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JULES

#9 arttourist.com gazette Fr端hling/Sommer 2016

Kunst | Kultur | Festivals | Reisen | Essen & Trinken | Design & Lifestyle


Sparpreis Kultur: per Bahn zur Kunst – besonders günstig! Zum Beispiel zu den Ausstellungen „Maniera. Ein Stil im Florenz der Medici“ und „Joan Miró. Wandbilder. Weltenbilder“ in Frankfurt. ❚ Ab 39 Euro. Bis zu vier Mitfahrer sparen je 10 Euro. ❚ Hin und zurück innerhalb von 3 Tagen. Solange der Vorrat reicht. ❚ Mehr Infos unter bahn.de/kultur JULES_320x470_4c.indd 1

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JULES | arttourist.com 1|2016

Editorial | 3

Editorial



Liebe Leserin, lieber Leser, liebe Kunden und Freunde der arttourist.com

Jean Blaise | © Olivier Metzger

Jules Verne | Félix Nadar 1820-1910 portraits Jules Verne

»JULES« Jean Blaise

»JULES« Jules Verne

Mein Jahr begann mit einer wahren Glücksreise! Anfang Januar habe ich mich bei einer Reise »auf den Spuren von JULES Verne«, unserem Titelhelden, in die Stadt Nantes begeben. Bewusst ohne große Vorbereitung wollte ich mich auf eine mir fremde und neue Stadt einlassen. Vier Tage später saß ich am Flughafen in Nantes, tief bewegt und erfüllt von einer großartigen Stadt, einer wunderbaren Begegnung mit dem charismatischen Jean Blaise, unserem JULES, kurz einer städtetouristischen Offenbarung. Erneut eine Stadt, die in mein Schema Lieblingsstadt passt, wie Manchester, Antwerpen, Glasgow, San Sebastian und ein paar andere Städte mehr, die keine Städterangliste anführen, sondern entdeckt, bereist und erspürt werden wollen. Nantes hat so einen ganz speziellen Spirit, der sich durch die ganze Stadt zieht und bei den Einheimischen und in ihrer Arbeit spürbar ist. Man schaut kollektiv nach vorne. Man möchte etwas aus seiner Stadt machen, sie nach vorne bringen, die dramatische Geschichte mit Sklaverei im 18. Jahrhundert und Werftensterben in den 1980er Jahren hinter sich lassen und sich für die Welt, neue Ideen und Gäste aus der ganzen Welt öffnen. Wer bleiben will ist herzlich willkommen in der multikulturellen Welt von Nantes. Es fällt mir schwer das zu Papier zu bringen, was Nantes mit meiner Gefühlswelt gemacht hat. Danke Céline, dass Du mich vor Jahren auf Estuaire aufmerksam gemacht hast. Ein Eindruck und meine Einladung an Sie nach Nantes liegen vor Ihnen.

Neue Publikationen von arttourist.com

MILES

BILLIE | arttourist.com 2|2014

KKmag

KKmag #1 arttourist.com gazette KreativeKurse 2016

Kultur Kurse 2016

KKmag

#JAZZ arttourist.com gazette Ausgabe 2016

Jazz | Neue Musik | Contemporary | Crossover | Elektronische Musik | Clubs | Festivals

Das Magazin für Kreative Kurde

Erscheint im April 2016

San Sebastian ist schon genannt! Wenn nicht wann, dann dieses Jahr, wo die baskische Stadt am Meer Kulturhauptstadt Europas ist. Auch hier steht für das Programm die eigene Identität, die Auseinandersetzung mit sich selbst, vor dem Schaulaufen der kulturellen Topstars, der Aneinanderreihung von Blockbuster Events. Ein Fehler, der anderswo immer wieder gemacht wird. In San Sebastian nicht. Die baskische Küche ist der kulinarische Olymp. Wer einmal in die Altstadt gelangt ist, kommt da nicht mehr raus bis der letzte Pintxos gegessen ist. Mein Tipp: Das Borda Berri …a Basque land of milk and honey!

MILES – Das Magazin für Jazz und Neue Musik

Bisher erschienen:

PABLO

#1 arttourist.com gazette Frühjahr / Sommer 2012 Gratisexemplar

THOMAS

#3 arttourist.com gazette Frühling / Sommer 2013 Gratisexemplar

GRET

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Kunst | Kultur | Festivals | Reisen | Essen & Trinken | Shopping

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KURT

FRIDA

#2 arttourist.com gazette Herbst / Winter 2012 Gratisexemplar

#5 arttourist.com gazette Frühling 2013/2014

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BILLIE

#6 arttourist.com gazette Herbst/Winter 2014/2015

Kunst | Kultur | Festivals | Reisen | Essen & Trinken | Design & Lifestyle

JULES

EMILE

#7 arttourist.com gazette Frühling/Sommer 2015

Kunst | Kultur | Festivals | Reisen | Essen & Trinken | Design & Lifestyle

KATE

#8 arttourist.com gazette Herbst/Winter 2015

Kunst | Kultur | Festivals | Reisen | Essen & Trinken | Design & Lifestyle

#9 arttourist.com gazette Frühling/Sommer 2016

n & Lifestyle & Trinken | Desig als | Reisen | Essen Kunst | Kultur | Festiv

Die intensive Arbeit an JULES hat wieder große Freude gemacht. Ideen, Projekten, Visionen und vor allem Menschen zu begegnen, die unser Leben bereichern, so fröhlich, bunt und ungewöhnlich und uns glücklich machen. Schön war das Wiedersehen mit Sigrun Kilger, mit der ich kurze zwei Jahre die Schulbank drückte und der ich wie mit Dieter Richter (KURT), Ute Legner (KATE) in der Affinität und der Leidenschaft für Kultur schon damals im Geiste nahe war. Dass wir alle beruflich in der Kultur gelandet sind, ist eine große, zufriedene Freude.

Im Herbst 2016

ASTRID

Kunst | Kultu

r | Festiv

als | Reise

n | Essen

& Trinken

| Shopping

# arttouris t.com gazette9 Frühling/ Sommer 2016

Zu den Freunden, von denen es viele gibt, die mich in und mit der Zeitung unterstützen, gibt es einen, der im Stillen für mich wirkt und bewegt. Ohne meinen langjährigsten Freund Peter Dörr wäre vieles nicht so gekommen und vieles nicht möglich. Als Gesprächspartner, Reibefläche, in die Welt des Möglichen zurückholende Instanz, kühlen Rechner und in vielem Unterstützer, in dem er mir zum Beispiel seine Lagerinfrastruktur zu Verfügung stellt und vieles mehr, ist er unersetzlich. Er war, ist und bleibt aus der Ferne in der Nähe. Ich wünsche Ihnen viele Entdeckungen und Begegnungen in und mit JULES, Inspiration und Gedanken, die auf Reisen gehen. Und nicht nur die!

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Kai Geiger

KUNST 

Seite 4-32, 78-79

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Herzliche Grüße, Ihr

Kai Geiger ART CITIES IN EUROPE GmbH geiger@artcities.com

Impressum: ART CITIES IN EUROPE GmbH | Titel: JULES, Jean Blaise, © Olivier Metzger | Produktion, Gestaltung & Layout: Chris Bernert, chris@deluxe-grafik.com | Druck: Druckhaus Waiblin-

Danke:

gen www.dhw.de | Redaktion: ART CITIES IN EUROPE GmbH, Glärnischstraße 7, D-78464 KonsDRUCKHAUS WAIBLINGEN

tanz, Tel. (+49) 07531 9073-0, Fax (+49) 07531 9073-5, www.arttourist.com, info@arttourist.com


4 | Deutsche Bahn

JULES | arttourist.com 1|2016

von Kunst und Technologie, Wissenschaft und Gesellschaft hingegen stehen im Mittelpunkt der Ausstellungen im ZKM in Karlsruhe. Zu diesen Kulturinstitutionen und zwölf weiteren ist die Anreise mit dem Sparpreis Kultur möglich: Die Deutsche Bahn hat ihre Zusammenarbeit mit den Museen ausgeweitet und bietet hier nun ganzjährig den Sparpreis Kultur an. Wenn man bisher nur zu einer Sonderausstellung des Museums fahren konnte, so ist das jetzt zu jeder Sonderausstellung und auch zu den Dauerausstellungen und Sammlungen möglich. So auch zur neuen Dauerausstellung „Weltsicht und Wissen um 1600“, die es ab März im Residenzschloss in Dresden zu sehen gibt. Und wenn man schon mal in Dresden ist, lassen sich mit der 2-Tages-Eintrittskarte viele weitere Museen der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden entdecken.

Mit dem Zug ins Museum Der Sparpreis Kultur - ab 39 Euro im ICE und IC/EC hin und zurück. Für die 1. Klasse ab 49 Euro. Bis zu vier Mitfahrer sparen jeweils 10 Euro.

Im Frühling Pablo Picasso, im Sommer Hieronymus Bosch und im Herbst Venedig – die Stadt der Künstler – entdecken? Das ist im Bucerius Kunst Forum in Hamburg möglich.

Ein Potpourri an Ausstellungen präsentiert auch die Bundeskunsthalle in Bonn, unter anderem mit „Pina Bausch“, „Bauhaus: Design“ und „Parkomanie“. Die Verflechtung

Den Sparpreis Kultur gibt es ab 39 Euro in der 2. Klasse und ab 49 Euro in der 1. Klasse, wobei man für die Hin- und Rückreise bis zu drei Tage einplanen kann. Und weil es in Begleitung nochmal schöner ist, können bis zu vier Personen mitfahren, die dann jeweils zehn Euro sparen. Familien reisen besonders günstig, denn Kinder, die jünger als 15 Jahre alt sind, fahren in Begleitung ihrer Eltern oder Großeltern kostenlos mit. Ein lohnenswertes Ziel für Familien ist da auch das OZEANEUM Stralsund, das ab Ostern ein neues Jahresthema präsentiert: Kraken&Konsorten. Buchbar ist der Sparpreis Kultur übrigens nicht nur in den DB Reisezentren und DB Agenturen, sondern auch online über die Webshops der Kulturinstitutionen. Weitere Informationen gibt es unter www.bahn.de/kultur

Partner der Deutschen Bahn BERLINISCHE GALERIE, BERLIN

BUNDESKUNSTHALLE, BONN

Bundeskunsthalle © Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland GmbH

www.bundeskunsthalle.de

Berlinische Galerie, Außenansicht © Foto: Nina Straßgütl

STAATLICHE KUNSTSAMMLUNGEN DRESDEN

MUSEUM KUNSTPALAST, DÜSSELDORF

MKP Außenansicht, Foto: Stefan Arendt, Medienzentrum Rheinland/LVR

BUCERIUS KUNST FORUM, HAMBURG

REISS-ENGELHORN-MUSEEN, MANNHEIM

Außenaufnahme © Bucerius Kunst Forum Foto Wolfgang Neeb

Das spätbarocke Museum Zeughaus C5 der ReissEngelhorn-Museen © rem, Foto: Jean Christen

www.buceriuskunstforum.de

www.rem-mannheim.de

ZENTRUM FÜR KUNST UND MEDIENTECHNOLOGIE ZKM, KARLSRUHE

STAATSGALERIE STUTTGART

www.smkp.de

SCHIRN KUNSTHALLE FRANKFURT Neue Staatsgalerie, Fassade und Eingang, Foto: Staatsgalerie Stuttgart

www.berlinischegalerie.de Außenansicht des ZKM | Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe © ZKM | Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe Foto: Uli Deck

GEMÄLDEGALERIE DER STAATLICHEN MUSEEN ZU BERLIN, BERLIN

www.zkm.de

Residenzschloss Dresden © Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: David Brandt, 2013

www.skd.museum

KUNSTSAMMLUNG NRW, DÜSSELDORF

Schirn Kunsthalle Frankfurt, Außenansicht © Schirn Kunsthalle Frankfurt, Foto: Norbert Miguletz

www.staatsgalerie.de

VON DER HEYDT-MUSEUM, WUPPERTAL

MUSEUM LUDWIG, KÖLN

www.schirn.de

STÄDEL, FRANKFURT Foto © VDHM

www.von-der-heydt-museum.de

OZEANEUM, STRALSUND

Gemäldegalerie. Kulturforum. Berlin-Tiergarten, Eingang Sigismundstraße. © Staatliche Museen zu Berlin / Achim Kleuker

K20 Grabbeplatz Außenansicht der Kunstsammlung am Grabbeplatz Foto: Foto: © Walter Klein © Kunstsammlung NRW

www.smb.museum

www.kunstsammlung.de

Außenansicht Städel Museum und Städel Garten Foto © Städel Museum

www.staedelmuseum.de

Museum Ludwig, Foto © Lee M.

Foto © Johannes-Maria Schlorke

www.museum-ludwig.de

www.ozeaneum.de


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Deutsche Bahn | 5

Frankfurt | Schirn Kunsthalle

JOAN MIRÓ. WANDBILDER, WELTENBILDER 26.2. – 12.6.2016

Joan Miró, Blau I/III, 4. März 1961 (Bleu I/III, 4 mars 1961) © Successió Miró / VG Bild-Kunst, Bonn 2016 Joan Miró, Malerei (Die Magie der Farbe) / Peinture (La Magie de la couleur), 1930 © Successió Miró / VG BildKunst, Bonn 2016

Joan Miró gehört zu den größten Künstlern des 20. Jahrhunderts. In der SCHIRN KUNSTHALLE FRANKFURT können Sie jetzt vom 26. Februar bis zum 12. Juni 2016 sein Schaffen aus einem ganz ungewohnten Blickwinkel betrachten, denn die Ausstellung WANDBILDER, WELTENBILDER konzentriert sich auf die Vorliebe des Katalanen für große Formate und seine Faszination für die Wand. Mirós besonderes Verhältnis zur Wand erklärt die Sorgfalt, mit der er seine Materialien und Bildgründe während seines gesamten Schaffensprozesses auswählte und vorbereitete. Mit weißgrundierten Leinwänden, roher Jute, Faserplatten, Sandpapier oder Teerpappe ließ Miró auf fast magische Weise einmalige Bildwelten von monumentaler Größe und herausragender Materialität entstehen. Die Ausstellung umfasst ein halbes Jahrhundert Malerei und zeigt rund 50 Kunstwerke aus bedeutenden Museen und öffentlichen Sammlungen weltweit, u. a. aus der National Gallery of Art, Washington D.C., dem Solomon R. Guggenheim Museum, New York, dem Museo Reina Sofía Madrid und dem Centre Pompidou Paris sowie wichtigen Privatsammlungen. Ein Besuch in der SCHIRN ist damit nicht nur eine Reise in die

Bildwelten Mirós, sondern auch eine Weltreise durch sein Œuvre. Wollen Sie mehr über Miró erfahren? Mit dem Digitorial der SCHIRN sind Sie von Anfang an im Bilde: www.schirn.de/digitorial

ADRESSE SCHIRN KUNSTHALLE FRANKFURT | Römerberg, 60311 Frankfurt | www.schirn.de ÖFFNUNGSZEITEN DI, FR–SO 10–19 Uhr MI, DO 10–22 Uhr Sonderöffnungszeiten: Ostermontag, 28. März, geöffnet von 10–19 Uhr Pfingstmontag, 16. Mai, geöffnet von 10–19 Uhr EINTRITTSPREISE Normalpreis EUR 12, ermäßigt EUR 10 , Kombiticket mit ICH EUR 17, ermäßigt EUR 12, freier Eintritt für Kinder unter 8 Jahren VORVERKAUF Tickets sind online unter www. schirn.de/tickets erhältlich ÖFFENTLICHE FÜHRUNGEN Di 17 Uhr, Mi 20 Uhr, Do 19 Uhr, Fr 11 Uhr, Sa 17 Uhr, So 11 und 15 Uhr

FÜHRUNGEN BUCHEN individuelle Führungen oder Gruppenführungen buchbar unter Tel. +49.69.29 98 82-112, und E-Mail fuehrungen@ schirn.de AUDIOGUIDE Zur Ausstellung ist ein Audioguide für 3 € erhältlich. Gesprochen von Kostja Ullmann, bietet er wesentliche Informationen zu den Kunstwerken AUSSTELLUNGEN 2016 ICH | 10.3. - 29.5.2016 Peter Halley | 12.5. – 21.8.2016 Pioniere des Comic. Eine andere Avantgarde 23.6. – 18.9.2016 Kunst für Alle Der Farbholzschnitt in Wien um 1900 | 7.7. – 3.10.2016 Rosa Barba 23.9.2016 – 8.1.2017 Ulay | 13.10.2016 – 8.1.2017 Giacometti-Nauman 28.10.2016 – 22.1.2017 Magritte. Der Verrat der Bilder | 10.2. – 5.6.2017

Frankfurt | Städel Frankfurt

Maniera. Pontormo, Bronzino und das Florenz der Medici 24.2.–5.6.2016

Vasari, Bronzino, Pontormo, Andrea del Sarto, Rosso: Die herausragenden Künstler des Florentiner Manierismus haben 2016 ihren ersten großen Auftritt in Deutschland. Der schillernde Begriff der „maniera“ steht dabei für eine Epoche, in der die persönliche Handschrift des Künstlers und der Wettstreit um Originalität ganz neue Bedeutung gewannen. Das Städel Museum präsentiert mit „Maniera“ ein faszinierendes Kapitel der italienischen Kunstgeschichte, das unmittelbar auf Botticellis Schaffensphase folgt und außerhalb von Florenz sonst nirgends in dieser Fülle und Dichte zu sehen ist. Die Ausstellung widmet sich Florenz als dem ersten Zentrum des europäischen Manierismus und spannt einen historischen Bogen von der Rückkehr der Medici nach Florenz 1512 und den ersten künstlerischen Gehversuchen der neuen Generation um Pontormo und Rosso, bis hin zu den 1568 veröffentlichten, bis heute einflussreichen Viten des Vasari. Über 120 kostbare Leihgaben, darunter Gemälde, aber auch Zeichnungen und Skulpturen, bieten eine noch nie dagewesene Übersicht einer stilprägenden Epoche, die der Kunstgeschichtsschreiber Giorgio Vasari mit dem schillernden Begriff „maniera“ charakterisiert hat. Die Kunst des Manierismus hat viele Facetten: elegant, kultiviert, artifiziell, aber auch kapriziös und extravagant, bisweilen bizarr. „The stylish style“ – so hat der Kunsthistoriker John Shearman den Epochenstil 1967 auf eine griffige Formel gebracht. Mit raffinierter Eleganz und kreativem Eigensinn erweisen sich die Maler der „maniera“ als eines der faszinierendsten Phänomene der Kunst Italiens.

Raffael (1483-1502), Madonna Esterházy, um 1507/08. Öl auf Holz, 29 x 21,5 cm. Szépmüvészeti Múzeum, Budapest, 2016

ADRESSE Städel Museum | Schaumainkai 63, 60596 Frankfurt am Main www. staedelmuseum.de ÖFFNUNGSZEITEN Di, Mi, Sa, So 10 –18 Uhr, Do + Fr 10 –21 Uhr. Sonderöffnungszeiten: 25., 27., 28.3. 10 – 18 Uhr, 1.5., 5.5., 15.5., 16.5., 17.5. 10 - 18 Uhr, 26.5. 10 –18 Uhr

EINTRITTSPREISE Normalpreis EUR 14, ermäßigt EUR 12, Familienkarte EUR 24, freier Eintritt für Kinder unter 12 Jahren; Kombipreis Eintritt + Führung EUR 16 (nur online buchbar); Gruppen ab 10 Personen: ermäßigter Eintrittspreis pro Person. Für Gruppen ist vorab eine Anmeldung unter Telefon +49(0)69-605098-200 oder info@staedelmuseum.de erforderlich

Agnolo Bronzino (1503-1572), Bildnis einer Dame in Grün, um 1530-32. Öl auf Pappelholz, 76,6 x 66,2 cm, Windsor Castle, State Apartments, Windsor. Royal Collection Trust ©Her Majesty Queen Elizabeth II 2015 FÜHRUNGEN durch die Ausstellung: Di 15 Uhr, Mi 13 Uhr, Do 18 Uhr, Fr 19 Uhr, Sa 16 Uhr, So 11 Uhr sowie Fr 25.3., Mo 28.3., Do 5.5., Mo 16.5., Do 26.5. 16 Uhr | 4 Euro zzgl. Eintritt. Tickets sind ab 2 Stunden vor Führungsbeginn an der Kasse erhältlich (So ab 10 Uhr). AUDIOGUIDE Audiotour zur Ausstellung, ge-

sprochen von Giovanni di Lorenzo, Chefredakteur der ZEIT, ist als App für Android und iOS für 0,99 Euro. Ebenso ist speziell eine Audiotour für Kinder erhältlich (dt., 0,99 Euro). Ausleihe des Audioguides vor Ort 4 Euro, 2 für 7 Euro AUSSTELLUNGEN 2016 Sigmar Polke. Frühe Druckgrafik 2.3. – 22.5.2016 Schaufenster des Himmels. Der

Altenberger Altar und seine Bildausstattung | 15.6. – 25.9.2016 Georg Baselitz – Die Helden 30.6. – 23.10.2016 David Claerbout September/Oktober 2016 Antoine Watteau. Zeichnungen 19.10.2016 – 15.1.2017 Geschlechterkampf. Franz von Stuck bis Frida Kahlo 24.11.2016 – 19.3.2017


6 | Aachen

JULES | arttourist.com 1|2016

Route Charlemagne, Maurer United Architects, ohne Buchstaben

Aachen

Europa auf der Spur Die Route Charlemagne Aachen ist eine historische Stadt. Als Residenz Karls des Großen, als Krönungsstadt der deutschen Könige, als bedeutender Wallfahrtsort und als Einfallstor der Industrialisierung in Deutschland hat sie ihren festen Platz in der Geschichte Europas. All das ist undenkbar ohne Karl den Großen – Charlemagne. Er verbrachte große Teile seines Lebens in Aachen, baute seinen Königshof zur bedeutendsten Herrscherresidenz im Europa seiner Zeit aus und starb hier 814. In der Marienkirche – dem heutigen Dom – bestattet, ist Kaiser Karl bis heute die Schlüsselfigur der Stadtgeschichte. Und eine Schlüsselfigur in Europa: Karls Regierungszeit war entscheidend für die Entwicklung der europäischen Geschichte und Kultur. Von Aachen aus stieß er Reformen an, die uns noch heute prägen. Auch die Route Charlemagne befragt Europa – seine Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Sie verbindet bedeutende Orte der Stadt zu einem Spaziergang. Das „Centre Charlemagne – Neues Stadtmuseum Aachen“ zwischen Dom und Rathaus erschließt das Leben Karls des Großen ebenso wie die Aachener Stadtgeschichte. Das Rathaus, auf den Grundmauern der Königshalle Karls des Großen errichtet, gehört zu den touristischen Hauptattraktionen der Stadt, ebenso

Karl der Große und Aachen, Facetten einer Beziehung – Das Centre Charlemagne Glas, Licht, ein Haus im Haus: Die Aachener Architekten Jochen König und Thomas Croon haben eine ebenso klare wie originelle Muse- Innenansicht Centre mit Karlsumsarchitektur geschaffen – an ei- figur, Foto: Stadt Aachen / Peter Hinschläger nem der prominentesten Standorte der Stadt. Hier ist eine zeitgemäße Ausstellung zur Geschichte Aachens von der Jungsteinzeit bis heute untergebracht. Auf rund 800 qm Fläche und erschlossen von über 30 Medienstationen vermitteln zahlreiche archäologische Funde, Gemälde, Grafiken und andere Objekte 5000 Jahre Stadtgeschichte als Teil der Geschichte Europas und der Maasregion. Einen Schwerpunkt bildet dabei Geschichte und Mythos Karls des Großen. Ohne ihn hätte die Stadt Aachen nicht ihre historische Bedeutung als karolingische Herrscherresidenz, als mittelalterliche Krönungsstadt und europäischer Erinnerungsort nach 1945 erhalten. Ein „Geschichtslabor“ lässt Sie ganz in die Zeit Karls des Großen eintauchen: Wie fühlt sich die Kleidung der Zeit an? Wie schwer ist ein Kettenhemd? Wie riecht ein Lederschild? Und woher wissen wir eigentlich so viel über die Zeit vor 1200 Jahren? www.centre-charlemagne.eu

Barocke Lebenslust im Couven Museum „Aachens Wohnzimmer“ umhüllt Sie mit der Atmosphäre eines großbürgerlichen Haushalts des 18./frühen 19. Jahrhunderts – Wohnkultur pur, ergänzt durch kunst- und kulturgeschichtliche Wechselausstellungen. Schreibschränke, Silbergerät, Kaffeeröster – im Couven Museum kann der Besucher die großbürgerliche Lebensart einer Zeit kennenlernen, in der altes Handwerk und

wie die Welterbe-Stätte Aachener Dom und sein bedeutender Schatz. Im Couven Museum ist der barocke Glanz großbürgerlicher Wohnkultur zu bestaunen. Der Elisenbrunnen, aus dem noch immer das heiße Schwefelwasser hervorquillt, das einst den Hochadel nach Aachen lockte, repräsentiert die Kurstadt Aachen. Und im Internationalen Zeitungsmuseum kann man sich interaktiv mit der Entwicklung der Medien auseinandersetzen. Im Grashaus, dem ersten Rathaus Aachens, trifft sich die europäische Jugend und das hypermoderne Super C der RWTH verweist auf Aachen als Sitz einer der wenigen Exzellenz-Universitäten in Deutschland. Die Angebote der Route Charlemagne sind viersprachig (D, F, NL, GB) angelegt; das Centre Charlemagne vermittelt darüber hinaus die Inhalte der Medienstationen in Deutscher Gebärdensprache. Für die meisten Häuser stehen Audioguides zur Verfügung. Mit Ausnahme des Couven Museums sind alle Häuser barrierefrei zugänglich. www.route-charlemagne.eu

moderne Industrialisierung aufeinander trafen. Die Räume bilden ein stimmiges Ensemble verschiedener Stile vom Rokoko über den frühen Klassizismus des Louisseize und den napoleonischen Empirestil bis hin zum Biedermeier. Eher praktische Gerätschaften in der Küche – Kaffeemühle und blinkendes Kochgeschirr – zeigen die Arbeit, die hinter dem luxuriösen Leben der städtischen Elite steckte. www.couven-museum.de

Couven Museum, Gaginizimmer: Foto: Stadt Aachen / Peter Hinschläger

5000 Jahre Mediengeschichte – Internationales Zeitungsmuseum Das Internationale Zeitungsmuseum ist ein Medienmuseum für alle Sinne. Das wird schon im Erdgeschoss beim Betreten des Hauses deutlich: Großformatige Bildschirme geben in Text, Bild und Ton Auskunft über das Museum und seine Inhalte. In der Dauerausstellung bietet das Haus einen einzigartigen Blick auf die Medienwelt – von der Frühzeit über die Entwicklungen der jüngsten Vergangenheit und Gegenwart bis hin zu Ausblicken in die Internationales Zeitungsmuseum Aachen, Foto: Stadt Aachen / Zukunft. Die Präsentation ist themawesentlich tisch gegliedert in die Räume „Vom Ereignis zur Nachricht“, „Medien für die Massen“, „Lesen und Schreiben“, „Lüge und Wahrheit“ sowie „Einblicke – Ausblicke“ über die Zukunft der medialen Welt. www.izm.de

An der Wiege Europas – Dom und Domschatz Als Karl seine Pfalz in Aachen zur monumentalen Palastanlage ausbaute, gründete er auch eine Stiftskirche, den heutigen Dom.

Sie war ein sakrales Zentrum seiner Politik: Die Einführung einer einheitlichen, an Rom ausgerichteten Liturgie in allen Teilen des Reiches war eine Stütze seiner Macht. Die Aachener Kirche sollte dieser Macht Ausdruck verleihen und hatte eine enorme Wirkung auf die Zeitgenossen. Seit dem Untergang des weströmischen Reichs war sie der erste steinerne Großbau mit Zentralgewölbe, der nördlich der Alpen neu errichtet wurde. Große Teile der karolingischen Kirche werden noch heute genutzt, erweitert um kühne gotische und barocke Anbauten. Als Grabeskirche Karls des Großen, Krönungskirche der deutschen Könige und Wallfahrtskirche ist der Bau auch in den folgenden Jahrhunderten reich ausgestattet worden; hochrangige Kunstwerke aus mehr als 1000 Jahren sind im Dom und im Domschatz zu bestaunen. Die UNESCO erklärte den Dom als erstes deutsches Bauwerk 1978 zum Weltkulturerbe. www.aachendom.de

Königsglanz und Bürgerfreiheit – Das Rathaus Auf den Grundmauern der Königshalle Karls des Großen entstand im 14. Jahrhundert das Aachener Rathaus. Hier hielten die deutschen Könige nach ihrer Krönung im Dom das Krönungsmahl mit den Großen ihres Reiches. Der dafür eigens erbaute Krönungssaal im Obergeschoss war der größte Festsaal seiner Zeit in ihrem Reich. In den unteren Geschossen war die Stadtverwaltung angesiedelt – und sie ist es bis heute: Der Ratssaal deutet auf eine jahrhundertelange Kontinuität städtischer Selbstverwaltung, wie sie für Europa charakteristisch ist, und auch Aachens Oberbürgermeister hat hier noch sein Büro. Einzelne Räume behandeln heute die Geschichte des Hauses, aber auch den Internationalen Karlspreis zu Aachen sowie die Themen Krieg und Frieden, denn hier fanden mehrere europäische Kongresse statt, die ihre Spuren im Gedächtnis der Stadt hinterlassen haben. www.rathaus-aachen.de


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Baden-Baden | 7

Gerhard Richter, Birkenau, 2014; Privatsammlung © Gerhard Richter, 2016

Baden-Baden

Gerhard Richter. Birkenau Abstrakte Meisterwerke im Museum Frieder Burda | 6.2.2016 – 29.5.2016 Die Ausstellung im Museum Frieder Burda zeigt abstrakte Werke von Gerhard Richter. Im Zentrum steht ein Hauptwerk des Malers, das vierteilige ungegenständliche, zutiefst ergreifende Birkenau, das 2014 entstand. Richter nimmt darin Bezug auf Fotografien, die 1944 im Konzentrationslager Birkenau aufgenommen wurden. Diese bilden die erste Schicht seiner Malerei, der viele weitere überarbeitende Malvorgänge folgen. Schon seit den 1960er Jahren finden sich Fotografien von Opfern des Holocaust auch in Richters „Atlas“, einer Sammlung von Fotos, Zeitungsausschnitten und Skizzen, die der Künstler von 1962 bis heute zusammengeführt hat. Alle früheren Ansätze der Umsetzung scheiterten und erst mit den BirkenauBildern kam es zu einer malerischen Lösung durch den Künstler. Entsprechende Atlas-Ta-

feln werden in Baden-Baden in Verbindung zu den großformatigen Birkenau-Arbeiten gezeigt. Dass die Befassung mit diesem großen Thema mit dem Malvorgang noch nicht beendet ist, zeigt die Umsetzung dieser Gemälde in gleich große Fotografien sowie 93 fotografische Details. Die Methode der Detailbetrachtung hat Richter auch in weiteren ausgestellten Werken aufgegriffen, so in „Halifax, 1978“, in dem er 128 Ausschnitte eines seiner abstrakten Gemälde in Schwarzweiß zu einer Darstellung von Struktur umdeutete. Besonders beeindruckend ist die Serie „War Cut“, die Nachrichten vom beginnenden Irak-Krieg verarbeitet. 216 fotografischen Details aus dem „Abstrakten Bild, 1987“, hat Gerhard Richter Texte der FAZ aus den ersten Tagen des Irak-Kriegs zugeordnet. Er ging dabei streng

formal vor und erzielte dennoch mit seinen ungegenständlichen Bildern erstaunliche Bezüge zum Text. Der Ausgangspunkt der malerischen Strategie von Gerhard Richter, dem auch bei seinen Abstraktionen stets ein Bezug zum Abbild eigen ist, wird im Kontext von Werken weiterer bekannter Künstler verdeutlicht. Diese kommen zum Großteil aus dem Umfeld der Galerie Konrad Fischer, mit der Richter in den 1960er Jahren in lebhaftem Austausch stand. Zu sehen sind abstrakte Meisterwerke von Carl Andre, Sol LeWitt, Blinky Palermo, Imi Knoebel oder Sigmar Polke. Aber auch Andy Warhol und die abstrakten Expressionisten Clyfford Still, Adolph Gottlieb und Willem de Kooning belegen, wie zeitgenössische Künstler gerade mithilfe der Abstraktion in der Lage sind, das Unbeschreibliche festzu-

halten oder das Nichtdarstellbare abzubilden. Die Werke, darunter beeindruckende Wandund Bodenplastiken (Sol LeWitt, Carl Andre), zeigen die unterschiedlichen Ansätze der Künstler und das hohe Potential der Abstraktion zur Darstellung von Realität oder zur Abwendung jeglicher Gegenständlichkeit. Auch thematisiert die Schau unsere Wahrnehmung und Emotionen, die allein Formen und Farben - jenseits einer Darstellung realer Objekte - auslösen. Hochkarätige Leihgaben aus internationalen Sammlungen und Museen ergänzen die zahlreichen Exponate aus der Sammlung Frieder Burda. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln.

oben: Willem de Kooning, Untitled XV, 1982; Museum Frieder Burda, Baden-Baden © VG Bild-Kunst, Bonn 2016; Foto: Volker Naumann, Schönaich links: Gerhard Richter, Abstraktes Bild, 1992; Museum Frieder Burda, Baden-Baden © Gerhard Richter, 2016; Foto: Volker Naumann, Schönaich ADRESSE Museum Frieder Burda Lichtentaler Allee 8 b 76530 Baden-Baden www.museum-frieder-burda.de ÖFFNUNGSZEITEN Di – So 10 – 18 Uhr An allen Feiertagen geöffnet

EINTRITTSPREISE Ticket EUR 13, ermäßigt EUR 11 Schüler ab 9 Jahren EUR 5 Familienticket EUR 27 AUDIOGUIDE deutsch und französisch EUR 4 FÜHRUNGEN Öffentliche Führungen EUR 4 Mi 16 Uhr, Sa, So 11 und 15 Uhr

Private Gruppenführungen EUR 75 Buchung von Führungen und Anmeldung von Gruppen T. +49 7221 39898-38 fuehrungen@museum-frieder-burda.de KATALOG Der Ausstellungskatalog ist im Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln erschienen.


8 | Chur

JULES | arttourist.com 1|2016

Alpenstadt Chur Geschichte – Kunst – Architektur

Die Hauptstadt des Kantons Graubünden hat schon viele Besucher überrascht. Im Vorbeifahren ahnt man nämlich so gar nicht, was für Schätze sich im Zentrum der lebendigen Gebirgsmetropole verbergen: Eine äusserst sehenswerte Altstadt, ein reiches kulturelles Angebot sowie die vielfältige und abwechslungsreiche Architektur machen den Besuch in Chur unvergleichlich. Ein persönlicher Augenschein hat schon viele Besucher zu Fans der Schweizer Alpenstadt gemacht…

Malerische Churer Altstadt Mit einer Siedlungsgeschichte von über 5000 Jahren ist Chur die älteste Stadt der Schweiz, was sie in ihrer malerischen und durchgehend autofreien Altstadt auch eindrücklich zelebriert. Zahlreiche Boutiquen, Restaurants, Bars, Museen und Galerien sorgen im lebendigen Zentrum für ein geradezu mediterranes Flair. Über der Altstadt thront der Bischöfliche Hof mit der 800 Jahre alten Kathedrale und ihrem in goldener Pracht strahlenden spätgotischen Hochaltar. Die Kathedrale ist der Mariä Himmelfahrt geweiht und zählt zu den bedeutendsten Kulturdenkmälern der Schweiz. Als weitere „Wahrzeichen“ prägen der von allen Seiten sichtbare Kirchturm St. Martin, das gut erhaltene Obertor und die zahlreichen Plätze die Churer Altstadt

Vielfältige Stadtführungen Viel Wissenswertes aus der Geschichte und Kultur der Alpenstadt erfährt man auf einem geführten Stadtrundgang. Von der klassischen, historischen Altstadtführung bis zu zahlreichen thematischen Führungen gibt es ein erstaunlich großes Angebot. Beim „Kunstgang durch Chur“ beispielsweise kommt man den zahlreichen Kunstobjekten im öffentlichen Raum auf die Spur. Aber auch eine „Mittelalterführung“, eine „Stadtgartenführung“ sowie eine „Brunnenführung“ und sogar eine „Weinführung“ stehen im Angebot. Und natürlich können die wichtigsten Bauwerke wie die Kathedrale, Kirchen oder auch das Schloss Haldenstein auf persönlichen Führungen näher erkundet werden. Der umfangreiche Führungskalender sowie das Angebot für Gruppen-Führungen sind in einer separaten Broschüre sowie auf der Website von Chur Tourismus zusammengefasst. Wer lieber auf eigene Faust die Stadt erkundet und trotzdem nichts verpassen möchte, dem sei der Audio Guide empfohlen, mit welchem man in 32 Kapiteln ebenfalls viel Wissenswertes aus der Geschichte und Kultur der Alpenstadt erfährt.

Er ist zusammen mit dem Audio Guide Stadtplan im Regionalen Infozentrum in der Bahnhofunterführung in 13 Sprachen erhältlich. www.stadtführungen.ch

Museen, Galerien, Theater Ob in den archäologischen Ausgrabungsstätten - geschützt durch einen filigranen Holzbau des Star-Architekten Peter Zumthor - oder im Rätischen Museum über der Altstadt thronend, Chur hat seine Geschichte bewahrt und zugänglich gemacht. Dank dem Prädikat „Hauptort Graubündens“ empfangen den Besucher mit dem Bündner Kunstmuseum und dem Bündner Naturmuseum zwei weitere unermüdliche Sammler alpenländischer Kultur. Das Bündner Kunstmuseum eröffnet nach 2-jähriger Bauzeit Ende Juni seine Tore wieder. In der Villa Planta und dem neuen, markanten Erweiterungsbau ist unter anderem eine umfassende Sammlung von Künstlern, welche in Graubünden geboren wurden oder gelebt haben zu sehen - darunter weltbekannte Künstler wie Alberto Giacometti, Giovanni Segantini, HR Giger, Not Vital, Angelika Kaufmann oder Ernst Ludwig Kirchner. Auch einen Besuch wert ist das Forum Würth Chur. Hier werden regelmässig Ausstellungen aus der Sammlung von Reinhold Würth gezeigt, eine der bedeutendsten Privatsammlungen Europas. Unter den rund 17‘000 Werken befinden sich zahlreiche Skulpturen. Im Skulpturenpark vor dem Forum Würth werden zudem unter anderem Werke von Niki de Saint-Phalle, Jean Tinguely und Bernhard Luginbühl gezeigt. Der vielfältigen Churer Kunstszene kann man ausserdem in nicht weniger als sieben Galerien, verteilt in der ganzen Stadt, auf die Spur kommen. Und auch Freunde des Theaters kommen in der Bündner Hauptstadt auf ihre Kosten: Das Theater Chur versteht sich als Experimentierfeld des Nachdenkens über die darstellende Kunst im Alpenraum. Es bringt Grössen wie Luc Bondy nach Chur, bietet aber auch einheimischen Kulturschaffenden eine Bühne.

Stadtführung in der ältesten Stadt der Schweiz | © Chur Tourismus

Reihe von Kunstprojekten im öffentlichen Raum in Chur weiter und verleiht dem öffentlichen Kunstdiskurs Kontinuität. Die Ausstellung soll wiederum dazu beitragen, sich mit Orten auseinanderzusetzen und diese durch neue Sichtweise und Aspekte zu bereichern. www.art-public.ch

Zeitgenössische Architektur Museumsplatz in der autofreien Altstadt | © Chur Tourismus

Theater, Tanz und Musik gehören dabei gleichermassen ins Programm. Die „Klibühni“ ist, wie der Name schon sagt (Kli) das kleine Theater. Hier wird Theater mit einer bunten, frischen Mischung aus Eigenproduktionen, Gastspielen und Spezialveranstaltungen geboten. Dies in einer wunderschönen städtischen Liegenschaft und seit vierzig Jahren. Als zusätzliche Attraktion und Breitenwirkung eröffnet das Theater jeweils im Sommer die allseits beliebte „Höfli-Beiz“ mit hochwertigem Speise- und Weinangebot, gewürzt mit einem spannenden Kulturprogramm. www.churtourismus.ch (Webcode: Kultur)

Dauerausstellung «AM ORT» 29.5. – 30.10.2016 Der Verein ART-PUBLIC Chur realisiert in diesem Jahr eine neue Dauerausstellung im öffentlichen Raum von Chur. Diese führt eine

Mit dem Erweiterungsbau des Bündner Kunstmuseums prägt ein weiteres, imposantes Gebäude die Alpenstadt. Das Projekt „Die Kunst der Fuge“ wurde vom spanischen Estudio Barozzi Veiga entworfen, das 2015 unter anderem mit dem renommierten Mies-van-derRohe Preis ausgezeichnet wurde. Der international bekannte Architekt Peter Zumthor wohnt in Haldenstein, einem kleinen Dorf gegenüber der Stadt Chur. Viele Spuren hat er in Graubünden hinterlassen (unter anderem die Felsentherme in Vals) und auch in Chur stehen mehrere Bauten von Zumthor, darunter die Schutzbauten für die römischen Ausgrabungen. Die Broschüre „Zeitgenössische Architektur“ informiert über die wichtigsten Bauwerke in Chur und Umgebung. Wer noch mehr über die regionale Architektur erfahren möchte, kann an verschiedenen Daten an der öffentlichen Architekturführung teilnehmen oder die Führung jederzeit als Gruppe buchen. www.churtourismus.ch (Webcode: Architektur)


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Chur | 9

Skulptur von Alberto Giacometti, im Hintergrund Bilder von Giovanni Giacometti © Bündner Kunstmuseum Chur

Jahresprogramm Bündner Kunstmuseum Chur 25./26.6.2016 25.6. – 6.11.2016 Eröffnung des erweiterten Museums / Labor: Zilla Leutenegger – Il gatto nero Tage der offenen Tür ab 25.6.2016 25.6. – 6.11.2016 Sammlungspräsentation in der Villa Solo Walks – Eine Galerie des Gehens Planta und im Neubau

Pablo Picasso, Mark Rothko, Bruce Nauman, Thomas Hirschhorn, Louise Lawler, Richard Long, Carl Andre und Cy Twombly. Im Labor, einem Raum für flexible zeitgenössische Ausstellungsformate, zeigt das Museum zur Eröffnung die Ausstellung „Il gatto nero“ der international erfolgreichen Bündner Künstlerin Zilla Leutenegger (*1968).

Chur liegt inmitten der Bergwelt Graubündens | © Chur Tourismus

Erweiterungsbau: Die Bündner Kunst hat ein neues Zuhause Ab 25. Juni 2016 | Bündner Kunstmuseum Chur Das Bündner Kunstmuseum Chur in der historischen Villa Planta hat einen prominenten Erweiterungsbau der Architekten Barozzi & Veiga aus Barcelona erhalten und gehört heute mit seiner Sammlung und den attraktiven Wechselausstellungen zu den bedeutenden Kunstmuseen der Schweiz.

Giacometti hoch 3 – und mehr Die einmalige Sammlung umfasst rund 8000 Werke aus allen Bereichen der bildenden Kunst vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart und wird auf einer Fläche von über 1‘200 m2 gezeigt. Zu den Highlights zählen Werkgruppen von Angelika Kauffmann (1741-1807), in Chur geboren und eine der ersten angesehenen Künstlerinnen der Royal Academy in London. Das Herz der Sammlung ist die Künstlerfamilie Giacometti, mit dem weltbekannten Bildhauer Alberto und den beiden wichtigen Schweizer Malern Giovanni und Augusto.

querung bedeutsam, sondern wird immer wieder von Künstlerinnen und Künstlern aus unterschiedlicher Perspektive aufgegriffen. Leitmotivisch steht für unsere Ausstellung: „L‘homme qui marche“ von Alberto Giacometti. Das Gehen wird hier nicht nur als ein nach aussen gewandtes Fortkommen verstanden, sondern ebenso als innere Bewegung. Die internationale Gruppenausstellung vereint rund 35 Positionen, unter anderen Paul Klee,

Ein öffentlicher Raum, wo die Kunst lebt Das Museum ist ein Ort der Begegnung, wo mit einem vielfältigen Kunstvermittlungsangebot Kunst für alle zum Erlebnis wird. Es ist ein offenes Haus in dem man sich wohlfühlt und eine entspannte Zeit verbringt. Zu allen Ausstellungen bietet das Bündner Kunstmuseum Chur eine vielfältige Reihe von Vermittlungsangeboten. Öffentliche Führungen, Familienprogramme, Kunstvermittlung für Schulen und Jugendliche, Saaltexte, Ausstellungsführer, wissenschaftliche Publikationen, Kataloge, Symposien, Künstlergespräche und Performances für Erwachsene bilden die Basis. Das Team des Museums pflegt mit seinen Besuchern den persönlichen Austausch und legt ihnen viele mögliche Zugänge zur Kunst offen.

Ernst Ludwig Kirchner (1880-1938) und der Schweizer Expressionismus sind in der Sammlung mit Schlüsselwerken vertreten. Neuere und zeitgenössische Positionen werden beispielsweise durch Matias Spescha (1925-2008), Not Vital (*1948) oder Hans Danuser (*1953) vertreten. Jährlich werden neben der Sammlungspräsentation fünf bis sechs thematische oder monografische Wechselausstellungen historischer und zeitgenössischer Kunst gezeigt. Mit der Erweiterung ist das Bündner Kunstmuseum Chur für das Publikum eines der attraktivsten und komfortabelsten Museen in der Schweiz geworden. Es versteht sich als Zentrum für Kunst in und aus Graubünden mit internationaler Ausstrahlung.

Eröffnungsausstellung: Solo Walks – Eine Galerie des Gehens Die Eröffnungsausstellung im Neubau ist dem Thema „Gehen“ gewidmet. Das Gehen ist nicht nur am Ausgangsort der Alpenüber-

Markanter Erweiterungsbau des Bündner Kunstmuseums | © Bündner Kunstmuseum

4.12.2016 – 22.1.2017 Archiv – 80 Jahre Bündner Kunst: Jahresausstellung zum Jubiläum von visarte.graubünden

Museums Cafe und Buchhandlung Das Museum verfügt über ein stilvolles Café, das sich im herrschaftlichen Wintergarten der Villa Planta befindet. Im Sommer können die Besucher unter den uralten Schatten spendenden Mammutbäumen direkt an der Fussgängerzone im Freien sitzen. Das Café bietet frische regionale Speisen an. Im Foyer ist eine gut sortierte Kunstbuchhandlung mit einer grossen Auswahl von Ausstellungskatalogen und unseren Kunstpostkarten zu den bekanntesten Werken aus der Sammlung des Hauses zu finden. Weitere Informationen unter www.buendner-kunstmuseum.ch

Spezialangebot: Kunst & Kult(Ch)ur Profitieren Sie von der vergünstigten Kulturpauschale bei Ihrem Aufenthalt in Chur. Das Spezialangebot umfasst mindestens eine Hotel-Übernachtung inkl. Frühstück, den Eintritt ins erweiterte Bündner Kunstmuseum sowie wahlweise die Ausleihe des Audio Guides oder 50% Rabatt auf eine öffentliche Stadtführung. Alle enthaltenen Leistungen erhalten Sie dabei zum attraktiven Pauschalpreis. Ab CHF 80 pro Person im Doppelzimmer. www.churtourismus.ch (Webcode: KultChur)


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Liegender Akt vor Spiegel, 1909/10 | Öl auf Leinwand | 83,3 x 95,5 cm | Brücke-Museum Berlin

Schafherde, 1938 | Öl auf Leinwand | 101 x 120 cm | Signiert unten links: EL Kirchner | Brücke-Museum Berlin

Balingen

Ernst Ludwig Kirchner: Modelle, Akte & Kokotten 2.7. – 3.10.2016 | Sommerkunstausstellung in der Stadthalle Balingen Erstmals konzentriert sich eine Ausstellung des bedeutendsten expressionistischen Malers Ernst Ludwig Kirchner (1880-1938) auf das spannende Thema „Modelle, Akte und Kokotten“. Sie führt den Betrachter von der Welt der Künstlerbohème in Dresden und Berlin bis zum Ausdruckstanz in die Davoser Bergwelt in den 20er-Jahren. Mit einer beeindruckenden Auswahl von mehr als 100 hochkarätigen Werken aus dem Berliner Brücke-Museum setzt die Stadthalle Balingen die traditionellen großen Sommerausstellungen zur Klassischen Moderne fort. Kirchners expressive, stark farbige Ölgemälde, Aquarelle, Holzschnitte, Lithografien und Radierungen lenken den Blick auf die Welt der Frauen. Mehr als 100 Jahre ist es her, dass er als Initiator der Künstlergemeinschaft Brücke mit einer neuen, flächigfarbigen Malerei, Holzschnitten und dynamischen Zeichnungen die akademische Tradition aus den Angeln hob.

Artistin – Marcella, 1910 | Öl auf Leinwand | 101 x 76 cm | Brücke-Museum Berlin

Anmutige, erotische Aktdarstellungen zeugen von Kirchners unkonventionellem Lebensstil in der Gemeinschaft mit Modellen und Kollegen - das Gemälde der jungen Marcella im Streifenshirt (unten links) gilt als eines der Meisterwerke. Den betont entspannten, natürlichen Akten folgen kurze Zeit später Kirchners legendäre Darstellungen mondäner Kokotten in der schnelllebigen Metropole Berlin. Die Ausstellung umfasst das gesamte Schaffen des Künstlers von 1905 in Dresden bis zu seinem Freitod in Davos 1938. Einerseits erlaubt sie intime Einblicke in sein Leben und Schaffen. Andererseits zeigt sie den einschneidenden gesellschaftlichen Umbruch in der bewegten Epoche zwischen zwei Weltkriegen. Neben den weiblichen Modellen gehören auch Persönlichkeiten aus Kirchners engstem Umkreis wie der Schriftsteller Alfred Döblin oder der Komponist Otto Klemperer zu seinen Modellen.

Selbstbildnis, 1914 | Öl auf Leinwand | 65 x 47 cm | BrückeMuseum Berlin

Einflüsse afrikanischer und ozeanischer Plastiken werden ebenso sichtbar, wie die indischer Tanzdarstellungen. Bisher selten zu bewundern war das großformatige Ölbild der tänzerisch anmutenden Badenden von 1911. Thematisch nimmt es den freien Ausdruckstanz vorweg, mit dem berühmte Tänzerinnen der 20er-Jahre um Mary Wigman experimentieren. Sie besuchen Kirchner in seinem Rückzugsort der Bergwelt von Davos. Neben Darstellungen in allen künstlerischen Techniken hält er ihren Nackt-Tanz im Wald nun auch in dem damals jungen Medium der Fotografie fest. Kirchners atmosphärische Originalfotografien sind in der Ausstellung zu sehen. Sie dokumentieren erneut sein zeitgeistiges experimentelles Streben, die Natur des Menschen in aller Tiefe, Anmut und Bewegung festzuhalten.

Drehende Tänzerin – Tanzpaar (Drehende Tänzerin), 1932 | Holzschnitt | 85 x 54,5 cm Bildmaß | 94,5 x 63,5 cm Blattmaß | Brücke-Museum Berlin Badende mit Hut, 1913 | Aquarell über Ölkreide | 59 x 46 cm | Brücke-Museum Berlin

ADRESSE Stadthalle Balingen Hirschbergstraße 38 72336 Balingen www.stadthalle.balingen.de ÖFFNUNGSZEITEM täglich von 10 bis 18 Uhr Di bis 21 Uhr ohne Ruhetag EINTRITTSPREISE Tageskarte EUR 9,50 Gruppen ab 20 Personen, Rentner, Schwerbehinderte EUR 9 Schüler, Studenten EUR 6 Schülergruppen ab 20 Personen EUR 4,50 Langer Dienstag (ab 18 Uhr) Erwachsene EUR 5, Schüler, Studenten EUR 3 Kinder bis 13 Jahre frei Kombikarte mit Burg Hohenzollern: Erwachsene EUR 17 Schüler / Studenten EUR 11 AUDIOGUIDE EUR 4,50

FÜHRUNGEN Öffentliche Führungen: Di 18:30 Sa, So 11 Uhr Teilnahmegebühr p. P. EUR 5 Pro Führung können bis zu 30 Personen teilnehmen. Private Führungen: Führungen (Schüler / Kinder /Soirée-Buchungen) außerhalb der Öffnungszeiten sind nach Vereinbarung möglich Telefon: (0 74 33) 90 08 413 Führungspreise (pauschal): Mo – Fr EUR 85 Sa, So EUR 95 KATALOG Ein umfassend bebilderter Katalog zur Ausstellung mit begleitenden Texten und Bildbeschreibungen zeigt, wie Modelle, Akte, Kokotten und Tänzerinnen, ihren Niederschlag in Kirchners Kunstwerken finden. Der Katalog zur Ausstellung erscheint im Hirmer Verlag (Hrsg.: Magdalena M. Moeller) und ist vor Ort im Museumsshop erhältlich


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Brühl

M.C. ESCHER Multiperspektivische Bilderwelten einer Ikone der modernen grafischen Kunst im Max Ernst Museum Brühl des LVR 21.2. – 22.5.2016 Ein besonderes Seherlebnis bieten die rätselhaft-magischen Welten von Maurits Cornelis Escher (1898–1972), dem bedeutendsten niederländischen Grafiker des 20. Jahrhunderts. Anlässlich der Verleihung eines niederländischen Kulturpreises 1965 erklärte der Künstler in seiner Dankesrede: „Ich kann es nicht lassen, ich muss mich einfach über all unsere unerschütterlichen Überzeugungen lustig machen. Es ist zum Beispiel ein großer Spaß, die Zwei- und die Dreidimensionalität, das Flache und das Räumliche miteinander zu vermischen oder mit der Schwerkraft Schabernack zu treiben.“ Architektur, Spiegelungen und Kreisläufe ziehen sich durch sein über Jahrzehnte entstandenes Werk. Zu seinen wichtigsten bildnerischen Stilmitteln zählen ebenfalls Flächenaufteilungen, Systeme, bei denen sich endlos wiederholende Formen die Fläche strukturieren. Die Darstellung von Ewigkeit und Unendlichkeit, Zeit und Raum prägt seine Bilder. M.C. Escher manipuliert die Realität mit Raffinesse. Durch die extreme Verzerrung der Perspektive erzeugt er optische Täuschungen. Die somit entstandenen „unmöglichen“ Konstruktionen wurden zu seinem Markenzeichen.

M.C. Escher, Tag und Nacht, 1938, Holzschnitt, Collection Gemeentemuseum Den Haag © 2016 The M.C. Escher Company – The Netherlands. All rights reserved. www.mcescher.com

M.C. Escher, Band ohne Ende, 1956, Lithografie, Collection Gemeentemuseum Den Haag © 2016 The M.C. Escher Company – The Netherlands. All rights reserved. www.mcescher.com

Obwohl sich Escher keiner künstlerischen Strömung zuordnen lässt, sind seine thematischen Parallelen zum Surrealismus überraschend: die Auflösung vermeintlich logischer Gewissheiten, das collagenhafte Zusammenbringen entgegengesetzter Orte und Objekte, Metamorphosen und die Verbindung von Vernunft und Traum.

ESCHER 2.0

Noch heute sind M.C. Eschers perspektiviIn einer Retrospektive, die in Zusammenarsche Unmöglichkeiten und optische Täubeit mit dem Gemeentemuseum Den schungen am Puls der Zeit. Lange Haag entstanden ist, präsentiert bevor die ersten am Computer herdas Max Ernst Museum Brühl gestellten 3D-Bilder ihre Betrachter des LVR über 110 grafische Arin ihren Bann zogen, war Escher beiten von M.C. Escher, desein Meister der dritten Dimension. sen Bilderfindungen in den Ein Epilog zur Ausstellung präsen1970er Jahren zu populären tiert erfolgreiche Computerspiele Ikonen der modernen grafiwie „The Bridge“ (2013), „Moschen Kunst wurden und ins nument Valley“ (2014), „Back to kollektive Bildgedächtnis einBed“ (2014) oder „hocus.“ (2015). gingen. Eschers präzise und Sie zeigen, wie im 21. Jahrhundert detailreich gearbeiteten unlogische Orte und Objekte à la Holzschnitte, Lithografien, M.C. Escher am Screen aktiv erMezzotintos sowie Zeichfahrbar werden. Parallel dazu könnungen stellen die Ordnung nen in einem zusammen mit dem der Dinge in Frage, schaffen Cologne Game Lab entwickelten multiperspektivische Räume, und von Samsung geförderten spielen mit unserer Wahrneh- M.C. Escher, Möbiusstreifen II Virtual Reality-Projekt seine Prin(Rote Waldameisen), 1963, Holzmung: Hände, die durch den schnitt, Collection Gemeentemuzipien der optischen Täuschung Akt des gegenseitigen Zeich- seum Den Haag in einer begehbaren virtuellen © 2016 The M.C. Escher Company nens existieren und aus der – The Netherlands. All rights 360°-Umgebung erlebt werden. Flächigkeit der Zeichnung reserved. www.mcescher.com Das Spiel „Land’s End“ (2015) bieplastisch herauswachsen; Wasser, das sich tet die Möglichkeit weiterer Erfahrungen mit der Schwerkraft entzieht; Menschen, die in computergenerierten Wirklichkeiten. einem ewigen Kreislauf Treppen hinauf- und hinabschreiten. VORSCHAU:

JAUME PLENSA (4.9. – 11.12.2016)

Die Ausstellung ermöglicht mit Grafiken aus allen Schaffensperioden neue Einblicke in Eschers Œuvre. Er brach sein Architekturstudium zugunsten einer grafischen Ausbildung ab und verband seine Faszination für räumliche Experimente fortan mit der Perfektionierung seiner grafischen Techniken. Nach einem Besuch 1936 in der Alhambra im spanischen Granada, bei der er intensiv die geometrische Ornamentik studierte, entwickelte er eine lebenslange Begeisterung für regelmäßige Flächenaufteilungen. Statt aus Naturbetrachtungen schöpfte er seine Inspiration nun aus diesen Quellen sowie der Mathematik und entwickelte unmögliche Welten und optische Illusionen, die physikalische Gesetzmäßigkeiten aufheben.

Die Gäste des Max Ernst Museums können sich schon jetzt auf die Einzelausstellung „Jaume Plensa – In des Traumes Mitte“ freuen. Im Max Ernst Museum nehmen die Zeichnungen und kleinere bis mittelgroße Skulpturen des katalanischen Künstlers den Dialog mit Max Ernst auf unterschiedliche Weise auf. Dabei zeigen sich in der Werkauswahl Berührungspunkte mit dem Surrealismus, aber auch Kontraste und andere Perspektiven, die Plensas eigenständige Formensprache und deren inhaltliche Wirkkraft offenbaren. Seine Arbeiten befragen die conditio humana und scheuen sich nicht, auch Schönheit zu evozieren, wie sie im Traum oder in direkter Betrachtung begegnet. Die Ausstellung entsteht in Zusammenarbeit mit dem Künstler.

M.C. Escher, Belvedere, 1958, Lithografie, Collection Gemeentemuseum Den Haag © 2016 The M.C. Escher Company – The Netherlands. All rights reserved. www.mcescher.com ADRESSE Max Ernst Museum Brühl des LVR Comesstr. 42 / Max-Ernst-Allee 1 50321 Brühl (Rheinland) www.maxernstmuseum.lvr.de ÖFFNUNGSZEITEN Di – So 11 – 18 Uhr sowie Ostermontag, Pfingstmontag, 3.10., 1.11. Mo geschlossen sowie 1.1., Weiberfastnacht, Karnevalssonntag, Rosenmontag, Karfreitag, 1.5., 24.-25.12., 31.12.

EINTRITTSPREISE Erwachsene EUR 8,50 ermäßigt EUR 5 Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre: Eintritt frei Vorverkauf inklusive VRS-Fahrausweis www.koelnticket.de oder www.bonnticket.de Ticket-Hotline 0221 2801 oder 0228 502010 sowie an allen bekannten Vorverkaufsstellen: EUR 10,90 | ermäßigt EUR 7,10 FÜHRUNGEN Öffentliche Führungen EUR 5 zzgl. Museumseintritt Sa 15.30 Uhr | So 11.30 Uhr und 15 Uhr

Öffentliche Familienführungen: jeden 3. Sonntag im Monat, 14.30 Uhr Private Gruppenführungen EUR 70 INFO-SERVICE | ANMELDUNG | BUCHUNG kulturinfo rheinland, Tel 02234 9921 – 555 info@kulturinfo-rheinland.de KATALOG Der Katalog ist nur im Museumsshop erhältlich: EUR 29,80


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Alberto Burri, Grande sacco BS (Großes Sackleinen BS), 1956, Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf, © Fondazione Palazzo Albizzini Collezione Burri, Città di Castello/ VG Bild-Kunst, Bonn 2016 / SIAE, Rom

Alberto Burri, Rosso gobbo, 1953, , Privatsammlung, Rom, © Fondazione Palazzo Albizzini Collezione Burri, Città di Castello/ VG Bild-Kunst, Bonn 2016

Düsseldorf | K21 Ständehaus

Alberto Burri. Das Trauma der Malerei 5.3. – 3.7.2016

Der italienische Künstler Alberto Burri (19151995) zählt mit seinen Arbeiten aus industriellen Materialien wie Eisen, Jute oder Plastik zu den einflussreichsten, in Deutschland jedoch weniger bekannten Positionen der Nachkriegszeit. Die Retrospektive „Alberto Burri. Das Trauma der Malerei“ entstand in Kooperation mit dem Solomon R. Guggenheim Museum in New York anlässlich des

100. Geburtstags des Künstlers. 1966 erwarb die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen bereits eine seiner Arbeiten und zählt damit zu den wenigen Sammlungen in Deutschland im Besitz seiner Werke – ein Grund mehr, Alberto Burri nun umfassend zu würdigen. Als erste Museumsausstellung in Deutschland nach fast 20 Jahren, lädt die Präsentation zur Neuentdeckung seines Werks ein.

Mit unorthodoxen Materialien wie Teer, Sackleinen, Eisen oder Plastik revolutionierte Alberto Burri die Malerei und erweiterte das Bild in den Raum hinein. Seine Werke formte er mit handwerklichen Verfahren wie Nähen, Nieten, Heften, Kleben, aber auch Reißen und Verbrennen. Dies zeigt eindrucksvoll das Bild aus Sackleinen Grande Sacco BS (1956) aus der Sammlung des Museums. Burris Schaffen ist

in mehrfacher Hinsicht ein Kommentar zum wechselvollen Verlauf des 20. Jahrhunderts, dessen Traumata sich in der Biografie des Künstlers spiegeln: Zunächst als Feldarzt im 2. Weltkrieg tätig, fand Burri in der amerikanischen Kriegsgefangenschaft als Autodidakt zur Kunst und übersetzte seine Erfahrungen in kraftvolle, manchmal auch verstörende Bilder.

Düsseldorf | K20 Kunstsammlung NRW

Dominique Gonzalez-Foerster 1887 – 2058 23.4. – 7.8.2016

In der Kunst von Dominique Gonzalez-Foerster (geboren 1965 in Straßburg, lebt in Paris und Rio de Janeiro) dreht sich alles um die Erfahrung und Reflexion von Räumen und Zeiten. Mit teilweise minimalen Mitteln evoziert sie Orte, Personen und Themen, die auf die eine oder andere Weise in unserer kollektiven Erinnerung existieren. Dabei kann es um so unterschiedliche Themen wie die vom Hippietum geprägten 1970er Jahre, den Filmregisseur Rainer Werner Fassbinder, die Stadtutopie Brasilia, König Ludwig II, die Psychoanalyse, eine tropische Regenschauer oder einen Ausblick in das Jahr 2066 gehen. Die Künstlerin richtet mit wenigen Elementen Räume ein, benutzt eigens geschaffene Sounds, macht Filme oder tritt selbst als historische Figur in Erscheinung. Bei all dem ist die Literatur ein wiederkehrender Bezugspunkt. Es geht ihr nicht um die perfekte Illusion eines bestimmten Momentes oder einer Person, sondern um einen Schwebezustand zwischen Wiedererkennen und Verwunderung, Erinnerung und Spekulation. Der Titel der Ausstellung benennt zwei konkrete Arbeiten und deutet gleichzeitig an, dass Zeit bei Gonzalez-Foerster in ein fließendes Kontinuum ist. Die Ausstellung in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen wird gemeinsam mit dem Centre George Pompidou in Paris veranstaltet. Sie ist mit etwa 15 labyrinthartig angelegten

Dominique Gonzalez-Foerster, MM, diaporama, 2015, © Giasco Bertoli et Dominique GonzalezFoerster, © ADAGP, Paris 2015 / VG Bild-Kunst 2016

Räumen in zwei Ausstellungshallen von K20 die bislang größte Ausstellung der Künstlerin und gibt insgesamt einen retrospektiven Überblick über ihr Schaffen in den letzten 25 Jahren. Dominique Gonzalez-Foerster gehört zu den wichtigsten französischen Künstlerinnen der Gegenwart und ist schon früh international

hervorgetreten. Sie hatte Einzelausstellungen und Auftritte in so renommierten Museen wie dem Musée d’art Moderne de la Ville de Paris, der Dia Art Foundation (New York), in Tate Modern (London), im Palacio de Cristal (Madrid) und im Guggenheim Museum (New York). Sie nahm an internationalen Großausstellungen wie der documenta in Kassel und den Skulptur Projekten Münster teil. Domi-

nique Gonzalez-Foerster lebt in Paris und Rio de Janeiro. – Zur Ausstellung in Paris und Düsseldorf erscheint der mit knapp 300 Seiten bislang umfangreichste Katalog mit zahlreichen Abbildungen und Essays zu einzelnen Aspekten des Werks der Künstlerin in einer englischen Ausgabe. Zusätzlich wird ein Ausstellungsführer in Deutsch angeboten.

ADRESSEN K20 GRABBEPLATZ Grabbeplatz 5, 40213 Düsseldorf K21 STÄNDEHAUS Ständehausstraße 1, 40217 Düsseldorf F3 SCHMELA HAUS Mutter-Ey-Straße 3, 40213 Düsseldorf www.kunstsammlung.de ÖFFNUNGSZEITEN K20 GRABBEPLATZ K21 STÄNDEHAUS Di – Fr 10 – 18 Uhr Sa, So, feiertags 11 – 18 Uhr Mo geschlossen jeden 1. Mittwoch im Monat 10 – 22 Uhr

Dominique Gonzalez-Foerster, M.2062 (Fitzcarraldo), Projektion, 2014, Samdani Art Foundation, Dhaka, Bangladesh, Installationsansicht im Centre Pompidou, © ADAGP, Paris 2015 / VG Bild-Kunst 2016| Foto: Foto © Grégoire Vieille © Kunstsammlung NRW

EINTRITTSPREISE K20 GRABBEPLATZ Normalpreis EUR 12 ermäßigt EUR 10 Kinder und Jugendliche (6-18 Jahre) EUR 2,50 K21 STÄNDEHAUS Normalpreis EUR 12 ermäßigt EUR 10 Kinder und Jugendliche (6-18 Jahre) EUR 2,50

Kombiticket (beide Häuser) Normalpreis EUR 18 ermäßigt EUR 14 Kinder und Jugendliche (6-18 Jahre) EUR 4 KPMG-Kunstabend Jeden 1. Mittwoch im Monat: 18.00-22.00 Uhr, Eintritt frei. ÖFFENTLICHE FÜHRUNGEN Di 16.30 – 17.30 Uhr So und feiertags 15 – 16 Uhr begrenzte Teilnehmerzahl, Anmeldung erforderlich Angebote für Kinder finden Sie auf www.kunstsammlung.de Weitere Informationen zu Führungen, Veranstaltungen, Museumsshop unter www.kunstsammlung.de


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Düsseldorf

Jean Tinguely. Super Meta Maxi 23.4. – 14.8.2016 Museum Kunstpalast, Düsseldorf 1.10.2016 – 5.3.2017 Stedelijk Museum, Amsterdam

Das Museum Kunstpalast Düsseldorf präsentiert in Kooperation mit dem Stedelijk Museum, Amsterdam in einer umfangreichen Retrospektive das Werk des Schweizer Künstlers Jean Tinguely (1925–1991). Mit seinen kinetischen Objekten, den spielerisch-absurden Maschinen-plastiken sowie mit seinen theatralischen „Groß-Projekten“ und Aktionen gelang es Tinguely immer wieder aufs Neue, die musealen Grenzen in der Kunst zu überwinden und er prägte damit entscheidend die künstlerische Entwicklung und das Erscheinungsbild der Kunst nach 1945. Mit ihrer virtuosen Mischung aus spielerischer Gestaltung, Humor und tiefgründigen Ernst faszinieren die Arbeiten auch heute noch und laden den Besucher zum aktiven Mitgestalten des Ausstellungsbesuchs ein.

Grosse Méta-Maxi-Maxi-Utopia, 1987 | Mixed Media | 810 x 1683 x 887 cm | Museum Tinguely, Basel, Donation Niki de Saint Phalle | © VG-Bild Kunst, Bonn 2016, Foto: Christian Baur

Die thematisch strukturierte Überblicksschau geht den wichtigsten künstlerischen Themen Tinguelys nach: beginnend bei den frühen, zart-poetischen Drahtplastiken und kinetischen Assemblagen, über seinen weltberühmten „Méta-matics“ bis hin zu spektakulären Werken aus der Spätphase seines Schaffens, wie der 140 qm großen, begehbaren MonumentalInstallation „Grosse Méta-Maxi-Maxi-Utopia“. Jean Tinguely, Niki de Saint Phalle | Lifesaver/Lebensretter, Modell zum Brunnen | 1991 | © VG-Bild Kunst, Bonn 2016, Foto: Lehmbruck Museum

gion, die seit den 1960er-Jahren nicht nur zu Tinguelys wichtigen Wirkungsstätten gehörte, sondern auch durch seine Verbindung zur rheinischen Künstlerszene von nachhaltiger Bedeutung war. Die in enger Kooperation mit dem Museum Tinguely in Basel entstandene Ausstellung vereint Leihgaben aus europäischen Museums- sowie Privatsammlungen.

Dabei wird immer wieder Tinguelys enger Bezug zum Rheinland thematisiert, einer Re-

Düsseldorf

Hinter dem Vorhang. Verhüllung und Enthüllung seit der Renaissance 1.10. 2016 – 22.1.2017

Ausgehend von der Gründungslegende der mimetischen Malerei – der Erzählung vom künstlerischen Wettstreit zwischen den beiden antiken Malern Zeuxis und Parrhasios – widmet sich diese faszinierende Themenschau anhand der Motive von Schleier und Vorhang einigen Grundfragen von Malerei und bildender Kunst überhaupt. Mit hochkarätigen Leihgaben aus internationalen Museen und Privatsammlungen wird die Ausstellung das künstlerische Wechselspiel zwischen Verbergen und Zeigen, Verhüllen und Enthüllen aufzeigen.

Die präsentierten Werke – Gemälde, Zeichnungen, Skulpturen, Installationen – spannen den Bogen von der Renaissance und des Barock über die Moderne bis hin zur zeitgenössischen Kunst. Neben Tizians im Jahr 1558 gemalten „Porträt des Kardinals Filippo Archinto“ aus dem Philadelphia Museum of Art, zeigt die Düsseldorfer Schau u.a. Arbeiten von Giovanni Bellini, Francois Boucher, Max Beckmann, Arnold Böcklin, Robert Delaunay und Gerhard Richter.

Die von Beat Wismer, Generaldirektor Museum Kunstpalast, gemeinsam mit Claudia Blümle, Professorin am Institut für Kunstund Bildgeschichte der Humboldt-Universität zu Berlin, kuratierte Ausstellung wird in sieben verschiedenen Kapiteln die Ambivalenz und den Reiz vom Verhüllen und Enthüllen sowie das sinnliche Verhältnis von bildender Kunst und Wahrnehmung verdeutlichen. Der Themenreigen der Schau beginnt mit Werken, die, bezugnehmend auf die artistische Virtuosität der beiden wettstreitenden antiken Maler Zeuxis und Parrhasios, den Aspekt der künstlerischen Augentäuschung aufgreifen und wird sich in weiteren Kapiteln Aspekten wie „Mysterium des Göttlichen“, „Macht der Repräsentation“, „Gewalt der Enthüllung“, „Reiz des Verborgenen“, „Innen und Außen“ sowie „Die Kunst zu enthüllen“ widmen. Die Epochen und Gattungen übergreifende Ausstellung schlägt nicht nur in der Auswahl der Kunstwerke einen Bogen bis in die Gegenwart. Der Schleier, das Verbergen und Zeigen spielen bis in die aktuelle Gegenwart hinein in religiösen und gesellschaftlichen Zusammenhängen ebenso wie in der Mode eine bedeutende Rolle. Die Themenschau wird auch mit ihrem Begleitprogramm dazu einladen, die Kunst und die gegenwärtige Relevanz interkultureller Dialoge zu reflektieren.

Eglon Hendrik van der Neer (1634-1703) | Die Frau des Kandaules entdeckt den versteckten Gyges | 1660-62 | Öl auf Leinwand, 82,3 x 100,3 cm | Museum Kunstpalast, Düsseldorf | ©Museum Kunstpalast – H. Maertens – ARTOTHEK

Zur Ausstellung erscheint ein wissenschaftlicher Katalog, u.a. mit Beiträgen von Claudia Blümle, Horst Bredekamp, Wolfgang Kemp und Beat Wismer

Tizian | Porträt des Kardinals Filippo Archinto | 1558 | Öl auf Leinwand | © Philadelphia Museum of Art: John G. Johnson Collection, 1917 | Foto: Philadelphia Museum of Art

ADRESSE Museum Kunstpalast Kulturzentrum Ehrenhof Ehrenhof 4-5 40479 Düsseldorf Tel.: +49(0)211-566 42 100 www.smkp.de

Frauke Dannert. Collage 25.3. – 3.7.2016

ÖFFNUNGSZEITEN Di-So 11-18 Uhr Do bis 21 Uhr Mo geschlossen Feiertagsöffnungszeiten siehe www.smkp.de/besucherinfo

SPOT ON: 4 Projekträume bis 1.5.2016

WEITERE AUSSTELLUNGEN Collaborative Endeavor: Contemporary Glass from Canberra + Berlin 19.2. – 16.5.2016

Carl Buchheister. Pionier der Abstraktion Werke aus der Sammlung Kemp 26.4. – 14.8.2016

Eat Art Inken Boje – In guter Gesellschaft Wilhelm Wagenfeld. Glas der 30er-Jahre aus der Sammlung Kroll Hans-Peter Feldmann


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Uferansicht Museum Angewandte Kunst © Andreas Preafcke

Frankfurt

FRANKFURT MODERN Die Frankfurter Skyline steht wie in keiner anderen Stadt Deutschlands für die Dynamik und Moderne der Stadt am Main. Spektakuläre Gebäude finden sich auch in der Museumslandschaft, die zum Teil von hochrangigen Architekten geplant wurde. Das Deutsche Architekturmuseum entwarf beispielsweise Oswald Mathias Ungers als sogenanntes Haus-im-Haus, ein Sinnbild für die Baukunst. Es wurde kurz nach der Eröffnung unter Denkmalschutz gestellt. 2016 wurde das Museum mit seinem Direktor Pe-

ter Cachola Schmal mit der Realisierung des Deutschen Pavillons auf der 15. Architekturbiennale in Venedig beauftragt. Das Städel Museum eröffnete 2012 mit einer Gartenhalle unterhalb des Museumsparks einen imposanten Erweiterungsbau für Gegenwartskunst. Die vom Frankfurter Architekturbüro schneider+schumacher entworfenen Räume beherbergen unter anderem auch Werke aus Bankensammlungen. Beide Häuser liegen direkt am Museumsufer Frankfurt, dessen einzigartige Bau- und Kulturensemble jähr-

Elaine Sturtevant, Warhol Flowers, 1990 © MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main

Nacht der Museen, Gartenhalle Städel Museum © Frank Rumpenhorst

lich mehr als zwei Millionen Gäste aus aller Welt anlockt. Vom aktuellen Designermöbel bis zur Videokunst, vom Filmgeschehen bis hin zu Beuys sind es nur wenige Minuten zu Fuß. 15 Museen befinden sich in unmittelbarer Nähe zum Mainufer, ebenso viele sind in der näheren Umgebung angesiedelt. Das MMK Museum für Moderne Kunst, ein Bau von Hans Hollein, feiert in diesem Jahr 25-jähriges Jubiläum. Eine Neupräsentation versammelt die Schlüsselwerke der

letzten Jahrzehnte aus der Sammlung (ab 18.06.2016). Die 2014 zwischen hippem Bahnhofsviertel und hohen Bankentürmen eröffnete Dependance des Museums, das MMK 2, holt 2016 Arbeiten aus London und Paris nach Frankfurt und fügt sie mit eigenen Museumsstücken zu der interaktiven Ausstellung „Das imaginäre Museum“ (24.03.-04.09.2016) zusammen. Nicht erst mit dieser innovativen Art der Kunstschau zeigt sich, dass die Frankfurter Museen neue Wege in der Kunstvermittlung beschreiten.


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Auch das Museum Angewandte Kunst, ebenfalls ein Haus direkt am Frankfurter Museumsufer und ein Bau des Stararchitekten Richard Meier, das 2015 seinen 30-jährigen Geburtstag feiern durfte, wird mit einem spannenden Ausstellungsprogramm bespielt. Immer wieder öffnet das Gebäude sich auch zum Park hin für Performances. Ein großer inhaltlicher Schwerpunkt liegt 2016 auf dem Thema Glück, der von einer Sammlungspräsentation eingeleitet wird und in der Ausstellung „Stefan Sagmeister. The Happy Show“ (23.04.-25.09.2016) seinen Höhepunkt findet. Als ein Forum für zeitgenössische und innovative Kunst versteht sich der Frankfurter Kunstverein, der auch gesellschaftspolitischen Projekten Raum gibt. In diesem Jahr ist er Gastgeber des 8. „Festivals der jungen Talente“ (29.04.-01.05.2016). Im Fokus stehen dabei hochschulübergreifende Projekte, die interdisziplinär, experimentell oder performativ sind. Ebenso wie in der bildenden Kunst, findet auch die Avantgarde der Musikszene ein Zuhause in Frankfurt und ein breites Publikum. Das Ensemble Modern ist eines der weltweit führenden Ensembles für Neue Musik. Die Bandbreite umfasst Musiktheater, Tanzund Videoprojekte, Kammermusik, Ensemble- und Orchesterkonzerte. Das Ensemble zeichnet sich durch eine Vielzahl von Uraufführungen aus. 2016 nimmt es an „CONNECT“ teil. Bei der europaweiten Initiative zur Förderung von Auftragskompositionen wird das Publikum interaktiv eingebunden. Damit geht das Ensemble Modern neue, dynamische Wege beim Erschaffen von Kompositionen und bei deren Aufführung. Auch die Alte Oper wartet im Frühling mit einem außergewöhnlichen Konzertprojekt auf. Der US-amerikanische Architekt Daniel Libeskind lässt alle klassischen Konzert-Rituale hinter sich und fordert das Publikum ebenfalls auf aktiv zu werden. Bei „One Day in Life“ (21.-22.05.2016) können Besucher den ganzen Tag die Stadt und die Musik an 18 Stationen neu entdecken. In Kooperation mit zahlreichen Institutionen, darunter auch ein Schwimmbad und eine Feuerwehrwache, werden ungewöhnliche Orte zu Konzertsälen. Der Verein Friends of MOMEM e.V. plant derweil ein weltweit einzigartiges Kulturund Musikprojekt: Mitten in Frankfurt soll 2017 das MOMEM – Museum of Modern Electronic Music eröffnet werden. Ein neuartiges Museums- und Ausstellungskonzept lässt den Besucher dann die Entstehungsund Entwicklungsgeschichte der elektronischen Musik auf besondere Weise erfahren und nachvollziehen. Das Künstlerhaus Mousonturm, beheimatet in einem denkmalgeschützten Klinkerbau, holt neben Konzerten auch Theaterstücke und Performances in die Stadt, die neue Akzente in der Darstellenden Kunst setzen. Als etabliertes Zentrum für zeitgenössischen Tanz in

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Frankfurt richtet das Haus mit der „Tanzplattform Deutschland“ (02.-06.03.2016) das bedeutendste Festival des in der Bundesrepublik produzierten Gegenwarts-Tanzes aus, dieses Jahr im Rahmen des „Tanzjahres Deutschland 2016“. Die aus der renommierten Forsythe Company hervorgegangene Dresden Frankfurt Dance Company spielt ebenfalls immer wieder mit modernen Choreografien und Uraufführungen im Stadtteil Bockenheim auf einem Areal, auf dem ein großer Kulturcampus entstehen soll. Dort wird nach den jüngsten Planungen neben anderen Kulturinstitutionen auch die erweiterte Hochschule für Darstellende Kunst und Musik beherbergt werden. Das 9. LICHTER Filmfest (29.03.-03.04.2016), als zentrale Plattform des Filmschaffens der Rhein-Main-Region und mit seiner Auswahl von Filmen aus aller Welt als wichtiges internationales Festival etabliert, zeigt an verschiedenen Orten in Frankfurt und Umgebung neben den Highlights des regionalen Films in diesem Jahr ausgesuchte internationale Produktionen zum Thema Grenzen, Grenzkonflikte und Grenzerfahrungen. Das Begleitprogramm bietet außerhalb des Kinosaals Gesprächsrunden, Vorträge und einen Ausstellungs-Parcours, der aktuelle Fragen zu politischen und sozialen Grenzen erfahrbar macht. Als Heimatstadt der Buchmesse bieten Frankfurts Kulturinstitutionen und das Lesefest Open Books jedes Jahr ein buntes Rahmenprogramm rund um das Gastland und die literarischen Neuerscheinungen des Herbstes. Als Literaturstadt setzt Frankfurt aber auch im Frühjahr jedes Jahr Akzente mit verschiedenen Festivals. Die Gegenwartsliteratur steht im Fokus von literaTurm, das sich 2016 programmatisch mit dem entgrenzten Text beschäftigt (01.-11.06.2016). Dabei stehen Transformationen sowie neue intermediale und interdisziplinäre Formen von Literatur im Vordergrund. Bespielt werden auch die Hochhäuser im Bankenviertel.

MUSEUMSUFER-TIPP: Mit dem MuseumsufertTicket für 18 € können 34 Museen an zwei aneinander folgenden Tagen nach Lust und Laune besucht werden, mit der MuseumsuferCard für 85 € ein ganzes Jahr. Ein jährlicher Höhepunkt am Museumsufer und besonderer Kulturgenuss ist die Nacht der Museen. Sonderführungen, Performances und Konzerte erwarten die Besucher am 23.04.2016 rund um den Main: Die Ausstellungshäuser öffnen von 19 bis 2 Uhr ihre Türen und bieten den Besuchern ein speziell auf die aktuellen Ausstellungen abgestimmtes Programm. unten links: Außenansicht MMK Museum für Moderne Kunst © Axel Schneider unten rechts: Außenansicht Mousonturm © Jörg Baumann

ADRESSEN: Deutsches Architekturmuseum Schaumainkai 43 (Museumsufer) 60596 Frankfurt am Main Tel. +49 (0) 69 212 38844 info.dam@stadt-frankfurt.de www.dam-online.de Frankfurter Kunstverein Markt 44 60311 Frankfurt am Main Tel. +49 (0) 69 2193140 post@fkv.de, www.fkv.de Künstlerhaus Mousonturm Waldschmidtstraße 4 60316 Frankfurt am Main Tel. + 49 (0)69 40 58 95–0 info@mousonturm.de www.mousonturm.de

Museum Angewandte Kunst Schaumainkai 17 (Museumsufer) 60594 Frankfurt am Main Tel. +49 (0) 69 212 34037 presse.angewandte-kunst@ stadt-frankfurt.de www.angewandtekunstfrankfurt.de MMK 1 des MMK Museum für Moderne Kunst Domstraße 10 60311 Frankfurt am Main Tel. +49 (0) 69 212 30447 mmk@stadt-frankfurt.de www.mmk-frankfurt.de MMK 2 des MMK Museum für Moderne Kunst Taunustor 1 60310 Frankfurt am Main Tel. +49 (0) 69 212 73165 mmk@stadt-frankfurt.de www.mmk-frankfurt.de

Ensemble Modern bei literaTurm © Alexander Paul Englert

Städel Museum Schaumainkai 63 (Museumsufer) 60596 Frankfurt am Main Telefon +49 (0) 69 6050980 info@staedelmuseum.de www.staedelmuseum.de

LINKS: www.dresdenfrankfurtdancecompany.com www.ensemble-modern.com www.lichter-filmfest.de www.literaturm.de www.momem.org www.museumsufercard.de www.nacht-der-museen.de www.open-books-frankfurt.de www.tanzplattform.de

Lesung literaTurm © Alexander Paul Englert


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Flandern | 17

Flandern

100 Meisterwerke und noch vieles mehr bietet die Region Flandern in seinen Städten Antwerpen, Brügge, Brüssel, Gent und Ostende in diesem Frühjahr / Sommer. Jede einzelne Stadt ist schon ein Meisterwerk für sich, die es meisterlich verstehen sich in Szene zu setzen, wo einem die Geschichte auf Schritt und Tritt begleiten, wo die Moderne kein Fremdwort ist und Einzug hält, ob in neuen Museen oder Ausstellungen, und wo Essen & Trinken ein wichtiger Bestandteil des Gesamterlebnisses Flandern sind. Brüssel lädt ein, 100 Meisterwerke in den verschiedensten Einrichtungen der Stadt zu entdecken, Brügge stellt seinen

Weltkulturerbe Status in den Vordergrund, Antwerpen feiert 5 Jahre MAS / Museum am Strom mit dem WeltklasseMaler Luc Tuymans, dem wichtigsten Sohn der Stadt der Gegenwart, Gent taucht ein in ein Meer von Blumen und verzaubert mit den Floralien und Ostende eröffnet einen James Ensor Flügel im MuZEE, wo ab Mai eine große Ausstellung mit Werken von James Ensor und Léon Spilliaert zu sehen sein wird. www.visitflanders.de

Ostende

James Ensor (1860 – 1949) und Léon Spilliaert (1881 – 1946) Zwei Großmeister aus Ostende | ab Mai 2016

alle Kunstwerke © SAMBAMBELGIUM,2016

Léon Spilliaert, De Blau Weteil und zeltport ret met spiegel | VG Bild Kunst 2016

In einem ganz neuen Flügel von Mu.ZEE, dem Kunstmuseum am Meer, wird im Mai eine beeindruckende Sammlung mit Werken von James Ensor und Léon Spilliaert zu sehen sein! Ostende und James Ensor gehören zusammen wie Strand und Meer. James Ensor liebte sein Ostende: Die Stadt war ihm Muse und Inspirationsquelle zugleich. Er liebte die Stadt mit ihren vielen Menschen, die ungestüme Nordsee, den Karneval, der jedes Jahr die Straßen bunt zauberte … Auch der Maler Léon Spilliaert, zwanzig Jahre jünger als Ensor, hat seinen Namen

mit der Königin der Badeorte verbunden. Seine nächtlichen Streifzüge durch die Stadt und die langen Strandspaziergänge haben ihn zu seinen besten Werken inspiriert: dunkel und geheimnisvoll! Obwohl Ensor und Spilliaert im Grunde sehr unterschiedliche Künstler waren, werden ihre Namen häufig in einem Atemzug genannt. In der Ausstellung "Zwei Großmeister aus Ostende" möchte das Museum in erster Linie ihre Glanzstücke für sich sprechen lassen. Hinter jedem Kunstwerk und Archivdokument verbirgt sich eine ganze Reihe von kleinen oder großen Geschichten mit und über Edgar Allan Poe,

Willy Finch, Emile Verhaeren, J.-K. Huysmans, Maurice Maeterlinck, Franz Hellens, Walter Benjamin, Stefan Zweig, Richard Wagner, Honoré de Balzac, Paul-Gustave van Hecke, Félix Labisse, Constant Permeke, Henri Storck, Rik Wouters und anderen. Sie nehmen einen mit in das Ostende von damals im Spiegel des Ostende von heute.

Mu.ZEE, Kunstmuseum am Meer Mu.ZEE ist einzigartig in seiner Art: Das Museum sammelt zeitgenössische belgische Kunst und zeigt Kunst des 20. Jahrhunderts, die zeitge-

nössische Kunst von damals. Von James Ensor, Léon Spilliaert, Jules Schmalzigaug, Constant Permeke über Frits van den Berghe, Jean Brusselmans, Roger Raveel, Marcel Broodthaers bis Luc Tuymans, Jan Fabre, Lucy McKenzie, Peter Wächtler, Gerhard Richter, Ann Veronica Janssens, Kati Heck, Annemie Van Kerckhoven und anderen. Mu.ZEE | Romestraat 11 B-8400 Oostende | www.muzee.be ÖFFNUNGSZEITEN: Di – So 10 – 18 Uhr | Montags, 25.12. & 1.1. geschlossen | EINRITTSPREISE: Normalpreis EUR 9, ermäßigt EUR 7,50, Jugendliche von 13 bis 26 Jahren EUR 1, Kinder bis 12 Jahre kostenfrei


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„Ich habe immer gerne Brillen gemalt. Eine Brille bringt eine Art Verzerrung des Gesichts, das wir durch eine Brille nicht direkt sehen können. Sie ist ein seltsames Instrument und auch eine nahezu universelle Gegebenheit. Die Banalität der Brille erhält dadurch, dass man sie malt, eine andere Bedeutung.” Luc Tuymans, 2015

ganz links: der diagnostisiche blick II @ Luc Tuymans links: Glasses Paul Hester © Luc Tuymans

Luc Tuymans Glasses

MAS feiert fünfjähriges Bestehen mit Wektklasse-Maler aus Antwerpen. Das Werk des Malers Luc Tuymans (1958) ist eine permanente Forschung nach Bildern und dem Bildersturm, der täglich über uns hereinbricht. Danach, wie Menschen und Dinge sich uns zeigen. Nach der Kluft zwischen Darstellung und Wirklichkeit. Da eine Brille dem Anblick von jemandem Form verleiht, ist sie als so ein augenscheinlich selbstverständliches Instrument für einen Künstler und Untersucher von Bildern wichtig. Eine Brille bestimmt mit, wie wir jemandes Identität ‚lesen’, wie

nebensächlich er auch zu sein scheint. Luc Tuymans und das MAS bringen mit Glasses eine exquisite Selektion von über zwanzig Werken zusammen. Es geht um Porträts, sowohl von ‚Menschen ohne Namen’ als auch von historischen Figuren und andere Werke. Niemals zuvor waren sie zusammen zu sehen.

den Antwerpener Maler Quinten Metsys an der Fassade der Unsere-Liebe-FrauKathedrale als Ausgangspunkt nahm. Tuymans verbindet mit Dead Skull das Heute mit der Vergangenheit, gerade so, wie es das MAS tut. Es ist Tuymans’ erstes öffentliches Werk, das permanent sichtbar ist.

Die Auswahl enthält symbolische Arbeiten aus Tuymans Werk, in denen unter anderem der Nationalsozialismus, Kolonialismus und Nationalismus wichtige Themen sind. SS-Mann Heydrich verbirgt in der Reihe von ‚Die Zeit’ sein Gesicht hinter einer dunklen Brille, der junge Baudouin verlässt verborgen hinter einer Sonnenbrille das Flugzeug in Leopoldville, der lachende amerikanische Hausvater Milteer mit vergrößerten Augen hinter seiner Brille ist ein Extremist und Rassist, das Gesicht des flämischen Schriftstellers Ernest Claes wird zu einer Art leerer Maske – mit Brille...

Das MAS ist weit mehr als ein imposantes Gebäude mit einer Vielzahl beeindruckender Objekte. Im MAS | Museum am Strom lernen Sie Antwerpen in der Welt und die Welt in Antwerpen kennen. Mit allen Sinnen können die Besucher die reiche Vergangenheit der Stadt, des Flusses und des Hafens entdecken. Das MAS ist ein imposantes Speicherhaus mitten im pulsierenden Viertel „Het Eilandje”. Ein mit meterhohen Glaswänden verkleideter Boulevard führt 60 Meter nach oben. In jeder Etage entdeckt man eine neue Geschichte über Antwerpen, den Hafen und seine Jahrhunderte währenden Verbindungen mit der ganzen Welt. Oben auf dem Panoramadach (10.Etage) erwartet den Besucher ein überwältigender Ausblick über die Stadt, den Hafen und die Schelde. Besonders interessant: Man kann im MAS nach Belieben einund ausgehen, nur für die Besichtigung der Museumssäle brauchen Sie eine Eintrittskarte.

Luc Tuymans und das MAS

Es ist nicht das erste Mal, dass Luc Tuymans und das MAS zusammenarbeiten. Auf dem Platz vor dem Museum liegt seit 2010 sein 1600 m2 großes Mosaik Dead Skull. Das greift auf Tuymans gleichnamiges Gemälde aus dem Jahre 2002 zurück, für das er die Gedenkplatte für

MAS

“Als ich zu einem bestimmten Augenblick sämtliche Porträts durchging, die ich dazu gemalt habe, war ich verblüfft von der Tatsache, dass auf Dreivierteln dieser Porträts Brillen zu sehen sind. Das ist alles außer einer bewussten Wahl. [...] Eine Brille verändert radikal die Physiognomie eines Gesichts, wird aber von uns nicht als eine radikale Veränderung wahrgenommen. Wir erfahren es eher als etwas Normales, worauf wir nur mit Unbekümmertheit reagieren.” Luc Tuymans, 2009

ADRESSE MAS | Museum am Strom Hanzestedenplaats 1 2000 Antwerpen www.mas.be   ÖFFNUNGSZEITEN Sommerzeit (vom 1. April bis 31. Oktober): Museumssäle Di – Fr 10 – 17 Uhr Sa, So 10 – 18 Uhr Ostermontag und Pfingstmontag offen

Taking Off Ist die wahrhafte, in Bildern ausgedrückte Geschichte einer in die Brüche gegangenen Ehe, in der sexuelle Frustration und Voyeurismus eine wichtige Rolle spielten. Die Ausstellung rückt die fotografische Obsession Henrys in den Mittelpunkt. Henrys Frau Martha lebte jahrelang unter dem Joch ihres Mannes und posierte gleichgültig © Mariken Wessels (NL), from für seine extravaganten Nacktauf- the series Taking Off. Henry My Neighbor, 2015_07 nahmen. Über Bekannte in den Vereinigten Staaten kam die ganze Privatsammlung in die Hände Mariken Wessels (NL, 1963). Wessels rekonstruierte die Ehe, das Werk und das Leben Henrys, und stellt mit Taking Off verschiedene Phasen seiner Obsession dar. bis 5.6.2016 | FOMU foto museum | www.fotomuseum.be

Boris Mikhailov Ukraine

Antwerpen

Pink Glasses@Luc Tuymans

Mariken Wessels – Taking Off. Henry my Neighbor

Boulevard und Panorama (frei zugänglich) Di – So 9.30 – 24 Uhr Winterzeit (vom 1. November bis 31. März): Museumssäle Di – So 10 – 17 Uhr Boulevard und Panorama (frei zugänglich) Di – So 9.30 – 22 Uhr Mo geschlossen 1.1., 1.5., Himmelfahrt, 1.11. und 24.12.2016 geschlossen

EINTRITTSPREISE Normalpreis EUR 10 EUR 5 falls keine temporäre Ausstellung stattfindet Ermäßigt EUR 8 EUR 3 falls keine temporäre Ausstellung stattfindet Kinder unter 12 Jahren kostenfrei An jedem letzten Mittwoch des Monats kostenfrei

© Visit Flanders

Ukraine, die umfassende Retrospektive des Œuvres von Boris Mikhailov (UKR, The Theater of War 1 | © Boris Mikhailov °1938), kommt nach Belgien. Mikhailov ist einer der wichtigsten lebenden Künstler, der in der ehemaligen Sowjetunion aufgewachsen ist. Die Werkschau im FOMU setzt sich aus mehr als 300 Werken zusammen und rückt das Heimatland Mikhailovs in den Mittelpunkt. Er schildert, beschreibt und verformt sein Land seit den Sechzigern bis zur jüngsten Euromaidan-Revolution in Kiew. Boris Mikhailov – Ukraine umfasst zehn Bilderserien, die alle eine entscheidende Phase seines Œuvres ankündigen. bis 5.6.2016 | FOMU foto museum | www.fotomuseum.be

THE GAP Abstract art from Belgium. A selection. Für die Ausstellung „The Gap“ hat der renommierte belgische Künstler Luc Tuyman, Kurator der Ausstellung, 15 Künstler Guy Mees, Imaginair Ballet, 1998, Collectie M HKA, Foto M HKA ausgesucht deren Werke entweder direkt der Abstrakten Kunst zuzuordnen sind oder denen die Abstraktion Inspiration für ihr Schaffen war. Fokus der Ausstellung ist der Begriff der Abstraktion und die Belgische Kunst des zwanzigsten Jahrhunderts und deren Einfluss auf zwei Generationen belgischer Künstler. Obwohl die Künstler aus ganz verschiedenen Epochen kommen, ist doch eine formale Beziehung zwischen ihren Werken sichtbar. Es unterstreicht, dass die Abstrakte Kunst nicht verloren gegangen ist, sondern heute immer noch aktuell ist. Künstler der Ausstellung: Francis Alÿs, Carla Arocha & Stéphane Schraenen, Gaston Bertrand, Amédée Cortier, Raoul De Keyser, Walter Leblanc, Bernd Lohaus, Guy Mees, Gert Robijns, Timothy Segers, Boy & Erik Stappaerts, Philippe Van Snick, Jef Verheyen and Pieter Vermeersch. Bis 29.5.2016 | Museum van Hedendaagse Kunst Antwerpen | www.muhka.be

TIPP Peter Rogiers. Cluster

21.05. – 18.09.2016 Im Sommer zeigt das Middelheimmuseum eine Ausstellung mit neuen Werken des 1967 in Oud-Heverlee geborenen belgischen Künstlers Peter Rogiers. Er ist kein Unbekannter in Middel- Song, 2015 | Photo: Elke Segers Courtesy Tim Van Laere Gallery heim. Das Museum hat Werke in seinem Sammlungsbestand, wie Peter Rogiers immer wieder den Dialog mit bestehenden Werken andere Künstler sucht und diese neu in Szene setzt. So auch im Sommer, wo neben Schlüsselwerken von Rogiers auch neue Arbeiten gezeigt werden. Mit Cluster (Inseln) kommt es zu einer intensiven Auseinandersetzung mit der Natur und der formalen Gartenlandschaft des Middelheim. www.middelheimmuseum.be


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Copyright Toerisme Brugge/ Jan D'hondt

BRUGGE KLASSIEKE MUZIEK © Jan D´hondt

Willkommen in der Weltkulturerbe-Stadt

Brügge Brügge ist eine Stadt, die jeden Besucher unmittelbar packt. Eine Stadt nach Menschenmaß und niemals ganz zu ergründen. Groß geworden durch seine Geschichte und aufgenommen in die UNESCO-Liste der Welterbestätten. Mittelalterlich mysteriös, überschwänglich burgundisch – und bereits seit Jahrhunderten eine Weltstadt.

WELTERBE-STADT Das flämische Brügge gilt als eine der schönsten historischen Städte der Welt. So lag es nur nahe, dass die UNESCO die ganze Innenstadt im Jahr 2000 in ihre Weltkulturerbeliste aufnahm. Brügge ist die einzige Stadt Belgiens und eine der wenigen Europas, denen diese Ehre zuteilwurde. Etwas Besonderes ist es auch, dass alle Baudenk-

mäler, Museen und andere Highlights mühelos zu Fuß oder mit dem Fahrrad erkundet werden können. Denn das große Brügge ist von den Ausdehnungen her eher überschaubar.

Brügge entdecken Sie ihre weltberühmten Meisterwerke und andere einmalige Kunstkollektionen.

DIE „FLÄMISCHEN PRIMITIVEN“

Bereits im Mittelalter gingen international bekannte flämische Polyfoniker in den eleganten Stadtpalästen der reichen Burgunder ein und aus. Im Jahr 2016 ist Brügge die Stadt der klassischen Musik. Das Konzertgebäude, eine lebendige Erinnerung an Brügge 2002, das Jahr, in dem die Stadt Europäische Kulturhauptstadt war, ist der Inbegriff einer imposanten Akustik und internationaler Spitzenarchitektur. Feste Bestandteile des Repertoires sind die alljährlichen mehrtägigen Themenfestivals

Im 15. Jahrhundert war Brügge eine blühende Handelsstadt. Die reichen Kaufleute wohnten in majestätischen Stadtpalästen, die sie über und über mit Kunstwerken füllten. Und auch die Burgunderherzöge förderten die Schönen Künste. Brügge wurde zu einem Treffpunkt und einer Inspirationsquelle der größten Maler des Spätmittelalters, darunter die „Flämischen Primitiven“ Jan van Eyck und Hans Memling. In 26 Museen in

Brügge klingt!

Carillon

Budapest Festival 2016

Ein Carillon ist ein Musikinstrument, das mittels einer Klaviatur gespielt wird und aus mindestens 23 Bronzeglocken besteht. Das Ziel ist es, diese Glocken harmonisch klingen zu lassen. Das Carillon erblickte im 16. Jahrhundert das Licht der Welt, als reiche Städte wie Brügge ihre Belfriede und Kirchtürme mit Turmglocken schmückten. Im 17. Jahrhundert wurde die Technik weiter© JanDHondt, 1303, entwickelt und am Ende des 19. 3 BEIAARD HALLENTOREN Jahrhundert wurde das Carillon immer mehr als selbständiges Musikinstrument, das heißt ohne Türme oder Kirche, verwendet. Seit November 2014 wird die belgische Carillonkultur von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe anerkannt. Wer in diesen Tagen eine Carillon-Melodie erleben möchte, kann das Carillon auf dem Markt von Brügge (47 Glocken), im Grootseminarie von Brügge (26 Glocken), am Rathaus von Damme (39 Glocken) sowie an der Kirche von Lissewege (24 Glocken) besuchen. www.visitbruges.be

Das Budapest Festival Orchestra konnte in 2013 dreißig Kerzen ausblasen. Die Gründer, Iván Fischer und Zoltán Kocsis, wollten mit ihrem Orchester der ungarischen Musikszene neues Leben einblasen und der Stadt Budapest ein Orchester geben, dass sich international behaupten kann. Und ob es ihnen gelungen ist! Es ist nur schwer möglich eine bessere Ausführung von Béla Bartóks Con- Budapest fest © Marco Borggreve certo für Orchester zu finden, als DE TOVERFLUIT BR die des Budapest Festival Orchestras. Fischers Formation ist nicht nur sehr erfolgreich mit dem ungarischen Repertoire. Das Engagement und das risikante Spiel seiner Musiker, erweckt auch bei der Musik von Brahms, Mahler und anderer symphonischer Größen, große Begeisterung. Ein Konzert von diesem Orchester ist so wie wie mit eigenen Augen und Ohren eine Neuschaffung der Musik zu erleben. Fischer sorgt immer für das gewisse Extra, das außergewöhnliche von guten Orchestern unterscheidet. Diese Ausgabe des Budapest Festivals ist ausschliesslich der Musik von Mozart gewidmet, Fischer ist auch verantwortlich für die Inszenierung der Zauberflöte.  Vorstellungskraft, Kontrolle, Engagement und Unglaubliches wird das Publikum begeistern. 12./13. & 14.5.2016 | www.concertgebouw.be

Concertgebouw (Konzertgebäude) Das internationale Zentrum für Musik und Bühnenkunst zeichnet sich durch sein vielfältiges Programm mit Musik und modernem Tanz aus. Der imposante © Concertgebouw Brügge Konzertsaal (1289 Plätze) und der intime Kammermusiksaal (322 Plätze) bestechen durch ihre außergewöhnliche Akustik. Mit dem interaktiven Raum für Tonkunst (Sound Factory) und einer permanenten Sammlung von Kunstwerken bietet das Concertgebouw eine breite Palette an Möglichkeiten, moderne Kunst zu erleben. www.concertgebouw.be

MAfestival Brugge MAfestival Brügge ist ein international renommiertes Festival für Alte Musik, das sich eines gewagten Programmes und eines erneuernden Blickes auf die © Mafestival Brügge Tradition rühmen kann. Jeden Sommer präsentiert und schafft es einen breiten Fächer von Aktivitäten vor dem historischen Hintergrund der Stadt Brügge und der Umgebung. Zu den Aktivitäten gehören eine thematische Konzertreihe, die internationalen Prestigewettkämpfe Musica Antiqua und die musikalische Radtour Vélo Baroque. MAfestival Brügge kümmert sich um junge Künstler und investiert in ihre

wie die Bach-Akademie, das Budapestfestival, das MaFestival und Surround! … Die Sinfonieorchester Anima Eterna Brugge und das Sinfonieorchester von Flandern haben ihren festen Platz in Brügge. Wenn sie nicht auf einer Konzerttournee im Ausland sind, kann man sie auch in Brügge erleben. Gleiches gilt auch für das Brügger Carillon-Glockenspiel, das seit mehr als 500 Jahren im Belfried untergebracht ist und für die innigen „Kathedralkonzerte Brügge“, eine Konzertreihe, in der die Orgel im Mittelpunkt steht. Ein Blick in den Konzertkalender lohnt sich, bevor Sie nach Brügge kommen! www.visitbruges.be

intensive Begleitung, indem es ein breites internationales Netzwerk in Anspruch nimmt. Die Konzertreihe des MAfestival wird immer um ein zentrales, oft auf literarischen Meilensteinen basierendes Thema herum aufgebaut. Thema des MAfestival 2016 (5. – 14.8.2016) ist Lob der Torheit, die ebenso bahnbrechende wie amüsante aus dem 16. Jahrhundert stammende Abhandlung von Erasmus. www.MAfestival.be

Die Hexen von Bruegel Im Allgemeinen stellt man sich eine Hexe als eine hässliche Frau vor, die auf einem Besen in den Kamin und anschließend aus dem Schornstein hinausfliegt. David Teniers II, Vertrek naar de Auf dem Herd steht ein großer sabbat, ca. 1640-50 © Akademie der bildenden Künste Wenen Hexenkessel, in dem sie ihre Zaubermittel kocht, während sich eine Katze am Feuer wärmt. Weniger bekannt ist, dass dieses Hexenbild von Künstlern aus den Niederlanden geprägt wurde. Besonders Pieter Bruegel spielte hierbei eine maßgebliche Rolle. Die Ausstellung bringt mehr als vierzig Hexendarstellungen großer holländischer und flämischer Meister zusammen, z.B. von Pieter Bruegel und David Teniers dem Jüngeren. bis 26.6.2016 | Sint-Janshospitaal | www.museabrugge.be

Xplore Bruges Xplore Bruges ist die Stadt-App, um die Kulturerberouten in Brügge zu erleben. Über eine App kann man Themenrouten, Museumsrouten und Stadtrundgänge in fünf verschiedenen Sprachen herunterladen (Nl, Fr, Eng, Deu, Sp). Die App wurde für Android und Apple entwickelt und ist für Smartphones und Tablets geeignet. Die App kann jetzt im Apple Store und bei Google Play unter dem Namen Xplore Bruges heruntergeladen werden.  www.visitbruges.be


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Eröffnung MIMA Ende März 2016 eröffnet das neue Museum MIMA, Millenium Iconoclast Museum of Arts, seine Pforten in Brüssel. Tauchen Sie ein in die Geschichte der Kultur 2.0. Das Millenium Iconoclast Museum of Art, Parra – Give up sculpture das erste Museum seiner Art in Eu- ©MIMA Museum ropa, lädt Sie ein auf eine Entdeckungsreise durch die verschiedenen Etappen der zeitgenössischen Kunst, in deren Verlauf der Besucher entdeckt, welche Rolle das Internet innerhalb der Entwicklung der Kultur 2.0 spielte und spielt. Das MIMA zeigt dabei verschiedene Kunstformen, in denen die kreativen Betätigungsfelder nahtlos ineinander übergehen: eine fulminante Mischung urbaner, grafischer, musikalischer, sportlicher, künstlerischer und Mainstream Kulturen. Auf seinen 1000 m² Ausstellungsfläche präsentiert das MIMA dabei neben einer ständigen Sammlung jährlich auch zwei wechselnde Ausstellungen. www.mimamuseum.eu

Rembrandt in Schwarzweiß im BOZAR.

Pieter I BRUEGEL (BRUEGHEL) : »La chute des anges rebelles« - Bruxelles 1569, Royal Museums of Fine Arts of Belgium, Brussels, Inv. 584 / Photo : Grafisch Buro Lefevre, Heule

Brüssel

100 MASTERS 100 Meisterwerke Vom 18. Mai bis 27. August 2016 stehen die Meisterwerke der Brüssler Museen im Mittepunkt einer groß angelegeten Kampagne, in der die Meisterwerke und Sammlungsbestände der Museen einer breiten Öffentlichkeit bekannt und zugänglich gemacht werden sollen. Für 100 Tage werden die Kunstwerke und historischen Objekte überall zu sehen sein. Im Öffentlichen Raum, in den Medien (Radio, Presse und TV), online (Internet und Soziale Medien), über Guerilla Marketing und viele weitere Aktionen. Ergänzt wird die Kampagner durch zahlreiche Veranstaltungen, in denen Geschichten zu den einzelnen Werken erzählt werden, der Kontakt zur Bevölkerung von Brüssel und Gästen aus der ganzen Welt gesucht und geknüpft wird. Ziel ist es die Öffentlichkeit neugierig auf die Meisterwerke, die Museen und deren Sammlungen zu machen und die Museumsbesuche nachhaltig zu erhöhen. Man möchte die Liebe der Bevölkerung für ihre Geschichten, die Sammlungen oder zu einem ganz persönlichen Lieblingsmeisterwerk gewinnen. Das Erbe von Brüssel soll geteilt und die Identifikation durch ein eigenes Lieblingsbild gefördert werden.

© Museum für Naturwissenschaften

Rembrandt war einer der wichtigsten niederländischen Maler und Zeichner aus dem siebzehnten Jahrhundert. Daneben machte er auch meisterliche Radierungen. Das BOZAR zeigt achtzig seiner oriRembrandt, Diana ginal Schwarzweiß-Radierungen aus ein Badend, ©Stichting Rembrandt op Reis und derselben Kunstsammlung. Neben Porträts von Bettlern und einfachen Menschen, Landschaften und Akte, zeigt die Ausstellung Szenen des täglichen Lebens aus dem Alten und Neuen Testament. Die App, die speziell für die Ausstellung entwickelt wurde, ermöglicht den Besuchern, den Produktionsprozess und die kleinsten Details aus einer ganz neuen Perspektive zu betrachten. bis 16.5.2016 | BOZAR | www.bozar.be

Andres SERRANO Uncensored Photographs 18.3.–21.8.2016 Die Königlichen Museen der Schönen Künste zeigen eine Retrospektive über das Werk des derzeit wichtigsten amerikanischen Fotografen Andres Serrano. Mit rund 100 Fotografien, präsen- Klansmen (Knight Hawk tiert die Ausstellung den kreativen Weg Of Georgia of The Invisible Empire IV), 1990 Andres Serranos durch all seine Serien © Andres Serrano / mit einem didaktischen Leitfaden, der Courtesy Galerie Nathalie Obadia Paris/Brussels seinen Arbeiten einen Zusammenhang gibt. Serranos Themen sind Armut, Gewalt, Religion und Schöpfung sowie Sexualität. Ein Werke lösen immer wieder Debatten und kontroverse Diskussionen aus.Er gehört zu den wichtigsten Figuren der zeitgenössischen Kunst. 18.3.–21.8.2016 | Royal Museums of Fine Arts of Belgium | www.fine-arts-museum.be

Art Brussels René Magritte : “The Dominion of Light”, 1954. Brussels, Royal Museums of Fine Arts of Belgium, inv. 6715 — © Charly Herscovici, with his kind authorization c/o SABAM, Belgium. Royal Museums of Fine Arts of Belgium, Brussels, photo : J. Geleyns / Ro scan

In den Museen finden viele Aktivitäten statt, beispielsweise Schatzsuche für Familien, Meisterwerke Parcours, Führungen, Workshops etc. Die öffentliche Meinung ist ein elementares Element in der Kampagne. Alle sind eingeladen über eine Online Dating Plattform eine passendes Meisterwerk zu finden und es über die Social Media Kanäle zu teilen und damit Brüssel und seine Kunstschätze in die

Brussels Card: der Schlüssel zu den 100 Meisterwerken

100% City Guide und 100% Brussels App

Die Brussels Card ist der Schlüssel zu den 100 Meisterwerken in den verschiedensten Museen und einfacher Zugang zu den wichtigsten Museen in Brüssel. Ab dem 18. Mai ist eine spezielle Brussels Card erhältlich, die komplett in den Farben der Meisterwerke gehalten ist und speziell für diesen Anlass weitere und neue Museen enthält. Folgende Brussels Cards sind erhältlich: 24 Stunden EUR 22 48 Stunden EUR 30 72 Stunden EUR 38 www.brusselscard.be

Der 100% City Guide und die 100% Brussels App führen die Besucher auf verschiedenen Routen durch Brüssel. Vorbei an Sehenswürdigkeiten, Museen und Meisterwerken, sowie Shops und authentischer Gastronomie.

Brüssel Museums Plan: Spezialausgabe 100 Meisterwerke Mit dem kostenplan Stadtplan, der vom Brüsseler Museumsrat herausgegeben wird, finden die Besucher einfach und praktisch ihren Weg durch Brüssel.

Horta Museum ©2006-bastin&evrard/SOFAM-Belgique

Welt zu tragen. www.100masters.brussels (online ab dem 18.05.2016)

Er enthält praktische Information zu jedem Museum, eine kurze Beschreibung der Sammlung, der Meisterwerke, Kontaktdaten, Öffnungszeiten, Schließtage, wie man mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen kann und viele weitere Informationen. Der kostenlose Stadtplan ist ab 18.5. in englisch, französisch und niederländisch in den Tourist Informationen, den Museen und dem Brussels Museums Council erhältlich.

Nach 17 Jahren im Messezentrum der Stadt Brüssel bezieht die Art Brussels im Herzen der Stadt ein neues Quartier. Im Zollhaus, dem spektakulären Wahrzeichen des Tour & Taxis findet zukünftig die Art Brüssel statt. Die Rubriken DISCOVERY, in der aufstrebende, junge Galerien und Künstler präsentiert werden, Art Brussels 2016, From und die neue Rubrik REDISCOVERY I WieDiscovery to Rediscovery derentdeckung, die sich Künstlern aus dem Zeitraum zwischen 1917 und 1987 widmet, die bisher unterrepräsentiert, unterschätzt oder übersehen waren, geben der Messe ein ganz eigenes Profil. 21.-24.4.2016 | www.artbrussels.com

Neues Designmuseum ADAM Im Dezember 2015 eröffnete ein neues Museum und Kunstzentrum in Brüssel, das dem Design und der Kunst des 20. Jahrhundert bis heute gewid- Eames Office © 2016 met ist. Es liegt direkt neben dem Atomium. Grundstock des Museums ist die außergewöhnliche Design-Kollektion von Philippe Decelle. Sie besteht aus mehreren tausend Kunststoffgegenständen, von den banalsten Alltagsgegenstände bis hin zu Kunstwerken. Ergänzt wird die Sammlung durch temporäre Ausstellungen. In seiner erstem Ausstellung EAMES & HOLLYWOOD präsentiert das ADAM (Brüssel) eine unbekannte und beeindruckende Sammlung von fotografischen Arbeiten von Charles und Ray Eames, den renommierten Designern des 20. Jahrhunderts. Eames sind bekannt für außergewöhnliche Möbel und Architektur, aber ihr fotografisches Werk ist noch fast unbekannt. 10.3. – 4.9.2016 | ADAM | www.adamuseum.be


JULES | arttourist.com 1|2016

Flandern | 21

Flower Power im MSK 2016 kehrt nach 26 Jahre Abwesenheit das beliebte Blumen und Pflanzen Festival Floraliën Gent in die Innenstadt von Gent zurück. Das Museum der bildenden Künste Gent ist eine der vier dynamischen Veranstaltungsorte. Es zeigt in seiner Ausstellung „Flower Power“ durch die Natur inspirierte Kunstprojekte und lädt zu einer zauberhaf- Gustave Van de Woestyne (1881--1947) Balcony with ten Begegnung von Kunst und Natur Cinerarias, 1929 ein. Für 10 Tage wird das MSK ein „Forschungslabor“ auf Zeit, wo die Beziehung zwischen Kunst, Natur und Ökologie untersucht wird. 22.4. – 1.5.2016 | MSK Museum der bildenden Künste Gent | www.mskgent.be Topfloristen | Tomas De Bruyne ©PSG

Die Flora im Genter Altar und der wunderbare Garten des Caemerskloster

Gent

Floraliën Gent 22.4.–1.5.2016 Im Frühling 2016 bekommt Gent mit Floraliën Gent ein neues, dynamisches und interaktives Stadtfestival hinzu. Das Kunstviertel – Bijloke-Gelände, Leopoldskaserne, Sint-Pietersplein und Citadelpark – wird für 10 Tage die Kulisse eines erlebnisreichen Blumenund Pflanzenfestivals mit Platz für eine magische Welt aus Blumen und Pflanzen, floralen Kunstinstallationen und fesselnden Ideengärten sein. Bei interaktiven und partizipativen Workshops kann das Publikum nicht nur schauen, sondern auch erleben und mitmachen. Nach vielen Jahren in der Floralienhalle und Flanders Expo kehrt Floraliën Gent zurück in die Stadt. An vier Standorten des Kunstviertels – Bijloke-Gelände, Leopoldskaserne, Sint-Pietersplein und Citadelpark – zeigen belgische und internationale Spitzenfloristen, Züchter, Gartenarchitekten und

Künstler ihre schönsten Kreationen. Neben einem großen Angebot an Workshops, Pop-ups, Green- und Conceptrooms zeigt der flämische Zierpflanzensektor die neuesten Entwicklungen auf dem Gebiet von Forschung und Innovation. Ein dynamisches und interaktives Stadtfestival für Klein und Groß, ein florales Paradies aus Düften und Farben präsentiert sich in Gent. Kommen, schauen und erleben.

IM BLICKPUNKT BLUMEN UND PFLANZEN Blumen und Pflanzen erobern die Herzen aller Besucher. Sie spielen die Hauptrolle. Ein neuer und überraschender Rundgang erwartet die Gäste. FLORALE KREATIONEN Die größten Blumenkünstler aus allen vier Himmelsrichtungen nehmen einen wichtigen Platz an allen Standor-

Floral creations | Frederiek Van Pamel ©laboriver-asbl-tapis-de-fleurs

ten ein. Die Arbeiten von führenden Floristen und Großmeistern der Floristik können in einer Wechselwirkung mit historischen Standorten und der Kunst bewundert werden. IDEENGÄRTEN Gärtnern ist populär. In der Stadt oder auf dem Land, horizontal oder vertikal, allein oder gemeinsam. Man bekommt Ideen und Inspiration bei den vielfältigen Veranstaltungen und Angeboten, die einem selbst einen grünen Daumen sprießen, und Grün in die Stadt, die Straßen oder nach Hause mitnehmen lässt. KUNSTINSTALLATIONEN Anlässlich der 35. Ausgabe steht bei dem Floraliën Gent erstmals auch Kunst auf dem Programm. In- und ausländische Künstler zeigen florale Installationen der Spitzenklasse an spektakulären Veranstaltungsorten.

© Wim Vanmaele - Young Amadeus (Tom Nackaerts)@Flowertime2015 © Tom Paulissen - Florist Movaert (Jolien Vanderstappen-Movaert)@Flowertime2015

Kurzum, Floraliën Gent bietet 2016 eine bahnbrechende Ausstellung, die auf lehrreiche und interaktive Weise die Natur in die Stadt Gent hineinbringt. Die Veranstaltung ist mit dem neuen Ansatz mehr denn je das Aushängeschild des flämischen Zierpflanzensektors und stellt unter anderem die Bedeutung von Forschung und Innovation in den Mittelpunkt. www.floralien.be

DAUER 22.4. – 1.5.2016 ÖFFNUNGSZEITEN jeweils von 08:00 bis 22:00 Uhr (letzter Einlass um 21:00 Uhr) ORT Floraliën Gent findet im Kunstviertel von Gent statt. Bijlokegelände, Eingang Godshuizenlaan Leopoldskazerne Sint-Pietersplein, Eingang Sint-Amandplein Citadelpark, Eingang Charles de Kerchovelaan EINTRITTSPREISE Tagesticket EUR 35 (vom 22. bis 24.04.2015) Tagesticket EUR 32 (vom 25.4. bis 01.05.2015) Ermäßigte Preise für Kinder, Jugendliche, Studenten, Schulen und Gruppen. Karten online unter www.floralien.be

Die Mitteltafel des Genter Altars ist üppig mit Pflanzen und Blumen geschmückt. Die Besucher werden erschlagen von der Vielfalt und dem Realismus, mit dem die Brüder Van Eycks diese Flora gemalt haben. Trotz des mikroskopischen Maßstabs sind Sie bis heute noch zu erkennen und zu bestimmen. Doch die Künstler kamen zu keiner Einheit von Raum und Zeit. So stehen Frühlingsblumen neben Sonnenblumen; mediterrane Blumen wurden mit Pflanzen kombiniert, die nur in Nordeuropa wachsen; im üppigen Gras kann man Rosenstöcke, Gänseblümchen und Veilchen in der himmlischen Harmonie mit Zypressen, Olivenbäume und Dattelpalmen entdecken. In der Ausstellung werden vergrößerte Fragmente der Malerei mit Bildern von historischen Herbarien und Kräutern verglichen. 15.4. – 18.9.2016 | Provinciaal Cultuurcentrum Caermersklooster | www.caermersklooster.be

Bike to the Future Zukunft des Fahrrads Bike to the Future ist eine gemeinsame Anstrengung des Design Museum Gent und der IWF-Stiftung, die einen Einblick in die Zukunft des Fahrrads bietet. Sowohl Talent als auch Einfallsreichtum sind die treibenden Kräfte hinter dieser Ausstellung, wo brillante Ideen und geniale Prototy- © KEIM (Paule Guérin, Till Breitfuss, Charles Boulnois) pen gezeigt werden. Durch die un- Alérion - 2014 terschiedlichste Kombination von Form und Technik erfinden Designer das Rad immer wieder neu. Das Ergebnis ist ein FotoFinish von Design, exquisiter Handwerkskunst und der Fahrradindustrie. Außer Design, Material und Komfort kommen auch Technologie, Mobilität, Sicherheit, Gesundheit und die Radlergemeinschaft an die Reihe. Design Museum Gent | 25.3. - 23.10.2016 | www.designmuseumgent.be

MICHAEL BUTHE Retrospektive 5.3. – 5.6.2016 «Meine Sonne ist für mich, wie alle Bilder, ein Gebrauchsgegenstand zum Sehen, zum Fühlen, zum Träu- Michael Buthe © VG Bild-Kunst, men, zum Sich-etwas-Klarmachen», Bonn 2016 beschreibt Michael Buthe sein wiederkehrendes, zentrales Motiv. Die Retrospektive versammelt archaisch wirkende Assemblagen, leuchtende Papierarbeiten und intensiv bearbeitete Leinwände, Collagen und Gemälde in Gold. Mit Installationen, die in ihrer Üppigkeit alle Sinne des Publikums ansprechen, wird auch Michael Buthes räumliches Arbeiten greifbar. S.M.A.K. | www.smak.be

Marcel Broodthaers im SMAK 2006 erwarb das S.M.A.K Marcel Broodthaers (19241976) emblematische Werk Le PenseBête (1964) für seine museummuseum © S.M.A.K., Ghent Sammlung. Für den in Brüssel geborenen Künstler war dies seine erste ‚Proposition artistique‘ und der Moment, in dem aus dem Dichter Broodthaers ein Bildender Künstler wurde. Heute besitzt das S.M.A.K die größte und wichtigste Sammlung von Werken des Künstlers. Am 22. April öffnet das neue Broodthaers Kabinet - Projet M. B. und zeigt alle Werke von Marcel Broodthaers im Besitz des S.M.A.K. ab 22.4.2016 | S.M.A.K. Stedelijk Museum voor Actuele Kunst | www.smak.be


22 | Konstanz

JULES | arttourist.com 1|2016

Allensbach Hat´s 18. JAZZ am SEE | Grenzgänge – Jazz und mehr…

Graffiti: Imperia © www. Eminhasirci.com

Konstanz

600 JAHRE KONSTANZER KONZIL 2016 – Imperia – Lebendiges Mittelalter Von Huren, Mönchen und Lichtgestalten Vor 600 Jahren wurde in Konstanz beim Konzil nicht nur Kirchengeschichte geschrieben. Der größte Kongress des Mittelalters zog auch Künstler, Gelehrte, Hübschlerinnen und Glücksritter geradezu magisch an. Das dritte Jahr des Konstanzer Konziljubiläums widmet sich mit dem Motto „Lebendiges Mittelalter“ der menschlichen Seite des Geschehens. Unter der Schirmherrschaft von Imperia öffnet das facettenreiche Programm aus Kunst, Theater und Musik einen breiten kulturellen Horizont – vom Science Slam zum Oratorium.

Reginbrot und sonst Nix Seit mindestens 1736 wird in der Münzgasse 16 gebacken. Klaus Keller-Uhl übernahm die Bäckerei 1953 von seinem Großvater und begann schon 1972 nur noch Vollkornbrote zu backen. Reginbert Keller führt die Bäckerei seit 1986. Im Haus bäckt er verschiedene BioBrote, hauptsächlich aus Vollkorn. www.reginbrot.de

100% bio

Die Kaffeerösterei im Herzen von Konstanz Getreu dem Motto „Guter Kaffee ist Lebensqualität“ bietet Idie Kaffeerösterei Konstanz Spezialitätenkaffees aus aller Welt und verwöhnt mit mehr als 40 erlesenen Kaffeesorten. Bohnen bester Qualität werden täglich in der Kaffeerösterei verarbeitet und mithilfe des schonenden Langzeittrommelröstverfahrens veredelt. Ob als ganze Bohne oder frisch gemahlen, in der Kaffeerösterei Konstanz erhält man stets röstfrischen Kaffee der besonderen Art. An der Kaffeebar kann man direkt Spezialitäten der Kaffeerösterei verkosten. www.kaffeeroesterei-konstanz.de

Konzilfestspiele: Konstanz am Meer © Foto: Ilja Mess / Theater Konstanz

Ganzjährig zeigen einheimische KünstlerInnen im Rahmen des Kunstfonds Konzil ihre Arbeiten im öffentlichen Raum. Inspiriert von Imperia und dem lebendigen Treiben während des Konzils können Sie sich bei Ihrem Stadtbummel auf archäologische Spurensuche begeben („War da was?“ 7. Juli bis 7. August), Installationen wie die „Konstanzer Stühle“, und das „Rheinrad“ (ab 28. Mai) betrachten, ein „Macht Terzett“ (4. Juni) oder ein „Match“ mit Schaumschlägern (3. bis 16. September) erleben, oder sich literarischen „Rotlichtbetrachtungen“ 29. bis 05. Juni, 19 Uhr) hingeben oder mittels „Wortwahl“ einem Kurzgeschichtenwettbewerb teilhaben.

weit führender Ensembles. Bereits zum dritten Mal findet die Reihe „Europäische Avantgarde um 1400“ in Kooperation mit SWR2 statt. 2016 stellt die Musikreihe die Musik der verschiedenen Konfessionen und Religionen, die beim Konstanzer Konzil aufeinandertrafen, in den Mittelpunkt. Den ZuhörerInnen eröffnet sich die Musik vom byzantinischen Hof, osmanische Kunstmusik, russische geistliche Musik und Kompositionen von Guillaume Dufay.

Die Konzilfestspiele auf dem Münsterplatz warten im Jubiläumsjahr 2016 mit der Inszenierung von Umberto Eco´s „Der Name der Rose“ auf. 24-mal bringt der Franziskanermönch William von Baskerville Licht in eine Reihe mysteriöser Mordfälle hinter mittelalterliche Klosternmauern. Herbert Olschok führt Regie, die musikalische Leitung übernimmt Andreas Kohl und für die Ausstattung ist Alexander Martynow zuständig. Premiere ist am 24. Juni. Im Anschluss gibt es ein Wiedersehen mit dem 2014 uraufgeführten Konzilstück „Konstanz am Meer. Ein Himmelstheater“ von Theresia Walser und Karl-Heinz Ott (Vorstellungen bis 04. August).

Bereits am 15. & 16. Juli wird „IMPERIAMARIE – Der gefallene Engel, die Reine Magd“ uraufgeführt. Das Oratorium wird in zwei Teilen im Konzilgebäude und im Münster vom Bach-Chor Konstanz, der Schola Konstanz, Vokal- und Instrumentalsolisten sowie der Südwestdeutsche Philharmonie aufgeführt.

Musikalisch erwarten die BesucherInnen vom 30. September bis 3. Oktober erneut vier hochkarätige Konzerte welt-

Von Anfang an steht JAZZ am SEE für außergewöhnliche musikalische GrenzTill Brönner, Foto © Andreas Bitesnich gänge, Begegnungen verschiedener Kulturen und Genres und großer Stimmen des Jazz. Dafür hat sich die Reihe einen renommierten Platz in der Jazzszene geschaffen. Nach der diesjährigen Eröffnung mit Branford Marsalis und Konzerten mit Tord Gustavsen feat. Simin Tander und dem Rabih Abou-Khalil-Trio kommt erneut Till Brönner. Der erfolgreichste deutsche Jazzmusiker gibt zusammen mit dem virtuosen Kontrabassisten Dieter Ilg eines der wenigen Duo-Konzerte und zum ersten Mal eine Jazz-Masterclass (4. Mai). Eine ganz besonders intensive musikalische Begegnung. Der ganztägige Workshop findet am 4. Mai im Rahmen der 18. JAZZ am SEE in den Räumen von Schloss Freudental (Allensbach am Bodensee) mit 15 Teilnehmern plus zwei Plätze „pro bono“ statt. Die Plätze werden im Auswahlverfahren vergeben. www.allensbach.de

30.9. 1.10. 2.10. 3.10.

Capella Romana Capella Pratensis Ensemble Sirin Ruhi Ayangil Ensemble

Ins Auge fallen werden vom 6. bis 12. Oktober die Illuminationen. Nach Einbruch der Dämmerung werden Schauplätze des Konzilgeschehens von dem Künstlertrio Teresa Renn, Jan BehnstedtRenn und Patrick Pfeiffer mit Videoinstallationen in Szene gesetzt. Für ihre ästhetische Auseinandersetzung mit den Themen lebendiges Mittelalter und Machtausübung im Mittelalter widmen sich die Illuminationen den heimlichen und unheimlichen Spielen der Macht während des Konzils.

AUSWAHL AUS DEM JUBILÄUMSPROGRAMM 2016 23.4.2016 SCIENCE SLAM „INNOVATIONEN“ Baustelle Bodenseeforum 2.–8.5.2016 HANDWERKSTADT in Kooperation mit der Handwerkskammer Konstanz 28.-29.5.2016 AUSFLUG INS MITTELALTER Lagerleben, mittelalterliches Treiben, Schauplatz Konzilstadt 24.6. – 4.8.2016 KONZILFESTSPIELE AUF DEM MÜNSTERPLATZ Umberto Eco: Der Name der Rose Teresia Walser und Karl-Heinz Ott: Konstanz am Meer Theater Konstanz 15.–16.7.2016 IMPERIAMARIE DER GEFALLENE ENGEL – DIE REINE MAGD Zweiteiliges Oratorium an zwei Tagen Kulturforum Lutherkirche Konzil & Münster Konstanz 30.9. –3.10.2016 EUROPÄISCHE AVANTGARDE UM 1400 Musikfestival mit vier Konzerten in Kooperation mit SWR2 6. – 12.10.2016 ILLUMINATIONEN Konzilorte in Konstanz GANZJÄHRIG JAN HUS – MUT ZU DENKEN, MUT ZU GLAUBEN, MUT ZU STERBEN Hus-Museum im Hus-Haus AB 30.5.2016 SONDERAUSSTELLUNG ZU HIERONYMUS VON PRAG Hus-Museum im Hus-Haus GANZJÄHRIG KUNSTFONDS KONZIL Kunst, Theater, Performance Das vollständige Programm finden Sie unter: www.konstanzer-konzil.de KONZILSTADT KONSTANZ Marktstätte 1 78467 Konstanz

Eugens Bio Cafe Restaurant & Patisserie Mit dem „Eugens Bio Cafe Restaurant“ hat sich Eugen Bücheler in Konstanz am Bodensee einen lange gehegten Traum erfüllt. Einen Traum, vom achtungsvollen Umgang mit der Natur und den Menschen. Sein Credo lautet, nur sauber und nachhaltig produzierte Lebensmittel, mit Liebe und Phantasie zubereitet, bringen den Menschen auch Glück und Genuss. Und so setzt er sowohl die Bio-Philosophie, als auch die Slow-Food-Grundsätze in seinem Bio Cafe-Restaurant konsequent um. Im schnörkellos-klassischen Ambiente „entschleunigt“ er seine Gäste mit ambitionierter kreativer Frischeküche und hauseigener französischer Pâtisserie. Dem über allem stehenden Leitgedanken der unbedingten Qualität verpflichtet, sieht sich Eugen Bücheler als ein Botschafter einer neuen kulinarischen Kultur. Einer Kultur, geprägt von natürlicher gesunder Produktion, Regionalität und Vielfalt. Eine Kultur, die nicht nur verbalisiert im Raum steht, sondern auch am Gaumen erfahrbar ist. www.eugens-bio.de

Das Zeltfestival Konstanz-Kreuzlingen Das grenzüberschreitende Zeltfestival lockt an der Hafenpromenade der Innenstädte von Konstanz und Kreuzlingen mit einem hochkarätigen Musik- und Kulturprogramm: Weltmusik, Comedy, Rock und Kabarett, aber auch Klassik und Jazz bieten erstklassige Unterhaltung für Alt und Jung. Im großen Zirkuszelt und dem kleineren, edleren Spiegelzelt begeistern vor allem Künstler mit nationalem und internationalem Bekanntheitsgrad, während die Open Air-Bühne loWilly Astor Bild © kalen Newcomern und regionalen Größen Zeltfestival Konstanz & Kreuzlingen ein Podium bietet. Der Eintritt zum großen Biergarten am Bodenseeufer ist frei. Hier kann man den Klängen auf der Open Air-Bühne und im großen Zirkuszelt zu lauschen, Bekannte treffen und vom feinen kulinarischen Angebot örtlicher Gastronomen kosten. Weitere Informationen unter www.zeltfestival.com


JULES | arttourist.com 1|2016

Pforzheim | 23

Doppelausstellung im Rahmen von 250 Jahre Pforzheimer Schmuck- und Uhrenindustrie 2017 21.5. – 10.9.2017

Pforzheim

Himmlisch Sonne, Mond und Sterne im Schmuck

Zierscheiben | Gold mit Granulation | Etruskisch, 6. Jh. v. Chr. © Schmuckmuseum Pforzheim | Foto Günther Meyer

8.7. – 30.10.2016 Eröffnung Donnerstag 7.7.2016 | 19 Uhr Der Mythos der Edelmetalle ist eng mit den Gestirnen verbunden. Bereits in der Bronzezeit ist die Sonne als Kreismotiv allgegenwärtig. Der Glanz des Goldes scheint dem Himmelskörper äquivalent zu sein. Und das altgriechische Wort Cosmos bezeichnet sowohl Ordnung, Weltordnung, Weltall und Universum als auch Schmuck. Was also läge näher, als der Sonne, dem Mond und den Sternen eine Ausstellung im Schmuckmuseum Pforzheim zu widmen. Lunulae — Halskrägen in Form einer Mondsichel — finden sich reichlich im keltischen wie auch im byzantinischen Schmuck. Kultur- und epochenübergreifend finden sich immer wieder Motive, die auf Himmelskörper verweisen. Zudem ist das Firmament bevorzugte Sphäre der Götter Ihrer Gunst wollte man sich mit Kultobjekten aus Gold versichern und der Träger sich in ihren Schein stellen. Mit glitzernden Sternen im Haar und schlanken Mondsicheln am Revers wird die Brücke geschlagen zum Schmuck des 18. bis 20. Jahrhunderts.

Die Schau gibt einen Überblick über ein Phänomen, das in allen Kulturen, Epochen und geographischen Räumen bis in den Schmuck der Gegenwart reicht: vom Ägypten der Pharaonen und den altorientalischen Reichen Mesopotamiens über die antiken mittelmeerischen Kulturen Griechenlands, Etruriens und des römischen Reiches, über das Mittelalter, die Renaissance und den Barock, das neunzehnte Jahrhundert, Art Nouveau und Jugendstil bis heute. Auch Volksschmuck ländlicher Regionen wird gestreift, von Süditalien bis zum Kaukasus; ebenso außereuropäische Kulturen beispielsweise aus dem Amerika indianischer Gruppen, aus Afrika, wo vor allem die Kunsthandwerker im Westen des Kontinents Erstaunliches hervorgebracht haben. Der nordafrikanisch-arabische Raum ist reich an »himmlischen« Schmuckstücken, im Wesentlichen geprägt durch die Verwendung von Mondsichel und Stern als Zeichen des Islams. Die

großen Juweliere wie beispielsweise

Köchert in Wien, in dessen Werkstätten Diamantsterne entstanden, Coco Chanel, die in den 1930er Jahren Aufsehen erregte mit ihren kosmischen, diamantbesetzten Kreationen — alle haben sich anregen lassen von den Gestirnen und haben großartige Werke der Goldschmiedekunst geschaffen. International gefeierte Schmuckkünstler der Gegenwart wie David Watkins, Peter Skubic, Wendy Ramshaw, Cevin Coates und viele andere beschäftigen sich mit den Gestirnen — ein Hinweis darauf, dass Sonne, Mond und Sterne auch heute noch Anlass geben zu außergewöhnlicher Kreativität. Während in alten und außereuropäischen Kulturbereichen meist magische, mythologische und religiöse Bezüge im Vordergrund standen, sind es später eher dekorative Gründe und das sternengleiche Funkeln und Strahlen der Edelsteine, das sonnengleiche Gold und das auf das Licht des Mondes bezogene Silber, die die Schmuckstücke mit kosmischen Motiven so begehrt gemacht haben. Begleitend erscheint bei ARNOLDSCHE Art Publishers ein Katalog. Darin berichtet der Autor Fritz Falk, Kunsthistoriker, langjähriger Direktor des Schmuckmuseums Pforzheim und Goldschmiedemeister, außerdem von den Gestirnen in der Literatur: vom Märchen über Goethe bis zu Ingeborg Bachmann; in der bildenden Kunst: von Dürer bis Nicki de Saint Phalle; und in der Musik: von Beethovens Mondscheinsonate bis zu Glenn Millers Moonshine Serenade. Weitere Informationen, auch zum umfangreichen Begleitprogram siehe www.schmuckmuseum.de.

ADRESSE Schmuckmuseum Pforzheim Jahnstr. 42 75173 Pforzheim www.schmuckmuseum.de ÖFFNUNGSZEITEN Di – So und feiertags 10 – 17 Uhr (außer Heiligabend und Silvester), Mo geschlossen

Armschmuck | Gold, Opal, Perle Wilhelm Buchert, 1969 © Schmuckmuseum Pforzheim Foto: Rüdiger Flöter

EINTRITTSPREISE Eintritt in die Dauerausstellung EUR 3 ermäßigt EUR 1,50 Eintritt in die Sonderausstellung EUR 5 ermäßigt 2,50 Kombiticket EUR 7 ermäßigt 3,50 Kinder bis 14 Jahre Eintritt frei

Bildnisanhänger Kaiserin Eleonore Gold, Email, Wien, um 1680 © Schmuckmuseum Pforzheim, Foto Günther Meyer

Must-haves — Schmuck großer Juweliere Cartier und Tiffany sind nur zwei der Namen im Mittelpunkt dieser Ausstellung. Sie richtet den Fokus zum einen auf Schmuck großer Luxusmarken, zum anderen auf ausgewählte Einzelstücke hoher Juwelierskunst.

Must-sees — Schmuck in der Kunst Diese Ausstellung wartet mit einzigartigen Preziosen auf, die zu weltweiter Berühmtheit gelangten oder zu eindrücklichen Beispielen der Goldschmiedekunst zählen, und zeigt sie im Zusammenspiel mit Gemälden und Skulpturen der Zeit. www.schmuckmuseum.de

Jubiläumsfestival 2017 250 Jahre Goldstadt Pforzheim Pforzheim feiert „250 Jahre Schmuck, Uhren und Design“. Die Stadt begeht dieses Jubiläum mit einzigartigen Ausstellungen und spektakulären Live Acts, mit Design und Schmuckkunst, Tagungen und Kongressen, mit viel Musik und Theater! Es war Markgraf Karl Friedrich, der im Jahr 1767 das Privileg erteilte, in Pforzheim eine Taschenuhr und eine Silberwarenmanufaktur zu errichten. Damit setzte er eine Erfolgsgeschichte in Gang, die Pforzheim schließlich zur „Goldstadt“ machen und bis in unsere Zeit prägen sollte. Mehr noch: Selbst die Zukunft der Stadt als Wirtschafts-, Design- und Hochschulstandort ist unverrückbar mit diesem Ereignis vor 250 Jahren verbunden. www.goldstadt250.de

Emma Pforzheim Das Kreativzentrum Pforzheim ist eine Plattform zum Netzwerken, ein Sprungbrett für die Zukunft und ein Ort zum Arbeiten für die Kreativwirtschaft in Pforzheim und Region. Nach seiner Fertig­­stellung im August 2014 hat es für Freelancer, Existenzgründer, Jungunternehmen und Agenturen seine Tore geöffnet. Auf einer Fläche von etwa 3.000 m2 werden Werkstatt­ ar­ beits­ plätze, einzelne Schreibtische im CoworkingBereich, Be­­­spre­chungs­räume, Ateliers und Mietbüros zu günstigen Konditionen an­­­ ge­ boten. Im Erdgeschoss steht ein großzügiger Veranstaltungs­bereich für bspw. Ausstellungen, Podiumsdiskussionen, Tagungen und Workshops zur Verfügung. Veranstaltungs­bereich und Besprechungsräume können sowohl von Mietern als auch von externen Unternehmen und Institutionen gebucht und genutzt werden. Außerdem bietet das EMMA eine moderne Infrastruktur mit Kommunikationsräumen, LAN/ WLAN im gesamten Gebäude und einer zeitgemäßen technischen Ausstattung. Ein Highlight ist die Dachterrasse, die ebenso für Veranstaltungen genutzt werden kann. www.emma-pf.de


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JULES | arttourist.com 1|2016

dada 100 zürich Das Jubiläum Im Jahr 2016 wird Dada 100.

1916 wurde an einem Februarabend an der Spiegelgasse 1 in Zürich das Cabaret Voltaire aus der Taufe gehoben. Ein Urschrei, der bis heute nachhallt, begleitete den Akt: „Dada, Dada, Dada!”. Tristan Tzara, Hans Arp, Hugo Ball, Emmy Hennings, Marcel Janco, Sophie Taeuber und Richard Huelsenbeck röhrten, girrten, schnalzten „Dada”. Sie tanzten, sangen und stampften „Dada”. Das Cabaret Voltaire wurde zum Melting Pot für Nationalitäten, Kunstgattungen und Stile. Dada war ultramo-

dern, provokativ, erfinderisch und hob die Trennung von Leben und Kunst auf. Zu Beginn der zwanziger Jahre war Dada bereits ein weltumspannendes Netzwerk. Mit ihrem „Mouvement international” und ihren „Weltkongressen” besetzten und durchschweiften die Protagonisten die Metropolen der Welt, um aus dem Globus eine Filiale des Dadaismus zu machen. Dada wurde zur Urbewegung der Avantgarde, ohne die Surrealismus, Pop Art, Fluxus, Mail Art oder Punk nicht denkbar gewesen wären und die bis in unsere Gegenwart hinein Künstler, Autoren, Designer elektrisiert.  

Nic Aluf | Portr ät von Sophie Taeuber mit Da Galerie Berinso da-Kopf, 1920 n, Berlin | © Na | Silbergelatin chlass Nic Aluf eabzug, 20,9 x 16,6 cm |

Raoul Hausmann | P, um 1920-1921 | Collage mit bedrucktem Papier und Tinte, 31,2 x 22 cm | Hamburger Kunsthalle, Kupferstichkabinett | © 2016 ProLitteris, Zürich

Dada Afrika | Dialog mit dem Fremden | 18.3. – 17.7.2016

sogar theater ist Worttheater

Dada wird 100 Jahre alt: Zeit für «Dada Afrika»! Weltweit zum ersten Mal widmet sich diese Ausstellung der Auseinandersetzung der Dadaisten mit aussereuropäischer Kunst und Kultur. Die sinngewaltigen, spartenübergreifenden Inszenierungen der «Soirées nègres» im Cabaret Voltaire attackierten den gängigen Kunstbegriff und die bis dahin geltenden Wertvorstellungen. Die Darbietung von pseudo-afrikanischen Lautgedichten, Trommelrhythmen und Maskentänzen – spontan, vital und wild – folgte dem dadaistischen Selbstverständnis, grenzenlos zu agieren. Beim Publikum Befremden auszulösen, war intendiert. Die Masken von Marcel Janco, aber auch die Kostüme von Sophie Taeuber-Arp oder die Collagen von Hannah Höch waren von der Suche nach einer neuen Formensprache und elementaren Lebenswelt geprägt. Im exotisch Fremden entdeckten die DadaKünstler und -Künstlerinnen eine befreiende Gegenwelt. Damit wollten sie die eigene Gesellschaft und Kunst erneuern. In dieser Ausstellung treten dadaistische Arbeiten in Dialog mit Kunst, Musik und Literatur aus Afrika, Amerika, Asien und Ozeanien. www.rietberg.ch

Die Produktionen leben nicht von üppigen Bühnenbildern und grossen Inszenierungen, sondern vom Schauspiel und vom gesprochenen Wort. Da liegt es nahe, sich zum 100 Jährigen Dada-Jubiläum auch mit Dada auseinanderzusetzen. Dada als Bewegung, die das Zusammenspiel von Wortlaut und Bedeutung aufbricht, Sprache zerlegt und in der Zerlegung neues schafft. Dada ist Wortkunst und vieles mehr. Die Strömung, die vor 100 Jahren in Zürich wirkte und bis heute nachwirkt, wird aus verschiedenen Winkeln und Blickrichtungen beleuchtet. www.sogar.ch

Hämisch grinsende Fratze, Fastnachtsmaske 1.Hälfte 20. Jahrhundert, Schweiz, Lötschental Bemaltes Holz, Fell, Tierzähne Museum Rietberg Zürich, Sammlung Eduard von der Heydt

Das sogar theater widmet der Dada-Kunst eine eigene Reihe und zeigt folgende Produktionen: Der Pfiff aufs Ganze – Walter Serner. 3. bis 9. März 2016. Céline Arnould im Lichtkegel des Projektors. 31. März bis 3. April 2016 BALLADADA. 12. und 13. April 2016 Die Tomatensuppenschleuder. 19. Mai bis 4. Juni 2016 Das Paradies war für uns – Emmy Hennings und Hugo Ball 6. Juni 2016 Auguste Bolte – Eine Zählung mit Musik nach Kurt Schwitters 8. Juni 2016


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2016 cabaret voltaire aussen

DADA

Dada ist nur schwer zu fassen: „Was Dada ist, wissen nur die Dadaisten. Und die sagen es niemand“, schrieben die Dadaisten selbst. Zum besseren Verständnis der Auswirkungen kann man aber drei grundsätzliche Bedeutungsebenen oder Einflussgebiete definieren, die es erlauben, drei sich ergänzende Konzeptebenen des Jubiläums zu bestimmen: Dada ist lokal, Dada ist global, Dada ist universal.

Dada steht für den radikalen Versuch, bestehende Vorstellungen und Werte ad absurdum zu führen – eine Strategie, die noch immer aktuell ist. Die eigentliche dadaistische „Chronique Zurichoise” endet im Juni 1919. Dank einer der weltweit grössten Dada-Sammlungen im Kunsthaus Zürich und dem 2004 wiedereröffneten Cabaret Voltaire ist Zürich bis heute der dadaistische Nabel der Welt geblieben.

100 Jahre Dada und Cabaret Voltaire «165 Feiertage: Obsession Dada» Am 5. Februar 2016 jährte sich die Eröffnung des Cabaret Voltaire zum 100. Mal und Dada feiert damit ein Jahrhundert der Existenz. Gefeiert wird dies mit 165 Feiertagen und einer Manifestation der Obsession Dada. Das Cabaret Voltaire tut dies mit den drei Themenbereichen Dadalogie, Akademie und Kunst mit dem Ziel, durch dieses Ritual eine Transformation des Cabaret Voltaire zu erreichen, um es zu dem zu machen, was es vor 100 Jahren war: eine Künstlerkneipe und ein freier Ort der zeitgenössischen Kunst. Es wird Schwung und Inspiration bei den Dadaisten geholt, von ihnen wird gelernt, mit Philosophen über Gesellschaft und Kunst nachgedacht und mit Künstlerinnen und Künstlern die Energieeinheit Obsession entzündet.

Hugo Ball KubistischesKostuem Juni1916 im CabaretVoltaire

OBSESSION DADA DOKUMENTE AUS DEM HARALD SZEEMANN ARCHIV WÖCHENTLICHE SOIRÉEN MIT ZEITGENÖSSISCHEN KÜNSTLERINNEN BIS 15.5.2016 Pünktlich zum 100. Geburtstag eröffnet in der Krypta des Cabaret Voltaire die von Adrian Notz und Una Szeemann kuratierte Ausstellung «Obsession Dada». Sie basiert auf Dokumenten aus dem Archiv des grossen Kurators Harald Szeemann. Für «Obsession Dada» werden u.a. Dokumente über das Museum der Obsessionen und die Agentur für geistige Gastarbeit publiziert. «Ich sehe diese Ausstellung als eine Entdeckungsreise zu den vielen Intensionen von Obsessionen. Und auf diesem Weg begegne ich vielen wunderschönen Inseln», so Szeemann. Mit einer raumgreifenden Installation, von ihr konzipiert und in Zusammenarbeit mit Markus Kummer realisiert, wird eine Bühne für Obsessionen geschaffen, die wöchentlich mit Performances, Lesungen und Manifesten bespielt wird.   165 FEIERTAGE TÄGLICH: OFFIZIEN 6:30 UHR, 5. FEBRUAR–18. JULI 2016 SOIRÉEN 20:00 UHR (SO 17:00 UHR) DADA100ZUERICH2016.CH Dada 100 Zürich 2016 ist ein Ad-hoc-Netzwerk von öffentlichen und privaten Partnerinnen und Partnern, Museen, Theatern, Institutionen, Festivals, Vereinen, Organisationen sowie individuellen Initiativen. Unter anderem sind folgende institutionellen Partner involviert: Bundesamt für Kultur | Cabaret Voltaire | Dock 18 | Festspiele Zürich | Fondation Fluxum und Flux Laboratory, Genf und Zürich | Fondazione Monte Verità, Ascona | Grossmünster Zürich | Junges Literaturlabor JULL | Kanton Zürich Fachstelle Kultur | Kaufleuten | KMD – Kunsthalle Marcel Duchamp, Cully | Kunsthaus Zürich | Landesmuseum Zürich | Manifesta 11 | Miller’s | Monte Dada | Mood’s | Museo Comunale d’Arte Moderna, Ascona | Museum Haus Konstruktiv | Museum Hermann Hesse, Montagnola | Museum Rietberg | Pong | Post CH AG | Pro Helvetia | Sanatorium Kilchberg | Schweizer Radio und Fernsehen SRF | Schweizerisches Jugendschriftenwerk | Schweizerisches Literaturarchiv der Nationalbibliothek, Bern | sogar theater | Stadt Zürich Kultur | Stadtentwicklung Zürich | Strauhof Zürich | swissnex San Francisco | Tanzhaus Zürich | Theater HORA – Stiftung Züriwerk | Theater Stadelhofen | Theater Stok | Theater Tuchlaube Aarau | Universität Zürich | Wemakeit | ZÜRICH TANZT | Zürich Tourismus | Arp Museum Bahnhof Rolandseck | Berlinische Galerie | und viele weitere Partnerinnen und Partner.

Festspiele Zürich 2016: Dada – Zwischen Wahnsinn und Unsinn Die Festspiele Zürich widmen sich 2016 der Dada-Bewegung, welche 1916 in Zürich ihren Lauf nahm. In über 150 Veranstaltungen inund ausserhalb von rund 30 beteiligten Kulturinstitutionen kann sich das Publikum auf die Spuren des Mythos Dada begeben. Kunstliebhaber, Theaterfreunde, Opernfans, Tanzverrückte, Musikbegeisterte und Wissbegierige – kurzum alle kommen dabei auf ihre Kosten. Eine grosse Picabia-Retrospektive im Kunsthaus eröffnet das Festspielprogramm. Im Museum Rietberg ist „Dada Afrika“ zu sehen. Alt-Bundesrat Moritz Leuenberger verbindet in seiner Eröffnungsrede Dada mit Politik, drei Dada-Soiréen mit u.a. Peter von Matt, Tobia Bezzola und Durs Grünbein erspüren die Essenz und die Folgen von Dada, und wer möchte, kann Dada hautnah in Zürcher Privatwohnungen erleben. Dada schreit es auch von den grossen Zürcher Bühnen bis hin zum

winzigen Kellertheater. Das Schauspielhaus zeigt „der die mann“ des Bühnen-Anarchisten Herbert Fritsch mit vermeintlichen NonsenseTexten von Konrad Bayer. „Platz Dada!“ heisst es im Theater Rigiblick, im Theater Neumarkt ist „Dada Berlin“ zu Gast, im Miller’s wird eine Dada-Oper uraufgeführt und im Pfauen gibt es eine Dada-Slam-Poetry-Show. Das Tonhalle-Orchester Zürich lässt im grossen Saal Erik Satie auf Mozart und Brahms prallen und eine Nacht lang erklingt aus allen Räumen Dada-Kammermusik. Im Sommerpavillon des Museums Rietberg gastiert der Jazzklub Moods, Sophie Hunger erhält den Zürcher Festspielpreis und gibt ein Konzert. Für sommerliche Festivalstimmung sorgen „Oper für alle“, die Live-Übertragung vom Opernhaus auf den Sechseläutenplatz und der rauschende Sommernachtsball im Hauptbahnhof. 3.-26.6.2016 | www.festspiele-zuerich.ch „Oper für alle“ auf dem Sechseläutenplatz | Foto: Frank Blaser


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Parallel Events Zeitgleich zu jeder Manifesta-Ausgabe finden die sogenannten Parallel Events statt. Ihr Anspruch ist es, verschiedene Facetten der lokalen und regionalen Kulturszene aufzuzeigen und diese in einen Dialog mit der Hauptausstellung zu bringen. Die Kunstprojekte der Parallel Events werden in die Kommunikation des Gesamtprogramms der Manifesta 11 eingebettet. Im August 2015 erhielt Manifesta 11 nach der öffentlichen Ausschreibung über 300 Bewerbungen aus allen künstlerischen Disziplinen und Ausdrucksformen, die am Parallel Events Programm teilnehmen wollen. Die zentrale Idee der Ausschreibung: Die einzelnen Projekte sollen sich inhaltlich mit dem Motto der Manifesta 11 «What People Do For Money» auseinandersetzen. Eine Jury, bestehend aus Hedwig Fijen (Direktorin M11), Christian Jankowski (Kurator M11), Natalia Huser (General Coordinator M11), Barbara Basting (Leiterin Bildende Kunst Stadt Zürich), Anna Bürgi (Leiterin Tanz Stadt Zürich) sowie Tobias Brenk (Dramaturg für Theater und Tanz, Kaserne Basel, Mitglied der Tanzkommission der Stadt Zürich), wählt die Projekte aus, die dann parallel zur Manifesta 11 im Sommer 2016 realisiert werden. www.manifesta11.org

Rendering of Pavillon of Reflections © ETH Studio Emerson

Zürich

Manifesta 11 Zürich 11.6. – 18.9.2016 Im Sommer 2016 wird die Stadt Zürich Gastgeberin der elften Ausgabe der durch Europa wandernden Biennale Manifesta sein. Es ist das erste Mal in der Geschichte der Manifesta, dass mit Christian Jankowski ein einzelner Künstler als Kurator ernannt wurde. Unter dem Titel «What People Do For Money: Some Joint Ventures» werden KünstlerInnen mit VertreterInnen verschiedener Zürcher Berufssparten zusammengeführt. Es entstehen rund 35 Neuproduktionen, die ab Juni 2016 während 100 Tagen an zum Teil ungewöhnlichen Ausstellungsorten wie den jeweiligen Arbeitsplätzen gezeigt werden. Zudem fungieren das Löwenbräukunst-Areal (Migros Museum für Gegenwartskunst, LUMA Westbau / POOL etc. und Kunsthalle Zürich), das Helmhaus und das Cabaret Voltaire als Hauptausstellungsorte. Den Kern bildet der «Pavillon of Reflections», eine schwimmende Plattform auf dem Zürichsee, die für die Manifesta 11 in der Nähe des Bellevues errichtet wird. Hier werden die zentralen, filmisch dokumentierten Momente zur Entstehung der Kunstwerke lebendig erfahrbar sein. Manifesta, die europäische Biennale für zeitgenössische Kunst, wurde 1993 durch die Niederländerin Hedwig Fijen gegründet und wechselt ihren Ausstellungsort alle zwei Jahre. Sie reagiert mit jeder Ausgabe auf die Vielfalt sozialer, politischer und geografischer Bedingungen im heutigen Europa. Ein Europa, das sich mehr denn je in einer Krise befindet, allein wenn man sich die aktuellen Wirtschafts- und Migrationsdebatten vergegenwärtigt. Seit der ersten Manifesta-Ausgabe vor 20 Jahren stellen die Initiatoren immer das kritische Denken, die wissenschaftliche Recherche und das künstlerische Experiment in den Vordergrund. Ihr hoher Vermittlungsanspruch und das umfangreiche Begleitprogramm sichern den Dialog mit jüngeren Kunstinteressierten sowie einem «kunstfremden» Publikum. Die so genannten «Parallel Events», die zu jeder Ausgabe stattfinden, laden bestehende Kunst- und Kulturplattformen in Stadt und Region ein, an einem gemeinsamen Rahmenprogramm teilzunehmen.

Schauplatz der Manifesta 11 ist die Stadt Zürich als Herz einer dynamischen und sich verändernden Urbanität. Die Manifesta in Zürich ergänzt 2016 die Feier rund um das 100-jährige Dada-Jubiläum um eine zeitgenössische, internationale und visionäre Dimension. Die Manifesta soll untersuchen, wie heute in Zürich neue Publikumsgruppen für zeitgenössische Kunst und Kultur sensibilisiert und gewonnen werden können. Von einem ehemals agrarwirtschaftlich geprägten Land hat sich die Schweiz mit Zürich heute zu einem inter-

gelten darf. Mit dieser architektonischen Setzung soll zentrumsnah für die 100-tägige Dauer der Kunstbiennale ein neuer Ort geschaffen werden: Der Pavillon bietet Raum für Dialoge und Reflektion der für die Biennale entstandenen Kunstwerke und ist Treffpunkt der Akteure und Besucher. Er entsteht in Zusammenarbeit mit 30 ArchitekturstudentInnen der ETH Zürich unter der Leitung des Studio Tom Emerson. Entworfen und realisiert wird er in einem kollektiven Prozess von den Studierenden selbst.

Christian Jankowski, Curator of Manifesta 11, © Livio Baumgartner

Architectural Model Pavillon of Reflections © ETH Studio Emerson

Helmaus, © FBM Studio, Zurich

nationalen Finanz- und Dienstleistungszentrum entwickelt. Kaum eine Stadt ist so geprägt von ihren beruflichen wie geschäftlichen Aktivitäten, wie das historisch durch den Protestantismus geprägte Zürich. Inwiefern sind Berufe prägend für die eigene Identität? Welchen Stand hat der eigene Beruf in der heutigen Gesellschaft und Kultur?

Der Pavillon of Reflections Zentrale Präsentationsplattform der Ausstellung wird auf dem Zürichsee in der Nähe des Bellevues der «Pavillon of Reflections» erbaut – eine schwimmende Insel mit Openair-Kino sowie integrierter Badeanstalt, die zugleich als ein neues temporäres Wahrzeichen der Stadt

Architectural Model Pavillon of Reflections © ETH Studio Emerson


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Dadaglobe Reconstructed bis 1.5.2016

Zürich | Kunsthaus

Francis Picabia – Eine Retrospektive 3.6. – 25.9.2016 Zunächst stolpert man über den Namen «Picabia»: ist hiermit vielleicht nicht doch Picasso gemeint? In der Tat waren sie beide Maler, gehörten derselben Generation an, wirkten in Paris und zählen heute zu den einflussreichsten Künstlern des 20. Jahrhunderts. Während Picasso aber Weltruhm erlangte, ist Picabia (1879–1953) beim breiten Publikum weitgehend ein Geheimtipp geblieben. «Unser Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann.» (1922): Dieser Aphorismus von Picabia kennzeichnet die Komplexität seines künstlerischen Werkes. Obwohl er der Technik der Malerei treu blieb, hat er wie kein anderer seinen Stil gewechselt, und war in so unterschiedlichen Feldern wie Dichtung, Ausstellungsorganisation, Herausgeberschaft und Mäzenatentum tätig. Finanziell unabhängig, besuchte Picabia ab dem 17. Lebensjahr die École des Arts décoratifs in Paris, und übte sich zunächst im impressionistischen Malstil. Obschon er in diesem Stil schnell finanziellen Erfolg genoss, wurde ihm dieser bald zu dekorativ. Die Anregung, neue künstlerische Wege zu suchen, gab ihm seine erste Frau Gabrielle Buffet, mit der Picabia von 1909 bis 1922 zusammen war und vier Kinder haben sollte. Nach dem 1. Weltkrieg kehrte Picabia von New York nach Europa zurück und gründete im Januar 1917 in Barcelona die dadaistische Zeitschrift 391, die bis zu ihrer Einstellung 1924 neunzehnmal erscheinen sollte. Picabia war bei der Geburt von Dada am 5. Februar 1916 zwar nicht in Zürich, sollte durch die enge Freundschaft mit seinem Mitbegründer Tristan Tzara aber bald zu einem seiner Vertreter und wichtigen finanziellen Förderer werden. Wegen interner Quälereien trennte sich Picabia 1921 offiziell von der Dada-Gruppe, und damit platze auch das ehrgeizige Buchprojekt Dadaglobe von Tristan Tzara, welches anlässlich des hundertjährigen Jubiläums 2016 am Kunsthaus Zürich als Publikation rekonstruiert worden ist und im Rahmen einer Ausstellung bewundert werden kann.

«Dadaglobe» versammelt die über zweihundert Kunstwerke und Texte, welche Tristan Tzara 1921 von Künstlern aus ganz Europa zugeschickt worden sind. Dieses epochale, aber bisher nie publizierte Buchprojekt findet im 100. Jubiläumsjahr von Dada endlich seine Verwirklichung: Indem die weltweit verstreuten Beiträge in langjähriger Recherchearbeit Raoul Hausmann, Section de merde... allemande, 1921, wieder zusammengetragen worden Silbergelatineabzug auf Postkartenkarton, 14 x 9 cm, sind, bildet diese Ausstellung einen Berlinische Galerie, Berlin © Meilenstein der jüngsten Dada-For- VG Bild_Kunst, Bonn 2016 schung. Konkret umfasst die Präsentation Selbstporträts, Fotomontagen und Collagen, Zeichnungen, Buchseitenentwürfe, Gedichte und Essays, daneben Manuskripte, Drucksachen und Aufschluss gebende historische Dokumente. «Dadaglobe» stellt eine beeindruckende Rundumschau über die künstlerische Vielfalt, die gesellschaftspolitische Relevanz und die kunsthistorische Schlagkraft von Dada dar. Mit Beiträgen von Hans Arp, André Breton, Max Ernst, Hannah Höch, Sophie Taeuber-Arp und rund 30 weiteren Künstlerinnen und Künstlern. Kunsthaus Zürich | www.kunsthaus.ch

Targets – Fotografien von Herlinde Koelbl 22.4. – 18.9.2016

Francis Picabia, Udnie (Jeune fille américaine; Danse), 1913 | Öl auf Leinwand, 290 x 300 cm | Centre Georges Pompidou/Musée National d‘Art Moderne, Paris, © VG Bild_Kunst, Bonn 2016

Weitere wichtige, unverkennbare Stilexperimente in Picabias Werk sollten in den 1920er Jahren bis zu seinem Lebensende 1953 folgen: Die «Monsters» als Kommentar auf einen hedonistisch berauschendes Lebenswandel der 1920er Jahre; die filigranen «Transparences» der frühen 1930er; die süsslich-provokativen, aber nicht unumstrittenen «Pin-Ups» der 1940er; und schliesslich die so genannten «Punkte», welche Picabias Obsession mit der Pastosität von Ölfarben und sein Dilemma gegenüber dem figurativen Bildmotiv offenbaren. Picabia war ein unermüdlicher Neuerfinder seiner Selbst, oszillierte zwischen künstlerischer Agonie und Euphorie – die Vielfalt und das Changieren seiner Identität lassen seine Aktualität im heutigen Zeitalter schwindelerregender Veränderungen mehr denn je zuvor spüren: «Ich habe nie für mich geschrieben, ich habe nie für mich gemalt, ich habe nie etwas für mich gemacht; meine Bücher sind Abenteuer, meine Bilder auch.» Die Retrospektive erkundet den Spannungsbogen von Picabias provokativer Karriere und vielfältigem Werk. Sie wird von Cathérine Hug, Kuratorin am Kunsthaus Zürich, und Anne Umland, Kuratorin am MoMA in New York, gemeinsam kuratiert.

ADRESSE Kunsthaus Zürich Heimplatz 1 8001 Zürich Tel. +41 44 253 84 84 www.kunsthaus.ch info@kunsthaus.ch ÖFFNUNGSZEITEN Sa, So, Di 10 – 18 Uhr Mi, Do 10 – 20 Uhr Ostern 25.-8.3., Auffahrt 5.5., Pfingsten 14.-16.5.: 10 – 18 Uhr EINTRITTSPREISE Normalpreis CHF 22 reduziert und Gruppen CHF 17 bis 16 Jahre kostenfrei ÖFFENTLICHE FÜHRUNGEN Mi 18 Uhr, So 11 Uhr. Private Führungen können auf Anfrage vereinbart werden.

Francis Picabia, Tableau Rastadada, 1920 | Collage und Tinte auf Papier, 19 x 17,1 cm | The Museum of Modern Art, New York, © VG Bild_Kunst, Bonn 2016

VORVERKAUF SBB RailAway-Kombi. Ermässigung auf Anreise und Eintritt: am Bahnhof oder beim Rail Service 0900 300 300 (CHF 1.19/Min. ab Festnetz), www.sbb.ch/ kunsthaus-zuerich. Zürich Tourismus: Hotelzimmer-Buchung und Ticketverkauf, Tourist Service im Hauptbahnhof, Tel. +41 44 215 40 00, information@zuerich.com, www.zuerich.com

Wie sieht der Feind aus? Herlinde Koelbl zeigt im Projekt „Targets“, mit welchen Bildern zielen und treffen, schiessen und töten systematisch eingeübt wird. Die herausragende deutsche Fotokünstlerin hat während sechs Jahren Militärschiessziele in über 30 Ländern aufgenommen. Entstanden sind FotoHerlinde Koelbl, Targets – grafien zerfetzter menschlicher SilhouLibanon etten aus Karton oder zerschossener Blechfiguren in einem Acker. Ergänzt durch Soldaten-Porträts sowie Video- und Soundinstallationen sind diese Bilder erstmals in der Schweiz zu sehen. Die Ausstellung ist ein Parallel-Event zur Manifesta 11. Museum für Gestaltung | www.museum-gestaltung.ch

Tanzhaus Zürich Im Tanzhaus Zürich entsteht seit 1996 das Neuste vom Neuen in Sachen Tanz. Das Tanzhaus ist eine Produktions- und Kreationsstätte für Tanz und Performance und in erster Linie die künstlerische Heimat für die im Kanton Zürich lebenden Tanzschaffenden (Tänzerinnen und Tänzer, Choreografinnen und Choreografen, Tanzpädagoginnen und -pädagogen). Als Ort der künstlerischen Produktion und Recherche, der Weiterbildung, der Information und Beratung, des Diskurses und der Vernetzung, der Vermittlung und Präsentation, hat das Tanzhaus Zürich eine einmalige zentrale Bedeutung für das Tanz-, Choreografie- und Performance-Schaffen der Schweiz. Das Tanzhaus bietet professionellen Tänzerinnen und Tänzern Räume für das persönliche Training und für das Erarbeiten ihrer Produktionen. Es bietet Weiterbildungen in Form von Profitraining, Workshops für Tanzschaffende sowie Tanzkurse für Kinder und Vermittlungsprogramme für ein breites Publikum. Des Weiteren ermöglicht es interessierten Besuchern Einblicke in verschiedene Stufen künstlerischer Schaffensprozesse. Besonders am Herzen liegt dem Tanzhaus der Nachwuchs und das junge Publikum. Das Projekt Tanzhaus young bringt jährlich ein paar Tausend Kindern und Jugendlichen den zeitgenössischen Tanz näher – sei es mittels Tanzkursen oder durch nationale und internationale Tanzstücke. Als wichtiger Partner und Veranstaltungsort von Festivals wie zürich moves! oder ZÜRICH TANZT ist das Tanzhaus zudem Treffpunkt für internationale und nationale Künstler sowie tanzbegeistertes Publikum. www.tanzhaus-zuerich.ch


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Alkersum

Bad Arolsen

Empty Rooms Die Schönheit der Leere

Janusz Siewierski Jugendliche

28.2. – 16.6.2016

20.3. – 30.12.2016

Welche Emotionen, Erinnerungen und Erfahrungen kann ein leerer, stiller Raum bei der Betrachtung hervorrufen? Ein Wohnraum oder ein Zimmer kann ein Ort sein, der Zeugnis davon ablegt, wie Menschen in ihm gelebt haben. Er erscheint als verlassener Raum, der auf poetische oder Trine Søndergaard (*1972) | Interior #4, verwunschene, oftmals auch 2010 | Photograph, pigment print on Dibond | Courtesy Martin Asbæk Gallery, auf unbewusste Weise den Be- Copenhagen trachter gefangen nimmt und in ihm eine Rückbesinnung auf Selbsterlebtes auslösen. Auch ein verlassenes, vor dem Umbau begriffenes Theater vermag eine melancholische Stimmung hervorzurufen.

Zu Interventionen im Christian Daniel Rauch-Museum werden zeitgenössische Künstler verschiedener Kunstgattungen eingeladen. In diesem Jahr stellt der Bildhauer Janusz Siewierski unter dem Thema Jugend seine Werke überwiegend aus Bronze einzeln und in Gruppen aus und eröffnet neue Einsichten zu den im Museum präsentierten Werken des Klassizismus. Die Prämisse des Gewinns von Erkenntnissen und der Erwei- Siewierski 7743 Retusche RGB terung ästhetischer Erfahrungen ist auch seiner Intervention zu Eigen. Der Skulpturenbestand des Christian Daniel RauchMuseums ist in exemplarischer aber vor allem konzentrierter Weise ein Hort der künstlerischen Auseinandersetzungen mit dem Stil des Klassizismus. Rückgriffe und Verwandlungen antiker Ideen können in den Skulpturen und Reliefs anschaulich werden. Das Museum präsentiert mit Werken des in Arolsen geborenen Bildhauers Christian Daniel Rauch sowie der Künstlerkollegen der Goethezeit die Entwicklung der deutschen und internationalen Skulptur im 19. Jahrhundert.

In der Ausstellung präsentieren elf internationale zeitgenössische Künstler/Innen ihre individuelle Auseinandersetzung mit dem vielschichtigen Phänomen. Die Fotograf/Innen Nicole Ahland, André Lützen, Trine Søndergaard und Thomas Wrede sowie die Malerin Julia Rothmund geben ungewöhnlichen, vorgefundenen menschenleeren Räumen Bildwürde, spielen mit Licht und Schatten und suchen nach Spuren einstiger Benutzung. Alastair Mackie und Charles Matton gestalten und inszenieren mit ihren Objekten hingegen neue Räumlichkeiten, die geradezu wie „Guckkästen“ anmuten, beleuchtet sind oder befremdlich anmuten. Die Reflexion über Zeit und Licht im Raum, die allen Arbeiten zugrunde liegt, steht auch im Fokus der Videoinstallationen von Lauri Astala, Astrid Kruse Jensen, Martijn Veldhoen und Bill Viola.

Janusz Siewierski (1957) studierte an den Kunstakademien in Warschau und Kassel. Der Bildhauer lebt und arbeitet in Kassel.

Jackson Pollock, Mural, 1943, Öl und Kasein auf Leinwand, 243,9 x 603,9 cm Geschenk von Peggy Guggenheim, 1959, The University of IOWA Museum of Art, IOWA City, reproduziert mit der Genehmigung durch The University of IOWA Museum of Art   ©Pollock-Krasner Foundation/ VG Bild-Kunst,Bonn 2015

Berlin

Jackson Pollock’s Mural: Energy Made Visible 25.11. - 10.4.2016 Die vom University of Iowa Museum of Art organisierte Ausstellung stellt Jackson Pollocks “Mural” (1943, University of Iowa Museum of Art, Iowa City) in den Mittelpunkt. Dieses epochale Meisterwerk wurde 2012 im Getty Conservation Institute, Los Angeles, restauriert und gereinigt. 1943 von Peggy Guggenheim für ihr New Yorker Townhouse in Auftrag gegeben, bereitete “Mural” mit seinem Wagemut und einem neuem Gefühl für Größe auch den Weg für den Abstrakten Expressionismus. Zugleich nahm es Pollocks klassische, ‚geschüttete‘ Abstraktionen vorweg, mit denen der Künstler vier Jahre später begann. “Mural” ist das größte Gemälde, das Pollock je gemalt hat. Es hat einen ungeheuren Einfluss auf die amerikanische Kunst, der bis heute anhält. Die KunstHalle zeigt neben Arbeiten von Jackson Pollock Werke von Lee Krasner, Robert Motherwell, Moholy-Nagy, David Smith u.v.m. Die Ausstellung war bereits in Venedig,Peggy Guggenheim Collection, zu sehen und reist 2016 ins Museo Picasso, Málaga.

Museum Kunst der Westküste www.mkdw.de

Christian Daniel Rauch-Museum Museum Bad Arolsen und Museumsverein www.museum-bad-arolsen.de ÖFFNUNGSZEITEN: Mi – Sa 14-17 Uhr, So 11-17 Uhr | Information 05691 / 625734

Bietigheim-Bissingen

Düsseldorf

Isny

Wunder der sofortigen Schönheit | Cornelius Völker

Frauke Dannert Collage

Armin Göhringer Stammbaum

23.1.-28.3.2016

25.3. – 3.7.2016

20.3. – 19.6.2016

Der Düsseldorfer Maler Cornelius Völker (*1965) ist für seine großformatigen, farbenprächtigen Gemälde bekannt. Die Ausstellung rückt nun seine bisher kaum gezeigte Malerei auf Papier in den Fokus. In seinen Aquarellen und Ölarbeiten nimmt der Künstler ganz gewöhnliche Dinge in den Blick: Austern, Sprotten, Himbeeren, Oliven oder Arrangements von Flaschen und Büchern, von Hausmüll und Cornelius Völker, Flaschen, 2014 achtlos hingeworfenen Klei- Foto: Christoph Münstermann, Düsseldorf dungsstücken. Neben diesen © VG Bild-Kunst, Bonn 2016 Motiven alltäglicher Gegenstände gibt es eine zweite Werkgruppe, die Menschen bei verschiedenen Tätigkeiten zeigt: Männer und Frauen liegen, stehen, sitzen in eigentümlichen, zunächst bizarr wirkenden und doch alltäglichen Situationen, die jeder kennt. All diese Blätter sind farbgewaltig, aber auch fein und zart, irritierend banal, zugleich visuell höchst anziehend – und zeugen teils von subtilem Witz. Bei einigen der vermeintlich beiläufigen Motive wird auf den zweiten Blick die kenntnisreiche Auseinandersetzung Cornelius Völkers mit der Kunstgeschichte deutlich und verleiht ihnen einen zusätzlichen Reiz. Waren diese Werke früher nicht für die Öffentlichkeit bestimmt, öffnete Cornelius Völker für die Ausstellung, die in Kooperation mit der Kunsthalle Emden entstand, nun seine Grafikschränke. Neben rund 180 Arbeiten auf Papier ermöglicht die Gegenüberstellung mit einigen Gemälden einen spannenden Vergleich der Motive und Techniken.

Frauke Dannert, die 1979 in Herdecke geboren wurde, studierte an der Düsseldorfer Kunstakademie und am Goldsmiths College in London ein Postgraduiertenstudium. Ihr Schaffen hat sie völlig der Technik der Collage verschrieben. Es geht ihr dabei nicht darum, Geschichten zu erzählen, sondern unter Rückgriff auf die Architektur neue Formen zu erfinden. Für ihre Collagen verwendet Frauke Dannert, Serpentine II, 2011, sie Abbildungen aus Print- Collage auf Papier, 47,7 x 33 cm, Leihgamedien oder eigene Architek- be Gabrielle Ammann, Köln | Foto: Ben Hermanni, Lemgo, © Frauke Dannert turfotografien, die auf dem Kopierer zunächst in Schwarzweiß vervielfältigt, dann zerschnitten und auf einem neutralen Bildträger – auch hierbei handelt es sich häufig um Fundstücke – neu zusammengesetzt werden. Auch in Zeiten digitaler Bildproduktion wählt Dannert bewusst haptische Materialien und eine Herstellungsweise, die nach wie vor die Hand und den direkten Umgang mit Papier, Klebstoff und Fotografie erfordert. In ihren raumbezogenen Arbeiten überlagert sie vorhandene Architektur häufig mit Projektionen.

Der Holzbildhauer Armin Göhringer zeigt eine Auswahl seiner Arbeiten in der Städtischen Galerie im Schloss Isny. Die Werkschau „Stammbaum“ ist vom 20. März bis 19. Juni 2016 zu sehen. Armin Göhringer arbeitet mit Holz. Als Handwerkszeug dienen ihm die Kettensäge und ein Brenner. Ergebnis seiner Arbeit sind Holzskulpturen, die beim Betrachter immer wieder Erstaunen hervorrufen und armin goehringer, isny, ohne titel, holz zum Nachdenken anregen. geschwärzt 2015 Die Skulpturen wachsen aus Blöcken, stehen auf massiven Eisenquadern und demonstrieren dabei Leichtigkeit ebenso wie Bodenhaftung. Sie sind ein Zusammenspiel aus Lasten und Tragen, Stehen und Fallen und einem genau bemessenen Gleichgewicht der Massen. Seine Arbeiten reizen Hub- und Schubkräfte aus und scheinen die Schwerkraft außer Kraft zu setzen. Kuben und Quader kippen und drängen gegeneinander. Die Verbindungsstränge, Geflechte und Gitter sind teilweise nur fingerdick. Halt gibt dem Konstrukt das präzise ausgefeilte Spiel der gegenläufigen Spannungen. Armin Göhringer spricht mit seinen Arbeiten prinzipielle Lebens- und Daseinsformen an. Er trennt dabei nicht zwischen Werk und Künstler, vielmehr spiegelt das Kunstwerk den Künstler als Person wider. Die Ausstellung wird vom Büro für Kultur der Isny Marketing GmbH in Zusammenarbeit mit den BEGE Galerien Ulm realisiert.

Städtische Galerie Bietigheim-Bissingen www.galerie.bietigheim-bissingen.de ÖFFNUNGSZEITEN: Di, Mi, Fr 14 – 18 Uhr, Do 14 – 20 Uhr Sa, So, Karfreitag bis Ostermontag 11–18 Uhr

Museum Kunstpalast zeigt erstmals einen Überblick über verschiedene Werkphasen der Künstlerin. Die Ausstellung ist eine Kooperation mit dem Kunstmuseum Luzern. Museum Kunstpalast, Düsseldorf www.smkp.de ÖFFNUNGSZEITEN: Di – So 11 – 18 Uhr, Do 11 – 21 Uhr. Mo. geschlossen

Information: Deutsche Bank Kunsthalle www.deutsche-bank-kunsthalle.com ÖFFNUNGSZEITEN: täglich 10 – 20 Uhr

Städtische Galerie im Schloss Schloss 1, 88316 Isny im Allgäu www.isny.de ÖFFNUNGSZEITEN: Mi – Fr 14 –18 Uhr, Sa, So, Feiertage 11–18 Uhr, Mo und Di geschlossen


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Remagen

Barbara Hepworth und die moderne Skulptur 22.5. – 28.8.2016 Ein Ausstellungshighlight stellt die groß angelegte Retrospektive »Barbara Hepworth. Sculpture for a modern World« (22.05. – 28.08.2016) dar, die das Arp Museum in Kooperation mit der Tate Britain, London/ England, und dem Kröller-Müller-Museum, Otterlo/ Niederlande, erarbeitet hat. Die Ausstellung präsentiert die künstlerische Entwicklung der britischen Bildhauerin von den 1920er Jahren bis zu ihrem Spätwerk. Gezeigt werden Skulpturen aus Holz, Marmor und Bronze ebenso wie Gemälde, Zeichnungen, Fotografien und Fotomontagen. Außerdem gewährt die Ausstellung anhand von Dokumentarfotografien und Filmmaterial einen Einblick in ihre Atelierarbeit und die künstlerischen Einflüsse. So lernte Hepworth 1933 auf einer FrankreichReise mit ihrem späteren Ehemann, dem Maler Ben Nichols, neben anderen international bekannten Künstlern auch Sophie Taeuber-Arp sowie die Werke von Hans Arp kennen. Wie dieser ließ sich auch Barbara Hepworth von der Natur zu neuen, modernen Formfindungen inspirieren. In Fotocollagen visualisierte sie später auch die Präsentation ihrer Skulpturen im Zusammenhang mit moderner Architektur, etwa einem von Marcel Breuer mit gestalteten Apartmenthaus in Zürich. Die Präsentation der Ausstellung im Neubau des Arp Museums von Richard Meier, der seinen Stil an den modernen Bauten von Le Corbusier schulte, lässt diese Vision der Künstlerin real werden.

dem internationalem Erfolg arbeitete sie auch mit Bronze, da sich die Skulpturen besser vervielfältigen, transportieren oder an öffentlichen Plätzen aufstellen ließen. Sehr wichtig war der Bildhauerin die mediale Präsentation ihres künstlerischen Werkes. Daher arbeitete sie sehr früh mit professionellen Fotografen später sogar mit Filmemachern zusammen. Auch griff sie selbst zur Kamera, um die Darstellungsmöglichkeiten ihrer dreidimensionalen Arbeiten in zweidimensionalen Fotografien auszuloten.

Hans Arp, untitled, ca. 1915-16, The Hilla von Rebay Foundation, on extended loan to the Solomon R. Guggenheim Museum, New York, © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

Remagen

100 Jahre Dada: Die Neuerfindung der Kunst. Das Arp Museum zum großen Dada-Jubiläum | 14.2. – 10.7.2016 oben: Barbara Hepworth, Pelagos, 1946 Tate Britain, © Bowness unten: Barbara Hepworth in the Palais de la Danse studio, St Ives, at work on the wood carving Hollow Form with White Interior 1963 Photograph: Val Wilmer, © Bowness

Auf der Suche nach neuen unmittelbaren Ausdrucksformen in der Skulptur war Barbara Hepworth neben ihrem Künstlerfreund Henry Moore zu einer führenden Vertreterin des »Direct Carving« (Direktes Schneiden) geworden. Das heißt, sie arbeitete ohne Modell und Vorzeichnung direkt mit dem Werkstück aus Holz oder Stein. Ihre Themen waren mal figurativ – wie Tiere oder Mutter mit Kind, mal vollkommen abstrakt. Sie war fasziniert vom Material Holz und schuf Mitte der 1950er Jahre die sogenannte „Guarea“-Serie aus dem gleichnamigen tropischen Hartholz, dessen Lieferung von einer afrikanischen Plantage ein Freund organisierte. Die enorme Größe der Stämme ermöglichte ihr die Gestaltung eines komplexen Inneren ihrer Skulpturen, das Sie dazu noch mit Farbe und gespannten Schnüren versah. Mit zunehmen-

Dada wollte Kunst jenseits aller Grenzen, Dada wollte den Niedergang aller bestehenden Werte. In ideeller Verbundenheit mit seinem Namenspatron Hans Arp, einem der maßgeblichen Dada-Mitbegründer, stellt das Arp Museum Bahnhof Rolandseck die legendäre Kunstbewegung in den Mittelpunkt zahlreicher Aktivitäten im nächsten Jahr. 2016 im Zeichen des 100jährigen Dada-Jubiläums: Einen wichtigen Beitrag zum europaweit gefeierten Dada-Jahr stellt die große Ausstellung »Genese Dada. 100 Jahre Dada Zürich« (14. Februar bis 10. Juli 2016) im Arp Museum Bahnhof Rolandseck dar, die in Kooperation mit Adrian Notz, dem Direktor des Cabaret Voltaire in Zürich erarbeitet wurde. Am 5. Februar 1916 von Hugo Ball, Emmy Hennings, Marcel Janco, Tristan Tzara und Hans Arp im »Cabaret Voltaire« in Zürich gegründet, ist Dada eine der progressivsten Kunstbewegungen des 20. Jahrhunderts. Anlässlich des Jubiläums erweckt das Arp Museum Bahnhof Rolandseck die bedeutenden Geburtsorte Dadas wieder zum Leben: die legendäre Künstlerkneipe »Cabaret Voltaire« und die eher bürgerlich orientierte »Galerie Dada«. Revolution der Künstler: Ausgehend von diesen beiden Polen revolutionierten die Dadaisten innerhalb kürzester Zeit die internationale Kunstwelt. Neben ihren eigenen Arbeiten präsentierten sie in der Galerie Dada Werke von namhaften Avantgarde- Künstlern. In der Ausstellung werden dazu Werke aus dem engeren Kreis der Zürcher Dadaisten (Hans Arp, Hans Richter, Marcel Janco u.a.), ihrem künstlerischen Umfeld (Arthur Segal, Max Oppenheimer, Adya und Otto van Rees u.a.) sowie Gemälde und grafische Arbeiten von Künstlerinnen und Künstlern der internationa-

Barbara Hepworth, Photo-collage with Helicoids in Sphere in the entrance hall of flats designed by Alfred and Emil Roth and Marcel Breuer at Doldertal, Zurich 1939 Photograph, gelatin silver prints on paper Private collection © The Hepworth Photograph Collection

ADRESSE Arp Museum Bahnhof Rolandseck Hans-Arp-Allee 1 | 53424 Remagen Tel.: 002228/94 25-0 (-63 zur Anmeldung von Führungen) Fax: 02228/94 25-21 E-Mail: info@arpmuseum.org

oben: Hans Arp, Tristan Tzara, Hans Richter vor dem Hotel Elite, Zürich 1918 | Stiftung Arp e.V. Rolandswerth/Berlin, unbekannter Fotograf links: Hans Arp, Configuration, Portrait de Tristan Tzara, 1916, Musée d’art et d’Histoire, Ville de Genève, Foto: Bettina Jacot-Descombes, © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

len Avantgarde wie Heinrich Campendonk, Giorgio de Chirico, August Macke, Elie Nadelman, Pablo Picasso, Paul Klee und Hilla van Rebay präsentiert. Als Leihgeber konnten hierzu renommierte Sammlungen wie das Guggenheim Museum, das Museum of Modern Art, New York, das Kunsthaus Zürich, das Folkwang Museum, Essen, u. a. gewonnen werden. Das vollständige Programm finden Sie unter: www.arpmuseum.org

ÖFFNUNGSZEITEN Di – So und an Feiertagen 11 – 18 Uhr EINTRITTSPREISE Normalpreis EUR 9 ermäßigt EUR 7 Nur Bahnhof Rolandseck EUR 4

Nur Bahnhof Rolandseck, ermäßigt EUR 2 Familienkarte EUR12 Kinder bis 12 Jahre: frei Kombiticket Arp Museum und Friedensmuseum »Brücke von Remagen« EUR 9


30 | Kunsttipps

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Kassel

Münster

Oberhausen

Schöner Schein!

Homosexualität_en

AMERICAN POP ART

Luxustapeten des Historismus von Paul Balin Sonderausstellung des Deutschen Tapetenmuseums in der Neuen Galerie 29.4. – 24.7.2016

13.5. – 4.9.2016

Meisterwerke massenhaft von Robert Rauschenberg bis Andy Warhol aus der Sammlung Heinz Beck | 24.1. – 16.5.2016

Der Pariser Tapetenfabrikant Paul-Marie Balin (1832-1898) gehört unbestritten zu den herausragenden Herstellern von Stil- und Materialimitationen seiner Zeit. Einen fulminanten Erfolg feierte er auf der Wiener Weltausstellung von 1873, die ihn schlagartig zu einem international begehrten Lieferanten solcher Luxusprodukte machte. Dank seines Einfallsreichtums gelang es ihm, Papier Detail einer Papiertapete mit scheinbar in Kacheln, Seide, Leder oder Imitation einer Iznik-Keramik, um 1870, handgedruckt, Brokatsamt zu verwandeln und die ma- geprägt, Manufaktur Paul Paris | MHK, Deutsches terielle Illusion damit zu perfektionie- Balin, Tapetenmuseum ren. Die hohe Qualität der Ausführung und der Muster seiner Luxusprodukte garantierte Balin sowohl durch unermüdliche Experimente als auch durch sorgfältigste Auswahl seiner Inspirationsquellen. Trotz der prominenten Stellung Paul Balins in der Tapetengeschichte und bedeutender Sammlungsbestände in international renommierten Museen, wurden ihm bislang weder eine Ausstellung noch monographische Bearbeitung gewidmet. Diese werden nun erstmals durch das Deutsche Tapetenmuseum in Kassel in die Tat umgesetzt. Sein reichhaltiger Bestand an Balin-Tapeten wird dabei mit hochkarätigen Leihgaben, etwa aus Paris, London und Wien, ergänzt und in neue Kontexte gesetzt. Durch das Zusammenspiel fantastischer Objekte – die neben Balin’schen Produkten auch Höchstleistungen an Panoramatapeten, historischen Textilien und Goldledertapeten, Möbeln, Skulptur, Malerei und wertvolle Bestände an Graphiken und Musterbüchern umfassen – wird der Besucher in die kunstgewerbliche Ästhetik eines inszenierten Weltausstellungsambientes entführt.

Homosexualität gehört wie alternative Geschlechter­ identitäten immer noch zu den großen Tabuthemen. Die umfassende Darstellung dieses brisanten und selbst in aufgeklärten Gesellschaften kontrovers diskutierten Themas begreift Homosexualität nicht als Minderheitenproblem, dessen gesellschaftliche Nische es zu untersuchen und zu bestaunen gilt, sonAdvertisement: Homage to Benglis, dern vielmehr als integralen part of the larger body of work CUTS: A Diskurs einer Gesellschaft. Traditional Sculpture, 2011 A six month durational performance Das LWL-Museum für Kunst Image courtesy of Heather Cassils and Ronald Feldman Fine Arts und Kultur möchte mit der © Heather Cassils and Robin Black 2011 Ausstellung dazu beitragen, Vorurteile abzubauen, und sowohl ein breites Publikum als auch die „LGBITQ“ Community (LGBITQ steht für „lesbian, gay, bi, inter, trans, queer“) ansprechen. Eine Fülle an historischen, kulturgeschichtlichen und künstlerischen Exponaten veranschaulicht die Geschichte und Gegenwart der queeren Emanzipationsbewegungen. Die Ausstellung ist eine Kooperation zwischen dem LWL-Museum für Kunst und Kultur, dem Schwulen Museum*, Berlin, und dem Deutschen Historischen Museum, Berlin. Gemeinsam gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes und die Kulturstiftung der Länder. LWL-Museum für Kunst und Kultur Domplatz 10,48143 Münster www.lwl-museum-kunst-kultur.de

LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen Konrad-Adenauer-Allee 46, 46049 Oberhausen www.ludwiggalerie.de ÖFFNUNGSZEITEN: Dienstag bis Sonntag 11–18 Uhr, Montag geschlossen, Ostermontag geöffnet

Neue Galerie | Schöne Aussicht 1, 34117 Kassel www.museum-kassel.de ÖFFNUNGSZEITEN: Di–So und feiertags 10–17 Uhr, Do 10- 20 Uhr, Mo geschlossen

Quedlinburg

»WALDSTAUB. Pastelle von Wieland Payer« und »LICHTFELD. Fotografien von Hiroyuki Masuyama« 19.3. - 30.5.2016 Im Mittelpunkt der Ausstellungen steht der besondere Umgang beider Künstler mit dem Thema Landschaft. Wieland Payer (*1981) greift dabei auf die längst vergessen geglaubte Technik der Pastellmalerei zurück. Die Kreiden bilden eine eigene AusdrucksWieland Payer, Gipfel, 2015, Pastell auf sphäre durch die Anmutung MDF, d 120 cm, Foto: Herbert Boswank des Hellen und Leichten, das durch die empfindliche Oberflächenstruktur des Farbstaubs noch gesteigert wird. Payer verunsichert jedoch diese Konstanten einer sanften, eher zu intimen Bildern aufrufenden Technik. Zum einen entfaltet er strukturell angelegte Kompositionen, in denen sich die Blickpunkte und Perspektiven überlagern und zu fantastischen Motiven umschlagen. Zum anderen lassen die Großformate alles Salonhafte hinter sich und schlagen zu Demonstrationen einer medialen Entgrenzung um. Die komplexe Einheit von Technik, Bildform und Motiv basiert auf Reflexionen kunsthistorischer Vorgängerleistungen und führt in erfundene »Gegenden« von rein konzeptioneller Provenienz. Hiroyuki Masuyama (*1968) bezieht sich auf Hauptwerke der Kunstgeschichte, etwa wenn er die Orte, die J.M.W. Turner oder C.D. Friedrich zu Motiven ihrer Bilder gemacht hatten, erneut aufsuchte, um diese zu fotografieren und zu einem neuen »alten« Kunstwerk zu kompilieren. Die auf diese Art verschmolzenen Zeitebenen von zwei Jahrhunderten, verdeutlichen einmal mehr: Kunst hat immer nur eine Gegenwart. Es ist die, in der das Denken über sie stattfindet. Quedlinburg, Lyonel-Feininger-Galerie | Schlossberg 11, 06484 Quedlinburg | www.feininger-galerie.de ÖFFNUNGSZEITEN: April bis Oktober Mi-Mo, feiertags 10 – 18 Uhr, November bis März Mi-Mo 10 – 17 Uhr

Mit dem Aufkommen der Pop Art in Amerika werden nicht nur Motive des Alltags wie Comics, Fahnen oder Suppendosen kunstwürdig. Auch die Frage des Originals und Geniekultes wird – ganz im Sinne der Nachfolge von Marcel Duchamp – diskutiert und führt unter anderem dazu, Tom Wesselmann, Foot, 1968 © The Esdass Künstler beginnen, ihre tate of Tom Wesselmann/VG Bild-Kunst, Bonn 2015 Siebdrucke, aber auch Objekte als ars multiple, als Meisterwerke massenhaft, aufzulegen. Kunst für alle ist die Devise, die zu einer eigenen Ausprägung und zu eigenwilligen Formen führt. Das Wilhelm-Hack-Museum in Ludwigshafen beherbergt mit der Sammlung des Düsseldorfer Rechtsanwaltes Heinz Beck ein großartiges Konvolut an Werken der 1960er und 70er Jahre. Die besondere Ausprägung dieser Sammlung liegt in Becks Vorliebe für Auflagen und Multiples, die genau den Wunsch der damaligen Zeit nach einer demokratisierten Kunst beeindruckend widerspiegelt. Erstmals zeigt die LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen eine Auswahl der amerikanischen Pop Art, die das besondere Vorgehen, nicht nur einer zentralen Figur wie Andy Warhol, verdeutlicht. Editionen wie 7 in a box von 1966 oder ten from leo castelli von 1967/68 geben Einblicke in Künstlerfreundschaften und Kunstmarktverhalten. Ab dem 24. Mai 2016 zeigt die LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen die Ausstellung REGINA RELANG, Inszenierte Eleganz, Reportage- und Modefotografie von 1930 bis 1970 (bis 18. September 2016)

Völklingen/Saarbrücken

Völklingen/Saarbrücken

Buddha

Schädel – Ikone. Mythos. Kult.

25.6.2016 – 19.2.2017

bis 16.5.2016

Ab Samstag, dem 25. Juni 2016, präsentiert das Weltkulturerbe Völklinger Hütte die Großausstellung „Buddha“. Die Ausstellung versammelt 220 hochkarätige Exponate aus 2.000 Jahren und lässt dieses zentrale Thema Asiens lebendig werden. Meisterwerke Buddha_GOLD_Presse buddhistischer Kunst aus Indien, China, Japan, Kambodscha, Thailand und vom Himalaja Nepal/Tibet entwerfen das Bild einer der ältesten Weltkulturen unserer Erde und das sie bestimmende Bildnis des Buddha. Für die Buddha-Ausstellung im Weltkulturerbe Völklinger Hütte öffnen die bedeutendsten Privatsammler rund um den Globus ihre Schatzkammern. Viele dieser Exponate werden zum ersten Mal öffentlich gezeigt. Die Objekte stammen ausschließlich aus Privatsammlungen und waren in diesem Umfang noch nie zu sehen.

Die Ausstellung „Schädel – Ikone. Mythos. Kult.“ im Weltkulturerbe Völklinger Hütte zeigt, wie Köpfe die Menschen durch die Jahrhunderte und in verschiedensten Regionen und Kulturen fasziniert haben und welchen Kult sie um den Schädel betrieben. Sie umfasst 250 spektakuläre Schädel und Köpfe aus allen Kulturkreisen von der Steinzeit und der Zeit des Alten Ägypten bis zur Gegenwart. „Schädel – Ikone. Mythos. Kult.“ erzählt die Kulturgeschichte des menschlichen Schädels vom Neandertaler bis zu Darth Vader und bietet so eine überraschende und faszinierende Perspektive auf 170.000 Jahre Menschheitsgeschichte, Gegenwart und Zukunft.

Im Zentrum der Buddha-Ausstellung stehen drei große epochale Ausstellungsthemen: die Entstehung der ersten Bilder des Buddha in der Gandhara-Zeit, die Entwicklung des Buddha-Bildnis von der Antike bis in die Neuzeit in Asien und die Weltanschauung des Buddhismus. Meditationsbilder laden die Besucher ein, sich in die mannigfache Bildwelt zu vertiefen. Zur Ausstellung „Buddha“ bietet das Weltkulturerbe Völklinger Hütte ein umfassendes Begleitprogramm. Weltkulturerbe Völklinger Hütte Rathausstraße 75-79, 66333 Völklingen www.voelklinger-huette.org ÖFFNUNGSZEITEN: Täglich 10 - 19 Uhr (Winter: 10 - 18 Uhr), geschlossen am 24., 25. und 31. Dezember Besucherservice: 06898/9100 100

Die Ausstellung erzählt spektakuläre Geschichten von Kopfjägern, von Voodoo-Zauber und der Verehrung von Schädelreliquien. Ein wichtiger Punkt ist der Aspekt des Memento Mori, die Ausstellung ist auch eine Auseinandersetzung mit dem (eigenen) Tod. Darüber hinaus bietet „Schädel – Ikone. Mythos. Kult.“ Einblicke in den Bereich der Medizin und zeigt, wie die Faszination des Schädels bis in die Alltagskultur hineinwirkt. Das Spektrum reicht bis zur Verwendung des Schädel-Motivs in der heutigen Pop- und Graffiti-Kultur. Weltkulturerbe Völklinger Hütte Rathausstraße 75-79, 66333 Völklingen ÖFFNUNGSZEITEN: Täglich 10 bis 19 Uhr (Winter: 10 bis 18 Uhr), geschlossen am 24., 25. und 31. Dezember Besucherservice: 06898/9100 100 www.voelklinger-huette.org


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Lindau | 31

© Auer Weber

Inselhalle Lindau Ort der Nobelpreisträger – Forum für Kommunikation

Stadtmuseum Lindau, Ausstellungsräume mit Besuchern © Christian Flemming

© Hari Pulko

Lindau im Bodensee

Picassos Rückkehr auf die Insel

Es ist ein Wissenschaftsevent der Extraklasse: Seit 1951 treffen sich alljährlich für eine Woche mehrere Dutzend Nobelpreisträger, zuletzt über 70, und gut 600 Nachwuchswissenschaftler aus bis zu 80 Ländern zu den Lindau Nobel Laureate Meetings. Unter dem Motto „Mission Education“ geht es um den interkulturellen und generationenübergreifende Wissensaustausch. Schauplatz der Nobelpreisträgertagung ist die Lindauer Inselhalle. Das Kongress- und Veranstaltungshaus wird derzeit komplett modernisiert und deutlich erweitert. Ab Mitte 2017 bietet die neue Inselhalle mehr Flexibilität denn je. www.lindau-nobel.org www.inselhalle-lindau.de

19.3. – 28.8.2016 Stadtmuseum Lindau

„Pablo Picasso reloaded“ heißt es für das Stadtmuseum Lindau im Jahr 2016. Zum zweiten Mal wird der Kurator Prof. Roland Doschka originale Arbeiten des Jahrhundertgenies auf die Insel im Bodensee holen. Der Anlass: Picasso würde in diesem Jahr 135 Jahre alt, während der Ausstellungsmacher selbst seinen 75. Geburtstag feiert. Schon allein aufgrund dieses doppelten Jubiläums hat sich der exzellente Picasso-Kenner Doschka mächtig ins Zeug gelegt, um allerlei Schätze, die bisher zum Teil in privaten Sammlungen schlummerten, nun der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Die großen Themen eines Genies Nachdem Doschkas erstes Lindauer Picasso-Projekt im Jahr 2011 dem zeichnerischen Werk des Künstlers gewidmet war, hat er sich diesmal für einen inhaltlichen Zugriff entschieden. „Picassos Passionen“ – so der Titel des Schau –, das sind die großen Themen des spanischen Malers, Grafikers, Bildhauers und Objektkünstlers, denen im Leben wie in der Kunst seine besondere Hingabe galt. Picassos Familie, seine Musen und Modelle, der Zirkus und der Stierkampf, die Kunst der alten Meister und die Skulptur durchziehen leitmotivisch sein gesamtes Schaffen. Sie stehen auch in der Ausstellung zentral. Im Mit- und Nebeneinander von Zeichnungen und Gemälden

sowie plastischen und druckgrafischen Arbeiten zeigen sich Picassos Virtuosität im Umgang mit den unterschiedlichsten Medien, seine Wandlungsfähigkeit und sein Erfindungsreichtum – kurzum: jene Einzigartigkeit, die Max Ernst am Kollegen so sehr bewunderte: „Picasso, gegen den kann doch niemand ankommen“ ...

Ein exzellenter Picasso-Kenner

Das klare Wasser des Bodensees vor der Kulisse der Alpenkette und die einzigartige Lage inmitten einer der attraktivsten europäischen Kulturlandschaften verleihen Lindau ein besonderes Flair. Wie die Brücke Festland und Insel verbindet, so verbindet auch Lindau selbst – eine pittoreske Altstadt mit einer eleganten, mediterranen Atmosphäre, Momente der Ruhe mit einem hochkarätigen Kulturprogramm.

„Picasso als Passion“: So wiederum könnte man eines der Leitmotive von Roland Doschka bezeichnen. Sein Katalog zur Ausstellung „Pablo Picasso Metamorphosen des Menschen“ (2000) wurde in mehrere Sprachen übersetzt und gilt als Standardwerk zu Picassos Arbeiten auf Papier. Zudem kuratierte er die Schau „Pablo Picasso“ im Normannen Palast in Palermo, arbeitete an Picasso-Präsentationen in Paris, Barcelona oder New York mit – und feierte 2011 mit seiner ersten Picasso-Ausstellung in Lindau einen großen Publikumserfolg. Die „Meisterzeichnungen eines Jahrhundertgenies“ lockten rund 50.000 Besucher in das barocke Bürgerhaus „Cavazzen“.

So befindet sich das Lindauer Stadtmuseum am Marktplatz direkt im Herzen der Insel und gilt nicht nur als eines der schönsten barocken Bürgerhäuser der Bodenseeregion, sondern hat sich mit seinen hochkarätigen Sonderausstellungen auch einen Namen weit über die Grenzen hinaus gemacht. Im Sommer lädt der romantische Innenhof mit seinem Melusinen-Brunnen Museumsbesucher und Spaziergänger zum Verweilen ein. Seit 2011 befindet sich hier zudem das Museumscafé im ehemaligen Marstall und in der Remise und bietet weiteren Raum für inspirierende Gespräche und kulinarischen Genuss auf der Insel.

Klassische Moderne in barockem Umfeld

„Picassos Passionen: Werke aus sieben Jahrzehnten voller Leidenschaft“, 19. März - 28. August 2016, Stadtmuseum Lindau, www.lindau-tourismus.de

Auf der Brücke zur Lindauer Insel eröffnet sich ein Ausblick, der schnell erahnen lässt, was diese Stadt so reizvoll macht:

© Christian Flemming

Lindauer Marionettenoper Sind das wirklich Marionetten? Das fragen sich viele Zuschauer, wenn die vier weißen Schwäne aus „Schwanensee” über die Bühne der Lindauer Marionettenoper tanzen. Genau darum geht es Ensemble um Gründer Bernhard Leismüller: dass die Zuschauer vergessen, dass sich dort ja „bloß“ Puppen an Fäden bewegen. Weil die Puppenspieler dieses Illusionstheater perfekt beherrschen, ist die Premiere des neuen Musicals „Im Weißen Rößl“ am 24. Juni schon längst ausverkauft. Aber keine Sorge: Die Puppen tanzen noch den ganzen Sommer – und nicht nur in diesem Stück. www.marionettenoper.de

Stadtrundgang Was bedeuten die römischen Ziffern auf dem Löwen an der Lindauer Hafeneinfahrt? Was sieht man auf den Wandmalereien am Rathaus? Und was hat es mit dem Diebsturm auf sich? Ein guter Weg, diese Fragen zu beantworten, ist der zu Fuß. Und am besten lernt man Lindau während eines geführten Stadtrundgangs kennen. Mit Humor bringen die Lindauer Stadtführer die Sehenswürdigkeiten der Insel mit ihrer malerischen Altstadt näher. Ein besonderer Tipp: Am Abend, wenn der Nachtwächter mit Hellebarde und Laterne durch die Gassen führt, ist die Atmosphäre noch romantischer. www.lindau-tourismus.de/stadtfuehrungen

Pablo Picasso, Drei Badende (Trois Baigneuses), Juan-lesPins, 1920 © Succession Picasso, VG Bild-Kunst, Bonn 2016

links: Pablo Picasso, Frauenportrait nach Cranach, 1958 © Succession Picasso, VG Bild-Kunst Bonn, 2016

Pablo Picasso, Selbstporträt,1899 © Succession Picasso VG Bild-Kunst, Bonn 2016

© Hari Pulko


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JULES | arttourist.com 1|2016

NANTES DIE STADT, IN DER ALLES MÖGLICH IST

Nantes | 33

Gestern hat Nantes noch Jules Vernes inspiriert, hat Nantes ihm für ihre jodhaltigen Düfte übertragen. Später wird sie mit den Surrealisten unter einer Decke stecken. Heute bewegt sie weiterhin das Traumtänzerische von Künstlern, Architekten und anderen Poeten: ein Elefant geht auf den Kais der Loire spazieren, ein gekrümmtes Segelboot entkommt einer Schleuse… die öffentlichen Räume, die Geschäfte, die Gärten… sie hissen die Flagge der Kreativität und machen gemeinsam Kultur.

NANTES, SO KREATIV UND ATTRAKTIV Innerhalb von drei Jahrzehnten hat sich Nantes zu einer der dynamischsten und erfinderischsten Städte Frankreichs entwickelt. Eine beeindruckende Zahl an Angeboten beleben die Stadt das ganze Jahr über, einige davon sogar von internationalem Rang: Die Folle Journée (Festival für klassische Musik), Royal de Luxe (die Riesen-Marionetten), Estuaire (Dauerausstellung unter freiem Himmel nach drei Biennalen für zeitgenössische Kunst), die Machines de l’Île (mechanischer Tierpark), etc.

© Olivier Metzger


JULES | arttourist.com 1|2016

IN NANTES GIBT ES EIN EINMALIGES KULTUR- UND TOURISMUSANGEBOT Im Umkreis von 1 km befinden sich der 12 m große Elefant der Machines de l‘Île, das Schloss mit seinem multimedialen Historischen Museum, ein Park, der jeden Sommer in einen Veranstaltungsort verwandelt wird, und der Kunst-Parcours Estuaire. Hinter diesen vier meistbesuchten Orten stecken vier Männer, die für ihre kreative Verrücktheit bekannt sind: Pierre Orefice, François Delarozière Jacques Soignon und Jean Blaise. Anfang 2017 wird die Wiedereröffnung des Musée des Beaux-Arts das kulturelle Angebot komplettieren.

Jean Blaise ein Mann, der nie zurück, immer nach vorne schaut, der nie den Mut verliert sondern die Herausforderung sucht. Er hat bis heute ein klares Ziel vor Auge, Nantes über / durch die Kultur ein neues Selbstbewusstsein, Identität und Leben zu geben. Das hatte Nantes vor fast 30 Jahren verloren. Nantes war förmlich am Boden, nachdem die Biskuitfabrik Lefèvre-Util, bekannt unter dem Kürzel LU, ihre Produktion einstellte und zur gleichen Zeit die letzte Werft ihre Türen schloss und damit die Schifffahrtsindustrie nicht mehr vorhanden war. „Rien na vas plus“. Nichts ging mehr. Viele gaben Nantes auf, zogen weg, um ihr Glück woanders zu suchen, das eigene Überleben zu sichern. Was dann, fast wie in einem Märchen, passierte, stellte sich als Glücksfall für Nantes heraus.1987 wurde Jean-Marc Ayrault zum Stadtpräsidenten von Nantes gewählt. Auf ihm ruhten Hoffnungen und die Erwartung Nantes aus der wirtschaftlichen und politischen Depression zu führen und eine Renaissance der Stadt herbei zu führen. Im Schlepptau

Was ist an Nantes eigentlich so außergewöhnlich? Warum sollte man „Le Voyage à Nantes“ antreten? «C’est comme une gaité, comme un sourire, quelque chose dans la voix qui paraît nous dire viens, qui nous fait sentir étrangement bien, ce je ne sais quoi que d’autres n‘ont pas …» [Jean Blaise lacht und zitiert einen Liedtext, der eine ganz besondere Anziehungskraft schil-

Jean Blaise, das kulturelle Pendant und kongenialer Partner von Ayrault. Erste Amtshandlung Ayrault‘s war die Zusammenlegung der Tourismusorganisation und der Kulturbehörde, das Neid und Konkurrenz in vielen Städten, und übertrug diese Jean Blaise, die Geburt von Le Voyage á Nantes. Seit mehr als 30 Jahren baut der Literaturwissenschaftler Jean Blaise Luftschlösser, spinnt, realisiert und verwirft Ideen, erfinden sich und Nantes immer wieder neu, ohne sich selbst untreu zu werden. Nun sitze ich dem charismatischen Jean Blaise in seinem Büro in einer ehemaligen Fabrik gegenüber, ganz nah dem Lieu Unique, das von ihm gegründet wurde, dass es ohne ihn nicht gäbe und das er bis 2012 auch geleitet hat. Wir unterhalten uns über Nantes, seine Arbeit, seine größten Erfolge, Niederlagen, Projekte und was ihn so an Nantes fasziniert. Er erzählt gerne mit Leidenschaft, lacht verschmitzt und ist sehr bescheiden zufrieden, mit dem was er in und für Nantes geleistet hat.

dert…]. So wie Sie die Frage stellen, fällt mir sofort dieser alte französische Hit ein (Anm. d. Red.: Ella, von France Gall und Michel Berger), der gar nicht schlecht zu uns passt: Ein schwer definierbarer Charme zeichnet die Region aus, ihre geografische Lage, ihre alte und neue Geschichte. Wir sind nah an der Bretagne und am Atlantik, die Luft ist anders als anderswo, und das Licht ist faszinierend. Nantes

ist heute eine recht fröhliche Stadt, die sich ständig über ihre weitere Entwicklung und potenzielle Veränderungen Gedanken macht. Eine Stadt, in der man mit Kreativität und Wagemut, einer Portion Frechheit und auch Bescheidenheit zusammen arbeitet, um Dinge zu schaffen. Der kollektive Spielstil „à la nantaise“ (Red.: der Ausdruck stammt ursprünglich aus dem Fußball) hat sich in kleinen Schritten

© Olivier Metzger

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Nantes | 35

entwickelt, ist aber heute zu einer fest verankerten Einstellung geworden. Le Voyage à Nantes verkörpert diese Einstellung, sie ist das Ergebnis davon: Mit dieser Haltung wurde vor 25 Jahren darauf gesetzt, dass Kultur eine Region aufwecken kann, ihr helfen kann aufzublühen und eine nationale und internationale Dimension zu erreichen. Wer in die Stadt kommt, um diese besondere Atmosphäre zu spüren, muss einfach nur der grünen Linie folgen, die am Boden aufgezeichnet ist und das kulturelle Angebot in etwa vierzig Etappen verbindet. Was auffällt, ist die enorme Vielfalt dieser Etappen, denn hier sind Geschichte und moderne Kunst ebenso vertreten wie Treffpunkte verschiedenster Art und neue Formen städtischer Entwicklung. Wer die Reise nach Nantes antritt, entdeckt fabelhafte Ausstellungen im lieu unique oder der Hab Galerie, Kunstwerke, die unvermutet hinter einer Straßenecke auftauchen, von Künstlern neu interpretierte Aushängeschilder, ein städtisches Erbe in Form von Gebäuden (Pommeraye-Passage, Kathedrale) und Natur (Jardin des Plantes, Unterlauf der Loire), ein städtisches Historisches Museum im Schloss der Herzöge der Bretagne, die mechanischen Skulpturen der Machines de l’île…Ich glaube wir in Nantes sind uns recht genau bewusst, was andere eben nicht haben! Und natürlich sind auch Gastronomie und Genuss nicht zu vergessen, angeboten in den empfehlenswerten Restaurants der „Tables de Nantes“ und auch im Rahmen unserer sehr eigenen Inszenierungen des kulinarischen Reichtums der Region (Erzeugermarkt, Dinner für 200 Personen an geheimen Orten,…). Wie ist es Ihnen gelungen, eine so große Organisation ins Leben zu rufen, die Kultur und Tourismus kombiniert, und die vor allem schon seit Jahren erfolgreich arbeitet? Viele Städte träumen davon, die meisten aber scheitern… In der Kultur braucht man Tag für Tag Überzeugungskraft, man darf nie aufgeben. Nantes profitiert von einer klaren politischen Richtungsentscheidung zugunsten der Kultur, zunächst von Jean-Marc Ayrault während seiner 5 Amtszeiten, heute von Johanna Rolland. Der Star von Le Voyage à Nantes ist die Stadt selbst, und man stellt sich nicht die Frage, ob das Tourismus ist oder Kultur: Die Kunst ist überall in der Stadt präsent, hinterfragt städtische Formen und baut Trennendes ab. Wir arbeiten mittlerweile mit allen Abteilungen der Stadtverwaltung zusammen: Grünflächen, Raumordnung, aktuelle Kultur oder städtisches Kulturerbe…im gemeinsamen Interesse aller. Als wir Le Voyage à Nantes gegründet haben, haben wir sehr intensiv daran gearbeitet, alle mit ins Boot zu holen, Vertreter aus Kultur, Tourismus, Vereinen, auch Privatpersonen…. Und dank dieser langfristigen Perspektive sind wir da angekommen, wo wir heute stehen. In einigen Jahren ist es uns gelungen – mir, aber auch der Compagnie Royal de luxe, René Martin, der das Festival La Folle Journée ins Leben gerufen hat, mit Unterstützung der Stadt für viele Veranstaltungen und Festivals - eine Offenheit für Kunst und Kultur zu etablieren, die es so vielleicht sonst nirgends gibt. Wenn so etwas in anderen Städten zum Fehlschlag wird, dann häufig, weil die Aktionen und Veranstaltungen nur „one shots“ waren, die zwar sehr kurzfristig einen Effekt haben, aber eben nicht dazu geeignet sind, von der Notwendigkeit von Kunst und Kultur in unserem Leben zu überzeugen….die lokalen Entscheidungsträger und vor allem das Publikum lassen sich nichts vormachen! Woher schöpfen Sie diese anhaltende Zuversicht, dass die Kultur die Wahrnehmung der Stadt Nantes von innen wie von außen verändern kann? Wir sind so zuversichtlich und auch so überzeugend, weil wir den Beweis schon haben, dass es funktioniert! Dank des dichten Kulturangebots hat sich die Stadt eine Identität gestaltet, aber die Auswirkungen auf Image, Besuche und die Wirtschaft sind auch alles andere als Einbildung! Nantes von innen, das ist eben dieses „gemeinsame Anpacken“: Im Rahmen von Le Voyage à Nantes hat sich die Gewohnheit etabliert, dass man neue Projekte in Raumplanung oder Grünflächen, aber auch Initiativen von Privatunternehmen etc. von Künstlern, Architekten, Designern begleiten lässt. Und auch im Kulturbetrieb weiß man heute, dass es sinnvoll ist im Sommer durchgehend geöffnet zu sein, was

© Olivier Metzger

in Frankreich nirgends anders existiert. Diese kulturelle und touristische Identität zeigt auch nach außen Wirkung: Seit 2010 wird diese Orientierung mit stetig wachsenden Besucherzahlen belohnt. Die Zahlen für 2015 bestätigen diesen Aufwärtstrend, denn frankreichweit verzeichnet die Stadt den stärksten Zuwachs aller französischen Städte, mit einem Anstieg der Übernachtungen in den Hotels der Innenstadt um 18% zwischen Sommer 2014 und Sommer 2015. Hier ist eine echte Dynamik entstanden, denn der Zuwachs für den Zeitraum 2010 - 2015 (+37%) ist ebenfalls der höchste aller französischen Städte. Um nur ein Beispiel zu nennen, werden die direkten wirtschaftlichen Auswirkungen dieser Sommersaison für die Region auf 48,8 Millionen Euro geschätzt (43 Millionen Euro waren es 2014). Bei solchen Resultaten kann man sich durchaus sagen, dass man irgendetwas richtig macht! Wo steht Nantes heute und wie wird die Zukunft aussehen? Nantes hat sich zwar bemerkenswert entwickelt, aber es gibt noch viel Handlungsspielraum. Und auch wenn die Zukunft manchmal schwierig erscheint – finanziell, in Bezug auf das soziale Klima, … - ich bleibe zuversichtlich. Aufgrund der genannten Resultate, und auch weil Nantes schon immer in der Lage gewesen ist, sich neu zu erfinden. Zur Zeit laufen große städtebauliche Projekte: der Stadtteil Quartier de la création und der weitere Ausbau der Ile de Nantes, der neue Bahnhof, den der Architekt Rudy Ricciotti gestalten wird, die Wiedereröffnung des Kunstmuseums 2017 und zahlreiche Projekte, an denen ich arbeite – in Nantes, an der Loire, im Weinbaugebiet, auch eine Öffnung hin zur Bretagne – all das lässt uns noch auf viele spannende Jahre hoffen, in denen diese Stadt, die mir zutiefst am Herzen liegt, noch viel mehr wachsen kann. Müssen Sie die Stadt Nantes und ihre Einwohner jedes Jahr wieder von Ihrem Projekt überzeugen oder haben Sie eine Art Freibrief? Das würde ich nicht sagen, aber es ist natürlich so, dass ich in meinen Anforderungen an künstlerische Qualität keine Kompromisse mache; wenn im öffentlichen Raum gearbeitet wird, muss das Kunstwerk in gewisser Weise „passen“. Und wenn es passt, ist die Überzeugungsarbeit leicht, ganz gleich ob bei Politikern oder Einwohnern. Ob es dann gefällt, ist wieder etwas anderes! Seit 20 Jahren habe

ich echte Freiheit, experimentieren zu können und neue Projekte zu erfinden. Diese Freiheit beruht auf den Finanzmitteln, die für Kultur bereitgestellt werden, auf der Fähigkeit aller, sich auszutauschen, und auf einer politischen Stabilität. Mit dem Projekt Estuaire haben Sie einen international anerkannten künstlerischen Coup gelandet. Ursprünglich war die Veranstaltung als Biennale geplant, 2007, 2009, 2011…wurde dann aber 2012 beendet. Warum? Hätte hier nicht die Chance bestanden, Nantes langfristig als einen Ort für zeitgenössische Kunst zu verankern und die Stadt im Zentrum der Aufmerksamkeit zu halten? Aber diese Sammlung, die von 2007 bis 2012 erstellt wurde, ist doch von Dauer! Im Laufe der drei Veranstaltungen (die letzte wurde um ein Jahr verschoben, um mit der Eröffnung der ersten Voyage à Nantes übereinzustimmen) haben sich knapp vierzig Kunstwerke in der Region angesiedelt, um diese zu offenbaren. Heute besteht die Sammlung aus dreißig Werken großer internationaler Künstler (Felice Varini, Erwin Wurm, Ange Leccia, Roman Signer, Tadashi Kawamata, Jimmie Durham, Daniel Buren, Mzryk & Moriceau, ...), wie ein Museum unter freiem Himmel, das man das ganze Jahr besichtigen kann. Das ist ein unglaubliches Glück. Der Parcours hat die Welt der zeitgenössischen Kunst tatsächlich geprägt, eine Welt, in der wir uns nur schwer behaupten konnten… Man kann sagen was man will, aber dieses Milieu ist doch sehr geschlossen, es ist schwierig, außerhalb der großen traditionellen Veranstaltungen wie Venedig oder Basel zu bestehen. Aber – auch wenn Beaux-Arts Magazine uns zu den Veranstaltungen zählt, die die Kunst in den letzten 30 Jahren verändert haben, worüber wir sehr glücklich sind – was für uns wirklich zählt, ist möglichst viele Menschen zu berühren. Und den Kunstliebhabern, die mit gutem Grund die nächste Monumenta besuchen werden, um die Arbeiten von Huang Yong Ping zu entdecken, würde ich durchaus sagen: „Kommen Sie nach Nantes und sehen sich die Seeschlange an („Serpent d’océan“ des selben Künstlers), die sich seit 2012 an unserer Küste niedergelassen hat!“ Sie lehnen es ab, mit Nantes für den Titel Europäische Kulturhauptstadt zu kandidieren. Warum? Vor allem, weil es nicht notwendig ist! Die Städte, die bislang kandidiert haben, taten dies gerade weil

sie ein Defizit im Bereich Kultur hatten, was für uns nicht der Fall war und nicht der Fall ist. Ich hatte es bereits angesprochen, die Stadt setzt seit 1989 auf eine starke Kulturpolitik – Unterstützung für Künstler und Veranstaltungen, Hochschulen oder neue Kulturbetriebe… - all das macht Nantes zu einer Stadt, in der es auch ohne ein solches Label „brodelt“. Was sind die größten Herausforderungen für Kultur und Tourismus in Nantes? Wo sich Tourismus und Kultur mischen, hat man die Verpflichtung „perfekt“ zu sein, sowohl in dem was gezeigt wird als auch in der Qualität des Gästeempfangs. Das bedeutet zum Beispiel, dass Wartung und Instandhaltung der Kunstwerke im öffentlichen Raum zu einer vorrangigen Frage geworden sind. Es handelt sich um eine echte Herausforderung, denn wir sind dazu verpflichtet, die Integrität der Werke zu gewährleisten, für den Künstler ebenso wie für den Betrachter. Die Werke sind zeitgenössisches Kulturerbe, werden aber nicht immer als solches wahrgenommen. Diese Fragestellung führt auch dazu, dass sich unsere Art zu arbeiten, zu produzieren und weiterzugeben verändert. Was möchte Jean Blaise in und mit Nantes noch erreichen? Dass Nantes weiter eine weltoffene Stadt bleibt, in der die Kunst sich einmischt in alle Bereiche des Städtebaus, in der der öffentliche Raum Spielplatz für alle ist, und das mit Hilfe künstlerischer Angebote. Mein Ziel ist es, dass die Kunstwerke ihren Sinn aus der Region gewinnen und ihrerseits der Region einen Sinn geben: Interessant ist ein solches Projekt vor allem, weil man sieht, wie Kunst Menschen verändert, wie sie das Leben beeinflusst, wie sie die Welt offenbart. Was bleibt heute von Jules Verne in Nantes? Natürlich sein Geburtshaus, das Museum das ihm gewidmet ist – es wird geleitet von Agnès Marcetteau, und ihr zuzuhören, wie sie über den Schriftsteller spricht, ist die pure Freude. Außerdem ein sehr konkretes Erbe wie die bewegten Skulpturen der Machines de l’île, vor allem aber sein Erfindergeist, würde ich sagen, seine Abenteuerlust, die in der Stadt spürbar ist, ebenso wie die zahlreichen davon inspirierten Künstler, von den Surrealisten bis hin zu Jacques Demy. DAS INTERVIEW FÜHRTE KAI GEIGER


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KUNST / Museen

NANTES WIRD ZUM ERLEBNIS Seine Fabriken und Lagerhäuser haben sich in Orte der Kultur verwandelt. Seine Straßen werden zum Bühnenbild für die Aufführungen von Royal de Luxe. Seine Kais werden im Sommer beim „Rendez-vous de l’Erdre“ vom Jazz und Segelbooten belebt. Während der Folle Journée öffnet das Kongresszentrum seine Pforten für 154 000 Zuschauer (350 klassische Konzerte, kleine Formate, exzellentes Niveau zu günstigen Preisen). Le Voyage à Nantes setzt jeden Sommer die kulturellen Maßnahmen der Stadt in Szene und verzaubert damit mehr als 540 000 Besucher.

© Martin Argyroglo

Das Château des Ducs de Bretagne

Mittelalter trifft Hightech. Ein zeitgenössisches Museum, angereichert mit Multimediaelementen, zeichnet die Geschichte der Stadt nach. Im Juni 2016 wird der Rundgang umgestaltet.

Das Lieblingsschloss von Anne de Bretagne Zwei Schritte von Kathedrale und mittelalterlichem Viertel entfernt, versteckt sich das Château des Ducs de Bretagne, ein elegantes Palais hinter einer robusten Festung. Sein Bau beginnt im 15. Jahrhundert unter Franz II., dem letzten Herzog der unabhängigen Bretagne, und wird von seiner Tochter, Anne de Bretagne, der zweifachen Königin Frankreichs, fortgesetzt. Dieser schöne herzögliche Wohnsitz kündigt mit seiner von der Renaissance beeinflussten Architektur und seinen Tuffstein-Fassaden schon die weiteren LoireSchlösser an.

Eine kulturelle Hightech-Ausstattung Ein pädagogisches Museum, lebendig, umfassend und je nach Interesse zu entdecken. Eine große Zahl an multimedialen Angeboten belebt die 32 Räume; aufregend ist der virtuelle Rundgang durch Nantes im Jahr 1757! Schriftsteller, Dichter, Maler und Filmemacher erzählen auf sympatische Art und Weise die Stadtgeschichte: Barbara singt „Il pleut sur Nantes“, Jacques Demy filmt „Une chambre en ville“… Unter den 1 100 Ausstellungsobjekten, von denen 300 im Jahr 2016 neu hinzukommen: Le code Noir (Dekret aus dem Jahr 1685 zur Regelung des Umgangs mit schwarzen Sklaven), die Backformen der Keksfabriken „BN“ und „Petit LU“, das Modell von Nantes zu Beginn des 20. Jahrhunderts, das Gemälde von Turner, das die Kais der Loire in Nantes darstellt.

Ein überarbeiteter Museumsparcours Weil Geschichte auf keinen Fall eine starre Wissenschaft ist, wird diejenige von Nantes ab Juni 2016 auf andere Art und Weise mit dem Weltgeschehen verknüpft. Die großen Themen der Nanteser Vergangenheit werden weiterentwickelt und mit jüngsten Anschaffungen angereichert, um einen anderen Blick auf die Dinge zu bieten. Ein neuer Teil ist ganz der Geschichte des 20. Jahrhunderts gewidmet, genauer gesagt, dem Ersten und Zweiten Weltkrieg. www.chateaunantes.fr

© Patricia Bassen

© Karen Knorr


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Aus dem Musée des Beaux Arts wird das Musée d’Arts Wiedereröffnung im Frühjahr 2017 Das Musée des Beaux-Arts Nantes ist im Umbruch. Das Museum wird zurzeit aufwendig renoviert und um einen Neubau erweitert. Im Frühjahr 2017 ist die Eröffnung. Die Zeit wird genutzt die Sammlung in neue Lagerräume umzuziehen, sie auf deren Zustand aufwendig zu untersuchen, zu restaurieren, zu fotografieren und zu archivieren. Damit Nantes nicht ganz ohne Kunst ist, werden Wechselausstellungen in der zum Ensemble des Museums anschließenden Chapelle de l’Oratoire gezeigt. Dort kann die umfangreiche Sammlung in Kabinettausstellungen in neuem Licht betrachtet und entdeckt werden. Die Sammlung bietet einen umfassenden Überblick der westlichen Malerei aus dem 13. bis 21. Jahrhundert. Unter den 10.000 Werken (Bildern, Skulpturen, Zeichnungen, Grafiken und zeitgenössischen Installationen) Stanton Williams © DR befinden sich mehrere Hundert Meisterwerke von Courbet, Picasso, Ingres, Chagall, de la Tour, Delacroix ... Im Jahr 2009 hat sich die Stadt Nantes dazu entschlossen eine Phase der Renovierung einzuleiten und das Museum um einen Erweiterungsbau zu ergänzen. Der ehemalige Palais des Arts hat nicht mehr den heutigen Standard der Konservierung und Präsentation von Kunst entsprochen. Dazu war es schon lange der Wunsch die gesamte Sammlung geschlossen zu präsentieren. Das britische Architektenbüro Stanton Williams gewann den Architekturwettbewerb für den Erweiterungsbau. Der Bau fasziniert und obwohl er erst im Rohbau steht, kommt Veronique Triger, Pressechefin des Museums ins Schwärmen und betont immer wieder, wie schade es ist, dass sie mich nicht über die Baustelle führen kann. Sicherheitsauflagen. Für einmal steht nicht das Gebäude als architektonisches »Wunderwerk« im Vordergrund, der einen kurzfristigen Architekturtourismus beflügelt, aber ebenso schnell verblasst. Nantes geht es um mehr und vor allem auch um die Bürger von Nantes, die sich in ihrem Museum wohl fühlen sollen und aktiv das Angebot des Museums, das deutlich erweitert wird, annehmen sollen. Die Ausschreibung, die Anforderungen waren klar formuliert. Eine Architektur, der die Räume im dann renovierten Altbau, wo die ständige Sammlung gezeigt wird, wie im Erweiterungsbau betonen, der Flächen für Workshops für Schulklassen, ein Auditorium, für Dokumentation und Bibliothek und neue Räumlichkeiten für die zeitgenössische Sammlung schafft. Den Einbezug des natürlichen Lichts war dem Team des Museums und den Planern wichtig, was das Büro Stanton Williams meisterlich umsetzt. »Wir, meine Kolleginnen und Kollegen, arbeiten intensiv an dem inhaltlichen Konzept. Die Besucher sollen didaktisch spannend durch die gesamte Sammlung geleitet, durch Ruhezonen zum Innehalten eingeladen werden und Überraschendes auf ihrem Weg durch die Räume erleben. Wir werden immer wieder Räume haben, in denen Kunstwerke aus verschiedenen Epochen, verschiedenen Stilen aufeinandertreffen, gegenüber gestellt werden und der Besucher deren Verbindung erfahren kann« erläutert mir Veronique Triger das inhaltliche Konzept. Anfang 2017 wird das Musée des Beaux-Arts vollständig wiedereröffnet und ist dann das Musée d‘Arts. Die Namensänderung unterstreicht das Neue und die Weiterentwicklung des Museums. www.museedesbeauxarts.nantes.fr

©Musée Jules Verne

Musée Jules Verne

Nantes und die Loire-Inseln, in denen sich seine ersten Träume spiegelten, sind Hintergrund der Werke von Jules Verne. Hier findet sich das Geheimnis eines Mannes und Schriftstellers, der die Phantasie, das Herz und die Intelligenz anspricht. Folgen Sie seinen Spuren, lassen Sie sich von seinen Erinnerungen und einer Familientradition leiten, entdecken Sie die Orte, die er besuchte und die ihn inspirierten. In der Mitte der Rue de l’Hermitage stehen seit 2005 auf der Esplanade Jean Bruneau die Bronzestatuen, die von der Stadt Nantes bei Elisabeth Cibot in Auftrag gegeben wurden: Jules Verne als Kind blickt sitzend auf die Loire und seinen zukünftigen Helden Kapitän Nemo, der mit seinem Sextanten Berechnungen anstellt. Das Museum Jules Verne, errichtet an einem Ort, von deren Anhöhe der Schriftsteller „häufig den Fluss beobachtet haben wird, dort, ©Musée Jules Verne wo dieser zum Tor der Weite und zum Weg des Abenteuers wurde“ (Julien Gracq, La Forme d’une ville), bietet eine Reise durch die Werke Jules Vernes. Dort werden Bücher und Originaldokumente, Illustrationen, Plakate, Spiele und Gegenstände, Filme und Manuskripte gezeigt: die Stadt Nantes hat vor allem eine einzigartige Sammlung von Briefen und handgeschriebenen Manuskripten von circa hundert Werken zusammengestellt, anhand denen man Linie für Linie die Erfindung des „wissenschaftlichen Romans“ verfolgen kann. www.julesverne.nantesmetropole.fr

Ecole Supérieure des Beaux-Arts de Nantes Métropole

Die Kunsthochschule von Nantes, eine der ältesten in Frankreich, ist eine Einrichtung von großem internationalem Ruf. Das Studienangebot umfasst alle Sparten der Bildenden Kunst und der Medien. Sie ist bekannt für Ihre Dynamik und Innovationsgeist. So berühmte Künstler wie Jean Metzinger, Jean Gorin, Jacques Vache, Benjamin Peret, Claude Cahun, Jacques Villeglé, Philippe Beil, Pierrick Sorin, Fabrice Hybert, Familiari Laurent Moriceau und Pony Pony Run Run sind aus ihr hervorgegangen, allesamt Vertreter verschiedenster Kunstrichtungen, wie moderne und abstrakte, konzeptuelle und minimalistischen Kunst, Multimedia und der zeitgenössischen Kunst. Im Jahr 2017 wird die Hochschule für Bildende Künste in Nantes Métropole das Stadtzentrum verlassen und auf der Île de Nantes neue Räumlichkeiten in ehemaligen Fabrikhallen beziehen. http://beauxartsnantes.fr

Weitere Orte der Kunst Dulcie Galerie www.beauxartsnantes.fr/dulcie-galerie

HAB Galerie

www.levoyageanantes.fr/etapes/hab-galerie

FRAC

www.fracdespaysdelaloire.com


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Le Poussin, Claude Ponti © Ville de Nantes

LE VOYAGE À NANTES | 1.7. – 28.8.2016 Das Event Seit 2012 setzt das Event «Le Voyage à Nantes» jeden Sommer die Stadt in Szene und belebt damit den gefühlvollen und poetischen Parcours gleichen Namens, der aus mehr als 40 historischen und zeitgenössischen Sehenswürdigkeiten besteht. Dieses «Verstreute Denkmal», das dauerhaft besteht, kann über die grüne Linie am Boden entdeckt werden. Während dieses sommerlichen Zwischenstopps wird Nantes von der Kunst auf den Kopf gestellt! Seine Stärke: Vielfältigkeit und die Tatsache, dass die meisten Angebote kostenlos sind.

Die Stadt im Gleichklang 1.7.–28.8.2016 Le Voyage à Nantes führt an die 50 kulturelle Angebote zusammen. Während zwei Monaten infiltriert Kunst die Stadt und webt Verbindungen. Künstler, Architekten, Designer und Gärtner … reaktivieren den 12 km langen Parcours: Die Pforten der Kulturorte (Mediathek, Museen und Bühnen …) öffnen sich an allen Tagen der

Woche weit für das große Publikum. Mehr als 60.000 Neugierige kamen ins Théâtre Graslin um sich «Spectacula» anzusehen, die Lichtinstallation von Aurélien Bory (VAN 2015). Künstler wirken im öffentlichen Raum, der so zu einem Territorium für Begegnungen wird. Auf den Kais der Loire erfindet das Kollektif Fichtre mit seinem originiellen Mobiliar (Grill, Tische …) einen Ort der Geselligkeit. Auf der Place du Bouffay amüsiert sich die Kunst jedes Jahr: die 1200 Bistrostühle fliegen in einem riesengroßen farbigen Achterbahn des Künstlers Baptiste Debombourg davon («Stellar» VAN 2015). Kunstwerke tauchen an unerwarteten Orten auf: Verschmitzte Zeichen rühren das Kontinuum der Straßen auf. Das «skate ô drome», Mischung aus Radrennbahn und Skaterpark hat sich einen Platz auf der Ecole d’Architecture gesucht (VAN 2015).

Eine Stadt zum Spielen für Alle Die vier ersten Ausgaben (2012 bis 2015) haben den spielerischen und surrealistischen Charak-

Cantine du Voyage © Chama Chereau

ter der Stadt bekräftigt, genauso wie die Suche nach Anspruch und Qualität. VAN singt das Loblied der Vielfalt: Das Universum von Claude Ponti, Jugendbuchzeichner, der den Jardin des Plantes besetzt; Kunstwerke verlassen das Musée des Beaux-arts und zeigen sich in der Stadt... Auf dem Kanal Saint-Félix wird ein Lastkahn zum Spielfeld für kompetente Sprayer. Alle Werke können ohne Analyse erfahren werden oder auch mit einem Mediator entdeckt werden, der an jedem Ort zur Verfügung steht. Jugendliche und Kinder, Kunstkenner und Neulinge … sie erleben nebeneinander, jeder in seinem Rhythmus. Lächeln, Staunen, manchmal Verärgerung, aber niemals Gleichgültigkeit für die Seiltänzer auf der grünen Linie.

Das Event hinterlässt Spuren

Skate Ô Drome, Fichtre © Franck Tomps

Manchmal wird das Provisorische zum Dauerhaften … weil ein Werk, eine Instalation verführt hat, ihren Platz gefunden hat oder Reaktionen hervorgerufen hat, verwandelt sie sich in

ein dauerhaftes städtisches Objekt. So hat sich der Parcours über die vier Ausgaben um 20 Stationen erweitert. VAN hat die Form der Stadt verändert!

Die Höhepunkte von Van La Cantine. Dieser Ort der Geselligkeit liegt an den Ufern der Loire, ist zugleich Bar und Bistro und erstreckt sich auf einer Fläche von 2000 m2, die jedes Jahr von lokalen Kreativen in Szene gesetzt werden. La Nuit du Van: DIE Festnacht des Jahres eröffnet das Event. Auf dem Menü : Musikalisches und kulinarisches Programm, Performances, Nacht der Museen bei freiem Eintritt … «Les dîners secrets» Große Küchenchefs bieten ein Dinner an, der Ort bleibt bis zum Tag X geheim: die Passage Pommeraye (2012), Clisson (2014), der Weinberg (2015), 2016: Überraschung/Surprise… www.levoyageanantes.fr

orange small van© Chama Chereau


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NANTES, EINE STETIGE METAMORPHOSE Die Restaurierungen des kulturellen Erbes und neue zeitgenössische Bauten modellieren beständig das Nanteser Stadtbild. Die Stadthäuser aus dem 18. Jh. auf der île Feydeau, das Schloss, die Passage Pommeraye… sind renoviert worden. Der Architekt Stanton-Williams ist kurz davor, das Projekt des Musée d’Arts zu beenden, während Rudy Ricciotti sich am Bahnhof an die Arbeit macht (2019). Auf der Ile de Nantes wachsen die Gebäude eines nach dem anderen aus der Erde: Das Palais de Justice (2000), die Ecole d’Architecture (2009), das Manny (2009), La Fabrique (2011), Le Tripode A (2012), Le Bâtiment B (2013), les Halles Alstom (2017). Jean Nouvel, Alexandre Chemetoff, Christian de Portzamparc, Barto & Barto, Lacaton & Vassal, um nur einige zu nennen, sind die Talente hinter dieser beeindruckenden Verwandlung, die ein zweites urbanes Herzstück aufbaut. Stellar, Baptiste Debombourg (VAN 2015)© Franck Tomps


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DIE MACHINES DE L’ÎLE Vom großen Elefanten zu den Unterwasserwelten – ein verblüffendes Kunstprojekt, das seit 10 Jahren das touristische Angebot der Stadt bereichert

Die industrielle Hafenpoesie der „Machines de l’Île“ Die Machines de l’île sind ein absolut einmaliges touristisches und künstlerisches Projekt. Es integriert sich mit monumentalen beweglichen Strukturen in das urbane Gefüge. Entstanden aus der Imagination von François Delarozière und Pierre Orefice, nimmt es Anleihen an den erfundenen Welten von Jules Verne, am mechanischen Universum Leonardo da Vincis und der In-

Le Carrousel des Mondes Marins Im Juli 2012 wurde ein neues Kapitel des Projekts Machines de l’Île aufgeschlagen, mit einem gigantischen Karussell (25 m hoch und 22 m im Durchmesser): Le Carrousel des Mondes Marins (Karussell der Unterwasserwelten). Bevölkert ist es von 36 Kreaturen auf drei Ebenen: Meeresboden, Tiefseegraben und Meeresoberfläche. Die Besucher sind Zuschauer einer Choreographie von Wassertieren und Meeresgespannen (Tintenfisch mit Rückan-

dustriegeschichte von Nantes. Dieser fantastische lebendige Tierpark besetzt das Gebiet der ehemaligen Schiffswerften im Westen der île de Nantes und entfaltet sich rund um und in drei ehemaligen Schiffsbau-Hallen. Die „Galerie” passt sich dem Produktionsrhythmus des „Ateliers“ an, einem magischen Ort aus Holz und Stahl, wo man den Entstehungsprozess verfolgt.

Reise an Bord des Grand Éléphant Seit 2007 kann man diesen großen Elefanten unmöglich übersehen, der auf den Kais an der Loire entlangspaziert! Das Tier trompetet, spritzt Wasser aus seinem Rüssel und ist einem echten Tier zum Verwechseln ähn-

trieb, fliegende Fische, Schiff im Sturm, etc.) oder gehen an Bord, um sie zu lenken. Auf den Kais gelegen, widmet sich dieses riesige 360°-Theater der Sehnsucht nach fremden Orten, die die Nanteser Phantasie schon zu einer Zeit angeregt hat, als die Schoner auf Entdeckungsreise in neue Welten ablegten.

Neuheit 2016 Am 6. Februar, anlässlich der jährlichen Wiedereröffnung der Machines de l’Île, nahm

lich. Abgesehen von anderen Besonderheiten misst es 12 Meter in der Höhe und wiegt 48,4 Tonnen. Am spannendsten ist, dass es auf seinen 30-minütigen Rundgängen bis zu 50 Personen in seinem Bauch und auf seinem Rücken mitnimmt. Ein Spektakel ist es allein, wenn sich die Metallkonstruktion mit Füßen und Getriebe in Bewegung setzt. Diese Reise außerhalb der Zeit ist ganzjährig möglich (außer Januar und Anfang Februar). Der Grand Eléphant verbindet auf seinem Ausflug das Karussell mit den Hallen, dem Herzen der Machines.

eine große Spinne ihren Platz in der Galerie ein, wo sich die Szenerie geändert hat. Das Publikum kann sie am Boden oder in der Luft steuern.

Der „Arbre aux Hérons“, ein neues Projekt nimmt Form an… Es handelt sich dabei um einen monumentalen, 35 m hohen Baum, 50 m im Durchmesser, der von zwei Reihern überragt wird. Die Besucher werden für einen Rundflug auf den

Flügeln der Vögel Platz nehmen und von Ast zu Ast durch die unglaublichen hängenden Gärten wandern können. Momentan durchbricht der 20 m lange Prototyp eines Astes die Fassade der Hallen. Während es auf seinen Einsatz wartet, setzt sich das pflanzliche Universum des Reiherbaumes in der Galerie in Szene. www.lesmachines-nantes.fr


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NANTES IST KULTUR AUF DER STRASSE Nantes ist international bekannt für seine Sammlung an Kunstwerken im öffentlichen Raum, ebenso wie für die Fähigkeit, Menschenmassen auf der Straße zu bewegen und sie zum Träumen anzuregen. Das Herumschlendern der Riesen von Royal de Luxe in den Straßen der Stadt wird von Tausenden großer und kleiner Zuschauer gespannt verfolgt. Die Stadt weiß sich auch an die Kreativität seiner Künstler anzupassen, kappt z.B. die Leitungen der Tram, damit der 15 m Grand Géant passieren kann, oder beherbergt schon mal Wölfe im ehemaligen Wassergraben des Schlosses. Das Event „Le Voyage à Nantes“, reaktiviert jeden Sommer den Dauerparcours desselben Namens. Das sind zwei Monate, in denen die Stadt von der Kunst auf den Kopf gestellt wird. (2016: vom 1. Juli bis 28. August).

Les Machines de l’île © Franck Tomps


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MUSIK / Tanz

sind mit dem Konzept vertraut und geben alles für ihr Genre, für die Musik zu werben, sie verständlich zu vermitteln und offen für Erklärungen, Diskussionen und einen regen Austausch mit dem Publikum zu sein. Mit Veranstaltungen, die nicht mehr als 45 Minuten dauern, gewinnen sie neue Zielgruppen jeden Alters. In relativ kurzer Zeit können die Besucher von Raum zu Raum wandeln und haben Gelegenheit musikalische Erfahrung zu machen oder zu erneuern, wie und wann sie wollen.

Orchestre National des Pays de la Loire Conservatoire de Nantes

© DR

Festival Folle Journée Das Festival Folle Journée ist ein außerordentliches und einzigartiges Musikfestival von hohem künstlerischem Anspruch, das weit über die Grenzen Nantes hinaus bekannt ist und die Musikwelt immer wieder aufhorchen lässt. Das von dem Künstlerischen Leiter Rene Martin, einem der profiliertesten und umtriebigen Musiker und Musikmanager Frankreichs, gegründete Festivals, entstand aus dem Gedanken und Ziel einerseits die Klassische Musik einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen, Hemmungen abzubauen, sich der klassischen Musik in all seinen Ausdrucksformen zu öffnen, sie zu verstehen und Gefallen daran zu finden. Andererseits Musiker, Orchester und auftretenden Künstler dafür zu gewinnen sich für neue musikalische Horizonte zu öffnen. Starre Auftrittsformen wurden abgeschafft, eine einzigartige Festivalstruktur geschaffen und ein hoch interessantes und abwechslungsreiches Programm zu außergewöhnlich niedrigen Preisen aufgelegt, um es für alle Bevölkerungsschichten zugänglich zu machen. Angereichert werden die klassischen Konzerte durch eine für Klassik ungewöhnliche Atmosphäre, die man sonst eher von Rock & Pop Veranstaltungen her kennt, wo Essen & Trinken, das kultig, chillige ein wichtiger Bestandteil sind. Ein Konzept das voll und ganz aufgeht. Das Folle Journée ist ein großer Erfolg, der sich jedes Jahr noch steigert. So erwartet das Publikum jedes Frühjahr rund 270 Konzerte und 1.800 begeisterte Musiker in einem Zeitraum von nur fünf Tagen. Das Publikum hat die Möglichkeit, sich aus dieser Vielzahl von Konzerten sein eigenes Konzertprogramm zusammenzustellen und dort einzutauchen, hinzuhören, was einen interessiert. Das Publikum nimmt die Chance wahr, lokale, nationale und internationale Künstler und Orchester zu erleben und zu hören. Alle auftretenden Künstler

In der Zukunft möchten die Organisatoren, das CREA - CENTRE DE RÉALISATIONS ET D‘ETUDES ARTISTIQUES das Festivals für weitere Kunstformen und deren Vermittlung öffnen. So wird das Thema 2017 Tanz sein. www.follejournee.fr

Klassik, Oper, Tanz, Theater

Angers Nantes Opera

Angers Nantes Oper© Ville de Nantes

Zwei Städte ein Opernhaus. Seit 2002 teilen sich die beiden Städte Nantes und Angers eine Kultureinrichtung, die heute für viele Kommunen Vorbildfunktion hat. Es war und ist mehr als eine politische Lösung. Es vereint die Region über die Kultur und macht ein lebendiges Kulturangebot erst möglich. Alle Inszenierungen werden in beiden Städten gezeigt. Abwechselnd richten sie die jeweilige Premiere aus. Die Angers Nantes Opera setzt ganz auf Koproduktionen und Gastspielengagements, wodurch sie ein breit aufgestelltes Programm realisieren kann. www.angers-nantes-opera.com

Orchestre National des Pays de la Loire © Ville de Nantes

Im September 1971 gab das Orchester der Pays de la Loire seine ersten Konzerte in Nantes und Angers unter der Leitung von Pierre Delvaux. Es entstand aus dem Zusammenschluss des Orchesters der Oper in Nantes und der Orchestergesellschaft von Angers. Das Orchester ist mit seinen rund 100 Orchestermitgliedern zu gleichen Teilen in beiden Städten angesiedelt. und sorgt für ein reges Konzertleben. Initiator war der damalige Musikdirektor im Ministerium für Kultur Marcel Landowsky www.onpl.fr

Centre Chorégraphique National de Nantes

Foto © Centre Chorégraphique National de Nantes

Das Tanzzentrum ist eine der führenden Tanzeinrichtungen in Frankreich, aus der schon viele große Tänzer/Innen hervorgegangen sind. Ziel ist es, künstlerische Forschung zu betreiben, Kreativität zu fördern und als Motor für Künstler und die Bürger von Nantes zu fungieren. Es versteht sich als Raum für den Austausch und für Dialog-Projekte, die auf mehreren Ebenen entwickelt wurden. Eine Art Fabrik, die Choreographen/innen, Tänzer/innen und Ensembles sowie der Ausbildung gewidmet ist. www.ccnnantes.fr

Le Grand T, Théâtre de Loire-Atlantique

N. Radulovic ©B. de Diesbach

Le Grand T© Ville de Nantes

Das Grand T, Théâtre de Loire-Atlantique, ist eng mit der Errichtung des MCLA (Haus der Kultur der Loire-Atlantique) verbunden. Im Le Grand L wird Welttheater gezeigt und ist die wichtigste Einrichtung für modernes, innovatives und ambitioniertes Sprechtheater im Westen von Frankreich. Das Théâtre de LoireAtlantique erfindet sich immer wieder neu und


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DIE TALENTE VON NANTES WERDEN EXPORTIERT Long Ma, monumentale Drachendame der Compagnie „La Machine“ lässt sich im Jahr 2016 endgültig in China nieder, wo sie bereits 2014 ihre Show hatte. Royal de Luxe wird in die ganze Welt eingeladen: Die Großmutter, letzte Figur in der Saga der Riesen, hat im Februar 2015 die Australier getroffen. Die Folle Journée von René Martin verbreitet sich in Japan, in Spanien in Polen und in Russland... Reisen sind vorgesehen für Pony Pony Run Run, Philippe Katerine, Dominique A, C2C, Christine and The Queens (ausgezeichnet bei den Victoires de la musique 2015 und 2016).

© Karen Knorr

prägt das MCLA und ihr Publikum nachhaltig und ist eine wichtige Bildungseinrichtung in Nantes und der Region. www.legrandt.fr

fentlichkeit für das Lesen, die Literatur, die Poesie und ihre Ausdrucksformen gewinnen und begeistern. www.maisondelapoesie-nantes.com

Weitere Einrichtungen Musique Sacree Cathedrale de Nantes www.musiquesacree-nantes.cef.fr

Maison de la Póesie

Baroque en scène

Das Haus der Poesie ist das Literaturhaus der Stadt Nantes. Ausstellungen, Lesungen, Diskussionen und literarische Foren werden regelmäßig veranstaltet und prägen das literarische Leben der Stadt. Man möchte eine breite Öf-

Les Amis de l’orgue

www.baroque-en-scene.com www.orgue-nantes.com

© Ville de Nantes


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© Martin Argyroglo

le lieu unique Scène Nationale de Nantes Das lieu unique liegt zentral nahe Bahnhof und Stadtzentrum und ist mit seinem Turm eines der Wahrzeichen der Stadt. Von dort hat man einen fantastischen Blick über die Stadt und die Umgebung. Nachdem die LU Keksfabrik Nantes verlies, stellte sich die Frage, was man mit dieser riesigen Immobilie, die aus verschiedenen Fabrikgebäuden bestand, anfängt. Da ergriff Jean Blaise die Chance, nach vielen Jahren des Nomadentums durch verschiedenste Büros und Räumlichkeiten in der Stadt, immer nah an den verschiedensten Projekten, ein festes Haus zu bespielen,

Welcome To My World, Daniel Jonhston © Martin Argyroglo

Quartier de la Création Als Sinnbild einer proaktiven Kulturpolitik und Musterbeispiel für ein ehrgeiziges Stadtprojekt ist seit 20 Jahren die Entwicklung des Quartier de la Création auf der Ile de Nantes. Es zielt darauf ab, der Creative Arts District in Europe, das europäische Kompetenzzentrum auf dem Gebiet der Kultur- und Kreativwirtschaft zu werden. Für dieses langfristige Projekt steht ein 15 ha großes Gelände einer ehemaligen Schiffswerft zu Verfügung. www.creationduquartier.com

Nantes Digital Week Jobs, Gesundheit, Kultur, Bildung, Zusammenhalt, Gleichheit, Erbe, Gemeinschaft, die Umwelt: Die digitale Herausforderung betrifft sie alle. Es ist eines der größten Probleme unserer Zeit und verändert und beeinflusst wie wir als Gesellschaft leben. Frankreich muss auf dem Gebiet noch aufholen und muss sich dieser Realität stellen. Menschen aus der ganzen

Foto © Quartier de la Création

endlich sesshaft zu werden und all seine Ideen und Visionen in einem Haus zu vereinen ohne sich allerdings auf einen, diesen Ort zu begrenzen, Heute sitzt Jean Blaise mit seinem le Voyage à Nantes gerade gegenüber, ebenfalls in einem ehemaligen LU Gebäude mit Blick auf das lieu unique, das es ohne Jean Blaise nicht gäbe und so auch nicht in vielen Städte existieren würde. Im Jahr 2000 begann die Geschichte dieses atypischen Kunstzentrums, einem einzigartige Ort der Künste.

La Fabrique + Fabrique BellevueChantenay Les Fabriques ist ein innovatives Projekt der Leidenschaft der Stadt Nantes, mit dem Sie jungen Künstler der verschiedensten Disziplinen fördern und ihnen Räumlichkeiten für ihr Schaffen, Wirken, das Ausprobieren von Neuem, das Erfahrung sammeln, zu Verfügung stellen. Die Herausforderung von Les Fabriques ist es, diese Erfahrungen zu ermöglichen, beste Bedingungen hierfür zu schaffen um eine visionäre kulturelle Dynamik in Bewegung zu setzen, die das Ziel von Nantes als moderne, innovative und kreative Stadt unterstützt. www.lafabrique.nantes.eu

Nantes Digital Week mapping Scopitone NDW © Christine Blanchard

Der heutige Leiter des lieu unique, der Schweizer Patrick Gyger begrüßt mich mit den Worten „Willkommen an einem, Ort wo alles möglich ist was nicht möglich ist“. Und dann zeigt er mir sein Haus. Beeindruckend, was sich hinter den Mauern alles verbirgt und über wieviel Platz und Spielwiesen das Kulturzentrum verfügt. Das lieu unique hat mehrere Ausstellungsräume, einen großen Theatersaal, an dessen Wänden Devotionalien aus der Zeit der Sklaverei hängen. weitere kleine Studios und »Labors«, eine Bar, ein Restaurant, eine Bibliothek, einen Shop. Soweit nichts Besonderes, wobei ich nicht die überwältigende Atmosphäre und Charme des alten Fabrikgebäudes unerwähnt lassen möchte. Aber welche Einrichtung verfügt zusätzlich über einen Kindergarten und ein türkisches Hammann, ein Dampfbad? Das lieu unique! Und es passt, ist stimmig und es ist Teil des Programms. Patrick Gyger möchte mit dem Programm den Geist der Neugier wecken, offen für alles sein und den Dingen ihren kreativen Lauf lassen. Ausprobieren, Experimente eingehen und der Kultur von der Mitte bis an die Randbereiche Platz geben. Das Haus lädt ein zum Verweilen und möchte den offenen Dialog und die Auseinandersetzung über alle gesellschaftlichen Schichten und politische Fragestellungen hinaus pflegen und fördern. Wichtig ist ihnen bei der Programmierung, die Grenzen zwischen den Disziplinen, zwischen Bühne und Publikum abzuschaffen und zur Erneuerung sowohl populärer wie experimenteller Strömungen beizutragen. Die Eckpunkte des Programms sind die Bereiche Bildende Kunst, Theater, Tanz, Zirkus, Musik, Literatur, Philosophie, Architektur und Geisteswissenschaften. www.lelieuunique.com

© DR

digitalen Welt kommen in Nantes zur dritten Nantes Digital Week zusammen. Die digitale Szene von Nantes hat eine breite Palette von Aktivitäten und Veranstaltungen organisiert. 15.-25.9.2016 | www.nantesdigitalweek.com

© Martin Argyroglo

Stereolux Stereolux ist ein Kunst- und Kulturprojekt das sich auf zeitgenössische Musik und digitale Welten konzentriert. Multimedia und digitales Design hat neue Wege der künstlerischen Auseinandersetzung eröffnet. Es ist ein fruchtbarer Boden für die Entwicklung von neuen künstlerischen Disziplinen, vor allem, wenn sie mehrere Interaktionsformen (Musik, Bild, Bewegung ...) integrieren. Diese innovativen Ausdrucksformen sind am Anfang ihrer Entwicklung und bewegen die aktuelle Entwicklung in der Geschichte der Kunst. Das vielseitige Programm des Stereolux zielt darauf ab, einer noch in der Entwicklung befindlichen „Branche“ Rahmenbedingungen für die Entwicklung zu schaffen und Schnittpunkt zwischen Kunst und Publikum zu sein. Das Stereolux Programm ist in fünf Themenbereiche gegliedert: Musik, Digitale Kunst und Kulturen, das Art & Technology Lab, Education und Programme für Kinder.

Fabrique Chantenay © Ville de Nantes

Zwei Theaterräume ermöglichen Auftritte aufstrebender und weltberühmter Künstler. Stereolux ist eine Einladung, die Kunst des 21. Jahrhunderts zu entdecken. www.stereolux.org

Weitere Kulturzentren | Clubs Zenith www.zenith-nantesmetropole.com

Pannonica

www.pannonica.com

TU Nantes

www.tunantes.fr

Onyx

www.theatreonyx.fr

Stereolux © Ville de Nantes


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20 JAHRE INNOVATION UND MUT Die Nanteser Kulturlandschaft ist durch neue Orte und Projekte ständigen Umbrüchen unterworfen: die Allumées im Jahr 1990, das Lieu Unique im Jahr 2000, der Parcours Estuaire Nantes <> Saint-Nazaire seit 2007. Ende 2011 hat sich La Fabrique als transdisziplinärer Ort für aufstrebende Musik hinter den Machines de l’Île niedergelassen. Mutig ist auch das Mahnmal zur Abschaffung der Sklaverei: Nantes deckt seine Vergangenheit auf und sieht ihr mit einer symbolischen, künstlerischen Geste ins Gesicht. Dann das Jahr 2011, als sich die Stadt entschieden hat, eine neue Etappe einzuläuten und eine in Frankreich einmalige Gesellschaftsstruktur aufzusetzen, die SPL Le Voyage à Nantes. Hier werden die Teams Tourismus (Informationsbüros) und Kultur (Schloss, die Machines, Estuaire) zusammengefasst. Der Wunsch: Tourismus und Wirtschaft Hand in Hand mit Kunst und Kultur. © Jean-Dominique Billaud

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NANTES, DIE NATUR IN DER STADT Nantes verfügt über mehr als 1 000 ha Grünfläche und belegt bei Rankings mit seiner Lebensqualität regelmäßig einen Spitzenplatz: Die Parkanlagen, Gärten, begrünten Rampen haben sich vervielfacht. 2014 ist es der neu gestaltete Square Mercoeur, der das Meeresungeheuer des Künstlers Kinya Maruyama zeigt. Seit drei Jahren bummeln nicht weniger als 450 000 Besucher jeden Sommer durch die Werke von Claude Ponti im Jardin des Plantes. Der Nachhaltigkeitsanspruch prägt die Stadt auf allen Ebenen, von der Öko-Metropole Nantes/Saint-Nazaire bis zur l’île de Nantes. Das Bemühen, eine fahrradfreundliche Metropole zu werden, waren es wert, den internationalen Kongress „Vélo-City“ in 2015 zu empfangen. Der Wille zur Reduzierung negativer Umwelteinflüsse hat Nantes im Jahr 2013 den Titel der „grünen Hauptstadt Europas“ eingebracht. Diese Belohnung wird von der Stadt nicht als finales Ergebnis, sondern vielmehr als Ansporn gesehen, noch weiter zu gehen.

Villa Cheminée, Tatzu Nishi © Bernard Renoux


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Mit dem Schiff auf der Loire Die Flussfahrten ESTUAIRE Nantes <> Saint-Nazaire Nutzen sie eine Flussfahrt, um dorthin zu gelangen, wo die Loire ihren Lauf im Ozean beendet und entdecken sie die Mündung aus einer einzigartigen Perspektive, nämlich vom Fluss aus. Aktivitäten im Hafen, tolle Naturlandschaften und die Werke von Estuaire, die mit der Landschaft im Dialog stehen. Gehen sie im Juli-August bei Einbruch der Nacht an Bord eines Schiffes, im Rhythmus einer farbigen Klanginstallation. Von April bis Oktober Abfahrt von Nantes oder Saint-Nazaire Dauer: 2,5 Stunden www.nantes-tourisme.com www.estuaire.info

Serpent d’océan, Huang Yong Ping © Gino Maccarinelli

ESTUAIRE

Ein Museum unter freiem Himmel Während einige Werke nur für die Dauer einer Saison präsentiert wurden, bilden andere eine Sammlung unter freiem Himmel, die das ganze Jahr über zu besichtigen ist. Von Nantes bis Saint-Nazaire vereint dieser Parcours auf 60 km entlang der Loire großdimensionierte Werke, Skulpturen und erstaunliche Architektur, die die Signatur von international renommierten

Künstlern tragen. Diese Installationen sind vor Ort entstanden und auf dem Wasser-oder Landweg (zu Fuß, mit dem Fahrrad oder Auto) zu erreichen. Sie zeigen eine bislang unbekannte Loire-Mündung, die von Naturgebieten, Sumpf, Fischgründen und Industrielandschaften durchzogen ist. Estuaire-Schifffahrten zwischen Nantes und Saint-Nazaire werden von

© Franck Tomps

April bis Oktober angeboten. Die ca. dreistündige Besichtigungstour wird direkt von einem Führer erläutert. Im Ganzen sind 30 dauerhafte Werke das ganze Jahr über frei zugänglich, an untypischen Orten (eine Betonfabrik für Le Pendule von Romain Signer, etc.) oder an besonderen Stellen

der Mündung (die Wiesen und das Schilf von Lavau-sur-Loire für das Observatorium von Tadashi Kawamata), Tag und Nacht (Les Anneaux – die Ringe von Daniel Buren und Patrick Bouchain). Ein 31. Werk, „Mort en été”, von Claude Lévêque, liegt etwas abseits bei der Abbaye de Fontevraud (2,5 Stunden mit dem Auto). Projekt-Initiator: Jean Blaise.

DIE DAUERKUNSTWERKE 1. Péage Sauvage, Observatorium Nantes, Malakoff (Petite Amazonie) 2. Nymphéa, Ange Leccia, Nantes, Saint-Felix-Kanal, © VG-Bild_Kunst, 2016, 3. l’Absence, Atelier van Lieshout, Nantes, Parvis de l’école d’architecture 4. The Zebra crossing, Angela Bulloch, Île de Nantes, Gebäude Manny 5. Air, Rolf Julius, Île de Nantes, Gebäude Manny, © VG Bild-Kunst, 2016 6. Mètre à Ruban, Lilian Bourgeat, Île de Nantes, Gebäude Aethica 7. De temps en temps, Francois Morellet, Gebäude Harmonie Atlantique, © VG Bild_ Kunst, 2016 8. Station Prouvé, Jean Prouvé, Parc des Chantiers

A3_CARTE_PARCOURS_PERENNE_Mise en page 1 10/09/2015 16:03 Page1

(hedgehog) © Bernard Renoux

Misconceivable, Erwin Wurm © Gino Maccarinelli

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9. Résolution des forces en présence, Vincent Mauger © Bernard Renoux 10. Les Anneaux, Daniel Buren und Patrick Bouchain, Île de Nantes, Quai des Antilles, © VG Bild-Kunst, 2016 11. Lunar Tree, Mrzyk & Moriceau, Nantes, Anhöhe Sainte-Anne, VG Bild_Kunst, 2016 12. Le Pendule, Roman Signer, Rezé Trentemouit 13. The Settlers, Sarah Sze, Bouguenais, PortLavigne 14. Chambres d’artistes, au Château du Pé, SaintJean-de-Boiseau 15. Did I miss something?, Jeppe Hein, Saint-Jean-de-Boiseau, Château du Pé 16. Misconceivable, Erwin Wurm, Le Pellerin,

La Martinière-Kanal, © VG Bild-Kunst, 2016 17. Le jardin étoilé, Kinya Maruyama, Paimboeuf 18. Serpent d’océan, Huang Yong Ping, Saint-Brévin-les-Pins, VG Bild-Kunst, 2016 19. Le jardin du tiers paysage, Gilles Clément, Saint-Nazaire, Dach der U-Boot Basis 20. Suite de Triangles, Felice Varini, SaintNazaire, Panoramaterrasse, VG Bild-Kunst, 2016 21. l’Observatoire, Tadashi Kawamata, Lavau-sur-Loire 22. Villa cheminée, Tatzu Nishi, Cordemais 23. Serpentine Rouge, Jimmie Durham, Indre 24. La maison dans la Loire, Jean-Luc Courcoult, Couëron

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PASS NANTES

Ob sie nun 24, 48 oder 72 Stunden in Nantes verbringen – mit dem Pass Nantes erkunden sie die Stadt ganz einfach. Kostenloser Eintritt zu allen wichtigen Sehenswürdigkeiten, Führungen und Nutzung der Verkehrsmittel.

PASS NANTES (Logo) Dauer

24 Std.

48 Std.

PASS NANTES

EUR 25

EUR 35 EUR 45

72 Std.

PASS ERMÄSSIGT*

EUR 17

EUR 24 EUR 31

PASS FAMILIE**

EUR 67

EUR 94 EUR 121

*Kinder von 4 bis 17 Jahren, Studenten unter 26 Jahre, Behinderte mit Ausweis ** 2 Erwachsen + 2 Kinder

BESUCHEN SIE NANTES, FOLGEN SIE DER GRÜNEN LINIE! Folgen Sie der Grünen Linie, die sie ins Herz der Stadt führt und mit der Sie nichts vom Rundgang Voyage à Nantes verpassen: Alle kulturellen Orte, die wichtigsten Denkmäler und Sehenswürdigkeiten der Stadt. Im Sommer wird dieser Parcours belebt und mit zeitgenössischen Installationen angereichert, mit Städtischem Mobiliar für gesellige Pausen oder mit besonderen Läden in der ganzen Stadt. Kontakt: Nantes.Tourisme 9, rue des Etats 44000 Nantes - France info@nantes-tourisme.com www.nantes-tourisme.com www.levoyageanantes.fr


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EINE FAMILIE FÜR DIE MUSIK Gregor Hübner | Violinist, Pianist & Komponist Es ist Freitagabend im Café Animo in Ulm, das in den Räumlichkeiten der Eiden Porzellan Licht Manufaktur lebt. Kultur ist dem Animo wichtig und so laden sie immer wieder Künstler zu Konzerten, Lesungen und Diskussionen ein. Heute Abend ist der Ulmer Trompeter Joo Kraus Gastgeber mit seiner Reihe „Herzstücke“, zu der er regelmäßig einlädt. Zu Gast im Cafe Animo ist an diesem Abend das Sirius Quartet aus New York. Was folgt, beschrieb die Südwest Presse mit „Sternenklang aus New York“, ein unfassbarer Abend, der bis heute bei mir nachklingt, und ich will mehr davon. Ein Abend, an dem ein klassisches Quartett auf einen Jazztrompeter trifft, was so in der Musik und im üblichen Harmonieverständnis nicht vorgesehen ist. Die fünf Musiker haben an diesem Abend das Gegenteil bewiesen. Ein wunderbarer Abend mit rasend schnellen Tempo-und Rhythmuswechseln. Klassik, zeitgenössische Musik, Eigenkompositionen der vier Sirius Musiker und von Joo Kraus stehen auf dem Programm. Aber auch Stücke von Sting. So verzaubern die Musiker das Publikum mit „An Englishman in New York“ oder „Elenor Rigby“. Es sind nicht mehr als 70 Besucher im Café Animo. Mehr Platz gibt es nicht. Es hat sich herum gesprochen, wie besonders die Veranstaltungen im Animo sind, die Jan Eiden, der Gründer der Manufaktur mit viel Leidenschaft und Herzblut auf die Beine stellt. Wir sind alle glücklich und spüren, dass dies ein ganz besonderer Abend ist. Hier treffe ich Gregor Hübner, den Schwaben in New York, der seine Geige so meisterhaft beherrscht, was vor allem bei den Free Style Stücken, die Joo Kraus mit Beat Box Sequenzen beginnt, und bei denen nach und nach die Sirius Musiker einsteigen, bestechend zum Klang kommt. Gregor Hübner ist einer der ganz Großen auf seinem Instrument und verfügt über eine beeindruckende musikalische Bandbreite, die er solo, mit Ensembles oder in eigenen Formationen umsetzt. Sein Spektrum reicht von Klassik, über zeitgenössische Musik, lateinamerikanische Rhythmen, dem Jazz bis hin zum Musikkabarett. Mit Letzterem und der Formation „Berta Epple“, in der auch sein Bruder Veit mitspielt, erlebe ich ihn vier Tage später in Allensbach. Unterschiedlicher könnte es nicht sein, aber in beidem ist Gregor Hübner authentisch, als würde es nur dies für ihn geben. Mit dem Musikkabarett und der Gründung von Tango Five begann alles. Trotz des großen Erfolgs, der ihm nie zu Kopf gestiegen ist und der ihn nicht vom Weg abgebracht hat, ist er immer offen für Neues und ehrlich zu sich selbst und bereit vieles auszuprobieren und einfach das zu machen, was vor allem Gregor Hübner selbst Spass macht. Über ihn, seine Familie, die musikalischen Wurzeln, anstehende Projekte und vieles mehr habe ich mit Gregor Hübner gesprochen.

Was beschäftig Sie, was treibt Sie gerade musikalisch um ? Gestern am 25sten Januar habe ich mein Klavierkonzert und mein Violinkonzert für eine Produktion mit der WDR Big Band fertig gestellt. Das war jetzt mal wieder eine intensive Zeit, da es sich um ungefähr 40 Minuten Musik handelt, und das für Richie Beirach und mich als Solisten mit einer der besten Big Bands Europas. Heute war ich den ganzen Tag in der Jury für den Herb Albert Young Composers Award in der ASCAP in New York, und jetzt sitze ich 7 Stunden im Auto, um morgen ein Konzert mit dem Sirius Quartet in Erie Pennsilvania zu spielen. Danach geht’s nach Boston für Aufnahmen für das Parma label. Also „no time to rest“. Ich habe Sie mit dem Sirius Quartet & Joo Kraus in Ulm erlebt, Klassik meets Jazz auf allerhöchstem Niveau. Ein paar Tage später mit Musik Comedy in Allensbach. Sie zusammen mit und in der Formation Berta Epple. Gerade bereiten Sie sich auf eine große Tournee mit lateinamerikanischer Musik vor. Wie definieren Sie Ihre künstlerische Identität? Ich bin mit Osteuropäischer Volksmusik aufgewachsen, habe Klassik und Jazz studiert sowohl am Instrument als auch in der Komposition und bin in New York auf die lateinamerikanische Musik aufmerksam geworden. Bin eingetaucht in diese für mich neue Welt. Für mich gibt es einfach zwei Kategorien von Musik: Musik, die mich interessiert in jeder Art von Stil, und Musik, die das nicht tut. Mein Instrument ist nur ein Gerät, auf dem ich mich ausdrücken kann wie ich will. Es war schon immer schwierig, mich stilistisch einzuordnen. Ich sehe dafür in der heutigen Zeit auch keine Gründe mehr. Es gibt ja keine Plattenläden mehr, wo in Jazz und Klassik unterteilt wird. Für mich ist die Freiheit der Improvisation, die Energie und die Emotion sowohl am Instrument als auch in der Komposition sehr wichtig. Wie man das dann stilistisch nennt, sollen andere klären.

Gregor Hübner, Foto © Holger Keifel


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Sie stammen aus einer Musikerfamilie. Glücksfall oder große Bürde? Aus heutiger Sicht Glücksfall, als 13 jähriger Junge Bürde. Ich hoffe mein Sohn, der jetzt 13 ist, sagt irgendwann mal dasselbe. Das Besondere in einer Musikerfamilie aufzuwachsen ist, dass man immer eine Gemeinsamkeit hat, die wie in unserem Fall die Familie regelmäßig zusammenbringt. Als Kinder haben wir schon so viel durch die Musik erlebt, und das bleibt einem für immer. Mit meinen Geschwistern Musik zu machen ist immer total relaxed, da man sich aufeinander verlassen kann. An diesem Vertrauen arbeiten Ensembles Jahrzehnte und kommen wahrscheinlich nie zu diesem Punkt, den wir als Familie dadurch, dass wir damit aufgewachsen sind, haben. Stellen Sie uns Ihre Familie vor? Meine Eltern Heinz und Adelheid waren beide Musiklehrer in Ravensburg am Welfen Gymnasium. Sie sind jetzt pensioniert, aber musikalisch immer noch sehr rege. Sie haben regelmäßig Konzerte mit ihrem Streichquartett, und ein Highlight im Jahr ist immer der Auftritt des Salonorchesters meines Vaters, am Sonntagmorgen beim Einhalden Festival, einem Festival das ursprünglich von Tango Five gegründet wurde, und das jetzt schon seit vielen Jahren von meinem Bruder immer im Sommer veranstaltet wird. Mein Vater hat Violine und Schulmusik in Stuttgart studiert und meine Mutter Orgel. Meine Schwester Fee studierte Schauspiel und Klavier in Hamburg. Sie lebt heute in Rom mit ihrer Familie und arbeitet im Moment an neuen, eigenen Songs für ihre nächste CD, die wir im Mai aufnehmen werden. Sie hat außerdem ihr eigenes Soloprogramm, ein Musik Comedy Programm, mit dem sie auftritt. Veit, mein Bruder, mit dem ich schon immer Musik mache, lebt in Stuttgart und ist einer der gefragtesten Bassisten in Deutschland. Er ist, genau so wie ich, sehr viel unterwegs, wenn nicht mit mir, dann mit Joo Kraus, seiner Band Foaie Verde, dem Tales in Tones Trio, dem Raul Jaurena Trio oder auch als Kontrabassist oder E-Bassist in den Orchestern Deutschlands. Was verbindet, was unterscheidet, was trennt sie? Trennen tut uns glaube ich nur der geografische Abstand, Ravensburg, Stuttgart, Rom, New York. Ansonsten verbindet uns die Liebe zur Musik und die Liebe zur Familie. Ich glaube solch eine Familie, wie wir sie haben, ist recht selten und deswegen hoffe ich, dass das auch noch lange so bleiben wird. Unterscheiden tut uns einiges, jeder hat Vorlieben. Meine Mutter zum Beispiel fragt mich oft, „wann schreibst Du denn mal einen schöne Melodie“? Daran sieht man, dass wir einfach auch unterschiedliche Geschmäcker haben. Mein Bruder ist mehr im Jazz verhaftet als ich. Ich interessiere mich für die moderne Klassik und unsere Schwester entwickelt sich zum Singer Song Writer. Was passiert, wenn sich die Hübners treffen? Wir feiern gerne. Erst letzten Sommer war ein großes Familienfest, bei dem wir den 75sten Geburtstag unserer beiden Eltern und deren Silberhochzeit gefeiert haben. Dabei gab es viel Musik, gutes Essen, und auch dem Bier und dem Wein wurde kräftig zugesprochen. Eine typische Hübner Feier eben. Danach sind wir dann alle zusammen noch eine Woche auf die italienische Insel Ischia in den Urlaub gefahren. Als wir Kinder waren, war dies unser Urlaubsort, und es war so schön, die Erinnerungen wieder aufleben zu lassen, dass wir schon darüber nachdenken das zu wiederholen. Ansonsten machen sich die Eltern natürlich immer Sorgen um die selbständigen, freien, brotlosen Kinder und helfen deswegen auch immer mal wieder aus, wenn es brennt. Die Improvisation beim Organisieren vom Festival oder anderen Events ist ihnen auch meistens zu chaotisch, aber irgendwie klappt’s dann doch immer und alle sind happy. Sie sind zum Studium nach Wien, Stuttgart und dann nach New York gegangen und sind dort hängen geblieben. Warum und wie befruchtet die Stadt Ihre Musik? 1994 nachdem ich in Wien und Stuttgart meine klassischen Studien beendet hatte war mein sehnlichster Wunsch mich in New York für 2 Jahre nur mit dem Jazzklavier zu beschäftigen, was ich dann

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auch an der Manhattan School of Music getan habe. Nur kamen in diesen 2 Jahren noch viele andere Dinge dazu, die nicht geplant waren, und die man wahrscheinlich als Schicksal bezeichnet. An der Manhattan School of Music lernte ich in der ersten Woche die damals 85jährige Kompositions Professorin Ludmilla Uhlela kennen, bei der ich dann Komposition als zweites Hauptfach studierte, und die mich innerhalb des zweijährigen Studiums zum orchestralen Komponieren brachte und mich dafür begeisterte. Schon in den ersten paar Monaten lernte ich außerdem meine jetzige Frau, La Juana, kennen, mit der ich zwei Kinder, Ysai und Naima, habe und in Harlem wohne. Am Ende des Studiums kam dann der Knüller, der mich dazu bewegte in New York zu bleiben. Mein damaliger Klavierlehrer Harold Danko meinte, bevor ich mit dem Studium fertig bin sollte ich noch ein paar Unterrichtsstunden bei dem Pianisten Richie Beirach, in Pädagogenkreisen genannt „the code“, nehmen. Ich kannte zwar ein paar Kompositionen von ihm, aber nicht sein Piano Spiel. Schon die erste Stunde war eine Offenbarung und ich wollte mehr. In der dritten Stunde dann kam ich mit meiner Violine aus einer Probe mit dem Kammerorchester des Metropolitan Museums, in dem ich als Aushilfe spielte und Richie meinte „pack aus lass uns spielen“. Ich war zu diesem Zeitpunkt wie gesagt auf das Jazzklavier fixiert und sah mich nicht als Jazz-Geiger, was ich auch zum Ausdruck brachte, aber Richie bestand darauf und zog eine Bagatelle von Bartok hervor, über die wir dann gemeinsam fast eine Stunde improvisierten. Es gibt wenige Begebenheiten, die einen so bewegen wie dieser Moment. Da war ein Musiker, den ich vorher nicht kannte, mit dem ich mich musikalisch unterhalten konnte wie mit keinem anderen zuvor. Richie ging es glaube ich genauso und so engagierte er mich 6 Wochen später für eine CD Aufnahme mit George Mraz und Billy Hart. Mit denen spiele ich jetzt seit 20 Jahren. Dieser Moment hat mein Leben verändert. New York war meine Stadt und ist es immer noch. Man hat alle musikalischen Einflüsse vor der Haustür und bekommt nirgends sonst auf der Welt diese Energie. Diese Energie entsteht zum einen aus der Mischung Überleben in New York und dem Stilmix. Vielleicht liegt es daran, dass ich mich hier so wohl fühle. Sie sind sehr viel und oft auf Reisen, wochenlang unterwegs. Wie ist das Arrangement mit Ihrer Familie, leidet das Familienleben nicht darunter? Ja natürlich ist das schwierig, und es gab auch schon schwierige Zeiten, aber irgendwie sind wir da durch, und inzwischen wechsle ich mich mit meiner Frau ab, wenn es ums Reisen geht. Meine Frau unterrichtet auf ihrem Gebiet in Wellness Zentren weltweit und jetzt im März zufällig in Bochum zur selben Zeit, in der ich mit dem WDR arbeite und zwei neue Kompositionen uraufführe. Wir arbeiten daran, dass Sie dabei sein kann. Zuhause hilft dann die Oma aus. Wenn ich zu Hause in New York bin, kann ich mich auch mehr um meine Kinder kümmern als jemand der 5 Tage die Woche im Büro arbeitet

Sirius Quartet, New York, Foto © Nemenz

Gregor Hübner, Foto © Holger Keifel


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Gregor Hübner & Richie Beirach

und das gleicht meine regelmäßige Abwesenheit hoffentlich zu einem gewissen Grade aus. Mit El Violin Latino gehen Sie in Kürze auf große Tournee. Was ist die Faszination der lateinamerikanischen Musik für Sie? Wie kamen Sie dazu? Ich kam an in New York und mein erster Job war in einer Cheranga Band, die jeden Mittwoch im Club Gonzales y Gonzales spielte. Das war die legendäre Band Jovemes del Barrio und Johnny Almendra. Diese Musik hat mich sofort begeistert, und ich wollte mehr wissen darüber. Ich bin dann nach Cuba gereist und habe dort auch die Volksmusik Cubas kennengelernt. Speziell die Rhythmen der Bata Trommeln haben mich fasziniert, was in vielen auch meiner eher für klassische Formationen komponierten Werke zu hören ist. Dabei handelt es sich hauptsächlich um 6/8 Rhythmen der Afro Cubanischen Musik mit allen möglichen Variationen, ein Universum in sich und ich entdecke immer wieder etwas Neues. Bei meiner Hochzeit im Nuorican Poets Cafe in New York waren auch einige deutsche Freunde. Und

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dort kam es zu der spontanen Entscheidung, die Latin Band Salsafuerte in Deutschland zu gründen. Für diese Band habe ich sehr viel geschrieben und wir haben über die Jahre 3 CDs aufgenommen, auf denen ich hauptsächlich Klavier spiele. Dies macht mir besonders viel Spaß, da ich ja nicht mehr so oft zum Klavierspielen komme. Mit dem Tango hatte ich durch unsere Band Tango Five und die Zusammenarbeit auch in den USA mit Raul Jaurena schon lange zu tun und diese Musik ist meiner osteuropäischen Geigerseele sehr nahe. Die Brasillianische Musik ist etwas eher Neues für mich und Klaus Müller, mein Pianist auf der El Violin Latino Tour, hat mich dafür begeistert. Dass ich dann gleich mit so großartigen Musikern wie Portinho, Lincoln Goines und Maucha Adnet aufnehmen durfte, habe ich ihm zu verdanken. Was mich aber am meisten an der Musik begeistert, ist die Lebensfreude und die Traurigkeit, also das emotionale an der Musik dieser Länder. Hier finde ich die Gemeinsamkeiten zu der Volks- und Zigeunermusik Osteuropas, der Musik, mit der ich aufgewachsen bin. Sirius Quartett New York, ein weiteres Projekt von Ihnen. Wie haben Sie sich gefunden, was verbirgt sich dahinter? „The Sirius Quartet“ gibt es schon sehr lange. Es wurde vor 25 Jahren von unserem Bratschisten Ron Lawrence gergründet und es war hauptsächlich in der sogenannten „avantgarde downtown scene“ in New York tätig. Ich bin dann ungefähr vor 12 Jahren von Ron gefragt worden ob ich in dieses Quartet einsteigen möchte und habe dadurch über die Jahre mit sehr interessanten Musikern, wie Elliott Sharp, Antony Braxton, Randy Wolf, Billy Martin und vielen anderen gearbeitet. Was das Großartige am Sirius Quartet ist, dass es in der Zwischenzeit ein wichtiges Ensemble ist für mich als Komponisten, da es sich zu einem Streichquartett entwickelt hat, das neben Projekten mit Uri Caine, Dave Binney, Billy Martin, Joo Kraus und 2016 auch Dave Liebmann hauptsächlich eigene Kompositionen der Quartet Mitglieder spielt. Meine 4 Quartette und andere Kammermusikwerke wurden über die Jahre meistens vom Sirius Quartet uraufgeführt und aufgenommen.

Alle Mitglieder des Sirius Quartets sind sowohl ausgebildete klassische Musiker als auch hervorragende Solisten. Dadurch haben wir ein sehr großes Feld an Repertoire und Stilen. In unseren Programmen gibt es contemporary classical oder Neue Musik, Rock, Jazz, World und freie Improvisationen zu hören. Es gibt keine Grenzen mehr und genau das ist das Spannende für mich. Wohin geht die Reise mit dem Sirius Quartett. Hoffentlich weit? Das Konzert in Ulm, die musikalische Begegnung mit Joo Kraus (Jazz, Trompete), war für mich ein großes Konzerthighlight. Nie zuvor habe ich ein solch berührendes, virtuoses, mit Grenzen spielendes und überschreitendes Konzert erlebt. Ja genau, das spontan entstandene Konzert mit Joo war ein Highlight auch für uns. Mein Bruder spielt ja schon sehr lange mit Joo aber dadurch, dass ich schon so lange in New York lebe, hatte ich sehr wenig Gelegenheit mit ihm zu musizieren. In den letzten Jahren hatten wir dann bei ein paar Workshops zusammen zu tun, und ich wollte einfach mal ausprobieren wie es klingt, wenn ein Streichquartett mit einem Trompeter zusammentrifft. Als dann das Sirius Quartet in Ochsenhausen einen Workshop gab, habe ich Joo spontan gefragt, ob er nicht vorbei kommen mag um einfach mal mit uns zu jammen. Das Wort jammen und Streichquartett war irgenwie ungewohnt für Joo, aber als wir uns dann trafen, hat es sofort funktioniert und das Ergebnis war, das Joo zwei Konzerte im Herbst organisierte, die uns alle begeisterten. Wir arbeiten daran diese Zusammenarbeit weiterzuführen und sind auch schon am Planen. Wie wichtig ist Ihnen das Komponieren? Das Komponieren wurde über die Jahre immer wichtiger für mich sowohl als Ausdruck meiner musikalischen Ideen als auch finanziell. In den letzten 5 Jahren hatte ich große Aufträge für die Bachakademie in Stuttgart, Tribeka New Music New York, die Orchester des SWR, das Orpheus Vokalensemble und in diesem Monat nun die WDR Big Band. Zusammen mit Gerd Baumann habe ich mehrere Filme musikalisch begleitet und selbst viele kammermusikalische Werke geschaffen. Aber ich liebe es

auch einfach mal ein lead sheet zu schreiben oder jetzt für meine neue CD „El Violin Latino Vol.2“ Stücke in den lateinamerikanischen Stilen zu schreiben. Ich glaube, das Komponieren ist ein Weg, mit dem man als Musiker seine eigene Sprache finden kann. Die Improvisation und die Komposition sind eng verwandt. Beim Improvisieren muss eine Struktur spontan entstehen beim Komponieren hat man die Zeit diese auszuarbeiten, aber beides braucht einen roten Faden, sonst verliert man sehr schnell die Aufmerksamkeit des Publikums, das meiner Ansicht nach in den Entstehungsprozess von Musik mit einbezogen werden sollte. Ich sehe das ganz deutlich, wenn ich in München an der Hochschule, an der ich als Gastprofessor tätig bin, meine Studenten unterrichte. Diejenigen, die komponieren, finden irgendwann ihre eigene Sprache. Wann und wo finden Sie die Inspiration und überhaupt Zeit zum Komponieren. Gibt es magische, Orte zum Komponieren? Deswegen wohne ich in New York, ein endloser Pool an Inspiration. Man kann hier jede Art von Musik hören und meistens auf höchstem Niveau und mit der höchsten Energie. Es gibt viele magische Orte und ich hoffe, dass ich irgendwann den Luxus habe einfach wie Verdi in Venedig oder an einem anderen dieser magischen Orte ein Hotelzimmer mit Flügel über ein halbes Jahr zu mieten um dort meine Symphonie oder meine Oper zu schreiben. www.gregorhuebner.de DAS GESPRÄCH FÜHRTE KAI GEIGER. KONZERTDATEN GREGOR & VEIT HÜBNER MIT EL VIOLIN LATINO 9.3. Frisange (LU), Restaurant Léa Linster 11.3. Karlsruhe, Hemingway Lounge 12.3. München, Jazzclub Unterfahrt 13.3. Stuttgart, Theaterhaus

www.glm.de

15.3. Ulm, Cafe Animo 16.3. Ofterschwang, Hotel Sonnenalb 17.3. Ravensburg, Zehntscheuer 18.3. Ludwigsburg, Jazzclub 19.3. Roodt-sur-Syre (LU) , Kirche (LU)

Fee Hübner und die Eltern Adelheid und Heinz Man kann sagen, Adelheid und Heinz Hübner haben alles richtig gemacht. Glücklich und mit Stolz schauen sie auf ihre Familie und das was aus ihren Kindern geworden ist. Die Familie Hübner, das sind die beiden pensionierten Schulmusiker Adelheid und Heinz Hübner. Sie studierte Kirchenmusik mit den Instrumentalfächern Klavier, Orgel, Violine und Musik und ist ausgebildete Musiklehrerin. Er war schon mit 15 Jahren Orchestermitglied im „Pro Musica Bad Canstatt“ und ab 16 Jahren Konzertmeister. Seine Instrumente sind die Violine und die Viola, und er studierte Schulmusik. Neben der Schultätigkeit zeigt er ein vielseitiges musikalisches Engagement bis heute. Seit 2012 ist er mit dem Heinz Hübner Salonorchester unterwegs, bei dem auch Adelheid Hübner mitspielt. Gregor Hübner, Viola, Veit Hübner, Bass, und Fee Hübner, Klavier, komplettieren die Familie. Alle drei Kinder, alle drei Musiker. Aber es hätte auch anders kommen können. Fee Hübner liebäugelte mit der Schauspielerei, ging diesem Wunsch nach und absolvierte ein Schauspielstudium in Hamburg. „Das Schauspiel ist für mich das Leben, die Musik die Liebe“, so Fee Hübner. „Ich liebe die Kombination von Musik und Schauspiel, aber um das herauszufinden, musste ich beides studieren“. Als Jüngste und Nachzüglerin war es für sie auch eine Art Emanzipation von ihrer Musikerfamilie und ihren erfolgreichen älteren Brüdern. Der dauernde Vergleich konnte nerven und es war auch ein wenig Neid darauf, das die beiden Brüder, die sich schon vom Alter her sehr nahe standen, so viel zusammen machten. Das war die Zeit, zu der Fee Hübner sich eine jüngere Schwester oder Bruder gewünscht hätte. Heute ist sie einfach nur stolz auf ihre Brüder. Sie musizieren zusammen, stehen gemeinsam auf der Bühne und unterstützen sich in ihren

Fee Hübner | www.fee-huebner.com

Projekten. So wird es auch beim jährlichen „Familientreffen“ in Einhalden sein, wo Fee Hübner Ihre neue CD präsentieren wird. Ihre musikalischen Wurzeln liegen in der Klassik. „Das ist unser Zuhause, unsere Eltern“ sagt Fee Hübner. „Beeinflussen lasse ich mich jedoch von vielen Stilrichtungen. Mit Jazz bin ich ja bereits sehr früh durch meine Brüder in Berührung gekommen und meine eigene Musik lässt die verschiedenen Einflüsse durchklingen, Jazz, Tango, Pop und natürlich Klassik. Daraus schöpfe ich. Mittlerweile fließt auch die Musik Italiens in meine eigenen Lieder ein“. Fee Hübner lebt seit einigen Jahren in Rom, wo Ihr Mann für die Vereinten Nationen arbeitet. Dort leben sie gerne und sie haben Wurzeln geschlagen. Gerade waren ihre Eltern zu Besuch, denen der Kontakt zu ihren Kindern sehr wichtig ist. Adelheid und Heinz Hübner war eine gymnasiale, humanistische Ausbildung für ihre Kinder wichtig. Durch ihr eigenes Üben, musizieren und singen wurden Ihre Kinder angeregt ein Instrument ihrer Wahl

zu erlernen. Adelheid Hübner unterrichtete alle Drei spielerisch ab 4 Jahren am Klavier. Heinz Hübner begeisterte Gregor mit sieben Jahren für die Geige. Das war natürlich nicht frei von Konflikten. Mit dem Übergang von der Grundschule in die weiterführende Schule entschied man sich für die „Ablösung“ und engagierte befreundete Musikerinnen und Musiker für den Unterricht der Kinder. „Von da an war das Üben plötzlich selbstverständlich, und wir durften sogar dabei helfen, indem wir mit ihnen zusammen übten. Bald konnten wir die Kinder einbeziehen in kleine kammermusikalische und kirchenmusikalische Veranstaltungen“ erzählt Heinz Hübner. Als Schulmusiker haben sie auch den einen oder anderen Traum von eine Solistenkarriere, eine Tätigkeit als freier Musiker geträumt .Aber für welchen Preis, für welches Risiko als junge Familie? Ihre Kinder haben dieses Risiko nicht gescheut und haben mit ihren Erfolgen die anfängliche Skepsis der Eltern aufgelöst. „Natürlich konnten wir sie in Notlagen auch unterstützen“ ergänzt Heinz Hübner, ganz Vater. Die Hübners

kommen immer wieder gerne zusammen. Ob im heimischen Fronhofen bei Ravensburg, beim „Familienfestival“, dem Einhaldenfestival, oder zu besonderen Anlässen, wie im Jahr 2013. Damals reiste die gesamte Großfamilie Hübner, alle Kinder mit Familien, in die Heimatstadt Heinz Hübners nach Jägerndorf/Krnow in Tschechien. Back to the roots, zu den Wurzeln der Familie, aber auch zu den Wurzeln ihrer Musik. Diese Reise und das Zusammentreffen mit der Familie hat alle tief bewegt und wird in Oberschwaben, der heutigen Heimat, eine Fortsetzung finden. Für die Hübners ist die Sprache der Musik Zugang zu fremden Ländern und Kulturen und für sie ganz wichtig. Die Musik als Sprache der Versöhnung. Adelheid Hübner schaut Ihren Mann an. „Über die Musik habe ich meinen Mann kennengelernt und später kam die intensivere musikalische Zusammenarbeit im Streichquartett hinzu, die mein Leben bis heute bereichert. Musik hält uns jung, macht uns Freude und diese Freude können wir weitergeben“. Das haben sie – an Ihre Kinder Fee, Veit und Gregor.

Heinz, Adelheid, Veit, Fee und Gregor Hübner, Foto © Ferdinand Nonnenbroich


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Das mit meiner Familie hat sich durch Zufall ergeben. Das Salonorchester war ein Versuch! Wir wollten das Festival mit einem Frühschoppen der anderen Art beenden; mit Streichern und nicht, wie in Oberschwaben üblich, mit Blasmusik! Da der Zuspruch die letzten Jahre immer größer wurde, hat sich der Frühschoppen mit Salonorchester etabliert! Mein Bruder Gregor war Mitbegründer des Festivals und daher immer mit Herzblut dabei! Auch in der Programmgestaltung ist er als Berater, welcher in der ganzen Welt unterwegs ist, sehr nützlich. Unsere Schwester ist mit ihren eigenen Programmen und durch unser gemeinsames Tango Five Programm für viele Zuhörer sehr interessant! Nicht zu vergessen meine Mutter, welche im Salonorchester mitspielt, meine Frau, die das Festivalbüro schmeißt, mein Sohn, der die Spülküche managed und meine beiden Töchter, die sich um die Kinderbeiprogramme kümmern und für die – obwohl sie alle schon fast erwachsen sind – das Einhaldenfestival ein fixer Termin im Kalender ist (in der Rangliste vor Weihnachten!!) Das schöne an unserer Familie ist, dass wir uns bei allen noch so verrückten Ideen immer gegenseitig unterstützen.

Einhaldenfestival, Foto © Bea Armbruster

Veit Hübner | Kontrabassist & Komponist Sie sind ein vielgefragter und viel beschäftigter Musiker, in verschiedensten Formationen, Projekten und auf vielen Bühnen zuhause. Warum dann noch ein eigenes Festival? Wie kam es zu der Idee und was ist das Besondere, das Einzigartige am Einhaldenfestival? Ich bin mehr oder weniger auf dem Einhaldenhof aufgewachsen und habe schon immer die Idylle dieses außergewöhnlichen Platzes, genossen! Auf Einhalden wurden früher schon oft kleine Hoffeste veranstaltet, bei denen Freunde von Anton, Bernhard, Rosi und mir eingeladen waren. Später erweiterte sich der Kreis der Gäste es waren dann auch Studienkollegen eingeladen, die mit mir für die musikalische Umrahmung sorgten. Mit Tango Five waren wir damals schon viel unterwegs (80-120 Konzerte im Jahr)! Wir sprachen oft darüber, ein eigenes Festival zu machen, um Künstler, die wir gut finden, zu uns einzuladen! Da wir kaum Zeit hatten in andere Konzerte zu gehen, wollten wir die interessanten Künstler zu uns holen! Die zündende Idee war dann nach einem Auftritt mit Giora Feidmann in dem Kloster Banz („Songs an einem Sommerabend“) im September 1999! Dort saß das Publikum auf Kissen und Decken auf einer ansteigenden Wiese und unterhalb war eine Fernsehbühne! Dieses Konzert hatte eine ganz eigene Stimmung, die ich auf die ungewöhnlich schöne Kulisse inmitten der Natur zurück führte! Wieder einmal in Einhalden, sah ich die Wiesen und wusste, das ist der richtige Platz für unser Festival! Bernhard und Anton waren sofort dabei. Tango Five war nicht ganz so begeistert, aber sie meinten: „ dann mach mal!“ Solange der Vater von Bernhard und Anton noch lebte, war nicht daran zu denken, solch ein Festival auf zu ziehen. 2004 wagten wir dann unseren ersten Versuch! In diesem Jahr , wie in den beiden folgenden, zahlten wir ordentlich Lehrgeld. Tango Five stieg daraufhin aus uns seitdem ist der Kulturverein Einhalden e.V. der Veranstalter. Das Einzigartige am Einhaldenfestival ist schon die Kombination zwischen Kultur und Natur. Hochkarätige Künstler aus aller Welt auf der Wiese zwischen Obstwiesen, Wäldern und Kühen! Auch die 120 ehrenamtlichen Helfer sorgen für eine freundliche und angenehme Atmosphäre auf dem Demeterhof!

Warum auf einem Bauernhof inmitten von Streuobstwiesen im schönen schwäbischen Oberland? Wie haben Sie und Bernhard Rauch vom Einhaldenhof sich gefunden? In Ihrer Frage liegt schon die Antwort: „inmitten von Streuobstwiesen im schönen schwäbischen Oberland“! Der besondere Ort macht ein besonderes Festival aus! Wie anfangs schon erwähnt, habe ich in meiner Jugend sehr viel Zeit in Einhalden verbracht! Ich bin mit Anton, Bernhards Bruder, in das altsprachliche Spohngymnasium zur Schule gegangen. Ab der Oberstufe war ich jeden Tag schon direkt nach der Schule in Einhalden, da es dort immer etwas zu arbeiten und helfen gab. Der Vater von Anton war Kriegsinvalide und schaffte dafür noch jeden Tag unfassbar viel! Alles was man für das Leben braucht und nicht in der Schule lernen kann, habe ich in Einhalden gelernt.

Festival die 13. und das letzte Festival auf dem Einhaldenhof. Wie geht es weiter? Die Weiterführung des Festivals ist sehr schwierig! Es hängt so viel ehrenamtliches Engagement an unserem Festival, daher ist es, meines Erachtens, noch nicht sicher, ob es weitergehen kann. Der Einhalden Kulturverein und ich haben schon die eine oder andere Location angeschaut. Anfangs war die Überlegung „Einhalden on Tour“ zu machen, was wir allerdings wieder verworfen haben. Da wir immer aufs Neue die Infrastruktur für unser Festival schaffen müssen, muss es ein neuer idyllischer Hof sein, auf dem wir weitermachen. 8 km von Einhalden entfernt gibt es so einen Hof! Falls die meisten ehrenamtlichen Helfer (120) mit umziehen, wird es noch einige Jahre weitergehen. Welche Künstler stehen noch auf Ihrer unerfüllten Wunschliste, mit denen Sie gerne mal zusammen spielen, die sie auf Ihrem Festival präsentieren würden? Dieter Thomas Kuhn, Erwin Pelzig, Urban Priol, Joseph Hader, Helge Schneider, Sting, Udo Lindenberg und viele mehr!

© Wilhelm Betz, www.wilhelm-betz-fotografie.de

© Veit Hübner

In diesem Jahr findet das Festival zum 13. Mal statt. Auf was und wen darf sich das Publikum freuen? Foaie Verde, Sinti und Roma Musik, wird das Festival eröffnen! Ulli Böttcher wird zu seinem 25-jährigen Bühnenjubiläum „Romeo und Julia“ wiederaufnehmen und an 25 ausgesuchten Plätzen, einer davon in Einhalden, zum Besten geben! Martina Schwarzmann kommt mit dem bayrischen Liedermacher Matthias Kellner am zweiten Tag! Am Samstagmittag kommen meine favorisierten Kinderliedermacher Vladislava und Christof Altmann

und abends wird die Nachfolgegruppe von Tango Five (Berta Epple), Mitbegründer des Festivals, mit neuem Programm und „spezial guest“ Fee Hübner auftreten. Am Sonntag wird wieder das Heinz Hübner Salonorchester aufspielen, welches in den letzten Jahren schon fast Kultstatus erreicht hat! Immer dabei sind Ihr Vater Heinz Hübner mit seinem Salonorchester, Ihr Bruder Gregor und Ihre Schwester Fee. Wie wichtig ist Ihnen die Familie und dass sie Teil des Festivals ist?

Das Festival ist vom 28.-31.07.16 www.einhaldenfestival.de www.veithuebner.de www.foaie-verde.de


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Jazz | 53

werden zwei international renommierte JazzGrößen auf der Bühne stehen: Nik Bärtsch’s Ronin und Andreas Schaerer’s Hildegard lernt fliegen.

Showcase-Festival präsentiert das Who is Who der internationalen Jazzszene In 40 Jury-erwählten Showcases spielen bei der jazzahead! vom 21. bis 23. April Bands, die aktuell zu den besten der Welt gehören. Das Format, einst noch Geheimtipp, ist längst auch zum Must-Go-Event für die Besucher aus Bremen und der Region geworden. Vor allem die Bands aus Übersee bekommt man sonst hierzulande eher selten zu sehen.

Clubnacht in Bremens City: 1 Nacht, 1 Ticket, 34 Clubs

Hildegard lernt fliegen – eine von zwei Schweizer Bands im Galakonzert auf der jazzahead! 2016 © Reto Andreoli

Bremen

jazzahead! Festival

ITB Spezial

7- 24 April 2016 jazzahead!, dieser Name steht nicht nur für den größten Jazzbranchentreff der Welt, sondern auch für ein zweieinhalbwöchiges Festival in Bremen, das sich in den letzten Jahren zu einem Aushängeschild der Stadt entwickelt hat. Zigtausende Besucher aus aller Welt reisen jährlich anlässlich der Messe und ihres Showcase-Festival in die Hansestadt. Und auch für Besucher aus der Region hat sich das Festival, sicher nicht zuletzt wegen seiner genreübergreifenden Ausrichtung, zu einem richtigen Publikumsmagneten entwickelt. Vom 7. bis 24. April 2016 rückt die jazzahead! ihr diesjähriges Partnerland, die Schweiz, in den Mittelpunkt und richtet ein Stadtfest mit

Die jazzahead! clubnight ist eines der Programm-Highlights und gleichzeitig der krönende Abschluss des Festivals. Am 23. April 2016 halten der Jazz und seine musikalischen Verwandten Einzug in Clubs, Kirchen und Museen sowie Kneipen und Restaurants. Vom späten Nachmittag bis zum Morgengrauen gibt es hier viel zum Entdecken und Mittanzen – und Jazzliebhaber (oder solche, die es werden wollen) kommen voll auf ihre Kosten. In einem Ticket ist der Eintritt in alle 34 Spielstätten inkludiert und auch der Transport im gesamten VBN-Nahverkehrsgebiet ist dabei. Wer es lieber sportlich mag, kann mit dem ADFC und Bremen bike it! eine Fahrradtour durch die clubnight machen und dabei die schönsten Ecken Bremens entdecken. Ein entsprechender Fahrradverleih befindet sich direkt vor der Messehalle 7, welche nur fünf Minuten fußläufig vom Bremer Hauptbahnhof entfernt liegt.

der Kunst und Kultur unseres Nachbarlandes aus. Den Höhepunkt findet es am letzten Festivalwochenende, zeitgleich zur Messe, an dem der Besucher aus einem Angebot von über 110 Konzerten wählen kann.

Partnerland Schweiz unter dem Motto „schweizsuissesvizzerasvizra“ Zum Auftakt am 8. April präsentiert die jazzahead! das Musiktheaterstück „Novecento - die Legende des Ozeanpianisten“ auf der Basis des Beststeller-Romans und mit Vorzeige-Pianist Jürg Kienberger im Theater Bremen. Die Ausstellung „Jazz Art Posters“ im Museum Weserburg zeigt die Plakate des Montreux

Jazz Festival, u.a. gestaltet von Andy Warhol, Keith Haring und David Bowie. Im Kino City 46 steht eine ganze Reihe Schweizer Filme auf dem Programm, mit und ohne Jazzbezug, während in der Bremischen Bürgerschaft ab dem 8. April Schweizer Abstimmungsplakate von 1918 bis heute ausgestellt werden. „Stimmvolk – Volksstimme“ zeigt eine besondere Eigenschaft der Schweiz: die direkte Demokratie. In mehr als 50 Events nähert sich Bremen so der Schweizer Kulturszene. Den feierlichen Ausklang findet das Partnerlandprogramm am 22. April 2016 mit dem Galakonzert im Konzerthaus Die Glocke. Ein Highlight und Pflichttermin für viele, denn es

Die jazzahead! ist zum ersten Mal auf der ITB in Berlin am 9. und 10. März auf dem BremenStand in Halle 6.2A / Stand 101 vertreten. Mehr Informationen zu Programm, Tickets, Kontakt & Anreise unter jazzahead.de

Das Showcase-Festival zeigt im Jahr 2015 die Stars der internationalen Jazzszene. Hier Carmen Souza © Jens Schlenker

Zur jazzahead! clubnight in Bremen wird auch schon mal eine Kirche zum Jazzclub © Nikolai Wolff fotoetage / Messe Bremen VERANSTALTER MESSE BREMEN WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH Findorffstraße101 D-28215 Bremen info@jazzahead.de Tel.: +49 (0)421 3505-529

jazzahead! clubnight in Bremen: 1 Nacht – 1 Ticket – 34 Clubs © Nikolai Wolff fotoetage / Messe Bremen

TERMINE 07.-24. April 2016 jazzahead! Festival


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Europe Jazz Network Das Europe Jazz Network (EJN) wurde 1987 als eine europaweite Vereinigung von Produzenten, Moderatoren und unterstützenden Organisationen gegründet, die sich auf kreative Musik, zeitgenössischen Jazz und improvisierte Musik spezialisiert haben. Derzeit umfasst das EJN 106 Mitglieder (Festivals, Clubs und Konzertsäle, unabhängige Veranstalter, nationale Organisationen) in 31 Ländern. EJN existiert um die Identität und die Vielfalt des Jazz in Europa zu unterstützen und das Bewusstsein für diesen wichtigen Bereich der Musik als Kultur- und Bildungskraft zu erweitern. www.europejazz.net

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teten Groß-Ereignis der aktuellen improvisierten Musik entwickelt. Das jeweils an Pfingsten stattfindende moers festival stand und steht für Risikobereitschaft und den Mut zu Neuem und ist damit Garant für musikalische Entdeckungen jenseits des Mainstream. Abenteuerlust und Grenzüberschreitung sind die Ziele des Festivals, und dass dabei die musikalischen Ränder weit auseinander liegen ist erklärte Absicht. Seit 2014 findet das moers festival in der eigens für diesen Zweck umgebauten Festivalhalle Moers statt. 2015 wurde das moers festival mit dem „EJN Award for Adventurous Programming“ des Europe Jazz Network ausgezeichnet. 13.-16.5.2016 | www.moers-festival.de

Foto © Reiner Pfisterer

Landgren, Nils & Evers Werft 2 © shmf

Stuttgart Jazzopen stuttgart

Schleswig-Holstein Über JazzBaltica

Vom 8. bis 17. Juli 2016 verwandeln die jazzopen stuttgart die Landeshauptstadt wieder in einen Hotspot für Musikfans. Die 23. Ausgabe des Festivals strahlt mit einem besonderen Highlight: David Gilmour, Gitarrist und Sänger der legendären Kultband Pink Floyd, gibt am 14. Juli 2016 im Rahmen seiner Welttournee „rattle that lock“ ein Konzert auf der Open Air Bühne am Stuttgarter Schlossplatz. Dort gastieren die jazzopen zum ersten Mal fünf Tage lang: Neben Van Morrison, Santana, Cro meets Jazz und Jamie Cullum ist Gilmour der letzte bestätigte Act der Hauptbühne und komplettiert damit die „Big Five“ am Schlossplatz. Ein weiteres Festival-Highlight wird die lange Jazznacht mit dem Chick Corea Quintet und dem Branford Marsalis Quartet mit Kurt Elling auf der neuen Bühne Liederhalle. Neu ist auch die Festivalbühne im Scala Ludwigsburg: Hier treten Keb’Mo‘ und The Stanley Clarke Band auf. Die Veranstalter rechnen an den zehn Festivaltagen mit über 30.000 Besuchern. 8.-17.7.2016 | www.jazzopen.com

»JazzBaltica wurde zu einem der wichtigsten Festivals der Welt, es ist einmalig und ungewöhnlich, vollzieht sich in einer sehr angenehmen Atmosphäre. Es gibt uns als kreative Musiker die Gelegenheit mit einer Vielzahl von anderen Künstlern zu spielen. Mit Musikerkollegen, die wir vielleicht noch gar nicht kennen, mit denen wir auch niemals Gelegenheit hätten zusammenzutreffen – das ist großartig«, fasst der Saxophonist Michael Brecker zusammen, warum er und seine Kollegen immer wieder gerne zu JazzBaltica kommen. 1991 gestaltete Rainer Haarmann das Programm der JazzBaltica, des »Kleinods unter den Jazzfestivals« (JazzThing), zum ersten Mal. Kontinuierlich fördert JazzBaltica Nachwuchsmusiker. Das reicht von Künstlern der schleswig-holsteinischen Szene bis zu hoch talentierten jungen Musikern aus Skandinavien und den baltischen Staaten, die mit einem Auftritt bei JazzBaltica einen entscheidenden Impuls für ihre Karriere bekommen. Seit 2002 ist JazzBaltica Teil des Schleswig-Holstein Musik Festival. Dem Festival seit Jahren besonders eng verbunden ist der schwedische Posaunist Nils Landgren, der seit 2012 die künstlerische Leitung des Festivals übernommen hat. 23.-26.6.2016 | www.jazzbaltica.de

Moers moers festival Was 1972 als relativ kleines Open Air Festival im Innenhof des Moerser Schlosses begann, hat sich schnell zu einem international beach-

Larry Graham & guests © North Sea Jazz Festival

Rotterdam (NL) | North Sea Jazz Festival Die erste Ausgabe des North Sea Jazz Festival fand in beschaulichem Rahmen im Nederlands Concertgebouw in Den Haag statt. Sechs Veranstaltungsorte, dreihundert Künstler und über neuntausens Besucher. Das ist heute lang Vergangenheit. Nachdem man 2016 nach Rotterdam an einen neuen großen Veranstaltungsort gezogen ist, wächst das Festival Jahr für Jahr und ist eines der internationalen jazz Hotspots In diesem Jahr erwartet die Organisation mehr als tausend Musiker, mehr als 150 Aufführungen verteilt auf dreizehn verschiedenen Bühnen. Obwohl die Besucherzahlen in den letzten Jahren zwischen 65.000 und 70.000 lagen, schafft es das Festival noch seinen intimen Charakter zu behalten. U.a. werden folgende Künstler beim North Sea Jazz Festival auftreten: The Roots, Buddy Guy, Diana Krall, Earth, Wind & Fire, Level 42, Branford Marsalis Quartet featuring special guest Kurt Elling, Simply Red, Jill Scott, Gregory Porter, Walter Trout, Chick Corea 75th Birthday Celebration Homage To Heroes (acoustic and electric), Scofield Mehldau Guiliana, Colin Stetson & Sarah Neufeld 8.-10.7.2016 | www.northseajazz.com

Herbie Hancock und Chick Corea, Foto © Kristoffer Juel Poulsen

Copenhagen (DK) 38. Copenhagen Jazz Festival 2016 1000 Konzerte auf 100 Bühnen Vom 1. - 10. Juli 2016 sind auf dem hochkarätigen Copenhagen Jazz Festival rund 1.000 Konzerte auf 100 Bühnen in Parks, Cafés, Clubs, Theatern oder Museen in der Hauptstadt von Dänemark zu hören. Zu den bekannten Namen des Festivals, das 2016 zum 38. Mal veranstaltet wird, gehört u.a Pat Metheny, der mit Antonio Sanchez (Schlagzeug, Linda Oh (Bass) und Gwilym Simcock (Piano) am 4. Juli im Koncerthuset auftreten wird. Zum Copenhagen Jazz Festival werden rund 250.000 Besucher erwartet. 1.-10.7.2016 | www.jazz.dk

ren Orten bietet: auf Burgen und Schlössern, auf Straßen und Plätzen, in Alm- und Berggasthöfen und an vielen, vielen anderen schönen Orten mehr. Hunderte Jazzkünstler waren schon beim Südtirol Jazzfestival Alto Adige zu Gast: weltbekannte Namen der internationalen Bühnen genauso wie aufstrebende Jungstars aus aller Welt. 2016 gibt es das Südtirol Jazzfestival Alto Adige in seiner 34. Auflage. Wie jedes Jahr sind auch für das bevorstehende Festival viele Dutzend Konzerte im ganzen Land geplant – und, wie immer, an besonders interessanten Orten des Landes. Inhaltlich wird es wieder einen Länderschwerpunkt geben. Nach Frankreich und England – die Ausgabe 2015 lief unter dem Motto „UK Sounds“ – treffen sich 2016 Österreich und Italien beim Südtirol Jazzfestival Alto Adige 24.6.-3.7.2016 | www.suedtiroljazzfestival.com

Südtirol (I) Südtirol Jazz Festival „Das Südtirol Jazzfestival Alto Adige ist eines der größten Kultur-Ereignisse Südtirols: Ein Festival, das sich über ganz Südtirol erstreckt und 10 Tage lang Musikgenuss an besonde-

© Südtirol Jazz Festival

Foto © Edinburgh Festivals

Edinburgh (UK) Edinburgh Jazz Festival Das Edinburgh Jazz und Blues Festival ist Gastgeber der besten Jazz- und Blues-Talente aus allen Ecken der Welt. Von Bebop zu Boogie-Woogie, von Blues zu Rock, von Samba zu Swing zu Soul. In den lauen Sommernächsten von Edinburgh gibt für jeden Musikgeschmack und für jede Stimmung das richtige Konzert. Plus die kostenlosen Open-Air, Mardi Gras and Festival Carnival Veranstaltungen. Das Festival produziert einzigartige kreative Programme und Projekte, die so immer nur in Edinburgh zu sehen und zu hören sind. Einschließlich des Edinburgh Jazz Festival Orchestra und Scottish / International Projects. Und immer wieder gibt es die „Edinburgh First“, Auftritte von Künstlern, die in Edinburgh ihr Debüt feiern. Im Jahr 2015 gab es über 150 Konzerte in 13 Locations und fantastische Möglichkeiten für Festivalbesucher, Teil der Konzerte zu sein - zuzuhören, zu staunen und zu tanzen. 2016 wird es nicht anders sein. 15.-24.7.2016 | www.edinburghjazzfestival.com


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Donostia / San Sebastián

2016 IST DONOSTIA SAN SEBASTIÁN

NOCH MEHR KULTUR Es kommt die Flut, es kommt die Ebbe, und es kommt die Flut. Manchmal ist das Meer wundervoll ruhig, manchmal schlagen die Wellen mit einer überraschenden Stärke gegen Brücken und Promenaden. Donostia/San Sebastián ist eine aus dem Meer emporgehobene Stadt, sie ist ein täglicher Tanz zwischen den 186.000 Einwohnern und dem launischen Wasser des Kantabrischen Meers. Man findet sie in der weltberühmten Küche, die sich ständig neu erfindet, und die man an den Tischen der exquisitesten Speisesäle und den beliebten Pintxo-Bars genießt. Man findet sie in einem Film von Zinemaldia des “Internationalen Filmfestivals” und in einem Thema eines der Musikfestivals, die jedes Jahr unsere Sicht auf die Welt verändern. Und nun markiert auch das „X“ den Ort, an dem sich die Kulturhauptstadt Europas 2016 befindet, was Donostia mit einer Energiewelle der Bürger und mit hunderten Kulturangeboten für jedes Publikum erreicht. Donostia/San Sebastián ist in jeder Welle, die hierher gelangt. Mit jeder Welle ändern sich die Ideen und die Form der Stadt. Und sie ändert sich auch mit jedem Besucher, mit jedem Blick, mit jedem Erlebnis in der Stadt. www.sansebastianturismo.com | www.dss2016.eu

San Sebastian | 55


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San Sebastián

will Wunden des Terrors schließen

San Sebastián (dpa) – Ein bildschöner Badestrand am Stadtzentrum, ein Umland mit sattgrünen Wiesen und Wäldern sowie Schauplatz renommierter Film- und Musikfestivals: Eigentlich bräuchte San Sebastián keine zusätzlichen Attraktionen, um Besucher in die nordspanische Küstenstadt locken. Als Europäische Kulturhauptstadt 2016 hat die baskische Metropole sich jedoch etwas Besonderes vorgenommen. Sie will kein Feuerwerk spektakulärer Shows entzünden, sondern die Bürger und Besucher in das kulturelle Programm einbeziehen. „In unserer Stadt hat es schon immer viele kulturellen Initiativen gegeben“, sagte Pedro Subijana stolz. Der Starkoch leitet eines der bekanntesten Restaurants in Spanien und war einer der Vorreiter der „neuen baskischen Küche“, die vor 40 Jahren in ganz Spanien Aufsehen erregte. Die baskische Kochkunst wird auch einer der Schwerpunkte im Programm der Kulturhauptstadt sein. Subijana richtete dafür den „offiziellen Pintxo“ an. Die Pintxos (Imbiss-Spießchen) sind eine Spezialität der Stadt mit 190 000 Einwohnern, die auf Baskisch Donostia heißt. „Man hatte mich darum gebeten“, berichtete Subijana der Deutschen PresseAgentur. „Ich habe zugesagt, weil ich mich bei meiner Heimatstadt revanchieren wollte für all das, was sie mir gegeben hat.“ Aufgrund seines milden Klimas diente San Sebastián den spanischen Königen, die der Hitze in Madrid entfliehen wollten, lange Zeit als sommerliche Residenz. Dies führte dazu, dass die Stadt prachtvolle Alleen und Paläste erhielt. Der berühmte Strand La Concha lockt eine halbe Million Touristen im Jahr an. Bis vor wenigen Jahren lag jedoch ein Schatten auf der Perle an der spanischen Atlantikküste. San Sebastián war wie kaum eine andere Stadt vom Terror der baskischen Untergrundorganisation ETA betroffen. Es herrschte eine Atmosphäre der Angst, Politiker konnten sich nur mit Leibwächtern auf die Straße wagen, Unternehmer wurden zur Zahlung von Schutzgeldern – der sogenannten Revolutionssteuer – erpresst. Die Überwindung dieses Klimas des Hasses und der Angst war eines der Motive, die San Sebastián zur Bewerbung um die Ernennung zur Europäischen Kulturhauptstadt bewogen hatten. „Die Stadt brauchte etwas, um das Trauma zu überwinden“, sagte Pablo Berástegui, Direktor des Projekts San Sebastián 2016, der Deutschen Presse-Agentur. „Die Leute sollten etwas bekommen, das sie an die Zukunft der Stadt glauben lässt.“

Das Programm der Kulturhauptstadt umfasst rund 100 Projekte in Bereichen der Kunst, des Tanzes, des Kinos, der Musik, der Architektur und der Gastronomie. Die Veranstalter verfolgen damit das Ziel, die Stadt vom Image des Terrors und der Gewalt zu befreien. „Wir wollen die Kultur als einen Faktor des Wandels nutzen“, sagte Bürgermeister Eneko Goia. „Sie soll uns dabei helfen, die noch vorhandenen Wunden zu schließen.“ Als das Programm vorbereitet wurde, war die ETA noch aktiv. Vor vier Jahren erklärte die Terror-Organisation eine „definitive Waffenruhe“ und verübt seither keine Anschläge mehr. San Sebastián hatte sich aber auch in Zeiten des Terrors durch ein lebendiges Kulturleben ausgezeichnet. Die Stadt veranstaltet ein angesehenes Jazzfestival und internationale Filmfestspiele, die zu den wichtigsten in Europa gehören. Zudem verfügt sie über den „Kursaal“, ein großes Kongress- und Kulturzentrum des Stararchitekten Rafael Moneo. „Seit die ETA erledigt ist, hat die baskische Gesellschaft sich gewandelt“, konstatierte José Luis Rebordinos, der Direktor des Filmfestivals. „Jetzt können Leute, deren ideologische Anschauungen entgegengesetzt sind, wieder normal zusammenleben.“ Der Bürgermeister ergänzt: „Wir haben seit dem Ende des Terrors einen großen Sprung nach vorne getan. Das sieht man im Alltagsleben der Stadt. Dennoch bleibt uns noch viel zu tun.“ Für die Veranstalter war es ein weiter und schwieriger Weg zur Kulturhauptstadt. Politische Streitigkeiten und Kompetenzgerangel warfen die Vorbereitungen wiederholt zurück. Der eigentliche Initiator war der frühere Bürgermeister Odón Elorza gewesen. Als der Sozialist von dem baskischen Separatisten Juan Karlos Izagirre im Amt abgelöst wurde, kam es zum offenen Konflikt. Das spanische Kulturministerium und die baskische Regionalregierung zogen sogar vor Gericht. Sie meinten, der Auftrag zur Veranstaltung eines Kongresses über Sprachen von Minderheiten sei nicht ordnungsgemäß erteilt worden. Unternehmen weigerten sich, die Kulturhauptstadt zu sponsern. Die Gemüter beruhigten sich erst, als nach den Wahlen im Mai 2015 der gemäßigte Nationalist Goia neues Stadtoberhaupt wurde. „Wir sind bei den Vorbereitungen wieder im Zeitrahmen“, frohlockten die Veranstalter kürzlich. Die Stadt und die Provinz Guipuzcoa steuern je 12,7 Millionen Euro zum Etat von insgesamt 49 Millionen Euro bei. Die baskische Regierung gibt 12,2, das Madrider Kulturministerium 4,6 Millionen Euro. Die übrigen Gelder kommen von der EU und privaten Sponsoren. Die Veranstalter stehen nun vor der Herausforderung, Besucher anzulocken mit einem kulturellen Programm, das ohne Effekthascherei und ohne große Namen auskommen will. San Sebastián will als Kulturhauptstadt ein großes Forum von Ideen sein. Der Direktor Berástegui gab die Devise aus: „Die Kultur fürs Zusammenleben“. ARTIKEL MIT FREUNDLICHER GENEHMIGUNG DER DPA.

© www.dss2016.eu

Europäische Kulturhauptstadt 2016 Der europäische Hauptstadtstatus gibt der Stadt einen zusätzlichen Impuls für ihr kulturelles Leben mit einem innovativen Programm, das die Förderung des Zusammenlebens zum Ziel hat und sie 2016 mehr und besser mit Europa verknüpfen will. San Sebastián wird, wo immer möglich, mehr Kultur besitzen. San Sebastián, europäische Kulturhauptstadt 2016, möchte den Wert der Kultur als Werkzeug für ein besseres Zusammenleben erhöhen. Das von der Stadt im Jahr der europäischen Hauptstadt der Kultur vorgeschlagene Programm setzt sich aus mehr als 400 Kulturangeboten für jedes Publikum zusammen - Ausflüge, Konzerte, Theater, Tanz, Literatur, Gastronomie...- an denen mehr als 500 Künstler aus ganz Europa beteiligt sind. Dazu kommt noch eine Reihe von Aktivitäten, die in Zusammenarbeit mit Plattformen und in der Stadt existierenden kulturellen Infrastrukturen umgesetzt werden, die Themen wie Wohlbefinden, gesundes Leben, Umwelt, Menschenrechte, Zusammenleben, Identität, Ausdruck, Übermittlung und Kommunikation zum Thema haben. Donostia/San Sebastián wird, noch mehr als vorher, das ideale Ziel für Liebhaber des Kulturtourismus sein. www.dss2016.eu


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San Sebastián | 57

Bilder © San Sebastián Tourismo

SAN SEBASTIÁN – DAS FESTIVAL DER FESTIVALS

FILM-, THEATER- UND MUSIKFESTIVALS ZIEHEN DIE BESTEN KÜNSTLER DER WELT UND VIELE TAUSEND BESUCHER WÄHREND DES JAHRES AN. WAS KULTURELLE EVENTS ANGEHT, IST SAN SEBASTIÁN EIN ECHTES FESTIVAL. Dock of the Bay Der Januar beginnt in San Sebastián mit dem Festival für Dokumentarfilme Dock of the Bay. 9.-16.1.2016 www.dockofthebay.es

Pocket-Theater-Festival ist ein Festival von kleinen und mittelgroßen Theateraufführungen, das jedes Jahr in Pubs und Clubs im Zentrum und in der Umgebung der Stadt San Sebastian stattfindet . Das Programm kombiniert Musik und Humor, bertsos (improvisierte Basken Verse), Theater, Magie und Monologe. Das Festival versucht, die Vielfalt des Theaters den Besuchern näher zu bringen und sie für das Theater zu begeistern. 11.-27.2.2016

dFeria. Zwei Monate später findet das Internationale Theaterfestival von San Sebastián dFeria statt, eine Pflichtveran-

staltung für die darstellende Kunst. 7.-10.3.2016 | www.dferia.com

Film- und Menschenrechtefestival Es findet im April statt und ist ein unverrückbares Ereignis im Kulturkalender von Donostia. Es will unter anderem Solidarität, Gerechtigkeit und Gleichheit fördern. 15.-22.4.2016 www.cineyderechoshumanos.com

Olatutalka Im Mai richtet die Stadt das Festival Olatutalka aus, eine starke Initiative, um die Stadt in einen Ort des Zusammenlebens und der kulturellen Vielfalt zu verwandeln 20.-22.5.2016 | www.olatutalka.eu

Surfilm Festibal. Die enge Beziehung zwischen San Sebastián und dem Surfsport bekommt seinen maximalen Ausdruck im Surfilm Festibal. Im Juni brechen die besten Wellen

der Welt über Theatersäle und Kulturzentren der Stadt herein, um Fans Kino, Musik und ungezwungene Ausstellungen, alles in Verbindung mit dem Sport, zu bieten. 20.-26.6.2016 www.surfilmfestibal.com

Heineken JAZZALDIA Internationales Jazzfestival In der zweiten Julihälfte bewegt sich San Sebastián zum Rhythmus des besten internationalen Jazz. Musikgrößen wie James Brown, Liza Minelli, Bobby McFerrin, Diana Krall, Cassandra Wilson oder B.B. King waren an den Stränden, in den Theatern, auf den Plätzen und in den Auditorien der Stadt zu sehen, um das Publikum zum Vibrieren zu bringen. 20.-25.7.2016 www.heinekenjazzaldia.com

Quincena Musical Im August zeigt die große Publikumsteilnahme am Quincena Musical die Freude der Einwohner von

Donostia an symphonischer Musik. Konzerte von Einzelpersonen und international renommierten Orchestern ziehen Jung und Alt an, und fast immer muss das Schild “Ausverkauft” aufgehängt werden. August 2016 www.quincenamusical.com

Kutxa Kultur Festibala Im September können Sie ein einzigartiges Festival erleben. Ein internationales Livemusikwochenende. Eine unvergleichliche Szenerie: der Freizeitpark Igeldo. 4.-5.9.2016 | www.igeldofestibala.com

Woche des Fantasy-und Horrorfilms.

Internationales Filmfestival Eines der wichtigsten Filmevents Europas. Das große Kulturereignis der Stadt. Das Festival der Festivals. Große Stars und junge Regisseure. Das gesamte nationale und internationale kinematographische Panorama kommt im September nach San Sebastián, um am kosmopolitischsten Event des Jahres teilzunehmen. 16.-24.9.2016 www.sansebastianfestival.com

FES_10 Zwischen Ende Oktober und Anfang November verwandeln sich die Theater und Straßen von San Sebastián in eine improvisierte Szenerie eines Horrorfilms, um die Woche des Fantasy- und Horrorfilms zu begrüßen. Zum Gruseln. 29.10.-4.11.2016 www.donostiakultura.com/terror

www.sansebastianturismo.com


58 | Festivals

JULES | arttourist.com 1|2016

© Kammermusikfest

Lockenhaus (A) Lockenhaus Kammermusikfestival

© Samuel Dicke

Zwingenberg Schlossfestspiele Zwingenberg

Schwerin

SCHLOSSFESTSPIELE SCHWERIN

Romantische Freilichtbühne hoch über dem Neckar Hoch über dem Neckar präsentieren die Schlossfestspiele Zwingenberg 2016 den „Freischütz“ und das Musical „Jekyll & Hyde“. Eröffnet werden die Festspiele mit Höhepunkten der italienischen Oper. „Es wird ein Festspielsommer, in dem das Gute und das Böse im Menschen im Mittelpunkt stehen“, sagt Intendant Rainer Roos, im Hauptamt Chefdirigent der Original Wiener Strauss Capelle. Karten gibt es unter schlossfestspiele-zwingenberg.de, Unterkünfte sind buchbar über tg-odenwald.de. 22. Juli – 7. August 2016 www.schlossfestspiele-zwingenberg.de

des Mecklenburgischen Staatstheaters Schwerin 2016 mit „AIDA“

LAND IN SICHT UND IN HÖRWEITE „Terra Nova” – eine musikalische Erkundung mit 360°-Rundblick Sprechen wir in kunstempfindlicher Umgangsform von der Zeitlosigkeit geschätzter und weitum auch gerühmter Werke, dann umarmen wir unwillkürlich die im Alltag klar geschiedenen Werte von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Wenn sich nun die Musikerinnen und Musiker in Lockenhaus auf Neulandfahrt begeben, dann sollten sich dem hörenden, dem lauschenden, dem nachdenklich innehaltenden und dem energisch ausschauhaltenden Musikfreund eine Fülle von Perspektiven ergeben. Ein 360°-Rundblick in die Musikgeschichte sozusagen, jedoch auf einer zweiten, einer gesellschaftspolitischen Ebene ein Rundumblick nicht nur in Bezug auf die musikalischen Erscheinungsformen. Nach fixen Konzertprogrammen werden Sie in Lockenhaus vergeblich suchen. Denn – und dafür ist das Festival berühmt – bei diesem Kammermusikfest wird vorab nur das Thema, welches 2016 „Terra Nova“ lauten wird, sowie diesem verbundene Hauptwerke und Ideen verraten. Die detaillierten Konzertprogramme erarbeiten Nicolas Altstaedt und die von ihm eingeladenen KünstlerInnen erst in den gemeinsamen Proben vor Ort. Diese Herangehensweise hat nicht nur Tradition, sondern ist vielmehr Programm geworden. 7.-16.7.2016 | kammermusikfest.at

Premiere am 8.7.2016 auf dem Alten Garten Die Schlossfestspiele Schwerin bilden seit über 20 Jahren den künstlerischen Höhepunkt des Mecklenburgischen Staatstheaters Schwerin zum Abschluss der Spielzeit. Im Sommer 2016 präsentieren sie mit „Aida“ wieder eine große italienische Oper unter freiem Himmel. Mit Giuseppe Verdis Meisterwerk wird damit zugleich die Verdi-Trilogie in der Landeshauptstadt Mecklenburg-Vorpommerns vollendet, die in den Vorjahren mit „Nabucco“ und „La Traviata“ zwei Glanzpunkte setzen konnte. Vom 8. Juli bis 14. August 2016 sind 23 Vorstellungen von „Aida“ auf dem Alten Garten zu erleben, der gerahmt von Schloss, Museum und Theater einer der schönsten und imposantesten Plätze Norddeutschlands ist. Die Tribüne mit Seeblick bietet in jeder Vorstellung Platz für fast 1.700 Zuschauer. Unter der Leitung des Ersten Kapellmeisters Gregor Rot wird die Mecklenburgische Staatskapelle Schwerin gemeinsam mit dem Musiktheaterensemble, internationalen Solisten und mehreren Chören Verdis bewegende Musik open air erklingen lassen. Im Mittelpunkt der Handlung steht die äthiopische Prinzessin Aida, die unerkannt im feindlichen Ägypten als Sklavin am Hof der Königstochter dient. „Mit ‚Aida‘ beenden wir unseren Verdi-Zyklus auf dem Alten Garten im kommenden Sommer. Unsere Besucher können sich auf große Stimmen unterm Sternenhimmel freuen und auf eine Inszenierung, in der der berühmte Triumphmarsch opulent mit afrikanischen Elefanten in Szene gesetzt wird“, so der Generalintendant und Geschäftsführer des Mecklenburgischen Staatstheaters Schwerin, Joachim Kümmritz.

Giuseppe Verdis Meisterwerk sorgte bereits bei der Uraufführung 1871 in Kairo für einen triumphalen Erfolg, der bis heute ungebrochen ist. Die Regie der Oper, in der drei Liebende inmitten eines tobenden Krieges voller Gewalt und Zerstörung sich am Ende der Kraft der Liebe ergeben müssen, übernimmt wieder Georg Rootering. Er hat bereits „Nabucco“ und „La Traviata“ erfolgreich bei den Schlossfestspielen Schwerin in den vergangenen Sommern inszeniert. Bühnen- und Kostümbildnerin Romaine Fauchère wird eine beeindruckende Szenerie schaffen, diesmal mit Blick auf das Staatliche Museum.

Premiere: Freitag, 8. Juli 2016, 21 Uhr, Alter Garten Weitere Vorstellungen: bis 14. August 2016, jeweils Do. bis So. 21 Uhr Infos und Karten unter 0385 / 5300-123 www.theater-schwerin.de kasse@theater-schwerin.de

Wolkenturm © Klaus Vyhnalek

Grafenegg (A) Grafenegg Jubiläumssaison 2016 2016 feiert Grafenegg sein 10. Festival. Beginnend mit der Sommernachtsgala am 16. und 17. Juni, ist Grafenegg drei Monate lang bis zum 11. September Schauplatz hochkarätiger Konzertprogramme. Grafenegg hat sich seit seiner Gründung zu einem prominenten Festivalstandort und Ort der Begegnung für internationale Orchester, Solisten und den musikalischen Nachwuchs mitten in Europa etabliert. Dem zollt das Jubiläumsprogramm mit dem Œuvre des überzeugten Europäer und Humanisten Beethoven Tribut. Beethoven prägt den Klang Grafeneggs 2016. Höhepunkt der Jubiläumssaison ist das von 19. August bis 11. September stattfindende Grafenegg Festival mit internationalen Orchestern, Solisten und Dirigenten. In 2016 sind u.a. zu Gast das Cleveland Orchestra und Franz Welser-Möst, das Königliche Concertgebouworchester Amsterdam mit Chefdirigent Daniele Gatti und Sol Gabetta, das Mariinsky Orchester St. Petersburg und Valery Gergiev, die Sächsische Staatskapelle Dresden mit Christian Thielemann und Solisten wie Hilary Hahn, Klaus Florian Vogt, und Klaus Maria Brandauer als Sprecher. Zum Abschluss des Jubiläumsfestivals, spielt Rudolf Buchbinder am 11. September gemeinsam mit den Wiener Philharmonikern alle fünf Klavierkonzerte von Beethoven. 19.8. – 11.9.2016 | www.grafenegg.com

©Yannick Andrea

Davos (CH) 31. Davos Festival FAMILIENZONE heißt das Thema im kommenden Jahr, denn Musik ist eine Kunst, die in besonderer Weise von Zugehörigkeit, Familie und Verwandtschaft spricht. Kennen Sie die Begriffe Mutterakkord, Tonartverwandtschaft, Instrumentenfamilie, „Ehe zu viert“? Wussten Sie, dass Schuberts Lieblingsoper die Schweizer Familie zum Thema hat? Wie kommt es, dass unser Composer in Residence Valentin Silvestrov so berührende Widmungen an Verwandte schrieb und Felix Mendelssohn am Küchentisch schneller komponieren konnte als andere kochen? 80 junge, hochbegabte Musiker aus aller Welt begeben sich in über 50 Konzerten auf familiäre Spurensuche. Ergänzt wird das Festivalprogramm wieder durch zahlreiche, kostenfreie Angebote wie das Offene Singen, Kinderkonzerte und –hörgänge, Konzerteinführungen, DAVOS FESTIVAL Junge Reporter u.a. 8.-20.8.2016 | www.davosfestival.ch


JULES | arttourist.com 1|2016

Festivals | 59

sen, Hans Abrahamsen und Per Nørgård, der in diesem Jahr den Ernst von Siemens Musikpreis gewonnen hat. Der Preis zählt weltweit zu den wichtigsten Auszeichnungen in der klassischen Musik. In Schwetzingen stellen die drei Künstler daraus das Klaviertrio „Spell“ von Nørgård vor, das auf raffinierte Weise die Doppeldeutigkeit des Wortes „spell“ („buchstabieren“ und „Zauber“) musikalisch auslegt.

Musizieren statt plündern – Die Herren des Danish String Quartet bezeichnen sich selbst als „moderne Wikinger“, die gerne den Horizont ihrer Zuhörer mit unkonventionellen Stücken erweitern. © Caroline Bittencourt

65. Schwetzinger SWR Festspiele

Klingender Nørden Hjertelig velkommen! Nordeuropa-Schwerpunkt mit neun Konzerten Woran denken Sie zuerst, wenn Sie »Skandinavien« hören? Fjorde, Pippi Langstrumpf, Elche oder an die Mittsommernacht? Unsere nordischen Nachbarn haben noch einiges mehr zu bieten. Besonders die musikalische Vielfalt der Region ist facettenreich und unverwechselbar. Grund genug also für die Schwetzinger SWR Festspiele, getreu ihrem Motto: „Altes wiederentdecken, Neues wagen, dem Nachwuchs eine Chance“, diese europäische Region musikalisch mit ihren Besuchern zu bereisen und ihr einen Schwerpunkt in der aktuellen Saison zu widmen. Kennen Sie die Hardangerfiedel? Auf Norwegisch wird sie hardingfele ausgesprochen und sieht aus wie eine kastenförmige Violine. Sie besitzt zusätzlich zu vier Melodiesaiten noch vier Resonanzsaiten, die unter dem Steg verlaufen und mit den gestrichenen Saiten in Harmonie vibrieren. Im Süden Norwegens wird sie vor allem in der Volksmusik verwendet. Wer „Herr der Ringe“ kennt, hat dieses Instrument schon einmal gehört. Der Komponist Howard Shore schrieb Teile der Filmmusik für die Hardangerfiedel. Nicht nur in der Auswahl der Instrumente bleiben die skandinavischen Musiker ihren Traditionen treu. In ihrem Repertoire finden sich, neben den Klassikern von Ludwig van Beethoven oder Peter Tschaikowsky, immer uralte Melodien der skandinavischen Volksmusik oder Folklore.

TERMINE Schwerpunkt Klangraum Europa – „Leuchtender Norden“: 10.5.

Trio Mediaeval

24.5.

Trio con Brio Copenhagen

26.5. Danish String Quartet

Virtuos, weiblich und klar: Betörend schön klingen die traditionellen Volksweisen und Gesänge Nordeuropas in den Eigenbearbeitungen des Trio Mediaeval. Hier entfaltet die nordische Vokalmusik eine besondere, oft archaische Aura, welche die drei norwegischen Sängerinnen bisweilen durch die Hardangerfiedel behutsam unterstützt. Ihre Auslegungen stoßen dabei auf positive Resonanz bei den Kritikern. Die CD „A Worcester Ladymass“ aus dem Jahr 2011 erhielt den Preis der Deutschen Schallplattenkritik und auch das 2014 folgende Album „Aquilonis“ wurde euphorisch besprochen. Taucht man ein in die faszinierende Klangwelt des Trio Mediaeval, findet man sich im norwegischen Mittelalter wieder und streift zeitgleich die in England, Frankreich und Italien entstandene Musik. Grazil, schlicht und dynamisch: Das Trio con Brio Copenhagen startete 1999 mit Schwung in eine höchst erfolgreiche Karriere. „Con brio“ – das Feuer im Namen, die Spannung, die sich in der Bühnenpräsenz dieses Ensembles zeigt, hat sicherlich mit dem Erfahrungshorizont seiner Mitglieder zu tun: Das Trio hat u.a. 2002 den ARD-Wettbewerb in München und den ersten Preis des Dänischen Rundfunkwettbewerbs gewonnen. Die jüngste CD-Einspielung mit dem Titel „Phantasmagoria“ versammelt Klaviertrios zeitgenössischer dänischer Komponisten von Bent Søren29.4., 1./3. & 4.5. Barockoper (deutsche Erstaufführung) Francesco Cavalli „Veremonda“ Libretto: Giulio Strozzi | Regie: Amélie Niermeyer | Musikalische Leitung: Gabriel Garrido | Concerto Köln 27./28.5. Opern-Uraufführung Georg Friedrich Haas “Koma“ | Libretto: Händl Klaus | Regie: Karsten Wiegand | Musikalische Leitung: Jonathan Stockhammer | RSO Stuttgart des SWR

65. Schwetzinger SWR Festspiele | 29.4. – 4.6.2016 www.schwetzinger-swr-festspiele.de

Blond, wild und bärtig: Die vier gutaussehenden Herren des Danish String Quartet bieten nicht nur etwas für die Augen, sondern auch für die Ohren. Die vier Musiker widmen sich intensiv dem Repertoire skandinavischer Komponisten und traditioneller, in Europas Norden beheimateter Volksmusik. Die Formation vermag aber auch mit den Klassikern der Quartett-Literatur zu begeistern. Die beiden Geiger und der Bratscher trafen sich als Kinder in einem Sommercamp, musizierten gemeinsam und spielten Fußball. Sie gründeten ein Streichquartett und machten 2008 mit dem hinzustoßenden norwegischen Cellisten Fredrik Schøyen Sjölin die skandinavische Kooperation perfekt. Die Besucher treffen bei diesem Konzert wieder auf Per Nørgård der zu den „originellsten Komponisten des Nordens“ gehört - so lautete das Urteil des Stiftungskuratoriums der Ernst von Siemens Musikstiftung. Das Lebenswerk des Dänen erstrecke sich über nahezu alle musikalischen Gattungen. „Nørgårds Musik hat ihren Ursprung dabei fest in der musikalischen Tradition Skandinaviens, ohne jedoch in ihr zu verharren.“ Die schroff tönende Welt von Nørgård trifft in Schwetzingen auf die klangsatte Satzstruktur seines Landsmanns Carl Nielsen und schlägt in der zweiten Konzerthälfte mit Beethovens mittlerem RasumowskyQuartett die Brücke in geographisch südlicher gelegene Gefilde. Heraus kommt ein Konzertprogramm, das wie maßgeschneidert das Profil des Danish String Quartet repräsentiert. Im Schwerpunkt »Klangraum Europa« werden noch weitere Künstler des »Leuchtenden Norden« wie Ragnhild Hemsing (Violine | Hardangerfiedel) mit Tor Espen Aspaas (Klavier), Helsinki Baroque Orchestra mit Monica Groop (Mezzosopran) und Aapo Häkkinen (Leitung), Vokalensemble Rajaton und das Vokalensemble Ars Nova Copenhagen mit Paul Hillier (Leitung) zu entdecken sein.

Thomanerchor © Bachfest Leipzig, Gert Mother

Leipzig Bachfest Leipzig »Geheimnisse der Harmonie« Wie kaum ein anderer beherrschte Bach die schwierigen Regeln des Kontrapunktes und des Tonsatzes und konnte das gesprochene Wort musikalisch ausdeuten und verstärken: Leiden und Schmerzen, Lob und Freuden kommen in Vokal- und Instrumentalwerken Bachs in einer Weise zum Ausdruck, die den Hörer damals und heute mitfühlen lässt. Viele Komponisten bis hin zu dem 1916 in Leipzig verstorbenen Universitätsmusikdirektor Max Reger haben diese musiksprachliche Ausdrucksstärke verstanden und mit den eigenen stilistischen Mitteln daran angeknüpft. Im Bachfest 2016 kommen derartige »Geheimnisse der Harmonie« in verschiedener Weise zum Ausdruck. 10.-19.6.2016 | www.bachfestleiptig.de

München Münchener Biennale – Festival für neues Musiktheater Von 28. Mai bis 9. Juni 2016 findet zum 15. Mal die Münchener Biennale – Festival für neues Musiktheater statt, mit einem dichten Programm in einem Zeitraum von dreizehn Tagen. Nach Hans Werner Henze und Peter Ruzicka liegt die künstlerische Leitung ab 2016 bei Daniel Ott und Manos Tsangaris. Die Münchener Biennale ist weltweit das einzige Festival, das ausschließlich Uraufführungen von Werken des neuen Musiktheaters zeigt. Das Motto der nächsten Münchener Biennale lautet „OmU – Original mit Untertiteln“. Dieses Thema hinterfragt die Vielsprachigkeit des neuen Musiktheaters: Was heißt Originalität, was ist Übersetzung innerhalb des Musiktheaters, seiner Vorlagen, Libretti, Partituren, Aufführungen, Traditionen, Dokumentationen und Rezeptionsgeschichten? 28.5.-9.6.2016 | www.muenchenerbiennale.de

© Schwetzinger Festspiele

Konzerte mit Christoph Prégardien Anna Prohaska Helsinki Baroque Orchestra Isabelle Faust Trio Belcea | Hagen Quartett Sir András Schiff Jean-Guihen Queyras Giuliano Carmignola Cantus Cölln | Rajaton Famile Flöz Ars Nova Copenhagen Evgeni Koroliov | u.v.a.

Tickets: www.SWR2kulturservice.de | 07221-300200

© Savonlinna Opernfestspiele

Savonlinna (SF) Savonlinna Opernfestspiele 2016 Helena Kontiainen , Savonlinnan Oopperajuhlat 

Die Savonlinna Opernfestspiele stehen in der Saison 2016 ganz im Zeichen der italienischen Oper. Deutlich in den Vordergrund rückt auch der Name William Shakespeares anlässlich seines Todestages, der sich 2016 zum 400. Mal jährt. Neben der italienischen Operntradition steht auch eines der


60 | Festivals

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absoluten Meisterwerke der Opernkunst des 20. Jahrhunderts auf dem Spielplan. In der Spielsaison 2016 kann sich das Savonlinnaer Opernpublikum auf drei Opern von Giuseppe Verdi freuen, die alle auf Werken von William Shakespeare basieren: Othello, Macbeth und Falstaff. Außerdem stehen Giacomo Puccinis La Bohème sowie Vincenzo Bellinis „reinste“ Belcanto-Oper Norma – beide zum ersten Mal – auf dem Festivalprogramm. Zusätzlich zu den Eigenproduktionen heißen die Festspiele mit dem Teatro Regio Torino und dem Ravenna Festival, begleitet von Maestro Riccardo Muti, einem der legendären Dirigenten unserer Zeit, zwei internationale Gastspiele in Savonlinna willkommen. Das grandiose Trio dreier italienischer Opern wird von Wolfgang Amadeus Mozarts Don Giovanni komplettiert. Das letzte Meisterwerk des tschechischen Komponisten Leoš Janácek, Aus einem Totenhaus (Z mrtvého domu), kommt in Eigenproduktion der Festspiele zur Aufführung. 8.7. – 6.8.2016 | www.operafestival.fi

Foto © Stefan Gloede

Potsdam Musikfestspiele Potsdam Sanssouci Bonjour Frankreich! Vom 10. bis 26. Juni 2016 beherrscht die Musikwelt Frankreichs die Musikfestspiele Potsdam Sanssouci. In den Schlössern und Gärten von Potsdam zeigen 81 Konzerte, Opern und Führungen die wechselvolle Geschichte und einzigartige Kreativität Frankreichs, das seit Jahrhunderten (musik-)kulturell und geschichtlich eng mit der Stadt verbunden ist: Das berühmteste Denkmal Potsdams heißt eben »Sanssouci« und nicht »Ohne Sorgen«. Die Musikfestspiele zeichnen ein musikalisches Porträt des Landes: von Guillaume de Machaut bis Jean-Baptiste Lully, von Edith Piaf bis Jean-Philippe Rameau und Camille Saint-Saëns, von Opéra-ballet bis Jazz und Chanson. Künstler aus acht Regionen Frankreichs treten auf, darunter Stars wie Richard Galliano und Christophe Rousset, junge Musiker wie Jean Rondeau oder das Ensemble Les Ambassadeurs. Den Besucher erwarten drei Musiktheaterpremieren, ein Fahrradkonzert, Pariser Salons und vieles mehr. Musikfestspiele Potsdam Sanssouci 10.-26.6.2016 I www.musikfestspiele-potsdam.de

Mittelreich, Münchner Kammerspiele © Judith Buss

gen“, die alljährlich von einer unabhängigen Kritikerjury aus rund 400 Aufführungen der Saison ausgewählt werden. Das Gipfeltreffen des deutschsprachigen Theaters gliedert sich in drei Veranstaltungs-Stränge: Das Theatertreffen-Camp am Tag bündelt die öffentlichen und diskursiven Veranstaltungen mit Gästen aus Kultur, Politik und Wirtschaft und stellt Bezüge zwischen dem Theater und aktuellen gesellschaftspolitischen Themen her (Eintritt frei). Die zentralen Abend-Veranstaltungen umfassen die Aufführungen der zehn eingeladenen Inszenierungen und die Gastspiele und Lesungen des Stückemarktes. Zur Nacht laden Publikumsgespräche, Premierenpartys und Konzerte zum Verweilen im Haus der Berliner Festspiele. Außerdem bieten das Internationale Forum und das Theatertreffen-Blog jüngeren TheatermacherInnen und KulturjournalistInnen die Chance zur professionellen Weiterentwicklung. Die sieben JurorInnen des Theatertreffens haben ihre Auswahl der zehn bemerkenswerten Inszenierungen der letzten Saison getroffen. Es wurden 394 Inszenierungen in 59 deutschsprachigen Städten besucht. 741 Voten gingen bei uns ein und die einzelnen Juroren haben jeweils zwischen 78 und 131  Inszenierungen gesehen. Insgesamt wurden 38  Inszenierungen vorgeschlagen und diskutiert. 6.-22.5.2016 www.berlinerfestspiele.de/theatertreffen Der Spielplan erscheint am 8. April 2016

Herbert Pixner Projekt Summer 2016

Isny Theaterfestival Isny

Ein Volksfeind, Schauspielhaus Zürich © Tanja Dorendorf

Berlin Theatertreffen Berlin

Jedes Jahr im Mai versammelt das bedeutendste deutsche Theaterfestival Theaterschaffende, JournalistInnen und Gäste aus der ganzen Welt in Berlin. Herzstück des Theatertreffens sind die zehn „bemerkenswertesten Inszenierun-

Nicht nur seine wunderbare Lage in schönster Allgäuer Landschaft hat das Theaterfestival zu einem festen Bestandteil in der Agenda des Festival- Publikums werden lassen. Neben der qualitativen Programmauswahl tragen auch die entspannte und familiäre Atmosphäre sowie das ausgezeichnete Workshop-Angebot dazu bei, dass viele Besucher Jahr für Jahr nach Isny pilgern, um diese ganz besondere Festivalfeeling im Allgäu erleben zu können. Im letzten Jahrtausend, genauer im Jahr 1983, ging das erste Theaterfestival in Isny über die Bühne. 33 Jahre später hat nicht nur das Zelt an Größe gewonnen: aus dem kleinen Treffen von Straßentheaterkompagnien ist ein renommiertes Festival der Vielfalt geworden, das

Recklinghausen | Ruhrfestspiele 2016: „Mittelmeer – Marke Nostrum“ Unter dem Motto „Mittelmeer – Mare Nostrum?“ setzen sich die Ruhrfestspiele 2016 mit der Literatur und der Dramatik sowie mit den aktuellen politischen wie sozialen Zuständen in der Mittelmeerregion auseinander. Eine Region, die aktuell im Fokus der gesellschaftspolitischen wie medialen Aufmerksamkeit steht und gegensätzliche Assoziationen hervorruft: Urlaubsziel und Krisenregion, Heimat und Zufluchtsort, Geburtsort der europäischen Kultur und Front kriegerischer Auseinandersetzungen. Vom 1. Mai bis 19. Juni 2016 stehen Stücke, Autoren und Inszenierungen unter anderem aus Italien, Spanien, Frankreich, Griechenland, der Türkei, Zypern, Israel, Ägypten und Algerien im Mittelpunkt des Ruhrfestspielprogramms.

10 Tage lang Veranstaltungen im Zirkuszelt kombiniert mit einem vielfältigen und spannenden Workshop Programm. Organisiert wird das Festival über einen ehrenamtlichen Kreis, der mit Unterstützung vieler Helfer das Zeltfestival jeden Sommer aufs Neue aus der grünen Wiese zaubert. Dieses Konzept eines aktiven Kulturerlebens macht das Theaterfestival Isny bis heute so einzigartig. 29.7. – 6.8.2016 | www.theaterfestival-isny.de

Die Orestie (Oresteia), Foto: © Guido Mencari Ruhrfestspiele 2016: „Mittelmeer – Marke Nostrum“

Werke klassischer Autoren wie Homer, Aischylos, Calderón de la Barca oder Goldoni zeigen sich auf der Ruhrfestspielbühne ebenso im aktuellen Gewand wie Bühnenadaptionen von Arbeiten Viscontis oder Pasolinis. Die Ruhrfestspiele schauen dabei nicht nur von außen auf den Mittelmeerraum. Sie versuchen, den verschiedenen Kulturen und der langen Theatertradition, die sie verkörpern, eine Plattform zu geben. Nicht allein das Schauspielgenre, auch verschiedene Tanz- und Musikproduktionen sowie eine Lesereihe mit prominenten Stimmen setzen sich mit dem Kulturraum Mittelmeer auseinander. 1.5. – 19.6.2016 | www.ruhrfestspiele.de

werke und Tanzstücke befinden sich auf dem Weg von einem zum anderen Genre und erzählen dabei ganz eigene Geschichten. Mit dabei sind u.a. Isabelle Faust, L´Arpeggiata, Rebekka Bakken , Igor Levit, Judith Holofernes, Sidi Larbi Cherkaoui, Gautier Capuçon sowie das Orchester der Schlossfestspiele. 29.4. – 23.7.2016 | www.schlossfestspiele.de

Ludwigsburgh Ludwigsburger Schlossfestspiele Die Ludwigsburger Schlossfestspiele sorgen vom 29. April – 23. Juli 2016 für erfrischende und unverbrauchte Konzertmomente in meist eigens für das Festival konzipierten Programmen. Die Festspiele widmen sich in diesem Jahr dem Thema »Passagen – Erzählungen« und betrachten sich dabei als Begegnungsort für Künstler, die sich aufmachen, Neues zu entdecken. Lieder, Instrumental-

Pietari Inkinen Orchester der Ludwigsburge Schlossfestspiele © Jan David Günther Ludwigsburger Schlossfestspiele


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Klassik | 61

Rendering Nordostansicht © Herzog & de Meuron

Hamburg

Die Elbphilharmonie Eröffnung am 11. und 12. Januar 2017 Am 11. und 12. Januar 2017 wird das NDR Sinfonieorchester unter der Leitung von Thomas Hengelbrock das Eröffnungskonzert im Großen Saal der Elbphilharmonie geben. Sowohl für den Bau selbst als auch für die Planungen des Konzertbetriebs sind nun die letzten Phasen angebrochen. Für das Eröffnungskonzert, dessen Programm an beiden Tagen identisch sein wird, gibt es nicht nur Eintrittskarten für geladene Gäste, sondern auch Kontingente für das Hamburger, das nationale und das internationale Konzertpublikum. Prof. Barbara Kisseler, Hamburgs Kultursenatorin: »Die Neugier auf die Elbphilharmonie ist enorm. Mitten im Herzen Hamburgs entsteht ein Haus für alle – für Kinder, die hier womöglich erstmals hautnah mit Musik in Berührung kommen, für Musikfans, die hier unvergessliche Abende erleben werden und für alle, die einfach nur die grandiose Aussicht von der Plaza genießen möchten. Bei den Eröffnungskonzerten wollen wir neben den geladenen Gästen auch möglichst vielen Hamburgern und Gästen aus dem In- und Ausland die Möglichkeit geben, das Konzerthaus kennenzulernen.« www.elbphilharmonie.de

Festivalzelt innen, Gstaad Festival Orchestra, Kristjan Järvi

Gstaad (CH)

Gstaad Menuhin Festival 2016 Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag Yehudi! Anlässlich des 100. Geburtstags seines Gründervaters überbietet sich das Gstaad Menuhin Festival selbst. Viele Künstler haben sich spontan erboten, ihn zu ehren, so sein Schüler Daniel Hope (24. Juli), der Pianist András Schiff (der ihm Ende Juli drei Abendveranstaltungen widmen wird) und die Violinistin Patricia Kopatchinskaja (20. August). Die beiden Highlights in diesem Geburtstagsreigen bilden jedoch zweifellos das Abschlusskonzert am 3. September im Festival-Zelt Gstaad (bei dem sechs ganz unterschiedliche Violinisten auftreten werden und ein speziell für diesen Anlass komponiertes Stück von Didier Lockwood uraufgeführt wird) und die Rekonstruktion des legendären Konzerts von Berlin, bei dem der junge Menuhin am Abend des 12. April 1929 an der Seite von Bruno Walter und den Berliner Philharmonikern Bach, Beethoven und Brahms spielte. Am 7. August wird diese einzigartige Leistung in Saanen wiederholt werden … allerdings von drei international preisgekrönten Violinisten! 14.7.-3.9.2016 | www.gstaadmenuhinfestival.ch

Rendering Westansicht Nacht © Herzog & de Meuron

Luzern (CH)

LUCERNE FESTIVAL ARK NOVA

Berlin

Young-Euro-Classic-1_©-mutesouvenir-Kai-Bienert

Young Euro Classic Young Euro Classic ist die weltweit wichtigste Plattform des internationalen Orchesternachwuchses für die europäische klassische Musiktradition und ihre Entwicklungen. Jeden Sommer spielen 17 Tage lang Orchester aus aller Welt im Berliner Konzerthaus am Gendarmenmarkt. Young Euro Classic ist Jugendkultur. „Das Bayreuth der jungen Generation“ (Berliner Morgenpost) erweist sich Jahr für Jahr als Leuchtturmereignis in der deutschen Kulturlandschaft und zeigt, dass sich die Hauptstadt Berlin als attraktiver Schauplatz der Jugendkultur nicht nur auf das Berghain und die freie Szene reduzieren lässt. Berlin ist die Musik-Hauptstadt der Welt – durch Young Euro Classic auch für den klassischen Musiknachwuchs. Young Euro Classic dynamisiert die internationale Orchesterszene und macht sie wettbewerbsfähiger, indem sich die Orchester einem kundigen Berliner Publikum stellen. Für viele der Pre-Professionals zählen die Auftritte im Konzerthaus oder der Philharmonie zu den prägendsten Ereignissen ihrer Karriere. Young Euro Classic initiiert neue Orchestergründungen, befördert und festigt bestehende Initiativen – in Berlin und überall auf der Welt. Young Euro Classic ist Vorreiter. Das Prinzip der Neugründungen von bi- und multinationalen Jugendorchestern, welches von Barenboim und Said initiiert und von Young Euro Classic intensiviert und verbreitet wurde, ist mittlerweile in die Genetik der Jugendorchesterszene übergegangen. Young Euro Classic ist „Europäische Kulturmarke 2015“.. 6.-23.8.2016 | www.young-euro-classic.de

Der Name ist Programm: LUCERNE FESTIVAL ARK NOVA wurde von Festival-Intendanten Michael Haefliger und dem japanischen Konzertagenten Masahide Kajimoto in Reaktion auf die japanische Erdbeben- und Tsunamikatastrophe vom 11. März 2011 lanciert. Als eine «neue Arche» soll LUCERNE FESTIVAL ARK NOVA einen Beitrag zum kulturellen Wiederaufbau in den betroffenen Regionen leisten. Zu diesem Zweck entwickelten der japanische Architekt Arata Isozaki und der britische Künstler Anish Kapoor eine aufblasbare mobile Konzerthalle. Sie dient nicht nur als Plattform für hochstehende künstlerische Darbietungen, sondern auch als lebendige, vielseitige Begegnungsstätte, die internationale und lokale Musiker, Künstler und Publikum zusammenbringt. LUCERNE FESTIVAL ARK NOVA wurde erstmals im Herbst 2013 in Matsushima aufgestellt; 2014 gastierte sie in Sendai, im Jahr darauf in Fukushima. 2015 wurde LUCERNE FESTIVAL ARK NOVA mit dem «Classical:NEXT Innovation Award» ausgezeichnet. Sie ist ein Hingucker, eine Bauskulptur, die sich harmonisch in die Landschaft einfügt, mit ihrer ungewöhnlichen Form aber doch Aufmerksamkeit erregt und dank der leichten Materialien fast schwerelos wirkt. LUCERNE FESTIVAL ARK NOVA ist als strukturloser Hüllkörper konzipiert und kommt ohne konventionelle Tragkonstruktion aus. Die Hülle besteht aus einem elastischen, aufblasbaren Material, sodass sich die Halle leicht abbauen, transportieren und an einem anderen Ort neu errichten lässt. LUCERNE FESTIVAL ARK NOVA bietet mit flexibler Bestuhlung Platz für bis zu 500 Personen. Auch 2016 wird die LUCERNE FESTIVAL ARK NOVA auf Reisen gehen. Der Ort stand bei Drucklegung noch nicht fest. www.lucernefestival.ch/de/lucerne©lucernefestivalarknova festival-ark-nova


62 | Klassik

JULES | arttourist.com 1|2016

So 1. 5. ab 11 Uhr verschiedene Orte Freihafen

Ensemble Musikfabrik © Jonas Werner-Hohensee

Sa 30. 4. ab 16 Uhr verschiedene Orte Eröffnungsabend Der Festival-Eröffnungsabend bietet Gelegenheit, sich mit dem Werk der Porträt-Komponistin Galina Ustwolskaja vertraut zu machen: In 4 Konzerten an verschiedenen Orten erklingen 9 Kompositionen aus der Zeit von 1949 bis 1990. Der Konzertbesucher kann sich in unterschiedlichem Ambiente (DITIB Zentralmoschee Köln, St. Michael, St. Aposteln) der Musik Ustwolskajas in der Interpretation durch das Ensemble Musikfabrik nähern und dazwischen auf kurzen Spaziergängen Köln entdecken. Eingerahmt werden die Konzerte durch eine Darbietung des DITIB Sufi-Ensemble und eine Ambientnacht.

Über 600 Chorsänger ziehen mit geballter Stimmkraft in den ACHT BRÜCKEN Freihafen. Orchester, Ensemble und Interpreten verschiedener Kulturen ergänzen das Musikfest. Nicht nur der örtliche Wechsel bei sieben Konzerten in Kirchen und Konzertsälen sorgt für Spannung, auch das abwechslungsreiche Programm: ein Requiem, Kompositionen nach Shakespeare, eine Tangomesse, türkisch-arabisch-deutsch-russische Klangwelten, Werke von Camille van Lunen, John Tavener und Brett Dean und zum krönenden Abschluss Olivier Messiaens „La Transfiguration de Notre-Seigneur Jésus-Christ“ in der Kölner Philharmonie. Der Eintritt ist frei.

Mantovani, Bruno © Pascal Bastien

ACHT BRÜCKEN | Musik für Köln Musik und Glaube In direktem Umfeld des Kölner Doms – Weltkulturerbe, populärste Sehenswürdigkeit Deutschlands und dritthöchstes Kirchengebäude der Welt – erklingt ab dem 30. April für elf Tage Musik unter dem Motto „Musik und Glaube“. Wem nun schwant, es handle sich um ein Kirchenfest, hat weit gefehlt: Beim Festival ACHT BRÜCKEN | Musik für Köln steht die zeitgenössische Musik im Zentrum, darüber hinaus auch Jazz, Klassik, Weltmusik und Pop. Jedes Jahr widmet sich das Festival einem anderen Thema. In seiner sechsten Ausgabe wird nun in über 50 Veranstaltungen die klingende Welt der Spiritualität, Konzepte des Dies- und Jenseits, der Transzendenz oder der Unendlichkeit in verschiedenen Kulturen und Religionen erkundet. Im Fokus steht 2016 die russische Komponistin Galina Ustwolskaja (1919 - 2006). 21 Werke ihres 25 Kompositionen umfassenden Œuvres werden aufgeführt: von den frühen Kompositionen in russischer Tradition bis zu späten Werken mit ganz eigener Klangsprache. Wer ACHT BRÜCKEN besucht, kann nicht nur neue Klangwelten entdecken, sondern auch Köln, seine Konzertsäle, Kirchen und weitere Orte, die exklusiv für das Festival ihre Tore öffnen, wie etwa ein Raum, in dem für gewöhnlich Hochwasserschutzelemente gelagert werden, oder die sich noch im Bau befindliche Kölner Zentralmoschee. Außergewöhnliche Musik an besonderen Spielstätten im Herzen von Köln – dafür steht das Festival. Schon am Eröffnungsabend geht das Konzept auf. Das Ensemble Musikfabrik liefert eine umfassende Werkschau der Porträtkomponistin Ustwolskaja, mit vier Konzerten in verschiedenen Gotteshäusern, die durch kurze Spaziergänge leicht zu erreichen sind. Auch der ACHT BRÜCKEN Freihafen – eine unverzichtbare Institution im Festival – verteilt sich über die Stadt: Bei freiem Eintritt werden in sieben Einzelkonzerten Chorwerke des 20. und 21. Jahrhunderts aufgeführt. Kein Festival ohne internationale Gastorchester und Spitzenklangkörper für neue Musik: Das Ensemble intercontemporain gastiert unter der Leitung von Tito Ceccherini mit Werken von Jonathan Harvey und Gérard Grisey, das Staatliche Symphonieorchester Estland unter Bas Wiegers lässt Arvo Pärt erklingen und das Netherlands Radio Philharmonic Orchestra betritt mit Markus Stenz und John Adams‘ „The Gospel According to the Other Mary“ die Bühne. Auch das diesjährige Abschlusskonzert ist ein Ereignis für sich: Leonard Bernsteins musikalisches Spektakel „Mass“, ein virtuoser Stilmix zwischen Jazz und Blues, Musical-Elementen und Kirchenmusik. Der Festivalbesucher kann sich auf abwechslungsreiche Tage mit vielen neuen Höreindrücken und spannenden Herausforderungen freuen, wenn es auch mal heißt, unbekannte

Spotlight © Getty Images/iStockphoto/nikkytok

Klangereignisse zu ergründen oder die sichere Sitzfläche des Stuhls gegen einen Platz auf dem Teppich einzutauschen. Als besonderes Highlight darf natürlich auch ein Konzert im Kölner Dom nicht fehlen: Am Abend vor Christi Himmelfahrt erklingt Olivier Messiaens „L’Ascension“ – ein nächtliches Orgelkonzert im Wahrzeichen der Stadt.

Festivalzeitraum: 30.04. – 10.05.2016 Tickets & Infos auf achtbruecken.de und unter 0221 280 281 Festivalpass: Besuchen Sie alle Festivalkonzerte mit einem Pass zum Preis von € 105,- (ermäßigt € 51,-)


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Klassik | 63

Freddy, Faada © Maï Lucas

Mo 2. 5. 20 Uhr Kölner Philharmonie Faada Freddy Mit seinem ersten Soloalbum „Gospel Journey“ schlägt der erfahrene Rapper Faada Freddy – ehemaliges Gründungsmitglied von Daara J – neue, ruhigere Töne an, doch dies nicht weniger erfolgreich: Die Mischung aus Gospel und Blues, Soul, Reggae, Jazz und Pop sorgt in Frankreich – der Wahlheimat Freddys – bereits für ausverkaufte Konzertsäle. Mit seiner fünfköpfigen Vokalband begibt sich der HipHop-Dandy auf eine spirituelle Reise. Ganz A capella, zwischen Bobby McFerrin und Mahalia Jackson, setzt Faada Freddy seine Stimmbänder ein und stellt als Soul-Sänger sein großes Gespür für Melodie und Songtext unter Beweis.

Schwellenbach, Gregor © Jan Höhe

Di 3.5. 20 Uhr Kölner Philharmonie Gregor Schwellenbach | John Kameel Farah | Erol Sarp | Daniel Brandt | Paul Frick | Hauschka »Six Pianos« sollte ursprünglich für alle Klaviere in einem Klaviergeschäft geschrieben werden. Schließlich beschränkte sich Steve Reich aber auf sechs Pianos. Auf der Bühne der Kölner Philharmonie sind nun die optimalen Voraussetzungen für das Werk mit den typischen Strukturen der sogenannten Minimal Music gegeben. Die Interpreten des Abends sind allesamt Musiker, die in der zeitgenössischen Musikszene, zwischen Elektronik, HipHop, Jazz und Pop vernetzt sind.

Scheps, Olga © Uwe Arens

Stenz, Markus © Josep Molina

Do 5.5. 20 Uhr Kölner Philharmonie Olga Scheps | Staatliches Symphonieorchester Estland | Bas Wiegers

So 8.5. 18 Uhr Kölner Philharmonie Netherlands Radio Philharmonic Orchestra | Markus Stenz

Arvo Pärt ist sicher einer der bedeutendsten noch lebenden Komponisten, der religiös motivierte Musik schreibt. Mit seinem »Lamentate« gibt der estnische Komponist eine Antwort auf menschliches Leid. Die „Klavierpoetin“ (SZ) Olga Scheps übernimmt den Solopiano-Part des Stücks in der Kölner Philharmonie. Die beiden Sinfonischen Poeme der Russin Galina Ustwolskaja stehen außerdem auf dem Programm des Konzerts mit dem Staatlichen Symphonieorchesters Estland unter der Leitung von Bas Wiegers.

Es ist ein zutiefst weltliches Thema, das John Adams seinem Passionsoratorium »The Gospel According to the Other Mary« zugrunde gelegt hat. Im Mittelpunkt steht Maria, aber eben nicht die heilige Gottesmutter, sondern die andere, die Verachtete. Adams hat eine ungemein plastische Musik kreiert, mit großen Chorpassagen, eindrucksvollen Arien und pulsierenden Orchestersätzen. Mit renommierten Gesangssolisten, dem Netherlands Radio Choir, dem Netherlands Radio Philharmonic Orchestra und Markus Stenz wird das Werk zur deutschen Erstaufführung gebracht.

Die Kölner Philharmonie | 365 Tage Musik 30 Jahre wird die Kölner Philharmonie im Herbst 2016. Erst? Schon? Seit dem Tag der Eröffnung ist das Konzerthaus aus dem nationalen und internationalen Musikleben nicht mehr wegzudenken. Für das Programm, das in diesen 30 Jahren über die Bühne ging, brauchen andere Häuser die doppelte Zeit. Nicht umsonst wirbt die Kölner Philharmonie mit „365 Tagen Musik“. Tatsächlich findet fast jeden Tag ein Konzert statt; an Sonn- und Feiertagen sind es oft sogar zwei oder drei. Mit PhilharmonieLunch wird einmal in der Woche gar eine Probe für die Öffentlichkeit geöffnet. Wer jetzt meint, diese Quantität könne auf Kosten der Qualität gehen, der irrt gewaltig. Hochkarätige Orchester mit den weltweit besten Dirigenten und in-

ternationalen Star-Solisten sind hier genauso zu Gast wie wegweisende Jazzmusiker oder Weltmusiker, die musikalischen Einfluss aus allen Erdteilen an den Rhein bringen. Für das Festival ACHT BRÜCKEN | Musik für Köln ist die Kölner Philharmonie einmal im Jahr Dreh- und Angelpunkt. Aber auch sonst steht häufig zeitgenössische Musik auf dem Programm, mit Uraufführungen, Erstaufführungen, mit Neuem und Fremdartigem. Einen hervorragenden Ruf hat das Haus aber nicht nur aufgrund der Programmvielfalt und -qualität, sondern auch wegen der außerordentlich guten Akustik – egal ob jeder Sitz besetzt ist oder nicht. Um einen stets hervorragenden Klang zu gewährleisten, wurde Beschaffenheit und Form der Sitze so

gewählt, dass die Größe des Publikums keinen Einfluss auf die Raumakustik hat. Rund 2.000 Besucher passen in den Saal, der einem Amphitheater nachempfunden ist. Es gibt keine sich parallel gegenüberliegenden Wände, die ein unerwünschtes Echo entstehen lassen könnten. Der Komponist Hans Werner Henze sagte einmal: „Wenn man weit von Köln weg ist, selbst in Übersee, genügt es, das Wort ‚Kölner Philharmonie‘ nur zu denken, um einen Klang zu hören, oder ein Konglomerat von Klängen, Instrumentalklängen, als ob sie vom Dach herunter und aus den Wänden geschossen kämen. Man kann, man darf also sagen, dass das ganze Haus einen Zauber in sich hat, eine ganz besondere Art von Magie.“

Podium mit sechs Flügeln © Jörg Hejkal

AUSGEWÄHLTE KONZERTE IN DER KÖLNER PHILHARMONIE: 20.05.2016 Freitag 20:00

11.06.2016 Samstag 20:00

Trilok Gurtu perc Paolo Fresu tr Omar Sosa p

Wiener Philharmoniker Yannick Nézet-Séguin Dirigent

EUR 25 26.05.2016 Donnerstag 20:00 Fronleichnam Klaus Doldinger‘s Passport Klaus Doldinger‘s Passport Classic Als Gäste: Max Mutzke voc Majid Bekkas voc, perc EUR 45 | EUR 30 30.05.2016 Montag 20:00 Patricia Kopatchinskaja Violine SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg Teodor Currentzis Dirigent Ludwig van Beethoven Leonoren-Ouvertüre Nr. 3 C-Dur zu op. 72 Alban Berg Konzert für Violine und Orchester Dmitrij Schostakowitsch Sinfonie Nr. 15 A-Dur op. 141

Anton Webern Passacaglia op. 1 Anton Bruckner Sinfonie Nr. 9 d-Moll WAB 109 EUR 147 | 126 | 105 | 72 | 42 | 25 | Z: EUR 90 15.06.2016 Mittwoch 20:00 Håkan Hardenberger Trompete Mahler Chamber Orchestra Daniel Harding Dirigent Ludwig van Beethoven Leonoren-Ouvertüre Nr. 3 C-Dur zu op. 72 Sinfonie Nr. 4 B-Dur op. 60 Mark-Anthony Turnage Håkan für Trompete und Orchester Edgard Varèse Intégrales für kleines Orchester und Schlagzeug EUR 62 | 52 | 44 | 32 | 21 | 10 | Z: EUR 44

EUR 62 | 52 | 44 | 32 | 21 | 10 | Z: EUR 44 Tickets & weitere Infos auf koelner-philarmonie.de und unter 0221 280 280


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Kleinkunst aus Kastilien Pincho heißt der edlere Bruder der Tapas. Kaum irgendwo nimmt man die Häppchen so ernst wie im spanischen Valladolid „Alles reiner Zufall!“, wehrt Jesús Alejos González ab. Gar nichts habe der Name seines Restaurants mit der Bundestagswahl 2005 zu tun. Zufall, dass González im selben Jahr, in dem die Deutschen erstmals eine Bundeskanzlerin wählten, sein Lokal „Angela“ im Zentrum der alten kastilischen Königsstadt Valladolid eröffnete. Zufall auch, dass er mit einer großen Auswahl an deutschem Bier wirbt, dass in seinem

Logo eine blonde Maid zwei schäumende Krüge stemmt, dass auf den Regalen an der Wand Bierseidel stehen und am Tresen die Wappen deutscher Städte prangen. Angela habe seine Großmutter geheißen, erklärt der Koch, und er möge nun mal deutsches Bier. Das sei schon alles. Und, ach ja, das Bier passe toll zu sei-

nen Pinchos, ebenso gut wie die einheimischen Weine aus dem rauen KastilienLeón. Damit wäre man beim Thema: Wer als Gastronom auf sich hält in Valladolid, der bietet Pinchos an. Und da ist es hilfreich, wenn sein Lokal ein Konzept hat, das es von den anderen unterscheidet. Das aber gibt man besser nicht zu, schließlich wäre das wenig originell.

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I N Originell zu sein ist für Wirte und Köche jedoch Pflicht dieser Tage, da sich alles in der einstigen Residenzstadt des Königreiches Kastilien um die Pinchos dreht. Das Wort bedeutet eigentlich Spieß, es bezeichnet die kleinen, meist mit Hingabe komponierten Häppchen, die vor allem in Nordspanien beliebt sind, ob als Imbiss für den kleinen Hunger oder als Amuse-Gueule zu Wein oder Bier. Dabei werden stets mehrere Zutaten kombiniert. Pinchos sind also eine Art künstlerische Luxusvariante der Tapas, der berühmteren, aber oft nur aus einer Speise bestehenden und eher schlicht zubereiteten spanischen Häppchen. Derzeit steht die regionale Pincho-Meisterschaft an, für viele Köche in Valladollid der wichtigste Termin des Frühjahrs. Zwanzig Kandidaten haben die Endrunde des Vorentscheids erreicht; Austragungsort ist die Milleniumskuppel, ein futuristischer Ausstellungssaal, der mit dem Kugeldach aus sechseckigen Waben aussieht wie ein durchgeschnittener Fußball. Auch Jesús Alejos González, der Koch des „Angela“, ist dabei. Er wirkt zuversichtlich, schließlich war er hier schon öfter erfolgreich. Liebend gern, sagt er, würde er die deutsche Kanzlerin eine seiner preisgekrönten Kreati-

onen probieren lassen, die „Angela-Wolken“ (Nubes de Angela) etwa, mit denen er 2008 in der Kategorie „Kalte Pinchos“ siegte: Aus einem Teighörnchen für Speiseeis, in dessen Spitze ein Loch gebohrt wurde, tröpfelt eine Sauce auf Würfel aus Schwertfischfilet. Oder das ein Jahr zuvor in der warmen Kategorie erfolgreiche „Angela-Gehöft“ (Caserio de Angela), eine Kombination aus Spitzbeinwürfeln vom Schwein, gefüllt mit Leber und umwickelt mit kross gebratenen Speckstreifen. Wer hier ins Finale kommt, gibt den Takt der nächsten Saison vor. In vielen Bars hängen Plakate mit Fotos der Gewinner aus den vergangenen Jahren. Wohlgemerkt: Man sieht darauf nicht die Köche, sondern die Pinchos; mehr als fünf Dutzend sind dieses Jahr in das Rennen um den „goldenen Pincho“ der Region gegangen. Die meisten Bars im Zentrum bauen die Kreationen der Finalisten nach, nicht nur die Kundschaft, sondern auch die lokalen Medien diskutieren sie ausführlich. Und aus dem ganzen Land reisen Gourmets an, um die Beiträge zu testen. Der Sieger erhält eine vergoldete Bronzeskulptur, die Gürkchen, Filetstreifen, Muscheln, Kirschtomaten und andere beliebte Zutaten am Spieß naturgetreu darstellt, natürlich in Originalgröße. Und die

vier Erstplatzierten qualifizieren sich für den nationalen Wettbewerb, was im Grunde als Witz gilt, schließlich zweifelt hier keiner daran, dass ein nationaler Pincho-Sieger stets aus Valladolid stammen muss. Zwar verlegte der in den Mauern der Stadt geborene düstere König Philipp II. aus dem Geschlecht Habsburg seine Residenz einst nach Madrid – doch geblieben ist Valladolid die Hauptstadt der Pinchos. Geschenkt, dass man das nicht überall in Spanien so sieht, vor allem nicht im Baskenland, der Region mit der höchsten Dichte an SterneRestaurants. Denn auch das mondäne San Sebastian und die baskische Hauptstadt Vitoria-Gasteiz nehmen für sich in Anspruch, Weltzentren dieser kulinarischen Kleinkunst zu sein. In Valladolid schaut man jedoch entspannt auf die Basken. „Bei uns sind es Pinchos, bei ihnen Pintxos“, sagen sie in einer der Bars gegenüber der mächtigen Mariä-Himmelfahrt-Kathedrale – ein kleiner ironischer Schlenker, denn ausgesprochen wird das baskische Wort genauso wie das spanische. Und was die baskischen von den kastilischen Pinchos unterscheidet, wissen selbst die Fachleute nicht zu sagen. Nur so viel: Es ist der größte mögliche Triumph, wenn

H ein Koch aus Valladolid bei einer PinchoMeisterschaft in San Sebastian oder in Vitoria-Gasteiz siegt. Umgekehrt ist es ein Stich in das Herz der Ex-Hauptstädter, wenn ein Baske oder gar ein Madrilene in Valladolid zur Nummer eins erkoren wird. Nur höchst ungern erinnert man sich hier an das Jahr 2011. Damals siegte ein Madrilene. Mit einer Kreation, über die sie in Valladolid lange diskutierten: „Gute Nachrichten aus Spanien“ hieß die gefüllte Teigrolle, die in eine Miniaturausgabe der Lokalzeitung El Norte de Castillagewickelt war, die wiederum aus mit Lebensmittelfarbe bedrucktem Esspapier bestand. War dies nun eine Ehrbezeugung oder Spott aus der heutigen für die ehemalige Hauptstadt? Immerhin sind die Wettbewerbsbedingungen im ganzen Land gleich: Ein fertiger Pincho sollte trotz allen Aufwands in den Bars für nicht mehr als zwei Euro angeboten werden. Dies bedeutet, dass die Obergrenze für die Zutaten pro Stück bei 1,80 Euro liegt. Bei der Endausscheidung sieht man dann auch Juroren, die mit dem Taschenrechner die Kosten überschlagen. „Pinchos waren einst die schnellen Happen für die einfachen Leute“, betonen die Honoratioren in jeder Ansprache zur Eröffnung des Wettbewerbs. Man ist durchaus stolz, dass sie es


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DIE EMOTION IST SERVIERT San Sebastian Gastronomy Capital

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zum Kunstwerk gebracht und Karriere bei den Feinen und Betuchten gemacht haben. Doch erinnert man in Valladolid gern an die Ursprünge, schließlich ist man als wichtiges Industriezentrum auch Arbeiterstadt. Hinter den Kulissen wird erhitzt diskutiert: Dürfen japanische Bambussprossen, chinesische Algen oder indonesische Mangos die Pinchos verfeinern, oder sollen es nur regionale Produkte sein? Es ist die kulinarische Fortsetzung des klassischen Streits zwischen Traditionalisten und Erneuerern, der das spanische Kulturleben über Jahrhunderte prägte, auch in Literatur und Malerei: Wie stark wird das Visuelle, also Farbe und Form, gewichtet? Übertragen auf die Pinchos heißt das: Wie soll das Verhältnis zwischen Augen und Gaumen sein? Einige Traditionalisten stören sich an dem Trend, die Gemüse-, Käse-, Teig, Fleisch- und Fischhäppchen mit zusätzlichem Geschirr und sonstigen Hilfsmitteln zu komplizierten architektonischen Gebilden aufeinanderzutürmen. So wie bei González’ „Angela Wolke“, bei der das Teighörnchen mittels einer Glas-Plastik-Konstruktion gehalten wurde. Doch längst haben die Innovatoren die Oberhand, so wie die Sterneköche aus dem Baskenland und Katalonien, die seit Jahren

als kulinarische Avantgarde internationale Preise abräumen und für ihren Wagemut mit Sternen belohnt werden. Auch bei den Pincho-Wettbewerben in Valladolid werden die Kreationen immer aufwendiger. Vor sechs Jahren wurden die (nicht mit dem AngelaKoch verwandten) Brüder Antonio und Javier González Regionalmeister mit der Komposition „Obama im Weißen Haus“: ein Gericht aus gekochten Kartoffeln mit Ei und Steinpilzcreme, mit Tinte vom Kalmar schwarz eingefärbt und in einer Mini-Terrine serviert. Mit politischer Korrektheit, auch so viel ist klar, hat die Pincho-Avantgarde im rustikalen Nordkastilien nichts am Hut. Zudem war „Obama im Weißen Haus“ eine Kreation, die Angela-Koch und Deutschlandfan Jesús Alejos González als Konkurrent nicht gutheißen kann. Das ist ja fast so platt, als würde er Salzkartoffeln und Matjeshering, angeblich ein Lieblingsgericht Merkels, unter einer Kuppel aus essbarer Reisfolie mit dem Titel „Bundeskanzlerin im Reichstagsgebäude“ servieren. Und das käme ihm nun wirklich nie in den Sinn. TEXT: THOMAS URBAN | ÜBERNOMMEN AUS DER SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG, BR. 106, STIL 9./10.6.2015

www.info.valladolid.es

In San Sebastián drückt die Küche aus, was wir vielleicht nicht mit Worten sagen können. Jeder Pintxo und jedes Gericht enthält die Sprache, mit der wir einzigartige Emotionen vermitteln möchten, die Sie nicht vergessen können. Ob Eintopf oder Pintxo, ob im Sitzen oder im Stehen, in einem feinen Restaurant oder einer beliebten Kneipe. Das ist egal. In dieser Stadt isst man gut. Egal in welcher Weise. Adam und Eva wurden aus dem Paradies vertrieben, weil sie etwas Leckeres gegessen hatten. Hier passiert genau das Gegenteil. Hier gehen Sie Pintxos in einer kleinen Bar in Gros oder der Altstadt essen oder Sie setzen sich an den Tisch in einem beliebten Restaurant im Zentrum, und Sie befinden sich direkt im Himmel der guten Speisen. Und wenn Sie eines, der durch Michelin ausgezeichneten Gourmettempel betreten, ist Ihnen das kulinarische Paradies von San Sebastián garantiert. Die Bedeutung, die die gute Küche in all ihren Formen in dieser Stadt besitzt, hat sie berechtigterweise in ein universelles Symbol der Gastronomie verwandelt. Es reicht schon, eine Runde in der Altstadt von San Sebastián zu drehen, um die Omnipräsenz des Gaststätten-gewerbes in San Sebastián zu spüren. Es gibt ein so vielseitiges, umfangreiches und hochwertiges Angebot, dass man die Stadt dutzende Male besuchen könnte, ohne dasselbe Restaurant zu besuchen, und man würde jedes Mal denselben unvergleichlichen Eindruck mitnehmen. San Sebastián ist die Heimat der gastronomischen Gesellschaften, Apfelweinstuben, Pintxo-Bars, Meeresfrüchterestaurants und Autoren-Restaurants. Schon allein durch die unglaubliche Vielfalt an Pintxos und den Überfluss der Miniaturküche, die in den Bars angeboten wird, isst man in San Sebastián einzigartig. Doch darüber hinaus, und als ob das wenig wäre, gibt es hier eine der größten Konzentrationen an Michelin-Sternen weltweit. Ja, diese Stadt ist der höchste Ausdruck für den Genuss am Essen. Sie ist das Paradies der Kreativität, der Schönheit, der Magie, der Harmonie. All dieser mitreißenden Emotionen, die die gute Küche übermittelt. www.sansebastianturismo.com

PINTXOS KULINARISCHE PARFÜME Wenn die Menüs und Karten der Restaurants von San Sebastián das Duftwasser wären, wären die Pintxos das Parfüm. Die Essenz. Die Seele unserer Küche. Ursprünglich war der Pintxo eine Scheibe Brot, auf der eine Essensportion mit einem Zahnstocher festgemacht wurde. Heute gibt es ganz einfache aber unübertreffliche Pintxos wie der mit Kartoffeltortilla, oder der geniale Gilda, ein pikanter Spieß aus Peperoni, Anchovis und Oliven, der zu Ehren von Rita Hayworth entstand. Und natürlich gibt es besonders ausgeklügelte Pintxos, die ein Beispiel der hohen Kunst der Miniaturküche sind, Geschmack zubereitet und konzentriert in kleiner und leckerer Dosierung. Pintxos essen zu gehen ist eine soziale Handlung und eine Möglichkeit, unsere Kultur kennen zu lernen, ein Spektakel, das Lachen, Konversation, Bewegung und Spaß vereint.

Basque Culinary Center Die Universität der Kockunst Kurse für Laien. Die Universität für Kulinarische Künste bietet ebenfalls Kurse für Kochliebhaber in allen Bereichen der Kochkunst an: lernen, entdecken, erforschen, Spaß haben und in die gastronomische Kultur eintauchen. Eine Universität, die Bachelor-Studiengänge in den Kulinarischen Künsten anbietet, muss sich einfach hier befinden. Das Basque Culinary Center, das 2011 im Technologiepark Miramón eröffnet wurde, antwortet auf die Bedürfnisse der neuen Küche, in der die Köche Emotionen für alle Sinne kreieren wollen. www.bculinary.com


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JULES | arttourist.com 1|2016

Das Bauhaus. Alles ist Design 1.4. – 14.8.2016 Das Bauhaus war eine der einflussreichsten Kulturinstitutionen des 20. Jahrhunderts. Hier flossen die prägenden Strömungen der europäischen Avantgarde wie in einem Schmelztiegel zusammen. Zu einem Mythos stilisiert, wurde das Bauhaus aber auch zum Inbegriff des modernen Design-Klischees. Die Ausstellung gibt eine umfassende Übersicht über den Design-Begriff des Bauhauses. Sie präsentiert eine Vielzahl seltener, teilweise nie gezeigter Exponate, dokumentiert aber auch die dahinter stehenden Entwicklungsprozesse und Gesellschaftsentwürfe. Zugleich konfrontiert sie die BauhausIdee mit den aktuellen Entwicklungen im Design und mit den Werken zahlreicher Künstler der Gegenwart – aus dieser zeitgenössischen Perspektive betrachtet, offenbart das Bauhaus neue Facetten und eine überragende Aktualität. Mit ihren Werken in der Ausstellung vertreten sind Künstler und Designer wie Marianne Brandt, Marcel Breuer, Ronan & Erwan Bouroullec, Lyonel Feininger, Joseph Grima, Walter Gropius, Olaf Nicolai, Oskar Schlemmer und viele mehr. Eine Ausstellung der Bundeskunsthalle, Bonn, und des Vitra Design Museums, Weil am Rhein Die Ausstellung umfasst eine Vielzahl seltener, teilweise nie gezeigter Exponate aus Design, Architektur, Kunst, Film und Fotografie. Zugleich konfrontiert sie das Design des Bauhauses mit aktuellen Designtendenzen und mit zahlreichen Werken heutiger Designer, Künstler und Architekten. Auf diese Weise offenbart »Das Bauhaus. Alles ist Design« die überraschende Aktualität dieser legendären Kulturinstitution. Unter den in der Ausstellung vertretenen Gestaltern des Bauhauses sind Marianne Brandt, Marcel Breuer, Lyonel Feininger, Walter Gropius, Wassily Kandinsky und viele mehr. Aktuelle Ausstellungsbeiträge stammen u.a. von Olaf Nicolai, Adrian Sauer, Enzo Mari, Lord Norman Foster, Opendesk, Konstantin Grcic, Hella Jongerius, Alberto Meda und Jerszy Seymour. Ziel des 1919 von Walter Gropius in Weimar gegründeten »Staatlichen Bauhaus« war es, einen neuen Typus des Gestalters auszubilden. Dieser sollte am Bauhaus handwerkliche und künstlerische Grundlagen sowie Kenntnisse der menschlichen Psyche, des Wahrnehmungsprozesses, der Ergonomie und der Technik erwerben – ein Profil, das bis heute das Berufsbild des Designers prägt. Das Designverständnis am Bauhaus wies dem Designer aber auch einen umfassenden Gestaltungsauftrag zu: Er sollte nicht nur Dinge des täglichen Gebrauchs gestalten, sondern aktiv an der gesellschaftlichen Umgestaltung teilnehmen. Damit steht das Bauhaus am Anfang eines umfassenden Verständnisses von Design, das heute mit neuem Nachdruck gefordert wird: Unter Stichworten wie Social Design, Open Design oder »design thinking« wird erneut diskutiert, wie Designer ihre Arbeit in einen größeren Zusammenhang stellen und die Gesellschaft mitgestalten können. Ausgehend von dieser aktuellen Perspektive betrachtet die Ausstellung das Bauhaus als komplexes, vielschichtiges »Labor der Moderne«, das mit heutigen Designtendenzen eng verknüpft ist. Gegliedert ist die Ausstellung in vier Themengruppen, beginnend mit einem Blick auf den historischen und sozialen Kontext des Bauhauses. In einem zweiten Bereich werden sowohl ikonische also auch weniger bekannte Designobjekte des Bauhauses sowie ihre Entstehungsgeschichte zwischen Kunst, Handwerk, Technik und Industrie untersucht. Ein weiterer Bereich beschäftigt sich mit der Kommunikation des Bauhauses, von Typografie und Ausstellungen über experimentelle Filmkunst und Fotografie bis hin zu der – oftmals systematisch geplanten – Schaffung jener Mythen und Klischees, die das Bauhaus bis heute umgeben. Der letzte Bereich geht auf das Thema Raum ein und zeigt, wie viele verschiedene Gestalter an der Formulierung des Designverständnisses am Bauhaus beteiligt waren – darunter Bühnenkünstler, Architekten mit ihren Überlegungen zur Minimalwohnung und Künstler, die Farbgestaltungen und Raummodelle entwickelten. Hier offenbart sich das Bauhaus als das wohl erste künstlerische »Totalexperiment« der Moderne, bei dem die Verbreitung von Design in allen Lebensbereiche erprobt wurde. Die aktuelle Perspektive auf das Bauhaus wird vermittelt, indem historische Exponate aus der Bauhaus-Ära den Werken heutiger Gestalter gegenübergestellt werden. Darunter sind digital produzierte Möbel von Minale Maeda und Front, Van Bo Le-Mentzels »Hartz IV-Möbel«, aber auch Manifeste von Designern wie Hella Jongerius und Opendesk, Interviews mit

Max Bill | Der Eilbote | 1928 | Aquarell | Sammlung Christine und Volker Huber, Offenbach am Main | © VG Bild-Kunst Bonn, 2016


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Design | 69

DESIGNOBJEKTE Schottland (UK) Festival of Architecture Unter der Leitung des Royal Incorporation of Architects in Scotland und einer Vielzahl von Partnern wurde das Festival der Architektur 2016 entwickelt, um schottlandweit Ausstellungen, Workshops, Filmvorführungen , Musikfeste und andere Veranstaltungen zu organisieren. Es werden Tausende von Teilnehmern aus dem In- und Ausland erwartet. Das Festival ist ein 1970 - BOAC Building © Alan Crumlish wichtiger Bestandteil des schottischen Jahres der Innovation, Architektur und Design. Das Festival der Architektur 2016 zeigt Scottish Design und internationale Kreativität, um den Reichtum und die Vielfalt der schottischen Architektur und derer hohen Standards zu vermitteln. ganze 2016 | www.foa2016.com

Presseinformation

Designmonat Graz 2014

Mike Meiré | Bauhaus | 2008 | Küchentuch im Bilderrahmen | Foto: courtesy of Bartha Contemporary, London

Gestaltern wie Lord Norman Foster, Enzo Mari, Sauerbruch Hutton und dem Boss Womenswear Kreativdirektor Jason Wu, aber auch Hommagen an das Bauhaus von Designern wie Mike Meiré, Studio Miro oder Dokter and Misses. Dabei wird nicht zuletzt die Bandbreite des Bauhaus-Einflusses sichtbar – vom Automobildesign bei Mercedes-Benz bis hin zur Möbelserie Pipe (2009) von Konstantin Grcic für Muji und Thonet, die von Marcel Breuer inspiriert ist. Eine besondere Rolle unter diesen aktuellen Beiträgen spielen vier Projekte, die eigens für die Ausstellung beauftragt wurden und von dem Leipziger Künstler Adrian Sauer, dem Konzeptkünstler Olaf Nicolai sowie den Architekten und Autoren Joseph Grima und Philipp Oswalt stammen. In der Gegenüberstellung von historischen und aktuellen Exponaten ergibt sich ein neues, differenzierteres Bild des Designs am Bauhaus. Es räumt auf mit dem Klischee, das so genannte Bauhaus-Design sei primär minimalistisch, kühl und geometrisch gewesen, sondern zeigt, wie interessiert Designer am Bauhaus an sozialen Zusammenhängen, Experimenten und Prozessen waren. Dabei offenbart sich zum einen, dass viele der aktuellen Debatten denen am Bauhaus auf überraschende Weise ähneln – ob jene über die Möglichkeiten neuer Herstellungsverfahren und Ma-

terialien, über die Rolle des Designers in der Gesellschaft oder über die Vorteile interdisziplinärer Zusammenarbeit. Zum anderen wird sichtbar, dass das Bauhaus mit seinem offenen Designbegriff ganz entscheidend dazu beigetragen hat, dass Design heute unsere gesamte Lebenswelt durchzieht. Begleitet wird »Das Bauhaus. Alles ist Design« von einem über 400-seitigen Katalog, der neben einem ausführlichen, illustrierten Katalogteil auch Essays renommierter Autoren wie Arthur Rüegg und Patrick Rössler, sowie ein Glossar von Grundbegriffen des Designs am Bauhaus enthält. Unterstützt wird der zeitgenössische Blick auf das Bauhaus durch zahlreiche Kurzbeiträge namhafter Designer, Künstler und Architekten aus der ganzen Welt – unter ihnen Lord Norman Foster, Tobias Rehberger, Arik Levy und Hella Jongerius – die mit Ideen, Projekten und Thesen die Aktualität des Bauhauses reflektieren. »Das Bauhaus. Alles ist Design« ist eine Ausstellung der Bundeskunsthalle, Bonn, und des Vitra Design Museums, weil am Rhein und wird ab Frühjahr 2016 in der Bundeskunsthalle zu sehen sein. Kuratorin der Ausstellung ist Jolanthe Kugler.

Graz (A)

Zum achten Mal steht der Monat Mai in Graz ganz im Zeichen des Designs. Dabei werden Einblicke in verschiedene Kreativdisziplinen und Anknüpfungspunkte zu unterschiedlichsten Designschaffenden vermittelt. Zahlreiche Veranstaltungen, wie Ausstellungen, Workshops oder Vorträge laden in der UNESCO City of Design Graz zum Vernetzen ein. Einer der großen Programmpunkte wird die Ausstellung SELECTED 2016 zu aktuellen Interior Design Trends von 45 Labels aus 10 Nationen sein. In die nächste Runde geht auch das erfolgreiche Format Design in the City, das erneut Handelsbetriebe in Graz aktiv in das Programm des Designmonat Graz involviert. Die teilnehmenden Unternehmen setzen dabei über ihr Alltagsgeschäft hinaus Designaktivitäten um. Außerdem werden das Mode- und Designfestival assembly und der FESCH‘MARKT wieder Teil des Designmonat Graz sein. Neu im Designmonat Graz ist unter anderem ein Schwerpunkt, bei dem junge Designerinnen und Designer von Kuratorin Alice Stori Liechtenstein eingeladen werden, ihre jüngsten Arbeiten zu www.cis.at www.designmonat.at präsentieren. 30.4.-29.5.2016 | www.designmonat.at

London (UK) You Say You Want a Revolution: Records & Rebels 1966-70 Das Victoria & Albert Museum London widmet den späten 1960er Jahren in diesem Herbst eine große Ausstellung. Die Ausstellung untersucht diese fünf revolutionären Jahre, deren Kultur und ihren Einfluss auf die Gesellschaft, Politik, Mode und die MuThe Beatles Illustrated Lyrics, © Iconic Images, Alan Aldridge sik. Viele Ausstellungsstücke aus den Bereichen Musik, Mode, Film, Design und Politik verdeutlichen und stellen den Bezug zu heute her. Das Grundgerüst der Ausstellung wird eine musikalische Odyssee durch die intensivste Zeit der Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts sein. Angefangen bei Sam Cooke und seinem „ A Change is Gonna Come’‘, über The Who» My Generation „ zu Jimi Hendrix und Woodstock. Sie konzentriert sich auf die besonderen Momente dieser Zeit, auf Orte und Umgebungen, die die kulturelle und soziale Avantgarde des Zeitraums definieren, einschließlich Clubs und Gegenkultur, die Paris Proteste vom Mai 1968, Weltausstellung, das Woodstock-Festival 1969 und Städte an der Westküste von Amerika. 10.9.2016-26.2017 | www.vam.ac.uk

Berlin DMY International Design Festival

Alma Siedhoff-Buscher | Bauhaus Bauspiel, 22teilig | Foto: Heiko Hillig | © Naef

ADRESSE Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland Museumsmeile Bonn Friedrich-Ebert-Allee 4 53113 Bonn www.bundeskunsthalle.de

EINTRITTSPREISE Normalpreis EUR 10 ermäßigt EUR 6,50 Familienkarte EUR 16 Happy-Hour Ticket EUR 6 für alle Ausstellungen (jeweils 2 Std. vor Schließung, nur Individualbesucher)

ÖFFNUNGSZEITEN Di., Mi., 10–21 Uhr Do.–So. und feiertags, 10–19 Uhr Mo geschlossen

FÜHRUNGEN Anmeldung und Beratung: T +49 228 9171–243 kunstvermittlung@bundeskunsthalle.de Pauschalarrangements

Im 14. Jahr seines Bestehens öffnet sich das DMY International Design Festival Berlin erstmals für TeilnehmerInnen aller Disziplinen, angefangen vom Produkt- und Industriedesign über Mode-, Grafik- bis hin zu Kommunikations- und Digital Design. Somit präsentiert das DMY International Design Festival Berlin sich als umfassende Schnittstelle zwischen den einzelnen Designsparten, Unternehmen, jungen und talentierten GestalterInnen, Presse und der breiten Öffentlichkeit. Das Festival gewährt Einblicke in die Praxis der gegenwärtigen Designproduktion, weist auf neue Tendenzen hin und zeigt aufkommende Strömungen. Dabei verbindet es verschiedene Aspekte: Es bietet sowohl Ausstellungsflächen zur Präsentation und Vorstellung neuer Designprojekte als auch einen Ort für interdisziplinäre Kommunikation und kritische Reflexion. Augenmerk liegt hierbei darauf, Design als Chance zu begreifen, unsere Welt durch die Zusammenarbeit verschiedener Disziplinen nachhaltig, innovativ und nützlich zu gestalten. 2.-5.6.2016 | www.dmy2015.com Publikumsmagneten

DMY2015 Impressions 3 ©Enric Nitzsche

DMY2015 Impressions 4 ©Enric Nitzsche


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©Mutter Krausens Fahrt ins Glück flunker produktionen

Stuttgart FITZ! Stuttgart Das FITZ! Zentrum für Figurentheater ist eines der europäischen Zentren für Figurentheater und seit nunmehr 30 Jahren ein prägender Bestandteil der Stuttgarter Kulturszene. Gegenwärtig zeigt das FITZ pro Spielzeit etwa 40 verschiedene Inszenierungen regionaler, deutscher und internationaler Figurentheaterbühnen. Das heißt – verteilt auf den Abendspielplan FITZ am Abend und das Kinderprogramm FITZ für Kids – über 250 unterhaltsame, inspirierende und spannende Vorstellungen pro Jahr! Davon entfallen etwa zwei Drittel auf Künstler der Region, großenteils Absolventen des renommierten Studienganges Figurentheater der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart. Darüber hinaus profiliert sich das FITZ auch als Förderer aussichtsreicher Inszenierungsprojekte. Dieses Engagement wurde mit zahlreichen Auszeichnungen bei Theaterwettbewerben, Stipendien und Einladungen zu Festivals im In- und Ausland belohnt. www.fitz-stuttgart.de

Wels (A) Wels lässt die Puppen tanzen Seit 25 Jahren ist die Stadt Wels jährlich in der zweiten Märzwoche DIE Anlaufstelle für Liebhaber verschiedenster Stile und künstlerischer Ansätze des Figuren- MHatzius-orange theaters. 1991 als relativ kleine „Puppienale“ gegründet, bietet das Internationale Welser Figurentheaterfestival mittlerweile rund 50 Vorstellungen von Künstlern aus mindestens sechs Nationen. Tradition und Avantgarde finden in der Festivalwoche gleichermaßen ihren Platz. www.figurentheater-wels.at

Hotel Paradiso ©Frederik Rohn

Familie Flöz ist ein internationaler Pool von Theaterschaffenden - Schauspieler, Musiker, Tänzer, Regisseure, Maskenbauer, Lichtdesigner, Kostüm-

bildner, Bühnenbildner, Dramaturgen und andere gute Seelen aus 10 Nationen. Eine anrührende wie skurrile Familie ist das, die „aus dem dunklen Bauch der Erde durch einen tiefen Schacht zum ersten Mal ans Licht kommt“. Dieses Bild hat die Familie Flöz 1996 in der internationalen Theaterszene geprägt und bekannt gemacht. In dieser Metapher steckt auch das Selbstverständnis dieser sich ständig wandelnden Truppe von Theaterschaffenden. Jedes Stück wird in einem kollektiven Arbeitsprozess entwickelt und erweckt einen eigenen Kosmos zum Leben, bevölkert von Figuren und Geschichten, die sich den Weg aus dem Verborgenen ins Licht gebahnt haben. In der ständigen Neuentdeckung jahrhundertealter Disziplinen wie Schauspielkunst, Maskenspiel, Tanz, Clown, Artistik, Magie und Improvisation schafft Familie Flöz Theatererlebnisse mit einer einzigartigen Poesie. Seit 2001 ist die Basis von Familie Flöz in Berlin. www.floez.net

Wien (A) Mozarts »Zauberflöte« erklingt im Marionettentheater Schloss Schönbrunn International ausgezeichnetes Marionettenspiel, modernste Bühnentechnik und imperiales Ambiente machen diese Vorstellung zu einem besonderen Ereignis. Schon Kaiserin Maria Theresia begeisterte sich für »Marionettenopern«. Erleben Sie Mozarts Oper »Die Zauberflöte« in einer humorvollen Inszenierung mit Wiener Charme. Das Spiel mit Marionetten hat eine lange Tradition. Zu Mozarts Lebzeit spielte in Schönbrunn das von Fürsten Esterházy gegründete Marionettentheater und erhielt allerhöchsten Beifall. Gerade die Darstellung einer verkleinerten Welt auf der Bühne, macht den besonderen Reiz dieser Kunstform aus. Menschliche Figuren wie auch Gegenstände werden durch Meisterhand belebt und bieten der Phantasie Nahrung für die Deutung des allegorischen Inhaltes. Das Marionettentheater Schloss Schönbrunn steht in der Tradition des Marionettenspiels und pflegt eine Kunstform, die in seiner Art und Spielweise in Europa einzigartig ist. www.marionettentheater.at

Winterthur (CH) Theater im Waaghaus Im Jahre 1960 begannen Peter und Trudi Bienz in ihrer Freizeit, im Wohnzimmer und der Werkstatt mit handwerklichem Geschick und Freude an Sprache und Literatur Marionettentheater zu machen. Die ersten Aufführungen fanden im Schulhaus Schönengrund statt. Schon das erste Abendprogramm, „Die Bremer Stadtmusikanten“ und „Frau Holle“, begeisterte die Zuschauer. Dank der Unterstützung des damaligen Stadtpräsidenten Urs Widmer konnte das Ensemble nach einigen Jahren ins Waaghaus ziehen. Das Gebäude aus dem Jahre 1503, in dem einst alle in der Stadt gehandelten Waren gewogen werden mussten, wurde wiederholt umgenutzt und entsprechend umgebaut. Seit 1971 ist dieses besondere Haus Herberge für das Figurenspiel. Neben den Eigeninszenierungen der Winterthurer Marionetten finden auch Gastspiele statt. Bühnen aus dem In- und Ausland erhalten eine Plattform für traditionelles Marionettenspiel, klassisches Kasperlitheater und experimentelles Figurenspiel. In der Saison 2010/11 feierten die Winterthurer Marionetten ihr 50-jähriges Bestehen. www.theaterimwaaghaus.ch

Ernesto Hase und ein Loch in der Tasche © Luigi Consalvo

Das Ensemble Materialtheater

Amüsant. Politisch. Komisch. Ein politischer Theateransatz, Humor, Ironie, Internationalität und die Lust zur Auseinandersetzung mit immer neuen ästhetischen Herausforderungen und künstlerischen Partnern zeichnen die Arbeiten des Ensemble Materialtheater aus, dessen Kern aus den Figuren- und Schauspielerinnen Sigrun Kilger und Annette Scheibler und dem Regisseur und Schauspieler Alberto García Sánchez besteht. Unsere Inszenierungen sind reich an Bildern, außergewöhnlichen Umsetzungen, verblüffenden Einfällen und geprägt von darstellerischer Virtuosität. Wir spielen mit Gegenständen, Puppen, Material und uns selbst in immer neuen Variationen. Das Ensemble Materialtheater steht für hintergründiges, modernes Volkstheater und wurde dafür mehrfach mit Preisen ausgezeichnet. 2004 und 2012 erhielt es die dreijährige Konzepti-

onsförderung der Stadt Stuttgart. 2012 auch die des Landes Baden-Württemberg, die gerade um weitere drei Jahre und weiter Projekte erneuert wurde. In 28 Jahren freier Theaterarbeit entstanden mehr als 30 Inszenierungen, die u.a. vom Fonds Darstellende Künste e.V., dem FITZ! Zentrum für Figurentheater Stuttgart, dem Schauspiel Staatstheater Stuttgart, dem Puppentheater Halle, der SCHAUBUDE BERLIN, dem Festival Blickwechsel Magedeburg und dem Festival La Strada Graz gefördert wurden. www.materialtheater.de Wir trafen Sigrun Kilger im Theater Stadelhofen in Zürich zum Gespräch, wo das Ensemble Materialtheater mit den Stücken „Frauen lügen aus ihrem Leben“ und dem Kinderstück „Traumkreuzung“ zu Gast war.


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Theater | 71

Es gibt eine visuelle Sprache, die funktioniert international. Auch einen Humor, der ohne Worte auskommt und überall verstanden wird. In unseren letzten Produktionen spielt allerdings auch der Text und die Sprache eine wichtige Rolle. Deshalb gibt es einige unserer Inszenierungen in französischer, italienischer, spanischer, englischer (und türkischer!) Version. Das hat uns viele Türen geöffnet... Sie arbeiten seit 28 Jahren als freie FigurenTheatermacherin. Eine stolze Bilanz und sicher nicht immer einfach? Wie lebt es sich mit dem ständigen Kampf sich selbst, das Ensemble und die Projekte zu finanzieren? Wenn man über dreißig Jahre künstlerisch tätig ist, besteht die große Herausforderung darin, sich nicht zu wiederholen, keine Schubladen aufzuziehen, an Altbewährtem kleben zu bleiben, sondern sich immer neu zu erfinden. Die freie Arbeit ist natürlich auch geprägt von Existenzsorgen und wir fragen uns, welchen Stellenwert unsere Kunstform in Zukunft haben wird. Bisher hat unsere Arbeit sehr viel Bestätigung erfahren. Nicht nur durch den Zuspruch von Publikum und Presse, sondern auch durch öffentliche Förderung. Ohne letztere allerdings ist ein Ensemble nicht zu halten.

Georg in der Garage © Luigi Consalvo

Was bedeutet Figurentheater und wie kamen Sie dazu? Eigentlich ist das Figurentheater mir zugefallen. Kurz nach der Schule hörte ich von der Gründung eines ‚Studiengang Figurentheater‘ an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart. Das war die Initialzündung. Dieser Studiengang versprach eine Theaterform, in der sich bildnerisches Gestalten und darstellendes Spiel miteinander verbinden und war genau das, was ich gesucht hatte – ein künstlerischer Beruf! Gab es Inspirationsquellen für die Entscheidung diesen Berufsweg einzuschlagen, wie z.B. die Augsburger Puppenkiste, die »Helden unserer Jugend«? Obwohl ich die ‚Augsburger Puppenkiste‘ als Kind geliebt habe und vielleicht auch das eine oder andere Kasperltheater gesehen hatte, habe ich ‚Figurentheater‘ nie mit diesen Kindheitserlebnissen in Verbindung gebracht. Was mich reizte war eine neue, sehr bildhafte Darstellungsform und die Suche nach Ausdrucksmitteln jenseits des Schauspiels, die vielleicht auch Motor des modernen Tanztheaters war. Was ist die Faszination am Puppenspiel, am Figurentheater? Was ist so faszinierend? Puppen oder Figuren sind Archetypen. Sie sind in allem extrem: sie sind unerschrocken, aufmüpfig, frech, feige und vor allem unsterblich auf der Bühne. Sie sind bildgewordenes Gefühl, sprechen Wahrheiten aus, die wir nicht so leicht über die Lippen bekommen und halten uns, wie alle guten Buffons den Spiegel vor. Das Puppenspiel oder Figurentheater ist eine große Herausforderung an meine darstellerischen Fähigkeiten. Zum einen bin ich selbst da als Spielerin, aber gleichzeitig ist da dieses Stück Materie, ein Ding, eine Puppe, die ein Eigenleben besitzt, das ich aus ihr herauslocken möchte. Puppen sind manchmal ganz schön widerspenstig, sie lassen sich nicht vergewaltigen. Sie fordern von mir als Spielerin, dass ich ihren Charakter, manche nennen es auch ihre „Seele“ respektiere und dann spielt die Puppe selbt und macht uns vergessen, dass sie nur tote Materie ist. Sie haben Figurentheater studiert. Wie muss man sich das Studium vorstellen? Unser Studium war ein Projektstudium. Wir waren die ersten 8 StudentInnnen des Studiengang Figurentheater und hatten das Glück, in einer fast leeren Fabrikhalle von 800 m², uns sehr frei dem künstlerischen Experiment widmen zu dürfen. Als Dozenten hatten wir sehr unterschiedliche, internationale Theaterleute, die uns mit ihrer Arbeit angeregt und herausgefordert haben. Vom traditionellen Handpuppenspiel bis

hin zum politischen Straßentheater, bekamen wir einen Eindruck von der Bandbreite und Brisanz, dieser sich neu entwickelnden Theaterform.

aufstehmädchen und –männchen im Kampf mit der Tücke des Objektes als Ausdruck ihres persönlichen Kampfes gegen die „unfreundliche“ Welt.

Wie entstand das Materialtheater und wer und was ist das Materialtheater? Wir waren fasziniert von der Möglichkeit, mit leblosen Dingen und Material Geschichten zu erzählen – daher der Name ‚Materialtheater‘. 1987 aus dem Studiengang Figurentheater hervorgegangen, waren wir am Anfang als Duo Sigrun Kilger und Hartmut Liebsch unterwegs. Von Beginn an, haben wir jedoch den Austausch mit anderen Künstlern und Kunstformen gesucht. Heute sind wir ein festes Ensemble, im Kern bestehend aus den Puppen- und Schauspielerinnen Sigrun Kilger, Annette Scheibler, dem Autor, Schauspieler und Regisseur Alberto García Sánchez, dem Musiker Daniel Kartmann und dem Bühnenbildner Luigi Consalvo. Mittlerweile arbeiten wir in einem Netzwerk von Künstlern aus verschiedenen Ländern und Kontinenten, in manchen Produktionen sind bis zu 13 Menschen auf der Bühne - ganz zu schweigen von den vielen Puppen!

Sie treten international auf. Sie gastieren auf Festivals in ganz Europa, waren in Afrika und Amerika und hatten im März 2015 einen begeisternden Auftritt bei den 9th Izmir International Puppet Days in Izmir auf Einladung des Goethe Instituts. Spricht Figurentheater eine internationale Sprache oder wie bereitet man sich vor, wenn man in Afrika auftritt?

Wie arbeitet das Materialtheater und was zeichnet Ihre Arbeit aus? Wir sind Autoren unserer Stücke. Jede Produktion ist ein Wagnis, ein Forschungsprozess, in dem wir uns mit gesellschaftspolitisch relevanten Inhalten beschäftigen und dafür eine entsprechende starke Bildsprache suchen. Angesichts unserer Welt, die aus den Fugen gerät, ist es immer wieder das Clowneske, das Närrische, auf das wir zurückkommen. Humor als Überlebenselixier, als widerspenstiges, anarchisches Element, das sich dem Konformismus entgegensetzt. Unsere Figuren sind von daher eher Antihelden, Wieder-

Was treibt Sie um? Die Zukunft unserer Gesellschaft, die Arbeit mit und für Kinder. Die Frage nach Gerechtigkeit in unserer Welt. Ich glaube daran, dass unser kapitalistisches System nicht ewig bestehen wird und ich würde die Anfänge einer neuen Zeit gerne noch erleben wollen. Sie haben gerade erneut Konzeptionsförderung der Stadt Stuttgart und des Landes Baden-Württemberg für ein Projekt mit dem Titel „Heimweh nach der Zukunft“ erhalten. Was verbirgt sich dahinter? ‚Heimweh nach der Zukunft‘ ist ein Zyklus von vier Inszenierungen zum Thema Utopie und Aubruch zu unbekannten Inseln, den wir in den nächsten drei Jahren realisieren wollen: DER FRIEDHOF ist eine musikalische Parabel über unser Land, in dem die Toten besser leben als die Lebenden, eine Auftragsproduktion für das Festival Blickwechsel Magdeburg 2016*. KINO Im KOPF – Zehn Künstler aus unterschiedlichen kulturellen Umfeldern erzählen Geschichten von ihrem persönlichen „Heimweh nach der Zukunft“. In DON QUIJOTE machen sich zwei unzeitgemäße Damen auf die Suche nach dem „verrücktesten“ Idealisten und seinem Knappen. HOMO SPECTATOR portraitiert auf bissige Weise die neue Spezies Mensch als zuschauender Konsument eines virtuellen Daseins. Träume? Was ist unerfüllt Sigrun Kilger? Künstlerisches Schaffen ist viel weniger von den ganz großen Ambitionen und Visionen geprägt, als von den vielen kleinen Schritten, die man gehen muss, um sich weiter zu entwickeln. Merkwürdigerweise, so langsam dieser Prozess auch ist, es eröffnen sich immer neue Möglichkieten, von denen man nichts geahnt hatte und es erfüllen sich Träume, die man noch gar nicht kannte.

Das Mädchen im Löwenkäfig © Luigi Consalvo

DAS INTERVIEW FÜHRTE KAI GEIGER (*27. UND 28. JUNI 2016, FESTIVAL BLICKWECHSEL MAGDEBURG)

TERMINE:

Der Garten © Luigi Consalvo

STUTTGART FITZ!, ZENTRUM FÜR FIGURENTHEATER 6.4. Georg in der Garage 16.4. Traumkreuzung 17.4. Traumkreuzung 19.4. Traumkreuzung 20.4. Traumkreuzung 22.4. Drei Affen 23.4. Frauen lügen aus ihrem Leben 24.4. Frauen lügen aus ihrem Leben 29.4. Frauen lügen aus ihrem Leben 30.4. Frauen lügen aus ihrem Leben 8.7. Frauen lügen aus ihrem Leben

9.7. Frauen lügen aus ihrem Leben 13.7. Traumkreuzung 14.7. Traumkreuzung 19.7. Das Mädchen im Löwenkäfig 20.7 Das Mädchen im Löwenkäfif 21.7. Das Mädchen im Löwenkäfig WINTERTHUR (CH), FESTIVAL AUGENAUF 18.5. Drei Affen 19.5. Drei Affen Aktuelle Termine auf www.materialtheater.de


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Jean-Baptiste Mondino, Prince, Lovesexy, 1988 © Paiseley Park

Winterthur (CH) TOTAL RECORDS – VINYL & FOTOGRAFIE Die Fotografie ist aus der Erfolgsgeschichte des Schallplattenformats nicht wegzudenken: Von Grace Jones über David Bowie zu den Rolling Stones hat sie vielen MusikerInnen und Bands über das Albumcover eine unverkennbare visuelle Identität verliehen, sie zu Ikonen stilisiert. Covers wie Abbey Road von The Beatles haben genauso wie die Musiker und ihre Alben Kultstatus erreicht. Richard Avedon, David Bailey, Guy Bourdin, David LaChapelle, Annie Leibovitz, Irving Penn oder Juergen Teller sind nur einige der bekanntesten FotografInnen, die im Auftrag von Plattenlabels aktiv waren. An über 500 Schallplattencovern zeigt Total Records die innovativen und künstlerischen Wechselwirkungen zwischen Vinyl und Fotografie. In der Ausstellung verschränken sich Seh- und Hörerfahrung zu einer einzigartigen Musik- und Fotogeschichte des analogen 20.Jahrhunderts. bis 16.5.2016 | www.fotomuseum.ch

Amsterdam (NL) | Helmut Newton – A Retrospective Das FOAM Amsterdam präsentiert in diesem Sommer eine große Ausstellung mit Arbeiten von Helmut Newton (Berlin, 1920 - West Hollywood, 2004) dem legendären und einflussreichen Fotografen. Das gesamte Gebäude an der Amsterdamer Keizersgracht steht für die Ausstellung und das Werk Helmut Newtons zur Verfügung. Die als Retrospektive angelegte Ausstellung zeigt mehr als 200 Fotografien, von frühen Fotografien bis hin zu nur selten gezeigten monumentalen Fotos. Newton ist verantwortlich für ein reiches, authentisches und komplexes Werk, das zu den berühmtesten des 20. Jahrhun-

Self Portrait with Wife and Models, Vogue Studio, Paris 1981 © Helmut Newton / Helmut Newton Estate

derts gehört. Der Großteil der in der Ausstellung vorgestellten Arbeiten sind Vintage Prints aus der Sammlung von der Helmut Newton Stiftung in Berlin. „Helmut im Juni“, der Film von Newtons Frau June 1995, wird ebenfalls zu sehen sein. Der Name Helmut Newton bringt beim Liebhaber der Fotografie sofort Bilder von langen Beinen, hohen Absätzen - und in der Regel spärlich bekleideten – Frauen, die ein zügelloses Gefühl der Erotik ausstrahlen, hevor. 17.6.-4.9.2016 | www.foam.org LUMIXFESTIVAL PRESSEMATERIAL PRINT 05

Hannover Lumix Fotofestival Festival für jungen Fotojournalismus Organisatoren des Festivals sind der Studiengang Fotojournalismus und Dokumentarfotografie der Hochschule Hannover und der Verein zur Förderung der Fotografie in Hannover e.V. in Zusammenarbeit mit der Fotojournalisten-vereinigung FREELENS. Das Festival präsentiert 60 herausragende Fotoreportagen, fotografiert von jungen Foto-journalisten aus der ganzen Welt. Zusätzlich zu den fotografischen Arbeiten werden Multimedia-Geschichten gezeigt. Auf der Fototechnikschau im Design Center wird Fotoequipment präsentiert und Dienstleister der Branche stellen sich vor. 15,-19.6.2016 | www.fotofestival-hannover.de

Anita Corbin | Shelley and Di, in the Ladies, The White Swan, Crystal Palace, 1980 © Anita Corbin | Courtesy of The Photographers’ Gallery, London

© Francesco Jodice (zu sehen in: Innere Sicherheit / The State I Am In)

London (UK) Punk Weekender

Köln Photoszene-Festival 2016

Das Punk Weekender in der Photographers Gallery ist Teil des PUNK.London, einem einjährigen Festival, das die Punk Bewegung mit Konzerten, Ausstellungen, Performances und Film feiert. Das Festival zeigt das Gesicht der Musik, einer Kultur, die die Kunst, Politik und Mode für immer verändert hat. Punk. Weekender umfasst Ausstellungen, ein Live-Gig mit der legendären Band The Raincoats , ein Diskussionsforum und spontane Aktionen, die die Spontaneität, den Geist und die Vielfalt der Punk-Kultur unterstreichen. Schwerpunkt dabei ist der ideologische, soziale und politische Kontext für den PunkAufstand und seine Präsenz in Soho, dem Stadtteil, wo sich auch die Photographers Gallery befindet. 23.-26.6.2016 www.thephotographersgallery.org.uk www.Punk.London

Mit dem Release der dritten Ausgabe von L.Fritz am 19. August – traditionell zum Geburtstag der Fotografie – startet auch das Photoszene-Festival 2016 (Hauptveranstaltungswoche vom 16.- 25. September). Eine entscheidende Neuerung wird der kuratierte Teil sein. Unter dem Titel Innere Sicherheit / The State I Am In haben die eingeladenen Kuratoren Katja Stuke und Oliver Sieber einen Ausstellungs- und Veranstaltungsprogramm konzipiert, das sowohl die Lage des Individuums in der Gesellschaft als auch größere gesellschaftspolitische Zusammenhänge diskutieren wird. 16.-25.9.2016 | www.photoszene.de

Foto © Recontres d’Arles

Arles (F) Recontres d’Arles Die Rencontres d’Arles (früher Rencontres Internationales de la Photographie d‘Arles) ist das bekannteste Sommer-Fotofestival, das 1970 von französischen Fotografen Lucien Clergue


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Foto | 73

Essen I Berlin | Thomas Struth | Nature & Politics Industrielle Produktionsanlagen, Forschungslabore und Operationssäle, aber auch Alltagsarchitekturen oder Erlebnisparks: Thomas Struth untersucht in seinen Bildern der letzten Jahre, wie Ehrgeiz und menschliche Vorstellungswelten zu räumlicher, objekthafter Wirklichkeit werden. Die Ausstellung umfasst ca. 35 zum Teil großformatige Fotografien aus den Jahren 2007 bis 2015. Sachlich und nüchtern zeigen sie uns hochkomplexe Apparaturen, Strukturen und Konstruktionen, welche unsere Gegenwart prägen, aber dem Blick der Öffentlichkeit meist unzugänglich sind. Die Ausstellung ist anschließend im Martin-Gropius-Bau, Berlin, im High Museum of Art, Atlanta/GA, und im Saint Louis Art Museum, St. Louis/MO, zu sehen. 4.3.-29.5.2016 | www.museum-folkwang.de 11.6.-18.9.2016 | www.gropiusbau.de

Thomas Struth, Aquarium, Atlanta, Georgia, 2013 Chromogenic Print, 200 x 350 cm Museum Folkwang Essen © Thomas Struth

aus Arles, dem Autor Michel Tournier und dem Historiker JeanMaurice Rouquette gegründet wurde. Die Rencontres d‘Arles zeigt fast ausschließlich neue Arbeiten, wodurch sie sich einen weltweiten Ruf und Anerkennung als Festival erworben hat. Im Jahr 2015 begrüßte das Festival 93.000 Besucher. Die Ausstellungen, die oft mit französischen und ausländischen Museen und Institutionen koproduziert werden, sind über die ganze Stadt, in verschiedensten Gebäuden und Orten verteilt und sind das Setting für diese ganz spezielle Veranstaltung, zu der Fotoliebhaber aus der ganzen Welt nach Arles kommen. Einige Orte werden nur für das Festival und nur für die Dauer des Festivals geöffnet. Recontres d’Arles ist Sprungbrett für viele zeitgenössische Fotografen und kreative Talente, die in Arles ihre Karriere beginnen. Für Teile des Programms werden immer wieder berühmte Künstler als Gastkuratoren eingeladen, wie 2004 Martin Parr, 2006 Raymond Depardon, 2008 der in Arles geborene Couturier Christian Lacroix und Nan Goldin im Jahr 2009. Arles ist nicht umsonst einer der wichtigsten Orte für Fotografie in der Welt. Semain d’Ouverture | Eröffnungswoche 4.-10.7.2016 Festival | Ausstellungen 4.7.-10.9.2016 www.rencontres-arles.com

Basel (CH) photo basel Die photo basel startet in ihr zweites Jahr - wieder in der Art Basel Woche und neu im Volkshaus Basel - einen Steinwurf (rund 700 Meter) von der Art Basel entfernt. Ein Komitee bestehend aus Galeristen (Roger Szmulewicz - Fifty One Gallery und Susanne Tarasieve), Kurator Marco Costatini (mudac), Sammler und Filmemacher Thomas Koerfer und Tatyana Franck (Direktorin des Musée de l‘Elysée) sowie die künst- Sven Eisenhut und Samuel Riggenbach © photo basel lerische Leiterin, Béatrice Andrieux sorgen für die internationale Dichte an Galerien. Die beiden Messemacher Sven Eisenhut und Samuel Riggenbach sehen zuversichtlich auf die kommende Messe, meldeten sich doch weit mehr Galerien an als zugelassen werden konnten. 15.-19.6.2016 | www.photo-basel.com

Düsseldorf Horst: Photographer of Style Das NRW-Forum Düsseldorf zeigt eine umfassende Retrospektive von Horst P. Horst, einem der bedeutendsten Fotografen des 20. Jahrhunderts und Ikone der Modefotografie. Er war der König der Modefotografie und ein „Magier des Lichts“. Der aus Deutschland stammende Horst P. Horst zählt zu den wichtigsten Fotografen des 20. Jahrhunderts, der bis heute stilprägend ist. Vom 12. Februar bis 22. Mai 2016 präsentiert das NRW-Forum Düsseldorf die vom Londoner Victoria and Albert Museum kuratierte Retrospektive Horst: Photographer of Style – mit 250 fotografischen Werken aus 60 Jahren Schaffenszeit, darunter seine berühmten Arbeiten als VogueFotograf, sowie weniger bekannte Projekte und selten gezeigte Zeichnungen, Briefe, Filme und Couture-Kleider.

Summer Fashions, American Vogue cover, 15 May 1941 © Condé Nast / Horst Estate

Horst P. Horst wurde 1906 als Horst Paul Albert Bohrmann in Weissenfels geboren. Er studierte an der Kunstgewerbeschule in Hamburg, bevor er 1930 nach Paris ging, um als Lehrling bei dem Architekten Le Corbusier zu arbeiten. Dort lernte er George Hoyningen-Huene, den Cheffotografen der französischen Vogue kennen, und arbeitete ab 1932 selbst als Fotograf für die Vogue. 1939 zog er nach New York und wurde 1943 amerikanischer Staatsbürger. Im selben Jahr verpflichtete er sich bei der US Army und änderte schließlich seinen Nachnamen von Bohrmann in Horst. Nach dem Krieg baute er ein Haus in Long Island, New York, und blieb bis zu seinem Lebensende in Amerika. Er starb 1999 im Alter von 93 Jahren in Florida.  bis 22.5.2016 | www.nrw-forum.de


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Jochen Viehoff | Pina Bausch tanzt ein Solo in Danzón (Ausschnitt) | Fotografie | © Jochen Viehoff

me von und über Pina Bausch und das Tanztheater Wuppertal gezeigt. Ein dokumentarischer Blick auf ihre Arbeitswelt – u.a. von Chantal Akerman, Klaus Wildenhahn, Lee Yanor und Pina Bausch.

Lecture Performances und Talks Vorträge, Lecture Performances und Gespräche nähern sich auf künstlerische und theoretische Weise dem Werk von Pina Bausch und der Arbeit des Tanztheater Wuppertal, in einer offenen Form, die unterschiedliche Akteure und Blickweisen, Themenbereiche und Expertisen involviert: von Wegbegleitern, Tänzern, Kollegen und Wissenschaftlern. Was bleibt? Was bedeutet Weitergabe im Tanz? Und was verbindet uns mit dem Werk von Pina Bausch?

Film & Talk In der Reihe Film & Talk werden Videoaufzeichnungen einiger Stücke von Pina Bausch. Im Anschluss findet ein Gespräch mit Beteiligten des jeweiligen Kreationsprozesses statt. Was lässt sich zu den damaligen Proben sagen? Wie hat Pina Bausch sie und ihre Arbeit beeinflusst? Erinnerungen, Wissen, Anekdoten. Wilfried Krüger | Porträt Pina Bausch | Foto: Wilfried Krüger | © Pina Bausch Foundation

Jochen Viehoff | Pina Bausch tanzt ein Solo in Danzón (Ausschnitt) | Fotografie | © Jochen Viehoff

Während der Proben zu einem neuen Stück hat Pina Bausch ihren Tänzerinnen und Tänzern „Fragen“ gestellt. Aber wie haben die Tänzer Bauschs Fragen wahrgenommen? Was ist ihre Erinnerung? Und inwiefern beeinflussen Pina Bauschs Werk und ihre Arbeitsweise ihr gegenwärtiges künstlerisches Schaffen? Entstehen werden Performances und Interventionen über die gemeinsame Arbeit mit Pina Bausch.

Bonn

PINA BAUSCH und das Tanztheater

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4.3. – 24.7.2016 in Bonn Pina Bausch (1940–2009) gilt als Pionierin des modernen Tanztheaters und als eine der einflussreichsten Choreografinnen des 20. Jahrhunderts. In der Bundeskunsthalle wird ihr Schaffen nun erstmals in Form einer Ausstellung erfahrbar gemacht. Ausgehend von ihrem 2007 im Rahmen der Kyoto-Preis-Verleihung gehaltenen Workshop-Vortrag, ermöglicht die Ausstellung Einblicke in die Arbeit von Pina Bausch. Im Mittelpunkt steht nicht nur das Werk in Form der auf die Bühne gebrachten Stücke. In den Fokus gerückt werden vielmehr vor allem die Grundlagen ihrer Arbeit, ihre Vorgehensweise, die wesentlichen Aspekte und die Menschen, die sie auf diesem (Arbeits-)Weg begleitet haben. Objekte, Installationen, Fotografien und Videos stammen aus den einzigartigen Beständen des Pina Bausch Archivs. Herzstück der Ausstellung ist ein Nachbau der „Lichtburg“ – jenes legendären Proberaums in einem alten Wuppertaler Kino, in dem Pina Bausch den größten Teil ihrer Stü-

cke gemeinsam mit ihren Tänzerinnen und Tänzern entwickelt hat. Fremden wird nur selten Zutritt zu diesem intimen Raum gewährt. In der Bundeskunsthalle aber wird er zum Raum der Begegnung mit Mitgliedern des Tanztheater Wuppertal, die den Besuchern Bewegungsqualitäten und kleine Bewegungssequenzen vermitteln; Performances, Tanz-Workshops, öffentliche Proben, Gespräche, Filme und mehr lassen ihn zum lebendigen Erfahrungsraum für die Besucher werden.

Workshops

Die Lichtburg

Nicht nur weil die Lichtburg ein ehemaliges Kino ist, sondern vor allem weil audiovisuelle Medien heute wichtigste Mittel in der Dokumentation von Tanz sind, werden Fil-

Machen Sie bei Performances, Tanzworkshops, Filmen, offenen Proben, Lecture Performances, Trainingsklassen, Talks und performativen Interventionen im Nachbau der Lichtburg Ihre eigenen Erfahrungen mit dem Werk von Pina Bausch und ihrem Tanztheater Wuppertal. Manchmal auch mit verschlossenen Türen, um Intimität zu schaffen. Die Lichtburg – Ort der Inspiration, ein Labor der Begegnung und Annäherung an das Werk von Pina Bausch.

In Tanzworkshops für Laien, Tanzinteressierte und Professionelle vermischen sich unterschiedliche Techniken, Traditionen und Körperpraktiken. Regelmäßig finden Angebote statt, an denen Sie spontan und ohne Vorkenntnisse teilnehmen können. Immer wieder gibt es öffentliche Proben und Einblicke in choreografische Arbeitsprozesse mit der Gelegenheit, sich mit Künstlern und Künstlerinnen auszutauschen.

Filmprogramm

ADRESSE Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland Museumsmeile Bonn Friedrich-Ebert-Allee 4 53113 Bonn www.bundeskunsthalle.de

Performances

ÖFFNUNGSZEITEN Di., Mi., 10–21 Uhr Do.–So. und feiertags, 10–19 Uhr Mo geschlossen EINTRITTSPREISE Normalpreis EUR 10 ermäßigt EUR 6,50 Familienkarte EUR 16

7 Besucher befragen 7 Gäste des Tanztheater Wuppertal – für 5 Minuten. In Form eines Oral History Speed Datings können Besucher Mitglieder des Tanztheater Wuppertal über ihre Arbeit mit Pina Bausch für jeweils 5 Minuten befragen oder einfach dem Geschehen folgen. Eine spielerische Annäherung an das Werk von Pina Bausch.

Kunstkomplizen Das Format „Kunstkomplizen“ bietet die Möglichkeit, die Ausstellung und ihre performativen Formate gemeinsam mit anderen zu erleben. Lernen Sie andere Sichtweisen und Blickwinkel auf das Werk von Pina Bausch kennen: gemeinsam mit Fans, Experten, Tänzern oder anderen Besuchern. Treffen Sie sich, um das Erlebte zu teilen. Weitere Informationen und ein ausführliches Programm der Lichtburg erhalten Sie ab Anfang März in der Bundeskunsthalle und online unter: www.pina-bausch-ausstellung.de

Happy-Hour Ticket EUR 6 für alle Ausstellungen (jeweils 2 Std. vor Schließung, nur Individualbesucher) FÜHRUNGEN Anmeldung und Beratung: T +49 228 9171–243 kunstvermittlung@bundeskunsthalle.de Pauschalarrangements


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Tanz | 75

Kunst-Musik-Tanz

Das Triadische Ballett | Gelbe Reihe | Nagisa Hatano ©Wilfried Hösl

Friderica Derra de Moroda, ca 1916 Fotograf: Bert J. Sabourin Universität Salzburg, Derra de Moroda Dance Archives

Salzburg (A) KUNST – MUSIK – TANZ Staging the Derra de Moroda Dance Archives Ausgangspunkt dieser Ausstellung, die vom Museum der Moderne Salzburg in Kooperation mit dem Fachbereich Tanzwissenschaft der Universität Salzburg organisiert wird, sind die Derra de Moroda Dance Archives, die sich seit 1978 an der Universität Salzburg befinden. Benannt ist das Archiv nach seiner Gründerin Friderica Derra de Moroda (1897–1978), die in der Tanzgeschichte des 20. Jahrhunderts eine bedeutende Rolle einnimmt. Im Rahmen der Ausstellung sind internationale Künstlerinnen und Künstler eingeladen, das Archiv zu erforschen und ausgehend davon neue Arbeiten zu konzipieren. 19.3.-2.7.2016 | Museum der Moderne www.museumdermoderne.at

München München Ballett Festwoche Mit den längsten BallettFestwochen in der Geschichte des Bayerischen Staatsballetts zieht Ballettdirektor Ivan Liška noch einmal Bilanz einer bemerkenswerten Ära. Vom 3. bis 19. April entfaltet sich in drei Spielstätten ein Tanz

Panorama, das die Spannweite des Münchner Repertoires belegen soll. Traditionell wird die Festwoche mit einer Premiere im Nationaltheater eröffnet. Es ist Pina Bauschs ”Für die Kinder von gestern, heute und morgen“, getanzt vom Bayerischen Staatsballett - ein spannendes Unternehmen, denn zum ersten Mal wird eines der Tanztheaterstücke der Bausch von einem anderen Ensemble als dem legendären Tanztheater Wuppertal getanzt. Eineinhalb Jahre Probenzeit widmete das Staatsballett dem 2002 entstandenen Werk, um mit dieser Premiere die große Frage positiv beantworten zu können: werden die Tanztheaterstücke der 2009 verstorbenen Jahrhundertfigur auch ohne die Originalinterpreten Bestand haben? Können Tänzer anderer Compagnien sich dieses so einzigartige Ausdrucksrepertoire aneignen und die Stücke zu neuem Leben erwecken? Das Bayerische Staatsballett stellt sich der Herausforderung und die Münchner können sich auf ein weltweit mit Spannung erwartetes Ereignis freuen. 3.-19.4. 2016 | www.staatsballlett.de

Bielefeld Tanzfestival Bielefeld 2016

Das Tanzfestival Bielefeld ist ein zweiwöchiges Festival, das allen offen steht. Diesem Anspruch kommt der Veranstalter mit dem neuen Programm ein ganzes Stück näher. So wurde neben dem bewährten Mix aus technischen und ethnischen Kursen ein neues Format geschaffen: Open Spaces - Urban Styles. In vier einstündigen Kursen zeigen verschiedene Dozenten die aktuellsten Strömungen aus House, Hip-Hop und Hype und tanzen abends beim Come together und MixStyles Jam mit allen Teilnehmern zusammen. Im anschließenden PerformanceProgramm folgen Showcases, Jam Sessions, Battles und After Parties. 10.-23.7.2016 | www.tanzfestival-bielefeld.de

biennaledeladanse defile placebellecour stephanerambaud 860

Lyon (F) Biennale de la Danse Lyon Alle zwei Jahre organisiert die Stadt Lyon die „Biennale de la danse“ – ein Event, dass sich kein Tanzbegeisterter entgehen lassen sollte. Das breit gefächerte Programm verspricht dabei choreografische Kreationen in all ihren Formen Die Biennale ist ein internationales Event, dass mehr als 750 Künstler aus mehr als 20 Ländern in Lyon versammelt. Das Festival findet an verschiedensten Orten, die sich über ganz Lyon erstrecken, statt. Jedes Mal gibt es ein übergreifendes Thema, nach dem sich die Tänzer und die Choreographien richten. Viele Tanzrichtungen angefangen von modernem Tanz, Ballett, Jazztanz, über Streetdance und bis hin zu Flamenco sind vertreten. www.biennaledeladanse.com

Düsseldorf internationale tanzmesse nrw Die internationale tanzmesse nrw beherbergt das größte internationale professionelle Branchentreffen, das sich ausschließlich dem zeitgenössischen Tanz widmet. Die Veranstaltung findet alle zwei Jahre Ende August in Düsseldorf statt. In den Ausstellungshallen der Tanzmesse haben Kompanien, Künstler, Institutionen und Organisationen die Möglichkeit, ihre eigenen Arbeiten bzw. ihre Künstler einem breiten Publikum vorzustellen. Sie bieten den Raum für Messestände in verschiedenen Größen, die während der Öffnungszeiten von einem internationalen Fachpublikum besucht werden können. Das Performance-Programm der Tanzmesse gibt den Ausstellern die Gelegenheit, tourfähige Produktionen live vor Fachpublikum zu zeigen oder Ausschnitte und Konzepte von neuen Vorhaben in einem Open Studio zu präsentieren. Das künstlerische Programm findet auf den besten Tanzbühnen in Düsseldorf, Krefeld und Leverkusen statt. Die kuratierte Auswahl zeigt die besten Beiträge der Tanzmessekünstler und –Aussteller. 31.8.-3.9.2016 | www.tanzmesse.com

Tanzjahr 2016

Karlsruhe 9. KARLSRUHER BALLETTWOCHE

Stiftung_Keil_2015-1981

Ein Muss für alle Ballettfans! Vom 7. bis 11. Juni 2016 zeigt das Ensemble im GROSSEN HAUS nicht nur die Neukreationen der Saison, sondern auch die Repertoire-Highlights. Nach den Vorstellungen gibt es jeweils eine Autogrammstunde im FOYER. Ein besonderes Erlebnis sind die Warm-ups des Ensembles. Eine begrenzte Anzahl von Zuschauern kann bei diesem hochkonzentrierten, kurzen Training vor den Vorstellungen im BALLETTSAAL dabei sein. 7.-11.6.2016 | www.staatstheater.karlsruhe.de

Tanzfestival Bielefeld © Arne Krüger

2016 wird ein besonderes Jahr für den Tanz: Erstmals finden die drei großen Tanzereignisse in Deutschland, die ein beträchtliches nationales und internationales Publikum anziehen, innerhalb eines Jahres statt: Die Tanzplattform Deutschland als das bedeutendste Festival des in der Bundesrepublik produzierten zeitgenössischen Tanzes (Frankfurt, 2.-6.3.), der Tanzkongress als einzigartiges internationales Kreativ- und Reflexionsforum der Kulturstiftung des Bundes (Hannover, 16.-19.6.) sowie das größte professionelle Branchentreffen, die internationale tanzmesse nrw, die als Netzwerkveranstaltung und in-

ternationales Festival Künstler und Publikum verbindet (Düsseldorf, 31.8-3.9.). Die verschiedenen Facetten und Botschaften des Tanzjahres werden darüber hinaus durch eine Vielzahl von Aktionen und Veranstaltungen sichtbar gemacht. Hochkarätige Expertentreffen wie der Europäische Kongress der Tanzmedizin und das Internationale Treffen der Tanzarchive, Symposien zur Tanzpädagogik und Tanzforschung, das Tanztreffen der Jugend und viele weitere publikumswirksame Veranstaltungen tragen die Kunstform Tanz in alle Bereiche der Gesellschaft. Die deutschen Tanzfestivals, Ballett- und Tanztheatercompagnien verknüpfen ihre Premieren und Produktionen mit der Initiative des Tanzjahres. www.tanzjahr2016.de

L’A / Rachid Quramdane, Foto © Imbert

Bozen Tanzsommer Bozen Im Sommer wird in Bozen getanzt: beim internationalen Tanzfestival mit zahlreichen Aufführungen und Performances von Ballett bis Tanztheater sowie Workshops und Tanzkursen. Bozen tanzt - und das seit mehr als drei Jahrzehnten! Zum 32. Mal belebt das Tanzfestival nun schon Bozens Sommer und ist obendrein ein Fixtermin für Tanz- und Ballettinteressierte von nah und fern. Die Geschichte des Tanzfestivals kann sich sehen lassen. Hunderte Kompanien und Ensembles aus aller Welt waren schon zu Besuch in Bozen und es hat zahlreiche italienische Erstaufführungen gegeben. Heuer wird der Tanzsommer in Bozen von 18. bis 30. Juli stattfinden und wieder viele Ensembles vorstellen. Auf dem Programm stehen Uraufführungen und Erstaufführungen, die oft von Livemusik begleitet werden. 18.-30.7.2016 | www.tanzbozen.it


76 | Tanz

JULES | arttourist.com 1|2016

Candoco Dance Company Notturnino by Benedict Johnson

Eun-Me Ahn Dancing Grandmothers by Young-Mo Cheo

Ballet Junior de Genève In Your Rooms by gregory batardon

Schweiz

Tanzfestival STEPS 7.4. – 1.5.2016 Das Migros-Kulturprozent Tanzfestival Steps ist in der Schweiz einzigartig: Seit 1988 lädt das internationale Festival für zeitgenössischen Tanz alle zwei Jahre rund ein Dutzend Tanzcompagnien aus der ganzen Welt für eine Tournee durch die Schweiz ein. So finden während knapp eines Monats auf 40 Bühnen rund 90 Vorstellungen statt, wobei zahlreiche Vorführungen Schweizer Premieren sind. Steps hat sich ganz der Vielfalt verschrieben und präsentiert ein breites Spektrum an Stilrichtungen innerhalb des zeitgenössischen Tanzes. Das Festival erreicht alle 2 Jahre über 30‘000 Zuschauer. Im Rahmenprogramm finden Stückeinführungen und Künstlergespräche vor und nach den Vorstellungen, Workshops für Schüler und Tanzschaffende sowie ein Fachsymposium statt.

Das Festival und sein Rahmenprogramm werden vom MigrosKulturprozent konzipiert und in enger Zusammenarbeit mit zahlreichen Partnern in der ganzen Schweiz realisiert.

Stückeinführungen und Nachbesprechungen Tanz begeistert ohne Worte. Und doch spricht man gerne darüber. Das Migros-Kulturprozent Tanzfestival Steps bietet in Zusammenarbeit mit den verschiedenen Theaterhäusern und dem Schweizer Tanzarchiv für das Publikum an fast allen Vorstellungen Stückeinführungen oder Nachbesprechungen an. In der Regel sind dies moderierte Gespräche mit Künstlerinnen und Künstlern der auftretenden Compagnien. Die Einführungen und Nachbesprechungen sind gratis, dauern etwa 30 Minuten und beginnen meist eine Stunde vor der Vorstellung bzw. direkt im Anschluss.

Symposium Am 13. April 2016 findet im Volkshaus Zürich das traditionelle Fachsymposium des Migros-Kulturprozent Tanzfestival Steps für die Schweizer Tanzszene statt. Tänzer, Choreografinnen, Theoretiker, Kritikerinnen, Kuratoren, aber auch Vertreterinnen der öffentlichen und privaten Kulturförderung sind eingeladen über Tanz nachzudenken. Die Teilnahme am Symposium erfolgt auf Einladung von Steps.

PROGRAMM STEPS 2016 COMPAGNIEN

Ballet Junior de Genève (Schweiz) FIERCE Choreografie: Sharon Eyal & Gai Behar, Hofesh Shechter, Barak Marshall Junge Energie und choreografische Klasse Cie Gilles Jobin (Schweiz) FORÇA FORTE Choreografie: Gilles Jobin Die abstrakte Dekonstruktion einer Beziehung EastmanISidi Larbi Cherkaoui (Belgien) Fractus V Choreografie: Sidi Larbi Cherkaoui Der Star der zeitgenössischen Tanzszene auf der Bühne Eun-Me Ahn (Südkorea) Dancing Grandmothers Choreografie: Eun-Me Ahn Eine Ode an das Leben Huang Yi (Taiwan) Huang Yi & Kuka Choreografie: Huang Yi Ein faszinierend zarter Dialog zwischen Mensch und Roboter Ramirez, Molina & Wang (Frankreich/ Spanien/Deutschland) Felahikum Choreografie: Sébastien Ramirez, Rocío Molina, Honji Wang Flamenco und Hip-Hop, eine ausgesprochen feminine Begegnung Company Wayne McGregor (Grossbritannien) Atomos Choreografie: Wayne McGregor Dance meets science – coole Eleganz pur!

STEPS 2016 quer zwei mit blume

Sydney Dance Company (Australien) Interplay Choreografie: Rafael Bonachela, Jacopo Godani, Gideon Obarzanek Cool, sexy, humorvoll – so zeigt sich Australien! Aakash Odedra (Grossbritannien) Rising Choreografie: Aakash Odedra, Akram Khan, Russell Maliphant, Sidi Larbi Cherkaoui Bühne frei für einen Solisten von Weltklasse Candoco Dance Company (Grossbritannien) Set and Reset/Reset Notturnino Choreografie: Trisha Brown, Thomas Hauert Aufbruchstimmung Sao Paulo Dance Company (Brasilien) Brazil In Movement Choreografie: Cassi Abranches, Clébio Oliveira, Jomar Mesquita, Nacho Duato Tänzerische Brillanz trifft auf brasilianische Sinnlichkeit

Das Detailprogramm und Informationen zu den Compagnien finden Sie auf www.steps.ch. Kartenverkauf bei Starticket www.starticket.ch Starticket Callcenter: 0900 325 325, CHF 1.19/Min. ab Festnetz, Mo bis Sa 8-22 Uhr Aus Deutschland: 0900 325 0 325 (0.99 €/Min. ab Festnetz) Aus dem restlichen Ausland: 0041 900 325 325


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Tanz | 77

ImPulsTanz

Oase des Tanzes mitten im sommerlichen Wien Anne Teresa De Keersmaeker / Rosas , Tänzer: Michael Pomero © Herman Sorgeloos

Seit dreißig Jahren hat es sich das Tanzfestival zur Aufgabe gesetzt, sein Publikum in Bewegung zu bringen. Ob geistige Sprünge beim Zusehen oder körperliche Bewegung beim selber Tanzen – wenn im Juli und August die bunten ImPulsTanz-Räder das Stadtbild prägen, werden müde Zuschauerkörper aufgerüttelt. Das internationale Publikum sorgt Jahr für Jahr dafür, dass es vor Beginn der Vorstellungen im Zuschauerraum oft genauso wuselt wie danach auf der Bühne. Bei so viel Aktion kann mag sich kaum vorstellen, dass Wien im Bereich des Tanzes einmal eine verschlafene Stadt war.

Wim Vandekeybus / Ultima Vez © Danny Willems

Anne Teresa De Keersmaeker / Rosas © Herman Sorgeloos

Wim Vandekeybus / Ultima Vez © Laurent Ziegler

Wim Vandekeybus / Ultima Vez © Danny Willems

Dabei hat ImPulsTanz von Beginn an für frischen Wind in der Szene gesorgt, die die Stadt ab den achtziger Jahren zum Schmelztiegel unterschiedlichster Tanzstile machte. Was jedoch fehlte, war eine professionelle Ausbildung. Auftritt: Karl Regensburger. Um für mehr „Schwung, Bewegung und Esprit“ zu sorgen, tat sich der Betriebswirt, der aus purem Zufall beim Tanz gelandet war, mit dem Tänzer und Choreografen Ismael Ivo zusammen. Gemeinsam wollte man internationale Lehrkräfte nach Wien holen, die Idee zu den „Ersten Internationalen Sommertanzwochen” war geboren. Die Workshopreihe begann 1984 mit nur sechs Dozent_innen, der Erfolg war dennoch überwältigend. Als George Tabori 1988 vorschlug, sein Theater „Der Kreis“ im heutigen Schauspielhaus für ein Festival zu nutzen, startete unter dem Namen „Neun Extra Kreise“ das, was heute als ImPulsTanz bekannt ist. Und auch wenn das Geld von Beginn an knapp war, an Publikum fehlte es nie. Was aus Zufall begonnen hatte, war längst zur „Herzensangelegenheit“ geworden.

Das ImPulsTanz Festival versteht es seit jeher, den Besucher_innen alljährlich ein hochkarätiges Programm zu präsentieren. 2016 fegen von 14. Juli bis 14. August internationale Tanzgrößen über Anne Teresa De Keersmaeker / Rosas @ Anne Van Aerschot die Bühnen Wiens – vom Volkstheater bis in diverse Museen –, Kooperationsprojekte fächern die vielseitigen Facetten von Performance und Tanz auf und die [8:tension]-Reihe zeigt eine neue Generation an Choreograf_innen. Zudem laden mehr als 200 Workshops & Research Projekte Profis und Anfänger_innen ins Wiener Arsenal zum selber Tanzen und das tägliche Musikprogramm in der ImPulsTanz festival lounge im Burgtheater Vestibül Wim Vandekeybus / Ultima Vez © Laurent Ziegler macht das sommerliche Wien zur Partyoase!

Einen großen Coup bei den diesjährigen Workshops konnte ImPulsTanz mit Tino Sehgal landen, der zu den absoluten Topstars der internationalen Kunstszene zählt. Er wird das Workshopprogramm von ImPulsTanz um ein vollkommen neuartiges Konzept an der Schnittstelle von bildender Kunst und Tanz erweitern. Unter den zahlreichen Highlights im Performanceprogramm finden sich der weltberühmte belgische Choreograf Wim Vandekeybus und seine Compagnie Ultima Vez mit vier Arbeiten. Die bereits 1999 bei ImPulsTanz aufgeführte Performance In Spite of Wishing and Wanting, zu dem Talking Heads Gründer David Byrne den Sound kreierte, wird mehr als 15 Jahre später mit neuem Cast als ImPulsTanz Classic noch einmal in Wien zu sehen sein. So auch Vandekeybus’ jüngster Bühnenerfolg Speak low if you speak love ... – der – begleitet von Mauro Pawlowskis Livemusik und den Gesängen der südafrikanischen Interpretin Tutuo Puoane – die Grenzen zwischen Tanz, Oper und Musical neu auslotet. Überdies lässt der Choreograf seine beiden jüngsten Filmprojekte über die Leinwand des neu eröffneten Metrokino tanzen. Ebenfalls aus Belgien kündigen sich die Needcompany mit The blind poet sowie Anne Teresa De Keersmaeker mit ihrer Compagnie Rosas an. Die vielfach ausgezeichnete Choreografin – im Februar 2015 erhielt sie das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst – bringt ihr Trio Verklärte Nacht zu Arnold Schönbergs Orchesterfassung (Aufnahme Pierre Boulez) sowie Richard Dehmels gleichnamigem Gedicht auf die Bühne. Selbst auf das Parkett begibt sich De Keersmaeker in ihrer zweiten Produktion Die Weise von Lieben und Tod des Cornets Christoph Rilke. Und die franko-kanadische Choreografin und langjährige ImPulsTanz-Wegbegleiterin Marie Chouinard zeigt beim diesjährigen Festival Soft virtuosity, still humid, on the edge sowie anlässlich des 500. Todestages von Hieronymus Bosch ihre neue Compagniearbeit BOSCH. Weitere bemerkenswerte Festivalgäste sind der FlamencoStar Israel Galván mit seiner gefeierten Performance FLA.CO.MEN sowie Butoh-Koryphäe Ushio Amagatsu mit seiner weltberühmten Compagnie Sankai Juku aus Japan. IMPULSTANZ – VIENNA INTERNATIONAL DANCE FESTIVAL

14.7. – 14.8.2016 Weitere Highlights sind ab April und das vollständige Programm ab Ende Mai online. Workshops ab Ende April, Tickets ab Ende Mai auf www.impulstanz.com buchbar. T +43.1.523 55 58 | www.impulstanz.com


78  |  Kunst | Skulpturen

JULES | arttourist.com 1|2016

Büdelsdorf NordArt 2016 Schleswig-Holstein wird erneut zum Hotspot internationaler Kunst

©1952 Francois Pompon - Hert - door Noske, J.D.

Arnhem (NL) SONSBEEK 2016 – transACTION Sonsbeek ist wieder zurück! Die elfte Ausgabe der Ausstellung für zeitgenössische Kunst dauert vom 4. Juni bis 18. September 2016 und findet im Sonsbeek Park, in der Stadt Arnhem und im Museum Arnhem statt. Kurator von Sonsbeek 2016 ist das indonesische Kunstkollektiv ruangrupa. Seit Beginn hat Sonsbeek die Grenzen der Kunst im öffentlichen Raum ausgereizt und überschritten. Darauf, und auf viel Überraschendes, Spannendes, kontrovers und leidenschaftlich zu Diskutierendes können sich die Besucher auch in diesem Jahr freuen. Die Idee zu Sonsbeek, einer Ausstellung mit visueller Kunst im öffentlichen Raum entstand 1948. Ab 1949 fanden alle 10 Jahre bahnbrechende Ausgaben statt. Ab dieser Ausgabe soll Sonsbeek alle vier Jahre stattfinden. Ruangrupa aus Jakarta besteht aus etwa vierzig Künstlern, Kuratoren, Architekten, Schriftsteller und Historiker. Sie forschen über die Stadt und den öffentlichen Raum. Das Hauptthema der Sonsbeek 2016 ist transACTION, und ihr zentrales Ziel ist es, den Austausch von Wissen und Erfahrung zwischen den Menschen zu fördern. Neben der aktuellen Sonsbeek 2016 sind in der Stadt Arnhem und dem Kröller-Müller Museum zahlreiche Skulpturen aus vorangegangenen Ausgaben zu sehen. Diese sind durch eine Skulpturen Wanderung miteinander verbunden. 4.6. – 18.9.2016 | Arnhem (NL) www.sonsbeek.org

Das Kunstwerk Carlshütte freut sich auf die bereits 18. Auflage der NordArt, die zu den größten Ausstellungen zeitgenössischer Kunst in Europa gehört und seit 1999 jeweils im Sommer Werke von 250 ausgewählten Künstlern aus aller Welt zeigt. Ihre Bühne sind die gewaltigen Hallenschiffe der historischen Eisengießerei mit ihren 22.000 m² Grundfläche und ein 80.000 m² großer Skulpturenpark. Nach den Länder-Schwerpunkten China, Russland, Baltikum und Mongolei wird in diesem Sommer ein vertiefter Blick Israel gelten. Unter dem Titel „Circle of Life“ (Kuratorin Carmit Blumensohn) zeigt der Israelische Pavillon aktuelle Kunst aus einem Land, das wie kein zweites Einflüsse aus Dutzenden Nationen in seine Kultur integriert hat. Als Schwerpunkt-Künstler der NordArt 2016 stellt sich der chinesische Künstler Liu Ruowang vor. Eine geradezu visionäre Kraft beweist er mit seinen raumgreifenden Skulpturengruppen, die einen Kommentar zur aktuellen Weltlage abzugeben scheinen. Ein Wiedersehen gibt es mit NordArt-Preisträgern Liu Yonggang (China), Jang Yongsun (Südkorea), Lv Shun (China) und Ochirbold Ayurzana (Mongolei). Die NordArt wird von Chefkurator Wolfgang Gramm als Gesamtkunstwerk konzipiert, in dem die Kunstwerke nicht nur für sich allein sprechen, sondern im Zusammenspiel mit der imposanten Kulisse der Industriearchitektur eine eigene Atmosphäre entwickeln und die Besucher so auf eine unvergleichliche Weltreise durch die Kunst mitnehmen. 04.06.–09.10.2016 | www.nordart.de

© NordArt

nicht seekrank: Die Installation soll „frei auf den Wellen schwingen“. In Sulzano und in Peschiera Maraglio (auf Monte Isola) wird der Weg rund einen Kilometer weiter in die Fußgängerzonen geführt. 18.6. – 3.7.2016 | Lago Iseo www.christojeanneclaude.net

sammenarbeit. Mit kunstwegen verbinden sich Kunst und Region auf einzigartige Weise. Insbesondere die jüngeren Werke gehen einen oft intensiven Dialog mit verschiedenen Aspekten der Landschaft und der anliegenden Orte ein: Flora und Fauna, lokale Geschichte und Traditionen, Sehenswürdigkeiten und aktuell auch mit Veränderungsprozessen in Kultur, Wirtschaft und Infrastruktur. Mehr und mehr bildet die Kunst auf diese Weise ein Leitmotiv zur Erkundung der Landschaft. www. kunstwegen.org Nigel Hall, Soglio, 1994, Corten Stahl

gänge ist die romanische Klosterkirche mit einer Galerie für wechselnde Ausstellungen. Für die Wiesen und Wälder des Schönthals entwickeln internationale und Schweizer Künstlerinnen und Künstler ortsspezifische Skulpturen. Zuvor machen sie sich jeweils mit dem Kloster, seiner Geschichte und der archaischen Landschaft vertraut. Die Sammlung wächst in aller Ruhe und im Sinne eines «work in progress». Zur Zeit säumen 31 Werke von 22 Künstlerinnen und Künstlern, u.a. Tony Cragg, Martin Disler, Ian Hamilton Finlay, Richard Long, Ulrich Rückriem und Roman Signer, die Wege und Pfade. www.schoenthal.ch

Graz (A) Österreichischer Skulpturenpark

Erwin Wurm, Misconceivable, 2010 © SABAM Belgium [2016] – Photo Joris Casaer

ChristoThe Floating Piers (Project for Lake Iseo, Italy)Collage 2014 22 x 17“ (55.9 x 43.2 cm)Pencil, wax crayon, enamel paint, photograph by Wolfgang Volz, technical maps, fabric sample and tapePhoto: André Grossmann © 2014 ChristoPrint Size: 21 x 16 1/4“ (53.3 x 41.2 cm)

Lago Iseo (I) Christo - “The Floating Piers” Besucher und Anrainer des Lago Iseo in Italien können 2016 übers Wasser gehen. Verpackungskünstler Christo hat die Pläne für seine neue Installation veröffentlicht - er will für das Projekt „The Floating Piers“ einen gigantischen Steg vom Festland auf eine Insel im See verlegen. Seit dem Tod seiner Frau Jeanne-Claude 2009 hat Christo kein Großprojekt mehr realisiert. Davor hatten die beiden mit ihrer New Yorker Installation „The Gates“ für Aufsehen gesorgt. Damals stellte das Paar 7.503 im Wind schwingende safrangelbe Tore auf. Für „The Floating Piers“ nimmt Christo nun die markante Farbe von damals wieder auf. Rund drei Kilometer lang soll der aus Polyäthylenelementen bestehende Weg übers Wasser sein, auf dem man 16 Tage lang von Sulzano auf dem Festland auf die Inseln Monte Isola und San Paolo gehen kann. Vorausgesetzt, man wird

Antwerpen (B) Middelheim Museum Dreißig Hektar Kunst. Die Sammlung des Middelheim Museum enthält rund 400 Kunstwerke, die über einen Zeitraum von mehr als 50 Jahren gesammelt wurden, und Werke von um 1900 bis zur Gegenwart enthalten. Als Sammlung bietet sie einen hervorragenden Überblick über internationale moderne und zeitgenössische Kunst. Jedes Jahr kommen neue Werke zur Sammlung hinzu. Etwa 215 Skulpturen sind im Park zu sehen, darunter Werke von großen Künstlern wie Auguste Rodin, Rik Wouters, Henry Moore, Juan Muñoz, Carl Andre, Panamarenko, Franz West, Erwin Wurm und viele andere gegeben. Stattliche Bäume, breite Wege und grasbewachsene Lichtungen laden ein, die Aussicht zu genießen. www.middelheimmuseum.be

Langebruck (CH) Kloster Schönthal (CH) Seit 2000 entwickelt sich das Kloster Schönthal zum kulturellen Begegnungsort. Eingebettet in die Juralandschaft nimmt die Sammlung zeitgenössischer Skulpturen den Dialog mit der Natur auf. Ausgangspunkt der Kunstspazier-

Nancy Rubins, Airplane Parts and Hills, 2003 Foto: M. Schuste

Peter Fischli/David Weiss: „Ein Weg durch das Moor“, 1999, Fotograf: Helmut Claus | © kunstwegen EWIV

Nordhorn Kunstwegen »Der Vechte folgen« – über mehr als 180 km leitet der Fluss den Radfahrer oder auch Wanderer durch das Vechtetal zwischen der Grafschaft Bentheim in Niedersachen und der Provinz Overijssel in den Niederlanden. Seit dem Jahr 2000 lassen sich unter dem Namen kunstwegen entlang dieser touristischen Fahrradroute zahlreiche Skulpturenprojekte namhafter internationaler Künstlerinnen und Künstler entdecken. Heute ist kunstwegen ein grenzüberschreitendes, offenes Museum, das inzwischen über 80 Kunstwerke aus mehr als 40 Jahren gesammelt hat. So entwickelte sich nicht nur ein außergewöhnliches Erfahrungs- und Studienfeld zur Geschichte von Kunst im öffentlichen Raum, sondern auch ein nach wie vor modellhaftes Projekt einer internationalen kulturellen Zu-

Wenn Kunst und Natur in Verbindung treten, entstehen daraus Geschichten, die sich im Lauf der Jahreszeiten ständig ändern. Der Garten als vom Menschen gestaltete und doch natürlich wachsende Struktur geht mit Skulpturen, die unter freiem Himmel der Witterung ausgesetzt sind, eine einzigartige Beziehung ein. Dieser Dialog zwischen Standort und Skulptur macht ein besonderes künstlerisches Vokabular sichtbar – es werden Träume sichtbar und poetische Begegnungsräume geschaffen. Der sieben Kilometer südlich von Graz gelegene Österreichische Skulpturenpark hat sich seit seiner Gründung im Jahr 2003 als Zentrum für zeitgenössische Skulptur etabliert. Die faszinierende Parkanlage des Landschaftsarchitekten Dieter Kienast erstreckt sich über ein Areal von rund sieben Hektar und ist Entfaltungsraum für mehr als 60 Skulpturen. Werke renommierter Künstler/innen aus Österreich – von Fritz Wotruba über Franz West bis hin zu Erwin Wurm, Heimo Zobernig und Michael Kienzer – kommunizieren hier mit Beispielen internationaler Bildhauerei, zum Beispiel von Jeppe Hein, Nancy Rubins, Tobias Rehberger oder Susana Solano. www.museum-joanneum.at/skulpturenpark


JULES | arttourist.com 1|2016

Kunst | Skulpturen  |  79

Senza titolo 169 © Arte Sella ph Giacomo Bianchi

Borgo Valsugana (I) Arte Sella

Tony Cragg, Foto: Charles Duprat, © VG Bild und Kunst, Bonn 2016

Wuppertal

Die unglaubliche Pflanzenkathedrale ist nur ein Projekt von Arte Sella. Arte Sella, ein internationales Projekt der Gegenwartskunst, wurde 1986 ins Leben gerufen. Die Ausstellung findet auf den Wiesen und in den Wäldern des Val di Sella statt. Seit 1996 entwickelte sich das Arte Sella - Projekt entlang eines Waldweges am Südhang des Monte Armentera. Auf diese Weise wurde ein exzellenter Parcours kreiert, ArteNatura genannt. Entlang dieses Weges können die Besucher sowohl die Kunstwerke betrachten als auch die landschaftlichen Besonderheiten der Umgebung genießen. Das Projekt präsentiert sich nicht nur als lohnenswerte Ausstellung von Kunstwerken, sondern auch und vor allem als kreativer Prozess: Das Kunstwerk wird Tag für Tag in seinem Wachstum begleitet. Der Eingriff des Künstlers soll sein respektvolles Verhältnis zur Natur ausdrücken. Aus der Natur selbst lässt sich der Künstler inspirieren, von ihr gehen die Anregungen für sein Werk aus. www.artesella.it

Skulpturen-Park Waldfrieden In einem idyllischen Waldgebiet auf den Höhen zwischen Wuppertals Stadtzentren Elberfeld und Barmen liegt der Skulpturenpark Waldfrieden. Alte Laubbäume säumen die lange Serpentinenstraße, die zum Parkgelände führt. Schon auf den Wegböschungen der Zufahrt entdeckt der Besucher einzelne Skulpturen Tony Craggs. Der in Wuppertal lebende Künstler, erfüllte sich einen lange gehegten Traum, indem er das verwaiste Villengrundstück Waldfrieden in ein Ausstellungszentrum für Skulpturen umgestaltete. Das gut 14 Hektar große Anwesen gehörte ursprünglich dem Wuppertaler Industriellen Kurt Herberts, der sich hier von dem Architekten Franz Krause zwischen 1947 und 1950 eine zweigeschossige Villa errichten ließ. Das luxuriös ausgestattete Bauwerk ist im Inneren dynamisch auf die Bewegungen der Bewohner abgestimmt, während sich seine Außengestalt harmonisch in Landschaft und Naturraum einfügt. Als einzigartiges Beispiel organischen Bauens steht die Villa Waldfrieden seit 1992 unter Denkmalschutz. Das Gebäude ist aus konservatorischen Gründen nicht öffentlich zugänglich, kann aber gelegentlich im Rahmen von Führungen besichtigt und als Veranstaltungsort angemietet werden. Innerhalb des weitläufigen Parkwaldes wird eine stetig wachsende Skulpturensammlung ausgestellt, die neben Plastiken von Tony Cragg auch Werke vieler namhafter Künstler der Moderne und Gegenwart umfasst. Dank seiner charakteristischen Topographie ist das Gelände hervorragend geeignet, um Skulpturen inmitten wechselnder landschaftlicher Verhältnisse zu präsentieren. Für gehbehinderte Menschen ist die Besichtigung allerdings nur eingeschränkt möglich. Ein Besuch im Skulpturenpark lohnt angesichts des umfangreichen Ausstellungs- und Veranstaltungsprogramms zu jeder Jahreszeit. In zwei speziell zu diesem Zweck errichteten Gebäuden finden ganzjährig hochkarätige Wechselausstellungen sowie Kammermusikkonzerte und Lesungen statt. In den Sommermonaten erklingt vor der Villa Waldfrieden Jazz- und Weltmusik unter freiem Himmel.

Sylvie Fleury, Mushrooms, Fiberglas,metallischer Autolack © enea

Rappeswil-Jona (CH) ENEA BAUMMUSEUM

Eva Hild, Irruption, 2011, © Michael Richter/Skulpturenpark Waldfrieden

termonaten aber nur am Wochenende, geöffnet. Führungen werden regelmäßig samstags oder exclusiv nach Vereinbarung angeboten.

Henry Moore, Plasters

Henry Moore, Reclining Figure No 7, 1980 © The Henry Moore Foundation

Nach den Konzerten empfehlen wir die Teilnahme an einem festlichen Diner in der Villa Waldfrieden. Kulinarische Genüsse und Erholung nach dem Rundgang verspricht ein Besuch im Café Podest. Das ehemalige Gärtnerhaus bietet selbst größeren Besuchergruppen Platz. Sowohl der Skulpturenpark Waldfrieden als auch das Café sind ganzjährig, in den WinADRESSE Skulpturenpark Waldfrieden Hirschstraße 12 42285 Wuppertal www.skulpturenpark-waldfrieden.de

Henry Moore zählt zu den einflussreichsten und wichtigsten Künstlern des 20. Jahrhunderts. Noch selten hatte man die Gelegenheit seine Gipsplastiken in einer so großen Auswahl zu sehen, was daran liegen mag, dass sie ursprünglich als Vorstufen des Arbeitsprozesses galten und nicht für Ausstellungen vorgesehen waren. Heute stehen sie als Werke, die Vorlagen für einige seiner bekanntesten Skulpturen wurden, für sich. Die Henry Moore Foundation stellt über dreißig dieser Arbeiten, Ausschnitte seines Schaffens aus über drei Jahrzehnten dem Skulpturenpark Waldfrieden für die Ausstellung vom 9. April bis 9. Oktober 2016 zur Verfügung.

ÖFFNUNGSZEITEN März bis Oktober Di – So 10 – 19 Uhr November bis Februar Fr – So 10 – 17 Uhr

EINTRITTSPREISE Tageskarte EUR 10, ermäßigt EUR 8 Tageskarte Studenten EUR 6 Jahreskarte EUR 30, ermäßigt EUR 24 Jahreskarte Studenten EUR 18 Kinder unter 7 Jahre und Schüler freier Eintritt

Im Jahr 2010 öffnete das Baummuseum, angelegt in einem atemberaubend schönen, 75´000 m2 großen Park in der Nähe des Zürcher Obersees in Rapperswil-Jona, Schweiz offiziell seine Tore für Besucher. Es zeigt eine große Anzahl ausgewählter Bäume aus der Sammlung des Schweizer Landschaftsarchitekten und weltweit bekannten Bäumesammlers Enzo Enea. In einer Serie von offenen Räumen im Freien zeigt Enea dem Baum seine Wertschätzung, indem er ihn als raumbildendes Objekt einsetzt, auf eine Art und Weise, die seiner einzigartigen Ästhetik, Nachhaltigkeit, Geschichte und lebenswichtigen Funktion gebührend Respekt erweist. Die Baumsammlung Eneas setzt sich ausschließlich aus Arten unserer Klimazone zusammen. Mit diesem Baummuseum hat Enzo Enea erstmals seine Vision umgesetzt und Landschaft, Botanik, Architektur, Kunst und Design sorgfältig kombiniert. Im Museum stehen über 50 Bäume aus über 25 Arten, einige davon sind über 100 Jahre alt und erzeugen dadurch eine Aura der Unvergänglichkeit. Weitere 100 Bäume und Pflanzen stehen im Park, der das Baummuseum umschließt. Auf der gesamten Anlage von Enea Landschaftsarchitektur stehen insgesamt über 3000 exklusive Gehölze. Das weltweit einzige Baummuseum ist ein außergewöhnlicher Ort für Gartenliebhaber und Kunstinteressierte. Seit 2013 werden auf der 75‘000 Quadratmeter großen Parkanlage auch zeitgenössische Skulpturen anerkannter Künstler ausgestellt. Diese Kunstwerke treten in einen subtilen Dialog mit der Gartenanlage und erweitern den gesamtheitlichen Anspruch von Eneas Gestaltungskonzept. www.enea.ch/baummuseum


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850 Jahre Kunst in der Staatsgalerie.

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JULES  

JULES is culture, art, music, theatre, design, travel, food, celebrities - published in Konstanz.

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