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ELLA

ELLA | arttourist.com JAZZ & Neue Musik | 2017

#JAZZ | Neue Musik arttourist.com gazette 2017

Jazz | Neue Musik | Contemporary | Crossover | Elektronische Musik | Clubs | Festivals


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6. – 23. JULI 2017 THEATERHAUS STUTTGART www.coloursdancefestival.com

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Editorial | 3

Tipps

Editorial dabei den kuratorischen Grundsätzen, die 2012 mit der richtungsweisenden Ausstellungs- und Konzertreihe „ECM: Eine kulturelle Archäologie“ über die herausragende Arbeit von ECM und Manfred Eicher eingeführt wurden. Bis 20.8.2017 | www.hausderkunst.de

Hamburg Theater der Welt 2017

Liebe Leserinnen und Leser, Freunde des Jazz und der Neuen Musik, Ella Fitzgerald, die große amerikanische Jazzsängerin, wäre am 25. April dieses Jahres 100 Jahre alt geworden. Zahlreiche Veranstaltungen auf der ganzen Welt feiern die „First Lady of Song“ (www.ellafitzgerald.com). Nach MILES in 2016 und in der Tradition des Namenswechsels unserer Zeitung war schnell klar, dass die zweite Kai Geiger Jazzausgabe ELLA heißen wird. Ich bin sehr glücklich, dass die wunderwunderbare Sängerin Malia „unsere“ ELLA ist, die mir beim letztjährigen Einhaldenfestival „erschienen“ ist. Ella Fitzgeralds Platten erschienen noch auf Vinyl, einem Kulturgut, das eine Renaissance erlebt. Dem, wie auch der Kultur von Record Stores widmen wir uns in ELLA.

Vom 25. Mai bis zum 11. Juni findet Theater der Welt 2017 in Hamburg statt. Das Festival des Internationalen Theaterinstituts NOVARA (ITI) wird vom JAZZ ACROSS EUROPE MILANO SERBIA GREAT BRITAIN OSLO SAN JAVIER NOVARAJAZZ JAZZMI 2017 GROSSBRITANNIEN Oslo Jazz Festival International Jazz Festival The project JAZZ ACROSS EUROPE JAZZ ACROSS EUROPE ist einHamburger MarThalia 25.5.–11.6.2017 4.–15.11.2017 BELGRAD 12.–19.8.2017 Javier Wir kommenSandieses Jahr mit ELLA bereits, und gerne in den kommenden will launch in 2017 and introduced ketingprojekt des Europe Jazz Netwww.novarajazz.org www.jazzmi.it 33rd BELGRADE JAZZ FESGLASGOW www.oslojazz.no 24.–29.7.2017 as a new tourist product into the work auf Initiative der jazzahead Theater veranstaltet. market from 2018–2020. The goal of Bremen, Deutschland, das in 2017 TIVAL Glasgow Jazz Festival this project is the creation of an in- gestartet und von 2018–2020 als Jahren wieder,www.jazz.sanjavier.es zu den 30. Internationalen Theaterhaus Jazztagen heraus, SOUTH TIROL 25.10–30.10.2017 June–July 2017 LITHUANIA POLAND ternational platform linking existing neues touristisches Produkt inKampnagel den ist KoSüdtirol Jazz Festival www.bjf.rs www.jazzfest.co.uk BARCELONA jazz festivals and their visitors. The Markt eingeführt wird. Ziel ist es, project aims to improve collaboratiJazzfestivals und deren Besucher 30.6.–9.7.2017 KAUNAS KATOWICE Voll-Damm Festival die mit einem spannenden und hochkarätigen Jubiläumsprogramm aufwaroperationspartner. Zu on between individual festivals and miteinander zu vernetzen, die Zuwww.suedtiroljazzfestival.com Kaunas Jazz Festival EDINBURGH Katowice JazzArt Festival SLOVAKIA Internacional de Barcelona their organizers, and to widen their sammenarbeit und Expertise der einEdinburgh Jazz & Blues 21.–30.4.2017 25.–30.4.2017 October-December 2017 current appeal by developing a joint zelnen Festivals und deren tätigen Leipzig sehen sind 45 Produkten. Mit Malia, Richie Beirach, Gregor Hübner, dem Tales In Tones Trio, Joo PESCARA Festival www.kaunasjazz.lt www.jazzartfestival.eu BRATSILAVA www.jazz.barcelona platform for marketing their festi- Personen auf einem europäischen WWW.JAZZA CROSSEUROP vals and associated tourist packages Level zu entwickeln und zu stärken, Pescara Jazz 14.-23.7.2017 Bratislava Jazz Days E.COM Flamingos und andere Paradiesvögel tionen Kontinenten, davon to travel companies and their wider deren Programm durch touristische July aus 2017 allen fünfNETHERLANDS www.edinburghjazzfestival.com WARSAW27 Ur- undwww.bjd.sk GRANADA Kraus und Kalle Kalima finden Sie gleich mehrere in Stuttgart auftretentarget audiences. In order to meet Angebote zu bereichern, diese zu www.pescarajazz.com XXIII Int. Open Air Festival Jazz Granada this newly created demand, the pro- erfassen, zusammen zu stellenErstaufführungen und 40 Jahre Leipziger Jazztage – flankiert von einem umfangreiMANCHESTER Jazz at the Old Town ROTTERDAM SLOVENIA November 2017 ject will promote the development für einen touristischen Markt aufzunew and imaginative products bereiten und aktiv in Zielmärkten zu de Künstler inwww.jazzgranada.es ELLA. Dazu Manchester kommt, dass sich in den letzten Wochen und PERUGIA Jazz Festival 8.2017 Anlässlich der 40. Leipziger offorJazztage veröffentlichchen Umbria Diskursund inJazz Musikprogramm.1.7.–26. Ergänzt wirdLJUBLJANA the travelling festival-goer. This vermarkten und touristische Partner Jazz Festival 28 July–6 August www.jazznastarówce.pl 22.–23.6.2017 project further aims to establish and (Reiseveranstalter) wie Partnermedi7.–16.7.2017 www.manchesterjazz.com www.injazz.nl Jazz Festival Ljubljana SWEDEN develop the network and itsdes associa- Festivals en zu finden. Die durch die MarkeMonaten eine freundschaftliche Zusammenarbeit mit dem Theaterhaus te der Jazzclub Leipzig als Veranstalter es durch Gastspiele sowie durch Eigenproduktionen www.umbriajazz.com 28.6.-1.7.2017 PORTUGAL SCHWEDEN ted marketing platform (both virtual tingmaßnahmen gewonnene Nachmaterial) and to launch it onto frage soll durch konkrete Produkte BRECON ROTTERDAM am 29. September 2016 das and Buch „Flamingos von Thalia und Kampnagel. Darüber hinaus sindwww.ljubljanajazz.si the market. befriedigt und werden. DOLOMITES Brecon Jazz Festival North Sea Jazz Festival OEIRAS YSTAD in CARL arttourist.com Stuttgart (Porträt 1/2017, online nachzulesen unter I suoni delle dolomiti– August 2017 7.–9.7.2017 EDP Cool Jazz Ystad Jazz Festival GREGORY PORTER & BAND andere Paradiesvögel“. Auf 368 Seiten werden dazahlreiche Hamburger Kulturinstitutionen und -initi-SPAIN Sounds of the Dolomites www.breconjazz.club www.northseajazz.com 19.–29.7.2017 1.–6.8.2017 www.arttourist.com) entwickelt hat. Für mich, und dies schon seit mehr als 2017 www.edpcooljazz.com www.ystadjazz.se CANARIS SNARKY PUPPY AGNES OBEL rin zahlreiche Geschichten rund um& CONTACT die Leipziger ativenSummer in das FestivalNORWAY eingebunden. Der Hafen als OrtCanaris INFORMATION www.isuonidelledolomiti.it POWYS IN WALES Jazz JAN GARBAREK Brecon Jazz Festival ANGRA DO HEROÍSMO STOCKHOLM Juli 201725 Jahren, eines Kai Geiger der spannendsten Kulturzentren in Europa. Jazztage aufleben, von persönlichen Erinnerungen der Ankunft und des Aufbruchs, als Angrajazz Umschlagplatzwww.canariasjazz.com Project Manager SANTA TERESA GALLURA 11.–13.8.2018 Stockholm Jazz Festival TRONDHEIM JOSHUA REDMAN TRIO JAZZ ACROSS EUROPE SARDINIA www.breconjazzfestival.org October 2017 October 2017 Trondheim Jazzfestival und Anekdoten bis hin zu Fragen wie: Welche Rolfür den weltweiten Handel, als poetisch aufgeladener BEADY BELLE & BUGGE WESSELTOFT Musica sulle Bocche www.edicao2017.angrajazz.com VITORIAGASTEIZ www.stockholmjazz.com 9.-14.5.2017 c/o ART CITIES IN EUROPE GmbH NDR BIGBAND ERIK TRUFFAZ QUARTET International Jazz Festival LONDON www.jazzfest.no Festival de Jazz Glärnischstraße 7 le spiel(t)en die Leipziger Jazztage in der kulturelOrt, ist thematischer Ausgangspunkt und neben demVitoria-Gasteiz 78464 Konstanz 31.8.–3.9.2017 Jazz Festival GUIMARES TURKEY DHAFER YOUSSEF AKUA NILS WÜLKER Nach Stuttgart geht es zu London Europas größter BEN Jazzmesse, derNARU jazzahead! Germany 10.–19.11.2017 Guimaraes Jazz KONGSBERG TÜRKEI HILDEGARD LERNT FLIEGEN L'ONCLE SOUL len Landschaft der Stadt Leipzig? Wie konnte das Thaliawww.musicasullebocche.it Theater undKongsberg Kampnagel auch zusätzlicher11.–15.7.2017 www.efglondonjazzfestival.org.uk November 2017 Jazz Festival www.jazzvitoria.com +49 (0) 7531 9073-0 YOUN SUN NAH BERNHOFT ALA.NI BOLOGNA www.ccvf.pt 5.–8.7.2017 IZMIR Bremen (www.jazzahead.de), wo wir mit einem Stand und dem eurogeiger@artcities.com Festival mit den politischenwww.arttourist.com und wirtschaftlichen Spielort. Das Festivalwww.kongsbergjazz.no von Ivan Nagel, ursprünglichSAN SEBASTIAN CÆCILIE NORBY & LARS DANIELSSON MOVING PARTS Bologna Jazz Festival Izmir European Jazz Festival ERIC SCHAEFER NIGHTHAWKS NINA ATTAL October–November 2017 Heineken Jazzaldia 1.–18.3.2017 ROMANIA Veränderungen nach 1989 weitergeführt und neu als „Theater der Nationen“ gegründet (1979), findet päischen Projekt „JAZZ ACROSS EUROPE“ vertreten sind, dessen Prowww.bolognajazzfestival.com MOLDE San Sebastian www.iksev.org Moldedritten International Jazz SIBU aufgestellt werden? Und wie steht das Festival heute nach ROME 1989 bereits zum Mal in Sibiu Hamburg statt.20.–25.7.2017 17.–22.7.2017 www.heinekenjazzaldia.eus ISTANBUL Jazz Festival–47th jektleitung wir am 1.1.2017 übernommen haben. Ein spannendes und Rome Jazz Festival www.moldejazz.no Istanbul Jazz Festival Edition da? Es erzählen aus den verschiedensten Perspektiwww.theaterderwelt.de 8.–30.11.2017 24.2.2017 June–July 2017 18.–21.5.2017 arttourist.com wichtiges Musikprojekt, dasStand europäische Jazzfestivals und deren Besuwww.romajazzfestival.it Änderungen vorbehalten www.caz.iksv.org www.sibiujazz.ro ven MusikerInnen sowie Verantwortliche wie Wolf www.jazzacrosseurope.com cher miteinander vernetzt und Jazzliebhaber aus der ganzen Welt einKampmann und Peter Korfmacher, die seit vielen Jahren das Festival begleiten. Genau wie deren Texlädt, zu den pulsierenden Musikorten in Europa zu reisen. te sind auch die zahlreichen Fotos und Abbildungen online unter www.arttourist.com von Plakaten, Programmen u.v.m. bisher unveröfNach all den Jahren habe ich es in der Vorbereitung auf ELLA endlich ins A-Trane in Berlin geschafft, fentlicht. 368 Seiten, durchgehend farbig und bebildert, das mich sofort umarmt, geerdet und mich in meiner Leidenschaft und meinem Tun bestätigt hat. Das herausgegeben vom Jazzclub Leipzig e.V., Preis: 39 Euro Interview mit Sedal Sardan steht stellvertretend für so viele engagierte Jazzclubbetreiber. Eine HerzensanBestellungen bitte per E-Mail an gelegenheit ist mir das Schulprojekt des Jazz&More Collective, das wegen fehlender Unterstützung auf der flamingo@jazzclub-leipzig.de

JAZZ ACROSS EUR

ELBJAZZ | 2.-3.6.2017 | www.elbjazz.de | Im Hamburger Hafen | © Jens Schlenker | # elbjazz17

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Tickets und weitere Informationen unter www.elbjazz.de und über die Hotline 040 - 413 22 60 (Mo. - Fr. 9:00 - 18:30 Uhr)

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Jack Black in High Fidelity

„High Fidelity“ nach einem Roman von Nick Hornby Ein Film, den man immer wieder schauen kann

Free Music Production/FMP: The Living Music Installationsansicht/Installation view Haus der Kunst Photo: Maximilian Geuter

München Free Music Production FMP: The Living Music

2017 widmet das Haus der Kunst eine Ausstellungsund Konzertreihe dem Berliner Avantgarde-Plattenlabel Free Music Production / FMP. Fast fünfzig Jahre nach seiner Gründung lohnt es sich, die Werke dieses innovativen und experimentierfreudigen Musikerkollektivs sowie ihre bahnbrechenden Leistungen auf dem Gebiet der zeitgenössischen Musik erneut einer kritischen Analyse zu unterziehen. Ausstellung, Begleitprogramm und Katalog folgen

In der Nick Hornby-Verfilmung High Fidelity philosophiert Musik-Liebhaber John Cusack über Musik, die Liebe und warum all seine Beziehungen damit enden, dass er von seinen Freundinnen verlassen wird. Rob Gordon (John Cusack) ist in den Dreißigern und verdient sein Geld mit seinem Plattenladen „Championship Vinyl“. Sein Leben plätschert vor sich hin und alles wäre schön. Doch seine Freundin Laura (Iben Hjejle) packt eines Tages ihre Koffer und stürzt den Slacker in eine Liebes- und Lebenskrise, bei der ihm auch seine beiden Angestellten Barry (Jack Black) und Dick (Todd Louiso) nicht helfen können. Er beschließt, dem Geheimnis seiner fünf gescheiterten Beziehungen auf den Grund zu gehen und endlich herauszufinden, warum seine Beziehungen immer damit geendet haben, dass er verlassen wurde.

FESTIVALS 2017

Kippe steht. Wir von arttourist.com helfen unbedingt und gerne beim Finden von großzügigen Menschen, Jazzliebhabern, Sponsoren und Stiftungen, die dieses nachhaltige Projekt am Leben erhalten wollen. Lesen Sie auf Seite 6 darüber. Jazz & Neue Musik ist eine große Passion von mir. Diese gebe ich gerne mit ELLA an Sie weiter und „verführe“ Sie an Orte und Veranstaltungen, die es allesamt wert sind, besucht und entdeckt zu werden. Tauchen Sie mit uns ab und geben Sie sich der Musik hin. Herzliche Grüße, Ihr

Kai Geiger ART CITIES IN EUROPE GmbH, geiger@artcities.com

Impressum: ART CITIES IN EUROPE GmbH | Titel: ELLA, Malia, © Mali Lazell | Produktion, Gestaltung & Layout: Chris Bernert, chris@deluxe-grafik. com | Druck: Druckhaus Waiblingen www.dhw.de | Redaktion: ART CITIES IN EUROPE GmbH, Glärnischstraße 7, D-78464 Konstanz, Tel. +49 (0)7531 9073-0, Fax +49 (0)7531 9073-5, www.arttourist.com, info@arttourist.com ja17 AZ JazzAcrossEuropeFlyer 99x210+ 03RZvek.pdf



Foto: www.schwalfenberg.eu

CHRISTOPH SPANGENBERG

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17.02.17

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erscheint im Herbst 2017

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4 | Malia

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How are you? I am very well thank you. You have been on club tour with your new album 'Malawi Blues' in January? How did it go? How did it feel? I had an amazing time. The band members were talented and beautiful to make the music with. Where are your musical roots and which musici­ ans have inspired you most? I get inspiration from a lot of things and of course if you work with talented musicians like Alex Wilson, who is my co-writer on this album Malawi Blues/ Njira, and Dimitris Christopoulos and Edwin Sanz, who played on the album, you tend to bounce off each other and give each other inspiration for the good of the music. I read books, I listen to music, I watch people, I walk in nature and sing to myself composing melodies and lyrics. I get musical ideas concepts in these moments. What about Ella Fitzgerald, who would be 100 years old this year? Ella is a master, a great master and we can all learn from great masters. She embodied to me tenderness, strength and a certain kind of stoicism in her singing voice. She did not bleed in front of you her aching heart or indulge herself in her ego or technique. Her interpretations are pure, resolute, immaculate, effortless. She told a story as it should be told. She infused a great deal of dignity and pure uncontrived beauty into the music. Forever friendly and charming, cute and humorous, tender and real. She is a gift for the ears for evermore. There is only good things to love about the voice of Ella. I can go on but these are the qualities that stand out for me. On your new album 'Malawi Blues' you are retracing the footsteps of your childhood. Was it easy to return? How did you get access? Indeed it was, but it is about both past and present. I live in a duality of the world that has been and the present. I utilise the past and visit old territories, and find stories and engagement when I travel there. I do a lot of soulsearching and somtimes things come into the foreground I missed before. I am grateful for the past because it brought me here. I find it easy to access. There may be joy there and gratitude or there may be pain or confusion but all part of the evolution of soul. Music is a great tool to access childhood. Are you regularly in your Malawi homeland or do you process your memories in a musical way? I visit Malawi a lot in spirit. I am all of it if you know what I mean. Beyond the physical, Malawi is always with me. It is in my blood. What is the story behind your work with Boris Blank, with whom you produced 'Convergence' in 2014, turning up some fairly new sounds? I had wanted to work with someone in a different way than I had been used to. A new challenge, I love his work. I called him up and after some great musical chemistry we started to work on Convergence. It was effortless. I was going through a cancer diagnosis at the time but still wanted to create music with an electronic edge and who better than Boris Blank?

MALIA

© Mali Lazell

Mit MILES starteten wir im letzten Jahr unsere erste Jazz & Neue Musik Ausgabe von arttourist. com. In der Tradition der Namenswechsel unserer Zeitung sollte auf MILES ELLA, Assoziation Ella Fitzgerald, die in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden wäre, folgen. Doch wer sollte unsere ELLA werden? Erste Kandidatinnen wurden mir bereits auf der letztjährigen jazzahead! in Bremen vorgestellt und „angeboten“, aber sie entsprachen nicht der Vorstellung von „meiner“ ELLA. Ich stellte mich auf eine längere Suche, das Hören von unzähligen CDs, die Sichtung von YouTube Videos, Konzertbesuche und Rat suchende Gespräche ein, bis mir Malia am letztjährigen Einhalden Festival „erschien“ und ihre Stimme, ihre Erscheinung und ihr Wesen mir direkt in mein „Ellaherz“ fuhren. Damit war MALIA „unsere“ ELLA, unser Titelgesicht. Wir sprachen mit MALIA.

You will be on stage with Joo Kraus, with whom you are regularly on tour, for his birthday gala at the 30th International Theaterhaus Jazztage. How did you meet? What inspires and connects you? A mutual acquaintance brought us together and we hit it off. When you meet wonderful musicians life is easy and inspiring, and with Joo Kraus it was just that. I have a lot of respect for him as a human being first of all and of course his playing is the cherry on the top. A very big fat talented cherry. *laughs* Thinking of Joo Kraus, which song would you give him for his 50th birthday? Let’s wait and see! What are your musical wishes that you'd like to be realized in the future? My musical life is open at the moment and I have ideas ready to be activated, but for the moment I'm taking a rest. The brain is ticking and working... When it arrives, it arrives. DAS GESPRÄCH FÜHRTE KAI GEIGER.

alle Bilder © Beate Armbruster | www.beatearmbruster.de


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Richie Beirach | Gregor Hübner  |  5

70 | 50 Richie Beirach

Gregor Hübner

Richie Beirach beherrscht als einer von Wenigen die Synthese von Klassik und Jazz und zelebriert zusammen mit Gregor Hübner (Violine) Jazz zum Dahinfließen. Die unerschöpfliche Kreativität des New Yorker Jazz-Pianisten Richie Beirach findet ihren Ausdruck in zahlreichen Schallplattenproduktionen mit den Großen der internationalen Jazzszene. Zusammen mit Pianisten wie Herbie Hancock, Chick Corea und Keith Jarrett ist es ihm gelungen, das Erbe von Bill Evans weiterzuführen und dabei einen eigenen, unverkennbaren, persönlichen Stil zu entwickeln. Der Jazzgeiger und Pianist Gregor Hübner hat eine seltene Mehrfachbegabung und ist ehemaliger Schüler von Beirach. Er zählt seit vielen Jahren zur Garde der international gefeierten und gefragten Jazz-Violinisten, wobei seine große Liebe stets auch der lateinamerikanischen Musik und Rhythmik galt. Der Geiger Gregor Hübner und der Pia­nist Richie Beirach sind zwei Brüder im Geiste und haben viele erstaunliche Parallelen. Beide Musiker leben in New York, beide haben sowohl klassische Musik als auch Jazz studiert und beide loten die Grenzen der zeitgenössischen Musik jenseits aller Genregrenzen aus. Dazu haben sie am gleichen Tag Geburtstag. Richie Beirach wird dieses Jahr 70, Gregor Hübner 50. Wir befragten Richie Beirach und Gregor Hübner zu ihrer bemerkenswerten Musikerfreundschaft. Where and when did Richie Betrach and Gregor Hübner meet for the first time, and how was this first encounter? Was it musical harmo­ ny, artistic compatibility from the first note? RICHIE BEIRACH: Gregor came to my house in NYC to take a piano lesson. He was studying composition at Manhattan School of Music with Ludmilla Ulehla and as a second major he was taking jazz piano lessons with Harold Danko, a member of the MSM faculty, and Harold sent Gregor to me for some advanced studies. He was a good jazz pianist but of course he had some gaps in his basic skills and knowledge of harmony and piano technique. He told me he was a violinist, so his piano playing was pretty good for a second instrument. We had a good lesson. I liked him immediately as a person – intelligent, warm, funny and with a very modest attitude towards learning music and life in general. So we finish the lesson, he's got his coat on, and I see he has a violin case on his shoulder. So I say, is that a violin? He says yes. I say, can you play jazz? He says something like I don’t know but I can improvise ,,so,,,I say ,let’s play something ok? So he says sure and takes out a beautiful very expensive looking violin and bow and looks at me with this special smile that said to me, like, I am not a professional jazz pianist and I am studying composition but I can improvise with you and thanks for asking me to play with you! I saw all that in one look at his face. He was not afraid, but very confident and happy to have the chance to play with me. face. He was not afraid, but very confident and happy to have the chance to play with me.

I played one short phrase and he came in with a phrase and it was great – immediately musical, interactive, technically fluent and very intuitively compositional. Remember we were just improvising. It was really magical. I don't think we ever to this day played

© Gregor Hübner

anything better. His incredible musical talent for improvising and his obvious great violin sound and technique were apparent. Also his sound was amazingly big and full, much bigger and more varied than almost any other jazz violinist I ever heard. We played for about 15 or 20 minutes. We both stopped and we knew we had just experienced an important brand new musical connection. What inspires and fascinates you in your work with Gregor Hübner? RICHIE BEIRACH: I have now been playing, recording and touring with Gregor for over 20 years. He is all grown up and is now a serious 50-year-old man with a family and many CDs in his catalogue. He has become an important composer with a growing list of innovative pieces for all instrumentations. He inspires me every time we play. He has a way of writing something that looks wrong or impossible-sounding on the music paper but always turns out to be just an innovative new combination of sounds that are so much him. He inspires me by constantly putting out new things – new CDs, new commissions, different from the mainstream and different from

© ACT, Laura Carbone

each other. His strength of musical character is inspiring. Also we are connected in a very nice and mysterious way - we were both born on 23 May, me in 1947 and he in 1967! - so we are always connected that way. That leads us to this new release with our great band with Randy, George, Billy, Gregor and me. It's a celebration of some of our great live performances from Birdland in NYC and a kind of celebration of my 70th and his 50th birthday. And how does Richie Beirach fasci­ nate and inspire you? GREGOR HÜBNER: From the first moment I met Richie he was an endless source of musical information which almost overwhelmed me. I wanted to get back to this every week to find out more about myself playing and composing music or simple piano technic or just piano techniques or harmonic structures and so on. Like I said, it seemed endless and it still is. Now since I had the opportunity to play and record with him a few weeks after we met, this didn’t change except that it started to bounce back and forth between us. This hasn't changed in the last 20 years. Every time we go on a concert stage I am surprised by him and his ideas going to places we've never been before. The same thing happens when we do workshops together at the teaching level. He is one of the great improvisers, urging us on to take a risk any time and always searching for new places in music. That’s why it never gets a routine to play with him and that in-

spires me tremendously. Our new recording shows this in every tune we play with three other guys who think exactly the same. How would you describe the nature of the artistic bond between you and Richie Beirach? GREGOR HÜBER: Richie always says we still play in the same way today like we played in the first minute in 1996 in his little apartment on Spring Street in NYC and I feel the same way, even though we've developed our music so much over the last 21 years. What he is talking about is the spirit and the bond between us that was already there in the first minute. It is very rare during a musical career to find people like this who have the same spirit, energy and need to find something new in music. Often you can develop this in groups over time but it’s unusual to have this right away. If you look at both of our upbringings, there are many similarities. We both grew up with classical music and later got interested in improvisation and jazz, we both by accident studied with the same classical composition teacher, Ludmila Ulehla at Manhattan School of Music, we both have ethnic backgrounds, Richie coming from an Eastern European Jewish family and me coming from an Eastern European gypsy music tradition. Maybe the same day birthday means something too but all these similarities bonded us right away. Richie also used to play with Zbigniew Seifert, a Polish jazz violinist who died at a very young age, and Richie saw something similar in me even though I didn't know about Zbiggy at the time. Two of the tracks you played on the night of the recorded concert in 2012 come from the Round About... Monteverdi and Bartok albums you recorded for ACT. Can you describe why you selected these particular composers and how you go about exploring the connections between jazz and certain classical pieces? GREGOR HÜBNER: Bartok and Bartok are always somehow a part of our concerts. Not necessarily these pieces but in this case we chose them since we are so familiar with these two that there is always something new happening during a live performance. Why do jazz musicians play the same standards over and over again? Because they know them so well that anything can happen during a concert. The form, tempo and the harmonic structure can be altered live in any way the musicians want. Of course Randy, George and Billy are the perfect colleagues to do


this with since they are the living example of the 70/80s when this kind of playing was developed. We treat these classical pieces in the same way and I am pretty sure Bach and Bartok did it too. The possibility to record 3 CDs for ACT starting in the late 90s and develop this kind of concept by treating short-form classical pieces in the same way as jazz standards was incredible and brought Richie, George and me to another mutual understanding. The music of Bartok was also the first music Richie and me played together when I came to his house and 6 weeks later we recorded one of Bartok's Bagatelles on Richie’s recording for Evidence, “The Snow Leopard”. Is there anything you set out to avo­ id when mixing classical with jazz elements? GREGOR HÜBNER: I think the music of certain composers is more approachable for improvisation then others. For example, Bach was a great improviser and you hear that in his music. In some of the romantic composers you find similar harmonic structures which were used later in jazz, and with Bartok and other composers from the 20th century the rhythmic part is very interesting. The most difficult is music by Haydn, Mozart and Beethoven since the structures during this period were very strict and you have to know about all these rules. But today everything is possible: in the end it’s a matter of taste, which means it becomes personal. There was Play Bach, Third Stream and many other experiments to mix classical with jazz and in the end it’s a matter of taste. In today’s music these categories will soon be history – hopefully. What do you remember about the Birdland live date in New York 2014 and how did you choose this particular program­ me for a setlist? GREGOR HÜBNER: Like I said, the date was 25/26 of August 2012. This was our week at Birdland every year over, I think, 7 years – the last week of August – and it was always a high point of the year for me. It’s great to have something like this in NYC and play with the same band for a week. Unfortunately I am too young, but this was what it used to be in Europe as well, you had weekly gigs everywhere. The music you hear on the CD is a mixture of the four sets we played on those 2 days so it’s not just one set. Many great musicians came by or even sat in with us – like Joe Lovano or Tim Hagans and many others. Lee Konitz, Barry Harris, Tomasz Stan´ko were sitting in the audience. Since Richie lived already in Europe at the time, it was hard to see him to perform in NY so this was always a meeting point in the summer and of course great for me, the young (compared to them) German violinist. The mix of the music is very typical for us – you find classical pieces, our own compositions, a typical jazz standard and a composition by John Coltrane. Each piece brings something totally new but everything is connected through improvisation. What is it like working with mas­ ter jazz musicians like Billy Hart, Randy Brecker and George Mraz, on the CD?

GREGOR HÜBNER: Right after I finished my Masters at Manhattan School of Music, I met Richie and, like I said, 6 weeks later I was on a CD with George Mraz and Billy Hart. This changed my life, made me stay in New York for over 22 years now, and made me a part of the New York Jazz scene. I don’t quite remember all the feelings I had at the time but it seemed unreal. Of course now after all these recordings and live performances we are friends and it seems just normal to go on stage with Richie, George, Billy and Randy. For Richie these are his oldest friends, these are the people he grew up with and these are the people he developed his music together with. They told me stories about how you learned the language of jazz. This was not in school, this happened on the street like they say. As a young musician you got picked by the masters to play in their bands, In Richie’s case Stan Getz, Chet Baker and many others. You played in their bands a couple of years and that's how you learned the language. Then there were record producers who helped you to develop your own style, another learning experience. Unfortunately, this has changed in today's music world tremendously. I have the feeling I am one of the last generation who had this opportunity, by being picked by one of the masters and through him being able to play with all these masters since then. You are on a big birthday tour with changing musicians and guests. What can the audience expect?

GREGOR HÜBNER: Yes, we're doing a lot of different concerts over the course of this year. Most of the concerts are with our duo, but we do some in a trio setting with my brother Veit on bass, which goes back to the programme we did around 2000 when we recorded 3 CDs for ACT with the music of Bartok, Mompou and Monteverdi. Also, we have a great concert with Veit, Mickey Kersting on drums and Randy Brecker joining us at the Theaterhaus Jazztage 2017 in April. And we have a real birthday concert 2 days before our birthday on May 21 in the Konzerthaus in Ravensburg where Dave Liebman, one of Richie’s oldest friends, joins us. Every time it will be a surprise and a different experience. This is all in April and May but there is more coming over the year. Richie will come for the third time to my brother's Einhalden Festival where we celebrate our birthdays again. We have some great duo concerts in the fall and end the year together with the Big Band of the Munich Hochschule for Music and Theatre doing a programme we produced together with the WDR Big Band in March 2016 together with Rich DeRosa. It will be an amazing year and I can’t wait to start this on Easter Sunday at the Theaterhaus in Stuttgart, my home base as an artist. FRAGEN 1, 2, 3 UND 9 STELLTE KAI GEIGER FRAGEN 4 – 8 STELLTE SELWYN HARRIS SELWYNHARRIS@NTLWORLD.COM

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6  |  Richie Beirach | Gregor Hübner | Jazz & More

Jazz & More Collective

t. s i r u o t t r a

com

S T R O P P U S

Ein Jazz Nachwuchsprojekt benötigt Ihre Unterstützung Das Jazz&More Collective ist eine Band, besetzt mit namhaften Künstlerpersönlichkeiten der europäischen Jazzszene, die seit über 10 Jahren Mitglieder im Dozententeam des Jazz and More Sommer – Jazz – Workshops der Landesmusikakademie Ochsenhausen sind. Die Musiker spielen mit ihren eigenen Formationen über das Jahr verteilt in vielen Clubs und auf vielen Festivals. Als Professoren und Lehrbeauftragte unterrichten die acht Künstlerpersönlichkeiten an verschiedenen Jazzdepartments der europäischen Musikhochschulen. Seit einigen Jahren bietet das Jazz&More Colective zweimal im Jahr für eine Woche in verschiedenen allgemeinbildenden Schulen in Baden-Württemberg Tagesworkshops an, die jeweils mit einem Konzert am Abend enden. Das Ziel der Arbeit ist in allererster Linie, ein Feuer für die Musik, den Jazz und das Erlernen eines Instruments zu entfachen, die Schüler für die Improvisation zu begeistern und ihnen erste Schritte dahin aufzuzeigen. Die Schulen stehen Schlange, und die Kurse begeistern Schüler, Lehrkräfte, Eltern und Besucher der Konzerte gleichermaßen. Doch jetzt droht das Projekt zu scheitern, da es an Unterstützung, an finanziellen Mitteln fehlt. In MILES arttourist.com Jazz & Neue Musik 2016 haben wir das Projekt vorgestellt. Ich war selbst an drei Konzerten der Jazz&More Schulprojekte in Konstanz und Ulm und war von der Spielfreude, der Begeisterung, dem engagierten Miteinander und dem schier unmöglich Möglichen am Ende eines Workshoptages, dem Konzert, der Präsentation des an diesem Tag Erlernten und mit den Dozenten Erarbeiteten, fasziniert. Es ist ein wichtiges und notwendiges Nachwuchsprojekt für Musik an den Schulen. Und solch ein engagiertes Projekt darf nicht scheitern und wegen fehlender Mittel eingestellt werden. Ich habe bei Veit Hübner, dem Ideengeber und Leiter des Jazz&More Projektes nachgefragt: Die Zukunft des Nachwuchs­ projektes von Jazz&More Collective steht in den Ster­ nen. Was ist passiert? Unser Jazz&More Projekt wurde die letzten Jahre von der Bauder

Stiftung, zweimal von der Baden Württemberg Stiftung und einmal von der L-Bank unterstützt. Trotzdem die L-Bank eine längerfristige Unterstützung zugesagt hatte, haben sie sich für andere Projekte in der Zukunft entschieden. Da wir immer mit acht Dozenten in den jeweiligen Schulen einfallen, um unsere Tagesworkshops zu machen, ist es uns unmöglich, dieses Projekt ohne finanzielle Unterstützung durchzuführen. Über was für ein Projektvolumen sprechen wir? Wie haben Kosten von EUR 5.000 pro Tageskurs. Wir sind 2 x 5 Tage im Jahr unterwegs, d. h., wir sprechen über EUR 50.000 im Jahr. Da wir Dozenten z. T. auch aus Schweden und Österreich stammen, machen die Workshops nur Sinn, wenn wir eine Woche am Stück unterwegs sein können. Die Kosten fallen für Transport und Reisekosten, Honorare, Miete, Lehrmittel und Werbung für die Konzerte an. Wie kann man helfen und unterstützen? Einige Schulen versuchen schon vor Ort Sponsoren zu gewinnen, welche einen Tagesworkshop bezahlen würden. Ein guter und dankenswerter Anfang, der jedoch nicht das Gesamtvolumen, das wir auch für die Planungssicherheit im Vorfeld benötigen, decken wird. Hierfür benötigen wir verstärkt private Investoren und Sponsoren! Oder es finden sich weitere Stiftungen, wie zum Beispiel die Bauder Stiftung, die sich für das Jazz&More Projekt engagieren möchten. Gerne auch über einen längeren Zeitraum. Eine weitere Idee ist es, einen Verein, z. B. Freundeskreis des Jazz&More Collective, zu gründen, um Spenden zu sammeln! Sobald eine gewisse Summe zusammen ist, könnten wir wieder loslegen! Wie geht es weiter? Wir glauben, dass unser Tun in den Schulen überaus nachhaltig für die Schüler ist, daher wollen wir auch alles versuchen, um diese Workshops am Leben zu erhalten! Wir werden dafür weiter kämpfen und sind für jeden Tipp, jede Idee und „Partnervermittlung“ dankbar. Aber zum heutigen Tag ist leider alles offen. Weitere Informationen unter www.arttourist.com Kontakt Veit Hübner Bergstr. 30 D-70825 Korntal-Münchingen  +49 (0)177 7582430 info@veithuebner.de


Tales In Tones Trio  |  7

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Tales In Tones Trio

T T T

Erstmalig begegnet bin ich Veit Hübner und Ralf Schmid im März 2010 bei einem Konzert mit Joo Kraus auf Einladung des Konstanzer Schlagzeugers Patrick Manzecchi. Joo Kraus war der Grund für meinen Konzertbesuch gewesen. Ihn kannte ich als Musiker bereits aus meiner Ulmer Zeit. Das Konzert und die im gleichen Sommer erschienene CD „Songs From Neverland“, eine Einspielung von Joo Kraus & Tales In Tones Trio mit Torsten Krill am Schlagzeug, haben mich – und dies bis heute – berauscht, sodass ich sie, das Programm, die Musik und vor allem die Menschen vom TTT, in meiner Funktion als Künstlerischer Leiter des Rheinfall Festivals 2012 nach Schaffhausen holte. Sie prägten meine Freude und Leidenschaft für Jazz und begleiten mich bis heute. Viele Begegnungen und wunderbare Gespräche später darf ich Ihnen die herausragenden Musiker vom Tales In Tones Trio vorstellen und sie Ihnen wärmstens an Ihr „Jazzherz“ legen.

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Wir sprachen mit Veit Hübner, Torsten Krill und Ralf Schmid.

Wer ist das Tales In Tones Trio TTT? VEIT HÜBNER: Das Tales In Tones Trio besteht seit 1996 aus dem Pianisten Prof. Ralf Schmid, dem Bassisten Veit Hübner und dem Schlagzeuger und Akademiedozent Torsten Krill. Ursprünglich unter dem Namen Schmid-Hübner-Krill bekannt. Wir alle sind Baden-Württembergische Jazzpreisträger. RALF SCHMID: TTT ist eine echte Band. Wir haben in allen Lebenslagen zusammen musiziert, sind viel (viel!) gereist, haben viele Nächte durchdiskutiert, gekocht, gegessen, getrunken, uns herausgefordert und inspiriert. Wir kennen uns nicht nur musikalisch in und auswendig. Wir freuen uns heute immer noch riesig – nach so vielen Jahren –, uns zu treffen, was mit unseren vollen Terminkalendern gar nicht mehr so einfach ist. Als Studenten haben wir angefangen, sind dann in die Welt aufgebrochen, haben in New York gelebt, auf allen Kontinenten gespielt, Familien gegründet und insgesamt acht Kinder (schon ziemlich) groß gezogen. Wir haben als Solokünstler alle drei den Landesjazzpreis BaWü bekommen und als Trio 1999 den damals renommiertesten deutschen Jazzpreis „Hennessy Jaz Search“. TORSTEN KRILL: Das Tales In Tones Trio ist ein Pianotrio, das aus drei guten Freunden besteht, die seit über 20 Jahren immer noch sehr gern zusammen Musik machen. Inzwischen spielen wir seit fast 14 Jahren nicht mehr im Trio, sondern arbeiten stattdessen sehr gern und so oft wie möglich mit dem Trompeter Joo Kraus zusammen und spielen immer wieder auch in weiteren Projekten, die aus dieser Zusammenarbeit resultieren. Wie ist Tales In Tone Trio entstanden? Wie habt Ihr Euch gefunden? VEIT HÜBNER: Ralf und ich haben uns zuerst gekannt. Wir haben 1990 gemeinsam begonnen, in Stuttgart Musik zu studieren und kannten uns schon über die Jazzszene in Konstanz und Ravensburg. Schnell hat sich an der Hochschule ein gemeinsamer Freundeskreis entwickelt. Torsten kam dann 1992 auch an die Hochschule, und da wir einen Schlagzeuger suchten, lag es nahe, Torsten zu fragen. RALF SCHMID: Immer wieder tauchte Torsten auf und er war einfach unser Lieblingsdrummer aus der Stuttgarter Studentenszene. Gründungszeitpunkt für mich war ein Moment ca. 1995, als Torsten und ich an der S-Bahn Station Stgt Hbf feststellten, dass wir beide unbedingt ein festes Trio gründen wollten, um eigene Kompositionen zu verwirklichen. Es war klar, dass da Veit unverzichtbar ist und so ging es los. Mit vielen, vielen Proben. TORSTEN KRILL: Ich habe Veit und Ralf 1994 während meines Studiums an der Musikhochschule in Stuttgart kennengelernt. Veit und Ralf kannten sich schon vorher. Ich bin der Jüngste im Bunde. Es war sehr schnell sowohl menschlich als auch musikalisch klar, dass das eine langfristige Zusammenarbeit werden würde.

Was bedeutet Tales In Tones Trio, die Zusammenarbeit für Euch? VEIT HÜBNER: Durch die langjährigen Konzerte und gemeinsamen Proben für verschiedenste Projekte sind wir musikalisch zu einer Einheit geworden. Wir wissen, wie der andere tickt, wir atmen zusammen, wir fahren zusammen in den Urlaub und sind politisch auch auf gleicher Wellenlänge. Das ist wie in einer gut laufenden Beziehung. Dadurch können wir auch musikalisch gemeinsame Geschichten erzählen. TORSTEN KRILL: Den tollen Kollegen menschlich und musikalisch absolutes Vertrauen entgegenbringen, um gemeinsam hoffentlich noch viele gute Zeiten vor, hinter und auf der Bühne zu verbringen. Mit dem Tales In Tones Trio ist für mich ein Traum in Erfüllung gegangen. Was für Musik macht Tales In To­ nes Trio? RALF SCHMID: Wir haben angefangen mit Piano Trio Jazz, inspiriert von Ahmad Jamal und Michel Petrucciani. Unsere erste CD „Time makes the tune“ 1998 war dann schon sehr persönlich, da waren nur Eigenkompositionen drauf, sehr fein ausgearbeitet, aber alles im weitesten Sinne Modern Jazz. Nachdem wir aus NY wieder da waren (ab ca. 2000) fuhren wir in die Toskana und erarbeiteten auf einem Bauernhof das Repertoire unserer zweiten CD „Sub Surface“. Die war schon rockiger, z. T. frei improvisiert. Ab dieser Zeit arbeiteten wir auch mehr und mehr als Trio für Solokünstler, da war von James Carter über Joo Kraus bis zu Nana Mouskouris Jazz-Revival einiges dabei! Heute würde ich sagen, machen wir ESSENTIELLE Musik. Kein Ton zu viel, im Zentrum Groove und Flow und ... Geschichten erzählen ... mit Tiefgang! TORSTEN KRILL: In der wunderbar erfüllenden Zusammenarbeit mit Joo Kraus die Musik, die uns gemeinsam viel bedeutet und uns dazu inspiriert hat, die Musiker sein zu können, die wir heute sind. Musik mit starker Betonung des Zusammenspiels und weniger der Solo-Exkursionen der Einzelnen, mit vielen Einflüssen aus guter Popmusik von den 1920er-Jahren bis heute, aber auch aus der improvisierten Musik und der klassischen Musiktradition. Wir versuchen mittels starker improvisatorischer Anteile diesem Klangbild unsere eigenen Farben hinzuzufügen, sowohl in Eigenkompositionen als auch in unseren Arrangements von Coverversionen. Tales In Tones heißt Geschichten in den Tönen. Auf Eurer Internet­ seite schreibt Ihr, das Tales In To­ nes mithilfe der Musik große und kleine, wilde und ruhige, rätsel­ haft mystische und natürlich wun­ derschöne Geschichten mit Happy End, aus fernen Welten oder aus dem Hier und Jetzt erzählt. Das macht neugierig. Was sind das für Geschichten? Gebt doch mal eine zum Besten!


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men! Ohne Zeit sparen zu wollen – es war dann einfach gut. Und kam auf Platz 1 der Jazz-Albumcharts! VEIT HÜBNER: Jeder von uns hat seinen Hintergrund. Als Kind bin ich in einem Musiker-Haushalt groß geworden, in dem viel Klassik, Kammermusik und Sinti und Roma Musik praktiziert wurde. Torsten kam mehr aus der Rockmusik und Ralf wuchs mit Pop und Jazz auf. Über die vielen Jahre haben wir einen gemeinsamen Musikgeschmack entwickelt. Jeder hat selbstverständlich auch noch andere musikalische Projekte und bringt seine Erfahrungen in unser gemeinsames Spiel mit ein. Dadurch entsteht unser gemeinsamer Klang, jeder komponiert für die Band und bei der Umsetzung der Kompositionen bringen die anderen ihre Erfahrungen und Ideen auf ihrem Instrument mit ein. TORSTEN KRILL: Musikalisch verbinden uns der gegenseitige Respekt und die Akzeptanz der Stärken und Schwächen der einzelnen Bandmitglieder. Wir haben gelernt, das Beste aus dieser Mischung so unterschiedlicher Musiker herauszuholen, so, wie es unseren Möglichkeiten eben entspricht. Die Unterschiede sind mir persönlich nicht wichtig, viel wichtiger ist das Herausarbeiten der Gemeinsamkeiten. Die Programme werden inzwischen oft bei mir im Tonstudio während einer Aufnahmesession entwickelt und ausprobiert, so können wir gleich hören, in welche Richtung sich das Ganze klanglich entwickeln könnte.

VEIT HÜBNER: Ich habe ein Stück für unser Trio geschrieben mit dem Titel: „Parent´s Trust“. Meine Eltern waren Schulmusiker und haben mich und meine Geschwister immer unterstützt. Ich habe das bei vielen Freunden und Musiker-Kollegen schon ganz anders erlebt! Für viele Menschen ist das Musiker-Dasein verbunden mit unsicherem Einkommen, es gilt als brotlose Kunst, Luxus, welchen man nicht benötigt. Für mich und meine Familie ist es Seelen Nahrung und Freude bereiten. Zum 60. Geburtstag meiner Eltern wurde diese Hommage uraufgeführt. TORSTEN KRILL: Der gemeinsame Weg ist das Ziel. Meine „Tales In Tones“-Geschichte ist die des stetigen Ringens um das Festhalten am Beschreiten eines gemeinsamen Weges mit Ralf, Veit und Joo, trotz aller Unterschiede, terminlicher Probleme und des zu meisternden Alltags.

Diese, zumindest für mich, äußerst abwechslungsreiche und spannende Geschichte möchte ich noch sehr lange weitererzählen können und ich bin sehr glücklich, dass ich sie schon so lange miterzählen durfte. Was verbindet und unterscheidet Euch musikalisch und wie entwi­ ckelt ihr die Programme von Tales In Tones Trio?

Tales In Tones Trio ist die Basis für viele musikalische Formatio­ nen. Mit wem habt ihr schon alles zusammen gespielt? Wer gehört zur „Family“? RALF SCHMID: Ich würde sagen, der Allerengste ist Joo Kraus. Dann ist wichtig Johannes Enders, zu fünft haben wir einiges gemacht, unter anderem das reine Improprojekt „MUSIKFREIZEIT“, bei dem wir ein Wochenende lang geschwiegen haben und rein improvisierte Musik aufgenommen haben. Wir haben mit vielen anderen berühmten und nicht berühmten Künstlern gearbeitet, u. a. mit Michael Brecker, Pee Wee Ellis, Horst Jankowski, Nana Mouskouri, Herbie Hancock, NDR-, HR- und SWR-Big Band, RSO Stuttgart, Berliner Philharmoniker, Giora Feidman, Herb Ellis, Ack van Rooyen, Charlie Mariano, Randy Brecker, Richie Beirach, Joo Kraus, Johannes Enders, CŽcile Verny, Ron Spielman und vielen weiteren. Was oder wer war das Highlight für Euch und wer steht noch auf Eurer Wunschliste?

unseren Weg kreuzen mag, ist herzlich willkommen, sie oder er muss einfach nur gut zu uns passen. Wann und wie kam Joo Kraus dazu? RALF SCHMID: Ich hatte mit Joo schon ein paar Jahre gearbeitet, ca. ab 2001 und ein erfolgreiches Album mit der SWR Big Band aufgenommen: Public Jazz Lounge, dafür gab es u. a. den German Jazz Award. Es war einfach nur logisch, dass Joo und TTT irgendwann zusammenkommen würden, mir war von Anfang an klar, dass die Vibes so was von stimmen. Wir sind alle ambitionierte Musiker ohne Stilgrenzen, interessiert an Tiefgang, an Politik, an großen Ideen und Initiativen, an gutem Essen etc. Und an unseren Familien! Seit Joo dabei ist, besteht der TTT-Nachwuchs aus elf Kindern, das ist in unserem Geschäft eine Seltenheit, aber gerade das macht uns aus: Wir sind Familienmenschen. Was bedeutet Joo Kraus für Euch und das Tales In Tone Trio? Ihr seid viel zusammen auf Tour, ob als Trio und/oder im Duo oder je­ der von Euch. VEIT HÜBNER: Joo Kraus gehört in der Zwischenzeit zur Familie. Wir treten heute nur noch selten im Trio auf, zum einen, weil die Veranstalter ungern ein Klavier-Trio buchen (ohne Bläser oder Sänger), zum anderen weil es mit Joo einfach großartig ist! Er hat sich nahtlos in unsere Geschichten mit eingefügt und ist eine große Bereicherung für unsere menschliche und musikalische Weiterentwicklung! TORSTEN KRILL: Eine absolute Bereicherung! Seitdem wir ihn kennen, gibt es das Tales In Tones Trio am liebsten nur noch in der „Plus Joo“Version. Am 15.4. im Rahmen der 30. In­ ternationalen Theaterhaus Jazz­ tage Stuttgart feiert Ihr mit Joo Kraus die Joo Kraus Birthday Gala anlässlich seines 50. Ge­ burtstags im letzten November. Welche Geschichten, welche Ei­ genkomposition habt Ihr ihm zu seinem 50. geschenkt? VEIT HÜBNER: Die neue CD Joo Jazz (im November 2016 erschienen) ist für mich die musikalische Essenz, die uns alle im Moment bewegt. Das ist das Geschenk, mit dem wir jetzt auf Tour gehen und immer wieder das Publikum begeistern dürfen. TORSTEN KRILL: Wir haben ihm eine gemeinsame Reise übers Wochenende zum Betrieb des von uns sehr geschätzten Unternehmers Heini Staudinger in Österreich geschenkt. Diese Reise werden wir im November zusammen mit unseren vier Familien antreten. www.talesintonestrio.de Veit Hübner www.einhaldenfestival.de www.veithuebner.de www.foaie-verde.de

RALF SCHMID: Das geht unfassbar schnell. Wir treffen uns, tauchen in die Musik ein und haben in Kürze völlig eigene Versionen mit Potenzial zur Tongeschichte zusammen. Das Album mit Joo Kraus, „Songs from Neverland“, haben wir in zwei Tagen konzipiert, arrangiert und aufgenom-

RALF SCHMID: Das Highlight ist immer jetzt! Und das ist gerade eben JOOJAZZ, unser aktuelles Album. TORSTEN KRILL: Für mich ist die Zusammenarbeit mit Joo das Highlight. Ansonsten bin ich wunschlos glücklich. Wer immer auch musikalisch

Torsten Krill www.torstenkrill.de www.frimfram.de Ralf Schmid www.ralfschmid.de www.pyanook.com www.bossarenova.com


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Tales In Tones Trio | Joo Kraus  |  9

© Chris Marquardt, www.chrismarquardt.com

Joo Kraus | 50

Wir stellten Joo Kraus anlässlich seines 50. Geburtstags und des Geburtstagskonzerts im Rahmen der 30. Internationalen Theaterhaus Jazztage einige Fragen.

© Chris Marquardt, www.chrismarquardt.com

Miles (Jack Black) sitzt im Film „Holidays“ am Klavier, beginnt zu spielen und sagt zu Iris (Kate Winslet): „Iris, if you were a melody … I used only the good notes“. Joo, wenn Du eine Melodie wärst … wie würde sie klingen? Auf jeden Fall Dur UND Moll, aber für mich würde eine einzige Melodie nicht reichen. Oder sie müsste schnell, hell, langsam, dunkel, chaotisch, melancholisch und lustig zugleich sein. „If I was a symphony...“ Welche MusikerInnen ha­ ben Dich am meistens be­ einflusst und geprägt? Wel­ chen Song würden sie Dir zum Geburtstag schenken? Am meisten haben mich Bands und Musiker aus meiner Jugend beeinflusst, oft weniger durch ihre Musik, als vielmehr durch ihre Haltung oder ihre Erscheinung – z. B. Supertramp, Earth, Wind and Fire, Tom Browne, Simon & Garfunkel, Al Jarreau ... Die haben auch beeinflusst, mit wem ich heute zusammen spiele. Und die Musiker, mit denen ich heute spiele, beeinflussen mich sehr, inwieweit ich mich traue, ich selbst in meiner Musik zu sein. Aber ich komme immer wieder auf meine „Roots“ zurück, habe eine eigene Roots-Playlist angelegt. Ich denke, man würde mir letzten Endes einen Earth, Wind and Fire Song zum Geburtstag spielen! Was würdest Du heute dem 20-jährigen Joo Kraus emp­ fehlen? Lass Dir nicht von Leuten zu viel erzählen, die viel quatschen. Hör denen zu, die weniger quatschen, die haben Dir

mehr zu sagen. Insgesamt: Mach noch mehr Dein Ding ... und lies keine Musikkritiken! Bringt nix! Was hat Dich dazu bewegt, das zu tun, was Du heute tust? Letzten Endes ist da vielleicht doch eine Kraft, die einen dazu bringen will, der zu werden, der man ist. Ein Grundbedürfnis von mir ist, eine Aufgabe zu haben, die mich morgens aus dem Bett holt. Dann fühle ich mich lebendig. Oder um es mit „Bagger Vance“ auszudrücken: „In allen von uns steckt der einzig wahre, authentische Schwung. Etwas, womit wir geboren wurden. Etwas, das uns gehört, uns ganz allein. Etwas, das man nicht erlernen kann ... etwas an das man sich erinnern muss.“ Schön, nicht?

JOO KRAUS JooJazz CD: 0005-2KHA (LC: 52209) Veröffentlichung: 04.11.2016 Tracklisting: Awesome Baby I If You Wanna Get Down I Hitback! I In My Dream I On My Way Home I This Is How We Do It I 1815 I The Working Week I Celebrating Beauty In Slow Motion I Dreamland I Almost Porn I Am Fenster JooJazz JOO KRAUS Until Now... 2-CD: 0006-2KHA (LC: 52209) Veröffentlichung: 04.11.2016 Angefragtes Tracklisting: TINA TURNER: Thief Of Hearts I TAB TWO: Let It Flow I XAVIER NAIDOO: Bevor Du gehst JAZZKANTINE: Es ist Jazz I BAP: Amerika I DEPHAZZ: Death By Chocolate I MEZZOFORTE: It‘s A Funky Thing I PEE WEE ELLIS: Blue Bell Pepper I KATRIN SASS: Als ich fortging I KRAAN: Egyptian Cha Cha I SOULOUNGE: Do You u.v.a. live: I have something new for you to try. Popeye: That sounds great, I will get ready for it and you can give me your joojazz to try out.

Was hat Dir das Leben ges­ tern beigebracht? Dass man nicht alles planen kann ... Kind krank, Termine absagen ... die Sonne scheint trotzdem! Wenn Du für eine Tag den Platz mit einer Person tau­ schen könntest. Wer wäre das und warum? Am liebsten mit mir selber, wenn ich achtzig bin. Ich glaube, diese Version von mir würde mir Gelassenheit und Humor verordnen ... Warum sind Joo Kraus und Ralf Schmid, Thorsten Krill und Veit Hübner (Tales In Tones Trio) ein kongeniales Quartett? Zweitens, weil wir schon so lange zusammen Musik machen, erstens, weil wir Freunde sind.


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AkiRissanenTrio © Teemu_Kuusimurto

Dalindeo © Miikka_Pirinen

R.Björkenheim eCsTaSy © Stefan Bremer

Bremen

jazzahead! 2017 FINNLAND UND KINDER IM FOKUS

12. internationale Jazzfachmesse kündigt Programm an: Neues Symposium, Themen der Szene und Preis für deutschen Jazzjournalismus Vom 27. bis 30. April findet die jazzahead! in Bremen statt. Die internationale Fachmesse setzt in ihrer 12. Ausgabe Schwerpunkte mit dem Partnerland Finnland, einem Symposium zum Thema „Jazz und Improvisation für Kinder“, der Exportplattform „German Jazz Expo“ und weiteren szenerelevanten Themen. Die Messe selbst verzeichnet ein Wachstum bei Teilnehmern aus Zentraleuropa und geht von einem leichten Anstieg der allgemeinen Teilnehmerzahlen aus.

MESSE MIT PARTNERLAND FINNLAND Das Partnerland der jazzahead! 2017 ist Finnland und so steht die finnische Jazzszene im Fokus der Fachmesse, die von Donnerstag, 27. April, 15 Uhr bis Sonntag, 30. April 2017, 12 Uhr in der Messe Bremen stattfindet. Das messeintegrierte Showcase-Festival beginnt am 27. April mit der Finnish Night, bei der acht Bands die aktuelle Szene des nordischen Partnerlandes repräsentieren. Auf dem Programm stehen unter anderem Aki Rissanen, dessen neue Platte „Amorandom“ gerade mit dem Emma Award als bestes finnisches Jazzalbum prämiert wurde, das Kari Ikonen Trio und Dalindèo.

JAZZ, KINDER UND DIE ZUKUNFT SYMPOSIUM „IMPROVISATION UND JAZZ FÜR KINDER“ AUF INTERNATIONALER FACHMESSE JAZZAHEAD! IN BREMEN

Für Finnland ist die Einladung, als Partnerland der jazzahead! 2017 ins Rampenlicht der internationalen Szene gerückt zu werden, zu einem besonderen Moment gekommen, denn das Land feiert in diesem Jahr seine 100-jährige Unabhängigkeit. Und die gilt seit mindestens 50 Jahren auch für die eigensinnige und vitale Jazzszene Finnlands. Die Partner Country Lounge und der finnische Gemeinschaftsstand auf der Messe sind Orte, um sich über die finnische Szene zu informieren. Gefeiert wird auch auf einem Food Garden mit Sauna vor dem Kulturzentrum Schlachthof, der neben finnischem Street-Food auch preisgekrönten finnischen Gin bietet.

Mit einem Symposium am 27. April 2017 wird das Thema „Improvisation und Jazz für Kinder“ am Eröffnungstag der jazzahead!, der weltgrößten Jazzmesse, in Bremen gemeinsam mit der Szene beleuchtet, diskutiert und vorangetrieben werden. Kinder sind ein lebendiges, ehrliches, anspruchsvolles, begeisterungsfähiges und neugieriges Publikum. Das passt zum Jazz, denn dessen Spiel zwischen Kopf und Bauch liebt und braucht solche Zuhörer. Obwohl Jazz durch die Kunst der Improvisation ein großes Potenzial hat, gibt es kaum Jazz­ angebote für Kinder. Das Potenzial zu nutzen und dafür Weichen zu stellen, haben sich nun Partner der Initiative „Improvisation und Jazz für Kinder“ vorgenommen.

„Die finnische Jazzszene war immer speziell: Gleichzeitig rau und zart, breitgefächert und vor Energie berstend, melancholisch und mit einem Sinn für Humor. Das ist vor allem einer neuen Generation zu verdanken, die wirklich etwas zu sagen hat, und die sich der einzigartigen Tradition von Edvard Vesala bis hin zu finnischem Tango annimmt. Und auch über den Jazz hinaus werden wir Finnland und sein vielseitiges kulturelles Leben in den Bereichen Musik, bildende Künste, Architektur, Literatur oder Theater präsentieren. Es gibt so viel Neues und Aufregendes aus Finnland zu entdecken!“, sagt Peter Schulze im Namen der künstlerischen Direktion der jazzahead!. Programm und alle Künstler: www.musicfinland.com/en/events/2017/jazzahead-2017

Fotos: © Jan Rathke

Wir befragten Sybille Kornitschky, Projektleiterin jazzahead! Bremen. Das diesjährige Symposium anlässlich der jazzahead! 2017 steht unter dem Titel „Im­ provisation & Jazz für Kinder“. Wie kam es zu dem Thema und was verbirgt sich dahin­ ter? Der Anstoß zu diesem Thema kam aus BadenWürttemberg von Professor Mini Schulz. Dort werden seit Jahren sehr erfolgreich Hunderte von Konzerten unter dem Titel „Jazz für Kinder“ in Clubs, Schulen und weiteren Locations veranstaltet. Mini Schulz trat mit der Frage an uns heran, ob wir uns dieses Themas vertiefend annehmen würden, um die Bedeutung einer größeren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Es war ihm eine Herzensangelegenheit und die stoß auf unseren Wunsch, genau da tätig zu werden. Denn auch

wir verfolgen seit Jahren mit einem Jazz for Kids Programm eine einfache Heranführung an diese Musik, die den Kern unserer Arbeit bei der jazzahead! ausmacht. So initiierten wir einen ersten „Runden Tisch“ im Rahmen der jazzahead! 2016 mit einem geladenen Expertenkreis, aus dem heraus wir die ersten Ziele bezüglich der Fragestellungen, Schwerpunkte und Zielgruppenansprachen für unsere zukünftige Arbeit und das Ziel der Realisierung eines ersten öffentlichen Symposiums formulierten. Aus der Idee wird nun Realität und wir laden Fachleute aus verschiedenen Disziplinen wie Pädagogen, Ausbilder, Musikvermittler, Musiker und Veranstalter sowie Förderer und Bildungspolitiker ein, sich zum Thema Improvisation und Jazz für Kinder am 27. April 2017 anlässlich der Fachmesse jazzahead! in Bremen zu versammeln. Ihnen selbst liegt das Thema sehr am Her­ zen! Warum? Dafür gibt es vielfältige Gründe: Das hat was mit meiner eigenen Schulzeit zu tun und dem, was ich daraus mitnehmen konnte in Sachen Jazz. Das hat aber vor allem auch etwas damit zu tun, dass ich selbst zwei Töchter habe und sehe, was in Schulen so los ist oder eben nicht, sicherlich auch, weil ich mich im Rahmen der Elternarbeit über viele Jahre engagiert habe. Es ist erschreckend zu sehen, dass wir über große Problemfelder sprechen wie Integration, Inklusion oder andere Kompetenzfelder, die als wichtig erklärt werden, gleichzeitig aber den musischen und künstlerischen Fächern zum Teil immer weniger Bedeutung beigemessen wird. Und dann ist da auch noch ein ganz anderer, eher aus meiner Tätigkeit bei der jazzahead! erwachsener Grund, der mich für dieses Thema brennen lässt: Ich konnte feststellen, dass Jazz in anderen europäischen Ländern viel mehr ein Thema der Alltagskultur ist und habe mich gefragt, woher das eigentlich kommt. Ich bin persönlich davon überzeugt, dass dies etwas mit der Vermittlung dieser

Musik auf allen Ebenen zu tun hat. Auch schon zu Schulzeiten, denn da erwachsen auch Vorlieben oder auch mit dem, was wir, ob als Kinder oder später, geboten bekommen, über unsere Medienwelt. Wenn da Jazz keine gute Rolle spielt, kann das Thema auch keine Relevanz in unserem Alltag haben. Warum ist musikalische Bildung, der Jazz, die Improvisation für Kinder so wichtig? Jede Form von kultureller Bildung, was Musik, Tanz, Theater, Malerei und Literatur angeht, ist gerade heute in der digitalen Welt und den neuen Medien, in der gemeinschaftliche Erlebnisse zunehmend fehlen, von besonderer Bedeutung. Jazz mit seinem Schwerpunkt auf Improvisation ist die ideale Musikform für frühkindliche musikalische Erziehung und Bildung in der besonders wichtigen Altersgruppe von 3 bis 10 Jahren. Beim Improvisieren können Kinder spielerisch erste positive Erfahrungen machen, sie müssen keine Noten können, um sich auszuprobieren. In Beziehung auf Sozialverhalten, Selbstbewusstsein, Integration und Kommunikation hat all dies positive Auswirkungen. Kinder erleben etwas, was sich nachweislich positiv auf ihre körperliche, geistige und soziale Entwicklung auswirkt. Was erwarten die Besucher des Symposiums? Es wird Impulsvorträge, Workshops und Diskussionsforen geben, also Elemente zum Zuhören und Mitwirken. Und natürlich werden wir mit einem interaktiven Konzert für Kinder das Tagessymposium starten. Damit wollen wir das Thema setzen. Das Schöne ist, wir müssen das Konzert gleich zweimal geben lassen, denn die Nachfrage der Schulklassen ist überwältigend groß. Anmeldung und Programm: www.jazzahead.de/symposium


ELLA | arttourist.com JAZZ & Neue Musik | 2017

jazzahead! | Bezau Beatz  |  11

Bezau (A)

10 Jahre Bezau Beatz 10.–12. August 2017 Bremen

jazzahead! 2017 Partnerland Finnland Wir sprachen mit Kalle Kalima, dem in Berlin lebenden finnischen Gitarristen, über die Jazzszene in Finnland, dem Gastland der diesjährigen jazzahead!. Finnland ist das diesjährige Part­ nerland der jazzahead!, was erwar­ te die Besucher? Was zeichnet den Jazz aus Finnland aus? Die Bands, die in Bremen spielen werden, präsentieren ein breites Spektrum des Jazz. Es gibt Gruppen, die sich eher im Mainstream bewegen und es auch sehr gut machen, und es gibt Bands, die z. B. etwas Exotisches anbieten, wie z. B. Gourmet. Diese Band mischt u. a. 50 Jahre Rock’n’Roll und Exotica mit verschiedenen Jazzelementen.

Fotos: © Bezau Beatz

Fotos: © Thomas J. Krebs, Jazz Photo Agency

dieser Marsch von Sibelius, „Marsch der Jäger“, ist einfach schön. Sie selbst haben Finnland Richtung Berlin verlassen. Was waren die Gründe? Berlin hat eine fantastische Jazzszene und auch sonst ist die Stadt einfach eine Oase für Kultur. Die offene Haltung regiert zum Glück immer noch hier.

Im letzten Jahr erschien Ihr Album „High Noon“ bei ACT Music. Nicht umsonst trägt das Album den Titel eines Films. Wor­ Man hört immer um geht es auf und wieder vom finni­ Ihnen mit „High schen Tango. Tango Noon“? würde man nicht Auf diesem Album sofort mit Finn­ spiele ich bekannte land in Verbindung Country-Nummern, bringen. Was hat aber auch zwei finnies damit auf sich? sche Kompositionen Angeblich gab es in (Sibelius und Saloden 1920ern eine Gipfeltreffen dreier Jazz-Cowboys: maa). Salomaa war argentinische Tan- Kalle Kalimas Streifzug durch die ein finnischer Holzargoband in Finnland. Western & Country Music. Konzeptionell dicht und aufs Wesentliche reduziert. beiter in den USA in Die waren so erfolg- Mit Greg Cohen und Max Andrzejewski. den 1930ern. Seine reich, dass auch finMusik war eine Mischung von finnischer nische Musiker angefangen haben, TanVolksmusik und Blues. Der Bassist Greg gos zu spielen und zu komponieren. Es Cohen, der auch z. B. mit Tom Waits ist eigentlich eine Mischung aus slawigearbeitet hat, hat maßgeblich zu Reschem Schlager und Tango. Alles bleibt pertoire und Arrangements beigetragen. in Moll. Das Beste daran ist: Es wird Idee war, Folkmusik in einer frischen Art eher gelaufen als getanzt. und Weise zu spielen. Da sind auch einige Filmsongs komponiert von Dimitri Welchen Stellenwert hat Jazz in Tiomkin. Interessant, dass der größte Finnland? Wie sind die Arbeits- und Western Composer ein russischer EinRahmenbedingungen für Jazzmusi­ wanderer war. ker? Es gibt dort viel Unterstützung vom Staat und von der Gemeinde für Kultur. Kalle Kalima (*1973) ist einer der inTrotzdem bleibt Finnland ein kleines teressantesten finnischen Vertreter Land und die Szene ist recht übersichtder europäischen Jazzszene. In Kalilich.  mas Musik finden sich Elemente von Jazz und Rock auf interessante Art Was sind Ihre Jazz Hotspots, Orte, und Weise zusammen. AusschlaggeClubs und Festivals in Finnland? bend ist jedoch Pori Jazz und Tampere Jazz Happening eine gehörige sind die wichtigsten Festivals dort. Es Portion Verrücktgibt insgesamt nur circa 15 Jazzclubs in heit – finnische Finnland.  Kreativität eben. Der in Berlin Wie viel Sibelius steckt in jedem fin­ wohnende Ginischen Musiker und auch in Ihnen? tarrist und KomIch war auf dem Sibelius Gymnasium ponist hat vor und habe an der Sibelius Akademie stuseinem Studium diert. Sibelius ist der einzige finnische an der Berliner Superstar-Komponist. Er ist allgegenHanns Eisler Muwärtig. sikhochschule auch an der SibeliusAuf meinem neuen Album „High Noon“ Akademie in Helsinki studiert. gibt es eine Fassung von einem Marsch von Sibelius. Das Stück habe ich in der www.kallekalima.com Armee gelernt, als ich in der Kapelle Becken gespielt habe. Ich fand die Musik dort ehrlich gesagt ganz widerlich, aber

Zehn Jahre ist es nun her, dass 2008 kein Geringerer als Philipp Fankhauser die Bezau Beatz am Dorfplatz Bezau musikalisch erweckte. Mittlerweile haben so klangvolle Namen wie Peter Evans, Barry, Altschul, Jean Paul-Bourelly, Billy Martin, Steven Bernstein, Wolfgang Muthspiel, Steve Swallow, Adam Nussbaum, Gwy-

lim Simcock, Bombino, Tony Scherr, Trixie Whitley u. v. a. Bezau besucht. Es hieß in einschlägigen Feuilletons, Bezau würde sich zu einem neuen Zentrum für improvisierte Musik entwickeln und das European Jazz Network hat Bezau Beatz letztes Jahr als eines der schönsten Sommerfestivals erwähnt. Das 10-Jährige wird

Hättest Du gedacht, nach den beiden ersten Festivals, den Widerständen, der kräftezehrenden und zeitinten­ siven Überzeugungsarbeit, dass Du die 10 erreichst? Das ist gar nicht so leicht zu beantworten. Ich muss kurz in mich gehen (schmunzelt) … Ganz ehrlich: Mir sind diese Zeitsprünge unheimlich. Wenn ich zurückdenke, dann kommt es mir vor, als ob der Alfred Vogel von damals eine ganz andere Person war als heute … und gleichzeitig dann doch nicht. Irgendwie zieht sich bei mir ein gewisses intuitives Verhalten durch mein Leben. Es gibt Situationen, da fühlt sich etwas „richtig“ oder „stimmig“ an. Vor ca. 17 Jahren hatte ich ein zündendes Erlebnis in New York. Eine Bekannte meinte damals auf mein Bedauern, in Bezau sei nix los: „If there is nothing happening in Bezau then you gotta make it happen!“ typisch amerikanisch … und als der Bürgermeister (sieben Jahre später, aber doch schon nach einigen kulturellen Akzenten meinerseits …) damals auf mich zukam und mir das Angebot machte, habe ich rasch reagiert. Meine Bedingung war damals, dass ich eine Garantie auf drei Jahre wollte – die bekam ich. Und mittlerweile sind es eben zehn geworden. Der wichtigste Schritt war allerdings, dass wir vom Dorfplatz und der usrpünglichen Juli/August-Konzertreihe auf ein komprimiertes Wochenende im August gewechselt sind und verbunden damit auch in die neue Location, die Remise des Wälderbähnles. Das hat der ganzen Sache einen spürbaren Schub nach vorn gegeben. Aber es ist nicht so, dass man weniger Überzeugungsarbeit leisten muss. Die wirtschaftlichen, sozialen und politischen Veränderungen spielen auch eine Rolle. Und eine Kulturarbeit, die heute in einer vom Mainstream geprägten Zeit alternative Inhalte anbietet, ist immer herausfordernd.  Jedenfalls zeigt sich mittlerweile, dass die Bezau Beatz ein Profil entwickelt haben. Die Aufgabe liegt nun darin, einem gewachsenen Anspruch gerecht zu werden und sich dabei nicht zu wiederholen. Langsam traue ich mich zu behaupten, dass das Bezau Beatz-Publikum Vertrauen gewonnen hat in unser Programm und bereit ist für die Überraschungen. 

in diesem Jahr gefeiert. Alfred Vogel hat erneut ein tolles und spannendes Konzert- und Rahmenprogramm zusammengestellt. www.bezaubeatz.at Wir sprachen mit dem Festivalgründer und Künstlerischen Leiter Alfred Vogel.

Ist das Festival in Bezau, in Vorarlberg angekommen? Die Jazzszene schwärmt eh! Wir haben letztes Jahr mit den freiwilligen Helfern ein gemütliches Abendessen organisiert und da ist mir doch recht warm geworden ums Herz: Es waren insgesamt um die 20 Personen, Gemeindebedienstete und deren Angehörige, also Kinder und Ehegatten, die mittlerweile hinter den Kulissen richtig zupacken. Richtig professionell und inspirierend ist mittlerweile die Zusammenarbeit mit dem WITUS (Büro für Wirtschaft und Tourismus). Die hatten ursprünglich nicht wirklich FesitvalErfahrung und bringen sich mittlerweile toll ein. Da spüre ich also eine große Akzeptanz. Und dann merke ich auch, dass vor allem bei ein paar jüngeren, jugendlichen Bezauern eine regelrechte Begeisterung entsteht. Nebst einem Stamm-Publikum aus der Gegend gesellen sich nach und nach immer neue Gesichter aus nah und fern dazu – der geografische Kreis wird größer. Es kommen Leute aus dem Dreiländer-Eck vom ganzen Bodenseeraum, aus dem Rest Österreichs, aber auch teilweise aus Belgien, Frankreich oder etwa aus dem Norden Deutschlands. Und klar freut es mich, dass wir bei Künstlern so einen guten Ruf genießen. Ich hoffe, das sorgt für Nachhaltigkeit, denn wenn es den Künstlern gefällt, wenn die sich wohlfühlen, dann springt der Funke auch aufs Publikum über. Was erwartet die Besucher beim Jubiläum „10 Jahre Bezau Beatz“? Wir haben insgesamt 16 Acts auf drei Tage verteilt. Das besondere dabei ist, dass immer genug Platz ist, den Tag und das Tal auch zwischen den Programm-Punkten zu genießen. Es gibt wie gewohnt die Abendkonzerte in der Remise und am Freitag die kultige DJ-Fahrt mit dem Wälderbähnle. Weiter haben wir ein schönes Rahmenprogramm in der Umgebung von Bezau: Am Donnerstag werden wir zum Abschluss in der Klosterkapelle ein schönes Mitternachtskonzert mit zwei Singer-Songwritern haben. Außerdem bespielen wir eine Alpvorsäß-Hütte in Schönenbach, das „Rüttinger Kirchele“, am Dorfplatz – wo alles begann – wird der Bezau Beatz Störtrupp ein Morgenkonzert zum Freitags-Markt spielen. Es gibt wieder die beliebte, öffentlich zugängliche JäzzSpätzle-Veranstaltung auf Baumgarten (in 1650 m Höhe) und ein Konzert in einer zur Kultur-Bühne umfunktionierten alten Säge. Musikalisch spannen wir den Bogen von kreativer Improvisationsmusik über Jazz&Soul oder etwa Neuer Musik bis zu Singer-Songwritern. Das ist alles sehr eklektisch, hat aber immer Tiefgang. Und natürlich feiern wir unser Jubiläum mit einem richtigen Star: Lisa Simone, Tochter der legendären Nina Simone beehrt uns am Freitagabend mit ihrer fantastischen Band aus Frankreich. Sie wird ihrem Ruf als wahre „Princess of Jazz&Soul“ wahrhaftig gerecht! Künstler wie Stian Westerhuus, Mats Gustafsson, Josh Dion oder der britische Barde Charlie Cunningham werden für den nötigen Schliff sorgen … Wir sind schon in voller Vorfreude auf das Publikum und die Künstler!


12  |  Enjoy Jazz | Jazz Festivals

ELLA | arttourist.com JAZZ & Neue Musik | 2017

Jazz Festivals © Stigers_Meyer

Allensbach Jazz am See wird 20

Matana Roberts © Adonis Malamos

Heidelberg | Mannheim | Ludwigshafen

Das Jahrhundert des Jazz 2.10. – 11.11.2017 | 17. Enjoy Jazz 2017 „Wir sind keine zornigen jungen Männer, wir sind rasend vor Wut.“ Der Satz von Archie Shepp klang nicht nur so scharf wie eines seiner Saxophonsoli. Er war auch genau so gemeint. Die Avantgardisten der 1960er-Jahre radikalisierten die bislang gewohnten Formen des Jazz; ihre Mittel setzten sie wilder und maßloser ein, auch um den weißen, Jazz als Unterhaltung goutierenden Hörern die Ursprünge dieser Musik unmissverständlich klarzumachen. Ihr Auftreten war ein heilsamer Schock. Und ihre Musik war es nicht minder. Es ging um viel, es ging um alles. Auch im Jahr 2017, welches das Jahrhundert des Jazz markiert, gilt nach wie vor: Der Jazz bezieht seine Glaubwürdigkeit aus dem Leben selbst. In diesem Sinne hat sich das Enjoy Jazz Festival immer auch als eine Bühne verstanden, die nicht nur musikalische Könner, Strömungen und Genres präsentiert, sondern auch nach der gesellschaftlichen Verankerung der Musik fragt. Ja, der Jazz ist schon immer ein Soundtrack der Freiheit. Sein Schlüsselelement ist die Improvisation, die aus dem Augenblick für den Augenblick entsteht – auch wenn sie in ihren besten Momenten weit darüber hinaus wirkt. Die große Kraft, die man der Musik zuschreibt, liegt genau in dieser Beschwörung des Augenblicks. Denn: Wenn nur der Augenblick zählt, kann sich oder lässt sich in diesem Augenblick auch alles ändern. Deshalb gibt es kaum eine politische oder soziale Bewegung, keine zwischenmenschliche Verbindung ohne eigenen Soundtrack, ohne „unser Lied“. Auffällig viele jener, die sich dieser Dimension des Jazz verpflichtet fühlen, kann man immer wieder beim Enjoy Jazz Festival hören. Und das ist gewiss kein Zufall. Sonny Rollins sagte unlängst in einem Interview: „Es geht nicht darum, ob der Jazz politisch sein will. Er ist es. Und er wird es immer sein. Er ist eine ganz eigene Geschichte der Integration. Dadurch bezeichnet der Jazz an sich bereits eine gewisse menschliche Freiheit.“ Und nach einer kurzen Pause fügte der große

Es begann 1998 mit einem Konzert mit der Musikerlegende Charlie Mariano, der dann bis zu seinem Tod regelmäßiger Gast bei Jazz am See in Allensbach war. Viele weitere unvergessliche Konzerte mit beeindruckenden Künstlern aus der ganzen Welt folgten. Allensbach bot über die letzten 20 Jahre immer wieder Raum für musikalische Entdeckungen und Überraschungen. Ein kleines, feines und internationales Programm, das Raum für musikalische Grenzgänge gibt, fern jeglicher Banalität, wurde von Sabine Schürnbrand vom Kultur- und Verkehrsbüro Allensbach entwickelt. Von Anfang an stand JAZZ am SEE für außergewöhnliche musikalische Grenzgänge, Begegnungen verschiedener Kulturen und Genres, aber auch großer Stimmen des Jazz. Dafür hat sich die Reihe einen renommierten Platz in der Jazzszene geschaffen. Und das wird im nächsten Jahr im charmanten, kleinen Allensbach groß gefeiert. Überraschungen vorprogrammiert. www.allensbach.de/Kultur

Andreas Schaerer © Reto Andreoli Cécile McLorin Salvant © Christian Gaier

Tenor-Saxophonist, der hoch betagt noch bei Enjoy Jazz auftrat, hinzu: „Eine Freiheit, die oft nicht erwünscht war.“ Dieser „oft nicht erwünschten Freiheit“ räumt das Programm von Enjoy Jazz immer wieder bewusst viel Raum ein. Manch einer wird sich noch erinnern: Als der in Paris lebende Archie Shepp im Jahr 2015 das Abschlusskonzert bei Enjoy Jazz bestritt, war das genau einen Tag nach den Pariser Anschlägen mit 130 Toten. Archie Shepps Orchester hatte damals allergrößte Probleme, überhaupt anreisen zu können. In dieser von Wut und Verunsicherung geprägten Situation fand der mittlerweile ebenfalls betagte Shepp Worte von nahezu universeller Gültigkeit, die sich im Anschluss auch in seiner Musik am deutlichsten entfalteten. Was Shepp damals in Wort und Ton auf die Bühne brachte: Unsere Handlung sollte immer unserer Haltung folgen, nicht umgekehrt. Genau hierfür will das Festival für Jazz und anderes ein Sinnbild sein. Und damit nicht zuletzt einem Jahrhundert Jazz und den ihn ermöglichenden Musikern Tribut zollen. Enjoy Jazz.

Berlin FESTIVAL JAZZDOR BERLIN // N°11 // KESSELHAUS Kulturbrauerei

Das Team Jazzdor Berlin hat wieder eine musikalische Wundertüte gefüllt. Dieses Jahr mit dabei sind u. a. Andreas Schaerer (Hildegard Lernt Fliegen), Michael Wollny, Vincent Peirani und Émile Parisien mit ihrem neuen Projekt „Out of Land“. Louis Sclavis, der großartige, französische Klarinettist, stellt das Jazzdor Ensemble vor. Der Schlagzeuger Dejan Terzic trifft mit seiner Band Melanoia auf das französische Quartet Quator IXI. Das bewährte Konzept mit deutsch-französischen Bands und aktuellen Projekten aus der französischen (Jazz-)Musikszene wird also auch 2017 fortgeführt. Übrigens gibt es eine gute Möglichkeit, die Wartezeit bis Juni zu überbrücken: Es sind zwei neue Ausgaben der jazzdor series (4 + 5) erschienen. 30.5. – 2.6.2017 www.jazzdor-strasbourg-berlin.eu

Dresden JAZZTAGE DRESDEN 2017 – WORLD & VISION

Das Festivalmotto LIVING LEGENDS bescherte dem Festival-

Geratsreute Einhaldenfestival 2017

Das Einhaldenfestival ist ein familiäres Kulturprojekt, tief verwurzelt in der Region Oberschwaben. Trotzdem – oder gerade deswegen – ist die Bühne mitten im ländlichen Grün ein Lieblingsplatz

Ascona (CH)

© JazzAscona

New Orleans am Lago Maggiore

www.enjoyjazz.de

Bonn Jazzfest Bonn Jazz in seiner ganzen Vielfalt

Roberts Matana © Willfried Heckmann

Klazz Brothers & Cuba Percussion TANGO MEETS CUBA Original © Mirko Jörg Kellner_0326

jahrgang 2016 nicht nur einige wahre Legenden auf den JazztageBühnen – über den Verlust von Al Jarreau trauern die Jazztage gemeinsam mit Musikern und Musikliebhabern in der ganzen Welt und sind froh und dankbar, ihn in einem seiner letzten Konzerte noch hier in Dresden zu Gast gehabt zu haben. Das Festivalmotto zog sich wie ein roter Faden durch das Festivalprogramm, bezog sich neben den Künstlern auf der Bühne auch auf deren Programme und Bezüge zu Musikern von J.S. Bach bis zu Michael Jackson. WORLD & VISION wird das Programm der Jazztage in diesem Jahr insbesondere auch in den Bereich der sog. Weltmusik führen. Auch zu diesem Genre ist der Übergang von Haus aus fließend und wird im Zuge des Festivals in unterschiedlichen Arten beleuchtet und bearbeitet werden. Hierzu gibt es erstmalig eine größer angelegte Kooperation mit „Musik zwischen den Welten“. VISION lenkt den Blick auf die hinter dem direkt hör- und erfahrbaren Konzerterlebnis liegende Intention und Vision des Künstlers und soll ganz universell über den konkreten Kunstbezug hinaus dazu anregen, den Blick und die Vorstellung über seinen eigenen Erlebnis- und Erfahrungshorizont hinausgehen zu lassen. Neues und Unbekanntes zuzulassen, bislang Undenkbares zu denken und damit möglicherweise die Tür zu ganz neuen kreativen Welten zu öffnen. Das künstlerische Portfolio des diesjährigen 17. Jahrgangs der Jazztage Dresden wird in Einklang mit dem Festivalmotto große Stars der Musikszene ebenso wie nationale und europäische Größen vereinen, zugleich aber auch aufstrebenden Talenten aus der Region und national ein Podium bieten. Die Jazztage Dresden erfreuen uns in diesem Jahr mit großartigen Künstlern wie Ute Lemper, Chick Corea, Estas Tonnè, Curtis Stigers, Klazz Brothers & Cuba Percussion, Al Di Meola und Rebekka Bakken. 2. – 26.11.2017 www.jazztage-dresden.de

JazzAscona ’17 Ellen Andrea Wang © SolveigSelj JFB2017

Archie Shepp 2015 © Christian Gaier

im Telekom Forum. An diesem Abend tritt die Sängerin und Schauspielerin Jasmin Tabatabai mit ihrem Quartett auf, im zweiten Teil heizt die Band Jazzkantine ein mit Jazz, Soul und Rap. An den folgenden Tagen werden weltbekannte Jazzmusiker und aufregende Neuentdeckungen in Doppelkonzerten zu erleben sein. Darunter ist die stimmgewaltige Soul-Sängerin China Moses, die im Doppelkonzert mit der WDR Big Band am Samstag, 13. Mai in der Universität gastieren wird. Ebenfalls in der Universität stellt die norwegische Sängerin Rebekka Bakken gefühlvolle Balladen und berührende Songs vor in einem Doppelkonzert mit der Kölner Band Tubes & Wires um Niels Klein (Universität, 14. Mai). Ein Ausnahmetalent an der Gitarre, Kurt Rosenwinkel, erleben Sie am Samstag, 20. Mai im Haus der Geschichte, an einem Abend mit der famosen Schweizer Formation Hildegard Lernt Fliegen (Foto). Wenige Tage später, am Donnerstag, 25. Mai, gastiert der ehemalige Pianist der Sängerin Adele, Neil Cowley, mit seinem Trio im LVRLandesMuseum; vorher ist die Pianistin Rita Marcotulli mit dem Akkordeonisten Luciano Biondini zu erleben. Neue Klang-Dimensionen verspricht der Abschlussabend in der Bundeskunsthalle: Ellen Andrea Wang (Foto) begeistert mit Singer-Songwriter-Ästhetik und Rock-Energie, das Marius Neset Quartett spielt wunderbar melodiöse Klänge von bisher ungehörter Intensität. 12. – 27.5.2017 www.jazzfest-bonn.de

Gefühlvolle Balladen und dynamische Klangwelten beim 8. Jazzfest Bonn. In wenigen Wochen wird Bonn zum achten Mal zum Pilgerort für Jazz-Freunde: Das Jazzfest Bonn bietet im Mai innerhalb von drei Wochen zwölf Konzerte von hoher künstlerischer Qualität. Das Festival startet am 12. Mai mit einem großen Eröffnungskonzert

33. JazzAscona: Vom 22. Juni bis zum 1. Juli treten über 30 Bands am Ufer des Lago Maggiore auf. Das vielfältige Programm zeigt die facettenreiche Musikszene von „postKatrina“-New Orleans. Einige Highlights dürften Jon Cleary, Glen David Andrews, Nina Attal, Paolo Belli und Serena Brancale setzen. Der Swiss Jazz Award für das Lebenswerk geht an Bruno Spoerri. Für Stimmung sorgen werden auch die Hommagen an Ella Fitzgerald, Fats Waller und Louis Prima, Jam-Sessions und Brass-Paraden. Eine spezielle Band und eine CD sollen der an Alzheimer erkrankten Lillian Boutté helfen. RSI Rete Uno und Rete Due übertragen mehr als 40 Stunden vom Festival, bei dem auch die louisianische Küche wieder zu genießen sein wird. 22.6. – 1.7.2017 | www.jazzascona.ch


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Jazz Festivals | 13

Hildener Jazztage

Wynton Marsalis

„Regentropfen auf Rosen, knuspriger Apfelstrudel und beigefarbene Ponys“ – in dem berühmten Song „My Favorite Things“ geht es um Erinnerungen, die uns wieder mit dem Leben versöhnen, wenn wir traurig sind. Zu den „Lieblingsdingen“ zahlreicher Musikfans zählt zweifellos ein Festival, das seit mehr als zwei Jahrzehnten mit Künstlern auf Top-Niveau begeistert: Die Hildener Jazztage, deren 22. Auflage in diesem Jahr vom 13. bis zum 18. Juni startet. Das Erfolgsrezept der Veranstalter, hochtalentierte Newcomer, routinierte Meister ihres Fachs und internationale Stars auf die Bühne zu bitten, verspricht erneut Musikgenuss pur. Ein Highlight in diesem Jahr: der Auftritt des berühmten Ausnahmemusikers Manu Katché im Rahmen der legendären „International Jazznight“. Auf welche Konzerte die Besucher sich noch freuen dürfen, zeigt der folgende Programmüberblick: The New Richie Beirach Tio / Manu Katche & Band / Datfunk feat. Reiner Witzel / Kinga Glyk & Band / Matthias Nadolny & Bob Degen / Stefan Bauer & Michael Heupel / Billmen feat. Klaus Osterloh / Recall / Inga Lühning / André Nendza/ Axel Fischbacher / Heinrich von Kalnein/ Pascal Bartoszak Quartett / Metromara / Talking Horns / Joscha Ötz & Urban Cycles / Eh´ Neeky /Konstantin Reinfeld & Mr. Qilento / Max Peters Group 13. – 18.6.2017 | www.hildener-jazztage.de

Hamburg ELBJAZZ 2017

Beim ELBJAZZ ist der Hamburger Hafen Kulisse für ein einmaliges Musikereignis: Tausende von Besuchern begeistern sich seit 2010 für eines der größten europäischen Jazzfestivals, bei dem das unverwechselbare maritime Flair der Hansestadt auf spektakuläre

© www.dariodumancic.de

Per Barkasse können die Besucher zwischen der Elbphilharmonie und Blohm+Voss pendeln. Alternativ wird ein Bus-Shuttle zwischen Elbphilharmonie und den Landungsbrücken angeboten – von dort ist das Werftgelände innerhalb weniger Gehminuten durch den Alten Elbtunnel bequem zu Fuß zu erreichen. 2. – 3.7.2017 | www.elbjazz.de

19. Oktober eröffnet. „ARTet“ steht gleichzeitig für die Band und das Projekt des brasilianischen Saxophonisten Márcio Tubino. Er hat namhafte brasilianische Musiker, die in Deutschland leben, für seine Konzerte um sich geschart. Die Stücke schaffen eine Verbindung von traditionellen Elementen des südamerikanischen Jazz mit modernen Elementen, die in ARTet Manier genrefrei und grenzenlos mit einfließen dürfen, können und sollen – eine groovige Globalisierung! Das Stefanie Tornow Quartett folgt am 20. Oktober. Als wesentliche Inspirationsquelle nennen die Künstler das Great American Songbook. Die Wiederentdeckung teils rarer Stücke aus diesem Fundus und deren gehaltvolle Interpretation ist ein besonderes Anliegen des Stefanie Tornow Quartetts. Dabei beschränken sich die Musiker nicht auf die Klassiker, sondern setzen mit eigenen Kompositionen den Weg von Legenden wie Frank Sinatra fort. Heraus kommt dabei ein Mix aus den Bereichen Swing, Latin, Rhythm & Blues und Songs mit eigenem, gefühlvollem, transparentem und groovigem Sound. Den Abschluss des Hauptprogramms bildet am 21. Oktober die Band Justyn Tyme. Die Band aus München spielt seit

Holzkirchen 6. Holzkirchner Blues- und Jazztage in Oberbayern

Electric Blues, Great American Songbook, Groove Jazz, Jazz do Brasil und vieles mehr: Die 6. Holzkirchner Blues- und Jazztage, eine Veranstaltung der Bürgerstiftung Holzkirchen, bieten ein reichhaltiges musikalisches Spektrum. Das Hauptprogramm wird von Márcio Tubino und seinem quARTet am

© Marcio Tubino

Pat Metheny

© Manu Katche

Hilden

hochkarätiger Virtuosen und Charakterköpfe aus dem Südwesten Deutschlands und der ganzen Welt. Wie immer wird das Einhaldenfestival auch 2017 wieder zum Auftakt der badenwürttembergischen Sommerferien stattfinden – vom 27. bis 30. Juli. Das Line-up kann sich wie immer sehen lassen. Mit dabei sind unter anderem die HübnerBrüder mit der Jazz-Legende Richie Beirach und einem Programm zu dessen 70. Geburtstag, der Gipsy-Geiger Roby Lakatos, „fastest-fingered fiddler in the world“ (Daily Telegraph), der Hip-Jazz-Trompeter und EchoPreisträger Joo Kraus mit seinem neuen Projekt „Joo Jazz“, die Acappella-Formation „Unduzo“, Gewinner des Kleinkunstpreises Baden-Württemberg 2016, das Comedy-Trio „Eure Mütter“ und natürlich „Berta Epple“ – die Nachfolgeband der WeltmusikCombo „Tango Five“, die das Einhaldenfestival 2003 mit ins Leben gerufen hat. 27. – 30.7.2017 www.einhaldenfestival.de

Veranstaltungsorte und musikalische Vielfalt trifft. Wie in den Vorjahren können sich die Besucher im nächsten Jahr auf zwei Tage mit spannenden Auftritten hochkarätiger, internationaler Künstler und die ganze Bandbreite des Jazz freuen. Neuer Spielort in 2017 ist die frisch eröffnete Elbphilharmonie. Damit gruppieren sich die diversen In- und Outdoorbühnen erstmals um zwei Festivalzentren: Das beeindruckende Konzerthaus mit dem angrenzenden Areal und das Werftgelände von Blohm+Voss. Ein Reservierungssystem ermöglicht den ersten 8.000 Ticketinhabern, ein Konzert in der Elbphilharmonie während des ELBJAZZ zu besuchen.

Mo 20.11.17

Corea/Gadd

Band

So 11.2.18 Jazz at Lincoln Center Orchestra with

Wynton Marsalis

22. Konzertsaison, 2017/18

TONHALLE MAAG ZÜRICH

Sa 10.3.18

Al Di Meola

Acoustic Duo Matthieu Michel/Heiri Känzig Duo

5 Konzerte im Abonnement

Mi 11.4.18

Anouar Brahem

feat.

Saison 2017/18

Jazz im KKL Luzern

Mittwoch 25.10.17 19.30 Uhr An Evening with

Pat Metheny

Sonntag 28.01.18, 18.30 Uhr

Biréli Lagrène Gipsy Quartet feat. Stochelo

New Project

Holland/Bates/DeJohnette Sa 12.5.18

Stacey Kent

& l’Orchestre de Chambre de Genève

Rosenberg

Montag 26.3.18 19.30 Uhr

Gregory Porter

Donnerstag 26.4.18 19.30 Uhr

The Count Basie Orchestra www.allblues.ch www.ticketcorner.ch


14  |  jazzopen Stuttgart | Jazz Festivals

ELLA | arttourist.com JAZZ & Neue Musik | 2017

© Ghost Town_Pressefoto

Schaffhausen (CH)

28. Schaffhauser Jazzfestival

Be Jazz - be open jazzopen stuttgart 2017 Rund 30 Konzerte in 10 Tagen auf 6 Bühnen mit ca. 40.000 Besuchern TOM JONES 2017

Soulmusiker Michael Kiwanuka und Jazz-Pianist Chilly Gonzales auf. Erneut bespielt wird auch die Liederhalle. Hier laden Wayne Shorter und Chucho Valdés zur langen jazznight. Zum Festival-Auftakt wird erneut die German Jazz Trophy im Eventcenter SpardaWelt verliehen – dieses Jahr an Abdullah Ibrahim – weitere Konzerte geben hier Manu Katché & Christian McBride, das frisch gegründete Ensemble und Snarky Puppy Spin off Bokanté und Yellowjackets sowie die Allotria Jazz Band & Royal Groovin’ mit Bandleader Karl Friedrich von Hohenzollern. Außerdem präsentiert am 11. Auf der Hauptbühne des FesJuli ein hochkarätiges 10-köptivals im Ehrenhof des Neufiges Ensemble mit „Jazz – en Schlosses werden vor der The Story, 100 Jahre Jazzgeeindrucksvollen Kulisse des schichte“ eine multimediale Stuttgarter Schlosses einmalige Performance, die sich ganz Konzertabende zu erleben sein: © Norah Jones der Jazzgeschichte widmet. Norah Jones & Jamie Cullum Wie immer als Herzstück des eröffnen am 12. Juli gemeinsam Festivals präsentiert der BIX die Schlossplatz-Bühne. Am 14. Jazzclub über die gesamte FesJuli laden Buddy Guy, Steve tivaldauer ausgesuchte KünstWinwood und Beth Hart geler in intimer Atmosphäre, meinsam zu einer Blues-Rockdarunter Isabella Lundgren, Night und am 16. Juli wird Joey DeFrancesco oder MelinMusiklegende Quincy Jones gego. Als besonderes Highlight meinsam mit George Benson, wird 2017 auch die DomkirDee Dee Bridgewater, Jacob Colche St. Eberhardt von Jason lier, der SWR Big Band und dem Moran bespielt. Monsignore Stuttgarter Kammerorchester Dr. Christian Hermes, Stadtdeden Abend gestalten. Außerkan der katholischen Kirche in dem werden Weltstar und EnStuttgart, wird das Konzert mit tertainer Tom Jones am 15. Juli Quincy Jones - © Greg Gorman Lesungen unter dem Motto „I und Jan Delay mit seiner Disko had a dream – gelebte Nächstenliebe und ToNo.1 & Friends feat. Denyo und Samy Deluxe leranz“ begleiten. am 13. Juli auf dem Schlossplatz auftreten. Die jazzopen sind in zwei Jahrzehnten eines der wichtigsten und attraktivsten Festivals Deutschlands geworden und stehen in Europa als Marke mit Strahlkraft gleichberechtigt neben anderen großen Jazzfestivals wie Montreux, Rotterdam oder Vienne. Vom 7. bis 16. Juli präsentiert das Festival unter dem Motto „Be Jazz - be open“ an 10 Tagen und auf sechs Bühnen zum 24. Mal Künstler internationaler Klasse der Jazz-, Blues-, Soul- und Pop-Szene und verwandelt so die Landeshauptstadt wieder in einen Hotspot für Musikfans.

„Damit werden die jazzopen 2017 ein Stück weit zu ‚Jones-Festspielen‘“, so Jürgen Schlensog, Promoter des Festivals. „Wir schmunzeln selbst ein wenig über die Namensgleichheiten im diesjährigen Line-up, das mit Norah, Quincy und Tom dem Namen Jones alle Ehre macht“. 2017 wird erstmals der Innenhof des Alten Schlosses (Open Air) zur jazzopen-Bühne. „Wir freuen uns sehr, neben dem Neuen Schloss nun auch das Alte Schloss bespielen zu dürfen. Ein solch geschichtsträchtiger Ort bietet mit seinem prachtvollen Arkadenhof eine tolle Kulisse für jazzopen-Konzerte“, so Schlensog. Dort gastieren Lee Ritenour & Dave Grusin, Bob Geldof, Jazzlegende Herbie Hancock und Kamasi Washington. Doch die 24. Auflage des Festivals, das von der Sparda-Bank Baden-Württemberg, Allianz Deutschland, Mastercard und BMW unterstützt wird, hat noch einiges mehr zu bieten: Zum zweiten Mal wird das Scala Ludwigsburg als Festivalbühne mit dabei sein. Hier treten der

Auch der Nachwuchs hat seinen festen Platz im Festivalprogramm: Am Sonntagvormittag des 9. Juli gibt es bei „Jazz für Kinder – Family Matinée“ in der SpardaWelt Programm für die kleinen Gäste mit anschließendem Trickfilmworkshop, in Kooperation mit dem Internationalen Trickfilmfestival. Zum 9. Mal werden 2017 außerdem im Rahmen des Projekts „Playground BW“ Nachwuchsbands zur Eröffnung einiger Abende auf die großen Bühnen eingeladen. „Wir freuen uns auf ein ausgewogenes Programm zwischen Jazz und anderen Genres und auf über 30 hochkarätige Konzerte … und wer die Zeit bis zum Festival überbrücken möchte, dem kann ich unsere neue Doppel-CD ‚jazzopen Vol 2‘ empfehlen: Das Doppelalbum präsentiert einen einmaligen Querschnitt von 26 Künstlern und Songs, die in den letzten acht Jahren mit teilweise einzigartigen und legendären Auftritten die jazzopen bereichert haben“, so Schlensog.

Im Mai wird Schaffhausen zum 28. Mal zur Hauptstadt des aktuellen Schweizer Jazz. Highlights aus den regionalen Szenen wurden sorgfältig ausgewählt und in einen aktuellen Kontext gestellt. Vom 10. bis 13. Mai 2017 zeigt das Festival eine spannende Momentaufnahme des Schweizer Jazz. Auch wird wieder über Jazz debattiert, nämlich an den 14. Schaffhauser Jazzgesprächen unter der Leitung der jungen Basler Saxophonistin und Big Band Leaderin Sarah Chaksad. 10. – 13.5.2017 | www.jazzfestival.ch

nunmehr 25 Jahren in weitgehend gleicher Besetzung zusammen und hat gerade die siebte CD veröffentlicht. Treibende Grooves voller Energie, ausgefeilte Bläsersätze der beiden Saxophonisten und abwechslungsreiche Kompositionen ausnahmslos aus eigenen Federn sind die Markenzeichen des Sextetts. 17. – 20.10.2017 | www.h-jazz.de

Leipzig Leipziger Jazztage

In ihrer 41. Ausgabe präsentieren die Leipziger Jazztage vom 12. bis 21. Oktober 2017 ein Programm

© Pat Metheny

mit knapp 30 Konzerten, das um den vielseitigen Gitarrensound im zeitgenössischen Jazz kreist. An zehn Spielorten vom

photo basel photo basel June 14 – 18 June 2017 14 – 18 2017

Switzerland‘s first art fair dedicated to photography based art

Switzerland‘s first art fair dedicated to photography based art

Szeneclub bis zum Opernhaus gastieren Pat Metheny, Egberto Gismonti (mit Maria João), Gilad Hekselman, Jakob Bro, Tobias Hoffmann u. a. – außerdem bereits bestätigt ist die französische Funk- und Nu-Jazz-Band Electro Deluxe. Der Vorverkauf für „An Evening with Pat Metheny“ (21. Oktober, Opernhaus) hat bereits begonnen. Das vollständige Festivalprogramm wird bis Ende Mai veröffentlicht. Ein Jahr nach dem großen Festivaljubiläum präsentiert der Jazzclub Leipzig e.V. 2017 ein Programm rund um jenes Ins-

Volkshaus Basel Rebgasse 12 – 14 4058 Basel Switzerland

Volkshaus Basel Rebgasse 12 – 14 4058 Basel Switzerland

© PUTPUT, Popsicles, 2012, Courtesy Galerie Esther Woerdehoff © PUTPUT, Popsicles, 2012, Courtesy Galerie Esther Woerdehoff

Stuttgart


ELLA | arttourist.com JAZZ & Neue Musik | 2017 trument, das wie kein anderes unser heutiges Verständnis von zeitgenössischer und populärer Musik geprägt hat: die Gitarre. Neben diesem thematischen Schwerpunkt stehen zwei Zentralgestirne der Jazzgeschichte im Mittelpunkt einmaliger Sonderkonzerte: John Coltrane und Thelonious Monk – der eine starb vor 50 Jahren, der andere wurde vor 100 geboren. Innerhalb des Festivals gibt es traditionell ein „Jazz für Kinder“-Konzert, die „Jazzelectric Night“ sowie die Verleihung des Leipziger Jazznachwuchspreises und des BMW Welt Young Artist Jazz Awards mit Preisträgerkonzerten. 12. – 21.10.2017 www.jazzclub-leipzig.de/jazztage

St. Wendel WND JAZZ 27. Internationale St. Wendeler Jazztage

Jazz verbindet, öffnet Augen und Ohren für Neues, schafft eine intensive Atmosphäre, trifft Kopf und Bauch und vermittelt zwischen den Kulturen. Zum 27. Mal wird St. Wendel im Saarland zum Mekka der Jazzliebhaber: Die St. Wendeler Jazztage stehen für ausgefeilte Programme zu moderaten Ein-

Timmendorfer Strand

Vulcain Jazz Classics | Jazz Festivals  |  15

Phronesis Foto © Peter van Breukelen

trittspreisen. Das Konzept mit wechselnden Akzenten und der Einbindung der regionalen Jazzszene wurde von Anfang an offen angenommen. Die intime Atmosphäre und ein engagiertes Team machen WND JAZZ bis heute zum Erfolgsmodell. Guter Ton und motivierende Beleuchtung vermitteln die Konzerte europäischer Spitzenensembles in gewohnter Qualität, in diesem Jahr mit dem Schwerpunkt Piano: Ketil Björnstad solo (N) Jasper van’t Hoff – Tony Lakatos (NL/H) Klavier-Trio Phronesis (DK/S/GB) & hr-Bigband (D), Stimmakrobat Andreas Schaerer – Perpetual Delirium (CH), Jazz for kids (D) und zum Abschluss eine Big BandGala anlässlich des 35-jährigen Jubiläums der St. Wendeler Big Band Urknall mit Gästen. 8. und 15. – 17.9.2017 www.wndjazz.de

Michael Wollny © Joerg Steinmetz

JazzBaltica

„Komm mit ans Meer“, heißt es in diesem Jahr bereits zum sechsten Mal, wenn JazzBaltica vom 23. bis zum 25. Juni auf dem Gelände der Niendorfer Evers-Werft und im Niendorfer Hafen der Gemeinde Timmendorfer Strand die Fahnen hisst. Auch 2017 richtet das internationale Jazzfestival seinen Blick auf die baltische und vielfach auch regionale Jazzszene, aber auch darüber hinaus. Neu hinzu kommt in diesem Jahr der „upptakt“, in dem Nils Landgren das Publikum in Lounge-Atmosphäre bereits am Abend vorher auf JazzBaltica einstimmt. Zu Gast sind JazzBaltica-bekannte Musikergrößen wie Michael Wollny und Peter Weniger in spannenden neuen Formationen und Powerfrauen des Gesangs wie Viktoria Tolstoy und Jasmin Tabatabai. Zu hören sind außerdem Bands, die sich auf geniale und spielerische Weise zwischen verschiedensten Musikstilen bewegen, zum Beispiel Jin Jim, Pixel und das Tingvall Trio. Zudem stellt die NDR Bigband mit ihrem Programm »Watt about« ihren neuen Leiter Geir Lysne bei JazzBaltica vor. Ein Muss ist auch die Dance Night, zu der in diesem Jahr die fünf Musiker von Mezzoforte einladen. Zum krönenden Abschluss spielt die Monika Roscher Bigband auf, deren Auftritte auch international längst Kultstatus erlangt haben. Neben den Konzerten auf der großen Bühne wird es ein kostenfreies Open-Air-Programm geben; auch der Eintritt zu den Konzerten @the beach und im JazzCafé ist frei. 23. – 25.6.2017 | www.jazzbaltica.de

Neustift Jazz and Wine Tour © Foto: Günther Pichler

Südtirol (I) Jazzfestival Alto Adige 2017

Musik zu Berge und im Tal, auf schönen Plätzen und an besonderen Orten in ganz Südtirol und das ganze zehn Tage lang: In knapp vier Monaten, am 30. Juni, fällt der Startschuss für das Südtirol Jazzfestival Alto Adige 2017. Zum diesjährigen 35-jährigen Jubiläum führt der Länderschwerpunkt in die Benelux-Staaten – und es gibt bei den rund 70 Konzerten wieder zahlreiche Neuigkeiten. Ganze 35 Jahre ist es schon her, dass ein beherztes Team rund um den Gründungspräsidenten des Vereins Jazz Music Promotion, Nicola Ciardi, das erste Jazzfestival Südtirols ins Leben gerufen hat – damals noch im bescheidenen Rahmen und auf die Landeshauptstadt Bozen begrenzt. „Nicola Ciardi hat sehr wertvolle Aufbauarbeit geleistet; Jazzmusik war damals in Südtirol kaum verbreitet und es galt, das Publikum nach und nach mit diesem Musikstil bekannt zu machen“, sagt Klaus Widmann, der dem Verein seit 2004 vorsteht und der das Festival auf ganz Südtirol ausgedehnt hat. „Wir wollten und wollen mit dem Jazzfestival möglichst viele Menschen – Einheimische wie auch Touristen – erreichen und ihnen eine musikalische Entdeckungsreise durchs ganze Land bieten. Heute kann ich sagen, dass dieses Konzept auf stetig wachsenden Zuspruch stößt“, freut sich Widmann. Insgesamt treten beim Jubiläumsfestival gut 130 Musiker aus vielen Ländern der Welt und auch aus Südtirol auf. Von Freitag, 30. Juni, bis Sonntag, 9. Juli, treten sie an 60 verschiedenen Orten Südtirols auf – darunter an Schauplätzen, die neu ins Festivalprogramm aufgenommen wurden. Insgesamt steht dem Publikum ein Mammutprogramm von 70 Konzerten zur Auswahl. Neu ist heuer u. a. auch eine Partnerschaft mit dem Kulturreferat München. In diesem Zusammenhang tritt beim heurigen Jazzfestival der letztjährige Gewinner des „LAG-Jazzpreis“ und Finalist beim „Junger Münchner Jazzpreis“, Leo Betzl, mit seiner Band „LBT“ (Leo Betzl Trio) auf. 30.6. – 9.7.2017 www.suedtiroljazzfestival.com

© Stacey.Black-dress.Paris

Zürich | Luzern | Genève

Vulcain Jazz Classics 22. Konzertsaison 2017/18

Erleben Sie im Rahmen der „Vulcain Jazz Classics“ die Jazz-Stars von heute! Das erste Jazzkonzert in der neuen Tonhalle Maag in Zürich, wo in den nächsten drei Jahren der Jazz die erste Geige spielen wird, ist gleich ein Paukenschlag: Die Corea/Gadd Band ist superb besetzt und groovt wie der Teufel. Und weiter geht’s in diesem Takt: Trompeten-Maestro Wynton Marsalis gibt sich 20 Jahre nach seinem letzten Zürcher Konzert im Opernhaus endlich wieder einmal die Ehre, natürlich im Kreise seines grossartigen Jazz At the Lincoln Center Orchestra. Al Di Meola machte sich weniger rar, im März 2018 spielt er bei uns jedoch erstmal im Acoustic Duo mit dem begnadeten Akkordeonisten Fausto Beccalossi. Natürlich gibt´s Astor Piazzolla-Stücke, aber auch welche von Lennon-McCartney! Die wohl hochkarätigste Besetzung seiner Karriere kündigt der hochgeschätzte Oud-Virtuose Anouar Brahem an: Sein neues Album stellt er an der Seite von Django Bates, Dave Holland und Jack DeJohnette vor. Und schliesslich die adrette Stacey Kent: Ihre „great American, French & Brazil“-Songs spielt sie erstmals mit grossem Orchester, dem Orchèstre de Chambre de Genève. – Aber auch das Programm im Konzertsaal des KKL Luzern kann sich sehen und hören lassen. Den Anfang macht der wohl beste Jazzgi-

tarrist der Gegenwart, Pat Metheny, mit neuer und stark besetzter Acoustic-Band. Es folgt der „Hot Club de France“ mit Biréli Lagrène’s Gipsy Jazz und Stochelo Rosenberg als Special Guest, die Jazzstimme der Stunde, Gregory Porter, und die swingendste Big Band der Jazzgeschichte, das Count Basie Orchestra. Das Programm der Vulcain Jazz Classics Genève wird im April 2017 bekannt gegeben. Die Konzertreihe  «Vulcain Jazz Classics»  wendet sich nicht nur an den Jazz-Intimus, sondern an ein breites, dem Jazz zugewandtes Publikum. Die weltbesten Jazzmusiker und -formationen konzertieren in der gediegenen Atmosphäre eines grossen (klassischen) Konzertsaals mit nummerierten Sitzplätzen sowie dezenter, der Saalakustik entsprechender Tonverstärkung. Der Organisator der «Vulcain Jazz Classics» in der ganzen Schweiz, die AllBlues Konzert AG Winterthur, führt pro Saison fünf Konzerte in der Tonhalle Zürich durch sowie – in Zusammenarbeit mit ihren lokalen Partnern – vier Konzerte im KKL Luzern und sechs Konzerte in der Victoria Hall Genève. www.allblues.ch

Wiesbaden JUST MUSIC '18 BEYOND JAZZ FESTIVAL WIESBADEN

Just Music versteht Jazz als Experimentierfeld, das die Genregrenzen hinterfragt und immer wieder verschiebt. Neue (komponierte) Musik, Elektronik, Noise, traditionelle Musik aus nicht westlichen Ländern verbinden sich hier mit improvisierter Musik – Beyond Jazz: dort, wo das aufregende Unbekannte beginnt. In der dreizehnten Ausgabe 2018 werden sechs Acts auf der Bühne stehen, ein Workshop und Podiums-Talk beleuchten das How-they-do-it. Veranstalter: JazzArchitekt und Kooperative New Jazz Wiesbaden. 23.–24.2.2018 www.justmusic-festival.de

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Jazz in der

20.05.2017 Tom Gaebel & His Orchestra 25.05.2017 Markus Stockhausen und Freunde 10.06.2017 Tigran Hamasyan 09.09.2017 Avishai Cohen Trio 19.11.2017 Thomas Quasthoff und Freunde 20.11.2017 Benjamin Clementine & Band 17.12.2017 Klaus Doldinger‘s Passport

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Und sie dreht sich doch Die Schallplatte ist zurück. Eine Reise zu Menschen, für die Vinyl viel mehr ist als ein Tonträger. Ihre Botschaft: Wer hören will, muss fühlen VON ANDRIAN KREYE

© Eilon Paz

Der Schlagzeuger und Chef der Heavy Metal-Band Metallica, Lars Ulrich, reagiert mit beneidenswerter Gelassenheit, wenn man ihn zu lange anstarrt. Er nickt dann verbindlich, als hätte man am Vorabend gemeinsam Biere getrunken und alles geklärt, was zu klären ist. Rockstar-Jiu-Jitsu. Dabei galt das Starren gar nicht ihm. Hinter seiner Tischrunde im Lokal am Pool des Phoenix Hotels in San Francisco stehen bis an die Decke Regale, die schier endlose Reihen Langspielplatten tragen. Mehr als zehntausend Alben sind es, vom honiggelbem Barlicht befunzelt, den Falz zum Betrachter gerichtet. Man

legt instinktiv den Kopf zur Seite, liest die Titel, ein Reflex, aus dem Nick Hornby einen ganzen Roman gemacht hat. „Platten sammeln ist nicht so wie Briefmarken oder Bierdeckel oder antike Fingerhüte sammeln“, heißt es in seinem Buch High Fidelity. „Da steckt eine ganze Welt drin, eine schönere, schmutzigere, gewalttätigere, friedlichere, farbenfrohere, schlüpfrigere, gemeinere und liebevollere Welt als die, in der ich lebe.“ Im Phoenix stehen die Stones, die Doors, die Supremes, der Soundtrack für den Erotikklassiker „Em-

manuelle“, Musik, die herauskam, als die Gäste hier noch jung oder klein oder gar nicht geboren waren. Wenn man irgendwann zwischen den Fünfziger- und Neunzigerjahren jung war, als Vinylplatten noch der Kern der Popkultur waren, sind das Schlüsselreize. Dann kommt schon beim ersten Blick auf die Regale die Erinnerung an das eigene Gefühl zurück, als jede Schallplatte eine Tür in eine neue Welt sein konnte. Für die Generation zuvor war das noch das Aufblättern eines Buches, für die Generation danach das Aufleuchten eines Computerbildschirms.

Die Erinnerung an Schlüsselplatten bleibt einem oft ein Leben lang. An das erste Album von Stephen Stills, das die Hippie-Mutter eines Schulfreundes aus Kalifornien mitgebracht hatte, mit dem Bild, auf dem er in Holzfällerstiefeln mit einer Gitarre im Schnee sitzt, und einer Musik, in der sich die Geschichte Amerikas in den Akkorden der Gospelorgeln und Countrygitarren verdichtete, in der sich plötzlich ein Land erschloss, in dem Rock eine Musik für Erwachsene und Teil der Kultur war. Oder Miles Davis’ „Bitches Brew“ mit eineinhalb Stunden bedrohlichem Wahnsinn aus Jazz, Rock und Lärm, der den

Kopf für immer freiräumte und auf die Spur zur Musik seiner Mitverschwörer brachte, zu den Platten von Wayne Shorter, Joe Zawinul und Jack DeJohnette. Oder das Sperrfeuer aus Bongotrommeln, Blondie, Rap und Disco, das der Hip-Hop-DJ Grandmaster Flash irgendwo in der South Bronx zusammengemischt hatte und das im Münchner Nachtclub wie eine Offenbarung wirkte, weil es zum ersten Mal im Leben eines Teenagers eine vollkommen neue Auffassung gab, was Musik sein kann. Es spielt gar keine Rolle mehr, ob man damals jung war oder später


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in den Endlosschleifen der digitalen Kultur aufgewachsen ist. Die Sehnsucht nach einer Zeit, die man gar nicht selbst erlebt hat, kann ebenso stark sein wie die nach der eigenen Jugend. Das mit dem popkulturellen Generationenkonflikt hat sich sowieso erledigt. Schallplatten waren die letzte Kluft. In Hollywood signalisierten sie als Requisiten bis vor Kurzem noch: Achtung! Alte Leute mit schwierigem Verhältnis zur Gegenwart. Man kann das in Filmen wie Quentin Tarantinos „Jackie Brown“ von 1997 nachsehen, oder in Terry Zwigoffs „Ghost World“ von 2001. Inzwischen sollen Schallplattensammlungen in Filmen wie Noah Baumbachs „Gefühlt Mitte Zwanzig“ oder dem Oscar-Liebling „La La Land“ jungen Leuten eine Aura von Substanz und Ernsthaftigkeit verleihen. Man hört viel über die Wiedergeburt der Schallplatte. Deswegen gäbe es eigentlich einiges zu klären mit Lars Ulrich. Der hatte seine Laufbahn im San Francisco der frühen Achtzigerjahre damit begonnen, Langspielplatten aufzunehmen, bevor die CD die LP vom Markt verdrängte. Später, zu Beginn der Nullerjahre, gehörte er dann zu den wütendsten aller Rockstars, als junge Programmierer ein paar Meilen weiter südlich begannen, Musik in Myriaden digitale Splitter zu zerlegen, die sie mit Teilchenbeschleunigern um die Welt katapultierten, die erst Napster, Limewire und The Pirate Bay hießen und heute Spotify und Apple Music. Ulrich tobte oft gegen die Kräfte des Fortschritts, die seinen Berufsstand, den des Musikers, infrage stellten. „Wir sind ja ziemlich impulsiv“, erinnerte er sich mal. „Wir sind dann sofort auf die losgegangen: Fick diese Typen. Lasst uns die fertigmachen.“ Er war einer der Ersten, die gegen Napster vor Gericht zogen. Es ist kein Zufall, dass sich Lars Ulrich im Phoenix so wohlfühlt. Das Phoenix ist ein ursprünglich schäbiges Motel im zweistöckigen Bungalow-Stil der Fünfzigerjahre, das ein Stanford-Studienabgänger namens Chip Conley vor 30 Jahren mit Möbeln der kalifornischen Moderne für durchreisende Rockbands herrichtete. Die Red Hot Chili Peppers sind hier oft abgestiegen, Linda Ronstadt und David Bowie. Als dann das Lokal am Pool vor fünf Jahren noch einmal renoviert wurde, kamen die Plattenregale. Es war Kalkül. Das Hotelgewerbe verkauft Dienstleistungen im oberen Preissegment damit, Gefühle und Stimmungen zu erzeugen. Die sollen darauf hinauslaufen, dass sich möglichst viele Gäste irgendwie zu Hause fühlen, denn nur dann kommen sie auch wieder. Deswegen gibt es im Lokal wie in so vielen anderen Boutique-Hotels einen offenen Kamin, eine Massivholzbar, Schummerlicht und modernistische Raumteiler. Heimeligkeit aber wird nicht wie üblich mit Bücherregalen simuliert, sondern eben mit einer Schallplattensammlung. Wenn es solch ein Monument der Vinylkultur gibt und davor auch noch einer sitzt, der die Kulturgeschichte der letzten Jahre auf einem Schlagzeug mitgeschrieben hat, sind Plattensammlungen dann nicht das zeitgenössische Äquivalent zur Gesamtausgabe, gebunden in Schweins-

alle Fotos: © Eilon Paz

Er selbst muss sich sowieso nie wieder Sorgen machen. Sein Privatvermögen soll bei 200 Millionen Dollar liegen. Das Geschäft hat sich von Napster und seinen Nachfolgern allerdings nie wieder erholt. Es gab zwar neulich erst Zahlen, nach denen in Großbritannien im Jahr 2016 erstmals mehr Vinylplatten als Downloads verkauft wurden. Das hat aber vor allem damit zu tun, dass die meisten Menschen Musik heute über die Flatrates der Streamingdienste hören. Auch wenn LPs ZuwachsraNoch mehr als diese Indizien erten von mehr als fünfzig Prozent pro zählen die Leidenschaften. Und Indizien findet man rasch. Die Jahr verzeichnen, sind sie mit weltdie sind groß. Vor allem bei MusiSammlerpreise für Original-LPs sind weit knapp mehr als 400 Millionen kern. Kaum ein Interview, bei dem so gestiegen, dass man schon von Dollar Umsatz pro Jahr im Vergleich das Gespräch nicht irgendwann „schwarzem Gold“ spricht. Ähnlich zum weltweitem Jahresumsatz der auf Schallplatten kommt. Über das steht es mit der Nachfrage nach neuMusikindustrie – immerhin macht Geschäft, das mit den LPs und CDs en Platten. Weswegen Presswerke in die noch 15 Milliarden aller Welt weit über KapaDollar – einfach nur das, zität ausgebucht sind. Der was Betriebswirtschaftler Gitarrist Jack White hat Stephen Stills sagt: freundlich „einen robusdeswegen neulich für sein MP3 – das ist, als ob man sich ten Nischenmarkt“ nenLabel Third Man Records acht Maschinen für die einen Degas als Postkarte anschaut. nen. Herstellung von VinylplatDabei kann man das Proten der Firma Newbilt aus blem mit dem Einbruch Deutschland importiert des Geschäfts auf den ersten Blick verschwand, wollen sie nicht reund im maroden Detroit ein ganerkennen. Wenn man zum Beispiel den. „Es ging uns beim Streit mit zes Presswerk bauen lassen. Bei der Stephen Stills besucht. Der lebt in Napster nie um Gier oder Geld oder Eröffnung am 25. Februar standen den Hügeln von Beverly Hills am Urheberrecht“, sagt Lars Ulrich die Neugierigen bis zu vier Stunden Coldwater Canyon. Um mal kurz die auch immer wieder. „Es ging uns Schlange, um einmal zu sehen, wie Preislage zu klären: Die Straße runimmer um die Entscheidungshodie Maschine das geschmolzene ter wohnt Jack Nicholson, die Straheit. Wer entscheidet, wie unsere PVC-Granulat zwischen die beiden ße rauf David Beckham. Fährt man Musik in die Welt kommt? Wir, die Formen gießt, die mit viel Lärm von durch das Tor der mannshohen MauMusiker? Oder irgendwelche Kerle, Hydraulik zusammengepresst werer um sein parkähnliches Grunddie wir gar nicht kennen und die den, bis dann die mattschwarz glänstück, führt eine weit ausladende uns nie gefragt haben?“ zende Scheibe herausgehoben wird. leder? Schnell den flüchtigen Gedanken mitsamt einem Schnappschuss des Plattenregals ins soziale Netzwerk gestellt, schon sprudelt eine warme Welle der Zuneigung aus dem Smartphone. Grund genug, der Frage genauer nachzugehen, ob die Wiedergeburt der Langspielplatte eine Trotzreaktion eines Kulturbetriebs im digitalen Zeitalter ist oder ob da nicht sehr viel mehr, am Ende sogar eine echte Erweiterung des Kulturkanons, dahintersteckt.

In der Fotogalerie C/O Berlin ist derzeit die furiose Ausstellung „Total Records“ zu sehen, in der die Kunstgeschichte der Schallplattencover aufgerollt wird. Es gibt sogar einen weltweiten Feiertag für Plattenläden, den „Record Store Day“ (in diesem Jahr am 22. April). Und in Bob Dylan hat im vergangenen Jahr einer den Literaturnobelpreis bekommen, dessen Gesamtwerk fast ausschließlich auf Vinyl geschaffen wurde.

Kurve auf ein Rondell vor einem Landhaus mit teichgroßem Swimmingpool. Nicht schlecht für einen Musiker, der gemeinsam mit Neil Young die Band Buffalo Springfield gründete und 1967 in Woodstock mit Crosby, Stills, Nash & Young am letzten Abend der Festivalheadliner war, aber in mehr als fünfzig Jahren Musikmachen nur einen einzigen Song in den Top Ten platzieren konnte („For What It’s Worth“, ein Protestsong von Buffalo Springfield, der zur Hymne der Hippiebewegung wurde). Stephen Stills will also nicht darüber reden, dass die Vinylplatte mal Herz einer Industrie war, in der man auch ohne Hits reich werden konnte. „Warum löchern Sie mich so?“ Er will auch nicht über die Gruselgeschichten des digitalen Zeitalters sprechen, von Bands wie Grizzly Bear, die in den Top Ten stehen und sich nicht einmal eine Krankenversicherung leisten können. „Jetzt lassen Sie mich doch mal in Ruhe.“ Er zeigt aber schon bald eine der analogen Bandmaschinen her, auf denen er heute wieder aufnimmt. Und dann kommt der Wutausbruch. „Ihr lasst euch alle berauben!“, brüllt er. „Berauben! Nur für die Bequemlichkeit! Eine Beleidigung ist das für jeden Künstler!“ Man sorgt sich ein wenig, wie sich der beleibte Herr in Rage schimpft. Andererseits wird man gerade weiter angeschrien: „Das


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ist, als ob man sich einen Degas auf einer Postkarte anschaut! Da sind noch zehn Prozent vom Ton übrig, der mal geschaffen wurde! Bullshit ist das! Aufhören muss das! Du bist doch Deutscher! Hör dir mal eine eurer Symphonien auf Platte und dann als MP3 an! Wenn du da keinen Unterschied hörst, bist du taub!“

Spielen so viel wichtiger ist als das, was bei zeitgemäßen Produktionen Tonspur für Tonspur aufgenommen und dann zusammengebaut wird. Das Studio Krause wirkt wie eine dieser Kommandobrücken in den Raumschiffen früher Science-FictionFilme. In der Mitte leuchten die Anzeigen des Mischpults. An den Wänden stehen veraltete Elektrogeräte mit entsprechenden Namen, ein Roland Space Echo, ein Moog Prodigy-Synthesizer. An die andere Wand hat Studiochef und Toningenieur Jan Krause Albumcover gehängt. Als Inspiration. Jazzplatten von Archie Shepp und von den Black Jazz- und Strata East-Labels, die auf dem Sammlermarkt mehrere Hundert Euro wert sind. Vinyl – bei Roberto Di Gioia breitet sich zum Thema so-

ter. Ganz leise hört man hinter den Basslinien das Schlagzeug und ein wenig das Saxofon. Fehler dürfen die Musiker bei einer solchen Aufnahme nicht machen. Machen sie natürlich trotzdem, aber das macht auch den Reiz des Unmittelbaren aus. Beim Abmischen kann man dann allerdings nicht mehr viel ändern.

Krause kann erklären, warum einem Man muss sich das gar nicht im VerMP3-Dateien so auf die Nerven gegleich anhören. Unten in Los Anhen. Das liegt keineswegs daran, geles kann man das in jeder Filiale dass irgendwelche Frequenzen fehder Kaffeehausketten nachvollzielen. Nein, das gesamte Spektrum hen, wenn ein MP3-Spieler jedwevom tiefsten Bass bis zu den höchsde Musik auf ein nervtötendes „ffft, ten Höhen bleibe auch bei diesem ffft, ffft“ reduziert, zu dem hin und Format erhalten. Man müsse MP3 wieder ein „mpf, mpf, mpf“ dazumit einem digitalen Foto vergleikommt, wenn der Filialleiter einen chen, bei dem man in niedriger AufSubwoofer eingebaut hat. lösung die Pixel erkennen kann. Die Man kann das auch nachmessen. Da Schallwelle einer Vinylschallplatte käme dann heraus, dass es doch sehr erscheint im Messgerät als viel mehr als zehn Prozent gerundete Kurve. Bei digivom Klangspektrum sind, talen Aufnahmen zerteilt die ein MP3-Spieler wiedergibt, dass das Format mit Besser ein „Boom!“ und ein „Whaam!“ der Computer das Tonsignal in winzige digitale den besten Messwerten statt eines mickrigen Einheiten, die er dann in die CD ist und die gefühl„ffft!“ und „mpf!“ Treppchenform zu einer te Wärme von LangspielWelle anordnet. Auf einer platten damit zu tun hat, CD sind diese Treppchen dass die Frequenzen im so engmaschig angeordBassbereich und die Trennnet, dass das menschliche Ohr die fort ein Strahlen auf seinem Gesicht schärfen so unsauber sind. Schlauer Täuschung nicht mehr wahrnimmt. aus. „Es gibt so etwas wie ein kollekmacht einen das auch nicht. Mit solJe stärker aber die Datei für eine tives Bedürfnis“, sagt er. „Damals in chem Technikgeschwätz versuchten MP3-Datei komprimiert wird, damit den Siebzigerjahren haben alle Leute einem früher der Elektromarktvermöglichst viele Daten zum Beispiel plötzlich Olivenöl gekauft, das bis käufer eine überteuerte Stereoanlage auf ein Smartphone passen, desto dahin in Deutschland kaum zu haanzudrehen. grobstufiger werden diese Treppben war. Jetzt wollen alle plötzlich chen. So entsteht jene nervtötende Musik auf Vinyl hören.“ Fragt man jemanden, der sich ausSchärfe, die dann irgendwann nur kennt, geht es sowieso nicht um noch das „ffft, ffft, ffft“ und „mpf, Krause führt dann auch vor, wie sich Frequenz- oder sonstige Messungen. mpf, mpf“ der MP3-Musik übrig eine traditionelle Jazz-Aufnahme Der Münchner Pianist und Produlässt. von einer modernen Studioprodukzent Roberto Di Gioia hat gerade ein tion unterscheidet. Ein Popalbum Album aufgenommen, das erst einEs ist verwunderlich, dass sich die wird ähnlich zusammengeschnitten mal nur auf Vinyl herauskommen Popkultur ein Klangbild hat aufwie ein Film. Jedes Instrument wird soll. Auf dem Compost-Label, auf schwatzen lassen, das einem vereinzeln aufgenommen. Ähnlich wie dem sonst Club Acts erscheinen. Di pixelten Bildchen im Netz ähnelt. bei einem Film, der geschnitten wird, Gioia hat in den letzten Jahren vor Eigentlich entsprach das Ideal doch entstehen dann erst beim Mischen allem mit Pop sein Geld gemacht, seit den Siebzigerjahren wandhohen der einzeln aufgenommenen Tonmit seiner Arbeit für Joy DenalaRoy-Lichtenstein-Ikonen in Acrylfarspuren die fertigen Songs. Di Gioia, ne, Notwist und Udo Lindenberg. ben, auf denen in Sprechblasen Laute Lakatos und ihre Rhythmusgruppe An diesem Nachmittag mischt er stehen wie „Boom!“ oder „Whaam!“. haben die Musik allerdings gemeinim Studio Krause am Stadtrand von Womit die Klangphilosophien des sam und gleichzeitig eingespielt, wie München die Tonspuren ab, die er Hip-Hop und des Punk auch schon in der Urzeit der Schallplattenpromit dem Saxofonisten Tony Lakatos umfassend beschrieben wären. „Ffft“ duktion. Dabei nehmen die einzelaufgenommen hat. Spiritual Jazz haund „mpf“ waren jedenfalls nicht genen Mikrofone wie früher nicht nur ben sie gespielt, eine Musik, die sich meint, als die Ramones mit den epidas jeweilige Instrument, sondern in den Siebzigerjahren zwischen Free schen Worten „Hey! Ho! Let’s Go!“ auch die anderen auf. Krause fährt Jazz und Soul herausbildete und auf in Downtown New York den Kampf bei einem der Stücke sämtliche Spujene Momente abzielt, in denen der gegen die selbstgefällige Rockstarinren bis auf den Kontrabass herunPuls zwischen den Musikern beim dustrie ausriefen, während zur selben Zeit ein paar Meilen weiter nördlich eine Revolution ihren Anfang nahm, weil drei DJs in der South Bronx auf die Idee kamen, dass man Musik auch ohne Musiker machen kann. Bei ihnen wurden Schallplatten zum musikalischen Rohmaterial – und der Plattenspieler zum Instrument. Einer dieser drei DJs war der Elektrikerlehrling Joseph Saddler. Er liebte Musik. Allerdings nicht die Musik, die er in den Plattenläden und in der Sammlung seines Vaters fand. Auf den Partys in seiner Nachbarschaft sah er auch, warum. Wann immer einer dieser sogenannten Breaks kam, eine der Passagen, in denen sich Schlagzeug oder Rhythmusgruppe ohne den Rest der Band oder gar des Orchesters auf einen Groove konzentrierten, der den Song beschleunigen sollte, ging es wie ein Ruck durch die Menge. Was, fragte Saddler sich, wenn man diese Passagen einfach in Endlosschleifen hintereinander spielte?


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alle Fotos: © Eilon Paz

Was, wenn man zwei identische Schallplatten auf zwei Schallplattenspielern gleichzeitig laufen lässt und die Nadel dabei immer wieder auf denselben Beat setzt? „The Get Down“ nannte er diesen Punkt. Schwer zu übersetzen. Ursprünglich war das mal schlüpfriger Slang für das Vorspiel. Im Hip-Hop hingegen ist damit der Schub gemeint, mit dem so ein Break eine Menge vom Tanzen zum Toben bringt. Was sich der junge Elektriker Saddler ausgedacht hatte, sollte das Musikverständnis und die Hörgewohnheit der westlichen Welt schon bald und bis heute ganz grundsätzlich verändern. Aber zuerst musste ein Künstlername her, als Joe machte man auf den Gang-verseuchten Straßen der South Bronx keinen Eindruck. Am besten einen Superheldennamen. Also nannte er sich Grandmaster Flash und begann, sein Viertel zu erobern. Heute ist Grandmaster Flash 59 Jahre alt und tourt fast ununterbrochen um die Welt. Zwischen einem Stadionauftritt in Moskau und einem Monat voller Auftritte in Australien ist er die Hauptattraktion beim JazzReFound Festival in Turin. Er wirkt wie ein Preisboxer der oberen Gewichtsklasse, wenn man ihm begegnet. Er zieht sich

welche die vergangenen 20 Jahre des Pop dominierten. „Herc hatte die beste Playlist, Bambaataa die längste. Und ich habe die Mathematik dazu geliefert.“ Sie hätten eben Offizieller Beginn seines Auftritts keine Instrumente gehabt, keine ist um Viertel nach eins am Morgen Studios, keine Technik. Also habe im Spazio Dora, einer finstereren er sich seine Musik aus VersatzstüDisco zwischen zwei Ausfallstraßen cken collagiert, die er auf am Stadtrand von Turin. seinen Platten gefunden Über dem riesigen Oval habe. Mal nur wenige Takder Bar auf der Tanzfläte, mal eine ganze Passage. che ragen Palmen aus NeDas Massenmedium Schallplatte Um den Auftakt auch im onröhren. Der Laden ist wird durch den DJ zu Dämmerlicht der Clubs überfüllt. Seit Regisseur einem Musikinstrument und Partys zu treffen, Baz Luhrmann Grandmarkierte er das Vinyl master Flashs Geschichte damals mit Filzstift und in der Fernsehserie „The Klebeband. Ein Sakrileg – Get Down“ verfilmte, ist sein Vater hatte ihn noch dafür verAm nächsten Mittag im Hotel der DJ so etwas wie ein Halbgott prügelt, wenn er seine Schallplatten schreitet er gewichtig durch die des Hip-Hop. Den ganzen Abend nicht mit Fingerspitzen am Rand Lobby. Er trägt eine Basecap mit gab es in der Stadt zu seinen Ehren anfasste. dem Logo, das er sich aus einem schon Wettkämpfe zwischen RapNamen korrekt superheldenmäßig pern und DJs, so wie seine Erben So wurde aus dem Massenmedium hat zeichnen lassen. Ein G, ein M das jetzt noch mal im Fernsehen ein Instrument. Es war die dritte und ein zweizackiger Blitz. Natürgesehen haben. Zäsur in der Musikgeschichte des lich freut es ihn, dass die Frühzeiten schwarzen Amerika, in der eine jetzt noch einmal fürs Fernsehen Kurz vor dem Erschöpfungspunkt Nischentechnologie zur Initialzüninszeniert wurden. Er spricht dann der Menge tritt Grandmaster Flash dung für ein neues Gerne wurde. über die Geburt des Hip-Hop, darschließlich ans Mischpult. Mit eiErst deuteten die Jazzer das obsüber, dass der Breakdance und die nem Schwung aus dem Handgelenk kure Marschmusik-Instrument SaKunst der Sprayer genauso dazugeam Plattenteller pumpt er Basstöne xofon für sich um. Dann speisten hörten, dass die Rapper als Letzte durch die Lautsprecherwand, die im Blues- und Jazzmusiker die Töne dazukamen, damals Mitte der SiebHip-Hop einen ähnlichen Wiedererihre Gitarren mit Magnetspulen in zigerjahre. Und wie Kool Herc und kennungswert haben wie die ersten Lautsprecher ein, um sich gegen die Afrika Bambaataa damals als DJs das Takte von Beethovens Fünfter für den Lautstärke der Bläser und der SchlagFundament für jene Vinylkultur legRest der Welt. „Boom, boom, boozeuger durchzusetzen. So wurde die ten, aus der die Genres entstanden, om! Bobo-bobo-bobobo Boom Boom auch entsprechend an. Old School nennt man so einen im Hip-Hop. Alte Schule.

Boom!“ Was der Bassist Bernard Edwards 1979 fast beiläufig für den Discohit „Good Times“ einspielte, ist eine der Blaupausen des Rap, die sich wie ein roter Faden vom ersten Welthit des Hip-Hop „Rapper’s Delight“ bis zu diesem Abend in Turin durch die Musikgeschichte zieht.

E-Gitarre zum ernst zu nehmenden Instrument, so erfanden schwarze Musiker später den Rock ’n’ Roll. Wie viele Schallplatten er besitzt, weiß Grandmaster Flash nicht so genau. „Irgendeine Zahl mit vielen Nullen“, sagt er. Denn das „crate digging“, das Graben in den Kisten der Plattenläden und Flohmärkte gehört genauso zum Handwerk des DJs wie das Mixen. Flash kennt das Material so gut, dass er mit bloßem Auge erkennen kann, wo einer dieser Breakbeats auf der Platte zu finden ist. „Wenn du eine Platte gegen das Licht hältst, siehst du, dass dort, wo das Vinyl am glattesten schimmert, der Breakbeat des Schlagzeugers ist.“ Er lacht. „Wenn du Pech hast, sind da nur Geigen zu hören. Aber das war immer schon der Reiz beim Graben.“ Rücksicht hat er auf das Material nie genommen. Das hat Spuren hinterlassen. Nicht nur Klebebänder und Filzstiftmarkierungen. Die entscheidenden Stellen seiner Platten sind über die Zeit von den Nadeln gespurt, das knistert und rauscht. Seine Sammlung hat er längst nicht mehr auf Tour dabei. „Ich bräuchte alleine zum Plattenschleppen drei, vier Leute“, sagt er. Das zahlt ihm niemand, wenn er von Kontinent zu Kontinent jettet. Was er da vom Publikum


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Vinyl | 21

kaum bemerkbar auf den Plattentellern dreht, sind Steuergeräte, die wie Schallplatten aussehen, aber in Wahrheit auf die Musikdateien auf einem Computer zugreifen. Damit kann Flash mischen und scratchen.

Bücher und Manuskripte an der Cornell University in Ithaca, New York, bekam vor vier Jahren die Sammlung von Afrika Bambaataa, dem zweiten DJ im Triumvirat der

kultur-Sammlers Johan Kugelberg und des ehemaligen Sprechers des Hip-Hop-Labels Def Jam, Bill Adler, bekommen hatten, waren die gut 20 000 Platten des ehemaligen Gang-Leaders und DJs Afrika Bambaataa die erste Sammlung, die einen Grundstock des frühen Hip-Hop bildete.

Seine Sammlung ist komLPs sind wie Bücher – plett digitalisiert und in kulturelle Artefakte, Atlanta bei einem Fachdie Geschichte transportieren Nicht nur das. Bambaataa betrieb für Archivierung lieferte auch noch kisteneingelagert. Dort stehen weise Referenzmaterial, die Platten trocken und Plakate, Flyer, Fotos und wohltemperiert in RegaNotizbücher. Dazu kamen die AnHip-Hop-Pioniere. Der benutzte len. Die Dateibibliothek, die er auf merkungen, die er auf die Cover der schon früh digitale Steuergeräte Reisen auf einer Festplatte transporPlatten kritzelte. Noch steht die Arund bewahrte seine Platten in mehtiert, beläuft sich auf ungefähr zwei beit von Katherine Reagan und Ben reren Lagerräumen auf. Die DozenTerabyte: Selbst wenn man großzüOrtiz am Anfang. Zweieinhalb Lasttin für Buch-Geschichte Katherine gig berechnet, dass er seine Songs wagenladungen mit 500 Kartons Reagan und der Kurator Ben Ortiz in hoher Auflösung gespeichert lagern derzeit in den Räumen der kümmern sich heute darum. Sie hat, entspricht das um die 100 000 Cornell University Hip Hop Collechaben an der Cornell das Hip Hop Nummern. Irgendwann mal wird tion. Vier Bibliothekare sind vollzeiArchive gegründet, das vor allem ein Musikarchäologe aus seiner tig damit beschäftigt, das Material die Frühgeschichte jener Kultur erSammlung den Beginn des Hipzu sichten und zu katalogisieren. forschen soll, zu der neben der MuHop herauslesen können. Genauso „Zwei Jahre“, sagen die beiden, wird sik eben auch Tanz und Kunst gewie sich an jeder Plattensammlung die Arbeit dauern, bis die Sammlung hören. Bambaataas Sammlung war die Lebenslinien ihres Besitzers abakademisch korrekt aufgearbeitet für sie „der perfekte Fund“. Nachlesen ließen, wenn es denn dafür ist und einen Fundus für die Erfordem sie schon Konvolute des Popschon wissenschaftliche Methoden gäbe. Plattensamm lungen sind so etwas wie Datenspuren in handfestem Material. Trotzdem kommt es selten vor, dass sie nach dem Ableben ihres Besitzers erhalten bleiben. Als der legendäre Hip-Hop-Produzent JDilla vor elf Jahren starb, verkaufte seine Mutter seine Sammlung über Ebay. Das war schön für die Fans. Der Nachwelt aber ging ein Schatz verloren. Die Bibliothekare der akademischen Welt, die sich sonst um den Erhalt historischer Bücher kümmern, haben in den letzten Jahren erkannt, wie wertvoll Vinyl-Sammlungen sind. Einen ersten Versuch, das Erbe der DJs zu verarbeiten, gibt es schon. Die Abteilung für seltene

Schwarzes Gold

Über 130 Vinyl-Sammler gewähren Einblick in ihre Schatzkammern Vinyl-Liebhaber aufgepasst! Der opulente Bildband Dust & Grooves gibt einen einzigartigen Einblick in die faszinierendsten Plattensammlungen weltweit. In hochwertigen Fotostrecken und tiefgehenden Interviews geht Dust & Grooves der Sammelleidenschaft seiner Protagonisten auf den Grund. Über 130 Vinyl-Sammler, darunter Stars der Szene wie Gilles Peterson, Ahmir »Questlove« Thompson, Keiran Hebden und The Gaslamp Killer, gewähren uns einen Blick in ihr Heiligstes und sprechen über ihre Motivation, Geschichte und Lieblingsplatten. DAS BUCH Aufgrund seiner Leidenschaft, Platten zu sammeln, gründete Eilon Paz 2008 die Webseite Dust & Grooves. Seine eigene Sammlung inspirierte ihn dazu, andere Plattensammler aufzusuchen und sie zu fotografieren. So entstand sein Her-zensprojekt. Mittlerweile ist Dust & Grooves eine Schatztruhe für jeden Musikliebhaber. Denn auf der Seite findet man nicht nur tolle Fotografien von Plattensammlungen und ihren Besitzern, sondern auch Interviews und Porträts von sehr interessanten, manchmal auch skurrilen, aber auf jeden Fall leidenschaftlichen Menschen. Die porträtierten Plattensammler sind keinesfalls nur aus der älteren Generation. Auch bei vielen jungen Leuten geht momentan der Trend weg von der MP3 und hin zur Vinyl. Gründe dafür kann man in den zahlreichen Interviews mit den Sammlern nachlesen. Wer meint, dieses Buch sei nur etwas für Musik- und vor allem Vinyllieb-haber, der irrt. In Dust & Grooves

findet jeder Leser und Betrachter etwas, das ihn begeistert. Ob das nun die stimmungsvollen Fotogra-fien von Paz oder die berührenden Geschichten der Sammler sind. DER AUTOR Eilon Paz wurde 1974 in Arad, Israel geboren. Mit sechzehn schenkte ihm sein Vater seine erste Kamera, mit Anfang zwanzig assistierte er in Australien bekannten Modefotografen und wurde selbst zum Profi. Nachdem er einige Zeit in Tel Aviv als Fotograf gearbeitet hat, lebt er heute in Brooklyn, New York, und arbeitet dort als Fotograf und DJ. 2008 startete er die Webseite www.dustandgrooves.com. EILON PAZ | DUST & GROOVES Plattensammler und ihre Heiligtümer Hardcover, durchgehend farbig bebildert, 488 Seiten | 24,1 x 30,5 cm | 49,95 € (D) / 51,50 € (A) | ISBN: 978-3-959100-17-5 WG: 1960 | Erschien im November 2015

schung des frühen Hip-Hop bilden wird. Das Projekt der Cornell University ist Vorbild. Die Yale University hat neulich die Plattensammlung von Danny Fields gekauft, der als Manager für Bands wie MC5, die Stooges und die Ramones so etwas wie der Geburtshelfer des Punk war. An der Harvard University hat der Kulturwissenschaftler Henry Louis Gates Jr. das Hip Hop Archive and Research Institute gegründet, das gerade daran arbeitet, einen Kanon klassischer Vinyl-Alben zu erstellen. Kein Zweifel, Vinylplatten haben nun denselben kulturellen Status wie Bücher. Sie sind Artefakte, die Geschichte transportieren. Einen Unterschied gibt es zu den Büchern allerdings. Bücher kann man studieren und analysieren. Auch Musik kann man sammeln, erforschen, kanonisieren. Will man sie aber wirklich verstehen, muss man sie spüren. ÜBERNOMMEN MIT GENEHMIGUNG AUS DER SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG VOM 18.3.2017


22 | Vinyl

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Tom Redecker Sireena Records

Wir haben Tom Redecker von Shack Media/Sireena Records aus Osterholz-Scharmbeck/Deutschland an der letztjährigen jazzahead! Bremen kennengelernt und er hat uns das Thema Vinyl „schmackhaft“ gemacht, indem er ein leidenschaftliches Plädoyer für das Kulturgut Vinyl gehalten hat. Diese Passion war ansteckend. In der Redaktion wurden die alten Schallplatten, die man schon lange nicht mehr gehört, aber von denen man sich aus

Warum ist die Schallplatte, das Vinyl wieder so beliebt? Ich denke, es liegt wirklich am Format. Musik zum Anfassen, die nicht wie eine CD anonym in einem Player verschwindet, sondern sich ruhig und gemächlich vor einem auf dem Plattenteller dreht. Und nach rund 20 Minuten steht man auf und dreht die Platte um. Das ist nichts für den schnellen Musikkonsumenten, sondern richtet sich ganz besonders an den Musikgenießer. Der beschäftigt sich mit seiner Schallplatte, genießt das großformatige Artwork des Covers und den warmen Klang der Platte. Das hat geradezu etwas Meditatives. Gab es einen Auslöser für die Renaissance, die wiedererweckte Leidenschaft für die Schallplatte? Ich denke, das ist eine natürliche Reaktion auf das Downloading und die schnelle und massige Verfügbarkeit von Musik. Aus Musiktiteln werden digitale Daten. Plattformen verhökern Musik

Nostalgiegründen nie getrennt hatte, aus den Kellern geholt, entstaubt und zusammen wieder gehört. Nach diesem stimmungsvollen Abend, voller Geschichten rings um erste Schallplatten, wilde Partys, Rockpalast und schummrige Abende mit erster Freundin und Deep Purple, Meat Love oder Eloy stand fest: Vinyl wird ein Thema in ELLA. Jetzt haben wir mit Tom Redecker ein Interview geführt.

quasi zum Nulltarif und machen sie damit beliebig. Aber es gab schon immer neben den Musikkonsumenten die Musikliebhaber, die keine anonymen Downloads, sondern einen physischen Tonträger in den Händen haben wollten. Im Grunde bediente bisher die CD diese Gruppe, aber das Vinyl hat in den letzten Jahren sehr stark aufgeholt und verzeichnet deutliche Zuwächse, sodass heutzutage kaum noch ein Label an der Schallplatte vorbeikommt. Interessant ist auch, dass zunehmend jüngere Hörer sich verstärkt dem Vinyl zuwenden. Für diese Altersschicht ist die CD total unsexy, die Kombination von Vinyl und Download aber cool. Mit Ihrer Firma Sireena Records haben Sie schon vor dem Hype auf Vinyl gesetzt. Das war nicht immer leicht. Haben sich das Durchhalten und die Vorreiterrolle gelohnt? Die Anfänge waren wirklich hart, denn unsere ersten Vinyl-Produktionen waren

gleich drei Doppelalben. Ein Album der Dissidenten, eins von Ian Gillan und ein weiteres von Nektar. Alle drei im Klappcover und auf 180 Gramm schwerem, zum Teil farbigen Vinyl. Von den Produktionskosten hätte man sich einen nagelneuen Kleinwagen kaufen können. Erschwerend kam hinzu, dass Teile des Handels und auch einige unserer ausländischen Vertriebe noch nicht bereit waren für Vinyl. Aber wir hängen bei Sireena nun einmal an Schallplatten und haben nicht aufgegeben. Inzwischen ist die Akzeptanz von Vinyl im Handel deutlich gestiegen, auch wenn man nicht vergessen darf, dass die CD trotz Verlusten nach wie vor den Hauptumsatz im Tonträgerbereich ausmacht. Was sind Ihre Top 5 Vinylrenner? YES „Magnification“ SOFT MACHINE „Drops“ GROBSCHNITT „Live 2008“ NEKTAR „Sounds Like This“ THE ELECTRIC FAMILY „Terra Circus“

Christian Stolberg Presse ECM Records

Wie wichtig sind heute Alben auf Vinyl im Portfolio eines Labels? Wie in den Medien derzeit ja umfassend dargestellt wird, erlebt die Vinyl-Schallplatte derzeit eine Renaissance im Markt. Außerdem gibt es Länder, in denen die CD bereits weitgehend dem Streaming weichen musste – dort sind Vinyl-Alben als physische Alternative dann von besonderer Bedeutung.

Last“, es erschien im Januar 1970. Das am meisten verkaufte ist Keith Jarrett „The Köln Concert“.

Wie viele Vinyl Alben haben Sie im Angebot? Im Augenblick sind es etwas über 60 Vinyl Alben.

Wie beurteilen Sie den Hype um die Vinyl Platte? Ein Markt der Zukunft oder eine vorrübergehende Erscheinung? Ich denke, es wird immer eine Klientel geben, die sorgfältig produzierte, gefertigte und mit liebevoll gestalteten Covers und Hüllen ausgestattete Tonträger schätzt. Wie sehr und wie lange diese Klientel noch wächst, wird sich zeigen.

Was war das erste ECM Album auf Vinyl und welche ist die am meisten verkaufte in Ihrem Angebot? ECM wurde 1969 von Manfred Eicher gegründet. Das erste von ECM, damals naturgemäß auf Vinyl, veröffentlichte Album war Mal Waldrons „Free At Keith Jarrett „The Köln Concert“

Wer entscheidet, was auf Vinyl erscheint? Das Label oder der Musiker? Das ist letztendlich eine Entscheidung des Labels, das ja auch die Marktchancen für eine Vinyl-Veröffentlichung einschätzen muss.

Sireena Records Das im Jahre 2000 von Tom Redecker und Lothar Gärtner gegründete Label Sireena Records hatte von Anfang an das Ziel, verschollene und längst vergriffene Musik der Öffentlichkeit wieder zugängig zu machen. Dabei sollte es keine Repertoire-Grenzen geben. Egal ob Blues, Jazz, Rock, Folk oder Pop - es muss den Machern gefallen und den Sammler glücklich machen. Schon früh setzte das Label auch auf Vinyl und baute bis heute einen umfassenden Schallplattenkatalog auf. Nach Möglichkeit bedient man sich der Originalbänder bei der Erstellung der Tonträger. Seit einigen Jahren bietet Sireena Records auch zunehmend Neuproduktionen an. So konnte sich das Label mit seinen Veröffentlichungen einen festen Platz im Herzen der Musiksammler sichern. Nach dem Tod von Lothar Gärtner ist Bernd Paulat seit 2008 neuer Partner von Tom Redecker.

Michael Gottfried PR Manager ACT Music

Wie wichtig sind heute Alben auf Vinyl im Portfolio eines Labels? Wir möchten die Hörer überall da abholen, wo sie heute Musik hören – ob auf CD, mp3, high-res Download, Streaming oder eben auf Vinyl. Es ist im Moment der Mix dieser Medien, der einen halbwegs stabilen Umsatz sichert. Der Vinylanteil in diesem Mix liegt bei ungefähr 10 %, ist also nicht zu verachten. Und das Thema passt sehr gut zu unserer Philosophie, dass ein Album ein Erlebnis, und ein Stück Kunst für sich ist und mehr als die Summe seiner Tracks. Und dass die Menschen Musik immer noch in haptischer Form zu einem festen Teil ihres Lebens machen wollen. Wie viele Vinyl Alben haben Sie im Angebot? Im Moment 56. Tendenz steigend. Alle Alben gibt es auf www.actmusic.com.

Startauflage in absehbarer Zeit realistisch an den Mann oder die Frau bringen zu können, machen wir das. Das ist eine Entscheidung, die wir zusammen mit den Künstlern treffen. Wie beurteilen Sie den Hype um die Vinyl Platte? Ein Markt der Zukunft oder eine vorrübergehende Erscheinung? Das ist schwer zu sagen. Das Thema läuft und wächst ja nun schon seit über zehn Jahren. Das ist schon mehr als ein Hype. Wir meinen, es ist der Wunsch der Menschen, in der digitalen Welt, die zwar ein riesiges, aber eben auch sehr unüberschaubares und am Ende flüchtiges Angebot bietet, etwas Bleibendes zu haben. Und sicher steckt auch ein Sammeltrieb dahinter, und der ist beim Menschen ja in vielen Bereichen stark ausgeprägt.

Mal Waldrons „Free At Last“

Was war das erste ACT Album auf Vinyl und welche ist die am meisten verkaufte in Ihrem Angebot? Das erste war „Shapes Remixes“ von Wolfgang Haffner 2006. Das bestverkaufte ist schwer zu sagen, denn: Fast alle Vinyl-Startauflagen unserer Alben haben sich irgendwann komplett ausverkauft. Wer entscheidet, was auf Vinyl erscheint? Das Label oder der Musiker? In erster Linie ist das eine wirtschaftliche Entscheidung: Es braucht bei Vinyl eine gewisse Startauflage, damit die Sache funktioniert. Und diese Dinge brauchen eine Menge Lagerplatz und dürfen nicht zu lange liegen. Wenn wir der Meinung sind, diese

Wolfgang Haffner „Shapes Remixes“, 2006


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Labels | 23 Tubist und der Sänger der Band sind Vater und Sohn, die aufbrachen, ihre musikalischen Welten zu teilen. Die Band und ihre Musik sind beide herausragend und einzigartig. Es verbindet sie ein vielfältiges stilistisches Vokabular, welches die Musik prägt. Ein Mix aus Jazz, Funk, R & B, Latinund Karibik-Elementen und dennoch eine eigene Nische. www.ats-records.de

twenty five magic years the jubilee album

Es ist nun exakt 25 Jahre her, dass Siggi Loch ernst damit machte, „nützlich statt wichtig zu sein“, wie er in seiner Autobiografie schrieb: Nach einer beispiellosen Karriere als Manager und Produzent im internationalen Musikbusiness gründete er sein eigenes, unabhängiges Jazz-Label: ACT. Von Anfang an ging es ihm um eine Plattform für Musiker, die ihr Publikum unmittelbar berühren, begeistern und erobern können, die die ausgetretenen Pfade verlassen, Risiken eingehen und so ihre eigene Musik „in the Spirit of Jazz“ machen. 25 Jahre und über 500 Veröffentlichungen später darf dieser Anspruch als erfüllt gelten: ACT hat als „the discovery label“ Jazzgeschichte mitgeschrieben, seine Musikerfamilie besteht aus führenden Persönlichkeiten des Jazz. Auch für das „Jubilee Album“ zur Feier dieses stolzen Jubiläums begnügt sich ACT nicht mit dem Erwartbaren. Bis auf drei Stücke, die gewissermaßen als „Signature Songs“ der ACT-Philosophie gelten können, sind alle Tracks bislang unveröffentlicht, einige davon wurden extra für diesen Anlass in wechselnder „Allstar-Besetzung“ in den Berliner Hansa-Studios eingespielt. So ergibt sich eine neu formulierte Quersumme der Herz, Seele und Geist gleichermaßen bewegenden Musik, für die ACT steht: ein Kaleidoskop magisch-musikalischer Momente seiner für alle Genres und Stile offenen Künstler. www.actmusic.com

Christoph Pepe Auer Songs I Like – Germany Edition

Der Bassklarinettist, Saxophonist, Schlagzeuger und dreifache Hans-Koller-Preisträger Christoph Pepe Auer feierte mit seinen eigenen Kompositionen und Veröffentlichungen bereits durchschlagende Erfolge in seiner Heimat Österreich – und weit über die Landesgrenzen hinaus als Solist der Jazz Big Band Graz und mit „Living Room“, seinem Duo mit Manu Delago. „Songs I Like“, bereits 2015 in Österreich erschienen, wird ab dem 7. April auch auf dem deutschen Markt erhältlich sein. Ein in sich stimmiges Sammelsurium von Songs, eine sorgfältige Auswahl an Eigenkompositionen und Neuarrangements musikalischer Jugenderinnerungen der 1990er-Jahre. Dabei liegt das gesamte Sound Design des Albums im Timbre der Bassklarinette: meist warm und holzig, selten schrill. Gesampelte Sounds des facettenreich klingenden Instruments bilden das Fundament für die programmierten elektronischen Beats. Erweitert wird das Instrumentarium unter anderem mit der seltenen Kombination aus Drehleier, Akkordeon und Cello und schafft somit eine reizvolle Mischung aus Jazz, Weltmusik und Elektronik. www.o-tonemusic.com

konsequent zwischen romantischer italienischer Piano-Musik und energetischer poppiger Instrumental-Improvisation bewegt, getreu dem Motto: „Musik für Herz, Hüfte und Verstand.“ Die Besetzung ist klassisch im Quartett, allerdings wird anstelle eines Kontrabasses ein E-Bass eingesetzt. Das Debüt-Album „Venice“ beleuchtet als Konzeptalbum die dunklen und ursprünglichen Seiten Venedigs abseits vom Massentourismus – mit ganz unterschiedlich atmosphärisch geprägten Stücken als Geschichte über Schönheit und Verfall. Umgesetzt wird dies neben den Live-Instrumenten auch mit Originalklängen, die an besonderen venezianischen Schauplätzen (wie z. B. dem Markusdom) aufgenommen wurden, sowie dezenten Synthesizer-Flächen. Eine CD mit elektrisierender Musik und zugleich auch eine Reise zu einer der schönsten und mystischsten Städte der Welt. www.glm.de

Wenn Musik eine Sprache ist, dann können Worte vielleicht andersherum ganz spezifische Klänge beschreiben. Diese faszinierende Vorstellung der Onomatopoesie bildet den Ausgangspunkt für „Guzuguzu“, das nunmehr neunte Album des Helge Lien Trios. Jeder Track darauf basiert auf einem onomatopoetischen japanischen Begriff und den mit ihm verbundenen Assoziationen. www.ozellamusic.com

David Liebman & Richie Beirach „Balladscapes“

Distances VENICE

„DISTANCES“ ist ein 2014 gegründetes internationales Jazzquartett mit dem Pianisten Marco Ponchiroli aus Venedig, dem lettischen Saxofonisten Jan Grinbert, dem deutschen Bassisten Georg Kolb und dem bulgarischen Schlagzeuger Nevyan Lenkov. „DISTANCES“ präsentiert zeitgenössischen Jazz, der sich

Helge Lien Trio Guzuguzu

Jon Sass‘ Souluba Band

Breeze of Life ist eine Reise, die in einem Klang von Bass-Tuba und Stimme wurzelt. Ihre Musik ist eine Generationen übergreifende Mischung aus sehr feinen Spezialitäten für die Seele. Der

Fast 50 Jahre. Eine Ewigkeit. Lyndon B. Johnson war damals noch Präsident, die Beatles standen zum letzten Mal bei einem Konzert auf der Bühne und der Film „My Fair Lady“ erhielt acht Oscars. Ein halbes Jahrhundert. So lange kennen und schätzen sich Dave Liebman und Richie Beirach schon als Menschen und Partner. Der heute 69-jährige Sopran- und Tenorsaxofonist und sein 68-jähriger Partner am Piano lernten einander bei einer Jamsession im Queens College in New

Boomslang Records Das im Bregenzerwald ansässige und vom Vorarlberger Alfred Vogel betriebene Label Boomslang Records hat in den letzten Jahren durch eine erstaunliche Anzahl an Veröffentlichungen auf sich aufmerksam gemacht und sich dabei eine vergleichsweise eigenständige Position im internationalen Geschehen zurechtgezimmert. Hörer, die „erlesene und unkategorisierbare Musik“ (concerto) suchen, sind hier genau richtig. In Zeiten von Datentausch via Internet ist ein Ort wie Bezau nicht mehr notwendigerweise ein Synonym für Provinz, sondern kann temporär Mittelpunkt eines ganzen Musikkosmos sein, wenn dort unter Teilnahme von Stars aus Übersee und Freunden von nebenan aus dem Moment heraus eine so stilistisch vielfältige Musik geschaffen wird. Die Veröffentlichungen glänzen durch ihre Unmittelbarkeit und den Blick nach vorn: Das deutsch-amerikanische Quartett Amok Amor sorgte in kürzester Zeit europaweit für Furore und war rasch ausverkauft – es gibt eine Neuauflage. Ähnlich war es bei den Improvisations-Cowboys der Band „die Glorreichen Sieben“ – ihr Neil Young Tribute Album „Keep on

York kennen. Zwei hungrige Studenten, berauscht, euphorisiert und inspiriert von all den Jazzgrößen, die für die Musiker jener Zeit den Horizont weiter nach hinten rückten. Die beiden trafen sich regelmäßig. Entweder in Liebmans Loft an der 19. Straße in Manhattan oder in Beirachs Bude an der Spring Street. Der eine half dem anderen dabei, ein eigenes Vokabular herauszuarbeiten. Sie spielten, meist Freejazz im Stile des späten Coltrane, probierten alles Mögliche aus, ließen sich fallen und fanden allmählich einen gemeinsamen inneren Puls. www.intuition-music.com

rockin' in the Free World“ sorgte für Begeisterung bei der Fachpresse und gilt auch live als Sensation.

Seba Kaapstad – Tagore’s

Wir befinden uns heute 33° Süd 56’ 20.94’’ – 18° Ost 28’ 10.271’’. Genau genommen sitzen wir am Straßenrand des Tagore’s Club in der 42, Trill Road im sonnigen und sehr milden Kapstadt. Mit uns am Tisch sitzt eine Gruppe junger Musiker aus Deutschland und Afrika: Sebastian Schuster, Zoe Modiga und Ndumiso Manana. In diesem Moment wird ein Bandprojekt geboren, welches Kulturen verbindet, für Musiker neue musikalische Horizonte ermöglicht und ein so starkes, authentisches und sehr vielseitiges Jazz-Album hervorbringt, wie man es wohl aus einer Kombination von schwäbischer Gründlichkeit, koreanischer Zurückhaltung, rheinischem Humor und Südafrikanischer Gelassenheit nicht erwartet hätte: Seba Kaapstad – Tagore’s. www.jazznarts.de

Nun stehen gleich 3 Neuveröffentlichungen an: BLOW + BEAT – der schwedische Saxofon-Wizard Mats Gustafsson im Duo mit Alfred Vogel. Archaisch, impulsiv und leidenschaftlich. HANG EM HIGH – Tres Testosterones: die Band um den polnischen Tieftöner Bond im Rausch der Hormone. Das klingt wie ein Film, bei dem Tim Burton, David Lynch und Quentin Tarantino gemeinsam Regie führten. Mit BLECHBARAGGE – „Wir blasen Euch den Marsch!!!“ paukt uns eine funkig-fröhliche Blaskapelle bestehend aus Drums, Tuba und Saxofon aus den Sümpfen von New Orleans auf alpine Berggipfel mit Weitblick. Und der Singer-Songwriter Chris Dahlgren glänzt in seinem Debüt DAHLGREN mit feinfühligen, melancholischen und teils schräg-humorigen Songs (VÖ im August). Alle Alben im Vertrieb von Galileo Music oder digital erhältlich. www.traps.at

Ulita Knaus „Love in this time“ „Heimat: Hamburg. Stimme: Welt.“ (Der Stern)

Das verflixte siebte Album? Nicht bei Ulita Knaus. Die Sängerin und Songschreiberin, die hier erneut auch als versierte Produzentin antritt, legt mit „Love In This Time“ ein so romantisches wie energisches Album vor, einen klangvollen Kompass, der zu den unterschiedlichsten Fragen und Themen weist, die ihr am Herzen liegen. Mit neun Eigenkompositionen und ihrer sehr eigenen Version von Stevie Wonders „Visions“ beweist sie sich dabei, trotz modernisierter, elektronischer Klänge, wieder als stimmstarke Selfmade-Woman zwischen Jazz und dem, was man in den Siebzigerjahren, bevor es ein Schimpfwort wurde, Pop nannte. Eingespielt mit ihrer live-erprobten Band mit Tino Derado (Piano), Tupac Mantilla (Percussion), Roland Cabezas (Gitarren), Oliver Karstens (Kontrabass) und Achim Rafain (E-Bass) in den H.O.M.E.-Studios in Hamburg, gelingt Ulita Knaus hier ein weiterer Beweis für Richard Wagners Sinnspruch: Die Musik ist die Sprache der Leidenschaft. www.ulitaknaus.com


24 | Record Stores

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Bernd Jonkmanns Record Stores

Aus Liebe zum Vinyl

Bernd Jonkmanns hat seine halbe Jugend in Plattenläden verbracht, verfügt selbst über eine stattliche Sammlung von Schallplatten und CDs, zu denen er in Ermangelung von VinylEinspielungen zwangsläufig wechseln musste. Erst in seiner Heimatstadt Wesel und jetzt in Hamburg sind die Plattenläden sein zweites Zuhause. „Hamburg ist das Paradies der Record Stores. Hamburg hat 28 Plattenläden und ist damit Spitzenreiten, noch vor DER Musikmetropole London“, so Bernd Jonkmanns. Er erzählt von interessanten Gesprächen mit „Musikjunkies“ wie ihm, von skurrilen Gestalten, kauzigen Ladenbesitzern, chaotischen Ordnungsprinzipien und verpassten Chancen. Ich fühle mich in den wunderbaren Film „High Fidelity“, nach einem Roman

von Nick Hornby, hineinversetzt, in dem Rob Gordon (John Cusack) in den Dreißigern sein Geld mit einem Plattenladen, dem „Championship Vinyl“ verdient, und seine beiden Angestellten Barry (Jack Black) und Dick (Todd Louiso) großartige Geschichten erzählen, erleben und das Leben durch die Musik angeschaut, Revue passieren lassen und neu definieren. Wie kam es zu der Idee von Record Stores, möchte ich wissen. „2009 zeichnete sich ein großes flächendeckendes Plattenlädensterben ab. Das Aufkommen von MP3, später dann Streaming-Diensten, ein existenzieller Preiskampf in der Branche und geringe Gewinnspannen haben das Geschäft mit den Schallplatten ka-

putt gemacht. Ich wollte die besonderen Geschäfte, die Menschen, die Geschichten und meine Erinnerungen bewahren, archivieren und festhalten“. Der Gedanke, die Idee für ein Buch entstand erst mit der Zeit. Während der Arbeit an Record Stores erlebte das Vinyl eine Renaissance, was ihn überraschte, aber noch mehr freute, da er sich nicht alleine, sondern verstanden und sich in seiner Passion für die fast 70 Jahre Kulturgeschichte Vinyl bestätigt gefühlt hat. Er ist begeistert, dass man zu einer solch alten Technik zurückgekehrt und diese weiterentwickelt hat. Vor allem über die Freude am Vinyl, die über alle Generationen hinweg wächst, und es nicht nur „die alten Männer sind“, so Jonkmanns. Er erzählt von 18-Jährigen, denen er in

Plattenläden begegnet, die sich gerade einen Plattenspieler gekauft haben, junge Menschen, die mit MP3, Spotify und Apple Music aufgewachsen sind. Seine Leidenschaft war auch der Antrieb für Record Stores, das er 2008 in Hamburg begann und für das er 35 Städte auf fünf Kontinenten bereiste, Schallplattenläden „unangemeldet besuchte, um die Authentizität, das liebevolle Chaos, die besondere Atmosphäre, die Menschen in Aktion festzuhalten“. Jonkmanns hatte nie den Anspruch auf Vollständigkeit, und trotzdem gab es noch eine Liste, die ihn um- und antrieb, diese abzuarbeiten. Daran sitzt er gerade und daraus wird, nach dem großen Erfolg der ersten Ausgabe, Volume 2 entste-

hen. „Mir fehlen noch Städte in Europa, aber auch in Deutschland. Leipzig, München und Stuttgart, wo in den letzten Jahren viele neue Plattenläden aufgepoppt sind. Eine neue Generation von „Plattenladenbesitzern“ ist am Start, neue Storekonzepte werden entwickelt, und die Renaissance der Schallplatte hat auch wieder eine Szene hervorgebracht. Vor einem Jahr bin ich auf das Buch „Record Stores“ gestoßen, über das ich gelesen hatte und von dem ich begeistert war, als ich es in Händen hielt. Seitdem liegt es immer griffbereit, um zu jeder Zeit in die Musikwelt eintauchen zu können und beim Blättern wegzuträumen. Recherche, Vorgehensweise, Finanzierung und Risiko waren Themen, die


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Record Stores | 25

Bernd Jonkmanns RECORD STORES A tribute to record stores

160 Stores. 33 Cities. 5 Continents. 1 Book. 384 Seiten, über 600 Abbildungen, 27 x 27 cm, Hardcover, Fadenbindung, Bestellungen direkt beim Fotografen unter bjonkmanns@onlinehome.de Preis EUR 59,00 inkl. Versandkosten

alle Fotos: © Bernd Jonkmanns

mich im Vorfeld des Gesprächs mit Bernd Jonkmanns beschäftigt haben. „Ich konnte das Buch nur machen, weil die Reisen, die dazu nötig waren, durch andere Aufträge als freier Fotograf, u. a. für das Lufthansa Magazin, bezahlt waren. Auf meine eigenen Kosten habe ich dann jeweils zwei bis vier Tage drangehängt und meine im Vorfeld recherchierte und aufgestellte Liste von Läden besucht und festgehalten. Das waren im Rückblick überschaubare Investitionen. Die viel größere Herausforderung war, einen Verleger für die Idee und die Herausgabe des Buches zu gewinnen und die Finanzierung zu sichern. Viele Verlage waren von der Idee begeistert. Im Raum standen aber stets die Kosten für die Produktion, die man von mir erwartete.“ In

Seltmann + Söhne fand Jonkmanns den perfekten Partner, der ihn in allen Belangen unterstützte und ihm auf der anderen Seite freie Hand in der Wahl der Grafikerin und Gestaltung ließ. Er brachte ein Fotostipendium der VG Bild mit in die „Ehe“. Über eine erfolgreiche Crowdfunding Aktion wurde die Erstauflage gesichert. Inzwischen wurde die 3. Auflage gedruckt und mehr als 7.500 Bücher verkauft. Für ein Fotobuch ein sensationeller Erfolg, wenn man mal von Helmut Newton oder Peter Lindbergh absieht. Dadurch wird auch das zweite Buch kein Heimspiel, aber um einiges leichter zu finanzieren, da Bernd Jonkmanns auf Erfolg aufbaut. „Reichtümer verdient man damit keine. Aber darum ging es mir auch nicht. Ich wollte es

solide finanzieren und mich nicht ruinieren.“ Er ist kein Unbekannter in der Branche. Man spricht über ihn, bestaunt, beglückwünscht und bewundert ihn für seinen langen Atem. Immerhin hat er von 2009 bis 2015, von der Idee bis zum Erscheinen des Buches, daran gearbeitet. „Das darf sich dann auch auf Neukunden und Aufträge auswirken“, sagt er mit einem Schmunzeln im Gesicht. Zur Fotografie ist er durch seinen Vater gekommen. Zur Konfirmation hat er seine Spiegelreflexkamera erhalten, die ihm so viel Freude machte, dass das eigene Fotolabor bald folgte. Eine Lehre zur Werbefotografie brachte ihm das Handwerk, aber nicht die Freude, sodass er in Dortmund Foto- und Filmdesign so-

wie Bildjournalismus studierte. Das macht er bis heute mit großer Freude. Ich hänge Bernd Jonkmanns an den Lippen, könnte seinen Erzählungen noch Stunden lauschen und Bilder im Kopf auf Reisen schicken. Ich stelle mir die komplizierten, schrulligen, leicht genervten Typen vor, die Läden, die jeder für sich individuell eingerichtet hat und die, oft eher einem Museum als einem Laden gleichen. Manchen stylisch, andere im Retrostil der 1960erund 1970er-Jahre, von Kellerlokalen über moderne Einkaufszentren bis hin zum Plattenmarkt in Afrika, der wegen des aus dem Ruder gelaufenen Handels mit Raubkopien quasi nicht existent ist … und alles dreht sich nur um die Schallplatte, die im nächsten Jahr 70 Jahre alt wird.

Und was folgt auf „Record Stores“, wollte ich zum Abschluss wissen. Er überlegt lange. „Kinos fotografieren. Kinos und ihre Betreiber. Und hier die kleinen, feinen, von Cineasten und Filmverrückten geführten Kinos. Auch in dieser Welt sehe und spüre ich den Wunsch nach Langsamkeit, Nostalgie und eine Rückbesinnung auf alte Techniken, dem Ambiente und Flair des klassische Programmkinos.“ Dem kann ich nur zustimmen und trauern zugleich über eine verpasste Chance, „unser“ Scala Kino in Konstanz noch festgehalten zu haben. Denn dieses Kino fällt gerade einem Drogeriemarkt zum Opfer. Und dies in einer Universitätsstadt. Doch gut, dass es die Fotografie und Menschen wie Bernd Jonkmann gibt, die uns diese Welten erhalten. TEXT: KAI GEIGER


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Basel (CH) the bird’s eye jazz club

The bird’s eye ist einer der gefragtesten Jazzclubs in Europa. MusikerInnen wie Gäste schätzen die Intimität des kleinen, gemütlichen Clubs, dessen hervorragende Akustik es ermöglicht, die Konzerte aus nächster Nähe zu erleben. Das Musikprogramm spiegelt die aktuelle Bandbreite dieser lebendigen Weltsprache, genannt Jazz, sowie auch deren Wurzeln wider. Zu hören sind bekannte, etablierte  MusikerInnen und junge Talente aus der ganzen Welt, wobei auch die lokale Szene eine wichtige Rolle spielt. www.birdseye.ch

Dee Dee Brigdewater © Philipp Göllner

München Jazzclub Unterfahrt

1978 gegründet, nun also im 4. Jahrzehnt des Bestehens, gehört der Jazzclub Unterfahrt mittlerweile zu den anerkanntesten Spielstätten für zeitgenössischen Jazz weltweit. Nationale Auszeichnungen wie der ECHO JAZZ 2012, der Spielstättenprogrammpreis Jazz, Rock, Pop 2013 des Bundes und der Musikpreis der Landeshauptstadt München 2012 belegen dies

Jazzclubs Die Birdland Betreiber (v.l.n.r.: Julian Jasper-Koch, Julius Horn, Ralph Reichert & Wolff Reichert)

Hamburg BIRDLAND

Große Namen haben in dem mit dunklem Holz getäfelten Club auf der Bühne gestanden: Art Blakey, Brad Mehldau, Brian Blade, Chet Baker, Diana Krall, Eddie Harris, James Moody, Joe Henderson, Johnny Griffin, Monty Alexander, Ray Brown, Rebekka Bakken, Tommy Flanagan, Viktoria Tolstoy und unzählige andere Größen der Jazzszene. Viele dieser Ausnahmekünstler haben Jazzgeschichte geschrieben – und sich auch im BIRDLAND auf ihrem Originalporträt von Heidi Reichert oder an den Wänden mit ihrem Autogramm verewigt. Hamburgs bekannter Jazzclub ist nach turbulenten Jahren des Übergangs nun wieder zur Crème de la Crème der Hamburger Jazzclubs zurückgekehrt. Nach über einem Jahr Pause übernahmen 2014 die Söhne des ehemaligen Betreiber-Ehepaars Reichert den Jazzclub Birdland. www.birdlandhamburg.de

Foyer © Laurence Voumard

Köln Stadtgarten

Mit jährlich über 400 Veranstaltungen im Konzertsaal und STUDIO 672 versucht der Stadtgarten Köln, die aktuelle Entwicklung im Bereich des Jazz und der aktuellen Musik abzubilden. Das Interesse gilt dabei ausdrücklich auch der künstlerisch ambitionierten Popmusik, den SingerSongwritern und der Neuen und Elektronischen Musik. Genau an der Schnittstelle all dieser Stile entstehen seit Beginn des 21. Jahrhunderts die interessantesten musikalischen Beiträge. Das Ziel ist es, diese Entwicklungen zeitnah zu begleiten und sich jeden Tag auf ein neues musikalisches Abenteuer zu freuen. Das Studio 672 des Stadtgartens zeichnet sich durch seine große musikalische Bandbreite aus: Von Jazz über Hip-Hop und Soul bis hin zu elektronischer Musik und Reggae ist hier alles vertreten. Mit „JazzTrane“ präsentiert sich das Studio 672 des Stadtgartens hingegen in alter Tradition. Der Stadtgarten ist aber nicht nur ein Konzerthaus. Direkt am gleichnamigen Park gelegen, bietet er mit seinem gemütlichen Restaurant-Café, seinem Biergarten und seinem mediterran anmutenden Gartenrestaurant für Jung und Alt einen Ort der Erholung inmitten des Kölner Großstadttreibens.   www.stadtgarten.de

alle Fotos: © A-Trane Berlin

@Rainer Rygalyk

ebenso wie die regelmäßige Würdigung durch das renommierte Jazzmagazin „DownBeat“, welches den Club seit vielen Jahren in seiner Liste der „Great Clubs of the World“ führt. Das Programm des Jazzclubs Unterfahrt in München reicht von Swing bis Bebop, von Mainstream bis Avantgarde. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf zeitgenössischem Jazz in all seinen Facetten. www.unterfahrt.de

© Markus Lackinger, jazzfoto.at

Salzburg (A) Jazzit

Seit Februar 2002 hat Jazz in Salzburg eine fixe Adresse: der Jazzit:Musik:Club in der Elisabeth­ straße bietet Jazz, Avantgarde, improvisierte, elektronische und Neue Musik bis hin zu Worldmusik, Klezmer & Co. Jazzgrößen wie Al di Meola, David Murray, Henry Threadgill, Erik Truffaz, Marc Ribot, Terry Callier, Abdullah Ibrahim und Louis Sclavis hat der Betreiber Kulturverein „Jazzit – Jazz im Theater“ schon nach Salzburg gebracht. Ursprünglich dienten verschiedene Bühnen in der Stadt als Aufführungsort und gaben dem Verein so seinen Namen. Im großen Veranstaltungssaal des Jazzit:Musik:Club werden ganzjährig Konzerte, Workshops, JamSessions und v.a.m. angeboten. Sowohl nationale als auch internationale MusikerInnen sind hier zu hören, talentierte Newcomer und auch bereits bekannte, renommierte Acts. In der Jazzit:Bar finden darüber hinaus dienstags Jam-Sessions und mittwochs die DJ-Line „Homebase“ bei freiem Eintritt statt. www.jazzit.at

© Niels Peekhaus

Stuttgart BIX Jazzclub

rung betrifft. Fast jeden Dienstag präsentieren Studenten der Musikhochschule Stuttgart aus den Studiengängen Jazz/Pop ihre eigenen Programme, und so bietet das BIX den jungen Musikern eine hervorragende Plattform, um Bühnenerfahrung zu sammeln und sich einen Namen zu machen. Um der Bedeutung der jungen Künstler Ausdruck zu verleihen, wird im BIX einmal im Jahr der vom Stuttgarter Lions Club Killesberg initiierte „Young Lions Jazz Award“ vergeben.

Am 16. Dezember 2006 wurde der nach dem Jazz-Trompeter Bix Beiderbecke benannte BIX Jazzclub im Anbau des GustavSiegle-Hauses und im Herzen der Landeshauptstadt eröffnet. Jährlich nehmen weit über 20.000 Besucher das Angebot wahr, die 250 Konzerte von regionalen, nationalen und internationalen Jazzgrößen zu besuchen. Jazzlegenden wie Wynton Marsalis, Joshua Redman, Richard Galliano, Curtis Stigers, Billy Cobham oder Wolfgang Dauner haben sich seit 2006 ebenso die Ehre gegeben wie Helen Schneider, Till Brönner und Robben Ford. Das BIX bietet aber nicht nur internationalen Jazzgrößen und funkig-poppigen Mainstream-Acts fünf Tage die Woche eine Bühne, sondern auch jungen Talenten und ist somit besonders aktiv, was die Nachwuchsförde-

Wien (A) Porgy & Bess Jazz & Musicclub

Der gemeinnützige Verein Porgy & Bess versteht sich als Jazz & Musicclub mit pluralistischem Programmangebot. Das Porgy & Bess fungiert als Ort der musikalischen Begegnung, Auseinandersetzung und Konfrontation für Musiker und Publikum. Hauptaugenmerk liegt auf der Realisierung einer Struktur, welche die vielfältigen Artikulationsmöglichkeiten der heimischen (Jazz-)Szene bzw. neue Entwicklungsperspektiven berücksichtigt (z. B. die Arbeit mit internationalen Gastmusikern). Des Weiteren ermöglicht ein Club, der als „meeting point“ der heimischen kreativen Szene fungiert, Erfahrungsaustausch über stilistische und ästhetische Grenzen hinweg, ist Experimentierfeld für unterschiedlichste Projekte, die nicht dem Diktat eines „ultimativen Statements“ unterliegen müssen, ein Podium für kontinuierliche Weiterarbeit und -entwicklung. Eine Hauptintention des Porgy & Bess ist die Kooperation heimischer Musikerinnen und Musiker unterschiedlichster künstlerischer Herkunft, was der Tendenz einer musikalischen Ghettoisierung entgegenwirkt. www.porgy.at

© Moods

Zürich (CH) Moods

Das Moods ist ein Zürcher Konzertlokal, welches fast täglich Konzerte aus den Sparten Jazz, World, Funk, Soul, Pop und Elektro veranstaltet. Freitagund Samstagnacht finden nach den Konzerten Partys statt. Das Moods veranstaltet pro Saison über 300 Konzerte, von lokalen bis zu internationalen Bands, von Stars bis zu Newcomern. Für Schweizer Musiker ist das Moods die entscheidende Bühne; die Hälfte aller Konzerte sind Projekte von einheimischen Musikschaffenden mit starkem Fokus auf der lokalen Jazzszene. Das Moods ist einer der führenden Jazzclubs Europas und ein wichtiger Live-Musikclubs für Zürich. 2011 wurde der Club vom amerikanischen Downbeat Magazin in die begehrte Liste der „150 best jazz venues world wide“ aufgenommen. Der Name Moods hat sich bei den Musikern wie den Gästen als Qualitäts-Gütesiegel etabliert. Mit dem Schiffbau mitten in Zürichs lebendigem Kreis 5 verfügt der Jazzclub über eine attraktive Location. Dazu gehört auch die stilvolle Bar, wo Musikfans und Musiker oft bis spät in die Nacht plaudern und debattieren. Gegründet wurde der Jazzclub im September 1992 vom Jazzverein Moods, welcher seither der Träger ist. www.moods.ch

International Jazz-Club

A-Trane

Berlins erste Jazzadresse Seit mehr als 20 Jahren komme ich Mitte März zur Internationalen Tourismus Börse nach Berlin. Im Vorfeld werden die Stadtzeitungen tip und ZITTY studiert, und das Kulturprogramm für die Abende mit Freunden sondiert und festgelegt. Dieses Jahr stand glücklicherweise ein CD Release Konzert mit Viktoria Tolstoi „Meet me at the Movies“ im A-Trane auf dem Programm. Obwohl ich seit Jahren nur einen Steinwurf entfernt in einem Appartement wohne, hatte ich es bisher nicht geschafft, zu einem Konzert in das A-Trane zu gehen. Wie konnte ich die Jahre nur so „verschleudern“! Im Vorfeld des Konzertes auf der Suche nach dem Jazzcafé, wo ich einen Tisch reserviert hatte, stand ich plötzlich bei Sedal Sardan im Büro, lernte ihn kennen, er zeigte mir den Weg und es wurde dank des wunderbaren Konzertes und der Begegnung mit DEM Menschen hinter dem A-Trane ein unvergesslicher Abend. Folgerichtig stand er mir stellvertretend für so viele, engagiert betriebene Jazzclubs und deren Macher in Deutschland und ganz Europa für ein Interview zur Verfügung. Im Herbst dieses Jahres wird das A-Trane ein viertel Jahrhundert alt. Unter Ihrer Leitung dann schon 20 Jahre. Wie kamen Sie zum Jazz, zum A-Trane? Ja, dieses Jahr wird das A-Trane 25 Jahre alt. Mit mir sind es dann 20 Jahre. Zum Jazz kam ich per „Unfall”. Beim Spaziergang eines Abends mit Freunden,  ca. 1990, gingen wir ungewollt in einen Jazzclub in der Türkei. Ab dem Moment war ich dem Jazz verfallen. Diese Musik erweckte Liebe und Leidenschaft, die ich bis heute noch  in mir trage.   Eine Bilanz? Würden Sie es wieder tun? Oder wären Sie lieber Basketball-Profi geworden, ein Sport, dem Sie bis heute verbunden sind? Ja, ich  würde  es wieder  tun!  Die einzigen beiden Nachteile  für einen  Jazzclubbetreiber  sind: Lange Beziehungen oder eine Familie gründen, sind fast ausgeschlossen, weil die Arbeit ganz oben steht und die Verantwortung sehr groß ist. Längere Reisen sind ebenso ausgeschlossen. Basketball hätte ich gerne weitergespielt, denn mein  jugendlicher  Traum war einmal, Basketball-Vollprofi zu werden. Heute spiele ich bei ALBA in einem Seniorenteam.   Gab es Momente des Zweifelns, des Scheiterns in den letzten 20 Jahren? Im ersten Jahr nach  der  Übernahme des A-Trane hatte ich ungefähr 5x mit dem Gedanken gespielt,

den Club aufzugeben. Aber wenn ich zurückblicke, habe ich alles, was ich anfing, auch zum Laufen gebracht, weil ich immer schon einen unbändigen Willen besaß. Der Augenblick oder das Leben nach dem Scheitern ist nicht angenehm. Man hört dann nicht auf, sich selbst  die  Schuld zuzuweisen. Um diese Situation zu vermeiden, trieb mich  der  Gedanke weiterzumachen, weil ich das  Unglücklichsein nie mochte. Ca. 2008 war ich wieder fast kurz davor aufzugeben. Diesmal war  die  GEMA der Auslöser. Sie verlangten ganz plötzlich eine ungeheure Erhöhung ohne Vorwarnung und ohne Grund. Wir haben es eh  sehr  schwer, warum also noch mehr Belastung? Ich hätte dann ein  vollkommen  kommerzielles Programm machen müssen. Das passte mir nicht!  Zum Glück lenkte  die  GEMA im letzten Augenblick noch ein und die inhaltlich wertvolle Musik durfte fortgesetzt werden, weil der Sinn wieder zurückkam. Bei dem Job als Clubbetreiber oder als Musiker ist die geistige Erfüllung dahinter extrem wichtig. Dabei zu sein beim Prozess der Entwicklung war wieder da. Warum der Ausflug zu einem zweiten, größeren Club, dem „Soultrane“ im Stilwerk, und was waren die Gründe, warum Sie das nach einem Jahr wieder aufgegeben haben? SOULTRANE ist durch den Gedanken, das 10-jährige  A-Trane  Jubiläum  im Stilwerk zu feiern, entstanden. Dort war dieser Laden zufällig zu der Zeit


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Berlin entsteht hoffentlich bald mit Till Brönner als Initiator ein HOUSE OF JAZZ, in der Idee angelehnt an das Lincoln Center in New York. Das wird die Stadt als Jazzmetropole mit Sicherheit noch mehr beleben. Wie wichtig sind Ihnen Preise und wie wichtig sind Sie für das A-Trane? Im April 2011 wurde das A-Trane mit dem Live Entertainment Award (LEA) in der Kategorie „bester Jazzclub Deutschlands“ ausgezeichnet. 2013 überreichte der Kulturstaatsminister Bernd Neumann dem Club den Spielstättenprogrammpreis 2013, der in diesem Jahr erstmals für das „kulturell besonders hochwertige Live-Musikprogramm im Jahr 2012“ vergeben wurde. Und  im April 2013 wurde ich selbst mit dem Deutschen Musikpreis „ECHO“ in der Kategorie Jazz als Förderer des Jazz ausgezeichnet. Mir sind Preise eigentlich nicht so wichtig,  aber ich weiß  sie trotzdem sehr  zu schätzen, weil sie einen  noch mehr motivieren weiterzumachen. Ich mache meinen Job so gut wie es nur geht und wenn dann dabei aus der Mühe ein Preis entspringt, dann freut es einen.

Wie, nach welchen Kriterien, stellen Sie Ihr Programm zusammen? Zu dieser Frage kann ich keine geeignete Antwort finden. Vielleicht kann ich dies  sagen: Ich achte auf die Ernsthaftigkeit der Projekte und dass sie eine Leidenschaft und Freude ausstrahlen, wenn sie dargeboten werden. Ein Monatsprogramm sollte vielfältig sein, darauf achte ich.    ACT Music und ECM Records sind regelmäßig mit CD Releases bei Ihnen zu Gast. Wie wichtig ist der Kontakt zu Labels, ohne in den Verruf zu kommen, nach deren Vorgabe zu veranstalten? Ich arbeite gerne mit allen Labels! Wenn ich öfter Konzerte habe, die zufällig mit Künstlern dieser beiden Labels sind, spricht  es  für die Labels. Ich arbeite z. B. auch sehr gerne mit dem Berliner Label TRAUMTON von Steffi Marcus zusammen, die eine hervorragende Arbeit macht. Der Kontakt zu den Labels ist mir sehr wichtig, weil ich ihre Arbeit sehr schätze. Ihnen allen haben wir zu verdanken, dass wir die Musik überall hin mitnehmen können. Deswegen sollten die Menschen die Arbeit der La-

bels unterstützen, indem sie die Alben der Musiker käuflich erwerben.   Was waren Ihre persönlichen Konzerthighlights in den letzten 20 Jahren? Das größte Konzerthighlight war definitiv das Konzert mit dem Trio des verstorbenen Pianisten John Taylor, mit Marc Johnson am Bass und Joey Baron am Schlagzeug. Es war extrem magisch. Wir waren alle wie erstarrt wegen der Schönheit der Musik und wie sie interpretiert wurde. Natürlich zählen auch die Konzerte von Till Brönner zu den Highlights. Der Auftritt von Herbie Hancock war musikalisch kein Highlight, aber spektakulär! Es gab wirklich viele, viele Highlights. Es wäre unfair, einige Konzerte zu nennen, wenn ich dabei andere vergäße.   Die fünf wichtigsten A-Trane Künstler, mit denen Sie und das A-Trane eng verbunden sind? Diese Frage ist echt nicht fair. In so einem Club, mit dem man alt geworden ist, hat man viel mehr Künstler, die einem wichtig sind, als nur fünf. Die fünf wichtigsten Musiker, die mit mir und dem A-Trane eng verbunden sind, bitte nicht in Reihenfolge verstehen, sind: Ernst Bier,  Till Brönner, Wolfgang Haffner, Nils Landgren und Christian v. Kaphengst.    Ein Blick nach vorne? Was sind Ihre Pläne? Gibt es eine Wunschliste mit Künstlern, die Sie im A-Trane noch auf die Bühne bringen wollen? Den Blick nach vorne habe ich immer. Ich hasse es, wenn Stillstand herrscht. Nicht stehenbleiben und nicht stagnieren ist mein Motto. Ideen sind da, nur die Zeit ist manchmal noch nicht gekommen, um sie auszusprechen. Ich würde zum Beispiel sehr gerne die Konzertreihe „A-Trane Jazz Report“ wieder zurück ins Leben rufen. Ich hätte auch noch gerne Steve Gadd auf meiner Bühne gesehen.  DAS GESPRÄCH FÜHRTE KAI GEIGER.

Jazzcafé Grolman

Sedal Sardan © Daniel Wetzel

leer und die Verwaltung bot mir an, dort etwas zu machen.  Das  SOULTRANE als Jazz&Dining ist sehr gut angenommen worden. Es  wurde  innerhalb der ersten 6 Monate viel bekannter als das A-Trane in 10 Jahren und lief auch ganz gut. Ich hatte mich aber mit dieser zusätzlichen Arbeit einfach übernommen und das Resultat war ein BurnOut. Der Rest ist Geschichte, was heute zählt, ist das A-Trane!   Was zeichnet einen guten Jazzclub aus? Ein guter Jazzclub besteht zunächst aus einem guten Team! Dann kommen die Serviceleistungen für die Gäste und auch für die Musiker. Um zu den ernst zu nehmenden Clubs zu gehören, musst du über einen gut gepflegten Flügel und ebenso über eine gut funktionierende und gut klingende Back Line verfügen. Du musst die Konzerte gut in den Fokus stellen. Während des Besuchs im Club muss die Musik ungestört gehört werden können, damit auch die Musiker sich gehört und gut fühlen. Die Tontechniker müssen dafür sorgen, sowohl den Musikern als auch den Gästen einen schönen Sound zu präsentieren. Das Personal muss vielfach im Jahr gebrieft werden, um einen fließenden Arbeitsablauf zu gewährleisten, damit der Abend für die Gäste unvergesslich bleibt. Teamgeist muss geschaffen werden. Das habe ich aus dem Sport übernommen. Um ein einigermaßen gutes Programm zu erstellen, muss der Betreiber seine Ohren und Augen überall haben. Der Club sollte von Gästen und Musikern weiterempfohlen werden, was für mich das Hauptziel eines Jazzclubs sein muss. Das aber wiederum heißt … immer an sich selbst arbeiten!   Wer besucht das A-Trane? Die Besucher sind sehr gemischt. Sie kommen aus allen Teilen der Welt, ich würde sagen, dass wir eine 50/50-Situation haben: Touristen und Berliner. Die  Jugend ist sehr stark vertreten,  das freut mich am meisten! Sie kommen hauptsächlich an den Montagen, wo Andreas Schmidt bei freiem Eintritt seine Freunde zum Jammen einlädt.  Aber auch die Late-Night-Jam-Session in der Nacht von Samstag zu Sonntag ab 00.00 Uhr ist sehr erfolgreich und bei jungen Musikern sehr beliebt! Nicht zu vergessen, die Hochschul-MusikstudentInnen, die ihre eigenen Werke im A-Trane-Konzert darbieten  und damit ein vornehmlich junges Publikum ziehen.   Wie hat sich der Jazz, die Jazzszene, Ihr Publikum in den letzten 20 Jahren verändert? Jazz erlebt immer Schwankungen. Er durchläuft viele Phasen, verbunden mit Höhen und Tiefen. Jazz verändert sich. Er passt sich an. Jazz wird es immer geben. Es ist aber auch gut so, denn: Die Freiheit im Jazz ist in keiner anderen Musik so stark vertreten. Hier kann sich die Kunst ausleben. Der Hörer genießt die freie Art zu improvisieren und wird eingebunden. Die internationale Jazzszene ist zurzeit insgesamt etwas ruhiger geworden, weil sie nicht mehr so oft auf Tournee geht, da sich das Ganze am Ende oft nicht rechnet. Aber die Berliner Jazzszene ist nach wie vor sehr lebendig. Das Publikum ist immer noch sehr an Livemusik interessiert, wie eh und je.   Wie ist der Stellenwert von Jazz in Berlin? Die Stadt Berlin hat sich ganz weit nach vorne katapultiert, wenn es um  die  Jazzmetropolen  dieser Welt geht. Viele Musiker sind bereits schon nach Berlin gezogen, und es werden von Jahr zu Jahr immer mehr. Das ist doch schon ein gutes Zeichen! In

Jazzclubs | 27

Das Jazzcafé ist das Restaurant von Charlottenburgs ältestem Jazzclub A-Trane. 2012 gegründet und vis-à-vis des Clubs gelegen, hat es sich schnell zu einem beliebten Treffpunkt sowohl für das Konzertpublikum, die Musiker wie auch alle anderen Liebhaber von gutem Essen und guter Musik gemausert. Auf der täglich wechselnden Abendkarte finden Sie neben deutschen Lieblingsgerichten auch viele internationale Speisen, von Fisch und Fleisch bis zu Vegetarischem. Besonderer Beliebtheit erfreut sich das Wiener Schnitzel, klassisch mit lauwarmem KartoffelGurkensalat serviert, und die Tapas – „was Richtiges“ im Miniformat. Geflügelleberchen, Blutwürstlein oder Königsberger Klöpschen sind auch zu später Stunde begehrte Begleiter zu einem schönen Glas Wein. Jazzcafé Grolman Grolmanstraße 53 10623 Berlin www.jazzcafeberlin.de Jazz-Club A-Trane Bleibtreustraße 1/Ecke Pestalozzistraße 10625 Berlin


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Bochum

Ruhrtriennale 2017 Im Fokus der Spielzeit stehen Utopien und Zukunftsvisionen

Die Ruhrtriennale ist das Festival der Künste in der Metropole Ruhr. In ehemaligen Kraftzentralen, Kokereien, Gebläsehallen, Maschinenhäusern und Kohlenmischanlagen, auf Halden und Brachen von Bergbau und Stahlindustrie zeigt das Festival jeden Sommer Musiktheater, Schauspiel, Tanz, Installationen und Konzerte. Über sechs Wochen wird die Einzigartigkeit dieser nachindustriellen Orte mit aktuellen Entwicklungen der internationalen Kulturszene verbunden. Uraufführungen, Weltpremieren und neue Werke prägen den Spielplan und machen einen Besuch der Ruhrtriennale zu einem unvergleichlichen Ereignis. Jede Saison gehen Festival-Inszenierungen vom Ruhrgebiet aus auf Welttournee.

Der Intendant der Ruhrtriennale von 2015 bis 2017 ist der niederländische Theater- und Opernregisseur Johan Simons. Seiner Ruhrtriennale steht das Motiv „Seid umschlungen“ voran, zwei Worte aus Schillers Ode „An die Freude“, die später von Beethoven in seiner 9. Sinfonie vertont worden ist. Die Ruhrtriennale macht mit „Seid umschlungen“ eine Geste der künstlerischen, gesellschaftlichen und geografischen Umarmung. Auch in diesem Jahr spannt die Ruhrtriennale einen weiten musikalischen Bogen vom 16. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Am Eröffnungswochenende des Festivals findet zum dritten und letzten Mal im Rahmen der Ruhrtriennale die „Ritournelle“ statt, die Festivalnacht der elektronischen Musik. Am 19.8.17 ab 18 Uhr feiern FestivalbesucherInnen bis in die frühen Morgenstunden zu den Sounds von Nicolas Jaar, Sohn, Mykki Blanco, Actress und KünstlerInnen des Denovali Labels. 18.8. – 30.9.2017 | www.ruhrtriennale.de MYKKI – NEON COLORS © TO FELIX GLASMEYER

Neue Musik Clean City © Christina Georgiadou

Basel (CH) CULTURESCAPES Griechenland

Abtei Brauweiler

MusicaSacraNovaConsono @ Henning Rohm

Musica Sacra Nova 2017

Europäisches Festival für zeitgenössische geistliche Musik Neue, zeitgenössische Chor- und Orgelmusik findet nicht häufig den Weg in Gottesdienst und Konzert. Ein Festival wie Musica Sacra Nova in Brauweiler trägt dazu bei, neue Impulse zu geben und mit verkrusteten Hörgewohnheiten zu brechen – für Zuhörer wie für Kantoren, Pfarrer und auch Künstler. Darüber hinaus werden in Verbindung mit dem internationalen Kompositionswettbewerb für Chor bzw. Orgel (Organisatoren sind das Erzbistum Köln, der Freundeskreis Abtei Brauweiler sowie der Gaude Mater Freundesverein und das Musica Sacra Institut in Polen) junge Komponisten gefördert, deren Preisträgerwerke im Abschlusskonzert aufgeführt werden. Für die Interpretation der Chorwerke konnte der Kölner Kammerchor Consono gewonnen werden, dessen besonderer Schwerpunkt u. a. in der Erarbeitung zeitgenössischer A-cappella-Literatur liegt. Michael Utz, der sich intensiv mit der Interpretation zeitgenössischer Orgelmusik auseinandersetzt, wird die prämierten Orgelwerke uraufführen. Eröffnet wird das Festival mit neuer Orgelmusik aus Wien und Paris, die der renommierte Künstler Wolfgang Kogert präsentiert. Kogert ist Organist an der Wiener Hofburgkapelle, wo er im Rahmen der sonntäglichen Hochämter mit der Wiener Hofmusikkapelle musiziert. Mit historischen Instrumenten und Gesang findet das Ensemble Candens Lilium im zweiten Konzert einen ganz eigenen Weg der künstlerischen Auseinandersetzung mit alten und neuen Klängen. 11. – 13.5.2017 | www.abtei-brauweiler.de

CULTURESCAPES macht sich seit 2003 immer wieder auf, unbekanntes Gebiet – ein Land, eine Stadt oder eine Region – mit Fokus auf die Kulturszene zu erforschen. Als multidisziplinäres Kulturfestival hat sich CULTURESCAPES der Förderung des interkulturellen Dialogs, der Zusammenarbeit und der Vernetzung zwischen verschiedenen Kulturen verschrieben und stößt damit Türen zu neuen „culture-scapes“, also kulturellen Landschaften auf. Die vierzehnte Festivalausgabe 2017 legt den Fokus auf Griechenland. Mit Lesungen, Theaterabenden, Konzerten, Filmvorführungen, Ausstellungen, Vorträgen und vielem mehr widmet sich das Festival vom 5. Oktober bis 3. Dezember 2017 mit über 50 Projekten dem zeitgenössischen griechischen Kunstschaffen. Die eingeladenen Produktionen beschäftigen sich mit drei Spannungsfeldern der griechischen Gesellschaft: Krise, Identität und das Spannungsfeld zwischen zivilisationsbegründender Kulturgeschichte und Gegenwart. Die vielfältigen Produktionen werde im Festivalzentrum Basel und in über 40 Partnerinstitutionen schweizweit zu sehen sein. 5.10. – 3.12.2017 www.culturescapes.ch

liegt dabei auf den klingenden Künsten wie zeitgenössischer, experimenteller Musik und Klangkunst sowie allen Disziplinen, die avanciert Klang einsetzen oder sich im künstlerischen Ausdruck auf Klang beziehen. Im Lauf der letzten 12 Jahre sind dort mehr als 200 Kunstschaffende aus Berlin und über 30 Ländern aufgetreten, etwa zu gleichen Teilen Künstlerinnen und Künstler. Im kommenden Jahr bewegt sich das Klangkunstfest nicht nur zwischen den bekannten Sparten und Genres, sondern auch zwischen verschiedenen Kulturen. 2017 wird das Festival Formen, Strategien und ästhetischen Ausprägungen zeitgenössischen klingenden Kunstschaffens in Berlin nachspüren. Dabei soll es um aktuelle interkulturelle Berührungspunkte, um Unterschiede und um Gemeinsamkeiten gehen, besonders aber um die kulturellen Wurzeln ausgewählter in Berlin aktiver Künstler*innen und deren Einfluss auf die klingenden Werke. Der Begriff „Kulturaustausch“ wird hier in mehrfacher Weise betrachtet. Das Internationale Klangkunstfest wendet sich an alle Kunstinteressierten oder für klingende Kunst zu interessierenden BürgerInnen – auch, aber nicht nur, an das verehrte Fachpublikum. Es findet statt im „tiefsten Wedding“ mit einer Vielzahl bildungsferner Bewohner unterschiedlichster Herkunft. Deshalb wird die Werbung breit und offen angelegt und der Eintritt ist frei. www.inter-art-project.de

Jakob Lenz © Bernd Uhlig Thomas Gerwin © Mariya Boyanova

Berlin Internationales Klangkunstfest Berlin 2017 Festival aktueller klingender Kunst

Kulturaustausch :: Cultural Exchange 14.-17. September 2017 - eine interkulturelle Spurensuche Das Avantgarde-Festival wurde 2004 von der Künstlerinitiative inter art project in Berlin gegründet. Es bespielt und untersucht seitdem jährlich mit Konzerten, Ausstellungen, Soundwalks und Symposien thematisch ausgewählte Areale zwischen den etablierten Kunstformen und Gattungen. Der besondere Fokus

Berlin Infektion! Festival für Neues Musiktheater 2017

Im Zentrum der siebten Ausgabe von INFEKTION! Festival für Neues Musiktheater vom 25. Juni bis 14. Juli 2017 an der Berliner Staatsoper stehen die Premieren von zwei Kammeropern aus den späten 1970er- bzw. frühen 1980er-Jahren. In der Regie von Andrea Breth feiert Wolfgang Rihms Kammeroper in einem Akt, „Jakob Lenz“, am 5. Juli, auf der großen Bühne Premiere. Eröffnet wird das Festival am 25. Juni auf der Werkstattbühne mit Aribert Reimanns „Die Gespenstersonate“, inszeniert von Otto Katzameier. Beide Werke beruhen auf berühmten literarischen Vorlagen

und behandeln – jedes auf seine eigene Weise – menschliche Abgründe, Urängste und Realitätsfluchten. Mit der Premiere von „Eine kleine Sehnsucht“ am 28. Juni begibt sich die Staatsoper auf neues Terrain: Erstmals dient das neben dem Schiller Theater gelegene legendäre Café Keese als Spielstätte. Auf dem Programm steht eine literarisch-musikalische Collage mit Unterhaltungs- und Tanzmusik aus den 1930er-Jahren. Darüber hinaus gibt es im Saal des Schiller Theaters und im Gläsernen Foyer eine Reihe von Kammerkonzerten, die jeweils einen Komponisten (bzw. eine musikalische Kultur) ins Zentrum stellen. Am 6. Juli lädt das Minguet Quartett, das zu den international gefragtesten Streichquartetten zählt, zu einem Kammerkonzert-Quartettabend mit einem inhaltlichen Schwerpunkt auf Wolfgang Rihm. Abgerundet wird das Festival durch die Premiere von „Ouropera“ am 13. Juli, dem neuen Projekt des Jugendklubs der Staatsoper. 25.6. – 14.7.2017 www.staatsoper-berlin.de

Diskursen auf. cresc...2017 setzt sich mit den gesellschaftlichen und politischen Kristallisationsformen der Themen Flucht, Verfolgung, Migration, Identität und Freiheit künstlerisch und diskursiv auseinander. Freuen Sie sich mit uns auf ein spannendes Festival! „cresc...Biennale für Moderne Musik Frankfurt Rhein Main“ ist ein Festival von Ensemble Modern und hr-Sinfonieorchester in Kooperation mit Alte Oper Frankfurt, Institut für zeitgenössische Musik an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main, Internationale Ensemble Modern Akademie, Staatstheater Wiesbaden und weiteren Partnern. 22. – 26.11.2017 www.cresc-biennale.de

Kassel Neue Musik in der Kirche

hr-Sinfonieorchester | Licht und Schatten © hr Benjamin Knabe

Frankfurt cresc...2O17

Unter dem Motto TRANSIT präsentiert die vierte Ausgabe der Biennale für Moderne Musik Frankfurt Rhein Main „cresc...“ vom 22. bis 26. November 2017, Ensemble- und Orchestermusik, Jazz, Tanz- und Musik-Performances in der Region Frankfurt Rhein Main. Der Begriff des TRANSITS, der mit Musik und Klangkunst geradezu wesenhaft verbunden ist, bildet dabei ein Spannungsfeld, dem im Festival ein besonderer Raum gegeben wird: mit Künstlern, die Brücken schlagen, Grenzen überschreiten, sich stets neu verorten, sich zwischen Ländern, Kulturen und Genres bewegen. So etwa der Komponist Isang Yun, dessen Geburtstag sich 2017 zum 100. Mal jährt. Zeitlebens vermittelte er zwischen Süd- und Nordkorea, Europa und Asien, aber auch zwischen Tradition und Avantgarde, zwischen Kunst und Politik. Auch die Uraufführungen junger Komponisten des Internationalen Kompositionsseminars zeigen zahlreiche Verknüpfungspunkte zu aktuellen

Neben der Pflege der Tradition ist St. Martin zu einem überregional bedeutsamen Zentrum für „neue musik in der kirche“ geworden. Dieses einzigartige Projekt eines interdisziplinären Dialogs von Neuer Musik und Theologie wird erhalten, gefördert und weiterentwickelt. Regelmäßig entfaltet das Festival „neue musik in der kirche“ seit über vierzig Jahren Begegnungsräume zwischen neuster Musik und Kirche. In Konzerten, Gottesdiensten, Seminaren, Schulprojekten und vielen weiteren Gestaltungsformen stehen aktuelle Komponisten im Mittelpunkt. 2012 widmete sich das Festival der Komponistin Charlotte Seither. Eine intensive Begegnung mit der Musik von Manfred Trojahn war 2016 das Festival „Körperstürme“ für Tanz und zeitgenössische Musik. 2017 steht die Einweihung der neuen großen Orgel im Mittelpunkt. Über das Festival hinaus findet die zeitgenössische Musik im Alltag der kirchenmusikalischen Arbeit einen breiten Raum, in kleineren Predigtreihen, in Konzerten und weiteren Spielformen. In den letzten Jahren wurden Werke von Lucia Ronchetti, Sergej Newski, Petros Ovsepyan, Gerhard Stäbler, Philipp Maintz, Ulrich Gasser und zahlreichen weiteren Komponisten aufgeführt. Die Neue Musik ist in St. Martin durch ihre


ELLA | arttourist.com JAZZ & Neue Musik | 2017 kontinuierliche Pflege zu einer Selbstverständlichkeit für die Menschen in Kassel geworden. www.musik-martinskirche.de/Neue-Musik/

Gamelan Taman Indah 5.5. Trinitatiskirche ©Jörg Hejkal

Köln ACHT BRÜCKEN 2017

2017 findet ACHT BRÜCKEN vom 28. April bis 7. Mai unter dem Motto „Ton. Satz. Laut.“ statt und widmet sich dem Verhältnis von Musik und Sprache. Nicht nur Wissenschaftler, auch Philosophen oder Künstler lassen sich von jeher vom Zusammenspiel von Musik und Sprache faszinieren und inspirieren. Die Gemeinsamkeit der Themenfelder liegt auf der Hand: Beide kombinieren einzelne Töne und Laute nach bestimmten Regeln. Man spricht von Sprachmelodie ebenso wie von musikalischer Grammatik und nicht zuletzt, über alle kulturellen Grenzen hinweg, von Musik als universeller Sprache der Menschheit. Im Fokus des Festivals steht 2017 die südkoreanische Komponistin Unsuk Chin. Eine ganz eigene Verbindung von Musik und Sprache werden Stars der internationalen Hip-Hop-Szene präsentieren. 28.4.–7.5.2017 www.achtbruecken.de Termin 2018: 29.4.–11.5.2017

© Maike Lindemann

Leipzig Musikzeit

Vier Solokonzerte stehen im Mittelpunkt der diesjährigen MusikZeit am 8. und 9. Juni. Unser Minifestival  findet seit 1991 jährlich statt und präsentiert diesmal im Liveclub Telegraph Gitarrenikone Ralph Towner,  Stimmakrobatin Maike Lindemann, den aktuellen Leipziger Jazznachwuchspreisträger Robert Lucaciu am Kontrabass und einen weiteren Act in exklusiven Solokonzerten, ohne Band, ohne Zusatzstoffe, ganz pur: „Nur du allein“. Der Vorverkauf für die Konzerte startet im April bei Culton Tickets. Das Solo hat im Jazz von Anfang an verschiedenste Bedeutungen gehabt – vom Dixieland und Swing über Cool und Free Jazz bis zur heutigen Zeit – vom (un-)begleiteten Spiel eines Einzelmusikers über die Besetzung nur eines Instruments bis zur Interpretation eines Stückes durch einen herausgestellten Solisten. In „Nur du allein“ geht es uns nicht um das Wechselspiel von Solo und Ensemble, sondern um die reine individuelle Ausdrucksweise der einzelnen KünstlerInnen. Wir möchten das solistische, unbegleitete Spiel als den Dialog zeigen, der ausschließlich zwischen MusikerIn und Publikum geführt wird. Intimer kann man MusikerInnen nicht erleben. 8.–9.6.2017 | www.jazzclub-leipzig.de/ musikzeit/thema-2017/

Neue Musik | 29

Ulm

Festival Neue Musik 1996 wurde die Reihe neue musik im Stadthaus Ulm aus der Taufe gehoben. Hier hat die Musik des 20. und des 21. Jahrhunderts ihre Präsenz. Zwischen Technik, Wissenschaft und Kunst bestehen vielerlei Wechselwirkungen. Für eine Stadt wie Ulm, die sich mit Attributen wie „Science Park“ und „Wissenschaftsstadt“ identifiziert, ist es unerlässlich, ein kulturelles Umfeld um Wissenschaften und High Tech zu bilden. Zunächst ist es das Stadthaus selbst, das mit seiner zeitgenössischen und dennoch deutlich der Tradition der Klassischen Moderne verbundenen Architektur Richard Meiers ein ideales Forum für Neue Musik ist. Die Architektur wirkt inspirierend auf die Musikerinnen und Musiker sowie auf das Publikum.

Der ungewöhnlichen, wohlbedachten Programmplanung des Projektleiters Jürgen Grözinger sind der breite Zuspruch und die Beachtung weit über Ulm hinaus zu verdanken. Neue Musik bleibt im Stadthaus Ulm nicht einem kleinen fachkundigen und somit elitären Kreis vorbehalten, sondern wird für viele erfahrbar. Ein besonderer Glücksfall ist auch das von Jürgen Grözinger gegründete European Music Project, mit dem das Stadthaus ein aus Spitzen-Musikern bestehendes Ensemble als „Artists in Residence“ an sich gebunden hat. Das Publikum erhält so die vergleichbar seltene Chance, selbst ungewöhnlich besetzte und technisch äußerst anspruchsvolle Kammermusikwerke des 20. und 21. Jahrhunderts in außergewöhnlichen Darbietungen zu erleben. Das nächste Festival: April 2018 www.stadthaus.ulm.de

Linz (A) Internationales Brucknerfest 2017 | Bruckner elementar |

Unter dem Motto „Bruckner elementar“ stehen beim Int. Brucknerfest 2017 die Werke und das Wirken von Anton Bruckner im Mittelpunkt. Nationale und internationale KünstlerInnen richten bei ihren Gastspielen in Linz und St. Florian den Fokus auf das Œuvre Bruckners: ob Valery Gergiev, der mit seinen Münchner Philharmonikern über die nächsten Jahre den gesamten Bruckner auf DVD und CD in St. Florian, der Wirkungsstätte Bruckners, einspielen wird, der Zeitgenosse Gustav Mahler, der vom Cleveland Orchestra unter der Leitung von Franz Welser-Möst präsentiert wird, oder der neue Chefdirigent des Bruckner Orchesters Linz,

neue musik im stadthaus ulm 2016 Foto: Dr. Sabine Presuhn/© Stadthaus Ulm


ELLA | arttourist.com JAZZ & Neue Musik | 2017

Bruckner elementar

30 | Neue Musik

INTERNATIONALES

BRUCKNERFEST LINZ

16.9. bis 13.10.2017 W W W

. B R U C K N E R F E S T . A T

© Brucknerfest Linz

Markus Poschner, welcher mit Bruckners Achter ganz maßgeblich einen Diskurs des Komponisten einbringen wird. „Anton Bruckner war ein Grenzgänger, er war ein elementarer Musiker. Keiner hat so große Symphonien geschrieben und die Grenzen nach allen Seiten ausgelotet. Dies steht als Synonym für das Int. Brucknerfest 2017“, beschreibt der künstlerische Leiter des Brucknerhauses, Prof. Hans-Joachim Frey, das Int. Brucknerfest. 16.09.-13.10.2017 | www.brucknerhaus.at/ brucknerfest/brucknerfest

Klangspuren Feature © Gerhard Berger

selbstverständlich rückt das musikalische Schaffen von Frauen in den Vordergrund. Werke und Performances von Komponistinnen und Musikerinnen werden in ihrer Originalität, Qualität und Eigenwilligkeit als bedeutende und reichhaltige Beiträge zur Entwicklung in der Neuen Musik erlebbar, ohne dass damit Musik von Künstlern männlichen Geschlechts ausgeschlossen würde – eine Frage der Gewichtung. Die russisch-tatarische Komponistin SOFIA GUBAIDULINA, die große alte Dame der Neuen Musik, ist Composer in Residence des diesjährigen FESTIVALS und der KLANGSPUREN INTERNATIONAL ENSEMBLE MODERN ACADEMY, und Werke aus ihren verschiedenen Schaffensperioden werden im Festivalprogramm zu hören sein. Die beliebte musikalische Pilgerwanderung auf dem Jakobsweg führt 2017 ins Tiroler Unterland. Das Tiroler Symphonieorchester Innsbruck gibt mit dem Eröffnungskonzert den Auftakt des Festivals am 7. September. Viele weitere experimentierfreudige Kostbarkeiten und Abenteuer des Hörens und Sehens erwarten die Besucher bei KLANGSPUREN 2017. 7. – 23.9.2017 | www.klangspuren.at

Ensemble via nova © Axel Clemens

Potsdam >intersonanzen< ZWISCHEN.TÖNE

Unter Zwischentönen versteht man/ frau normalerweise das, was zwischen den Worten gesagt wird, etwas, das mitklingt, ohne ausdrücklich ausgesprochen zu werden – oft aber ungleich wichtiger ist als der offenkundige Wortlaut. Um Zwischentöne zu verstehen, muss man/ frau sehr genau hinhören. In diesem feinen Bereich des zeitgenössischen Musikschaffens bewegt sich das musikalische Programm des diesjährigen >intersonanzen<-Festivals des Brandenburgischen Vereins Neue Musik e.V. und lädt dazu ein, mit Vergnügen genau hinzuhören. Es geht hierbei nicht nur um die Zwischentöne in den Werken der klingenden Kunst selbst, sondern auch um das, was zwischen den Menschen passiert, die beteiligt sind – und welche Beziehungen zwischen den einzelnen Ereignissen und Formaten im Festival entstehen. Wir entwickeln einen Parcours der zeitgenössischen klingenden Kunst, bei dem jeweils eine Veranstaltung die anderen kommentiert und kontrapunktiert. Alle Konzerte sind kuratiert und bespielen jeweils einen bestimmten Aspekt des Gesamtthemas ZWISCHEN.TÖNE. Hierfür gibt es im Vorfeld eine Ausschreibung unter den Schöpfer_innen Neuer Musik im Land, neue Werke zu schaffen. Auf diese Weise entsteht die BVNM-typische, ganz besondere Mischung neuester Kompositionen aus Brandenburg in Beziehung zu internationalem Repertoire. Hierbei sollen zum ersten Mal konzeptionell auch Klangkunstwerke einbezogen werden. 27. – 29.10.2017 www.neue-musik-brandenburg.de

Schwaz (A) KLANGSPUREN SCHWAZ Tiroler Festival für Neue Musik NOCH FRAGEN? ANY QUESTIONS?

NOCH FRAGEN? ANY QUESTIONS? – die 24. Ausgabe des Tiroler Festivals für Neue Musik KLANGSPUREN verschiebt die üblichen Koordinaten der Geschlechterverteilung auf den Spielzetteln der Gegenwartsmusik. Wie

Fotogruppe Puchwerke mit Gruppe Pool (Haber, Kriesche, Neubacher) Konzeption: Kriesche

Graz (A)

Wallis (CH) Forum Wallis

Das Forum Wallis ist eines der wichtigsten Festivals für Neue Musik der Schweiz und findet jährlich an Pfingsten auf Schloss Leuk statt. Es steht unter der Leitung der IGNM-VS, der Ortssektion der Int. Gesellschaft für Neue Musik ISCM und hat seit 2006 sage und schreibe über 300 Uraufführungen mitproduziert. 2015 brachte es Stockhausens spektakuläres Helikopter-Streichquartett zusammen mit dem Arditti Quartet, André Richard und Air Glaciers erstmals über den Alpen zur Aufführung. 2017 finden Experimental-JazzKonzerte, Klangspaziergänge und Konzerte mit  Neuer Elektronischer Musik statt, außerdem sind mit dem Ensemble Recherche, Taller Sonoro, UMS 'n JIP, dissonArt und dem Ensemble für Neue Musk Zürich eine Vielzahl bedeutender europäischer Ensembles vom 1.–5. Juni im mittelalterlichen Städtchen Leuk zu Gast und vermitteln einen spannenden Einblick in das Schaffen der aktuellen Musikavantgarde. 1. – 5.6.2017 | www.forumwallis.ch/

Wien Wien Modern 30 – Bilder im Kopf

Erfrischt und gestärkt durch einen neuen Besucherrekord geht Wien Modern 2017 mit hohem Tempo in die 30. Festivalausgabe. „Bilder im Kopf“ verspricht das Thema, und auch wenn dabei viel zu sehen sein wird, steht eins im Mittelpunkt – die erstaunliche Fähigkeit der Musik, Vorstellungen zu erzeugen, Orte zu beschwören und die Fantasie in Gang zu setzen. Und ganz unbescheiden ausgedrückt, sind einige

Der steirische herbst feiert Jubiläum! Das Festival findet zum fünfzigsten Mal statt. Paradox (und etwas selbstironisch) kann man den steirischen herbst als Festival der Avantgarde mit Tradition bezeichnen: Seit fünfzig Jahren ist er eines der weltweit wenigen Festivals für zeitgenössische Künste, das seinem Wesen nach wahrhaft multidisziplinär ist. Immer wieder in seiner Geschichte hat er sich neu erfunden – eine amorphe Institution in progress, die sich von Jahr zu Jahr die Frage nach den eigenen Bedingungen und Notwendigkeiten als eigenwillige Plattform neuer Kunst stellt. Mit rund 130 Produktionen an 24 Festivaltagen, zahlreichen Erst- und Uraufführungen sowie Kooperationen mit Institutionen international und lokal zieht der

steirische herbst von Ende September bis Mitte Oktober weite Kreise in Graz und in der Steiermark – diesmal vor allem auch in der Obersteiermark: Die Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek hat dem steirischen herbst den in ihrer Heimat angesiedelten Roman „Die Kinder der Toten“ freigegeben für eine filmischperformative Inszenierung durch das amerikanische PerformanceKollektiv Nature Theater of Oklahoma. Die Produktion wird 2017 an Originalschauplätzen des Buches rund um Neuberg an der Mürz in der Obersteiermark umgesetzt. Begleitet wird sie von einem umfangreichen Rahmenprogramm  – Lesungen, Konzerte, etc.

der Produktionen des Jubiläumsjahrs schlicht ganz großes Kino: Olga Neuwirths Venedig-Hommage „Le encantadas“, Hans Werner Henzes Skandalstück „Das Floß der Medusa“ von 1968, „J‘accuse“, der auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs gedrehte bildgewaltige Film von Abel Gance (1919) mit Musik von Philippe Schoeller (2014), „Les espaces acoustiques“ von Gérard

Ergänzend zum Festivalprogramm wird im Jubiläumsjahr 2017 eine ganze Reihe an Projekten der Geschichte des steirischen herbst nachgehen – eine Sonderausstellung im GrazMuseum etwa oder Audiowalks zu historischen Festivalschauplätzen. Und auch das ORF-musikprotokoll lädt zu einer gemeinsamen Feier: Mit Tanzmusik für fortgeschrittene  Hörer, komponiert von zeitgenössischen Komponistinnen und Komponisten für das RSO Wien. 22.9.–15.10.2017 www.steirischerherbst.at

Grisey, die „Chinese Opera“ von Peter Eötvös, „Le passage du Styx d'après Patinir“ von Hugues Dufourt u. v. a. Mit Ur- und Erstaufführungen von Christof Dienz, Katharina Klement/Marlene Streeruwitz, Iris Ter Schiphorst, Wolfram Schurig, Jennifer Walshe, Gerhard E. Winkler u. v. a. 31.10 – 1.12.2017 | www.wienmodern.at


20.–22. 10. 2017

Informationen: swr.de/donaueschingen Karten: reservix.de

Donaueschinger Musiktage Mit Werken von

Serge Baghdassarian & Boris Baltschun Walter Cee Eivind Buene George Crumb Chaja Czernowin Bill Dietz Andreas Dohmen Ekkehard Ehlers

Hanna Eimermacher Márton Illés Dmitri Kourliandski Bernhard Lang Bernhard Leitner Thomas Meadowcroft Misato Mochizuki Ole Henrik Moe Emmanuel Nunes

Marianthi Papalexandri-Alexandri Marina Rosenfeld James Saunders Alexander Schubert Martin Schüttler Jagoda Szmytka Chiyoko Szlavnics Øyvind Torvund Francesca Verunelli


St채hlem체hle A Q U A

V I T A E

Vergessen Sie alles, was Sie 체ber Schnaps wissen. DIE ZEIT 체ber Christoph Keller

ELLA  

ELLA is culture, art, music, theatre, photography - published in Konstanz.

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