche Gelder einen Festivaletat von derzeit rund € 4,5 Mio. p.a. auf die Beine gestellt. Programmatisch haben wir keine Berührungsängste zu Genres wie Rock, Blues oder Soul. Der Jazz spielt auch in diesen Genres seine Rolle. Über die Jahre kamen immer neue Spielstätten dazu. Haben die Künstler Sie zu Spielstätten inspiriert, oder der Ort zu Künstler*innen, die Sie unbedingt bespielen wollten? Jürgen Schlensog: Wir geben jedem Künstler die für ihn passende Bühne. Es macht bis auf wenige Ausnahmen keinen Sinn, reinen Jazz auf eine open air Bühne mit 7.000 Menschen zu stellen. Die Breite unseres Programms mit inzwischen rund 40 Zahlkonzerten braucht Bühnen unterschiedlicher Größe. Neben 25 Jahren Jazz Open feiern Sie auch 10 Jahre jazzopen playground. Was sind die playgrounds? Jürgen Schlensog: Ein Wettbewerb für junge Bands, die auf unseren großen Bühnen die jeweiligen Abende eröffnen. Wir verzeichnen hohes Interesse und haben vor, das Format auszubauen.

Für die Jury konnten Sie Prof. Mini Schulz, Professor an der Musikhochschule Stuttgart gewinnen. Wie wichtig ist dieses Schulterschluss für solch ein Format, für die jazzopen? Jürgen Schlensog: Mini Schulz ist mein Partner in Opus GmbH. Es tut gut, einen Musiker und profunden Kenner der Nachwuchsszene neben sich zu wissen. Gab es nicht Vorbehalte sich vom Mainstream vereinnahmen zu lassen? Jürgen Schlensog: Wir sind nicht vom mainstream vereinnahmt, wir nutzen diesen teilweise um das Festival auszubauen. Damit schlagen wir Brücken zwischen Jazz – Liebhabern und Musikfans anderer Stilrichtungen. Das macht für uns ein Festival aus. Unser Slogan ist nicht umsonst : be Jazz be Open. Jazz wie wir ihn verstehen grenzt nie aus. Ein Vierteljahrhundert jazzopen feiern Sie mit einem fulminanten Jubiläumsprogramm. Haben Sie alles erreicht, oder Sind noch Wünsche, Wunschacts, Träume und Ideen offen? Jürgen Schlensog: Wer keine Träume und Ideen mehr hat, bleibt besser morgens im Bett. Wir arbeiten daran, das Festival Schritt für Schritt mit eintrittsfreien Bühnen in der Stuttgarter Innenstadt weiter auszudehnen. Dabei wird auch die öffentliche Hand eine Rolle spielen müssen. Stuttgart hat weit mehr zu bieten, als Feinstaubalarm.

PROGRAMM Die Jubiläumsfeier auf der Hauptbühne am Schlossplatz steigt vom 18. bis 22. Juli. Vor der eindrucksvollen Kulisse des Stuttgarter Schlosses treten Jamiroquai (18.7.), Jamie Cullum & Joss Stone (19.7.), Kraftwerk (20.7.), Lenny Kravitz & Gary Clark Jr. (21.7.) sowie die Fantastischen Vier (22.7.) auf. Die open air-Bühne im Innenhof des Alten Schlosses zeigt erneut Preziosen der aktuellen Jazz-Szene: Gregory Porter (13.7.), Stanley Clarke Band (14.7.), Pat Metheny (16.7.) und Till Brönner (17.7.). Etliche Konzerte sind bereits ausverkauft. Weitere Spielstätten sind der Bix Jazzclub, das SpardaWelt Eventcenter und das Scala Ludwigsburg. Das komplette Programm auf allen Bühnen finden Sie unter www.jazzopen.com.


12 | Festivals

JAZZ

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FORTSETZUNG VON SEITE 6

RE JAZZNOJAZZ

Wir freuen uns auf vier lange und intensive Konzertnächte mit über 20 Konzerten im Herzen von Zürich.

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E.COM

© Poster 53rd Heineken Jazzaldia

features: one, the singer in greatest shape on today’s scene, young, different, inventive, classy, Cécile McLorinSalvant; and the other, Jacob Collier, surprising, multi-instrumentalist and astonishing vocalist. Europe will enjoy a multiple, varied and interesting representation: Michel Portal, the frontrunner of Basque jazz musicians; the new stars of French jazz, ÉmileParisien, saxophonist, Vincent Peirani, accordionist, MédéricCollignon, trumpetist and, above all, the guitar player Tom Ibarra, aged only 19 and winner of this year’s Rising Star contest; not to forget Britain’s GoGo Penguin and their new jazz trio concept. Two of the pianists dearest to us will also perform at the Heineken Jazzaldia, Iñaki Salvador, with a homage to Mikel Laboa on the 10th anniversary of his death, and Marco Mezquida from the Balearic Islands, with his fascinating recreation of Maurice Ravel’s repertoire. Two extraordinary Lebanese musicians will bring us their new projects. On the one hand, RabihAbou Khalil, who plays the oud and has an extensive and marvellous production with some of the most outstanding contemporary jazz musicians. On the other, the flute player settled in France, Naïssam Jalal, with her proposal of unique beauty and strength, as oriental as it is jazz-flavoured. Unique concerts will also come from two immensely attractive trios: one, the pianist Carla Bley, with her inseparaRICH JAZZNOJAZZ FESTIVAL ble Steve Swallow and British sax player Andy Gessnerallee Zürich Sheppard; the other, bringing a lineup of three lub im Theater der Künste monsters: Dave Holland, on the bass, Chris Potter, on the sax, and, on the percussion, master Zakir Hussain. www.heinekenjazzaldia.eus/en/

Krediteres Øystein Haara4

for practitioners that studied Jazz  at NTNU. Trondheim Jazz Festival has been a stimulating meeting place, a display venue for young musicians. The festival with its willingness to front young performers created a national arena that conveys quality jazz with other genres. Trondheim Jazz Festival has through the years grown, and today it is a national festival with 70 events. From time to time  the festival arrange Jazzfest Exclusive concerts outside the festival period and  the conference program The Jazz Summit is about to establish itself as a regular part of the festival program. www.jazzfest.no

1.10.– 3.11.18

www.ticketcorner.ch

www.jazznojazz.ch

LES RENDEZ-VOUS DE L’ERDRE, NANTES, 30.8. – 2.9.2018

Programmbekanntgabe und Vorverkaufsbeginn: Ende April 2018

Affiche Portrait

Vienne (F) Jazz à Vienne 28.6. – 13.7.2018

FESTIVALS 2018 download festival flyer at www.arttourist.com

© Südtirol Jazzfestival

Südtirol / South Tirol (I) The Südtirol Jazzfestival 29.6. – 8.7.2018 The SüdtirolJazzfestival features more than 50 concerts across 18 municipalities and focuses on specific countries which, this year, even happen to include an entire group of states, thus again configuring itself as a large shop window for innovative music, representing a highlight in the European festival landscape. This year’s slogan is ‘Exploring the North’, and the Festival will be showcasing solo artists and bands from Denmark, Sweden, Norway, Finland, Iceland, and the Baltics between 29 June and 8 July. Moreover, ensembles from France, Germany, and Italy will be joining them, together with many groups formed to create exclusive projects. The calendar featuring all bands, line-ups,

and dates can be viewed online at www. südtiroljazzfestival.com. More than 160 musicians will travel to South Tyrol this summer, and the lion’s share works and lives in Scandinavian countries. ‘We’re exploring a vast geographical area which stands out for diverse scenes across individual countries. This is why we invited a considerable number of bands,’ reports the President and Artistic Director of the SüdtirolJazzfestival, Klaus Widmann. What we can say is that the Festival will be an exciting event: the colourful troupes from northern Europe will strum independent sounds which reel in pop, rock, noise, rap, and folk just as much as electro, free jazz or experimental tunes. Once again, the Festival will explore unchartered territory. Klaus Widmann explains that, ‘we wanted to show what’s current or what’s being created in the individual Nordic countries when it comes to music.’ www.suedtiroljazzfestival.com

Trondheim (N) Trondheim Jazz Festival 8. – 13.5.2018 Trondheim Jazz Festival, Norway takes place between 8 - 13th May, and celebrates 30th anniversary with great line up: Trondheim Jazz Orchestra & Chick Corea, Gregory Porter, Bill Frisell & Thomas Morgan, Arild Andresen & The Trondheim Soloists, Kari Ikonen Trio, Raoul Björkenheim TRIAD, Solveig Slettahjell, MoE & Mette Rasmussen, Armel Dupas Trio, Hi5, Miss Tati, Daniel Humair/Vigleik Storaas/ Daniel Franck Trio, a commison works with Ståle Storløkken, Erlend Jentoft and Yodok III and much more. The driving force behind the festival has since its establishment been to front a strong artistic content focusing on the Norwegian, Nordic and European jazz. Trondheim Jazz Festival has been, through its partnership with NTNU, an important contributor to the strong music scene in Trondheim. Particularly important it has  been

The Jazz à Vienne Festival has been celebrating the world of jazz for the first fortnight in July since Jean-Paul Boutellier founded it in 1981. The festival has become an institution attracting novices and enthusiasts alike to get together and experience the magic of this musical genre. With its variety of concerts, different stages, exhibitions and art fusion encounters, the festival is eclectic and opulent. The festival is vast yet intimate in its honest celebration of jazz. Every year over 200,000 festivalgoers flock to see 1000 artists appear on 4 stages. The Roman Theatre, built in 1AD, is Jazz à Vienne’s signature stage. Its unique acoustics imbued with history create an amazing setting for audiences and the world-renowned artists performing here. The festival is a real blend of the past and present injected with honest music that is diverse and for everyone.  Jazz à Vienne means jazz from noon right through the night. 200 of the 250 concerts are free and hosted at the Cybèle stages or after the concerts at JazzMix or Club de Minuit. The schedule provides free entry to countless events: the young audience concert for 6000 local children, Académie Jazz à Vienne performances, Caravan’Jazz, RéZZo FOCAL competition, musical lectures, film screenings, concerts at the Musée de Saint-Romain-en-Gal and live music on Vienne’s café and restaurant terraces. Jazz à Vienne means jazz anytime, anywhere for anyone.  Jazz à Vienne is also all year round. The season’s schedule takes the festival throughout the region from September to June. As a cultural figure, the festival works alongside countless projects in collaboration with cultural bodies in the Auvergne-Rhône-Alpes region. www.jazzavienne.com


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Dresden  |  13

Dresden (D)

Jazztage Dresden 2018 Rund 60 Konzerte und viele weitere Veranstaltungen mit mehr als 350 Künstlern aus über 20 Nationen an 29 Tagen auf ca. 15 Bühnen. 1. – 29.11.2018 Avishai Cohen © Andreas Terlaak

Veröffentlichung „Nat King Cole And Me“ erschafft Gregory Porter zugleich zeitlose und vollkommen zeitgenössische Musik.

Die Jazztage Dresden sind ein internationales Festival, das sich vom Festival „von Musikern für Musiker gemacht“ entwickelt hat zu einem der größten Jazzfestivals Deutschlands mit internationaler Ausstrahlung.

Mit brandneuen Alben nehmen auch Rebekka Bakken und das Cristin Claas Trio ihr Publikum mit auf musikalische Entdeckungsreise. Der israelische Bassist und Sänger Avishai Cohen präsentiert sein aktuelles Album „1970“, das seine Verbindung neben dem Jazz auch zum Pop thematisiert. In poetischer Ruhe gestaltet Martin Tingvall am 22. November sein SoloKonzert am Klavier. Und am 2. November können sich die Gäste schließlich auf die nunmehr fünfte „Blues Night“ freuen. Mit dabei sind diesmal Sharrie Williams, Tad Robinson, The Wiseguys und ein weiterer Special Guest.

Im Jahre 2001 gründete das Ensemble Klazz Brothers - selbst international unterwegs und erfolgreich u.a. mit dem Programm Classic meets Cuba – unter Leitung von Kilian Forster das Festival am Dresdner Stadtrand. Aus dem ersten Jahrgang mit ca. 400 Besuchern entwickelten sich die Jazztage Dresden zu einem Festival mit einer programmatischen Vielfalt und musikalischen Qualität, die selbst internationalen Vergleichen standhält – mit über 30.000 Besuchern im Jahr 2017. Das Festivalprogramm 2018 präsentiert etliche Highlights, die Konzerte sind außergewöhnlich hochklassig besetzt und bringen eine Reihe an internationalen Größen wie Gregory Porter, Jan Garbarek, Avishai Cohen, Rebekka Bakken, Candy Dulfer, Christopher Cross und Trilok Gurtu auf die Bühnen der Jazztage Dresden.

Rebekka Bakken © Felix Broede

Hierbei bewegen sich die Jazztage Dresden im musikalisch extrem reichen Feld zwischen den beiden Polen Dixieland- und Avantgarde/Free-Jazz. Hat jeder dieser beiden Pole in Dresden eine starke eigene Tradition und entsprechende Verankerung und Zuordnung in der Stadtgesellschaft, so stärken die Jazztage Dresden, unter maßvoller Einbeziehung auch der Pole, das Bewusstsein und die Aufmerksamkeit für die Fülle die sich im Spannungsfeld dazwischen auftut.

Das Eröffnungskonzert mit Mnozil Brass sowie das Abschlusskonzert mit Klazz Brothers & Cuba Percussion finden im Kulturpalast statt. Das Erlwein Capitol als Hauptspielstätte wird an 19 Tagen bespielt, in der Staatsoperette finden drei Konzerte statt. Viele weitere Spielstätten platzieren das Festival in der ganzen Stadt. Mit einer Reihe an weiteren, hochkarätigen Gästen knüpft das diesjährige Programm an den erfolgreichen Jahrgang der Jazztage Dresden 2017 an: Mit dabei sind unter anderem das Cristin Claas Trio, Luca Stricagnoli, Martin Tingvall, Barcelona Gipsy Balkan Orchestra und Quadro Nuevo. Den Auftakt des 29-tägigen Jazzfestivals gestalten die sieben Blechbläser von Mnozil Brass. In ihrem Programm „Cirque“ loten sie am 1. November im Kulturpalast die Grenzen ihrer Instrumente aus und strapazieren mit aberwitziger Spielfreude die Lachmuskeln ihrer Zuhörer. Virtuos weiter geht es am 3. November im Erlwein Capitol mit den vier besten Akustikgitarristen Europas zur „Nacht der Gitarren“. Gemeinsam zaubern der Italiener Luca Stricagnoli, der Franzose Antoine Boyer, der Türke Cenk Erdogan und der Schweizer Samuelito ihre neuesten Kompositionen auf die Bühne. Einmalige Saxophon-Klänge entlockt Weltstar Jan Garbarek am 12. November im ErlweinCapitol seinem Instrument. Gemeinsam mit dem indischen Meister an den Trommeln, Trilok Gurtu, erkundet der Norweger beispiellose Klangwelten. Inspiriert von Jazz, Soul, Dance und R‘n‘B stellt die niederländische Saxophon-Ikone Candy Dulfer am 7. November ihr neues Album „Together“ vor. Und mit Tango-Rhythmen und lustvollen Improvisationen sendet Quadro Nuevo am 19. November in der Staatsoperette einen Hauch mediterraner Leichtigkeit in die Herzen der Zuhörer. Ein besonderes Highlight des diesjährigen Programms ist das Konzert von Gregory Porter. Mit Songs aus seinen Alben „Water“, „Be Good“, „Take Me To The Alley“ und seiner neuesten

Die programmatische Grundausrichtung des Festivals liegt im Wesentlichen darauf, den Reichtum und die Vielfalt im Genre Jazz zu erforschen, sowohl bekannteren Stilformen als auch Unbekanntem und Experimenten am Rande des Genres und im Grenzgebiet zu anderen Genres Raum zu geben und miteinander in Beziehung zu setzen.

Candy Dulfer © Carin Verbruggen

Erweitert um die direkte Interaktion und Verknüpfung unterschiedlicher Stile (innerhalb des Jazz) oder auch Genres (z.B. in Richtung Klassik oder Pop) sowie der Öffnung in Richtung anderer Künste wie Tanz, Literatur oder Schauspiel bereichern die Jazztage damit das überaus reiche kulturelle Angebot Dresdens und Sachsens um einen weiteren wichtigen und attraktiven Bereich, der sowohl regional als auch national und international konstant an Bedeutung gewinnt. Ein kleiner Auszug aus dem Line-Up der letzten Festivaljahre belegt die programmatische Bandbreite des Festivals und das künstlerische Niveau der künstlerischen Darbietungen. Chick Corea, Hiromi, Al Jarreau, Monty Alexander, Take 6, Jamie Cullum, Steve Gadd, Didier Lockwood, Ute Lemper, Marcus Miller, Mike Stern, Dave Weckl, Dominic Miller, Stacey Kent, Estas Tonnè, Stanley Clarke, Brian Auger, Max Mutzke, Paul Kuhn, Michael Wollny, Vienna Art Orchestra, George Duke, Shakatak ….

Gregory Porter © Erik Umphery

Sie alle waren bei den Jazztagen Dresden zu Gast und zeugen vom kulturellen Leben in Dresden – als Jazz-Stadt auch neben der großen klassischen Tradition. Tradition und Moderne, World und Vision spiegeln sich im Programm der Jazztage Dresden – die große reiche Welt des Jazz ist auch in Dresden zu Hause – und Dresden damit in der Welt! www.jazztage-dresden.de


14  |  Allensbach

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Sabine Schürnbrand und Willy Meyer: Charlie Mariano war einer der ersten Weltmusiker im Jazz. Er lebte u.a. lange in Indien und suchte stets die Begegnung mit Musikern aus anderen Kulturkreisen. Er würde sich sicher freuen zu sehen, wie diese musikalischen Grenzgänge in Allensbach stattfinden und weitergeführt werden. Wahrscheinlich würde er genüsslich ein paar Züge an seiner Zigarre nehmen, wie immer, wenn er besonders zufrieden war und dabei sein unvergessliches Lächeln zeigen.

Alle Fotos © Willy Meyer

Allensbach
(D)

20 Jahre Jazz am See 2018 Von Anfang an stand JAZZ am SEE für außergewöhnliche musikalische Grenzgänge, Begegnungen verschiedener Kulturen und Genres und großer Stimmen des Jazz. Ein Konzert mit der Musikerlegende Charlie Mariano war der Beginn der Reihe. Viele weitere unvergessliche Konzerte mit beeindruckenden Künstlern aus der ganzen Welt folgten.
20 Jahre JAZZ am SEE sind ein Grund zum Feiern. Dies will Allensbach am Bodensee mit musikalischen Entdeckungen und Wiederbegegnungen und einem feinen internationalen Programm. Mit Jubiläumskonzerten DUOS!, „Young & Next“ auf der Bühne am See und Jazz Surprise zur Einstimmung. Mit Jazz und mehr und einer Fotoausstellung „Blick auf 20 Jahre JAZZ am SEE“ und in Memoriam mit einer filmischen Hommage „Charlie Marianos Jazzworld“. www.allensbach.de/kultur Wir sprachen mit Sabine Schürnbrand, der Leiterin des Kultur- und Verkehrsbüro Allensbach, und Ihrem Mann und Filmemacher Willy Meyer, der als geschätzter Ratgeber, konstruktiver Kritiker und ehrenamtlicher Unterstützer im Hintergrund wirkt. So können Ideen und erfolgreiche Formate wachsen. Was für Musik hört man im Hause Schürnbrand / Meyer privat? Gibt es manchmal auch Streit oder liegen Sie auf der gleichen Wellenlänge? Sabine Schürnbrand und Willy Meyer: Wir lieben, so pauschal es klingen mag, gute Musik abseits des Mainstreams. Ob Jazz, Klassik, Alte oder Neue Musik, Weltmusik, wir sind offen und auch neugierig auf musikalische Entdeckungen. Und Jazz lässt sich nicht in Schubladen stecken. Die Musiker sind hochkompetent und meist in verschiedenen Bereichen besten ausgebildet. Der Jazz bietet ihnen ein Höchstmaß an individueller Ausdrucksmöglichkeit und Freiheit. Für uns ist deshalb v.a. der Jazz pure Energie und Intensität. Zum Glück sind wir uns da einig und brauchen keine Kopfhörer. Jeder lässt sich gerne vom anderen mit Neuem überraschen. Und wenn nicht Jazz, Bach ist ohnehin der Größte. Auch das hat Groove, eigentlich war Bach der erste Jazzer. Wie kam es zu dem Filmprojekt mit Charlie Mariano und wie hat sich aus der Begegnung und dem Film Jazz am See entwickelt? Willy Meyer: Ich wurde von einer Stuttgarter Produktionsfirma angefragt, ob ich Lust habe, eine Doku-

mentation über Charlie Mariano für ARTE zu machen. Da gab’s kein Zögern. Glücklicherweise war es trotz engen Budgets möglich, mit der Musikerlegende auf deren Spuren vor Ort in Boston zu gehen. Dabei entstand auch eine große menschliche Nähe und am Ende des Drehs fragte Charlie verschmitzt, ob er nicht in Allensbach auftreten solle. Für uns eine riesige Freude und Initialzündung, die Reihe JAZZ am SEE zu begründen. Welcher Impuls ging von der Begegnung mit Charlie Mariano für Allensbach und Ihre Arbeit aus? Sabine Schürnbrand: Jazzkonzerte gab es schon lange vorher erfolgreich in Allensbach. Gregor Hübner, Ekkehard Rössle, das LJO und viele weitere regionale und nationale Musiker gaben Gastspiele. Ich erinnere mich an einen ganz besonderen Abend. Das Konzert direkt am See. Während einer Coltrane-Ballade fiel der komplette Strom aus und die Musiker spielten in totaler Finsternis das Konzert zu Ende. Das Publikum war spürbar ergriffen und gebannt. Zufällige Besucher blieben stehen, waren ganz Ohr. Das sind unvergessliche Momente. Wie gesagt, Jazz und Allensbach war schon eine frühe Allianz. Die

Begegnung mit Charlie Mariano war jedoch der Impuls für eine feste Reihe unter dem Namen JAZZ am SEE - Grenzgänge Jazz und mehr…. in der Gnadenkirche. Er und übrigens auch Bernd Konrad waren die Musiker der ersten Stunde und kamen immer wieder in unterschiedlichen Formationen. Seit 20 Jahren veranstalten Sie Jazz am See, die letzten Jahre mit stets ausverkauften Konzerten. Was ist Ihr Erfolgsrezept?

Sabine Schürnbrand: Es gibt kein Rezept, keine Anleitung. Die Reihe ist gewachsen und mit ihm ein offenes, neugieriges und treues Publikum. Das Besondere an der Reihe sind die Begegnungen von Musikern aus unterschiedlichen Kulturen und Genres, ein musikalischer Austausch von höchster künstlerischer Qualität, erlebbar in der dichten, fast intimen Atmosphäre der kleinen Kirche. Hier entstehen intensive Dialoge zwischen Musikern und Publikum, die beide gleichermaßen schätzen und von denen Musiker oft geradezu schwärmen. Die Reihe besteht nicht zuletzt aufgrund eines guten Netzwerks und viel Leidenschaft, hohen Engagements eines ganzen Teams, Unterstützern, auch seitens der Kirche. Und wir leben an einem Ort, der Kultur als festen Bestandteil des Gemeindelebens begreift. Wäre Charlie Mariano stolz auf Jazz am See, wie es sich entwickelt hat?

Macht der Erfolg nicht auch begehrlich, der Wunsch nach einer größeren, eigenen Spielstätte, einer „Charlie Mariano Hall“ Sabine Schürnbrand: Natürlich kommt manchmal der Wunsch nach einer größeren Bühne mit entsprechender Infrastruktur auf. Aber gerade die besondere Atmosphäre in der kleinen Kirche mit dem unvergleichlichen Blick auf den See ist ein wichtiger Bestandteil der Reihe. Musiker, die meist in großen Sälen auftreten, schätzen vielleicht deshalb umso mehr die Intimität des Ortes und die Nähe zum Publikum. Zudem sind unsere Konzerte in der Regel nur minimal verstärkt, finden, wenn möglich sogar rein akustisch statt. Das ist die Magie von Allensbach, Jazz am See. Allensbach, der Ort der kleinen Formate? Sie machen nicht nur erfolgreich Jazz? Sabine Schürnbrand: Es gibt außer der Reihe JAZZ am SEE Kleinkunstveranstaltungen verschiedenster Art, Kultur Blind-Dates, Kammermusik, Ausstellungen und im Sommer direkt am See „umsonst & draußen“-Veranstaltungen. Ein vielseitiges Programm unter dem Titel Allensbach Hat´s. Aber auch hier ist uns wichtig, dass Qualität und nicht nur Vorhersehbares geboten wird. Das Publikum dankt es. So gut wie alle Veranstaltungen sind ausverkauft. Wenn Sie unbegrenzte Möglichkeiten hätten? Welche drei Kulturideen, Wünsche würden Sie in Allensbach noch realisieren? Sabine Schürnbrand: Ein großer Wunsch wird gerade erfüllt. Die Gemeinde plant eine neue Bühne am See, die, wenn alles glatt läuft, im nächsten Sommer bespielt werden kann. Eine Vision gibt es natürlich dennoch, tatsächlich einen größeren Veranstaltungsraum für die anderen beschriebenen Formate. Und einen Herzenswunsch haben wir, dass es weitergeht, dass sich die Reihe weiter entwickeln darf, damit wir auch 25 Jahre JAZZ am SEE feiern können und dass uns die bereichernde Nähe zu den Musikern bleibt, die hier im kleinen Allensbach große Kultur machen. DAS GESPRÄCH FÜHRTE KAI GEIGER.

PROGRAMM

17.4.2018 WOLFGANG HAFFNER QUARTETT „KIND OF SPAIN“ 4.5.2018 LARS DANIELSSON QUARTET „LIBERETTO III“ 25.9.2018 DUOS! 1* TILL BRÖNNER & DIETER ILG DIETER ILG & LESZEK MOZDZER 26.9.2018 DUOS! 2* JOACHIM KÜHN & EMILE PARISIEN VINCENT PEIRANI & EMILE PARISIEN 5.11.2018 MICHAEL WOLLNY – TRIO 10.12.2018 NILS LANDGREN „CHRISTMAS WITH MY FRIENDS VI”

YOUNG & NEXT *

19.7.2018 LANDESJUGEND-JAZZ-ORCHESTER BADEN-WÜRTTEMBERG 15.8.2018 BEYOND HEADLINES *Mit freundlicher Unterstützung der Stiftung Baden-Württemberg


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Bezau  |  15

Bezau (A)

BEZAU BEATZ 2018 Vom 9. bis 11. August finden die Bezau Beatz im Herzen des Bregenzerwaldes nun schon zum 11. Mal statt. Das vom österreichischen Schlagzeuger und Label-Betreiber (Boomslang Records) Alfred Vogel organisierte Festival erfreut sich steigender Aufmerksamkeit und steht für ein erlesenes Programm, welches sich nicht kategorisieren lässt. Von improvisierter Musik bis zu Singer/Songwritern spannt sich der Bogen. Die Spielstätte der Lok-Remise des Wälderbähnles besticht durch eine einzigartige Atmosphäre, und der Charme des Alpen-Dorfes Bezau garantiert einen kollektiven Musikgenuss der Superlative! Gerne bezeichnet Alfred Vogel sein Festival als „Boutique-Festival“ und meint damit, dass es ihm vor allem um Qualität vor Quantität geht. Und in der Tat lassen die Namen der Künstler, die in den letzten Jahren hier auftraten einen erlesenen und exquisiten musikalischen Geschmack erkennen: Lisa Simone, Peter Evans, Charlie Cunningham, Jean Paul-Bourelly, Billy Martin, Josh Dion, Steven Bernstein, Wolfgang Muthspiel, Wild Birds & Peace Drums, Steve Swallow, Adam Nussbaum, Gwylim Simcock, Programm Jim Hart Cloudmakers Trio (GB) Stale Storlokken (NO) Adam Schatz Landlady (USA) Snap (F) Paal Nilsen-Love´s Large Unit (S, NO) Leo Genovese Trio feat. Jeff Williams (USA) Hanreti (CH) Beck to Beck (D) Maja Bugge (NO) HANG EM HIGH (P, CH, A) Aki Takase & DJ illvibe (D) John Parish (GB) a.o. www.bezaubeatz.at www.traps.at Bezau befindet sich im österreichischen Vorarlberg 90 Minuten von Zürich 120 Minuten von München

John Parish © Maria Mochnacz

Bombino, Tony Scherr, Trixie Whitley, the Sons of Komet, the Thing, Mostly other people do the killing u.v.a haben Bezau besucht. Es hiess in einschlägigen Feuilletons, Bezau würde sich zu einem neuen Zentrum für improvisierte Musik entwickeln, das European Jazz Network zählt die Bezau Beatz zu den schönsten Sommer-Festivals. „Die durchwegs positive Aufmerksamkeit durch Experten geniessen wir sehr“, so Vogel, „…aber am meisten freut uns, dass all die herausragenden Künstler die einzigartige Atmosphäre, die Umgebung aber auch die grosse Gastfreundschaft hier im Bregenzerwald sehr wertschätzen. Und weiters freuen wir uns sehr über ein treues und stetig anwachsendes Publikum, welches vor allem in den letzten 3 Jahren sich zusehends internationalisiert. Besucher aus Frankreich, den Benelux Staaten, Deutschland und der Schweiz mischen sich nun regelmässig unter heimische Gäste und solche aus dem Dreiländereck um den Bodensee“. Weiters profilieren sich die Bezau Beatz immer klarer als Musikfestival, welches keine Scheuklappen vor verschiedenen Genres zeigt. Die Mischung aus verschiedensten Spielarten improvisierter Musik, Singer/Songwriter, hie und da auch gespickt mit experimentellen Aus-

LargeUnit 2016 © Petra Cvelbar

drucksformen oder dem ein oder anderen ethnischen Beitrag hat sich mittlerweile bewährt. Gerne erinnert man sich an das Regenkonzert des Tuareg-Sängers Bombino, der sich mittlerweile in den Top-Rängen der WorldmusicCharts etabliert hat. Oder etwa daran, dass die Band Amok Amor (deren Schlagzeuger Christian Lillinger 2017 mit dem begehrten SWRJazzpreis ausgezeichnet wurde!) auf den Bezau Beatz eine steil ansteigende Karriere begonnen haben. Alfred Vogel, der auf seinem Label Boomslang Records „exquisite und unkategorisierbare Musik“ (concerto) veröffentlicht, nützt die Bezau Beatz auch gerne dazu, sich mit der Welt zu vernetzen. In Zeiten von Datentausch via Internet und Billigflügen ist ein Ort wie Bezau nicht mehr notwendigerweise ein Synonym für Provinz, sondern kann temporär Mittelpunkt eines ganzen Musikkosmos sein, wenn dort unter Teilnahme von Stars aus Übersee und Freunden von Nebenan aus dem Moment heraus eine stilistisch so vielfältige Musik geschaffen oder entdeckt werden kann. Doch die Bezau Beatz überzeugen nicht nur mit einem herausragenden musikalischen Inhalt, welcher Jung und Alt gleichermassen begeistert, sondern auch durch das ganze Rundherum: Untertags finden Konzerte in und um Bezau an besonderen Plätzen statt: z.b. auf einer Alpvorsäßhütte im verträumten Schönebach, in einer alten Säge, auf 1650 m Höhe im Panorama Restaurant Baumgarten oder etwa in einer Kapelle aus dem 15. Jahrhundert.

© Bezau Beatz

Die gesamte Region des Bregenzerwaldes überzeugt mit seiner weltweit beachteten Holzbau-Architektur, mit zahlreichen Hand-

© Bezau Beatz

werksbetrieben, intakter Landwirtschaft und ausgezeichneten Restaurants und Gastronomie-Betrieben. In Bezau befinden sich gleich zwei 4Sterne Hotels (Hotel Post und Gams), nette Privat-Unterkünfte und sogar ein Camping-Platz. Und die meisten Spielstätten des Festivals lassen sich zu Fuss erreichen. Das Programm (Details in der Fact-Box) ist heuer wieder äusserst vielversprechend: Adam Schatz kommt mit Landlady aus New York. Seine Musik erinnert irgendwie an David Bowie, ist aber noch vielschichtiger, spielen doch ein paar der kreativsten Köpfe der Downtown Szene in seiner Band. Stale Storlokken ist ein Meister-Keyboarder aus Norwegen, Paal Nilsen-Love´s Large Unit steht für die Elite der Jazz-Avantgarde, und John Parish ist bekannt für seine langjährige Arbeit als Produzent für z.b. PJ-Harvey oder etwa die Eels. Mit seiner Band präsentiert er auf den Bezau Beatz sein aktuelles Soloalbum, das irgendwie nach Filmmusik klingt und dann aber doch wieder nach Rock´n´Roll. Nebst dem DJ-Ride-Out mit der Museumsbahn wird es am Freitagabend auch ein Bezau Beatz Clubbing mit Michi Beck von den Fanta4 geben. Mit seiner Frau Uli Beck bringen die beiden wohl jeden Tanzboden zum Beben. In Bezau hofft man wie jedes Jahr, dass die Lok auf den Geleisen bleibt …


16  |  Ausstellungen

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AUSSTELLUNGEN

Stockholm (S) Guitars Of The Stars ABBA The Museum at POP HOUSE! until end of 2018 On Wednesday 24th January 2018, the Guitars Of The Stars exhibition opened at ABBA The Museum at POP HOUSE. The exhibition consists of 50 hand-crafted, exact replicas of the original instruments of world-famous rock legends; reproduced down to the last detail. This extensive and exclusive musical treasure belongs to musician and producer Claes “Clabbe” af Geijerstam and its acquisition value is estimated at over 10 million SEK. Signature guitars belonging to Eric Clapton, Jimmy Page and Billy Gibbons (ZZ Top) are among those that can be seen in the exhibition. A real rock band always has at least one guitarist, who is often the band’s main performer – The Guitar Hero. It is interesting for fans to know with which instrument the guitarist chose to create their, and the band’s, unique sound. Guitars Of The Stars consists of a great mix of music and magic with several signature guitars belonging to the absolute biggest legends in rock and blues. It is with great pleasure and pride that I welcome everyone to view my musical treasure at ABBA The Museum at POP HOUSE, says Claes af Geijerstam, Collector/Guest Curator for Guitars Of The Stars.

Nantes (F) ROCK ! UNE HISTOIRE NANTAISE/ ROCK! A STORY MADE IN NANTES. bis 10.11.2018 Die Nanteser Musikszene ist heute in ganz Frankreich für ihre Vielfalt bekannt: Tequila, Elmer Food Beat, Dominique A, Dolly, Christine and The Queens, Philippe Katerine, C2C ... Seit fünf Jahrzehnten wird in den Proberäumen, den Studios und den Konzertsälen politische und soziale Geschichte geschrieben, von den Lokalsendern oder den CD-Händlern, Aktivisten und Künstlern im Hintergrund. Eine einmalige Ausstellung, wenn man verstehen will, wie sich die Stadt vom Status „Dornröschen“ zu „Nantes, die Sprudelnde“ gewandelt hat. Château des Ducs de Bretagne/Musée d’Histoire de Nantes www.chateaunantes.fr

Claude Nobs Backstage vor seinem letzten Festivalauftritt 2012.© Michael Agel

der Schlüssel zum dauerhaften Erfolg. Dreh- und Angelpunkt des Festivals war das Chalet von Claude Nobs. Das Haus des Festivalgründers war
nicht nur Schaltzentrale und Gaststätte für viele Stars, sondern auch eine Art Museum der Musikszene. Viele der berühmten Besucherinnen und Besucher ließen etwas zurück. Sei es der Kimono von Queen-Sänger Freddy Mercury, die Gitarre von B.B. King oder Sylvester Stallones Boxhandschuhe aus den Rocky-Filmen, das Chalet füllte sich langsam mit Kult-Objekten. Was normalerweise an den Gestaden des Genfersees über die Bühne geht, kommt nun in Form einer Ausstellung nach Zürich. Das Landesmuseum blickt auf 50 Jahre Festivalgeschichte zurück. www.landesmuseum.ch

POP HOUSE is in Djurgården in the centre of Stockholm, a comfortable distance from the City and Gamla Stan. In addition to ABBA The Museum, the building also hosts hotels, pop music exhibitions, restaurants & bars, as well as a popular shop. The recently-built Glass House presents exciting new opportunities, such as the possibility of live music. Welcome to POP HOUSE – at the heart of Swedish music. ABBA The Museum at POP HOUSE www.pophouse.se www.abbathemuseum.com

Gäste im Studio 54, New York, 1979. © Bill Bernstein, David Hill Gallery, London

David Bowie mit der Trompete von Miles Davis vor Modelleisenbahnen im Chalet „Le Picotin“, 1995, Caux (VD).© Claude Nobs Archives

Zürich (CH) Ausstellung Montreux. Jazz seit 1967 bis 21.5.18 David Bowie, Miles Davis oder Deep Purple – sie alle haben schon am Montreux Jazzfestival gespielt. 1967 von Claude Nobs als Attraktion für Touristen gegründet, gehört es heute zu den bekanntesten Musikevents der Welt. Es gibt kaum einen musikalischen Weltstar, der nicht mindestens einmal am Montreux Jazzfestival aufgetreten ist. Möglich gemacht hat das vor allem ein Mann: Claude Nobs. Der Festivalgründer hat bis zu seinem Tod 2013 vor und hinter den Kulissen gewirbelt und den Event zum Treffpunkt der globalen Musikszene gemacht. Sein Geheimnis? Er kannte die Wünsche seiner Stargäste und erfüllte sie fast immer. Ein gelber Ferrari am Flughafen? Kein Problem. Ein Fondue auf der Bühne? Mais bien sûr. Fischen auf dem Genfersee? Auf jeden Fall. „Funky Claude“, wie ihn die Hardrock-Band Deep Purple in ihrem Hit „Smoke On The Water“ liebevoll genannt hat, machte es möglich. Nobs konzentrierte sich aber nicht nur auf den Jazz, sondern öffnete das Festival bald für weitere Musiksparten. Ein genialer Zug und

Weil am Rhein (D) Night Fever Design und Clubkultur 1960 – heute bis 9.9.2018 Nachtclubs und Diskotheken sind Epizentren der Popkultur. Seit den 1960er Jahren versammelte sich hier die Avantgarde, um gesellschaftliche Normen infrage zu stellen und andere Ebenen der Wirklichkeit zu erkunden. Viele Clubs waren Gesamtkunstwerke, bei denen Innenarchitektur und Möbeldesign, Grafik und Kunst, Licht und Musik, Mode und Performance miteinander verschmolzen. »Night Fever. Design und Clubkultur 1960 – heute« ist die erste umfassende Ausstellung zur Design- und Kulturgeschichte des Nachtclubs. Die gezeigten Beispiele reichen von italienischen Clubs der 1960er Jahre, die von Vertretern des Radical Design geschaffen wurden, bis hin zum legendären Studio 54, in dem Andy Warhol Stammgast war – von dem Club Haçienda in Manchester, der von Ben Kelly entworfen wurde, bis hin zu den Konzepten von OMA für ein neues Ministry of Sound in London. Neben Möbeln, Modellen und Mode umfasst die Ausstellung seltene Filmdokumente, Musikbeispiele, Grafikdesign sowie zeitgenössische Positionen von Künstlern und Fotografen wie Mark Leckey, Chen Wei oder Musa N. Nxumalo. Ergänzt durch raumgreifende Installationen mit Musik und Lichteffekten, entführt »Night Fever« den Besucher auf eine faszinierende Reise durch Subkulturen und Glitzerwelten. www.design-museum.de


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Ausstellungen  |  17

Lovis Corinth, Heimkehrende Bacchanten, 1898, Öl auf Leinwand, 60,5 x 90,5 cm, Von der Heydt-Museum, Wuppertal Foto: Von der Heydt-Museum, Wuppertal

Stuttgart (D)

Ekstase in Kunst, Musik & Tanz 29.9.2018 – 24.2.2019 Ekstase ist eines der ältesten und zugleich erstaunlichsten Phänomene europäischer wie außereuropäischer Kulturen. Ursprünglich im rituell-religiösen Kontext geprägt, wurde die ekstatische Grenzerfahrung begrifflich erstmals in der Antike erfasst. Seither ist sie ein fester Bestandteil westlicher Gesellschaftstheorien. Dabei veränderte und erweiterte sich die Definition und Bewertung kontinuierlich. Während die Ekstase gerade in indigenen Kulturräumen vornehmlich positiv konnotiert ist und im Rahmen ritueller Handlungen gelebt wird, wurde und wird sie in den von Industrialisierung, Kapitalismus und Globalisierung dominierten Gesellschaften heute oft als etwas Bedrohliches wahrgenommen. Ekstase bedeutet hier Kontrollverlust und birgt die Gefahr eines aus der Norm fallenden Individuums oder gar Kollektivs. Ausnahmen bilden Grenzerfahrungen in religiösen Kontexten oder aber profane Ekstasen, wie sie bei sportlichen Ereignissen, Konzerten oder politisch motivierten Veranstaltungen zu beobachten In welchen Rausch, in welche Ekstase versetzen Sie sich, um diese zu erforschen, dem Gefühl ganz nah zu kommen? Das Erforschen und die Erfahrung der Ekstase sind vermeintlich gegensätzliche Beschäftigungen. In der Forschung kommen gemeinhin wissenschaftliche Nüchternheit und Nachvollziehbarkeit zum Tragen. In den verschiedenen Formen der Ekstase, die wir in der Ausstellung vorstellen werden, geht es vor allem um deren Darstellungsmöglichkeiten in der Kunst. Aber Sie hätten mal dabei sein müssen, als wir zum Beispiel die Zusagen der sehr wichtigen Charles Le Brun-Leihgabe aus dem Louvre in Paris oder der Marlene Dumas-Gemälde aus der Tate London bekommen haben, da waren wir schon ziemlich ekstatisch. Noch wichtiger für die BesucherInnen: Wir zeigen zahlreiche relevante nationale und internationale Leihgaben und freuen uns, dass wir unser Thema so hochkarätig und sinnfällig vermitteln können. Was erwartet die Besucher ab September 2018 in der Ausstellung „Ekstase“? Ekstasen sind so alt wie die Menschheit. Wir sind fasziniert vom Zustand des „Außer-Sich-Seins“, empfinden den Verlust von Kontrolle jedoch sehr unterschiedlich. Die Ausstellung spürt dem Phänomen der Ekstase in seiner kulturellen Bedeutungsgeschichte nach und nimmt dabei einige zentrale The-

sind. In ihrer kulturellen Bedeutung und Vielschichtigkeit nahm die Ekstase auch Einzug in die Bildenden Künste und geht dabei außergewöhnliche Verbindungen mit den benachbarten Disziplinen Musik und Tanz ein. Ab Herbst 2018 spürt das Kunstmuseum Stuttgart diesen und weiteren Beziehungen nach und widmet sich in einer großen Themenausstellung erstmals dem Phänomen der Ekstase. Anhand paradigmatischer Beispiele von der Antike bis in die Gegenwart beleuchtet die Ausstellung die unterschiedlichen spirituellen, politischen, psychologischen, sozialen, sexuellen und ästhetischen Implikationen von Euphorie- und Rauschzuständen zwischen Askese und Exzess.

Aura Rosenberg, Head Shots, 1991-1995, Gelatine Silber Print, je 41,6 x 30,5 cm, Besitz der Künstlerin | Foto: Fredrik Nilsen Studio © Aura Rosenberg

Kunstmuseum Stuttgart | www.kunstmuseum-stuttgart.de Wir sprachen mit den KuratorInnen der Ausstellung, Ulrike Groos, Anne Vieth, Markus Müller.

menbereiche in den Blick. Kunstwerke von der Antike bis in die Gegenwart führen so verschiedene Facetten wie den dionysischen Kult, die religiöse Verzückung, den brasilianischen Candomblé oder die drogeninduzierte Ekstase vor Augen. Internationale KünstlerInnen, darunter Marina Abramović, Gian Lorenzo Bernini, Louise Bourgeois, Günter Brus, Lovis Corinth, Rineke Dijkstra, Marlene Dumas, Dan Graham, Ayrson Heráclito, Carsten Höller, Aura Rosenberg, Andy Warhol, La Monte Young und Francisco de Zurbarán, thematisieren in ihren Werken das anthropologisch universelle Bedürfnis nach Entgrenzung. Das wird in allen Medien vermittelt, es gibt Video, Film, Fotografie, Zeichnung, Grafik, Malerei, Skulptur und Kultgegenstände aus den letzten 2.500 Jahren zu sehen. Können Sie einen kleinen Ausblick auf die Thematik Ekstase und die Musik geben? Wie muss man sich die Recherchen, Ihre Arbeit in Bezug auf die Musik vorstellen? Eine zentrale künstlerische Arbeit ist Dan Grahams Video „Rock My Religion“ von 1984. Wie der Titel schon sagt, führt der Künstler hier die Entstehung der amerikanischen sogenannten Hardcore-Musik wie Minor Threat oder die frühe Patty Smith einerseits mit Rock’n’Roll-Geschichten um Elvis Presley und Jerry Lee Lewis und andererseits mit der Entstehung

der religiösen Quäker- und Shaker-Bewegungen im 17. Jahrhundert in England und im 18. Jahrhundert in den USA zusammen. In vielen Arbeiten in der Ausstellung geht es um den gesellschaftlichen Einfluss von Musik und deren Bedeutung für ekstatische Erlebnisse, wie zum Beispiel Techno oder Rave oder die perkussiven Rhythmen bei den Ritualen und Gottesdiensten des brasilianischen Candomblé. Das „Dream House“ (1990) von La Monte Young verwandelt den ganzen dritten Stock des Kunstmuseums Stuttgart in ein eindringliches minimalistisches Drone-Environment, das bestimmt nicht nur Sunn O)))-Freunde begeistern wird. Darüber hinaus wird ein kuratiertes Musikprogramm die BesucherInnen immer wieder für einige Sekunden und Minuten in unmittelbar ekstatische musikalische Stimmungen verführen, denken Sie an ein Tutti aus Verdis „Requiem“, einen Einsatz von Aretha Franklin in einem Gospelchor, den Augenblick, wenn der DJ Ricardo Villalobos die Crowd auf den Punkt euphorisiert, oder das Saxophon-Solo von Paul Gonsalves im Rahmen des Auftritts des Duke Ellington Orchestra in Newport 1956, das die Zuschauer derart in ekstatische Begeisterung versetzte, dass der Veranstalter das Konzert abbrechen wollte. Da sind wir aber noch mitten in der Recherche und vor allem auch in den Überlegungen, wie das technisch umzusetzen ist. DAS GESPRÄCH FÜHRTE KAI GEIGER.

Ferdinand Hodler, Entzücktes Weib, 1911, Öl auf Leinwand, 170 x 85,5 cm, Privatbesitz Bern, Schweiz


18 | Discover

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Neue Meister  |  19

FEDERICO ALBANESE Federico Albanese is a composer born in Milan, Italy in 1982. His musical versatility is a natural gift that pushes him to explore music in all its facets. Albanese’s compositions are airy and cinematic, blending classical music, pop and psychedelia. He started studying piano and clarinet as a child before becoming fascinated by rock music performing in several bands. Influenced by black music, folk, electronic, modern and contemporary classical music his skills as a composer soon emerged, he worked for 5 years as prop man in several film sets. This experience made him understand the power of the connection between music and images and helped him to develop his personal musical path. In 2007 he met singer and songwriter Jessica Einaudi and together they founded the avant-garde duo “La Blanche Alchimie”. Composing songs with Jessica he rediscovered his love for the piano, which from that moment on became his main instrument. They released 2 albums and gained national and international critical attention, performing around Europe, Russia and USA. Their sound has been described as melancholic and haunting, intermingling mellow acoustics and rock-infused dreamscapes. The first homonymous album was released in Italy in 2009 on Ponderosa/Edel. The second album “Galactic Boredom” was released in Italy in 2011 on Ponderosa/Universal and in Germany in 2012 on Q-rious/Edel. In September 2012 the band has been nominated by “Preis der Deutschen Schallplattenkritik” in the category of best independent album. In 2010 he scored the soundtrack of the short film “Pick up” by Manyhands - a collective of young Italian directors - broadcasted by one the most important Italian television channels (SKY). In 2012 he scored the soundtrack of documentary “Fabulae Romane” filmed by Matteo Cherubino, a work that documents the first of a structured set of activities of Zegnart - a project commissioned by Ermenegildo Zegna dedicated to the art of our time - that took place at MaXXI National Museum of XXI Century Arts in Rome. In 2012 he composed the music of full length film “Shadows in the distance” by Spanish director Orlando Bosh which has been premiered at Shanghai Film Festival. Over the years Federico composed or licensed music for several films and projects, including debut short film by Bahar Ebrahim “Alles im grünen Bereich”, the documentary “Cinema Perverso” by Oliver Shweem produced by the German TV channel ARTE, the BBC TV Series “Our GIrl”. Released in February 2014, his highly acclaimed debut solo album “The Houseboat and the Moon” has been described as pure gold, and one of the most beautiful modern classical albums of the past years... . He also produced and arranged J Moon's (aka Jessica Einaudi) first solo album “Melt”. In August 2014 he released a “Reworked” version of “The Houseboat and the Moon” featuring remixes of Cassegrain, John Lemke, Franz Kirmann and Saffronkeira. Albanese’s second full length album entitled “The Blue Hour” saw the light of the day on January 15, 2016 and it has been released by the label NEUE MEISTER, which then started a new series of modern classical music. „The Blue Hour“ has been described as One of the most hauntingly beautiful record you’ll ever hear (Drowned in Sound) or A magical record (Clash). In February 2016 Albanese composed and arranged the piece “Shadowland Suite”, an orchestrated version of the tracks Shadow Land pt.1 and 2. He performed the piece in Berlin together with the Deutches Kammerorchester Berlin. Following the release of „The Blue Hour”, Albanese performed numerous concert across Europe including Womad Festival (UK), Montreux Jazz Festival (CH) and SXSW in Austin, Texas.

Foto © Bjørn Fehl


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Foto © Beniamino Barrese

Albanese’s third full-length album “By The Deep Sea” was released via Neue Meister on February 23rd, 2018. About his new record Albanese quotes: “By The Deep Sea is a state of mind in which I find myself quite often. It’s a sort of meditation state, when I try to detach myself from the daily life. In this inner world there is space to get closer to our deepest thoughts, ideas, doubts, close enough to see them clearly, from the right distance, and being able to process them, exorcise them, translate them into something else.” The album features 12 original tracks composed, produced and arranged by Albanese and mixed in August 2017 by Francesco Donadello at Vox-Ton Studio in Berlin. www.federicoalbanese.com www.neue-meister-music.com

Foto © Bjørn Fehl

Neue Meister Federico Albanese ist einer der Künstler im Programm des Labels Neue Meister (Edel). Wir sprachen mit Marcus Heinicke, Head of Classics bei Edel:Kultur, über die Neuen Meister. Was sind die Neuen Meister? Marcus Heinicke: Neue Meister ist ein Musiklabel für die aktuelle Komponistengeneration. Komponisten, die Musik schreiben, ohne jegliche Scheuklappen und ohne auf die Grenzen einer bestimmten Richtung oder Strömung in der Klassik Rücksicht nehmen zu müssen. Musik für eine breite Zielgruppe, die offen ist für neue musikalische Formen und Stile in der klassischen Musik. Im Januar 2016 gestartet, zeigt Neue Meister diese Vielfalt mit einem stetig wachsenden Roster internationaler Künstler wie Federico Albanese, Johannes Motschmann, Christian Jost, Tamar Halperin, Sven Helbig, Arash Safaian, John Kameel Farah oder Nigel Kennedy. Musikalisch reicht die Klangpalette vom Minimal-Piano bis zum Elektro-Trio, vom Orchesterwerk bis zum Chorstück. Wie entsteht und was sind die Beweggründe, strategischen Überlegungen, für ein neues Label und Format wie die Neuen Meister? Marcus Heinicke: Das Klassiklabel Berlin Classics hat sich seit über 25 Jahren im internationalen Musikmarkt etabliert. Renommierte Künstler veröffentlichen hier ihre Interpretationen von klassischer Musik, das Spektrum reicht von Bach und Händel bis Eisler und Pärt. Um dieses Portfolio zu erweitern und auch einer jungen dynamischen Musikszene und vor allem zeitgenössischen Komponisten eine Plattform zu geben, ist Neue Meister sozusagen als Schwesterlabel von Berlin Classics gegründet worden. Ganz sicher war und ist es unser Ziel, mit Neue Meister eine jüngere Zielgruppe zu erreichen, sowohl

bei Livekonzerten – die nicht nur im klassischen Konzertsaal zu erleben sind –, als auch in all den vorhandenen medialen Auswertungsformen. Von der CD über Vinyl bis hin zu den gängigen Streamingplattformen von Spotify, Apple Music bis Deezer erreichen wir als Neue Meister mit den „neuen Meistern“ unser Publikum. Wieviel Ruhe und Zeit hat man, etwas wachsen zu lassen, und wie bemisst sich der Erfolg? Marcus Heinicke: Das Label Neue Meister ist Teil von Edel:Kultur und damit auch Teil des Medienunternehmens Edel mit Sitz in Hamburg. Das KnowHow von verschiedenen Abteilungen, vom Vertrieb, der Herstellung bis zur Vermarktung, ist also bereits vorhanden und kommt natürlich auch diesem noch jungen Label zugute. Die Projektakquise und das A&R, die Suche nach neuen und angesagten Künstlern, Geheimtipps und schon Arrivierten braucht Zeit. Die Erfolge der Produkte im stationären Handel und vor allem im Digitalvertrieb zeigen, dass das Label nach gut 2 Jahren auf dem richtigen Weg ist. Erfolg

kann man natürlich in Verkaufszahlen messen. Ein wichtiger Indikator ist aber vor allem, ob das Label wahrgenommen wird – von der Musikindustrie, von den Medien, vom Publikum und natürlich auch von Künstlern, die in dieser Szene unterwegs sind. Und auch hier können wir sagen, dass wir mit den bereits erreichten Erfolgen und der allgemeinen Resonanz auf unsere Aktivitäten sehr zufrieden sind. Wie und wo suchen und finden Sie Ihre Neue Meister? Marcus Heinicke: Wir halten Augen und Ohren offen, besuchen Konzerte, wissen um die Hotspots, arbeiten sowohl mit Managements als auch Konzertagenturen eng zusammen und sind in Kontakt mit den wichtigen Leuten in dieser Szene. Als Mitveranstalter der Neue-MeisterKonzertreihe in Berlin und in vielen Konzerten und Showcases unserer Künstler bei den wichtigen Musikfestivals und Treffpunkten wie dem Reeperbahnfestival in Hamburg, der Classical:Next in Rotterdam, dem Silent Green in Berlin und vielen anderen, finden uns wiederum Agenturen und Künstler, die Teil von Neue Meister sein wollen. Es ist ein Netzwerk einer immer weiter wachsenden und sehr dynamischen Szene innerhalb der neuen klassischen Musik.

Welche Aufgaben übernehmen Sie, in welcher Funktion sind Sie für die jungen Komponisten tätig? Marcus Heinicke: Mit dem klassischen Album-Release bieten wir neben der Vermarktung und Promotion auch die Möglichkeit für unsere Künstler, bei Konzerten wie der erwähnten Neue-Meister-Reihe in Berlin oder dem Reeperbahnfestival in Hamburg aufzutreten. Uns ist es wichtig, das künstlerische Potential und die musikalischen Formen mit zu entwickeln und für ein größeres Publikum zugänglich zu machen. Diese junge kreative Generation von Musikern und Komponisten ist offen für Konzepte und Ideen, sei es in der Vermarktung durch innovative Musikvideos genauso wie in der Präsentation auf Online-Blogs oder allen relevanten Social-Media-Kanälen. Durch das Netzwerk in dieser offenen Musikszene ergeben sich natürlich auch weitere Synergien, die in neuen Projekten, Kompositionsaufträgen für Orchester, aber auch für Film und Fernsehen bis hin zu künstlerischen Kooperationen und Konzerten führen kann. Am Ende profitieren von dieser Arbeit alle Beteiligten – wir als Label, der Konzertveranstalter, natürlich der Künstler selbst und das Publikum. DAS GESPRÄCH FÜHRTE KAI GEIGER.


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MPS | 21

den Mainstream hineinwirkte, findet in der Reihe „Jazz meets the world“ schon viel früher eine Heimstatt: Toni Scott trifft sich mit Musikern aus Bali, Irene Schweizer mit Indern, George Gruntz mit Arabern. Legendär auch die Begegnung des US-Saxophonisten mit dem indischen Sarodspieler Ali Akhbar Khan oder die Einspielungen des brasilianischen Saitenmeisters Baden Powell. Ein ausgemachter Liebling des Labels wird Dave Pike, der die groovige Seite des MPS-Repertoires mit indischen Tönen anreichert. Dass innerhalb der europäischen Sektion junge deutsche Musiker immer einen herausragenden Stellenwert im MPS-Katalog besitzen, prägt die heimische Jazzhistorie bis heute. Interpreten wie Volker Kriegel, Wolfgang Dauner und die beiden Kühn-Brüder Rolf und Joachim werden auf dem Label groß. Mit Albert Mangelsdorff und Gunter Hampel finden sich ausgeprägte Interpreten auf dem Avantgarde- und Free-Sektor, der durch Cecil Taylor und Archie Shepp auch international vertreten ist. Schließlich widmet sich MPS mit Hingabe der Klassik: Für den österreichischen Pianisten Friedrich Gulda wird eigens ein Bösendorfer Grand Imperial angeschafft, der auch heute noch unverrückbar an seinem Platz im Studio steht, samt roten Markierungen für die ideale Positionierung der Mikros. 1983 verkauft Hans Georg Brunner-Schwer viele der Aufnahmerechte an die Polygram, die in der Folge etliche MPS-Aufnahmen im CD-Format veröffentlicht. 2014 schließlich, zehn Jahre nach dem Tod von Brunner-Schwer, findet der Katalog eine neue Heimat bei der Edel AG und schreibt seine Geschichte in zweifacher Weise fort. Die unermesslichen Schätze des Labelkatalogs werden Schritt für Schritt neu zugänglich gemacht, mit einer Digitalisierung aller Alben und einer Wiederveröffentlichung ausgesuchter Titel auf Vinyl und Tonband in höchster Klangtreue, etwa Einspielungen von Oscar Peterson, George Duke oder Monty Alexander. Parallel hierzu eröffnet das Label nach 30 Jahren Pause ein weiteres Kapitel von Neuveröffentlichungen. Das breite stilistische Spektrum umfasst hier bereits u.a. Aufnahmen von Klarinettenlegende Rolf Kühn, Soulstress China Moses, Berlins Jazzwunder Lisa Bassenge, dem brasilianischen Mandolinisten Hamilton de Hollanda und Weltmusikstar Mari Boine. Für sein spannendes, etikettenfreies Repertoire konnte MPS bereits 3 ECHO-Auszeichnungen gewinnen. 2018 wird die Release-Renaissance mit illustren Namen und Produktionen fortgesetzt: Rolf Kühn ist dafür genauso ins Studio gegangen wie die charismatische Jazzsängerin Malia und der experimentelle Vokalist und Arrangeur Erik Leuthäuser. Eine Brücke von der Jetztzeit zurück zu MPS-Meilensteinen wird ab April die „Ambassador“Serie schlagen. Prominente von Gilles Peterson und Ed Motta bis zu Till Brönner und Götz Alsmann präsentieren dann nämlich mit ganz persönlichen Liner Notes ihre Lieblings-Alben aus dem Schwarzwälder Katalog, selbstverständlich als Neupressungen. www.mps-music.com

50 Jahre Jazzgeschichte Das Label MPS feiert runden Geburtstag

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EUPHORIA, LOBSTER & CHAMPAGNE OLMO ROSENTHAL TEHRAN LULLABY ANIN GOLDKIND

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LINER NOTES

ENG

Kowalski ist einfach ein kühner, wohltemperierter Klavierspieler, der zu haushalten weiß mit den großen Emotionen – an der Grenze zwischen Er­ füllung und Auslassung in Punkto Jazz, Pop und Klassik. Seine Stücke sind so einfach und naiv komponiert wie Kinderlieder, aber auch voller Dis­ sonanzen und unvorhergesehener harmonischer Wendungen, die zeigen, dass ein erwachsener Geist am Werke ist. Und gleichzeitig finden sich in den komplexeren Stücken wie „Anin Goldkind“ oder „Olmo Rosenthal“ sehr viel Aufgeräumtheit und Klarheit im Ausdruck. Malakoff Kowalskis Musik ist romantische Klassik im Ursprung, Jazz in den Motiven und in der Rhythmik sowie Pop in der Struktur der Arrangements. Aber es fehlen die Improvisationen des Jazz, es fehlen die Durchführungen, wie sie zur Klassik gehören, und es fehlen die Hooklines aus dem Pop. Das alles, das Ausgespielte wie das Ausgelassene, ergibt zusammengenommen ein fas­ zinierendes Konglomerat.

38:40

no accelerandi, no agitati and certainly no unbecoming narcissism. All pieces were recorded within a few days in Berlin using the same microphone settings and they were mastered iden­ tically shortly thereafter in New Jersey using analogue equipment only. As listeners to these pared­down, almost casually recorded miniatures that inevitably recall the Vexations of Erik Satie, we fall into meandering reveries that have little or nothing to do with questions about the conventions of music theory. Kowalski is simply a bold, well­tempered piano player, who knows how to manage great emotions—as his music blurs the lines between fulfillment and omission in respect to jazz, pop and classical music. His pieces are as simply and naively composed as children’s songs, but with constant dissonance and unforeseen modulations, showing that a mature intellect is at work. And at the same time the more complex pieces like Anin Goldkind or Olmo Rosenthal evince a lucidity and clarity in expression. Malakoff Kowalski’s music originates in the classical music of the Romantic era, taking its themes and rhythms from jazz and is indebted to pop for the structure of its arrangements. But it lacks the improvisations of jazz, it is without the variations of classical music, and without the hooklines of pop. All of this, what is played and what is left out, adds up to a heady brew.

It calls for a good deal of chutzpah, in 2018, to release a simple, innocent piano album and keep a straight face. Malakoff Kowalski, whose sailor’s cap always turns heads when he enters a room—maybe because he can be so quiet while all the rest of us are complaining about the force of gravity—has recorded such an album and called it My First Piano. My First Piano—sheets of music for beginners are usually titled in this manner. Robert Schumann’s Album for the Young, a collection of 43 short piano pieces composed for his three daughters, was published in 1848. Thirty years later, Tchaikovsky followed in his steps with his 24 solo pieces of his Children’s Album. My First Piano, on the other hand, quite literally refers to Malakoff Kowalski’s first piano. And at the same time he takes the weight off the ten pieces compiled on this new album by giving them titles that recall one’s first steps. If you can believe his notes on the individual titles, these pieces are little hybrids of finger exercises, doodling, aphorisms and the laconic. Kowalski lands on his feet with this dangerous mixture too; in fact, he wins our admiration, and this is due to the subtle empathy with which he has approached every one of his pieces. If it sounds good, do it. More than anything else though, and this really is the shockingly beautiful thing about My First Piano, Kowalski refrains from all that piano and forte, without putting the sustain pedal to the metal, so to speak. He avoids mannerisms of all kinds. We hear

Malakoff Kowalski, Piano Recorded Oct. 27–Nov. 6 at Brunnen International, Berlin Mixed & Mastered by Hanan Rubinstein at Birdie Studios, New Jersey Composed & Produced by Malakoff Kowalski All Selections Published by Edition It Sounds / Universal Music Publ. & © 2018 Malakoff Kowalski under exclusive license to MPS / Edel Germany GmbH / Edel:Distribution. LC01666. All rights reser ved. Unauthorized copying, reproduction, hiring, lending, public per formance and broadcasting prohibited. GEMA / BIEM. Printed & manufactured in Germany by optimal media GmbH. 0211862 MS 1

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Es gehört eine gute Prise Chuzpe dazu, im Jahr 2018 ein simples, unschuldi­ ges Klavieralbum zu veröffentlichen und dabei nicht zu grinsen. Malakoff Kowalski, der mit seiner Lotsenmütze, wenn er einen Raum betritt, die Blicke auf sich zieht, vielleicht, weil er so still sein kann, wenn alle anderen um ihn herum die Schwerkraft beschimpfen, hat ein solches Album aufgenommen, und er hat es „My First Piano“ genannt. „My First Piano“ – so oder so ähnlich sind für gewöhnlich Notensätze für Anfänger betitelt. Robert Schumann veröffentlichte 1848 das „Album für die Jugend“ mit 43 kleinen Kompositionen, Tschaikowski 1878 das „Kinderalbum“ mit 24 Solostücken. „My First Piano“ bezieht sich hingegen tatsächlich auf Malakoff Kowalskis erstes Klavier. Und zugleich nimmt er den zehn auf seinem neuen Album versammelten Kompositionen die Schwere, indem er sie qua Titel ins Reich der ersten Gehversuche verweist. Wenn man zudem seinen Notizen zu den einzelnen Titeln Glauben schenken darf, dann sind die Stücke ohnehin kleine Hybride aus Fingerübung, Zeitvertreib, Aphorismus und Lakonie. Dass Kowalski mit einer solch gefährlichen Melange nicht scheitert, sondern im Gegenteil unsere Anerkennung gewinnt, liegt an der verschmitz­ ten Empathie, mit der er jedem seiner Stücke begegnet ist. Was gut klingt, ist erlaubt. Vor allem aber verzichtet Kowalski, und das ist das eigentlich Schockierend­Schöne an „My First Piano“, auf jegliche Dynamik – und auf den Bleifuß auf dem Fortepedal. Auch verbietet er sich jegliche Manierismen. So hören wir keine Accelerandi, keine Agitati und auch keine allzu große Selbstverliebtheit. Alle Stücke wurden in wenigen Tagen in Berlin mit derselben Mikrofonierung aufgenommen und kurze Zeit später in New Jersey identisch und analog abgemischt. Als Hörer dieser eingeebneten, fast schon beiläufig eingespielten und daher zwangsläufig an die „Vexations“ von Erik Satie erinnernden Miniaturen verfallen wir in mäandernde Gedanken, die sich mit der Frage nach musik­ theoretischen Konventionen überhaupt nicht mehr aufhalten.

MALAKOFF KOWALSKI

MY

FIRST

04

SHOROU MY FIRST PIANO IS IT SPRING? DIMANCHE SOIR SERGE CHEZ JULIETTE — ENCORE UNE FOIS 65 EAST INDIA ROW

TOTAL

SIDE A

01

MY FIRST PIANO

Das Studio zieht in ein anderes Gebäude des Werksgeländes in der Richthofenstraße um, einen Steinwurf von der Familienvilla entfernt. Es sind weiterhin die Pianisten von Eugen Cicero über George Shearing bis Monty Alexander, die es HGBS angetan haben. Doch darüber hinaus baut MPS eine Schatzkammer mit Vertretern nahezu jeder Stilrichtung auf. Die Recording Sessions

MPS schaut jedoch auch stets pionierhaft über die Abbruchkanten des Jazz. Was ab den späten Achtzigern als „Weltmusik“ in MALAKOFF KOWALSKI

Die eigentliche Geburt des Labels datiert ins Jahr 1968, doch sie hat eine bewegte Vorgeschichte, die sich um die berühmten Initialen HGBS ranken. Der Industriellensohn Hans Georg BrunnerSchwer (kurz: HGBS) ist als Miteigentümer des Herstellers für Radioempfangsgeräte SABA (Schwarzwälder Apparatebauanstalt) nicht nur begeisterter Audiotechniker, sondern auch ein musikverrückter Pianist. Oberhalb des Wohnzimmers seiner Villa richtet er sich ab 1958 ein Tonstudio mit der ausgefeiltesten Technik ein, die damals zu haben ist. Als Oscar Peterson 1961 in Zürich ein Konzert gibt, lockt Brunner-Schwer ihn zu einem ersten Hauskonzert in den Schwarzwald. Der Kanadier ist so begeistert vom Sound des Flügels bei den Aufnahmen, dass er jährlich zu Wohnzimmer-Sessions zurückkehrt. Unterdessen produziert HGBS ab 1963 bereits Schallplatten unter dem Labelnamen SABA, etwa mit den Pianisten Wolfgang Dauner und Horst Jankowski, auch George Duke ist 1966 erstmals schon zu Gast. Als Brunner-Schwer 1968 bei SABA aussteigt, gründet er MPS. Die ersten Veröffentlichungen unter dem neuen Kürzel sind die Peterson-Aufnahmen, die nach dem Vertragsende des Pianisten bei Verve nun endlich erscheinen dürfen. Sie sind Startschuss zu einem illustren Katalog, der bis 1982 über 500 Aufnahmen umfassen wird.

Neben den Pianisten sind als zweite Instrumentalistengruppe die Geiger am prominentesten vertreten: Sowohl Altmeister Stéphane Grappelli als auch Bluesmann Don „Sugarcane“ Harris und die jungen Wilden wie Jean-Luc Ponty oder Didier Lockwood versammeln sich unter dem MPS-Signum. Große Namen des internationalen Jazz wie Freddie Hubbard oder Jim Hall bereichern den Katalog. Zu den Stammgästen zählen auch Big Bands von Dizzy Gillespie und Count Basie bis zu Peter Herbolzheimers Rhythm Combination and Brass, Unterhaltungsorchester von Kurt Edelhagen oder Erwin Lehn veröffentlichen auf dem Schwarzwaldlabel.

SIDE B

Mekka für Oscar Peterson, George Duke, die Singers Unlimited und jede Menge junger europäischer Entdeckungen: Die MPSStudios in Villingen schrieben dank hochwertiger Aufnahmetechnik und unverwechselbarer Ästhetik zwei Jahrzehnte lang pionierhaft Jazzgeschichte. Bis heute sorgt der „most perfect sound made in the Black Forest“ für leuchtende Ohren bei Analog-Fans weltweit. Ein kleiner historischer Abriss.

finden längst nicht nur in Villingen statt, sondern etwa auch in New Yorker Studios, Livemitschnitte liefern die Berliner Jazztage. Enge Teamworks mit Tonmeister-Koryphäen wie Willi Fruth und Rolf Donner garantieren den hohen klangästhetischen Anspruch, und viele Entdeckungen werden durch den damaligen Jazzpapst Joachim-Ernst Berendt vermittelt, der beim nahen Südwestfunk wirkt.

BY MAX DAX

Vielfalt, Mut und Qualität: Das sind die Markenzeichen, mit denen MPS – die Musik Produktion Schwarzwald - als Deutschlands erstes Jazz-Label mit seinem Gründer Hans Georg Brunner-Schwer Weltruhm erlangten. Am 1. April 2018 steht nun ein runder Geburtstag an: Das Gütesiegel in Sachen hochwertiger Jazz-Sound feiert seinen Fünfzigsten.

PIANO


22 | Andreas Schaerer

OSCAR | arttourist.com Jazz | Neue Musik | Elektro | 2018

Andreas Schaerer Der Schweizer Musiker Andreas Schaerer, wie er sich selbst am liebsten bezeichnet, ist ein Sänger, Komponist und Dozent an der Hochschule der Künste Bern, mit schier unbegrenzten Möglichkeiten. Er singt, summt, schnalzt, scattet oder beatboxt, dass man ganz gefangen ist von seiner Virtuosität und seinem künstlerischen Ausdruck. Andreas Schaerer ist tourt als Sänger weltweit intensiv mit verschiedenen eigenen Projekten. Allen voran mit seinem Sextett „Hildegard Lernt Fliegen“, im Duo mit Lucas Niggli, im Quartett „Out Of Land“ mit Emile Parisien, Vincent Peirani und Michael Wollny, in der Band „A Novel Of Anomaly“ mit Kalle Kalima, Luciano Biondini und Lucas Niggli, im Trio mit den beiden Wiener Musikern Martin Eberle und Peter Rom,   in Zusammenarbeit mit dem

klassischen „ARTE“ Saxophonquartett, sowie mit „Das Beet“. Daneben ist er ein gefragter Studiomusiker und arbeitet in diversen Stilrichtungen von aktuellem Jazz über zeitgenössische klassische Musik bis hin zu Hip-Hop oder der Vertonung von Computergames. Als Komponist schreibt er neben der Musik für seine eigenen Projekte  auch regelmäßig  Auftragskompositionen für klassische Ensembles und zeitgenössische Formationen. 2004 und 2005 schreibt er zwei erste Streichquartette, 2013 entsteht die Auftragskomposition „Perpetual Delirium“ für das „ARTE“Saxofonquartett. 2015 wird Schaerers erstes sinfonisches Werk „The Big Wig“, von dem, von Pierre Boulez gegründeten Lucerne Festival Academy Orchestra am LUCERNE FESTIVAL uraufgeführt. 2017

Schaerer Portrait 2018 A © by FotoSolar

arbeitet er erneut mit verschiedenen Orchestern zusammen (Lucerne Festival Alumni Orchestra, Jenaer Philharmoniker, Orchestra della svizzera italiana) sein Werk gelangt in der Elbphilharmonie Hamburg, der Philharmonie Essen, dem KKL Luzern und anderen wichtigen klassischen Sälen zur Aufführung. 2018 sind Kollaborationen mit dem Orchestre de Cannes und der Baden Württembergischen Philharmonie geplant. Für 2019 ist ein neues abendfüllendes sinfonisches Werk in Zusammenarbeit mit der Basler Sinfonietta geplant. Zurzeit ist er mit der Band „A Novel Of Anomaly“ auf großer Release Tour zu der gerade erschienenen CD. Zwischen zwei Konzerten trafen wir Andreas Schaerer zum Gespräch.

Gerade ist die von Ihnen mit geründete und in diesem Jahr zum elften Mal stattgefundene Jazzwerkstatt Bern zu Ende gegangen, wo Sie MusikerInnen und KomponistInnen aus aller Welt, verschiedener stilistischer als auch geografischer Herkunft zusammenführen. Was haben Sie dabei zum ersten Mal in Ihrem Leben gemacht?  Andreas Schaerer: Seit 3 Jahren bin ich nicht mehr involviert in die Organisation des Festivals, mit den ganzen eigenen Konzertaktivitäten wurde das zu viel. Dafür kann ich nun entspannt dem Geschehen als neugieriger Zuhörer lauschen. In diesem Jahr habe ich zum ersten mal in meinem Leben eine wunderbare Kombination von Querflöte und Flügelhorn gehört, welche die feingliedrigen Arrangements des Südafrikanischen Bassisten Shane Cooper spielten. Ein Hochgenuss.   Sänger, Vocalist, Beat-Boxer, Tonkünstler, Stimmeninterpret... Wie bezeichnen Sie sich selbst?  Andreas Schaerer: Die Bezeichnung, das ist so eine Sache. Für mich selber ist das eigentlich nicht so wichtig, je nach Projekt bin ich eher Komponist, traditioneller Sänger oder arbeite z.B mit Mund-perkussion. Am einfachsten ist es wohl, wenn ich mich als Musiker bezeichne. Das einzige was ich nicht so mag als Bezeichnung ist „Stimmakrobat“, das hat so etwas sportliches und klingt mir zu sehr nach Zirkus.   Wann haben Sie entdeckt, das Ihre Stimme Ihr Instrument ist?  Andreas Schaerer: Intuitiv war das, so lange ich denken kann, eigentlich immer klar. Ich kann mich erinnern, dass ich als Teenager beim Improvisieren auf der Gitarre, die Melodien in meinem Kopf jeweils sehr klar voraus-hörte, meine Finger sie aber nicht schnell genug umsetzen konnten. Es war dann naheliegend, die Musik, die ich innerlich hörte, direkt über meinen Körper bzw. die Stimme auszudrücken. Als ich dann später Jazzgesang an der Hochschule studierte, sang ich die ersten 2-3 Jahre vor allem Standards, ganz traditionell. Dabei hat sich meine Aufmerksamkeit kontinuierlich von den Sängern zu den Instrumentalisten verlagert. Ich habe mehr und mehr angefangen „instrumental“ zu denken beim Singen.    Sie hätten aber auch beim Punk und ihrer Band „Hektor lebt“ hängen bleiben könnten? Wieviel Punk steckt noch in Ihnen, und greifen Sie ab und an noch zur Gitarre?  Andreas Schaerer: Naja, der Jazz hat ja per se eine punkige Seite: Das „In-Frage-Stellen“ gängiger Regeln ist Teil des kreativen Prozesses. Als improvisierender Musiker ist man immer auch Anarchist. Jegliche Form von institutioneller Autorität war mir stets suspekt. Man könnte sogar sagen, ich reagierte geradezu allergisch darauf. Autorität hat bei mir immer die Lust auf Provokation geweckt. Früher war das ganz extrem. Ich habe einen Grossteil meines Musikunterrichts in der Grundschule vor der Türe verbracht, weil ich die ganzen verstaubten Schullieder welche wir singen mussten, jeweils spontan ziemlich abgeändert gesungen habe, was natürlich den Unterricht störte. Heute ist das nicht mehr ganz so stark ausgeprägt bzw. ich reagiere etwas entspannter und überlegter.  Die Gitarre hängt bei mir im Wohnzimmer und ich spiele sie nur noch selten, um meinen beiden Kindern ein Stück vorzuspielen oder sie zu begleiten. Ab und zu komponiere ich auf der Gitarre, weil man da auf ganz andere Lösungen kommt als mit der Stimme oder auf dem Klavier.   Wie erarbeiten Sie sich neue Stücke, wie gehen Sie an neue musikalischen Begegnungen wie z.B. auf der gerade erschienenen CD „A Novel Of Anomaly“ mit Luciano Biondini, Kalle Kalima und Lucas Niggli heran?  Andreas Schaerer: Man trifft neue Musiker und spürt, dass da eine Verbindung ist, eine gemeinsame Vision entstehen kann. Bei „ A Novel Of Anomaly“ war das so. Eigentlich waren ursprünglich zwei unterschiedliche Trios geplant, bei denen jeweils Lucas Niggli und ich mit einem Gast spielen wollten. Mehr oder weniger zufällig waren wir dann alle Vier gemeinsam im Proberaum und haben angefangen zu Improvisieren. Der Sog der Musik war augenblicklich. So stark, dass allen Beteiligten klar war „that’s it !“. Oft entstehen neue Projekte aus solchen ungeplanten Momenten, was ich sehr geniesse ! Beim Komponieren für ein Ensemble denke ich dann immer ganz stark auch an die einzelnen Musiker. Es geht mir dabei mehr um den Menschen und seine Eigenheit als Spieler, seine „Temperatur“, als darum welches Instrument er spielt.    Steckt hinter jedem Ton, jedem Laut eine Note, und sitzt bei jedem Konzert der Ton, das Juchzen oder Schnalzen genau an der gleichen Stelle wie eine geschriebene Note? Oder ist jeder Auftritt, jede CD-Produktion ein „Unikat“?  Andreas Schaerer: Jede Performance ist ein Unikat. Da ist dauernd Alles in Bewegung.  So viele Parameter haben darauf einen Einfluss. Die meisten davon kann man gar nicht beeinflusse: Die eigene Energie und Stimmung, die Mitmusiker, das Publikum, das Land in dem man spielt und die Sprache welche die lokalen Leute sprechen, das Wetter, der Bühnensound, die Träume welche man letzte Nacht hatte, die Schlagzeilen der Tageszeitung, das Pfeifen der Vögel vor der Hotellobby beim Morgenkaffee, die Ruhe beim Spaziergang am Nachmittag, der Verkehrslärm während der Anreise zum Konzert usw… das alles kann dann am Abend auf der Konzertbühne in die Musik einfliessen.   Neben Gesang haben Sie auch Komposition an der Hochschule der Künste Bern studiert. Wären Sie ohne das Studium der Komposition mit Ihre Stimme heute dort wo Sie sind? 


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Andreas Schaerer | Neuerscheinungen | new releases  |  23

NEUERSCHEINUNGEN | NEW RELEASES

Florian Christl Debutalbum „Inspiration“

Andreas Schaerer: Improvisieren ist ja eigentlich nichts anderes als „Komponieren in sehr schnellem Tempo“. Ich suche stehst eine komponierte Qualität in der Improvisation. Während meinem Studium wurde mir mehr und mehr klar, dass ich eigenes Material komponieren muss, wenn ich meinen eigenen Gesangs-stil in die Stücke einbringen will. Man kann zwar sehr offen mit bestehenden Songs und Standarts umgehen, ich hatte aber eine sehr klare Vorstellung von verschiedenen Klangkombinationen. Das zwang mich quasi dazu, selber Material zu schreiben, bei dem ich dies umsetzten konnte. Räume zu entwickeln in denen all die StimmSounds Sinn ergeben. Was bewegt Sie musikalisch in der Zukunft, was für Projekte, Herausforderungen, Ideen warten auf Sie?  Andreas Schaerer: Im laufenden Jahr sind wir natürlich intensiv mit unserem aktuellen Album „A Novel Of Anomaly“ unterwegs. Neue Ideen gibt es viele. Konkret bin ich daran ein neues Programm für mein Sextett „Hildegard Lernt Fliegen“ zu schreiben, welches Anfang 2020 auf die Bühne kommt. In diesem Zusammenhang ist auch ein neues Album geplant. Daneben stehen diverse Zusammenarbeiten mit klassischen Ensembles im Terminkalender. Ein kammermusikalisches Projekt mit Streichern wird im Herbst 2019 auf die Bühne kommen. Ausserdem arbeite ich an einer neuen Sinfonie für die Basler Sinfonietta, die im Herbst 2020 uraufgeführt wird. Ein weiterer Traum von mir ist es, ein ganzes Album mit

Solo Stimme aufzunehmen. Das muss sich aber wohl noch einen Moment gedulden.   Letztes Jahr habe ich einem Konzert Ihres Freundes Kalle Kalima, zusammen mit dem Organisten Andreas Behrendt und dem Vokalensemble Vox Nostra aus Berlin im Kloster Salem beigewohnt. Nachdem ich Sie bei der jazzahead, auch im Zusammenspiel mit Kalle Kalima erlebt habe, haben Sie mir in diesem eh schon spannenden Experiment dem Zusammenspiel aus Orgel, EGitarre und Vokalmusik des Mittelalters als „ds Zäni“ noch gefehlt. Sie haben und probieren vieles aus. Von aktuellem Jazz über zeitgenössische klassische Musik bis hin zu Hip-Hop oder der Vertonung von Computergames reichen Ihre Spielfelder Wäre die Auseinandersetzung, eine Gegenüberstellung oder „Battle“ mit mittelalterlicher, geistlicher Musik etwas, was Sie schon einmal gemacht bzw. Sie reizen könnte? Andreas Schaerer: Ich bin grundsätzlich für alles offen. Mit Kalle Kalima spiele ich extrem gerne. Würde er mich für ein solches Projekt anfragen, weiss ich nicht ob ich widerstehen könnte. Gleichzeitig versuche ich mich natürlich nicht all zu sehr zu verzetteln. Man kann nicht auf allen Hochzeiten tanzen. Aber ich geniesse es auch immer wiedermal meine „comfort-zone“ zu verlassen. Wer weiss was da noch alles an neuen Verbindungen auf mich zukommt. www.andreasschaerer.com DAS GESPRÄCH FÜHRTE KAI GEIGER.

Florian Christl, der junge Münchner Pianist und Komponist, ist auf dem besten Weg, Ludovico Einaudi nördlich der Alpen Konkurrenz zu machen. Sein selbstproduziertes Video „Fly“, in dem er mit seinem Klavier vor der atemberaubenden Kulisse der Alpen spielt, hat sich binnen kurzer Zeit zu einem Überraschungserfolg bei youtube entwickelt. Christls Debütalbum „Inspiration“ erscheint am 23. März bei Sony Music. Und erst kürzlich wurde Christls Teilnahme am „Piano Day“ bestätigt, den Niels Frahm ins Leben gerufen hat. www.sonyclassical.de www.florianchristl.de

JOEY ALEXANDER ECLIPSE featuring Ruben Rogers, Eric Harlandandspecialguest, Joshua Redman Joey Alexander takes a giant step forward with his fourth album, Eclipse, unveiling six new compositions (in addition to five covers) that display Alexander’s immense evolution and originality. This sophisticated yet explorational recording features a stellar rhythm section of bassist Reuben Rogers and drummer Eric Harland with guest appearances on three tracks by saxophonist Joshua Redman. Recorded in Woodstock on August 21, 2017, the day of the total solar eclipse, thetrack „Eclipse“ be came the centerpiece of the album. The musicians' spontaneous expression of their experience viewing this rare astronomical event signifiesAlexander‘s movement into a freer expression, embracing the unknown, both musically and personally. www.motema.com www.joeyalexandermusic.com

Duke’s Dream Enrico Pieranunzi Rosario Giuliani

© ACT / Gregor Hohenberg

Bei ihren Reflexionen über die Musik von Duke Ellington entwickeln Enrico Pieranunzi und Rosario Giuliani einen vitalen Impuls – Auslöser eines spielerischen Prozesses, der sie die Musik des Duke imaginieren, diese vergegenwärtigen und in

frischen Farben aufleuchten lässt. „Duke’sDream“ öffnet ein Fenster und bietet einen Platz an in einem der Züge, die nicht nur zwei Stadtteile miteinander verbinden, sondern zugleich auch den einen kulturellen Topos mit einem anderen. Es gibt Balladen- und Bluesfeeling, tänzerischen Überschwang und Lamento, spirituelle Besinnung und tonale Kühnheiten – all das auf der Basis eines nicht immer ausformulierten, aber stets mitgedachten und mitgefühlten swingenden Grundgestus. de.schott-music.com/intuition www.enricopieranunzi.it www.rosariogiuliani.com

am Bass und Per Oddvar Johansen am Schlagzeug, auf einigen Stücken noch durch den norwegischen Saxofonisten Tore Brunborg (bekannt durch seine Zusammenarbeit etwa mit Tord Gustavsen oder Manu Katchè) verstärkt, besitzt Bałdych auch die Mittel, die verschiedenen Aspekte der Brüderlichkeit musikalisch ausdrücken zu können. www.actmusic.com www.adambaldych.com

Michael Wollny Oslo

Desert Pulse Hans Lüdemann & Trio Ivoire 1999 begegnete der Kölner Jazzpianist Hans Lüdemann bei einer Reise nach Westafrika dem Balafonspieler Aly Keïta von der Elfenbeinküste. Weil sie sich musikalisch gleich blendend verstanden, gründeten sie das Trio Ivoire, das seither die Verbindungslinien zwischen Jazz und westafrikanischer Musik erkundet. Auf dem neuen Album „Desert Pulse“ sind neben Lüdemann, Aly Keïta und dem Schlagzeuger Christian Thomé die Gastmusiker Reiner Winterschladen (Trompete) und Ballaké Sissoko (Kora) zu hören, die das Klangspektrum noch farbenreicher machen. Es entsteht eine Musik, die Brücken zwischen Afrika, Jazz und Europa schlägt und in ihrer entspannten Gangart ein Gegenmodell zur überdrehten Moderne des industriellen Nordens darstellt. de.schott-music.com/intuition www.hansluedemann.de www.trioivoire.com

Auf „Oslo“ steht der musikalische Geschichtenerzähler und Meister atmosphärisch dichter Klanggemälde zwischen Jazz, Klassik und Neuer Musik zusammen mit seinem gefeierten Trio im Fokus. Bereichert wird es durch das frei improvisierende Norwegian Wind Ensemble. Es sind 1283 Kilometer mit dem Auto von Oslo bis zur Wartburg vor den Toren Eisenachs. Die Strecke lässt sich aber auch ganz anders überwinden, zum Beispiel auf dem Sofa vor der Stereoanlage. Und wechselnde Landschaften ziehen trotzdem vorbei, nur diesmal vor dem inneren Auge. Dass und vor allem wie dem Pianisten Michael Wollny solch ein wahres Bravourstück gelungen ist, bedarf des Eintauchens in eine höchst erzählenswerte Geschichte des Jazz. Und einiger persönlicher Worte ihres Schöpfers. Vom 5. bis zum 7. September des vergangenen Jahres lud Produzent Siggi Loch Wollny, Bassist Christan Weber und Schlagzeuger Eric Schaefer ins Osloer Rainbow Studio ein, um ein neues Album des Trios aufzunehmen. Für den dritten Tag verabredete man sich mit dem von GeirLysne geleiteten Norwegian Wind Ensemble, das sowohl ein Interesse an als auch die... www.actmusic.com www.michaelwollny.com

Adam Baldych Brothers „Brothers“ also heißt Adam Bałdychs neues – obendrein dem Andenken seines verstorbenen Bruders gewidmetes – Album, und es geht ihm und seinen Begleitern dementsprechend um mehr als nur um Virtuosität oder Unterhaltung: „Ich möchte, dass meine Musik in die Zeit, in der wir leben, eindringt und sie reflektiert, dass sie ihre Sorgen und Sehnsüchte aufnimmt. Ich wünsche mir für meine Musik, dass sie die Botschaft von Liebe und Schönheit transportiert. Denn mehr denn je müssen wir uns heute als Brüder und Schwestern fühlen, um einander besser zu verstehen.“ Ein hohes Ziel, das sich auch in Songtiteln wie „Faith“, „Love“, „One“ oder „Shadows“ spiegelt. Aber im bestens eingespielten Verbund mit Helge Lien am Piano, Frode Berg

Michael Wollny Wartburg „Wartburg“ repräsentiert besonders Michael Wollnys Fähigkeit, sich ganz der Magie des Moments zu öffnen: Traumwandlerisch und mit geschärften Sinnen immer am Limit improvisierend ist dieses allererste Zusammentreffen des Trios mit Emile Parisien, dem aktuell wohl stilprägendsten Sopransaxofonisten und französischen „Künstler des Jahres“ (Jazz Magazine), eine Sternstunde des zeitgenössischen Jazz. www.actmusic.com www.michaelwollny.com FORTSETZUNG AUF SEITE 25


of legendary recordings » MPS

repertoire is produced with infinite care and dedication by people who have a profound love and respect for jazz and inherent appreciation of the imperatives of high fidelity recording. MPS is a label aimed at the discerning and discriminating ear.« JAZZ JOURNAL

Neu- und Wiederveröffentlichungen von MPS erhalten Sie auf CD und Vinyl im gut sortierten Fachhandel. Der gesamte MPS-Katalog von fast 500 Aufnahmen ist außerdem auch digital auf allen üblichen Plattformen verfügbar.

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OSCAR | arttourist.com Jazz | Neue Musik | Elektro | 2018 FORTSETZUNG VON SEITE 23

kind of collective family portrait. Ravensburg was recorded at Oslo’s Rainbow Studio in June 2017 and produced by Manfred Eicher, and is issued on the eve of European tour. www.ecmrecords.com www.mathiaseick.no

esbjörnsvenssontrio „e.s.t. live in London“ am 11.5.2018 Am 14. Juni dieses Jahres ist es genau zehn Jahre her, dass Pianist Esbjörn Svensson bei einem Tauchunfall ums Leben kam. Damit kam auch eine beispiellose Erfolgsgeschichte des europäischen Jazz zu einem tragischen Ende: Mit e.s.t. – Esbjörn Svensson Trio prägte Svensson eine ganze Generation von Musikern weltweit, und es gelang ihm und seinen Mitstreitern Dan Berglund und Magnus Öström auf beispiellose Weise, ein neues, junges Publikum für den Jazz zu begeistern. Am 11. Mai 2018 erscheint mit dem Doppelalbum „e.s.t. live in London“ eine bisher unveröffentlichte Aufnahme der Band auf ACT. Sie dokumentiert ein umjubeltes, ausverkauftes Konzert im Londoner „Barbican“ aus dem Jahr 2005 und eine Band auf der Höhe ihrer Popularität und Schaffenskraft. Das Album ist, nach „e.s.t. Live ´95“ (2001) und „e.s.t. Live in Hamburg“ (2007), welches die London Times zum „Jazzalbum des Jahrzehnts“ wählte, das dritte reguläre Livealbum von e.s.t. und das erste, das nach dem Tod von Esbjörn Svensson erscheint. Die Bedeutung von Esbjörn Svensson und e.s.t. für das moderne Pianotrio und den Jazz insgesamt ist nach wie vor ungebrochen. Unverkennbar hört man den Einfluss der Band bis heute in der Musik besonders junger und oft bei Hörern in ihrer eigenen Generation erfolgreicher Bands aus der ganzen Welt. e.s.t. öffneten die Tür zu einer Musikwelt, deren Akteure und Fans keine Genregrenzen kennen. WeltJazz jenseits aller Kategorien, heute so relevant wie einst. www.actmusic.com

After The Fall KEITH JARRETT GARY PEACOCK JACK DEJOHNETTE The group colloquially known as “the Standards trio” has made many outstanding recordings, and After The Fall must rank with the very best of them. “I was amazed to hear how well the music worked,” writes Keith Jarrett in his liner note. “For me, it’s not only a historical document, but a truly great concert.” This performance – in Newark, New Jersey in November 1998 – marked Jarrett’s return to the concert stage after a two year hiatus. Joined by improvising partners Gary Peacock and Jack DeJohnette, he glides and soars through classics of the Great American Songbook including “The Masquerade Is Over”, “Autumn Leaves”, “When I Fall In Love” and “I’ll See You Again”. There are also breathtaking accounts of hallowed bebop tunes including Charlie Parker’s “Scrapple From The Apple”, Bud Powell’s “Bouncin’ With Bud” and Sonny Rollins’s “Doxy”. www.ecmrecords.com

One of the pleasures of Mathias Eick’s Midwest album was hearing his vaulting trumpet supported by violin, an instrumental combination further developed on Ravensburg. The new violinist in Eick’s ensemble is Håkon Aase, one of the up-and-coming players of the new Norwegian scene, whom attentive ECM listeners will already know from his work with Thomas Strønen’s group. The core Eick road band is further shored up by the addition of Helge Andreas Norbakken, who interacts excitingly with fellow drummer Torstein Lofthus. Eick is in great form as a writer on this showing, deploying driving rhythm at the bottom end of his music and soaring melody at the top in this series of pieces which add up to a

einer dieser glücklichen Charaktere. Trotzdem folgte die Pianistin und vormalige Kirchenmusikdirektorin, die einen Nummer-1-Hit in den Billboard-Charts landete, ihrer Bestimmung zunächst nur zögerlich. „Ich ahnte nicht, dass mich die Kirchenmusik darauf vorbereiten würde, wofür ich heute stehe“, erzählt Avery*Sunshine. Wofür sie heute steht? Mit ihren fesselnden Bühnen-Performances, ihren freimütigen, zumeist humorvollen Neckereien und ihren optimistischen Hymnen über die Liebe und das Leben vereint sie ganz unterschiedliche Zuhörer. Ihrer Selbsteinschätzung nach, ist es das, was sie am besten kann. Genau genommen kann sie es so gut, dass sie mit Lob von Kultkünstlern wie der „Queen of Soul“, Aretha Franklin, überschüttet wurde, die schwärmte: „Ich liebe Avery*Sunshine!“ Der einzigartige, kompromisslose Soul/R&B-Sound der in Atlanta beheimateten Sängerin hat aus Koryphäen wie Patti LaBelle und Berry Gordy Avery*Sunshine- Gläubige gemacht. Boy George verkündete auf Twitter: „@averysunshine - Ich liebe die Stimme dieser Frau.“ www.qrious.de www.averysunshine.com

Geheimnis dieses Trios liegt dabei sicherlich in der raren Gabe, einen ganz eigenen Sound entwickelt zu haben, der geprägt wird durch die filigranen Klangmalereien von Namensgeber Emil Brandqvist am Schlagzeug und den mal sensibel dahingetupften, mal rasant dahinrollenden NeoKlassizismen des finnischen Pianisten Tuomas A. Turunen. www.qrious.de www.emilbrandqvisttrio.com

Helge Lien Knut Hem Hummingbird Es sind genau 7644,27 km von Oslo nach Paris, Texas. Doch wenn Helge Lien und Knut Hem zu ihren Instrumenten greifen, fühlt es sich an wie ein Katzensprung. Mit einer einzigartigen Mischung aus Jazz und Bluegrass zeigen die beiden Ausnahmemusiker die verblüffenden Ähnlichkeiten und sich anziehenden Gegensätze zwischen zwei scheinbar widersprüchlichen Welten auf: Der stillen Melancholie der Fjorde und der endlosen Einsamkeit der Canyons; der klirrenden Kälte des norwegischen Hinterlandes und der glühenden Freiheit der amerikanischen Highways. www.ozellamusic.com www.helgelien.com www.facebook.com/KnutHem/

Emil Brandqvist Trio Within A Dream

Arvo Pärt: The Symphonies NFM WROCŁAW PHILHARMONIC TÕNU KALJUSTE

Mathias Eick Ravensburg

Neuerscheinungen | new releases  |  25

All four of ArvoPärt’s symphonies, newly recorded with the NFM Wrocław Philharmonic under the direction of one of Pärt’s most trusted colleagues, TõnuKaljuste. Each of the symphonies, as the great Estonian composer has noted, is a world unto itself. Heard in chronological order they also tell us much about Pärt’s musical and spiritual journey, and the very different ways in which he has exercised his craft. Forty-five years separate his Symphony No. 1 (“Polyphonic”) written in 1963 while he was still a student of Heino Eller, from his Symphony No. 4 (“Los Angeles”) written in 2008, by which time he was the world’s most widely-performed contemporary composer. www.ecmrecords.com

AVERY*SUNSHINE TWENTY SIXTY FOUR Manchen Menschen ist eine Bestimmung gegeben, an deren Offensichtlichkeit praktisch nichts zu deuten ist. Avery*Sunshine ist

Traumhaft liest sich die Entwicklung des Emil Brandqvist Trios, das jetzt mit „Within A Dream“ sein viertes Album für SKIP Records eingespielt hat. Das Ensemble um den Göteborger Schlagzeuger Emil Brandqvist wurde mit viel Aufmerksamkeit bedacht: ECHO JAZZ-Nominierung, Longlist Preis der deutschen Schallplattenkritik oder zuletzt Position Nr. 7 in den deutschen Jazzcharts für den Vorgänger „Falling Crystals“. Begeisternde Festivalauftritte bei Palatia Jazz oder dem Gezeitenfestival sowie zahlreiche ausverkaufte Clubkonzerte sorgten genauso wie die gemeinsamen Auftritte mit Max Moor im Rahmen von Jazz & Literatur Veranstaltungen dafür, dass sie in Deutschland in der ersten Reihe des Piano Trio Genres spielen. Ihr Auftritt bei der jazzahead! in Bremen setzte in der Publikumsresonanz des gesamten Showcase-Programms ein deutliches Zeichen. Viele internationale Anfragen folgten daraus und mit Auftritten wie beim Conversations Festival in Irland, „Jazz Au Plateau Picard“ (Paris) und dem Nordic Culture Festival in Seoul konnten sie auch international überzeugen. Das

Martti Vesala Soundpost Quintet Stars Aligned Der Triumph einer großartig eingespielten Band, ein Klang zwischen Vintage und Moderne – ist Vesala der neue Miles Davis? Auf „Stars Aligned“ zelebriert Trompeter Martti Vesala den Sound der 60er und 70er – melodisch aber nicht anbiedernd, funky und doch entspannt, voller packender Grooves und Soli. Dabei klingt er so leidenschaftlich, virtuos und originalgetreu wie kaum ein anderer zurzeit. Kein Wunder, dass das legendäre Downbeat Magazin bereits Vergleiche mit Miles Davis zieht. www.ozellamusic.com www.marttivesala.com

145th & St. Nick’s Simon Ploetzeneder Quartet Der 1987 geborene und aus Ampflwang, Bezirk Vöcklabruck, Oberösterreich stammende Jazztrompeter, Arrangeur, Komponist und Bandleader Simon Plötzeneder lebt als freischaffender Musiker in Wien. Seine Ausbildung zum professionellen Jazztrompeter brachte ihn

von der Linzer Bruckneruniversität über das Wiener Jazzkonservatorium hin zur renommierten Jazzhochschule Conservatorium van Amsterdam. Als Gewinner des dortigen New York Stipendiums an der Manhattan School of Music konnte er seinen Musikstil in der wohl bedeutendsten Stadt des Jazz weiterentwickeln. All diese Erfahrungen spiegeln sich in seinen Kompositionen wider. Rhythmisch komplexe Riffs treffen auf moderne Harmonien und eingängige Melodien, die viel Platz für spontane Soli lassen. Ganz besonders beeinflusste ihn der berühmte Saxophonist und Komponist Wayne Shorter, welcher laut Plötzeneder damals wie heute zeitlose Musik komponiert. Das Quartett widmet Shorter deshalb ein Stück mit dem Titel „One for Wayne“. Plötzeneders Sound und Improvisationsstil wurden hauptsächlich von amerikanischen Trompetern wie Miles Davis, Chet Baker, Clifford Brown, Freddie Hubbard und Booker Little geprägt. www.ats-records.de www.simon.ploetzeneder.net

Renate Reich Fivetett So Full of Life

Songs, die auf wunderbare Art zu verführen vermögen. Das Renate Reich Fivetett zeigt auf seinem neuen Album „So Full Of Life“ (ATS Records), welch musikalische Schönheit und Gediegenheit aus der Verschmelzung von Jazz und Pop erwachsen können. Ein Ton, der einen in eine andere Dimension eintauchen lässt, genau dieser ist es, der dieses Album zu einem Erlebnis werden lässt. Renate Reich, das ist Lebenslust pur, gepaart mit packender Bühnenpräsenz und einer gekonnt geführten, facettenreichen Stimme. Behutsam getragen wird sie von Instrumentalisten, die sich als Begleitmusiker stets songdienlich zu präsentieren wissen und in ausgedehnten Solopassagen ihre Virtuosität und Improvisationsfreudigkeit voll entfalten dürfen. Ein verführerisch warmer Klang, der einfängt. Reichs drittes Album mit ausschließlich eigenen Kompositionen ist ganz bewusst im Spannungsfeld zwischen Pop, World und Jazz eingebettet und lädt zum Eintauchen in eine wundersame Klangwelt ein. Melodiöse Songs, aufregende Instrumentalsoli, bildreiche Texte und eine samtige Stimme, reich an Nuancen, Gefühl und Ausdruck. Eine Freude für Musikfans, die schon lange auf der Suche nach entstaubtem Jazz und interessanter Singer-Songwriter/ Popmusik sind. www.ats-records.de www.renatereich.at


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eine Reise in das Herz des WintersV Nach feurigen Kestival-auftritten erkundet das dritte Ikonen-album eine Welt aus eis und SchUnheit.

ein klassisches Gitarren-Trio, ein magischer, freisch�ebender SoundV In�ardness führen den HUrer in den Mikrokosmos z�ischen den TUnen.

Die Stimm-Korscherin kehrt zurück ä mit einer audiophilen wlanglandschaft abseits aller wategorien.

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Drei InstrumenteV orgel, wlavier, Sa�ophon. Die beiden führenden öazz-Musiker aserbaidschans. ein intensiver, lichtdurchfluteter energie-Raum. weine Grenzen. 8ä.cECEZ:.�b�t�– 2M2– 0O�l 1R O–ST�U 1R0 O–DV y0O a�rZ)PEg

Der Triumph einer gro?artig eingespielten Band, ein wlang z�ischen Zintage und Moderne ä ist Zesala der neue Miles Davis3

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Der BBC Ne� Generation artist mit seinem neuen Trio. ein intensiv-stiller Trip inspiriert von TarkovksäKilmen, Keldman’s epischer wammermusik und übersinnlichem öazz.

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Rudi Berger  |  27

photo © Sandrine Rohrmoser

Rudi Berger Jazzviolinist & Contemporary Songwriter As a well established traveler between cultures diversity of human expression is the main source of inspiration for Rudi Berger`s pieces and playing, and has influenced the development of his distinct personal tone as a violinist and composer. He has released 5 albums and has featured on more then 200 recordings, some of them Grammy nominated, including award-winning soundtracks for animation, film and theatre. Born and raised in Vienna, Rudi Berger began studying Classical Violin at Prayner Conserva-

tory when he was 6 years old. At the age of seven he took up piano lessons for four years. His grandfather who was an amateur accordion player & folklore singer taught Rudi to play with him by ear. At age fifteen he wrote his first songs made his first public appearances and recordings with Blues guitarist & singer Al Cook and began jamming and gigging with his friends and musicians of the Viennese Gypsy scene.After finishing high school he played as a multi-in-

strumentalist/singer in a night club band for two years, alongside playing violin with classical and traditional Viennese Waltz orchestras and finishing his studies of classical violin at the Conservatory of Vienna. Before moving to New York in 1986, Rudi had already created a stir within the European Jazz scene with his formations (Rudi Berger`s Good News, R.B. Group, R.B. Quartett and R.B. Project) and his three-year stint as soloist of the newly-founded “Vienna Art Orchestra”. He released his debut album “First Step” and was voted Violinist of the year in 1985 & 86 by the European magazine “Jazz Live”. After one year living in the city the legendary jazz broadcaster WKCR invited him to play a “Live Special” with his first New York Quartet ( Joe Calderazzo, Mike Formanek and Adam Nussbaum). In 1989 he has been performing the music of Astor Piazzolla at the American Music Theatre Festival (New York, Philadelphia, Charleston), under the supervision of the tango composer himself. In the same year he met Brazilian guitar composer Toninho Horta whom he has teamed up with on more than 500 occasions. In 1999 he held a post as guest professor of the University of Belo Horizonte (UFMG) for two years and moved 2003 to Brazil. Over the years Rudi Berger has performed all over Brazil with many of the finest instrumentalists and singers and continues his journey writing new music, developing his violin styles and being involved in social projects supporting native Indians. Rudi Berger’s career development has seen him achieve his unique standing and musical style in the world of Jazz Violin and has resulted in him being considered one of the most original and trend-setting current voices of his genre.

photo © Pedro Lippi

In 2019 Rudi Berger & the Three World Band will tour for the sixth time Europe and celebrate the beauty of diversity with their music which challenges peoples mind and goes straight to the heart.

Performances and recordings with: Jay Anderson, Nelson Ayres, Victor Bailey, Jefferson Ballard, Joseph Bowie, Phil Bowler, Fabiano Chagas, Mike Clark, Kennwood Dennard, Joris Dudli, Mark Egan, Charles Fambrough, Russel Ferrante, Artt Frank, Mike Gerber, Gil Goldstein, Danny Gottlieb, Christian Havel, Billy Kilson, Didier Lockwood, Brian Lynch, Peter Madsen, Mike Mainieri, Armando Marcal, Yuri Popoff, Wolfgang Puschnig, Luciana Rabello, Karl Ratzer, Mauro Rodrigues, Mathias Ruegg, Nana Vasconcelos, Erwin Schmidt, Robertinho Silva, Romero Lubambo, Ron McClure, Selma Reis, Wolfgang Reisinger, Gerry Weil a.o. In: Brazil, Chile, Germany, England, Finland, France, Greece, Guatemala, Italy, Japan, Colombia, Croatia, Latvia, Macedonia, Austria, Romania, Sweden, Switzerland, Hungary, Slovakia, Slovenia, Spain, Czech Republic, Ucraine, Hungary, Venezuela, United States www.rudiberger.com Booking: nuviolinjazz@gmail.com Talk to Rudi: rudibergerjazz@gmail.com

avaiable at ATS records www.ats-records.com

I'm a Thomastik Infeld Artist


28 | Bauer Studios

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Der gute Ton Der beste Ton Der perfekte Ton Im ältesten Tonstudio Deutschlands, den Bauer Studios in Ludwigsburg, wird seit bald 70 Jahren Musik produziert. Fast jeden Tag arbeitet ein engagiertes und hoch konzentriertes Team an Tonmeistern und Medieningenieuren in den Bauer Studios am perfekten Ton, der Musik, an Geräuschen und an der Stille. Von einem reinen Mietstudio hat sich das 1949 von Rolf Bauer geründete Unternehmen zum vielseitigen Anbieter verzahnter Dienstleistungen bis zur Warenlieferung im Tonträgerbereich durch kurze Entscheidungswege gewandelt. Künstler aus den Bereichen Jazz, Weltmusik, Blasmusik, Pop/Rock und Sprache gehen in den Bauer Studios ein und aus, kommen gerne und immer wieder. Weltbekannte Künstler wie Miles Davis, Keith Jarrett, Michael Wollny, Al Di Meola, Kurt Masur, Mauricio Kagel, Herbert Grönemeyer, das Pasadena Roof Orchestra oder Dieter Hüsch, Dieter Hildebrandt und Manfred Krug im Bereich Sprache stehen auf der „Gästeliste“ des Studios. Wir sprachen mit Eva Bauer-Oppelland.

Sie haben im letzten Jahr die Geschäftsführung der Bauer Studios abgegeben und fungieren neu als Seniorpartner im Hintergrund. Wie geht es Ihnen damit? Eva Bauer-Oppelland: Das Gefühl, mit einem jungen kompetenten und engagierten Team die Geschichte der Bauer Studios fortzusetzen, ist wunderbar. Im letzten Jahr konnte ich einen großen Teil der Alltagsgeschäfte an die neuen GF übergeben. Sie setzen neue Akzente und legen dennoch viel Wert darauf, den Spirit und die Kernkompetenzen in unserem Sinne weiterzuführen. Die Arbeit im Hintergrund hilft, den Übergang sowohl für die Mannschaft als auch für die Kunden so problemlos und „unsichtbar“ wie möglich zu gestalten. Und mir bekommt es gut, mich mit einem „Fadeout“ langsam auszuklinken und an die Zeit danach zu gewöhnen.

Innerhalb der Tonmeisterriege bekundete Philipp Heck sehr früh sein Interesse, wollte die Verantwortung jedoch nicht alleine tragen. Vor 3,5 Jahren sprach ich, mehr aus Spaß, das junge Tonmeisterpaar Bettina Bertok und Michael Thumm auf der Tonmeistertagung an. Beide hatten vor einigen Jahren ihr Praktikum in den Bauer Studios absolviert und arbeiteten nach dem Studium an der Hochschule in Babelsberg als freie Filmtonmeister in Berlin. Nach einem Jahr Bedenkzeit begannen wir 2016 mit der konkreten Planung der Firmennachfolge, die dann am 1. März 2017 vollzogen werden konnte. „Die Bauer Studios sind eine ideale Anlaufstelle für Musikkünstler aus dem In- und Ausland, die höchste Klangqualität schätzen und Wert auf eine sympathische und bodenständige Umgangsweise legen.“ OLIVIA TRUMMER

Sie konnten die Firma an drei Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Ihres Hauses übertragen. Ein Traum jedes Unternehmers. Wie war der Prozess? War es ein Leichtes, die „Jungen“ für die Fortführung zu gewinnen? Eva Bauer-Oppelland: Mein Mann und ich begannen schon vor 10 Jahren, uns mit der Nachfolgefrage zu beschäftigen. Familie und externe Partner oder Investoren konnten wir bald ausschließen und ein Schließen des ältesten privaten Tonstudios in Deutschland war für uns undenkbar.

Sie haben das Studio 1989 von Ihrem Vater übernommen. Hatte er gesagt, „Du übernimmst“ und Sie hatten keine andere Wahl, oder wie kam es dazu, wann stand für Sie fest: „Ich mach’s!“? Eva Bauer-Oppelland: Schon als kleines Kind nahm mich mein Vater mit ins Studio und es hat mich gleich fasziniert. Ich übte, Bänder zu schneiden, half beim Einrichten der Mikrofone und als „Tapeoperator“ bei den Aufnahmen. Neben der Schule war ich auch früh schon angestellt im Studio als

Tontechnikerin und in der Buchhaltung. Schon bald stand fest, dass ich nach dem Abitur zum Toningenieurstudium nach Düsseldorf gehe.

• Übernahme aller nachfolgenden Dienstleistungen wie Label, Herstellung, Grafik, Verlag und weltweiter Vertrieb, sowohl physisch als auch digital.

„Die Bauer Studios sind seit vielen Jahr-

„Die Bauer Studios sind ein mit grosser

zehnten eine Berührungsbrücke für Künstler

Jazztradition erfüllter Ort, an dem man sich

und deren Seele sowie auch für Produzen-

sofort wohlfühlt. Es war eine große Ehre

ten und deren Ansprüche auf Qualität.

für mich, dort ein Studiokonzert geben zu

Sprich, eine absolute Institution in jeder

dürfen, welches zudem noch als LP veröf-

Beziehung.“

fentlicht wurde.“

PETER HORTON & SLAVA KANTCHEFF

MARTIN SASSE

Wie würden Sie die Funktion und Aufgaben eines Tonstudios in seiner Komplexität beschreiben? Eva Bauer-Oppelland: Bauer Studios hat sich im Ursprung als Dienstleister mit der Kernkompetenz für hochwertige Aufnahmen empfunden und aufgestellt. Dies ist in der heutigen Zeit mit der für jedermann verfügbaren Technik leider immer mehr in den Hintergrund getreten. Nach wie vor setzen wir auf höchste Qualität durch: • exzellente, professionell ausgebildete Tonmeister • einen großen Aufnahmeraum mit bester Akustik für Aufnahmen aller Musikgenres • eine analoge Regie mit der Neve Console und der Regie 2 in modernster Digitaltechnik •  umfassende, persönliche Betreuung der Künstler von der Planung der Produktion bis zum fertigen Masterband

Wie hat sich Ihre Arbeit, die Arbeit eines Tonstudios seit Ihrer Übernahme bis heute verändert? Eva Bauer-Oppelland: Zum Aufnahmebetrieb für Musik und Sprache kamen diverse Labels hinzu, um unseren Kunden auch die für ihre Musik passende Auswertung und Vertriebsstruktur zu bieten. Vertriebspartner in verschiedenen Ländern mussten gefunden werden, die Promotion der Tonträger und Künstler kam hinzu wie auch ein Musikverlag zur Wahrung und Vermarktung der Urheberrechte. Die Aufgaben im Studio werden vielfältiger, es werden alle Produktionsschritte auch gesondert angeboten, die Mischung bereits produzierter Aufnahmen genauso wie das Mastering fertiger Produktionen. Durch den digitalen Austausch von Audiofiles ist alles auch fast in Echtzeit möglich. Interessant ist die Rückbesinnung auf die Analogtechnik, die wir seit fünf Jahren mit

unseren Studio-Konzerten Konzerte werden live mit P direkt in Stereo abgemisch Tonband aufgenommen. D hochwertige Schallplatten tion auf dem Label Neuk wird die 30. LP auf den weitere fünf Platten werd noch folgen, und im Her eine Jubiläums-Doppel-LP unveröffentlichten Titeln ten. Die LP-Serie erfreut High-Audio-Bereich groß man spürt die Energie un der Künstler, und die Aufn einfach fantastisch. Dies stößt immer mehr auf da Künstler und Musikliebhab

„Die Bauer Studios sind ein J. WELSCH

Und was sind die Hera der Zukunft? Eva Bauer-Oppelland: Un blem ist seit Jahren der W Musikaufnahmen. Die We te hat sich total verändert den immer weniger gekauft talen Vermarktung bleibt nu fast nichts für das Label u hängen. Aufnahmen müsse vor gemacht werden und a wünschen sich beste Qual Finanzierung einer guten te schwieriger, obwohl die mehr als 10 Jahren konsta Die Gewichtung geht hin z höheren Marketingbudget ( Cover bekommt mehr als d produktion). Wir sind breit aufgestellt ßen Angebot an Service un Dienstleistungen. Mit unserem neuen Team u von Studio 2 haben wir m duktion und der Möglichkei gen in Surround und Atmos können, unser Angebot noc


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umsetzen. Die Publikum wieder ht und direkt auf Daraus entstehen in unserer Ediklang. Demächst Markt kommen, den dieses Jahr rbst bringen wir heraus mit noch aus 14 Konzersich speziell im ßer Beliebtheit, nd Spontaneität nahmen klingen se Aufnahmeart as Interesse der ber.

nfach legendär.“

ausforderungen

nser größtes ProWerteverfall von ertschöpfungskett, Tonträger werund bei der digiur sehr wenig bis und den Künstler en zwar nach wie auch die Kunden lität, nur ist die Produktion heuStudiopreise seit ant niedrig sind. zu einem weitaus (der Fotograf fürs die ganze Musik-

mit einem grond verschiedenen

und dem Umbau mit Filmpostproit, Filmmischuns durchführen zu chmals erweitert.

Bauer Studios  |  29

Musiker (vlnr): Iman Spaargaren, Jonas Linnemann, Paul Stark, Vasilis Stefanopoulos | Foto: Jacquelien Wielaard

Jonas Linnemann „Die Bauer Studios sind so gut, dass wenn es mal nicht gut klingt, die Musiker selber schuld sind! Vier von sechs meiner letzten Produktionen habe ich deshalb in den Bauer Studios aufgenommen!“ CHRIS GALL

Was ist das Geheimnis der Bauer Studios, warum sind Sie so gefragt? Der „gute und der gute Ton“? Eva Bauer-Oppelland: Die Beständigkeit und Nachhaltigkeit, die wir durch das persönliche Engagement unseres Teams gewährleisten, die fachliche Kompetenz, die individuelle und faire Behandlung und das familiäre Umfeld sind sicherlich ein Grund dafür, dass es uns immer noch gibt. Die enge Beziehung zum Kunden wird immer wichtiger, die gute und umfassende Beratung zu allen Produktionsschritten und die kompetente Betreuung der Künstler von der Aufnahme bis zum Vertrieb.

Alexander Tournee dabei sein. Das waren großartige Erlebnisse. Wenn man zurückdenkt, mit welch beschränkten technischen Mitteln damals hervorragende Aufnahmen realisiert wurden. Dann natürlich das Köln Konzert von Keith Jarrett, bei dem ich als Tonassistentin dabei war. Dankbar bin ich für die Begegnungen mit unzähligen mehr oder weniger bekannten Künstlern, die meisten sehr angenehme, intelligente und weltoffene Persönlichkeiten, die Möglichkeit, ebenso unzählige verschiedene Musikstile und Genres kennenzulernen und bis heute immer Neues entdecken zu können. Mit unseren Studio-Konzerten konnten wir bei vielen Besuchern diese Neugier ebenfalls wecken und Programme anbieten, die sie sonst wohl kaum kennengelernt hätten. Dafür bekommen wir sehr viel positive Resonanz. „Die Bauer Studios sind nicht nur eine Aufnahme- und Produktionsstätte von Weltklasse mit ausgezeichneter Akustik

„Die Bauer Studios sind für mich ein Ort,

und erstklassiger Ausstattung, sondern

an dem Kunst auf Technik trifft und beides

auch ein kreatives Umfeld mit einem kom-

untrennbar miteinander verschmilzt, ein

petenten und talentierten Team, das sich

Ort, an dem ich meine Musik ohne jegliche

leidenschaftlich für die Entwicklung des

Einschränkung zum Klingen bringen kann

bestmöglichen Musikprodukts einsetzt.“

und mich menschlich wie musikalisch

RYAN CARNIAUX

aufgehoben und verstanden fühle.“ TOBIAS BECKER

Funktioniert eine Zusammenarbeit, die Aufnahme mit jedem Künstler oder gibt es auch ein Scheitern? Eva Bauer-Oppelland: Eine hochwertige Aufnahmetechnik und ein reibungsloser Ablauf sind für uns selbstverständlich und Grundvoraussetzung. Sehr wichtig ist das Zusammenspiel von Künstler und Tonmeister, schließlich soll das Team in kürzester Zeit kreative Höchstleistungen vollbringen. Dazu gehört viel psychologisches Einfühlungsvermögen und in kritischeren Fällen auch eine gehörige Portion Professionalität. Zum Glück kommt das bei uns sehr, sehr selten vor, da wir einerseits durch die „Auswahl“ unter sieben Tonmeistern die beste persönliche „Kombination“ finden können und andererseits die Stammkunden immer auf „ihren“ Tonmeister zurückgreifen können.

Und nun Frau Bauer-Oppelland? Was bewegt Sie, was steht auf Ihrer Agenda mit dem Mehr an Zeit, das Sie jetzt haben, auch wenn Sie im Hintergrund immer noch aktiv sind? Eva Bauer-Oppelland: Unsere Großfamilie mit 4 erwachsenen Kindern und 8 Enkelkindern wird sich sicherlich über mehr Zeit und Muße freuen. Ehrenamtliches Engagement in unserem Ort besteht schon längere Zeit und kann sicherlich noch ausgebaut werden. Ausserdem wünschen mein Mann und ich uns schon lange, mehr zu reisen und längere Fahrradtouren zu unternehmen. Und dann hoffe ich, dass ich noch einzelne Projekte im Studio, auf Fachmessen und in Verbänden betreuen kann und den persönlichen Anschluss an die Musikszene nicht verliere. www.bauerstudios.de DAS GESPRÄCH FÜHRTE KAI GEIGER.

Wir sprachen mit Jonas Linnemann vom StarkLinnemann-Quartet, der alle seine Produktionen zusammen mit dem Bauer Studio realisiert hat. Wie wichtig ist ein Tonstudio in der Produktionskette einer CD? Jonas Linnemann: Für ein gutes Album braucht man vier Elemente: gute Musik, gute Musiker, gute Instrumente und ein gutes Tonstudio. Sie haben alle CDs in den Bauer Studios produziert oder gemastert. Was zeichnet die Bauer Studios aus, was macht die Bauer Studios für Sie zu dem perfekten Partner? Jonas Linnemann: Die Aufnahmen und weitere Produktion von Transcending Chopin Vol. 1 und Transcending Chopin Vol. 2&3 fanden in den Bauer Studios in Ludwigsburg statt. Dies ist das älteste Tonstudio in Deutschland. Es gibt da einen perfekt gepflegten Steinway-Flügel aus 1924 und das ist für die anspruchsvolle Musik von StarkLinnemann sehr wichtig. Die Professionalität von Tontechniker Philipp Heck und die gute Erfahrung mit den Mitarbeitern des Bauer Studios geben uns die Zuversicht, immer ein Album auf höchstem Niveau zu produzieren. Unser neues Album, „Pictures at an Exhibition“, ist genau wie die vorherigen Alben in den Bauer Studios gemischt und gemastert.

Wer und was ist das StarkLinnemann-Quartet? Universal-Crossover-Music. Mit der Veröffentlichung des dritten Albums, Transcending Chopin Vol. 2 & 3, im Herbst 2016 ist das StarkLinnemann-Quartet eine Tatsache! Die Bandleader Jonas Linnemann (Schlagzeug) und Paul Stark (Klavier) haben lange Zeit gebraucht, Musiker zu finden, die ihre Visionen und ihren Ehrgeiz teilen. Seit ihrer Gründung im Jahr 2012 hat die Band in verschiedenen Line-ups bewiesen, wie vielseitig ihre Musik ist. Das ist auch zu hören auf den Alben Awake (2014) und  Transcending Chopin Vol. 1 (2016).  Das Genre von Stark Linnemann wird am treffendsten beschrieben als Universal-CrossoverMusic.  Vasilis Stefanopoulos am Bass ist seit Langem ein konstanter Faktor bei StarkLinnemann und ist auch jetzt Teil des Quartetts. Mit Iman Spaargaren ist nun ein Saxophonist dazugekommen, der das Trio mit seinem leidenschaftlichen Spiel perfekt ergänzt.  Tonkünstler in Topform zu sein bedeutet für StarkLinnemann, die Latte immer höher zu legen, bis die optimale Ausführung für ein Werk erreicht ist. Paul Stark und Jonas Linnemann streben danach, ihren eigenen unverkennbaren Sound zu erschaffen, indem sie Jazz mit Elementen aus Klassik und Weltmusik kombinieren. Sie bündeln ihre Kräfte, um zu ausdrucksvollen Kompositionen zu kommen. Ihr Vertrautsein mit Rhythmus und Klang wird bei den beiden Musikern in vollem Umfang ausgeschöpft, um in intensivem Austausch miteinander interessante, variationsreiche Musikstücke zu kreieren. Meisterwerke der Romantik von Frédéric Chopin, Franz Liszt, Ludwig van Beethoven und Modest Mussorgski werden von ihnen in modernen Jazz übertragen, ohne ihre authentische Aussage einzubüßen. So wird musikalisch überzeugend eine Geschichte erzählt, die die Zuhörer berührt und verzaubert. StarkLinnemanns Art des „recomposing“ ist außergewöhnlich im Jazz!

„Die Bauer Studios sind seit 30 Jahren mein Aufnahme-Wohnzimmer in dem ich mich immer wohlfühle. Hier ist meine musikalische Laufbahn dokumentiert, und zwar in bester Qualität.“ GREGOR HÜBNER

Meilensteine! Was waren für Sie im Rückblick die spannendsten, erfolgreichsten und vielleicht auch berührendsten Produktionen? Eva Bauer-Oppelland: Noch vor meinem Studium durfte ich bei einigen Livemitschnitten der Udo 70 Tour und der Peter

Mit Blick auf die Zukunft möchte das Stark­ Linnemann-Quartet weiterhin Crossover zwischen Klassik und Jazz produzieren sowie eigene Kompositionen mit abenteuerlichem Charakter veröffentlichen. Sie haben im November 2017 ihr viertes Album aufgenommen für das Amerikanische Label Odradek Records. Die VÖ von „Pictures at an Exhibition“ ist im Oktober 2018. Termine und weitere Informationen www.starklinnemann.com/de


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Klangspuren Festival Eröffnung 2016, Enno Poppe, Bernhard Gander, Ensemble Modern Orchestra © Franz Oss

Schwaz (A)

KLANGSPUREN SCHWAZ 2018 25 JAHRE KLANGSPUREN SCHWAZ – Unter dem Motto FESTE.ORTE. feiert das Tiroler Festival für neue Musik von 06.-22.09.2018 sein 25jähriges Jubiläum und stellt anlässlich dieses Geburtstages Werke und Projekte in den Mittelpunkt, die Aspekte von Feier, Fest, Ritual und Ereignis thematisieren und einen spezifischen Orts- und Situationsbezug aufweisen. Composer in Residence ist die vielfach preisgekrönte Britin Rebecca Saunders. Als einer der Festivalhöhepunkte kehrt die musikalische Pilgerwanderung anlässlich des Jubiläums nach einer spektakulären Wegeführung über Schloss Tratzberg, das Wallfahrtskloster St. Georgenberg, die wild-romantische Wolfsklamm und Stift Fiecht ins Hauptquartier von KLANGSPUREN – nach Schwaz – zurück. Mit: Tiroler Symphonieorchester Innsbruck, Ensemble Modern, Quatuor Diotima, Klangforum Wien, TENM Tiroler Ensemble für Neue Musik u.v.a. Wir sprachen mit dem Künstlerischen Leiter Matthias Osterwold.

HIGHLIGHT: MUSIKALISCHE PILGERWANDERUNG 2018 Auf einer Strecke entlang des Jakobsweges am Karwendelgebirge rund um Schwaz in Tirol erleben Sie im Rahmen des 25. KLANGSPUREN FESTIVALS einzigartige Kultur- und Naturschauplätze. Freuen Sie sich am 16. September auf sechs spannende Kurzkonzerte u.a. in einem wildromantischen Schloss, in schönen Dorfkirchen und Kapellen. Eine musikalische Pilgerwanderung zum Jubiläum, die von Schloss Tratzberg inkl. Besichtigung, dem Wallfahrtskirchlein Maria Tax über die Einsiedelei St. Georgenberg und dem Abstieg durch die Wolfsklamm bis zur Laurentiuskirche Stans, Stift Fiecht und dem Abschlusskonzert in der Pfarrkirche Schwaz reicht. Weitere Informationen unter: www.klangspuren.at/ klangspurenfestival/ pilgerwanderung-2018 KLANGSPUREN SCHWAZ 2018 Tiroler Festival für neue Musik FESTE.ORTE. Rebecca Saunders – Composer in Residence 06.–22.09.2018 Detaillierte Programmveröffentlichung und Ticketverkauf ab Mai 2018 unter www.klangspuren.at

Matthias Osterwold, künstlerischer Leiter KLANGSPUREN SCHWAZ © Kai Bienert

Was sind die Klangspuren? Matthias Osterwold: Das seit 1994 stattfindende Tiroler Festival für neue Musik KLANGSPUREN SCHWAZ versteht sich als Plattform für Konzerte, Performances, Begegnungen, Austausch und Vermittlung von Werken und Ideen zur Musik in der und für die Gegenwart. Unter einem wechselnden thematischen Schwerpunkt werden jeweils im September führende internationale musikalische Kräfte, Komponisten, Komponistinnen, Ensembles und Solisten eingeladen, um ein umfassendes, vielseitiges Bild neuer Musik zu entwerfen. Gleichzeitig findet das musikalische Schaffen in Tirol und in Österreich besondere Beachtung. Das Festival sucht die Begegnung mit den Menschen aus ganz Tirol. Dazu gehört ein wohl einzigartiges, über das ganze Jahr laufendes mehrschichtiges Programm von Vermittlungsaktivitäten, die sich jeweils an verschiedene Altersgruppen richten, aber auch die Bespielung von ungewöhnlichen Orten in der ganzen Region.

Wie entstanden Klangspuren und warum gerade in Schwaz? Matthias Osterwold: Der Impuls zur Gründung von KLANGSPUREN verdankt sich dem Zusammenspiel verschiedener günstiger Faktoren. Nach seinem Studium in Wien kehrte der mittlerweile international weit bekannte Komponist und Pianist Thomas Larcher in seinen Heimatort Schwaz zurück. Er brachte die Vorstellung mit, man solle in Tirol ein Pendant zu Wien Modern, dem wichtigsten Festival neuer Musik in Österreich, auf die Beine stellen. Innsbruck, die Hauptstadt Tirols, winkte mehr oder weniger müde ab. Dagegen gab es in der kleinen Stadt Schwaz bei Innsbruck große Offenheit für innovative Kulturprojekte. Unter tatkräftiger Initiative der damaligen Leiterin des Kulturamtes, Maria-Luise Mayr, unterstützt vom Kulturreferenten Hans Lintner, der seit 1997 bis heute als Bürgermeister von Schwaz das Festival zuverlässig und großzügig fördert, und

mit wohlwollender finanzieller Hilfe der Bundesregierung in Wien, konnte 1994 unter künstlerischer Leitung von Thomas Larcher das erste Festival in Schwaz durchgeführt werden – zum Teil in Fabrikshallen und anderen abenteuerlichen Orten. Nachdem das Festival sich sehr erfolgreich entwickelte, gab übrigens Maria-Luise Mayr nach einigen Jahren ihren sicheren Job im öffentlichen Dienst auf und widmete sich als Geschäftsführerin für viele Jahre hauptberuflich der Festivalarbeit. Wie und wann kam es zur Zusammenarbeit mit dem Ensemble Modern? Matthias Osterwold: Als führendes Spezialensemble für neue Musik wurde das Ensemble Modern erstmalig schon 1995 zu KLANGSPUREN eingeladen. Die weitere Zusammenarbeit entwickelte sich rasch und fruchtbar. Schon früh kam der Gedanke auf, dass es eigentlich „zu wenig“ sei, wenn das Ensemble le-

diglich die Instrumente auspacke und ein fertig geprobtes Programm abliefere. Ergiebiger sei es, wenn vor Ort neue Werke zusammen mit den Komponisten erarbeitet würden, wenn auf diese Weise auch eine Begegnung der lokalen Szene mit der internationalen angeregt würde und wenn das eminente Wissen und die Erfahrungen der Musiker und Musikerinnen des Ensembles an jüngere Musiker weitergegeben werden könnten. So entstand 2003 zeitgleich und integral der Impuls zur Gründung der INTERNATIONALE ENSEMBLE MODERN AKADEMIE als einjährigem Meisterkurs in Frankfurt und dem Ableger KLANGSPUREN INTERNATIONAL ENSEMBLE MODERN ACADEMY als Sommerkurs in Tirol. In der Klangspuren-Akademie erarbeiten unter Anleitung mehrerer Meistermusiker des Ensemble Modern und eines Composer in Residence – dazu zählten so prominente Künstler wie György Kurtag, Wolfgang Rihm, Beat Furrer, Unsuk Chin und im letzten Jahr Sofia Gubaidulina – knapp 40 junge Profi-Instrumentalisten aus aller Welt ein großes Repertoire exemplarischer Werke, die im Rahmen von KLANGSPUREN zur Aufführung kommen. Zum 15. Geburtstag der Akademie ist 2018 die großartige britisch-berlinische Komponistin Rebecca Saunders Composer in Residence. Und das Ensemble Modern ist auch wieder dabei: es zeichnet ein musikalisches Portrait von ihr mit der Aufführung von drei bedeutenden, schönen Werken. Welche thematischen Klangspuren können Besucher beim diesjährigen Jubiläum entdecken? Matthias Osterwold: 2018 werden KLANGSPUREN SCHWAZ 25 Jahre alt. Ausgehend von diesem runden Geburtstag, den es gebührlich zu feiern gilt, haben wir das Motto „FESTE. ORTE.“ über das Programm gesetzt ­– mit etwas Augenzwinkern und Wortspiel. Wir feiern gerne Feste. Und wir sind mit unseren Konzerten Nomaden, die das ganze Land Tirol bespielen und immer wieder andere aufregende, neue, unverbrauchte Spielstätten suchen. Andererseits haben wir auch unsere festen Orte in Schwaz und Innsbruck, die in jedem Jahr von uns bespielt werden. Im Mittelpunkt stehen also in diesem Jahr Werke und Projekte, die Aspekte von Feier, Fest, Ritual und Ereignis thematisieren und einen spezifischen Orts- und Situationsbezug aufweisen. Musik besitzt ja eine einzigartige Befähigung, diese Aspekte mit den ihr eigenen Mitteln zum Ausdruck zu bringen. Solche Klangspuren wollen wir auslegen und von unserem Publikum lesen lassen. Viele Menschen haben „Angst“ oder keinerlei Bezug zur Neuen Musik, bezeichnen diese zuweilen als atonalen Lärm. Was können Sie dem entgegnen? Matthias Osterwold: Neue Musik als solche gibt es schon lange nicht mehr. Eine unübersehbare Vielfalt an Stilen, an Ansätzen, musikalischen Sprachen und Klängen hat sich entwickelt. Vieles davon ist tonal, äußerst angenehm zu hören und schmeichelt den Ohren. Denken Sie nur an Philip Glass oder Arvo Pärt. Wenn die Musik atonal ist, dann kann sie trotzdem von unendlicher Schönheit und das Gegenteil von Lärm sein – leise, fein und fragil, oder zupackend und grell, je nachdem. Wiederum kann auch Lärm komponiert, das heißt musikalisch organisiert werden und so einen großen Reiz entfalten. Es kommt darauf

Laurie Anderson beim Festival 2017 © Carla Veltman

an, die Ohren neugierig aufzusperren. Dann gibt es unendlich Vieles, Unerhörtes und Überaschendes zu entdecken. Bitte keine Angst! Für mich persönlich ist der eigentliche Lärm das unsägliche Gedudel, Gewummer und Gezischel, das im Hintergrund der meisten Bars und Restaurants, in Supermärkten, aus Kopfhörern von jungen Leuten in der Straßenbahn zu hören ist – oder besser, eben nicht wirklich zu hören ist, weil zu leise oder zu überlagert von anderen Geräuschen. Nur akustische Reste dringen ans Ohr. Und oft ist die Auswahl der Musik schrecklich und geschmacklos. Eine völlig unnötige Zutat, die ich für eine akustische Verschmutzung halte. Als ob wir es lieben würden, freiwillig auf einer Müllhalde zu leben oder in einer Pfütze zu baden. Dann doch lieber durchdachte, komponierte Musik, die von ausgezeichneten Interpreten mit vollem Engagement dargeboten wird, in einer konzentrierten Atmosphäre, die den Hörern erlaubt, für die Zeit des Konzertes aus dem Alltagstrott auszutreten. Ihr Festival ist breit aufgestellt und spricht verschiedenste Altersstufen an. Warum ist Ihnen dies so wichtig? Wie und was wollen sie vermitteln? Matthias Osterwold: Wir möchten neue Musik, wie schon gesagt, in ihrer Vielfalt und Unterschiedlichkeit, in ihrem Reichtum, in all ihren vielen Facetten präsentieren und damit auch die unterschiedlichen Altersgruppen ansprechen. Was die künstlerisch ambitionierte Musik angeht, so ist es sehr wichtig, auf junge Hörer zuzugehen. Das Junge kann in der Musik selbst liegen, auch wenn sie manchmal schon einige Jahre auf dem Buckel hat, aber dann gibt es viele junge Musikerinnen und Musiker, Komponistinnen und Komponisten, die eine breite musikalische Erfahrung haben und sich aus verschiedenen Quellen, auch von Pop und Rock, von Improvisation, Electronica, Clubmusik, intermedial-digitalen Kunstformen und vielem anderen inspirieren lassen. Wir müssen dagegen anarbeiten, dass Musik mit lauter berühmten Stücken der Klassik im wesentlichen nur von einem älteren, gebildeten Publikum wahrgenommen wird. Dieses ältere Publikum ist wunderbar, aber wir brauchen Hörernachwuchs! Überall gibt es lebendige, innovative Entwicklungen. Wir laden jedermann und jedefrau dazu ein, sich zu beteiligen und dabei zu sein. Dazu gehört bei Klangspuren auch ein Geflecht vielschichtiger Vermittlungsaktivitäten, angefangen bei den allerkleinsten Menschen im Projekt KLANGSPUREN BARFUSS, über die Werkstatt für komponierende Teenager KLANGSPUREN LAUTSTARK bis hin zur KLANGSPUREN INTERNATIONAL ENSEMBLE MODERN ACADEMY für etwa 40 junge Profi-Instrumentalisten aus der ganzen Welt, von Argentinien über Korea, Japan bis nach Kasachstan. Überall wird neue Musik gespielt!


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Neue Musik  |  31

actively towards equality in the music scene, and believes an equal gender balance makes for a better programme. www.borealisfestival.no

Piano Trio AdAstra © Monika Liber

Instrumentenworkshop KLANGSPUREN MOBIL @ Gerhard Berger

Zwei Programmpunkte finde ich besonders spannend. Der musikalische Pilgerweg und „Rent a Musician“. Was hat es sich damit auf sich? Seit 2006 wandern wir an einem Festivalsonntag auf Jakobswegen durch ganz Tirol, geführt vom Jakobswegforscher Peter Lindenthal und seinem treuen Assistenten „Arvo“, einem freundlichen, großen Hirtenhund. Wir brechen sehr früh auf, dann gibt es sechs Stationen, meist in schönen alten Dorfkirchen, wo wir anhalten, um ein kurzes, etwa 30-minütiges Konzert zu hören. Dann geht es über Stock und Stein wieder weiter. Etwa 60 bis 110 Menschen wandern da mit. Und das Wetter sollte freundlich mitspielen. Das war nicht immer so, aber gerade die Tiroler sind sehr wetterfest. Als einer der Festivalhöhepunkte kehrt die musikalische Pilgerwanderung anlässlich des 25-jährigen Jubiläums nach einer spektakulären Wegeführung über Schloss Tratzberg, das Wallfahrtskloster St. Georgenberg, die wild-romantische Wolfsklamm und Stift Fiecht ins Hauptquartier von KLANGSPUREN – nach Schwaz – zurück. Das Abschlusskonzert soll in dem original erhalten gebliebenen riesigen hölzernen Dachstuhl der Stadtpfarrkirche stattfinden. Am Ende bereiten die Damen von Slow Food Tirol den erschöpften Wanderern eine köstliche vegetarische Pilgersuppe, und leckeren Wein gibt es auch dazu. Mit Musik und Menschen durch grandios schöne Landschaften, durch alte Dörfer, durch Wälder und über Wiesen zu wandern, sich dabei immer wieder mit anderen Menschen zu unterhalten und die Eindrücke auszutauschen, ist ein einzigartiges ganzheitliches Erlebnis, inklusive der müden Beine, die alle Wanderer nach gut 20 km Wegstrecke spüren. „Rent a Musician“ ist seit einigen Jahren ein sehr beliebtes Element des Festivals. Die jungen Stipendiaten und Stipendiatinnen der KLANGSPUREN INTERNATIONALE ENSEMBLE MODERN AKADEMIE, die wiederum auch schon ihr 15-jähriges Bestehen feiern kann, bringen die Musik ins Haus – in die Wohnzimmer von Familien zwischen Jenbach und Stams, die sich ein kleines Privatkonzert eingeladen haben. Immer findet sich eine völlig andere, überraschende Situation. Manchmal laden auch Betriebe oder Galerien, der Bürgermeister, die Kulturreferentin in ihre Räume ein. Dann gibt es ein halbstündiges Konzert, bisweilen, wenn das Wetter und die Nachbarn es erlauben, sogar im Freien auf der Terrasse. Im Anschluss werden kleine Erfrischungen gereicht, Künstler und Zuhörer kommen miteinander ins Gespräch, und dann geht es aber ruckzuck auch gleich weiter. Jedes Stipendiaten-Ensemble mit zwei bis fünf Interpreten spielt in der Regel drei bis vier Kurzkonzerte. Wir begleiten diese Teams und geben kleine Einführungen in das Programm. Das wärmt die Atmosphäre von vornherein an. Oft ist auch ein wenig Improvisation gefragt, damit die Musik erklingen kann, etwa wenn die Räume klein sind, aber die Zuhörerschaft zahlreich. Freude und Spaß an diesen Hauskonzerten ist jedenfalls auf allen Seiten groß. Wie kamen Sie selbst zur Neuen Musik und zu Ihrer Leidenschaft für die Vermittlung von Musik und neuen Ausdrucksformen? Matthias Osterwold: Ich stamme aus einem sehr kunst- und musiksinnigen Elternhaus. Damit haben meine Geschwister und ich großes Glück gehabt, denn solange ich denken kann, nahmen Bildende Kunst, Architektur, Filmkunst, Literatur und ganz besonders Musik einen zentralen Platz im Leben der Familie ein. Wir hatten von unserem leider schon ganz früh verstorbenen Großvater mütterlicherseits, der ein hervorragender Klavierspieler gewesen war, einen ganzen Schrank mit schönen alten Noten geerbt, die es zu spielen galt. Meine Geschwister und ich, wir haben alle Klavier und ein zweites Instrument gelernt. Es ging immer um moderne Kunst, das war ganz selbstverständlich, und mir war schon als Jugendlicher klar, dass es dann doch auch selbstverständlich moderne, eben neue Musik geben muss, dass die Musikgeschichte weitergeht und nicht Anfang des letzten Jahrhunderts wie in einem Museum Klassischer Musik endet. Zwar spiele ich selbst kaum neue Musik auf dem Klavier, aber ich bin schon als Teenager oft in Konzerte mit zeitgenössischer Musik gegangen. Da gab es z. B. die Konzertreihe „das neue werk“, die der NDR Rundfunk in Hamburg immer noch veranstaltet, wo ich regelmäßig hingepilgert bin. Später habe ich mich auch für Free Jazz, neue Formen experimenteller Musik, Punk und Art Rock begeistert. Als ich dann von Hamburg nach Berlin gezogen war, fing ich recht bald mit einigen Mitstreitern an, kleine, informelle Loft-Konzerte mit sehr avantgardistischer, kühner Musik zu produzieren. Dann ist Schritt für Schritt ein Beruf daraus geworden, der mich heute ganz und gar ausfüllt und erfüllt. DAS GESPRÄCH FÜHRTE KAI GEIGER.

Potsdam / Land Brandenburg (D) intersonanzen Brandenburgisches Fest der Neuen Musik 25.5. – 3.6.2018 Das jährliche Festival des Brandenburgischen Vereins Neue Musik e.V. bespielt unter dem Thema „Stimmt! - vom stimmigen musikalischen Ausdruck“ 10 Tage lang das gesamte Potsdamer Kunsthaus sans titre innen und außen. Alle Konzerte, Performances, ein Soundwalk und die Begleit-Ausstellung werden von Gesprächen mit den Künstler_innen begleitet, um einem interessierten, offenen Publikum einen einfachen und vergnüglichen Zugang zu den ungewohnten Werken der zeitgenössischen klingenden Kunst zu ermöglichen. Die renommierten Ensembles und Solist_innen präsentieren mit einem Fokus auf die Stimme in der BVNM-typischen Mischung neueste Musik aus Brandenburg im Kontext internationalen Repertoires. Zu hören sind u.a. 440 (fl, bcl) , AdAstra Piano Trio Katowice (vl, vc, p), AUDITIVVOKAL Dresden, das Ensemble Junge Musik, der Gemischte Chor Strausberg, Klariac (cl, acc), Maulwerker, Moscow Contemporary Music Ensemble, Trio SurPlus Bremen (ob, perc, p) und das Gesangssolisten-Ensemble vox nostra, als Solisten Eric Drescher (glissfl), Katia Guedes (s), Ralph Günthner (vla), Robin Hayward (mikrotonale Tuba) sowie Alex Nowitz (v). Künstlerische Leitung: Thomas Gerwin. Die Partnerländer sind Polen und Russland. www.neue-musik-brandenburg.de

Leuk (CH) Forum Wallis Schloss Leuk, Schweiz 17. – 21.5.2018 Zeitgenössische Musik der Extraklasse inmitten der Walliser Alpen: Jahr für Jahr stellt sich an Pfingsten die Crème der zeitgenössischen klassischen Musik im historischen, vom schweizer Stararchitekt Mario Botta renovierten Schloss Leuk für das Festival für Neue Musik Forum Wallis ein. Nach Stockhausens spektakulärem Helikopter-Streichquartett 2015 und Cod.Acts Pendulum Choir 2016 spielen 2018 internationale Spitzenensembles wie Ensemble Modern Frankfurt, Klangforum Wien oder die Schweizer UMS ‚n JIP, Manuel Mengis und HansPeter Pfammatter  neben den Preisträgern des renommierten Ars Electronica Forum Wallis-Wettbewerbs für akusmatische Musik auf. www.forumwallis.ch

Bergen (N) Borealis – a festival for experimental music 6. – 10.3.2019 Borealis is a festival for experimental music. A place where the music that falls between the gaps is celebrated. A place for adventurous listening. Bringing together new musical experiments from Bergen, Norway and around the world, Borealis occupies the city for 5 days each March, taking over the art galleries, concert halls and warehouse spaces, with concerts, installations, talks and films. Borealis works with living composers, sound artists, improvisers and musicians, to develop projects that rearrange the furniture of the musical world, to question our assumptions about what music is and where it can go. The festival does not stick to one type or genre of music, but open the doors to the most adventurous and innovative music makers to bring us something Photo Magnus Haaland Sunde © Borealis new.  Borealis works

Huddersfield (UK) Huddersfield Contemporary Music Festival The UK’s largest international festival of new and experimental music 16. – 25.112018 hcmf// is an annual, international festival of contemporary and new music, taking place over 10 days and consisting of approximately 50 events – including concerts, music-theatre, dance, multi-media, talks and film – with a related Learning and Participation programme devised and implemented to reflect the artistic programme and respond to regional need. hcmf// aims to provide life-changing and unique artistic experiences to as wide an audience as possible; to be an international platform for new music and related contemporary art forms in Britain; to enthuse existing audiences and draw in new ones through adventurous programming and informed, stylish presentation, and to be an active cultural partner within the region. www.hcmf.co.uk

Sachsen-Anhalt (D) Impuls 2018 “Young Masters Program” 17.10. - 16.11.2018 Bauhaus goes modern music! Junge Dirigenten, Komponisten und Musiker  bekommen in den internationalen Impuls-BauhausDessau-Masterclasses die Möglichkeit, sich unter hervorragender Leitung mit dem Handwerk des Abschlusskonzert Musikbrauerei ©Peter Gesierig Komponierens und Dirigierens auseinander zu setzen. Eine der Grundideen des Bauhauses, die Vereinigung von Kunst und Handwerk, wird hiermit umgesetzt. Eine auf Musik bezogeneNeuinterpretation der Bauhaus-Tradition!  2018 werden die Talente aus den drei Masterclasses öffentlich in Abschlußkonzerten in Magdeburg, Dessau und Halle auftreten. www.impulsfestival.de

Panketal (D) XXVI. Randfestspiele Zepernick 2018 10 Konzerte mit Musik unserer Zeit 5. – 8.7.2018 Das Neue-Musik-Festival präsentiert u.a.: das Landesjugendensemble für Neue Musik Berlin, Leitung: Gerhard Scherer, Jobst Liebrecht;; den Luisenchor Berlin; Klanginstallationen von André Bartetzki im Kirchgarten sowie namhafte Solisten und Ensembles für Neue Musik aus © Randfestspiele Zepernick Berlin, Cittá di Castello, Daegu, Gdansk und Zürich, dazu zum Mitmachen das interaktive Kompositions – und Konzertprojekt des Pianisten Martin Tchiba unter Einbeziehung der sozialen Netzwerkplattformen. mehr Konzerte mit Neuer Musik: 17.06.; 28.10.; 18. 11. www.randspiele.de

Donaueschingen (D) Donaueschinger Musiktage 2018 18. – 21.10.2018 Die Donaueschinger Musiktage 2018 finden vom 18. bis 21. Oktober statt. Auf dem Programm stehen dann neue Orchesterwerke von Malin Bång, Ivan Fedele, Benedict Mason, Jaˉnis Petraškevičs, Simon Steen-Andersen und Marco Stroppa. Neben dem SWR Experimentalstudio, dem SWR Symphonieorchester und dem SWR Vokalensemble ist 2018 erstmals auch die SWR Big Band zu Gast. Die Ensembles des Südwestrundfunks werden von Marcus Creed, Peter Rundel und Pascal Rophé dirigiert. Außerdem sind das Ensemble Modern, das Ensemble Cikada und das ensemble mosaik zu erleben. Kompositionsaufträge ergingen außerdem an Ragnhild Berstad, Francesco Filidei, Florian Hecker, Klaus Lang, Eduardo Moguillansky, Isabel Mundry, Brigitta Muntendorf, Koka Nikoladze, Enno Poppe, Marcus Schmickler, Oscar Strasnoy, Rolf Wallin und Agata Zubel. Das Pariser Studio IRCAM ist mit einer neuen Produktion von Georges Aperghis zu Gast. Andreas Engström kuratiert das Klangkunstprogramm. www.swr.de/swr-classic/donaueschinger-musiktage/


32  |  Elektro

OSCAR | arttourist.com Jazz | Neue Musik | Elektro | 2018

ELEKTRO ELECTRONIC-FESTIVALS.COM Electronic festivals love festivals and electronic music. That's their passion. They provide the largest database of indoor and outdoor festivals from the electronic music genre. The main markets are in Europe, the USA, South America and Australia. Their approach is simple: cover all electronic festivals worldwide. electronic-festivals.com is where you go to find festivals dezails and get new travel ideas. electronic-festivals.com are the one-stop guide to festivals, tickets, hotels, camping gadgets and much more for festival and music lovers. www.electronic-festivals.com

missions were sent on October 16th, 17th and 18th  from the EISCAT (European Incoherent SCATter Scientific Association) antenna located in Tromsø (Norway). A second batch of transmissions is scheduled for April 2018. Sónar has launched the “Sónar Calling GJ273b” initiative in collaboration with the Institute of Space Studies of Catalonia (IEEC), a research institute that studies all aspects related to space and space sciences and METI International, a research organization dedicated to  Messaging Extraterrestrial Intelligence. Together we have sent for the first time powerful, intentional signals to a nearby target with the potential to harbor life, Luyten’s Star b, an exoplanet also known as GJ273b located 12.4 lightyears from Earth (over 70 trillion miles). www.sonar.es

Amsterdam (NL) Awakenings Festival 20.6. – 1.7.2018

justice club sonar201 © Fernando Schlaepfer

Barcelona (E) 25. Sónar Festival Bareclona 14. – 16.6.2018

Sónar celebrates 25 years of the festival by contacting intelligent extra-terrestrial life. After 25 years scanning the planet for the most advanced sounds and ideas on earth, Sónar festival has now turned its antennas towards space, by sending music beyond the limits of our solar system in an attempt to communicate with extra-terrestrial intelligence. “Sónar Calling GJ273b” is the first radio message ever to be sent to a nearby potentially habitable exoplanet. The message includes 33 music pieces of 10 seconds each, commissioned exclusively for Sónar from artists who encapsulate Sónar’s exploratory approach to music over its quarter century of existence.  Any possible response could arrive in 25 year’s time, coinciding with Sónar’s 50th anniversary. Luyten’s b Star  was chosen as the target because it is  the closest star  with a known potentially habitable exoplanet that is visible from the Northern Emisphere. The first trans-

© Awakenings Festival

Leading global outdoor techno event Awakenings Festival has announced this year’s line-up and proves to be all set for a glorious return in 2018. On June 30th and July 1st the iconic festival will descend upon the grounds in Spaarnwoude once again and has locked in a stellar line-up to join them. Over one hundred artists will perform in eight different areas over the weekend for two jam-packed days of techno, presenting underground music from both ends of the spectrum. As per usual Awakenings Festival has gone above and beyond to live up to their reputation of groundbreaking production and stage design, particularly in the open-air areas. 80.000 visitors are expected. www.awakeningsfestival.com.

Berlin (D) PEOPLE 18.-19.8.2018, Funkhaus Berlin This August you come together for the 2nd PEOPLE festival. To write the next episode of what has evolved from 2016 in Berlin, where Michelberger Music found revelation in uncertainty and surprise, in process and in collaboration, experiences that have come to define how we want to walk through life. About 120 artists will spend a week to work and play together. On the weekend of August 18th/19th Michelberger Music open the doors to perform across all stages and studios at Funkhaus Berlin. Inside and outside. There will be artists you have not heard before and ones you know every song of. The work itself lighting the way. PEOPLE is a steadily growing group of artists, creating and sharing their work. PEOPLE is non-hierarchical. It is produced and created by the artists, in full freedom. There are no headliners or bands, sponsors or brands, billing or program. It is brought to life “by you and us”. www.michelbergermusic.com tickets.p-e-o-p-l-e.com

Echelon Festivals statt und so haben sich auch die Veranstalter nicht lumpen lassen und das „who is who“ der Elektroszene verpflichtet. Allen voran: Carl Cox. Der 1962 in Manchester geborene DJ, Musikproduzent und Labelbetreiber Carl Cox bedarf nicht vieler Worte. Ob in Australien, Argentinien, Neuseeland oder Deutschland, kaum ein anderer DJ hat sich weltweit eine so große Fangemeinde erspielt wie er. Aber auch der zweite Headliner lässt das Festivalherz definitiv höherschlagen, und somit sind die Veranstalter sehr stolz, mit Don Diablo, dem Meister der Future House Musik, einen weiteren Hochkaräter mit an Bord zu haben. Mit seinem einzigartigen Style begeistert er nicht ohne Grund so gut wie jede Mainstage der größten Festivals weltweit. Außerdem haben die Veranstalter bisher die Grand Dame des Techno Monika Kruse, Felix Kröcher, Sam Paganini, Captain Hook, Droplex, Alle Farben, Boris Brejcha, Deborah de Luca, Klopfgeister, Lexer, Len Faki, Pan Pot, Marek Hemman, Klaudia Gawlas, Anna Reusch, Enrico Sangiuliano, Kerstin Eden, Neelix, Worakls und die Ostblockschlampen bestätigt. Weitere Line-up-Phasen folgen noch. www.echelon-openair.de

Kastellaun/Hunsrück (D) NATURE ONE “all you need to be” 3. – 5.8.2018 © Pressefoto Boris Brejcha

Bad Aibling (D) ECHELON 2018 – ten years anniversary 18.8.2018 nereacoll_sonarclub-moderat © sonar

Was als kleine Veranstaltung mit nur einer Bühne begann, hat sich über die Jahre zu dem größten Festival Süddeutschlands entwickelt. Dieses Jahr findet die zehnte Ausgabe des

Die Raketenbasis Pydna in Kastellaun/Hunsrück wird zur Heimat für vier Haupt-Floors und 19 Club-Floors, präsentiert von Szene-Clubs und Labels (aus Deutschland, Holland, Belgien, der Schweiz, Österreich und Luxemburg) in Raketenbunkern und Zelten. Über 350 DJs &LiveActs spielen unterschiedliche Stilrichtungen der elektronischen Musik: Techno, Trance, Electro, Hardcore, Hardstyle u.v.m. www.nature-one.de

HAMBURG ELEKTRONAUTEN1 15. – 17.6.2018 Auf dem dreitägigen Festival „Elektronauten“ im Juni 2018 präsentiert die Elbphilharmonie Hamburg einige Pioniere der Synthesizer-Musik aus England, den USA und Deutschland. Zum Auftakt am 15. Juni im Großen Saal führt der Berliner Gitarrist Manuel Göttsching sein legendäres Solowerk „E2–E4“ (1981) auf. Anschließend lässt er in einem „The Ash Ra Tempel Experience“ genannten Trio den Spirit der wegweisenden ElektronikBand Ash Ra Tempel wieder aufleben, die er 1970 in Berlin mitbegründet hat. „Almost Human – A Triptych in 3D“ heißt ein Projekt, das die Briten Martyn Ware, Will Gregory und Adrian Utley speziell für das „Elektronauten“Festival kreieren. Die Federführung liegt bei Martyn Ware, dem Mitbegründer von The Human League und Heaven 17. Am letzten Festivaltag gibt es die überaus seltene Gelegenheit, die genialen Klangtüftler des Radiophonic Workshop aus England live zu erleben. www.elbphilharmonie.de Manuel Göttsching © Sven Marquardt

Emptyset © Sylvia Steinhäuser


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Ralf Schmidt | Elektro  |  33

Für was steht, was ist PYANOOK? Ralf Schmid: PYANOOK ist ein futuristischer Klavierabend, eine Expedition in neue Dimensionen des Flügelklangs. Mit speziell angefertigten Handschuhen kann ich während des Spiels über kleinste Fingerbewegungen den Flügelklang manipulieren und mich damit grenzenlos zwischen akustischer Klanggewinnung und elektronischer Klangmanipulation bewegen. Es geht um die Befreiung des Klaviers, aber auch um Zusammenhänge von Sound und Bewegung, Mensch und Maschine. Wie entstand PYANOOK und die Zusammenarbeit mit Pietro Cardarelli (Visual Act) und Michele Locatelli (Production)? Ralf Schmid: Ich erforsche den Flügelklang seit vielen Jahren, im Innern des Instruments, in Tonvarianten à la John Cage und im Electro-Space. Speziell für mein PYANOOK-Setting habe ich als Artist in Residence in Oslo eine Suite komponiert, die ich dann am ZKM Karlsruhe produzieren konnte. Dafür habe ich meinen langjährigen Partner, den Produzenten Michele Locatelli, ins Boot geholt, und er hat die Idee entwickelt, dem Klang die Farbe hinzuzufügen. Der Licht-Designer, Videoartist und Bühnenkünstler Pietro Cardarelli kreiert für PYANOOK visuelle Komponenten, die sich um meine Bewegungsabläufe legen wie eine Traumlandschaft.

PYANOOK LAB Ralf Schmids futuristisches Klavierprojekt experimentiert mit Augmented Reality

Wo treten Sie mit PYANOOK auf, für welche Art von Veranstaltungen ist PYANOOK ein Thema, welche Partnerschaften suchen Sie? Ralf Schmid: Premiere war im September 2017 im E-Werk Freiburg, zuletzt habe ich in Rio de Janeiro beim RC4 Festival gespielt. Das Projekt mit seinen zwei Flügeln und Pietro Cardarellis Wolkenobjekten ist für große Konzertbühnen gedacht. Wir arbeiten auch an kleineren Varianten von PYANOOK, u.a. an einem Augmented Reality Labor, was ab Mai 2018 regel­ mäßig in Freiburg stattfinden wird. www.ralfschmid.de www.marblear.com/pyanook Das Gespräch führte Kai Geiger.

In Freiburg eröffnet Ralf Schmid eine neue Konzertreihe. Der Freiburger Klavierprofessor und die Startup-Firma MARBLE AR (Karlsruhe / Los Angeles) experimentieren im Kontext eines Piano Recitals mit Augmented Reality und freuen sich auf ein neugieriges Publikum, das gemeinsam mit Künstlern und Technikern zukünftige Konzertsettings entdeckt und entwickelt. Ralf Schmid verbindet in seinem neuesten Projekt PYANOOK künstlerische und technische Innovation. Mit speziell angefertigten Datenhandschuhen steuert er während des Klavierspiels elektronische Klangverläufe und bewegt sich grenzenlos zwischen analogem und digitalem Music Flow. PYANOOK, entwickelt am ZKM Karlsruhe, debütierte mit großem Erfolg bei internationalen Festivals (zuletzt in Rio de Janeiro) und gilt als eines der innovativsten Musikprojekte der Szene. MARBLE AR verbindet Live-Musik-Events mit Augmented Reality (erweiterter Realität). Die Ursprünge dieses Start-ups liegen in einem Projekt, mit dem die beiden Gründer, Paul Wehner und Tom Brückner, im März 2017 den renom-

mierten SXSW-Hackathon in Austin, Texas gewonnen haben. Sie verwenden reale Gegenstände, die über die Kamera eines Smartphones erfasst werden, um sie mittels visueller Effekte zu überlagern und ihre Bewegungen in Musik und Licht umzuwandeln. Auf diese Weise wird Musik auf eine neuartige synästhetische und interaktive Weise erfahrbar. Hierfür wurde MARBLE AR erst kürzlich mit dem „BW goes Mobile Award“ ausgezeichnet. Über den Dächern Freiburgs im Humboldtsaal öffnen PYANOOK und MARBLE im Mai 2018 das „PYANOOK LAB“. Turnusmäßig präsentieren sie innovative audiovisuelle Konzertsettings vor einem ausgewählten Publikumskreis. Nach 50 Minuten Performance gibt es ein Get-Together von Künstlern, Entwicklern und Publikum mit Feedbackrunde. Erste Termine sind: 4. Mai, 22. Juni, 20. Juli, 28. September. Der Eintritt ist frei. Unter www.marblear.com/pyanook kann man sich für ein Ticket registrieren, die limitierten Plätze werden in der Reihenfolge des Eingangs vergeben. Wir sprachen mit Ralf Schmid.

pyanook Ralf Schmid Two grand pianos, a pair of magic gloves, a dazzling set of electronic sound tools: launch pad for pyanook's sonic take-off. „No piano player has ever had this enormous range of colours“ says Ralf Schmid, whose expedition into undiscovered pianistic terrain has reached a new dimension. Data gloves allow him to manipulate the piano tone in the flow of playing with slight hand and finger movements. Schmid, pianist, pioneer and sonic explorer calls his futuristic piano recital „pyanook“. He started his grand expedition 15 years ago, dived into the inside of the instrument and created new sounds with the help of toys, kitchen tools and table tennis balls. He miked the piano, sent the signal through guitar effect pedals and prepared selected notes à la John Cage. A world of sound combinations opened up, all based on the timeless timbre of the grand piano.


34  |  Elektro | MOMEM Frankfurt

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alle Visuals/Entwürfe © Atelier Markgraph

Frankfurt (D)

MUSEUM OF MODERN ELECTRONIC MUSIC BE PART OF IT AND JOIN THE INFINITY DISC In the past three decades, Electronic Music has not only brought into life a club scene that constantly reinvents itself, but has also influenced music in general, as well as art, design, fashion and technology. MOMEM is about Electronic Music, which has shaped younger cultural history significantly. MOMEM will be a place to explore, conserve and relive the historical dimensions and influences of Electronic Music. A journey from the beginning to the future. A place of continuous movement and transformation, turning from museum into stage into bar into academy. A reactive environment in the heart of Frankfurt. A museum not for visitors but for guests. A platform for newcomers and veterans,  for artists and fans, for lovers of music and lovers of history, for people from Frankfurt and for people from everywhere. MOMEM is a project of Friends of MOMEM e.V., founded by Alexander Azary and Talla 2XLC. Active in the scene for decades, their aim is to make the backgrounds of Electronic Music accessible to everyone.  In seven sections, MOMEM will address the places, the social settings, the instruments, and the various influences of Electronic Music on art, fashion and technology, as well as its numerous genres and sub genres – from Ambient, Electronica and Experimental to House and its different types, to Techno and even Drum’n’Bass. Here will be a collection of iconic originals as well as installations,  photography and pictures by visual artists, complemented by temporary exhibitions on selected themes, genres, clubs or labels.  At MOMEM academy,  lectures and workshops will be held by well known DJs, producers and artists. Regular readings, panels, movie nights, concerts and club nights will round up the program, making MOMEM a place for development in the here and now.

Let’s build it! Take part in realizing a museum that is unique in the world. Seeing the potential of the project, the city of Frankfurt has already supported MOMEM in taking its first important step, providing free lease in an amazing location with 1,000 square meters of exhibition space right in Frankfurt’s inner center. The city of Frankfurt will further support us by renewing the mezzanine level of Hauptwache, turning it into a greened up city park oasis. To open MOMEM in 2018 MOMEM needs you. MOMEM will use your donation to acquire exhibits and state-of-the-art technology and to realize an interactive exhibition design as well as an infrastructure for the event program. www.donate.momem.org CONTACT: Friends of MOMEM e.V. Merianstraße 24b, 60316 Frankfurt am Main contact@momem.org | www.momem.org  www.facebook.com/MOMEM.FRANKFURT  www.markgraph.de| www.cosalux.com


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Elektro | MOMEM Frankfurt  |  35

MOMEM Museum Of Modern Electronic Music

Frankfurt Hauptwache

,In the future, everybody will be worldfamous for 15 seconds. (1,5 sec)! Hell

Picture by Daniel Mayer

Alex Azary Wir sprachen mit einem der Initianten des MOMEM Wie entstand die Idee zum Museum of Modern Electronic Music? Alex Azary: Das war die Idee meines langjährigen Partners Andreas Tomalla, der mit dem Goethe Institut auf einer Tour durch die früheren Sowjetrepubliken war und dort Vorträge über elektronische Musik an Hochschulen hielt. Der Enthusiasmus und das Interesse der Schüler und Studenten für dieses Thema, gepaart mit der mangelnden Kenntnis an wichtigen Grundlagen, haben ihn zu dieser Idee inspiriert. Warum in Frankfurt? Alex Azary: Frankfurt ist unsere Heimat. Alle Akteure des MOMEM Teams haben in den vergangenen  Jahrzehnten in und von Frankfurt aus gewirkt und weltweit beachtete Projekte und Marken  etabliert. Aber natürlich ist das nicht der einzige Grund: Frankfurt ist und war seit den 80er-Jahren einer der wichtigen Orte weltweit, in denen die elektronische Musik und Clubkultur gelebt und ständig weiterentwickelt wurde. Das MOMEM gehört zu Frankfurt und wird unserer Stadt und der Region RheinMain ein neues kulturelles Highlight mit Strahlkraft und Magnetwirkung weit über die Landesgrenzen hinaus bescheren. Welchen Bezug haben Sie zur elektronischen Musik? Alex Azary: Ich habe mich seit meiner frühesten Jugend intensiv, mit neuer, innovativer Musik beschäftigt. Anfang der 80er-Jahre habe ich während des Studiums als Dj gejobbt und Mitte der 80er-Jahre zusammen mit Sven Väth im Dorian Gray am Frankfurter Flughafen aufgelegt. Nach meiner Tätigkeit als DJ im Dorian Gray war ich dort bis zur Schließung Anfang  2001 als Veranstalter und Berater tätig und habe

dort mit meinem Partner Andreas Tomalla neben dem Technoclub alle Raves und Großveranstaltungen organisiert und das in den 90er-Jahren wichtigste Magazin für elektronische Musik, die „Frontpage“, gegründet. Noch während meiner Zeit als DJ im Dorian Gray bekam ich die ersten Stellenangebote aus  der Musikindustrie und habe damals bereits ein Konzept zur Vermarktung der elektronischen  Musik verfasst, das schließlich auch Basis des Konzeptes von Logic Records wurde. Dort habe ich den Vertrieb aufgebaut und aufgrund des großen Erfolges dieses Vertriebskonzepts 1988 Deutschlands ersten reinen DJ-Vertrieb für elektronische Musik gegründet. Anfang der 90er-Jahre habe ich zusätzlich noch, zusammen mit meinem Freund und Partner Mark Spoon, das XS eröffnet – einen kleinen, aber feinen Club in der Frankfurter Innenstadt, der uns als  Spielwiese für innovative Musik und Veranstaltungen an der Schnittstelle zwischen Kunst und Kultur gedient hat. Nebenbei bin ich u.a. als Produzent, Künstler und Verleger tätig geworden, habe etwa ein Dutzend Labels gegründet und Kult-TV-Formate wie die Space Night im Bayerischen Fernsehen oder Flowmotion im Hessenfernsehen gemacht.  Anfang der 2000er-Jahre kam auch noch das Royal dazu, Frankfurts ehemals größtes  Premierenkino, das wir zu einer Club- und Veranstaltungslocation umgewandelt haben.  Bei all diesen Tätigkeiten ging es mir darum, Neues auszuprobieren und auf den  Weg zu bringen, stets mit dem Ziel, die elektronische Musik weiter zu verbreiten und  zu etablieren. Insofern habe ich die Geschichte der elektronischen Musik in Frankfurt  und darüber hinaus nicht nur

Alex Azary © Daniel Wöller

hautnah – auch hinter den Kulissen – miterlebt, sondern über weite Strecken auch mitgestaltet. Welche Idee und welches Ziel verfolgt das Museum, und was wird zu hören und sehen sein? Alex Azary: Ziel des MOMEM ist, sowohl die verschiedenen Stile des musikalischen Spektrums der elektronischen Musik, als auch die ganze Bandbreite der unterschiedlichen  kreativen Bereiche, die mit der Clubkultur verbunden sind, aufzuzeigen. Dazu zählen neben Grafik, Design, Kunst, Visuals, Video, Fotografie, Mode, Licht, Technologie auch die historischen Aspekte in Bezug auf Orte, Clubs, Labels,  Events und Künstler, die essenzielle Impulse oder Meilensteine zu diesem kulturellen Phänomen beigesteuert haben. Wichtig ist für uns, dass der Besucher nicht nur emotional mitgenommen, sondern auch aktiv in die Ausstellung einbezogen wird und das MOMEM begeistert, inspiriert  und bestenfalls mit einem Erkenntnisgewinn verlässt. 

Das gesagt, wird es Anspruch des MOMEM sein, neben einem fundierten inhaltlichen Gesamtkunstwerk, vor allem ein partizipatives und immersives Erlebnis zu präsentieren. Dazu werden wir Interfaces bereit stellen, an denen der Besucher sich sowohl Tracks anhören, Videos anschauen und Artworks erstellen, sowie selbst mit Sounds, Beats und Grooves experimentieren kann. Wie finanziert sich solch ein Projekt und wie kann man Ihre Arbeit, das MOMEM, unterstützen? Alex Azary: Das MOMEM ist ein als gemeinnützig anerkanntes Kulturprojekt, die Finanzierung steht auf verschiedenen Säulen. Zum einen unterstützt uns die Stadt Frankfurt, insbesondere  dadurch, dass wir prominente Räumlichkeiten im Herzen der City mietfrei zur Verfügung  gestellt bekommen. Außerdem erfahren wir eine recht große Unterstützung aus der Frankfurter Bürgerschaft und führen darüber hinaus Gespräche mit verschiedenen  Förderfonds, sowohl

von staatlicher Seite als auch aus der Privatwirtschaft. Dazu gibt es ein breites Interesse und sehr konkrete Zusagen über Markenpartnerschaften. Die Gespräche dazu laufen teils schon länger und werden nun, da es losgeht, in den  kommenden Wochen und Monaten intensiviert. Unterstützen können uns aber gerne auch alle anderen, auch Privatpersonen. Wir haben dazu eine Spendenaktion gestartet. Jeder gespendete Euro wird in die Realisation fließen,  und alle Spender werden im Eingangsbereich des MOMEM namentlich, gerne auch mit Bild  und Widmung (Gruß oder Statement), auf unserer großen Infinity Disc sichtbar sein. Spenden kann man am besten online über unsere Seite  www.momem.org. Dort bekommt man noch mal mehr inhaltliche Informationen und Eindrücke über den Stand des Projektes, findet die Onlineversion der Infinity Disc, unsere Inner Circle Members und vieles mehr. DAS GESPRÄCH FÜHRTE KAI GEIGER.


18.–21.10.2018

Informationen: swr.de/donaueschingen Karten: reservix.de

Donaueschinger Musiktage Mit Werken von Jânis Petraškevičs Malin Bång Ivan Fedele Marco Stroppa Giorgio Netti Oscar Strasnoy Brigitta Muntendorf Isabel Mundry Georges Aperghis Klaus Lang

Agata Zubel Rolf Wallin Marcus Schmickler Florian Hecker Enno Poppe Ragnild Berstad Francesco Filidei Eduardo Moguillansky Koka Nikoladze Simon-Steen-Anderson Benedict Mason Zimoun

unter Beteiligung von Michele Marelli Pascal Rophé Benoit Piccand Maurizio Grandinetti Garth Knox Neue Vocalsolisten Stuttgart Ensemble Modern Bas Wiegers IRCAM Cikada Ensemble

Christian Eggen Experimentalstudio des SWR Ensemble Mosaik Klangforum Wien Ilan Volkov SWR Big Band Thorsten Wollmann SWR Vokalensemble Michael Alber SWR Symphonieorchester Peter Rundel

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OSCAR_2018  

magazine from arttourist.com featuring Jazz, Contemporary Music, Electro and Digital

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