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JOHN

#15 arttourist.com gazette Frühling/Sommer 2019

KUNST | STÄDTE & REGIONEN | THEATER | KLASSIK | FESTIVALS | TANZ & BALLETT JAZZ | NEUE MUSIK | FILM | FOTOGRAFIE | LITERATUR | DESIGN | ESSEN & TRINKEN


Caspar David Friedrich, Wanderer über dem Nebelmeer, um 1817 Dauerleihgabe der Stiftung Hamburger Sammlungen Foto: Elke Walford, Agentur: Heine Lenz Zizka, www.hlz.de

für Träumende, Liebende, Alleingänger, Kopfmenschen, Bauchmenschen, Reisende, Nichthamburger und Hamburger_innen ...

Gefördert durch

Aktuelles Programm unter www.hamburger-kunsthalle.de


PETER PAUL | arttourist.com 1|2018

Editorial | 3



Editorial Liebe Leserin, lieber Leser, liebe Kunden und Freunde der arttourist.com

Friedemann Vogel | © Helmuth Scham, www.schampus.com

John Cranko | © Hannes Kilian

„JOHN“ Friedemann Vogel

„JOHN“ John Cranko (1927–1973)

Friedmann Vogel wurde in Stuttgart geboren. Er absolvierte seine Ballettausbildung zunächst an der John Cranko Schule in Stuttgart und danach als Stipendiat des John Gilpin-Fonds bei Marika Besobrasova an der Académie de Danse Classique Princesse Grace in Monte Carlo. Sein besonderes Talent wurde mit zahlreiches Preise bei internationalen Ballett-Wettbewerben gewürdigt, darunter der Prix de Lausanne und der Erik-Bruhn-Preis für junge Tänzer in Toronto. Zu Beginn der Spielzeit 1998/99 kam er ins Corps de ballet des Stuttgarter Balletts. Im Juni 2002 erfolgte seine Ernennung zum Ersten Solisten. 2015 wurde Friedemann Vogel vom Land Baden-Württemberg der Titel Kammertänzer am Staatstheater Stuttgart verliehen.

John Cranko wurde am 15. August 1927 in Rustenburg, Südafrika, geboren und zählt heute zu den wichtigsten Choreographen des 20. Jahrhunderts. Seine tänzerische Ausbildung erhielt er in seiner Heimat, ehe er 1946 zur Sadler’s Wells School nach London wechselte, wo er wenig später Mitglied des Sadler’s Wells Ballet, des späteren Royal Ballet, wurde. Von 1949 an verfolgte er eine ausschließlich choreographische Laufbahn mit äußerst erfolgreichen Stücken. 1961 wurde er zum Stuttgarter Ballettdirektor berufen, womit in Stuttgart die Blütezeit des Balletts begann. Der Durchbruch für Cranko und seine Compagnie gelang im Dezember 1962 mit der Uraufführung von Romeo und Julia, das die große Ära des Stuttgarter Balletts einläutete. Es folgten kleine choreographische Juwelen sowie die großartigen Handlungsballette Onegin, Schwanensee und Der Widerspenstigen Zähmung. Von Stuttgart aus leistete Cranko Pionierarbeit für das gesamte deutsche Ballett. 57 Jahre nach der Gründung des Stuttgarter Balletts behauptet Deutschland durch seinen Verdienst seinen Platz unter den großen Ballettnationen.

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Mit JOHN und seinem Namenspaten John Cranko widmen wir nach GRET eine zweite Ausgabe dem Schwerpunkt Ballett & Tanz. JOHN – ein Name, mit dem nicht nur ein, sondern gleich zwei große, weltbekannte und prägende Tänzer und Choreografen assoziiert werden können. Da war die Entscheidung nicht einfach. John Neumeier, der in diesem Jahre 80 Jahre alt wird und gerade seinen Vertrag am Hamburger Ballett bis 2023 verlängert hat? Oder John Cranko, dem viel zu früh verstorbenen Tänzer und Choreografen, prägende Figur des Stuttgarter Balletts? Die Entscheidung fiel auf Stuttgart, da sich hier jede Menge Themen rings um den Tanz geradezu aufgedrängt haben. In diesem Jahr findet das dritte COLOURS International Dance Festival statt, die John Cranko Schule, eine der renommiertesten Ballettschulen weltweit, eröffnet ihren Neubau, und im April findet zum ersten Mal die von Eric Gauthier (Gauthier Dance) initiierte Tanzmesse DanceWorld (26. – 28.4.2019) auf der Messe Stuttgart statt. Dazu kommt, dass meine erste Begegnung mit Ballett ebenfalls in Stuttgart in der Staatsoper zu verankern ist. „Ursache“ meiner Ballett- und Tanzbegeisterung bis heute waren die Carmen-Inszenierung von John Cranko (Premiere 28.2.1971) und die Kameliendame von John Neumeier (Premiere am 4.11.1978) – beide mit der unvergleichlichen Marcia Haydée in der Titelrolle. In Friedemann Vogel, dem ersten Solotänzer und Kammertänzer des Stuttgarter Balletts, haben wir eine wahre Koryphäe des Tanzes als unseren JOHN gewinnen können. Einmal mehr von dem Fotografen Helmuth Scham ins richtige Licht gesetzt. In den 1990er-Jahren war das Künstlerhaus Mousonturm in Frankfurt mit dessen genialer Tanzcompagnie SOAP und ihrem Leiter Rui Horta mein persönliches Tanzzentrum. Rui Horta lebt heute in Montemor-o-Novo, wo er das Espaço do Tempo (www.oespacodotempo.pt) als interdisziplinären Ort für darstellende Kunst, als Kreativwerkstätte für neue Formen der Theatersprache und des zeitgenössischen Tanzes gegründet hat. Gerade erst waren Tänzerinnen und Tänzer von Gauthier Dance bei ihm zu Gast, um ein neues Stück zu entwickeln, was einen weiteren Bogen nach Stuttgart spannt. Denn da ist ja auch noch 100 Jahre Bauhaus in diesem Jahr und das Triadische Ballet von Oskar Schlemmer, das in Zusammenarbeit mit den Tänzern Albert Burger und Elsa Hötzel entstand und im September 1922 in Stuttgart Premiere hatte. Oskar Schlemmer war von 1921 bis 1929 Meister am Bauhaus. Raumtanz, Gestentanz, Stäbetanz, Triadisches Ballett: Oskar Schlemmer entwickelte den „Tänzermenschen“ mit Kostüm und Maske weiter zur „Kunstfigur“. In ihr vereinen sich Tanz, Kostüm, Musik. Uns hat es wieder große Freude bereitet, für Sie, unsere Leserinnen und Leser, auf Entdeckungsreise durch unsere Spartenvielfalt im Gesamterlebnis Kultur zu gehen, Besonderheiten aufzuspüren und Menschen hinter der Kultur zu treffen und kennenzulernen. So zum Beispiel den Schweizer Autor und Fotografen Silvain Müller, der sich auf Food-Fotografie spezialisiert hat und gerade mit dem Koch Ralph Schelling das Magazin Trip – travel, cook & eat herausgebracht hat. Das Interview ist Opener zur Vorankündigung der spannenden Ausstellung „Food for the eyes – Die Geschichte des Essens in der Fotografie“ im C|O Berlin. Sylvain Müller ist nicht nur Autor und Fotograf. Er backt und verkauft sein eigenes Brot, hat einen Weinberg in Spanien und gerade die Jazzkantine Luzern zusammen mit dem 15-PunkteKoch Mario Waldispühl als Betreiber übernommen. Essen & Trinken, Fotografie, Jazz – vier Themen unserer Zeitung in einer Person vereint – das macht und hält unsere Arbeit spannend. Bevor ich Ihnen jetzt alles schon erzähle und Sie vom Blättern und Lesen abhalte, wünsche ich Ihnen viel Freude bei eben diesem. Herzliche Grüße, Ihr

Kai Geiger

ARCHITEKTUR 

26 - 28

DESIGN 

30, 78

ELEKTRO

74

ESSEN 6 TRINKEN 

65 - 67

FILM

31

FOTOGRAFIE 

65 - 71

JAZZ 

72 - 75

KLASSIK

31

KUNST 

4 - 25, 29

LITERATUR

79

MODE

63

NEUE MUSIK 

76 - 77

TANZ 

49 - 62

STÄDTE & REGIONEN BADEN-WÜRTTEMBERG 

44 - 47

FLANDERN 

STUTTGART 

17 - 23 27, 33 - 43

THEMEN BALLETT & TANZ 

49 - 62

BAUHAUS 2019 

26 - 28, 44 - 47

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Kai Geiger ART CITIES IN EUROPE GmbH geiger@arttourist.com Impressum: ART CITIES IN EUROPE GmbH | Titel: JOHN, Friedemann Vogel, © Helmuth Scham, www. schampus.com | Produktion, Gestaltung & Layout: Chris Bernert, chris@deluxe-grafik.com | Teillektorat: Katharina Raub, Berlin, www.raublektorat.de | Druck: Druckhaus Waiblingen, www.dhw.de | Redaktion: ART CITIES IN EUROPE GmbH | arttourist.com, Glärnischstraße 7, D-78464 Konstanz, Tel. (+49) 07531 9073-0, Fax (+49) 07531 9073-5, www.arttourist.com, info@arttourist.com


4 | Kunsttipps

JOHN | arttourist.com 1|2019

Aschaffenburg

Friedrichshafen

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IDEAL STANDARD. Spekulationen über ein Bauhaus heute

Eröffnung Juni 2019

bis 28.4.2019

In Aschaffenburg eröffnet im Sommer das Christian Schad Museum als erster Bauabschnitt des neuen „Museumsquartiers“. Das architektonisch wie inhaltlich spannende und zeitgemäße Museum erstreckt sich über drei Etagen, in denen der mehr als 3.200 Werke umfassende Nachlass von Schads Witwe Bettina, die die Werke in die Christian-SchadStiftung Aschaffenburg überführt hatte, genügend Raum für deren Präsenation findet. Aschaffenburg ist damit weltweit der einzige Standort, der alle Schaffensperioden des „Meisters der neuen Sachlichkeit“ beleuchten kann. Die Museumsbesucher erwarten von der Malerei über die Schadografie bis hin zur Fotografie hervorragende Zeugnisse, die einen Streifzug durch die Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts bieten werden.

IDEAL STANDARD. Spekulationen über ein Bauhaus heute begreift das Bauhaus als nicht abgeschlossenes, sondern bis heute offenes Projekt, als Motor für gesellschaftliche Innovationen: Was ist heute Bauhaus? Fünf international renommierte KünstlerInnen: Katarina Burin, Erika Hock, Christopher Kulendran Thomas (in Zusammenarbeit mit Annika Kuhlmann), Pakui Hardware und Andrea Zittel setzen sich mit zentralen Fragestellungen unserer Gesellschaft auseinander und versuchen, zeitgenössischen Utopien eine Gestalt zu geben. Die Ausstellung in Zeppelin Museum Friedrichshafen versteht sich als Plattform, welche die Öf-

Christian Schad, Mexikanerin, Öl/Lw., 1930 © Museen der Stadt Aschaffenburg/Christian-Schad-Stiftung Aschaffenburg (CSSA)/VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Eröffnung Juni 2019 www.christian-schad-museum.de

fentlichkeit in einen offenen Diskurs über die dringlichen Fragen des „Bauhaus heute“ involviert. Zeppelin Museum Friedrichshafen www.zeppelin-museum.de

Ausstellungsansicht, IDEAL STANDARD, Andrea Zittel, 2018 © Zeppelin Museum, Foto: Tretter

Oberhausen

Oberhausen

BRITISH POP ART Meisterwerke massenhaft aus der Sammlung Heinz Beck. Special Guest: Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band

HOLLYWOOD ICONS Fotografien aus der John Kobal Foundation. Greta Garbo, Humphrey Bogart, Alfred Hitchcock & Co. 19.5. – 15.9.2019

27.1. – 12.5.2019 England gilt als Wiege der Pop Art und hat im Swinging London der 1950er bis 1970er Jahre eine ganz eigene Bildsprache hervorgebracht. Bisher haben sich nur wenige Ausstellungen in Deutschland mit britischer Pop Art beschäftigt. In der LUDWIGGALERIE verdeutlichen 150 Werke, davon 130 Meisterwerke aus der Sammlung Heinz Beck, die Entstehung und Wirkung dieser besonderen Kunstrichtung. Der Düsseldorfer Anwalt und Kunstsammler Beck hat ein dichtes Konvolut an Werken zusammengetragen, die sich in vielerlei Hinsichten dem Thema Massenkultur verschreiben: In Form von Druckgrafiken und Multiples brachten Künstler wie Eduardo Paolozzi, Richard Hamilton oder Peter Blake Meisterwerke massenhaft hervor. Kunst für den Alltag und Kunst über den Alltag! Bildthemen wie Werbung, Autos oder Frauen spiegeln das Lebensgefühl der damaligen Zeit wider. Auch die Musik spielt eine zentrale Rolle. Diesem Sonderphänomen, nämlich der Beziehung von Kunst und Musik, geht die Schau in einem eigenen Raum nach. Hier wird u.a.

Eduardo Paolozzi, An Empire of Silly Statistics … A Fake War for Public Relations, 1970 © Trustees of the Paolozzi Foundation, Licensed by/ VG Bild-Kunst, Bonn 2019

dem Plattencover des Beatles-Albums „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ – gestaltet durch Peter Blake und Jann Haworth – besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Zudem präsentiert die LUDWIGGALERIE erstmals einen eigens entwickelten Sound-Walk zur Ausstellung und ermöglicht den Besuchern ein akustisches Eintauchen in die Zeit. LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen www.ludwiggalerie.de

Marlene Dietrich, Joan Crawford oder Clark Gable – sie und viele andere sind ewige Ikonen Hollywoods. Bis heute kennt jeder die Aufnahmen von Audrey Hepburn aus „Frühstück bei Tiffany“ oder von Marlon Brando in „Der Wilde“. Die Filmindustrie der 1920er bis 1950er Jahre kreiert große Stars und Images. Schauspieler werden zu Markenzeichen, Bilder zu Allgemeingut. Neben den einflussreichen Stars und berühmten Regisseuren konzentriert sich die Ausstellung auf die Porträt- und Standbildfotografen, die unbemerkt im Hintergrund arbeiten. Ihre Werke sind essentiell für die Bewerbung der Kinofilme und für die Erschaffung eines Starimages. Unzählige Aufnahmen verbreiten jenen Stil, der seither Sinnbild Hollywoods ist. Über 200 Fotografien laden ein zum Wiedersehen bekannter Gesichter: von Judy Garland über Fred Astaire bis James Dean oder Elizabeth Taylor – die Ausstellung lässt die Ikonen Hollywoods neu aufleben. Präsentiert durch die John Kobal Foundation in Zusammenarbeit mit Terra Esplêndida, kann diese Auswahl erstmals in Deutschland gezeigt werden. Medienpartner ist WDR 3.

Audrey Hepburn by Bud Fraker for Sabrina Fair, 1954. Paramount Pictures © John Kobal Foundation

LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen www.ludwiggalerie.de

Remagen

Völklingen

Otto Piene. Alchemist und Himmelsstürmer

Die Installationen von Christian Boltanski im Weltkulturerbe Völklinger Hütte

17.3.2019 – 5.1.2020

Die Zwangsarbeiter – Erinnerungsort in der Völklinger Hütte Erinnerungen | Souvenirs | Memories

flächen in Farbe, Struktur Als Mitbegründer der und Relief erzielt. In verkünstlerischen Bewegung schiedenen Werkgruppen ZERO 1958 in Düsseldorf zeigt sich dabei als verbinzählt Otto Piene (1928 dendes Element der Kreis – 2014) zu den Protago– eine formale Konstante nisten einer neuen interund zugleich ein Symbol nationalen Abstraktion. für die Unendlichkeit des Auch nach der Trennung Raums. Diese Symbolik der ZERO-Künstler entführt Piene weiter in Bewickelte er seine Ideen zügen zum Kosmos, dem zeitlebens weiter, wie die Firmament und den Geumfangreiche AusstelBausch | Otto Piene | 1998 | More Sky Collection stirnen. Sie finden sich lung in rund 60 Arbeiten © VG Bild-Kunst, Bonn 2019 in seinen Werktiteln und zeigt. Zwischen den Leinwerden vor allem im eigens rekonstruierten wänden, Keramiken und Lichtarbeiten wer»Lichtraum Jena« von 2007 erlebbar. Als sinnden Leitideen erkennbar, die sich von frühen bildliche Eroberung des Himmels erweitert Arbeiten bis ins Spätwerk erstrecken. Ein zeneines der berühmten Inflatables die Rolandstraler Aspekt ist dabei das Überschreiten der ecker Ausstellung in den Außenraum. traditionellen Werkgrenzen hin zu einer sinnlichen Erfahrung von Raum und Licht. Diese Arp Museum Bahnhof Rolandseck Sinnlichkeit wird in den abstrakten Rasterwww.arpmuseum.org und Feuerbildern wie auch in den Keramiken durch die spezifische Behandlung der Ober-

bis 31.8.2019 sen einen Schauer aus. Der französische WeltAuch der Gedanke an die künstler Christian Boltägliche Arbeit der Hüttanski hat im Weltkultenarbeiter hat Christian turerbe Völklinger Hütte Boltanski inspiriert. Dieeinen Erinnerungsort für sen Menschen und ihren die Menschen realisiert, Emotionen hat er die grodie in der Völklinger Hütte Zwangsarbeit verrich- Christian Boltanski: Die Zwangsarbeiter – Erinnerungsort in der ße temporäre Installation ten mussten. Ein emotio- Völklinger Hütte | Sinteranlage, 2018, Mixed-Media, metallene „Erinnerungen | SouveArchivkästen, Kleider, Licht, Sound (die Namen der Zwangsarbeiter nirs | Memories“ (bis 31. nales Kunstwerk, das die in der Völklinger Hütte geflüstert) © Weltkulturerbe Völklinger Hütte/Hans-Georg Merkel | © VG Bild-Kunst, Bonn 2019 August 2019) gewidmet. Erinnerung an diese Men91 Spinde aus allen Betriebsteilen der Völklinschen wachhält und erlebbar werden lässt. Die ger Hütte gruppiert Christian Boltanski magisch Menschen stehen mitten in den eng gestellten beleuchtet zu einer neuen großen Installation in Wänden des Archivs der Erinnerungen, das aus der 800 Quadratmeter großen Erzhalle. Gesprounzähligen aufeinander gestapelten Archivkäschene Erinnerungen an die Arbeit in der Völkten besteht. Die Archivkästen tragen Nummern, linger Hütte von ehemaligen Hüttenarbeitern schwarze Hosen und Jacken formieren sich zu dringen aus den Spinden. einem Kleiderberg. Die geflüsterten Namen der Weltkulturerbe Völklinger Hütte Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, die www.voelklinger-huette.org aus allen Ecken der Installation erklingen, lö-


JOHN | arttourist.com 1|2019

Baden-Baden | 5

Marc Chagall, Autour d’elle, 1945, Collection Centre Pompidou, Paris Musée national d’art moderne - Centre de création industrielle, Geschenk des Künstlers, 1953 © The Estate of Sigmar Polke / VG Bild-Kunst, Bonn 2019 Foto: Centre Pompidou, MNAM-CCI/Philippe Migeat/Dist. RMN-GP

Pablo Picasso, Le Rocking-chair, 9. August 1943, Collection Centre Pompidou, Paris Musée national d’art moderne - Centre de création industrielle, Geschenk des Künstlers, 1947 © Succession Picasso/VG Bild-Kunst, 2019; Foto: Centre Pompidou, MNAM-CCI/Philippe Migeat/Dist. RMN-GP

Sigmar Polke, Kinderspiele, 1988, Collection Centre Pompidou, Paris Musée national d’art moderne Centre de création industrielle, Geschenk der Société des Amis du Musée national d’art modern, 1989 © The Estate of Sigmar Polke, Köln / VG Bild-Kunst, Bonn 2019; Foto: Centre Pompidou, MNAM-CCI/ Philippe Migeat/Dist. RMN-GP

BADEN-BADEN

Ensemble. Centre Pompidou – Museum Frieder Burda 6.4. – 29.9.2019 Anlässlich seines 15-jährigen Bestehens präsentiert das Museum Frieder Burda ein einzigartiges Ausstellungsprojekt: Ensemble. Als Kunstsammler pflegt Frieder Burda bereits seit langem freundschaftliche Beziehungen zum Centre Pompidou, in dessen Ankaufskommission er als erster und einziger Deutscher vertreten war. Die tiefe Verbundenheit mit Frankreich und ganz besonders Paris ist nicht nur zentral für Burdas Biografie und seine Entwicklung als Sammler. Die verheerenden Folgen des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs sowie die Versöhnung zwischen Deutschland und Frankreich prägten auch die europäische Kunst- und Zeitgeschichte des 20. Jahrhunderts, die Ensemble schlaglichtartig reflektiert. Kuratiert von Brigitte Leal, der stellvertretenden Direktorin des Musée National d’art Moderne im Centre Pompidou, und mit hochkarätigen Leihgaben aus Paris, initiiert Ensemble ein Zusammenspiel zwischen den Sammlungen beider Häuser. Dabei entwickelt die Ausstellung einen komplexen Dialog zwischen deutschen und französischen Positionen. Meisterwerke deutscher Expressionisten, wie dem 1914 in der Champagne gefallenen August Macke, begegnen Werken der Väter der französischen Moderne: Pierre Bonnards spätes, sehr verletzlich wirkendes Selbstportrait im Spiegel (1939-45) oder Pablo Picassos „Le Rocking Chair“ (1943) sprechen von Zweifel und Isolation während der deutschen Besatzung. In Marc Chagalls Gemälde „La Dimanche“ (1952-1954) verbinden sich Poesie und Spiritualität, was

sein Werk im Nachkriegsdeutschland so ungeheuer populär machte. Zugleich hallt darin aber auch die für immer verlorene jüdische Kultur Osteuropas nach. Georg Baselitz, Sigmar Polke und Gerhard Richter sind zentral für die Sammlung Frieder Burda. Sie setzten sich, wie später auch Anselm Kiefer, kritisch mit der verdrängten deutschen Vergangenheit, aber auch mit der Medienund Erinnerungskultur auseinander – und legten damit den Grundstein für den internationalen Siegeszug der deutschen Malerei. Zu Ensemble steuert das Centre Pompidou spektakuläre Werke dieser Malerheroen bei – wie Kiefers gigantisches Tableau „Das geheime Leben der Pflanzen“ (2001-2002) oder Baselitz’ berühmt-berüchtigtes Frühwerk „Ralf III“ (1965). Ein spezielles Highlight bildet eine Sektion, die sich deutschen Immigranten widmet, die in den 1920er- und 30erJahren dazu beitrugen, Paris als Metropole der modernen Fotografie zu etablieren. Dazu zählen der Dadaist und Modefotograf Erwin Blumfeld, aber auch Marianne Breslauer und Germaine Krull, die das vom Bauhaus geprägte „Neue Sehen“ mitbrachten. Ensemble vereint ihre Werke mit Andreas Gurskys Paris-Aufnahmen von 2003, in denen er dieser Avantgarde eine großartige Referenz erweist.

Gerhard Richter, Chinon n° 645, 1987, Collection Centre Pompidou, Paris Musée national d’art moderne - Centre de création industrielle, Ankauf 1988 © Gerhard Richter 2019; Foto: Centre Pompidou, MNAM-CCI/Philippe Migeat/Dist. RMN-GP

ADRESSE Museum Frieder Burda Lichtentaler Allee 8 b 76530 Baden-Baden www.museum-frieder-burda.de ÖFFNUNGSZEITEN Di – So 10 – 18 Uhr An allen Feiertagen geöffnet EINTRITTSPREISE Ticket EUR 14, ermäßigt EUR 11 Schüler ab 9 Jahren EUR 5 Familienticket EUR 27

AUDIOGUIDE deutsch, französisch, englisch EUR 5 FÜHRUNGEN Private Gruppenführungen EUR 75 Buchung von Führungen und Anmeldung von Gruppen T. +49 7221 39898-38 fuehrungen@museum-frieder-burda.de Öffentliche Führungen EUR 4 Sa, So 11 und 15 Uhr


6 | Düsseldorf

JOHN | arttourist.com 1|2019

DÜSSELDORF

„Zu schön, um wahr zu sein“ Das Junge Rheinland 7.2. – 2.6.2019 2019 jährt sich zum 100. Mal die Gründung der Künstlervereinigung „Das Junge Rheinland“. Der Kunstpalast erinnert in einer 120 Gemälde, Skulpturen und Arbeiten auf Papier sowie zahlreiche Dokumente umfassenden Ausstellung an diese Gruppierung. Dem Jungen Rheinland gehörten über 400 Künstlerinnen und Künstler an, von denen viele aus Düsseldorf und der näheren Umgebung stammten. Neben der Malerei, Grafik, Bildhauerei, Design und Architektur waren im Jungen Rheinland auch Dichtung und Schauspielkunst vertreten. Max Ernst, Mitglied der Künstlergruppe, beschrieb rückblickend den gemeinsamen „Durst nach Leben, Poesie, nach Freiheit, dem Absoluten, nach Wissen“ als „zu schön, um wahr zu sein.“ Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen mit Otto Dix, Max Ernst, Wilhelm Kreis, Carl Lauterbach, Heinrich Nauen, Lotte B. Prechner, Karl Schwesig, Adolf Uzarski, Erwin Wendt, Walter von Wecus, Gert H. Wollheim und Marta Worringer exemplarisch zwölf Protagonisten, deren persönliche wie künstlerische Entwicklung die Schlüsselfragen der Geschichte des Jungen Rheinland veranschaulichen: die traumatische Kriegserfahrung, die entweder zur Politisierung oder zu introvertierter Selbstbesinnung führen konnte, die Konflikte um fortschrittliche und moderate künstlerische Haltungen, die Marginalisierung von Frauen, das Aufeinandertreffen unterschiedlicher Generationen, das Beziehungsgeflecht zwischen Akademie, Museum und freien Künstlern, das Aufkeimen des Faschismus und die unterschiedlichen Reaktionen darauf.

Bild oben: Otto Dix, Bildnis Adolf Uzarski, 1923, Öl auf Leinwand, 110 × 76 cm, Kunstpalast, Düsseldorf © VG Bild-Kunst, Bonn, 2019 | Foto: Kunstpalast – ARTOTHEK Bild unten: Max Ernst, Die Jungfrau züchtigt das Jesuskind vor drei Zeugen: André Breton, Paul Eluard und dem Maler, 1926 Öl auf Leinwand, 196 × 130 cm | Museum Ludwig, Köln / Ankauf 1984 © VG Bild-Kunst, Bonn, 2019 | Foto: Rheinisches Bildarchiv, Köln

Das Junge Rheinland formierte sich unmittelbar nach dem Ende des Ersten Weltkrieges nach einem Aufruf des Dichters Herbert Eulenberg, des Malers Arthur Kaufmann und des Illustrators und Schriftstellers Adolf Uzarski. Es wurde zu einem Sammelbecken für Künstler und Intellektuelle verschiedendster Fachrichtungen, die ein kulturelles Netzwerk über regionale und Ländergrenzen hinaus schufen. Anlässlich des 100-jährigen Gründungsjubiläums gibt die Ausstellung einen Einblick in die wechselvolle Geschichte des Jungen Rheinland, einer Gruppe, die das Kunstleben der Stadt Düsseldorf und der Region in bedeutender Weise mitgeprägt hat. Der hufeisenförmige Kunstpalast selbst ist mit seinen umfangreichen Sammlungsbeständen und seinem Museumsgebäude ein ganz wesentlicher Teil dieser Geschichte. Zusammen mit dem Komplex aus Tonhalle, NRW-Forum und Rheinterrasse wurde er von dem Architekt Wilhelm Kreis für die große Ausstellung (GeSoLei) 1926 entworfen. Für die künstlerische Ausstattung beauftragte er, der selbst Mitglied der Vereinigung war, vor allem Künstler des Jungen Rheinland. Die Anfangsjahre der Gruppe, von 1919 bis 1922, waren von großem Enthusiasmus und einer besonderen Aufbruchsstimmung getragen. Das Spektrum der Mitwirkenden, unter denen

es auch tiefreligiöse Künstler gab, spiegelte eine große stilistische Vielfalt an progressiven und konservativen Stilrichtungen wider. In ihren Ausstellungen wurden Werke von rheinischen Expressionisten wie Walter Ophey sowie von Vertretern der ausklingenden Düsseldorfer Malerschule wie Fritz Westendorp, aber auch Arbeiten von jungen Künstlern wie Jankel Adler, Ernst Gottschalk, Otto Pankok oder von den gefallenen oder früh verstorbenen Künstlern wie August Macke oder Wilhelm Lehmbruck präsentiert. Die Gruppierung Junges Rheinland existierte bis 1933. Die meisten der hier aktiven Künstlerinnen und Künstler wurden verfemt, verfolgt und im Extremfall - wie der aufgrund seines politischen Engagements verhaftete Maler Karl Schwesig – gefoltert oder wie die jüdischen Maler Julo Levin und Franz Monjau ermordet. Die Nachfolge-Gruppe „Rheinische Sezession“ ist 1938 durch die Nationalsozialisten verboten worden. Die Ausstellung wird von Kay Heymer, Leiter Moderne Kunst, Kunstpalast, gemeinsam mit Daniel Cremer kuratiert. Sponsoren und Förderer: E.ON, Kulturstiftung der Länder, Stiftung Kunst, Kultur und Soziales der Sparda-Bank West und Landschaftsverband Rheinland. Die Gerda Henkel Stiftung hat ein gemeinsames Forschungsvorhaben der Heinrich-HeineUniversität und des Kunstpalastes über „Das Junge Rheinland 1919-1932. Dynamiken eines Künstlernetzwerks“ gefördert. Ergebnisse dieses Projekts sind in die Ausstellungskonzeption eingeflossen.

ADRESSE Kunstpalast Ehrenhof 4-5 40479 Düsseldorf www.kunstpalast.de

Gebühr: EUR 5 + ermäßigter Ausstellungseintritt Anmeldung erforderlich, auch unter www.kunstpalast.de/shop

ÖFFNUNGSZEITEN Di - So 11–18 h, Do 11–21 h, Mo geschlossen Feiertagsöffnungen siehe www.kunstpalast.de

RAHMENPROGRAMM Ein attraktives Veranstaltungsprogramm begleitet die Ausstellung während der Laufzeit. Am 24.2.2019 lädt der Kunstpalast zu „Möppi, Max und Mutter Ey. Wir feiern 100 Jahre Junges Rheinland!“ mit Führungen für Familien und Erwachsene, offene Workshops für Kinder.

EINTRITTSPREISE Ticket EUR 10, EUR 8 ermäßigt Kombiticket EUR 14, EUR 11 ermäßigt Kinder unter 13 Jahren freier Eintritt, Jugendliche von 13 bis 17 Jahre EUR 2 Tickets online: www.kunstpalast.de/shop AUDIOGUIDE begleitend zur Ausstellung, ca. 70 Minuten, dt./engl., EUR 3 WHATSAPP-GUIDE kostenlos, interaktive Chats zu ausgewählten Kunstwerken ÖFFENTLICHE FÜHRUNGEN Do 18 Uhr und So 14 Uhr, Termine siehe www.kunstpalast.de

BUCHUNG UND INFORMATION Tel.: +49(0)211-566 42 160 bildung@kunstpalast.de KATALOG Begleitend zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Wienand Verlag mit Texten von Daniel Cremer, Kay Heymer, Anne Rodler, Jens-Henning Ullner, Andrea von Hülsen-Esch und Carolin Wurzbacher. BEGLEITHEFT FÜR KINDER Für Kinder ab 5 Jahre, zum Entdecken und Zeichnen, kostenfrei


JOHN | arttourist.com 1|2019

Düsseldorf | 7

DÜSSELDORF| K20 / K21

Ai Weiwei 18.5. – 1.9.2019 „Everything is art. Everything is politics“ so brachte der international bekannte Gegenwartskünstler Ai Weiwei das Grundprinzip seiner Arbeitsweise auf den Punkt. Dieses Motto „Alles ist Kunst, alles ist Politik“ ist auch Leitmotiv der umfangreichen Ausstellung, die die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen ab Frühjahr 2019 zeigt. Im Mittelpunkt steht dabei die enge Verzahnung von politischem Engagement und künstlerischer Arbeit Ai Weiweis. Die Ausstellung mit raumfüllenden Installationen und Werken aus den vergangenen zehn Jahren ist in den beiden Häusern der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, K20 und K21, zu sehen. Die Ausstellung bietet einen umfassenden Überblick über Ai Weiweis Schaffen des vergangen Jahrzehnts und konzentriert sich auf Schlüsselthemen, die sein Werk seit den 1980er Jahren auszeichnen: die Flüchtlingskrise und das Spannungsfeld von Individualität und Staat. Ai Weiweis Werke entstehen mit dem Grundgedanken der Humanität, sei es beim Erdbeben von Sichuan, der globalen Flüchtlingskrise oder bei Fragen freier Meinungsäußerung. Im K21 wird seine monumentale Arbeit „Life Cycle“ (2018) erstmals in Europa zu sehen sein. Über 17 Meter misst die fragile, fast transparente Skulptur aus Bambus und Sisalgarn. Sie stellt eine Vielzahl

Porträt Ai Weiwei, 2012. Courtesy: Ai Weiwei Studio

von Figuren in einem Schlauchboot dar, wie es von vielen Geflüchteten bei der lebensgefährlichen Passage über das Mittelmeer benutzt wird. Ai Weiwei, 1957 in Beijing geboren, wird weltweit als Künstler, Architekt, Kurator, Musiker, Filmregisseur und Fotograf gefei-

Under the Stars, 1900-05, Öl auf Leinwand, 90 x 120 cm, Munchmuseet, Oslo

Carsten Nicolai, unitape, 2015, real-time projection, mirror walls, bench with loudspeakers, Exhibition View, Kunstsammlungen Chemnitz courtesy Galerie EIGEN + ART Leipzig/Berlin, Photo: Uwe Walter, VG Bild-Kunst, Bonn 2019

K20

K21

Edvard Munch

Carsten Nicolai

Er gilt als der bekannteste und wichtigste norwegische Autor der Gegenwart: Karl Ove Knausgård. Sein sechsbändiger autobiographischer Roman zählt weltweit zu den meist diskutierten Buchveröffentlichungen der vergangenen Jahre. Nun hat sich der Schriftsteller dem Werk des Malers Edvard Munch genähert. Mit seiner überraschenden Auswahl selten oder sogar nie gezeigter Werke entdeckt der gefeierte Autor einen bislang „unbekannten“ Munch. Die Ausstellung findet in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen parallel zur Frankfurter Buchmesse statt, die 2019 Norwegen als Gastland vorstellt.

K21 zeigt eine Übersichtsausstellung des Künstlers und Musikers Carsten Nicolai (geb. 1965, lebt in Berlin). Nicolai arbeitet seit den frühen 1990er Jahren an der Schnittstelle von bildender Kunst, Musik und Naturwissenschaften. Mit elektronischem Klang- und Lichtmaterial erzeugt er minimalistische Installationen,

gesehen von Karl Ove Knausgård 12.10.2019 bis Ende Februar 2020

Der auch in Kunstgeschichte ausgebildete Schriftsteller hat etwa 130 Gemälde, Arbeiten auf Papier und Skulpturen aus dem Archiv und dem Kunstdepot des Munch Museum in Oslo ausgewählt und mit Leihgaben aus internationalen Museen ergänzt. Er öffnet damit eine nie zuvor gesehene Perspektive auf den wohl bedeutendsten Maler der skandinavischen Avantgarde des frühen 20. Jahrhunderts.

ert. Während seiner Zeit in New York in den 1980er Jahren gewonnene Eindrücke von Konzeptkunst und Pop Art hat er für seine Arbeitsweise fruchtbar gemacht, die auf eine kritische Betrachtung von Kulturgeschichte sowie von chinesischen und globalen gesellschaftlichen Entwicklungen zielt.

Parallax Symmetry 28.9.2019 – 19.1.2020

Sound-Performances und Darstellungen von physikalischen Phänomenen, die Systeme und Strukturen der Medienwelt reflektieren. Als Musiker ist Nicolai unter dem Pseudonym Alva Noto einer der bekanntesten Vertreter der  zeitgenössischen elektronischen Musik. Seit seiner Teilnahme an der documenta X (1997)

ADRESSEN K20 GRABBEPLATZ Grabbeplatz 5 40213 Düsseldorf

ÖFFNUNGSZEITEN K20: Di - Fr 10–18 Uhr Sa, So, Feiertags 11 – 18 Uhr Mo geschlossen

K21 STÄNDEHAUS Ständehausstraße 1 40217 Düsseldorf www.kunstsammlung.de

K21: Di–Fr 10 – 18 Uhr Sa, So, feiertags 11 – 18 Uhr Mo geschlossen In beiden Häusern jeden 1. Mittwoch im Monat KMPG-Kunstabend 10 – 22 Uhr ab 18 Uhr freier Eintritt

EINTRITTSPREISE K20 GRABBEPLATZ Normalpreis EUR 12 ermäßigt EUR 10 Kinder und Jugendliche (6-18 Jahre) EUR 2,50 K21 STÄNDEHAUS Normalpreis EUR 12 ermäßigt EUR 10 Kinder und Jugendliche (6-18 Jahre) EUR 2,50 KOMBITICKET (BEIDE HÄUSER) Normalpreis EUR 18, ermäßigt

und an den Venedig-Biennalen 2001 und 2003 wird er auch als bildender Künstler weltweit ausgestellt. Begleitend zu Nicolais Ausstellung im Untergeschoss findet auf der Piazza von K21 eine Reihe von elektronischen Live-Konzerten und Performances statt.

EUR 14, Kinder und Jugendliche (6-18 Jahre) EUR 4 KPMG-Kunstabend jeden 1. Mittwoch im Monat: 18 -22 Uhr, Eintritt frei.

ÖFFENTLICHE FÜHRUNGEN Di 16.30 – 17.30 Uhr, So und feiertags 15 – 16 Uhr begrenzte Teilnehmerzahl, Anmeldung erforderlich.

FAMILIENTICKET Zu jedem erworbenen Erwachsenenticket für die Häuser der Kunstsammlung NordrheinWestfalen, erhält ein Kind freien Eintritt. Jedes weitere Kind zum Preis von EUR 2,50.

Weitere Informationen zu Führungen, Veranstaltungen, Museumsshop unter www.kunstsammlung.de


8 | Kunsttipps

KUNSTTIPPS

More Sweetly Play the Dance, William Kentridge, 2015 © William Kentridge, Courtesy of the artist and Marian Goodman Gallery, © studiohanswilschutEYEFILM

Basel (CH) William Kentridge A Poem that is not our own 8.6. – 13.10.2019 Der Südafrikaner William Kentridge (*1955) gehört zu den international bedeutendsten zeitgenössischen Künstlern. Er ist nicht nur bildender Künstler, sondern auch Filmemacher und Regisseur. Seit mittlerweile mehr als drei Jahrzehnten bewegt sich sein umfassendes Schaffen durch unterschiedliche künstlerische Medien wie Animationsfilm, Zeichnung, Druck, Theaterinszenierung und Skulptur. In der in enger Zusammenarbeit mit dem Künstler konzipierten Ausstellung werden neben zeichnerischen und filmischen Werken aus den 1980er- und 1990er-Jahren auch Arbeiten aus der jüngeren Produktion des Künstlers gezeigt, wie beispielsweise Elemente aus der im Sommer 2018 an der Tate Modern in London uraufgeführten Inszenierung The Head & The Load. Hier greift Kentridge die wenig erforschte Rolle Afrikas im Ersten Weltkrieg auf und realisiert mit Filmprojektionen, Schattenspielen und einem Ensemble eine raumeinnehmende Prozession, die sich einer gängigen Genrezuweisung verweigert. Kunstmuseum Basel www.kunstmuseumbasel.ch

Nature morte à la plaque, Juan Gris, 1917 (Dezember) © Kunstmuseum Basel- Schenkung Dr. h.c. Raoul La Roche

JOHN | arttourist.com 1|2019

Berlin BEYOND 10.4. – 18.8.2019 In der Ausstellung „BEYOND“ werden Werke von sieben internationalen KünstlerInnen aus der Olbricht Collection gezeigt, die sich auf unterschiedliche Weise mit dem Jenseitigen auseinandersetzen. In den separat inszenierten KünstlerInnenräumen werden die einzelnen künstlerischen Ausdrucksformen Malerei, Skulptur, Video, Installation und Grafik deutlich. Als unklare Vermutung, unheilvolle Drohung oder süße Verheißung begleitet das Jenseitige seit jeher die Geschichte der Menschheit. Religiöses Heilsversprechen, manifestierte Psychose oder drohendes Memento Mori beschwören ein ungewisses Dahinter. Während die Darstellung von Qual und Tod ganz konkret die Vergänglichkeit irdischen Lebens evoziert, oszillieren mythische Scheinwelten zwischen Hier und Dort, Katastrophe und geträumter Schönheit, zwischen Diesseits und Jenseits. Dabei ist das Jenseitige immer auch ein Darüber-Hinaus,

Sophie Taeuber-Arp, Sechs Räume mit vier kleinen Kreuzen, 1932 Öl auf Leinwand, 65 x 100 cm | Kunstmuseum Bern Schenkung Marguerite Arp-Hagenbach, Meudon, Obj_Id: 12574

George Condo, The Homeless Butler, 2009 © George Condo/ARS (Artists Rights Society), New York, 2018, Courtesy of the artist and Sprüth Magers, Photo: Jens Ziehe | © VG Bild-Kunst, Bonn 2019

der Verweis auf ein Mehr, das es zu erreichen, zu verstehen oder zu entdecken gilt. Me Collectors Room | www.me-berlin.com

Seine wichtigste Werkgruppe bilden die Skulpturen. In Bregenz erstmals zu sehen ist eine noch im Guss befindliche Plastik: ein Wasserdampf schnaubender Drache. Anlässlich der Sommerausstellung von Thomas Schütte im Kunsthaus Bregenz werden seine Werke nicht nur im Kunsthaus, sondern auch an verschiedenen Orten im öffentlichen Raum in Bregenz präsentiert. Kunsthaus Bregenz | www.kunsthaus-bregenz.at

stituierte bevölkern Bilder von ungeahnter Brutalität. Zynisch, kritisch und schonungslos durchleuchten sie das Elend der 1920er-Jahre. Ausgehend vom Schaffen der Nachkriegszeit wird in der Ausstellung die Entwicklung beider Künstler gegenübergestellt. Sowohl ähnliche Motive wie die Kriegsversehrten als auch scheinbar konträre Bilderwelten aus Stadt und Land bilden den Rahmen dieser Begegnung. Der konsequent stilsichere Egger-Lienz und der Stilpluralist Otto Dix sind sehr unterschiedliche Künstler, die sich besonders schwer in die Schubladen der Kunstgeschichte einordnen lassen. Genau in diesem Randbereich treffen sie sich. Mit großen Exponatgruppen unterstützen uns vor allem das Zeppelin Museum in Friedrichshafen, das Museum Schloss Bruck in Lienz und das Leopold Museum. Dank der Unterstützung zahlreicher weiterer internationaler Partner stellt die Ausstellung die größte Präsentation von Otto Dix’ Werken in Westösterreich dar. Tiroler Landesmuseum www.tiroler-landesmuseum.at

Bern (CH) Kandinsky, Arp, Picasso … Klee & Friends 19.3. – 1.9.2019 Zum ersten Mal werden Paul Klee und sein beeindruckender Freundeskreis in einer umfangreichen Schau mit Werken aus der Sammlung des Kunstmuseums Bern und des Zentrums Paul Klee präsentiert. Wie jeder Künstler war auch Klee auf ein weit verzweigtes Netzwerk angewiesen, und die Begegnungen mit seinen Künstlerfreunden hinterließen auf vielfältige Art und Weise wechselseitig ihre Spuren im Schaffen und Denken der Künstler. Zu sehen sind Highlights von Paul Klee und seinen bedeutenden Künstlerfreunden, u.a. des Blauen Reiters, des Bauhauses, des Surrealismus, der Kubisten und der Dadaisten mit Werken von Wassily Kandinsky, Franz Marc, Gabriele Münter, Alexej von Jawlensky, Sonia und Robert Delaunay, Pablo Picasso, Hans Arp und Sophie Taeuber-Arp sowie von André Masson. Zentrum Paul Klee | www.zpk.org

Basel (CH) Kosmos Kubismus Von Picasso bis Léger 30.3. – 4.8.2019 Der Kubismus, der Anfang des 20. Jahrhunderts von Pablo Picasso und Georges Braque entwickelt wurde, revolutionierte die Kunst. Seine fragmentierten Formen drücken ein grundlegend neues Verhältnis der Malerei zur sichtbaren Welt aus; die Kunstrichtung gilt daher als eine der folgenreichsten der Kunstgeschichte und stellt noch heute ein Abenteuer für unsere Sehgewohnheiten dar. Die in Kooperation mit dem Centre Pompidou entstandene Schau „Kosmos Kubismus. Von Picasso bis Léger“ bringt erstmals die kubistischen Meisterwerke beider Museen zusammen und kontextualisiert so die weltbekannten Bestände des Kunstmuseums Basel aus der Schenkung Raoul La Roche umfassend. Ergänzt um bedeutende Leihgaben aus internationalen Sammlungen bietet die Ausstellung mit insgesamt rund 130 Werken einen Einblick in dieses zukunftsweisende Kapitel der Kunstgeschichte. Kunstmuseum Basel www.kunstmuseumbasel.ch

Egger-Lienz, Die Auferstehung

Portrait Thomas Schuette, 2018 | © Thomas Koester

Bregenz (A) Thomas Schütte 13.7. – 6.10.2019 Der aus Oldenburg stammende deutsche Bildhauer und Zeichner zählt zu den wichtigsten Künstlern der Gegenwart. Im April 2016 eröffnete Thomas Schütte seine Skulpturenhalle in Neuss — der Ausstellungsraum dient ausschließlich der Präsentation zeitgenössischer Skulptur und als Lager für seine eigenen Werke. Zu Schüttes künstlerischen Schwerpunkten gehören zudem Aquarelle, Zeichnungen, Holzbau und Modelle sowie Installationen wie etwa das Haus für Terroristen, das für das Erdgeschoss des Kunsthauses Bregenz geplant ist. 

Nancy Spero, P.E.A.C.E., Heliopter, Mother + Childeren, 1968 © The Nancy Spero and Leon Glolub Foundation for the Arts, VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Essen Nancy Spero 7.6. – 25.8.2019 Nancy Spero (1926 – 2009) gehört zu den bedeutendsten US-amerikanischen Künstler_innen der Nachkriegszeit. Auf vielschichtige Weise setzt sie sich mit existenziellen Aspekten des Menschseins auseinander. Krieg und Gewalt spielen in ihrem Werk ebenso eine Rolle wie Ungerechtigkeiten im Verhältnis der Geschlechter. Ihr wichtigstes Ausdrucksmittel sind weibliche Figuren, wobei sie überlieferte Bildtypen aufgreift und neu kombiniert. Außergewöhnlich ist auch die äußere Form vieler Werke. Spero verwendet lange Papierbahnen, die sie bemalt, collagiert und mit eigens gefertigten Figurenstempeln bedruckt. Zehn Jahre nach ihrem Tod widmet das Museum Folkwang dieser faszinierenden Künstlerin eine große Überblicksausstellung mit rund 80 Werken, darunter Arbeiten auf Papier, Gemälde sowie installative Werke. Museum Folkwang | www.museum-folkwang.de

Innsbruck (A) Egger-Lienz und Otto Dix Bilderwelten zwischen den Kriegen 17.5. – 27.10.2019 Nach dem Ersten Weltkrieg beginnt für Albin Egger-Lienz eine fruchtbare Schaffensphase mit Werken, die die alltägliche Misere der Nachkriegszeit reflektieren. Bilder wie „Finale“ oder „Mütter“ zählen zu den eindrucksvollsten künstlerischen Auseinandersetzungen mit dem Krieg und dessen Folgen. Vergleichbares findet sich im deutschsprachigen Raum nur bei Otto Dix. Wie bei Egger-Lienz hatte der Kriegseinsatz seine künstlerische Entwicklung beflügelt. Witwen, Kriegsversehrte und Pro-

Frederick Sandys, Vivien, 1863 | huile sur toile, 64 x 52,5 cm Manchester Art Gallery © Manchester Art Gallery / Bridgeman Images Télécharger (click droite, puis enregistrer la cible sous...) 

Lausanne (CH) Fondation Hermitage Die Fondation de l’Hermitage setzt ihre Erkundung großer westlicher Kunstströmungen im 19. Jahrhundert fort, mit einer Ausstellung, die der englischen Malerei von Turner bis Whistler und den Präraffaeliten gewidmet ist. Nahezu 60 Gemälde aus den renommiertesten Museen des Vereinten Königreichs sind erstmals in der Schweiz zu sehen. Sie bilden ein einzigartiges Panorama des Kunstschaffens von faszinierender Originalität im goldenen Zeitalter des British Empire. Rund um Turner, dessen meisterhaftes Werk den Impressionismus ankündigt, zeigt die Ausstellung Maler wie Atkinson Grimshaw, Pyne, Brett, Martin oder Watts, die sich im Genre der Landschaftsmalerei auszeichnen. Fondation Hermitage www.fondation-hermitage.ch

Lübeck Jonathan Meese „Dr. Zuhause: K.U.N.S.T. (Erzliebe)“ Mutter/Evolution 31.3. – 4.8.2019 Kaum ein Künstler der Gegenwart steht derart in der Öffentlichkeit wie Jonathan Meese (geb. 1970) – und das seit bald zwanzig Jahren. Sein künstlerisches Schaffen – von Malerei, Skulptur, Grafik und Fotografie über Film, Oper, Installation und Performance bis hin zu Gedichten und Texten – erlebt Anfang 2019 seinen vorläufigen Höhepunkt mit dem um-


JOHN | arttourist.com 1|2019

Kunsttipps | 9

stellt mit 603 Zeichnungen auf 523 Blättern den umfangreichsten Teilbestand in Marcs zeichnerischem Œuvre dar. Sie zählt zu den Cimelien der Graphischen Sammlung. Die Hefte datieren von 1904 bis 1914/1914. Sie enthalten Porträts, Akte, Naturbeobachtungen, zahlreiche Tierstudien, Reiseskizzen, Gemäldekopien und Kompositionsentwürfe für Ölgemälde in den verschiedensten grafischen Techniken. Sie dokumentieren seine Reisen und geben Einblick in Marcs künstlerische Entwicklung von den Studienjahren bis zum „Naturlyrismus“ des Blauen Reiters und legen seine Auseinandersetzung mit dem Kubismus und Orphismus sowie der Neuen Künstlervereinigung München offen. Germanisches Nationalmuseum | www.gnm.de

Meese-Berlin-Atelier-Portrait-, Foto Jan Bauer © Jonathan Meese © VG Bild-Kunst, Bonn 2019

fangreichsten Ausstellungsprojekt, das der Künstler bisher konzipiert hat: Jonathan Meese – „Dr. Zuhause: K.U.N.S.T. (Erzliebe)“. Die groß angelegte Kooperation der fünf Institutionen ermöglicht eine umfassende Behandlung des Themas in Form von Retrospektiven, Installationen, eigens entwickelten Arbeiten und Performances. Die Ausstellung in der Kunsthalle St. Annen bietet einen retrospektiven Überblick über das bisherige Schaffen des Künstlers, zeigt aber auch aktuelle Werke aus dem Jahr 2018. Kunsthalle St. Annen | kunsthalle-st-annen.de

Martin Kippenberger, Ohne Titel (aus der Serie Hand Painted Pictures), 1992, Öl auf Leinwand, 180 cm x 150 cm © Estate of Martin Kippenberger, Galerie Gisela Capitain, Cologne

15.4. – 15.9.2019

bar miteinander verbunden. Im Ausstellungsparcours werden mehr als 60 aus internationalen Sammlungen zusammengetragene und selten gezeigte Werke in einen Dialog gestellt. Es entsteht ein Zwiegespräch, das Berührungspunkte und Gemeinsamkeiten, aber auch unterschiedliche Zugänge zur Thematik aufscheinen lässt. Lenbachhaus | www.lenbachhaus.de

Potsdam Picasso. Das späte Werk. Aus der Sammlung Jacqueline Picasso 9.3. – 16.6.2019

München Utrecht, Caravaggio und Europa. 1600-1630 17.4.–21.7.2019 Welch ein Schock muss es für die drei jungen Utrechter Maler Hendrickter Brugghen, Gerard van Honthorst und Dirck van Baburen gewesen sein, als sie in Rom erstmals auf die atemberaubenden und unkonventionellen Gemälde Caravaggios trafen. Beschrieben als „wunderliche Dinge“ waren dessen Werke von einem neuartigen Realismus, eindrucksvollem Drama und mysteriösem Licht gekennzeichnet und stilprägend für viele Künstler aus Italien, Frankreich, Spanien und den Niederlanden. Die gemeinsam mit dem Centraal Museum in Utrecht entwickelte Ausstellung zeigt rund 70 der schönsten und wichtigsten Werke der bedeutendsten „Caravaggisten“, darunter Gemälde von Bartolomeo Manfredi, Jusepe de Ribera und Valentin de Boulogne. Erst in der Gegenüberstellung mit den Kompositionen ihrer Malerkollegen wird begreifbar, warum die signifikanten Bilder der Utrechter so typisch holländisch sind und sowohl in Italien als auch in ihrer Heimat großen Erfolg hatten. Alte Pinakothek | www.pinakothek.de

Sean Scully, Window With, 2015 © Sean Scully, courtesy KEWENIG and the artist, Foto: Christoph Knoch

Münster Sean Scully. Vita Duplex 5.5. – 8.9.2019

Pablo Picasso (1881 – 1973) gilt als Erneuerer der Kunst im 20. Jahrhundert. In Malerei, Skulptur, Grafik und Keramik hat er neue Maßstäbe gesetzt. Weniger bekannt ist sein Schaffen aus den letzten zwei Jahrzehnten seines Lebens, als Picasso von seiner Frau Jacqueline mehr Bildnisse schuf als je zuvor von einem anderen Modell. Die

Als Weltmetropole der Kunst zieht Paris die internationale Kunstszene in ihren Bann. Und so setzt die Ausstellung dieser erstklassigen Pariser Sammlung, die von der frühen Moderne bis zur Gegenwart reicht, bereits um 1900, rund um den am damaligen Stadtrand gelegenen Hügel Montmartre ein. „Das dörfliche Viertel ähnelt einem riesigen Atelier voller ärmlicher Bohémiens“, heißt es über den verrufenen Bezirk. Pablo Picasso mietet sich ins Atelierhaus Bateau-Lavoir ein und zeigt dort seine elenden Akrobaten, Kees Van Dongen schillernde Frauenakte und Georges Rouault Prostituierte, Clowns und Straßenhändler. Maurice Utrillo, ein echtes Kind des Montmartre, liefert virtuose Schilderungen seines Viertels und Marie Laurencin, die Muse von Apollinaire, setzt verträumte Frauen in Szene. Zur selben Zeit entdecken Henri Matisse, Malergenie und Antipode Picassos, André Derain, Maurice de Vlaminck und Raoul Dufy die Farbe als autonome Sprache. Sie verleihen ihren Leinwänden eine derartige Ausdruckskraft, dass sie 1905 als „wilde Bestien“ (fauves) bezeichnet werden. Zwei Jahre später werden erneut die Sehgewohnheiten der Pariser Bourgeoisie erschüttert, diesmal von den Kubisten. Von Cézanne und der primitiven Kunst angeweiter auf Seite 15

Sean Scully, 1945 in Dublin geboren und in London aufgewachsen, ist einer der international wichtigsten Protagonisten der abstrakten Kunst. Die Staatliche Kunsthalle Karlsruhe und das LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster haben sich zu dieser Ausstellung zusammengefunden. Mit 120 Werken von den 1960er-Jahren bis heute wird deutlich, wie Scully die Abstraktion neu interpretiert. Die Ausstellung „Vita Duplex“ versammelt Werke aus allen Medien: Gemälde in Acryl und Öl auf Leinwand und Aluminium, Pastelle, Aquarelle, Zeichnungen, Skizzenbücher und Druckgrafiken auf Papier sowie einige seiner Fotografien und eine Plastik. LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte | www.lwl.org

München BODY CHECK 21.5. – 15.9.2019 Die Ausstellung „BODY CHECK. Martin Kippenberger – Maria Lassnig“  wagt eine unerwartete Begegnung: Erstmals werden die Werke dieser wirkmächtigen Protagonisten der Malerei des 20. Jahrhunderts einander unmittelbar gegenübergestellt. Beide Künstler rücken den eigenen Körper ins Zentrum ihrer malerischen Auseinandersetzung. Der hinfällige und fragmentierte Leib dient ihnen als Metapher für soziale und psychologische Konflikte. Schmerz und Leid, Absurdes und Humor sind in diesen Körperwelten untrenn-

Schwäbisch Hall Von Henri Matisse bis Louise Bourgeois Das Musée d’Art moderne de la Ville de Paris zu Gast in der Kunsthalle Würth, Schwäbisch Hall

Pablo Picasso: Madame Z (Jacqueline mit Blumen) Madame Z (Jacqueline with Flowers), 1954, Sammlung Catherine Hutin Collection,  © Succession Picasso/VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Michelangelo Merisi, gen. Caravaggio (1571 - 1610) , Heiliger Hieronymus, meditierend, 1605/06 Monasterio de la Virgen de Montserrat, Museu de Montserrat © Museu de Montserrat

Ausstellung „Picasso. Das späte Werk“ zeigt, wie Picasso auch in seinen letzten Schaffensjahren innovativ blieb. Alle Leihgaben stammen aus der Sammlung Jacqueline Picasso (1927 – 1986). Ihre Tochter Catherine Hutin stellt diese bislang kaum öffentlich gezeigte Sammlung für die Ausstellung im Museum Barberini zur Verfügung. In der von Gastkurator Bernardo Laniado-Romero getroffenen Auswahl befinden sich zahlreiche Werke, die erstmalig in Deutschland gezeigt, sowie einige, die zum ersten Mal in einem Museum präsentiert werden. Museum Barberini | www.museum-barberini.com

Helen McNicoll, Sunny September (Detail), 1913, Öl auf Leinwand, Privatsammlung

Franz Marc: Schlafender blauer Hund auf roter Matte, 1912/13 aus: Skizzenbuch XXVI | Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg

Nürnberg Der Weg zum Blauen Reiter. Skizzenbücher von Franz Marc 23.5. – 1.9.2019 Franz Marc, einer der bedeutendsten Maler des Expressionismus in Deutschland war Mitbegründer des „Blauen Reiters“. Das Germanische Nationalmuseum erwarb 1982 aus dem Nachlass des Künstlers 26 von ursprünglich 32 Skizzenbüchern. Die Nürnberger Gruppe

München In einem neuen Licht Kanada und der Impressionismus 19.7. – 17.11.2019 Zum ersten Mal in Europa präsentiert die Kunsthalle München Meisterwerke kanadischer Impressionisten vom späten 19. bis ins frühe 20. Jahrhundert. Ihre Spur führt zunächst nach Paris, wo sich viele kanadische Maler ausbilden ließen. Einige blieben in Europa, andere kehrten in ihre Heimat zurück – mit einem vom Impressionismus gepräg-

ten Interesse, die Stimmung des Augenblicks einzufangen. Neben Szenen aus dem kanadischen Alltag schufen sie Landschaftsbilder, in denen sie das einzigartige Licht und die Natur des Nordens festhielten. Schließlich emanzipierten sich viele Maler und Malerinnen vom europäischen Impressionismus und schufen für ihre junge Nation eine ganz eigene, unverwechselbare Kunst. Kunsthalle München | www.kunsthalle-muc.de


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JOHN | arttourist.com 1|2019

150 JAHRE HAMBURGER KUNSTHALLE

ADRESSE Hamburger Kunsthalle Glockengießerwall 5 www.hamburger-kunsthalle.de ÖFFNUNGSZEITEN Di – So 10 – 18 Uhr Do 10 – 21 Uhr Mo geschlossen Do an/vor Feiertagen 10 – 18 Uhr EINTRITTSPREISE Normalpreis EUR 14 Ermäßigt EUR 8 Kinder & Jugendliche frei Gruppen EUR 12 Hamburg Card Wochentags EUR 10 Hamburg Card Wochenende & Feiertage EUR 11 FÜHRUNGEN Öffentliche Führungen Di, Sa, So 11 Uhr, Mi 12 Uhr Weitere Führungen unter www.hamburger-kunsthalle.de/programmformate EUR 4 zzgl. Eintritt. INDIVIDUELLE FÜHRUNGEN Ein einstündige Führung kostet EUR 70 zzgl. Eintritt. Sonn- bzw. Feiertags zzgl. EUR 10 Sonntagszuschlag Gruppeneintritt ab 10 Personen EUR 12 pro Person. maximale Gruppengröße 25 Personen Fremdsprachenzuschlag EUR 10. Buchungen unter www.museumsdienst-hamburg.de oder unter Tel. +49(0)40-428131-0

Die Hamburger Kunsthalle, eines der bedeutendsten Kunstmuseen Deutschlands, feiert im Jahr 2019 ihr 150 jähriges Bestehen und präsentiert aus diesem Anlass ein

abwechslungsreiches und spannendes Ausstellungsprogramm. Im Jubiläumsjahr wird in vielfältiger und teils ungewöhnlicher Weise ein besonderer Blick auf das Museum

und seine Sammlung geworfen: mit vielen Interventionen in der Sammlung, Diskussionen, der Beteiligung des Publikums und nicht zuletzt einer großen Geburtstagsfeier.

Außenansicht des Eingangsportals der Hamburger Kunsthalle © Hamburger Kunsthalle, Foto: Ralf Suerbaum

Historische Postkarte »Gruß aus Hamburg. Die besten Wünsche zum Neuen Jahre. Kunsthalle und Alsterbassin«, Serie A N°1 Kunstverlags-Anstalt, Röpke & Woortman Hamburg, ca. 1900 © Hamburger Kunsthalle

Vilhelm Hammershøi (1864–1916) | Ein junges nähendes Mädchen, 1887 | Öl auf Leinwand, 37 x 35 cm | Ordrupgaard, Kopenhagen | © Foto: Anders Sune Berg

Im Licht des Nordens Dänische Malerei der Sammlung Ordrupgaard 10.5. – 22.9.2019 Ab Mitte Mai 2019 ist das Ordrupgaard Museum, eine der spektakulärsten Sammlungen dänischer Malerei des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, mit einer Auswahl seiner Meisterwerke in der Hamburger Kunsthalle zu Gast. Die ausgestellten Arbeiten bieten einen repräsentativen Überblick über die Entwicklungstendenzen innerhalb der dänischen Malerei während eines ganzen Jahrhunderts und verdeutlichen zugleich deren besondere Errungenschaften. Der Bogen spannt sich von den Wegbereitern des sogenannten »Goldenen Zeitalters« der dänischen Kunst (Christoffer Wilhelm Eckersberg, Christen Købke, Wilhelm Marstrand) über die Vertreter der nationalromantischen Richtung (Johan Thomas Lundbye, Peter Christian Skovgaard, Vilhelm Kyhn), die vornehmlich die Schönheiten des eigenen Landes ausloteten, bis zu den Fünen-Malern (Peter Hansen, Johannes Larsen, Fritz Syberg), die auf der gleichnamigen dänischen Insel die Freilichtmalerei praktizierten. Die besondere Facette des dänischen Impressionismus veranschaulichen schließlich die Ge- mälde von Theodor Philipsen, der eng mit Paul Gauguin befreundet war.

Hamburger Kunsthalle Beständig. Kontrovers. Neu. Blicke auf 150 Jahre 23.8. – 10.11.2019 Die Ausstellung zeigt unbekannte Einblicke und bislang unerzählte Geschichten des Hauses und der Sammlung. Schlaglichtartig werden dazu die heute wie damals geltenden Hauptaufgaben des Museums befragt: das

Ausstellen, Sammeln, Vermitteln, Bewahren und Forschen. Wie wird eine Sammlung gestaltet? Warum werden bestimmte Werke ausgestellt und warum bleiben andere im Depot? Wie öffentlich ist das Museum? Was wissen wir über Herkunft, Bedeutung und Zustand von Kunstwerken? In Rückblicken auf 150 Jahre Hamburger Kunsthalle werden unterschiedliche historische Perspektiven für diese Museumsaufgaben präsentiert. Gemälde, Handzeichnungen, Graphiken sowie neu aufgearbeitetes Archivmaterial, Fotografien, Film- und Zeitungsberichte veranschaulichen schillernde Zeiten aber auch historisch schwierige Phasen des traditionsreichen Hauses. Die Besucher_innen erwarten vielseitige Eindrücke einer lebendigen Museumsgeschichte – seit 150 Jahren.

Rembrandt Harmensz. van Rijn (1606–1669) Selbstbildnis mit Mütze, den Mund geöffnet, 1630 Radierung, 51 x 46 mm © Hamburger Kunsthalle / bpk Foto: Christoph Irrgang

Rembrandt Meisterwerke aus der Sammlung 30.8.2019 – 5.1.2020 Am 4. Oktober 2019 jährt sich der Todestag von Rembrandt (1606–1669) zum 350. Mal. Aus diesem Anlass widmet die Hamburger Kunsthalle einem der bedeutendsten Künstler des Goldenen niederländischen Zeitalters eine qualitätsvolle Präsentation. Gezeigt wird eine Auswahl herausragender Werke aus dem Sammlungsbereich Alte Meister und aus dem Kupferstichkabinett des Museums: Mit Simeon und Hanna im Tempel (1627) und Maurits Huygens, Sekretär des Staatsrats in Den Haag (1632), werden zwei Meisterwerke Rembrandts aus seiner frühen Schaffenszeit in

Leiden und Amsterdam präsentiert. Ergänzt werden sie um das Gemälde Die Verstoßung der Hagar (1612) von Pieter Lastman, der als Lehrer in seiner Werkstatt Rembrandt um 1625 für sechs Monate schulte. Die drei Gemälde werden um eine Auswahl von rund 60 Radierungen ergänzt, darunter Landschaftsdarstellungen, Porträts und Arbeiten zu religiösen Themen. Insgesamt beherbergt das Kupferstichkabinett der Hamburger Kunsthalle mehr als 300 Radierungen Rembrandts. Sie stammen sämtlich aus der Sammlung des Hamburger Kunsthändlers und – sammlers Georg Ernst Harzen (1790–1863), der seine Sammlung 1863 per Testament der Stadt Hamburg zur Gründung der Kunsthalle vor 150 Jahren vermachte. Diese bedeutende Kollektion ist von internationalem Rang und macht es möglich, das druckgraphische Schaffen Rembrandts in all seinen Facetten vor Augen zu führen. Rembrandt. Meisterwerke aus der Sammlung wird in einem Kabinett der Gemäldegalerie Alte Meister und im Harzen-Kabinett präsentiert.

BILDUNG & VERMITTLUNG Das Team aus freien Kunsthistoriker_innen, Künstler_innen und Kunstpädagog_innen bietet ein vielfältiges und möglichst barrierearmes Programm für alle Besucher_innen an. Im Fokus steht der Gedanke der Inklusion. So nehmen Angebote für Sehbehinderte und Blinde sowie in Deutscher Gebärdensprache und für Schwerhörige, für demenziell oder psychisch Erkrankte Rücksicht auf deren besondere Bedürfnisse, exkludieren sie aber nicht. Informationen und Buchung unter bildung-vermittlung@hamburger-kunsthalle.de oder Tel. +49-(0)40-428131-214 

Jahrzehnte auf der Leinwand ereigneten, plastisch nach- vollziehen. Einen besonderen Höhepunkt bildet eine Werkgruppe von acht Gemälden Paul Gauguins, dessen Schaffen bereits im Zeichen des Post-Impressionismus steht. Nach Ausstellungen zu Degas (2009) und zu Manet (2016) bietet Impressionismus. Meisterwerke aus der Sammlung Ordrupgaard erstmals die Gelegenheit, Spitzenwerke sämtlicher führender Vertreter_innen des Impressionismus in Hamburg zu sehen.

Jean-Honoré Fragonard (1732–1806), Der Philosoph, um 1764 Öl auf Leinwand, 59 x 72,2 cm (oval), © Hamburger Kunsthalle / bpk | Foto: Elke Walford

Goya, Fragonard, Tiepolo Die Freiheit der Malerei 13.12.2019 – 13.4.2020 Berthe Morisot (1841–1895) Junges Mädchen im Gras (Mlle Isabelle Lambert), 1885 Öl auf Leinwand, 74 x 60 cm Ordrupgaard, Kopenhagen © Foto: Anders Sune Berg

Impressionismus Meisterwerke aus der Sammlung Ordrupgaard 7.11.2019 – 1.3.2020 Im Herbst und Winter 2019/20 ist der französische Impressionismus in Form von Spitzenwerken des Ordrupgaard Museums in Hamburg zu Gast. Die Sammlung des seit 1953 staatlichen dänischen Museums geht auf die Schätze zurück, die der Versicherungsdirektor Wilhelm Hansen mit seiner Frau Henny ab Ende des 19. Jahrhunderts zusammentrug. Im Zentrum der Ausstellung stehen Gemälde sämtlicher führender Maler_innen des Impressionismus: Camille Pissarro, Édouard Manet, Ed- gar Degas, Alfred Sisley, Claude Monet, Berthe Morisot, PierreAuguste Renoir und Eva Gonzalès. Anhand der ausgestellten Werke lassen sich die motivischen, mal- technischen und wahrnehmungsspezifischen Revolutionen, die sich von den 1870er- Jahren an binnen weniger

Mit Goya, Fragonard, Tiepolo. Die Freiheit der Malerei widmet die Hamburger Kunsthalle einem der folgenreichsten Kapitel der europäischen Kunstgeschichte eine umfassende Schau: Dem 18. Jahrhundert als Blüteund Umbruchszeit der europäischen Kunst, die so unterschiedliche Persönlichkeiten wie Francisco José de Goya y Lucientes (1746– 1828), Jean-Honoré Fragonard (1732–1806) und Giovanni Battista Tiepolo (1696–1770) hervorgebracht hat. Die Präsentation versammelt rund 100 bedeutende Gemälde und Graphiken aus wichtigen nationalen und internationalen Museen. Gleichzeitig setzt sie den Schlusspunkt des Jubiläumsjahres 2019, in dem die Hamburger Kunsthalle ihr 150-jähriges Bestehen feiert. Erstmalig wird mit dieser ambitionierten Ausstellung das Schaffen Goyas, Fragonards sowie Giovanni Battista Tiepolos und das seines Sohnes Giovanni Domenico Tiepolo verglichen und in denselben inhaltlichen Kontext gestellt. Die Künstler werden als Vorund Wegbereiter der Moderne präsentiert, in deren Werken die Umbrüche und die Befreiung von den Konventionen in der Mitte des 18. Jahrhunderts bereits nachzuvollziehen sind.


JOHN | arttourist.com 1|2019

Karlsruhe | 11

Sonderausstellungen und Programm Messe für Klassische Moderne und Gegenwartskunst verspricht einen starken Auftritt der stillen Maler und Bildhauer – von Josef Albers über Antonio Calderara bis zu Victor Vasarely und Ludwig Wilding.

Besucher auf der art KARLSRUHE, KMK, Foto © Jürgen Rösner

SCHAUPLATZ DER KUNST

art KARLSRUHE Klassische Moderne und Gegenwartskunst 21.-24.2.2019 Die art KARLSRUHE bietet rund 50.000 Messebesuchern ein umfangreiches Angebot, das von der Klassischen Moderne bis zur Gegenwartskunst reicht. Vom 21. bis 24. Februar 2019 vereinen sich während der art KARLSRUHE 208 Galerien aus 16 Ländern in den Karlsruher Messehallen. Diese werden zum Schauplatz für Kunst aus einer Spanne von über 120 Jahren. Zusätzlich schaffen insgesamt 20 Skulpturenplätze raumgebende Situationen und laden zum Verweilen ein, kombiniert mit 196 One-Artist-Shows, die einen vertieften Einblick in das künstlerische Schaffen Einzelner ermöglichen. Die limitierte Anzahl an Messekojen wurde von dem Beirat der art KARLSRUHE an national sowie international renommierte Galerien vergeben. Ausgebildete Kunsthistoriker bieten Führungen über die Messe an, die einen allgemeinen Überblick zur art KARLSRUHE liefern oder

tiefergehende Erläuterungen zu den ausstellenden Galerien und präsentierten Künstlern vermitteln. In 2019 wird es zudem eine Führung zum Sonderthema „100 Jahre Bauhaus“ geben. Diese zeigt Arbeiten verschiedener Bauhaus-Künstler und informiert über die wegweisende Bildungsstätte, die mit ihren Ideen und in ihrer Formensprache bis heute fortwirkt. www.art-karlsruhe.de

HALLE 1 Fotografie + Original-Editionen HALLE 2 Moderne Klassik + Gegenwartskunst HALLE 3 Klassische Moderne + Gegenwartskunst DM-ARENA | HALLE 4 ContemporaryArt 21

ADRESSE Messe Karlsruhe Messeallee 1 76287 Rheinstetten ÖFFNUNGSZEITEN 21.–24.2. 11–19 Uhr 20.2. 14–21 Uhr Preview und Vernissage (nur für geladene Gäste)

Victor Vasarely, Lapidaire, 1972, Acryl auf Leinwand 140 x 140 cm, Museum im Kulturspeicher Würzburg Sammlung Peter C. Ruppert – Konkrete Kunst in Europa nach 1945 Foto: Elmar Hahn, Veitshöchheim © VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Sammlung Peter C. Ruppert – Konkrete Kunst in Europa nach 1945 Von Anfang an begeisterte sich Peter C. Ruppert für die Reduktion auf das Wesentliche, ein Merkmal konstruktiv-konkreter Kunst, die sich durch rationalen Bildaufbau und gleichzeitig überraschende Wahrnehmungseffekte auszeichnet. Mit viel Geduld und großer Fachkenntnis entstand in mehr als 30 Jahren die Sammlung „Peter C. Ruppert – Konkrete Kunst in Europa nach 1945“. Auf der art KARLSRUHE 2019 werden unter anderem Werke von Rosemarie und Peter C. Ruppert, Künstlern wie 2011, vor Kunstwerlen von Heijo Hangen, Foto © A. Schollenberger Josef Albers, Max und Jakob Bill über Leo Erb bis hin zu Richard Paul Lohse oder David Nash gezeigt.  Insgesamt umfasst die Sammlung von Peter C. Ruppert 420 Werke – darunter Gemälde, Skulpturen, Objekte und Arbeiten auf Papier – von circa 240 Künstlern aus 23 europäischen Ländern. Als Dauerleihgabe ist die Sammlung fast vollständig in Würzburg im Museum im Kulturspeicher zu sehen.

Sonderschau Druckgrafik: Von Warhol bis Picasso Zahlreiche international renommierte Sammler begannen ihre Kunstsammlung mit dem Ankauf einer Radierung, einem Siebdruck oder einer Lithografie. Die Druckgrafik dient oftmals als Einstieg in eine spätere langjährige Sammelleidenschaft, die auf den ersten Ankäufen solcher Arbeiten basiert. So wurden zur kommenden art KARLSRUHE die ausstellenden Galerien bereits zum dritten Mal dazu eingeladen, hochkarätige Beispiele dieser Sparte aus ihrem Galerienprogramm zur Verfügung zu stellen. Kuratiert wird die Sonderschau Druckgrafik auf insgesamt 200 Quadratmetern (Halle 1) von einer Experten-Kommission aus dem Beirat der Messe. Von Warhol bis Picasso und vom Holzschnitt bis zur Lithografie – 2019 wird die Sonderschau Druckgrafik erneut zum Anziehungspunkt für etablierte wie auch noch am Anfang stehende Sammler.

Konkrete Kunst im Programm der Galerien – ein Einblick Künstler aus dem Umfeld der ZERO-Bewegung, darunter Bernard Aubertin, Piero Dorazio, Gotthard Graubner, Heinz Mack, Christian Megert, Otto Piene und Günther Uecker, werden auf der art KARLSRUHE 2019 stark vertreten sein, gut 60 Jahre nach Gründung durch Mack und Piene. Aber auch die Bilder von Konstruktivisten wie Günter Fruhtrunk (gestorben 1982) und Georg Karl Pfahler (gestorben 2002) tauchen mehrfach auf. Die 16. Ausgabe der Blick in die Halle 3, die sich der klassischen Moderne und der Gegenwartskunst widmet | © KMK | Foto:Jürgen Rösner

Hans Platschek-Preisträgerin, Monica Bonvicini, Foto © Martin Bühler

Hans Platschek Preis Seit über zehn Jahren vergibt die Hans Platschek Stiftung den gleichnamigen Kunstpreis auf der art KARLSRUHE, der an den verstorbenen Maler und Schriftsteller Hans Platschek, einer der bedeutenden Vor- und Nachdenker, aber auch Kritiker künstlerischer Positionen nach dem Zweiten Weltkrieg erinnert. In diesem Jahr erhält den Preis die italienische Künstlerin Monica Bonvicini. Monica Bonvicini ist eine der einflussreichsten Künstlerinnen der Gegenwart. In ihren Arbeiten bezieht sie sich auf sozialpolitische Gegebenheiten. Unter Verwendung unterschiedlicher künstlerischer Ausdrucksformen wie Zeichnung, Skulptur, Installation, Video und Fotografie untersucht sie Themen wie Architektur, Geschlechterrollen, Kontrolle sowie Macht und reflektiert die besondere Bedeutung von Sprache und ihrer Wirkung. Die Arbeiten von Monica Bonvicini werden im Dialog mit ausgewählten Bildern von Hans Platschek am Stand der Stiftung in Halle 1 auf der art KARLSRUHE ausgestellt.

Loth Skulpturenpreis Der 2018 erstmals vergebene Loth-Skulpturenpreis, gesponsert von der L-Bank, wird auch in diesem Jahr von einer Fachjury an einen der insgesamt 20 Skulpturenplätze vergeben. Diese zählen zu den unverwechselbaren Eigenheiten der Kunstmesse. Mit dem Preis werden die Galerie und der Künstler gleichermaßen ausgezeichnet.

art KARLSRUHE-Preis für die beste One-Artist-Show Seit über zehn Jahren wird jährlich auf der art KARLSRUHE der gleichnamige Preis für die beste One-Artist-Show der Messe vergeben. Das Land Baden-Württemberg und die Stadt Karlsruhe würdigen damit gleichermaßen einen Künstler und einen Galeristen für die beste One-Artist-Show, welche eine Fachjury auswählt.

MONOPOL TALKS Monopol, das Magazin für Kunst und Leben, hat sich als innovatives Kunst- und Lifestyle-Magazin fest etabliert und bietet seinen Lesern die aktuellen Themen zur zeitgenössischen Kunst und zum Kunstbetrieb. Der langjährige Medienpartner der art KARLSRUHE veranstaltet im Foyer Ost in der eigenen monopol-Lounge den monopol-talk mit Künstlern, Galeristen, Autoren oder auch Museumsdirektoren an.

SWR2 MESSETALK Ob mit dem Messetalk, der Sendung SWR Zeitgenossen oder dem Journal am Mittag: der SWR2 ist fester Bestandteil der art KARLSRUHE und sorgt immer für interessante Gespräche und reichlich Informationen. Auf der eigenen SWR2-Bühne wird getalkt und live gesendet.


12 | Malta

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MALTA Urlaubstraum mit

Sonne, Kunst und Kultur

Valletta Skyline © MTA/Jan-Peter Boening

Die maltesischen Inseln, ein Schmelztiegel verschiedener Völker und Kulturen, faszinieren durch ihre über 7.000 Jahre alte Geschichte und ihren einzigartigen Charme. Neben glitzerndem Meer, hübschen Buchten, stillen Dörfern und der prächtigen Hauptstadt Valletta, wird viel Wert auf die Künste und ein großes kulturelles Angebot gelegt. In Valletta erwarten den Besucher eine Vielzahl sehenswerter Ausstellungen, Sammlungen und kostbare Kunstschätze. Zu besichtigen in historischen Gebäuden und prunkvollen Palästen aus vergangenen Zeiten, wie etwa im Nationalmuseum, im imposanten Großmeisterpalast der Malteserritter – auch „il-Palazz“ genannt – oder im Palast Casa Rocca Piccola, ehemals Sitz der Adelsfamilie de Piro im 16. Jahrhundert. Neben den Kunsttempeln gleicht Valletta – seit 1980 UNESCO-Weltkulturerbe sowie Kulturhauptstadt 2018 – einem einzigen Freilichtmuseum mit eindrucksvollen Renaissance- und Barockbauten, prunkvollen Kathedralen und gewaltigen Festungsanlagen. Die Stadt ist durchzogen von malerisch engen, teils steilen Straßen und Gassen wovon die Strait Street gerade einmal 3,5 Meter breit und 665 Meter lang ist. Vallettas imposanter und geschichtsträchtiger Grand Harbour zählt zu den tiefsten Naturhäfen des gesam-

ten Mittelmeerraums und bietet einen großartigen Anblick von der üppig grünen Parkanlage Upper Barrakka Gardens aus. Tagsüber ist Valletta eine florierende, geschäftige Metropole und in der Haupteinkaufsstraße, der Republic Street, reihen sich viele individuelle Läden, hippe Boutiquen, Geschäfte mit Top-Marken, angesagte Cafés und Restaurants aneinander. Die typische maltesische Piazza-Kultur lässt sich am besten auf den diversen Plätzen genießen, allen voran auf der Piazza Regina. Abends verwandeln sich dann die Gassen rund um die Strait Street in ein angesagtes, trendiges und quirliges Ausgehviertel.

dieses Projektes. Es ist die Abkürzung von „Muzew Nazzjonali tal-Arti“, was auf Maltesisch „Museum für bildende Künste“ bedeutet und sich gleichzeitig auch auf die Musen bezieht – die göttliche Quelle der Inspiration der Künste. MUZA ist zudem im Maltesischen das Wort für Inspiration. Gezeigt wird im MUZA historische und zeitgenössische Kunst. Viele ausgestellte Künstler sind italienischer Herkunft und die über 20.000 Exponate haben Bezug zum Mittelmeer und zu Malta. Zum ersten Mal wird beispielsweise das gesamte Werk des maltesischen Künstlers Antonio Sciortino ausgestellt. ­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­Ein kulturell interessanter Ausflug führt an die Südwestküste Maltas, nahe Qrendi, zu den Tempeln Hagar Qim und Mnajdra, auf einem Hochplateau über dem Meer gelegen. Die beiden Tempelanlagen, die rund 500 Meter voneinander entfernt liegen, stammen aus der Vorzeit Maltas zwischen 3.800 bis 2.500 v. Chr. Sie wurden 1992 gemeinsam mit anderen bronzezeitlichen Tempelanlagen zum Weltkulturerbe erklärt.

MUZA © Heritage Malta

Neuestes Highlight der Hauptstadt ist das MUZA, das Nationalmuseum für bildende Künste, das Mitte Dezember 2018 eröffnet wurde. Das Wort MUZA steht für die Vision

Neben den vielen Sehenswürdigkeiten bereichern auch zahlreiche kulturelle Events und Open-Air-Veranstaltungen eine Urlaubreise nach Malta:

Malta International Fireworks Festival Dieser jährliche Event wird an vier Abenden zwischen dem 24. April und dem 4. Mai 2019 an unterschiedlichen Orten auf Malta und Gozo veranstaltet. Gerade mit der Kulisse des Grand Harbour in Maltas Hauptstadt Valletta ist dies ein besonders eindrucksvolles Erlebnis. www.maltafireworksfestival.com

Malta International Arts Festival

Valletta © MTA/Jan-Peter Boening

Dieses Kulturfestival, das größtenteils OpenAir stattfindet, präsentiert vom 29. Juni bis 13. Juli 2019 ein breites Programm bestehend aus Theater, Musik, Tanz und Kunst. www.maltaartsfestival.org

Malta International Arts Festival © Joe Smith

Malta Jazz Festival Jazzig wird es vom 15. bis 20. Juli 2019 bei einem der wichtigsten musikalischen Ereignisse im Sommer-Kulturkalender Maltas. Der Veranstaltungsort Ta‘ Liesse am Grand Harbour von Valletta, unterhalb der Festungen, bildet die einmalige Open-Air-Kulisse für dieses Musikereignis, das seit vielen Jahren mit hochkarätigen Jazz-Darbietungen begeistert. www.maltajazzfestival.org

Notte Bianca Am 6. Oktober 2019 steigt die spektakuläre Kulturnacht Notte Bianca, die „weiße Nacht der Kultur“. Vallettas staatliche Paläste und Museen sind geöffnet, Straßen und Plätze verwandeln sich in Open-Air-Bühnen. Internationale Künstler, Musiker und Tänzer bieten ein buntes Programm und die vielen Restaurants, Bars und Cafés haben bis in die frühen Morgenstunden geöffnet. www.festivalsmalta.com/notte-bianca Alle Termine ohne Gewähr.

Ausführliche Informationen zu Malta unter: www.visitmalta.com www.visitvalletta.de www.visitgozo.com www.mein-malta-urlaub.de www.facebook.com/visitmaltade


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Remagen | 13

Pietro Dandini | Esther vor König Ahasverus | 1690er Jahre | © Haukohl Family Collection | Foto: Tom Lucas / MNHA Luxembourg

REMAGEN

Im Lichte der Medici. Barocke Kunst Italiens Haukohl Family Collection European Tour 10.2. – 8.9.2019 In einem der schönsten Kunstmuseen am Rhein findet zum Jahresauftakt ein Sammlungstreffen der besonderen Art statt: Die amerikanische Sammlung Haukohl, die wohl bedeutendste Privatsammlung an Florentiner Barockmalerei außerhalb Italiens, ist auf einer Europa-Tournee zu Gast in Rolandseck. Die versammelten Werke sind Botschafter einer Zeit, in der sich die Mächtigen dieser Welt über ihre Liebe zur Kunst definierten. Die Haukohl Family Collection umfasst Allegorien, religiöse Motive, Genreszenen

und Porträts. Herzstück der Sammlung sind die Gemälde der Künstler-Familie Dandini, die im Dienste der Medici stand. Diese und weitere Meisterwerke von Jacopo da Empoli, Giovanni Domenico Ferretti oder Felice Ficherelli treffen auf eine Fülle italienischer Kunstschätze aus der Sammlung Rau für UNICEF, darunter Gemälde und Skulpturen von Giovanni Angelo da Montorsoli, Carlo Dolci und Giovanni Battista Caracciolo.

In Florenz war die Entwicklung der Künste und Wissenschaften eng mit dem Aufstieg und Fall der Dynastie der Medici verknüpft. Eine lange Friedenszeit, eine blühende Wirtschaft und ein stabiles Staats- und Herrschaftsgefüge ließen die Künste prosperieren. Ihre Hofkünstler wie auch ihre Kunstsammlung setzten die Medici im Sinne einer strategischen Kulturpolitik ein. Meisterhaft erfasste man Oberflächen, weiche Haut und kostbare Materialien. Dank expressiver Gestik und Mimik und sinnlicher Verführungskraft sprechen die Figuren bis heute unmittelbar zu uns. Eine Besonderheit sind die opulenten, zum Teil originalen barocken Rahmen, die von der Familie Haukohl eigens für die Gemäldekollektion zusammengetragen wurden.

Der Hl. Sebastian wird von der, Hl. Irene geheilt, Felice Ficherelli, 17. Jh. | © Haukohl Family Collection Foto: Tom Lucas / MNHA Luxembourg

ADRESSE Arp Museum Bahnhof Rolandseck Hans-Arp-Allee 1 53424 Remagen www.arpmuseum.org ÖFFNUNGSZEITEN Di – So und an Feiertagen 11 – 18 Uhr Mo geschlossen EINTRITTSPREISE Normalpreis EUR 9 Ermäßigt EUR 7 Familienkarte EUR 12 Informationen & Tickets +49 2228-9425-0 FÜHRUNGEN Öffentliche Führungen durch die Ausstellung »Im Lichte der Medici« an jedem 1. Sonntag im Monat, beginnend am 3. März 2019, jeweils 15–16 Uhr EUR 3,50 zzgl. Museumseintritt Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Weitere Veranstaltungen entnehmen Sie unserem Veranstaltungskalender.

Stillleben mit Fischen, Früchten und Blumen | Giuseppe Recco, 2. Hälfte 17. Jh. Arp Museum Bahnhof Rolandseck | Sammlung Rau für UNICEF | Foto: Horst Bernhard

Joseph und Potiphars Frau | Giovanni Battista Caracciolo, 1618 | Arp Museum Bahnhof Rolandseck | Sammlung Rau für UNICEF

Informationen zu Gruppenführungen heller@arpmuseum.org, Tel. +49 (0)2228 9425-36


14 | Nantes

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Collectif Fichtre, Canadienne, Terrasse du restaurant Le 1, Nantes Voyage à Nantes,2015 © Franck Tomps | LVAN

Extrait du film de Gaëtan Chataigner - Voyage à Nantes 2016. Photo © Olivier Metzger

Laurent Perbos, Ping-pong park (Loop), quai François-Mitterrand, Le Voyage à Nantes, 2016 © Franck Tomps _ LVAN

Nantes vu par Olivier Metzger. 2011 © Olivier Metzger | LVAN-2

Jean-Luc Courcoult, La Maison dans la Loire, Couëron, création pérenne Estuaire 2007 © Bernard Renoux_LVAN.

NANTES

Die Stadt, in der alles möglich ist.

Die Kultur – Das Aushängeschild der Metropolregion von Nantes Gestern hat Nantes noch Jules Verne inspiriert, hat die Stadt für immer ihre jodhaltigen Gerüche auf ihn übertragen. Später steckt sie mit den Surrealisten unter einer Decke. Heute bewegt sie weiterhin das Traumtänzerische von Künstlern, Architekten und anderen urbanen Poeten: Ein Elefant geht auf den Kais der Loire spazieren, ein Segelboot entkommt einer Schleuse ... die öffentlichen Räume, die Ge-

schäfte, die Gärten ... Sie hissen die Flagge der Kreativität und machen gemeinsam Kultur.

Nantes wird zum Erlebnis Seine Fabriken und Lagerhäuser haben sich in Orte der Kultur verwandelt. Seine Straßen werden zum Bühnenbild für die Aufführungen von Royal de Luxe. Seine Kais werden im Sommer beim „Rendez-vous de l’Erdre“ von

Jazz und Segelbooten belebt. Während der Folle Journée öffnet das Kongresszentrum seine Pforten für 58.000 Zuschauer (300 klassische Konzerte, kleine Formate, exzellentes Niveau zu günstigen Preisen). „Le Voyage à Nantes“ bringt Kunstwerke in den öffentlichen Raum. Es setzt jeden Sommer die kulturellen Maßnahmen der Stadt in Szene und verzaubert mehr als 660.000 Besucher.

Die Nanteser Kulturlandschaft ist durch neue Orte und Projekte ständigen Umbrüchen unterworfen: die Allumées im Jahr 1990, das Lieu Unique im Jahr 2000, der Parcours Estuaire Nantes Saint Nazaire seit 2007. Ende 2011 hat sich La Fabrique als transdisziplinärer Ort für neue Musik hinter den Machines de l’ille niedergelassen. Mutig ist auch das Mahnmal zur Abschaffung der Sklaverei. Nantes deckt seine Vergangenheit auf und sieht ihr mit einer symbolischen, künstlerischen Geste ins Gesicht. Nantes ist international bekannt für seine Sammlung an Kunst im öffentlichen Raum, ebenso wie für die Fähigkeit, Menschenmassen auf der Straße zu bewegen und sie zum Träumen anzuregen. www.levoyageanantes.fr


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LE VOYAGE À NANTES ein spielender, verrückter und poetischer Parcours „Le Voyage à Nantes“ ist zunächst ein permanentes Angebot: ein Kunstwerk in Teilen, das sich über 12 km erstreckt. Die grüne Linie führt vom Werk eines großen Künstlers von heute zu einem besonderen Element des Kulturerbes, von den Sehenswürdigkeiten zu den unbekannten Schätzen, von einem historischen Sträßchen zu zeitgenössischer Architektur, von einem tollen Ausblick auf die Stadt zu einem unglaublichen Sonnenuntergang über der Mündung der Loire ... Der Parcours ist eine Einladung zum Schlendern, sich treiben zu lassen, zum Beobachten und zum Hören von Geräuschen. An die 50 kulturellen Angebote, größtenteils kostenfrei, führt „Le Voyage à Nantes“ zusammen. Während der zwei Monate infiltriert Kunst die Stadt und webt Verbindungen, Künstler, Architekten, Designer und Gärtner reaktivieren den 12 km langen Parcour. 6.7. – 1.9.2019 | 6.7.2019 ab 19 Uhr La Nuit du VAN

Nantes | 15

Nantes, Saint-Nazaire, Rennes, Saint-Malo, jusqu’au Mont-Saint-Michel

La Manche

TRAVERSÉE MODERNE D’UN VIEUX PAYS

LE MONTSAINT-MICHEL

SAINT-MALO

ROZ-SUR-COUESNON

PLOUËR-SUR-RANCE DINAN

BÉCHEREL

HÉDÉ-BAZOUGES

RENNES

ESTUAIRE Zeitgenössische Kunst auf der Loire – ein beispielhafter Kunstparcours

FÉGRÉAC

Von Nantes bis Saint-Nazaire vereint dieser Parcours auf 60 km entlang der Loire großdimensionale Werke, Skulpturen und erstaunliche Architektur, die die Signaturen von großen internationalen Künstlern tragen: Daniel Buren, Atelier Van Lieshout, Gilles Clément, Jimmie Durham, TatzuNishi, Tadashi Kawamata, Ange Leccia, Francois Morellet, Mrzyk und Moriceau, Roman Signer, Felice Varini oder auch Erwin Wurm. Diese Dauerausstellung, entstanden aus drei „Biennalen“, kann das ganze Jahr über besichtigt werden. Die Installationen sind vor Ort entstanden und zu Fuß, mit dem Fahrrad oder Auto zu erreichen. Sie zeigen eine bislang unbekannte Loire-Mündung, die von Naturgebieten, Sumpf, Fischgründen und Industrielandschaften durchzogen ist. Projekt-Initiator: Jean Blaise

SAINT-MALO-DE-GUERSAC

SAINT-NAZAIRE Océan Atlantique

PAIMBŒUF

SAINT-BREVIN-LES-PINS

COUËRON

NANTES

LE PELLERIN

CARTE TRAVERSEE MODERNE MAJ JANV18

Dinan – parcours Traversée moderne d’un vieux pays © Franck Tomps | LVAN-2

TRAVERSÉE MODERN D’UN VIEUX PAYS Von Nantes über Saint-Nazaire, Rennes und SaintMalo zum Mont-Saint-Michel Vier Städte im Westen spielen über die Regionalgrenzen hinweg ihr historisches, zeitgenössisches, künstlerisches und gastronomisches, architektonisches und naturbezogenes Kulturerbe aus. Diese noch nie dagewesene Zusammenarbeit zwischen Nantes, Saint-Nazaire, Rennes und Saint-Malo skizziert ein einzigartiger Parcours, der die Freude am Aufenthalt und den Rausch am Unterwegssein kombiniert. Von Nantes aus erkundet man in zwölf Etappen die Bretagne und gelangt schließlich zum Mont-SaintMichel. „Traversée Moderne d’un Vieux Pays“ wurde im Sommer 2018 eingeweiht und kann jedes Jahr zwischen April und Oktober (wieder-)erwandert werden. Idealerweise in acht Tagen. Le Mont-Saint-Michel - parcours Traversée moderne d’un vieux pays © Franck Tomps | LVAN-3

© Franck Tomps | LVAN

Vol du Héron. La Galerie des Machines. Les Machines de l île. Nantes © Jean-Dominique Billaud - Nautilus | LVAN


SELBST ERLEBEN

ODER VER SCHEN KEN

W W W. KUNSTMEILEHAMBURG. DE

AUSSTELLUNGEN MUSEUM FÜR KUNST UND GEWERBE HAMBURG 29.03. – 27.10.2019 Social Design BUCERIUS KUNST FORUM 09.02. – 19.05.2019 Welt im Umbruch – Kunst der 20er Jahre DEICHTORHALLEN HAMBURG 01.03. – 04.08.2019 Hyper! A Journey Into Art And Music HAMBURGER KUNSTHALLE 07.11.2019 – 01.03.2020 Impressionismus – HRE 1 5 0 JA E H A LL Meisterwerke aus der KUNST Sammlung Ordrupgaard KUNSTVEREIN IN HAMBURG 08.08.2019 – 20.10.2019 Peaches – Whose Jizz Is This In Kooperation mit dem Internationalen Sommerfestival auf Kampnagel


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Flandern | 17

Pieter I Bruegel, Fall of the Rebel Angels, 1562, oak. RMFAB, Brussels, inv. 584 © RMFAB, photo: Grafisch Buro Lefevre, Heule

FLÄMISCHE MEISTER 2018–2020 DIE MEISTERFEIERN GEHEN WEITER Nach einem fulminanten Start mit der Epoche des Barock und ihrem wohl einflussreichsten flämischen Künstler, Peter Paul Rubens, steht im zweiten Jahr der Meisterfeiern „Flämische Meister 2018-2020“ Pieter Bruegels Leben und Zeit im Mittelpunkt. Anlass ist sein 450. Todestag. Ab dem Frühjahr ist Bruegel in Brüssel allgegenwärtig, denn die Metropole ehrt ihren einstigen Mitbürger mit mehreren erlesenen Ausstellungen und einem stadtweiten Veranstaltungsprogramm. Unter dem Titel „Flämische Meister 2018 – 2020“ widmet sich Flandern in drei aufeinander folgenden Themenjahren dem Leben und künstlerischen Vermächtnis von Jan van Eyck, Pieter Bruegel und Peter Paul Rubens – tätig im 15., 16. und 17. Jahrhundert – sowie vielen weiteren Künstlern dieser Zeit. Die Themenjahre sind dabei keineswegs auf die Darstellung des Werkes dreier herausragender Künstler begrenzt. Vielmehr möchten die Organisatoren die unterschiedlichen Epochen umfangreich abbilden. In ganz Flandern wird ein Programm mit hochklassigen Veranstaltungen und Ausstellungen mit internationaler Strahlkraft organisiert. Wer dachte, dass mit Rubens Flandern abgehakt, das Pulver an Herausragendem, Besonderem und Einmaligem „abgearbeitet“ sei, hat sich

getäuscht. Flandern ist, wie die Liebe zu einem Verein, eine Herzensangelegenheit, der man treu und verbunden bleibt. Oft auf Lebenszeit. Den Besucher erwarten verschiedenste „Spielfelder“ der Kunst- und Kultur, ein herausragendes Programm auch im Bruegel-Jahr, in welchem die fünf Sinne vielfältig stimuliert, gereizt und genossen werden können. Flandern ist und bleibt eine der lebenssinnlichsten Regionen in der Mitte Europas, in der Tradition auf Zukunft und Geschichte auf Moderne trifft. Entdecken, erleben, tauchen Sie als Besucher ein in das Flandern von Bruegel von vor 450 Jahren, als die Kultur neue, Sparten und Genre übergreifende Wege ging, lassen sie sich von den Geschichten um Pieter Bruegel fesseln, die auch heute noch Künstlern als Inspiration dienen. Und wenn Sie dann auf den Spuren Bruegels durch Brüssel wandeln, ist es nur ein kleiner Sprung in die vielen weiteren Kulturstädte Flanderns, die auch 2019 mit einem begeisternden, spannenden und vielseitigen Programm um Ihre Kulturgunst buhlen.

2019: Auf den Spuren von Pieter Bruegel Ab dem Frühjahr 2019 ehrt Flandern den großen Künstler mit mehreren erlesenen Ausstellungen und einem stadtweiten Veranstaltungs-

programm. Das BOZAR, Palast der Schönen Künste, in Brüssel beteiligt sich mit gleich zwei Ausstellungen am Themenjahr: „Druckkunst im Zeitalter von Bruegel“ und „Bernard van Orley“. Im mythenumwobenen Stadttor Hallepoort aus dem Jahr 1381 gibt die Schau „Ein Tor zum 16. Jahrhundert“ ab dem 18. Oktober 2019 einen virtuellen Einblick ins Bruegel-Universum. Auch auf dem Land wird Bruegel in den unterschiedlichsten Facetten zu erleben sein: Die Ausstellung „Bruegels Welt“ im Freilichtmuseum Bokrijk wird ab dem 6. April 2019 die Gemälde des Künstlers zum Leben erwecken – und das alles in den historischen Scheunen, die selbst einzigartige Zeugnisse historischer Handwerkskunst sind. Einen Tag später wird auf Schloss Gaasbeek die Ausstellung „Das Narrenfest“ eröffnet, die den Geist Bruegels nicht nur durch die Kraft der Gemälde, sondern auch durch Musik, Literatur und Film lebendig macht. Daneben werden vom 1. Juni bis 30. September 2019 in ganz Flandern 40 ausgewählte Werke des Projekts „Flämische Meister in Situ“ an ihren Originalplätzen, abseits der Touristenpfade, zu sehen sein. In den Königlichen Museen der Schönen Künste (KMSKB) können Besucher die Werke des alten Meisters neu erleben: In der einzigartigen

© RMFAB

virtuellen Ausstellung „Unseen Masterpieces“ werden Bruegel-Meisterwerke – zerlegt in tausende Dateien und eine Milliarde Pixel – in 3-D präsentiert, darunter „Der Sturz der rebellierenden Engel“. Das Original des Bildes sowie das Bruegel-Werk „Die Volkszählung zu Bethlehem“ sind eine Etage höher im neuen Bruegel-Saal im KMSKB ausgestellt. Die Königliche Bibliothek Brüssel, die eine beispiellose Sammlung von Bruegels Arbeit auf Papier besitzt, wird im Herbst (Oktober) für die Ausstellung „Bruegels Welt in Schwarz und Weiß“ ganz besondere Stücke aus dem Depot holen. www.flemishmasters.com


18  |  Flandern | Brüssel

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Die Renaissance in den Niederlanden In diesem Frühling bietet das BOZAR in Brüssel die Chance, mit zwei großen Ausstellungen, die auf der Renaissance in den Niederlanden basieren, in die farbenfrohe Welt des 16. Jahrhunderts einzutauchen. In der ersten Ausstellung dreht sich alles um Drucke. Nur eine Handvoll Menschen haben Bruegels Gemälde im Original gesehen – er wurde durch die Gravuren seiner Zeichnungen populär. Nach seiner Zeit in Antwerpen, dem unbestrittenen Zentrum der Druckkunst, zog Bruegel nach Brüssel. Dort war Bernard van Orley der Hofmaler der Habsburger. Van Orley stellte die animalischen Begierden des Menschen (Jagd, Liebe, Sex) auf aristokratischer Ebene dar, Bruegel machte das Gleiche, konzentrierte sich aber auf die unteren Klassen. In seinen Bildern setzte er eine Reihe von Techniken um, die speziell auf die Wandteppiche von van Orley abgestimmt waren. Diese stehen im Mittelpunkt der zweiten Ausstellung im BOZAR.

BRÜSSEL

Bernard van Orley Brüssel und die Renaissance 20.2. – 26.5.2019

Bernard van Orley, Portrait of Joris van Zelle, 1519. Brussels © Royal Museum of Fine Arts

Bernard van Orley (1488 – 1541) war eine der Schlüsselfiguren der Renaissance in den heutigen Benelux-Ländern. Ihm gehörte eine der größten Werkstätten seiner Zeit, und er spielte eine wesentliche Rolle im künstlerischen Leben von Brüssel in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Die Königlichen Museen der Schönen Künste Belgiens, das Kunst- und Geschichtsmuseum Brüssel und das BOZAR haben sich zusammengetan, um gemeinsam die erste große monografische Ausstellung über van Orley zu realisieren. Van Orley, der Maler am Hofe von Margarete von Österreich und Maria von Ungarn war, konnte sich vor Aufträgen kaum retten. Er malte religiöse Motive und entwarf auch Wandteppiche und Buntglasfenster. Mit etwa hundert Kunstwerken von Bernard van Orley beleuchtet die Ausstellung das breite Spektrum der Themen und Techniken, mit denen er sich einen Namen gemacht hat. Neben den Gemälden werden Wandteppiche, Zeichnungen und Glasfenster gezeigt. Die

Arbeiten führen die Besucher durch die verschiedenen Stationen im Leben des Künstlers, von alltäglichen Aktivitäten in seinem Atelier bis hin zu seiner Rolle als Hofkünstler. In der Ausstellung tauchen die Besucher in die Zeit und Pracht des 16. Jahrhunderts ein, in der die religiöse, intellektuelle und politische Vormachtstellung Brüssels geprägt wurde und in der Brüssel unter Charles V. das Zentrum der Welt war. Zu den Spitzenwerken gehören zwei Wandbehänge aus der Charles V.-Jagd-Serie, die aus dem Louvre in Paris ausgeliehen wurden, und ein Wandbehang aus der Battle of Pavia-Serie, die vom Museo di Capodimonte in Neapel stammt. Aus drei weiteren Sammlungen, u.a. dem Getty Museum und dem Metropolitan Museum New York, sind drei außergewöhnlich gut konzipierte Entwürfe für (verlorene) Wandbehänge im Auftrag des Gerichts von Nassau zusammengestellt, die anlässlich der Ausstellung erstmalig zusammen zu sehen sind, und auch das Altarbild Saint John the Baptist aus dem Metropoli-

tan Museum New York ist zum ersten Mal mit seiner anderen Hälfte, die aus einer Privatsammlung stammt, zu sehen. Ergänzend zeigt die Ausstellung eine Reihe von Arbeiten, die van Orleys künstlerische Einflüsse verdeutlichen, wie Radierungen und eine Zeichnung von Dürer, Radierungen von Mantegna und Rafaël und vieles mehr. Brüssel ist sowohl aus historischen als auch aus logistischen Gründen der einzige Ort, an dem solch eine große Retrospektive des flämischen Meisters ausgerichtet werden kann. Seine Werke sind außerdem in zahlreichen Kirchen und Sammlungen in und um Brüssel zu sehen. Neben der Ausstellung können Besucher mithilfe eines illustrierten Stadtplans von der Stadtmitte über das Europaviertel bis zum Art & History Museum auf den Spuren van Orleys wandeln.

Grafikkunst zu Zeiten Bruegels 20.2. – 26.5.2019

Die Ausstellung „Grafikkunst zu Zeiten Bruegels“ ist eine gemeinsame Ausstellung des BOZAR und der Königlichen Bibliothek Belgiens. Sie zeigt einen Überblick über die Druckproduktion in den südlichen Niederlanden im 16. Jahrhundert. Heutzutage kennt jeder die Werke von Bruegel, weil sie endlos reproduziert werden können. Im 16. Jahrhundert war die Druckkunst die einzige Technik, um Bilder zu vervielfältigen. Auch Bruegel verwendete Drucke, um seine Werke und seinen Namen weit über die Grenzen hinaus bekannt zu machen. Das Medium war vielfältig und flexibel und eine Form der visuellen Kommunikation: von Zeitungspapieren bis zur politischen Propaganda. Aufstieg und Blüte der Druckkunst in Bruegels Zeitalter sind nicht nur Ausdruck einer künstlerischen Erfolgsgeschichte, hervorragende handwerkliche Fähigkeiten und kühnes Unternehmertum spielten ebenfalls eine wesentliche Rolle. Bei Weitem nicht alles, was der Druckerpresse entstammte, sollte Kunst sein, ob-

gleich talentierte Maler, Bildhauer und Architekten nahezu immer tadellose Entwürfe garantierten. In der Ausstellung stehen die Werke Bruegels im Mittelpunkt. Daneben sind noch viele weitere Kleinode der Grafikkunst zu entdecken. Sie konzentriert sich auf die Zeit Bruegels, ein Zeitalter von Bauernhochzeiten und gefallenen Engeln, religiösem Tumult und plötzlichen Umwälzungen, das den Beginn und die Blütezeit der Druckkunst darstellte.

Philips Galle after Johannes Stradanus (Jan van der Straet), Sculptura in Aes of the series ‘Nova Reperta’ © KBR, Royal Library of Belgium

ADRESSE BOZAR Palast der schönen Künste Ravensteinstraat 23 1000 Brüssel www.bozar.be

ÖFFNUNGSZEITEN Di – So 10 – 18 Uhr Do 10 – 21 Uhr Mo geschlossen


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Flandern | Brüssel  |  19

Auf Bruegels Spuren durch Brüssel 2019 werden verschiedene Führungen, Musikveranstaltungen, Kulturhappenings sowie historische Spaziergänge durch das populäre Marollenviertel und das gesamte Stadtzentrum angeboten. Der Schwerpunkt liegt auf den vielen Plätzen, die mit Bruegel und der faszinierenden Zeit, in der er lebte, zusammenhängen. Eine ausgezeichnete Gelegenheit für Besucher, Bruegels Welt und Werk im historischen Herzen von Brüssel (neu) zu entdecken. Auf den Stadtführungen wird die spannende Lebensgeschichte mit zahlreichen Hintergrundinformationen zu Bruegels Zeit in Brüssel erzählt. www.visitbrussels.be/de

Pieter I Bruegel, Census at Betlehem, 1566, oak. RMFAB, Brussels, inv. 3637 | © RMFAB, photo: J. Geleyns / Ro scan

BRUEGEL

Unsichtbare Meisterwerke Die Sammlung der Alten Meister führt den Besucher durch 400 Jahre Kunstgeschichte und zeigt neben der weltweit zweitgrößten Sammlung an Bruegel Gemälden berühmte Meisterwerke von Rubens und Jordaens sowie seltene Arbeiten von Künstlern wie van der Weyden, Bouts, Memling, Bosch und van Dyck. Insgesamt werden hier rund 20.000 Gemälde, Skulpturen und Zeichnungen bewahrt. Wer auf Bruegels Spuren unterwegs ist, muss hier vorbeischauen. Die Ausstellung Bruegel. Unsichtbare Meisterwerke ermöglicht es den Besuchern, in die Werke von Pieter Bruegel the Elder († Brüssel, 1569) einzutauchen. Der Künstler und seine Gemälde sind weltweit bekannt und von Kunstliebhabern sofort erkennbar. Jedoch zeigt jede Komposition Bruegels eine ganze Reihe von Charakteren - einige überraschend, andere bekannt - und Facetten, die die Bedeutung, die Geschichte zum Bild liefern.

Das Königliche Museum der Schönen Künste will die Geschichten hinter den Bildern sichtbar machen, und startete mit dem Google Cultural Institute ein Projekt zum 450. Todestag Bruegels im Jahr 2019. Das Projekt bringt bedeutende internationale Museen rund um die zentrale Figur von Bruegel the Elder zusammen. Das Auf- streben digitaler Technologien hat das museologische Umfeld spürbar geprägt und das Verhältnis des Besuchers zum Werk und zur Institution geändert. Auch wenn die Erfahrung des Originalwerks unersetzlich ist, bietet dieser Wandel neue Lösungen, um der Anfälligkeit der alten Kunst Rechnung zu tragen. Sie sind ein Mittel zum Schutz dieses unschätzbaren und einzigartigen Erbes und ermöglichen es gleichzeitig, den Erfahrungsschatz zu erneuern. Vornehmlich wird der Begriff des Zugangs zur Kunst neu überdacht, indem die Zielgruppen erweitert werden und die Kunst in Reichweite jedes Internetbenutzers - ob Jung ob Alt - rückt.

Installation Kapellekerk © Bowling

Ein breites Spektrum an virtuellen und Vor-Ort-Erfahrungen ermöglicht es den Besuchern tiefer in die Werke und das Leben von Pieter Bruegel the Elder einzutauchen, und unerwartete Elemente in Bruegels Werk zu entdecken, die den Höhepunkt des Handwerks des flämischen Meisters bilden. Mit jedem Details wird sich in den einzelnen Bildern befasst, von Experten detailliert erläutert und in einen geschichtlichen und gesellschaftlichen Kontext gebracht. In dieser einzigartigen virtuellen Ausstellung „Unseen Masterpieces“ werden Bruegel-Meisterwerke – zerlegt in tausende Dateien und eine Milliarde Pixel – in 3D präsentiert. Dank der Unterstützung von Engie haben die Königlichen Museen der Schönen Künste das völlig neue Konzept der Bruegel Box, ein künstlerisches Immersionsprojekt, entwickelt.

Die große Flucht bis Ende 2019 In der Kapellekerk in der Pieter Bruegel sowohl begraben liegt, als auch seine Frau heiratete, gibt es seit September 2019 eine besondere Installation. Eine Anzahl der Figuren aus seinen Gemälden wurden hier in 3-D zum Leben erweckt. Man begibt sich in der Kirche auf die Suche nach den oftmals versteckten Figuren und entdeckt die Geschichte der Bilder auf die sich die Figuren beziehen. Kapellekerk | Place de la Chapelle | Kapellemarkt | 1000 Brüssel 10–16 Uhr, Dienstag und Sonntag geschlossen www.flemishmasters.com

Königliche Museum der Schönen Künste Rue de la Régence, Regentschapsstraat 3, 1000 Brussels www.fine-arts-museum.be

Zurück zu Bruegel Das 16. Jahrhundert erleben 18.10.2019–18.10.2020 Das mythenumwobene Stadttor „Porte de Hal/Hallepoort“ aus dem Jahr 1381 war Teil der zweiten Stadtmauer um das alte Brüssel. In diesem Herbst öffnet es ein virtuelles Tor zu Bruegels Universum. Die Besucher erleben das 16. Jahrhundert, ein Jahrhundert, das nicht nur von religiösen Kriegen und Schlachten gekennzeichnet war, sondern auch von der Entdeckung der Neuen Welt, dem Aufstieg der Städte und dem Aufblühen des Humanismus: Dies alles in einem einzigartigen Bauwerk, das Bruegel sicherlich täglich besuchte, als er in Brüssel lebte und arbeitete. Dank der Technologie der virtuellen Realität gehen die Besucher auf eine atemberaubende Reise in das Herz der Gemälde von Bruegel dem Älte-

© VISITFLANDERS

ren. Lernen Sie durch diese Ausstellung, die besonders bemerkenswerte Exponate aus dem Königlichen Museum für Kunst und Geschichte in Brüssel präsentiert, das 16. Jahrhundert kennen. Von der oberen Etage können Sie eine wunderschöne Aussicht über Brüssel genießen und mithife von Virtual-Reality-Suchern das Brüssel des 16. Jahrhunderts entdecken. „Zurück zu Bruegel“: Erleben Sie die Geschichte durch eine Kombination hochmoderner Technologie und außergewöhnlicher Artefakte. Hallepoort Porte de Hal Zuidlaan 150 1060 Sint-Gillis, Belgien www.kmkg-mrah.be

Bruegel Besucherzentrum

Hallepoort Brüssel © KMKG-MRAH

Die Multimedia-Plattform im Dynastiegebouw wird sowohl dem ausgebildeten Kunstliebhaber als auch dem Laien ermöglichen, sich auf unvergleichliche Weise an Bruegels Werk zu erfreuen. „Beyond Bruegel“ ist weit von einer gewöhnlichen Ausstellung entfernt. Sie ist mehr. Sie lässt den Besucher aktiv und vollständig in das Werk, den komplizierten Stil und die innere Vorstellungskraft des Malers eintauchen. Umgeben von seinen besten Meisterwerken wissen die Besucher nicht, wo Sie suchen müssen: oben, unten, links, rechts. Die 3D-Ausstellung ist so konzipiert, dass Bruegels Gemälde den Besucher aufsaugen, der einen einzigartigen Einblick in die Gedanken, Zweifel, Unsicherheiten und sogar seine Figuren des Künstlers gewährt, diese zum Leben erweckt werden und ihre Geschichten teilen können. Dynastiegebouw | Kunstberg 5 | 1000 Brussel www.flemishmasters.com


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Pieter Bruegel wird oft als Verkörperung der flämischen Identität betrachtet. Warum ist das seit der Wiederbelebung seines Werkes um 1900 der Fall? Warum ist er zu einer Ikone geworden, zu einer unerschöpflichen Quelle der Inspiration und zu einem rockigen Klischee? In der Ausstellung „Das Narrenfest. Bruegel wiederentdeckt“  lernt der Besucher eine Reihe von Schlüsselwerken flämischer und internationaler Künstler kennen, die einen Bezug zu Bruegel haben. Sie knüpfen an seine Themen an, interpretieren sie neu, zitieren ihn ... und zeigen damit, dass sein Werk nichts von seiner Bedeutung verloren hat.  Die Ausstellung geht von dem „großen Missverständnis“ aus, dass Bruegel in den späten Tagen der Romantik als tief im flämischen Boden verwurzelter Maler von Bauernpsalmen, eisigen Schneelandschaften und ewig rauschenden Weizenfeldern ausgerufen wurde. Die Ausstellung untersucht, wie flämische und auch belgische und internationale Künstler in der Zwischenkriegszeit und auch danach noch mit seinem künstlerischen Erbe umgingen. Dabei konzentrieren wir uns auf folgende Künstler: James Ensor, Valerius De Saedeleer, Jules De Bruycker, Gustave Van de Woestyne, Jean Brusselmans, Constant Permeke, Anto Carte, Otto Dix und George Grosz.

George Grosz, Blinder Krüppel (1923) © Galerie Ronny van de Velde, Antwerpen/Knokke, fotograaf AD/ART Guy Braeckman | © VG Bild-Kunst, Bonn 2019

GAASBEEK

Das Narrenfest. Bruegel wiederentdeckt 7.4. – 28.7.2019

Daran anschließend zieht die Ausstellung verschiedene zeitgenössische Register mit Kunst, Performance und Musik. In Zusammenarbeit mit den Kuratoren Luk Lambrecht und Lieze Eneman werden zehn Künstler gebeten, auf Themen aus Bruegels Oeuvre oder deren Interpretation durch die Generation der Wiederentdecker einzugehen. Diese Kreationen sind mit bestehenden Arbeiten verknüpft, die im Kontext relevant sind. Beteiligte Künstler sind Pascale Marthine Tayou, Honoré d’O, Emanuelle Quertain, Jan Van Imschoot & Salam Atta Sabri, Dirk Braeckman/Franz West/Lisbeth Gruwez, Kasper Bosmans, Gilberto Zorio, Grazia Todori, Anetta Mona Chisa & Lucia Tkácová, Christoph Fink, Daniel Buren, Jimmie Durham, Ricardo Brey und Bart Lodewijks.

Collectie Gemeentelijk Museum Gevaert-Minne, © Erwin De Keyzer

Auch eine Installation von Rimini Protokoll, einer der kreativsten Theatergruppen Berlins, wird zu erleben sein: Sie entwickeln einen interaktiven und immersiven Kontrapunkt zu der Ausstellung: „Global Village. Nach Bruegel.“ Rimini Protokoll zeichnet ein zeitgenössisches Porträt des ländlichen Lebens in Form einer Videoinstallation mit VirtualReality-Brillen. Wie in Bruegels Gemälden wird der Betrachter mit einem komplexen Spiel von Gesten und gegenseitigen Beziehungen konfrontiert, welches die Realität des Lebens auf dem Lande darstellt, und zwar nicht nur in Flandern, sondern weltweit. Die Installation stellt den Betrachter in den Mittelpunkt dieses Gesellschaftsmodells.

ADRESSE Kasteel van Gaasbeek Kasteelstraat 40 1750 Gaasbeek www.kasteelvangaas beek.be

ÖFFNUNGSZEITEN 7.4. – 28.7.2019 Di – So 10 – 18 Uhr (letzter Einlass 17 Uhr) Mo geschlossen

EINTRITTSPREISE Normalpreis EUR 15 ermäßigt und Gruppen EUR 14 Jugendliche unter 18 EUR 2 Kinder unter 7 Jahre freier Eintritt

© Floralia

BRÜSSEL Bruegel | De ekster op de galg © Darmstadt Hessisches Landesmuseum

DILBEEK

Mit den Augen Bruegels: Die Landschaft nachgestalten 7.4. – 31.10.2019

Eine einzigartige Ausstellung moderner Künstler und Designer, die Bruegel mitten ins 21. Jahrhundert katapultieren. Bruegel erschuf seine Landschaften aus Elementen des ländlichen, leicht hügeligen Pajottenlandes. Vor allem überrascht Bruegel mit einzigartigen Perspektiven, harmonischer Gestaltung und scheinbar körper-

lichen Dekors. In der Gemeinde Dilbeek (in der Nähe von Brüssel) verbindet eine Rad- und Wanderroute zwölf einzigartige Installationen, die es dem Betrachter ermöglichen, die Sicht Bruegels auf die Landschaft nachzuvollziehen. Die Tour beginnt und endet an zwei Gebäuden, die von Bruegel gemalt wurden: die Kirche St.

Anne-Pede, die im Werk „Blindensturz“ zu sehen ist, und die Wassermühle von St. Gertrudis-Pede, die in „Die Elster auf dem Galgen“ und die „Die Jäger im Schnee“ verewigt wurde. www.dilbeek.be

16. Floralia Brüssels 6.4. – 5.5.2019

Eine besondere Augenweide steht im April den Besuchern des Schlossparks von Groot-Bijgaarden bevor. Am nordwestlichen Stadtrand von Brüssel werden ab dem 6. April mehr als eine Million blühende Blumen zu sehen sein. Den Schwerpunkt dabei bilden rund 400 verschiedene Tulpenarten. Diese erhalten in dem 14 Hektar großen Park Gesellschaft von zahlreichen weiteren Zwiebelblumen – unter anderem von 60 Narzissenarten und 35 Hyazinthenarten. Die Blumenbeete befinden sich in einem Park mit alter Baumsubstanz, unter deren Zweigen sich ebenfalls Blumenbeete ausbreiten. Zu den weiteren Attraktionen der Floralien gehören ein Tulpenlabyrinth sowie ein aus Blumen komponiertes Kunstwerk. In der Schlosskapelle kommen Orchideenfreunde auf ihre Kosten, denn hier sind seltene Arten ausgestellt. Ein weiteres Highlight ist das 1000 Quadratmeter große Treibhaus, in dem 25.000 Blumen ausgestellt werden, die im wöchentlichen Wechsel auf den größten Blumenmärkten Europas eingekauft werden. Anlässlich des 450. Todestages von Pieter Bruegel werden im Gewächshaus des Anwesens Reproduktionen seiner Kunstwerke in Verbindung mit zeitgenössischer „Pflanzen-Kunst“ gezeigt. Der Park ist täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Die Kassen schließen um 17.30 Uhr. www.kasteelgrootbijgaarden.be


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Weitere Veranstaltungen im Rahmen des Bruegel-Jahres 2019 Brüssel Bruegels Welt in Schwarz und Weiß 15.10.2019 – 15.2.2020 Die Königliche Bibliothek besitzt eine vollständige und beispiellose Sammlung von Bruegels Arbeit „auf Papier“. Die einzigartigen SchwarzWeiß-Grafiken Bruegels werden für diese Ausstellung eigens aus dem Archiv geholt. Die Ausstellung ermöglicht einen Einblick in den kreativen Prozess von Bruegels Arbeiten und entführt die Besucher ins 16. Jahrhundert, wo sie das Leben von Bruegel und seinen Zeitgenossen nachempfinden können. Dank einiger speziell für diese Ausstellung entwickelter Vitrinen können sich die Besucher genauso an Bruegels Werken erfreuen, wie sie es in seiner Zeit hätten tun können. Allein der Ausstellungsort ist schon eine Reise wert. Königliche Bibliothek Belgiens, Brüssel www.kbr.be/en

Antwerpen Von Fouquet bis Bruegel ab 5.10.2019–31.12.2020 Eine wahre Perle unter den Antwerpener Museen. Fritz Mayer van den Bergh (1858 – 1901) Der Kampf zwischen Karneval und Fasten | Pieter Bruegel der Ältere, um 1559 | Öl auf Eichenholz, 118 × 164,5 cm | Kunsthistorisches Museum Wien

trug neben zahlreichen Meisterwerken aus dem Mittelalter und der Renaissance wichtige Werke von Pieter Bruegel d.Ä. zusammen.

GENK | Domäne Bokrijk

Wie zum Beispiel die Werke „Zwölf Flämische

Bruegels Welt

umfangreicher Restaurierung 2019 ins Muse-

Sprichwörter“ und „Die tolle Grete“, die nach um zurückkehrt. In der Ausstellung wird somit eines der berühmtesten Bruegel-Gemälde zusammen mit bedeutenden Werken aus den Königlichen Museen der Schönen Künste Ant-

6.4. – 20.10.2019 2019 jährt sich der Tod des flämischen Malers Pieter Bruegel d.Ä. zum 450. Mal. Aus diesem Grund organisiert das Freilichtmuseum von Bokrijk (Genk) in Zusammenarbeit mit VISITFLANDERS die internationale Ausstellung „Bruegels Welt“. Das Freilichtmuseum von Bokrijk befindet sich etwa eine Autostunde von Brüssel entfernt. Bokrijk besitzt zwar keine Gemälde des flämischen Meisters, aber eine Vielzahl von Gebäuden und Objekten aus ihrer Sammlung scheinen den Werken Bruegels nahezu entsprungen zu sein. Das Museum ist im Besitz einer einzigartigen Sammlung mit über 120 historischen Gebäuden und zahlreichen Objekten aus unterschiedlichen Regionen und Epochen Flanderns, die im Laufe der Zeit nach Bokrijk überführt wurden. Seit 1996 steht das Museum unter Denkmalschutz. Bereits seit der Errichtung des Freilichtmu-

werpen gezeigt. Museum Mayer van den Bergh, Antwerpen seums, das 1958 seine Türen öffnete, ist ein ausgesprochener Einfluss Bruegels spürbar gewesen. Der ehemalige Kurator Dr. Jozef Weyns ließ sich bei seiner Arbeit in großem Maße von dem Maler inspirieren. In „Bruegels Welt“ im Freilichtmuseum Bokrijk werden die Gemälde des Künstlers zum Leben erweckt. Die Besucher werden Leben und Landschaften aus Bruegels Zeit sehen, hören, fühlen, schmecken und riechen können. Die Ausstellung bietet ein zeitgemäßes und sinnlich wahrnehmbares Gesamterlebnis von Sitten, Normen und Gebräuchen, wie sie für die Mitte des 16.. Jahrhunderts typisch waren. Ein Parcours führt die Besucher durch das Freilichtmuseum vorbei an verschiedenen Stationen, von denen jede für sich eine ganz eigene Erlebniswelt darbietet. Dadurch erfährt der Besucher Näheres über Bruegel und seine Verbindungen zu Bokrijk. Neue Technologien verstärken dieses Erleb-

nis. Beispielsweise kann man sich in einem Spiel mittels „Augmented Reality“ auf die Suche nach Objekten aus dem Gemälde „Der Kampf zwischen Karneval und Fasten“ begeben. Das Endergebnis veranlasst den Besucher, auf humorvolle Art und Weise – charakteristisch für Bruegel – über sich selbst und die Gesellschaft nachzudenken.

www.museummayervandenbergh.be

Das Grafische Werk Jan Brueghels d.Ä. 5.10.2019 – 19.1.2020 Der jüngste Sohn von Pieter Bruegel, Jan Brueghel d.Ä. (1568 – 1625), trat in die Fußstapfen des Vaters. Der als „Blumenbruegel“ bezeichnete Künstler zählte zu den prominentesten und erfolgreichsten Malern in Flandern

ADRESSE Domain Bokrijk Bokrijklaan 1 3600 Genk www.bokrijk.be

EINRITTSPREISE Open Air Museum + The Sixties 13 – 59 Jahre EUR 12,50 60 + EUR 10,50 3 – 12 Jahre EUR 2 0 – 3 Jahre freier Eintritt Spielplatz und Domäne freier Eintritt

ÖFFNUNGSZEITEN Park täglich 9 – 21 Uhr

um 1600. Anlässlich seines 450. Geburtstages widmet sich erstmals eine Ausstellung ausschließlich dem grafischen Werk Jan Brueghels. Ergänzend dazu werden Werke seiner Zeitgenossen präsentiert. Snijders & Rockoxhuis Antwerpen www.snijdersrockoxhuis.be

Museum Di – So 10 – 18 Uhr Informationszentrum Mo – Sa 9 – 17 Uhr Juli & August 9.30 – 17.30 Uhr

Leuven Dirk Bouts Abendmahl ab 20.9.2019 Neupräsentation am Originalschauplatz Die eindrucksvolle gotische Kirche wird im Herbst 2019 nach einer umfassenden Restaurierung wieder in vollem Glanz erstrahlen. Im Mittelpunkt steht das Triptychon von Dirk Bouts, welches das Abendmahl Christi zeigt. Ein Meisterwerk, das wieder an dem Ort bewundert werden kann, für den es einst geschaffen wurde. St. Peterskirche, Leuven | www.visitleuven.be/de

Jan Borman Ausstellung 20.9. – 31.1.2020 In enger Verbindung mit der St. Peterskirche präsentiert das Museum M die erste monografische Jan Borman- Ausstellung, einem der bedeutendsten Bildschnitzer der Spätgotik, dessen Werke nicht nur in Flandern, sondern über Handelswege bis nach Norddeutschland und Skandinavien verbreitet wurden. Museum M, Leuven www.visitleuven.be/de www.mleuven.be Bokrijk Vorselaar Mill Mol © Luc Daelemans


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Anonymous, The Life of Saint Joseph, second half 15th century | Hoogstraten, Church of Saint Catherine | © Lukas - Art in Flanders

Flämische Meister in situ

40 Meisterwerke an besonderen Orten in Flandern 1.6. – 30.9.2019 Nicht alle Meisterwerke hängen in Museen. Manchmal lassen sich auch versteckte Perlen, weit entfernt und jenseits ausgetretener Pfade entdecken. „Flämische Meister in situ“ öffnet Türen, die bisher verschlossen waren. Die Besucher werden in Kirchen, Kapellen, Klöstern, Beginenhöfen, Schlössern und Rathäusern empfangen, wo Gemälde flämischer Meister aus dem 15., 16. und 17. Jahrhundert noch immer an ihrem angestammten Platz zu bewundern sind. „Flämische Meister in situ“  lässt Besucher die oft unbekannten Werke und die Orte, wo

sie hingehören, erleben. Eine diskrete Szenografie setzt die Meisterwerke ins richtige Licht. In Bild und Wort bringt die In-situ-Geschichte Sie ganz nahe zu den Gemälden und richtet Ihre Augen auf feinsinnige Weise auf die Orte, für die die Werke der flämischen Meister gedacht und bestimmt waren. 40 ausgewählte Werke des Projekts „Flämische Meister in situ“ werden an ihren Originalplätzen, abseits der Touristenpfade, zu sehen sein. Die Geschichte jedes

Gruuthusepaleis © Jan D‘Hondt

Werks wird mithilfe von Digitaltechnologie zum Leben erweckt. Touchscreens mit Abbildungen erläutern die Details der Meisterwerke. Dazu wird an jedem Ort ein Audioführer bereitgestellt. www.vlaamsemeestersinsitu.be/de

Antoon van Dyck, The Adoration of the Shepherds, 1631 Dendermonde, Church of Our Lady Photo: Saskia Vanderstichele

Gruuthusepaleis 2 © Jan D‘Hondt

Gruuthusepaleis 3 © Jan D‘Hondt

BRÜGGE

Gruuthuse Museum Brügge Wiedereröffnung 25.5.2019 Ab diesem Frühjahr erstrahlt eines der Juwele von Brügge in neuem Glanz: Das luxuriöse Stadtpalais der Herren van Gruuthuse öffnet nach umfangreicher Restaurierung und Umgestaltung im Herzen des mittelalterlichen Brügge wieder seine Tore und präsentiert seine einzigartige Sammlung angewandter Kunst aus den Niederlanden vom 15. bis zum 19. Jahrhundert: Handschriften, Wandteppiche, Spitzen-, Skulptur-, Möbel- und Silberarbeiten. Die Besucher können in 500 Jahre Brügger Geschichte eintauchen, von der Blütezeit im Spätmittelalter bis zur Wiedergeburt als Stadt der Kunst und Kultur mit dem neuen Seehafen um 1900. Die neben dem Palast gelegene Liebfrauenkirche, die die Werke flämischer Meister und die Gräber der Herzöge von Burgund

sowie Michelangelos Brügger Madonna beherbergt, wurde ebenfalls umfassend restauriert und hat einen neuen Zugang erhalten. Die einzigartige Gebetskapelle von Lodewijk van Gruuthuse verbindet die beiden Gebäude. Der gesamte Komplex ist Ausdruck der burgundischen Identität, die die Stadt bis heute prägt. Einige Familien aus Brügge sind durch den Handel in der Stadt besonders reich geworden. Eine davon war die Familie Gruuthuse. Der Herr van Gruuthuse vertrieb eine seltene Kräutermischung, die dafür genutzt wurde, das typisch belgische Bier anzureichern. Da die Braukunst eine wichtige Rolle eingenommen hatte und noch immer einnimmt, war die Kräutermischung sehr begehrt.

Von seinem Reichtum baute Gruuthuse einen großen Palast, der mitten in Brügge steht, in dem sich heute das GruuthuseMuseum befindet, das am 25. Mai nach Renovierung wiedereröffnet wird.

ADRESSE Gruuthusemuseum Dijver 17C, 8000 Brügge www.visitbruges.be/de/gruuthusemuseum www.museabrugge.be


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Ann Veronica Janssens | Untitled (blue glitter), 2015 | blauwe glitter afmetingen variabel | Foto: Dirk Pauwels

Die Ausstellung ist ein Tribut an die Künstler und Künstlerinnen, an ihre künstlerische Kreativität und ihre Vision, ein Tribut an die Sammlung und den Ort, an dem sie gezeigt wird: das Museum. Es ist keine chronologische oder thematische Ausstellung, aber eine Ausstellung, die den Blick des Betrachters im Zeitalter neuer Medien als Ausgangspunkt nimmt. Zugleich ist sie eine Einladung, die Vielfalt künstlerischer Ausdrucksformen zu entdecken. So wird die Malerei von Francis Bacon nicht in einem historischen Zusammenhang gezeigt, sondern im Dialog mit Werken von Henrik Olesen, Thierry De Cordier, Javier Tellez und Kader Attia. Die Ausstellung befragt die Aktualität des Bildes, die Relevanz von Kunstwerken in Bezug auf die Gegenwart. Insofern kann die Ausstellung realistisch genannt werden: Es ist eine Ausstellung, die sich mit der Welt von heute auseinandersetzt und das Engagement der Kunst (und des Museums) befragt. Meisterwerke von Gerhard Richter und David Hockneystehen im Dialog mit Werken von Luc Tuymans, Chuck Close oder Karin Hanssen. Für die Besucher gibt es genügend Anknüpfungspunkte zu bekannten und berühmten Künstlern, aber auch die Möglichkeit, weniger bekannte oder vergessene Künstler zu entdecken.

Panamarenko Aeromodeller en Flying Wing

Adrian Ghenie | Selfportrait, 2009 | olieverf op doek | 200.3 x 160.1cm | Foto: Dirk Pauwels

GENT

20 Jahre S.M.A.K.

Die Museumsgeschichte des S.M.A.K. begann im benachbarten Museum für Schöne Künste (Museum voor Schoone Kunsten). Zum Anlass von 20 Jahre S.M.A.K. wird eine Zusammenarbeit in Form einer Präsentation von drei Kernarbeiten der Sammlung realisiert: Mit „Wirtschaftswerte“ von Joseph Beuys, „Aeromodeller“ von Panamarenko und „Le décor et son double“ von Daniel Buren werden drei Werke im Museum für Schöne Künste gezeigt, deren Entstehungsgeschichte eng mit dem Ort selbst verknüpft ist: Entweder wurden die Werke dort erstmals gezeigt oder in situ durch die Künstler realisiert. Mit dieser Kooperation wird zugleich deutlich gemacht, dass zeitgenössische Kunst sich immer ebenso zur Kunstgeschichte verhält, wie sie sich gegenüber der Zukunft organisiert.

Die Sammlung (1) Highlights for a future 16.3. – 29.9.2019

Das S.M.A.K. in Gent existiert nun seit 20 Jahren, und das soll mit einer großen Sammlungsausstellung gebührend gefeiert werden. Mit „Die Sammlung (1) | Highlights for a future“ wird zum ersten Mal seit 20 Jahren eine umfangreiche Auswahl aus der Sammlung des S.M.A.K. gezeigt: Eine Auswahl von 200 Werken von insgesamt 3000 Sammlungsbeständen wird mit dem Publikum geteilt. Und die Notwendigkeit, diese Sammlung zu zeigen, ist groß! Nicht nur ist wichtig zu betonen, dass das S.M.A.K. innerhalb Belgiens die wichtigste öffentliche Sammlung belgischer und

Korakrit Arunanondchai | Letters to Chantri #1: The lady at the door/The gift that keeps on giving (feat. boychild), 2014 | video en digitale projectie (kleur, geluid), mixed media | afmetingen variabel | Foto: Dirk Pauwels

internationaler Kunst besitzt, sondern, dass die Ausstellung auch die Dringlichkeit für einen Museumsneubau verdeutlich. Die Sammlung hat eine mehr als 60-jährige Geschichte. Der Ursprung des Museums liegt beim Freundeskreis (Vrienden v/h S.M.A.K.), der Mitte der 1950er-Jahre seine Sammlungsaktivitäten begonnen hat. Wichtige Werke von Künstlern wie u.a. Francis Bacon, Antonio Saura, Asger Jörn, Andy Warhol sind damals dank des Engagements von Genter Bürger und Bürgerinnen angekauft worden. Der Beginn der Sammlung liegt damit in der Nachkriegszeit. Von Anfang an hat die Sammlung sich international orientiert. Strömungen wie Cobra, Pop-Art, Konzept Kunst und Arte Povera sind ebenso vertreten wie Künstler wie z.B. Joseph Beuys, Panamarenko, Jim Dine und Marcel Broodthaers. Ab Mitte der 1970er-Jahre ist es der Museumsdirektor Jan Hoet, 1992 Leiter der Documenta in Kassel, der der Sammlung weitere Konturen gibt und mit Ausstellungen wie etwa „Chambresd’ Amis“ dem Museum als Ausstellungsort seine internationale Reputation gibt. 1999 wurde ein eigenständiges Musemsgebäude für das S.M.A.K. als S.M.A.K. eröffnet. „Die Sammlung (1) | Highlights for a future“ ist eine Entdeckungsreise durch die Sammlung des S.M.A.K und versteht sich als Labyrinth durch die Kunststile der letzten 60 Jahre.

Panamarenko, The aeromodeller, 1969 tot 1971, MSK Gent.

ADRESSE S.M.A.K Jan Hoetplein 1 9000 Gent www.smak.be Museum voor Schone Kunsten Gent (MSK) Fernand Scribedreef 1 9000 Gent www.mskgent.be

ÖFFNUNGSZEITEN Di – Fr 9.30 – 17.30 Uhr Wochenenden, Feiertage und belgische Schulferien: 10 – 18 Uhr Mo geschlossen EINTRITTSPREISE Einzelticket S.M.A.K. EUR 15 Combiticket S.M.A.K./MSK EUR 20

FÜHRUNGEN Informationen und Buchung Tel. +32 (0)9 210 10 75 www.visitgent.be


24 | Kunsttipps

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umso prekärer. Über Jahrzehnte arbeiteten die ausschließlich männlichen Entdecker und Verbreiter des Genres – Psychiater und Künstler – im Hinblick auf kreative Patientinnen geradezu mit Ausschlussverfahren. Die Ausstellung im Bank Austria Kunstforum Wien widmet sich erstmals umfassend Künstlerinnen der Art Brut in ihrer Vielfalt, ihrer Internationalität, ihrer historischen und gegenwärtigen Dimension. Denn wie überall gilt auch im Feld der Kunst: Nur was wahrgenommen werden kann, existiert. Bank Austria Kunstforum Wien www.kunstforumwien.at

Harald Sohlberg, Selbstbildnis, 1896. Privatsammlung Foto: Nasjonalmuseet Oslo/Jacques Lathion Mattiacci Percorso, 1969 Foto © Claudio Abate

Robert Delaunay Tour Eiffel / Eiffelturm / Eiffel Tower, 1926, Öl auf Leinwand, 170 x 104 cm Musée d‘Art moderne de la Ville de Paris Foto: Eric Emo / Parisienne de Photographie

regt, beginnen Picasso und Georges Braque die geschlossene Form der Bildgegenstände zu zerlegen und sie simultan aus verschiedenen Blickwinkeln darzustellen. Die mit 200 Leihgaben bislang umfänglichste Präsentation der Pariser Sammlung außerhalb der eigenen vier Wände entfaltet einen aufschlussreichen Gang durch die Kunstgeschichte der Moderne aus Pariser Sicht. Sie spiegelt zugleich die Identität des Musée d’Art moderne wider, dessen Sammlung sich auch durch große Schenkungen von Sammlern, Künstlern und Galeristen entwickelt hat. Kunsthalle Würth | kunst.wuerth.com

Vaduz (FL) Entrarenell’opera Prozesse und Aktionen in der Arte Povera 7.6. – 1.9.2019 Dynamische Veränderungen ergriffen in den 1960er- und 1970er-Jahren alle Teile der Gesellschaft. In Italien war die Verflechtung zwischen Kunst, Lebenskultur und revolutionärreformatorischen Bestrebungen besonders eng. Die Ausstellung „Entrarenell’opera. Prozesse und Aktionen in der Arte Povera“ beleuchtet umfangreich die performativen Ansätze, welche sich in der Kunst Italiens in diesem Zeitraum entwickelten. Kunstmuseum Liechtenstein www.kunstmuseum.li

Hermann Nitsch, Schüttbild, 2011, 2011, Acryl auf Jute © Hermann Nitsch | © VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Wien (A) Hermann Nitsch 17.5. – 11.8.2019

Als erstes Museum überhaupt widmet sich die ALBERTINA Hermann Nitschs Schüttbildern: Mal wird die Farbe flüssig, mal pastos aufgetragen, mal mit dem Pinsel, mal geschüttet oder gespritzt oder mit der bloßen Hand verschmiert. Die Schau zeigt die Entwicklung seines Werks von den frühen 1960er-Jahren bis heute und demonstriert auf beeindruckende Weise die Bedeutung des österreichischen Künstlers. Albertina | www.albertina.at

Wiesbaden Mittsommernacht Harald Sohlberg: Ein norwegischer Landschaftsmaler um 1900 12.7. – 27.10.2019 Das Museum Wiesbaden zeigt in enger Kooperation mit dem Nationalmuseum Oslo

anlässlich des 150. Geburtstags des norwegischen Künstlers Harald Sohlberg (1869 – 1935) die erste Retrospektive des Malers auf dem europäischen Festland. Sohlberg, der ein Zeitgenosse und Freund Edvard Munchs (1863 – 1944) war, hat mit seinem Hauptwerk „Winternacht in Rondane“, an dem er zwischen 1899 und 1914 über 15 Jahre arbeitete, ein Bild geschaffen, das die „Seele“ der Norweger noch heute im Kern berührt. Es wurde von den BürgerInnen in den 1990er-Jahren zum beliebtesten Gemälde des Landes gewählt. Diese Ikone der norwegischen Kunst, die seit der Erwerbung durch das Nationalmuseum im Jahr 1918 noch nie ausgeliehen war, in Wiesbaden zu präsentieren, ist außergewöhnlich. Die Ausstellung umfasst 80 Werke (davon 60 Gemälde) und bildet Sohlbergs Entwicklung repräsentativ ab, von seinen frühesten Arbeiten als 20-Jähriger bis zu seinem letzten Lebensjahr. Schirmherr der Ausstellung ist Ministerpräsident Volker Bouffier. Kunstmuseum Wiesbaden museum-wiesbaden.de

Aloïse Corbaz, Brevario Grimani, um 1950 (Ausschnitt), Buntstift auf Papier abcd / Bruno Decharme collection, Foto © César Decharme Albert Oehlen, Ohne Titel, 2018 © Albert Oehlen, Photo: Simon Vogel | © VG Bild-Kunst, Bonn 2019

St. Gallen (CH) Albert Oehlen UNFERTIG 6.7. – 10.11.2019 Das Trio Kippenberger/Büttner/Oehlen stand am Beginn einer Malerei, die sich als „badpainting“ genüsslich gegen modernistische Zwänge und eine neue Lust nach „wilden“ Bildern auflehnte. Die Ausstellung im Folkwang-Museum 1984, „Wahrheit ist Arbeit“, wurde zum Manifest, wobei Oehlen sich mehr für die Malerei interessierte, die ab da zum eigentlichen Thema seiner Arbeit wurde. Albert Oehlen (*1954 Krefeld) studierte in Hamburg bei Claus Böhmler und Sigmar Polke. Von 2000 bis 2009 hatte er eine Professur an der Kunstakademie Düsseldorf inne. Mit seiner Frau Esther Freund und seiner Tochter Maya lebt er seit 2002 in Gais. Er ist der Region dadurch eng verbunden – und dies ganz natürlich, parallel zu seiner globalen Ausstellungspraxis als einer der bedeutendsten Vertreter experimenteller Malerei. Kunstmuseum St. Gallen www.kunstmuseumsg.ch

Wien (A) Flying High: Künstlerinnen der Art Brut 15.2. – 23.6.2019 Der Diskurs über die Art Brut gewann in den letzten Jahren zusätzliche Dimensionen. Der Art-Brut-Begriff geht über den ausschließlichen Fokus von Arbeiten aus Psychiatrien hinaus und umfasst heute auch „mediumistische“ (von einem Geist geführte) Künstlerinnen und Künstler, sogenannte „Einzelgänger“ sowie Arbeiten von Künstlerinnen und Künstlern mit Behinderungen. Historische Schranken zwischen der Art Brut und der Hochkunst scheinen sich zusehends aufzulösen, ästhetische Kriterien gewinnen gegenüber dem diagnostischen Interesse und der „Exzentrizität“ der Autorinnen und Autoren an Relevanz und bislang Verborgenes, Abgeschobenes wird an die Oberfläche geschwemmt. Seit über einem Jahrzehnt schießen Art-Brut-Museen weltweit wie Pilze aus dem Boden. Darüber hinaus rückt Art Brut immer stärker in den Blickpunkt der internationalen Kunstöffentlichkeit. Eine Geschichte der Kunst von Frauen ist stets eng mit der Emanzipationsgeschichte verwoben und gestaltet sich im Falle der Art Brut

Vladimir Dubossarsky & Alexander, Vinogradov, Cosmonaut No. 1, 2006 | Öl auf Leinwand, 195 x 195 cm Courtesy Vladimir Dobrovolsky © Vladimir Dubossarsky and Estate of Alexander Vinogradov

Zürich (CH) Fly me to the Moon. 50 Jahre Mondlandung 5.4. – 30.6.2019

2019 jährt sich die Mondlandung zum 50. Mal. Wie nie zuvor hat ein Ereignis unser Verhältnis zur (Um-)Welt verändert: Der Blick von außen auf den Erdball hat ein neues Bewusstsein für die Fragilität unserer Existenz geschaffen, der Blaue Planet als „Raumschiff Erde“ ist zum Sinnbild des Lebens geworden. Die Ausstellung ist ein Streifzug durch die Geschichte künstlerischer Auseinandersetzung mit dem Mond von der Romantik bis in die Gegenwart. In zehn Kapiteln werden Themen wie Mondtopografie, Mondnacht und -schatten, Mondkrankheiten, Zero G und Medieninszenierung ins Visier genommen. Kunsthaus Zürich | www.kunsthaus.ch


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Kunsttipps | 25

KUNSTTIPPS INTERNATIONAL

Rembrandt van Rijn, The Wardens of the Amsterdam Drapers’ Guild, Known as ‘The Syndics’, 1662. On loan from the City of Amsterdam

Amsterdam (NL) 350 Jahre Rembrandt im Rijksmuseum bis 19.1.2020

Kunstszene der 1980er-Jahre, war ein Meister der Gegenkultur seiner Generation. Er wurde von Graffiti, Pop-Art und der Underground Club-Kultur inspiriert. Haring arbeitete mit gleichgesinnten Künstlern wie Andy Warhol und Jean-Michel Basquiat zusammen. Alle waren daran interessiert, Kunst für jedermann zu schaffen. Sie nutzten neben Galerien und Museen neue Medien und den öffentlichen Raum für ihre Kunst. Tate Liverpool www.tate.org.uk/visit/tate-liverpool

350 Jahre nach seinem Tod ehrt das Rijksmuseum  in  Amsterdam  Rembrandt mit großen Ausstellungen (Rembrandt bis 10.6.2019, Rembrandt-Velázquez  vom 11.10.2019 bis 19.1.2020). Es ist eine einmalige Chance, die größte Rembrandt-Sammlung zu sehen, die je in einer einzigen Ausstellung zu sehen war. Entdecken Sie im Themenjahr  „Rembrandt und das Goldene Zeitalter“, weshalb Rembrandt nach wie vor als einer der größten Künstler der Welt gilt. Rijksmuseum | www.rijksmuseum.nl/en

Pablo Picasso (1881-1973), Olga in Pensive Mood [Winter 1923] Pastel and pencil on paper, 105 x 74 cm Musée national Picasso-Paris © RMN-Grand Palais (Musée national Picasso-Paris)/Mathieu Rabeau| © Sucesión Pablo Picasso, © VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Malaga (ES) Olga Picasso 26.2. – 2.6.2019

Vincent van Gogh (1853 – 1890) Self-Portrait , 1889 Oil paint on canvas, National Gallery of Art, Collection of Mr. and Mrs. John Hay Whitney

London (GB) Van Gogh and Britain 27.3. – 11.8.2019

Constantin Hansen, Portrait of a Little Girl, Elise Købke, with a Cup in front of her, 1850. SMK. 

Copenhagen (DK) Danish Golden Age – World-class art between disasters. 24.8. – 8.12.2019 Mit der Ausstellung „Das goldene Zeitalter der dänischen Malerei“ präsentiert die Nationalgalerie Dänemarks die größte jemals gezeigte Ausstellung über das goldene Zeitalter der dänischen Kunst. In der Ausstellung können Besucher eine der beliebtesten Perioden der dänischen Malerei mit mehr als 200 Gemälden und Zeichnungen aus der Zeit von 1807 bis 1864 erkunden. Mehr als vierzig der größten Künstler dieser Zeit, wie etwa Christen Købke, C. W. Eckersberg, Elisabeth Jerichau-Baumann, Constantin Hansen, J.Th. Lundbye, Wilhelm Bendz, Wilhelm Marstrand, Martinus Rørbye und P.C. Skovgaard, werden neben weniger bekannten Künstlern präsentiert. SMK Statens Museum for Kunst | www.smk.dk/en

Tseng Kwong Chi, Keith Haring in subway car, (New York), circa 1983

Liverpool (UK) Keith Haring 14.6. – 10.11.2019 Keith Haring – ein unverwechselbarer Stil, der eine Ära bestimmt. Zum ersten Mal in Großbritannien ist dem Künstler und Aktivisten Keith Haring (1958 – 1990) eine eigene Ausstellung gewidmet. Besucher können über 85 Kunstwerke bestaunen, darunter große, lebhafte Gemälde, Zeichnungen und Skulpturen. Haring, Teil der legendären New Yorker

Milano Triennale | 2 Goat18 Thomas Thwaites | Foto: Tim Bowditch

Die Tate Britain zeigt 2019 eine große VanGogh-Ausstellung, die größte seit fast einem Jahrzehnt. Sie umfasst 45 Werke, die zeigen, wie Van Gogh von Großbritannien inspiriert wurde und wie er die britischen Künstler inspiriert hat. Dazu wurden einige seiner berühmtesten Werke aus der ganzen Welt zusammengetragen. Van Gogh lebte als junger Mann mehrere Jahre in England. Er ging alleine durch die Straßen und träumte von der Zukunft. Er verliebte sich in die britische Kultur, besonders die Romane von Charles Dickens und George Eliot hatten es ihm angetan. Und er war inspiriert von der Kunst, die er hier sah, darunter Gemälde von Constable und Millais, die in der Ausstellung gezeigt werden. Sie beeinflussten seine Bilder im Laufe seiner Karriere. Die Ausstellung zeigt auch die britischen Künstler, die von Van Gogh inspiriert wurden, darunter Francis Bacon, David Bomberg und die jungen Maler der Camden Town. Tate Britain | www.tate.org.uk

Das Museo Picasso Málaga wird das Leben und die Geschichte von Olga Khokhlova, Pablo Picassos erster Frau, in einer Ausstellung untersuchen und erzählen. Olga Picasso betrachtet die gemeinsamen Jahre, in denen sie der Entstehung einiger der größten Werke Picassos beiwohnte, und rekonstruiert dieses Werk im Kontext ihrer persönlichen Geschichte, die sich neben einer anderen politischen und sozialen Geschichte entwickelt. Als Modell Picassos par excellence, als imaginierte Figur Olga durchlebte sie in den Jahren des europäischen Umbruchs zwischen den Kriegen eine Metamorphose, in der sich ihre Beziehung allmählich verschlechterte. Gezeigt werden rund 350 Werke, darunter Gemälde, Papierarbeiten, Dokumente, Briefe, Fotografien und Filme. Museo Picasso Málaga www.museopicassomalaga.org/en/

Milano (I) XXII Triennale International  Broken Nature: Design Takes on Human Survival 1.3. – 1.9.2019 Die XXII Triennale in Mailand trägt in diesem Jahr den Titel „Broken Nature“. Sie nimmt das Überleben des Menschen in den Blick und untersucht den Zustand der Stränge, die den Menschen mit der natürlichen Umgebung verbinden, von denen einige in der jüngeren Geschichte gefährdet – wenn auch nicht völlig durchtrennt – waren. Das Kuratorium der XXII. Triennale wurde Paola Antonelli, leitende Kuratorin für Architektur und Design und Direktorin für Forschung und Entwicklung

am Museum of Modern Art, übertragen. Die Internationale Ausstellung ist ein wichtiges Forum, um sich damit auseinanderzusetzen, wie sich das Design verändert, wie es in jeden Aspekt unseres Lebens hineinreicht und wie es zur Entwicklung der heutigen Gesellschaft beiträgt. Die XXII Triennale wird Projekte präsentieren – von Objekten bis zu Gebäuden und von Schnittstellen bis zu Infrastrukturen und Städten, auf allen Ebenen, vom Kosmos bis zum Mikrobiom und in allen Dimensionen, die auf plausible und konkrete Wege für restaurative Design-Aktionen in diesem ehrgeizigen Unterfangen hindeuten. www.brokennature.org www.triennale.org

Rujeko Hockley (left) and Jane Panetta (right). Photograph © Scott Rudd.

New York (USA) Whitney Biennial 17.5. – 22.9.2019

Die Whitney Biennale ist eine unverzichtbare Veranstaltung für alle, die wissen wollen, was heute in der Kunst geschieht. Im vergangenen Jahr haben die Kuratoren Künstler und alternative Kunsträume in den Vereinigten Staaten besucht, auf der Suche nach den wichtigsten, aufregendsten und relevantesten Arbeiten der Gegenwart. Die Whitney Biennale nimmt den Puls der amerikanischen Kultur und Kreativität auf und zeigt den aktuellen Stand der zeitgenössischen Kunst in den USA. Die Whitney Biennale 2019 wird von Jane Panetta, Associate Curator, und Rujeko Hockley, Assistant Curator, organisiert. Whitney Museum of American Art www.whitney.org weiter auf Seite 29

Humlebaek (DK) Pipilotti Rist 1.3.2019 - 23.6.2019 Dieser Frühling beginnt im Louisiana mit einer Explosion von Farben, eindringlichen Bildern und sinnlichen Traumlandschaften. Mit der ersten großen Präsentation der Schweizer Künstlerin Pipilotti Rist in Dänemark präsentiert die Ausstellung im Südflügel des Museums die Arbeit einer der auffälligsten Forscherinnen der visuellen Kunst in bewegten Bildern. Seit Mitte der 1980er-Jahre hat Pipilotti Rist (*1962) die Potenziale, Regeln, Konventionen und Grenzen einer sich ständig weiterentwickelnden Palette von Videotechnologien neu erforscht, herausgefordert und zum Explodieren gebracht. Video ist in ihren Arbeiten nicht nur Video, sondern auch Malerei und Raum. Rists Arbeit ist High-Tech und sinnlich zugleich, strahlend bunt und kritisch, schwerelos und körperbetont. Die Kamera ist Pinsel, Auge und Tastsinn, und die Verschmelzung wichtiger Themen dreht sich um Körper, Technologie, Sinne und Sinnliches, Geschlecht, Natur, Innen- und Außen-

Pipilotti Rist, Open My Glade

raum, unsere Anordnung und das Sein in der Welt. Die Ausstellung umfasst das gesamte Schaffen der Künstlerin – von frühen Arbeiten im TV-Format bis zu großen räumlichen

Video- und Audioinstallationen mit Projektionen an Decken, Wänden und Böden. Louisiana – Museum of Modern Art www.louisiana.dk/en


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BAUHAUS

© Stiftung Bauhaus Dessau / Foto: Wächter, Nathalie

University of Ife in Ile-Ife, Nigeria Architekten: Arieh Sharon, Eldar Sharon und Harlod Rubin’ © Arieh Sharon digital archiv

Berlin bauhausimaginista 15.3. – 10.6.2019 Alle lokal entwickelten Ausstellungen werden in Berlin im Bauhaus-Jubiläumsjahr 2019 zusammengeführt, erweitert und in einer großen Gesamtschau (gemeinsam mit dem vierten Ausstellungskapitel „Still Undead“) im Haus der Kulturen der Welt (HKW) gezeigt. Haus der Kulturen der Welt | hkw.de

und interessierte Besucher*innen die Möglichkeit haben, sich im öffentlichen Raum mit dem Thema partizipativ auseinanderzusetzen – sei es beim Mittagessen, beim Blick ins Schaufenster oder beim Sport. In der ganzen Stadt setzen sich Satelliten der bauhauswocheberlin 2019 mit der Schule und ihrem Wirken auseinander. In Architektur- und Designbüros, Druckwerkstätten, Museen und bei Typografen ermöglicht die Reihe Bauhaus – Praxis – Gegenwart  den Besucher*innen, u.a. mit Vorträgen und Workshops Einblicke in die Arbeitsweisen von Menschen, die sich heute mit dem Bauhaus befassen.  Das Bauhaus diskutierte und hinterfragte auch den alltäglichen  Tagesablauf. Die  bauhauswocheberlin 2019  ermöglicht, den gesamten Tag im Geiste des Bauhauses zu verbringen nach dem Motto „Handwerk trifft Kunst“: So kann am frühen Morgen mit Gymnastik- oder Yogaeinheiten auf einem Dach der Moderne beschwingt in den Bauhaustag geturnt werden, um so körperliche Betätigung mit geistigen Architekturbetrachtungen zu kombinieren. Mittags ermöglichen ausgewählte Restaurants rund um die Kant- und Potsdamer Straße mit eigens kreierten Menüs eine weitere Begegnung mit dem Bauhaus, der Abend im Festivalzentrum rundet den Bauhaustag dann intellektuell harmonisch ab. www.kulturprojekte.berlin

Foto © Kulturforum Berlin

Berlin / Apolda tracking talents 7.6. – 4.8.2019 Berlin 15.9. – 29.12.2019 Apolda Das Projekt „tracking talents“ will für die Utopie des Bauhauses von „neuer“ Bildung und „neuen“ Produktionsprozessen ein Update entwickeln in Zusammenarbeit mit digitalen und traditionellen Handwerker*innen aus dem Weimarer Land, wo das Bauhaus entstand. Die Ausstellung „tracking talents“ thematisiert Mode als Designprozess und gibt Einblicke in die vielfältigen Schritte des modischen Gestaltens: Von der Ideenfindung zur Anfertigung über die Auseinandersetzung mit Materialitäten und textilen Techniken bis hin zur Präsentation auf dem Laufsteg oder im Fotoshooting. Inspiriert vom Bauhaus als soziale Utopie stellen sich die beteiligten jungen Modedesigner*innen der Aufgabe, durch ihre Arbeiten gesellschaftliche Entwicklungen mitzugestalten. So suchen sie in der Tradition des Bauhauses nach wegweisenden Impulsen, um Modedesign weiter zu denken und dabei ihr individuelles Talent in der Ausarbeitung einer gemeinsamen, ressourcenschonenden und zukunftsfähigen Vorstellung von Mode einzusetzen. Kulturforum Berlin www.kulturforum-berlin.de GlockenStadtMuseum Apolda www.glockenmuseum-apolda.de

Berlin Bauhauswoche Berlin 2019 31.8. – 8.9.2019 Gerahmt von der Langen Nacht der Museen am 31. August und dem Tag des offenen Denkmals am 8. September 2019 trägt das Festival bauhauswocheberlin 2019  die Ideen des Bauhauses in die Stadt. Umsonst und draußen sollen Bauhaus-Liebhaber*innen

Sitzende mit Bühnenmaske von Oskar Schlemmer im Stahlrohrsessel von Marcel Breuer, um 1926. Foto: Erich Consemüller, Bauhaus-Archiv Berlin / © Dr. Stephan Consemüller

Berlin original bauhaus Die Jubiläumsausstellung des Bauhaus-Archiv/Museum für Gestaltung in Kooperation mit der Berlinischen Galerie 6.9.2019 – 27.1.2020 Seit 100 Jahren werden Bauhaus-Ideen und Mythen weitergetragen. Die große Jubiläumsausstellung des Bauhaus-Archivs zeigt Berühmtes, Bekanntes, Vergessenes, Wiedergefundenes aus dem Bauhaus-Archiv und besondere Leihgaben aus internationalen Sammlungen. Was ist typisch Bauhaus? Wagenfeld-Leuchte, Breuer-Sessel oder Marianne Brandts Teeservice sind heute Markenzeichen der berühmten Hochschule für Gestaltung. Doch viele der Objekte, die als „original Bauhaus“ gelten, wurden erst nach dessen Schließung zu Ikonen. Das Bauhaus bestand in Deutschland nur 14 Jahre, seine Ideen werden jedoch seit 100 Jahren weitergetragen, seine Produkte neu aufgelegt, imitiert oder weiterentwickelt. Anlässlich des 100. Gründungsjubiläums des Bauhauses zeigt die Ausstellung des Bauhaus-Archiv/Museum für Gestaltung in der Berlinischen Galerie bekannte und vergessene Bauhaus-Originale und erzählt die Geschichte hinter den Objekten. 14 Jahren Bauhaus-Produktion stehen heute fast 100 Jahre Bauhaus-Rezeption gegenüber: Reproduktionen, Re-Editionen und Remakes haben das Bauhaus zur einflussreichsten Schule für Architektur, Design und Kunst im 20. Jahrhundert gemacht, sodass wir heute fragen: Bauhaus oder bauhausy? Berlinische Galerie | www.berlinischegalerie.de

Dessau-Roßlau Festival Architektur RADIKAL Internationales Themenfestival 31.5. – 2.6.2019 Im Jubiläumsjahr interpretieren drei internationale Themenfestivals das historische Erbe zeitgenössisch. Im Fokus eines jeden Festivals steht die künstlerisch-wissenschaftliche Auseinandersetzung, übersetzt in Programmformate, die Besucher einladen, das Bauhaus als Experimentierfeld zu entdecken. Das Festival Architektur RADIKAL hat sich bewusst das Historische Arbeitsamt von Walter Gropius als Ort ausgesucht. Dieser bis heute nur wenig beachtete Bauhausbau ist ein Prototyp für das Architekturverständnis der Bauhäusler und ein Ausdruck gesellschaftlicher Veränderung. Das Festival bezieht sich auf diesen Willen zur Erneuerung, auf die (scheinbar) kompromisslose Verwirklichung großer Ideen. Nicht alles klappte, aber es wurde ausprobiert: wagemutig, konsequent, visionär und streitbar. Amt für öffentliche Sicherheit und Ordnung www.bauhaus-dessau.de

Essen „Try again. Fail again. Fail better – IMPULS BAUHAUS“ Das Festival der Folkwang Universität der Künste 12.4.2019 – 15.2.2020

Margaret Camilla Leiteritz, Kreuzung am linken Rand, 1966

Exakt so lassen sich viele Werke der Konkreten Kunst beschreiben. Dieser Parallele zwischen Infografik und Kunst geht das Museum für Konkrete Kunst (MKK) nach und spürt dabei auf, dass der Eindruck einer Ähnlichkeit nicht auf einem diffusen Gefühl beruht. Mit dem Titel der Ausstellung nimmt sich das MKK dem Begriff einer Bauhaus-Schülerin an: Margaret Camilla Leiteritz ließ auf der Basis von Grafiken der Naturwissenschaften ihre „Gemalten Diagramme“ entstehen. Museum für Konkrete Kunst www.mkk-ingolstadt.de

Kein künstlerischer  und gestalterischer  Impuls  dürfte  global bedeutender und erfolgreicher sein als der  des Bauhauses, das vor 100 Jahren in Weimar gegründet wurde. Das Bauhaus gilt als Modell der Moderne und Versuch der Künste, Takt- und Formgeber von technischen und sozialen Umwälzungen zu sein und diese ästhetisch zu formulieren. Beobachten wir nicht angesichts der digitalen Umwälzungen und unserer globalisierten Lebensverhältnisse ähnliche Fragestellungen und Herausforderungen wie damals? Setzt sich die Moderne nicht rasant fort und nimmt erneut Anlauf in einer Moderne 4.0? Reflektieren wir nicht heute wieder die Archetypen des Bauhauses, indem wir ähnliche Fragen wie vor 100 Jahren stellen? Kurz: Wie viel Bauhaus steckt noch heute im künstlerischen Schaffen und Selbstverständnis? Ist die Gestaltung unserer Zukunft ohne den IMPULS BAUHAUS denkbar? Mit aktuellen künstlerischen Diskursen werden vier zentrale Gestaltungsbegriffe des Bauhauses neu thematisiert. Licht, Körper, Funktionalität und Raum gehören bis heute zu den Grundbedingungen und Leitmotiven aktueller Kunst und Gestaltung. UNESCO-Welterbe Zollverein | www.zollverein.de www.folkwang-uni.de

München Reflex Bauhaus 40 objects – 5 conversations 31.1. – 31.12.2019

Ingolstadt Gemalte Diagramme. Bauhaus, Kunst und Infografik 31.3. – 29.9.2019

Stuttgart Weissenhof City Von Geschichte und Gegenwart der Zukunft einer Stadt 7.6. – 20.10.2019

Die Ausstellung „Gemalte Diagramme. Bauhaus, Kunst und Infografik“ legt offen, dass bis heute eine erstaunliche Wechselwirkung zwischen Infografik und Kunst besteht, deren Anfänge im Bauhaus und seinem Umfeld zu finden sind. Ob Organisationspläne im Büro, Fieberkurven im Krankenhaus oder Wahlergebnisse im Fernsehen – Diagramme sind omnipräsent. Sie umgeben uns im Alltag und prägen unsere visuelle Erfahrung. Keine Zeitung oder Nachrichtensendung, die ohne diese Form des Infotainments auskäme. Wer etwas erklären oder von etwas überzeugen will, der versucht, Zahlen verpackt in Bildern zu liefern. Diagramme sind Bilder, die statistische Größen und Größenbeziehungen vermitteln möchten; Bilder mit hohem Grad an Abstraktion, erzeugt mit minimalen Mitteln.

Anlässlich des 100-jährigen Geburtstags des Bauhauses entsteht in Kooperation mit dem Künstler Tilo Schulz eine zwölfmonatige Ausstellung, die 40 historische Objekte der Neuen Sammlung und fünf zeitgenössische Rezeptionen miteinander verschränkt. Die Neue Sammlung zeigt anlässlich des 100-jährigen Geburtstags des Bauhauses eine Ausstellung, die die gegenwärtige Bedeutung der Reformschule Alma Buscher (Siedhoff-Buscher), Wurfpuppen, 1924, | Bauhaus bespricht. Weimar. Foto: Die Neue SammGleichzeitig nutzt lung – The Design Museum (A. Laurenzo) die Neue Sammlung die Gelegenheit, auf die eigene historische Verbundenheit mit dem Bauhaus hinzuweisen, die gleich nach der Museumsgründung 1925 entstand. Neue Sammlung | www.dnstdm.de

Zum 100-jährigen Gründungsjubiläum des Bauhauses begeben sich internationale Künstlerinnen und Künstler in Zusammenarbeit mit der Staatsgalerie Stuttgart auf die Suche nach Spuren des vorausschauenden Bauhauses. Der Prozess der Moderne und mit ihr des Bauhauses hat sich über viele Veränderungen und Orte vollzogen. Kartiert man das Bauhaus und sein globales Netzwerk, so gehört Stuttgart zu den Orten, die ihm bedeutende Impulse gegeben haben und selbst durch es beeinflusst sind. Internationale Künstlerinnen und Künstler begeben sich in Zusammenarbeit mit der Staatsgalerie auf die Suche nach Spuren des vorausschauenden weiter auf Seite 28


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Bauhaus | Stuttgart  |  27 INFORMATIONEN WEISSENHOFMUSEUM IM HAUS LE CORBUSIER ADRESSE Weissenhofmuseum im Haus Le Corbusier Rathenaustraße 1 70191 Stuttgart Tel.: +49 (0)711-2579187 info@weissenhofmuseum.de www.weissenhofmuseum.de ÖFFNUNGSZEITEN: Di – Fr: 11 – 18 Uhr Sa, So, feiertags: 10 – 18 Uhr Mo geschlossen EINTRITTSPREISE Normalpreis EUR 5 Ermäßigt EUR 2 Inhaber Museums Pass frei FÜHRUNGEN Offene Führungen: Di – Sa: 15 Uhr So und Feiertag: 11 und 15 Uhr Buchung von Führungen und Anmeldung von Gruppen: Tel.: +49 (0)711-2579187 info@weissenhofmuseum.de Sprachen: deutsch, englisch, französisch, italienisch, spanisch Möglich sind: Kleine Führung Große Führung Weissenhof Maxi Weissenhof + Kochenhof Wohnen im Le Corbusier Haus Kinderführungen

© gonzález-weissenhofmuseum | Weissenhofmuseum im Haus Le Corbusier | F.L.C. / © VG Bild-Kunst, Bonn 2019

KATALOG Zur Ausstellung ist ein Katalog im Museumsshop erhältlich, Preis: 24,80 €

STUTTGART

Weissenhofsiedlung

1927 mit dabei: Mies van der Rohe, Le Corbusier, Walter Gropius… 1927 gelingt in Stuttgart ein wahrer Paukenschlag. Unter dem Titel „Die Wohnung“ zeigt der Deutsche Werkbund neueste Wohnideen in einer Ausstellung. Zu sehen ist vor allem eine Mustersiedlung am Stuttgarter Killesberg mit 21 kubischen Flachdachhäusern mit modernsten Einrichtungen: die Weissenhofsiedlung. Bis heute ist sie, zusammen mit dem Bauhaus in Dessau, das bekannteste Bauensemble der Moderne weltweit. Der künstlerische Ausstellungsleiter Ludwig Mies van der Rohe holt für die Schau 17 der berühmtesten Avantgarde-Architekten nach Stuttgart. Dabei durften weder der Bauhausleiter Walter Gropius noch der Stararchitekt Le Corbusier aus Paris fehlen. Weitere Planer kommen aus Holland, Belgien, Österreich und ganz Deutschland. Im Krieg und in der Nachkriegszeit gehen zehn Häuser in der Siedlung verloren, die erhaltenen Gebäude sind bis heute privat bewohnt. Ein Haus jedoch, und gerade das außergewöhnlichste, kann als Museum besichtigt werden: Das Doppelhaus von Le Corbusier. Es eröffnet 2006 als Museum, so dass nun seit 1927 erstmals wieder ein Ori-

ginalhaus für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Hier ist der Aufbruch in die Moderne deutlich spürbar. Die Besucher erleben einen Ort, der authentisch die Veränderungen nach dem Ersten Weltkrieg wiederspiegelt, seien sie sozialer oder technischer Art. Das Museum zeigt in der linken Doppelhaushälfte eine Ausstellung und dokumentiert die Entstehung und die Geschichte der Weissenhofsiedlung mit zahlreichen Objekten. Dazu gehört auch ein großes Modell der Siedlung sowie weiterführende Informationen über die beteiligten Architekten. Der rechte Gebäudeteil vermittelt die gestalterischen Ideen von Le Corbusier. Sie waren damals so radikal neuartig und ungewöhnlich, dass sein Haus die Besucher in Massen anzog und es als der extravaganteste Bau der Siedlung galt. Le Corbusiers großen Wohnraum kann man beispielsweise nachts durch Schiebewände in Schlafkabinen unterteilen und die Betten aus den Schränken herausziehen. Tagsüber schiebt man die Betten zurück und der Schlafbereich wird wieder zu einem großen Wohnzimmer. Die Räume verbindet ein lediglich 60 cm breiter Flur, was dem Gang

eines Eisenbahn-Schlafwagens entspricht. Man stelle sich also vor, Le Corbusier baut sein Doppelhaus tatsächlich nach dem Vorbild eines Reisezuges, er sieht sein Wohnhaus als eine Kombination aus einem Schlafwagen und einem Salonwagen an! Durch die besondere Möblierung und Farbigkeit des Doppelhauses erleben die Museumsbesucher einen

weiteren spannenden Einblick in Le Corbusiers Schaffen. Seit 2016 gehört das Doppelhaus zusammen mit dem benachbarten Einfamilienhaus und zahlreichen anderen Bauten Le Corbusiers weltweit zum UNESCO Welterbe.

© gonzález-weissenhofmuseum | Transformabler Wohnraum im Doppelhaus Le Corbusier | F.L.C. / © VG Bild-Kunst, Bonn 2019

© Freunde der Weissenhofsiedlung e.V. | Weissenhofsiedlung 1927 | F.L.C. / © VG Bild-Kunst, Bonn 2019


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JOHN | arttourist.com 1|2019 Fortsetzung von Seite 26

BAUHAUS MUSEEN und die Sammlung Ludewig bieten einen hervorragenden thematischen Überblick über die Entwicklung der einflussreichsten Design- und Kunstschule des 20. Jahrhunderts. Neben Designikonen und bislang nicht gezeigten Zeitdokumenten stehen die großen Fragestellungen, Utopien und Experimente zur Lebensgestaltung des frühen Bauhauses und der zwanziger Jahre im Mittelpunkt der Ausstellung „Das Bauhaus kommt aus Weimar“. Unter dem Leitgedanken „Wie wollen wir zusammen leben?“ wird auf viele Überlegungen Bezug genommen, die bis heute für die Menschen relevant sind. So entsteht ein neuer Ort der Begegnung, Offenheit und Diskussion. Bauhaus-Museum Weimar | www.bauhausmuseumweimar.de

bauhaus museum weimar, Südostansicht mit Parkterrasse, Visualisierung: bloomimages GmbH

Weimar Eröffnungswochenende/Festival Bauhaus-Museum Weimar und Neues Museum Weimar 6. – 7.4.2019 Ein Jubiläum – ein Neubau – zwei neue Ausstellungen: Am 6. und 7. April 2019 feiert die Klassik Stiftung Weimar die Eröffnung des Bauhaus-Museums Weimar und die Wiedereröffnung des Neuen Museums Weimar. Anlässlich des 100-jährigen Gründungsjubiläums des Bauhauses eröffnet die Klassik Stiftung Weimar das neue Bauhaus-Museum mit der Ausstellung „Das Bauhaus kommt aus Weimar“ sowie die neue Ausstellung Erich Consemüller, Oskar Schlemmer/ „Van de Velde, Nietzsche und die Bühnenwerkstatt, Stadien dramatiGestik, Werner Siedhoff, 1927, © Moderne um 1900“ im Neuen Muse- scher Stephan Consemüller, Klassik Stiftung Weimar, mit freundlicher Genehmium am Gründungsort der legendären gung von Wulf Herzogenrath Hochschule für Gestaltung. Bei freiem Eintritt in die Museen und vielfältigen Veranstaltungsund Mitmachaktionen darf gefeiert, gestaltet und getanzt werden. Ein Open-Air-Bühnenprogramm, ein Bauhaus-Basar mit Kulinarik und Design sowie Licht- und Klangshows machen das neue Quartier Weimarer Moderne zum ersten Mal als Ganzes erlebbar. www.bauhausmuseumweimar.de

Parkterrasse des bauhaus museums weimar, Visualisierung: Heike Hanada, laboratory of art and architecture

Das Bauhaus kommt aus Weimar 6.4.2019 – 1.4.2024 Das Bauhaus-Museum Weimar wird in zeitgenössischer Architektur und mit innovativer Ausstellungsgestaltung die Schätze der weltweit ältesten Bauhaus-Kollektion erstmals umfassend inszenieren. Die von Walter Gropius bereits 1925 angelegte Sammlung von 168 Werkstattarbeiten ist mittlerweile auf 13.000 Objekte angewachsen. Dazu zählen Objekte wie die berühmte Tischlampe von Wilhelm Wagenfeld und Carl Jakob Jucker, die Teekanne von Marianne Brandt, der Lattenstuhl von Marcel Breuer, Keramiken von Theodor Bogler und Teppiche von Gunta Stölzl und Gertrud Arndt ebenso wie Arbeiten von Paul Klee, Peter Keler und László Moholy-Nagy. Eindrucksvolle Gemälde wie Lyonel Feiningers „Kirche von Gelmeroda XI“ und Paul Klees „Wasserpark im Herbst“, Erich Consemüller, Bühnenklasse, Kostüme Oskar Schlemmer, Treppenwitz, auf dem Dach des Atelierhauses/ herausragende Möbel Bauhausgebäude Dessau, 1927, © Stephan Consemüller, Klassik Stiftung Weimar, mit freundlicher Genehmigung von Mies van der Rohe von Wulf Herzogenrath

Dani Gal, White City, 2018, HD-Video, Farbe, Ton, Colour HD video, sound, 25‘, Still, Courtesy: Dani Gal, Galerie Kadel Willborn, Düsseldorf, Kamera: Itay Marom

Bauhauses und seiner imaginierten Zukunft, die unsere Gegenwart heute ist. In und von Stuttgart aus setzen sie sich mit dem Bauhaus-Kosmos – mit dessen Protagonistinnen und Protagonisten und das Bauhaus reflektierenden Reformerinnen und Reformern, Orten und Bauten, Archiven und Dokumenten, Geschichte(n) und Mythen – auseinander. Zentral ist die Frage, wie wir den utopischen Überschuss des Bauhauses und Universalismus der Moderne – wie sie in ihren Auswirkungen auch in Stuttgart manifest sind – für unsere Gegenwart neu denken können. Staatsgalerie | www.staatsgalerie.de

Triennale der Moderne Weimar · Dessau · Berlin 26.9. – 13.10.2019 26.9. – 29.9.2019 in Weimar 4.10. – 6.10.2019 in Dessau 11.10. – 13.10.2019 in Berlin Bauhausgebäude Dessau, Walter Gropius (1925–26), Westseite Tadashi Okochi © Pen Magazine, 2010, Stiftung Bauhaus Dessau | © VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Dessau-Roßlau Eröffnung des Bauhaus Museums Dessau 8.9.2019

Die Eröffnung des Bauhaus Museums Dessau am 8. September 2019 ist einer der Höhepunkte des Jubiläumsjahres. Das neue Bauhaus Museum des jungen spanischen Architektenteams Addenda Architects (ehemals Gonzàlez Hinz Zabala) in der Dessauer Innenstadt bietet erstmals die Möglichkeit, die Sammlung der Stiftung Bauhaus Dessau umfassend zu präsentieren. Zugleich wird das Museum als eigenständiger, zeitgenössischer Ort die Bauhausbauten in Dessau verbinden. In der Black Box  im Obergeschoss erwartet die Besucher auf 1.500 Quadratmetern die Ausstellung mit dem Titel  „Versuchsstätte Bauhaus. Die Sammlung“.  Architekturen, Möbel, Leuchten,  Textilien, Tapeten oder Schrifttypen – in Dessau entstand in den 1920er-Jahren die für uns heute selbstverständlich gewordene Alltagskultur der Moderne. Die Bauhäusler suchten  nach dem Ersten Weltkrieg an der Hochschule für Gestaltung Ansätze, um das Leben neu Bauhausgebäude Dessau, Walter Gropius (1925– und modern zu formen und zu 26), Südseite | Tadashi Okochi © Pen Magazine, gestalten. „Versuchsstätte Bau2010, Stiftung Bauhaus Dessau © VG Bild-Kunst, Bonn 2019 haus. Die Sammlung“  erzählt vom Lernen und Lehren, dem freien Entwerfen und der Entwicklung industrieller Prototypen, dem künstlerischen Experiment und dem Umgang mit dem Markt. Das Erdgeschoss wird zur offenen Bühne. Es wird mit zeitaktuellen künstlerischen Positionen und Veranstaltungen bespielt und lädt mit seiner transparenten Architektur Besucher, Passanten und Bürger unmittelbar ins Bauhaus Museum Dessau ein. Bauhaus Museum Dessau | www.bauhaus-dessau.de

Festival Bühne TOTAL Internationales Themenfestival 11. – 15.9.2019 Im Jubiläumsjahr interpretieren drei internationale Themenfestivals das historische Erbe zeitgenössisch. Im Fokus eines jeden Festivals steht die künstlerisch-wissenschaftliche Auseinandersetzung, übersetzt in Programmformate, die Besucher einladen, das Bauhaus als Experimentierfeld zu entdecken. Ausgehend von der historischen Bauhausbühne bezieht das Festival erstmals das Bauhaus Museum Dessau als Spielort mit ein und kooperiert für die Uraufführung der Farboper „Violett“ von Kandinsky mit dem Anhaltischen Theater, das als Ort zwischen dem Bauhausgebäude und dem Museum liegt. Alle Bühnenexperimente am Bauhaus setzten sich vom tradierten, literarischen Theater ab. Sie waren geprägt vom Willen, das Tempo und die Technisierung moderner Großstädte, die Erlebnisintensität der populären Unterhaltung wie Kino und Vergnügungspark, darstellerisch zu verarbeiten. Bauhaus Museum Dessau | www.bauhaus-dessau.de

Alle drei Jahre rückt mit der Triennale die Architektur der Moderne in den Fokus der Öffentlichkeit. Ausgangspunkt sind die UNESCO-Welterbestätten in Berlin, Dessau und Weimar. Unter dem Thema Material und Architektur wird 2019 in Dessau die Ausstellung „Transferumbau white city center“ aus Tel Aviv zu sehen sein, die von der Architektur und ihren Materialien in der weltberühmten Weißen Stadt erzählt. Zeitgleich eröffnet die neue Dauerausstellung des Bauforschungsarchives der Stiftung Bauhaus Dessau. Abgerundet wird das Programm des Wochenendes im Oktober mit Touren zur Architektur der Moderne in Dessau. Denn, abseits der Bauhausbauten, ist in der Stadt weit mehr zur Moderne zu entdecken. Programm ab Mai unter www.triennale-der-moderne.de

Glaskathedrale © Erich Spahn

Amberg/Selb 100 JAHRE BAUHAUS – NETZWERK SELB/AMBERG „Selb & Amberg feiern 100 Jahre Bauhaus!“ Neun Institutionen in den bayerischen Städten Selb und Amberg haben sich zusammengeschlossen, um ihre Aktivitäten im Bauhausjahr 2019 – darunter Ausstellungen, Projekte, Zeitzeugengespräche, Konzerte und weitere Aktionen – gemeinsam zu präsentieren. Das Porzellanikon – Staatliches Museum für Porzellan, Hohenberg an der Eger/Selb – ist organisatorisches Zentrum dieser Aktivitäten. Weitere Partner sind die Stadt Amberg, das Stadtmuseum Amberg, der Kunstverein Hochfranken Selb e.V., Rosenthal, die Stadt Selb, das Rosenthal-Theater Selb, die Selb 2023 gGmbH, die Staatliche Fachschule für Produktdesign und das Walter-Gropius-Gymnasium Selb. Walter Gropius, der legendäre Bauhausbegründer, hat die Städte Selb und Amberg maßgeblich geprägt. In Amberg entwarf Gropius die „Glaskathedrale“ für das Unternehmen Rosenthal. In Selb gestaltete Gropius die „Rosenthal Porzellanfabrik“, das Teeservice „TAC“ und entwarf einen Entwicklungsplan für die Stadt.  www.selbamberg.de


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Kunsttipps | 29

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Ayse Erkmen, Glass Works (2015). Cadhame_Halle verriére de Meisenthal. Photographs by Valery Klein

Yorkshire (UK) Yorkshire Sculpture International 100 Tage – 4 Museen – 2 Städte – 1 Festival

22.6. – 29.9.2019 Berthe Morisot (1841-1895) , Le Berceau, 1872, Huile sur toile, 71,5 x 54 cm | Paris, musée d’Orsay | Photo © Musée d’Orsay, Dist. RMN-Grand Palais / Patrice Schmidt

Paris (F) Calder-Picasso 19.2. – 25.8.2019 Alexander Calder (1898 – 1976) und Pablo Picasso (1881 – 1973) haben die Wahrnehmung verändert. Die Ausstellung konzentriert sich auf konkrete Spuren ihrer Beziehung – ihre gemeinsamen Punkte, ihre Begegnungen, ihre künstlerische Zusammenarbeit und die koordinierte Präsentation ihrer Werke. Diese Elemente werden der Ausstellung zugrunde liegen, da sie objektive und metaphorische Interpretationen der Werke beider Künstler durch die Matrix der Leere suggeriert. Die Ausstellung umfasst rund 150 Werke, die thematisch strukturiert sind und im Thema Leere einen roten Faden haben. Dabei werden einige formale und konzeptuelle Spannungen zwischen den beiden bedeutenden Künstlern des 20. Jahrhunderts deutlich. Musée Picasso | www.museepicassoparis.fr

ten Künstlerinnen der Gruppe anerkannt. Die Ausstellung zeichnet die außergewöhnliche Karriere Berthe Morisots nach, die im Gegensatz zu den Praktiken ihrer Zeit und ihres Kreises eine Schlüsselfigur der Pariser Avantgardebewegung in den späten 1860er-Jahren bis zu ihrem frühen Tod 1895 wurde. Musée d’Orsay | www.musee-orsay.fr/de

Frei und offen für alle zeigt Yorkshire Sculpture International Skulpturen in all ihren Formen. Von neuen Arbeiten internationaler Künstler bis zu Skulpturen aus erstklassigen Sammlungen. Das Festival findet mit Ausstellungen und Veranstaltungen in den Galerien des Henry Moore

Wolfgang Laib, Unlimited Ocean, School of the Art Institute of Chicago (SAIC), 25 October – 23 December 2011. Photography James Prinz. Ima

Institute, der Leeds Art Gallery, des Hepworth Wakefield und des Yorkshire Sculpture Park statt und wird durch wichtige neue Skulpturen im öffentlichen Raum, an unerwarteten Orten, in Leeds und Wakefield ergänzt. Yorkshire Sculpture International erhält ein umfangreiches Begleitprogramm für Schulen, Universitäten, Gemeinden und Künstler aus der Region. yorkshire-sculpture.org

Natascha Süder Happelmann, re., und ihre Sprecherin Helene Duldung, li., vor dem Auswärtigen Amt, 2018, Foto © Jasper Kettner

Dora Maar,Modèle féminin non identifié de dos, le buste dénudé, vers 1934 | Négatif gélatino-argentique sur support souple en nitrate de cellulose | Collection Centre Pompidou, Paris © Centre Pompidou, MNAM-CCI / Dist. RMN-GP | © VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Paris (F) Dora Maar 5.6. – 29.7.2019 Als Fotografin, Picassos Muse und Schauspielerin des Surrealismus hat Dora Maar auf den Avantgarden der 1930er-Jahre einen unauslöschlichen Eindruck hinterlassen, dessen Einfluss und Gestaltungskraft noch nicht ausreichend erforscht sind. Die Ausstellung widmet sich Picassos Arbeit und seiner Zeit und zeigt das Leben des Künstlers, um die vielen Gesichter und vor allem das Unbekannte zu zeigen. Seine aktive Unterstützung des Surrealismus, seine Arbeit für Mode und das Porträtieren, aber auch sein soziales und politisches Engagement werden untersucht, um den Einfluss dieser außergewöhnlichen künstlerischen Figur genau zu erfassen und zu dokumentieren. „Wer ist Dora Maar?“ Kurzum, auf diese Frage möchte diese Retrospektive antworten, indem sie eine der einzigartigsten Persönlichkeiten der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts enthüllt, die sich mit dem künstlerischen und literarischen Milieu dieser Epoche auseinandersetzte. Centre Pompidou | www.centrepompidou.fr

Paris (F) Berthe Morisot (1841 – 1895) 18.6. – 22.9.2019 Berthe Morisot, eine der führenden Impressionisten, ist bis heute weniger bekannt als ihre Freunde Monet, Degas und Renoir. Sie wurde jedoch sofort als eine der innovativs-

Venedig (I) 58. Kunstbiennale Venedig Deutscher Pavillon 11.5. – 24.11.2019 Für die Gestaltung des deutschen Beitrags auf der 58. Internationalen Kunstausstellung der Biennale di Venezia arbeitet Franciska Zólyom, Kuratorin des Deutschen Pavillons 2019, mit der Künstler*in Natascha Süder Happelmann zusammen. Natascha Süder Happelmann ist eine wichtige Stimme der Gegenwartskunst. In ihren Arbeiten bringt sie das poetische, imaginäre und kritische Potenzial von Kunst zur Entfaltung. Sie steht für eine künstlerische Positionierung, die ästhetische und wissenschaftliche Konzepte, soziale oder politische Zustände nicht nur analysiert oder kommentiert, sondern diese auch aktiv verändert und ihr Rollenverständnis sowie ihre Handlungsweise für den jeweiligen Arbeitsprozess neu gründet. Für den Beitrag im Deutschen Pavillon 2019 arbeitet Natascha Süder Happelmann mit einer persönlichen Sprecherin, Helene Duldung, und passt ihren Namen der besonderen Aufgabe an. Die Künstler*in hat dafür eine Sammlung von Namen, mit denen sie in den letzten dreißig Jahren adressiert wurde, ausgewertet. Nach sorgfältiger Prüfung der verfügbaren Varianten, die durch Autokorrektur und Fehlschreibung seitens öffentlicher Stellen zustande kamen, wählte sie mithilfe algorithmischer Parameter und gesellschaftlicher Protokolle den geeigneten Namen aus: eine optimale Form der Integration. www.labiennale.org/it/arte/2019 www.deutscher-pavillon.org

Stockholm (SWE) Gilbert & George The Great Exhibition (1971 – 2016) 9.2. – 12.5.2019 Gilbert & George sind zwei Männer, die zusammen ein Künstler sind. Seit mehr als fünf Jahrzehnten schaffen sie Kunst, die die Konventionen von Kunst und Gesellschaft herausfordert, ohne jegliche Vorstellung von „gutem Geschmack“ zu vernachlässigen. Die „The Great Exhibition“ verwöhnt die Besucher mit einer einzigartigen künstlerischen Vision, mit über fünfzig von Gilbert & George ausgewählten Bildern. Als das ikonischste Doppel der Kunstwelt, gekleidet in aufeinander abgestimmten und tadellos sitzenden Anzügen, haben Gilbert & George

Gilbert & George, Life, 1984 © Gilbert & George

seit den 1960er-Jahren im selben Londoner East-End-Viertel gelebt. Furchtlos und auf den Punkt, ihre Kunst hat die Macht, den Betrachter zu verunsichern. Komödie, Tragödie, Verzweiflung, Furchtlosigkeit und Traurigkeit. Vom Boden bis zur Decke ist der Ausstellungsraum mit Bildern gefüllt, die aufregend und beängstigend zugleich sind, grotesk und streng, surreal und symbolisch. Die Bilder stellen fast immer die Künstler selbst dar und blicken oft direkt auf den Betrachter. Sex, Geld, Rasse und Religion gehören zu den Themen ihrer Kunst, die Glück und Trauer miteinander verbindet. Moderna Museet www.modernamuseet.se/stockholm/en


30 | Kunsttipps

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DESIGN

Blick in die Dauerausstellung © Tim Schnetgoeke

Berlin Werkbundarchiv Das Werkbundarchiv – Museum der Dinge ist ein Museum der Produktkultur des 20. und 21. Jahrhunderts, die von der industriellen Massen- und Warenproduktion geprägt ist. Kern der Institution ist das Archiv des Deutschen Werkbundes. Diese 1907 gegründete Vereinigung von Künstlerinnen und Künstlern, Industriellen, Kulturpolitikerinnen und Kulturpolitikern strebte als Teil der utopischen Kulturtendenzen zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine Lebensreform an. Das Werkbundarchiv – Museum der Dinge steht als autonome Organisation bewusst in dieser Werkbund-Tradition und sieht seine Aufgabe gleichermaßen in deren materieller Bewahrung und wissenschaftlichen Dokumentation wie in deren zeitgenössischer Interpretation und Reflexion. Die als „Offenes Depot“ präsentierte Sammlung wird im Rahmen von Ausstellungsprojekten ständig neu befragt, weiterentwickelt und kommentiert. www.museumderdinge.de

Herford Rebellische Pracht Design-Punk statt Bauhaus 26.5. – 1.9.2019

Rebellische Pracht: Marcello Panza: Klingsor, aus der Serie Atlantide, 1987 (entwurf), Kollektion Anthologie Quartett © Der Künstler, Foto Francesco Tapinassi

Showroom Limburg 2018 - Cube design museum Foto: Ruud Balk Fotografie.

tungsmerkmale, mit denen Ende der 1970er-Jahre eine neue Designer-Generation antrat, um gegen die Grundsätze der „guten Form“ zu rebellieren. Ihre gewagte Opulenz richtete sich gezielt gegen die reduzierte, nüchterne Formensprache der Moderne. Zum Anlass des 100-jährigen Bauhausjubiläums wird eine zentrale Bewegung der europäischen Designgeschichte vorgestellt, die in ihrer Radikalität und ihrem spielerischen Umgang mit Materialien, Farben und Formen bis heute verblüfft. Zugleich macht sich das Projekt auf die Suche nach künstlerischen Impulsen für die Gegenwart. Im Zentrum der Ausstellung steht die Sammlung „anthologiequartett“, die sich heute im Archiv der Avantgarden (AdA) in Dresden befindet. www.marta-herford.de

inspiriert und regt den Besucher an, über die Gestaltung der Welt aktiv nachzudenken. Cube präsentiert nicht nur Ausstellungen zu führendem internationalem und euroregionalem Design, sondern bietet als multidisziplinäres Labor den Besuchern die Möglichkeit, gemeinsam mit Studenten und Designern an innovativem Produktdesign zu arbeiten. www.cubedesignmuseum.nl

Kerkrade (NL) Cube design Museum

Überbordende Dekors, grelle Farben und kuriose Verbindungen unterschiedlicher Stilelemente – das sind die Gestal-

Das Cube design Museum ist das erste Museum der Niederlande, das sich ausschließlich dem Design widmet. Cube zeigt Design mit Inhalten, Design, das Einfluss auf die Welt hat. Ein Besuch im Cube bietet Einblicke in den Designprozess,

Warschau European Design Festival 7. – 9.6.2019 in Warschau Das European Design Festival bietet jedes Jahr eine Plattform für die aktuellen und zukünftigen Trends und Themen, die sich derzeit auf das europäische Design und die Illustration beziehen und auswirken. Über 500 Designer, Illustratoren, Designmagazine und andere Kreative aus ganz Europa kommen jedes Jahr zum European Design Festival, um drei Tage lang einen intensiven, unterhaltsamen und inspirierenden Austausch, Vorträge, Diskussionen und Ausstellungen zu erleben. 2019 wird das European Design Festival in Warschau stattfinden. www.elementtalks.com/edfestival/

DIVERSE ORTE

World Design Weeks „World Design Weeks“ ist ein Netzwerk für Designwochen und Festivals rund um den Globus. Die heutige Zeit kann sich mitunter bedrohlich anfühlen. Das Gespenst von Nationalismus, Populismus und Protektionismus ist größer denn je. Kreativität und Innovation stehen diesem Trend entgegen. Neue Gedanken und Ideen entstehen erst, wenn wir offen und kollaborativ sind. Geschlossene Systeme stagnieren. Offene Systeme gedeihen. www.worlddesignweeks.org/world-design-weeks/

Termine in Europa 2019 Łódz Design Festival | 15. – 27.5.2019 | www.lodzdesign.com Barcelona Design Week | 4. – 14.6.2019 | www.barcelonadesignweek.com Helsinki Design Week | 5. – 15.9.2019 | www.helsinkidesignweek.com Venice Design Week | 6. – 14.10.2019 | www.venicedesignweek.com Design Manchester Festival | 10. – 21.10.2019 | www.designmcr.com Dutch Design Week, Eindhoven | 20. – 28.10.2019 | www.ddw.nl Prague International Design Festival | 25. – 30.11.2019 | www.designblok.cz

General Rehearsal ’18: ‘The Rebellion of Objects’ | Credits: Xavier Padrós

New Domestic Landscape. BCN: 2018 | Credits: Xavier Padrós


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Film | Klassik  |  31

FILM

vielseitig, überraschend, ein Ort, an dem sich aufstrebende Talente mit prestigeträchtigen Gästen treffen. Das Publikum ist die Seele des Festivals, wie die berühmten Abende auf der Piazza Grande beweisen, deren magische Kulisse jeden Abend bis zu 8.000 Besucher aufnehmen kann. www.locarnofestival.ch

© EYE Filmmuseum

Amsterdam (NL) EYE Filmmuseum Obwohl das EYE Filmmuseum erst im Frühling 2012 eröffnet wurde, gehört es bereits zu den modernen Ikonen Amsterdams. Es liegt am nördlichen Ufer des IJs, auf der gegenüberliegenden Seite des Hauptbahnhofs, und ist viel mehr als „nur“ ein Museum. Das EYE wird auch als Veranstaltungsort genutzt, und es gibt hier neben dem Filmmuseum auch ein Kino sowie ein Café/Restaurant direkt am Wasser. Bis zu seiner Neueröffnung am IJ befand sich das Filmmuseum im Vondelpark. Heute ist das EYE Filmmuseum bei Filmliebhabern aus dem In- und Ausland gleichermaßen beliebt. Es werden unvergessliche Highlights aus der Filmgeschichte gezeigt – häufig auch in neu bearbeiteten Versionen. Neben Filmklassikern zeigt das EYE aber auch neue, unabhängige Produktionen, und es werden Veranstaltungen organisiert, die dem experimentellen oder anderen Filmgenres gewidmet sind. www.eyefilm.nl

© Academy Museum of Motion Pictures

Los Angeles (USA) The Academy Museum of Motion Pictures Das Academy Museum of Motion Pictures wird die weltweit führende Institution sein, die sich der Kunst und Wissenschaft von Filmen widmet. Das Museum befindet sich in Wilshire/Fairfax in Los Angeles und ist gleichermaßen einfallsreich, experimentell, lehrreich und unterhaltsam. Das vielseitige Filmzentrum ist nicht nur Museum, sondern bietet zusätzlich einzigartige Erlebnisse und Einblicke in den Film. Die Dauerausstellung wird den Besuchern Einblick in die Geschichte des Films, des Filmemachen und der Welt des Films geben. Die Ausstellung wird sich über 30.000 m2 auf zwei Etagen des Museums erstrecken und vereint beeindruckende Schauplätze, Schlüsselobjekte aus den unvergleichlichen Sammlungen der Akademie. Eröffnung 2019 | www.academymuseum.org

Berlin Zwischen den Filmen – Eine Fotogeschichte der Berlinale bis 5.5.2019 Von Anfang an haben Pressefotografen die Internationalen Filmfestspiele Berlin begleitet und dokumentiert. Auch dadurch wurde das Image der Berlinale, 1951 im damaligen Westberlin als ausgesprochenes Publikumsfestival gegründet, nachhaltig geprägt. Den Mittelpunkt der Ausstellung bilden die hier erstmals präsentierten Aufnahmen des Berliner Pressefotografen Mario Mach (1923–2012), der die Berlinale von Beginn an und bis in die 1990er-Jahre professionell begleitet hat. Ähnlich wie seine Kollegen Heinz Köster (1917– 1967) und Joachim Diederichs (1924–2010) war Mach bei PresJane Birkin, 1988 © Christian Schulz seterminen von der Ankunft der Stars bis zu deren Abreise dabei: Das Eintreffen im Hotel, die Filmpremieren, die Stadtspaziergänge und das Fangedränge, Filmball und Preisverleihung gehörten zum festen Programm. Deutsche Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen www.deutsche-kinemathek.de

München Dokfest 8. – 19.5.2018 DOKfest 2018 Eröffnung OVER THE LIMIT Deutsches Theater Das DOK.fest München hat sich innerhalb der letzten Jahre zu einem der größten Dokumentarfilmfestivals in Europa entwickelt. Jährlich im Mai präsentiert das Festival die international interessantesten und neuesten Dokumentarfilme für zehn Tage auf der großen Leinwand. Das DOK.fest begleitet Filmografien renommierter FilmemacherInnen, unterstützt FilmemacherInnen aus sogenannten „lowproduction countries“, arbeitet an einer möglichst großen Breitenwirkung für den künstlerischen Dokumentarfilm und sorgt für nachhaltige Verbindungen zwischen Etablierten und Nachwuchs. www.dokfest-muenchen.de

Locarno (CH) 72. Locarno Film Festival 7. – 17.8.2019

Oberhausen 65. Internationale Kurzfilmtage Oberhausen 1. – 6.5.2019

Das Filmfestival von Locarno hat in seiner 72-jährigen Geschichte eine einzigartige Stellung in der Landschaft der großen Filmfestivals eingenommen. Die schweizerisch-italienische Stadt Locarno im Herzen Europas wird jeden August elf Tage lang zur Welthauptstadt des Autokinos. Jeden Sommer treffen sich hier Tausende von Filmfans und Branchenexperten, um ihren Durst nach neuen Entdeckungen und einer Leidenschaft für das Kino in seiner ganzen Vielfalt zu teilen. In Locarno finden sie ein hochwertiges Programm, reichhaltig,

Vom 1. bis 6. Mai 2019 wird Oberhausen wieder zum Zentrum des internationalen Kurzfilms, und zwar bei den 65. Internationalen Kurzfilmtagen Oberhausen. Das Festival ist eine der weltweit größten Plattformen für die internationale kurze Form und bekannt als Forum für neue Formen und Talente, für Experimente und Avantgarde. Das große Thema in diesem Jahr sind Kinotrailer – unter dem Titel „Die Sprache der Verlockung: Trailer zwischen Werbung und Avantgarde“ haben zwei Kuratoren der Oscar-Akademie über 100 Trailer aus der Kinogeschichte zusammengestellt, von Metropolis bis zu Jaws 3-D, untersuchen historische, soziale und ästhetische Kontexte dieses besonderen Kurzfilm-Genres und stellen Künstler vor, die mit Trailern arbeiten. www.kurzfilmtage.de

Locarno Locarno Film Festival, Piazza Grande © Locarno Film Festival

BEETHOVEN, DER BONNER BÜRGER, TONKÜNSTLER, HUMANIST, VISIONÄR UND NATURFREUND Im Jahr 2020 feiert die Welt den 250. Geburtstag Ludwig van Beethovens. Aus diesem Anlass findet unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier vom 16. Dezember 2019 bis zum 17. Dezember 2020 das Beethoven Jubiläumsjahr mit einer Fülle visionärer Veranstaltungen statt. Die Marke BTHVN2020 sorgt im buchstäblichen Sinn für einen unverwechselbaren Signature Look aller Veranstaltungen, Konzerte, Aktionen, Initiativen und Beteiligungen im offiziellen Beethoven Jubiläumsjahr, denn die fünf Konsonanten BTHVN entsprechen der Signatur, mit der Beethoven selbst gelegentlich abkürzend unterschrieb. Als fünfteiliges Fenster öffnet sich die Dachmarke BTHVN2020 auf jeweils ein Thema des Jubiläumsjahrs. Fünf starke Leitthemen interpretieren jeden Buchstaben der Signatur. Jedes Leitthema steht dabei für eine besonders strahlkräftige Facette von Beethovens Künstlerpersönlichkeit – vom Bonner Bürger über den Tonkünstler, den Humanisten und den Visionär bis zum Naturfreund. Im gesamten Jubiläumsjahr und im Rahmen unterschiedlichster Veranstaltungen laden die Buchstaben BTHVN dazu ein, Beethoven und seine Musik in all ihren Facetten zu entdecken. Die Programmierung des Beethoven Jubiläumsjahrs folgt damit einer bislang einmaligen inhaltlichen Breite. www.bthvn2020.de

BEETHOVEN WELT.BÜRGER.MUSIK 17.12.2019 – 26.4.2019 Zum 250. Geburtstag des großen Komponisten und Visionärs Ludwig van Beethoven (1770–1827) präsentiert die Bundeskunsthalle in Kooperation mit dem Beethoven-Haus Bonn die zentrale Ausstellung zum Jubiläumsjahr 2020. Die Schau zeichnet die wichtigsten Lebensstationen Beethovens nach und verschränkt diese mit seinem musikalischen Werk. Sie gliedert sich in Themenkreise wie „Beethovens Sicht auf sich selbst“, „Freundschaften“ und „Geschäftliche Strategien“, denen jeweils musikalische Schlüsselwerke zugeordnet sind. Sie präsentiert einzigartige Originalexponate und ikonische Porträts, die die Persönlichkeit des Komponisten vorstellen und gleichzeitig sein gängiges Bild in der Öffentlichkeit hinterfragen. Originalinstrumente und Hörstationen lassen die Besucher/-innen in historische Klangwelten eintauchen. Es wird nicht nur die Arbeitsweise des Komponisten, sondern auch der kulturhistorische Kontext seiner Lebens- und Wirkungsgeschichte veranschaulicht. Eine Ausstellung der Bundeskunsthalle in Kooperation mit dem Beethoven-Haus Bonn. www.bundeskunsthalle.de


KARLSRUHE Klassische Moderne und Gegenwartskunst 21. – 24. Februar 2019 Messe Karlsruhe

Veranstalter:

art-karlsruhe.de


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Stuttgart | 33

STUTTGART

Deutschlands Kulturhauptstadt Das ergab eine gerade veröffentlichte Studie, die das kulturelle Angebot der 30 größten deutschen Städte verglich. Das ist in Stuttgart nicht nur vielfältig, sondern ausgezeichnet: Das Ballett zählt zu den besten der Welt, die Oper ist „Opernhaus des Jahres“, die zahlreichen Ausstellungshäuser bieten ein hochrangiges Programm und die Internationale Bau Ausstellung IBA 2027 setzt bereits erste Akzente. Mit dem kulturellen Angebot und der Nachfrage stellt Stuttgart alle anderen deutschen Städte in den Schatten. Jahr für Jahr. Der Erfolg liegt auch in einer äußerst vielfältigen, jungen Kulturszene, die die Region und weit darüber hinaus in Atem hält und immer wieder erfrischende Impulse setzt. Ob Film, Jazz, Theater, Tanz, Kunst-Orte oder Clubs und Festivals – Stuttgart bietet für jeden Geschmack etwas!

DIE WEBER, Fotograf © Thomas Aurin


34  |  Stuttgart | Kunst

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KUNST Museen & Galerien in der Region Stuttgart* Entdecken Sie die einzigartigen Museen der Region Stuttgart! Die Automobilmuseen von Porsche und Mercedes begeistern Automobilfreunde aus aller Welt, Kunstmuseen wie die Staatsgalerie Stuttgart, das Kunstmuseum Stuttgart und die Galerie Stihl in Waiblingen überzeugen mit hochkarätigen Ausstellungen. Ob Technik oder Naturkunde, Literatur oder Geschichte – die Museen in Stuttgart und Umgebung sind immer einen Besuch wert! Sammlung untergebracht, die vielfältigen Kunstgenuss und lebendigen Austausch bietet. Kleinere Ausstellungen innerhalb der Sammlung vertiefen deren Aspekte oder setzen Kontrapunkte. Der Glaskubus ist den großen Sonderausstellungen vorbehalten. www.kunstmuseum-stuttgart.de

© Haus der Geschichte Baden-Württemberg

Haus der Geschichte Baden-Württemberg Lebendige Geschichte in aufwendiger Inszenierung: Das Museum an der Stuttgarter Kulturmeile bildet von Napoleon bis zum Stuttgart-21-Bauzaun mehr als 200 Jahre Landesgeschichte ab und gibt einen Überblick über die vielen Facetten Baden-Württembergs – von der Wirtschaft über die Wissenschaft bis

Altes Schloss © H. Zwietasch, Landesmuseum Württemberg

zur Religion. 1400 Originalobjekte und rund 1000

Landesmuseum Württemberg

Fotos, zahlreiche Geschichten, Filme und Infostatio-

Das Landesmuseum Württemberg gehört zu den äl-

nen begeistern, machen Spaß oder regen zum Nach-

testen staatlichen Museen in Baden-Württemberg.

denken an.

Umfangreiche Sammlungen von hoher Qualität

www.landesgeschichten.de

machen das Haus zu einer der bedeutenden Einrichtungen in der nationalen und internationalen Museumslandschaft. Zum Landesmuseum Württemberg gehören neben dem Alten Schloss in Stuttgart noch zahlreiche weitere Museen und Institutionen. www.landesmuseum-stuttgart.de

DIE JUNGEN JAHRE DER ALTEN MEISTER.

Baselitz Richter Polke Kiefer Während 1960er-Jahre schufen Baselitz, Richter, Polke und Kiefer die Voraussetzungen dafür, dass Dekaden später gerade ihre Kunst in den Fokus des weltweiten Interesses gerückt ist. Zur Entstehung ihrer ersten wichtigen Werke trug ein spezifisches gesellschaftspolitisches Umfeld aus Reaktion und Rebellion bei. In der Auseinandersetzung mit der Kunst des Westens wie Happening, Pop- oder Minimalart initiierten sie ein Kunstwunder deutscher Herkunft. Während die vier Maler zunächst kontrovers diskutiert wurden, erreichten sie bald weltweites Ansehen und etablierten die deutsche Kunst auf dem internationalen Kunstparkett. Ihr beispielloses Renommee ist in der Geschichte der bildenden Künste Deutschlands bis heute einzigartig. Die Ausstellung vereint 100 Hauptwerke aus bedeutenden privaten und öffentlichen Sammlungen. Zunächst richtete sich die Aufmerksamkeit des Auslands freilich nicht auf den Westen Deutschlands aufgrund der dort arbeitenden Künstler, sondern wegen der Sammlerpersönlichkeiten Karl Ströher aus Darmstadt und Peter Ludwig aus Aachen. Die Industriellen trugen von Herbst 1967 bis Anfang 1969 in kürzester Zeit und in großem Stil zwei Sammlungen zeitgenössischer Kunst zusammen, die in aufschlussreichen Gegenüberstellungen internationale und nationale Aspekte in Betracht zogen. Der von Baselitz, Richter, Polke und Kiefer in die Wege gelei-

tete Kunstboom wurde mitgetragen von den Sammelaktivitäten Ströhers und Ludwigs. Hinzu kam eine durchdachte Kulturpolitik Kölns unter der Ägide des Dezernenten Kurt Hackenberg, der auf Anregung der Galeristen Hein Stünke und Rudolf Zwirner, vom 13. bis 17. September 1967 den Ersten Kölner Kunstmarkt ins Leben rief. Der Zusammenschluss der 18 teilnehmenden Galerien aus Westdeutschland und Westberlin war vorbildlich für das Entstehen zahlreicher Kunstmärkte und Messen. Sowohl die Gründung des Kölner Kunstmarkts 1967 und die 4. documenta in Kassel 1968 als auch die Ausstellungstournee der Sammlung Ströher nach München, Hamburg, Westberlin, Düsseldorf und Bern 1968/69, sowie die Präsentationen der Sammlung Ludwig in Aachen und Köln, rückten erstmals neueste Kunsttendenzen ins Blickfeld einer zunehmend interessierten Öffentlichkeit. Nirgendwo sonst in der westlichen Welt trat die Konjunktur aktueller Kunst derart plötzlich, derart konzentriert und auf einem so hohen Niveau in Erscheinung wie in der Bundesrepublik Deutschland. Die vier Künstler-Koryphäen erlebten in ihrer Kindheit und Jugend die Kriegs- und Nachkriegsepoche hautnah. Die intensive Auseinandersetzung mit ihrer Zeit und deren unmittelbaren Vergangenheit wird in der Schau durch ein Zeitpanorama der politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Ereignisse ergänzt – vom Wirtschaftswunder und dem geforderten Wohlstand für alle, bis zu den Studentenunruhen und der »Außerparlamentarischen Opposition«.

Außenaufnahmen Mercedes-Benz Museum © Daimler AG

© Kunstmuseum Stuttgart

Mercedes Benz Museum Vorhang auf für das 1886 von Carl Benz erfunde-

Kunstmuseum Stuttgart

ne Automobil: Das Museum lässt seine Geschichte

Im Herzen der Stadt auf dem Schlossplatz gelegen,

und Geschichten zum Zusammenhang von Technik

zieht der beeindruckende Glaskubus des Kunstmu-

und Alltag, von Zeitgeschichte und populärer Kul-

seums Stuttgart seit 2005 die Blicke auf sich. Im In-

tur lebendig werden. Mehr als 160 Fahrzeuge aller

neren überrascht das Haus mit einem weitläufigen

Art sind dabei die Hauptdarsteller. Ihre Reihe reicht

Sammlungsbereich, der sich unterirdisch in einem

von einigen der ältesten Automobile der Geschichte

ehemaligen Tunnelsystem erstreckt. Auf zwei Etagen

über legendäre Rennwagen bis hin zu Forschungs-

sind hier ausgewählte Höhepunkte der städtischen

fahrzeugen.

Linden-Museum

© Linden-Museum Stuttgart

Das Linden-Museum Stuttgart ist eines der großen ethnologischen MuseenEuropas und so vielfältig wie die Menschen selbst: Es zeigt nicht nur einen Blick auf die Welt, sondern viele Perspektiven. Die Sammlungen umfassen Kunst und

Mit Götz Adriani hat die Staatsgalerie Stuttgart in Kooperation mit den Deichtorhallen Hamburg einen Gastkurator gewinnen können, der die hier vertretenen Künstler und deren Werk von Beginn an begleitet hat. Im Katalog zur Ausstellung interviewt Adriani die drei noch lebenden Künstler Baselitz, Richter und Kiefer und lässt sie zu ihren Aufbruchsjahren Stellung nehmen. Die Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier. www.staatsgalerie.de

Alltagsgegenstände aus Afrika, Asien, dem Islamischen Orient, Nord- und Lateinamerika sowie Ozeanien.

Götterfigur, Mexiko, 1500 – 1520, © Landesmuseum Württemberg, H. Zwietasch

Azteken Große Landesausstellung Baden-Württemberg im Linden-Museum Stuttgart 12.10.2019 – 3.5.2020

kostbare Leihgaben aus Mexiko sowie Europa

Anlässlich des 500. Jahrestages der Landung

schönsten und reichsten Städte der Welt galt

von Hernán Cortés im Golf von Mexiko bie-

– folgt. Erstmals werden Funde des erst 1978

tet die Große Landesausstellung einen faszi-

entdeckten Haupttempels Templo Mayor zu

nierenden Einblick in die aztekische Kultur.

sehen sein.

Zwei weltweit einzigartige Federschilde und

www.lindenmuseum.de

stehen im Fokus der Ausstellung, die in ihrer Dramaturgie der Reise von Cortés von den Provinzen bis in den heiligen Bezirk der Hauptstadt Tenochtitlán – die als eine der größten,


JOHN | arttourist.com 1|2019

Stuttgart | Kunst  |  35

Zusammen mit weiteren Exponaten bilden sie das

Weissenhofsiedlung Stuttgart

Herzstück der Dauerausstellung in zwölf Räumen

Die Weissenhofsiedlung Stuttgart entstand 1927 im

mit insgesamt 16.500 Quadratmetern Fläche. Ent-

Rahmen der Bauausstellung „Die Wohnung“, orga-

decken lässt sich diese einzigartige Welt auf zwei

nisiert vom Deutschen Werkbund und finanziert

Rundgängen, die den Erzählsträngen „Mythos“ und

von der Stadt Stuttgart. 17 internationale Archi-

„Collection“ folgen.

tekten unter der Leitung von Ludwig Mies van der

www.mercedes-benz.com/museum

Rohe präsentierten ihre innovativen und zukunftsgerichteten Entwürfe für modernes, gesundes, erschwingliches und funktionales Wohnen. www.freunde-weissenhof.de

Außenaufnahmen Porsche Museum © Porsche AG

Porsche Museum feiert 2019 seinen 10. Geburtstag

Solitude von oben © Akademie Schloss Solitude

Der Sportwagenhersteller würdigt sein Museum: Am 31. Januar 2009 empfing das spektakuläre Bauwerk am Porscheplatz 1 in Stuttgart-Zuffenhausen seine ersten Besucher. Seitdem entwickelt sich das Museum zum Mittelpunkt der Marke, an dem Vergan© Württembergischer Kunstverein Stuttgart

genheit und Zukunft der Idee Porsche zusammentreffen. Bereits seit 1974 präsentierte Porsche eine

Württembergischer Kunstverein Stuttgart

Ausstellung von rund 20 Exponaten am Stammsitz

Der 1827 gegründete Württembergische Kunstver-

in Zuffenhausen. Mit dem architektonischen Neu-

ein, der sich im Zentrum der Stadt Stuttgart direkt

bau des Museums konnte der Sportwagenhersteller

am Schlossplatz befindet, gehört mit seinen rund

seine Dauerausstellung auf mehr als 80 Exponate

3.000 Mitgliedern, einer Ausstellungs- und Veran-

erweitern. „Pro Jahr zeigen wir mehrere wechselnde

staltungsfläche von über 1.700 qm, Werkstätten und

Sonderausstellungen zu besonderen Anlässen und

einem Atelierhaus zu den größten Kunstvereinen in

Jubiläen. Zudem haben wir eigene Veranstaltungs-

Deutschland. Sein gleichermaßen lokal wie global

formate kreiert, die sich inzwischen zu einem fes-

ausgerichtetes Programm, das immer wieder neue

ten Bestandteil in unserem Jahreskalender etabliert

und ungewöhnliche Formen der Präsentation, Ver-

haben.“

mittlung und Partizipation erprobt, wird nicht nur

www.porsche.de

in Stuttgart, sondern auch auf breiter internationaler Ebene beachtet. www.wkv-stuttgart.de

© Martin Lutz, ABK Stuttgart

Weissenhofmuseum im Haus Le Corbusier

Kunsthochschule Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart

Das Weissenhofmuseum im Doppelhaus von Le

Die Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stutt-

Corbusier, seit 2016 Weltkulturerbe, zeigt in der lin-

gart mit ihrer mehr als 250-jährigen Geschichte ist

ken Haushälfte eine Ausstellung über die Geschich-

eine der größten Kunsthochschulen in Deutsch-

te der Weissenhofsiedlung und ihre 17 Architekten.

land. Mit 20 Studiengängen in den Bereichen Archi-

Das wichtigste Exponat ist jedoch das Le Corbusier-

tektur, Design, Kunst, Künstlerisches Lehramt und

Haus selbst. Die rechte Doppelhaushälfte wurde im

Kunstwissenschaften-Restaurierung

originalen Zustand von 1927 wiederhergestellt und

900 Studentinnen und Studenten ein breites Spekt-

zeigt den Grundriss, die Möblierung und die Farbge-

rum an Forschungs- und Studienmöglichkeiten.

bung Le Corbusiers.

www.abk-stuttgart.de/hochschule/profil/

www.stuttgart.de/weissenhof/

ueber-die-akademie.html

haben

rund

Kunstszene (Galerien/Kunstareale)* Natürlich gibt es in der Region Stuttgart die ganz großen Namen der Kunstgeschichte zu sehen. Es gibt aber noch so viel mehr! Abseits der großen, etablierten Museen und Ausstellungshäuser hat sich auch eine vielseitige und selbstbewusste junge Kunstszene entwickelt. Auf alten Industriegeländen sind in temporärer Zwischennutzung Atelier- und Ausstellungsräume entstanden. Galerien eröffnen an verschiedenen Orten immer wieder neu. Aber auch traditionsreichere Einrichtungen bieten Künstlern Raum für Experimente. Hier finden Sie einige Kunst-Orte, die darauf warten, entdeckt zu werden!

Akademie Schloss Solitude Die Akademie Schloss Solitude ist eine internationale Künstlerresidenz, die Stipendien in unterschiedlichen Praxisfeldern anbietet. Sie versteht sich als eine interdisziplinäre und internationale Fördereinrichtung für Künstler*innen und Wissenschaftler*innen. Mit ihrem ambitionierten, spartenüber­ greifenden öffentlichen Diskurs und dem einzigartigen Programm art, science & business hat sich die Akademie Schloss Solitude zu einer Referenzinstitution für die Förderung von Kunst und Wissenschaft entwickelt. Seit ihrer Gründung 1990 hat die Akademie mehr als 1400 junge Künstler*innen und Wissenschaftler*innen aus über 120 Ländern gefördert und bildet für die internationale Kunstszene ein wichtiges globales Netzwerk aus Expert*innen verschiedenster Disziplinen. Mit ihrem transdisziplinären Programm vergibt die Akademie Schloss Solitude Stipendien in den Bereichen Architektur, Bildende Kunst, Darstellende Kunst, Design, Literatur, Musik/Klang, Zeitbasierte Medien und Webbasierte Medien. Außerdem werden im Rahmen des Programms art, science & business Stipendien in den Bereichen Geisteswissenschaften, Sozialwissenschaften, und Wirtschaft/Wirtschaftswissenschaften vergeben. Stipendiat*innen und Gäste nutzen die Akademie als künstlerischen Inkubator, um sich unter materiell und intellektuell günstigen Bedingungen ihren Arbeitsvorhaben zu widmen, um ohne Alltags- und Präsentationszwang forschen und kreativ sein zu können und Projekte zu realisieren, die über die Grenzen und Konventionen ihrer eigenen Disziplin hinausreichen.

Gleichermaßen bietet die Akademie aber Möglichkeiten, Projekte nach außen zu kommunizieren und öffentlichkeitswirksam zu fördern. Durch zahlreiche Kooperationen mit Kunst- und Kulturinstitutionen, Universitäten und Partnern aus der Wirtschaft im In- und Ausland, ist die Akademie Schloss Solitude zu einem wichtigen Leuchtturm für das Land BadenWürttemberg und seine internationale Kulturpolitik geworden. Neben den öffentlichen Veranstaltungen bietet die Akademie seit der Einführung des Programms Digital Solitude auf der Online-Plattform Schlosspost www.schloss-post.com auch multimediale Einblicke in die Studios aktueller und ehemaliger Stipendiat*innen inner- und außerhalb von Solitude. Vom 1. März bis 30. April 2019 können sich internationale Künstler*innen und Wissenschaftler*innen für ein Aufenthaltsstipendium im Stipendienzeitraum 2020–2021 auf der Bewerbungswebseite der Akademie http://application.akademie-solitude.de bewerben. Weitere Informationen: www.akademie-solitude.de www.schloss-post.com

Studioansicht Alicja Bielawska © Judith Engel

Kunstverein Wagenhallen Die 100 Mitglieder des Kunstvereins Wagenhalle e.V. haben seit 2004 eine einzigartige Produktionsstätte am Stuttgarter Nordbahnhof aufgebaut. Die ehemalige Wageninstandsetzungshalle und die dazugehörigen Gebäude beherbergen unsere Ateliers, Studios, Werkstätten und Lagerräume. Die Kunstsparten sind Malerei, Musik, Fotografie, Architektur, Baubotanik, Theater, Puppenbau, Figurentheater, Performance, Installation, Kuration, Design, Grafik- und Webdesign, Kunsthandwerk sowie Film und Medienkunst. www.kunstverein-wagenhalle.de

Antonio Marra September 201 © Jürgen Rösner

Stuttgarter Galerien ihre Türen und lassen den Besucher in die vielfältige Welt der Gegenwartskunst

GALERIENRUNDGANG ART ALARM

eintauchen. Die Werke der aufstrebenden, aber

Am 22. und 23. September ist es wieder so weit. Zum

auch schon etablierten Künstlerinnen und Künst-

jährlichen Rundgang „artalarm“ öffnen zahlreiche

ler decken die unterschiedlichsten Gebiete ab – von

Offenes Studio, indieguerillas, 2018 © Frank Kleinbach


36  |  Stuttgart | Tanz

JOHN | arttourist.com 1|2019

klassischer Malerei und Bildhauerei über Installatio-

taiwanesischem Tee. ITO bietet Zeit und Ruhe, er-

nen bis hin zur Videokunst. Galerien offenbaren die

möglicht die Konzentration auf den Moment und

Perspektive eines Austausches von internationalen

lässt dennoch Raum für Kommunikation.

Künstlern und heimischem Publikum sowie heimi-

www.ito-raum.de

MUSEEN IN DER UMGEBUNG Eberdingen Sammlung Klein

Kunsthalle Göppingen

schen Künstlern und internationalem Publikum. Es

Auf Anregung des Architekten Folker Rockel kamen

nem interessanten Ort internationaler zeitgenössi-

besteht die Möglichkeit, Kunst hautnah und unmit-

Alison und Peter W. Klein in den 1980er-Jahren zur

scher Kunst entwickelt. Günther Uecker, James Tur-

telbar zu erleben und im Gespräch mit Künstlern

Kunst – und seitdem hat diese sie nicht mehr losge-

rell, Karin Sander, Magdalena Jetelová, Jaume Plensa

und Galeristen der Essenz der Kunstwerke auf die

lassen. Nach 30 Jahren intensiver Sammeltätigkeit

etc. haben dafür großartige Projekte entwickelt und

Spur zu kommen.

umfasst die international ausgerichtete Sammlung

gezeigt. Berühmt sind die Räume der Kunsthalle

www.art-alarm.de

aktuell rund 1900 Kunstwerke.

Göppingen, die lichte „Halle oben“ mit dem Shed-

www.sammlung-klein.de

dach macht mit Ausstellungen Geschichte‚ „Halle

Die Kunsthalle Göppingen hat sich seit 1989 zu ei-

unten“ ist ebenso ein white cube und eher Raum für die Sammlung, „C 1“ (see one) zeigt das besondere einzelne Werk. Alle Räume haben die klare Industriearchitektur, die der Kunst große Entfaltung gewährt. www.kunsthalle-goeppingen.de

© AK2 Projektraum für zeitgenössische Kunst

GALERIE AK2 Projektraum für zeitgenössische Kunst

In den außergewöhnlichen Räumen eines ehema-

Foto © Raumgalerie

ligen Bäckerei-Cafés aus den späten 1950er-Jahren

Raumgalerie

werden Grenzen, Schnittstellen und Übergänge

Die Galerie ist im schönen Stuttgarter Westen mit

zwischen aktueller bildender Kunst und angrenzen-

historischem Baubestand im Erdgeschoss eines im

den künstlerischen und gestalterischen Disziplinen

Jahr 1904 erbauten Wohnhauses untergebracht.

untersucht. Die Ausstellungen und Performances

Einst wurden hier in einem kleinen Laden Hüte

Esslingen Villa Merkel

entstehen meist in Auseinandersetzung mit dem

verkauft, zwischendurch erhielt man Lebensmittel,

Die im Merkelpark gelegene Villa Merkel, Galerie der

Ort und beziehen zum Teil auch den öffentlichen

auch Büros und eine Kunstgalerie befanden sich

Stadt Esslingen, zeigt internationale Gegenwarts-

Kornwestheim Museum im Kleihues-Bau – Kunst und Kultur in Kornwestheim

Raum mit ein. Kuratiert wird der freie Projektraum

hier. Seit Ende 2015 geht es in den zwei Räumen

kunst. Ziel ist, Neues auf den Weg zu bringen und in

Das Museum im Kleihues-Bau zeigt regelmäßig

von einem multidisziplinären Team.

mit reizvollem Schaufenstereinblick um Architek-

die künstlerische Produktion selbst zu investieren,

wechselnde

www.galerie-ak2.de

tur, Innenarchitektur, Design, Stadtplanung und

um innovative, jüngere künstlerische Positionen

ternationaler Künstler. Der Kunstbestand umfasst

vieles mehr. In den Ausstellungen, Symposien,

zu fördern, zu präsentieren und zu diskutieren. Die

knapp 3.000 Exponate vorwiegend deutscher Kunst

Happenings und anderen besonderen Veranstal-

Villa Merkel wurde 1873 als Wohngebäude für den

aus dem 20. und 21. Jahrhundert. Das Gebäude

tungen wird in der Raumgalerie jedoch nicht nur

Esslinger Industriellen Oskar Merkel errichtet und

selbst ist im Jahr 2017 auf die Liste der Kulturdenk-

Gebautes gezeigt, sondern bewusst die Schnittstel-

ist, bei aller augenscheinlichen Historizität, ein für

male Baden-Württembergs aufgenommen worden.

le zu bildender Kunst, Szenografie, Fotografie, Mu-

ihre Zeit innovativer Experimentalbau aus Beton.

www.kornwestheim.de

sik, Grafik, Film und anderen Disziplinen gesucht.

www.villa-merkel.de

Foto © Dirk Wilhelmy Foto © Museum im Kleihues-Bau

Ausstellungen

zeitgenössischer,

in-

Wer kreativ ist, lässt sich eben gerne aus vielen Richtungen inspirieren. In der Raumgalerie wird

Fellbach 14. Triennale Kleinplastik Fellbach

der oder die fündig.

Als Forum zeitgenössischer Skulptur im kleinen For-

www.derraumjournalist.net

mat wurde die Triennale 1980 in Fellbach ins Leben

verschiedenen und vor allem unterschiedlichen

GK Laden 2 © StudioOrel

GALERIE KERNWEINE FOTO UND RAUM Der offene Raum für Fotografie ist ebenfalls Ort für visuelle Medien und Diskurs. In der Zusammenar-

gerufen. Sie findet seither im Turnus von drei Jahren

IBA27 de S T A D T R E G I O N STUTTGART

statt und hat sich zu einer international beachteten Ausstellung mit außerordentlichem Profil entwickelt. Die Triennale verdankt ihren guten Ruf der kom-

Ausstellungsraum © KV Ludwigsburg

beit mit Künstlern werden Ausstellungsprojekte

promisslosen Aktualität der ausgestellten Kunst, der

entwickelt und kuratiert, die klassische Herange-

Risikobereitschaft der Veranstalter und der hohen

Ludwigsburg Kunstverein Ludwigsburg

hensweisen hinterfragen und etablierte Formate

Qualifikation der jeweiligen künstlerischen Leiter. Die

Der Kunstverein Ludwigsburg ist ein lebendiger

erweitern. Der Zusatz Foto und Raum ist bewusst

Kuratoren bestimmen in alleiniger Verantwortung

Ausstellungsort für herausragende zeitgenössische

gewählt: Neben den Ausstellungen sollen auch

über Künstler und Kunstwerke. Kuratorin des diesjäh-

Kunst. Auch in diesem Jahr setzen namhafte Künst-

Workshops und Veranstaltungen zum Thema Foto-

rigen international beachteten Ausstellung zeitgenös-

lerinnen und Künstler ihre Werke in dem architek-

grafie und visuelle Medien stattfinden. Die Galerie

sischer Skulptur ist Brigitte Franzen.

tonisch beeindruckenden Raum in Szene: Guy Til-

soll ein Ort sein, an dem man sich trifft und sich

1.6.–29.9.2019 | www.triennale.de

lim, Duncan Swann, Gruppenausstellung Mode in

über Fotografie austauscht. „Dabei liegt der Fokus auf jungen Künstlern, denen eine Plattform geboten

schiffen und Gasometern auch den technischen

werden soll“, so das Gründungsteam um Tino Kraft,

Zeitgeist der 1920er- bis 1960er-Jahre. Gleichfalls

Oliver Kröning, Dennis und Mick Orel.

thematisieren Bernd & Hilla Becher, Harun Faro-

www.galerie-kernweine.com

cki, Eduardo Kac, HA Schult, Stelarc oder Wolf Vostell das ambivalente Verhältnis des Menschen zur Technik – Angst und Skepsis stehen Enthuiba dossier motiv © ibastuttgart

siasmus und Fortschrittsglaube gegenüber. Im

Internationale Bauausstellung 2027 Stadt Region Stuttgart

Sommer präsentiert die Städtische Galerie dann Innenansicht © Frank Kleinbach, Stuttgart

Wie leben, wohnen, arbeiten wir im digitalen und

die besten Einsendungen zum Grafikpreis „Linolschnitt heute XI“, der alle drei Jahre stattfindet und für den sich stets über 500 internationale

europäische Architekten-Avantgarde in der Stutt-

Bietigheim-Bissingen Städtische Galerie Bietigheim-Bissingen

garter Weissenhofsiedlung ihr damals radikales

Eingebettet in die malerische Altstadt Bietigheims

dem deutsch-schweizerischen Maler und Dichter

„Wohnprogramm für den modernen Großstadt-

stellt die 1989 eröffnete und im Jahre 2000 erwei-

Otto Nebel (1892–1973) gewidmet, der im engen

menschen“ vorstellte, will die Internationale Bau-

terte Städtische Galerie Bietigheim-Bissingen eine

Austausch mit Künstlergrößen wie Paul Klee oder

ausstellung 2027 StadtRegion Stuttgart (IBA’27) auf

gelungene Synthese aus historischer Bausubstanz

Wassily Kandinsky sein einzigartiges Gesamtwerk

diese Frage ganz neue Antworten finden. Bis zum

und moderner Architektur dar. Mit ihren wech-

schuf.

Präsentationsjahr 2027 soll dazu eine Vielzahl von

selnden Ausstellungen zur Klassischen Moderne

www.galerie.bietigheim-bissingen.de

Projekten entstehen, die die Zukunft der Region

und zur Gegenwartskunst sowie einer umfangrei-

Stuttgart erproben und exemplarisch erlebbar ma-

chen Sammlung künstlerischer Linolschnitte und

chen. Der Ehrgeiz ist es, experimentelle bauliche

Kunst der Region hat die Städtische Galerie eine

und nicht-bauliche Beispiele zu entwickeln, die das

anerkannte Position im Kulturgeschehen rund

urbane Zusammenleben in der zweiten Hälfte des

um Stuttgart.

21. Jahrhunderts prägen werden: gemischte Quar-

Den Auftakt des attraktiven Programms 2019

tiere, experimentelle Bautechniken und partizipa-

markiert sogleich ein Highlight: Vom 2. Februar

ITO Projektraum

tive Entwicklungsprozesse, neuartige Konzepte für

bis Ostern werden in der Ausstellung „Franz Rad-

Der ITO Projektraum experimentiert  mit unüb-

Infrastruktur und Mobilität, neue Wohnformen,

ziwill und die Gegenwart. Landschaft, Technik,

lichen Ausstellungsformaten und -formen sowie

stadtintegrierte industrielle Produktion. Festivals

Medien“ Gemälde des neusachlichen Künstlers,

mit künstlerischen Positionen, die inhaltlich um

der experimentellen und temporären Architektur

die das Eindringen der Technik in die norddeut-

Themen wie Zeit, Leere, Natur, Dasein und Be-

in den Jahren 2023 und 2025 werden die IBA’27

sche Landschaft thematisieren, multimedialen

wusstsein kreisen.  „ITO“ ist das japanische Wort

auch schon deutlich vor dem Präsentationsjahr er-

Werken aktueller Künstler gegenübergestellt. Rad-

für Faden. Peter Granser und Beatrice Theil ver-

lebbar machen.

ziwill zeigt die typische Nordsee-Küstenregion,

knüpfen an diesem Ort zeitgenössische Kunst mit

www.iba27.de

doch veranschaulicht er mit Flugzeugen, Marine-

globalen Zeitalter? Genau 100 Jahre nachdem die

ITO Projektraum Teetisch

dem Genuss von hochwertigem japanischem und

Künstler bewerben. Die Herbst-Ausstellung ist

Franz Radziwill, Nach dem Unglück, 1949, Radziwill Sammlung Claus Hüppe, courtesy Kunsthalle Emden © VG Bild-Kunst, Bonn 2019


JOHN | arttourist.com 1|2019

Stuttgart | Theater | Tanz  |  37

der Kunst, Thukrai und Tagra sowie Mila Hundertmark. Außerdem präsentiert die Kreissparkasse Ludwigsburg ihre Sammlung Holzschnitte. www.kunstverein-ludwigsburg.de

THEATER

Schauspiel, Oper, Figuren- und Musiktheater statt. Ebenso haben Orchester- und Chor-

Theater, Schauspiel, Kabarett

Nürtingen Sammlung Domnick Oberhalb der Stadt Nürtingen, auf einem Höhenzug gelegen, bildet die öffentlich zugängliche Sammlung abstrakter Malerei und Foto © Stiftung Domnick, Werner Esser

Skulpturen einen kulturellen Hö-

Statistisch gesehen geht jeder Stuttgarter etwa zwei Mal im Jahr ins Theater –  kein Wunder, bei dem Angebot! Die künstlerische Bandbreite ist riesig: Da gibt es das vielfach ausgezeichnete Schauspiel Stuttgart, bei dem prominente Schauspielgrößen auf der Bühne stehen. Aber auch kleine, einflussreiche Kabarettbühnen mit jahrzehntelanger Tradition wie das Renitenztheater oder experimentelle zeitgenössische Theaterformate wie das Theater Rampe. Eine ganz besondere Tradition hat in der Region auch das Figurentheater – dafür gibt es in Stuttgart sogar einen eigenen Studiengang.

konzerte, Solistenabende und Kammermusik ihren festen Platz in dem umfangreichen Programm. Darüber hinaus stehen jährlich zahlreiche verschiedenartige Gastspiele auf dem Spielplan des Theaters. www.wilhelma-theater.de

hepunkt am Fuß der Alb. Der Kern der Sammlung Domnick sind Werke abstrakter Malerei aus dem Europa der Nachkriegszeit. Zudem sammel-

Schauspielbühnen Stuttgart

ten Ottomar und Greta Domnick Holzmasken aus Afrika und Neugui-

Die Schauspielbühnen in Stuttgart verfügen

nea. Später ergänzten sie ihre Sammlung innerhalb weniger Jahre mit

über zwei Spielstätten: das Alte Schauspielhaus

abstrakten Skulpturen aus Metall.

und die Komödie im Marquardt. Beide Bühnen

www.domnick.de

liegen im Herzen der Stadt und besitzen ihr eigenes Profil. Geboten wird ein weites Spektrum

© Junges Ensemble Stuttgart (JES)

Reutlingen Kunstmuseum Reutlingen

zeitgenössischen Theaterschaffens. Im Alten Schauspielhaus stehen Klassiker neben zeitge-

Junges Ensemble Stuttgart (JES)

Drei

nössischen Stücken und aufwendigen musika-

Das JES ist das von Stadt und Land geförderte

rund

lischen Produktionen auf dem Spielplan. Die

Kinder- und Jugendtheater Stuttgarts. Mit einem

2.400 m2 Ausstellungsfläche: Das

Komödie im Marquardt bildet die ganze Band-

professionellen Schauspiel-Ensemble produziert

Kunstmusem Reutlingen / konkret und Kunstmuseum Reutlingen / Galerie, Wandelhallen, Eberhardstraße 14, Reutlingen; Foto © H. Kube Ventura.

breite des anspruchsvollen Boulevardtheaters

das JES pro Spielzeit mehrere Neuproduktionen

ab. Gezeigt werden zeitgenössische Komödien,

und verfügt über ein großes Repertoire an Stü-

schwäbische Mundartstücke, klassische Lust-

cken für Kinder und Jugendliche. Als Gastgeber

ne und zeitgenössische Kunst. Der Schwerpunkt „Holzschnitt im 20.

spiele, musikalische Produktionen mit Tief-

des Festivals SCHÖNE AUSSICHT steht das JES

und 21. Jahrhundert“ prägt das Kunstmuseum Reutlingen/Spendhaus.

gang und Comedy-Abende.

alle zwei Jahre im Fokus des internationalen

www.schauspielbuehnen.de

Kinder- und Jugendtheaters. Die theaterpädago-

programmatische

punkte,

zwei

Schwer-

Standorte,

Kunstmuseum Reutlingen gehört im Südwesten zu den größten kommunalen Häusern für moder-

Die ehemals industriell genutzten Wandel-Hallen bieten großzügig

ROMEO UND JULIA_6_Fotograf © Thomas Aurin

Raum für das Kunstmuseum Reutlingen/Galerie sowie das Kunstmuse-

Das Schauspiel Stuttgart

um Reutlingen/konkret, das Arbeiten konkreter Kunst aus einer exqui-

Ein Ort für berührendes Theater, internati-

Wilhelma Theater

ten für alle Altersgruppen an.

siten Schenkung zeigt.

onale Vielfalt und einen lebendigen Dialog

In den Räumen des Wilhelma Theaters, unter

www.jes-stuttgart.de

www.reutlingen.de/kunstmuseum-reutlingen

zwischen Kunst und Publikum. Das Schau-

den eindrucksvollen Farben der leuchtenden

gische Abteilung bietet Spielclubs und Werkstät-

spiel Stuttgart zählt zu den renommiertes-

Wand- und Deckenmalereien, finden jährlich

Renitenztheater

Sindelfingen Schauwerk

ten Theaterhäusern im deutschsprachigen

mehr als 150 Vorstellungen in den Bereichen

Das Stuttgarter Renitenztheater  ist die ältes-

Das SCHAUWERK Sindelfingen

minski versteht das Theater als Plattform für

präsentiert die Sammlung inter-

konstruktiven Dialog im Herzen der Stadt

nationaler zeitgenössischer Kunst

und setzt auf ein starkes Ensemble aus 34

von Peter Schaufler (†) und Chris-

Schauspieler*innen. Gemeinsam wollen sie

Raum. Der neue Intendant Burkhard C. Kos-

tiane Schaufler-Münch. Über mehr als drei Jahrzehnte hinweg, seit

SCHAUWERK Sindelfingen Außenansicht © Schauwerk Sindelfingen

te Kabarett-Bühne der Schwabenmetropo-

das Publikum bewegen, herausfordern und unterhalten. In den beiden Hauptspielstätten

1979, hat das Sammlerpaar eine der eindrucksvollsten privaten Kunst-

Schauspielhaus und Kammertheater entste-

sammlungen Deutschlands aufgebaut. Mit der Eröffnung des SCHAU-

hen Theaterabende mit Texten zeitgenös-

WERK Sindelfingen im Juni 2010 wurde die vormals nahezu unbekann-

sischer Autor*innen sowie frischen Blicken

te Sammlung erstmals für die Öffentlichkeit zugänglich. Seitdem zählt

auf (moderne) Klassiker. So international

das Museum zu den führenden Adressen für zeitgenössische Kunst im

die Stadt Stuttgart und ihre Bürger*innen,

süddeutschen Raum. In wechselnden Ausstellungen wird die Sammlung

so vielfältig sind die Künstler*innen auf und

Schaufler, deren Schwerpunkte im Bereich der ZERO-Bewegung, auf Mi-

hinter der Bühne: Theatermacher*innen aus

nimal Art, Konzeptkunst und Konkreter Kunst liegen, präsentiert.

ganz Europa entwerfen gemeinsam Utopien

www.schauwerk-sindelfingen.de

für eine bunte, europäische Zukunft. www.schauspiel-stuttgart.de

© Renitenztheater Stuttgart

Wilhelma Theater Foto © Johannes Schaugg

Kunsthalle Tübingen Die Kunsthalle Tübingen ist ein international bekanntes Haus für Wechselausstellungen. monografischen

Neben

Ausstellungen

zur Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts entwickelt die Kunsthal-

Blick auf die Kunsthalle Tübingen, Foto © Roland Halbe

le auch thematische Ausstellungen. Die Themenausstellungen greifen neben kunstimmanenten Fragen auch gesellschaftliche Fragestellungen auf, die Epochen übergreifend optische Querverweise sowie geistige Verwandtschaftsbeziehungen aufzeigen und dem Besucher so Einblicke und Erkenntnisse über die Entwicklung des Menschen ermöglichen. www.kunsthalle-tuebingen.de

Waiblingen Galerie Stihl Die Galerie Stihl Waiblingen ist ein städtisches Ausstellungshaus in der Nähe Stuttgarts, das auf Arbeiten auf und aus Papier spezia-

Peter Oppenländer © Stadt Waiblingen

lisiert ist. In drei Ausstellungen pro Jahr widmet sie sich der Grafik in

Vom Küssen und vom Fliegen: Foto: Regina Brocke

ihren unterschiedlichsten Ausprägungen – vom Oeuvre großer Meister

Deuces V | Maks Richter

über Bildmedien der Massenkommunikation wie Plakate und Karika-

Das Theaterhaus

Vorträge sowie Ausstellungen, Kinder- u.

turen bis hin zu angewandten Zeichnungen und dreidimensionalen

Das Theaterhaus Stuttgart auf dem Pragsat-

Jugendveranstaltungen. Außerdem gibt es

Objekten aus Papier.

tel feierte 2015 sein 30-jähriges Jubiläum

im Theaterhaus eine Sporthalle, die vielfäl-

und „stellt in der Kulturlandschaft Euro-

tig genutzt wird. Herausragend ist auch die

Waldenbuch Museum Ritter

pas immer noch ein Novum dar“, so eine

Tatsache, dass das Theaterhaus zwei eigene

kulturwissenschaftliche

dem

Ensembles finanziert, obwohl 70% der jähr-

Waldenbuch, 30 Kilometer südlich

Jahr 2010. Hier vereinen sich verschiedene

lichen Kosten selbst eingespielt werden müs-

von Stuttgart, ist nicht nur für all

Kunstsparten, Experimentelles und Popu-

sen! Das Theaterhaus-Tanzensemble ist nach

jene ein Begriff, die quadratische

läres, international bekannte Künstler und

dem Leiter der Company, Eric Gauthier, be-

Schokolade lieben. Das hier ansäs-

neu entwickelte Projekte unter einem Dach.

nannt: Gauthier Dance//Dance Company

sige Museum Ritter begeistert mit

Aussenansicht des Museumsgebäudes © Museum Ritter, Fotograf: Stefan Müller

Neben einem hauseigenen Schauspiel- und

Theaterhaus Stuttgart. Der Erfolg des The-

Tanzensemble, beide im zeitgenössischen

aterhauskonzepts lässt sich auch in Zahlen

Werkstätten sowie ein zweistöckiges Foyer

Architektur. Es wurde für die Kunstsammlung von Marli Hoppe-Ritter,

Stil, neben Comedy, Kabarett, Jazz und Rock

ausdrücken: Mit ca. 300.000 Besuchern jähr-

mit Gastronomie, einem großen Biergarten

der Mitinhaberin der Firma Ritter Sport, erbaut und zeigt in wechseln-

ist in einem eigens konstruierten Gebäude-

lich ist das Theaterhaus einer der Publikums-

im Innenhof und ein Restaurant. Durch-

den Ausstellungen Gemälde, Skulpturen und Installationen zum Thema

anbau die Neue Musik ein fester Bestandteil

magnete der Stuttgarter Region. Auf 12.000

schnittlich 900 Veranstaltungen finden jähr-

Quadrat. Ein vielseitiges Veranstaltungsprogramm für Erwachsene und

der Theaterhausprogrammatik. Hinzu kom-

qm befinden sich eine Konzerthalle, drei

lich statt.

Kinder ergänzt die Ausstellungen.

men politische Diskussionen, Lesungen,

Theaterhallen, eine Sporthalle, Proberäume,

www.theaterhaus.com

abstrakter Kunst und moderner

www.museum-ritter.de

Studie

aus

Theaterhaus © Andreas Feucht


38  |  Stuttgart | Theater | Tanz

JOHN | arttourist.com 1|2019

le und zählt zu den renommiertesten Häusern im deutschsprachigen Raum. Das Renitenztheater versteht sich als  vielseitige Plattform für Künstlerinnen und Künstler aus dem gesamten Bundesgebiet, der Schweiz und Österreich,  für Lokalmatadore der Region, für Altmeister und Kabarettstars ebenso wie für junge Talente und Senkrechtstarter unterschiedlichster Genres. Das Haus veranstaltet  seit vielen Jahren erfolgreich Festivals und Wettbewerbe. www.renitenztheater.de

hotel de rive, Foto © Helmut Pogerth

Ensemble-Grande-Revue © Alexandra Klein

Motive Aladdin: Stage Entertainment/Deen van Meer

Stuttgarter Kulturszene. Gegenwärtig zeigt das FITZ

Burlesque-Events über Kleinkunst und Akrobatik bis

nerationen verzaubert – und tut dies einmal mehr

Theater tri-bühne

pro Spielzeit etwa 40 verschiedene Inszenierungen

hin zu inszenierter Zauberkunst. Im Friedrichsbau

in dieser unvergesslichen und unterhaltsamen Pro-

Politischer, gesellschaftlicher und künstlerischer

regionaler, deutscher und internationaler Figuren-

Varieté ehren sie die Geschichte der Varieté-Kunst

duktion.

Anspruch in Verbindung mit Poesie, Vergnügen

theaterbühnen. Das heißt – verteilt auf den Abend-

mit ihren eigenen Produktionen und Gastspielen,

und Spielfreude – dafür steht das Theater tri-bühne.

spielplan „FITZ am Abend“ und das Kinderpro-

bei denen sich Tradition und Moderne begegnen.

ANASTASIA

Im Repertoirebetrieb spielen wir die gesamte Band-

gramm „FITZ für Kids“ – über 250 unterhaltsame,

Im stilvollen Theatersaal ist das Publikum hautnah

Angelehnt an die beiden beliebten Verfilmungen,

breite der dramatischen Literatur: Tragödien und

inspirierende und spannende Vorstellungen pro

dabei – und manchmal sogar mittendrin!

ist ANASTASIA ein Musical-Erlebnis mit großem

Komödien, Klassiker wie Moderne, Dramatisierun-

Jahr!

www.friedrichsbau.de

Geschichtswert, mitreißender Musik undaufwaen-

gen epischer Stoffe, Experimentalstücke und Lesun-

www.fitz-stuttgart.de

digen Kostümen und Kulissen, die jede Szene, jedes

Das Friedrichsbau Varieté lebt die Bedeutung des

Stage Apollo Theater Disneys ALADDIN – DAS MUSICAL 21.3.2019 Premiere

FITZ

Begriffs Varieté, denn Varieté bedeutet Vielfalt und

Die klassische Geschichte des jungen Aladdin

und sich davon abzugrenzen, für wen einen ande-

Das FITZ! Zentrum für Figurentheater ist eines der

Abwechslung. Sie zeigen ein großes Angebot an

und sein Streben, seinen Träumen zu folgen und

re halten.

europäischen Zentren für Figurentheater und seit

Shows, bei denen sich Theater, Artistik und Comedy

sein Schicksal zu erfüllen (unterstützt von einem

www.stage-entertainment.de

mehr als 30 Jahren ein prägender Bestandteil der

in kreativer Umarmung begegnen. Von sinnlichen

Dschini aus einer Wunderlampe), hat bereits Ge-

gen zu aktuellen, brennenden Themen.

FRIEDRICHSBAU VARIETÉ STUTTGART

www.tri-buehne.de

TANZ

Wort und jedes Gefühl, das auf der Bühne stattfindet, unterstreichen. In dem eindrucksvollen neuen Musical geht es darum, sich selbst zu entdecken

lich einmal stattfinden und hat sich in der ersten Sommerferienwoche Baden Württembergs stabil positioniert. Das Festival beginnt am 19.7.19 mit

Tanz in Stuttgart*

der legendären „Gala Flamenca“ im ZÜBLIN Haus

Die Region Stuttgart hat eine äußerst lebendige Tanzszene mit langer Tradition: Stuttgart machte schon im 18. Jahrhundert mit großen Tanzmeistern von sich reden. In den 1960er-Jahren sorgte der berühmte Choreograf John Cranko für das „Stuttgarter Ballettwunder“ und machte die Stadt damit zu einem wahren Hotspot für Tänzer und Publikum aus aller Welt. Kein Wunder, dass es hier heute neben den beiden festen Ensembles Stuttgarter Ballett und Gauthier Dance auch eine große und innovative freie Szene und viele hochkarätige Tanz-Festivals gibt!

und geht dann am 26. und 27.7.19 im Theaterhaus mit „Machismo“ weiter – der Erfolgsproduktion aus dem Jahre 2003. Die „flamenquitos“, ein Abend der Semi-professionellen aus dem gesamten Bundesgebiet erobern dann am 28.7.19 die Herzen des Stuttgarter Publikums. Anschließend finden für sechs Tage, vom 29.7. bis 3.8.19, Workshops, kleinere Veranstaltungen rund um das Thema Flamenco im Produktionszentrum Tanz und Performance statt. Über eine Dauer von 15 Tagen wird das Thema straff gebündelt erlebt, gestaltet, wahrgenommen. www.flamencomora.de

Gauthier 2017, Foto © Maks Richter

Gauthier Dance//Dance Company Theaterhaus Stuttgart Gauthier Dance ist ein junges dynamisches Ensemble von sechzehn vielseitigen Tänzerpersönlichkeiten unter der Leitung des Choreografen, Tänzers

Loretta Pelosi Oliveira, Foto © Fellipe Lobo

und Musikers Eric Gauthier. Das Repertoire der

Mexiko, Australien, Russland, Israel und zahlrei-

Dance Company Theaterhaus Stuttgart umfasst ori-

chen europäischen Ländern. Erstmals dabei sind

ginelle, oft humorvolle Werke von Gauthier und

Teilnehmer/-innen aus Kamerun und der Mongolei.

Stuttgarter Ballett

renommierten zeitgenössischen Choreografen wie

Preisträger Gala 15. + 16.11.2019

Ballett in Stuttgart, das sind Tradition und Auf-

Mauro Bigonzetti, William Forsythe, Jiří Kylián,

Stuttgart – TREFFPUNKT Rotebühlplatz

bruch, Repertoirepflege und Neuproduktionen,

Itzik Galili, Lightfoot/León und Hans van Manen.

www.solo-tanz-theater.de

Ballettfans und Tanzlegenden. Dass das Stuttgarter

Nach der Gründung im Oktober 2007 etablierte sich

www.pr.vhs-stuttgart.de

Ballett heute zu den gefragtesten Ballettensemb-

die Company in Rekordgeschwindigkeit als interna-

les weltweit gehört, ist nicht zuletzt John Cranko,

tionale Marke. Mittlerweile zählt sie zu derjenigen

Marcia Haydée und Reid Anderson zu verdanken.

Handvoll deutscher Ensembles mit der intensivsten

10. Stuttgarter Flamenco Festival 2019 29.7. – 3.8.2019

Ersterer, 1961 aus London kommend, krempel-

Tourneetätigkeit – national wie international. Ne-

Das Stuttgarter Flamenco Festival wurde im Jahr

te in den folgenden zwölf Jahren, bis zu seinem

ben weit über 100 „normalen“ Auftritten im Jahr

2010 von der Tänzerin und Choreografin Catarina

überraschenden Tod, bestehende Strukturen um,

engagiert sich die Gauthier Dance mit einem weg-

Mora gegründet. Seither konnte das Festival jähr-

emanzipierte das Ballett von der Oper, baute nach

weisenden sozio-kulturellen Programm: Mit einem

und nach ein umfangreiches Repertoire auf und

speziellen Repertoire, das sich auch für kleine Räu-

förderte zahlreiche Tänzerpersönlichkeiten. Über

me eignet, bringt Gauthier Dance Mobil den Tanz

die Dekaden hinweg war es Cranko und seinen

zu Menschen, die nicht selbst ins Theater kommen

Nachfolgern eine Herzensangelegenheit, sowohl

können, und besucht Einrichtungen wie Senioren-

Choreografen als auch Tänzer zu fordern und zu

heime, Krankenhäuser oder Heime für Menschen

COLOURS International Dance Festival Presented by Eric Gauthier 27.6. – 14.7.2019 ZUM DRITTEN MAL BUNT

fördern. Stuttgart hat eine Reihe renommierter

mit Behinderungen.

Erstaunlich wirkt die Zahl beim Namen: 3. CO-

Choreografen

www.theaterhaus.com

LOURS International Dance Festival! Tatsächlich

Bolero Reilly © Stuttgarter Ballett

wie

Ballettdirektoren

hervorge-

bracht und wurde so zum Ausgangsort für Karri-

geht dieses weltweit beachtete Festival 2019 erst in seine dritte Ausgabe. Doch schon jetzt ist COLOURS

wie John Neumeier und Jiří Kylián, beide Tänzer

Solo-Tanz Theater Festival Stuttgart 14. – 17.3.2019

unter Cranko. Die tänzerische Vielfältigkeit hat

Crossover der Kulturen und Tanzstile –

und der internationalen Tanzszene nicht mehr

sich das Stuttgarter Ballett auch heute, 46 Jahre

Junge Tanztalente im TREFFPUNKT Rotebühlplatz

wegzudenken. Entsprechend liefen bei den Organi-

nach Cranko, bewahrt und besticht unter der In-

Furioses Tanztheater und spannende ästhetische

satoren im vergangenen Jahr die Drähte heiß, um

tendanz von Tamas Detrich mit einem beeindru-

Konzepte dürfen die Besucher/-innen beim 23. In-

die ganze Vielfalt des zeitgenössischen Tanzes nach

ckend facettenreichen Repertoire: So startete die

ternationalen Solo-Tanz-Theater Festival Stuttgart

Stuttgart zu holen. Im Vergleich zu den ersten bei-

Compagnie zunächst mit einem klassischen Ballet-

wieder erwarten. Am Start stehen junge Tanztalente

den Ausgaben 2015 und 2017 legen die Veranstalter

tabend in die laufende Spielzeit 2018/19, ehe sie

aus aller Welt, die vom 14. bis 17. März 2019 im

erneut eine Schippe drauf – mit einem noch ambi-

sich in der zweiten Spielzeithälfte mit spannenden

TREFFPUNKT Rotebühlplatz um zahlreiche Preise

tionierteren Spielplan für das Theaterhaus und mit

Ballettabenden sowie zwei großen abendfüllenden

und eine gute Beurteilung durch das Publikum und

neuen Formaten für die Stuttgarter City.

Balletten von ihrer zeitgenössischen Seite zeigt.

die internationale Jury konkurrieren. Die Künstler/-

www.coloursdancefestival.com

www.stuttgarter-ballett.de

innen stammen aus den USA, Kanada, Brasilien,

eren mittlerweile international bekannter Namen

aus dem Veranstaltungskalender der Stadt Stuttgart


JOHN | arttourist.com 1|2019

Stuttgart | Klassik  |  39

MUSIK Klassik*** Stuttgart zählt mit vier erstklassigen Orchestern, dem Musikfest Stuttgart, der Stuttgarter Oper, erstklassigen Konzertreihen und einer agilen Musikszene zu den führenden deutschen Musikstädten. Musik der Jahrhunderte, das Festival ECLAT, die Stuttgarter Musikhochschule sowie zahlreiche Künstler machen die Stadt zudem zu einer Metropole der Neuen Musik. Basis der Stuttgarter Musiklandschaft sind rund 200 Chöre, über 100 Musikvereine, eine breite Rock- und Popszene, unzählige Laienensembles sowie viele semi-professionelle Orchester und Ensembles.

© SWR Teodor Currentzis Liederhalle

Gaechinger Cantorey © Martin Förster

SWR Symphonieorchester

Gaechinger Cantorey für einen neuen, im Origi-

Das SWR Symphonieorchester und sein erster Chef-

nalklang musizierten „Stuttgarter Bachstil“, der das

dirigent Teodor Currentzis stehen für umjubelte

Markenzeichen einer Bachakademie der Zukunft ist.

und ausverkaufte Konzertabende. Neben der inten-

www.bachakademie.de

siven Zusammenarbeit mit seinem Chefdirigenten konzertiert das SWR Symphonieorchester auch mit weiteren international umworbenen Dirigenten wie Christoph Eschenbach, Herbert Blomstedt, David Zinman, Peter Eötvös, Sir Roger Norrington, Ingo Metzmacher, Kent Nagano, EliahuInbal, Michael Sanderling, Jakub Hrůša und Omer Meir Wellber. Neben Auftritten in den eigenen Konzertreihen des Südwestrundfunks in Stuttgart, Freiburg und MannStaatsoper Stuttgart ©Hans Op de Beeck

Was ist wirklich wirklich?

heim ist das SWR Symphonieorchester bei den Donaueschinger Musiktagen und den Schwetzinger Festspielen präsent. www.swr.de/swr-classic/symphonieorchester/ SWR VE © Klaus Mellenthin

SWR Vokalensemble Der Rundfunkchor des SWR gehört zu den internationalen Spitzenensembles unter den Profichören und widmet sich seit über 70 Jahren der exemplarischen Aufführung und Weiterentwicklung der Vo-

DAS ERSTE FRÜHJAHRSFESTIVAL DER STAATSOPER STUTTGART Wie wirklich ist unsere Realität überhaupt? Spätestens mit dem gehäuften Auftreten „alternativer Fakten“ oder den gezielten Manipulationsversuchen durch „fake news“ werden wir im Alltag immer öfter mit diesem Thema konfrontiert. Diesen Fragen nach Realität und Realitätsverlust will sich das erste Frühjahrsfestival der Staatsoper Stuttgart vom 17. März bis 15. April widmen – ausgehend von den Premieren von Hans Werner Henzes Der Prinz von Homburg, John Adams‘ Nixon in China sowie der Uraufführung von Leo Dicks Antigone-Tribunal nach einem Text von Slavoj Žižek. Auf einen Monat verdichtet soll es dann in verschiedenen Veranstaltungsformaten um Parallelitäten, Wirklichkeitskonstruktionen und -veränderungen gehen. Mit dabei: Gesprächsveranstaltungen, Sinfonie-, Kammer- und Liedkonzerte, eine lange Nacht der Minimal Music, ein Wirklichkeitskongress und zahlreiche Repertoire-Vorstellungen. Vom Träumer zum Schlachtensieger: Der Prinz von Homburg handelt wider höchsten Befehl, führt sein Heer aber mit traumwandlerischer Sicherheit zum Sieg. Der Befehlsverweigerung folgt die Todesstrafe auf dem Fuße… Hans Werner Henze und Ingeborg Bachmann formulieren in ihrem Prinz von Homburg so etwas wie eine Utopie: Nicht Sach- und Systemzwänge, nicht Funktionen und Dienstgrade bestimmen die Beziehungen der Menschen, sondern Empfindungen

kalmusik. Er hat über 250 neue Chorwerke uraufgeführt und dabei häufig das Unmögliche möglich und das Undenkbare denkbar gemacht. Neben der

– auch auf die Gefahr hin, die Wirklichkeit dabei als hinfällig zu erkennen. Ab 17. März im Opernhaus. Der Besuch von Richard Nixon bei Mao Tsetung war eines der größten Medienereignisse der 70er Jahre. John Adams, Alice Goodman und Peter Sellars wollten mit ihrem Werk Nixon in China eine „heroische Oper“ über die Konstruktion von modernen Mythen schreiben – mit archetypischen Situationen und Figuren. Es ging ihnen dabei um den Aspekt des Medialen, um die Macht der Bilder, um den Gegensatz zwischen vermeintlich objektiver Wirklichkeit und subjektiver Wahrnehmung. Eine neue Sicht auf dieses Werk steht ab 7. April auf dem Programm.

zeitgenössischen Musik widmet sich das SWR VoStuttgarter Kammerorchester © Reiner Pfisterer

kalensemble vor allem den anspruchsvollen Chorwerken der Romantik und der klassischen Moderne.

Stuttgarter Kammerorchester

Künstlerischer Leiter ist seit 2003 Marcus Creed.

Das Stuttgarter Kammerorchester (SKO) wurde 1945

Unter seiner Leitung wurde das SWR Vokalensem-

von Karl Münchinger gegründet und ist eines der

ble für seine kammermusikalische Interpretations-

renommiertesten Ensembles seiner Art. Es konzer-

kultur und seine stilsicheren Interpretationen viel-

tiert in seiner Heimatstadt, gibt Gastspiele in ganz

fach ausgezeichnet, unter anderem viermal mit dem

Deutschland und tritt als Kulturbotschafter bei in-

Echo Klassik.

terkontinentalen Tourneen auf. Die Musiker spielen

www.swr.de/swr-classic/vokalensemble/

ein umfangreiches Repertoire – von Barockmusik über Wiener Klassik bis hin zu zeitgenössischen

Musik der Jahrhunderte

Werken. Zur Saison 2019/20 gibt Matthias Foremny

1978 gegründet, zählt Musik der Jahrhunderte

das Chefdirigentenpult an Thomas Zehetmair ab.

(MDJ) heute zu den international wichtigsten Ver-

www.stuttgarter-kammerorchester.com

anstaltern und Produzenten für zeitgenössische Musik in Europa. Mit Mut zum Risiko begleitet und fördert MDJ die Entwicklungen in der neuen Musik im digitalen Zeitalter sowie deren zunehmend

Dreimal endet die Tragödie der Antigone in Slavoj Žižeks Drama Die drei Leben der Antigone anders, dreimal bestimmt ein Chor aus Bürger*innen den Ausgang: Der Schweizer Komponist Leo Dick hat diesen Text zum Ausgangspunkt für seine neue Oper genommen, die im JOiN, der Jungen Oper im Nord, ihre Uraufführung feiert. Im Zentrum von Antigone-Tribunal stehen Stuttgarter Bürger*innen von 15 bis 84 Jahren, die über die alternativen Enden dieses neuen Werks bestimmen.

enger wie komplexer werdende Vernetzung mit anderen Künsten. Das MDJ fungiert als Veranstalterin alljährlich mit den Formaten ECLAT Festival Neue Musik Stuttgart, der Konzertreihe Südseite nachts, dem Festival  Der Sommer in Stuttgart als Ensemblemanagerin und Produzentin und als Vermittlerin und Vermittlungsplattform. www.mdjstuttgart.de

Weitere Infos: www.staatsoper-stuttgart.de/festival

Bachchor Stuttgart

Foto © Bachchor Stuttgart

Der Bachchor Stuttgart wurde im Bachjahr 2000 von Jörg-Hannes Hahn gegründet, der ihn seither künstlerisch leitet. Er widmet sich einem breit gefächerten Repertoire mit Musik J.S. Bachs, klassischer Oratorienliteratur und geistlicher Acappella-Musik. 2016 gastierte er u.a. mit Haydns Schöpfung in China, 2017 trat der Chor im großen Saal des Auditorio Nacional Madrid mit J.S.

Hock am Turm 2010 © Rudi Rach

Eröffnungskonzert bei „Europäische Kirchenmusik

Staatliche Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart

Schwäbisch Gmünd 2017“ zur Preisverleihung an

Die HMDK Stuttgart wurde 1857 gegründet und ist

Wolfgang Rihm.

damit die älteste und mit derzeit ungefähr 800 Stu-

www.bachchor-stuttgart.de

dierenden auch die größte Hochschule für Musik

Bachs Matthäus-Passion auf und sang das gefeierte

und Darstellende Kunst in Baden-Württemberg. Als

„Die Liebe zu drei Orangen“ © Matthias Baus

Gaechinger Cantorey

Teil der Stuttgarter Kulturmeile ist sie nicht nur als

Die Gaechinger Cantorey  ist der Klangkörper der

Hochschule, sondern auch als Konzertveranstalter

Internationalen Bachakademie Stuttgart. Unter der

und kulturelles Zentrum für Stuttgart und die Regi-

künstlerischen Leitung von Akademieleiter Hans-

on von großer Bedeutung.

Christoph Rademann vereint er europäische Spit-

https://www.hmdk-stuttgart.de/unsere-hochschule/

zenmusiker. Mit Rademann an der Spitze steht die


40  |  Stuttgart | Staatsoper

JOHN | arttourist.com 1|2019

Marc-Oliver Hendriks © Martin Sigmund

STAATSOPER STUTTGART

Renovierung vs. Neubau Die Renovierung der Stuttgarter Oper ist nach Stuttgart 21 ein weiteres, vielseitig und emotional diskutiertes Thema in Stuttgart. Befürworter einer umfassenden Renovierung des neoklassizistischen Prachtbaus treffen auf Neubauvisionäre, die sich im Aufbruch Stuttgart zusammengeschlossen haben. Wir sprachen mit Marc-Oliver Hendriks, Geschäftsführender Intendant der Staatstheater Stuttgart über die anstehende Renovierung der Staatsoper Stuttgart.

Die Staatsoper Stuttgart muss dringend renoviert werden. Seit Monaten wird geplant, gerechnet und überlegt. Wann geht es los? Steht der Termin? Marc-Oliver Hendriks: In der Tat wird die Sanierung des Opernhauses in Stuttgart seit einigen Jahren geplant. Gründlichkeit geht hier vor Schnelligkeit. Nach dem derzeitigen Planungsstand

rechnen wir frühestens im Jahr 2024 mit einem Auszug aus dem Opernhaus. Bis dahin müssen die Standortfrage des Interims und die Errichtung desselben geklärt und vollzogen sein. Für die Zeit der Renovierung werden Sie in eine Interimsspielstätte gehen. Verschiedene Standorte waren im Gespräch. Im November

Staatstheater Stuttgart © Martin Sigmund

letzten Jahres haben Sie das Paketpostamt in der Nähe vom Nordbahnhof mit Béla Bartóks „Herzog Blaubarts Burg“ probeweise bespielt, und sich inzwischen für diese Lösung entschieden? Hat sich das Paketpostamt bewährt, und wie ist die Lösung auf einer Skala von Traumlösung bis das kleinste Übel zu sehen? Marc-Oliver Hendriks: Das Paketpostamt war längere Zeit der präferierte Interimsstandort von Stadt, Land und Staatstheater. Mit Blick auf die erheblichen Investitionskosten für ein Interim und vor dem Hintergrund der fehlenden Nachnutzungsperspektive haben alle Beteiligten von diesem Standort wieder Abstand genommen. Die Stadt Stuttgart hat mittlerweile ein Areal an den Wagenhallen identifiziert, das für eine interimistische Nutzung durch die Oper und das Ballett geeignet erscheint. Derzeit laufen Untersuchungen zur Machbarkeit und möglichen Kosten dieses alternativen Standorts. Mit Ergebnissen rechnen wir im Sommer 2019.

Das Paketpostamt liegt in unmittelbarer Nähe des alternativen Wagenhallen Areals, dem „Kunstschutzgebiet“, wo Veranstaltungen der Subkultur stattfinden, Künstler und Kreative in Containern leben und arbeiten. Viele sehen es als Konflikt: Interimsoper contra Container? Wie sehen Sie es? Marc-Oliver Hendriks: Ein Gegeneinander verschiedener Kunstformen gab es nicht und wird es auch nicht geben. Derzeit wird das Gelände vom Kunstverein Wagenhalle sowie Stadtacker genutzt. Mit beiden Partnern stehen wir bereits im Dialog. Inhaltlich gibt es zwischen den Staatstheatern und dem Kunstverein Wagenhalle sowie Stadtacker viele Gemeinsamkeiten. Eine Lösung gegen die Interessen unserer künstlerischen Partner kann ich mir nur schwer vorstellen. Gibt es schon Ideen für eine fruchtbare und kooperative Nachbarschaft? Marc-Oliver Hendriks: Die Staatstheater befinden sich im permanenten Dialog

mit den verschiedenen und vielfältigen Kulturschaffenden in Stuttgart und Umgebung. Zunächst warten wir jedoch die vertiefte Standortüberprüfung ab. Erst dann ist es sinnvoll, inhaltliche Überlegungen auch öffentlich zu kommunizieren. Die Bürgerbewerbung Aufbruch Stuttgart, die sich der Entwicklung von Konzepten für ein attraktives Kulturquartier, im Zusammenhang mit der Sanierung des Opernhauses verschrieben hat, haben die Idee eines Opernneubaus aufgebracht. Verlockung, Konflikt, der falsche Zeitpunkt oder einfach unrealistisch? Marc-Oliver Hendriks: Die Sanierung des Opernhauses in Stuttgart ist eine Jahrhundertaufgabe. Ein öffentlicher Diskurs hierüber ist richtig und wichtig, um eine breite Akzeptanz in Land und Stadtgesellschaft für diese Aufgabe auch weiterhin sicherzustellen. Insofern stellen wir uns auch den programmatischen Debatten. Für die Staatstheater gehört das Opernhaus zur unverzicht-


JOHN | arttourist.com 1|2019

Stuttgart | Staatsoper  |  41

Foto © Matthias Baus

Staatsoper Stuttgart

Insgesamt wurde die Staatsoper Stuttgart in der

Die Staatsoper Stuttgart zählt zu den bedeutends-

Kritikerumfrage der Zeitschrift Opernwelt sechs

ten europäischen Opernhäusern und ist zugleich

Mal zum „Opernhaus des Jahres“ gewählt. Der

Teil des größten Mehrspartenhauses Europas. Ins-

Staatsopernchor Stuttgart zählt zu den besten

gesamt rund 230.000 Besucher zählt die Staats-

Chören des europäischen Musiktheaters und wur-

oper in der Saison, davon bilden rund 16.000

de bereits elf Mal mit dem Titel "Opernchor des

einen festen Abonnentenstamm. Das Opernhaus

Jahres" ausgezeichnet. Auch das Staatsorchester

verfügt über 1404 Plätze. Weitere Spielstätte mit

Stuttgart wurde bereits zum „Orchester des Jah-

200 Plätzen ist das Nord, das mit JOiN die junge

res“ gewählt.

Sparte der Staatsoper beheimatet.

www.staatsoper-stuttgart.de

Die sieben Todsünden | Foto: Bernhard Weis Opernhaus © Martin Sigmund

baren historischen und künstlerischen eigenen Identität. Deshalb werden wir dieses auch weiterhin für Oper und Ballett nutzen. Wie hoch ist der Druck anlässlich ausufernder Kosten und Zeitpläne bei Großbauten, wie der Elbphilharmonie, Kölner Oper, oder dem Berliner Flughafen, es anders, besser zu machen? Marc-Oliver Hendriks: Zuweilen gewinnt man den Eindruck, Öffentliches

Tamas Detrich © Roman Novitzky

Bauen in Deutschland sei derzeit international nicht der Benchmark hinsichtlich der Qualitäten sowie Kosten- und Planungssicherheit. Wir nähern uns der gewaltigen Aufgabe daher mit großer Demut. Haben Sie keine schlaflosen Nächte, dass in der Sanierung der Staatsoper nicht die eine oder andere Tücke steckt, dass zusätzliche Mängel erst im Lauf der Sanierung zum Vorschein kommen, und ihre

Burkhard C. Kosminski, Fotograf © Maks Richter

Kalkulation und Zeitpläne vollkommen durcheinanderwirbeln? Marc-Oliver Hendriks: Mit einer externen Untersuchung durch qualifizierte Gutachter sowie eigener langjähriger Erfahrung im Umgang und der Bestandspflege mit der „Immobilie Opernhaus“ haben wir uns auf die Sanierung gründlich vorbereitet; wir handeln nach bestem Wissen und Gewissen. Allerdings birgt das Bauen im Bestand immer Risiken. Das wird auch bei diesem Projekt nicht anders sein.

Viktor Schoner © Matthias Baus

Wie hoch ist die Akzeptanz der Opernhaussanierung und die Sicht auf das Notwendige in der Stuttgarter Bevölkerung, die seit Jahren Stuttgart 21 leidenschaftlich beschäftigt. Was ist die größte Herausforderung für Sie? Marc-Oliver Hendriks: Die Sanier­ ungsbedürftigkeit des Opernhauses wird von niemandem bestritten. Sie ist mittlerweile ein Allgemeinplatz. Und das nicht nur bei Besucherinnen und Besuchern, sondern in breiten Kreisen der Bevölkerung und natürlich auch bei den politisch Verantwortlichen. Neben den klassischen Führungen durch das Opernhaus bieten die Staatstheater seit geraumer Zeit auch Sonderführungen zu markanten Punkten hinter und unterhalb der Bühne, an denen die Baufälligkeit und Enge des Hauses für den Betrachter unmittelbar erfahrbar werden. Keine noch so gute Beschreibung kann die persönliche Inaugenscheinnahme ersetzen. Wir haben Politikerinnen und Politiker aus Stadt und Land, Journalisten und viele interessierte Besucherinnen und Besucher

geführt. Ich habe es danach noch nicht erlebt, dass die Notwendigkeit der Sanierung auch nur von einem einzigen Teilnehmer in Frage gestellt wurde. Logistik, Infrastruktur, kulturelle „Wohlfühloase“, gesellschaftlicher Treffpunkt. Was erwartet das Publikum, auf was darf, muss sich das Publikum ab der Spielzeit 2019/2020 einstellen und freuen? Marc-Oliver Hendriks: In der laufenden Spielzeit haben mit Viktor Schoner, Tamas Detrich und Burkhard C. Kosminski drei neue künstlerische Intendanten die Leitung der Staatsoper Stuttgart, des Stuttgarter Balletts und des Schauspiel Stuttgart übernommen. Nach dem erfolgreichen Start in dieser Spielzeit werden die Staatstheater in der nächsten Saison ihre künstlerische Arbeit konsequent fortsetzen. Mit der Vorstellung des Spielplans im Mai werden Sie sich von der Vielzahl des Angebots selbst überzeugen können. DAS GESPRÄCH FÜHRTE KAI GEIGER.


42  |  Stuttgart | Jazz | Szene

JOHN | arttourist.com 1|2019

JAZZ

ben Ford. Die moderne, einzigartige Akustik und die anspruchsvolle Gastronomie garantieren ein besonderes Jazz-Erlebnis.

Jazz in der Region Stuttgart*

www.bix-stuttgart.de

Zum Jazz haben die Bewohner der Region Stuttgart eine ganz besonders innige Beziehung. Und das schon lange – nach dem zweiten Weltkrieg ging der Radiosender des in Stuttgart stationierten US-Militärs „AFN“ auf Sendung und brachte den Jazz direkt in die Stuttgarter Wohnzimmer. Zahlreiche Jazzclubs entstanden, die Jazzgrößen wie etwa den Pianisten Wolfgang Dauner hervorbrachten. Heute gibt es in der Region große Jazzfestivals wie die im Sommer auf dem Schlossplatz stattfindenden Jazzopen, die internationale Stars wie Diana Krall, Jamie Cullum oder Gregory Porter anziehen. Aber besonders auch die Jazzclubszene der Region ist vielfältig wie nie zuvor und bietet Abend für Abend Jazz vom Feinsten!

© Jazz@Large

mit „A Jazz Reformation“ von Lucas M. Schmid (Suite mit Bearbeitungen von Stücken von Martin

2013_FANTA 4 Analogmischung © Bauer Studios

Luther).

Bauer Studios

www.igjazz.de

Im ältesten Tonstudio Deutschlands, den Bauer Studios in Ludwigsburg, wird seit bald 70 Jahren Musik produziert. Fast jeden Tag arbeitet ein engagiertes und hoch konzentriertes Team an Tonmeistern und Medieningenieuren in den Bauer Studios am perfekten Ton, der Musik, an Geräuschen und an der Stille. Von einem reinen Mietstudio hat sich das 1949 von Rolf Bauer geründete Unternehmen zum vielseitigen Anbieter verzahnter Dienstleistungen bis zur Warenlieferung im Tonträgerbereich durch kurze Entscheidungswege gewandelt. Künstler aus den Bereichen Jazz, Weltmusik, Blasmusik, Pop/Rock und Sprache gehen in den Bauer

BIX Jazzclub

Foto © BIX Jazzclub gGmbH

Studios ein und aus, kommen gerne und immer wieder. Weltbekannte Künstler wie Miles Davis,

Internationale Jazzgrößen, nationale Virtuosen

Keith Jarrett, Michael Wollny, Al Di Meola, Kurt

und junge, regionale Talente – der BIX Jazzclub

Masur, Mauricio Kagel, Herbert Grönemeyer, das

bringt sie auf die Bühne! 2006 wurde der nach dem

Pasadena Roof Orchestra oder Dieter Hüsch, Dieter

Jazz-Trompeter Bix Beiderbecke benannte Club im

Hildebrandt und Manfred Krug im Bereich Sprache

Anbau des Gustav-Siegle-Hauses im Herzen der

stehen auf der „Gästeliste“ des Studios.

Landeshauptstadt Stuttgart eröffnet. Legenden wie

www.bauerstudios.de

Wynton Marsalis und Joshua Redman haben sich ebenso die Ehre gegeben wie Till Brönner oder Rob-

SZENE Musikszene: Clubs und Festivals* Max Herre. Pur. Cro. Philip Poisel. Die Fantastischen Vier, natürlich. Aber auch Die Nerven und Die Orsons. Um nur ein paar wenige Musiker und Bands zu nennen, die aus der Region Stuttgart kommen und hier berühmt geworden sind. Mit den Fantastischen Vier wurde Stuttgart vor allem als Wiege des deutschen Hip-Hop bekannt. Heute kann die Populäre Musik in der Region Stuttgart treffend mit einem einzigen Wort beschrieben werden: Vielfalt. Bei intimen Konzerten in kleinen Clubs mit Wohnzimmeratmosphäre, großen Festivals mit internationalen Stars oder ganz nebenbei bei einem der Stadtfeste lassen sich immer neue musikalische Entdeckungen machen – und das für jeden Geschmack!

Landgren - Wollny - Haffner - Danielsson_4WD © ACT/Stephen Freiheit

32. Theaterhaus Jazztage 18. – 22.4.2019

nander, was Jahr für Jahr zu spannenden neuen

Die Theaterhaus Jazztage  präsentieren jedes Jahr

Tradition des modernen Jazz mit aktuellen jazz-

an Ostern ein umfangreiches und hochkarätiges

musikalischen Entwicklungen und präsentiert

Konzertprogramm am Theaterhaus. Dabei tref-

auch spartenübergreifende Produktionen.

fen regionale wie internationale  Musiker, Jazzle-

www.theaterhaus.com

Konstellationen führt. Das Festival vereint die

genden und vielversprechende Newcomer aufei-

© Laboratorium Stuttgart

Laboratorium den Festivalbühnen präsentiert. Mit über 45.000

Das Laboratorium ist Stuttgarts ältester Liveclub.

Besuchern aus ganz Europa, rund vierzig Auftritten

Seine Heimat hat er seit seiner Gründung 1972

internationaler Stars sowie talentierter Newcomer

im ehemaligen Lindensaal in der WagenburgSamy Deluxe © Martina Woerz

aus Jazz, Rock, Pop und Soul an fünf Locations ist

straße im Stuttgarter Ostend, einem traditionel-

das elftägige Festival ein Highlight im Kulturka-

Im Wizemann

len Arbeiterviertel. Sein Name ist Programm: in

lender für Musikliebhaber aus ganz Europa. 2019

Aus dem ehemaligen Zapata wurde in Rekordtem-

der Wagenburgstraße 147 wird seit dieser Zeit

präsentieren die jazzopen stuttgart vom 4. bis 14.

po das Im Wizemann. Herzstück der neuen Spiel-

künstlerisch und politisch experimentiert, Neues

Juli 2019 an elf Tagen und auf fünf Bühnen zum

stätte ist die Halle für bis zu 1.300 Besucher. Hier

ausprobiert, Wagnisse werden eingegangen mit

26. Mal Künstler internationaler Klasse. Neben den

trifft topmoderne Tontechnik auf roughen Indus-

Projekten, von denen keiner den Ausgang kennt.

Hauptbühnen im Ehrenhof des Neuen Schlosses

triecharme, Kranelemente aus einer längst ver-

Kultur selber mitzugestalten, neue Trends aufzu-

und im Innenhof des Alten Schlosses werden 2019

gangenen Epoche liefern den Kontrast zu einer

spüren und das Ganze mit politischen Diskursen

wieder das SpardaWelt Eventcenter sowie der Bix

Bühnentechnik 4.0. Mit dem Club schloss das Im

und Diskussionen zu vermischen und die Spiel-

Jazzclub zur jazzopen-Bühne.

Wizemann die Lücke an mittelgroßen Spielstät-

räume dafür auszuloten — das ist es, was die Ak-

www.jazzopen.com

ten und bietet ideale Rahmenbedingungen für

tiven fasziniert.

Clubkonzerte jeglicher Art, von Punkrock über

www.laboratorium-stuttgart.de

Stuttgarter Jazztage 31.10. – 3.11.2019

Hip-Hop bis Pop. Die gastronomische Seele des Im Wizemann heißt Happen, von wo aus auch die

Merlin

Die 40. Stuttgarter Jazztage finden statt vom 31.10.

Versorgung der Konzertgänger organisiert wird.

Das Kulturzentrum Merlin mitten im Stuttgar-

In den letzten zwei Jahrzehnten sind die jazzopen

bis 3.11.2019 im Theaterhaus.

Hier wird ganz frisch Fingerfood produziert, das

ter Westen ist die Bühne für angesagte Konzerte,

Stuttgart eines der wichtigsten und attraktivsten

Es gibt vier Abende mit unterschiedlicher Ausrich-

Punkrockern genauso schmecken soll wie Rap-

ausgefallene Literatur, raffiniertes Kabarett, liebe-

Jazzfestivals Deutschlands geworden und stehen in

tung: Donnerstag, den 31.10., Doppelkonzert mit:

Fans. Hausgemachtes für Hip-Hop-Heads und

volles Kindertheater, spannende Filme und aufre-

Europa als Marke mit Strahlkraft gleichberechtigt

David Helbock’s Random Control + N.N.; Freitag,

Hardrock-Anhänger gleichermaßen, von der ei-

gende Festivals. Initiativen und Ideen finden hier

neben anderen großen Jazzfestivals wie Montreux,

den 1.11., Rising Stars – ein Wettbewerb mit je

gens kreierten Wizza, einer getunten Pizza, über

Zeit und Raum, Engagierte und Kulturbegeisterte

Rotterdam oder Vienne. Jährlich im Juli verwan-

zwei Bands aus der Musikhochschule Mannheim

Falafel und hausgemachter Limonade bis Bier aus

mischen sich ein. Ausgesuchte Perlen der Sozio-

delt sich die Landeshauptstadt in einen Hotspot

und der Musikhochschule Stuttgart; Samstag, den

dem Hause Schönbuch bleiben hier keine Wün-

kultur bilden markante Punkte im Jahreslauf: Die

für Musikfans, wenn das Festival Stars der inter-

02.11., Doppelkonzert mit Shannon Barnett Quar-

sche offen.

Pop Freaks im Januar machen Stuttgart zum Berlin

nationalen Jazz-, Blues-, Soul- und Pop-Szene auf

tett + Malstrom; Sonntag, den 4.11., Jazz@Large

www.imwizemann.de

des Südens, beim Kabarettfest im Frühjahr bietet

jazzopen stuttgart 4. – 14.7.2019


JOHN | arttourist.com 1|2019

das Merlin ungewöhnliche Wortkunst, das Sommermusikfestival Klinke bittet regionale Bands zur jährlichen Leistungsschau und das ganze Jahr über singen Singer-Songwriter gerne mal neben der Spur. www.merlinstuttgart.de

Stuttgart | Literatur | Hotels  |  43

HOTEL TIPPS

LITERATUR** Literatur in Stuttgart Dank der engagierten Arbeit von großen und kleinen Einrichtungen, Vereinen, Bibliotheken, Initiativen und Einzelpersonen zeigt sich die Literaturlandschaft in Stuttgart sehr differenziert, abwechslungs- und ideenreich, mit einem vielfältigen Angebot für ein anspruchsvolles Publikum.

Wagenhalle

der Literaturinteressierte mit Gleichgesinnten in

Foto_63

einem anregenden Ambiente zwischen Salon und

Foto © Wagenhalle

Kaffeehaus ins Gespräch kommen. Das Literatur-

In Stuttgarts Norden, genauer im Nordbahnhof-

haus ist offen für alte und neue Medien. Den geeig-

viertel, der Name verrät es schon, wo früher die Ei-

neten Rahmen bietet das ehemalige Robert-Bosch-

senbahner mit ihren Familien wohnten und heute

Verwaltungsgebäude aus dem Jahre 1910.

ein Miteinander aus Kleingewerbe und Multikul-

www.literaturhaus-stuttgart.de

Jaz rooms doubleroom confetti guitar model © Jaz Hotels

Jaz Stuttgart DAS NEUE DESIGN- UND LIFESTYLE HOTEL IN STUTTGART

tiflair zu Hause ist, hier sind die Wagenhallen zu

Das lässige Designhotel Jaz glänzt mit einem neu-

finden. Stefan Mellmann und Thorsten Gutbrod

en Mash-up  aus Musik, Kunst und Kulinarik.  166

begannen 2003 als Kulturbetrieb innerhalb eines

Zimmer erwarten die Gäste, einfach zu erreichen im

Stadtbibliothek Stuttgart, vi architects © Martin Lorenz

improvisierten Rahmens das Optimum für den je-

Zentrum von Stuttgart. Lokale DNA steht im Fokus

weiligen Anlass und die Besucher zu bieten. Jahr

Stadtbibliothek Stuttgart

des Hotels! Musiker, DJs und Künstler, lokal und in-

für Jahr, Veranstaltung für Veranstaltung haben

Der wichtigste Anbieter von Literaturveranstaltun-

ternational, rocken regelmäßig die Bühne.

sie und ihr Team sich so zu einer festen Größe in

gen in Stuttgart ist die Stadtbibliothek mit rund

Appetit auf mehr? Gerichte und Beats in 0711 gibt’s

der Stuttgarter Region entwickelt. Mit der neuen

4.000 Veranstaltungen pro Jahr in der Bibliothek

im Rhythms  Bar & Kitchen. Serviert wird Stutt-

Außenansicht © Merlin Stuttgart

am Mailänder Platz und in den Stadtteilbibliothe-

garts Qualität in einem einzigartigen Menü: Burger,

Gesamtgröße von 4.050 m², neusten technischen

ken.

Anforderungen und einer Gastronomie, die auf re-

www.stadtbibliothek-stuttgart.de

Stuttgarter Buchwochen 14.11. – 1.12.2019

rasse im Wolfram Bar & Terrace kann man kreative

renovierten Wagenhallen ein buntes, vielfältiges

Literaturhaus Stuttgart

Die Stuttgarter Buchwochen gehören zu den größ-

und im Wellbeing-Spa Körper und Seele relaxen. 

Kulturprogramm präsentiert.

Das Literaturhaus Stuttgart hat sich zur Aufgabe

ten regionalen Buchausstellungen Deutschlands.

Jaz Stuttgart

www.merlinstuttgart.de

gesetzt, einen Erlebnisraum für Literatur und de-

Seit der ersten Ausstellung im Nachkriegsjahr 1949

Wolframstraße 41 | 70191 Stuttgart, Germany

ren Grenzbereiche zu Kunst, Musik, Theater, Film

haben sie sich von einer reinen Leistungsschau für

www.jaz-hotel.com/hotels/jaz-stuttgart/

und Technologie zu schaffen. Im Literaturhaus soll

Verlage zu einem Kulturevent für die Region Stutt-

Steaks und Japas (Jaz-Style Tapas). Auf der Dachter-

gionale und biologische Werte besteht, wird in den

Cocktail-Eigenkreationen mit Ausblick schlürfen

gart und weit darüber hinaus entwickelt. Die professionelle Präsentation von rund 25.000 Büchern aus etwa 330 Verlagen, Lesungen namhafter Autoren aus dem In- und Ausland sowie viele andere Veranstaltungs-Highlights bilden jene gute Mischung, die jedes Jahr mehr als 110.000 Besucher anzieht. Ein Teil der Stuttgarter Buchwochen ist in jedem Jahr dem Sektor elektronisches Publizieren und Lernsoftware gewidmet. Veranstalter der

V8 Themenzimmer Petrol Heads © Frank Hoppe

deutschen Buchhandels, Landesverband Baden-

V8 HOTEL Ankommen und Wohlfühlen

Württemberg, und das Wirtschaftsministerium

Nach diesem Motto empfangen wir Sie in unseren

Baden-Württemberg.

beiden Häusern - im neu eröffneten V8 HOTEL

www.buchwochen.de

und im V8 HOTEL Classic, dem ersten V8 Hotel.

Stuttgarter Buchwochen sind der Börsenverein des

Unsere V6-Designzimmer, V8 Themenzimmer, V10 Appartements und die exklusive V12 Mercedes Suite beleuchten mit Illustrationen, Fotografien und © Region Stuttgart Kultur 2018 / Roderick Aichinger für SZ Scala

LIFT STUTTGART ist das monatliche Stuttgartmagazin mit Menschen, Stadtleben, Kultur, den besten Events, Gastronomie, Shopping …

Originalteilen, auch als Autobett, die automobile Welt. Die V8 BAR und unser Restaurant PICK-UP,

Region Stuttgart Kultur 2018

ein Wellness- und Fitnessbereich mit Ausblick so-

Als Download unter

wie flexible Tagungsräume und Eventflächen in

www.stuttgart-tourist.de/kultur-in-stuttgart

allen Größenordnungen machen das V8 Hotel zum Erlebnis. Zahlreiche Arrangements runden das Angebot ab, zum Beispiel die „Automobile Mu­ seumstour“ mit Besuchen im Porsche Museum und Mercedes-Benz Museum. V8 Hotel Charles-Lindbergh-Platz 1 | 71034 Böblingen www.v8hotel.de

Citytour © Stuttgart-Marketing GmbH Pierre Polak

Tourist Information i-Punkt Stuttgart

LIT.FEST STUTTGART #5 19. – 21.7.2019

STUTTGART GEHT AUS ist der größte und wich-

Königstraße 1 A

Das Lit.Fest Stuttgart bringt aktuelle Literatur, Mu-

tigste regionale Gastroführer mit den 1.000 bes-

70173 Stuttgart

sik und Theater, Autor*innen und Kulturinteressierte auf einer schön gelegenen Bühne über der

ten Restaurants, Cafés, Kneipen, Bars, Clubs ...

Zimmer Hermitage, Foto © Bernd Eidenmüller

Alle Infos zum Tourismus in Stuttgart und der Regi-

Stadt zusammen. 2018 findet die Veranstaltung

on Stuttgart  sowie günstige Hotels, Stadtführungen

zum fünften Mal statt – und zwar wie in den letz-

Designhotel Restaurant Der Zauberlehrling

und Tickets:

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Weissenhof | Gregor Lengler

Das Bauhaus lebt! Eine Idee und was aus ihr wurde: Weissenhof in Stuttgart, Walter Gropius in Karlsruhe und die Wiederbelebung der Bauhaus-Ideen in Ulm. Zum 100-jährigen Jubiläum der berühmten Kunstschule begeben wir uns auf Spurensuche Man tritt über die Türschwelle – und fühlt sich wohl. Das schmale Treppenhaus wirkt mit seinen farbigen Wänden großzügig. Das Wohnzimmer hat ein Fensterband, das den Blick ins Grüne ermöglicht. Der Raum lässt sich ruckzuck in zwei Schlafzimmer verwandeln. Die Betten werden aus Schränken geschoben, eine Schiebewand trennt das Elternbett von dem der Kinder. Willkommen im berühmten Haus Le Corbusier in der Stuttgarter Weissenhofsiedlung! Andächtig wandelt man durch das Musterhaus von 1927, das heute Museum ist – trotz seiner klaren Formen ist es richtig gemütlich und immer noch sehr modern. Seit 2016 gehören die beiden Le-Corbusier-Häuser zum Weltkulturerbe der UNESCO. Heute sind sie, wie die gesamte Weissenhofsiedlung, als Beispiel des Neuen Bauens (zu dem auch die Entwürfe des Bauhauses zählen) international bekannt. Deshalb wird 2019 auch hier das 100-jährige Jubiläum der Gründung des Bauhauses gefeiert. Einst war die Meinung zu den 33 Flachdachbauten sehr geteilt, erzählt Anja Krämer, die Leiterin des Weissenhofmuseums im Haus Le Corbusier. „Wir Berliner blicken voller Neid auf Stuttgart“, schreibt damals zwar eine Hauptstadt-Zeitung. Und 500 000 Menschen kommen, um sich die Häuser anzuschauen. Aber dem Planer Ludwig Mies van der Rohe bläst auch ein rauer Wind entgegen. Als der Architekt seine Pläne für die Bauausstellung, die die Stadt mit dem Deutschen Werkbund ausrichtet, vorlegt, lehnen mehrere Stuttgarter

Architekten die Ideen ab, nennen die Siedlung ein „italienisches Bergnest“ und „eine Vorstadt Jerusalems“. Der Gemeinderat in Stuttgart denkt damals visionär, er stimmt für die Pläne van der Rohes, und dieser engagiert 17 Architekten, darunter den Bauhaus-Begründer Walter Gropius und Hans Scharoun, der später die Berliner Philharmonie baut. Es entstehen 33 Häuser, von denen heute noch zwei Drittel stehen.

Aus Stuttgart kommen viele Impulse fürs Bauhaus Nur zwei Stuttgarter sind unter den Planern. Einer von ihnen, Adolf Gustav Schneck, baut 1929/30 in Bad Urach ein Kaufmanns-Erholungsheim, das Haus auf der Alb, in dem heute das Tagungszentrum der Landeszentrale für Politische Bildung untergebracht ist. Im Rahmen von Seminaren kann man in der Ikone des Neuen Bauens übernachten.

„Bunt ist meine Lieblings­farbe.“ WALTER GROPIUS, BEGRÜNDER DES BAUHAUSES

Wie wollen wir in Zukunft leben? Was verbessert die Lebenssituation der Menschen in Deutschland? Das Staatliche Bauhaus, das Walter Gropius 1919 in Weimar gründet, ist nicht nur eine Kunstschule – die Studierenden beschäftigen sich auch mit den gesellschaftlichen Verhältnissen. Im Blick hat Gropius zwar „den großen Bau“ – ein Einheitskunstwerk mit fließenden Grenzen zwischen Architektur, Design und Kunst. Aber zunächst entstehen viele Designklassiker. Einige der Ideen, die damals in Thüringen entwickelt werden, dürfen als Importe aus Baden-Württemberg gelten: Oskar Schlemmer und der Schweizer Künstler Johannes Itten, die beide bei Adolf Hölzel an der Stuttgarter

Haus auf der Alb | Gregor Lengler


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HfG | Gregor Lengler

Kunsthochschule studiert haben, kommen als Bauhaus-Meister nach Weimar, um dort zu unterrichten. Deshalb sollte man bei einer Reise auf den Spuren des Bauhauses auch die Staatsgalerie im Stuttgarter Zentrum besuchen, um dort eine besondere Formation zu bewundern: die Kostüme des Triadischen Balletts von Oskar Schlemmer. Es feiert 1922 in Stuttgart Uraufführung. Hiesige Künstler gehen in Wei- mar ein und aus. Und der Chef des Bauhauses, Walter Gropius, baut nicht nur am Weissenhof mit. Unter seiner Leitung entsteht 1928/29 auch eine weitere Mustersiedlung des Neuen Bauens: der Dammerstock in Karlsruhe.

HfG Ulm | Gregor Lengler

Die Bauhaus-Idee lebt nach dem Krieg in Ulm weiter „Viel Licht, viel Luft und viel Großzügigkeit, das wünschte man sich für die neue Siedlung im Dammerstock“, erzählt die Gästeführerin Gabriele Tomaszewski beim Rundgang. Die Zielgruppe waren ganz normale Bürger. Spannend: Die Dammerstock-Siedlung in Karlsruhe, wegen der Weltwirtschaftskrise nie fertiggestellt, wurde in Zeilenbauweise errichtet: Die Häuser sind so gebaut, dass morgens die Sonne ins Schlafzimmer scheint – und nachmittags in den Wohnraum. Zwischen den Gebäudereihen ließ man viel Platz. Heute spaziert man hier durch ein grünes, luftiges Quartier, das vor allem bei Familien sehr beliebt ist.

„Wir sahen immer wieder, dass wichtige Anliegen der Gegenwart einfach nicht bearbeitet sind.“ INGE AICHER-SCHOLL, MITGRÜNDERIN DER HFG ULM

War‘s das dann mit dem Neuen Bauen und dem Bauhaus, damals, als die Nationalsozialisten 1933 das Bauhaus in Dessau schließen? Natürlich nicht! Viele Künstler emigrieren. Sie bauen u. a. in Chicago und Tel Aviv Häuser, die auch Deutschland gut zu Gesicht

Dammerstock | Gregor Lengler

gestanden hätten. Aber nicht nur dort, auch in Deutschland lebt das Bauhaus weiter. Und zwar in Ulm. Dort wird 1953 die Hochschule für Gestaltung (HfG) gegründet, die als die bedeutendste Design-Hochschule nach dem Bauhaus gilt. Auf dem vom Schweizer Max Bill entworfenen sehenswerten Campus, den Walter Gropius einweiht, experimentieren die Studierenden in den Bereichen Grafikdesign, Produktgestaltung, Architektur und Film. Eine Ausstellung im Gebäude erzählt die Geschichte der Hochschule, die nur bis 1968 besteht. Man trifft dort einmal mehr auf bekanntes Design: auf den Lufthansa-Kranich etwa oder das Stapelgeschirr. Aber die HfG hat noch etwas Wichtigeres mit dem Bauhaus gemeinsam: ihren politischen Anspruch. Museumsleiter Martin Mäntele nennt es den „antifaschistischen Gründungsimpuls“. Denn eine der Initiatorinnen ist Inge Aicher-Scholl, die Schwester von Hans und Sophie Scholl. Und Max Bill verkündet damals: „Die gesamte Tätigkeit an der Hochschule ist darauf gerichtet, am Aufbau einer neuen Kultur mitzuarbeiten.“

Haus auf der Alb | Gregor Lengler

Kunstmuseum | Gregor Lengler

Die Avantgarde in Stuttgart In den 1920er-Jahren erlebt Stuttgart eine aufregende Zeit – voller Freiheiten und Vergnügungen und mit einer jungen Kunstszene. Bilder einer Stadt auf dem Weg in die Moderne. Spannende Jahre: 1922 feiert Oskar Schlemmers Triadisches Ballett in Stuttgart Uraufführung. Die Metropole am Neckar entwickelt sich zur Automobilstadt. Schon 1924 gibt es hier prozentual zur Bevölkerung mehr Kraftfahrzeuge als in Berlin. MercedesBenz wirbt mit dem Typus der sogenannten neuen Frau für seine Autos – mit Damen, die Bubikopf zu dunkel geschminkten Augen tragen. 1927 berichtet die Weltpresse von New York bis Moskau über die Bauausstellung am Weissenhof. Und 1929 schließlich tritt die legendäre Tänzerin Josephine Baker spärlich bekleidet im Friedrichsbau auf und wird gefeiert. Die Kinos, Tanzbars und Badeanstalten boomen.

Natürlich gibt es in vielen Metropolen Europas Goldene Zwanzigerjahre. Die Engländer nennen sie die Roaring Twenties, die Franzosen Les Années Folles. Verrückt sind diese Jahre nach dem Ersten Weltkrieg wirklich nicht nur in Berlin.

Im Sommer besuchen viele Stuttgarter die Waldheime, die Arbeitervereine Anfang des Jahrhunderts errichtet haben. Weil die tägliche Arbeitszeit vieler Angestellter und Arbeiter reduziert worden ist, haben die Menschen abends freie Zeit, um sich zu vergnügen. Öffentliche Verkehrsmittel erlauben ihnen zudem eine neue Mobilität. Stuttgart ist im Rausch von Moderne, Kunst, Tempo, Freiheit.

Schon seit 1905 lehrt an der Kunstakademie zudem Adolf Hölzel, der als wichtiger Vertreter der Moderne gilt und der um sich begabte junge Künstler wie Oskar Schlemmer, Johannes Itten, Willi Baumeister und Ida Kerkovius versammelt. „Man kann mit Fug und Recht sagen: Wir haben das Bauhaus erfunden“, meint Nils Büttner, Professor für Mittlere und Neuere Kunstgeschichte und Mitglied des Rektorats an der heutigen Staatlichen Akademie der Bil-

„Stuttgart hatte schon damals ein sehr modernes Image“, erzählt Anja Krämer, die das Weissenhofmuseum im Haus Le Corbusier leitet. Und Steffen Egle, Leiter Bildung und Vermittlung in der Staatsgalerie Stuttgart, ergänzt: „Auch in der Museumspolitik war Stuttgart ein Hotspot. Man dachte in der Staatsgalerie sehr modern und interessierte sich für expressionistische Kunst.“


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Triadisches Ballett | Gregor Lengler

denden Künste. Denn in der Ausbildung bei Hölzel gibt es eine Grundlehre und Werkstätten wie später am Bauhaus. Schlemmer und Itten entwickeln viele der Hölzel-Ideen am Bauhaus in Weimar weiter. Wo kann man diese neue Kunst von damals heute noch erleben? Natürlich in der Staatsgalerie Stuttgart, wo neben dem Triadischen Ballett weitere wichtige Werke von Oskar Schlemmer zu sehen sind. Außerdem hängen dort auch fast immer Bilder von Willi Baumeister und Ida Kerkovius – neben vielen Hauptwerken der internationalen Moderne natürlich. Im Kunstmuseum Stuttgart am Schlossplatz gibt es ebenfalls mehrere Räume mit Bildern von Künstlern, die in den 1920er-Jahren Stuttgarts Ruf als spannende Kunststadt begründeten. Auch viele Bilder von Otto Dix sind dort zu sehen, unter anderem das Triptychon „Großstadt“.

Im Witwen-Express zum Waldfriedhof Aber nicht nur Kunstwerke sind geblieben: Der Tagblattturm, 1924 als erstes Stahlbeton-Hochhaus Deutschlands geplant, ist ein Wahrzeichen der Stadt geworden. Einst gab es dort den mit 15 Stockwerken höchsten Paternoster der Welt. Heute ist in dem Gebäude das Kulturareal „Unterm Turm“ zu Hause – mit mehreren Theatern und kulturpädagogischen Einrichtungen. Mit der alten, hölzernen Standseilbahn, die einst den Spitznamen Witwen- oder Erbschleicher-Express hatte, zuckelt man schon seit dem 30. Oktober 1929 ab dem Südheimer Platz in Heslach zum Waldfriedhof hinauf, wo man die Gräber wichtiger Prominenter, unter ihnen Oskar Schlemmer oder Adolf Hölzel, besuchen kann.

Und nachts, da trifft sich Stuttgarts Szene an einem ehemaligen Klohäuschen von 1926 – am Palast der Republik in der Friedrichstraße. Weil’s drinnen so eng ist, wird meistens auf dem ganzen kleinen Platz gefeiert. Auch viele Waldheime sind geblieben. Noch heute sitzt man an schönen Sommerabenden in Heslach oder Sillenbuch und genießt zum Feierabendbier Maultaschen oder Linsen mit Spätzle.

Eine Bar wie vor 100 Jahren, aber mit WLAN Und eine neue 1920er-Jahre-Location hat Stuttgart auch, noch dazu eine ziemlich exklusive: das im Stil der damaligen Zeit eingerichtete Jigger & Spoon in der Gymnasiumstraße – eine Cocktailbar in einem ehemaligen Banktresor. Man muss klingeln, um eingelassen zu werden, und dann mit dem Fahrstuhl erst einmal zwei Stockwerke abwärts fahren. „Wir wollten an die Tradition der amerikanischen Speak-easy-Bars während der Prohibition anknüpfen“, erzählt Eric Bergmann, dem gemeinsam mit Uwe Heine die Bar gehört. Zehn Monate hat es gedauert, um aus dem Tresor eine Location wie vor 100 Jahren zu machen, natürlich mit WLAN und modernen Cocktails. An wertvolle Schätze erinnern nur die Vergitterungen der ehemaligen Tresorräume. Aber eine Goldgrube ist das Jigger & Spoon immer noch. Stuttgart feiert gern hier unten. Ein bisschen Underground. Ein bisschen Avantgarde. Bis heute.

Weitere Informationen unter www.tourismus-bw.de/Kultur

Museum FriederBurda, Baden-Baden | Jochen Tack

Eine Kunst für sich Große Bauwerke sind Teil unserer Kultur – und dies nicht nur für heutige, sondern auch für künftige Generationen. Sie sorgen für Zündstoff und Begeisterung. Neun Beispiele, die heftige Diskussionen auslösten. Museum Frieder Burda, Baden-Baden Architekt mit Kultstatus. Der New Yorker Richard Meier hat bereits das Getty-Center in Los Angeles und das Museum für zeitgenössische Kunst in Barcelona entworfen. Seinen weißen Bau an der Lichtentaler Allee vergleicht der Meister mit einer „transparenten Villa“. Private-Public-Partnership (PPP). Die Verknüpfung von Mäzenatentum und staatlicher Kunstförderung sorgte für Zoff. Die gläserne Brücke zwischen Kunsthalle und Burda-Museum wurde zum Symbol der Querelen. Weltweite Strahlkraft besitzt das Museum heute. Besucher kommen nicht nur wegen der Kunst, sondern auch wegen der Architektur. Sie ist großzügig, aber nicht protzig und hat eine einladende Atmosphäre. www.museum-frieder-burda.de

Unibibliothek Freiburg Die Unibibliothek (UB) ist ein Hingucker. In ihrer Fassade spiegelt sich die Stadt: Die Unibibliothek liegt wie ein geschliffener schwarzer Diamant zwischen Stadttheater, dem alten Kollegiengebäude und dem Synagogenplatz. Und neben der mittelalterlichen Münsterromantik kann sich die Stadt jetzt sogar über einen gelungenen Bilbao-Effekt freuen. Doch Vorsicht! Das Gebäude sieht zwar schillernd aus, hat aber seine Schattenseiten. Lacht in Freiburg die Sonne, kann es gefährlich werden. Dann bringt ihr Licht die futuristische Glasfassade zum Strahlen, und nicht nur Autofahrer werden geblendet. Da hilft nur eins: Vorhang runter.

Schlossplatz | Gregor Lengler

Das Herz der Uni schlägt wieder. Alle Ebenen der UB sind perfekt durchdacht. 1200 Arbeitsplätze verfügen über Sicherheitsschlösser für Laptops und gutes Licht. Im LoungeBereich stehen Designersessel. Lernen kann so schön sein. www.visit.freiburg.de

Bahnstadt Heidelberg Das Projekt ist spektakulär. Mitten in Heidelberg entstehen Wohnungen und Arbeitsplätze für über 10 000 Menschen. Als größte Passivhaussiedlung der Welt hat die Bahnstadt Modellcharakter weit über Deutschland hinaus. Im Alltag könnte es für die Bewohner des nachhaltigen Stadtentwicklungsprojekts (die Häuser haben einen um 50 bis 80 Prozent niedrigeren Energiebedarf als herkömmliche Bauten) Probleme geben, etwa beim Lüften. Fenster aufreißen kann kontraproduktiv sein. Die Häuser haben ein kompliziertes Belüftungssystem, brauchen aber keine klassische Heizung. Vielfältige Gebäudetypen: Die Bahnstadt bietet auf dem ehemaligen Güterbahnhofsgelände Wohnraum und Wohnlösungen, die so individuell wie ihre Bewohnerinnen und Bewohner sind. www.heidelberg-bahnstadt.de

experimenta Heilbronn Schön verdreht. Der Bau ist eine Skulptur aus Glas und Stahl. Prägnantes Element ist die „Raum-Spirale“, die sich auf fünf Ebenen durchs Gebäude zieht und die einzelnen Bereiche verbindet. Wenn 2019 alles fertig ist, wird der Blick von der Dachterrasse auf die Bundesgartenschau phantastisch sein. Und wo früher Konkurrenz war, herrscht heute Einigkeit: BUGA und experimenta werden Heilbronn zum Leuchten bringen. XXL-Experimentierwelt. Zu den Highlights zählen neun Labore, ein Science Maker Space, vier Themenwelten, vier Talentschmieden, eine Experimentalbühne, eine Sternwarte und ein Science Dome – die Kuppel der Superlative. www.experimenta.science

Platz der Grundrechte Karlsruhe Recht und Gerechtigkeit, was bedeuten sie für den Einzelnen, was für die Demokratie? Auf 48 Schildern installierte der Künstler Jo-


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UniBibliothek Freiburg | Jochen Tack

chen Gerz prägnante und zugleich höchst unterschiedliche Aussagen zum Thema. Kritik äußerten die „Arbeitsgemeinschaft Karlruher Stadtbild e. V.“ und die Fraktion der Grünen. Problem sei nicht die Arbeit des Künstlers, sondern die teils unpassenden Standorte der Metallstelen. So verstellen sie zum Beispiel den Blick vom Marktplatz auf das Schloss. Außerdem, so die Kritiker, behindern sie den Radverkehr. Das ungewöhnliche Kunstwerk ist ein Geschenk zum 50-jährigen Bestehen des Bundesverfassungsgerichts. Auch weiterhin wird es Aufgabe der Schilder sein, ein sperriges Thema für die breite Öffentlichkeit erlebbar zu machen. www.karlsruhe.de

Neue Kunsthalle Mannheim Stadt in der Stadt lautet das Konzept und ist zugleich Einladung in eine weitläufige, helle Architektur. Um das 22 Meter hohe, lichtdurchflutete Atrium gruppieren sich auf drei Ebenen dreizehn Ausstellungskuben. Mit dem Metallgewebe an der Außenfassade kann sich jedoch nicht jeder anfreunden.

Und überhaupt: Der „Kunsttempel“ bilde einen zu starken Kontrast zum Jugendstilensemble rund um den Wasserturm – so die Kritiker. Andere schätzen die Zurückhaltung des Gebäudes. Dank spannender Sichtachsen können sich die Besucher durch den spektakulären Bau treiben lassen. Ihr Weg führt über Galerien, Brücken und Terrassen in Räume, in denen die Kunst präsentiert und nicht zelebriert wird. www.kuma.art

Technisches Rathaus Pforzheim Architektur des Wiederaufbaus. 1957 entwarf Architekt Hans Schürle das Technische Rathaus. Heute zählt der Bau zu den besten 50er-Jahre-Bauten der Stadt. Doch es gab Ärger. Das Gebäude sollte einem Shopping-Center weichen. Die Kosten für eine Renovierung erschienen der Verwaltung nämlich zu hoch. Sie propagierte einen Abriss. Bürger warfen den Verantwortlichen vor, sie seien dabei, „ihr Tafelsilber in der Tonne zu entsorgen“.

Platz der Grundrechte, Karlsruhe | Jochen Tack

Im Zweiten Weltkrieg verlor Pforzheim 80 Prozent seiner Gebäude im Zentrum. Statt auf historische Rekonstruktionen setzte man auf Neubauten. Deshalb ist die Stadt von 50er-Jahre-Architektur geprägt. www.pforzheim.de

den Himmel. Auch bei Dunkelheit verzaubert das Juwel am Mailänder Platz. Dann leuchtet seine Fassade in tiefblauem Glanz. www.stuttgart-tourist.de/ a-stadtbibliothek-stuttgart

Stadtbibliothek Stuttgart

Tradition trifft Moderne. Die makellos geometrische, weiß verputzte, dreistöckige „Bauskulptur“ befindet sich in direkter Nachbarschaft zum spätgotischen Ulmer Münster. Menschen aus aller Welt begegnen sich hier.

Schöner Lesen. Von außen wirkt das Gebäude wie ein schlichter Würfel. Innen jedoch erstrahlt es ganz in Weiß mit einem Aufbau, der an eine Pyramide erinnert. Farbe und Leben bringen Bücher und Besucher in den Bau. Während der Bauphase gingen die Meinungen in der Bevölkerung stark auseinander. Viele sprachen von „Bücherknast“ oder „Stammheim II“. Heute zählt die Stadtbibliothek zu den ganz Großen ihrer Zunft. Laut der amerikanischen Wochenzeitschrift „Time“ gehört sie – als einzige in Deutschland – zu den 20 schönsten der Welt. Nicht nur Bücher-, auch Architektur-Fans sind begeistert. Über neun Stockwerke erhebt sich das Bauwerk des Kölner Architekten Eun Young Yi in

Stadthaus Ulm

Über 100 Jahre rang Ulm um die Gestaltung des Münsterplatzes. Der Bauplatz galt als „einer der heikelsten in der Bundesrepublik“. Als sich die Stadt 1986 für den Entwurf des New Yorkers Richard Meier entschied, brach ein Sturm der Entrüstung los – sollte die Kathedrale den Platz doch weiterhin allein dominieren. Nach 25 Jahren ist das Stadthaus zu einem internationalen Markstein moderner Architektur geworden und aus dem Stadtbild nicht mehr wegzudenken. Der Bau des Hauses war die Initialzündung für die Umgestaltung der Neuen Ulmer Mitte. www.stadthaus-ulm.de

Kunsthalle Mannheim | Jochen Tack


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JOHN | arttourist.com 1|2019

Tanz | Stuttgart  |  49

Das Stuttgarter Ballett Eine schwäbische Erfolgsgeschichte Ballett in Stuttgart, das sind Tradition und Aufbruch, Repertoirepflege und Neuproduktionen, Ballettfans und Tanzlegenden. Dass das Stuttgarter Ballett heute zu den gefragtesten Ballettensembles weltweit gehört, ist nicht zuletzt John Cranko, Marcia Haydée und Reid Anderson zu verdanken. Ersterer, 1961 aus London kommend, krempelte in den folgenden zwölf Jahren, bis zu seinem überraschenden Tod, bestehende Strukturen um, emanzipierte das Ballett von der Oper, baute nach und nach ein umfangreiches Repertoire auf und förderte zahlreiche Tänzerpersönlichkeiten wie Egon Madsen, Richard Cragun, Birgit Keil, Ray Barra und nicht zuletzt Marcia Haydée. Diese trat 1976 das Erbe Crankos an, erweiterte das Repertoire der Compagnie um Werke von Hans van Manen und Maurice Béjart und bemühte sich intensiv um die Förderung des choreographischen Nachwuchses wie zum Beispiel William Forsythe und Uwe Scholz. Ihr folgte Reid Anderson, der in den 22 Jahren seiner Intendanz die ErfolgsFriedemann Vogel, Erster Solist und Kammertänzer Stuttgarter Ballett, Fotos: Helmuth Scham | www.schampus.com


50  |  Tanz | Stuttgart

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Über die Dekaden hinweg war es Cranko und seinen Nachfolgern eine Herzensangelegenheit, sowohl Choreographen als auch Tänzer zu fordern und zu fördern. Stuttgart hat eine Reihe renommierter Choreographen wie Ballettdirektoren hervorgebracht und wurde so zum Ausgangsort für Karrieren mittlerweile international bekannter Namen wie John Neumeier und Jiří Kylián, beide Tänzer unter Cranko. 1971 schließlich gründete Cranko die erste staatliche Ballettschule der Bundesrepublik – und erfüllte sich damit einen langgehegten Herzenswunsch. Mit der Eröffnung der 1974 in John Cranko Schule umbenannten Ballettschule legte er das Fundament für eine der heute hochwertigsten und anerkanntesten Ballettausbildungsstätten weltweit.

Alicia Amatriain in A. Memory | © Stuttgarter Ballett

geschichte der Compagnie weiterschrieb, Crankos Vermächtnis bewahrte, Meisterwerke des 19. und 20. Jahrhunderts ins Repertoire nahm und über 120 Uraufführungen in Auftrag gab. Seinem geschulten Auge sind Choreographenentdeckungen wie Christian Spuck, Marco Goecke, Demis Volpi und Louis Stiens zu verdanken. Die Vielfalt, die das Schaffen der Compagnie über die zurückliegenden Jahrzehnte prägte, wird heute unter Tamas Detrich fortgeführt: Nach rund 25 Jahren als Tänzer und Erster Solist in der Compagnie arbeitete er zunächst als Ballettmeister und Stellvertretender Künstlerischer Leiter unter Reid Anderson, ehe er mit der Spielzeit 2018/19 seine erste Saison als Ballettintendant des Stuttgarter Balletts begann.

Die tänzerische Vielfältigkeit hat sich das Stuttgarter Ballett auch heute, 46 Jahre nach Cranko, bewahrt und besticht unter der Intendanz von Tamas Detrich mit einem beeindruckend facettenreichen Repertoire: So startete die Compagnie zunächst mit einem klassischen Ballettabend in die laufende Spielzeit 2018/19, ehe sie sich in der zweiten Spielzeithälfte mit spannenden Ballettabenden sowie zwei großen abendfüllenden Balletten von ihrer zeitgenössischen Seite zeigt. Den Auftakt dazu macht kein Geringerer als Tanzvirtuose Jiří Kylián, der im Februar ins Schwabenland zurückkehrt, wo seine Weltkarriere einst vor 50 Jahren begann. Dieses Jubiläum feiert das Stuttgarter Ballett mit der Stuttgarter Erstaufführung von One of a Kind – einem Stück, das das gesamte Spektrum seines Bewegungsvokabulars darbietet.

Ein Fest für die Augen erwartet das Publikum mit der größten Neuproduktion der Spielzeit: Kein Geringerer als Ausstattungslegende Jürgen Rose zeichnet verantwortlich für eine komplett neue Ausstattung der Stuttgarter Erstaufführung von Kenneth MacMillans Mayerling. Das dramatische Handlungsballett um Kronprinz Rudolf von Österreich-Ungarn und seine Geliebte Baroness Mary Vetsera wird in der unverkennbaren Rose-Signatur ab dem 18. Mai 2019 auf die Bühne kommen – mit eindrucksvoll eingerichteten Räumen, stilsicheren opulenten Kleidern und einer pompösen Hofburg. Die Spielzeit schließt mit dem Ballettabend ATEM-BERAUBEND, der das Publikum mit drei modernen Choreographien in den Bann schlägt. Neben der Rückkehr von Itzik Galilis Hikarizatto bringt er zwei Erstaufführungen nach Stuttgart, Out of Breath von Johan Inger und Kaash von Akram Khan – der für die Stuttgarter Erstaufführung seiner Choreographie erstmals mit einer deutschen Compagnie zusammenarbeitet. www.stuttgarter-ballett.de Karten & Informationen unter +49 (0)711 20 20 9 Theaterkasse: Königsstraße 1d, 70173 Stuttgart

Ganz im Zeichen des 100-jährigen Jubiläums der Weimarer Verfassung und des Bauhauses steht der Ballettabend AUFBRUCH! Im Auftrag von Ballettintendant Tamas Detrich werden sich drei ChoreographInnen – Nanine Linning, Katarzyna Kozielska sowie Edward Clug – mit dem damaligen wie heutigen Verständnis von Demokratie und Kunst auseinandersetzen. In Koproduktion mit dem Deutschen Nationaltheater Weimar werden am 28. März 2019 drei Uraufführungen auf die Bühne gebracht. SchülerInnen der JohnCranko Schule in Etüden | © Stuttgarter Ballett

habe ich dann meine Ausbildung dort begonnen. Was war ihre erste Rolle, und haben Sie über die Jahre eine Lieblings-, eine Paraderolle entwickelt? Friedemann Vogel: Reid Anderson, mein damaliger Ballettdirektor, hatte mir schon im ersten Jahr große Rollen anvertraut, wie zum Beispiel Theme and Variations von George Balanchine und Albrecht in Giselle. Daraufhin folgten nach und nach weitere große und wichtige Rollen des Ballettrepertoires und ich wurde zum Ersten Solisten befördert. Lieblingsrollen gibt es viele, doch Onegin ist eine meiner liebsten und wichtigsten. Ich habe das Ballett erstmals als Kind gesehen und mir nie vorstellen können, irgendwann selbst darin zu tanzen. Die Faszination von damals hält bis heute an.

© Helmuth Scham | www.schampus.com

Wir sprachen mit Friedemann Vogel, Erster Solist, Kammertänzer Stuttgarter Ballett Sie waren im Herbst in Japan. Wie war es? Friedemann Vogel: Es war meine dritte Reise nach Japan im letzten Jahr. Japan ist immer besonders, die Menschen dort sind – ähnlich wie in Stuttgart – sehr ballettbegeistert und sind bei den Vorstellungen immer emotional sehr dabei. So viele treue Fans, die sogar nach der Vorstellung im Regen auf einen warten, machen den Aufenthalt in Japan immer unvergesslich.

Sind Sie heute schon John Cranko begegnet? Wieviel John Cranko weht noch über die Bühne und den Ballettsaal des Staatstheater Stuttgart? Wie würden Sie Ihre Beziehung zu John Cranko beschreiben? Friedemann Vogel: John Cranko ist bei uns immer präsent, nicht nur durch die vielen Ballette, die wir von ihm tanzen, sondern auch sein Geist und seine Kreativität inspirieren bis heute noch viele Künstler. Für mich sind seine Handlungsballette jedes Mal eine neue

Erfahrung, die mich immer wieder aufs Neue erfüllt und mitnimmt. Und dem Publikum geht es nicht anders: Selbst Jahrzehnte nach der Uraufführung berühren seine Werke sowohl Tänzer als auch Publikum mit jeder neuen Vorstellung. Wie kamen Sie zum Ballett? Wer oder was war Inspiration, die Initialzündung und wie war der Weg vor und bis zum Eintritt in die John Cranko Schule?

Friedemann Vogel: Durch meinen großen Bruder, der auch Erster Solist beim Stuttgarter Ballett war, bin ich zum Tanz gekommen: Selbst wenn Balletttänzer kein typischer Traumberuf für einen Jungen ist, war mir mit fünf Jahren schon klar, dass ich Tänzer werden möchte. Nach ein paar Jahren in einer privaten Ballettschule in Tübingen konnten meine Eltern mich auch nicht mehr bremsen, als ich die Aufnahmeprüfung an der John Cranko Schule machen wollte. Mit zehn Jahren

Gibt es ein Scheitern in einer Rolle, in der Zusammenarbeit mit einer Choreografin oder Choreografen, einem Ensemble, einer Partnerin oder Partner? Friedemann Vogel: Es gab eine Rolle, die ich gerne getanzt hätte, Glen Tetleys Pierrot Lunaire. Nach einigen Proben stellte sich heraus, dass ich nicht der passende Typ in diesem Moment war. Das war sehr schmerzhaft, doch wie man so schön sagt: Niederlagen machen einen nur stärker. Haben Sie Musik, zu der Sie lieber tanzen. Ist ein Mozart leichter als ein Philipp Glass? Friedemann Vogel: Musik ist sehr wichtig und transportiert Emotionen. Choreographien sind eigene Kunstwerke und so auch die jeweilige Musik. Da passt nicht immer ein gutklingender Mozart, sondern manchmal eher ein Schönberg. Gibt es Rollen, Häuser, ähnlich wie bei den Schauspielern, die man einmal im Leben getanzt,


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Tanz | Stuttgart  |  51

Aina Oki und Motomi Kiyota im Sylvia Pas de deux, © Ulrich Beuttenmüller

© Helmuth Scham | www.schampus.com

auf dessen Bühne man einmal im Leben gestanden haben muss? Friedemann Vogel: Natürlich sind das Bolschoi-Theater oder die Mailänder Scala sehr beeindruckend. Doch letztendlich ist es wichtig, wie man tanzt und nicht wo. Wie sieht ein Tag im Leben des Tänzers Friedemann Vogel aus? Friedemann Vogel: Bei uns beginnt um 10:00 Uhr das Training im Ballettsaal, danach folgen Proben bis zum Abend. Wenn ich in der Vorstellung tanze, sammele und konzentriere ich mich nachmittags, bevor es abends losgeht. Da ich viel gastiere und auf Reisen bin, kommt selten Alltag oder Routine auf. Somit ist jeder Tag aufs Neue eine Überraschung. Ihr Körper, Fitness und Gesundheit ist ihr Kapital, ein schmaler Grat. Wie gehen Sie damit um, sich nicht verletzten zu dürfen und wie sind sie abgesichert? Friedemann Vogel: Die Absicherung eines Tänzers ist das tägliche Training, weil wir damit unseren Körper stärken und für Proben und Vorstellungen vorbereiten. Doch bleibt der Beruf des Tänzers natürlich immer sehr fragil und unvorhersehbar. Sie werden in diesem Jahr 40 Jahre jung. Wie sind Ihre Planungen und gibt es Ideen für die Zeit nach der Ensemblezugehörigkeit am Stuttgarter Ballett? Friedemann Vogel: Gedanken über das Ende mache ich mir nicht – im Tanz geht es mehr um den Moment und die Gegenwart. Als Künstler bin ich immer bereit für Neues und gespannt, was die Zukunft bringt. Doch der Tanz wird immer ein Bestandteil meines Lebens sein – einmal Tänzer, immer Tänzer! © Helmuth Scham | www.schampus.com

Das Gespräch führte Kai Geiger.

Friedemann Vogel Friedmann Vogel wurde in Stuttgart geboren. Er absolvierte seine Ballettausbildung zunächst an der John Cranko Schule in Stuttgart und danach als Stipendiat des John Gilpin-Fonds bei Marika Besobrasova an der Académie de Danse Classique Princesse Grace in Monte Carlo. Sein besonderes Talent wurde mit zahlreichen Preisen bei internationalen Ballett-Wettbewerben gewürdigt, darunter der Prix de Lausanne und der Erik-Bruhn-Preis für junge Tänzer in Toronto. Zu Beginn der Spielzeit 1998/99 kam er ins Corps de ballet des Stuttgarter Balletts. Im Juni 2002 erfolgte seine Ernennung zum Ersten Solisten. 2015 wurde Friedemann Vogel vom Land Baden-Württemberg der Titel Kammertänzer am Staatstheater Stuttgart verliehen. Beim Stuttgarter Ballett tanzte Friedemann Vogel zahlreiche Hauptrollen in abendfüllenden Balletten berühmter Choreographen. Sein Repertoire reicht von tragenden Rollen in Balletten John Crankos, wie Siegfried in Schwanensee, die Titelrollen in Romeo und Julia und One-

gin sowie Prinz Desiré in Dornröschen (Marcia Haydée nach Patipa), Albrecht in Giselle (nach Coralli, Perrot, Petipa), James in La Sylphide (Peter Schaufuss) und Armand Duval in Die Kameliendame (John Neumeier). Darüber hinaus tanzte Friedemann Vogel in Balletten von Mikhail Fokine, George Balanchine, Jerome Robbins, Kenneth MacMillan, Maurice Béjart, Glen Tetley, William Forsythe etc. Viele Choreographen kreierten eigens für ihn Rollen in ihren Balletten, darunter Wayne McGregor, Mauro Bigonzetti, Sidi Larbi Cherkaoui, Christian Spuck, Itzik Galili und Marco Goecke, der seinen abendfüllenden Orlando eigens für ihn kreierte. Friedemann Vogel erhält regelmäßig Einladungen von angesehenen Compagnien auf der ganzen Welt. Als Gast tritt er unter anderen am Bolschoi Ballett, English National Ballet, an der Mailänder Scala und am Mikhailovsky Ballett, St. Petersburg auf. Außerdem ist er regelmäßiger Gast bei zahlreichen internationalen Galas.

Die John Cranko Schule Neues Zuhause für die Kaderschmiede des Stuttgarter Balletts Noch ist er unbewohnt, der Neubau der John Cranko Schule im Stuttgarter Osten, doch das bleibt nicht lange so: Während der Spielzeit 2019/20 soll das Quartier für Schülerinnen und Schüler von sieben bis 18 Jahren bezugsfertig werden, ein Meilenstein in der Geschichte des Stuttgarter Balletts – und für die erste staatliche Ballettschule der Bundesrepublik. Das Fortschreiben der Erfolgsgeschichte der Schule, zu der John Cranko einst die traditionsreichen Ballettschulen der großen Compagnien in St. Petersburg und Paris inspirierten, ist nicht zuletzt Reid Anderson zu verdanken. Der Ballettintendant des Stuttgarter Balletts von 1996 bis 2018 und ehemaliger Erster Solist unter John Cranko hatte es sich zur Aufgabe gemacht, Crankos Vision einer an die Compagnie angegliederten Ballettschule fortzuführen und hat die Realisierung des Neubaus über Jahrzehnte hinweg vorangetrieben. Als John Cranko 1961 nach Stuttgart kam, führte er die Ballettcompagnie der Staatstheater Stuttgart, das heutige Stuttgarter Ballett, innerhalb kurzer Zeit zu Weltruhm. Crankos Idee, in Stuttgart eine Ausbildungsstätte für Nachwuchstänzer zu schaffen, die in engem Kontakt mit der Ballettcompagnie ausgebildet werden sollten, ist zehn Jahre nach seiner Ankunft Wirklichkeit geworden. Heute, fast 50 Jahre später, sind rund 70% der Tänzerinnen und Tänzer des Stuttgarter Balletts Absolventen der Schule, unter ihnen die Ersten Solistinnen und Ersten Solisten Alicia Amatriain, Anna Osadcenko, Hyo-Jung Kang und Adhonay Soares da Silva. Die 1974 nach ihrem Gründer benannte John Cranko Schule wurde am 1. Dezember 1971 in Anwesenheit des damaligen Kultusministers Prof. Dr. Wilhelm Hahn, Oberbürgermeisters Dr. Arnulf Klett, Generalintendant Prof. Walter Erich Schäfer und John Cranko persönlich offiziell eingeweiht. Erstmals in Westdeutschland wurde eine kontinuierliche Ausbildung für klassischen Tanz von der Grundausbildung bis zum Berufsabschluss geschaffen. 1973 bekamen die beiden letzten Klassen, die sogenannten Theaterklassen, den Status einer Staatlichen Ballettakademie / Berufsfachschule. Damit bot die John Cranko Schule als einzige in Westdeutschland eine vollständige Ausbildung in klassischem Tanz mit staatlichem Diplom. Unter der Leitung von Anne Woolliams und Heinz Claus avancierte die Schule zu einer international beachteten Adresse für Nachwuchstänzer. Seit 1999 steht die dem Stuttgarter Ballett angegliederte John Cranko Schule unter der Direktion von Tadeusz Matacz und ist heute eine der renommiertesten Ballettschulen der Welt. www.john-cranko-schule.de

Schülerinnen der Schule in Etüden | © Ulrich Beuttenmüller


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Die Liederhalle ist fertig. Neben der Oper wirddaszerbombteSchauspielhausdurch einen Neubau ersetzt. Englisch sprechen die wenigsten. Die Jugend immerhin hört AFN, den amerikanischen Soldatensender, tanzt Rock ’n’ Roll und Twist.

Wie ein dunkler, fremder Stein Oper und Schauspiel stehen bei der Bevölkerung hoch im Kurs. Das Ballett reizt sie weniger, auch wenn es seit 1958 die NoverreGesellschaft gibt, eine Art Förderverein für klassischen und modernen Tanz. Der damalige Intendant Walter Erich Schäfer erzählt in seiner Autobiografie Bühne eines Lebens, wie schwer es ist, Opernabonnenten ins Ballett zu locken. Einer verbittet sich brief lich, ein »solches Zerrbild des Lebens« sehen zu sollen. Klassiker wie Coppélia, Dornröschen, Giselle und Der Nussknacker, die der Ballettchef Nicholas Beriozoff aufführt, passen nicht zur Stimmung. Cranko passt besser. Und das, obwohl er mit seiner Persönlichkeit in der bodenständigen württembergischen Landeshauptstadt aneckt. Schäfer beschreibt Cranko so: »Er lag in diesem Land wie ein Findling, wie ein dunkler, fremder Stein, dessen Herkunft kein Geologe erklärte.« Geboren wird Cranko 1927 in Rustenburg nordwestlich von Johannesburg. Von seiner Kindheit erzählte er später Schäfer, der die Gespräche in einem Buch festhielt: »Ich war die ganze Zeit in der Obhut von Schwarzen. Meine erste Begegnung mit Kunst war eigentlich, dass diese Leute mir zeigten, wie man Tiere modelliert. Sie haben mir auch gezeigt, wie man Erdfarben findet und wie man auf Stein malt. So habe ich meine Kindheit verbracht.« Sein Vater ist Anwalt und setzt sich oft für die Rechte der Schwarzen ein. Und doch ist es das Landgut eines weißen Klienten, wo der zehnjährige Cranko als Feriengast eine Szene erlebt, die er nie vergessen wird. »Eines Nachts hörte ich einen Krach im Hof, schaute hinaus, sah, wie man eine Schwarze zu Tode peitscht.« Am nächsten Tag ruft er seinen Vater an, er will abgeholt werden. Den schockierenden Vorfall behält er für sich: »Es ist mir als Kind nie eingefallen, dieses Erlebnis meinem Vater zu erzählen.« Jahre später vor die Wahl gestellt, wird er den britischen Pass wählen. Erst dann ist der Bruch mit seiner Heimat vollendet.

Das Stuttgarter Ballett vorm Bühneneingang bei einem Gastspiel in Israel 1970: John Cranko (2. v.r.), die Tänzerin Marcia Haydée (M.), Alan Beale, Anne Woolliams und Dieter Gräfe (v.l.) | 1970 | © Hannes Kilian

Der Grenzgänger Schwarz oder Weiß? Vor die Wahl gestellt, hätte er wohl Pink genommen. Oder vielleicht kariert? John Cranko war der Gründer des Stuttgarter Balletts. Er hat aus einem unbekannten Ensemble die weltberühmte Compagnie gemacht, aus klassischem und modernem Tanz etwas völlig Neues geschaffen. Mit Konventionen spielte er, Normen interessierten ihn nicht. Das Porträt eines Menschenfreunds. Er lebt. Wenn alte Freunde Anekdoten erzählen, wenn Weggefährten Bücher über ihn schreiben, dann ist er quicklebendig. Sie erzählen von seinem Witz, seinen Ideen, wie er Menschen um sich scharte. Von dem Zigarettenqualm, den er überall hinterließ, auch im Probenraum. Wie er mit Stühlen um sich warf, weil er sich an Vorschriften stieß. Von plötzlicher Eifersucht auf Freunde, die – anders als er – auch privat ihr Glück fanden. Von seinen Augen, intensiv blau, manchmal bohrten sich seine Blicke bis ins Mark.

schen Extremen: Ruhm und Bewunderung auf der einen Seite, auf der anderen Verzweif lung und Einsamkeit. Konventionen interessierten ihn nur, um sie anschließend zu brechen. In wenigen Jahren erfand Cranko die Welt des Balletts neu. Von Stuttgart aus öffnete er Türen, sprengte Ketten. Vor seiner Zeit gab es nur das eine oder das andere: klassischen, russisch geprägten Standard oder moderne, reduzierte Körperkunst. Cranko schöpfte aus beidem. Er wollte unterhalten, Geschichten erzählen und auch jene berühren, die nichts von Ballett verstanden. Er war ein Menschenfreund. Und sich selbst war er vielleicht der größte Feind.

Aber wenn vom 26. Juni 1973 die Rede ist, werden manche Stimmen brüchig. An jenem Tag war Cranko mit seinem Stuttgarter Ballett auf dem Rückflug von einer USA-Tournee. Da war dieses Als Cranko Anfang der Sechzigerjahre nach Stuttgart kommt, Röcheln. Mehr nicht. Er hatte ein Beruhigungsmittel eingenomist er in London schon ein Star. Das Publikum dort liebt seine men, das gegen Flugangst half, doch es unterdrückte auch seine Stücke, doch die Presse stürzt sich auf Körperreflexe: Er erstickte schlafend an seine Homosexualität. Er muss die Stadt seinem Erbrochenen, 45 Jahre alt. „Er regierte nicht mit der Angst, sondern ver lassen, Stuttgart kann gerade einen mit der Liebe. Niemand in der Truppe fürchtete sich vor ihm. Doch wenn er einen Gastchoreographen gebrauchen: Es ist Cranko war ein Stern, der gleißend Ballettsaal betrat, herrschte ganz plötzlich ein Zufall, der ihn nach Deutschland strahlte und viel zu früh verlosch. Sich vollkommene Stille.“ führt. anpassen, festlegen, Normen gehorchen MARCIA HAYDÉE DIREKTORIN DES BALLETTS VON SANTIAGO DE CHILE – wozu denn? Schwarzweiß liebte er seiStuttgart hat damals gut 630 000 Einwohnen Dalmatiner Artus, schwarzweiß war ner und lebt den Aufschwung. Arbeitskräfte werden dringend gedas Pepitamuster seiner Jacketts. Er trug rosarote Anzüge, bunte sucht, die ersten Gastarbeiter kommen. Im Zentrum sind noch Socken, Tennisschuhe. Sein Kopf war voller Ideen, das Herz volimmer Kriegsschäden zu sehen, gleichzeitig läuft der Umbau zur ler Leidenschaft. Er feierte die Nächte durch und machte keinen autogerechten Stadt. Hehl daraus, Männer zu lieben. Erlebte ein intensives Leben zwi-

Von ihren Reisen nach London bringen Crankos Eltern Gutenachtgeschichten mit. Sie erzählen ihm von Sergej Diaghilevs Ballets Russes und Auftritten der berühmten Tänzerin Anna Pavlova, die sie dort gesehen haben. Crankos Biograf beschreibt ein fasziniertes Kind, das auf Schallplatten Ballettmusik hört. Als Zwölfjähriger bekommt John ein Puppentheater. Wochenlang schnitzt er Marionetten, entwirft Szenenbilder und Kostüme, schreibt Texte und erfindet erste Ballette. Mit dreizehn erhält er Ballettunterricht. Er lebt nun, nach der Scheidung der Eltern, beim Vater in Johannesburg. Bald entdeckt er, dass sein eigentliches Talent in der Kreation liegt. Für den Cape Town Ballet Club wagt sich der Siebzehnjährige an Igor Strawinskys Geschichte vom Soldaten und erhält für seinen choreographischen Erstling viel Applaus. Kurz darauf kreiert er die Suite Aus Holbergs Zeit zur Musik von Edward Grieg, ein Werk ohne Handlung. Erzählend oder ganz pur: warum sich entscheiden? Cranko legt sich ungern fest, schon damals nicht.

Crankos Partys sind legendär 1946 zieht er nach London. Der Zweite Weltkrieg ist vorbei, die Metropole atmet auf, die Künste sind im Auf bruch. Cranko liebt die Stadt auf Anhieb, saugt auf, was ihm die Museen, Galerien, Konzerthäuser und Theater bieten, sucht den Kontakt zu Choreo graphen, Malern und Tanzpädagogen. Ninette de Valois, die Direktorin der Sadler ’s Wells Company, des späteren R oyal Ballet, hält Ausschau nach neuen Talenten und engagiert ihn als Tänzer. Mit dem Choreographieren muss er sich gedulden, wie er Schäfer später erzählte: »Ich habe zwei Jahre getanzt, nur getanzt. Dann war ich dran. Meine erste Aufgabe waren die Engel in Hänsel und Gretel.« Von der Tanzpädagogin Vera Volkova lernt er noch einmal ganz neu, erzählend zu choreographieren. »Alles, was ich von Bewegung verstehe, hat sie mir beigebracht. Denn sie hat nicht nur die einzelnen Schritte beschrieben, ihre Technik, sondern sie hat uns immer darüber hinaus ein Bild davon gegeben. Sie hat uns eine Bewegungs kette wie einen gesprochenen Satz erklärt.« 1950 wird Cranko, 23 Jahre jung, zum Haus choreographen des Sadler ’s Wells Theatre Ballet ernannt. Eine Ehre. Zehn Jahre lang zählt er zu den großen choreographischen Talenten in der britischen Hauptstadt. Ballettbühnen in Europa, Südafrika und den USA laden ihn zu Gastspielen ein. Nur an die Spitze schafft er es in London nie, dort steht unangefochten Frederick Ashton. Schließlich folgt Cranko seinen Interessen jenseits des Balletts, verwirklicht Ideen in Opern und Revuen. »Es war eine Rebellion«, erzählte er später seinem Stuttgarter Intendanten, »ich dachte mir, sie ist zu eng, diese Welt, der Tanz ist zu begrenzt im Ausdruck.« Zurück zum klassischen Tanz findet er dann fast zufällig: »Ich sah ein Mädchen, eine Tänzerin in ihrem Probenkleid: Sie rieb die Spitzen ihrer Schuhe in Kolophonium, stand auf dem Fuß und wackelte – und plötzlich war ich wieder ins Ballett verliebt.«


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Tanz | Stuttgart  |  53

Er muss sich die Stadt erst einrichten, auch jenseits des TheCranko ist zu dieser Zeit bestens in London vernetzt, seine aters. Einfach ist das nicht. Um zehn Uhr abends werden die Kontakte reichen bis ins britische Königshaus. Das wird zum Bürgersteige hochgeklappt, wie es heißt, Problem, als sein Schwulsein in die „Crankos Devise war immer: Man kommt doch er findet Wege. Seine Partys sind Schlagzeilen gerät. Um den Ruf seiner in den Zuschauerraum, das Programmheft legendär. Der frühere Solist Ray Barra erroyalen Freunde nicht zu gefährden, hat man nicht gelesen, die Lichter gehen innert sich, wie sein Direktor ihm und soll er das Land für eine Weile verlasaus, es fängt an, und man sollte als Zuanderen eine ganze Nacht lang Cha-Chasen. Svetlana Beriozova, seine Liebschauer alles verstehen.“ REID ANDERSON Cha beibrachte. Oft geht Cranko mit lingsballerina, hilft ihm. Sie fragt ihren INTENDANT DES STUTTGARTER BALLETTS seinen engsten Freunden zum Griechen Vater Nicholas Beriozoff, den Leiter des am Feuersee. Es spricht sich herum, dass Stuttgarter Ballettensembles, ob er eidas Ballett dort Stammgast ist, immer mehr Fans und Bewunderer nen Gastchoreographen engagieren möchte. Beriozoff braucht kommen dazu. Zur Sperrstunde zieht der Tross ins Rotlichtviertel, Entlastung und willigt ein. in die bis morgens geöffneten Bars. So kommt Cranko in ein Land, in dem das Ballett ein SchattenNach und nach zeigt sich, dass Stuttgart ein idealer Wirkungsdasein führt und keine Tradition hat, wie er selbst immer wieort für Cranko ist. Hier erhält und nutzt er die Chance, eine der betont. Doch eines überrascht ihn: »Dass in Deutschland Com pagnie nach eigenen Vorstellungen zu formen, Tänzer, jede Stadt so ein Theater hat, war mir vollkommen neu.« GeBühnenbildner und Komponisten auszuwählen und mit ihnen radezu fantastisch erscheint ihm sein fester Vertrag – bezahlte ein vielfältiges Repertoire zu entwickeln. Die Kritik verstummt, Ferien inklusive. Sein erstes Stück, der Dreiakter Der Pagodendas Staunen beginnt. prinz, wird vom Publikum bejubelt. Intendant Schäfer erkennt bald: Cranko ist der Mann, der dem Ballett mit seinem Einfallsreichtum und modernen Ansatz zu mehr Aufmerksamkeit verhelfen kann. Er macht ihn zum Direktor, doch der Start ist schwierig. »Chef, ich kündige« – diesen Satz hört Schäfer oft. Dem Kosmopoliten ist langweilig in Stuttgart. Am Theater verübelt man ihm, dass er Tänzer entlässt und neue aus dem Ausland holt. Und dann der Fall Marcia Haydée, eine brasilianische Gruppentänzerin, die seine große Muse werden sollte. Ihr Vortanzen, wie Haydée es erinnert, wird beinahe zum Eklat. »Die will ich als meine Erste Solistin«, sagt Cranko spontan. »Die?«, fragen die anderen verwundert. Schäfer wendet ein: »Die hat keinen Namen, keine Persönlichkeit, keine Ausstrahlung. Was siehst du in ihr?« Cranko hält dagegen: »Chef, ganz einfach: Wenn Sie wollen, dass ich bleibe, muss ich sie haben. Sonst gehe ich.«

eine dicke Frau zu einem Omnibus rennt; oder wie ein Schulmeister seinen Zeigefi nger betätigt«, erklärte der Choreograph. »Ich habe versucht, vor allem solche Gesten in meinen Balletten zu benutzen.«

Die Polizei eskortiert ihn nach Hause Cranko arbeitet wie besessen. Erholung fi ndet er nur in den Theaterferien, die er am liebsten in Griechenland verbringt. Dort führt er ein geradezu bäuerliches Dasein in der Natur. In Stuttgart dagegen trinkt er oft zu viel, um den Stress auszuhalten. Seine Kreativität hemmt das nicht, einige seiner witzigsten Ballettszenen entstehen im Rausch. Die meisten Stuttgarter tolerieren das. Reid Anderson zufolge kommt es sogar vor, dass die Polizei den betrunken Auto fahrenden Ballettchef früh morgens nach Hause auf die Solitude eskortiert. Nicht, um ihn der Trunkenheit am Steuer zu überführen, sondern damit er (und alle anderen auch) ja heil ankommt. Vom Taxifahrer bis zum Bankdirektor: Alle schwärmen von Cranko und seinem Erfolg.

Was ihm auf der Bühne und im Ballettsaal oft gelingt – BleiRomeo und Julia, Crankos erstes Handlungsballett für Stuttgart, bendes zu erschaffen, Menschen zu entdecken und zu forsteht 1962 am Beginn seines Aufstiegs. Zeitungskritiker und men –, misslingt ihm im Privatleben. Immer wieder bringt Publikum bezeugen: Shakespeares geer junge Liebhaber mit nach Hause, „Er wollte, dass wir seinem Lebensrhythtanztes Drama versteht man mühelos, die in seiner Welt voller Kunst und mus folgten, seine Visionen zu verstehen jede Szene, jeder Tänzer vermittelt Geist wie Analphabeten erscheinen. Er versuchten – seine Einsamkeit kreativ menschliche Gefühle, wahrhaftig und überhäuft sie mit Literatur, Schallplatausfüllten. Das war nicht immer leicht, natürlich. Ehemalige Bedenkenträger ten und Bildbänden. Doch anders als man entzog sich dieser Klammer. Trotzbeklatschen Marcia Haydée als Julia. seine Tänzer, die Inspiration dankbar dem ließ er mich spüren, dass er große Zuneigung und Verantwortung für mich Jürgen Rose, Anfang zwanzig, wird als annehmen, wissen seine Kurzzeitpartempfand – ohne mir jemals vorzurechnen, Bühnenbildner gefeiert. Obwohl Cranner nichts damit anzufangen. Crankos was ich ihm alles zu verdanken hatte.“ ko aus dem klassischen BallettvokaBeziehungen zerbrechen. Seine sonst JÜRGEN ROSE BÜHNENUND KOSTÜMBILDNER bular schöpft, wirken die Schritte und so untrügliche Menschenkenntnis verGesten, mit denen seine Tänzer eigene sagt, sobald es um die Liebe geht. Er Akzente setzen, modern und nachvollziehbar. »Die Bewegung bleibt allein und ist verdammteinsam. eines Babys, das seinen Fuß in den Mund steckt; oder wie So fließen seine Emotionen in Choreographien, seine Energie in den Aufbau der Compagnie. Cranko will eine Ballettschule und das Ballett als Sparte der Oper gleichstellen. Man hält ihn hin, bis ein Ereignis alles verändert: 1969 fl iegt die Compagnie für eine Woche nach New York, um an der Metropolitan Opera mit Onegin aufzutreten. Das Haus ist ausverkauft, das Publikum begeistert, das Gastspiel wird um drei Wochen verlängert. Clive Barnes, der Ballettkritiker der New York Times, spricht nach der triumphalen Vorstellung vom »Stuttgarter Ballettwunder«. Zu Hause in Stuttgart empfängt man die Künstler als Weltstars – zwei Jahre später eröffnet die staatliche Ballettschule als erste professionelle Ausbildungsstätte für den Bühnentanz in Deutschland. Seine geliebten Tänzer macht Cranko zum Mittelpunkt seiner Werke – am reinsten in dem neoklassischen Initialen R.M.B.E., das er zu Johannes Brahms’ Zweitem Klavierkonzert kreiert. Die Buchstaben zeigen an, wer hier gewürdigt wird: die vier Solisten Richard Cragun, Marcia Haydée, Birgit Keil und Egon Madsen. In jedem der vier Sätze schimmert eine Persönlichkeit durch, auch ohne erkennbare Handlung. Die mehr als fünfzig Stücke, die Cranko für das Stuttgarter Ballett kreiert, sind als Panoptikum des Menschlichen zu lesen. Weniger in einem politischen Sinne, wohl aber in einem existenziellen. Geburt, Leben, Tod – davon erzählt Cranko und von allen großen Gefühlen. Das gilt sogar für abstrakte Stücke wie Brouillards und Opus I und erst recht für seine Handlungsballette Romeo und Julia, Onegin und Der Widerspenstigen Zähmung. In nur zwölf Jahren schreibt Cranko mit dem Stuttgarter Ballett international Tanzgeschichte. Er löst die Grenzen auf zwischen abstrakt und erzählerisch, klassisch und modern und macht den Tanz zu einer universellen, berührenden Sprache. Ganz gleich, wo Cranko mit seiner Compagnie auftritt, in Ostberlin, Dresden, New York, Washington, Jerusalem, Moskau, Le„Es kam nicht auf fünfzehn Pirouetten an, nein: Ihm war eine einzelne Handningrad oder Tokio: Das Publikum bewegung oder ein Blick wichtiger als erkennt in ihm einen Botschafter des die Technik.“ Humanen, über alle Grenzen hinweg. VLADIMIR KLOS STELLVERTRETENDER DIREKTOR DES Es ist dieser Impetus, der die StuttgarSTAATSBALLETTS KARLSRUHE, PROFESSOR AN DER ter Compagnie nach Crankos Tod zuAKADEMIE DES TANZES MANNHEIM sammenschweißt und den Intendant Schäfer so formuliert: »Der Hass gegen die Unterdrückung und die Liebe zur Freiheit. Beides bestimmte fast alle Handlungen seines Lebens und ist der Motor in vielen Werken.« Mit seinem Intendanten spricht Cranko auch über den Tod. Er glaubt, dass er früh sterben werde. »Mitten aus dem Leben, mitten aus der Arbeit, mitten aus dem Lachen heraus hinfallen und tot sein und nichts mehr wissen.« So stellt er sich das vor. Und fast so kommt es ja dann auch. Autorin Julia Lutzeyer, erschienen in Reihe 5, Das Magazin des Staatstheater Stuttgart

John Cranko probt 1962 im Ballettsaal mit Marcia Haydée und Bernd Berg | 1970 | © Hannes Kilian


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HOF

„Ich liebe das wogende Auf und Ab“ Frank Wedekinds „Lulu“ als Ballett am Theater Hof Ein Tierbändiger tritt auf und präsentiert in seiner Arena das „wahre, wilde schöne Tier Lulu“: Die junge Frau zieht Männer scharenweise in ihren Bann. Sie ist das Naturwesen, jenseits von Gut und Böse, in dem unzählige Verehrer ihre eigenen Lustfantasien bestätigt finden. Ein Zeitungsverleger, dessen Sohn, ein Medizinalrat, ein Maler, ein Athlet und eine Gräfin verlieben sich in Lulu. Doch der Preis, den sie zahlen müssen, ist hoch! Als die unschuldige Schuldige in einer Londoner Dachkammer auf den berüchtigten Lustmörder Jack the Ripper trifft, erreicht die Tragödie ihren Höhepunkt. Die „Urgestalt des Weibes“, die nicht mehr mit den Begriffen der bürgerlichen Moral zu bewerten ist, schuf Frank Wedekind mit seiner „Lulu“. Seine tragische Heldin ist unumstritten eine der faszinierendsten Figuren des 20. Jahrhunderts und polarisiert bis heute. Sie bewegt sich zwischen Opfer und Täterin, Verführerin und Verführte, Kindfrau und Femme fatale und nicht zuletzt ist sie ein Symbol weiblicher Befreiung aus einer männerbestimmten Welt. Das Weib verführt, wen es will, das Weib verführt, wann es will. Das ist der freie Liebesmarkt, der sich auf das ewige Naturgesetz der unabänderlichen Schöpfung gründet. In der Geschichte des Paradieses steht, dass der Himmel dem Weib die Macht der Verführung verlieh.

„ich liebe das wogende Auf und Ab des tosenden Weltmeeres. Ich liebe die Liebe, die ernste Kunst, urewige Wissenschaft ist, die Liebe, die heilige Himmelsgunst, die irdische Riesenkraft ist.“ Mit „Lulu“ präsentiert die Ballett-Compagnie des Theaters Hof eine Eigenkreation der aufwühlenden Tragödie. „Lulu“ schwebt über die Bühne – losgelöst von allen Zwängen. Verführung, Hemmungslosigkeit und kindliches Liebesflehen gehören zur Ambiguität ihres Wesens. Ballettdirektorin Barbara Buser hat „Lulu“ mit großer Tanzlust und choreographischen Mut inszeniert. Untermalt wird der Abend am Theater Hof mit dem Liederzyklus „Lulu – A Murder Ballad“ von der englischen Band The Tiger Lillies, die sich der Theatermusik verschrieben hat. Ihr unverwechselbarer Sound ist eine Stilmixtur aus den Goldenen Zwanzigern, anarchischer Oper und Gypsy-Musik. Ballett von Barbara Buser nach der Tragödie von Frank Wedekind mit Musik von The Tiger Lillies PREMIERE: Freitag, 14. Juni 2019 am Theater Hof TERMINE: 22. Juni, 23. Juni, 29. Juni., 30. Juni und 6. Juli 2019 www.theater-hof.de

Lulu, Plakatmotiv © Theater Hof

TANZFESTIVALS

Festivalstimmung, Tanz im August / HAU Hebbel am Ufer, Berlin © Dajana Lothert, 2018

Tanzfestival Berlin Tanz im August – Internationales Festival Berlin Tanz im August ist Berlins internationales Festival für zeitgenössischen Tanz. Jedes Jahr lädt das von HAU Hebbel am Ufer präsentierte Festival für vier Wochen das Publikum ein, die gesamte Bandbreite des Tanzes zu erleben. An vielen Spielorten in der ganzen Stadt erwartet das Publikum sowohl Produktionen internationaler Stars und Newcomer als auch Choreograf*innen der Berliner Szene, darunter zahlreiche Uraufführungen und Deutschlandpremieren. Neben den Vorstellungen eröffnet Tanz im August in vielen begleitenden Publikumsformaten den Besucher*innen neue, ungewohnte Zugänge zum Programm. Sommer 2019 | www.tanzimaugust.de

Compagnie Chatha, Sacré Printemps! © Blandine Soulage

CHEMNITZ

TANZ | MODERNE | TANZ Internationales Festival für zeitgenössischen Tanz

Bielefeld Tanzfestival Bielefeld Das Tanzfestival Bielefeld kombiniert qualifizierten Tanz- und Choreografie-Unterricht internationaler Dozentinnen und Dozenten mit Aufführungen moderner Tanzensembles aus aller Welt. Es spricht Menschen mit unterschiedlicher kultureller und tanzfachlicher Vorbildung vom Anfänger bis zum Profi an. Das Festival ist in jedem Jahr ein großes Ereignis für die gesamte Region und darüber hinaus ein Anziehungspunkt für Tanzbegeisterte aus aller Welt. 14. – 27.7.2019 | www.tanzfestival-bielefeld.de weiter auf Seite 60

19.-23.06.2019 | Theater Chemnitz 2019 feiert das internationale Festival TANZ | MODERNE | TANZ in Chemnitz sein fünfjähriges Jubiläum. Für fünf Tage bringen renommierte internationale Performer und Companys wieder frischen Wind in die Stadt, darunter diesmal die Kibbutz Contemporary Dance Company (IL), Cie BurnOut (F),

Cocoon Dance (D), Kaori Ito und Ballett Chemnitz (F/D), Cie Linga (CH) und Act2 Cie Catherine Dreyfus (F). Die Gastspiele im Schauspielhaus und anderen Spielstätten in Chemnitz werden flankiert von Workshops, Vorträgen und Ausstellungen und richten sich an alle Altersgruppen. Die Stadt Chemnitz, die seit

Jahrzehnten historische Umbrüche, Neuorien­tierungen und eine aktive Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit und Gegenwart durchlebt, wird zu einem Ort für einen internationalen kulturellen Dialog. Eine zusätzliche Fahrradtour, ein Dance Battle und die Beteiligung an der Fête de la Musique tragen den

Tanz auch mitten hinein ins Leben dieser Stadt. Somit wird das Festival ein Spiegel für ein Europa voller Geschichten und Brüche, Reibungspunkte, Tatendrang und Zukunftsgeist! www.theater-chemnitz.de


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Tanz | COLOURS  |  55

Ballet BC: Mixed Programme (Bedroom Folk, To this day, Solo Echo)

COLOURS International Dance Festival Presented by Eric Gauthier 27.6. – 14.7.2019 ZUM DRITTEN MAL BUNT Erstaunlich wirkt die Zahl beim Namen: 3. COLOURS International Dance Festival! Tatsächlich geht dieses weltweit beachtete Festival 2019 erst in seine dritte Ausgabe. Doch schon jetzt ist COLOURS aus dem Veranstaltungskalender der Stadt Stuttgart und der internationalen Tanzszene nicht mehr wegzudenken. Entsprechend liefen bei den Organisatoren im vergangenen Jahr die Drähte heiß, um die ganze Vielfalt des zeitgenössischen Tanzes nach Stuttgart zu holen. Im Vergleich zu den ersten beiden Ausgaben 2015 und 2017 legen die Veranstalter erneut eine Schippe drauf – mit einem noch ambitionierteren Spielplan für das Theaterhaus und mit neuen Formaten für die Stuttgarter City. Dass sich COLOURS in so kurzer Zeit so hervorragend entwickelt hat, konnte nur gelingen, weil dem Festival von Anfang an starke, überzeugte Partner zur Seite standen: das Theaterhaus Stuttgart als Produzent, die öffentlichen Geldgeber von Stadt und Land und die Unterstützer aus der Wirtschaft, allen voran die Mercedes-Benz Bank als Hauptsponsor. Ihr Einsatz für die Zukunft ist aufgegangen. Stuttgart darf sich während der bewegten COLOURS-Wochen als Tanzhauptstadt Europas fühlen. Zahlreiche Folge-Aufführungen der COLOURS-Koproduktionen sorgen außerdem dafür, dass das Festival auch nach seinem offiziellen Abschluss weiterhin international wirkt. Eine Liste mit Stücken und Terminen finden Sie in der Pressemappe im Attachment.

ZUM DRITTEN MAL INTENSIV Künstlerische Doppelspitze, Power hoch zwei: Während Kurator Meinrad Huber hauptsächlich die Produktionen im Festivalzentrum Theaterhaus verantwortet, knüpft Eric Gauthier immer engere Bande zur Stuttgarter Einwohnerschaft. Schließlich verfolgt der kommunikative COLOURS-Erfinder seit langem und beharrlich seine Mission, alle Menschen für den Tanz zu begeistern – nicht nur das ohnehin kulturaffine Publikum. Auf diese Weise schafft COLOURS, was den wenigsten Festivals gelingt: ein Bühnenprogramm erster Güte zu verbinden mit offenen, unaufdringlichen und fröhlichen Mittanz-Angeboten für alle. Bezieht man die Auftakt-Veranstaltungen ab dem 21. Juni 2019 mit ein, erstrahlt Stuttgart durch COLOURS 2019 dreieinhalb Wochen lang in allen Farben des Tanzes.

Im Theaterhaus zu sehen sind 20 ausgesuchte Produktionen, darunter die abendfüllenden Uraufführungen Outwitting the Devil von Akram Khan und Watch von Bryan Arias, beide als COLOURS-Koproduktionen. Mit dabei sind ferner mehrere kurze Neukreationen für Gauthier Dance im Meet the Talents-Format, vier Europa-Premieren und sechs deutsche Erstaufführungen.

ZUM DRITTEN MAL SUBSTANTIELL Die Kunst der Aneignung: Der zeitgenössische Tanz hat von jeher die unterschiedlichsten Stile und Bewegungssprachen ausprobiert, adaptiert und weiterentwickelt. COLOURS hat sich das Ziel gesetzt, in dieser enorm großen Szene relevante Positionen aufzuspüren und in Stuttgart zu präsentieren. Das Line-up 2019 vereint einmal mehr aufregende Ästhetik, virtuose Technik und starke choreographische Statements.

ZUM DRITTEN MAL CITYWEIT Wie immer wird der Countdown zu COLOURS gebührend zelebriert. Denn Stuttgart soll bereits im Tanzfieber sein, bevor am 27. Juni der Vorhang zur Premiere von Classy Classics hochgeht. Neben den bekannten und beliebten Formaten COLOURS in the City und Eric Gauthiers XXL-Workshop wird erstmals der COLOURS Playground die Vorfreude aufs Festival mit anheizen. Und auch nach der offiziellen Eröffnung im Theaterhaus geht es weiter mit groß angelegten Aktionen in der City – die meisten davon übrigens bei freiem Eintritt! Schließlich begreift sich COLOURS nicht nur als Festival für Theaterbesucher, sondern als Festival für die ganze Stadt.

ADRESSE Theaterhaus Stuttgart Siemensstraße 11 70469 Stuttgart www.coloursdancefestival.com www.theaterhaus.com

EINTRITTSKARTEN Kartentelefon: ++49-(0)711-40207 - 20 / -21 / -22 / -23 täglich 10:00 bis 21:30 Uhr www.coloursdancefestival.com Karten per Mail tickets@theaterhaus.com

ARIAS Company: Watch

A.I.M by Kyle Abraham: Mixed Programme (Drive, The Quiet Dance, Show Pony, Strict Love)


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XieXin Dance Theatre: From IN

inhaltlich, emotional und tänzerisch ansprechen und überzeugen, natürlich kommen auch pragmatische Entscheidungen zum Tragen – ist sie für uns finanziell und technisch realisierbar.

Tero Saarinen Company/Tero Saarinen & Kimmo Pohjonen: Breath

Fragen an Meinrad Huber Künstlerischer Leiter von COLOURS im Team mit Eric Gauthier Was erwartet die Besucher beim diesjährigen dritten COLOURS International Dance Festival? Meinrad Huber: Den Besucher erwartet ein breites Spektrum des zeitgenössischen Tanzes, es geht von HipHop, Modern Dance, Neo-Klassik, Pantsula Tanz, Tanztheater, über Tanzakrobatik zu zeitgenössischem modernen Tanz. Darüber hinaus gibt es mehrere Angebote selbst zu tanzen wie zum Beispiel auf dem Playground, einem offenen Tanzstudio auf dem Schloßplatz. Sie haben sich das Ziel gesetzt relevante tänzerische Positionen aufzuspüren und in Stuttgart zu präsentieren. Was verstehen Sie unter relevante Positionen, und wie und wo spüren Sie Ihre Tanzcompagnien auf? Meinrad Huber: Es werden einige „Klassiker“ wie zum Beispiel Classy Classics von Gauthier Dance, mit Choreographien von Forsythe, Gauthier, Goecke und Naharin, May B von Maguy Marin oder Marie Chouinard mit einem Zusammenschnitt ihres 40-jährigen Schaffens zu sehen sein. Daneben finden Sie Neukreationen von Akram Khan und Bryan Arias oder eine Reihe spezieller Projekte, wie Folia von Mourad Merzouki mit virtuosen Hip-Hop Tänzern im Zusammenspiel mit einem Barockorchester oder En Masse von Circa, einer zu klassischer Musik choreographierter Akrobatik Aufführung. Ich bin relativ viel unterwegs, besuche Festivals, Konferenzen und Tanzplatt-

formen dabei entdecke ich regelmäßig neue Gruppen, treffe Künstler und Kollegen und wir sprechen über neue Projekte und Produktionen. Wie weit öffnen sich Ihre Synapsen auf der Spurensuche? Was muss ein Stück mit Ihnen machen, nach welchen Kriterien stellen Sie das

Programm für COLOURS zusammen? Meinrad Huber: Das Festival hat den programmatischen Titel COLOURS, wir wollen möglichst viele Richtungen und Strömungen des Tanzes präsentieren. Deshalb kommt ein weites Spektrum für unser Programm in Frage. Die einzelnen Produktionen müssen mich

COLOURS sieht sich als Festival für die ganze Stadt? Was verbirgt sich dahinter? Meinrad Huber: Die Vorstellungen finden nicht nur im Theaterhaus auf dem Pragsattel, sondern in der gesamten Stadt statt, darunter befinden sich viele Termine für jedermann – bei freiem Eintritt kommt das Publikum in den Genuss von Tanzproduktionen und kann selbst tänzerisch aktiv werden. So findet seit dem ersten Jahr die Eröffnungsveranstaltung auf dem Stuttgarter Marktplatz statt, weitere Veranstaltungen finden oder fanden auf dem Schloßplatz, in der Königsstraße, im Zoo und in der Stadtbibliothek statt. Ein Programmpunkt heißt „Tanzen mit Tieren“ in der Stuttgarter Wilhelma. Wie muss ich mir das vorstellen? Meinrad Huber: Bei COLOURS 2017 kam es zum ersten Kids Day in der Wilhelma; zu diesem Anlass wurden zu verschiedenen Tieren spezielle Choreographien erarbeitet und die Musik dazu komponiert und dann von den Gauthier Tänzer*innen am Kids Day im Zoo getanzt und mit den Kindern einstudiert. Bei COLOURS 2019 wird dieses Prinzip ausgeweitet, dieses Jahr nenne wir diesen Tag Family Day. Zu jedem Tänzer-Paar kommt ein Kind, sprich ein junges Tier hinzu, um die "Tierfamilie" zu komplettieren. Diese Kinder erlernen die Choreographie bereits im voraus, um diese Tänze mit den Tänzer*innen am Family Day im Zoo gemeinsam mit den Besuchern zu tanzen und zu erlernen.

Welchen Effekt hatte und hat COLOURS für Gauthier Dance, der internationalen Tanzcompagnie des Theaterhauses Stuttgart? Meinrad Huber: Gauthier Dance ist jeweils ein wichtiger Teil des Festivals und während des Festivals kommen noch mehr nationale und internationale Veranstalter ins Theaterhaus Stuttgart und somit kann sich die Company einem größeren Kreis präsentieren. Die Tänzer*innen von Gauthier Dance haben durch das Festival die Möglichkeit andere Ensembles und Produktionen zu sehen (den Horizont erweitern). Gauthier Dance gastiert viel auf anderen Festivals, aber dann besteht diese Möglichkeit meist nicht, da sie in der Regel selbst auf der Bühne stehen. Ein weiterer Vorteil ist der Austausch und die gemeinsame Zeit mit Tänzer*innen anderer Ensembles. Wie steht es um das Projekt Tanzhaus Stuttgart? Meinrad Huber: Das Projekt Ergänzungsbau ist immer noch in der Projektphase, solche Projekte dauern in der Planung in der Regel etwas länger. Unsere Ausgabe trägt den Namen JOHN mit der Assoziation JOHN Cranko. Wie wichtig war und ist John Cranko für Stuttgart und in wie weit hat er auch Sie in Ihrer Leidenschaft für Tanz geprägt? Meinrad Huber: John Cranko und das Stuttgarter Ballett sind und waren für Stuttgart, die Region und weit darüber hinaus enorm wichtig und stilprägend. Meine Leidenschaft für den Tanz hat er aber nicht beeinflusst. Das Gespräch führte Kai Geiger.

Mourad Merzouki: Folia

Eric Gauthier | Gauthier 201, Foto © Maks Richter

Meinrad Huber | Huber 201, Foto © Maks Richter


JOHN | arttourist.com 1|2019

Tanz | COLOURS  |  57

PROGRAMM Donnerstag 27.6.2019 20:00 Uhr I Theaterhaus T1 Gauthier Dance//Dance Company Theaterhaus Stuttgart Classy Classics

20:15 Uhr I Theaterhaus T1 Circa En Masse 20:30 Uhr I Theaterhaus T2 A.I.M by Kyle Abraham Mixed Programme

Freitag 28.6.2019 Sonntag 7.7.2019 20:00 Uhr I Theaterhaus T1 Gauthier Dance//Dance Company Theaterhaus Stuttgart Classy Classics

15:00 Uhr I Theaterhaus T4 Compagnie Philippe Saire II Hocus Pocus

20:30 Uhr I Theaterhaus T2 Compagnie Marie Chouinard Radical Vitality, Solos and Duets

17:00 Uhr I Theaterhaus T4 Compagnie Philippe Saire II Hocus Pocus

Samstag 29.6.2019 19:00 Uhr I Theaterhaus T4 Stephen Shropshire We Are Nowhere Else But Here 20:00 Uhr I Theaterhaus T1 Gauthier Dance//Dance Company Theaterhaus Stuttgart I Classy Classics 20:30 Uhr I Theaterhaus T2 Compagnie Marie Chouinard Radical Vitality, Solos and Duets 21:00 Uhr I Theaterhaus T3 Arias Company Watch Sonntag 30.6.2019 11:00 Uhr I Theaterhaus T1 Gauthier Dance//Dance Company Theaterhaus Stuttgart I Classy Classics 19:00 Uhr I Theaterhaus T4 Stephen Shropshire We Are Nowhere Else But Here 20:15 Uhr I Theaterhaus T3 Arias Company Watch Dienstag 2.7.2019

19:00 Uhr I Theaterhaus T2 A.I.M by Kyle Abraham Mixed Programme Dienstag 9.7.2019 19:00 Uhr I Theaterhaus T4 Pierre Rigal/Compagnie dernière minute 20:15 Uhr I Theaterhaus T1 Ballet BC Mixed Programme 21:00 Uhr I Theaterhaus T3 Lucy Guerin Inc Split Mittwoch 10.7.2019 19:00 Uhr I Theaterhaus T4 Pierre Rigal/Compagnie dernière minute 19:00 Uhr I Theaterhaus Sporthalle Gauthier Dance//Dance Company Theaterhaus Stuttgart II Meet the Talents 20:15 Uhr I Theaterhaus T1 Ballet BC Mixed Programme 20:30 Uhr I Theaterhaus T2 Tero Saarinen Company/Tero Saarinen & Kimmo Pohjonen Breath

20:00 Uhr I Theaterhaus T1 Mourad Merzouki Folia

21:00 Uhr I Theaterhaus T3 Lucy Guerin Inc Split

20:30 Uhr I Theaterhaus T2 Maguy Marin May B

Donnerstag 11.7.2019

Mittwoch 3.7.2019 19:00 Uhr I Theaterhaus T4 Compagnie Philippe Saire I Black Out 20:00 Uhr I Theaterhaus T1 Mourad Merzouki Folia 20:30 Uhr I Theaterhaus T2 Maguy Marin May B 21:30 Uhr I Theaterhaus T4 Compagnie Philippe Saire I Black Out

Compagnie Marie Chouinard: RADICAL VITALITY, SOLOS AND DUETS

Compagnie Philippe Saire: Hocus Pocus

19:00 Uhr I Theaterhaus Sporthalle Gauthier Dance//Dance Company Theaterhaus Stuttgart II Meet the Talents 20:30 Uhr I Theaterhaus T2 Tero Saarinen Company/Tero Saarinen & Kimmo Pohjonen Breath Freitag 12.7.2019 19:00 Uhr I Theaterhaus Sporthalle Gauthier Dance//Dance Company Theaterhaus Stuttgart II Meet the Talents 19:00 Uhr I Theaterhaus T4 Shamel Pitts Black Velvet

Donnerstag 4.7.2019 19:00 Uhr I Theaterhaus T4 Compagnie Philippe Saire I Black Out

20:15 Uhr I Theaterhaus T3 Gregory Maqoma/Via Katlehong Via Kanana

Circa: En Masse

Stephen Shropshire: We Are Nowhere Else But Here

Samstag 13.7.2019 20:00 Uhr I Theaterhaus T3 XieXin Dance Theatre From IN 21:30 Uhr I Theaterhaus T4 Compagnie Philippe Saire I Black Out Freitag 5.7.2019

19:00 Uhr I Theaterhaus Sporthalle Gauthier Dance//Dance Company Theaterhaus Stuttgart II Meet the Talents 19:00 Uhr I Theaterhaus T4 Shamel Pitts Black Velvet

19:00 Uhr I Theaterhaus T3 XieXin Dance Theatre From IN

20:15 Uhr I Theaterhaus T1 Akram Khan Company Outwitting the Devil

20:15 Uhr I Theaterhaus T1 Circa En Masse

20:30 Uhr I Theaterhaus T2 Roberto Castello/ALDES In girum imus nocte et consumimur igni

Samstag 6.7.2019 15:00 Uhr I Theaterhaus T4 Compagnie Philippe Saire II Hocus Pocus

21:00 Uhr I Theaterhaus T3 Gregory Maqoma/Via Katlehong Via Kanana Sonntag 14.7.2019

17:00 Uhr I Theaterhaus T4 Compagnie Philippe Saire II Hocus Pocus

19:00 Uhr I Theaterhaus T1 Akram Khan Company Outwitting the Devil

19:00 Uhr I Theaterhaus T3 XieXin Dance Theatre From IN

19:30 Uhr I Theaterhaus T2 Roberto Castello/ALDES In girum imus nocte et consumimur igni

Roberto Castello/ALDES: In girum imus nocte et consumimur igni


58  |  Tanz | München

JOHN | arttourist.com 1|2019

Romeo und Julia | Ksenia Ryzhkova, Jonah Cook © Wilfried Hösl

Onegin | Ivy Amista, Vladimir Shklyarov © Sasha Gouliaev

John Cranko © Hannes Kilian

Onegin | Konstanze Vernon, Heinz Bosl © Sabine Toepffer

ner Zeit schuf, blieb der Nachwelt „Ebony Concerto“ von 1970 erhalten. Es waren allerdings gerade die abendfüllenden Handlungsballette, die in München verhaftet blieben und auf das Publikum eine ungebrochene Anziehungskraft ausstrahlen: „Romeo und Julia“, „Onegin“ und „Der Widerspenstigen Zähmung“. Im Interview mit Zeit-Redakteur Hartmut Regitz sagte John Cranko 1973 über abendfüllende Ballette: „Das Reizvolle an einem abendfüllenden Ballett ist die Möglichkeit, verschiedene Schichten des Tanzes zu zeigen. Die äußerliche Handlung nachzuzeichnen, ist nur die eine Seite. Auf der anderen gibt es Dinge, die sich weniger eindeutig erklären lassen. Deshalb versuche ich immer Stoffe auszuwählen, die vielschichtig sind. Stoffe, die sich nicht in der bloßen Handlung erschöpfen, sondern außerdem noch Archetypen, Mythen

vertreten.“ Mit „Romeo und Julia“ brachte Cranko dann 1968 sein erstes abendfüllendes Ballett nach München.

MÜNCHEN

John Cranko in München Wenn man an John Cranko denkt, kommt man an Stuttgart nicht vorbei. Doch neben der engen Beziehung zur dortigen Compagnie gönnte er sich einen Seitensprung mit München: Vier Jahre lang, vom Herbst 1967 bis zum August 1972, leitete Cranko als Chefchoreograph die künstlerischen Geschicke des damaligen Balletts der Bayerischen Staatsoper – gleichzeitig zu seinem Wirken als Ballettdirektor der Ballettcompagnie in Stuttgart. Das waren fünf Spielzeiten, die beinahe ein halbes Jahrhundert zurückliegen. Dennoch strahlt die kurze Zeit, in der der gebürtige Südafrikaner in München wirkte bis heute nach, denn die Trias aus „Onegin“, „Der Widerspenstigen Zähmung“ und „Romeo und Julia“ bildet einen festen Kern des Repertoires des Bayerischen Staatsballetts.

Seine erste Premiere in München gab er am 23. Februar 1968 mit „Gesang der Nachtigall“ und „Begegnungen für drei Farben“, beide zur Musik von Igor Strawinsky. Damit gab Cranko aber nicht nur als der neue Chefchoreograph sein Einstandswerk, es waren zugleich die ersten Cranko-Werke überhaupt, die am Münchner Nationaltheater aufgeführt werden sollten. „Gesang der Nachtigall“, wie viele andere Kurzwerke Crankos, ist heute leider verloren. Wo heutzutage Videoaufzeichnungen ganz selbstverständlich sind, kam seinerzeit der Choreologin Georgette Tsinguirides die Aufgabe zu, Choreographien schriftlich zu fixieren. Mit ihren Aufgaben in Stuttgart war sie allerdings bereits so ausgelastet, dass sie unmöglich nebenbei auch noch die Neukreationen in München hätte abdecken können. Von den Werken, die Cranko in seiner Münch-

Romeo und Julia Im Herbst der Spielzeit 1968/69 bringt Cranko seine Shakespeare-Adaption „Romeo und Julia“ von Stuttgart nach München. Seine Julia findet er sofort in Konstanze Vernon. Unglaubliche 52 Mal tanzte die spätere Gründerin des Bayerischen Staatsballetts die Rolle der jungen Julia. Aber Cranko steht 1968 vor einem Problem: noch traut er keinem der Münchner Tänzer den Romeo zu und bestellt Heinz Clauss aus Stuttgart als Partner von Vernon. Den Mercutio aber tanzte am Premierenabend des 12. November bereits ein gewisser Heinz Bosl. Schnell wurde der junge Tänzer ein „Cranko-Werkzeug“ und


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Tanz | München  |  59

Der Widerspenstigen Zähmung | Yonah Acosta, Ksenia Ryzhkova © W. Hösl

gab zwei Monate nach der Premiere sein Debut als Romeo. Andere Tänzerinnen und Tänzer des Ensembles, die er in seiner Zeit in München mehr und mehr kennen und schätzen lernte, waren Gislinde Skroblin, Geneviève Chaussat, Judith Reece, Stefan Erler oder Ferenc Barbay. Margot Werners außergewöhnliche Ausstrahlung und exzentrische Persönlichkeit machten ihm Eindruck, jedoch ohne dass er für sie als Tänzerin Feuer gefangen hätte.

Onegin Juni 1972 – der Sommer der Olympiade in München. Die Premierenbesetzung in „Onegin“ tanzen Konstanze Vernon und Heinz Bosl, die inzwischen zu Crankos Lieblingspaar geworden sind. Entstanden im Jahr 1965 nach der literarischen Vorlage von Alexander Puschkin, berührt die Geschichte der jungen Tatjana, die sich in den arroganten Dany Onegin verliebt und von ihm auf das grausamste abgewie-

sen wird, die Zuschauer damals wie heute. Die Titelpartie am Premierenabend fiel inzwischen ganz natürlich an Heinz Bosl, dessen Karriere 1972 kurz vor ihrem Höhepunkt stand. An die Probenarbeiten mit John Cranko erinnert sich der Stuttgarter Solist Jan Stripling, der die Titelrolle unter anderem beim New York Gastspiel 1971 an der Metropolitan Opera tanzte: „‚Boys, tumble!‘ So fing es an, und was daraus werden sollte gehört zu den eindrucksvollsten Erlebnissen, die wir mit John Cranko je hatten. Diese zwei Wörter habe ich noch deutlich im Ohr. Sie waren kein vager Begriff, sondern ein Image, in dem er dachte. Schon das Wort ‚Image‘ schien für ihn etwas Magisches zu haben. Er war der Lebendigkeit des Images besessen, wie er überhaupt vom Leben besessen war. [Und so] taumelten wir, stürzten, purzelten und waren uns übereinander, zunächst noch etwas zaghaft, dann immer übermütiger, bis das ‚Image‘ erreicht zu sein schien. Aber für Cranko lag noch

mehr darin, und wir ahnten nicht, was er alles unter ‚tumble‘ verstanden haben wollte. Leben – mit seinen Höhen und Tiefen. Das zeigte er uns mit seinem Ballett „Onegin“.“ Mit „Onegin“ endet Crankos Zeit in München. Bereits ein Jahr später, im Juni 1973, stirbt er auf einem Rückflug von den USA nach Deutschland. Crankos bestehendes Werk aber begann seinen Siegeszug über die Bühnen der Welt, wurde zum künstlerischen Eigentum immer neuer Tänzergenerationen bis heute.

Der Widerspenstigen Zähmung In München gibt dieser Tage Ballettmeisterin Judith Turos die Feinheiten der Cranko-Werke an die Solisten der Compagnie weiter. So auch in „Der Widerspenstigen Zähmung“, das der damalige Ballettdirektor Dieter Gackstetter drei Jahre nach Crankos Tod ins Münchner Repertoire geholt hatte. Die Ballettkomödie,

in der die kratzbürstige Katharina mit dem Raubein Petrucchio verheiratet werden soll, feierte am 25. März 1976 ihre Münchner Premiere. Nicht mal zehn Jahre später begann Judith Turos ihr Engagement am Ballett der Bayerischen Staatsoper. Hier tanzte sie von 1985 bis 2005 und stieg zur Primaballerina des Bayerischen Staatsballett auf und erlernte die Cranko-Klassiker „Onegin“,  „Romeo und Julia“ und  „Der Widerspenstigen Zähmung“  von Konstanze Vernon und Stefan Erler. Seit 2005 ist Turos nun selbst Ballettmeisterin und gibt ihr Wissen an die Compagnie weiter. Die Cranko-Produktionen kennt sie in- und auswendig, hat sie diese doch viel und oft getanzt: 13-mal war sie die Katharina, 13-mal die Julia und unglaubliche 38-mal Tatjana in „Onegin“. Ihr Tipp an die Tänzerinnen und Tänzer von heute, um die Feinheiten der Emotionen, auf die Cranko so viel Wert legte, auf der Bühne zu vermitteln und die Rollen lebendig werden zu lassen: „Denke Dir zu jeder Bewegung, egal ob Schritt, Sprung, Hebung oder Geste, einen Text dazu! Immer! Nicht nur in den Proben, sondern auch bei der Vorstellung auf der großen Bühne des Nationaltheaters.“ Das Nationaltheater in München zählt 2101 Zuschauerplätze. Die bei Vorstellungen einsehbare Bühnenfläche beträgt 800 Quadratmeter. Es gilt also eine große Distanz zu überbrücken, um die Leidenschaften oder kleinen Scherze aus Crankos Choreographien zu transportieren. Zu einer schwungvollen Armbewegung des rüpelhaften Petrucchio empfiehlt Turos zum Beispiel „Katharina, Schätzchen, dich krieg ich schon noch rum!“. Der Tänzerin der kratzbürstigen und widerspenstigen Katharina rät sie, das trotzige Davonstampfen im Geiste mit den Worten „Was für ein Idiot?!!“ zu unterlegen. Und bereits im Probensaal sieht man, wie die Tänzer für sich im Geiste „dichten“. Das Werk ist 2019 am 12./15. März, 14. April und 16./19. Juni in München zu sehen.

BAYERISCHES STAATSBALLETT

John Cranko, Konstanze Vernon © Sabine Toepfer

JOHN CRANKO IM AKTUELLEN SPIELPLAN Der Widerspenstigen Zähmung 12./15. März, 14. April und 16./19. Juni 2019 Onegin 1./2./9./18. März und 13. April 2019

BAYERISCHES STAATSBALLETT Spielstätte: Nationaltheater München Max-Joseph-Platz 2 80539 München Karteninfos: 089 / 2185 1920 www.staatsballett.de

JEWELS 11.4. DIE KAMELIENDAME 12.4. ONEGIN 13.4. MATINEE DER HEINZ-BOSL-STIFTUNG 14.4. DER WIDERSPENSTIGEN ZäHMUNG 14.4. SPARTACUS 15.4. PORTRAIT WAYNE MCGREGOR 16.4. ALICE IM WUNDERLAND 17.4. ANNA KARENINA 18.4.

BALLETTFESTWOCHE 11.–18. APRIL 2019 Tickets & Infos www.staatsballett.de

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60  |  Tanzfestivals | Bregenz

JOHN | arttourist.com 1|2019 Fortsetzung von Seite 54

Gauthier Dance, Killer Pig © Regina Brocke

Bozen (I) Tanz Bozen – BolzanoDanza Zero Visibility Corp. © Antero Hein

BREGENZ

Bregenzer Frühling 9.3. – 7.6.2019 Sa 9.3.2019 I 20 Uhr Festspielhaus Bregenz Zero Visibility Corp. „Frozen Songs“OEA

Der Bregenzer Frühling ist das internationale Festival für zeitgenössischen Tanz in der Bodenseeregion. Jedes Jahr lädt das von der Landeshauptstadt Bregenz präsentierte Festival von März bis Juni ein, die gesamte Bandbreite des Tanzes zu erleben. Der Bregenzer Frühling 2019 findet zum 33. Mal statt und präsentiert drei Debüts, drei Uraufführungen und drei österreichische Erstaufführungen. Vom 9. März bis 7. Juni 2019 verwandelt sich Bregenz erneut in einen Schauplatz für zeitgenössischen Tanz. Die Landeshauptstadt Bregenz hat für den kommenden Bregenzer Frühling ein internationales Programm junger, spannender und ungewöhnlicher Produktionen zusammengestellt. Zu Gast sind fünf internationale Compagnien aus den Ländern Norwegen, Frankreich und Großbritannien sowie drei österreichische Ensembles und eine Künstlerin aus den USA. Erstmals in Bregenz ist die Zero Visibility Corp aus dem norwegischen Oslo zu erleben. Mit der Österreich-Premiere „Frozen Songs“ von Ina Christel Johannessen eröffnet die Compagnie den Bregenzer Frühling 2019 im Festspielhaus. Die französische Compagnie DCA / Philippe Decouflé bringt mit „Nouvelles Pièces Courtes“ („Neue kurze Stücke“) in Bregenz ebenfalls eine Österreich-Premiere auf die Bühne. Die Compagnie Wang Ramirez ist mit ihrem poetischen Zauberspiel und der Österreich-Premiere „Everyness“ von Honji Wang und Sébastien Ramirez erstmalig zu Gast in Bregenz. Drei aktuelle Arbeiten präsentiert die National Dance Company

Sa 23.3.2019 I 20 Uhr Festspielhaus Bregenz Compagnie DCA / Philippe Decouflé „Nouvelles Pièces Courtes“ OEA

Ein Festival mit zwei Seelen. Seit über dreißig Jahren strömen Ende Juli Studenten und Jugendliche aus Südtirol und ganz Italien, aus dem deutschsprachigen Raum Europas, aus Luxemburg, Frankreich, Spanien, ja sogar aus den USA nach Bozen; hier wird ihnen die Möglichkeit geboten, Tanz zu lernen, sich tänzerisch weiterzuentwickeln und die Werke der größten internationalen Choreografen auf der Bühne zu sehen. Die Zahlen sprechen für sich: Die Anzahl der Teilnehmer wuchs von 96 Eingeschriebenen im Jahre 1985 auf bis zu 900 Teilnehmer in den vergangenen Jahren. Über 400 Choreografen aus fünf Kontinenten präsentierten ihre Arbeiten in Bozen. 14. – 17.7.2019 | www.tanzbozen.it

Fr 5.4.2019 I 20 Uhr Festspielhaus Bregenz Compagnie Wang Ramirez „Everyness“ OEA Fr 12.4.2019 | 16 Uhr Magazin 4 Silvia Salzmann Über / ge/ nug Ein Kindertanzstück ab 4 Jahren Sa 11.5.2019 I 20 Uhr Festspielhaus Bregenz National Dance Company Wales „Tundra“, „They Seek To Find The Happiness They Seem“, „Folk“ Fr 17.5. und Sa 13.5.2019 | 20 Uhr Kunsthaus Bregenz Francesca Harper New Peace (UA) 20.00 Uhr, Kunsthaus Bregenz Compagnie DCA © Charles Freger

Wales, darunter das Stück „Tundra“ von Marcos Murau, das Liebesduett „They seek to find the Happiness they seem“ von Lee Johnston sowie „Folk“ von Caroline Finn, bevor die Compagnie Käfig mit „Pixel“ in den digitalen Kosmos entführt.

So 19.5., So 26.5. und Do 30.5.2019 Natalie Fend & Florian Willeitner Stadt-Tanz-Performance (UA) jeweils 10.30 Uhr auf verschiedenen Plätzen in Bregenz Sa 25.5.2018 I 20 Uhr Festspielhaus Bregenz Compagnie Käfig „PIXEL“ Di 4.6. bis Fr 7.6.2019 I 20 Uhr Theater Kosmos, Mariahilfstraße 29 aktionstheater ensemble „Wie geht´s weiter“ Die gelähmte Zivilgesellschaft Uraufführung von Martin Gruber und aktionstheater ensemble in Koproduktion mit der Landeshauptstadt Bregenz/Bregenzer Frühling. KARTENVORVERKAUF

Bregenzer Tourismus & Stadtmarketing GmbH Rathausstraße 35a 6900 Bregenz Österreich + 43 (0)5574 4080 tourismus@bregenz.at www.bregenzerfruehling.com und alle v-ticket Vorverkaufsstellen sowie online unter: www.v-ticket.at VERANSTALTER

Wang Ramirez © Denis Kooné Kuhnert

Landeshauptstadt Bregenz, Abteilung für Kultur kultur@bregenz.at

tanz ist Festival 2019 James Wilton Dance The Storm Foto © Steve Tanner

Dornbirn (A) tanz ist – Internationales Tanzfestival Grundlage des künstlerischen Schaffens bildet seit Beginn an projektorientiertes Arbeiten mit höchstem Qualitätsanspruch sowie die kontinuierliche Zusammenarbeit mit einigen der beteiligten Künstler. Für die alljährlichen Festivals, Tanz- und Kunstereignisse werden jeweils thematische Kernpunkte erarbeitet und Kooperationen mit Künstlern und Institutionen ins Leben gerufen und ausgeführt. 6. – 16.6.2019 | www.tanzist.at

Dublin (IRL) Dublin Dance Festival Das Dublin Dance Festival bringt Künstler und Publikum zusammen, um außergewöhnliche, provokante und relevante Tanzerlebnisse zu kreieren und zu teilen. Jedes Jahr im Mai präsentiert das Dublin Dance Festival die besten irischen und internationalen Tanzcompagnien in unterschiedlichsten Theatern und Orten in der Stadt. Das Festival ist eine wichtige Plattform und Treffpunkt von nationalen und internationalen Tänzerinnen und Tänzern zur Förderung künstlerischer Zusammenarbeit, des Experimentierens und für Risikobereitschaft und Innovation im Tanz. 1. – 19.5.2019 | www.dublindancefestival.ie

Heilbronn TANZ! HEILBRONN 2019 Auch im elften Jahr präsentiert das Festival Tanz! Heilbronn wieder internationale Kompanien


JOHN | arttourist.com 1|2019

Tanzfestivals | Leipzig  |  61

ENDO C MartinColombet 2 SURROUND von Overhead Project, Foto: Ingo Solms

LEIPZIG

NEUER KULTURTEMPEL IN LEIPZIG

LOFFT – DAS THEATER eröffnet mit großem Festival Stomp Stomp

Flow ©Michel Bovay

des zeitgenössischen Tanzes. Von großen Namen bis zu Arbeiten jüngerer Choreografinnen und Choreografen erstreckt sich das Spektrum der Bühnenstücke, begleitet von Workshops, Publikumsgesprächen und Stückeinführungen. 22.- 26.5.2019 | www.tanzfestival-bielefeld.de

Holland (NL) Holland Dance Festival Seit mehr als 30 Jahren präsentiert das Holland Dance Festival eine Welt der Leidenschaft, Bewegung und Verbindung, die die ganze Palette des nationalen und internationalen Tanzes und dessen Compagnien präsentiert. Die Aufführungen werden durch ein umfangreiches Begleitprogramm ergänzt, das Meet-and-Greets, Einführungen, Diskussionsrunden, Workshops und vieles mehr umfasst. Mai 2019 | www.holland-dance.com

Montpellier (F) Montpellier Danse Montpellier Danse ist ein Festival für zeitgenössischen Tanz von Weltformat, das Tausende Besucher aus der ganzen Welt jedes Jahr im Sommer in Montpellier zusammenbringt. Montpellier Danse präsentiert außergewöhnliche Choreografien internationaler Tanzgrößen, organisiert Open-Air-Tanzkurse, Diskussionen, Ausstellungen und dokumentiert die Geschichte des Tanzes. 22.6. – 6.7.2019 | www.montpellierdanse.com

München DANCE München DANCE findet in Kooperation mit verschiedenen Münchner Spielstätten für Tanz statt. In den vergangenen Jahren war das Festival im Bayerischen Nationaltheater, im Staatstheater am Gärtnerplatz oder im Muffatwerk, aber auch in Off-Orten wie dem „schwere reiter“ zu Gast. Das Festival zeigt nicht nur relevante internationale Produktionen, es umfasst auch ein umfangreiches Begleitprogramm. Damit will es zeitgenössischen Tanz nachhaltig in der öffentlichen Wahrnehmung stärken. 16. – 26.5.2019 | www.dance-muenchen.de

Die Stadt Leipzig baut ein neues Theater. Das hat Seltenheitswert in deutschen Kommunen! LOFFT – DAS THEATER feiert seinen Einzug auf der weltberühmten Leipziger Baumwollspinnerei und präsentiert ab März 2019 sein internationales Programm. Dabei setzt das Leipziger Theaterhaus LOFFT neben großartiger Unterhaltung auf brisante gesellschaftliche Themen. Ein neuer Freiraum für Kunst und ihr Publikum hoch über den Dächern der Pleißemetropole. Die einst größte Baumwollspinnerei Europas ist heute Leipzigs internationales Zentrum für zeitgenössische Bildende Kunst. Über 100 Künstler*innen, 19 Galerien und Ausstellungsräume, zahllose Ateliers und Werkstätten bilden einen „Kosmos der Kunst“, der nun durch die Vielfalt und Ausdrucksmöglichkeiten der darstellenden Künste erweitert wird. Direkt neben dem LOFFT zieht das Leipziger Tanztheater ein. Die traditionsreiche TanzAusbildungsstätte besuchen derzeit über 400 Tänzer*innen wöchentlich. Das LOFFT ist der Ort für zeitgenössische Bühnenkunst in Leipzig. Sein experimentierfreudiges Programm reicht vom lokalen Nachwuchs bis zum internationalen Stargast. Mehrere thematische Festivals bilden die Höhepunkte des Theaterjahres: Auf dem Eröffnungsfestival vom 28. März bis 18. April 2019 gastieren renommierte Tanz-, Performance- und Theaterstücke in den atemberaubenden Theaterräumen der ehemaligen Industriehalle. Ein faszinierendes Programm mit Künstler*innen aus aller Welt macht Leipzig zum Magneten zeitgenössischer Kunst. Die darauffolgenden Monate werden geprägt von internationalen Festivals, die sich zum Beispiel im Mai dem Theaterland Israel und im Juni dem Thema Industriekultur widmen.

LOFFT – DAS THEATER, Außenansicht, Foto: LOFFT

Nicht nur das Programm, auch die einzigartige Architektur der ehemaligen Fabrikhalle auf dem Areal der Leipziger Baumwollspinnerei macht das LOFFT zu einer außergewöhnlichen touristischen Attraktion. Im Gegensatz zu den anderen backsteinernen Spinnereigebäuden, handelt es sich bei der Halle 7 um eines der ersten Stahlbetonskelettbauwerke in Leipzig, das 1907 von Max Pommer in der experimentellen „Hennebique-Bauweise“ errichtet wurde. Decken, Unterzüge und Stützen wirken als Verbundsystem und ermöglichen schlanke Konstruktionen mit großen Spannweiten. W&V Architekten haben die Halle 7 denkmalschutzgerecht zu einer zeitgemäßen, überaus flexiblen Spielstätte umgebaut, die sich ihren Gästen offen und einladend präsentiert. Ein lichtdurchflutetes Foyer mit Panoramablick über die Stadt wird die Besucher*innen künftig vor und nach den Vorstellungen zum Verweilen, Schwelgen und Diskutieren einladen. www.lofft.de

Potsdam potsdamertanztage Zhi Le Xu (Zettel), Bruna Andrade (Titania), Foto © Jochen Klenk

Karlsruhe 12. Karlsruher Ballettwoche Ein Muss für alle Ballettfans ist die Karlsruher Ballettwoche. Kompakt werden innerhalb weniger Tage die Neuproduktionen und RepertoireHighlights der aktuellen Spielzeit präsentiert. Das umfangreiche Rahmenprogramm bringt Ihnen die Tänzerinnen und Tänzer des STAATSBALLETTS auf besondere Art und Weise näher. 16. – 20.7.2019 | www.staatstheater.karlsruhe.de

Die Potsdamer Tanztage haben sich seit 1991 als herausragendes internationales Tanzfestival in Potsdam etabliert und bleiben weiterhin das wichtigste Festival für Darstellende Kunst im Land Brandenburg. Zwölf Tage lang wird die Landeshauptstadt Brandenburgs zur Bühne der internationalen Tanzszene. Das BAUHAUS stellt einen der Schwerpunkte der 29. Potsdamer Tanztage dar, u.a. mit Stücken vom Bayerischen Staatsballett II und von Lia Rodrigues, beide mit einer Hommage an Oskar Schlemmer, sowie weiteren Stücken, die

WONDERWOMEN von Melanie Lane, Foto: Hannes Kempert


62  |  Tanzfestivals | Kempten

Das Triadische Ballett | Rosa Reihe | Marta Navarrete Villalba © Wilfried Hösl

das Erbe vom BAUHAUS weiterentwickeln und fortführen. Darüber hinaus lädt das Festival internationale Produktionen ein und zeigt aktuelle Arbeiten des Zeitgenössischen Tanzes: Pop und Folklore, partizipative Projekte mit Amateuren, neue Kreationen sind Teil des Programms. 14. – 26.5.2019 | www.potsdamer-tanztage.de

Stuttgart DanceWorld 26. – 28.4.2019 Tanzen liegt im Trend. Das zeigen nicht nur die kontinuierlich hohen Zuschauerzahlen für Ballett und zeitgenössischen Tanz live im Theater oder vor dem Bildschirm zu Hause. Immer mehr Menschen entdecken ihre Freude an Bewegung und Rhythmus, an Fitness,

JOHN | arttourist.com 1|2019

die auch emotional erfüllt. Trotzdem fehlt in Deutschland eine zentrale Plattform, die alle Angebote rund um den Tanz bündelt und zugänglich macht. Diese Lücke will die DanceWorld Stuttgart schließen. Das Ziel: möglichst viele Menschen für den Tanz zu begeistern. Denn Tanz bedeutet nicht nur eine große persönliche Bereicherung. Er hat immer auch eine soziale Komponente, die Generationen und Kulturen verbindet. Angesprochen fühlen sollen sich deshalb alle, Junge wie Ältere, Laien und Profis, Neugierige und Szenekenner, Tanzbegeisterte und solche, die es werden wollen, Bewegungsfreaks und Gesundheitsbewusste. Dank der hervorragenden Vernetzung der Macher werden sich internationale Tanzpersönlichkeiten für die DanceWorld engagieren, um das Tanzen zu einer – im Wortsinn – Massenbewegung zu machen. Die DanceWorld Stuttgart bringt Publikum, Anbieter, Aussteller und Institutionen zusammen. Das Besondere: Diese Messe infor-

DanceWorld Stuttgart Launch 13.12.18 Tänzer+Team | ©Tom Koenig

Mette Ingvartsen | to come (extended) | © Jens Sethzman

miert und verkauft nicht nur. Sie lebt von der aktiven Beteiligung ihrer Besucher. Denn das Herz der DanceWorld ist das ebenso umfangreiche wie hochklassige Workshop-Programm für die unterschiedlichsten Tanzstile. In Planung sind derzeit Kurse in Afro, Jazz, Hip-Hop, Breakdance, Ballett, Tanz für Menschen über 50, Contemporary Dance, Freaky Dance, Tanztheater, Latin Dance Explosion, Gyrokinesis, Pilates, Feldenkrais, Tango, Flamenco, Swing, Tap Dance, Standard und Lateinamerikanisch. Das Spektrum reicht von Schnupperkursen bis zu Angeboten auf Fortgeschrittenen- und Profi-Niveau. Messe Stuttgart | www.danceworld-stuttgart.de

nendsten Namen der Szene aufhorchen: Internationale Stars wie Mette Ingvartsen, Boris Charmatz, das Tanztheater Wuppertal Pina Bausch, Michael Laub, Dana Michel, DD Dorvillier und Wim Vandekeybus sowie Größen des Wiener Tanzkosmos, zum Beispiel Akemi Takeya und Philipp Gehmacher, werden in Wien zu sehen sein. Weniger bekannte aber mindestens ebenso interessante junge Tanzschaffende werden in der [8:tension] – Young Choreographers’ Series vorgestellt. Mit langjährigen Partnern wie dem mumok und dem Leopold Museum wird der Dialog zwischen bildender Kunst und Tanz zelebriert. Und auch selber tanzen ist möglich: Neben dem Performance-Programm in den Theatern und Museen Wiens, finden über 4 Wochen lang mehr als 200 Workshops für Anfänger und Profis jeden Alters statt. Ballett, Yoga, HipHop, Bollywood, Afrofusion, Contemporary – die Bandbreite lässt keine Wünsche offen. www.impulstanz.com

Wien ImPulsTanz – Vienna International Dance Festival 11.7. – 11.8.2019 Europas größtes Festival für zeitgenössischen Tanz lässt wie gewohnt mit einigen der span-

KEMPTEN

Der 19. KEMPTENER TANZHERBST zeitgenössisch, erstklassig, international! Der 19. Kemptener TANZherbst präsentiert vom 12.- 20. Oktober 2019 unter der Leitung des Allgäuer Regionalverbandes für zeitgenössischen Tanz e.V. im Stadttheater Kempten mit renommierten Choreograf*innen und Tänzer*innen aus der internationalen Tanzwelt herausragende Tanzkompanien wie auch junge Ensembles der europäischen, zeitgenössischen Tanzszene. Die mehrfach prämierte spanische Choreografin, LALI AYGUADE, eröffnet mit ihrer beeindruckenden wie auch feinfühligen Performance „iU an Mi“ das Festival gefolgt von dem Performanceabend des sechzigjährigen, schweizer Sinnsucheres und Tänzers THOMAS METTLER, der mit „Transitio“ die Quintessenz aus nahezu 40 Jahren intensiver Arbeit präsentiert.

Während TOMER ZIRKILEVICH mit den zwei Performances „My David“ und „The day I reach to you“ Einblicke in das Streben nach Perfektion gibt, zeigen die beiden französischen Ausnahmetänzer*innen und Choreograf*innen Meldodie Cecchini und Gaetan Boschini (LES SCHINIS) mit „Le petite vieux“ ihre humorvolle und poetische abendfüllende Produktion über die oftmals vergessenen Parallelen zwischen Jugend und Alter als Uraufführung in Kempten, für welche der dazugehörige, grandiose Kurzfilm „Nivette“ bereits einige Preise bei Festivals gewonnen hat. Das Festival beschießt die israelische KAMEA DANCE COMPANY mit der vielfach gefeierten „Matthäus-Passion-2727“, inspiriert durch die Frage, was mit diesem Werk von Johann Sebastian Bach wohl 1000 Jahre nach seiner Urauffüh-

Matthauspassion, Kamea Dance © Kfir Bolotin

rung 1727 geschehen sein wird und was auf dem Weg dorthin geschieht. Ergänzt wird das Festival durch eine Vielzahl von spannenden Tanzworkshops sowie dem ALLGÄU/SCHWABEN BATTLE, dem TANZ IM KINO-Abend mit dem Tanzfilm „Girl“ sowie dem Tangotanzabend MILONGA im Haus International, Kempten. Tickets gibt es ab Juni 2019 unter www.eventim.de. Anmeldungen und Informationen zum Festival erhalten Sie unter Tel. 0831 / 23582 oder unter www.tanzherbst-kempten.de

My David, Photo © Mehmet Vanlı


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Mode | 63 Datin Haslinda Abdul Rahim für Blancheur, 2017

MODE London (GB) Christian Dior: Designer of Dreams 2.2. – 14.7.2019 Die Ausstellung „Christian Dior: Designer of Dreams“, die zur Feier des 70-jährigen Bestehens des französischen Traditionshauses vor zwei Jahren in Paris präsentiert wurde, kommt 2019 nach Princess Margaret (1930-2002), Photo: London. Von 1947 bis heuCecil Beaton (1904-80), London, UK, te wird diese Ausstellung die 1951. © Cecil Beaton, Victoria and Albert Museum, London Geschichte und den Einfluss eines der einflussreichsten Couturiers des 20. Jahrhunderts aufzeigen, den anhaltenden Einfluss des Modehauses und die Beziehungen von Dior zu Großbritannien. Victoria & Albert Museum | www.vam.ac.uk

Hamburg Modesammlung im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg ADRESSE Museum Angewandte Kunst Schaumainkai 17 60594 Frankfurt www.museumangewandtekunst.de ÖFFNUNGSZEITEN Di, Do – So 10 – 18 Uhr Mi 10 – 20 Uhr Mo geschlossen EINTRITTSPREISE

Normalpreis EUR 12 Ermäßigt EUR 6 Freier Eintritt Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren FÜHRUNGEN

Create – Bildung und Vermittlung Tel. 069 212 38522 create.angewandte-kunst@stadt-frankfurt.de

FRANKFURT

Contemporary Muslim Fashions

Paris (F) Neupräsentation im Yves Saint Laurent Museum Das Yves Saint Laurent Museum präsentiert 2019 eine ungesehene Auswahl von fünfzig Haute-Couture-Modellen. Neben den Hauptthemen, die die Arbeit des Couturiers strukturieren, konzentriert sich die neue Präsentation auf zwei Robe hommage a Piet Mondrian große Kreationen von Yves © Alexandre Guirkinger Saint Laurent: die berühmten Mondrian-Kleider (Herbst-Winter 1965), die in Zusammenarbeit mit dem Künstler Claude Lalanne (Herbst-Winter 1969) entstanden sind. Musée Yves Saint Laurent Paris www.museeyslparis.com

5.4. – 15.9.2019 Von Haute Couture über Streetwear bis zu Sportbekleidung: Der Markt für muslimische Mode wächst weltweit rasant. Contemporary Muslim Fashions  ist die erste große Ausstellung, die sich mit dem Phänomen zeitgenössischer muslimischer Mode auseinandersetzt.  Nachdem die Schau in den Fine Arts Museums of San Francisco für Furore sorgte, wird sie in Frankfurt als erste Station in Europa gezeigt. Die Ausstellung präsentiert eine Momentaufnahme aktueller muslimischer Kleidungsstile aus aller Welt, mit einem Schwerpunkt auf dem Nahen Osten und Südostasien sowie Europa und den USA. Dabei reflektiert sie, wie Kleidung dem Ausdruck der vielen Facetten individueller, religiöser und kultureller Identität dient – und wie sie Identität prägt. Rund 80 Ensembles von etablierten und aufstrebenden Marken, ergänzt von Modefotografie und Laufstegvideos, zeigen die Raffinesse, mit der regionale Ästhetiken mit globalen Modetrends verwoben werden. Daneben gibt Originalmaterial aus den sozialen Netzwerken, die eine zentrale Rolle für die Verbreitung des neuen Trends spielen, Einblicke in die Vielfalt der Positionen in der muslimischen Welt und lässt verschiedene Akteure zu Wort kommen. Contemporary Muslim Fashions  wird von den Fine Arts Museums of San Francisco in Zusammenarbeit mit dem Museum Angewandte Kunst, Frankfurt

Die Modesammlung des MKG umfasst mehr als 10.000 Einzelteile an Damen-, Herren- und Kindergarderobe einschließlich Wäsche und Accessoires. Die Sammlung dokumentiert die Entwicklung der zunächst höfischen und großbürgerlichen Kleidung ab der Mitte des 18. Jahrhunderts bis zu den Moden und Stilen der heutigen Zeit. Neben Haute Couture  und  Prêt-à-Porter  namhafter internationaler Designer sind auch deutsche Modeschöpfer mit ihren Kreationen vertreten. Das japanische Modedesign der letzten Paco Rabanne (*1934), Minikleid, 1966, dreißig Jahre wurde durch An- Aluminium, Metallringe, Metallnieten, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, käufe und Schenkungen zu eiFoto: Maria Thrun/MKG nem Schwerpunkt der Sammlung. Ebenso ist der Bereich der Avantgardemode der letzten zwanzig Jahre kontinuierlich erweitert worden. Museum für Kunst und Gewerbe I www.mkg-hamburg.de

am Main, organisiert. Kuratiert wurde sie von Jill D’Alessandro, Kuratorin für Kostüme und Textilkunst, und Laura L. Camerlengo, stellvertretende Kuratorin für Kostüme und Textilkunst an den Fine Arts Museums of San Francisco. Sie wurden beraten von Reina Lewis, Professorin für Cultural Studies am London College of Fashion, University of the Arts, London. In Frankfurt wird die Ausstellung von Dr. Mahret Ifeoma Kupka und Prof. Matthias Wagner K koordiniert.

Berlin stoffbruch Fair Fashion Berlin

Sie wird gefördert von der Ernst-Maxvon-Grunelius-Stiftung, dem Bankhaus Metzler und der Stiftung der Frankfurter Sparkasse. Windra Widiesta Dhari für Nur Zahra, 2014

Raşit Bağzıbağlı für Modanisa, Desert Dream Collection, 2018 © Modanisa

Seit 2010 steht stoffbruch für cooles Understatement. Ihre Mode ist schön, schlicht und aus besonderen Stoffen gefertigt. Stoffbruch möchte, dass sich ihre Kunden, Frauen wie Männer, in stoffbruch entspannt, gut gekleidet und wohl fühlen. stoffbruch legt Wert auf Fairness und einen lokalen Bezug: Ihre Kollektionen entwickeln sie in ihrem eigenen Atelier in Berlin. Die Fertigung erfolgt unter fairen Arbeitsbedingungen in der Europäischen Union. Das bedeutet: keine Kinderarbeit, faire Löhne, gute Arbeitsbedingungen. Hinzu kommen kurze Transportwege. www.stoffbruch.com

© stoffbruch berlin


NANTES, MACHEN SIE EINE REISE IN DIE KREATIVSTE KULTURMETROPOLE VON FRANKREICH! JEDES JAHR GIBT ES ETWAS NEUES ZU ENTDECKEN!

DAS EVENT « DIE REISE NACH NANTES » 6. JULI BIS 1. SEPTEMBER 2019

HUANG YONG PING, SERPENT D'OCÉAN, SAINT-BREVIN-LES-PINS (FRANCE), ŒUVRE DU PARCOURS ESTUAIRE NANTES <> SAINT-NAZAIRE © FRANCK TOMPS / LVAN

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Der Essenzialist Sylvan Müller hat in der Food-Fotografie einen neuen Stil geprägt. Das Rezept des Schweizers: Am Essen interessiert ihn vor allem der Mensch. von Anne Goebel Käse, ganz richtig – es liegt durchaus nahe, diese Geschichte mit Käse beginnen zu lassen. Es geht, erstens, um einen Schweizer. Dazu um gutes Essen. Und darum, mit Bildern von gutem Essen Geld zu verdienen. Der „Chääs“ muss dem Betrachter quasi auf der Zunge zergehen, obwohl er gar keinen im Mund hat. Das funktioniert im Foodstyling nach ein paar simplen Tricks. Flaumiger Ziegenkäse auf zerbeultem Blechteller, und dem Großstädter wird warm ums Herz – die stallwarme Variante. Die

Foto © Sylvan Müller


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Verknüpfung Silbermesser-Blauschimmel-Nüsse hingegen signalisiert kulinarische Noblesse. Oder goldgelbe Schmelzfäden im Close-up: Yummie, sofortiger Speichelfluss. Sylvan Müller interessiert keines dieser Spielchen. Er hat Käse vollkommen anders und neu fotografiert. Eine Frau in fleckigen Arbeitshosen, Melkschemel unterm Arm, verschlossener Blick: Das ist sein Bild von „Bitto storico“, einem Hartkäse aus dem Veltlin. Das eigentliche Produkt spielt eine Nebenrolle. Man möchte den Käse trotzdem sofort probieren, weil er gar nicht anders sein kann als echt, würzig, einmalig. Genau so wie die Frau, die ihn herstellt. Das Buch, aus dem das Foto stammt, wurde ein Bestseller und setzte neue Maßstäbe. Sylvan Müller ist einer der erfolgreichsten Food-Fotografen im deutschsprachigen Raum. Wer ihn treffen will, muss nicht auf die Alm. Zürich genügt, der 45-Jährige hat sein Atelier in Luzern, aber ein Termin in der nahen Großstadt passt besser in den Kalender. Und doch, als Treffpunkt darf es ruhig etwas schick Urbanes sein. „Das kulinarische Erbe der Alpen“ heißt der Band (AT Verlag), mit dem Müller Furore gemacht hat: eine Erkundungstour am Berg, zu Landschaften und Lebensmitteln. In der „Markthalle im Viadukt“ verkehren eher Feinschmecker aus dem Flachland. Müller trägt Loafers und Lederjacke. Der Chronist des unverfälschten Geschmacks ist kein kantiger Eigenbrötler, auch wenn man sich das so vorstellt. „Ich bin da mehr reingerutscht“, sagt er im leichten Singsang und macht eine Armbewegung, die alles um den Bistrotisch herum zu umfassen scheint: die Regale mit Delikatessen, die ausgefeilten

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Zutatenlisten der schlendernden Kunden. Kurz, das Kochen und Essen, wie es viele heute betreiben – mit höchster Konzentration. Hineingerutscht, das ist für einen wie Sylvan Müller eine überraschende Aussage. Er fotografiert für Magazine perfekt arrangierte Stillleben aus Gemüse, Fleisch, Fisch. Er trägt eine Tasche voll schwerer Bildbände, die ihn bekannt gemacht haben. Das Alpenerbe, ein Trip durch Japans Küchen, „Leaf to Root“ über den jüngsten Trend der Gemüseküche. Und da soll das Kulinarische nicht im Zentrum seiner Arbeit stehen? Das tat es nicht immer, und vermutlich hängt mit Sylvan Müllers erstem Leben als Reportagefotograf genau die Tiefe und Ernsthaftigkeit zusammen, für die man seine Food-Arbeiten bewundert. Wobei es an Begeisterung (und Selbstbewusstsein) von Anfang an nicht fehlte. „Ich kann das jetzt“, habe er als 16-Jähriger nach ersten fotografischen Versuchen zu Hause verkündet – er grinst bei der Erinnerung an so viel Großspurigkeit. Die Eltern rieten dann doch zu einer Ausbildung. Und früh geriet er über einen väterlichen Freund, einen freien Regisseur, an sein Lieblingsthema: Menschen. Markante Typen, Gesichter, in denen sich Wut, Trauer oder Glück spiegeln. „Mich interessiert die Verletzlichkeit“, sagt er, „darin zeigt sich die Schönheit von Menschen.“ Für das Luzerner Theater fotografiert er die Schauspieler nach dem Schlussapplaus, in Kostüm und Maske, aber vor Erschöpfung wie entblößt. Er bereist nach der Wende die Braunkohlereviere um Bitterfeld. Seine Fotoserie über junge Psychiatriepatienten in Tschernobyl ist beklemmend, ohne voyeuristisch zu wirken. Einfühlsam würde man die Aufnahmen nennen, wären diese Kinder nicht so von aller Welt verlassen, dass einem das Wort zu schön vorkommt. „Es gibt in meinem Leben einige Brüche. Sie sind wichtig für mich und meine Arbeit“, sagt Sylvan Müller. Ein paar Monate hat er in einem Weinberg gearbeitet anstatt hinter der Kamera. Und auf die Reportagen folgte mehrere Jahre lang reine Werbefotografie mit schicken Studios in der Schweiz und New York und mit ziemlich guten Honoraren. Bis ihm das alles zu glatt war. „Mir hat etwas Entscheidendes gefehlt. Ich wollte wieder Geschichten erzählen.“ Geschichten über das Essen berühren und verbinden die Leute wie kaum etwas anderes. Wildfremde geraten so miteinander ins Gespräch. Eine gemeinsame Mahlzeit hebt Grenzen auf, Gerüche wecken Kindheitserinnerungen. Nahrungsmittel transportieren Emotionen. „Dieser Aspekt hat mich am Essen immer schon fasziniert“, sagt Müller. Heute ist daraus eine Art Markenzeichen (und ein gutes Geschäft) geworden: Bilder von Menschen und ihrer Leidenschaft für Essbares. Männer oder Frauen, die kochen, jäten und schlachten, räuchern oder schälen. Die in Tokio auf dem Fischmarkt einkaufen oder in einem alpinen Hochtal alte Rübensorten anbauen. Das trifft natürlich haargenau den Zeitgeist, die Suche einer weltweiten Wohlstandsschicht nach dem Urwüchsigen. Je ausgefeilter unsere Koch- und Essgewohnheiten werden, samt detaillier-

ter Pläne zur Allergievermeidung, umso mehr soll das einzelne Produkt rein und unschuldig sein. Der Hype um authentische Nahrung verbindet die Sehnsucht nach Elementarem und das allgegenwärtige Connaisseurtum zu einem täglich konsumierbaren Statussymbol. „Im Grunde finde ich es suspekt, wenn Essen zur Ersatzreligion wird“, sagt Sylvan Müller. „Aber mir ist klar, dass ich selbst Teil dieser Bewegung bin.“ Umso wichtiger sind ihm Signale der Distanz. Er möchte nichts beschönigen, sondern „Geschichten zu Ende erzählen“. So werden den Freunden der Alpenküche Bilder von Schlachtungen auf der Alm oder einem ausgeweideten Murmeltier nicht erspart. Oder er erlaubt sich ironische Brechungen, wie sie im Buch „Leaf to Root“ über die sicher sehr vernünftige restelose Gemüseküche eingestreut sind – Schnecken, die über Blattwerk kriechen, aufgemalte Kreideknollen neben echten roten Beten. Die Botschaft: Bitte keine Dogmatik. Trotzdem ist das Charakteristische an Sylvan Müllers Bildern diese gewisse Strenge. Der Schweizer verzichtet rigoros auf Kunstlicht, das gibt den Schwarzweiß-Porträts etwas Plastisches. Aus der alpinen Serie ist vor allem das Foto eines Hirten aus dem Aostatal bekannt geworden, mit Zicklein auf dem Arm. Blick zum Betrachter, dunkle Holzwand im Hintergrund. Sonst nichts. Auch die Rezeptbildstrecken wirken nüchtern konzentriert wie bei Versuchsanordnungen. Almbutter, frisches Brot, eine Schale Salz. Oder: Rübenkompott, ein Klecks Rahm. Schluss. Die Kunst heißt: weglassen. Das ist meilenweit entfernt von der Cheesecake-Wohligkeit der angloamerikanischen Foodstyling-Schule. „Donna-Hay-Licht“ nennt Müller diese Art von sanftem Schein, mit dem die australische Köchin berühmt wurde. Inzwischen ist es sein Stil, der großflächig kopiert wird. Natürlich heißt die Kunst auch: abwarten. Sich Zeit lassen. Für den mit Dominik Flammer herausgegebenen Band „Das kulinarische Erbe der Alpen“ ist Müller drei Jahre lang durchs Gebirge gereist. Von Savoyen bis Slowenien, zu Imkern, Maronibauern, Schweinehaltern. Oft hat er Stunden oder Tage gewartet, bis der richtige Moment für das Foto kam – häufig passierte das gerade dann, wenn die Leute viel Arbeit und eigentlich keinen Nerv für ihn hatten. „Dann verstellen sich die Menschen nicht.“ Sylvan Müller glaubt, dass er nur mit diesem Einsatz eine Bildqualität erreichen kann, die sein Metier überleben lässt, trotz Blogs und Instagram. Eigentlich, sagt er, „ist das ja ein unmögliches Arbeitsgebiet geworden, in dem ich tätig bin. Heute macht jeder auf der Welt Food-Fotografie.“ Aber nicht jeder betreibt diesen Aufwand. Abgesehen davon hat er auf seiner langen Reise den Bitto Storico von Antonella Manni kennengelernt. Nicht einfach ein Käse, sagt Müller. Eine Offenbarung. ÜBERNOMMEN MIT GENEHMIGUNG AUS DER SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG VOM 8.12.2018


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Foto ©  Sylvan Müller

Wir sprachen mit dem Fotografen Sylvan Müller und dem Koch Ralph Schelling Wie entstand die Idee zum Magazin „Trip“, dessen Herausgeber und Chefredakteur Sie zusammen mit Jon Bollmann von Transhelvetia sind? Müller: Eigentlich dachten wir mit einem Verlag ein Buch mit und über Ralph Schelling an. Ich realisierte während der Konzeptarbeit aber immer mehr, dass Ralph wohl zu jung und zu schnell für ein Buch sein würde. Heute hier und morgen da. Bei einer gemeinsamen Reise entstand dann diese Magazin-Idee: Etwas schneller, etwas spontaner und nicht für die Ewigkeit. Das entspricht Ralphs Wesen doch um einiges besser, ist er doch in seiner Arbeit als Privatkoch ständig unterwegs und auf der Entdeckung nach neuen Gerichten. Eigentlich bebildern wir nur Ralphs Alltag.

Ralph Schelling

Wen wollen Sie mit welchen Inhalten als Leser erreichen, was soll die Lektüre von "Trip" mit den Lesern machen? Schelling: Ich möchte Menschen ansprechen, die dasselbe gern machen wie ich: Reisen und dabei die kulinarischen Schätze der entsprechenden Region erleben. Und auf die wahren kulinarischen Entdeckungen stoßen, die ursprünglichen, die regional Einzigartigen, bei Müttern, Großmüttern, Köchen. In Hinterhöfen und Restaurantküchen. Müller: Das Kochen und das Reisen sind bei meiner Arbeit schon immer im

Sylvan Müller

tografen August Sander inspiriert. Sehr oft ist es aber auch der Alltag, der die Inspiration für eine Geschichte gibt, Geräusche, Gerüche.

Vordergrund gestanden, schon bei einem meiner ersten Kochbücher, dem „Japan – Kochreisefotobuch“. Ich glaube ganz einfach, dass über das Essen die schönsten und privatesten Geschichten zu erzählen sind. Genau das soll mit „Trip“ passieren, über das Essen Geschichten zu erzählen. Warum Print im digitalen Zeitalter? Mut, Leidenschaft, Überzeugung oder schlicht Wahnsinn? Müller: Blogs gibt es zur Genüge, das müssen wir nicht auch noch machen. Und ich komme von der Bucharbeit, Geschichten erzählen soll auch ein haptisches Erlebnis sein. Schelling: Schöne Entdeckungen dürfen durchaus auch auf Papier zu erleben sein. Wir versuchen ja auch nicht, kurzfristigen kulinarischen Trends nachzuhetzen. Wie konzipiert, gestaltet man ein kulinarisches Magazin? Müller: Wir gehen im Gegensatz zu den üblichen Foodmagazinen eher unkonventionell, fast schon konzeptlos vor. Uns interessiert es nicht, eine Region umfassend kulinarisch abzudecken, wir gehen da sehr einfach vor: Wir suchen uns eine Region aus, die uns interessiert, reisen dahin, der Gestalter ist mit dabei, verbringen eine lange Woche da, und was uns begegnet, kommt ins Heft, was uns nicht begegnet, bleibt weg. So einfach ist das. Das bedingt eine große Neugier und eine schnelle Umsetzung. Beides Dinge, die uns sehr entsprechen. Wie wichtig ist der erste optische Eindruck beim Essen und wie beeinflusst es den Geschmack und schlussendlich auch den Erfolg eines Kochs? Schelling: Natürlich soll ein Gericht optisch ansprechend daherkommen, das krampfhafte Dauerdekorieren entspricht aber nicht meiner Arbeitsweise. Ich glaube eher, dass gute und frische Ingredienzien und eine ehrliche Gestaltung des Tellers auf einem Bild den Betrachtern das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt.

Sylvan Müller

Was kommt zuerst, Optik oder Geschmack, und wie beeinflussen sie sich? Schelling: Zuerst kommt immer der Geschmack. Aber natürlich gibt es optische Umsetzungen, die die Qualität des Gerichts noch unterstützen. Es hat jedoch noch nie ein Gericht an Geschmack gewonnen, weil sich unendlich viele, verschieden farbige Punkte auf dem Tellerrand befinden. Wie entsteht eine gute Food-Fotografie für Ihre gemeinsamen Kochbücher oder auch das „Trip“, wer entscheidet, wie es angerichtet, präsentiert und inszeniert wird? Fotograf oder Koch? Müller: Natürlich steht die Kreation von Ralph am Anfang, ich gebe da höchstens als erster Konsument meinen Senf dazu. Aber danach übernehme ich eigentlich sehr schnell das Zepter. Für ein Magazin braucht es eine gewisse Stringenz in der Präsentation innerhalb einer Geschichte, und daher bin ich eher wenig demokratisch veranlagt in den Momenten der finalen Entscheidungen. Von wem oder was lassen Sie sich inspirieren, gibt es Anleihen z.B. in der Kunst? Müller: Das ist sehr unterschiedlich. Für die Arbeiten am Buch „Das kulinarische Erbe der Alpen“ zum Beispiel habe ich mich sehr lange mit den gemalten Enzyklopädien des beginnenden 20. Jahrhunderts auseinandergesetzt, die waren ein starkes Vorbild. Für die Porträts desselben Bandes haben mich die Arbeiter-Porträts des Fo-

Sie haben u.a. bei Ferran Adrià im „El Bulli“, dem Erfinder der Molekularküche, dem „Picasso der Köche“ gearbeitet, der mit seinen Kreationen alle Sinne kitzelt und auf die Probe stellt. Optik und Geschmack standen hier oft in einem überraschenden Gegensatz. In der ersten Ausgabe widmen Sie sich u.a. dem winterlichen Cadaques ohne Ferran Adrià, der das „El Bulli“ 2011 geschlossen hat. Daraus schließe ich eine gewisse Liebe für Katalonien und Ferran Adrià? Schelling: Ja, einerseits waren Ferran Adrià und das „El Bulli“ etwas vom Inspirierendsten, was ich als Koch je erleben durfte. Und dazu kommt, dass die Katalanen generell sehr gerne essen, das spiegelt sich in der Arbeitsweise: Ich habe noch nie so gute Mitarbeiteressen genossen wie während der Zeit im „El Bulli“. In anderen Küchen wird man als Koch eher rudimentär verpflegt, aber im „El Bulli“ war man sich bewusst, dass man Gäste nur entsprechend verwöhnen kann, wenn der eigene Magen zufrieden ist. Außerdem haben die Katalanen einen großen Sinn für Humor, daher kam ihre Interpretation der Molekularküche immer auch um Welten leichter und unverkrampfter daher als die hiesige Interpretation, bei der jedes Pülverchen und Schäumchen tagelang erklärt werden muss. Wahrscheinlich haben auch die Tapaskultur und das damit verbundene gemeinsame Genießen mein Verständnis des Gastgeber-Seins beeinflusst. Wohin geht die (nächste) Reise mit „Trip“? Schelling: Interessieren würde mich die japanische Küche, aber ich kann mir durchaus auch vorstellen, in einem verlorenen, kleinen Schweizer Voralpental ein Heft zu realisieren. Wir haben uns noch nicht festgelegt. Müller: Sag wohin Ralph, ich komme mit, egal wohin. Das Gespräch führte Kai Geiger.

Seit bald dreißig Jahren arbeitet Sylvan Müller als Fotograf. Nachdem er zahlreiche große Reportagen realisiert hat, gründet er mit zwei Freunden und seinem Bruder Adrian fabrik studios. Sie sind schnell bekannt für ihre präzisen und doch verspielten Stills und arbeiten mit Studios in New York und der Schweiz für internationale Kunden. Heute ist Sylvan Müller wieder solo unterwegs, arbeitet vornehmlich an seinen vielbeachteten Langzeitprojekten wie beispielsweise „Japan – Kochreisefotobuch“ „Leaf to Root“ oder „Das kulinarische Erbe der Alpen“. Müller lebt in diesen Projekten seine große Passion aus: Essen und Trinken und die Geschichten, die es darüber zu erzählen gibt. Seine Bilder bestechen durch einen unaufgeregten und unendlich reduzierten Stil und sind in mehreren international ausgezeichneten Büchern zu bewundern. Seine Kochbücher sind keine Rezeptsammlungen, eher liebevoll gestaltete Erzählbände über Menschen in Küchen und an Tischen und deren kulinarische Obsessionen. Neben seiner Arbeit als Fotograf und Buchautor pflegt er in Katalonien einen kleinen Rebberg und importiert dabei auf dem Heimweg Austern aus Südfrankreich. www.sylvanmueller.ch

Ralph Schelling

Ralph Schelling gehört zu den prägenden Figuren der neuen Schweizer Küche. Jung und gleichzeitig erfahren, verbindet Ralph unterschiedliche Kochtraditionen und -techniken mit besten lokalen, saisonalen Produkten. Mit präzisem Handwerk, kompromissloser Qualität und sprudelnder Kreativität. Gelernt hat Ralph unter Horst Petermann in den Küsnachter „Kunststuben“. Er war Teil der Truppe von Andreas Caminada auf „Schloss Schauenstein“. Der jüngste Gewinner des „Swiss Culinary Cup“ tourte später durch die Top-Küchen Spaniens, darunter bei Ferran Adrià im „El Bulli“. Weitere Stationen: Heston Blumenthal, „Fat Duck“ und „Ryugin“ in Tokio. Heute zeigt Ralph sein Können in privaten Küchen und bei Events auf der ganzen Welt. Wenn er nicht kocht, unternimmt er kulinarische Reisen zwischen Asien, Europa und den USA und schaut in die Töpfe inspirierender Restaurantküchen. Er tüftelt an neuen Rezepten, probiert neue Kochtechniken aus und macht sich auf die Suche nach außergewöhnlichen Produkten. www.ralphschelling.com


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Weegee, [Phillip J. Stazzone is on WPA and enjoys his favorite food as he’s heard that the Army doesn’t go in very strong forserving spaghetti.], 1940, Gelatin-Silver Print © Weegee/International Center of Photography . Courtesy Ira und Suzanne Richer

BERLIN

FOOD FOR THE EYES Die Geschichte des Essens in der Fotografie 8.6.– 8.9.2019


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Fotografie | Berlin   |  69

Martin Parr, Weston-Super-Mare, England, 1998, Archival Pigment Print © Martin Parr/Magnum Photos

Irving Penn, Frozen Foods, New York, 1977, Dye- Transfer Print, Privatsammlung, San Francisco © The Irving Penn Foundation, New York

Peter Fischli und David Weiss, Modenschau, 1979, aus der Wurstserie © Peter Fischli und David Weiss, Zürich 2018 . Courtesy Sprüth Magers, Berlin, Matthew Marks Gallery, New York und Galerie Eva Presenhuber, Zürich

Daniel Gordon, Pineapple and Shadow, 2011, Archival Pigment Print © Daniel Gordon . Courtesy der Künstler und James Fuentes Gallery, New York

Hank Willis Thomas, The Mandingo of Sandwiches, 1977/2007; a.d.S. Unbranded: Reflections in Black by Corporate America, Lambda Print. Courtesy der Künstler und Jack Shainman Gallery, New York

Peter Fischli und David Weiss, Im Teppichladen, 1979, aus der Wurstserie © Peter Fischli und David Weiss, Zürich 2018 . Courtesy Sprüth Magers, Berlin, Matthew Marks Gallery, New York und Galerie Eva Presenhuber, Zürich

Martha Rosler, Semiotics of the Kitchen, 1975, Video (black and white, sound) . Courtesy die Künstlerin und Electronic Arts Intermix (EAI), New York

Martin Parr, New Brighton, England, 1983–85, Archival Pigment Print © Martin Parr/Magnum Photos

Wurstscheiben, Wiener Würstchen, Bockwürste, Schinken, Petersilie und Gewürzgurken als Requisiten zu einer grotesk absurden Szenerie arrangiert – die „Wurstserie“ des Schweizer Künstlerduos Fischli und Weiss ist legendär. Die gefrorenen Gemüse- und Obstwürfel oder zahlreichen kunstvoll arrangierten Stillleben des Modefotografen Irving Penn sind es ebenso, wie auch die Junkfood-Bilder des britischen Magnum Fotografen Martin Parr – pappige Hot Dogs, fettige Burger und Pommes, zuckrig bunte Milkshakes, kalorienreich, ungesund und farbenfroh. Die Ausstellung „Food for the Eyes“ bei C/O Berlin blickt auf die vielfältige Geschichte des Essens in der Fotografie. Wie Luft, die wir atmen, oder Wasser, das wir trinken, sind Nahrungsmittel für uns lebensnotwendig. Sie zählen zu den täglichen Grundbedürfnissen des Menschen, wecken die Sinne und betreffen das private und öffentliche Leben gleichermaßen. Nahrung und das gemeinsame Essen spielt allerdings auch für unsere Rituale, Religionen und Feste eine entscheidende Rolle. Im Essen spiegeln sich unsere Wünsche und Fantasien wider. Als allzeit verfügbares und alltägliches Sujet wurde und wird Essen vielfach dargestellt. Food Photography kann deshalb – ebenso wie das Essen selbst – grundlegende Fragen zu unterschiedlichsten gesellschaftlichen Themen aufwerfen: Familie, Tradition, häusliches Leben, Wohlstand, Armut, Gender, Rasse, Ekel, Vergnügen oder Konsum.

Joseph Maida #fish #donut #divers #thingsarequeer, December 1 2015 . Courtesy der Künstler

Mit Werken aus den Bereichen der Bildenden Kunst, der Mode und des Fotojournalismus bis hin zur Werbung bietet die Schau einen umfangreichen Überblick über die Darstellung von Essen in der Fotografie der letzten zwei Jahrhunderte. Das „Stillleben“ gehört dabei zu den anhaltenden künstlerischen Traditionen und wichtigsten Motiven. Auf welche Weise sind Künstler*innen dem ursprünglichen malerischen Genre gefolgt? Wie hat die Malerei die Food Photography inspiriert, und wie haben zeitgenössische Fotograf*innen diese untergraben? Welche Veränderungen und Formen haben sich im Laufe der Zeit entwickelt? „Around the Table“ wiederum blickt auf das Ritual und Gemeinschaftsgefühl, welches sich entfaltet, wenn Essen geteilt wird, sowie

die Werte und kulturelle Identität, die sich hier widerspiegeln. „Playing With Food“ zeigt nicht zuletzt mittels vielfältiger Ausdrucksweisen, wie in der Kombination von Spiel und Nahrungsmitteln Werke entstehen, die unser Leben und unsere Zeit humorvoll zu beleuchten vermögen.

ADRESSE C/O Berlin Foundation Amerika Haus Hardenbergstraße 22–24 10623 Berlin www.co-berlin.org ÖFFNUNGSZEITEN Ausstellung und Bookshop: Täglich 11–20 Uhr Café: Täglich 10–20 Uhr

Unbekannter Fotograf, Weight Watchers Recipe Cards, 1974

„Food for the Eyes . Die Geschichte des Essens in der Fotografie“ zeigt eine Vielzahl an Werken bekannter Künstler*innen wie Nobuyoshi Araki, Peter Fischli und David Weiss, Nan Goldin, Rinko Kawauchi, Laura Letinsky, Martin Parr, Irving Penn, Martha Rosler, Cindy Sherman, Ste-

EINTRITTSPREISE Regulär EUR 10 , ermäßigt EUR 6 Gruppe ab 10 Personen EUR 8, ermäßigt EUR 5 Jahreskarte EUR 50, ermäßigt EUR 30 Freier Eintritt für Kinder und Jugendliche bis zum vollendeten 18. Lebensjahr ONLINE TICKETS Online-Tickets für die Ausstellung sind gültig für einen frei wählbaren Tag während der Laufzeit. Tickets für Veranstaltungen sind online erhältlich (zzgl. VVK-Gebühr) und bei C/O Berlin.

phen Shore und Wolfgang Tillmans. Die Ausstellung, kuratiert von Susan Bright und Denise Wolff, wurde organisiert von der Aperture Foundation, New York und entstand in Zusammenarbeit mit C/O Berlin.

FÜHRUNGEN Öffentliche Führungen (deutsch) Jeden Sa und So 14 Uhr und 16 Uhr EUR 5 zuzüglich Eintritt Ohne Anmeldung Dauer ca. 60 min Öffentliche Führungen (englisch) Jeden Sa und So 18 Uhr EUR 5 zuzüglich Eintritt Ohne Anmeldung Dauer ca. 60 min

Individuelle Führungen EUR 80 Dauer ca. 60 min Führungen für Schulklassen 50 Euro (Eintritt für Schüler*innen ist frei) Dauer ca. 60 min Buchung über tours@co-berlin.org VERANSTALTUNGEN Weitere Informationen: www.co-berlin.org


70  |  Fotografie

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FOTOGRAFIE

Heinrich Kühn: Holländische Wäscherin, um 1900. CCO, MKG Hamburg

Karlsruhe Licht und Leinwand Fotografie und Malerei im 19. Jahrhundert 9.3. – 2.6.2019

© Weronika Gesicka, Untitled 35.original

Die sogenannte Geburtsstunde der Fotografie 1839 hat die Bildwelt zugleich fasziniert und erschüttert. Nie zuvor war es möglich gewesen, so schnell und präzise die Realität abzubilden wie mit dem neuen Verfahren. Das Verständnis von Wirklichkeit und Wahrheit im Bild wurde in der Folge neu verhandelt. Die Ausstellung erzählt über zwei Generationen die wechselvolle Geschichte von Malerei und Fotografie im 19. Jahrhundert, die geprägt ist von Existenzängsten, Experimentierfreude und Künstlerstolz. Diese Ausstellung findet in Kooperation mit dem Germanischen Nationalmuseum, Nürnberg statt. Staatliche Kunsthalle www.kunsthalle-karlsruhe.de

bietet Platz für Fotoausstellungen, Installationen, Photobook Market, Portfolio Reviews und Awards, ist aber auch Ort für den internationalen Austausch und Diskurs über das große Thema Fotografie, das sich über Workshops, einem Symposium, Vorträge, Talks und Diskussionen vermittelt. Die Festivalzentrale wird vom 20.03. bis 06.04.2019 von Mittwoch bis Sonntag von 14 bis 20 Uhr geöffnet sein. www.fotowien.at

Wien (A) FOTO WIEN. Monat der Fotografie 20.3. – 20.4.2019 Das neue Festival rückt das Medium Fotografie ins Zentrum der Aufmerksamkeit und macht die Vielfalt und das Potenzial der lokalen Fotoszene sichtbar. Vier Wochen lang wird Fotografie zum zentralen Thema der Stadt. Über 120 Programmpartner – Museen, Ausstellungshäuser, Galerien, Archive, Fotografie-Institutionen, Kunstuniversitäten, Künstlerinitiativen und Off-Spaces – richten während der FOTO WIEN 2019 mit ihren Programmen den Blick auf das lokale wie internationale Fotogeschehen. Das neue Fotofestival FOTO WIEN bietet die Möglichkeit, viele neue Entdeckungen zu machen und sich für künstlerische Fotografie in ihrem Facettenreichtum zu begeistern. Das Festival

© Anaïs Fournié

Arles (F) Les Recontres de la Photographie 1. – 22.7.2019 1. – 7.7.2019 Eröffnungswoche Dieses Festival ist der Fotografie, was Cannes dem Kino ist. 1969 von Fotografen und Fotobegeisterten wie Lucien Clergue, Jean-Maurice Rouquette, Michel Tournier und anderen ins Leben gerufen, stellt es jedes Jahr das Fotografentreffen dar, welches Arles zur Hauptstadt der Internationalen Fotografiekunst macht. Das

Lana Mesić, Anatomy of Forgiveness (2014), Bieler Fototage 2018 © Daniel Mueller

Biel (CH) Bieler Fototage 10.5. – 2.6.2019 Die Bieler Fototage zelebrieren die zeitgenössische Fotografie. Als einziges jährlich stattfindendes Fotofestival in der Schweiz und gut verwurzelt in der nationalen Kulturszene, sind die Bieler Fototage immer mehr auch im Ausland präsent. Jedes Jahr im Mai sind die Werke von ca. 25 Schweizer und internationalen Fotografinnen und Fotografen an bekannten oder auch ausgefallenen Orten der Stadt Biel zu sehen. www.bielerfototage.ch

„Rencontres“ bietet abendliche Projektionen im antiken Theater von Arles an, einziges Event dieser Art weltweit. Jeden Abend präsentiert ein Fotograf oder ein Spezialist der Fotografiekunst Bilder, welche manchmal von Musik unterstrichen oder von künstlerischen Präsentationen begleitet sind. Jede Abendvorstellung ist eine Sonderkreation für die „Rencontres“. Zum Rahmenprogramms gehören Konferenzen und Debatten. Seit sieben Jahren ermöglicht „La nuit de l’année“, die Nacht des Jahres, Fotografien von verschiedenen Vetretern von Presse, Magazinen, Agenturen usw. während eines langen, nächtlichen, fotografischen Spaziergangs auf Großbildschirmen zu entdecken. Ungefähr 60 Ausstellungen investieren die kunsthistorischen Stätten der Stadt Arles sowie auch andere, normalerweise für Publikumsverkehr geschlossene Gebäude und lassen sie einen Sommer lang wieder aufleben. www.rencontres-arles.com

Helmut Newton Bergstrom over Paris, Paris 1976 © Helmut Newton Estate © R Titaud, Hallensleben Ruth

Berlin Saul Leiter. David Lynch. Helmut Newton: Nudes bis 19.5.2019

Köln Photoszene-Festival 2019 3. – 12.5.2019

Noch bis zum 19. Mai zeigt die Helmut Newton Stiftung Berlin die dreiteilige Ausstellung „Saul Leiter. David Lynch. Helmut Newton: Nudes“. Es ist das erste Mal in der Geschichte der Berliner Institution, dass eine Ausstellung ausschließlich dem Genre Akt gewidmet wird. Der nackte Körper gehört zur Kunst seit der berühmten Venus von Willendorf, die vor etwa 30.000 Jahren von einem unbekannten Künstler auf dem Gebiet des heutigen Österreich geschaffen wurde, und auch in der Fotografie, dem ältesten der neuen Medien, erscheint das Aktbild bereits in der Pionierzeit, also ab 1839. Seitdem hat sich eine ganz besondere Kombination von Exhibitionismus und Voyeurismus vor den Kameralinsen Tausender von Fotografen entwickelt, bis hin zur heutigen, schier unendlichen digitalen Distribution visualisierter Entblößungen. Die drei hier vorgestellten Fotografen gehören hingegen zu den einfühlsamsten und prägendsten Aktfotografen des ausgehenden 20. Jahrhunderts. Helmut Newton Foundation www.helmutnewton.com

Das Photoszene-Festival wird bereits im Mai 2019 stattfinden! Die Festivals 2018 und 2019 sind auch inhaltlich miteinander verknüpft: Inhaltliches Kernprogramm werden 2019 die sechs Ausstellungen der Residency Künstler Erik Kessels, Ola Kolehmainen, Ronit Porat, Fiona Tan, Roselyne Titaud und Antje van Wichelen im Museum Ludwig, im MAKK, im Kölnischen Stadtmuseum, in der Photographischen Sammlung/SK Stiftung Kultur, im RautenstrauchJoest-Museum und einer Außenspielstätte des Rheinischen Bildarchivs sein. www.photoszene.de

Lorraine Hellwig – Y A MANIFESTO | www.guteaussichten.org

Hamburg gute aussichten 2018/2019 Junge deutsche Fotografie 12.7. – 3.10.2019 Im 15. Jahr seines Bestehens präsentiert „gute aussichten 2018/2019“ im Haus der Photographie eine inhaltliche, ästhetische und mediale Bandbreite, wie sie die jungen Fotograf*innen in Deutschland hervorbringen. Ein überraschendes Spektrum vielfältiger Ideen, fotografischer Strategien und formaler wie medialer Umsetzungen, die den aktuellen Status Quo der jungen Fotografie widerspiegeln. Die neunköpfige Jury, die durch die Teilnahme des renommierten Fotografen Elger Esser und des bekannten Verlegers Gerhard Steidl unterstützt wurde, wählte aus 98 Einreichungen von 40 Institutionen neun Preisträger*innen und ihre ausgezeichneten Arbeiten aus. Das verbindende, spürbare Element aller Arbeiten ist – bei aller Unterschiedlichkeit an Themen und Formen – der wendende Punkt, der mit Anfang oft schließt und mit Ende beginnt. Deichtorhallen, Haus der Photographie www.deichtorhallen.de

Salzburg (A) Ernst Ludwig Kirchner. Der Maler als Fotograf 2.3. – 16.6.2019 Das Kirchner Museum Davos verfügt über einen umfangreichen Bestand an Glas- und Zellulose-Negativen von Ernst Ludwig Kirchner aus der Zeit von 1908 bis 1938. Die fotografische Sammlung des Museums umfasst etwa 1500 Werke, zu denen neben den


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Negativen auch Vintage Prints und Modern Prints gehören. In den Jahren 2015-2016 wurde die Erschließung des gesamten fotografischen Bestands umgesetzt. Sämtliche Negative wurden digitalisiert, und von jedem Negativ wurden hochwertige Silbergelatine-Abzüge in Museumsqualität Ernst Ludwig Kirchner, Selbstporträt, um 1928, Glasnegativ hergestellt. Damit Kirchner Museum Davos, Schenkung Nachlass Ernst Ludwig Kirchner 1992 sind die Voraussetzungen geschaffen worden, um Kirchners vielfältigen und teilweise experimentellen Umgang mit dem fotografischen Medium in seiner ganzen Breite aufzeigen zu können. Die Ausstellung versammelt eine Auswahl von ca. 300 fotografischen Werken und präsentiert Beispiele aus allen Genres, in denen sich Kirchner betätigt hat. Museum der Moderne, Mönchsberg www.museumdermoderne.at

Köln (D) Benjamin Katz Berlin Havelhöhe, 1960 7.6. – 22.9.2019 Anlässlich des 80. Geburtstags von Benjamin Katz (geboren 1939 in Antwerpen, Belgien) wird das Museum Ludwig die bedeutende Fotoreihe „Berlin Havelhöhe“ (1960) präsentieren, welche kürzlich erworben wurde. An Tuberkulose erkrankt, verbrachte Katz anderthalb Jahre im Krankenhaus Havelhöhe in Berlin und fotografierte den Alltag der Patienten, aber auch das Gelände und seine Gebäude, die ursprünglich von der nationalsozialistischen Benjamin Katz, Berlin Havelhöhe, 1960 | GelatinesilberReichsakademie papier auf Papier | © VG Bild-Kunst, Bonn 2019 für Luftwaffe geReproduktion: Rheinisches Bildarchiv Köln nutzt worden waren. Die Fotografien stellen ein gesellschaftliches, aber auch ein künstlerisches Dokument dar, denn in den Aufnahmen sind Katz’ Anfänge als Fotograf zu entdecken. Berlin Havelhöhe vermittelt auch das Bild des Künstlers als junger Mann. Museum Ludwig | www.museum-ludwig.de

Berlin Bauhaus und die Fotografie – Zum Neuen Sehen in der Gegenwartskunst 12.4. – 25.8.2019 Einhundert Jahre Bauhaus bieten den Anlass für einen Dialog zwischen der Foto-Avantgarde um 1930 und der zeitgenössischen künstlerischen Fotografie. Den historischen Bezugspunkt bildet eine zweiteilige kuratorischszenografische Rekonstruktion der von László Moholy-Nagy konzipierten Präsentation zur Geschichte der Fotografie „Wohin geht die fotografische Entwicklung?“. Sie wurde 1929 auf Vivianne Sassen, Yellow Vlei, 2014, © Viviane Sassen der internationalen Wanderausstellung des Deutschen Werkbunds „Film und Foto“  gezeigt – eine eigene Werkschau des renommierten Avantgarde-Künstlers und ehemaligen Bauhaus-Lehrers ergänzte das Programm. Erweitert und sinnlich konkret wird die Rekonstruktion durch zahlreiche Vintage-Prints aus den Beständen der Kunstbibliothek und eine Präsentation von Filmen der 1920er-Jahre. Museum für Fotografie, Staatliche Museen zu Berlin www.smb.museum

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BASEL (CH)

5 Jahre photo basel Die photo basel ist eine internationale Kunstmesse ausschließlich für Fotografie. Rund 30 internationale Galerien zeigen auf der photo basel klassische und zeitgenössische Fotografien von weltweit bekannten Fotokünstlern. Sonderausstellungen und ein attraktives Begleitprogramm mit Vorträgen, Diskussionen und Foren ergänzen das Angebotsspektrum. Die photo basel ist Ausstellung und Handelsplatz zugleich. Mit einem breiten Angebot von Fotografien aller Stilrichtungen gibt es als Besucher sowohl interessante Newcomer zu entdecken als auch die Klassiker zu sehen und zu erwerben, die als Dauerrenner immer wieder an den Ständen vertreten sind. 11.–16.6.2019 www.photo-basel.com

Wir befragten Sven Eisenhut, den Direktor der photo basel Sie feiern in diesem Jahr ein kleines Jubiläum – 5 Jahre photo basel. Hat sich die photo basel im internationalen Messereigen etabliert? Sven Eisenhut: Ich finde den Begriff „etabliert“ etwas schwierig. Sagen wir es so, wir werden von Jahr zu Jahr besser – besser im Sinne von: Wir zeigen jedes Jahr eine höhere Qualität. Man kennt uns langsam und nimmt uns international wahr – aber ich hüte mich vor dem Gedanke, etabliert zu sein, denn das setzt für mich voraus, dass man sich ausruhen kann – und das können und wollen wir nicht. Aber ja, Presseberichte in der Financial Times und auch in der New York Times machen uns international sichtbar.   Was erwartet die Besucher der diesjährigen „Jubiläumsmesse“? Sven Eisenhut: Wir haben zum ersten Mal wirklich mehr Platz, denn wir bespielen zusätzlich einen weiteren Raum mit knapp 300 Quadratmetern Fläche – d.h., wir haben endlich auch Platz für diverse Sonderausstellungen wie z.B. das Master Cabinet mit den Vintage-Abzügen oder die exklusive Schau von Werken eines großen Schweizer Sammlers. Darüber hinaus können wir unseren bestehenden Galerien mehr Platz anbieten, was sich wiederum positiv auf die gesamte Atmosphäre auswirken wird.   Wie schwer oder einfach war und ist es, eine neue Kunstmesse neben der großen Art Basel, der Liste und den anderen Satellitenmessen zu etablieren? Sven Eisenhut: Wenn wir damals das Knowhow von heute schon gehabt hätten, dann hätten wir es wohl nicht gemacht – der Kunstzirkus ist ein knallhartes Business und leider geht es da auch viel um Politik (wo nicht?). Die Konkurrenz ist groß und es herrscht eine

Verdrängungsmentalität. ABER wir sind Basler, welche in Basel eine Fachmesse für Fotografie lanciert haben, etwas, was es zuvor noch nie so gegeben hat – wir sind zudem regional aufgestellt, haben aber eine große internationale Ausstrahlung. Wir schaffen also den Spagat – und es macht immer noch großen Spaß.   Wie ist der Stellenwert von Fotografie im Kunstmarkt? Sven Eisenhut: Immer besser – wer heute Kunst sammelt, der sammelt auch Fotografie, denn mittlerweile ist die Fotografie in den großen Museen dieser Welt angekommen. Auch auf den Auktionen hat sie ihren festen Platz und die Preise sind stabil. Man kann immer noch Entdeckungen machen und viele Künstler arbeiten mit und durch die Fotografie.   In welchem Preisgefüge bewegen sich die auf der photo basel angebotenen Fotografien?  Sven Eisenhut: Also ich sage es einmal so, das teuerste Bild, was es im 2018 bei uns zu sehen und zu kaufen gab, war von Cindy Sherman und kostete 120‘000 Franken. Klar ist aber auch, dass der Durchschnitt wohl zwischen 5‘000 und 12‘000 liegen dürfte. Selten bekommt man auch was unter 3‘000.- Franken.    Warum ist es Ihnen wichtig, dass  die Auswahl der Galerien für die photo basel nicht von einer mit Galeristen besetzten Jury, sondern vom einem „Curatorial Circle“, wie Sie es nennen, vorgenommen wird?  Sven Eisenhut: Da geht es eben wieder um Politik und nicht unbedingt um Qualität. Die Galerien sind unsere Hauptkunden, sie sollen und müssen ein Mitspracherecht in der stra-

tegischen Grundausrichtung der Messe haben – sie sollen jedoch nicht ihre Kollegen werten und beurteilen, dafür haben wir den Curatorial Circle gegründet – es funktioniert sensationell. Ein Blick in die Zukunft! Wie wird sich die photo basel weiterentwickeln?  Sven Eisenhut: Wir werden noch besser, d.h., wir werden noch mehr auf Qualität setzen, ebenfalls kümmern wir uns um die Herkunft der Werke und werden versuchen, dies noch weiter herauszustreichen. Auch wird es vermehrt photo-basel-in-situ-Projekte (Happenings unter dem Jahr – unter der Schirmherrschaft der photo basel) geben. Wir diskutieren über ein Onlineformat und hoffen, uns natürlich weiter etablieren zu können. Und wer weiß, vielleicht werden wir auch noch weitere internationale Standorte bespielen, konkrete Anfragen von Städten liegen vor. Das Gespräch führte Kai Geiger.


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JAZZ

Michael Wollny Trio „Oslo“ © ACT/© Jörg Steinmetz

Basel (CH) Jazzfestival Basel 26.4. – 20.5.2019 2019 werden 29 Jahre Jazzfestival Basel by Offbeat gefeiert und dies mit einem musikalischen Feuerwerk des aktuellen Jazz, der Worldmusic und des Funk. Offbeat plant in Kooperation mit dem JAZZCAMPUS, dem Volkshaus Basel, der Kaserne Basel, der Gemeinde Riehen, dem bird’s eye jazz club, dem Jazzclub Q4, Jazz in Liestal und dem Gare du Nord das Programm mit großartigen Stars, mit innovativen, neuen Projekten und wichtigen Premieren. Künstler des diesjährigen Programm sind u.a. Emile Parisien Group, Michael Wollny Trio „Oslo“, David Helbock Trio, Mark Guiliana Group, Wolfgang Haffner & Band, Andreas Schaerer & Luciano Biondini, Eva Kruse Quintet. www.offbeat-concert.ch

eine innovative schwäbische Unternehmergattin ist, spielen wie die jungen Götter und sind doch dem Menschlichen heute näher als je zuvor. Nach zig erfolgreichen Jahren auf Deutschlands Bühnen mit Tango Five sind Bobbi Fischer und Veit und Gregor Hübner nun als Berta Epple vor allen eins: sie selbst. Der Babarettabend beim Einhalden wird dieses Jahr von dem Kabarettisten, Entertainer, Moderator und Klaviator Lars Reichow bestritten. Das Einhaldenfestival ist ein familiäres Kulturprojekt, tief verwurzelt in der Region Oberschwaben. Trotzdem – oder gerade deswegen – ist die Bühne mitten im ländlichen Grün ein Lieblingsplatz hochkarätiger Virtuosen und Charakterköpfe aus dem Südwesten Deutschlands und der ganzen Welt. Gerade ist Berta Epple mit dem Kleinkunstpreis Baden-Württemberg, dem einzigen Landespreis für Kleinkunst in Deutschland, ausgezeichnet worden www.einhaldenfestival.de

steht die Dampflok stolz neben der Bühne, und auf Side-Events wie z.B. einer Alp-VorsäßHütte bringen elektronische Klänge nicht nur die Holzbretter in Schwingung. Wer letztes Jahr dabei war, hat erlebt, wie sich Musiker und Besucher kollektiv in eine enthusiastische Festival-Trance begeben. Zwischen den Konzerten tagsüber ist genug Zeit, sich seine Füße in den schönen Auen des Bregenzerwaldes zu vertreten, sich aufs Mountainbike zu schwingen oder in den Swimming Pool der Gemeinde zu hüpfen. Für 2019 haben sich bereits das Near East Quartett aus Seoul (ECM-Records), der Ausnahme-Trompeter Peter Evans mit seiner Band aus New York, Bode Wilson aus Portugal oder etwa die Punk-Impro-Rocker um Joke Lanz, Sudden Infant, angemeldet. www.bezaubeatz.at

Sirius Quartet © Philipp Nemenez

Geratsreute Einhaldenfestival 25. – 28.7.2019

Monika Roscher © Emanuel Klempa

© Bezau Beatz

Bezau (A) BEZAU BEATZ Nr. 12 8. – 10.8.2019 Nach einer fulminanten Ausgabe im letzten Jahr erschallen am 2. Augustwochenende wieder die BEZAU BEATZ zwischen den Wänden der Kanisfluh und den sanften Hügeln des Bregenzerwaldes. In dem nach wie vor als Geheimtipp geltenden Alpental im Vorarlberg, das für seine wundervolle Landschaft, avantgardistische Holzbau-Architektur und Gastfreundlichkeit bekannt ist, hat man nun schon seit 12 Jahren die Gelegenheit, Musiker von New York über London bis Seoul zu hören. Die BEZAU BEATZ sind für jeden offen, der keine Berührungsängste mit außergewöhnlicher Musik hat und eine gewisse Entdecker-Lust mit sich bringt. So kombiniert Schlagzeuger Alfred Vogel wohldosiert ein eklektisches Musikprogramm, welches von experimenteller Improvisationsmusik über Singer-Songwriter bis zum DJ-Clubbing einen unterhaltsamen Bogen spannt. In dem profilierten Ambiente der „Wälderbähnle-Remise“

Bonn 10 Jahre Jazzfest Bonn 17. – 31.5.2019 Zehn Jahre Jazzfest Bonn sind ein Grund zum Feiern. Aus dem einstigen Geheimtipp ist in den vergangenen Jahren ein dreiwöchiges Festival mit jährlich über 150 Musikern geworden, das weit über die regionalen Grenzen hinaus strahlt. Für das Jubiläum hat der Gründer und Leiter Peter Materna ein starkes Programm zusammengestellt: Zwischen dem 17. und 31. Mai 2019 werden internationale Stars, deutsche Jazz-Größen und spannende Neuentdeckungen in Doppel- und Triplekonzerten zu erleben sein. Das breit gefächerte Programm richtet sich an neugierige Musikinteressierte und erfahrene Jazzfreunde jeder Couleur. Ein besonderes Augenmerk liegt 2019 auf tanzbaren Grooves: Bands wie Jazzrausch Bigband, die Monika Roscher Bigband, Shake Stew und Tower of Power werden das Publikum in Geburtstags-Feierlaune bringen. Daneben sind feingesponnene Klangwelten zu erleben, unter anderem von Lucia Cadotsch, Jason Moran und dem Florian Weber Quartett. www.jazzfest-bonn.de

Bremen jazzahead 2019 13. – 28.4.2019 Festival 25. – 28.4.2019 Messe Das jazzahead! FESTIVAL macht Bremen zur Metropole des Jazz und bringt außerdem die Kulturszene eines jährlich wechselnden Partnerlandes nach Bremen. Vom 13. bis 28. April 2019 steht Bremen ganz im Zeichen norwegischer Kultur und vom 25. bis 28. April 2019 ganz im Zeichen des internationalen Jazz. Immer mehr Jazz-Musiker aus aller Welt erhoffen sich einen Karriereschub auf der Bremer Fachmesse jazzahead!. Trotz der diesmal deutlich verkürzten Einreichungsfrist gingen 764 Bewerbungen für die 40 Showcase-Konzerte ein und damit 25 Prozent mehr als im Vorjahr. In diesem Jahr sind unter den fünf am stärksten vertretenen Herkunftsländern jenseits von Deutschland und dem Partnerland Norwegen die USA und Brasilien, womit Bewerbungen aus Übersee signifikant zulegten.

Das Makiko Hirabayashi Trio ist mit einem Showcase beim European Jazz Meeting vertreten. © Karolina Zapolska

Auch wächst die Resonanz der eigentlichen Fachmesse weiter, die von Donnerstag bis Sonntag, 25. bis 28. April 2019, in der Messe Bremen ihre 14. Auflage erlebt. „Die jazzahead! ist als ausschließlich auf Jazzmusik konzentrierte Fachmesse weltweit einzigartig“, sagt Sybille Kornitschky, Projektleiterin bei der Messe Bremen. „Der Ansturm auf die Kurzkonzerte zeigt, welche Anerkennung die Veranstaltung findet.“ Bewerbungen sei-

Wie immer wird das Einhaldenfestival auch 2019 wieder zum Auftakt der baden-württembergischen Sommerferien auf dem idyllischen Kaseshof im oberschwäbischen Geratsreute, der Heimat der Musikerfamilie Hübner stattfinden. Vier Tage prall gefüllt mit Musik, Kabarett, vielen schönen Eindrücken und Begegnungen auf dem Bauernhof, zwischen Wald und Wiesen gefüllt mit Musik, Kabarett, vielen schönen Eindrücken und Begegnungen auf dem Bauernhof, zwischen Wald und Wiesen. Das diesjährige Line-up ist noch nicht ganz abgeschlossen, doch erste Künstler lassen aufhorchen und steigern die Vorfreude auf das Einhalden 2019. Seit 15 Jahren ist Gregor Hübner Teil des Sirius Quartets, mit dem er in diesem Jahr zum ersten Mal beim Einhaldenfestival auftritt. Sie sind auf innovative Musik spezialisiert. Durch die Erweiterung des klassischen Repertoires bringen die vier Musiker und Improvisatoren vom Sirius Quartet Kompositionen auf die Bühne, die von Rock, Jazz und Weltmusik beeinflusst sind. In den letzten Jahren hat das Sirius des Öfteren mit dem Trompeter und Echo Preisträger Jo Kraus zusammengespielt. Jo Kraus wird ebenfalls beim Einhalden sein. Mit wem, in welcher Formation – das Publikum darf gespannt sein. Ein Einhaldenfestival ohne das Salonorchester oder Berta Epple ist nicht denkbar. Berta Epple, deren Namenspatronin

en bisher an Fachteilnehmer-Registrierungen geknüpft – sonst dürfte das Interesse noch viel größer sein. Die Kehrseite des Andrangs aus diesmal 56 Ländern sei leider, dass die Zahl derjenigen steige, die nicht in die Endauswahl kommen. „Wir werden darum das Bewerbungsverfahren erneut überdenken“, kündigt Sybille Kornitschky an. Unterdessen plant das Team auch Showcases der speziellen Art. Schon seit einigen Jahren beschäftigt sich die jazzahead! mit Improvisation und Jazz für Kinder. 2019 können Musiker aus dem gesamten deutschsprachigen Raum erstmals geeignete Konzertformate für KiTa- und Grundschulkinder in 20-minütigen Showcases vorstellen. Gefragt sind interaktive, niedrigschwellige Formate, in denen Improvisation ein Kernelement bildet. Im neunten Jahr des Partnerland-Programms wird die norwegische Jazzszene im Fokus der Messe stehen – und während des zweiwöchigen Festivals in Bremen die Kunst- und Kul-

Carsten Nicolai, bausatznoto ∞ (color version), 1998/2015, record player, color vinyl records with locked grooves, mixing board, amplifier, loudspeaker/ headphones, dimension variable, © VG Bild-Kunst, Bonn 2018, Courtesy Galerie EIGEN + ART Leipzig/Berlin, Photo: Julija Stankeviciene

Frankfurt Big Orchestra 19.6. – 8.9.2019 Zeitgenössische Kunst hat ihren eigenen Sound.  Musikinstrumente, die gleichsam Skulpturen sind, stehen für eine noch relativ unbekannte, junge Entwicklung in der Gegenwartskunst. In einer international besetzten Gruppenausstellung zeigt die SCHIRN künstlerische Arbeiten, denen gleichzeitig die Funktion von Musikinstrumenten innewohnt, u.a. von Doug Aitken, Nevin Aladag, Jennifer Allora & Guillermo Calzadilla, Carlos Amorales, Tarek Atoui, Guillermo Gallindo, Carsten Nicolai, Pedro Reyes, Naama Tsabar und David Zink Yi.  Das Spiel auf den skulpturalen Instrumenten bildet den Mittelpunkt der in ständiger Veränderung begriffenen Ausstellung. Während der Laufzeit wird die SCHIRN temporär zu einem Konzertsaal, in dem die Arbeiten aktiviert und zum Klingen gebracht werden. Für die Besucher wird der Sound der Kunstwerke live erlebbar. Eine mobile Display-Architektur schafft Raum für Workshops, in denen der Klang der Instrumente von Musikern in immer neu zusammengestellten Ensembles erforscht und anschließend in Konzerten präsentiert wird.  Die Künstlerinnen  und Künstler lassen in Performances ihre eigenen Arbeiten ertönen. Ausgangspunkt des Konzeptes ist der erweiterte Kunst- und Musikbegriff der Fluxusbewegung

turszene aus Norwegen außerdem in Konzerten, Ausstellungen, Lesungen u.v.m. im Vordergrund stehen. www.jazzahead.de

Kristin Asbjørnsen gibt eines von acht Kurzkonzerten im Rahmen der Norwegian Night. © Kristin Asbjørnsen


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der 1960er-Jahre: Happenings oder Aktionen wurden als „Konzerte“ begriffen, da sie ähnlich wie Kompositionen strukturiert waren und unterschiedliche Medien und Materialien miteinander kombinierten. Schirn Kunsthalle | www.schirn.de

Blohm + Voss Hauptbühne © Jens Schlenker

Hamburg ELBJAZZ 31.5. – 1.6.2019

Beim ELBJAZZ ist der Hamburger Hafen Kulisse für ein einmaliges Musikereignis: Tausende von Besuchern begeistern sich seit 2010 für eines der größten europäischen Jazzfestivals, bei dem die unverwechselbare maritime Szenerie der Hansestadt eine Allianz mit spektakulären Veranstaltungsorten eingeht. Auf die ELBJAZZBesucher warten an beiden Festivaltagen vielversprechende Auftritte hochkarätiger, internationaler Künstler und die ganze Bandbreite des Jazz und angrenzender Genres – musikalische Vielfalt ist Programm! Wie in den Vorjahren ist die Elbphilharmonie auch 2019 Spielort des ELBJAZZ und wird an beiden Tagen mit mehreren Konzerten bespielt. Das Herzstück des Festivals befindet sich südlich des Elbufers – auf dem Werftgelände von Blohm+Voss, wo während des zweitägigen Musikspektakels mehrere Bühnen aufgebaut werden. Weitere Konzerte finden an diversen Orten auf der nördlichen Elbseite statt. www.elbjazz.de

© by Ella & Louis

Mannheim Jazzclub „Ella & Louis“ Seit Kurzem ist Mannheim mit dem „Ella & Louis“ um eine musikalische Attraktion reicher. Das „Ella & Louis“ ist weit mehr als nur ein Jazzclub. Es ist Spielstätte, Bar und Treffpunkt von Liebhabern erlesener Musik. Gründer und Programmdirektor ist der Mannheimer Trompeter und „Hans Dampf in allen Gassen“, Thomas Siffling, dessen Eindrücke und Erfahrungen aus internationalen Jazzclubs den Stil und das Konzept von „Ella & Louis“ prägen. Mit „Ella & Louis“ hat die Unesco City of Music, einen ganz besonderen Club, der die Live-Kultur der Stadt auf eine ganz neue Ebene hebt. Thomas Siffling gehört seit Jahren zu den Vor- und Wegbereitern der jungen, europäischen Jazzszene und machte sich einen Namen bei unzähligen Auftritten und Tourneen auf der ganzen Welt. Siffling gilt als unkonventioneller, musikalischer Grenzgänger des Jazz. www.ellalouis.de

Emilio Rodriguez Gordoa, Improviser in Residence des mœrs festival 2019. © André Symann.

Moers 48. mœrs festival 2019 7. – 10.6.2019 Das traditionell innovative mœrs festival in der niederrheinischen Kleinstadt ist alljährlich für 20.000 entdeckungsfreudige Besucher sowie

Joachim Kühn 5 © ACT/Steven Haberland

Landgren - Wollny - Haffner - Danielsson_4WD © ACT/Stephen Freiheit

STUTTGART

32. Theaterhaus Jazztage 18. – 22.4.2019

Die Theaterhaus Jazztage  präsentieren jedes Jahr an Ostern ein umfangreiches und hochkarätiges Konzertprogramm am Theaterhaus. Dabei treffen regionale wie internationale  Musiker, Jazzlegenden und vielversprechende Newcomer aufeinander, was Jahr für Jahr zu spannenden neuen Konstellationen führt. Das Festival vereint die Tradition des modernen Jazz mit aktuellen jazzmusikalischen Entwicklungen und präsentiert auch  spartenübergreifende Produktionen. 2017 feierte das Festival sein 30-jähriges Jubiläum, die 32. Theaterhaus Jazztage finden vom 18. bis 22. April 2019 statt. Auch in diesem Jahr warten die Theaterhausmacher um deren Leiter Werner Schretzmeier mit einem hochkarätigen, abwechslungsreichen und in der Zusammenstellung der Musiker spannenden Programm auf. Gestartet wird in diesem Jahr mit einem Geburtstags-Konzert zu Ehren des Pianisten Joachim Kühn, der in diesem Jahr 75 Jahre alt wird. Joachim Kühn ist einer der wenigen deutschen Weltstars des Jazz.  Mit seinem Spiel, das sich über alle Kategorien hinwegsetzt, profilierte er sich zu einem Musiker von Weltklasse. Im zeitgenössischen Jazz hat der Pianist Joachim Kühn bereits markante Spuren hinterlassen, und er hat neue Wege gewiesen. Als Special Guest steht Till Brönner mit auf der Bühne.

Kraus (Trompete), Gregor Hübner (Violine), Gregoire Maret (Mundharmonika), Torsten Krill (Schlagzeug) oder Paula Morelenbaum (Gesang), um mit dem Jazz liebenden Publikum ausgelassen zu feiern. Ein spannender Abend dürfte auch der Abend von Marialy Pacheco & Omar Sosa werden, die zum ersten Mal zusammen ein Duett mit zwei Pianos spielen. Kürzlich kam es in den Bauer Studios in Ludwigshafen zum ersten Treffen der beiden sowie zum ersten Mal, dass Omar Sosa überhaupt im Duett mit einem anderen Pianisten spielte. Diese Klänge wurden schnell zur Grundlage für alles, was als nächstes kam und was in Stuttgart erklingen wird.

Mit „In Memory of Jon Hiseman“, wird dem Schlagzeuger Jon Hiseman, der im letzten Jahr gestorben ist und der mit den Bands Colosseum und dem United Jazz + Rock Ensemble Geschichte geschrieben hat, eine Hommage veranstaltet, bei der ihm u.a. Wolfgang Dauner und die Ack van Rooyen Band die Ehre erweisen und mit auf der Bühne stehen. Das Daimler Classic Jazz Orchestra feiert bei den Theaterhaus Jazztagen sein 20. Jubiläum, die London Jazz Night mit Nubya Garcia und KOKOROKO verspricht erneut ein unvergesslicher Abend zu werden. Lokale Künstler, Jazzfilme und viele weitere Konzerte stehen auf dem Programm der 32. Theaterhaus Jazztage. www.theaterhaus.com

Vier Spitzenmusiker – eine Ausnahmeband. Ihr gemeinsamer Antrieb: Jazz und nochmals Jazz. Der schwedische Posaunist und Sänger Nils Landgren ist seit mehr als 25 Jahren die führende Instanz im europäischen Jazz. Am Piano sitzt „der vollkommene Klaviermeister“  (FAZ), Michael Wollny, der „aus jeder nur erdenklichen Musik ein Erlebnis machen kann, das einem den Atem nimmt“  (Süddeutsche). An Bass und Cello ist der umwerfende Schwede Lars Danielsson, ein Meister des Wohlklangs und gefühlvoller Melodiker. Und schließlich am Schlagzeug: Wolfgang Haffner, Deutschlands coolster und bester Drummer, der schon mit allen Jazzkoryphäen der Welt gespielt hat. Unter dem Namen „4 Wheel Drive“ nehmen diese vier großartigen Solisten Fahrt auf und markieren einen zweiten Höhepunkt der Theaterhaus Jazztage. Ein seltenes Jazzereignis, das einen mitreißenden und temporeichen Konzertabend verspricht. Zwei weitere Musiker feiern in diesem Jahr ebenfalls Geburtstag in Stuttgart. Die langjährigen musikalischen Weggefährten, der Bassist Veit Hüber und der Pianist Ralf Schmid, feiern ihren 50. und laden zu ihrer Party viele Künstlerfreunde ein, u.a. Joo

Marialy Pacheco Duets © Markus Jans


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für Hunderte von Musikerinnen und Musiker aus aller Welt ein Ort für grenzenlose Entfaltung, für Experiment ohne Zensur und für Begegnung. In Moers bieten viele der Konzerte Weltpremieren und die Veranstalter bauen fest auf die Kraft der Improvisation. Auch in der 48. Ausgabe, die vom 7. bis 10. Juni 2019 stattfindet, gibt es wieder „drastische Kunst und Unberechenbares“, verspricht Tim Isfort, seit 2017 künstlerischer Leiter beim mœrs festival. Freiheit in der Kunst ist für ihn ein Privileg und Moers ein Ort, an dem das Extreme in der Musik einen Ausgangspunkt für kritische Auseinandersetzung mit der Gegenwart schafft. Künstler und Besucher genießen es, in Moers eine Plattform zu finden, die frei von marktbeherrschenden Meinungen und Trends ist. Wer zum mœrsfestival kommt, sucht Impulse außerhalb des Mainstreams. www.moers-festival.de

SCHAERER KALIMA BEHRENDT & Vox Nostra

ELECTRO

PEGGY

#Jazz | Neue Musik | Elektro arttourist.com gazette 2019

Jazz | Neue Musik | Elektronische Musik | Festivals | Contemporary | Crossover | Clubs

45.000 Besuchern aus ganz Europa, rund vierzig Auftritten internationaler Stars sowie talentierter Newcomer aus Jazz, Rock, Pop und Soul an fünf Locations ist das elftägige Festival ein Highlight im Kulturkalender für Musikliebhaber aus ganz Europa. 2019 präsentiert die jazz­ open stuttgart vom 4. bis 14. Juli an elf Tagen und auf fünf Bühnen zum 26. Mal Künstler internationaler Klasse. Neben den Hauptbühnen im Ehrenhof des Neuen Schlosses und im Innenhof des Alten Schlosses werden 2019 wieder das SpardaWelt Eventcenter sowie der Bix Jazzclub zur jazzopen-Bühne. Das Alte Schloss wird fünf Tage (2018: vier Tage) lang vom 5. bis 9. Juli bespielt, der Ehrenhof im Neuen Schloss direkt im Anschluss fünf Tage lang vom 10. bis 14. Juli. Außerdem wird es wieder kostenfreies Programm unter dem Motto „Open Stages“ in der Innenstadt geben. Am 30.11.2018 startete der Vorverkauf für die ersten Acts auf dem Schlossplatz: Bob Dylan (10.7.), Sting – „My Songs“ (11.7.), Jamie Cullum & LP (12.7.) und Parov Stelar & Moka Efti Orchestra feat. Severija (14.7.). www.jazzopen.com

PSALMODIA 13.10.2019 17 Uhr Münster Schloss Salem www.salem.de © Südtirol Jazzfestival

erscheint im Mai 2019 RadenkoMilak: Bob Dylan/Barack Obama, 2018 © Radenko Milak. Courtesy PRISKA PASQUER, Cologne

Hamburg HYPER! A JOURNEY INTO ART AND MUSIC 1.3. – 11.8.2019 Sound, Vision, Film, zerstörtes Klavier: Was passiert, wenn Musiker*innen sich an Ideen und Strategien aus der Kunstwelt orientieren? Und was für Bilder entstehen, wenn Maler*innen sich von Musik treiben lassen? Am Leben der anderen interessiert zu sein, das Unbekannte zu verfolgen, es zu kopieren, es in die eigene Arbeit einzusetzen und zu benutzen, kurz: ein Cross-Mapping zwischen den Welten der Musik und der bildenden Kunst zu betreiben. An der Ausstellung in der Halle für aktuelle Kunst und ihrem musikalischen Rahmenprogramm HYPER! SOUNDS in der Elbphilharmonie nehmen über 60 internationale Künstler*innen und Musiker*innen teil, die sich explizit im Grenzgebiet der Disziplinen Kunst und Musik bewegen und – von der Öf-

fentlichkeit oft unbemerkt – in ihrer Kunst dezidiert entsprechend Bezüge auftauchen lassen. Superstars aus der Kunst- und Musikwelt wie Andreas Gursky, Kim Gordon, Alexander Kluge, Rosemarie Trockel und Wolfgang Tillmans stehen Avantgardisten wie Arthur Jafa, Thomas Scheibitz, Peter Saville oder Arto Lindsay gegenüber. Erzählerisch zusammengehalten wird die Ausstellung durch Dutzende von Interviews, die Max Dax mit den Protagonisten der HYPER!-Schau in den vergangenen Jahren geführt hat. Die Ausstellung HYPER! wird für die Besucher ein umfassendes Ausstellungserlebnis mit über 200 Werken darstellen: Neben Gemälden, Zeichnungen, Fotografien, Skulpturen und Rauminstallationen, die sich seitens der bildenden Kunst mit Musik befassen, wird es zahlreiche hybride Multimedia-Arbeiten geben, die den Wechselbezug zwischen Musik, Video und bildender Kunst ausloten. Deichtorhallen Hamburg www.deichtorhallen.de

Südtirol (I) Südtirol Jazzfestival 2019 28.6. – 7.7.2019

Elina Duni © Lili Roze

Schaffhausen (CH) 30. Schaffhauser Jazzfestival 22. – 25.5.2019 Auch zum 30. Schaffhauser Jazzfestival spiegeln die Organisatoren die Schweizer Jazzszene und folgen der Kontinuität. Aktualität leitet die Auswahl. Öffnung – der ursprünglich aus Amerika stammenden – Improvisationsmusik ist eine Tendenz die sich fortsetzt. Annähernd 100 Musikerinnen und Musiker bespielen 2019 die Schaffhauser Bühnen, musizieren, reden und performen. Stilistisch ohne Scheuklappen demonstrieren sie in unterschiedlichsten Klangfarben die Vielfalt des aktuellen Jazz in unserem Land. www.jazzfestival.ch

Stuttgart jazzopen stuttgart 4. – 14.7.2019 In den letzten zwei Jahrzehnten ist die jazz­ open stuttgart eines der wichtigsten und attraktivsten Jazzfestivals Deutschlands geworden und steht in Europa als Marke mit Strahlkraft gleichberechtigt neben anderen großen Jazzfestivals wie Montreux, Rotterdam oder Vienne. Jährlich im Juli verwandelt sich die Landeshauptstadt für elf Tage in einen Hotspot für Musikfans, wenn das Festival Stars der internationalen Jazz-, Blues-, Soul- und Pop-Szene auf den Festivalbühnen präsentiert. Mit über

Das Südtirol Jazzfestival beginnt jeweils am letzten Freitag im Juni und endet zehn Tage später am ersten Sonntag im Juli. Das ist auch im Sommer 2019 nicht anders: Die Eröffnung des Konzertmarathons findet in diesem Jahr am 28. Juni statt, die Finissage am 7. Juli. Mit seinem Länderschwerpunkt – dem inhaltlichen Herzstück dieses Jazzfests – setzt das Festival seine Entdeckungsreisen durch Europa fort und besucht diesmal die iberische Halbinsel. In den vergangenen Jahren präsentierten sich in Südtirol die jungen Jazzszenen aus Frankreich, Großbritannien, Österreich und Italien, aus den nordischen Ländern und den Benelux-Staaten. Auch damit positionierte sich das Südtirol Jazzfestival, mit ungewöhnlichen Locations und abseits ausgetretener Pfade, als Schaufenster für innovative und stilistisch entgrenzte Musik. 2019 stellt das Südtirol Jazzfestival spannende Musiklandschaften jenseits der Pyrenäen vor. Noch in den 1960er-Jahren stellte der englische Musiker und Jazzkritiker Leonard Feather fest, Spanien sei „eine Wüste für den Jazz“. Heute lässt sich die bunte spanische Szene vom internationalen Gegenwartsjazz ebenso beeinflussen wie von Flamenco, Pop und Rock, nordafrikanischer Ethno-Musik und Volksmusik aus Katalonien oder dem Baskenland. In Portugal eröffnete 1948 mit dem – legendären und heute noch bestehenden – Hot Clube de Portugal in Lissabon einer der ersten europäischen Jazzclubs. Heute spielen portugiesische Musikerinnen und Musiker wie die Sängerin Maria João, der Saxophonist Pedro Moreira, der Pianist Carlos Azevedo, der Gitarrist Nuno Ferreira, der Schlagzeuger Luis Candeias oder der Bassist Carlos Bica in der europäischen Jazzelite mit – und wagen auch schon mal musikalische Exkursionen in die ehemaligen portugiesischen Kolonien in Afrika oder nach Lateinamerika. www.suedtiroljazzfestival.com

© William Beaucardet/Philharmonie de Paris

Paris (F) Electronic Music von Kraftwerk bis Daft Punk 9.4. – 11.8.2019 Seit ihrem Aufkommen vor mehr als dreißig Jahren in den Underground-Nachtclubs von Chicago und Detroit hat sich elektronische Musik auf der ganzen Welt verbreitet. Es hat nicht nur eine riesige musikalische Kultur entstehen lassen, sondern auch eine politische und gegenkulturelle Dimension. Die von Laurent Garnier vertonte Ausstellung zeigt die verschiedenen Facetten des Phänomens. Philharmonie de Paris, Musée de la Musique, Cité de la Musique www.philharmoniedeparis.fr/en/musee-de-la-musique


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NEUE MUSIK

Olga Neuwirth © Harald Hoffmann

Berlin MaerzMusik – Festival für Zeitfragen 22. – 31.3.2019 Die Berliner Festspiele befragen in der aktuellen Festivalausgabe Geschichte und Geschichtsschreibung als zeitpolitische Phänomene. In über 30  Konzerten, Performances, Filmvorführungen, Ausstellungen und Diskursveranstaltungen werden neue Arbeiten von Jennifer Walshe und Timothy Morton, Olga Neuwirth, Justė Janulytė, George Lewis und Elaine Mitchener präsentiert. Neben dem Diskursprogramm „Thinking Together“ und „The Long Now“ im Kraftwerk Berlin legt das Festival mit dem Projekt „Tele-Visions“ einen großen Schwerpunkt auf die Mediengeschichte der musikalischen Avantgarde von den 1950er- bis in die 1990er-Jahre. MaerzMusik – Festival für Zeitfragen 2019  findet vom 22. bis 31. März statt und wird von den Berliner Festspielen im Haus der Berliner Festspiele und an anderen Orten in ganz Berlin veranstaltet. Seit der Neuausrichtung des Festivals durch Berno Odo Polzer – seit 2015 künstlerischer Leiter – spürt MaerzMusik dem Phänomen Zeit in seinen politischen, gesellschaftlichen, philosophischen und künstlerischen Dimensionen nach. In konkret-künstlerischen und theoretisch-reflektierenden Formaten werden relevante Fragestellungen sichtbar, die unsere Gegenwart auszeichnen und zugleich untrennbar mit dem Zeitmedium Musik verbunden sind. Damit ist das Festival eine interdisziplinär angelegte Plattform, die aktuelle Musikformen, Performances, Installationen, Filmpräsentationen und Ausstellungen mit dem Diskursformat „Thinking Together“ verbindet. www.berlinerfestspiele.de

Brig (CH) Forum Wallis XIII. 6. – 10.6.2019 Das Forum Wallis ist eines der wichtigen Schweizer Festivals für Neue Musik und findet jährlich an Pfingsten auf Schloss Leuk an der deutsch-französischen Sprachgrenze inmitten der Walliser Alpen statt. Es steht unter der Leitung der IGNM-VS, der Ortsgruppe der Internationalen  Gesellschaft für  Neue Musik IGNM (ISCM), und hat seit 2006 über 300 Uraufführungen  mitproduziert:  Karlheinz Stockhausens Helikopterstreichquartett zusammen mit dem Arditti Quartet und Air  Glaciers 2015 und Cod. Acts Pendulum Choir 2016 gehören zu den glanzvollen Höhepunkten der Festivalgeschichte.  2019  ste-

hen, neben einer international besetzten Ensembleakademie, die erstmals um eine internationale Akademie für  Kompositionsstudenten unter der Leitung von Erik Oña erweitert wird,  auch interdisziplinäre, kammermusikalische und experimentelle Formate, Klangspaziergänge,  Kunstausstellungen und Neue Elektronische Musik an – Letztere in  Zusammenhang mit dem  Wettbewerb für akusmatische Musik,  „Ars Electronica Forum Wallis“, der 2019 in einer  erweiterten Form  zum 5. Mal ausgetragen wird.  Insgesamt sind etwa 50 zeitgenössische Werke von Komponisten aus 25 Ländern zu hören  sowie eine Vielzahl bedeutender  europäischer und einheimischer Ensembles und Solisten, darunter Zafraan Berlin, UMS ’n JIP, Contrechamps, Hans-Peter Pfammatter, Manuel Mengis und Luis Tabuenca. Allesamt werden sie vom 6. Bis 10. Juni 2019 im mittelalterlichen Städtchen Leuk zu Gast sein und einen spannenden Einblick in das vielfältige Schaffen der Musikavantgarde gewähren. www.forumwallis.ch

Iannotta © Chris Swithinbank

Blondeau (F, 1986),  Francesca Verunelli  (I, 1979),  Mio Chareteau  (CH, 1973) und  Sara Glojnarić (SLO, 1991). Weitere neue Werke sind zu hören von: Martin Smolka  (TCH, 1959),  Malte Giesen  (D, 1988), Mikel Urquiza (E, 1988), Clara Iannotta (I, 1983), Misato Mochizuki (J, 1969), Mark

Frankfurt Brian Ferneyhough 2019 als Stiftungsprofessor an der HfMDK Die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt richtet ab 2019 mithilfe der 2016 gegründeten HfMDK-Stiftung eine Stiftungsprofessur „Komposition“ ein. Renommierte Komponistinnen und Komponisten kommen für ein Jahr nach Frankfurt, um mit Studierenden aller Fachbereiche zu arbeiten. Instrumental-Workshops stehen dabei genauso auf dem Programm wie Lectures und öffentliche Aufführungen, Gesprächsrunden und Symposien. 2019 wird der 1943 in Großbritannien geborene Brian Ferneyhough als erster diese Gastprofessur innehaben und für drei gro-

Barden (USA, 1980), Anne Cleare (IR, 1983). Zu den  Ausführenden  zählen die Schweizer Schlagzeuggruppe Eklekto, die Vokalformation Neseven, das Quatuor Diotima aus Frankreich sowie das Ensemble Garage (aus Köln) und das Ensemblekollektiv, das die vier Berliner Gruppen Adapter, Apparat, Mosaik und das Sonar Quartett vereint. Außerdem ist wieder das WDR Sinfonieorchester in Sinfonietta Besetzung, diesmal unter Leitung von Michael Wendeberg, zu hören. Außerhalb der Konzertsäle sind für die Kammermusiktage 2019 wieder Freiluftaktionen geplant. Diesmal werden Kioske, eine Kegelbahn und eine Kreuzung bespielt, u.a. von Barblina Meierhans  (CH, 1981),  Manos Tsangaris  (D, 1956),  Erwin Stache, (D, 1960),  Lisa Streich  (SWE, 1985) sowie von  Ondřej Adámek.  www.kulturforum-witten.de

ße Projekt-Inseln im Januar, Mai und November an die HfMDK kommen. Ferneyhoughs Name ist untrennbar verbunden mit dem Begriff „Neue Komplexität“ und seine Werke, die weltweit auf den Podien der Festivals zu finden sind, stellen höchste spieltechnische Anforderungen. Neben seiner herausragenden Bedeutung als Komponist, als der er 2007 den Ernst von Siemens Musikpreis für sein Lebenswerk erhielt, zählt Ferneyhough aber auch zu den wichtigsten Kompositionslehrern seiner Generation. Er unterrichtete Komposition in Freiburg, Mailand, Den Haag sowie San Diego und Stanford. Bei den Internationalen Ferienkursen für Neue Musik in Darmstadt ist Ferneyhough seit 1976 regelmäßig als Dozent zu Gast. www.hfmdk-frankfurt.de #hfmdkfrankfurt

Academy in Concert I © VIER UND EINZIG-05

Schwaz (A) KLANGSPUREN SCHWAZ Tiroler Festival für Neue Musik Risse 6. – 22.9.2019 Seit dem Ende des Kalten Krieges war der Frieden in Europa noch nie bedrohter als heute. Unter dem Vorwand, die aus dem arabischen und afrikanischen Raum Geflüchteten seien das grundlegende Übel heutiger sozialer Probleme, lenkt die Politik medial erfolgreich von den eigentlichen Problemen der Gegenwart ab: In Wahrheit steht die kapitalistische Welt wegen der unablässigen Ausbeutung der Ressourcen vor dem Abgrund einer irreversiblen Klimakatastrophe und einer sozialen Kluft, die vor allem in der Dritten Welt kaum noch überbrückbar ist. Vor dieser dramatischen Entwicklung kann auch ein Festival der neuen Musik die Augen nicht verschließen. Deshalb werden die rund zwanzig Konzerte der Tiroler Klangspuren in der Zeit vom 6. bis 22. September 2019 unter dem Motto Risse stehen, um den gegenwärtigen sozialen und politischen Erosionsprozess zu reflektieren. Im Gegensatz zu den Spaltungsversuchen populistischer Politiker geht es Klangspuren natürlich darum, die Ursachen dieser Risse zu beleuchten, sodass auch das Nachdenkliche, Stille und Bedachtsame einen prominenten Platz finden wird im Festivalprogramm 2019. www.klangspuren.at

FERNEYHOUGH RIGHT PROFILE B&W © Colin Still

Witten Wittener Tage für neue Kammermusik 10. – 12.5.2019 Im Zentrum des Festivals, das vom 10. bis 12. Mai 2019 stattfindet, soll Ondřej Adámek stehen. Vom dem 1979 geborenen tschechischen Komponisten werden mehrere neue Werke, u.a. mit dem WDR Sinfonieorchester, zu hören sein. Ihr Witten-Debut geben diesmal gleich mehrere Komponistinnen: Mayke Nas  (NL, 1972),  Lisa Streich  (SWE, 1985),  Irene Galindo Quero  (E, 1985),  Julia

© HfMDK


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Neue Musik | Köln  |  77

Festivalzeitraum: 30. April bis 11. Mai 2019 Tickets und Infos auf www.achtbruecken.de und unter +49 (0)221 280 281 Festivalpass: Besuchen Sie 18 Konzerte mit einem Pass zum Preis von EUR 119,- / ermäßigt EUR 59,-

Visual ACHT BRÜCKEN | Musik für Köln/Jörg Hejkal

KÖLN

ACHT BRÜCKEN | Musik für Köln 30.4. – 11.5.2019

Zum neunten Mal stellt ACHT BRÜCKEN | Musik für Köln die Musik von heute in den Fokus des Geschehens. Intensiver denn je bringt das Festival unter dem Titel »GroßstadtPolyphonie« die Musik aus dem Konzertsaal in den städtischen Raum und stellt die tradierte Ordnung von Bühne, Darsteller, Klangquelle und Publikum auf den Prüfstand. Ob am 9. Mai mit dem Projekt »2 SECOND MANUAL« in einer Skaterhalle, am 30. April mit Gerhard Stäblers »HÖR·FLECKEN« in einem U-Bahnhof, am 11. Mai mit dem Jazzensemble MAKKRO in einer Lagerstätte für Hochwasserschutzelemente, am 1. Mai als bewegtes Klangspektakel durch die Stadt mit TRAVEL MUSICA oder am 6. Mai mit Saxophon, Violoncello und Schlagzeug auf dem Schiff: Der Zuhörer darf die Sinne schärfen für Konzerterfahrungen weit über das reine Hören hinaus. Der Festivalheimathafen Kölner Philharmonie wird auch in diesem Jahr von exzellenten Klangkörpern und internationalen Künstlern angesteuert. In dem atmosphärischen Konzertsaal bringen am 30. April das niederländische Ensemble Asko|Schönberg und das SWR Vokalensemble Georges Aper-

SWR Vokalensemble © Klaus J. A. Mellenthin

Di 30.4.2019 21 Uhr Kölner Philharmonie Georges Aperghis: Die Hamletmaschine SWR Vokalensemble Asko|Schönberg Heiner Müllers Hamletmaschine ist mehr dramatisches Gedicht als Drama, hoch konzentriert und schon in der Sprache kraftvoll musikalisch. Eine Vertonung lag da nahe – und war doch kaum vorstellbar. Das epochale Theaterstück hat es in sich. Über Shakespeare hinaus reicht der Verweis weit in antike Schicksalswelten und ihre archetypischen Konflikte und von dort wieder zurück auf die Gesellschaft der späten DDR und weiter noch und grundsätzlicher auf die Stellung des zaudernden, »von des Gedankens Blässe angekränkelt[en]« Künstlers in einer komplexen, widersprüchlichen Gegenwart. Wie soll man ein derart prägnantes und vielschichtiges Stück Literatur in Musik fassen? Georges Aperghis gibt eine überzeugende Antwort.

ghis' »Hamletmaschine« zur Aufführung – eine musikalische Adaption des gleichnamigen Dramas von Heiner Müller. Zwei Werke für Schlagzeug und Etüden für Orchester des 1945 in Athen geborenen griechisch-französischen Komponisten stehen am 4. Mai auf dem Programm, wenn das WDR Sinfonieorchester in seiner traditionsreichen Konzertreihe »Musik der Zeit« auch Gerhard Stäblers »Den Müllfahrern von San Francisco« uraufführt und Christophe Bertrands »Mana« in seiner deutschen Erstaufführung erklingt. Mit dem »Konzert für Akkordeon und Orchester« präsentiert das Gürzenich-Orchester Köln am 5., 6. und 7. Mai ein weiteres sinfonisches Werk des Festival-Porträtkomponisten Aperghis, im Mittelpunkt steht hier mit dem Akkordeon ein eher genreungewöhnliches Soloinstrument. Aus Amsterdam ist am 9. Mai das Königliche Concertgebouworchester zu Gast. Im Gepäck hat es einen Meilenstein des Konzertrepertoires großer Sinfonieorchester: Witold Lutosławskis »Konzert für Orchester«, ein Nachkriegswerk, das auch über ein halbes Jahrhundert nach seiner Entstehung noch aufrüttelt. Peter Eötvös' »Alle vittime senza nome« (den namenlosen Opfern) ist einem nicht weniger emotionalen Thema gewidmet, es

Teodor Currentzis © Sony Classical/Robert Kittel

So 5.5.2019 18 Uhr Kölner Philharmonie Riot of Spring SWR Symphonieorchester Teodor Currentzis | Dirigent Was ist Folklore heute? Wie äußert sich das kollektive Unbewusste? Verträgt es sich mit einer Konzertsituation? Auf der Suche nach Antworten wandte sich Dmitri Kourliandski der Rave-Kultur zu. Sein »Riot of Spring«, ein zwölfminütiges Super-Crescendo für elektronische Klänge, Orchester und mitmachbereites Publikum, bezeichnet er als Techno-Ballett. Der Werktitel, auf Deutsch »Frühlingsaufruhr«, bezieht sich auf die politische Lage im Russland des Entstehungsjahrs 2013, aber auch auf Strawinskys hundert Jahre älteres Skandal-Ballett »Le Sacre du printemps« (Rite of Spring).

ist eine Trauermusik für die vielen Flüchtlinge, die im Mittelmeer ertranken. Zum Festivalabschluss stehen schließlich zwei Musikerlegenden auf dem Podium der Kölner Philharmonie, die so gar nicht dem klassischen Konzertbetrieb entsprungen sind: der legendäre Afrobeat-Schlagzeuger Tony Allen und Jeff Mills, der als DJ den Detroit-Techno aus der Taufe hob und sich später als experimenteller Klangkünstler einen Namen machte. Mit über 50 Veranstaltungen und über 80 Stunden Musik bietet ACHT BRÜCKEN ein umfangreiches Angebot für Musikliebhaber jeder Couleur. Eine Festivalkostprobe bei freiem Eintritt bietet der tägliche ACHT BRÜCKEN Lunch. Einen ganzen Tag Musik bei freiem Eintritt in der Kölner Philharmonie, dem WDR Funkhaus Wallrafplatz und dem Kino im Museum Ludwig erhält der Festivalbesucher beim ACHT BRÜCKEN Freihafen am 1. Mai. Für den Festivalausklang am Abend finden sich schließlich die Musiker der Kölner Jazz- und Elektronikszene im klub domhof zusammen und gestalten dort fast täglich die beliebte Festivalreihe ACHT BRÜCKEN Lounge.

Peter Eötvös © Klaus Rudolph

Do 9.5.2019 20 Uhr Kölner Philharmonie Alle vittime senza nome Königliches Concertgebouworchester Amsterdam Peter Eötvös | Dirigent »Alle vittime senza nome« – den namenlosen Opfern – so nannte Peter Eötvös seine Trauermusik für die vielen Flüchtlinge, die im Mittelmeer ertranken. Beim Komponieren hatte er die Gesichter einzelner Personen vor Augen, aber auch das unvorstellbare Gedränge der dicht im Boot stehenden Menschen. Erschütternde Bilder, die sich in zarten Melodien der Soloinstrumente und im massiven Klang des vollen Orchesters spiegeln. Um Individuum und Masse geht es auf anderer Ebene auch in Witold Lutosławskis »Konzert für Orchester«.

Artwork Tony Allen und Jeff Mills © Pierrick Guidou

Sa 11.5.2019 21 Uhr Kölner Philharmonie TONY ALLEN & JEFF MILLS Tomorrow comes the harvest Unterschiedlicher können Musikerpersönlichkeiten nicht sein: Da ist zum einen der 1938 im nigerianischen Lagos geborene Tony Allen, Schlagzeuger der legendären Fela-KutiBand Africa '70 und Mitbegründer des Afrobeat. Da ist zum anderen der 1963 in Detroit geborene Jeff Mills, der Ende der 1980er Jahre als DJ den Detroit-Techno mit aus der Taufe hob, sich später aber vor allem als experimenteller Klangkünstler einen Namen machte. Im Dezember 2016 trafen die beiden im Pariser Club New Morning zum ersten Mal aufeinander – und zwar so heftig, dass die Funken flogen: Mills knirpsende Geräusche aus dem digitalen Baukasten konterten die tief in Afrika geerdeten Grooves von Allens Schlagzeug, während gleichzeitig Brücken gebaut wurden zwischen der analogen Welt des Drummers und dem digitalen Kosmos des Elektronikers.


78 | Druckhaus Waiblingen

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DRUCKHAUS WAIBLINGEN

Partner der arttourist.com Das Druckhaus Waiblingen wurde bekannt durch bedeutende Regionalmedien wie die Waiblinger Kreiszeitung oder das Waiblinger Wochenblatt. Insgesamt drucken sie täglich fünf Tageszeitungen sowie mehrere Wochenblätter. Aber auch im hochwertigen Bogenoffsetdruck haben sie sich weit über den Raum Stuttgart hinaus einen Namen als Druck-Manufaktur mit modernster Technik gemacht und sind Partner vieler wirtschaftlicher Unternehmen. Eine Geschichte wie diese ist nur möglich, wenn alle Viele Druckereien schließen, fusionieren, werden geschluckt von Großen und verschwinden von der Bildfläche. Welcher Fels steht in Ihrer Brandung, was ist das Geheimnis des Druckhaus Waiblingen, das sich seit 1839 am Markt bewährt? Hartmut Villinger: Nur wer ein Ziel hat, kann den Weg dorthin einschlagen. Deshalb ist es für unser Unternehmen unerlässlich, eine Vision formuliert zu haben. Nur so können Strategien, Ziele sowie Maßnahmen zur Verwirklichung entwickelt und festgelegt werden. Eine gute Vision ist eine glaubwürdige und motivierende Beschreibung eines idealen Unternehmenszustandes in der Zukunft. Sie hat eine übergreifende und umfassende Funktion: Sie hilft unseren Mitarbeitern bei den Herausforderungen des Alltags; genauso ist sie der Orientierungspunkt für die Geschäftsführung bei längerfristigen strategischen Entscheidungen. Nur mit unseren Mitarbeitern, die für uns das wichtigste Gut in unserem Unternehmen sind, kann unsere Vision vom „Regionalen Innovator“ umgesetzt werden. Unser Anspruch an uns selber ist, dass das Druckhaus Waiblingen in der Region Stuttgart die anerkannte Nr. 1 für ökologisch verantwortliche und innovative Druckgestaltung ist. Mit diesen Stärken ist das Druckhaus Waiblingen über die Grenzen der Regi-

Komponenten IM GRÜNEN BEREICH sind: das fachliche Know-how, das technische Up-to-Date und das menschliche Miteinander. Das Druckhaus Waiblingen war von Beginn an ein hoch kompetenter, fachlich versierter und freundschaftlicher Partner der arttourist.com. Wir sprachen mit Herrn Hartmut Villinger, Geschäftsführer Druckhaus Waiblingen.

on Stuttgart hinaus bekannt und wird von seinen Kunden als Ideengeber, Ideengestalter und Ideenumsetzer gerne empfohlen. Sie haben (mit Ihrem Bruder) die elterliche Zeitung/Druckerei übernommen. „Schicksal“, hineingewachsen oder eine Selbstverständlichkeit? Hartmut Villinger: Wir wurden nie gezwungen und hatten die freie Entscheidungsmöglichkeit, den Ausbildungsweg einzuschlagen, der uns auch interessiert hat. Unser Vater hat aber zuhause immer positiv über das Unternehmen gesprochen und so sind wir hineingewachsen, haben uns für diesen Weg entschieden und diesen auch nie bereut. Meinem Bruder und mir war von Anfang an bewusst, dass wir hier in der Region Waiblingen ein Existenzen-Sicherer für unsere Mitarbeiter und deren Familien im Hintergrund sind, und dieser Verantwortung haben wir uns sehr gerne auch gestellt. Was ist die Kernkompetenz, die Spezialgebiete des Druckhaus Waiblingen? Hartmut Villinger: Das Druckhaus Waiblingen ist partnerschaftlich, weil der seriöse Umgang mit den Wünschen, Sorgen und Nöten unserer Kunden, Liefer-Partnern und Mitarbeitern unser Hauptantrieb ist und wir uns durch eine ehrliche und offene Zusammenarbeit definieren wollen. Wir

möchten für unsere Ansprechpartner inspirierend sein, weil wir durch Denken auf neuen Wegen unsere Kunden auch mit neuen Lösungsansätzen und Ideen überraschen können. Gerne möchten wir unsere Kunden über Emotionalität wieder für das gedruckte Produkt begeistern! Die Arbeit und „Denke“ des Druckhaus Waiblingen ist immer im grünen Bereich? Wie darf man das verstehen? Hartmut Villinger: Wir haben mit diesem Claim „Immer im grünen Bereich“ kurz und bündig unsere Überzeugung und unser Handeln auf den Punkt gebracht. Diese Formulierung benutzt man immer dann, wenn etwas 100%ig passt. Unsere Kunden wissen, dass sie mit uns in allen Fragen, Themen und Projekten immer den richtigen Partner haben. Es ist

unser Anspruch, dass Kommunikation, Qualität und Preis allen Anforderungen optimal entsprechen und jeder Kunde das sichere Gefühl haben kann, bei uns gut aufgehoben zu sein. Zudem fokussiert dieser Claim unsere ökologisch nachhaltige Positionierung in der Region und transportiert somit kreativ, authentisch und hintersinnig unsere Leistungsbotschaft. Unsere Zeitung arttourist.com und die große alte Dame MAN_Geoman verbindet eine große „Liebe“. Was kann die Geoman, was neue moderne Rotationsdruckmaschinen nicht haben, und wie wichtig ist es auch für Sie, für uns sowieso, dass jede Ausgabe der arttourist. com so rundum perfekt Ihr Haus verlässt? Hartmut Villinger: ... alle lieben die alte Dame „GEOMAN“, die sich täg-

lich als eine sehr bedienungsfreundliche Maschine unseren Mitarbeitern offenbart. Sie hat bauartbedingt eine sehr stabile, kompakte, gleichzeitig aber auch jederzeit gut zugängliche Bauweise der Maschine, was den täglichen Umfang mit ihr bei sehr kurzfristigen Produktions-Taktungen erleichtert. Trotz ihres fortgeschrittenen Alters begeistert sie mit einem sehr kontrastreichen und dennoch optimal spitzen Ausdruck. Wie die alten Damen halt so sind (das gilt natürlich auch für die alten Herren), ab und an ein neuer Bypass oder eine neue Hüfte und Sie läuft, und läuft, und... bis irgendwann vermutlich die elektrischen Bauteile unsere „alte Dame“ einbremsen werden. Jeder unserer Kunden, der uns ein Druckobjekt anvertraut, hat das Recht, dass wir uns bestmöglich mit seinem Projekt identifizieren und ihm mit dem Endergebnis einfach nur Freude und Begeisterung bereiten möchten. Die Arbeit für die „arttourist“ ist für unser Team immer wieder aufs Neue spannend. Was sind für Ihr Haus die größten Herausforderungen der nächsten Jahre und wohin geht die Reise für den Zeitungs- und Magazindruck? Hartmut Villinger: Die klassische Tageszeitung muss sich teilweise neu erfinden. Die lokalen Zeitungsverlage müssen der Anbieter der lokalen Nachrichten auf allen Medienkanälen, gedruckt wie auch digital, sein. Die gedruckte Zeitung wird es die nächsten 20 Jahre sicher noch geben, jedoch anders strukturiert und in einem völlig anderen Erscheinungsbild. Dadurch ergeben sich in der Herstellung komplett neue Anforderungen als bisher. Allerdings muss hier noch viel Gedankengut in die Entwicklung hineininvestiert werden, um das Thema konkretisieren und umsetzen zu können. Bei den Magazinen gab es wie bei den Katalogen schon den Wandel von den hohen Auflagen hin zu „Special Interest Objekten“. Je nach Kundengruppe mit zusätzlichem digitalen Angebot oder komplett neu und teilweise abstrus gedacht und hergestellt. Nur so lassen sich auch Anzeigenkunden langfristig gewinnen und weiterhin halten. Gibt es ein Traumobjekt für Hartmut Villinger, etwas, was noch nicht gedruckt ist? Hartmut Villinger: Wir haben in den letzten Jahren schon wirklich viele spezielle Projekte zusammen mit und für unsere Kunden entwickelt und umgesetzt. Ein Traumobjekt von mir ist sicherlich die gedruckte Zeitung der Zukunft. Ein Produkt, völlig anders als gehabt, passend und interessant für alle sozialen und kulturellen Schichten bzw. Communities aller Altersgruppen, dass Begehren bei allen Zielgruppen auslöst. DAS GESPRÄCH FÜHRTE KAI GEIGER.


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Literatur | 79

LITERATUR

Heidelberg Theaterfestival und Wettbewerb: Der 36. Heidelberger Stückemarkt Gastland ist die Türkei 26.4.2019 – 5.5.2019

Villa Jacobs 2018 © Antonia Jacobsen

Potsdam 7. Festival LIT:potsdam Starke Worte, schöne Orte 14. – 19.5.2019

„Starke Worte, schöne Orte“, unter diesem Motto findet vom 14. bis 19. Mai 2019 das siebte Festival LIT:potsdam statt. An geschichtsträchtigen Orten Potsdams, am Wasser, in Parks und auf den Bühnen der Stadt, treten herausragende Autorinnen und Autoren auf, um zu lesen, zu diskutieren und ihrem Publikum zu begegnen. Karin Graf, die künstlerische Leiterin des Festivals, hat für die LIT:potsdam 2019 zahlreiche illustre Gäste gewonnen  –  darunter sind:  María Cecilia Barbetta,  Karen Duve, Robert Habeck, Nino Haratischwili,  Alexa Henning von Lange,  Eva Menasse, Robert Menasse, Christoph Ransmayr, Judith Schalansky und John von Düffel. Als  Writer in Residence  wird Robert Menasse in Potsdam erwartet. Weitere Höhepunkte der LIT:potsdam 2019 sind der  Büchermarkt  unter freiem Himmel  im Kulturquartier Schiffbauergasse mit Lesebühne an der Havel sowie das von Kinderbuchautor Martin Klein  entworfene  Kinder- und Jugendprogramm. Außerdem findet erneut das Theaterautoren-Treffen „Next Stage Europe“ statt. www.litpotsdam.de

Die Preisträger und die Jugendjury bei der Verleihung des Deutschen Jugendliteraturpreises 2018 auf der Frankfurter Buchmesse © AKJ/Sebastian Kissel, honorarfrei im Zusammenhang mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis

Leipzig Deutscher Jugendliteraturpreis 2019: Nominierungsbekanntgabe Am 21. März 2019, anlässlich der Leipziger Buchmesse wird der Vorsitzende der Kritikerjury, Prof. Dr. Jan Standke, die 24 Nominierungen der Kritikerjury in den Sparten Bilderbuch, Kinderbuch, Jugendbuch und Sachbuch bekannt geben. Vertreter der Jugendjury präsentieren ihre sechs Nominierungen für den Preis der Jugendjury. Prof. Dr. Gabriela Scherer, Vorsitzende der Sonderpreisjury, stellt die drei Nominierungen für den Sonderpreis „Neue Talente“ in der Kategorie Illustration vor. Die nominierten Bücher sind am selben Tag auf der Internetseite des Deutschen Jugendliteraturpreises abrufbar. www.jugendliteratur.org

tion der Kreativ- und Kulturwirtschaft durch die Digitalisierung. 2018 kamen 71 Referenten, 50 Partner, 67 Aussteller, 3000 Konferenz- und WorkshopBesucher, 125.000 Besucher, 1 virtueller Popstar und 1 Cyborg zusammen. Außerdem haben 14 Partner aus Europa Innovationsbarrieren für kreative Institutionen definiert und ein Manifest verabschiedet, das zur Verbesserung der Finanzierung und Sichtbarkeit des Kultursektors beitragen soll. 2019 findet THE ARTS+ vom 16. bis 20. Oktober auf der Frankfurter Buchmesse statt. www.theartsplus.com www.buchmesse.de

Das Netzwerk der Literaturhäuser

Frankfurt THE ARTS+ 16. – 20.10.2019

© Alexander Heimann.

„THE ARTS+ – Future of Culture Festival“ ist ein internationaler Showroom der Zukunft, der die kreativen Köpfe und Pioniere des digitalen Ökosystems vereint. Kernthema ist die Transforma-

Ausgehend von Berlin wurden seit 1986 zunächst in den großen Städten Deutschlands, Österreichs und der Schweiz, dann schnell auch in mittelgroßen Städten dieser Länder Literaturhäuser gegründet, die sich in wenigen Jahren zu lebendigen Treffpunkten für die Literatur und das Buch der Gegenwart entwickelten und im kulturellen Leben ihrer Städte zu unverzichtbaren Einrichtungen wurden. Ende der Neun-

Festival Heidelberger Literaturtage 15.5.2019 – 19.5.2019 zigerjahre begann die Zusammenarbeit der deutschsprachigen Literaturhäuser mit gemeinsamen Ausstellungsprojekten, Lesereisen und Plakataktionen. Seit 2002 haben sie sich im losen Verbund, ab 2008 in einem gemeinnützigen Verein unter dem Namen „literaturhaus. net“ zusammengeschlossen. Sinn dieses Zusammenschlusses ist es, Erfahrungen und Kontakte auszutauschen und über gemeinsame Projekte und Mittelakquisition im deutschsprachigen Raum als Literaturvermittler zu wirken. Auch gilt es, die „Marke“ Literaturhaus als Synonym für eine zeitgemäße, wandlungsfähige Förderung und Vermittlung von deutschsprachiger und internationaler Gegenwartsliteratur weiterzuverbreiten. www.literaturhaus.net

Zürich Gedicht/Gesicht 28.6. – 15.9.2019 100 Gesichter und 100 Gedichte: eine Momentaufnahme der deutschsprachigen Lyrikszene. Ausgangspunkt des Projekts sind die Aufnahmen des Fotografen Dirk Skiba – 100 Dichterinnen und Dichter haben mit einem Gedicht auf seine Porträts reagiert. Bild und Text ergänzen oder widersprechen sich und regen damit ebenso zur Auseinandersetzung mit fotografischen Inszenierungsstrategien an wie mit der Lyrik selbst. Lyrik als Labyrinth: Der Strauhof zeigt die Serie als begehbare Installation, in welcher die drehbaren Bild-Text-Doppel untereinander immer wieder neue Konstellationen ergeben. www.strauhof.ch © Dirk Skiba

Vom 26. April bis 5. Mai steht das Theater Heidelberg wieder ganz im Zeichen des Stückemarkts. Das traditionsreiche Theaterfestival am Neckar findet dann bereits zum 36. Mal statt. Gezeigt werden herausragende Inszenierungen aus dem deutschsprachigen Raum von so renommierten Bühnen wie zum Beispiel dem Deutschen Theater Berlin, den Münchner Kammerspielen Plakatmotiv © Theater Heidelberg oder dem Volkstheater Wien. Und außerdem aus Istanbul! Denn das diesjährige Gastland des Heidelberger Stückemarkts ist die Türkei, was ganz besonders interessante Einblicke erwarten lässt in ein Theaterland, zu dem Deutschland ein einzigartiges und gerade sehr angespanntes Verhältnis hat. Aber das ist längst nicht alles. Herzstück des Heidelberger Stückemarkts sind nämlich die Autorenwettbewerbe. Hier werden neue, noch nicht aufgeführte Theaterstücke vorgestellt und ausgezeichnet. Gesucht sind Theatertexte, deren Autorinnen und Autoren noch nicht etabliert sind. Vorschläge aus dem Bereich des Kinder- und Jugendtheaters sind ausdrücklich willkommen. Tickets und Informationen: Theaterkasse, Theaterstr. 10 Tel. +49 (0)6221 5820 000 | www.theaterheidelberg.de

25 Jahre Heidelberger Literaturtage! Die Jubiläumsausgabe des traditionsreichen Literaturfestivals der UNESCO-Literaturstadt Heidelberg präsentiert an fünf Tagen renommierte deutschsprachige und internationale Autorinnen und Autoren, bietet wochentags ein breites Schul- und am Wochenende ein abwechslungsreiches Familienprogramm sowie etliche außergeHeidelberger Literaturtage wöhnliche VeranstaltunFoto Stefanie Eichholtz gen zu Literatur im weitesten Sinne – fernab der gewohnten „Wasserglaslesung“. Das Hauptprogramm im Spiegelzelt wird ergänzt durch zahlreiche kostenfreie Aktionen rund ums das Festivalzelt: Der Universitätsplatz wird durch „StadtLesen“ zum zweiten Mal mit Sitzsäcken, Hängematten und 3000 aktuellen Werken in Bücherregalen zum Lesewohnzimmer, das zum Verweilen einlädt – unter freiem Himmel im Herzen der Heidelberger Altstadt! Auf der Außenbühne finden ebenfalls Lesungen und Gespräche statt, als „bibliophiles Highlight“ präsentiert dort Süddeutsche-Redakteur Hilmar Klute seinen erfolgreichen Roman „Was dann nachher so schön fliegt“. Das Spiegelzelt mit internationalem Programm und ein Kinderliteraturprogramm runden das Programm der Heidelberger Literaturtage ab. Informationen zu Programm und Vorverkauf ab März 2019 auf www.heidelberger-literaturtage.de und Facebook.

Poesie unterwegs Ganzjährig 2019

© Dirk Skiba

Auch 2019 kommen Gedichte und Gedanken von Heidelberger Autorinnen und Autoren wieder ins Rollen: Kurzprosa und Lyrik von 22 Künstlerinnen und Künstlern ist an den Seitenscheiben der Straßenbahnen der Rhein-Neckar-Verkehr GmbH (rnv) im Heidelberger Stadtgebiet unterwegs. Und zum UNESCOWelttag der Poesie am 21. März Poesie unterwegs sind es die Schriftstellerinnen Foto Stefanie Eichholtz und Schriftsteller selbst, wenn ein Sonderzug von Heidelberg ausgehend die Rhein-Neckar-Region mit Live-Lesungen bereist. Texte, Beteiligte und nähere Informationen auf www.cityofliterature.de


Die Geschichte des Essens in der Fotografie

FOOD FOR THE EYES

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08.06.—08.09.2019

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JOHN arttourist.com 1/2019  

JOHN is a culture magazine including ART I CITIES & REGIONS l THEATER l CLASSIC I FESTIVAL l DANCE & BALLET I JAZZ I NEW MUSIC I FILM PHOTOG...

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