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CARL

#11 arttourist.com gazette Frühling/Sommer 2017

KUNST | STÄDTE & REGIONEN | THEATER | KLASSIK | FESTIVALS | TANZ & BALLETT | JAZZ NEUE MUSIK | FILM | FOTOGRAFIE | LITERATUR | MODE | DESIGN | ESSEN & TRINKEN


Gabriele Münter, Bildnis Marianne von Werefkin, 1909

STÄDTISCHE GALERIE IM LENBACHHAUS UND KUNSTBAU MÜNCHEN

Foto: Lenbachhaus, © Gabriele Münter- und Johannes Eichner-StiftungVG Bild-Kunst, Bonn 2017

GABRIELE MÜNTER 31 OKT 2017 BIS 8 APR 2018 LENBACHHAUS


JULES | arttourist.com 1|2016

Editorial | 3



Editorial Liebe Leserin, lieber Leser, liebe Kunden und Freunde der arttourist.com Mit CARL und der Assoziation CARL Orff erscheinen wir erstmals bereits zur art KARLSRUHE mit einem aktuellen Heft, um dem Kunst und Kultur interessierten Publikum in Karlsruhe an unserem Stand aus erster Hand die Highlights der Kultursaison Frühjahr/Sommer 2017 zu präsentieren. Ein weiterer Grund ist, dass wir mit einem Vorlauf von vier Wochen auf die Internationale Tourismus Börse und die CULTURE Lounge hinweisen und heranführen können, die für viele Kultureinrichtungen, Veranstalter und auch für uns der wichtigste Marktplatz sowie Kontakt- und Ideenbörse ist.

Bernhard Ganter | © Helmuth Scham, www.schampus.com

Orff | Porträt Kreye Archiv Salzburg

»CARL« Bernhard Gander

»CARL« Carl Orff

Geboren 1969 in Lienz. Studium am Tiroler Landeskonservatorium (Klavier, Tonsatz, Dirigieren); Kompositionsstudium in Graz bei Beat Furrer; Elektroakustische Musik am Studio UPIC/Paris und am Schweizerischen Zentrum für Computermusik Zürich. Musikförderungspreis der Stadt Wien für Komposition 2004; Erste Bank Kompositionspreis 2005; Staatsstipendium für Komposition 2005/07; SKE Publicity Preis 2009; Ernst Krenek Preis 2012 für melting pot. Aufträge von: Klangforum Wien, Ensemble Modern, Ensemble intercontemporain, Wiener Konzerthaus, Steirischer Herbst, ORF, Klangspuren, Donaueschinger Musiktage, Wiener Festwochen, Musica Strasbourg, Wittener Tage für neue Kammermusik, Biennale München, Neue Vocalsolisten Stuttgart u. a.

Komponist und Theatermann, Humanist und Pädagoge gleichermaßen, erlangte durch seine »Carmina Burana« Weltruhm. In der Vielfalt seiner Bühnenwerke, in denen er Anregungen aus dem mittelalterlichen Mysterienspiel, den Volksstoffen seiner bairischen Heimat, aus Märchen der Welt bis hin zur griechischen Tragödie verarbeitet, offenbart sich die Schaffenskraft einer der herausragenden Künstlerpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts. Auch sein weltweit in über dreißig Ländern der Erde präsentes Orff-Schulwerk der elementaren Musik- und Bewegungserziehung belebt und prägt seit mehr als fünfzig Jahren die Musikpädagogik für Kinder rund um unseren Globus.

www.bernhardgander.at

www.orff.de

Bisher erschienen: THOMAS PABLO FRIDA #2 arttourist.com gazette Herbst / Winter 2012 Gratisexemplar

#1 arttourist.com gazette Frühjahr / Sommer 2012 Gratisexemplar

GRET

#4 arttourist.com gazette Winter 2013/2014

Kunst | Kultur | Festivals | Reisen | Essen & Trinken | Shopping

Kunst | Kultur | Festivals | Reisen | Essen & Trinken | Shopping

BILLIE

#6 arttourist.com gazette Herbst/Winter 2014/2015

Kunst | Kultur | Festivals | Reisen | Essen & Trinken | Design & Lifestyle

EMILE

#7 arttourist.com gazette Frühling/Sommer 2015

Kunst | Kultur | Festivals | Reisen | Essen & Trinken | Design & Lifestyle

#11 arttourist.com gazette Frühling/Sommer 2017

Kunst | Kultur | Festivals | Reisen | Essen & Trinken | Design & Lifestyle

KATE

#8 arttourist.com gazette Herbst/Winter 2015

Kunst | Kultur | Festivals | Reisen | Essen & Trinken | Design & Lifestyle

JULES

KURT

#5 arttourist.com gazette Frühling 2013/2014

Kunst | Kultur | Festivals | Reisen | Essen & Trinken | Design & Lifestyle

Kunst | Kultur | Festivals | Reisen | Essen & Trinken | Shopping

Kunst | Kultur | Festivals | Reisen | Essen & Trinken | Shopping

CARL

#3 arttourist.com gazette Frühling / Sommer 2013 Gratisexemplar

#9 arttourist.com gazette Frühling/Sommer 2016

Kunst | Kultur | Festivals | Reisen | Essen & Trinken | Design & Lifestyle

ASTRID

#10 arttourist.com gazette Herbst/Winter 2016

Kunst | Kultur | Festivals | Reisen | Essen & Trinken | Design & Lifestyle

GABRIELE

Jetzt en! r e i n n o b a

Kunst | Kultur

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# 12 gazette Herbst 2017

arttourist.com

ter online un urist.com o t t r .a w w w erscheint im Herbst 2017

JAZZ ACROSS EUROPE Projektleitung Kai Geiger, ART CITIES IN EUROPE GmbH | arttourist.com Ein Marketingprojekt des EJN Europe Jazz Network auf Initiative der jazzahead! Bremen,Deutschland. Ziel ist es, Jazzfestivals und deren Besucher miteinander zu vernetzen, die Zusammenarbeit und Expertise der einzelnen Festivals und deren tätigen Personen auf einem europäischen Level zu entwickeln und zu stärken. Deren Programm durch touristische Angebote zu bereichern, diese zu erfassen, zusammen zu stellen, für einen touristischen Markt aufzubereiten und aktiv in Zielmärkten zu vermarkten. www.jazzacrosseurope.com

JAZZ ACROSS EUR WWW.JAZZAC

OPE

ROSSEUROPE.C

OM

Wie kam ich zu Orff? Durch meine Schwester. Nein, eigentlich durch meine Kinder Emma und Moritz, die meine Schwester vor drei Jahren auf die OrffFamilienfreizeit in Hohebuch mitgenommen hatte. Meine Frau und ich sahen darin die Chance für einen Freiraum für die nächsten Jahre, wenn es den Kindern Spaß machte. Als wir sie nach einer Woche in Hohebuch abholten, pünktlich zur Offenen Bühne, die den Abschluss der Freizeit bildet, fanden wir total glückliche, zufriedene und Orff-aufgeladene Kinder vor. Dies und der unbedingte Wunsch unserer Kinder, dass wir im darauffolgenden Jahr als Familie nach Hohebuch reisen sollen und die Begeisterung, die von der Offenen Bühne ausging, hatte uns bereits an diesem Tag gepackt. Zwei Orff-Freizeiten später und die 2017er im Blick, freue ich mich, Ihnen dieses wunderbare Projekt, die Menschen dahinter und ein Stück weit auch Orff vorzustellen und näherzubringen. Für mich steht fest: In uns allen steckt ein Stück Orff. Probieren Sie es aus! Die Orff-Schulwerk Gesellschaft bietet tolle Kurse, auch für Laien wie mich. Beim Arbeiten und Recherchieren an CARL sind mir wieder viele Themen begegnet, die ich zum Teil aufgenommen, dann wieder verworfen, durch andere ersetzt oder durch die ich spannend Neues entdeckt habe. Es sind immer wieder die Menschen. Leidenschaften, die mich bewegen und mitreißen. So war es ein nächtliches Kennenlernen von Stefan Eberlein beim Einhaldenfestival, das mich für den Dokumentarfilm und die Arbeit eines Dokumentarfilmers begeistert hat. Ein Thema, was schon bei der letzten art KARLSRUHE kurz aufflackerte, als mein Standnachbar Norbert Kaiser von artmetropol tv war. Dass dann mit Saskia Kress und Monika Mack wieder Ulm und eine gemeinsame dort verbrachte Zeit eine Rolle spielten, erstaunt mich immer mehr. Einmal abgesehen von den Verbindungen, die alle Themen zu mir aufweisen, spielt doch das Theaterhaus Stuttgart in CARL eine wichtige Rolle. Mit den 30. Internationalen Theaterhaus Jazztagen, dem zweiten Colours International Dance Festival und einem Interview mit Werner Schretzmeier und Eric Gauthier lernen Sie „mein“ und eines der erfolgreichsten freien Kulturhäuser in Europa kennen. Hier begannen viele Leidenschaften. Für den Jazz, für den modernen Tanz, für die eine oder andere Band und auch Freundschaften. Doch nun lasse ich Sie los auf eine mit 96 Seiten prall gefüllte, spannende, anregende, zum Reisen, Besuchen und Verweilen verführende CARL Ausgabe. Mit herzlichen Grüßen

Kai Geiger

KUNST 

Seite 4 -32

LITERATUR 

Seite 45 - 47

FILM 

Seite 58 - 61

TANZ 

Seite 54 - 57

FOTOGRAFIE 

Seite 62 - 63

JAZZ 

Seite 49 - 51, 90

NEUE MUSIK 

Seite 33 - 36

KLASSIK 

Seite 37 - 52

FESTIVALS 

Seite 43 - 44, 90

STÄDTE & REGIONEN BELGIEN 

Seite 6 - 9

DÜSSELDORF 

Seite 14 - 15

FLANDERN 

Seite 17 - 21

KONSTANZ 

Seite 27

KARLSRUHE 

Seite 94 - 96

NANTES 

Seite 25, 28, 81, 90

TÜBINGEN 

Seite 31 - 32

SPECIALS GRAND TOUR 

Seite 65 - 80

ITB KULTUR 

Seite 81 - 96

THEATERHAUS STUTTGART 

Seite 49 - 55

Herzliche Grüße, Ihr

arttourist.com

KICKS OFF 2017

Kai Geiger ART CITIES IN EUROPE GmbH geiger@arttourist.com Impressum: ART CITIES IN EUROPE GmbH | Titel: CARL, Bernhard Gander, © Helmuth Scham, www. schampus.com | Produktion, Gestaltung & Layout: Chris Bernert, chris@deluxe-grafik.com | Teil-

Danke:

lektorat: Katharina Raub, Berlin, www.raublektorat.de | Druck: Druckhaus Waiblingen www.dhw. DRUCKHAUS WAIBLINGEN

de | Redaktion: ART CITIES IN EUROPE GmbH | arttourist.com, Glärnischstraße 7, D-78464 Konstanz, Tel. (+49) 07531 9073-0, Fax (+49) 07531 9073-5, www.arttourist.com, info@arttourist.com


4 | Baden-Baden

CARL | arttourist.com 1|2017

Baden-Baden

Sigmar Polke

Alchemie und Arabeske 11.2.2017 – 21.5.2017

Sigmar Polke | Kartoffelköppe (Mao & LBJ), 1965 | Museum Frieder Burda, Baden-Baden | © The Estate of Sigmar Polke, Köln | VG Bild-Kunst Bonn, 2017

Sigmar Polke (1941 – 2010) gehört zu den größten Bild-Erfindern und bedeutendsten Malern Deutschlands. Seine Werke leben von gesteuerten Zufällen und bergen geheimnisvolle Überraschungen. Sie werden von einem besonderen Wort- und Bildwitz begleitet, der alles kategorisch Strenge durchbricht. Die Ausstellung im Museum Frieder Burda in Baden-Baden konzentriert sich auf zwei wesentliche Merkmale in Polkes Arbeiten. Sie rückt unter dem Aspekt Alchemie die zufällig bis chaotisch erscheinenden Bildgründe seiner Malerei in den Fokus, die durch ungewöhnliche Substanzen entstehen, was zu eigenwilligen Farbverläufen führt. In anderen Werken reagieren mineralische Zusätze auf klimatische Veränderungen. Der Alchemie steht der Aspekt Arabeske gegenüber – ornamentale Liniengebilde, die Polke etwa Holzschnitten Dürers und Altdorfers entnahm. Er malte aber auch seine eigenen Handlinien oder generierte Zufallslinien. Sigmar Polke ist diesen wie zufällig erscheinenden, selbst gewählten Ordnungen auch in anderen Materialien und Medien nachgegangen, so goss er Asphaltritzen mit geschmolzenem Gold aus, fotografierte das schnörkelige Wachstum von Weinranken oder radioaktives Urangestein. Er filmte chemische Farbexperimente und sammelte fluoreszierendes Uranglas, interessierte sich für Zerrspiegel. Die Ausstellung präsentiert neben hochkarätigen Gemälden und Papierarbeiten die 1991 in den USA entstandenen »Goldstücke« sowie eine große Anzahl an Fotoarbeiten, zwei Filme sowie Urangestein-Fotografien. Ebenso zu sehen ist eine von Polke selbst angelegte Sammlung von Urangläsern, wobei das fluoreszierende Leuchten, das die Gläser unter Schwarzlicht abstrahlen, ihn besonders angezogen haben dürfte.

Sigmar Polke | Zwei Steine feiern Doppelhochzeit, 1984 | Museum Frieder Burda, Baden-Baden | © The Estate of Sigmar Polke, Köln | VG Bild-Kunst Bonn, 2017

Kurator der Ausstellung ist Helmut Friedel. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit Texten von Helmut Friedel und Barbara Vinken sowie einem Interview von Bice Curiger mit Sigmar Polke im Schirmer/Mosel Verlag. ADRESSE Museum Frieder Burda Lichtentaler Allee 8 b, 76530 Baden-Baden www.museum-frieder-burda.de ÖFFNUNGSZEITEN Di – So 10 – 18 Uhr | An allen Feiertagen geöffnet EINTRITTSPREISE Ticket EUR 13, ermäßigt EUR 11, Schüler ab 9 Jahren EUR 5 Familienticket EUR 27 AUDIOGUIDE deutsch und französisch EUR 4 FÜHRUNGEN Öffentliche Führungen EUR 4, Mi 16 Uhr, Sa, So 11 und 15 Uhr Private Gruppenführungen EUR 75 Buchung von Führungen und Anmeldung von Gruppen +49 (0) 7221 39898-38 | fuehrungen@museum-frieder-burda.de KATALOG Schirmer/Mosel. Mit Texten von Helmut Friedel und Barbara Vinken und einem Gespräch zwischen Bice Curiger und Sigmar Polke. 200 Seiten, Sonderpreis im Museum EUR 36.

Sigmar Polke | Tree of Life, 1983 | Museum Frieder Burda, Baden-Baden © The Estate of Sigmar Polke | VG Bild-Kunst Bonn, 2017

Sigmar Polke | Dürer Hase, 1968 | Museum Frieder Burda, Baden-Baden © The Estate of Sigmar Polke / VG Bild-Kunst Bonn, 2017


CARL | arttourist.com 1|2017

Bad Homburg | 5

Bad Homburg

Thomas Wrede

Modell.Landschaft.Fotografien 12.3. – 5.6.2017 Das Museum Sinclair-Haus zeigt die erste umfassende Werkübersicht des Künstlers, die mit Fotografien von den frühen 1990er Jahren bis zu den aktuellen Werkgruppen erstmals die Zusammenhänge und künstlerischen Entwicklungen der Arbeiten von Thomas Wrede dokumentiert. Der Ausgangspunkt des Künstlers ist immer wieder die Sehnsucht nach der Natur und die Frage nach ihrer medialen Vermittlung und ihrem Abbild.

Thomas Wrede | Domestic Landscapes, Gebirgslandschaft mit Kissen und Stehlampe, 2000 | © Thomas Wrede © VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Thomas Wrede | Magic Worlds, Vulkanlandschaft, 1997 | © Thomas Wrede | VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Auf der dänische Insel Samsö entstehen Anfang der 1990er Jahre Fotografien einer sterbenden Landschaft, deren Oberfläche von landwirtschaftlich genutzten Kunststoffbahnen entstellt wurde. Wrede zeigt hier das Hässliche und das Pittoreske dieser von Plastik durchwirkten Landschaft gleichermaßen. 1994 hält er in großformatigen Schwarz-Weiß-Arbeiten die Abdrücke des Aufpralls von Vögeln auf Fensterscheiben fest, die wie Geister zwischen dem Hier und dem Jenseits, zwischen dem Moment und der Unendlichkeit zu schweben scheinen. Schließlich beginnt Wrede zunehmend die Grenze zwischen Abbild und Wirklichkeit zu suchen. Die Welt wird in seinem Werk mehr und mehr als eine Art Modellbausatz wiedergegeben, als eine große Inszenierung im kleinen Maßstab, zwischen Idyll und Katastrophe. In seinen „Real Landscapes“ werden etwa Spielzeugautos und kleine Modellhäuser auf den Stränden der Nordseeinseln und Sandgruben so platziert,  dass aus einer Pfütze ein See und aus einem Erdhaufen ein Gebirge entsteht. Die fotografische Täuschung seiner Scheinwelten wird nicht durch digitale Bearbeitung, sondern durch das Fehlen von Größenverhältnissen in der realen

Landschaft hervorgerufen. Doch das Abbild vom Abbild führt nicht zur Realität, sondern zu einer Reflexion über die Abbildung als Fiktion der Wirklichkeit. In weiteren fotografischen Serien zeigt Thomas Wrede den Versuch in Freizeitparks „realistische“ Landschaften zu bauen und bürgerlichen Räume durch landschaftliche Naturtapeten Weite zu geben. Die „Seascapes“ schließlich, Fotografien von sommerlichen Strandszenen, wirken dagegen irritierend inszeniert und beinahe  irrealer als die „Real Landscapes“.

Thomas Wrede | Magic Feelings, Brom-Silber-Abzug, 1997| © Thomas Wrede VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Nach der Natur!?

Material, Form, Struktur 25.6. – 10.9.2017 Mit dieser Ausstellung nimmt das Museum Sinclair-Haus Künstler in den Blick, die ihr Arbeitsmaterial direkt in der Natur finden. Diese bietet einen scheinbar unerschöpflichen Fundus an Rohstoffen. Aus Werkstoffen wie Holz, Gras, Blütensamen oder Federn werden vor allem Skulpturen hergestellt. Form und Formbildung spielen dabei eine große Rolle: so orientieren sich einige Künstler an der von der Natur gegebenen Form der Sache selbst, andere wiederum erschaffen ganz wesensfremde Formen. Die spezifischen Eigenschaften der Materialien sind oft unabdingbarer Wesenszug der Arbeiten, wie beispielsweise die Fragilität und Feinteiligkeit von Blütensamen. Was aber bedeutet heute das Siegel

Lionel Sabatté | Juillet, 2011

ADRESSE MUSEUM SINCLAIR-HAUS Löwengasse 15, Eingang Dorotheenstraße 61348 Bad Homburg v. d. Höhe www.altana-kulturstiftung.de

„natürlich“ – wo liegt die Grenze zwischen „echt“ und „künstlerisch“, zwischen „unecht“ und authentisch“. Auch diese Frage wird in dieser Ausstellung eine wichtige Rolle spielen. Wissenschaftler des Instituts für Materialdesign an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach werden auf die Arbeiten der Künstler reagieren und die natürlichen

Materialien, die Formen und Strukturen hinterfragen und weiter entwickeln. In Kooperation mit der Hochschule für Gestaltung Offenbach.

ÖFFNUNGSZEITEN Di 14–20 Uhr, Mi bis Fr 14–19 Uhr Sa, So und Feiertage 10–18 Uhr EINTRITTSPREISE Regulär EUR 5 (ermäßigt EUR 3), Familienkarte EUR 12 Mit Kulturpass EUR 1, Mit Museumsufer- oder ICOMcard Eintritt frei, Mittwochs für alle Eintritt frei FÜHRUNGEN www.altana-kulturstiftung.de BILDUNG KUNST & NATUR +49 (0) 6172 404-120


6  |  Belgien | Brüssel

CARL | arttourist.com 1|2017

Glasmalerei von Raphael Evaldre im herrschaftlichen Stadthaus Hôtel Saintenoy in der Rue de l’Arbre Bénit | © OPT/Evaldre

Brüssel

Hauptstadt des Jugendstils Mit der Maison Tassel schenkte der Architekt Victor Horta 1893 der Welt den ersten Jugendstilbau, und noch im selben Jahr zog Hortas Kollege Paul Hankar mit seinem eigenen Haus nach. Zwanzig Jahre lang behauptete sich Brüssel als architektonische Vorreiterin der in Belgien und Frankreich Art Nouveau genannten Stilrichtung. Noch heute ist Brüssel neben Wien oder Barcelona eine der europäischen Hauptstädte des Jugendstils. Ein regelrechter Bauboom veränderte die Stadt zu dieser Zeit: Auf Anregung von König Leopold II. entstanden neue Viertel in den ehemaligen Randbezirken wie Ixelles, Schaerbeek oder Saint-Gilles, deren Grenzen mit denen der Hauptstadt verschmolzen. Dort wohnten betuchte Freiberufler, Künstler, Ingenieure, Bankiers, Großhändler und Industrielle wie die Familien Solvay und Empain. Diese mithin fortschrittlichen Geister

wünschten sich Wohnhäuser, deren völlig neuer Stil ihren sozialen Stand und Unternehmergeist widerspiegelte.

Motive vor: das Arabeske (Schnörkel), Pflanzen oder Tiere und die weibliche Silhouette. Später, um die Jahrhundertwende, neigten die Formen unter dem Einfluss der Wiener Sezession dazu, geometrischer zu werden, häufig fanden sich dann Kombinationen aus Kreisen und Quadraten.

Gesamtkunstwerke aus Schmiedeeisen, Holz, Glasmalerei und Mosaik Die neuartigen Bauten aus damals ungewöhnlichen Materialien wie Glas, Keramik und Eisen trafen genau ihren Geschmack. Die Verwendung von Metallstrukturen ermöglichte unglaublich kühne Gestaltungen: So ließen sich etwa Fassaden und Innenräume weit öffnen und von Licht durchfluten. Lichte Innenräume gehören wie organische Formen und florales Dekor zu den Hauptmerkmalen des Brüsseler Art Nouveau. Vom Sgraffito auf der Außenwand bis zur Türklinke war jedes Detail durchgestaltet – echte Gesamtkunstwerke also mit kunsthandwerklichen Arbeiten aus Schmiedeeisen, Holz, Glasmalerei und Mosaik auf höchstem Niveau. Dabei herrschten drei

Beeindruckende Treppenhausbemalung im Hotel Hannon (1903), Werk des Architekten Brunfaut © Visit.Brussels/J.P. Remy

Das Hôtel Hannon ist ein Anlaufpunkt jedes Jugendstil-Bummels durch Brüssel. | © Paul Louis

Zart wie Blütenkelche und zugleich aus Eisen und Glas Mehr als 350 Jugendbauten sind bis heute in Brüssel erhalten geblieben, viele von ihnen so zart wie Blütenkelche und zugleich aus Eisen und Glas. Darunter sind die Wohnhäuser der Art Nouveau-Wegbereiter Victor Horta und Théo van Rysselberghe, Stadtvillen der Industrie­ barone Hannon, Solvay, Van Eetvelde, Atelierhäuser der Maler Saint-Cyr und Cauchie sowie die ehemaligen Kaufhäuser Waucquez und Old England. Dazu kommen Schulen, Cafés und Läden. So macht Brüssel seinem Ruf als eine der europäischen Hauptstädte des Jugendstils neben Wien oder Barcelona alle Ehre. www.visit.brussels


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Belgien | Brüssel  |  7

Weitere Highlights

Ein Bummel durch die Hauptstadt des Jugendstils

Musée Horta Wohn- und Atelierhaus des berühmtesten Art Nouveau-Architekten Belgiens, original möbliert, und mit einer Ausstellung zu weiteren Bauten von Victor Horta. Musée Horta | Rue Américaine 25 | 1060 Brüssel www.hortamuseum.be

Hôtel Hannon

Typische Brüsseler Jugendstilfassaden im Viertel um die Etangs d‘Ixelles © Olivier van de Kerchove

Rue Vanderschrik an einem Sonntagmorgen wie so viele andere in Saint-Gilles, dem Brüsseler Jugendstilviertel zwischen den umtriebigen Marollen und dem Szenequartier Ixelles. Eine Besuchergruppe schart sich um den Stadtguide, der die aufwändig gestaltete Häuserzeile von Nummer 1 bis Nummer 25 erklärt. Die Bauten sind das Werk von Ernest Blérot, einem der Väter des Brüsseler Art Nouveau. Danach bummelt das Grüppchen um die Ecke in das Lokal „La Porteuse d´Eau“: Auch das Eckcafé gehört zu den architektonischen Schätzen des Brüsseler Art Nouveau, die auf keinem Jugendstilrundgang durch die belgische Hauptstadt fehlen dürfen – wie auch Victor Hortas Wohn- und Atelierhaus, das ebenfalls in Saint-Gilles steht.

Maison Cauchie Ehemaliges Atelierhaus des Künstlers Paul Cauchie, mit markanter Fassadenmalerei. Führungen durch die Besitzer. Maison Cauchie | Rue des Francs 5 | 1040 Brüssel www.cauchie.be

Maison Autrique Vorbildlich saniertes Stadtpalais von Victor Horta. Wird für Comic-Sonderausstellungen genutzt. Maison Autirique | Chaussée de Haecht 266 | 1030 Brüssel www.autrique.be

Der geniale Architekt – alle Details für jedes Haus neu Leicht und wie aus einem botanischen Lehrbuch gezaubert wirken die besten Entwürfe von Victor Horta (1861-1947). Es sind Häuser, die grazil wie Pflanzen emporwachsen. Aus dem zentralen Treppenhaus erwächst ein lichter Raum, der alle Stockwerke durchzieht. Kühn wölben sich Fassaden, Fensterund Türrahmen. Als unverbesserlicher Individualist entwarf der geniale Architekt alle Details für jedes Haus neu: Türklinken, Heizungskörper, Vertäfelungen, Bodenfliesen, selbst das Mobiliar bilden ein Gesamtkunstwerk mit unverkennbarer Handschrift. In Brüssel hat Victor Horta mehrere herrschaftliche Häuser entworfen, angefangen mit dem Hôtel Tassel, das er 1893 im Auftrag des Physik- und Chemieprofessors Emile Tassel schuf und das den damals 32-jährigen Horta fast über Nacht berühmt machte. Ein Jahr später baute er ein luxuriöses Wohnhaus für die Industriellenfamilie Solvay, das heute als typisches Beispiel für die Brüsseler Ausprägung des Baustils Art Nouveau gilt. Hortas Maison du Peuple (1896-1899) für die belgische Arbeiterpartei allerdings wurde 1965 abgerissen, das von ihm 1901 entworfene Kaufhaus „À l’Innovation“ (1901) brannte 1967 nieder.

Von Art Nouveau zu Art Déco Ab 1903 löste sich Victor Horta vom Jugendstil: Die geschwungenen Linien in seinen Entwürfen wichen dominierenden Geraden. Sein „Gepräge“ hat der Meister indessen behalten und das bewahrt, was sein Genie ausmacht: das Licht, die Farben des Lichts, den Raum und vor allem die räumliche Aufteilung. Der Palast der Schönen Künste Bozar in Brüssel ist das wesentliche Werk aus Hortas späterer Schaffenszeit; es zeigt, wie der Architekt sich in der zweiten Hälfte seiner Laufbahn dem Art Déco zuwandte.

Wahrzeichen des Stadtpalais ist das betörende Wandbild im Treppenhaus: Alle Räume richten sich auf das über mehrere Etagen wogende Bild aus. Die Fotokunstgalerie „Contretype“ nutzt den Bau für Ausstellungen. Hôtel Hannon | Avenue de la Jonction 1 | 1060 Brüssel www.contretype.org

Florist Daniel Ost

Als Horta sich dem Art Déco zuwandte: der Konzertsaal Henry Le Boeuf im Bozar © Jérôme Latteur

Im Haus des Art Nouveau-Erfinders Horta war auf der Höhe des Art Nouveau ein viel beschäftigter Mann. Allein 1898 betreute der Architekt siebzehn Baustellen in Brüssel und blieb täglich fast zwölf Stunden im Büro. Sein Metier vervollkommnete er übrigens bei Alphonse Balat an der Königlichen Akademie der Schönen Künste; Balat entwarf die Königlichen Gewächshäuser im Park von Laeken. Die elegant gewölbten Gebilde aus Glas und Eisen sind jedes Jahr im Frühjahr rund zwei Wochen lang für die Öffentlichkeit geöffnet. Jederzeit zu besuchen ist Hortas Wohn- und Atelierhaus in der Rue Américaine 25 in Saint-Gilles. Es blieb original erhalten und wird heute als Musée Horta geführt. Von außen deutlich erkennbar teilt sich das Anwesen in zwei Trakte. Links wohnte Horta, rechts arbeitete er. Jeder Raum ist ein Manifest für die damals bahnbrechende neue Kunst. Vor der Sogwirkung des lichtdurchfluteten Treppenhauses gibt es kein Entrinnen. Das von oben einfallende Licht zieht einen vorbei an den stählernen Arabesken des Geländers, vorbei am zur Säule umfunktionierten Heizkörper nach oben, unter die goldgelbe Dachkuppel – ein Haus als Rauschzustand.

Exquisiter Blumenladen in ehemaligem Hemdengeschäft von 1898. Daniel Ost|Rue Royale 13 1000 Brussel www.danielost.be

Old England Hinter der filigranen Fassade des 1899 als Kaufhaus „Old England“ errichteten Baus verwahrt das Musée Instrumental 7000 historische Musikinstrumente. Tipp: der Ausblick von der Terrasse des Museumscafés! Musikinstrumente-Museum Rue Montagne de la Cour 2 1000 Brüssel www.mim.fgov.be

Das einstige Textilkaufhaus Old England beherbergt heute das Musikinstrumente-Museum. © Marcel Vanhulst

Victor Horta entwarf einst das Warenhaus Waucquez. Heute wird dort der Neunten Kunst, den Comics, gehuldigt. © Daniel Fouss

Magasins Waucquez

Das Comicmuseum Centre belge de la Bande Dessinée nutzt das von Horta gebaute Warenhaus Waucquez, um 20 000 Alben zu präsentieren. Mit Brasserie Horta, für einen Kaffee, einen Snack, oder das Mittagessen. Belgisches Comiczentrum | Rue des Sables 20 | 1000 Brüssel www.cbbd.be

Musée du Cinquantenaire Jugendstilsammlung mit Schwerpunkt auf Goldschmiedearbeiten und dem von Horta geschaffenen Interieur des Magasin Wolfers, eines berühmten Brüsseler Juweliergeschäfts. Cinquantenaire-Museum Parc du Cinquantenaire 10 | 1000 Brüssel www.kmkg-mrah.be Die Königlichen Gewächshäuser von Laeken wurden vom Architekten Balat entworfen. Er war Victor Hortas Professor und Lehrmeister. | © Olivier Polet


8  |  Belgien | Brüssel

CARL | arttourist.com 1|2017

Weitere Highlights

Das Café „La Porteuse d’eau” gehört zu den Schätzen des Brüsseler Art Nouveau. © Brussels International Tourism & Congress

La Porteuse d´Eau Eck-Brasserie und -Café mit kleiner Terrasse und Saal auf zwei Ebenen. Das Haus ist ein Werk des Brüsseler JugendstilArchitekten Ernest Blerot und ein echtes Jugendstiljuwel: Durch riesige Fenster, die im oberen Teil mit gläsernen Blüten in Braunrot und Weiß abgeschlossen werden, fällt Licht. Eine Wendeltreppe führt unter die flache in Sonnengelb und Orange gehaltene Glaskuppel, die mit blauen Lilien verziert ist. Gäste sitzen auf grünen Lederpolstern und lassen sich warmen Ziegenkäse mit Spinat, Salat aus Meeresfrüchten oder leckeres Hasenragout in Gueuze-Bier schmecken. La Porteuse d’Eau | Avenue Jean Volders 48 | 1060 Brüssel www.laporteusedeau.be Maison Cauchie: ehemaliges Atelierhaus des Künstlers Paul Cauchie in der Rue des Francs | © Brussels International Tourism & Congress

Brüssels Jugendstil-Quartiere In Saint-Gilles, der Wiege des Brüsseler Jugendstils, fällt nur einen Steinwurf von Hortas Wohn- und Atelierhaus ein weiterer Art Nouveau-Bau ins Auge. Das 1905 von Benjamin De Lestre de Fabribeckers in der Rue Américaine 92 geschaffene Wohnhaus setzt im Gegensatz zu Hortas Entwürfen auf geometrische Strenge. Etwas weiter südlich liegt ein weiterer Anlaufpunkt jedes Art Nouveau-Bummels: Das von Jules Brunfaut an der Ecke Avenue Brugmann/Rue de la Jonction geplante und vom französischen Art Nouveau-Künstler Emile Galle eingerichtete Hôtel Hannon betört vor allem wegen der herrlichen Treppenhausausmalung. Die Regeln der Statik scheinen mit Schwung aufgehoben.

Gustave Strauven 1903 für den Maler Georges Léonard de Saint-Cyr entworfen. Der Baugrund am Platz war teuer, die Fassadenbreite mit knapp drei Meter ist entsprechend sparsam bemessen. Auch Strauvens eigenes Wohnhaus in der Rue Luther 28 fällt mit ganzen 3,75 Metern Fassadenbreite zierlich aus. In die Breite gehen durfte hingegen Victor Horta beim Palais des Barons Edmond Van Eetvelde an der nahen Avenue Palmerston. Der vermögende Auftraggeber und Freund des belgischen Königs wünschte ein repräsentatives Domizil mit entsprechender Fassadenbreite. Wie bei HortaBauten üblich überwölbt auch hier eine elegante Glaskuppel das taghelle Treppenhaus.

Mit dieser Dynamik unterscheidet sich der belgische Art Nouveau vom eher geometrischen deutschen Jugendstil, vom neoklassizistischen österreichischen Sezessionsstil oder von den enthemmten Formen des spanischen Estilo Modernista. Allen Stilvarianten gemein ist hingegen die Betonung des Neuen, Spontanen, Modernen. Die Moderne hat im Hôtel Hannon noch immer Hausrecht. Im Bau zeigt die Galerie „Contretype“ zeitgenössische Fotokunst.

Les Caprices du Bailli Boulangerie-Pâtisserie im hippen Châtelain-Viertel mit Art Nouveau-Einrichtung. Neben Brot und Törtchen zieht das nostalgische Ambiente aus der Zeit um 1900 die Kunden an. Der Laden in einem neoklassizistischen Haus von 1890 hat seine ursprüngliche Inneneinrichtung mit Jugendstil-Touch bewahrt – das hat ihm den Status eines geschützten Kulturguts eingebracht. Les Caprices du Bailli | Rue du Bailli 75 | 1050 Brüssel

Le Cirio Seit 1886 besteht dieses ein wenig plüschig-kitschig anmutende Café nahe der Börse mit seinem in dunklem Holz gehaltenen Interieur. Glockige Glasleuchter spenden gedämpftes Licht für die Gäste und den heiligen Georg auf seinem Sockel. Neben allerlei Nippes entdeckt man auch einige Marionetten, die aus dem nahe gelegenen Toone-Theater stammen. Dazu vielleicht ein säuerliches, typisch Brüsseler Gueuze oder ein Orval zum Thunfischsalat oder Croque Cirio. Le Cirio | Rue de la Bourse 18 | 1000 Brüssel

Le Falstaff Ebenfalls nahe der Börse gelegene Traditionsbrasserie, ideal für Nachtschwärmer: Bestellungen bis 23 Uhr und später. Das prächtige Interieur mit buntem Glas, Spiegeln, Lüstern und dunklem Holz lässt in Belle Epoque-Atmosphäre schwelgen. Le Falstaff | Rue Henri Maus 17-21 | 1000 Bruxelles www.lefalstaff.be

Art Nouveau- und Szene-Hochburg: Ixelles Im hippen Ixelles, wo Brüssels Szene zuhause ist, entfaltete der Art Nouveau einen spektakulären Formenkatalog. Ein Hauch Mittelalter umweht das Hôtel Otlet und das Wohnhaus des Architekten Octave Van Rysselberghe in der Rue de Livourne 48 und 83. An die Üppigkeit der Neorenaissance erinnert das Palais des Grafen Goblet d´Alviella in der Rue Faider 10. Opulente Fassadeninschriften mit Art NouveauSchönheiten in wehenden Gewändern ziehen bei der Maison Ciamberlani in der Rue Defacqz 48 alle Blicke auf sich.

Jazzclub Archiduc Im 1937 eröffneten und 1953 zur Jazzbar umfunktionierten „Archiduc” gibt es vor allem in den Herbst- und Wintermonaten hochkarätige Jazzkonzerte. Von außen mag die Fassade nüchtern wirken – innen erwartet Besucher eine elegante Art Déco-Kulisse mit hohen Decken. An die Wände schmiegen sich die Original-Polsterbänke, während in der Mitte der Bar als Herzstück ein majestätischer schwarzer Flügel thront, dessen Saiten schon verschiedene Jazz-Größen zum Schwingen gebracht haben L’Archiduc | Rue Antoine Dansaert 6 | 1000 Brüssel www.archiduc.net

Wie wäre es zwischendurch mit einem süßen Happen in stilgerechtem Ambiente? „Les Caprices du Bailli“ heißt die nostalgische Boulangerie-Pâtisserie in der Rue du Bailli 75. Pains au chocolat, Törtchen und Brote stapeln sich appetitlich in den pistaziengrünen Auslagen. Die Theke stammt wie die gesamte Inneneinrichtung aus der Zeit um 1900. Nicht zu vergessen das Bleiglasfenster zum Hof, dessen florales Motiv vom Jugendstilboom in Ixelles zeugt.

Rund um den Square Ambiorix in Etterbeek Auch der Nordwesten von Brüssel punktet mit prominenten Bauten des Art Nouveau. In Etterbeek entwickelte sich der Square Ambiorix zu einem Nabel des neuen Bauens. Beispiele finden sich in nahezu jeder der sternförmig auf den parkähnlichen Platz zulaufenden Straßen. Bei der Maison Cauchie in der Rue des Francs 5 scheinen die Fassadenbilder mit den Stuckarbeiten und Balkongittern zu verfließen. Vom originalen Interieur ist viel erhalten – die heutigen Besitzer öffnen das ehemalige Atelierhaus des Künstlers Paul Cauchie gern für Führungen. Favorit des Etterbeek-Rundgangs aber bleibt die Maison Saint-Cyr am Square Ambiorix 11. Das schmale, wie eine Tropenblüte wuchernde Wohnhaus hat

Maison Saint-Cyr: das ehemalige Wohnhaus des Malers de Saint-Cyr am Square Ambiorix | © OPT

Das Flagey-Gebäude im Art Déco-Stil wurde 1938 von Joseph Diongre für den Belgischen Rundfunk entworfen. | © Visitbrussels/E. Danhier


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Belgien | Brüssel  |  9

Im Old England-Gebäude befindet sich heute das Musikinstrumente-Museum. | © MIM

Jugendstilperlen in der Stadt und im Museum Auch Schaerbeek, nördliches Nachbarviertel von Etterbeek, hat Jugendstilperlen zu bieten. Victor Horta baute 1893 an der Chaussée de Haecht 266 die Maison Autrique. Vor Jahren drohte das Herrenhaus zur Ruine zu verkommen. Kein Geringerer als der in Belgien und weit darüber hinaus bekannte Comic-Künstler François Schuiten setzte sich für die Rettung ein.

Ein Jugendstilhaus wie im Comic In der Souterrainküche des Herrenhauses glänzen die Kasserollen. Im Salon eins höher ist das Parkett gewienert. Unterm Dach stehen die Schrankkoffer wie bereit zur nächsten Sommerfrische. Schuiten ließ die Maison Autrique als typisches Brüsseler Patrizierhaus um 1900 inszenieren. Heute finden hier regelmäßig Comic-Ausstellungen statt. Unzählige Male hat François Schuiten in seinen Alben Interieurs wie das der Maison Autrique geschaffen. „Architektur ist meine Leidenschaft“, erklärt der Spross einer Brüsseler Architektenfamilie.

Filigran und verspielt kommt das Textilkaufhaus Old England an der Montagne de la Cour 2 daher, hinter dessen StahlGlas-Konstruktion sich das Musée des Instruments de Musique verbirgt. Für das ehemalige Kaufhaus Waucquez in der Rue des Sables 20 bedeutete die Neunutzung als Musée de la Bande Dessinée die Rettung. Kein Geringerer als Horta zeichnete für den fulminanten Bau verantwortlich. Als Comic-Museum zieht das alte Kaufhaus erneut Besucherscharen an – die dazugehörige Brasserie verblüfft wie der ganze Bau mit stilgerechtem Interieur. Original Jugendstil ist auch das Interieur der Taverne „Le Falstaff“ in der Rue Henri Maus 17-19 - seit 1903 ist die Brasserie bei der Börse ein Treffpunkt für tout Bruxelles und Besucher.

Weitere Highlights Art Nouveau im Museum

Jugendstil-Führungen

Ein spektakulärer Bau schließt 1914 die Blütezeit des Brüsseler Jugendstils ab. Mit dem Palais Stoclet in der Avenue Tervuren 281 entstand kurz vor dem Ersten Weltkrieg ein später Art Nouveau-Bau, der in seiner Strenge von der „Wiener Werkstätte“ eines Joseph Hoffmann geprägt ist.

„Voir et Dire Bruxelles“ heißt ein Zusammenschluss von Kulturreiseveranstaltern, die Führungen durch Brüssels Jugendstilviertel anbieten, im Bus, zu Fuß oder mit dem Rad. Zu den Höhepunkten gehören Innenbesichtigungen von Wohnhäusern oder Geschäften, die normalerweise nicht zugänglich sind. Voir et Dire Bruxelles | Rue Royale 2/4 | 1000 Brüssel www.voiretdirebruxelles.be

Nur einen Steinwurf vom Palais Stoclet entfernt zeigt das Musée du Cinquantenaire seit einigen Jahren seine in Jahrzehnten zusammengetragene Art Nouveau-Sammlung. Zu sehen sind Möbel, Silberschmiedearbeiten, Kristall und Schmuck von Horta, Van de Velde oder Hankar. Und vor den Aufnahmen berühmter Art Nouveau-Bauten Brüssels kann man den Bummel durch die Hauptstadt des Jugendstils Revue passieren lassen.

Das BANAD-Festival bietet Gelegenheit, auch solche Jugendstilhäuser von innen anzuschauen, die normalerweise nicht für die Öffentlichkeit zugänglich sind. © Olivier van de Kerchove

Jugendstil- und Art-Déco-Festival

Gern gibt Schuiten ein paar weitere Jugendstil-Tipps für Schaerbeek: Etwa die Grundschule von Henri Jacobs in der Rue Josaphat 281, oder die Wohnhäuser von François Hemelsoet in der Rue Kessels 88, der Rue Henri Bergé 81 und 83 oder Avenue Louis Bertrand 38.

Im Herzen von Brüssel Kaufhäuser, Boutiquen und Restaurants künden im Zentrum vom Brüsseler Art Nouvau-Fieber. Ein Jahrhundert später haben die meisten Nutzer gewechselt. Paul Hankar schuf 1898 ein zauberhaftes Hemdenfachgeschäft in der Rue Royale 13, das heute als Blumenladen vom Szene-Floristen Daniel Ost betrieben wird. Das ehemalige Textilkaufhaus „Old England“ mit Café in der obersten Etage © Jean-Pol Lejeune

Aus der ehemaligen Jugendstil-Biennale ist 2017 das Brussels Art Nouveau & Art Déco Festival (BANAD) geworden. Das Architektur-Festival findet künftig jedes Frühjahr statt. Es bleibt bei dem Konzept: Eine Vielzahl von Jugendstil-Häusern in Brüssel sind von innen zu besichtigen, obwohl sie normalerweise nicht für die Öffentlichkeit zugänglich sind. Die Führungen finden an drei Wochenenden in verschiedenen Vierteln statt: 11./12.3.2017: Etangs d‘Ixelles bis Avenue Louise und Avenue Franklin Roosevelt 18./19.3.2017: Saint-Gilles, Uccle und das Brüsseler Zentrum 25./26.3.2017: Schaerbeek, Woluwe und die Squares. Einige Art Déco- und Jugendstil-Häuser können außerdem an den Freitagen 17. und 24. März gegen Aufpreis im Rahmen von privaten Führungen besichtigt werden; zur Auswahl stehen Hôtel Solvay, Hôtel Max Hallet, Maison Autrique, Maison Cauchie, Musée Horta, Maison Van Buuren, Flagey-Gebäude, Villa Empain. 11.-26.3.2017 | BANAD-Festival | www.voiretdirebruxelles.be


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Bonn

FERDINAND HODLER Maler der frühen Moderne 8.9.2017 – 28.1.2018 Ferdinand Hodler (1853–1918) zählt zu den bedeutendsten und erfolgreichsten Schweizer Künstlern des frühen 20. Jahrhunderts. Innerhalb des Symbolismus und des Jugendstils, zu deren wichtigsten Vertretern er neben Edvard Munch und Gustav Klimt gehört, entwickelte er einen unverwechselbaren Kompositions- und Malstil. Hodlers Tendenz zum Ornament, die formalen Wiederholungen, die starken Umrisse sowie die Wahl der Farben galten unter zeitgenös-

Ferdinand Hodler, Thunersee von Lissingen aus, 1904 © Kunstmuseum Bern

sischen Kritikern als neuartig und eigenwillig, und seine beeindruckende Monumentalmalerei, die sich durch große Flächen und klare Konturen auszeichnet, stieß besonders in Deutschland auf großes Interesse.

thematisiert Ausbildungszeit, Auslandreisen, Wettbewerbsbeteiligungen, Skandale sowie die Ausstellungstätigkeit Hodlers und berücksichtigt die Gattungen Landschaft, Bildnis, Figur und Historie.

Mit rund 80 Gemälden und zahlreichen Zeichnungen zeigt die Bundeskunsthalle erstmals seit fast 20 Jahren wieder eine umfangreiche Werkschau des Künstlers in Deutschland. Sie

Eine Ausstellung der Bundeskunsthalle in Kooperation mit dem Kunstmuseum Bern

KATHARINA SIEVERDING Kunst und Kapital Werke von 1967 bis 2017 11.3. – 16.7.2017

nicht nur ab, sondern hinterfragt sie kritisch im Sinne einer Verantwortung auch sich selbst gegenüber. Der retrospektive Charakter der Ausstellung zeigt sich in einem Überblick ihrer seriellen Fotoarbeiten von 1967 bis heute, ergänzt durch raumhohe Projektionen, die es der Künstlerin erlauben, die innovative Kraft ihres Bildarchivs zu visualisieren.

ADRESSE Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland GmbH Friedrich-Ebert-Allee 4, D-53113 Bonn +49 (0) 228 9171 203 Fax +49 (0) 228 9171 209 www.bundeskunsthalle.de ÖFFNUNGSZEITEN Di, Mi 10–21 Uhr Do–So und feiertags 10–19 Uhr (auch an allen Feiertagen, die auf einen Montag fallen) Fr für angemeldete Gruppen ab 9 Uhr geöffnet

Land. Die Schätze aus den Gräbern zweier elamischer Prinzessinnen und die spektakulären Funde aus Jiroft werden erstmals außerhalb Irans gezeigt.

COMICS! MANGAS! GRAPHIC NOVELS! 7.5. – 10.9.2017 Mit über 250 Exponaten aus den USA, Europa und Japan ist Comics! Mangas! Graphic Novels! die bisher umfangreichste Ausstellung zu diesem Thema.

Tschoga Zanbil, Chuzestan, Zikkurat | © Iran Cultural Heritage, Handicraft and Tourism Organization, Foto: Khadifar

IRAN Frühe Kulturen zwischen Wasser und Wüste 13.4. – 20.8.2017 Katharina Sieverding | Die Sonne um Mitternacht schauen, SDO/NASA (Blue) 2010– 2015 | © Katharina Sieverding, VG Bild-Kunst, Bonn 2017 | © Foto: Klaus Mettig, VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Katharina Sieverding gehört zu den international renommierten Künstlerinnen, die schon früh mit ungewöhnlichen Bildfindungen und einer innovativen medialen Kunstpraxis das künstlerische Potenzial der Fotografie erneuert haben. So gehörte auch die Einführung des Großformates zu ihren essentiellen Ausstellungspraktiken zu einem Zeitpunkt, als es noch nicht selbstverständlich im Formatkanon war. Bekannt geworden ist Sieverding durch die beispiellose Konsequenz, mit der sie filmisch und fotografisch ihr zum Teil extrem vergrößertes und auf vielfältige Weise manipuliertes Porträt seit den 1960er-Jahren einsetzt und ab den 1970erJahren die großformatigen Multilayer-Montagen zur Weltlage – fast vorausschauend – erarbeitet. Ihre künstlerische Praxis bildet die beschleunigten Bildprozesse der Gegenwart

Die Ausstellung lüftet den Schleier vor den lange Zeit verborgenen Schätzen der iranischen Kulturen der Frühzeit, vom 7. Jahrtausend v. Chr. Bis zum Aufstieg der Achämeniden im 1. Jahrtausend v. Chr. Vom ewigen Schnee auf den Gipfeln von Alborz- und Zagrosgebirge bis in die Hitze der Wüste Lut: Iran ist ein Land der Kontraste. Doch Wüsten und Gebirge umschließen fruchtbare Täler, die seit ihrer Sesshaftwerdung von Menschen bewohnt wurden. Hier wurzeln die iranischen Zivilisationen, deren Entwicklung im Aufstieg des achämenidischen Weltreichs gipfelte. Die Berge boten Schutz und Rohstoffe, wilde Tiere und mythische Wesen bevölkerten die Wildnis, bezeugt durch Darstellungen auf Steingefäßen aus den Gräberfeldern von Jiroft, phantasievoller Malerei auf den Gefäßen aus Susa, Kampfszenen auf dem Goldbecher von Hasanlu. Die Ausstellung Iran öffnet Perspektiven auf eine wenig bekannte Bildwelt aus einem über Jahrzehnte verschlossenen

Der Comic war das erste Bild-Massenmedium der Geschichte. Ende des 19. Jahrhunderts erreichten die Tageszeitungen der USA damit Millionen von Lesern, Tag für Tag und sonntags in Farbe. Serien wie Winsor McCays Little Nemo in Slumberland oder Krazy Kat von George Herriman zeugen bis heute von der kulturellen Bedeutung des Mediums. Mit den „comic books“ und den Superhelden in den frühen 1930er-Jahren entwickelte sich um den Comic die erste mediale Jugendkultur, lange vor dem Rock ‘n’ Roll. Mit Künstlern wie Robert Crumb oder Will Eisner und Figuren wie Asterix oder Barbarella gewann der Comic in den 1960er-Jahren auch zunehmend wieder ältere Leser. Im Zuge des Kulturwandels um 1968 avancieren die Comics zur „neunten Kunst“, und mit dem Phänomen der „Graphic Novel“ erleben wir heute die Entdeckung auch ihres literarischen Potenzials. Zugleich hat sich der Manga als globales Phänomen etabliert.

Winsor McCay (1871–1934) | Little Nemo in Slumberland (Ausschnitt) | Sonntagsseite The New York Herald, 8. September 1907, detail CC0 Public Domain


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Bonn | 11

Meister des Marienlebens: Maria mit dem Kind und der heilige Bernhard, 1460 Malerei auf Eichenholz, 31.3 x 24.5 cm Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud (WRM 0128) Foto: © Rheinisches Bildarchiv, Sabrina Walz, rba_d040702

rei, gefertigt von den Nonnen des Skoklosters in Schweden aus dem Nationalmuseum Stockholm ist erstmals außerhalb Schwedens zu bewundern. Die Ausstellung zeigt nicht nur die Lebenswelt der Mönche und Nonnen, sondern auch das nicht immer einfache Verhältnis zu den weltlichen Herrschern ihrer Zeit. Auch auf die Rolle der Zisterzienser als innovativer und sehr erfolgreicher Wirtschaftskonzern geht die Ausstellung ein.

Anniversartuch für Holmger Knutsson, 1. Hälfte 15. Jh., The Swedish History Museum | Foto: Gabriel Hildebrand | The Swedish History Museum.

Bonn

Die Zisterzienser Das Europa der Klöster

Ein weiterer Höhepunkt Die Chorruine des ehemaligen Zisterzienserder Ausstellung ist das klosters Heisterbach im Siebengebirge. Foto: Jürgen Vogel, LVR-LandesMuseum Bonn. Scriptorium, die Schreibwerkstatt: Hier werden die in Zisterzienserklöstern entstandenen, oft aufwändig geschmückten Handschriften im Original präsentiert, so etwa vier Pergament-Handschriften aus der Frühzeit des Ordens, die heute in Dijon aufbewahrt werden. Sie zählen zu den kostbarsten und berühmtesten Zeugnissen der Buchkunst des gesamten hohen Mittelalters. Sie können nicht nur die Originale bewundern, sondern auch eigens für die Ausstellung hergestellte originalgetreue Faksimiles. Übersetzungen der Texte, Musik und Erläuterungen lassen Sie tief in die faszinierende Geisteswelt des Mittelalters eintauchen. So wird deutlich, dass Bücher nicht nur ästhetische Objekte waren, sondern gerade auch für die Zisterzienser mit ihrer Erinnerungskultur weitreichende Bedeutung und Funktion hatten. Mitmachangebote und moderne Bild- und Tonmedien ergänzen die Ausstellung, eine CAD-Rekonstruktion ermöglicht den virtuellen Rundgang durch die Kirche, Klausur- und Wirtschaftsgebäude des Klosters Altenberg. Ein ausführliches Rahmenprogramm zur Ausstellung knüpft an die Gegenwart an und bietet Veranstaltungen für alle Altersgruppen. Insbesondere die Fähigkeit der Zisterzienser, ein europaweites Netzwerk aufzubauen, das einem einheitlichen Ritus und Wertekodex verpflichtet war, bietet sicherlich manche Anknüpfungen an gegenwärtige Entwicklungen.

29.6.2017-28.1.2018 Vom späten 11. bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts gründeten die Zisterzienser fast 650 Klöster. Der Zisterzienserorden erwuchs zu einem der mächtigsten Verbände der Christenheit mit einer ganz eigenen, die zivilisatorische Praxis seiner Zeit radikal in Frage stellenden Wertekultur, die nicht nur das klösterliche Leben veränderte. Ihre Ideen und Innovationen drangen schnell über die Klostermauern hinaus und gaben einer reformbereiten Gesellschaft entscheidende Impulse und veränderten so Europa. Die Ausstellung konzentriert sich auf die mittelalterliche Blütezeit des Ordens. Die Meisterwerke der mittelalterlichen

Kunst aus den Klöstern der Zisterzienser werden erstmals zusammen ausgestellt. Zu den Höhepunkten zählt der beeindruckende Hochaltar des ehemaligen Zisterzienserklosters Kamp. Ganz selten nur sind Bildtafeln dieser Zeit in solcher Frische erhalten. Sie werden gemeinsam mit den zugehörigen Skulpturen erstmals wieder in ihrer ursprünglichen Anordnung zu sehen sein. Aus Paris kommt die einzigartige Madonna aus Kloster Eberbach, heute als "Belle Allemande" eines der mittelalterlichen Hauptwerke des Louvre. Vier als Reliquien verehrte Schädel, reich und kostbar verziert, stammen aus dem Altar des Zisterzienserinnenklosters Marienfeld. Das Grabtuch des Holmger Knutsson, eine lebensgroße figürliche Bildsticke-

ADRESSE LVR-LandesMuseum Bonn Rheinisches Landesmuseum für Archäologie, Kunst- und Kulturgeschichte Colmantstr. 14–16, 53115 Bonn www.landesmuseum-bonn.lvr.de ÖFFNUNGSZEITEN Di – Fr und So 11–18 Uhr, Sa 13–18 Uhr 24.12., 25.12., 31.12. und Neujahr geschlossen EINTRITTSPREISE Erwachsene EUR 8, ermäßigt EUR 6 Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre haben freien Eintritt

TICKET IM VORVERKAUF inklusive VRS-Fahrausweis über www.bonnticket-de bzw. www.koelnticket.de und an allen bekannten Vorverkaufsstellen: EUR 9,80, ermäßigt EUR 7,60, Familienticket EUR 20,60 Ticket-Hotline +49 (0) 228 502010 ANMELDUNGEN VON FÜHRUNGEN info@kulturinfo-rheinland.de +49 (0) 2234 9921-555 Unter der Nummer +49 (0) 228 2070-277 können Sie sich von Di-Fr 9-13 Uhr zusätzlich detailliert über das museums­ pädagogische Angebot informieren.


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CARL | arttourist.com 1|2017 Jürgen Klauke | Kommunikationsvehikel, 2007 | Gouache, 90 x 120 cm Privatsammlung | © VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Max Ernst Museum Brühl des LVR

Jürgen Klauke

Selbstgespräche Zeichnungen 1970 – 2016 26.3. – 16.7.2017 Jürgen Klauke (*1943) setzt sich seit den 1970er Jahren mit gesellschaftlich normierten Geschlechteridentitäten und sozialen Verhaltensmustern kritisch auseinander und antizipierte damit bereits heutige Gender-Diskurse. Er gehört zu den wichtigsten Akteuren der inszenierten Fotografie und gilt als Pionier der Body Art und Performance. Dem „intermediären Aktionisten“, wie sich Jürgen Klauke selbst

nennt, geht es bis heute um ein Aufbrechen überkommener Denk- und Bildvorstellungen. Der menschliche Körper steht im Zentrum seines gesamten Werkes, das er als „Ästhetisierung des Existenziellen“ umschreibt und das durch eine provokative Kraft gekennzeichnet ist. Angetrieben von diesen exisJürgen Klauke | Körperzeichen Zeichenkörper, 2012-13 | Tusche auf Papier, 41 x 31 cm | Privatsammlung © VG Bild-Kunst, Bonn 2017

tenziellen Fragen inszeniert er die männlichen und weiblichen Körper und einzelne als Requisiten des Seins und der Welt fungierende Gegenstände in einer permanenten Verwandlung und Verschmelzung. Von Anfang an entstanden Zeichnungen, die auch seine inszenierten Fotografien inspirieren, sowie diese auf die zeichnerischen Ideen zurückwirken konnten. Während seine fotografischen Arbeiten in großen, internationalen Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt wurden, ist sein zeichnerisches Werk bisher weniger präsent.

Die Ausstellung „Jürgen Klauke – Selbstgespräche. Zeichnungen 1970 – 2016“, die das Max Ernst Museum Brühl des LVR in enger Zusammenarbeit mit dem Künstler präsentiert, gibt mit rund 400 Werken erstmalig einen retrospektiv angelegten Überblick, der vier Jahrzehnte überspannt und somit die Entwicklung von den frühen, täglich entstandenen Notaten in Bild und Text bis zu den großen, farbigen Gouachen und umfangreichen, in schwarz-weiß gehaltenen Zeichnungssuiten aufzeigt.

MIRÓ

Welt der Monster 3.9.2017 – 28.1.2018 Das Werk des in Barcelona geborenen Künstlers Joan Miró bietet ein faszinierendes Spektrum von bildnerischen Mitteln, die sich durch ihre Vielfalt und Erfindungskraft auszeichnen. Die Ausstellung „MIRÓ – Welt der Monster“ widmet sich insbesondere dem plastischen Schaffen Mirós in den 1960er und 70er Jahren, das im Verhältnis zum malerischen und grafischen Werk weniger bekannt ist. Der Künstler kombiniert gefundene Alltagsgegenstände zu fantastischen Wesen, die anschließend in Bronze gegossen werden. Einige von ihnen sind farbig bemalt und wirken wie seinen sprühend-bunten Gemälden entsprungen. Für Miró bevölkern sie seine „traumhafte Welt lebender Monster“. Zusammen mit einer Auswahl an Gemälden und Arbeiten auf Papier stehen sie in dieser Präsentation in einem unmittelbaren Dia­ log verschiedener Gestaltungsmedien und beleuchten Mirós auf alle Gattungen übergreifende Kunst. Joan Miró | Jeune fille s‘évadant (Fliehendes junges Mädchen), 1968 | bemalte Bronze, 166 x 34,5 x 63 cm Sammlung Fondation Maeght | © Successió Miró | VG Bild-Kunst, Bonn 2017 ADRESSE Max Ernst Museum Brühl des LVR Comesstraße 42 / Max-Ernst-Allee 1 50321 Brühl www.maxernstmuseum.lvr.de

ÖFFNUNGSZEITEN Di – So 11 – 18 Uhr sowie Karfreitag, Ostermontag, Pfingstmontag, 1.5., 3.10. und 1.11. Geschlossen: Montag sowie 1.1., Weiberfastnacht, Karnevalssonntag, Rosenmontag, 24.-25.12., 31.12.

EINTRITTSPREISE Jürgen Klauke Normalpreis EUR 8,50 ermäßigt EUR 5 Tickets im VV über Köln/BonnTicket mit VRS-Ticket Normalpreis EUR 10,90 ermäßigt EUR 7,10

Die Ausstellung entsteht exklusiv in Zusammenarbeit mit der Fondation Maeght im südfranzösischen Saint-Paul-de-Vence. Mit allein über 160 Plastiken verfügt die Stiftung über eine der umfangreichsten Sammlungen des bildhauerischen Werkes Joan Mirós. Ab 3. September 2017 können die Gäste des Max Ernst Museums in „MIRÓ – Welt der Monster“ in die einzigartige Farb- und Formenwelt des weltberühmten Malers, Grafikers und Bildhauers Joan Miró eintauchen.

Joan Miró | Torse de femme (Weiblicher Torso), 1967 Bronze, 68 x 16 x 30 cm | Sammlung Fondation Maeght © Successió Miró | VG Bild-Kunst, Bonn 2017

MIRÓ Normalpreis EUR 10,50 ermäßigt EUR 6,50 Tickets im VV über Köln/BonnTicket mit VRS-Ticket Normalpreis EUR 13,10 ermäßigt EUR 8,70 Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre: Eintritt frei

Tickets im Vorverkauf zum Selbstausdrucken inklusive VRS-Fahrausweis über www.koelnticket.de bzw. www.bonnticket.de Ticket Hotline +49 (0) 221 2801 bzw. +49 (0) 228 502010 und an allen bekannten Vorverkaufsstellen.


CARL | arttourist.com 1|2017

Düsseldorf | 13

Lucas Cranach der Ältere | Christus und die Ehebrecherin, 1532 | Jesus and the Woman caught in Adultery | Malerei auf Lindenholz, 82,5 × 121 cm | Szépművészeti Múzeum / Museum of Fine Arts Budapest, 2016, Dénes Józsa

Düsseldorf Museum Kunstpalast

CRANACH

Meister – Marke – Moderne | 8.4. - 30.7.2017 Lorenzo Costa dem Älteren untersucht die Rund 200 Werke aus internationalen MuAusstellung Cranachs Position im Netzwerk seen und Sammlungen, darunter das Metder Künstler seiner Zeit und folgt den Spuropolitan Museum of Art in New York, die ren Cranachs bis in die Kunst der Gegenwart National Gallery in London, das Museo und Moderne. Arbeiten von Pablo Picasso, Thyssen-Bornemisza in Madrid, das MuseMarcel Duchamp, Alberto Giacometti, Otto um der Bildenden Künste in Budapest sowie Dix, Andy Warhol oder Martial Raysse zeidas Nationalmuseum Stockholm, werden in gen, welchen Einfluss Cranachs Bildsprache Düsseldorf zusammengeführt. Zu sehen sind auf führende Wegbereiter der Moderne aushochkarätige Exponate geübt hat. wie die lebensgroße „Venus“ aus St. Petersburg, Die Ausstellung entsteht in enger ZusamChristus und die Ehebremenarbeit mit dem CRANACH DIGITAL cherin aus Budapest und ARCHIVE (www.lucascranach.org). Das einder sogenannte Prager Alzigartige, vom Museum Kunstpalast und der tar, dessen weitverstreute Technischen Hochschule Köln in KooperatiTeile für die Laufzeit der on mit anderen Partnern initiierte und von großen Schau in DüsLucas Cranach der Ältere | Judith mit dem der Andrew W. Mellon Foundation geförderseldorf vereint werden. Kopf des Holofernes, um 1530 | Malerei auf Holz, 61,9 × 89,5 cm | The Metropolitan te Forschungsprojekt, widmet sich seit 2009 Weitere bedeutende TaMuseum of Art, Rogers Fund, 1911 / Foto: bpk der Erforschung des weltweit verstreuten felbilder, Zeichnungen | The Metropolitan Museum of Art Cranach-Œuvres. Begleitet wird die Schau und Drucke dokumenvon einem hochkarätig besetzten wissenschaftlichen Beirat. tieren die maßgebliche Rolle Cranachs bei der Verbreitung der Reformation und sein Verschiedene Medienstationen in der Ausstellung und ein geschicktes Agieren im Dienste der bedeuvielfältiges museumspädagogisches Begleitprogramm lassen tendsten fürstlichen Auftraggeber des 16. die Zeit des großen Wittenberger Malers für die Besucher Jahrhunderts. In Gegenüberstellung mit Yasumasa Morimura | Mother (Judith II), 1991 lebendig werden. Ein umfangreicher Katalog erscheint im Werken von Albrecht Dürer, Hans HolFarbfotografie auf Leinwand | Edition 1/3, 240 × Hirmer Verlag. bein dem Jüngeren, Jacopo de´Barbari und 160 cm | Sammlung Peter Norton

Lucas Cranach der Ältere zählt zu den bedeutendsten Malern der Deutschen Renaissance, war ein enger Freund Martin Luthers und beeinflusste Künstler über Jahrhunderte. Als einer der Höhepunkte im Reformationsjahr 2017 widmet das Museum Kunstpalast in Düsseldorf dem berühmten Wittenberger Maler eine groß angelegte Werkschau unter dem Titel Cranach. Meister – Marke – Moderne. Erstmals wird der Künstler in seiner Gesamtheit und Modernität in den Blick genommen und neben seinen Erfolgsstrategien sein Einfluss bis in die Kunst der Moderne und Gegenwart beleuchtet. Neueste Forschungsergebnisse offenbaren bislang unbekannte Seiten dieses Ausnahmekünstlers. Dem Besucher wird eine Zeitreise in die florierende Werkstatt des Malers und spannende Einblicke in die künstlerischen Prozesse bei der Entstehung der Gemälde geboten: Dank modernster Technik werden unter der Malschicht verborgene Unterzeichnungen erstmals für das Publikum erschlossen. Sie geben unter anderem Auskunft über den enormen Reichtum an verwendeten Malmaterialien und die effiziente Arbeitsweise des Künstlers. ADRESSE Museum Kunstpalast Kulturzentrum Ehrenhof Ehrenhof 4-5 40479 Düsseldorf www.smkp.de ÖFFNUNGSZEITEN Di-So 11-18 Uhr, Do bis 21 Uhr Mo geschlossen Feiertagsöffnungszeiten: www.smkp.de/besucherinfo

EINTRITTSPREISE (inkl. Audioguide) Di– Fr Normalpreis EUR12 ermäßigt EUR 9,50 Sa, So & Feiertage Normalpreis EUR 14 ermäßigt 11 € Kinder im Alter von 7-17 Jahren EUR 1 Kinder bis 6 Jahre Eintritt frei Gruppen ab 10 Pers. EUR 9,50

Tipp! Buchen Sie Ihr Ticket jetzt online und besuchen Sie die Ausstellung im April für nur EUR 9,50! Tickets online: www.smkp.de/shop

FÜHRUNGEN MIT PLATZRESERVIERUNG Di & Mi 12 Uhr, Do 18 Uhr (ausschl. an Feiertagen) Fr 16 Uhr, Sa 14 Uhr, So 12 und 14 Uhr Gebühr: EUR 5+ ermäßigter Ausstellungseintritt, Anmeldung erforderlich Buchung: bildung@smkp.de +49 (0) 211-566 42 160 www.smkp.de/shop

ENGLISCH-SPRACHIGE FÜHRUNG MIT PLATZRESERVIERUNG immer am dritten So im Monat, 15 Uhr 16.4. (Ostersonntag!), 21.5., 18.6., 16.7.2017 Gebühr: EUR 5 + ermäßigter Ausstellungseintritt

GRUPPENFÜHRUNGEN EUR 75 für 60 Min., zzgl. Eintritt pro Person Maximale Gruppengröße: 20 Personen Führungen auch in englischer, französischer, spanischer, italienischer und russischer Sprache buchbar Fremdsprachenzuschlag: EUR 10

Fremdführungsgebühr: EUR 26 Fremdführungen sind nur nach Voranmeldung möglich KATLAOG Begleitend zur Ausstellung erscheint ein umfangreicher illustrierter Katalog in deutscher Sprache. Mit Texten von Bettina Baumgärtel, Anne-Marie Bonnet,

Bodo Brinkmann, Georg Josef Dietz, Daniel Hess, Daniel Görres, Gunnar Heydenreich, Dieter Koepplin, Oliver Mack, Elizabeth Savage, Ad Stijnman, Susanne Wegmann und Beat Wismer. Preis Museumausgabe: ca. EUR 39,90 , Buchhandelsausgabe: ca. EUR 49,90


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CARL | arttourist.com 1|2017

Ausstellungstipps 2017 Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, K20 Grabbeplatz Otto Dix verbrachte ab 1922 intensive Schaffensjahre in Düsseldorf. Während dieser Zeit entwickelte er eine Handschrift, die ihn für die Kunst des 20. Jahrhunderts unverkennbar macht. In der Ausstellung „Otto Dix – Der böse Blick“ zeigt die Kunstsammlung NRW vom 11.02. – 14.05.2017 Gemälde, Aquarelle und Grafiken, die sich dieser prägenden Phase des Künstlers verschreibt. www.kunstsammlung.de/otto-dix

KIT – Kunst im Tunnel

Außenansicht Museum Kunstpalast © Stefan Arendt, Medienzentrum Rheinland/LVR

Von Abts bis ZERO

Bildende Kunst in Düsseldorf Eine pulsierende Kunstmetropole und die Stadt der bildenden Künste im Westen – das ist Düsseldorf. Mit 28 Museen und etwa 100 Galerien, der renommierten Kunstakademie und Events wie dem Duesseldorf Photo Weekend gibt es in Düsseldorf eine Kunst- und Kulturlandschaft, die in Deutschland ihresgleichen sucht. Darunter sind einzigartige Spezialmuseen wie das Hetjens-Museum (Deutsches Keramikmuseum) sowie die großen Flaggschiffe Museum Kunstpalast und Kunstsammlung NordrheinWestfalen. Rund die Hälfte der Düsseldorfer Museen und Ausstellungshäuser widmen sich der bildenden Kunst. Rechnet man die vielen Galerien, Off-Spaces und öffentlichen Privatsammlungen hinzu, wird deutlich, dass man als Kunstinteressierter hier genau richtig ist.

Kunstakademie Düsseldorf © Düsseldorf Marketing & Tourismus GmbH, Foto: U. Otte

Die Kunstakademie bildet den Kern des spannungsreichen künstlerischen Terrains der Stadt. Sie gilt weltweit als

KIT - Kunst im Tunnel, Foto: Ivo Faber

eine der bedeutendsten Einrichtungen ihrer Art, und ihre Geschichte ist fast durchgängig mit den Namen großer Künstler verbunden: Paul Klee, Joseph Beuys, Gerhard Richter, Jörg Immendorff, Katharina Sieverding, Andreas Gursky und natürlich auch der Mitbegründer der international einflussreichen Künstlergruppe ZERO, Günther Uecker, gehören zu denjenigen, die die Düsseldorfer Kunstakademie hervorgebracht hat. Einmal im Jahr, zum Abschluss eines jeden Wintersemesters, öffnet die Kunstakademie Düsseldorf ihre Pforten, um die Werke der rund 550 Studenten zu präsentieren. Der Rundgang, den kein Kunstinteressierter verpassen sollte, gehört zu den wichtigsten Ereignissen der rheinischen Kunstszene. Schüler von weltbekannten Künstlern und Professoren wie Rita McBride, Andreas Gursky, Katharina Fritsch, Christopher Williams und Tomma Abts präsentieren ihre Arbeiten der Öffentlichkeit.

Auch außerhalb der imposanten Bauwerke gibt es in Düsseldorf viel zu entdecken. Aktuell sind rund 900 künstlerische Objekte im öffentlichen Raum der Stadt installiert. Dazu zählen auch die sechs Stationen der im Februar 2016 eröffneten neuen Wehrhahn-Linie: Von Beginn an haben Architekten und Künstler eng zusammengearbeitet. Die aus einem internationalen Wettbewerb hervorgegangenen Entwürfe für die Architektur und Gestaltung der Stationen wurden von der Öffentlichkeit begeistert aufgenommen. Diese Beispiele zeigen:

Der architektonisch anspruchsvolle Ort mit seinen 888 unterirdischen Quadratmetern ist eine Herausforderung für den Absolventen der Düsseldorfer Kunstakademie, Malte Bruns: Seine Arbeiten sind davon geprägt, filmische Elemente, Fotografie, Skulptur und Architektur zu einem installativen Ganzen zu verbinden. Wie er sich dieser Aufgabe nähert ist vom 11.03. – 11.06.2017 in der Ausstellung „Tremors“ im KIT – Kunst im Tunnel zu sehen. www.kunst-im-tunnel.de

Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, K21 Ständehaus In mehr als 25 Metern Höhe über der Piazza des Museums hat der Künstler Tomás Saraceno eine Konstruktion aus Stahlnetzen gespannt, in der sich Menschen bewegen können. Die Installation „in orbit“, mit der der Künstler Bezug auf die zunehmende Unbewohnbarkeit der Erde nimmt, wird zur Nacht der Museen am 25.03.2017 wieder eröffnet. www.kunstsammlung.de

Museum Kunstpalast Mit der Ausstellung „CRANACH. Meister - Marke - Moderne“ widmet sich das Museum Kunstpalast einem der wichtigsten und produktivsten Vertreter der deutschen Renaissance. Über 200 seiner Werke, die auch Künstler der Moderne inspirierte, präsentiert das Museum vom 08.04. – 30.07.2017. www.smkp.de

Wehrhahn-Linie, U-Bahnhof Heinrich-Heine-Allee © Jörg Hempel

Dort, wo Kunst im öffentlichen Raum als integraler Bestandteil von Architektur und Stadtplanung begriffen wird, entstehen unverkennbare Markenzeichen für die Stadt.

Lucas Cranach der Ältere | Jesus und die Ehebrecherin, 1532 Szépmüvészeti Múzeum / Museum of Fine Arts Budapest, 2016, Dénes Józsa

Kunsthalle Düsseldorf In den 1960ern und 70ern bot die Kunsthalle vielen Künstlern erstmals die Möglichkeit, ihre Werke der Öffentlichkeit zu präsentieren – heute sind viele von ihnen in musealen Sammlungen vertreten. Mit der Schau „Wirtschaftswerte/Museumswerte“ (08.04. – 18.06.2017) stellt die Kunsthalle anhand von Werken wie Beuys, Broodthaers, Feldmann, Haacke oder Knoebel u.a. die Frage nach der Aufgabe und der Entwicklung des Wertes von Kunst und Institutionen. www.kunsthalle-duesseldorf.de

NRW-Forum Düsseldorf Als Mitbegründer der Agentur KesselsKramer in Amsterdam wurde Erik Kessels zum Rockstar unter den Werbern. Von seiner Leidenschaft zum Sammeln von Fotografien zeugt die Ausstellung „Erik Kessels & Friends“ vom 11.08. – 05.11.2017 im NRW-Forum Düsseldorf. www.nrw-forum.de

Kunstsammlung NRW K21 Ständehaus Piazza © Düsseldorf Marketing & Tourismus GmbH, Foto: U. Otte

Erik Kessels | 24Hrs Of Photos | © Erik Kessels


CARL | arttourist.com 1|2017

Düsseldorf | 15

Bühnen Highlights 2017 Ballett am Rhein „Das Werk ist voller Gefahren, aber auch von einer solchen Schönheit, dass es einen einfach mitnimmt“, so spricht Martin Schläpfer über die Petite Messe Solennelle von Rossini. Für die letzte Premiere der Spielzeit 2016/17 hat er sich entschieden, zu dieser Partitur ein abendfüllendes Tanzstück zu kreieren, das am 02.06.2017 im Opernhaus Düsseldorf uraufgeführt wird. Seit 2009 leitet der renommierte Tänzer und Choreograph die derzeit beste Tanzkompagnie Deutschlands – das Ballett am Rhein. www.ballettamrhein.de

Ballett am Rhein, b32 Foto: Gert Weigelt und Antikensammlung

Deutsche Oper am Rhein

Düsseldorfer Schauspielhaus © Düsseldorf Marketing & Tourismus GmbH, Foto: U. Otte

Düsseldorfs Bühnen So eindrucksvoll wie experimentell Die weiße Silhouette des Düsseldorfer Schauspielhauses kommt dem einen oder anderen auf Anhieb bekannt vor: Seit das Softwareunternehmen Windows sie für sich entdeckte, schmückt die skulpturale Fassade viele Desktop-Hintergründe. Doch auf den Düsseldorfer Bühnen, es sind über die Stadt verteilt 35 an der Zahl, werden vor allem hinter den Fassaden Zeichen gesetzt. In der Spielzeit 2016/17 ist das beschriebene Haus am Gustaf-Gründgens-Platz „under construction“ – deshalb kommt das Düsseldorfer Schauspielhaus unter der Intendanz von Wilfried Schulz an viele verschiedene Orte der Stadt: Ob im Theaterzelt, im Dreischeibenhaus, im Central am Hauptbahnhof oder auf der Münsterstraße, ob Klassiker oder Uraufführung, Junges Schauspiel oder die neu gegründete Bürgerbühne – Theaterinteressierte kommen in Düsseldorf auf ihre Kosten. Die professionelle freie Szene fand 1999 im Forum Freies Theater ein neues Podium. Bühnen wie das Kabarett Kom(m)ödchen in der Kunsthalle, die Boulevardtheater Theater an der Kö oder Komödie und nicht zu vergessen das Düsseldorfer Marionettentheater komplettieren das Theaterangebot der Stadt.

Alter schützt vor Torheit nicht. Das muss auch Gaetano Donizettis Figur Don Pasquale lernen, als er sich auf eine Scheinehe einlässt und schließlich schamlos ausgenutzt wird: Die schöne, aber mittellose Norina verwandelt sich von der liebreizenden Braut in eine boshafte Furie. Rolando Villazón ist für dieses Stück erstmals an der Deutschen Oper am Rhein als Regisseur Deutsche Oper am Rhein, Don zu Gast. Vom 29.04. – 03.06.2017 Pasquale | Foto: Hans Jörg Michel besteht die Möglichkeit die Inszenierung des mexikanischen Star-Tenors, der besonders im italienischen und französischen Opernfach zu Hause ist und seit 2011 auch sein Faible für Musiktheaterregie entdeckt, in Düsseldorf zu erleben. www.operamrhein.de

Düsseldorfer Schauspielhaus Auf der Großen Bühne des Central feiert am 14.01.2017 die Inszenierung „Das Licht im Kasten (Straße? Stadt? Nicht mit mir!)“ von Elfriede Jelinek in der Regie von Jan Philipp Gloger ihre Uraufführung. Die kürzlich 70 Jahre alt gewordene Nobelpreisträgerin Jelinek hat ein Stück geschrieben, das sich dem Thema Mode in aller Ausführlichkeit widmet. Und wo passt dieser Text besser hin als in die Modestadt Düsseldorf? www.dhaus.de

Tonhalle Düsseldorf © Düsseldorf Marketing & Tourismus GmbH, Foto: U. Otte

Fester Bestandteil ist mittlerweile auch Roncalli’s Apollo Varieté direkt an der Rheinuferpromenade. Der größte städtische Konzertsaal, die Tonhalle, gehört zu den eindrucksvollsten und modernsten Musikhäusern Deutschlands. Internationale Stars wie Anne-Sophie Mutter, Alfred Brendel und Liza Minnelli standen hier bereits auf der Bühne. Schon seit 1956 leben die Düsseldorfer und die Duisburger Oper in einer vor-

Ballett am Rhein, Probe mit Martin Schläpfer, Foto: Gert Weigelt

bildlichen Bühnenehe. Die Deutsche Oper am Rhein hat sich zu einem der bedeutendsten Opernbetriebe Deutschlands entwickelt. Mit ihrem hochrangigen Solistenensemble, dem Chor sowie der national wie international gefeierten Kompagnie Ballett am Rhein zählt sie heute zu den ersten Adressen für Musiktheater und Tanz in Europa. Der Schweizer Choreograph Martin Schläpfer, seit 2009 in Düsseldorf und Duisburg tätig, hat durch seine Neuformierung der Kompagnie dazu einen entscheidenden Beitrag geleistet. Das Fachmagazin „tanz“ kürte ihn 2010 zum „Choreographen des Jahres“ und das Ballett am Rhein dreimal in Folge – 2013, 2014 und 2015 – zur „Kompanie des Jahres“. In Düsseldorf ist der zeitgenössische Tanz überdies in einem ehemaligen Straßenbahndepot zuhause: Das tanzhaus nrw bildet mit zwei Bühnen sowie acht Tanzund Probenstudios ein internationales Zentrum für gegenwärtige Bühnentanzkunst. Auf 4.000 Quadratmetern Fläche ist es zugleich Spiel- und Produktionsort sowie Akademie mit mehr als 3.600 Besuchern bzw. Teilnehmern wöchentlich. Der Spielbetrieb mit mehr als 200 wechselnden Aufführungen folgt verschiedenen Programmlinien in Festivals, thematisch motivierten Reihen, internationalen Gastspielen und experimentellen Plattformen.

D‘haus, Das Licht im Kasten | Foto: Thomas Rabsch

tanzhaus nrw Traditionell über Ostern findet im tanzhaus nrw das Flamenco Festival statt. Jährlich verzeichnet es neue Besucherrekorde und wartet mit einer Vielzahl von fordernd-faszinierenden künstlerischen Positionen auf. Vom 07. – 17.04.2017 sind viele prominente und aufstrebende Künstler des modernen Flamenco dazu in Düsseldorf zu Gast, darunter die Compañía José Galán, Pastora Galván, Juan Carlos Lérida u.v.m. www.tanzhaus-nrw.de

tanzhaus nrw, Flamenco-Festival 2017 | Foto: Félix Vázquez


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CARL | arttourist.com 1|2017

Otto Dix | Liegende auf Leopardenfell (Detail), 1927 | Öl auf Tafel, 68 x 98 cm | Herbert F. Johnson Museum of Art, Ithaca, NY | © VG Bild-Kunst, Bonn 2017 | Foto: © Kunstsammlung NRW

Düsseldorf | K20 Grabbeplatz

ADRESSEN K20 GRABBEPLATZ Grabbeplatz 5 40213 Düsseldorf

Otto Dix – Der böse Blick

K21 STÄNDEHAUS Ständehausstraße 1 40217 Düsseldorf

11.2. – 14.5.2017 Otto Dix (1891-1969), berühmter Maler und berüchtigter Bürgerschreck, verbrachte von Herbst 1922 bis November 1925 intensive Schaffensjahre in Düsseldorf. Als Mitglied der revolutionären Künstlergruppe Das Junge Rheinland entwickelte er seine kritische Handschrift, die ihn in der Kunst des 20. Jahrhunderts unverkennbar macht. Dieser künstlerisch wie menschlich prägenden Phase widmet die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen die Ausstellung Otto Dix – Der böse Blick. Ge-

zeigt werden ca. 200 Gemälde, Aquarelle und Grafiken aus nationalen und internationalen Sammlungen. Als der mittellose Dix im Oktober 1921 das erste Mal aus Dresden nach Düsseldorf kam, erhoffte er sich im Rheinland Ausstellungsmöglichkeiten und lukrative Porträtaufträge. Mit großem Ehrgeiz und noch größerer Arbeitswut entwickelte er sich in den folgenden drei Jahren vom expressiv-veristischen Dada-

Otto Dix | Bildnis der Kunsthändlerin Johanna Ey, 1924, Öl auf Leinwand, 140 x 90 cm, erworben durch die Gesellschaft der Freunde der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen e.V. © VG Bild-Kunst, Bonn, 2017 Foto: © Kunstsammlung NRW

isten zum neusachlichen Porträtisten: Schonungslos fixierte er seine Mitmenschen auf der Leinwand. Als er 1925 – charakterlich und künstlerisch gereift – nach Berlin ging, eilte ihm sein gesellschaftskritischer Ruf voraus. Die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen präsentiert mit Otto Dix – Der böse Blick die erste monografische Ausstellung über diese außerordentlich produktiven Jahre des Künstlers. Im Anschluss reist die Ausstellung weiter zur Tate Liverpool.

F3 SCHMELA HAUS Mutter-Ey-Straße 3 40213 Düsseldorf www.kunstsammlung.de ÖFFNUNGSZEITEN Di – Fr 10 – 18 Uhr, Sa, So, feiertags 11 – 18 Uhr, Mo geschlossen jeden 1. Mittwoch im Monat 10 – 22 Uhr EINTRITTSPREISE K20 GRABBEPLATZ Normalpreis EUR 12 ermäßigt EUR 10 Kinder und Jugendliche (6-18 Jahre) EUR 2,50

K21 STÄNDEHAUS Normalpreis EUR 12 ermäßigt EUR 10 Kinder und Jugendliche (6-18 Jahre) EUR 2,50 KOMBITICKET (BEIDE HÄUSER) Normalpreis EUR 18 ermäßigt EUR 14 Kinder und Jugendliche (6-18 Jahre) EUR 4 KPMG-Kunstabend jeden 1. Mittwoch im Monat: 18 -22 Uhr, Eintritt frei. ÖFFENTLICHE FÜHRUNGEN Di 16.30 – 17.30 Uhr, So und feiertags 15 – 16 Uhr begrenzte Teilnehmerzahl, Anmeldung erforderlich Angebote für Kinder finden Sie auf www.kunstsammlung.de Weitere Informationen zu Führungen, Veranstaltungen, Museumsshop unter www.kunstsammlung.de

Düsseldorf | K21 Ständehaus

Marcel Broodthaers. Eine Retrospektive 4.3. – 11.6.2017 »Marcel Broodthaers. Eine Retrospektive« ist eine große Überblicksschau über das vielfältige Werk des belgischen Künstlers Marcel Broodthaers (1924 – 1976), der im Umfeld von Pop, Mi-

nimal und Konzeptkunst eine eigenwillige, kritische Position formulierte. Broodthaers wandte sich im Alter von 40 Jahren von der Dichtung kommend der bildenden Kunst zu und fand

mit seinen installativen, kinematografischen und institutionskritischen Arbeiten innerhalb kürzester Zeit großen Anklang in der avantgardistischen Kunstszene Europas. Die über vier Jahre am Museum of Modern Art, New York, und am Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofia, Madrid, sorgfältig entwickelte Ausstellung von über zweihundert Werken unterschiedlichster Medien und Gattungen findet mit der Düsseldorfer Station ihren Abschluss an dem Ort, der Broodthaers’ kurze, aber höchst produktive künstlerische Karriere weitgehend befördert hat. In Düsseldorf hat Broodthaers nicht nur gelebt (von 1970 bis 1972) und entscheidende Impulse der lokalen, international bestens vernetzten Kunstszene aufgenommen, verarbeitet und zurückgegeben. In Düsseldorf wurden auch etliche Arbeiten und Ausstellungen realisiert, darunter die zu Broodthaers’ Hauptwerk »Musée d’Art Moderne, Département des Aigles« (Museum Moderner Kunst, Abteilung Adler), 1968 – 72, gehörende legendäre Schau »Section des Figures« (Sektion der Figuren), 1972, in der Städtischen Kunsthalle Düsseldorf. Die lange erwartete Retrospektive von Marcel Broodthaers führt in ein faszinierendes Werk ein, das mit seinem Verständnis von Poesie als »Störung von Weltordnung«, von »Poesie als indirekter politischer Frage« für eine radikal offene und prozessuale Lesart von Kunst plädierte und damit maßgeblich zu einem bis heute gültigen Verständnis von Kunst beigetragen hat. Organisiert von The Museum of Modern Art, New York und dem Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofia, Madrid.

Marcel Broodthaers | Véritablement (Wirklich), 1968 | Fotoleinwand, 77,5 x 123 cm | The Museum of Modern Art, New York. Partial gift of the Daled Collection and partial purchase through the generosity of Maja Oeri and Hans Bodenmann, Sue and Edgar Wachenheim III, Agnes Gund, Marlene Hess and James D. Zirin, Marie-Josée and Henry R. Kravis, and Jerry I. Speyer and Katherine G. Farley, 2011. © 2016 Estate of Marcel Broodthaers / Artists Rights Society (ARS), New York / SABAM, Brüssel | © VG Bild-Kunst, Bonn 2017


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Flandern | Brüssel  |  17

Flandern ist immer eine Reise wert

BROSELLA13 | © Lieve Boussauw

Flandern startet in seinen Städten Antwerpen, Brügge, Brüssel und Gent mit einem Füllhorn an kulturellen Highlights und Besonderheiten. Im Herzen Europas präsentiert sich ein Reichtum an Kunst, Musik, Theater und Festivals, geschichtlich verankert und der Moderne nah, gepaart mit einer exquisiten Küche und weltoffenen Gastgebern. Flandern verführt, fasziniert, inspiriert und regt zum Reisen an. www.visitflanders.de Brüssel swingt, groovt und jazzt Jazz-Jahr 2017 2015 trafen sich die wichtigsten Veranstalter und Einrichtungen der Brüsseler Kulturszene, um die zahlreichen Jazz-Aktivitäten der Stadt zu bündeln und eine Jazz-Plattform einzurichten. Damit sollte die Jazz-Stadt Brüssel ein Gesicht bekommen und die vielseitigen Veranstaltungen, Festivals und Clubs sichtbar und bekannter werden. Die Initiatoren waren selbst überrascht, als das Ergebnis vorlag und sie die Veranstaltungsübersicht zusammenstellten. Das Programm übertraf alle Erwartungen an Vielzahl, Facettenreichtum und Qualität. Es steht außer Frage, dass Brüssel eine der attraktivsten und vibrierendsten Jazz-Metropolen Europas ist. Jeden Tag steht eine Vielzahl an Livekonzerten auf der Agenda der Stadt sowie fast ein Dutzend großer Jazz-Veranstaltungen und Festivals über

das Jahr verteilt, die die Attraktivität der JazzStadt Brüssel ausmachen. Angetrieben von der Initiative schließen sich immer mehr Veranstalter dem Netzwerk an, es eröffnen neue Cafés und Clubs und sogar Hotels sind auf den JazzZug aufgesprungen. Sie organisieren Jazz-Apéros und Konzerte in exquisitem und ungewöhnlichem Ambiente. Attraktive Jazz-Packages runden das Angebot ab. In 2017 wird das Ergebnis der Initiative und die Vernetzung aller Brüsseler Jazzaktivitäten sichtbar und zu einem großen Jazz-Jahr zusammengefasst. Jazzfans aus der ganzen Welt sind eingeladen, Brüssel zu hören und den Beat der Stadt zu erspüren. Flagey und AB Konzerte feiern den 100. Jahrestag der ersten Jazzschallplatte auf Vinyl. Die UNESCO, das Kulturhaus Flagey und einige Jazzmusiker engagieren sich mit visit.brussels, um dem

Music Village 3 © JL Goffinet

FLORALIA BRÜSSEL

Das Schloss Groot-Bijgaarden feiert den Frühling 2017

Internationalen Jazz-Tag am 30. April noch mehr Gewicht und Ausstrahlung zu geben. Der beliebte und im August 2016 verstorbene Brüsseler Jazzmusiker Toots Thielemans wird auf verschiedenste Weise geehrt. Das belgische Jazz-Meeting wird zum dritten Mal in Brüssel stattfinden und mit einem attraktiven Programm ein internationales Publikum anziehen. Die legendäre Jazzband Aka Moon feiert ihr 25-jähriges Jubiläum und gibt nicht nur eine CD Sammelbox heraus, sondern hat auch einige Überraschungen auf Lager. Und nicht zu vergessen, die vielen etablierten Jazzveranstaltungen während des Jahres, der Jazz-Marathon, das Brüssel Jazz Festival, Brosella Folk & Jazz, Jazz Station ... und die vielen lebendigen und trendigen Clubs und Bars. www.jazz.brussels | www.visitflanders.de

Von Freitag, 7. April bis Sonntag, 7. Mai 2017 stehen der Park und die Gewächshäuser des Schlosses Groot-Bijgaarden Besuchern im Rahmen der 14. Floralia offen. Dieser 14 Hektar große Park – vom Gartenarchitekten Louis Fuchs Ende des 14. Jahrhunderts angelegt – wird belgische und ausländische Blumenliebhaber anziehen. Erneut wurden mehr als eine Million Blumenzwiebeln (500 Sorten Tulpen, Hyazinthen, Narzissen und weitere Frühlingsblumen) von dem Gärtnerteam des Schlosses gepflanzt. Ebenso sorgten die Meister der Pflanzenwelt für einen Teppich aus Wildblumen, ein großes Herz aus verschiedenen roten Tulpen sowie einen Irrgarten in Regenbogenfarben. Weiterhin erhalten Sie Gelegenheit, die große Vielzahl der Rhododendren und Azaleen aus der Sammlung der Rothschild d’Exbury Gardens (England) zu bewundern. 7.4. – 7.5.2017 | www.floralia-brussels.be

DJANGO16 | © Lieve Boussauw

© Floralia Brüssel


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CARL | arttourist.com 1|2017

Highlights Queen Elisabeth Hall

AUSSTELLUNGEN Urgent Conversations: Antwerpen-Athen 28.4. – 25.6.2017 EvgenyAntufiev – Unsterblichkeit für immer 28.4. – 3.9.2017 Peter Wachtler 28.4. – 3.9.2017 Eröffnung eines temporären Instituts für Zukunftsstudien 28.4. – 17.9.2017 ADRESSE M HKA Museum of Contemporary Art in Antwerp Leuvenstraat 32 2000 Antwerpen www.muhka.be Koen van den Broek | Madonna, 2010 | Collectie M HKA | Foto: M HKA

Antwerpen

M HKA Das M HKA wird ein zeitgenössisches Forum für Kunst, die Öffentlichkeit und die Welt Eröffnung am 28.4.2017 Im Antwerpener Museum M HKA richten die Flämische Regierung und die Stadt Antwerpen ein Forum für die führende zeitgenössische Kunstszene in Flandern ein. Ab dem 28. April präsentiert M HKA eine Auswahl an wegweisenden Künstlern und „Helden“ der Gegenwart, Pioniere der Geschichte und Tausende Werke aus der Kernsammlung des Museums. Der Besuch ist kostenfrei. Neben einer neuen Sammlungspräsentation wurde größter Wert auf die Didaktik, moderne Informationssysteme und einen freundlichen und offenen Eingangsbereich gelegt. Das Museum hat sich neu definiert und empfängt das Publikum mit einer Reihe von neu entwickelten Führungs-, Bildungs- und digitalen Angeboten, die oft in mehrere Sprachen angeboten werden. Damit möchte man ein neues, breiter gefächertes Publikum ansprechen und gewinnen. Der neu gestaltete Eingangsbereich verfügt auch über eine Bibliothek mit Lesesaal, die ebenfalls al-

Jan Fabre | Ik, aan het dromen (Spijkerman), 1979 Collectie M HKA | Foto: M HKA

len Besuchern offensteht und zum Verweilen einlädt. Der neue Raum, der als innovatives Projekt von M HKA gemeinsam mit dem Top-Designer Axel Vervoordt und dem japanischen Architekten Tatsuro Miki sowie dank der Unterstützung des flämischen Ministers für Kultur, Sven Gatz, und Minister für Tourismus, Ben Weyts, entwickelt wurde, setzt in vielen Bereichen neue Maßstäbe. Dank dieser Unterstützung wird das M HKA zu einem kulturellen Treffpunkt, wo die internationale zeitgenössische Kunst von Flandern kennengelernt und entdeckt werden kann. Zum ersten Mal erhält das M HKA eine permanente und frei zugängliche Sammlungsausstellung mit herausragenden Meisterwerken: ein Muss für jeden, der Antwerpen besucht. Darüber hinaus gibt es Raum für temporäre Sammelausstellungen, die frei zugänglich sind. Im

Mittelpunkt des M HKA steht der Begriff der flämischen Meister. Bildende Kunst in und aus Flandern ist ein wichtiges Exportprodukt – sowohl kulturell als auch wirtschaftlich. Flandern ist ein Zentrum von globaler Bedeutung für die frühe Moderne (von den flämischen Primitiven über das humanistische sechzehnte Jahrhundert bis hin zu Rubens und dem Barock) und die Fin-de-siècle Vormoderne. Dabei wird sowohl die Moderne der ersten als auch die der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts berücksichtigt. Seit den 1950er-Jahren ist Flandern eines der Drehkreuze der internationalen Avantgarde. Die Bedeutung der Region für die Gegenwartskunst ist unbestritten. Flandern ist ein Kunstzentrum von globaler Bedeutung. Mit Künstlern wie David Claerbout, Jan Fabre und Luc Tuymans, die sich im weltweiten Kunstranking behaupten, ist es bedeutend besetzt. www.muhka.be

Luc Tuymans | Vlaams dorp, 1995 | Collectie M HKA | Foto: M HKA

Das brandneue Auditorium „Queen Elisabeth Hall“, ein Konzert- und Konferenzsaal, bietet 2.020 Sitzplätze. Es ist das Prunkstück des Flanders Meeting & Convention Centre Antwerpen, das gerade seine Pforten geöffnet hat. Dank der einzigartigen Form der Halle und der verstellbaren Paneele an der Decke, entworfen von Kirkegaard Associates, hat das Koningin Elisabethzaal © Victoriano Moreno Auditorium eine perfekte Akustik und Klangresonanz. Die Queen Elisabeth Hall ist ausgestattet mit jedem Komfort für Besucher und beherbergt die weltberühmte Königliche Flämische Philharmonie (de Filharmonie), das größte und wichtigste symphonische Orchester Flanderns. www.elisabethcenter.be

Alec Soth – Gathered Leaves Mit der Ausstellung „Gathered Leaves“ zeigt das FOMU die Werke des renommierten Magnumfotografen Alec Soth (US, *1969) zum ersten Mal in Belgien. In dieser Retrospektive werden vier entscheidende Bilderserien aus seinem eindrucksvollen Oeuvre präsentiert: Sleeping by the Alec Soth | © Alec Soth Mississippi (2004), Niagara (2006), Broken Manual (2010) und Songbook (2014). Alec Soth ist bekannt für seine lyrische Vorgehensweise in Bezug auf die Dokumentarfotografie. Genauso wie Robert Frank, Stephen Shore und Jack Kerouac nimmt er die Faszination für die Weite des amerikanischen Landes als Ausgangspunkt. Alec Soth wohnt in Minnesota und ist Künstler, Fotoreporter, Blogger, Verleger, Instagrammer und Lehrer. Wegen seiner grenzenlosen Energie und seiner unverkennbaren Rolle innerhalb der zeitgenössischen internationalen Kunstwelt ist die heutige Generation junger Fotografen stark von ihm beeinflusst. 17.2. – 4.8.2017 | www.fotomuseum.be

Das Hafenhaus Die Antwerpener Skyline ist um ein Bauwerk reicher: Seit einigen Monaten thront das neue Hafenhaus, entworfen von Zaha Hadid, über der Scheldestadt – ein monumentales Gebäude, das Geschichte und Gegenwart, Stadt und Seehafen, Wirtschaft und Kultur verbindet. Seit Anfang November kann das Hafenhaus besichtigt werden. Ein schwebendes Schiff oder auch ein glitzernder Diamantcluster - beide AssoHavenhuis | © Havenbedrijf Antwerpen - Peter Knoop ziationen der Gebäudeerweiterung des historischen Hafenhauses im belgischen Antwerpen haben einen direkten Bezug zur Umgebung. Der Diamant steht für Antwerpens Status als führend in der Diamantenindustrie, das Schiff passt perfekt zum Umfeld direkt am Fluß Scheldt - zudem ist Antwerpen Europas zweitgrößter Hafen, durch den 26 Prozent aller Containerschiffe laufen. www.portofantwerp.com

Margiela – Die Hermès-Jahre im MoMu Richtungsweisende Dekonstruktion und zeitloser Luxus – zugleich die beiden Welten des belgischen Designers Martin Margiela – bilden die Grundlage für die Frühjahrsausstellung 2017 im ModeMuseum von Antwerpen. Vom 31. März bis zum 27. August 2017 stellt das MoMu erstmals die von Martin Margiela entworfenen Hermès Kollektionen aus. Zudem werden auch Zusammenhänge mit seinem eigenen Label „Maison Martin Margiela“ hergestellt. Bis heute ist der Einfluss seiner Arbeit für Hermès in der Arbeit zahlreicher heutiger Designer zu spüren. Obwohl Martin Margiela seit über acht Jahren nicht mehr in der Modewelt aktiv ist, wurde er auf der Pariser Modewoche für die Herbst-/Winterkollektion 2016/2017 von der internationalen Fachpresse als eigentlicher Protagonist der französischen Modewoche bezeichnet. Also höchste Zeit, ihm im MoMu eine Ausstellung zu widmen! 31.3. – 27.8.2017 | www.momu.be Margiela The Hermes Years | Press Visual


CARL | arttourist.com 1|2017

Flandern | Brügge  |  19

Highlights Budapest Festival Dreitägiges Musikfestival mit Konzerten des berühmten Budapest Festival Orchestra unter der Leitung von Iván Fischer. © Marco Borggreve Jedes Musikstück, das Fischer und sein Orchester interpretieren, erhält eine neue Dimension. Nicht umsonst gehört das Budapest Festival Orchestra zu den zehn besten Orchestern weltweit. Ein Muss für jeden Musikliebhaber. 18. – 20.5.2017 | visitbruges.be

© VisitBruges | Jan D'hondt

Willkommen in der Kultur- und Weltkulturerbestadt

Brügge Es gibt Orte, die einem unter die Haut gehen, auch wenn man sie nie ganz ergründen kann. Brügge ist so ein besonderer Ort. Eine organische Stadt, groß geworden durch ihre faszinierende Geschichte, die ihr prompt das UNESCOLabel Weltkulturerbestadt eingebracht hat. Brügge kann auf eine lange und bewegte Geschichte zurückblicken. Von einer einfachen Siedlung entwickelte sich die Stadt zur florierenden Handelsmetropole und schließlich zu einer der kulturellen Hochburgen Europas.

mischen Primitiven“ nieder. Die weltberühmten Werke von Jan van Eyck, Hans Memling und die von anderen namhaften flämischen Meistern sind im Groeningemuseum, dem St. Jansspital, der St. Salvatorkathedrale sowie in der Liebfrauenkirche zu bewundern. Hier ist auch die weltberühmte „Madonna mit Kind“ von Michelangelo ausgestellt.  Auch wenn die „Flämischen Primitiven“ Brügges Aushängeschild sind, werden Museumsliebhaber, denen

Anima Carmina Premiere | © Alex Vanhee

Dieses namhafte Festival für Alte Musik – MA steht für Musica Antiqua – versteht es immer wieder, Spitzenkünstler aus aller Welt in Brügge und im Brügger Umland zusammenzubringen. 2017 richtet das MAfestival die Scheinwerfer auf Dantes episches Gedicht La Divina. 4. – 13.8.2017

der Sinn nach mehr steht, keineswegs enttäuscht. In Brügge ist das Angebot schlichtweg beeindruckend. visitbruges.be ENTDECKE BRÜGGE MIT DEM SPARPREIS EUROPA DER DEUTSCHEN BAHN Entspannt, staufrei und ohne Stress. 6x täglich reisen Sie mit dem ICE aus Deutschland nach Belgien. So reisen Sie z. B. ab Köln in weniger als 2 Stunden nach Brüssel und erreichen mit nur einem Umstieg die Kunststadt Brügge. Und das mit dem

Europa-Spezial bereits ab 19,- Euro in der 2. Klasse ab Köln, Düsseldorf und Bonn. NOCH EIN TIPP FÜR FAMILIEN: Kinder und Enkelkinder unter 15 Jahren reisen kostenlos mit (Eintrag auf der Fahrkarte der Eltern/ Großeltern notwendig). www.bahn.de

Das Brügger Kulturleben floriert auf anspruchsvollem Niveau. Architekturliebhaber bewundern das Concertgebouw (Konzertgebäude) bei einem Konzert von internationalem Spitzenniveau oder einer Ballettaufführung, Romantiker gönnen sich einen anspruchsvollen Abend in dem eleganten Stadttheater, während sich Jazzliebhaber im Kunstzentrum DeWerf/Vrijstaat O. zu Hause fühlen. Einige Orte sind so atemberaubend schön oder einmalig, dass man sie unbedingt gesehen haben muss. In Brügge gibt es eine Menge solcher Orte. Im 15. Jahrhundert, dem goldenen Zeitalter von Brügge, regierten die schönen Künste. Mit dem angesehenen burgundischen Königshaus ließen sich hier die großen Vertreter der „Fläunten: © VisitBruges | Jan D'hondt

MAfestival

© VisitBruges | Stadsfotografen

B Major! Musikbiennale Brugge

B Major! ist ein neues Musikfestival, das alle zwei Jahre in den Faschingsferien stattfindet. Für dieses Festival mit einem aufregenden Programm, das ganz auf die Stadt ausgerichtet ist, bündeln alle professionellen Musikakteure in Brügge ihre Kräfte. B Major! unterstreicht die intensive Zusammenarbeit zwischen sämtlichen Partnern dieser großartigen Musikstadt: Cultuurcentrum Brugge, Cactus Muziekcentrum, Vrijstaat O./De Werf, das MAfestival sowie das Concertgebouw stellen jedes Jahr eine große Auswahl an musikalischen Genres und Stilen aus allen Himmelsrichtungen vor. B Major! hebt diese Stärken hervor und setzt dabei den Fokus auf musikalische Kreationen aus der Stadt. Drei professionelle Orchester – Anima Eterna Brugge, Symfonieorkest Vlaanderen und Het Kamerorkest Brugge – wagen sich an ein völlig neues Projekt heran. Daneben bekommen zahlreiche Komponisten und Musiker den Auftrag, ein neues Werk zu schaffen. 1. – 5.3.2017 | visitbruges.be

Festumzug des Goldenen Baums © VisitBruges | Jan D'hondt

Der Festumzug des Goldenen Baums ist ein Ereignis, das alle fünf Jahre stattfindet und auf die Festlichkeiten zu Ehren der Hochzeit von Karl dem Kühnen und Margareta von York im Jahr 1468 zurückgeht. Die Tradition des Festumzugs des Goldenen Baumes besteht seit 1958 . Es ist ein bezauberndes Spektakel, bei dem Riesen, Festwagen, Tiere und 1700 farbenfroh herausgeputzte Statisten alle Blicke auf sich ziehen. Der erste Teil des Festumzugs nimmt Sie mit in eine märchenhafte Welt mit einem Stück flämischer Geschichte. Der zweite Teil erweckt das legendäre Fest des Goldenen Baumes wieder zum Leben. 19. – 20.8.2017 visitbruges.be © VisitBruges | Stadsfotografen


20  |  Flandern | Brüssel

CARL | arttourist.com 1|2017

Highlights Das abwesende Museum Eine Blaupause für ein Museum für zeitgenössische Kunst für die Hauptstadt Europas – zum 10-jährigen Firmenjubiläum präsentiert WIELS eine große Ausstellung, die das komplett renovierte BlommeGebäude wie auch die beiden angrenzenden Gebäude umfasst, die ebenfalls Teil der früheren BrauMartin Kippenberger Untitled (Landkarte), 1979 erei Wielemans sind. Der Titel Acrylic, enamel and spray on a „Das abwesende Museum“ ist eine map on board 129,5 x 96 cm (framed) Anspielung auf den entscheidenCollection de Bruin-Heijn den Einfluss, den das symbolische „mystisch-geheimnisvolle“ Denken auf die belgische Moderne gehabt hat und bis heute noch hat. Das WIELS hat beschlossen, diese temporäre Ausstellung zu verwenden, um einen substanziellen Rahmen oder einen Entwurf für ein mögliches Museum für zeitgenössische Kunst in der Hauptstadt Europas zu erstellen. 20.4. – 13.8.2017 | www.wiels.org

Pol Bury Time in Motion

Rik WOUTERS | Die Dame mit der gelben Halskette [Interieur D], 1912 | Öl auf Leinwand, 121,5 x 109,8 cm | Königliche Museen der Schönen Künste von Belgien, Brüssel, Inv. 4741 | Spende von Frau Gabrielle Giroux, Brüssel, 1928 | © Königlichen Museen der Schönen Künste von Belgien, Brüssel, Brüssel Foto: J. Geleyns - Ro scan

Brüssel

Retrospektive Rik Wouters

Haus der europäischen Geschichte

10.3. – 2.7.2017

Rik Wouters ist eine prominente Figur des Brabantschen Fauvismus. Er brachte der Kunstwelt brillante und farbenfrohe Kunst, weit von den Dramen und dem Schicksal, die sein Leben bis zu seinem frühen Tod im Jahre 1916, im Alter von 34 Jahren, kennzeichneten. Rik Wouters beherrschte gleichermaßen Malerei, Bildhauerei und Zeichnung, die ihn zu einem wesentlichen Vertreter der modernen Kunst in Belgien machte.

distischen Stil, der auch mit Künstlern wie Ensor, dann Cézanne und sogar Renoir assoziiert wurde. Rik Wouters wurde von seinen Zeitgenossen früh geschätzt. Sein einzigartiges Talent, das schon früh durch Krieg und seine Krankheit beeinträchtigt wurde, hinterlässt uns ein faszinierendes und meisterhaftes künstlerisches Erbe.

Die von den Königlichen Museen der Schönen Künste Belgiens in Partnerschaft mit dem Königlichen Museum der Schönen Künste in Antwerpen organisierte Retrospektive ist außergewöhnlich. Erstmals präsentieren beide Museen in einer Ausstellung die bedeutendste Werksammlung des berühmten belgischen Künstlers des frühen 20. Jahrhunderts. Seltene Leihgaben aus privaten Sammlungen und großen internationalen Museen vervollständigen die Retrospektive. Die Ausstellung schließt die Reihe an Ehrungen ab, die mit dem hundertsten Todestag des Künstlers verbunden sind.

Jeder Besucher, groß oder klein, kann in einer einzigartigen von Rik Wouters inspirierter Werkstatt kreativ werden. Sie befindet sich am Anfang der Ausstellung. An Staffeleien, einem großen Tisch und Spiegeln können die Besucher mit Wouters 'Themen spielen. Die Werkstatt ist während der Öffnungszeiten der Ausstellung kostenlos zugänglich und wird am Samstag und Sonntag von 14 bis 16 Uhr künstlerisch begleitet.

Kostenlose Workshops!

Die Kunst von Rik Wouters ist vor allem eine Fülle von Farben und authentischen, einfachen und berührenden Themen. Durch seine visuelle Sprache, den Aufbau seiner Themen und den leuchtenden Farbenreichtum entwickelte er einen eigenen avantgarADRESSE Royal Museums of Fine Arts of Belgium Rue de la Régence/Regentschapsstraat 3 1000 Brussels www.fine-arts-museum.be

Gruppen (min. 15 Pers.) EUR 10,50 Schulgruppen (6 – 25 Jahren) EUR 3,50

ÖFFNUNGSZEITEN Di – Fr 10 – 17 Uhr, Sa, So 11 – 18 Uhr Mo geschlossen, 1.5.2017 geschlossen

AUDIOGUIDES in französischer, englischer und niederländischer Sprache

EINTRITTSPREISE Normalpreis EUR 14,50 Senioren (über 65 Jahre) EUR 12,50 Kinder und Jugendliche (bis 26 Jahre) EUR 8

FÜHRUNGEN Informationen und Buchung unter reservation@fine-arts-museum.be

Der belgische Künstler Pol Bury (1922-2005) ist einer der Gründer der kinetischen Kunst. Nach seinen Anfängen in der Malerei, markiert durch den Einfluss von Magritte und der Zeit, die er mit anderen Mitgliedern von Jeune Peinture Belge und CoBrA Pol Bury in Galerie Smith, Brussels, 1961 verbrachte, beschloss er, einen neuen Weg zu gehen. Seine Faszination für die Kunst von Alexander Calder führte dazu, dass er sich der Skulptur zuwandte und Bewegung in seine Arbeit integrierte. Durch sein intensives persönliches Werk hat er sich in den Pariser und New Yorker Kunstszenen einen Namen gemacht und damit internationale Anerkennung gefunden. Diese Retrospektive ist eine Gelegenheit, Burys umfangreiches und vielfältiges Oeuvre zu entdecken. Gemälde, Skulpturen, mobile Werke, Springbrunnen, Schmuck, grafische und schriftliche Kreationen sind alle in der größten Ausstellung zu sehen, die Belgien diesem großen Künstler in zwanzig Jahren gewidmet hat. 23.2. – 4.6.2017 | www.bozar.be

Rik WOUTERS | Frau in der Sonne, (1911) | Bronze, 62,5 × 45,5 × 44,5 cm | Königliche Museen der Schönen Künste von Belgien, Brüssel, Inv. 4746. © Königliche Museen der Schönen Künste von Belgien, Brüssel Foto: J. Geleyns - Ro scan

Das Haus der europäischen Geschichte befindet sich im Eastman-Gebäude im Leopoldpark – im Herzen des Europaviertels in Brüssel. Das Eastman-Gebäude wurde 1934/35 als Zahnklinik für die Behandlung sozial benachteiligter Kinder errichtet und mit Spendengeldern des US-amerikanischen Geschäftsmanns und Philanthropen George Eastman, des Erfinders der Kodak-Kamera, finanziert. Unternehmen aus Frankreich, Deutschland und Belgien errichteten einen modernen Erweiterungsbau und reno- EAS PERS Facade principale PC | © E.Y-AACMA-JSWD vierten das Gebäude unter Bewahrung seines historischen Erscheinungsbildes. Jetzt ist es ein Haus für einzigartige Dauerausstellungen, jährliche Wechselausstellungen, eine große Anzahl vielfältiger Kulturveranstaltungen, Unterrichtsräume, Auditorium und Konferenzräume, Lernangebote für Schulen, Familien und Gruppen. Voraussichtliche Eröffnung: 06. Mai 2017 | www.europarl.europa.eu

Boris Tellegen at the MIMA: A Friendly Takeover Für ihre zweite Ausstellung präsentiert das MIMA (Millenium Iconoclast Museum of Art) Boris Tellegen alias DELTA, eine Graffiti-Legende, den „Dutch Master“. Eine monumentale Installation über drei Etagen bietet eine Retrospektive seiner 20-jährigen künstlerischen Reise von der Straße zum Museum. Die Ausstellung zeigt die Höhepunkte seiner Arbeit, gibt aber auch einen tieferen Einblick in sein Universum, wie seine Sammlung von Manga-Figuren oder seine alten Graffiti-Skizzenbücher. Das MIMA ist in seiner Art einzigartig in Europa. Es ist ein modernes Museum, das die Öffentlichkeit durch die Geschichte der Kultur 2.0 bringt, die mit dem Millennium Boris Tellegen aka Delta weltweit zu dämmern anfing. (Todd Mazer Photography) 7 of 21 bis 28.5.2017 | www.mimamuseum.eu


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Flandern | Gent  |  21

Highlights PLAIN/PURL Ausstellung Ausstellung anlässlich des 10. Jahrestag des TextilDesign-Programms an der KASK/School of Arts Gent. Heute ist die Verbindung zwischen Textil Joanna | Designmuseum und Kunst stärker denn je. Zehn Jahre nach der Einführung des Bildungsprogramms „Textile Design“ an der Königlichen Akademie der Schönen Künste (KASK) zeigt die Ausstellung die Position des Textils in Design, Kunst, Mode und Architektur. Das Projekt untersucht die Grenzen von Kunst und Design und zeigt Arbeiten, die diese Grenzen überschreiten. Design und Kunst stehen nebeneinander. Außerdem werden die Werke - buchstäblich und bildlich gesprochen - von ihren Sockeln abgenommen. Die Szenografie unterstreicht überraschende visuelle Werkgruppen und führt zu einem Gesamtkonzept, in dem sich der Besucher gerne verliert. Werke von internationalen Künstlern werden neben denjenigen der Studenten platziert. 30.3.2017 — 1.10.2017 | www.designmuseumgent.be

Gent

alle Fotos © Maarten Mellemans

GENT JAZZ FESTIVAL Jazz-Legenden und vielversprechende junge Künstler in unvergesslicher Umgebung 6. – 15.7.2017 Das Gent Jazz Festival wurde 2002 in Zusammenarbeit mit dem renommierten Blue Note Records Label gegründet und präsentiert auf zwei Bühnen Künstler aus ganz Europa sowie US-Stars. Während eines Besuchs in der attraktiven Kulturstadt Gent dürfen sie im Sommer einen Besuch des Gent Jazz Festivals, in historischer Umgebung von Bijlokesite gelegen, nicht verpassen. Highlights in diesem Jahr sind der Auftritt der Grande Dame des amerikanischen Jazz, Norah Jones und von Pianist und Jazzlegende Herbie Hancock. Des Weiteren treten Künstler wie der amerikanische Bassist Christian McBride, das junge Duo Vincent Peirani & Emile Parisien, der virtuose Kontrabassist und Komponist Omer Avital mit seinem Quintett und Gents feine Kleptomatics und Yves Peeters Gumbo auf. Weitere Namen werden dem Lineup später hinzugefügt. In den letzten Jahren waren Jazz-Legenden wie Wayne Shorter, John Zorn und Archie Shepp zu sehen und auch so großartige Künstler, die nicht unbedingt mit dem Jazz-Genre verbunden sind, wie BB King, John Cale und Buena Vista Social Club und viele weitere internationale Stars. Junge, aufstrebende Jazzmusiker werden beim „Jong Jazztalent“, einem Wettbewerb in Zusammenarbeit mit der prämierten Brauerei Duvel-Moortgat, vorgestellt. Der Sieger darf auf der Hauptbühne auftreten. Das Gent Festival investiert viel Energie und Zeit in die Atmosphäre und die Logistik des Festivalgeländes, um neben hochkarätiger Musik ein unvergessliches Erlebnis zu erzeugen. Das Gelände liegt neben dem ehemaligen historischen Nonnenklinik-Komplex aus dem 17. Jahrhundert, das die perfekte Atmosphäre und ein außergewöhnliches Ambiente schafft, was die Konzerte und den Festivalbesuch zu einem bleibenden Erlebnis werden lässt. Auch auf ein ausgetüfteltes, hochwertiges Cateringkonzept legen die Veranstalter höchsten Wert. Die lokalen Caterer, die mit größter Kreativität die Vielfalt der regionalen Küche und ausgewählte Getränke präsentieren, sind wichtiger Bestandteil und Garant für ein erfolgreiches Gent Jazz Festival. www.gentjazz.com Das Sandton Grand Hotel Reylof ist Gastgeber des Gent Jazz Festivals und bietet allen Besuchern ein spezielles Hotelarrangement mit Wohlfühlcharakter. Das erste Haus am Platz bietet Unterkunft, Festivalticket und viele weitere Annehmlichkeiten im Paket.

Eyewitnesses: Francisco Goya & Farideh Lashai Genau 200 Jahre trennen Goya und Lashai, beide Chronisten der Konflikte in ihren jeweiligen Ländern. Beide erlebten radikale soziale Umwälzungen und waren gezwungen, in Zeiten der Repression und Zensur zu arbeiten. Sie verwendeten Kunst und Humor, um die Ungerechtigkeiten, die sie erlebFrancisco Goya | Asta su abuelo 1797 - 1799 | And so was his grandfather ten, zu verarbeiten. Dazu verEn zo was zijn grootvader | Même son wendeten sie eine Vielzahl von grand-père Aquatint / Aquatinte, 218 x 154 mm | Los Caprichos pl. 39 Kunsttechniken und visuelle El Prado, Madrid Sprache. Durch die dialoghafte Präsentation ihrer Arbeiten, zielt das MSK darauf ab, die Besucher zu ermutigen, die positive Veränderung in der heutigen Gesellschaft durch ein besseres Verständnis der Vergangenheit wahrzunehmen. Zwei Jahrhunderte sind vergangen, aber die Botschaft bleibt international relevant, vor allem angesichts der zahlreichen Konfliktsituationen, die uns in der heutigen Zeit beschäftigen. bis 7.5.2017 | www.mskgent.be

Eine andere Welt Laboratorium für Illusion und Fantasie Wo liegt die Grenze zwischen Fantasie und Wirklichkeit? Wie können wir den Traum vom Delirium, von der Illusion der Wünsche, von der Halluzination, vom Andersartigen unterscheiden? Wie können wir Jan Fabre | Fantasie-insecten-sculpturen (detail), 1979 | installatie erforschen oder uns vorstellen, Collectie Jan Fabre, Antwerpen Courtesy Angelos bvba was anderswo stattfindet? Die Ausstellung umfasst zwei Jahrhunderte, ausgehend von den vielen Fragen zu Psychose, Halluzination und Illusion. Nicht um eine klassische, historische Abhandlung zu geben, sondern um fünf einzigartige Oeuvres aus dieser Zeit zu präsentieren, die das Gleichgewicht zwischen Kunst, Wissen und Wissenschaft ausdrücken. Dies sind Welten, in denen Bleistifte gehen, Fahrräder schwimmen, der Abstand zwischen zwei parallelen Linien variabel ist, Schreibmaschinen in Kontakt mit dem Verstorbenen stehen und Straßenlampen aufhören zu leuchten, wenn Sie an ihnen vorbeigehen. bis 28.5.17 | www.museumdrguislain.be

James Welling – Metamorphosis Das S.M.A.K präsentiert eine Retrospektive des amerikanischen Künstlers James Welling (* 1951, Hartford, Connecticut) mit dem Titel „Metamorphosis“. Mit mehr als 20 Serien von Arbeiten aus den frühen 70er-Jahren bis heute zeigen, wie sein Schaffen die Lücken zwischen Bild und Materie, Repräsentation und Abstraktion, Stimmung und Infrastruktur, Gegenwart und Vergangenheit überbrückt. Wellings Praxis der Erforschung der Konventionen umfasst Stile und Geschichten der Fotografie und erstreckt sich auf Film, Skulptur und Malerei. bis 16.4.2017 | www.smak.be James Welling | Hands #3, 1975


22 | Frankfurt

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Weitere Ausstellungen RICHARD GERSTL. RETROSPEKTIVE

René Magritte | La Lampe philosophique, 1936 | Öl auf Leinwand, 46 x 55 cm | Privatsammlung | © VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Frankfurt | SCHIRN KUNSTHALLE

MAGRITTE

GLANZ UND ELEND IN DER WEIMARER REPUBLIK. VON OTTO DIX BIS JEANNE MAMMEN

DER VERRAT DER BILDER 10.2. – 5.6.2017 Der Maler René Magritte (1898–1967) ist ein Magier der verrätselten Bilder. Die Schirn Kunsthalle Frankfurt widmet dem großen belgischen Surrealisten vom 10. Februar bis 5. Juni 2017 eine konzentrierte Einzelausstellung, die sein Verhältnis zur Philosophie seiner Zeit abbildet. Magritte sah sich nicht als Künstler, sondern vielmehr als denkender Mensch, der seine Gedanken durch die Malerei vermittelt. Ein Leben lang beschäftigte es ihn, der Malerei eine der Sprache gleichrangige Bedeutung zu verleihen. Seine Neugier und die Nähe zu großen zeitgenössischen Philosophen, etwa zu Michel Foucault, führten ihn zu einem bemerkenswerten Schaffen, zu einer Verfremdung der Welt, die auf einzigartige Weise akkurate, meisterhafte Malerei mit konzeptuellem Denken verbindet. Die Ausstellung beleuchtet in fünf Kapiteln Magrittes Auseinandersetzung mit der Philosophie. Seine Wort-Bilder reflektieren seine grundsätzlichen Überlegungen zum Verhältnis von Bild und Sprache,

weitere zentrale Bildformeln befassen sich mit den Legenden und Mythen der Erfindung und der Definition der Malerei. Die quasi wissenschaftliche Methode, der er in seiner Malerei folgte, bezeugt seinen Argwohn gegenüber einfachen Antworten und einem simplen Realismus. Die Schirn präsentiert Magrittes meisterhafte Bilderrätsel der 1920er- bis 1960erJahre, wie etwa das emblematische Selbstbildnis „La Lampe philosophique“ (1936), „La Condition Humaine“ (1948), „Les Mémoires d’un Saint“ (1960), „Le Beau Monde“ (1962) oder „L’Heureux Donateur“ (1966). Die Ausstellung vereint rund 70 Arbeiten, darunter zahlreiche Meisterwerke aus bedeutenden internationalen Museen, öffentlichen und privaten Sammlungen, u. a. dem Musée Magritte in Brüssel, dem Kunstmuseum Bern, dem Dallas Museum of Art, der Menil Collection in Houston, der Tate in London, dem Metropolitan Museum

of Art in New York, dem Museum of Modern Art in New York, der National Gallery of Victoria in Melbourne und der National Gallery of Art in Washington D.C SCHIRMHERRSCHAFT Die Ausstellung steht unter der gemeinsamen Hohen Schirmherrschaft von Bundespräsident Joachim Gauck und von Seiner Majestät dem König der Belgier. ADRESSE SCHIRN KUNSTHALLE FRANKFURT Römerberg 60311 Frankfurt www.schirn.de ÖFFNUNGSZEITEN Di, Fr – So 10 – 19 Uhr Mi, Do 10 – 22 Uhr Mo geschlossen EINTRITTSPREISE Normalpreis EUR 12 Ermäßigte Tickets für Familien sowie Studenten, Schüler, Arbeitslose und Schwerbehinderte mit Begleitperson erhalten Sie bei Vorlage eines entsprechenden Ausweises an der SCHIRN-Kasse. Eintritt für Kinder unter 8 Jahren frei. ONLINE-TICKET Ohne Wartezeiten mit Print-at-Home oder Mobile Ticket in die Ausstellung. Das Ticket ist über die gesamte Ausstellungslaufzeit gültig.

René Magritte | This is not a pipe, 1935 | Öl auf Leinwand, 27 × 41 cm | Privatsammlung | © VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Er ist der „erste österreichische Expressionist“ und für viele immer noch ein Geheimtipp: Richard Gerstl (1883–1908). Der Maler wird in einem Atemzug mit den drei Meistern der Wiener Moderne genannt – Gustav Klimt, Egon Schiele und Oskar Kokoschka. Bis zu seinem Selbstmord im Alter von nur 25 Jahren schuf er ein aufregendes, ungewöhnliches, wenn auch überschaubares Oeuvre mit beeindruckenden Höhepunkten und wegweisenden Neuerungen. Erstmals in Deutschland zeigt die SCHIRN eine umfassende Retrospektive und versammelt nahezu alle Werke, die heute von ihm bekannt sind. In seinen rund 80 Arbeiten offenbart sich ein ewig suchender Künstler, der bereits vieles vorwegnahm, was sich erst später in der KunstgeschichRichard Gerstl | Selbstbildnis als Halbakt, 1902/04 | Öl auf Leinwand, 159 x 109 cm te manifestierte, etwa in der Foto © Leopold Museum, Wien Malerei des Abstrakten Expressionismus der 1950er-Jahre. Das Porträt ist neben Akt und Landschaft Gerstls bevorzugtes Genre. Die Ausstellung präsentiert gestisch-wilde Gruppenbildnisse sowie Darstellungen von Personen aus seinem engsten Kreis oder auch sein Selbstporträt als Akt – das erste eines Künstlers überhaupt nach Albrecht Dürer. Richard Gerstls Malerei reflektiert seine Auseinandersetzung mit den Widersprüchen der Moderne: Er widersetzte sich stilistisch und inhaltlich der Wiener Secession, lehnte deren Schönheitsbegriff ab und malte gegen tradierte Regeln an. Er schuf schonungslose und selbstbewusste Bilder, die bis heute ihresgleichen suchen. 24.2. – 14.5.2017

SPARPREIS KULTUR DER DEUTSCHEN BAHN Reisen Sie umweltfreundlich ab 39 EURO (2. Kl.) und ab 49 EURO (1. Kl.) zur SCHIRN nach Frankfurt und zurück, innerhalb von 3 Tagen. Bis zu vier Mitfahrer sparen jeweils 10 Euro. Das Ticket erhalten Sie bei gleichzeitigem Kauf oder Vorlage einer Eintrittskarte zur SCHIRN in allen DB Reisezentren und DB Agenturen. Online ist der

Sparpreis Kultur nach dem Kauf der Eintrittskarte im Shop der SCHIRN buchbar. Die Fahrkarten sind kontingentiert und zuggebunden. AUDIOGUIDE Der Audioguide, gesprochen von dem Schauspieler Alexander Fehling, stellt die Ausstellung mit ihren Hauptwerken vor. Der vielseitige Schauspieler ist aus Theater und Film bekannt, unter anderem aus dem für den Oscar nominierten Film „Im Labyrinth des Schweigens“, Quentin Tarantinos „Inglourious Basterds“ und aus der TVSerie „Homeland“. GEBÜHR 3 € zuzüglich Pfand in der SCHIRN FÜHRUNGEN Öffentliche Führungen siehe www.schirn.de Gruppen & Führungen Führungen ab EUR 75. Ab 20 Personen gilt der ermäßigte Eintrittspreis. Schulklassen ab 15 Personen zahlen EUR 1 Eintritt pro Teilnehmer, mit Führung EUR 3. Anmeldung erforderlich. Tel +49 69 299882-112 fuehrungen@​SCHIRN.​de DIGITORIAL Von Anfang an im Bilde: Das kosten­lose digi­tale Begleit­an­ge­bot bietet span­nende Einbli­cke, inter­es­sante Hinter­ grund­in­for­ma­tio­nen und erklärt die wesent­li­chen Ausstel­lungs­in­halte. Mit dem Digitorial sind Sie schon vor Ihrem Besuch bestens informiert. Für Smart­phone, Tablet und Desk­top. www.schirn.de/digitorial

Soziale Spannungen, politische Kämpfe, gesellschaftliche Umbrüche, aber auch künstlerische Revolutionen charakterisieren die Weimarer Republik. In einer großen Themenausstellung wirft die SCHIRN einen Blick auf die Zeit zwischen 1918 und 1933. Realistische, ironische und groteske Arbeiten verdeutlichen den Kampf um die Demokratie und zeichnen das Bild einer Gesellschaft in der Krise und am Übergang. Die Verarbeitung des Ersten Weltkriegs in Form von Bildern verkrüppelter Soldaten und „Kriegsgewinnlern“, die Großstadt mit ihrer Vergnügungsindustrie und die zunehmende Prostitution, die politischen Unruhen und wirtschaftlichen Abgründe werden stilistisch ebenso vielfältig interpretiert wie das Rollenbild der „Neuen Frau“ oder die Debatten um § 175 (Homosexualität) und § 218 (Abtreibung). Auch die sozialen Veränderungen durch die Industrialisierung oder die wachsende Begeisterung für den Sport spiegeln sich in der Kunst der Zeit wider. George Grosz | Straßenszene (KurfürstenDie Ausstellung versammelt damm, Berlin), 1925 | Öl auf Leinwand, 82 x rund 200 bekannte und we- 62 cm | Museo Thyssen-Bornemisza, Madrid | Estate of George Grosz, Princetown, N.Y. nig beachtete Künstlerin© VG Bild-Kunst, Bonn 2017 nen und Künstler – u.a. Max Beckmann, Kate Diehn-Bitt, Otto Dix, Dodo, Conrad Felixmüller, George Grosz, Carl Grossberg, Hans und Lea Grundig, Karl Hubbuch, Lotte Laserstein, Alice Lex-Nerlinger, Elfriede Lohse-Wächtler, Jeanne Mammen, Oskar Nerlinger, Franz Radziwill, Christian Schad, Rudolf Schlichter, Georg Scholz und Richard Ziegler. Zusammen mit historischen Fotografien, Filmen, Zeitschriften und Plakaten entwirft die SCHIRN ein eindrückliches Panorama der Kunst der Weimarer Republik. 27.10.2017 – 25.2.2018

Lena Henke 28.4. – 20.7.2017

Peter Saul 2.6. – 3.9.2017

Peace 30.6. – 24.9.2017

Diorama. Erfindung einer Illusion 6.10.2017 – 21.1.2018


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Frankfurt | 23

Henri Matisse (1869–1954) | Großer liegender Akt (Grand Nu couché), 1935 | Öl auf Leinwand, 66.4 x 93.3 cm Baltimore Museum of Art | © Succession H. Matisse / VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Pierre Bonnard (1867–1947) | Der Arbeitstisch, 1926/37 | Öl auf Leinwand, 121,9 x 91,4 cm National Gallery of Art, Washington | © VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Frankfurt | Städel Museum

MATISSE – BONNARD „ES LEBE DIE MALEREI!“ 13.9.2017 – 14.1.2018 „Es lebe die Malerei!“ – mit diesem programmatischen Ausruf grüßte Henri Matisse (1869–1954) seinen Freund Pierre Bonnard (1867–1947) am 13. August 1925. Die kurzen Worte auf einer Postkarte aus Amsterdam waren der Beginn eines Briefwechsels zwischen den beiden Künstlerkollegen, der bis 1946 andauerte und ihre gegenseitige Wertschätzung deutlich macht. Die groß angelegte Sonderausstellung „Matisse – Bonnard. ‚Es lebe die Malerei‘“ im Städel Museum nimmt ihre über 40 Jahre andauernde Freundschaft vor dem Hintergrund ihres jeweiligen Beitrags zur Klassischen Moderne in den Blick

und zeigt den Stellenwert der Beziehung für ihr Œuvre. Anhand von über 100 Gemälden, Plastiken, Zeichnungen und Grafiken eröffnet die Schau einen Dialog zwischen den beiden Künstlerkollegen und bietet damit neue Perspektiven auf die Entwicklung der europäischen Avantgarde vom Beginn des 20. Jahrhunderts bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges. In thematisch orientierten Kapiteln widmet sich die Ausstellung der unterschiedlichen künstlerischen Umsetzung von zentralen Sujets wie Interieur, Stillleben, Landschaft, Fensterbild und Akt. Ein zentraler Aspekt ist zudem die fokussierte

Gruppe an Arbeiten, welche die beiden Maler voneinander besaßen und die das Verständnis für die Kunst des anderen vor Augen führt. Wie eng der Austausch zwischen den beiden Künstlern war, zeigt sich dabei besonders deutlich an ihrer intensiven Auseinandersetzung mit ganz ähnlichen Motiven, wie zum Beispiel mit dem von der Sonne erhellten Interieur. Neben dem Blick aus dem Fenster und dem Spiel zwischen Innen- und Außenraum faszinierte beide die südfranzösische Landschaft mit ihren mediterranen Lichtstimmungen. Auch ihre Stillleben verweisen auf ein verwandtes Verständnis von Malerei: Das Anliegen der befreundeten Künstler ist nicht die Wiedergabe eines dreidimensionalen Raumes mit Objekten. Stattdessen lassen sie der Farbe einen von allem Gegenständlichen gelösten Eigenwert zukommen, was sich ebenfalls in ihrer langjährigen Beschäftigung mit dem weiblichen Akt ausdrückt. Die Gegenüberstellung von Matisses Werkgruppe der Odalisken mit Bonnards sinnlichen Darstellungen badender Frauen suggeriert eine ähnliche Verträumtheit, welche die Szenen vom Diktat einer realistischen Naturwiedergabe löst. Die hochkarätigen Exponate umfassen Meisterwerke aus international bedeutenden Sammlungen wie dem Art Institute of Chicago, dem Baltimore Museum of Art, der Tate Modern in London, dem Museum of Modern Art in New York, dem Centre Pompidou und dem Musée d’Orsay in Paris, der Eremitage in Sankt Petersburg, der Ny Carlsberg Glyptotek und dem Statens Museum for Kunst in Kopenhagen sowie der National Gallery of Art in Washington. Bereichert wird die umfangreiche Werkauswahl durch eine Reihe von Fotografien Henri Cartier-Bressons, der 1944 sowohl Bonnard als auch Matisse in ihren Landhäusern in Südfrankreich besuchte. Kurator: Dr. Felix Krämer (Städel Museum)

ADRESSE Städel Museum Schaumainkai 63 60596 Frankfurt am Main www.staedelmuseum.de

Henri Matisse (1869–1954) | Pianistin und Damespieler, 1924 | Öl auf Leinwand, 73,7 x 92,4 cm | National Gallery of Art, Washington © Succession H. Matisse / VG Bild-Kunst, Bonn 2017

ÖFFNUNGSZEITEN Di, Mi, Sa, So 10 – 18 Uhr Do, Fr 10 – 21 Uhr Mo geschlossen 3.10., 31.10., 25.12., 26.12. 10 – 18 Uh 24.12., 31.12. geschlossen 1.1.2018 11 – 18 Uhr

EINTRITTSPREISE Normalpreis EUR 14 Ermäßigt EUR 12 Familienticket EUR 24 Für Kinder unter 12 Jahren ist der Eintritt frei. Bei Gruppen ab 10 regulär zahlenden Personen gilt der ermäßigte Eintrittspreis.

FÜHRUNGEN Überblicksführungen (13.9.2017 – 14.1.2018) Di 15 Uhr, Mi 13 Uhr, Do 18 Uhr, Fr 19 Uhr, Sa 16 Uhr, So 12 Uhr sowie Di 3.10., Di 31.10., Mo 25.12., Di 26.12., Mo 1.1. 16 Uhr Führungsservice, Informationen und Anmeldungen zum Bildungs- und Vermittlungsprogramm +49(0)69-605098-200 info@staedelmuseum.de


24 | Kunsttipps

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Alkersum

Frankfurt

In Skagens Licht – Von P. S. Krøyer bis Joakim Eskildsen

Nacht der Museen in Frankfurt und Offenbach

5.3. – 18.6.2017

6.5.2017

Zu den wichtigsten ProtagonisIn dem kleinen ten zählen Anna und Michael Fischerort Skagen an Ancher, Oscar Björck, Viggo Joder nördlichsten Spithansen, Christian Krohg, P. S. ze Dänemarks, wo Krøyer und Laurits Tuxen. Das zwei Meere aufeinanMuseum Kunst der Westküste dertreffen, entwickelte verfügt über einen großen Besich seit den 1870erstand an Werken dieser KünstJahren eine über die ler. Mehr als 40 Werke aus der Landesgrenzen hinaus Sammlung werden – orientiert international AufseJoakim Eskildsen | Skagen XIV, 2008 | Fotografie an der Salonhängung, wie sie hen erregende Künstdie Skagener Maler wählten – in einer Auswahl lerkolonie. Die besonderen Lichtverhältnisse, präsentiert. Drei internationale zeitgenössider helle, ausgedehnte Sandstrand, die hohen sche Positionen – Joakim Eskildsen (DK), Birgit Dünen an der als ausgesprochen ursprünglich Fischötter (DE) und Ulrik Møller (DK) – erweiangesehenen Küste und das harte Leben der tern die Schau um mehr als 30 Werke. Die in Menschen begeisterten dänische Künstler ebenBerlin und Frankfurt lebenden KünstlerInnen so wie Maler aus Norwegen, Schweden und zeigen, dass die künstlerische Beschäftigung mit Deutschland. Alle hatten sich zuvor in Paris mit dem Ort und dem Thema „Skagen“ auch im 21. den modernsten künstlerischen Entwicklungen Jahrhundert aktuell ist. – mit Freilichtmalerei und Impressionismus – Museum Kunst der Westküste auseinandergesetzt. Nun fanden sie in Skagen Hauptstraße 1 | 25938 Alkersum/Föhr im Freien malend zu ihrem eigenen Ausdruck www.mkdw.de und zu individuellen, auf den Alltag und die Öffnungszeiten: Di-So 10-17 Uhr, Mo geschlossen Landschaft bezogene Themen.

Am 6. Mai 2017 zeigen rund 50 Museen und Ausstellungshäuser in Frankfurt und Offenbach bei der Nacht der Museen zu ungewöhnlicher Zeit, was in ihnen steckt. Von 19 Uhr bis 2 Uhr früh kann das Publikum auf Entdeckungstour gehen – begleitet von Musik, Lesungen, Performances, Workshops, Videoinstallationen und Partys. Zu ihren jeweiligen Dauer- und Wechselausstellungen setzen die Museen passende Akzente mit Spezialführungen. Aufgrund des großen Erfolgs zählt die jährliche Kultur- und Partynacht zu den festen Institutionen des Frankfurter Kulturgeschehens.

Emden

Chur (CH)

The American Dream: Bilder des amerikanischen Realismus

ANNE LOCH. Künstliche Paradiese

18.11.2017 – 27.5.2018

25.2.– 7.5.2017

rationen den Neuanfang und Wieder einmal überrascht die eine scheinbare EntideologiKunsthalle Emden mit einem sierung der Kunst in den USA. ungewöhnlichen Experiment: Dieser von einflussreichen einer grenzüberschreitenden Kunstkritikern geförderten AbAusstellung parallel an zwei straktion steht der amerikaniOrten. „The American Dream“ sche Realismus gegenüber, der läuft zweigeteilt im Drents Musich parallel weiter entwickelt. seum Assen (NL) und in der Die verschiedenen StrömunKunsthalle Emden und präsenStone Roberts | Grand Central Terminal: gen und Künstlerpositionen tiert den amerikanischen ReaAn early December Noon in the Main lismus von 1945 bis heute, u.a. Concourse, 2009 -2012 | Öl auf Leinwand, des amerikanischen Realismus 188 x 193 cm | Louis-Dreyfus Family Collspielen eine vom Kunstbetrieb mit Werken von Edward Hopection | © Stone Roberts, Courtesy of The nur teilweise gewürdigte und per, Andy Warhol, Alice Neel, William Louis-Dreyfus Foundation Inc dennoch bedeutende Rolle in Richard Diebenkorn, Martha der amerikanischen Kunst. Sie zeigen zum BeiRosler, Alex Katz und Chuck Close. Das Drents spiel die realen Lebensbedingungen der AmeriMuseum konzentriert sich auf die Kunst von kaner auf, vertreten gesellschaftskritische und 1945 bis 1965, während die Kunsthalle Empolitische Positionen und legen den Fokus den ihren Fokus auf die Zeit von 1965 bis zur verstärkt auf die menschliche Figur und die Gegenwart richtet. Beide Häuser sind nur etwa menschliche Existenz in den USA. eine Stunde Fahrtzeit voneinander entfernt. Es Kunsthalle Emden, Hinter dem Rahmen 13, ist die erste Übersichtsausstellung zum ameriD 26721 Emden, www.kunsthalle-emden.de kanischen Realismus in Europa. Nach dem 2. Drents Museum, Brink 1-5, NL 9400 AC Assen, Weltkrieg symbolisiert die Abstraktion der New www.drentsmuseum.nl York School und nachfolgenden Künstlergene-

Die deutsche Künstlerin Anne Loch (1946–2014) hat in den 1980er-Jahren viel Beachtung als Malerin von grossformatigen Landschaften und Blumenbildern gefunden. 1988 zog sie sich aus dem Kunstbetrieb zurück und übersiedelte in die Schweiz.

Frankfurt

Berlin

Frankfurter-Kunst-Sommer 2017: Juni – Juli – August

Total Records

Sommers wie Aktionen im öffentlichen Raum In Frankfurt existiert eine junge innovative und das Fest zum Auftakt des Kunst-Sommers Kunstszene, die sich in zahlreichen Initiativen, am 30. Mai. Die App zum Kunst-Sommer – die freien Ausstellungsorten und Off-Spaces widerartFFMapp – vereint ab Mitte April alle Veranspiegelt. Viele Künstler haben ihren Arbeits- und staltungen auf einer Plattform und bietet eine Lebensmittelpunkt in Frankfurt. Auch Studieübersichtliche Orientierung für das interessierte rende und Absolventen der Städelschule prägen Publikum. Wer zusätzlich noch Kunst im Mudie lebendige Kunstszene der Stadt – die renomseum genießen möchte, besucht eines der 34 mierte Kunsthochschule feiert 2017 ihr 200-jähHäuser am Frankfurter Museumsufer. riges Jubiläum. Der Kunststandort Frankfurt artFFMapp hat aber noch mehr zu bieten, wie der Frankwww.kultur-frankfurt.de/Kunst furter-Kunst-Sommer 2017 verdeutlicht. Dieses www.museumsufer-frankfurt.de erstmals stattfindende Veranstaltungsformat von Juni bis August bündelt Kunstpositionen jenseits der Museen und bietet offene Ateliers, Ausstellungen und Einblicke in die Ausbildung von Künstlern. Die regelmäßig vom Kulturamt durchgeführten Frankfurter Ateliertage, die bislang biennal im November stattfanden und Besuchern und Künstlern in ihren Werkstätten Gespräche ermöglichen, Frankfurter Ateliertage | Atelier Max Weinberg | © Wolfgang Günzel, Max Weinberg sind ebenso Teil des Kunst-

Vier Männer auf einem Zebrastreifen, ein asiatischer Mönch in Flammen, ein hinter einer One-Dollar-Note schwimmendes Baby, eine Skinny-Jeans mit Reißverschluss, eine gelbe Banane im Siebdruck, eine brennende Person beim Handschlag – diese Fotografien haben Generationen von Musikfans zutiefst geprägt. Was wäre nur das Musikalbum ohne Cover? Anhand visueller Klassiker sowie unbekannter Cover zeichnet die Ausstellung „Total Records“ die Musik- und Fotogeschichte des 20. Jahrhunderts auf einzigartige Art nach – mit zum Teil überraschenden, künstlerischen Zusammenarbeiten zwischen Robert Frank und The Rolling Stones, Bernd & Hilla Becher und Kraftwerk, Helmut Newton und INXS, Herb Ritts und Madonna, Annie Leibovitz und Cindy Lauper, Nobuyoshi Araki und Björk, Jeff Wall und Iggy Pop, Anton Corbijn und U2, William Klein und Serge Gainsbourg, Weegee und George Michael, Jean-Paul Goude und Grace Jones, Irving Penn und Miles Davis, Ryan McGinley und Sigur Ros. Als Experimentierfläche für fotografische Techniken und künstlerische Strömungen hinterließen auch bildende Künstler wie Andy Warhol, Robert

Für den Kulturgenuss ist die Lage der Museen in Frankfurt geradezu ideal: Die meisten Häuser liegen dicht nebeneinander am Frankfurter Museumsufer, so dass der Besuch mehrerer Museen leicht zu Fuß zu bewerkstelligen ist. Ein kostenloser Shuttle-Bus bei der Nacht der Museen verbindet zudem alle teilnehmenden Einrichtungen miteinander, so dass auch Orte abseits des Mainufers gut zu erreichen sind.

Nacht der Museen | Bus vor dem Deutschen Filmmuseum © Frank Rumpenhorst

Die Karten zu je 14,- Euro für die Nacht der Museen sind in den beteiligten Institutionen, den Informationsbüros der Tourismus+Congress GmbH sowie bei den bekannten Vorverkaufsstellen erhältlich. Für die Besitzer der Museumsufer-Card ist der Eintritt übrigens kostenlos. www.nacht-der-museen.de www.museumsufer-frankfurt.de

nen und weckt Sehnsüchte und Emotionen. Gleichzeitig stellt sie die pathetischen Formeln mit einer distanzierend schnellen Malweise wieder in Frage und schafft in umfangreichen Serien grossformatiger Bilder immer wieder Momente der Desillusionierung.

Der Rückzug war radiDie umfassende Retrokal – es war ein Rückzug spektive „Anne Loch. in die eigene Bildwelt. Künstliche Paradiese“ Im Stillen schuf Anne im Bündner KunstmuLoch ein Werk, das sich seum ermöglicht die mit der Natur, dem Bild Entdeckung eines imder Landschaft und den mensen künstlerischen Vorstellungen eines Anne Loch, AL 237, 1986, Privatbesitz Werkes, das bis heute künstlichen Paradieses kaum an die Öffentlichkeit gelangte. in seiner ganzen zerbrechlichen Schönheit Bündner Kunstmuseum Chur auseinandersetzt. Durch die Wahl ihrer Motive www.buendner-kunstmuseum.ch berührt sie bewusst Grenzen des gefällig Schö-

Iain Macmillan | The Beatles, Abbey Road, 1969 | © Apple Records

Rauschenberg, Dieter Roth ihre Spuren auf Vinyl. Die Ausstellung ist in thematische Kapitel unterteilt, die verschiedene Aspekte dieser speziellen Kunstform zwischen Musik und Fotografie beleuchten. So werden Schnittstellen und Begegnungen aufgezeigt, durch die erst Musik und Konzept eines Albums in originale und originelle visuelle Kreationen übersetzt wurden. bis 23.4.2017 | www.co-berlin.org


CARL | arttourist.com 1|2017

Nantes | 25

NANTES

ART SHAKES THE CITY 2017 ist das Jahr der Kunst in Nantes. Und das mit gleich zwei Höhepunkten: Die Wiedereröffnung des Kunstmuseums am 23. Juni und die 6. Ausgabe der „Le Voyage à Nantes“ im Juli und August. Nantes, so kreativ und attraktiv, bietet ein einmaliges Kulturangebot und eine stetige Metamorphose.

La Cantine du Voyage | Nantes, 2015 | © Franck Tomps / LVAN

LE VOYAGE À NANTES 1.7. – 27.8.2017 Jeden Sommer belebt das „Le Voyage à Nantes“ die westfranzösische an der Loire gelegen Stadt und komponiert einen gefühlvollen und poetischen Parcours durch die Stadt. Künstler und Kreative, Gärtner und Köche, DJs und Graffitikünstler… alle sind eingeladen, sich im öffentlichen Raum auszudrücken, diesen zu gestalten, zu verwandeln, neu zu definieren und in Szene zu setzen, den kleinsten Raum zu einer großen, einzigartigen und unverwechselbaren

Bühne zu machen. Mit 40 überraschenden Stationen entlang des Parcours, die alle kulturellen Einrichtungen der Stadt verbinden, präsentiert sich Nantes einer französischen Redensart nach „plus à l’ouest“. Es bedeutet und unterstreicht den besonderen Esprit / Spirit der Stadt, sich während des Sommers noch ein Stück bunter, wilder, verrückter zu präsentieren, sich ein Stück weit selbst zu feiern und den vielen Gästen aus der ganzen Welt offen und herzlich zu begegnen und ihnen ihre Stadt zu Füßen zu legen. „Le Voyage à Nantes“ zu erleben, heißt

Les Percheurs | Lisa Laubreaux | Le Voyage à Nantes 2016 © Gino Maccarinelli / LVAN

Weitere Highlights

Gregoire Romanet | “Zones sensibles” Le Voyage à Nantes 2015 © Franck Tomps / LVAN

LA NUIT DU VAN Die große Eröffnungsfeier des „Le Voyage à Nantes“ startet um 19 Uhr und versetzt die ganze Stadt bis Mitternacht in eine einzig große Party der Kultur. Überall in der Stadt, an den einzelnen Stationen des Parcours, erwartet das Publikum zahlreiche Aufführungen und Überraschungen! Das Programm DER Nacht des Jahres ist ein großer kulinarischer Event, ein Musikprogramm, eine große Theaterbühne, eine Museumsnacht und vieles, vieles mehr. 1.7.2017 ab 19 Uhr

LA CANTINE DU VOYAGE La Cantine wurde 2013 als Treffpunkt und Ort der Begegnung für Groß und Klein im Rahmen des „Voyage à Nantes“ ins Leben gerufen und ist seither ein fester Bestandteil im Programm. An den Ufern der Loire ist La Cantine von Frühjahr und Herbst Bar und Restaurant, in der man lokale Speisen, wie z.B. Hühnchen mit Kartoffeln probieren, ein paar leckere Drinks zu sich nehmen, sich mit Freunden treffen, neue Men-

temporäre Installationen und Kunstwerke entdecken, lebendige Orte und Kultureinrichtungen zu erleben, die Stadt und das Erlebnis Kultur zu schmecken und zu verkosten, z.B. bei einem Blind Dinner in einem Gemüsegarten inmitten der Stadt, an einem Ort wo Geselligkeit und unerwartete Begegnungen zusammentreffen. Le Voyage à Nantes spricht, stimuliert und lässt alle Sinne explodieren und macht süchtig. Jedes Jahr werden es mehr, die Nantes als eine der aufregendsten Städte in Europe für sich entdecken, sich auf die Reise nach Nantes machen

Laurent Perbos | Ping-pong park Le Voyage à Nantes 2016 © Franck Tomps / LVAN © VG Bild-Kunst, Bonn 2017

und im Sommer auf dem großen Boulevard der Künste flanieren. Jedes Jahr vergrößert sich der Parcours um weitere Kunstwerke, die auf den drei großen Plätzen im Stadtzentrum entstehen. Am Ende jedes Sommers wird entschieden welche Kunstwerke für immer in Nantes bleiben und entlang der grünen Linie ihren dauerhaften Platz finden. So verwandelt sich Nantes immer mehr in ein großes OpenAir Museum und wird so zu einem großen Kunstwerk.

Atelier vecteur | “Oscillation” | Le Voyage à Nantes 2016 © Franck Tomps / LVAN

schen kennen lernen oder einfach nur den Sonnenuntergang über der Loire erleben kann. Auf mehr als 2.000 qm ist La Cantine eine großer Erlebnisraum, der neben Essen & Trinken auch Pétanque Plätze, Kickerkästen und seit 2016 auch eine eigene Skaterbahn bietet. 26.4. – 30.9.2017

LES ESPRITS, L’OR ET LE CHAMAN – L’ELDORADO AMERINDIEN Nach Mexico, Washington und London (British Museum), kommt die Ausstellung „Les Esprits, l’or et le chaman – l’eldorado amérindien“ im Rahmen des Französisch-Kolumbianischen Jahres nach Nantes. Die Ausstellung bietet eine universelle Reflexion über Verwandlung und Identität. Mehr als 220 faszinierende Objekte aus Gold, alle aus den Sammlungen des namhaften Museums in Bogotà, erwartet die Besucher. 1.7. – 12.11.2017

Aurélien Bory | “Traverses” Le Voyage à Nantes 2016 © Franck Tomps / LVAN

DANIEL DEWAR UND GREGORY GICQUEL Daniel Dewar und Gregory Gicquel arbeiten und experimentieren in dieser Ausstellung mit Modellieren in Ton, Holzschnitzerei, Steinschnitt, Teppichweberei, Seidenmalerei, Keramik … woraus moderne, ganz ungewöhnliche und gang und gar nicht klassische Skulpturen entstehen. Dabei lesen und interpretieren sie die Kunstgeschickte neu auf ihre Weise. So verwandeln sie die HAB Galerie in eine Art Skulpturen-Galerie und laden zur Diskussion. 1.7. – 27.8.2017

LES ENSEIGNES Seit 2014 bietet Voyage à Nantes den Händlern in der Stadt an, ihre Ladenschilder von Künstlern neu interpretieren und gestalten zu lassen. Auch 2017wird man auf dem Weg durch die Stadt, neben den 35 bereits bestehenden Installationen, neue Schilder und das was die Künstler daraus machen, entdecken können. das ganze Jahr


26 | Kunsttipps

CARL | arttourist.com 1|2017

Weitere Kunsttipps

Völklingen/Saarbrücken

Inka – Gold. Macht. Gott.

Berlin KUSS

6.5. – 26.11.2017

Kaum ein Ritual unserer Kultur weist so viele un-

Für die Inka waren es „Perlen der Sonne“, die Spanier sahen nur den materiellen Wert. Der Mythos des Inka-Goldes hat in dieser Unversöhnlichkeit zweier Wertesysteme ihren Ursprung. Die Ausstellung zeigt mit 180 Exponaten die faszinierenden Hochkulturen der Inka- und Vor-Inka-Zeit und ihr Aufeinandertreffen mit der europäischen Kultur des 16. Jahrhunderts. Der Kern-Bestand der Exponate stammt aus dem Larco Museum, Lima und Cusco, das die größte Privatsammlung altperuanischer Kunst weltweit besitzt. Die Objekte sind bedeutende wissenschaftliche Informationsquellen und meisterhafte Kunstwerke. Neben der Kultur der Inka und der Vor-Inka-Kulturen ist die spanische Eroberung Südamerikas durch Francisco Pizarro ein wichtiges Thema. In der Ausstellung finden sich neben den Exponaten aus dem Larco-Museum Peru daher auch Leihgaben herausragender europäischer Museen und Sammlungen. Gold war im Alten Amerika das Symbol der Sonne, Silber das Symbol des Mondes. Gold stand für das männliche Element und Silber für das weibliche. Während in der Alten Welt Gold

zum Objekt des Handels und zum Macht-Symbol wurde, besaß in den Hochkulturen der Inkaund Vor-Inka-Zeit Gold ausschließlich rituellen Charakter. www.voelklinger-huette.org

terschiedliche Facetten auf wie der Kuss – ob leidenschaftlich, romantisch, brüderlich, gefährlich oder frivol. Umso aufschlussreicher ist diese motivgeschichtliche Untersuchung, die einen großen zeitlichen Bogen spannt: von Jugendstil, Symbolismus und Décadence, die das Motiv des Kusses geradezu obsessiv aufnehmen, bis heute. Der Kuss spiegelt Zeitgeist, er verbindet Hochkunst und Populärkultur. Im 20. Jahrhundert gewinnt er neue, bisweilen auch politische Bedeutungen vor dem

Werkschau des gefeierten südafrikanischen Künst-

Hintergrund von Feminismus und Psychoana-

lers William Kentridge (geb. 1955, lebt in Johan-

lyse. Anschaulich stellt

nesburg). Kentridge wurde in den 1990er-Jahren

der Katalog das Motiv

für seine expressiven animierten Zeichnungen

in verschiedenen Gat-

und Videoinstallationen bekannt und arbeitet

tungen vor – von Druck-

seit vielen Jahren auch erfolgreich an Opern- und

grafik und Malerei bis

Theaterproduktionen. In seinen multimedialen

zu Skulptur und Ins-

Inszenierungen vereint er großartige Zeichen-

tallation – und liefert

kunst mit theatraler Lebendigkeit. Seine enge Be-

zudem

interessante

ziehung zum Theater, für das er als Schauspieler,

Exkurse

in

Produzent, Bühnenbildner und Kostümdesigner

Literatur,

Musik und Werbung.

tätig ist, fließt in seine Arbeit als bildender Künst-

Bröhan-Museum, Berlin

ler ein. Thematisch interessiert sich Kentridge vor

15.6.–3.10.2017

allem für die Auswirkungen von Kolonialismus,

Axel Poulsen | Erste Liebe, 1909 | Marmor | Kunsthandel Gronert, Berlin | Foto: Martin Adam, Berlin | © VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Hamburg Paula Modersohn-Becker. Der Weg in die Moderne

Völklingen/Saarbrücken

4. UrbanArt Biennale® 2017 9.4. – 5.11.2017 Zentrale AusstellungshalDie „UrbanArt Biennale ist die Möllerhalle aus le®“ im Weltkulturerbe den Anfängen des 20. Völklinger Hütte ist die www.voelklinger-huette.org Jahrhunderts mit ihren größte Werkschau zur 10.000 Quadratmetern. Urban Art in der Welt. In dieser größten BetonAlle zwei Jahre präsenanlage ihrer Zeit wurden tiert das Europäische Zentrum für Kunst und Biennale® zu aktiven Betriebszeiten der Völklinger Hütte die Industriekultur die neu2017 New York | Paris | Berlin | Völklingen wertvollen Erze gelagert. esten Entwicklungen und e! at Zusätzlich zur AusstelPositionen der Kunst, D e th Save April 2017 Start: 9. lung in der Möllerhalle die sich aus dem Graffiti erschaffen internatioentwickelt hat. Die „Ur9. April bis 5. November 2017 nale Künstler auf dem banArt Biennale®“ zeigt täglich ab 10 Uhr Gelände des Weltkulturdie weltweite Urban Art erbes Völklinger Hütte aller Kontinente. LänderUrbanArt-Installationen, schwerpunkt der „Urbandie speziell für ihren Ort Art Biennale® 2017“ ist in der Völklinger Hütte konzipiert werden. Südamerika. Es werden auch die aktuellen Das Spektrum reicht von der großflächigen Trends der interventionalen Urban-Art-2.0 Wand von 30 Metern Höhe bis hin zu Kunstgezeigt. Die „UrbanArt Biennale® 2017“ ist werken, die ganze Innenräume ausfüllen. bereits das vierte große Ausstellungsprojekt www.voelklinger-huette.org zur Urban Art im Weltkulturerbe Völklinger Hütte.

William Kentridge | More Sweetly Play the Dance, 2015 Ausstellungsansicht, EYE Filmmuseum, Amsterdam, 2015 Foto : © Studio Hans Wilschut | Courtesy William Kentridge, Marian Goodman Gallery, Goodman Gallery and Lia Rumma Gallery

Revolutionen und Exil. Die Auseinandersetzung mit der Bedeutung und den Ausdrucks-formen von Zeit zieht sich als roter Faden durch sein Werk. Seine Arbeiten bewegen sich zwischen dem Epischen und dem Alltäglichen, zwischen Ausgelassenheit und Tragödie. In der Ausstellungssektion

Das Bucerius Kunst Forum präsentiert mit Paula

am Mönchsberg werden acht raumfüllende Multi-

Modersohn-Becker. Der Weg in die Moderne vom

media-Installationen präsentiert, eine seiner ersten

4. Februar bis 1. Mai 2017 eine konzentrierte Neu-

und seine jüngsten Arbeiten. Die Ausstellungssek-

betrachtung

des

tion im Rupertinum ist Kentridges Auseinanderset-

Werks der deut-

zung mit dem Theater und der Oper gewidmet. Ge-

schen Ausnahme-

zeigt wird eine Fülle von Exponaten – von Plakaten

künstlerin.

Die

und Zeichnungen über Entwürfe und Modelle bis

Einzelausstellung

hin zu Kostümen –, die seit den späten 1970er-Jah-

veranschaulicht

ren für die wichtigsten Theater- und Opernproduk-

anhand von rund

tionen des Künstlers entstanden sind.

80

29.7.–5.11.2017

Werken

singuläre

die

Bedeu-

www.museumdermoderne.at

tung ihres kurzen Schaffens in einer

Wien Egon Schiele

Zeit zwischen zwei

Sie sind leidenschaftlich und höchst subjektiv,

künstlerischen

grundverschiedenen

Künstlerge-

nerationen:

den

Spätimpressionis-

Paula Modersohn-Becker Zwei Mädchen in weißem und blauem Kleid, sich an der Schulter umfassend, 1906 , Privatbesitz

schonungslos und zugleich allegorisch: die Meisterwerke Egon Schieles. Zum Auftakt des Gedenkens an seinen 100. Todestag leitet die Albertina schon 2017 den

ten und den Expressionisten. Die Schau ermög-

Reigen der großen

licht durch gezielt gewählte – teils auch weniger

Jubiläumsausstel-

bekannte – Gemälde und Zeichnungen einen neu-

lungen zu Schiele

en Blick auf das herausragende Werk von Paula

ein:

Modersohn-Becker. Die Präsentation motivischer

schönsten und be-

Wiederholungen verdeutlicht die Entwicklung ih-

deutendsten Gou-

rer eigenen Bildmittel und Methodik im Verlauf

achen

ihres kurzen künstlerischen Schaffens. Während

nungen führen in

Modersohn-Beckers eigenwilliger und avantgar-

ein künstlerisches

Adolf Erbslöh im Von der Heydt-Museum Wuppertal

distischer Stil zu ihren Lebzeiten als irritierend

Werk ein, das sein

oder befremdlich empfunden wurde, gilt er heute

großes Thema in

als revolutionär und zukunftsweisend. Die Aus-

der existenziellen

stellung zeigt die Künstlerin erstmals als Wegbe-

Einsamkeit

reiterin der Moderne und widmet ihr den Auftakt

Menschen findet.

11.4. – 20.8.2017

der Trilogie der Moderne im Bucerius Kunst Fo-

Egon Schiele ist nicht nur Mitbegründer des Ex-

rum in den Jahren 2017 und 2018.

pressionismus und neben Klimt eine der beiden

bis 1.5.2017

Schlüsselfiguren der Wiener Jahrhundertwende,

www.buceriuskunstforum.de

er ist vor allem der größte Zeichner des 20. Jahr-

Wuppertal

Das Von der Heydt-Museum Wuppertal widmet Adolf Erbslöh (1881-1947) eine umfassende Ausstellung, die die Rolle des Künstlers als Avantgardemacher beleuchtet. Denn der aus Wuppertal stammende Erbslöh war es, der die Künstler der Münchner Szene um Marianne von Werefkin, Alexej Jawlensky, Franz Marc, Wassily Kandinsky und Gabriele Münter vor und nach dem Ersten Weltkrieg als Freund förderte. Sie bildeten eine explosive Gruppe von Individualisten, die er als engagierter Organisator und Mediator zusammenhielt und der er den Weg zu verschiedenen Ausstellungen in renommierten Museen ebnete. Dabei halfen dem weltgewandten Erbslöh seine Kontakte zu den führenden Museumsdirektoren seiner Zeit. Im ständigen engen Kontakt und Austausch mit den führenden Künstlern seiner Zeit, als ruhender Pol im Epizentrum der Moderne, entwickelte Erbslöh seinen eigenen Malstil eher bedächtig. Stets um eine intensive Reflexion seines

Hamburg Elbphilharmonie Revisited

180

&

seiner

Zeich-

des

Egon Schiele, Selbstporträt mit Pfauenweste, 1911 © Sammlung Ernst Ploil

hunderts. Zwölf Jahre nach der letzten großen Schiele-Ausstellung zeigt die Albertina das grafische Werk des Künstlers, das in seinem Schaffen

Deichtorhallen Hamburg /Halle für aktuelle Kunst

als autonome Gattung einen spezifisch hohen

Anlässlich der Eröffnung der Elbphilharmonie

Rang einnimmt.

zeigen die Deichtorhallen Hamburg in Kooperati-

22.2. – 18.6.2017 | www.albertina.at

on mit der HamburgMusik gGmbH und gefördert Adolf Erbslöh, Mädchen mit rotem Rock, 1910 | Von der HeydtMuseum Wuppertal | © VG Bild-Kunst, Bonn, 2017

durch die Kulturbehörde eine großangelegte Aus-

eigenen Tuns bemüht, erarbeitete er, ausgehend von einem farbglühenden Expressionismus und einem moderaten Kubismus seinen ganz eigenen Duktus. Darin wird trotz aller Nüchternheit und Sachlichkeit ein ganz zeitgenössisches Naturempfinden spürbar. Seine Porträts, Stillleben und Landschaften verbinden die Leuchtkraft der Farbe mit einem klar strukturierten, räumlichen Bildaufbau und machen sie zu harmonischen Werken voller verborgener Rhythmik. www.von-der-heydt-museum.de

ted«, die vom 10. Februar bis zum 1. Mai 2017 in

stellung mit dem Titel »Elbphilharmonie Revisider Halle für aktuelle Kunst der Deichtorhallen zu sehen sein wird.

Siehe auch Seite 42

10.2. – 1.5.2017 | www.deichtorhallen.de

Salzburg William Kentridge

Wittenberg l Berlin l Kassel LUTHER UND DIE AVANTGARDE Zeitgenössische Kunst in Wittenberg, Berlin und Kassel Internationale Gegenwartskunst trifft auf das geistige ‚Modell‘ Luther: Das ist der Ausgangspunkt der Ausstellung „Luther und die Avantgarde“, die die Stiftung für Kunst und Kultur e.V. in Kooperation mit dem Reformationsjubiläum 2017 e.V. vom

Zeitgleich mit der Premiere der von ihm für die

19. Mai bis 17. September 2017 präsentiert. Zent-

Salzburger Festspiele inszenierten Oper Wozzeck

raler Ausstellungsort ist das ehemalige Gefängnis

zeigt das Museum der Moderne Salzburg im Som-

in Wittenberg, das eigens für die Ausstellung in

mer 2017 in beiden Häusern eine umfangreiche

FORTSETZUNG AUF SEITE 86


CARL | arttourist.com 1|2017

Konstanz | 27

PROGRAMMÜBERBLICK 2017 MARTIN V. – PAPSTWAHL 2.6. 2017, 20 Uhr DIE QUAL DER WAHL Science Slam Konzilgebäude, Unterer Saal 22.10. – 17.11.2017 UNTER DER LUPE: MITREN & TIAREN NACH VAN EYCK Kunstwerke aus Papier von Marieta Bruekers Dreifaltigkeitskirche 10.11.2017 GROSSER MARTINSUMZUG MIT MARTINSSPIEL Münsterplatz 11.11.2017 FESTAKT UND GOTTESDIENST ANLÄSSLICH DER PAPSTWAHL mit Uraufführung des Konziloratoriums von Bernd Konrad Konzil und Münster

JAHR DER RELIGIONEN

Graffiti Martin V | www.eminhasicri.com

Konstanz

600 JAHRE KONSTANZER KONZIL 2014 - 2018

2017 – Martin V. – Jahr der Religionen Von der Wahl eines Papstes und der Vielfalt der Religionen. „HABEMUS PAPAM!“ - erklang es am Vormittag des 11. November 1417 aus einem Fenster des Kaufhauses am Konstanzer Hafen. Erst seit drei Tagen waren hier die 53 Wahlmänner in das zum Konklave umgebaute Gebäude eingeschlossen. Vor dem von Bogenschützen bewachten Kaufhaus warteten Tag und Nacht gebannt zahlreiche Gläubige auf die erlösende Nachricht. Groß war die Freude, als bekannt wurde, dass Oddo Colonna zum neuen Papst gewählt worden war! Er nahm den Namen des Tagesheiligen an: Martin V. König Sigismund schritt als erster in das wieder geöffnete Kaufhaus, um dem neuen Papst seinen Gehorsam zu versichern. Wie der Konstanzer Bürger Ulrich Richental in seiner noch heute erhaltenen Konzil-Chronik berichtet, zog noch vor dem Mittag eine riesige Prozession zum Münster, wo der neue Einheitspapst den jubelnden Massen seinen Segen spendete. Das Konklave in Konstanz ist mit der einzigen gültigen Papstwahl nördlich der Alpen in die Geschichte eingegangen. Damit wurde in Konstanz das knapp 40 Jahre währende Abendländische Schisma beendet. Einmalig ist bis heute, dass neben kirchlichen auch weltliHabemus Papam Konzilgebäude | © Illumination Patrick Pfeiffer

che Wahlmänner, organisiert in sogenannten „Nationes“, mitwählen durften. In unruhigen Zeiten schafften es die europäischen Teilnehmer, sich friedlich auf einen einenden Papst zu verständigen. An diesen lösungsorientierten Diskurs der damaligen Konzilväter knüpft das vierte Jubliläumsjahr als „Jahr der Religionen“ mit einem abwechslungsreichen Programm an und lädt zum Dialog über religiöse Vielfalt und gegenseitige Toleranz ein.

Verschiedene Ausstellungen beleuchten 2017 unterschiedliche Aspekte der Weltreligionen. Die Ausstellung Zu Gast bei Juden. Leben in der mittelalterlichen Stadt, eine Kooperation des Archäologischen Landesmuseums Baden-Württemberg mit dem Exzellenzcluster „Kulturelle Grundlagen von Integration“ der Universität Konstanz, ist ab dem 8. April im Archäologischen Landesmuseum in Konstanz zu sehen. Unter der Lupe: Mitren & Tiaren nach van Eyck heißt es in der Dreifaltigkeitskirche vom 22. Oktober bis 17. November 2017. Die Ausstellung bietet den Besuchern hochwertige Papierkunst, die einen zauberhaft detaillierten Einblick in die Welt der Kopfbedeckungen geistlicher Würdenträger um 1400 erlaubt. Es folgt die Ausstellung Was glaubst Du denn?! Muslime in Deutschland der Bundeszentrale für politische Bildung im Konstanzer Bügersaal vom 26. Oktober bis 29. November.

Papst Martin V. | Oddo Colonna | © Galeria Colonna

Zum vierten und letzten Mal bringt das Musikfestival Europäische Avantgarde um 1400 in Kooperation mit SWR2 herausragende Ensembles Alter Musik nach Konstanz. Vom 21. bis 24. September wird Musik aus der Zeit des Konstanzer Konzils in der Stadt erklingen. Am 11. November jährt sich dann die Papstwahl in Konstanz zum 600. Mal. Die Feierlichkeiten starten am 10. November mit einem großen Martinsumzug der Konstanzer Kindergärten und anschließendem Martinsspiel am Münster. Dazu erinnern ein Festakt und ein Festgottesdienst mit der Uraufführung des Konziloratoriums an das bedeutende Ereignis, das vor 600 Jahren Europa einte. Ebenso erwarten Besucher viele weitere Angebote - von informativen Diskursbeiträgen bis hin zum Science Slam – staubfreie und lebendige Geschichte zum Erleben!

ADRESSE Konzilstadt Konstanz | Marktstätte 1, 78462 Konstanz info@konstanzer-konzil.de | www.konstanzer-konzil.de

8.4. – 29.10.2017 ZU GAST BEI JUDEN. LEBEN IN DER MITTELALTERLICHEN STADT Ausstellung des Archäologischen Landesmuseums BadenWürttemberg und des Exzellenzclusters der Universität Konstanz Archäologisches Landesmuseum Konstanz September 2017 ALLEIN MIR FEHLT DER GLAUBE Filmprojekt von Jeremias Heppeler im Rahmen des Kunstfonds Konzil Zebra-Kino ganzjährig 2017 DU KANNST DIE WELT NICHT VERSTEHEN OHNE DIE RELIGIONEN! Diskursreihen der vhs Konstanz 1.10.2017 SPAZIERGANG ZU DEN RELIGIONEN Konstanz 26.10. – 29.11.2017 WAS GLAUBST DU DENN?! MUSLIME IN DEUTSCHLAND Ausstellung der Bundeszentrale für politischen Bildung Bürgersaal Dezember 2017 GLAUBENSFRAGEN - EINE LESUNG OHNE ANTWORTEN Ensemble Wortörtlich im Rahmen des Kunstfonds Konzil

KONZIL 2.0 24. – 26.3.2017 TAGE DER CHOR- UND ORCHESTERMUSIK Bundesvereinigung Deutscher Chorverbände e.V. Verschiedene Orte in Konstanz Anfang November 2017 2. VERLEIHUNG DES KONSTANZER KONZILSPREISES Anfang November 2017 EUROPAKONZIL: EUROPAS ZUKUNFT GESTALTET STÄDTEPARTNERSCHAFTEN 21.11.2017 KONSTANZER KONTROVERSEN Podiumsdiskussion im Konzilgebäude

600 JAHRE KONSTANZER KONZIL 19.3. – 3.12.2017 BISCHOFSZELL: STÄDTISCHES LEBEN IM SPÄTMITTELALTER Historisches Museum Bischofszell April bis November 2017 KONZILSTELLEN Stadtraum Konstanz 22. – 28.5.2017 HANDWERKSTADT Offene Werkstätten und Führungen Stadtgartenmole und Orte des Handwerks Sommer 2017 SEGELFAHRT MIT DER HISTORISCHEN LÄDINE ST. JODOK Konstanzer Hafen 21. – 24.9.2017 EUROPÄISCHE AVANTGARDE UM 1400 Musikfestival in Kooperation mit SWR2 21.9.: ENSEMBLE CINQUECENTO: Isaac in Konstanz 22.9: ENSEMBLE IL SOLLAZZO: ARS SUBTILIOR – Musik um 1400 23.9: ENSEMBLE TASTO SOLO: Instrumentalmusik um 1400 24.9: ORLANDO CONSORT: Popes and Antipopes bis Oktober 2017 DAS RHEINRAD Installation von Ulrich Vogl im Rahmen des Kunstfonds Konzil Rheintorturm ganzjährig AUF DEN SPUREN DES KONZILS Angebote der Tourist-Information Konstanz u.a. inszenierte Führung: „Kardinal und Sekretär des Papstes geben sich die Ehre“ ganzjährig JAN HUS – MUT ZU DENKEN, MUT ZU GLAUBEN, MUT ZU STERBEN Hus-Haus, Konstanz ganzjährig DIE RICHENTAL-CHRONIK Rosgartenmuseum 

STAND JANUAR 2017| ÄNDERUNGEN VORBEHALTEN!


28  |  Nantes | Neue Museen

CARL | arttourist.com 1|2017

Neue Museen Berlin

Salon Berlin Museum Frieder Burda hat „Salon Berlin“ eröffnet

Das Kunstmuseum von Nantes | © Stanton Williams

Nantes

Musée d’Arts Nantes "Das restaurierte und erweiterte Kunstmuseum von Nantes" VON DER ALTEN ZUR ZEITGENÖSSISCHEN KUNST Wiedereröffnung am 23.6.2017

Ein neuer Ort für Begegnungen, Austausch und Inspiration: Der Salon Berlin des Museums Frieder Burda, eines der erfolgreichsten deutschen Privatmuseen, dient als Schauraum des Museums und der Sammlung und öffnet so ein Fenster nach Baden-Baden. Eng mit dem Museum in Baden-Baden verbunden, stellt der Salon Berlin unter der kuratorischen Leitung von Patricia Kamp die vielfältigen Aspekte des Museumsprogramms und der Sammlung Frieder Burda vor. Dabei versteht sich der Ausstellungsraum ebenso als Forum für internationale Gegenwartskunst. Er ist zugleich Schaufenster und Experimentierfeld des Museums Frieder Burda. Mit aktuellen Themenausstellungen, Einzelpräsentationen und Events tritt der Salon Berlin in Dialog mit der vitalen Kunstszene der Metropole. Seine Eröffnung belebt eine große Tradition in der Hauptstadt – in zeitgemäßer Form an einem geschichtsträchtigen Ort inmitten eines der vi-

London

London Design Museum

Im Juni 2017 wird das Musée des Beaux Arts vollständig wiedereröffnet und nennt sich dann Musée d’Arts. Die Projektleitung hat das Architekturbüro Stanton-Williams (Royal National Theater, London Tower, Belgrade Theater, etc.), die dem Museum ein neues Gesicht, Innen wie Außen verpasst. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf eine zeitgemäße Präsentation und Anordnung der Kunstwerke unter aktuellen museumspädagogischen Erkenntnissen. Das Museum soll ein Treffpunkt für alle Besucher, Groß, Klein und Familien, ein Ort zum Verweilen werden. Zukünftig verfügt das Museum über 17.000 m2, mehrere Ausstellungssäle und ein Auditorium. Die Sammlung bietet einen umfassenden Überblick über die westliche Malerei aus dem 13. bis 21. Jahrhundert. Unter den 10.000 Werken (Bildern, Skulpturen, Zeichnungen, Grafiken und zeitgenössischen Installationen) befinden sich mehrere Hundert Meisterwerke von Courbet, Picasso, Kandinsky, Ingres, Chagall, De la Tour, Delacroix ... Im Jahr 2009 hatte sich die Stadt Nantes dazu entschlossen die Renovierung einzuleiten und das Museum um einen Erweiterungsbau zu ergänzen. Das ehemalige Palais des Arts hatte nicht mehr dem heutigen Standard der Konservierung und Präsentation von Kunst entsprochen. Dazu war es schon lange der Wunsch die gesamte Sammlung geschlossen zu präsentieren. Moderne und zeitgenössische Kunst, Videos wie digitale Installationen umfassen die Sammlung neben klassischen Meistern und alten Kunstgegenständen aus verschiedensten Epochen. So entsteht zur Eröffnung eine einzigartige Ausstellung, die die gesamte Kollektion in neuer Anordnung und mit modernster Didaktik präsentiert und ausstattet.

Ein neuer Museumsleuchtturm hat in London eröffnet. Vom Fahrradhelm bis zur Drohne zeigt das Museum auf 10.000 Quadratmetern Designgeschichte. Das neue Design-Museum, im schicken westlichen Stadtteil Kensington, ist denn auch eine Verbeugung vor Terence Conran, der in den 1960er-Jahren mit der Gründung seiner Habitat-Kette die Funktionalität und Erschwinglichkeit von modernem Design revolutionierte. Der heute 85-jährige Designer und Geschäftsmann bezeichnet das von ihm wesentlich mitfinanzierte Museum als eine „Kathedrale für Design”. Museumsdirektor Deyan Sudjic spricht vom Tate-Effekt. Auf einer Fläche von 10.000 Quadratmetern stellt das Museum rund 3.000 Objekte zur Schau. Der Eintritt ist frei – nur für die jährlichen zwei Wechselausstellungen muss bezahlt werden. Cafés und Restaurants laden zum Verweilen ein. Archiv, Workshops, Auditorium und Künstlerstudios gehören zum Bildungsprogramm. www.designmuseum.org

Mit der Wiedereröffnung des Musée d’arts erweitert Nantes sein kulturelles und künstlerisches Angebot um ein weiteres Highlight.

Potsdam

www.museedesbeauxarts.nantes.fr www.levoyageanantes.fr

Das Kunstmuseum von Nantes | © Stanton Williams

© Gardy Gardner

Museum Barberini In den vergangenen drei Jahren wurde im Herzen Potsdams ein Stück Kulturgeschichte wiedererrichtet. Am 23. Januar 2017 eröffnete Potsdams neues Kunstmuseum, das Museum Barberini am Alten Markt, dem historischen Zentrum der Stadt. Das Haus zeigt unter der Leitung der Direktorin Dr. Ortrud Westheider Ausstellungen in internationalen Kooperationen, die einzelne Themen, Künstler oder Epochen vorstellen. Ausgangspunkt für die Präsentationen von den Alten Meistern bis ins 21. Jahrhundert ist die Sammlung Hasso Plattners. Sammlungsbereiche sind der Impressi-

Das Kunstmuseum von Nantes | © Stanton Williams

talsten Kunstquartiere der Stadt. Der Salon Berlin befindet sich in der ehemaligen jüdischen Mädchenschule in der Auguststraße. Die Räume, direkt gegenüber dem KW Institute for Contemporary Art, sind durch die 4. Berlin Biennale 2006 bereits erstmals im Kunstkontext eingeführt worden. Seit einigen Robin K./Wunschbild.com Jahren sind hier im Gebäudekomplex nun verschiedene Kunsteinrichtungen und Galerien ansässig. Zusammen mit den gastronomischen Einrichtungen vor Ort und in direkter Nähe zu zahlreichen anderen Kunstorten im Quartier zeichnet sich hier eine perfekte Lage und räumliche Situation für das Vorhaben ab. Anknüpfend an die Salonkultur versteht sich der Salon Berlin als Ort des Austauschs und der Inspiration – sowohl zwischen künstlerischen Positionen der Historie und der Gegenwart als auch zwischen Museum und Künstlern und nicht zuletzt zwischen Baden-Baden und Berlin. www.museum-frieder-burda.de

Museum Barberini, Rückansicht | Foto: Helge Mundt

onismus, die Amerikanische Moderne, Kunst der DDR-Zeit und Malerei nach 1989. Das Museum Barberini eröffnet mit den Ausstellungen „Impressionismus. Die Kunst der Landschaft“ sowie „Klassiker der Moderne. Liebermann, Munch, Nolde, Kandinsky“ und gibt Einblicke in seine Sammlung. Insgesamt werden über 170 Werke gezeigt (23.1.–28.5.17). Die Gründung des Museums Barberini ist eine Initiative des SAP-Mitbegründers Prof. Dr. h.c. mult. Hasso Plattner. In den vergangenen 20 Jahren baute er eine Sammlung aus DDR-Kunst und Malerei nach 1989 sowie Meisterwerken der Kunstgeschichte auf. Impressionistische Werke von Claude Monet und Pierre-Auguste Renoir sind darin ebenso vertreten wie Klassiker der Moderne und amerikanische Abstrakte, u. a. Gemälde von Max Liebermann, Edward Munch, Joan Mitchel und Gerhard Richter. Die Sammlung spiegelt Hasso Plattners Interesse an Landschaft und Abstraktion und die Fähigkeit eines Kunstwerks, den Betrachter mit all seinen Sinnen anzusprechen. www.museum-barberini.com


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Remagen | 29

Henry Moore | Working Model for Mother and Child: Hood, 1982 reproduced by permission of t he Henry Moore Foundation Foto: Henry Moore Archive

Henry Moore | Oval with Points, 1968–70 | reproduced by permission of the Henry Moore Foundation | Foto: Chris Kozarich

Henry Moore | Head and Shoulders, ca. 1935 | reproduced by permission of the Henry Moore Foundation, Foto: Sarah Mercer

Remagen | Arp Museum Bahnhof Rolandseck

Henry Moore: Vision. Creation. Obsession 28.5.2017 – 7.1.2018 Als Patronatsmuseum des Avantgarde-Bildhauers Hans Arp ist das Remagener Arp Museum Bahnhof Rolandseck mit seinem lichtdurchfluteten Neubau von Star-Architekt Richard Meier ein idealer Ausstellungsort für raumgreifende Skulpturen. 2017 feiert das Museum sein 10jähriges Jubiläum und zeigt zu diesem Anlass einen der bedeutendsten Bildhauer der Moderne: Henry Moore (1898– 1986). Auf drei Ausstellungsetagen sowie im Außenraum des Museums erkundet das Arp Museum in Kooperation mit der Henry Moore Foundation das facettenreiche und prägende Schaffen des britischen Ausnahmekünstlers. Am Rhein beginnend zieht sich die Präsentation bis zu 9 Meter breiter und bis zu 3 Meter hoher Groß-

plastiken über den Museumsvorplatz durch den Gebäudekomplex bis hoch in den Neubau auf der Rheinhöhe. Im Zentrum stehen dabei die monumentalen Außenskulpturen Moores, die erstmals auch im Innenraum präsentiert werden. In zwei ergänzenden Präsentationen wird der Blick auf Moores Werk noch erweitert: Im Wechselspiel mit Gemälden und Skulpturen alter Meister aus der Sammlung Rau für UNICEF folgen wir seinem ausgeprägten Interesse an der Kunst der Renaissance. Ein Dialog mit Werken Hans Arps dagegen beleuchtet Gemeinsamkeiten und Unterschiede dieser beiden abstrakten bildhauerischen Positionen, die Maßstäbe setzten für die weitere Entwicklung der modernen Plastik.

In Bonn wurde 1979 vor dem ehemaligen Bundeskanzleramt Henry Moores monumentale Skulptur »Large Two Forms« aufgestellt. Die Ausstellung widmet sich auch der Entstehungsgeschichte dieses Werkes. Durch die politische Berichterstattung war es über viele Jahrzehnte die wohl am häufigsten im Fernsehen gezeigte Skulptur Deutschlands. »Large Two Forms« avancierte so zum künstlerischen Emblem der Bundesrepublik. Von mehreren Besuchen Henry Moores im Bahnhof Rolandseck in den 1970er Jahren zeugen Zeitungsartikel und eine Fotografie, die Henry Moore im historischen Festsaal zeigt. In einmaliger Weise vereint die Ausstellung das, was Henry Moore zu einem der bekanntesten Bildhauer unserer Zeit werden ließ. Sie

lädt ein, vor seinen meisterhaften, riesigen Bronzeskulpturen zu staunen, veranschaulicht die kreativen Energiequellen des Künstlers von der italienischen Renaissance bis zu Hans Arp und feiert die unerschöpfliche Wechselwirkung zwischen Architektur, Skulptur, Innen und Außen, Natur und Kunst. Zum Abschluss eines Besuchs lohnt sich der Weg ins Museumsbistro im historischen Festsaal mit anspruchsvoller Gastronomie und Weinen aus dem nahen Ahrtal. Mit dem atemberaubend schönen Ausblick von der Bahnhofsterrasse auf den Rhein und die sanften Hügel des Siebengebirges lassen sich die vielfältigen Eindrücke entspannt verarbeiten.

ADRESSE Arp Museum Bahnhof Rolandseck Hans-Arp-Allee 1 53424 Remagen www.arpmuseum.org ÖFFNUNGSZEITEN Di – So und an Feiertagen 11–18 Uhr (geschlossen: 24.12. und 31.12.2017) EINTRITTSPREISE Erwachsene EUR 10 ermäßigt EUR 8 Familienkarte EUR 14 Kinder bis 12 Jahre frei Tickets auch im Onlineshop erhältlich Henry Moore | Three Pieces Sculpture: Vertebrae, 1968–69 reproduced by permission of the Henry Moore Foundation | Foto: Jonty Wilde, The Henry Moore Foundation Archive

Henry Moore | Large two Forms, 1969 | Foto: Michael Sondermann/ Stadt Bonn

AUDIOGUIDE EUR 3,50 FÜHRUNGEN Anmeldung erforderlich Buchung: schmidt@arpmuseum.org T +49(0)2228-9425-23 GRUPPENFÜHRUNGEN EUR 75 für 1h, EUR 85 für 1,5h, EUR 95 für 2h zzgl. ermäßigter Eintritt pro Person, maximale Gruppengröße: 25 Personen Führungen auch in englischer, französischer und niederländischer Sprache buchbar


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Tübingens Schokoladenseite: Die Neckarfront mit dem Hölderlinturm. | Foto: Barbara Honner © Verkehrsverein Tübingen

Friedrich Hölderlin

Tübingen

Junges Leben seit 1477 Er gehörte mit den späteren Philosophen Schelling und Hegel zu den aufrührerischen und renitenten Stipendiaten des Evangelischen Stifts Ende des 18. Jahrhunderts. Das Studententrio rief zu nichts Geringerem als zu den unerhörten Idealen der Französischen Revolution auf. Heute ist Friedrich Hölderlin Teil der deutschen Literaturgeschichte und sein Domizil – der gelbe Turm an der Neckarfront – das begehrteste Fotomotiv der Universitätsstadt Tübingen. Was wäre Tübingen ohne seine Universität? Ein wunderschönes mittelalterliches Fachwerkstädtchen – im geografischen Mittelpunkt des Bundeslandes Baden-Württemberg gelegen – mit verwinkelten Kopfsteinpflaster-Gässchen, imposanten Plätzen und repräsentativen Bürgerhäusern rund um das jahrhundertealte Rathaus – und einem reizenden kleinen Turm am Neckarufer. Mit seinen 28.000 Studierenden aus aller Welt ist es genau dasselbe „Tübingen“ – nur ganz anders! Seit 540 Jahren bestimmt das Denken und das Forschen die Bedeutung der Universitätsstadt am Neckar. Weltverändernde Entdeckungen wurden hier gemacht, große Geistesgeschichte nahm hier ihren Ausgang und zukunftsweisende Wissenschaften wurADRESSE Bürger- und Verkehrsverein Tübingen Tourist & Ticket-Center An der Neckarbrücke 1, D-72072 Tübingen Tel. +49 (70 71) 91 36-0 mail@tuebingen-info.de, www.tuebingen-info.de

den und werden hier begründet. Ob im Labor oder in der Schreibstube, im OP oder im Hörsaal: Seit über einem halben Jahrtausend tragen kluge Köpfe, geniale Erfinder und Nobelpreisträger den Ruf Tübingens in die Welt hinaus. Und mit der Entwicklung der Universität wandelte sich auch das Leben in der Stadt und die Bewohner mit ihr. Die mittelalterliche Universitätsstadt Tübingen präsentiert sich heute jung, weltoffen, gebildet und fortschrittlich. Es ist der Gegensatz von historischem Stadtbild und der mediterranen Atmosphäre im Sommer mit ihrer quirligen Lebendigkeit in der Altstadt, die Tübingen so reizvoll macht. Da ist zum einen das historische Vermächtnis der Dichter und Denker von Melanchthon bis Hermann Hesse und zum anderen der innovative Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort mit einem international vernetzten Weltethos-Institut oder einer weltweit Aufsehen erregenden Biotechnologieforschung. Von Walter Jens, dem großem Tübinger Rhetoriker, stammt der Satz: „Tübingen hat keine Universität. Tübingen ist eine Universität.“ In dieser schöpferischen Atmosphäre entfalten sich seit jeher kreative Köpfe. Geist und Genuss liegen in Tübingen nahe beieinander. Der Gestaltungswille

ÖFFNUNGSZEITEN Mo – Fr 9 – 19 Uhr Sa 10 – 16 Uhr So und Feiertag von Mai bis September 11 – 16 Uhr

und der Einfallsreichtum vieler Akteure finden hier beste Voraussetzungen für ein Kulturleben, in dem Ideen wachsen und zu großen Events reifen können. Phantasie und Spielfreude sind die Ressourcen einer engagierten Kulturszene, die von der Subkultur bis zum Festival stilbildend für Tübingen sind. Und was wäre Tübingen ohne seine Stocherkähne! Aus einer historischen Flößertradition entstanden, gehören sie heute an der Anlegestelle vor dem Hölderlinturm und auf dem Neckar vor der romantischen Neckarfront zum Stadtbild. Die Stocherkähne haben es bis heute geschafft, ein allgemeines Kulturgut zu bleiben. Der Tübinger würde seinen Stocherkahn niemals nur Besuchern und Gästen überlassen! Er genießt selber und ausgiebig das schönste Freizeitvergnügen Tübingens. Was Sie also auch tun, Sie werden als Gast immer Teil des Tübinger Lebens sein: beim Rundgang durch die bewohnte Altstadt, beim Bummel durch die inhabergeführten unverwechselbaren Läden, beim Verbleib in einem der familiengeführten Hotels, beim Essen und der Unterhaltung in den traditionellen Gastwirtschaften und Studentenkneipen und beim Besuch der zahlreichen Märkte, Festivals und Kulturveranstaltungen.

STADTFÜHRUNGEN Öffentliche Führungen: April bis Oktober täglich 14.30 Uhr, Sa auch 11 Uhr, November bis März Sa, So und Fe 14.30 Uhr. Englische Führungen Sa 11 Uhr. € 6,50. Private Gruppen zum Wunschtermin.

Foto: Mende © Verkehrsverein Tübingen Hier sitzt man immer in der ersten Reihe. Die hohe Zwingelmauer an der Neckarfront ist ein idealer Platz, um die Pausen zwischen den Vorlesungen zu verbringen oder um sich zu treffen. Von hier hat man einen herrlichen Blick auf den Neckar und die gegenüberliegende Platanenallee.

ABENDLICHER ALTSTADTBUMMEL Mai bis September jeden Dienstag (außer Fe) 19 Uhr mit Einkehr inklusive ein Getränk. € 10,– STOCHERKAHNFAHRTEN Öffentliche Stocherkahnfahrten: Mai bis September täglich 13 Uhr, Sa auch 17 Uhr. € 7,–. Private Gruppen zum Wunschtermin.

AFTERWORK- STOCHERKAHNFAHRT Mai bis September Do u. Fr 18.30 Uhr. € 13,50 inklusive ein Getränk.


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Tübingen | 31

Highlights in Tübingen

Tübinger Bücherfest Roger Willemsen nannte es das „Woodstock der Literatur“. Das Bücherfest hat sich zu einer außerordentlich prominenten Veranstaltung entwickelt, die bestens zu Tübingen passt. Denn wo Dichter denken, Denker schreiben und Schriftsteller publizieren, da sind Verlage, Buchhandlungen, Bibliotheken und Antiquariate nicht weit. Freuen Sie sich auf literarische Entdeckungen und Begegnungen an gewöhnlichen und ungewöhnlichen Orten in der Tübinger Altstadt und beim diesjährigen Länderschwerpunkt Frankreich. Lesungen, Kleinkunst, Theater und Musik, poetische Spaziergänge und vieles andere mehr unterstreichen wieder einmal, dass Tübingen eine große Bücherstadt ist. 26.–28.5.2017 | www.tuebinger-buecherfest.de Kunsthalle Tübingen © Foto: Ulrich Metz

Kunsthalle Tübingen Wiedereröffnung am 10.3.2017 Im März ist es nun endlich soweit! Mehr als zwei Jahre mussten die Tübinger und Kunstfreunde aus nah und fern, die in den 1990er Jahren bis 2013 in Scharen der Kunst wegen nach gepilgert sind, warten. Noch wehen so bekannte Namen wie Van Gogh, Toulouse-Lautrec oder Renoir durch die Gassen von Tübingen und kommen dem einen oder andren Kunstfreund über die Lippen, wenn er an die Kunsthalle denkt. Ein großer Moment für Tüb8ingen. Auch für Dr. Holger Kube Ventura, der im Februar letzten Jahres den Künstlerischen Vorstand der Kunsthalle Tübingen übernahm. Sich der Tradition zu stellen und ein eigenes Profil zu zeigen, neue Besucher für die Kunsthalle erschließen und die Alteingesessen zurück zu gewinnen, und an die neue Kunsthalle und die zukünftige Ausrichtung hinzuführen, sind große Herausforderung und Chance zugleich.

Lautrec international einen Namen gemacht und Besuchermassen angezogen, wie sie jungen Künstlern zum internationalen Durchbruch verholfen hat. Was erwartet die Besucher unter Ihrer Leitung ab März 2017? Die Kunsthalle Tübingen wird auf zeitgenössische Kunst fokussiert sein. Mein Programm wechselt zwischen einerseits thematisch konzipierten Gruppenausstellungen zu gesellschaftlichen Gegenwartsfragen und andererseits herausragenden Einzelausstellungen international renommierter Künstler und Künstlerinnen. Auch durch vielfältige Vermittlungs- und Begleitveranstaltungen zu den jeweiligen Ausstellungen wird die Institution das kulturelle Angebot der Universitätsstadt Tübingen prägen. Als Pilot des neuen Programms präsentieren wir vom 11. März bis 11. Juni 2017 die Gruppenausstellung KAPITALSTRÖMUNG. Danach wird das mit zahlreichen Preisen ausgezeichnete Œuvre der iranischen Künstlerin, Filmemacherin und Fotografin SHIRIN NESHAT unter dem Titel FRAUEN IN GESELLSCHAFT gezeigt. Kai Geiger sprach mit Herrn Dr. Kube-Ventura: Und ab November 2017 ist dann die lang erwartete Überblicksausstellung des Künstler-Duos ANDREE Seit Mitte August 2014 war die KunsthalAUSSTELLUNGSPROGRAMM 2017 KORPYS/MARKUS LÖFFLER zu sehen. Nähele Tübingen wegen Sanierung und Umbau re Informationen zum Programm gibt’s unter geschlossen. Die Wiedereröffnung ist am KAPITALSTRÖMUNG 11.3. – 11.6.2017 www.kunsthalle-tuebingen.de. 10. März 2017. Wie sieht die neue Kunsthalle aus, was hat sich verändert? SHIRIN NESHAT Frauen in Gesellschaft Die Kunsthalle ist größer geworden. Im neuen DR. HOLGER KUBE-VENTURA (*1966, DE) ist 1.7. – 29.10.2017 Anbau ist ein zusätzlicher Ausstellungssaal Kunstwissenschaftler, Ausstellungsmacher und KORPYS / LÖFFLER entstanden und auch eine ebenso große DeKünstlerischer Vorstand der Stiftung Kunsthalle Personen, Institutionen, Objekte, Sachen pot-Erweiterung. Außerdem wurde die komTübingen. 2009-14 war er Direktor des Frankfur18.11.2017 – 18.2.2018 plette Raumausstattung saniert: neue Böden, ter Kunstvereins, 2004-09 Programmkoordinator Wände, Decken sowie Beleuchtungs-, Klimabei der Kulturstiftung des Bundes, 2001-03 DiADRESSE Kunsthalle Tübingen und Sicherheitstechnik. Von Außen sieht man rektor der Werkleitz Gesellschaft, zuvor Kurator Philosophenweg 76, 72076 Tübinge diese tief greifenden Veränderungen jedoch im Vorstand des Kasseler Kunstvereins und beim www.kunsthalle-tuebingen.de kaum. Kasseler Dokumentarfilm- & Videofest. Kube-VenÖFFNUNGSZEITEN Di 11 – 19 Uhr, Mi – So 11 – 18 Uhr

Die Kunsthalle Tübingen hat sich mit monografischen Sonderausstellungen über Cézanne, Renoir, Picasso oder Toulouse-

EINTRITTSPREISE Normalpreis EUR 7, ermäßigt EUR 5 Schüler EUR 3

Paolo Woods & Gabriele Galimberti | The Heavens, 2015 | Fotografie aus einer 90-teiligen Serie | © Paolo Woods & Gabriele Galimberti

tura ist u.a. Autor der bekannten Studie „Politische Kunst Begriffe“ (2002) und seit 1996 Kurator zahlreicher Großprojekte. Kontakt: hkv@kunsthalle-tuebingen.de

Johanna Kandl | O.T. (Food is the new oil), 2013 | Tempera auf Holz, 100 x 150 cm © Johanna Kandl

Tübinger Jazz & Klassik Tage Jazzstadt Tübingen. Erneut wurde der „Jazz im Prinz Karl“ vom Jazzmagazin DOWN BEAT in die Liste der weltbesten Jazzclubs aufgenommen! Kein Wunder also, dass auch die Tübinger Jazz & Klassik Tage nun schon im 19. Jahr ein musikalischer Fixpunkt im Herbst sind. In der dritten Oktoberwoche präsentieren sie wieder mehr als 60 kleine und große Konzerte: unterschiedlichste Spielorte zwischen Altstadtgassen, Restaurants und Konzertsälen, unterschiedlichste Musikstile zwischen Jazz und Klassik und die ganze Vielfalt der musikalischen Talente aus Stadt und Region. Renommierte Größen, namhafte Künstler, engagierte Amateure und nicht zuletzt einige der unzähligen Nachwuchskünstler bereichern das Festival. Durchgeführt werden die Konzerte übrigens von mehr als 60 verschiedenen Veranstaltern – auch das eine Besonderheit des beliebten Tübinger Musik-Festivals. 14.–22.10.2017 | www.jazzklassiktage.de

Auf dem Weg zum Bachfest 2018 in Tübingen Seit 1901 finden jährlich wandernde Bachfeste statt, die nicht an einen Ort gebunden sind. Die „Neue Bachgesellschaft e.V.“, im Jahre 1900 in Leipzig gegründet, wird vom 28. September bis 7. Oktober 2018 das 93. Internationale Bachfest in Tübingen ausrichten. In Konzerten, Gottesdiensten, Meisterkursen und Symposien wird auf vielfältige Weise das mehrdeutige Thema des Bachfestes 2018 „Bach bearbeitet“ im Mittelpunkt stehen. Auf dem Weg zu diesem Internationalen Bachfest wird KMD Prof. Ingo Bredenbach, seit 2010 Kantor an der Stiftskirche Tübingen und verantwortlich für die wöchentliche Reihe der TÜBINGER MOTETTE, 2017 das Orgelwerk Johann Sebastian Bachs in einer besonderen Konzeption aufführen. 28.9.-7.10.2018 www.stiftskirche-tuebingen.de www.neue-bachgesellschaft.de


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angst vor der zahl 13? ich verwende 13er rhythmen und formen (2+2+3+2+4; 3+3+3+4; … 6+7) bei 6+7 pocht ein alter bekannter an die tür … schicksal? BERNHARD GANDER, 

COLD CADAVER WITH THIRTEEN SCARY SCARS

Das Notenblatt ist leer, kalt und leblos. Eine Begegnung mit dem Komponisten Bernhard Gander

Bernhard Gander | Foto: Helmuth Scham, www.schampus.com

das notenblatt ist leer, kalt und leblos. ich ritze mit meinem stift zeichen ins papier, figuren, die wie wunden und narben aussehen. alte und abgenutzte elemente werden zerlegt und wieder neu zusammengesetzt.

Neue Musik | 33


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„Inspiration kann alles sein.”

alle Fotos: Helmuth Scham, www.schampus.com

Die Donaueschingen Musiktage experimentierten auch im letzten Oktober wieder nach Musiker Kräften mit Tönen und Effekten, dem Festival, wo ich musikalisch Bernhard Gander erstmalig begegnet bin. Das Festival gehört zu den wichtigsten Festivals für Neue Musik weltweit, und versteht sich als Marktplatz neuer Ideen. Seit vielen Jahren ist Donaueschingen ein wichtiges Datum in meinem Kalender, und die Neue Musik ist schon seit Langem in meinem Leben angekommen. Mein erstes Donaueschingen war 1993 und es klingt immer noch nach. Die Veranstalter verteilten Ohropax und fragten die Besucher Wie laufen die Vorbereitungen für das ECLAT Festival in Stuttgart, wo Ihr Stück „Totenwacht für Stimmen“ zur Uraufführung kommt? Ich hab gehört, dass die Proben gut laufen. Ich bin erst ab einer Woche davor dabei.

Wie entsteht ein Stück wie „Totenwacht für Stimmen“? Ist die Geschichte im Kopf, zu der Sie die Töne suchen, oder schreiben die Töne die Geschichte? Das Stück entstand aus einer Idee von Sarah Chaker, die

nach etwaigen Herzerkrankungen, und das diese doch bitte den Konzertsaal verlassen sollten. Auf dem Programm standen Nam June Paik und eine deutsche Rockband. Dass es die Einstürzenden Neubauten waren, die jüngst auch die Elbphilharmonie auf „Belastbarkeit“ testeten, erfuhr man erst bei der Konzerteinführung. Was für eine Explosion für Ohren und Augen. Nam June Paik hatte auf jedem Finger eine Kamera installiert, und sein Spiel wurde an die Leinwand geworfen, unter der Die Einstürzenden Neubauten die Donauhalle musikalisch „zerlegten“. Eine bleibende Erinnerung und die Öffnung zum Tor der Neuauch das Libretto verfasste, und mir. Bei einem Urlaub auf Ischia haben wir das Castello Aragonese besichtigt, das früher auch einmal ein Kloster war, und dort den „Aufbahrungsraum“ der verstorbenen Nonnen entdeckt. Ein kleiner

Raum, in dem die verstorbenen Schwestern in Sitzposition auf spezielle Steinsessel gesetzt wurden, um dort zu verwesen. Das heißt, bis alles Fleisch von den Knochen abgefallen war. Die lebenden Mitschwestern beteten dort in diesem

en Musik. Nachdem ich Bernhard Ganders „Cold Cadaver with Thirteen Scary Scars“ gehört und ihn beim Schlussapplaus erlebt hatte, mit welcher Leidenschaft und Hingabe der Dirigent Titus Engel die Musiker der Steamboat Switzerland und das Klangforum Wien zu musikalischen Höchstleistungen antrieb, stand für mich fest, dass er mein CARL … mein Gesicht für die Assoziation CARL Orff wird. Wir trafen Bernhard Gander bei den Proben zu „Totenwacht für Stimmen (2016)* anlässlich des ECLAT Festivals in Stuttgart. Raum für die Verstorbenen und meditierten. Dieses spezielle Memento mori und der Umgang mit dem Tod haben uns zu diesem Stück inspiriert. Nach vielen Recherchen wurden Originaltexte und neue Texte von Sarah Chaker in das

BERNHARD GANDER geboren am 29.11.1969 in Lienz, Studium am Tiroler Landeskonservatorium (Klavier, Tonsatz, Dirigieren), Kompositionsstudium in Graz bei Beat Furrer, Elektroakustische Musik am Studio UPIC/Paris(1994/95) und am Schweizerischen Zentrum für Computermusik/ Zürich(1997), Erste Bank Kompositionspreis 2005, Staatsstipendium für Komposition 2005/07, Ernst Krenek Preis 2012

Libretto aufgenommen und von mir vertont. Es gibt aber auch einige Stellen, bei denen schon eine musikalische Idee vorhanden war und später passende Textpassagen eingefügt wurden.

Aufträge von: Klangforum Wien, Ensemble Modern, Wiener Konzerthaus, steirischer herbst, ORF, Klangspuren, Donaueschinger Musiktage, Wiener Festwochen, musicastrassbourg, wittener tage für neue kammermusik, biennale münchen, Neue Vocalsolisten, Bregenzer Festspiele, Burgtheater Wien etc. www.bernhardgander.at


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Neue Musik Frankfurt Institut für zeitgenössische Musik IzM Scheitern Projekte und wie ist Ihr Verhältnis zum Scheitern? Scheitern ist ein sehr romantischer Begriff. Wenn ein Stück für mich nicht passt, wenn ich meine Vorstellungen nicht umsetzen konnte, probiere ich es beim nächsten Stück einfach noch intensiver. Ich muss aber erkennen, warum ein Stück nicht gepasst hat bzw. „gescheitert“ ist. Was passiert mit „Totenwacht für Stimmen“ (Eclat) oder „Cold Cadaver with Thirteen Scary Scars“ (Donaueschinger Musiktage) nach der Uraufführung? Ich hoffe sehr, dass die Stücke noch mehrmals gespielt werden, dass sie ein Eigenleben entwickeln. Vielleicht produziere ich auch eine CD oder eher eine LP.

Wie kamen Sie zur Neuen Musik oder die Neue Musik zu Ihnen? Ich verbrachte meine Schulzeit in Hall in Tirol. Dort gab es einen Veranstalter, Galerie St. Barbara, der viel Neue Musik programmierte. Eher zufällig und aus Neugierde hörte ich dort mehrere Konzerte und besonders bei einem Konzert, in dem das Klavierstück „Herma“ von Xenakis gespielt wurde, war es um mich geschehen. Was inspiriert Sie, woher nehmen Sie Ihre Ideen? Inspiration kann alles sein. In den letzten Stücken beschäftigte

ich mich intensiver mit den Themen Tod, Verwesung, Gewalt, Rache … Themen, die eher ausgeblendet werden. Sie haben in Innsbruck, Paris, Zürich und Graz studiert. Gibt es eine Definition per Lehre, was Neue Musik ist, und wie ist Ihre Auslegung dieser? Es gibt keine Lehre, was Neue Musik sein sollte, aber es gibt leider so etwas wie einen Mainstream oder Meinungsmacher, die vorgeben, wie Neue Musik zu klingen habe. Gottlob ist aber die Neue Musik-Mafia nicht mehr so einflussreich, wie sie einmal war.

Kommt daher auch Ihr Ruf als Rebell und Ausnahmeerscheinung im Kunstmusikbetrieb? Ich würde mich nicht so sehr als Rebell bezeichnen. Neue Musik sollte per se schon rebellisch sein. Ich wehre mich gegen musikalischen Stillstand und prätentiöse Langeweile. Sie haben viel ausprobiert. Welche grenzüberschreitenden Formate waren für Sie die spannendsten? Die Arbeit mit Rappern, DJs, Techno war für mich sehr spannend. Und was ist unverwirklicht, was steht im Ideenheft von Bernhard Gander? Jetzt ist es die intensive Auseinandersetzung mit Death und Black Metal und der Versuch, diese Spielarten in meine Arbeit zu integrieren. Wie finanziert man ein Stück und Sie sich damit selbst? Ich bin im Moment noch in der glücklichen Lage, meine Arbeit und mein Leben durch Aufträge zu finanzieren. Wie wichtig ist für Sie Erfolg, und was sind Ihre Kriterien, nach denen Sie diesen erspüren? Persönlicher Erfolg für mich ist, wenn ich das Gefühl habe, das Stück „passt“. Der öffentliche Erfolg steht dann erst an zweiter Stelle. Ich bin aber auch ein sehr soziales Wesen und freue mich sehr, wenn meine Musik vom Publikum angenommen wird.

Sie engagieren sich stark in der Vermittlung zeitgenössischer Musik. Warum ist Ihnen das wichtig und wie gehen Sie vor? Ich kommuniziere sehr gerne über das, was ich mache, und will verstanden werden. Ich nehme sehr gerne Einladungen zu Vermittlungsprojekten an, bei denen über spielerische Methoden ein Zugang zu neuen Klängen, Rhythmen, Melodien, Strukturen gefunden werden kann. Was verbirgt sich hinter „Explodierende Schubladen“, einem viel gelobten Vermittlungsprojekt für Kinder und Jugendliche? Hinter den „Explodierenden Schubladen“ verbirgt sich die Figur des cholerischen „Hulk“, ein Comic-Charakter, mit dem ich mich im Orchesterstück „Hukl“ beschäftigt habe. Wut und Gewalt ist für mich ein musikalisch sehr interessanter Stoff und auch im realen Leben hat man damit viel zu tun. Im Vermittlungsprojekt „Explodierende Schubladen“, das von Barbara Balba Weber (Musikvermittlerin) geleitet wurde, sollten Jugendliche mit diesem Thema arbeiten und gemeinsam mit Orchestermusikern, mir und Barbara ein großes Stück komponieren. Unsere Ausgabe heißt CARL und hat die Assoziation CARL Orff. Sind Sie mit Orff groß geworden, war Orff Teil Ihrer Musikwerdung? Wie ist Ihr Verhältnis zur Orffschen Musik? Ich kenne die Musik von Orff eher wenig, es gibt aber viele gute Remixe von Carmina Burana, besonders von der Band Ministry (No W). Was wäre Bernhard Gander, wenn er nicht Komponist geworden wäre? Tischler. DAS GESPRÄCH FÜHRTE KAI GEIGER.

Das Institut für zeitgenössische Musik IzM wurde im Juni 2005 gegründet. Es konzipiert als fachbereichsübergreifende Schnittstelle ein Lehrangebot zur zeitgenössischen Musik für alle Fachbereiche der Hochschule. Dazu gehören Workshops, Kolloquien und Lectures mit Gastdozenten, ebenso wie Exkursionen, Vortragsrei© Björn Hadem/Hochschule für Musik und hen und Symposien. Das Darstellende Kunst Frankfurt am Main IzM initiiert interdisziplinäre Projekte und kooperiert dabei regional und überregional mit Institutionen wie dem Ensemble Modern, dem Hessischen Rundfunk, der Oper Frankfurt, dem Archiv Frau und Musik e.V., dem Staatstheater Wiesbaden und den Donaueschinger Musiktagen. Ereignisse aus dem regionalen und überregionalen Kulturleben reflektiert das Institut und trägt sie in die Hochschule hinein. Das IzM vermittelt damit zeitgenössische Musik sowohl nach innen als auch nach außen. Zu den regelmäßigen Veranstaltungen für ein größeres Publikum gehören Konzertreihen wie die „shortcuts", bei denen Lehrende und Lernende in 14-tägigem Rhythmus Ausschnitte aus ihrer aktuellen Arbeit vorstellen und bei denen das Experiment Programm ist. www.hfmdkfrankfurt.info

SPANNUNGEN: 2017 18.–25.7.2017 SPANNUNGEN: MUSIK IM RWE-KRAFTWERK HEIMBACH ist als jährlich wiederkehrendes, einwöchiges Kammermusikfest konziFoto: H.Müllejans piert. Die Konzerte werden im RWE-Wasserkraftwerk Heimbach, Deutschlands schönstem Jugendstilkraftwerk (1904), das eingebettet in die idyllische Landschaft der Rureifel liegt, veranstaltet. Im Juni 1998 fand SPANNUNGEN: erstmalig statt. Mit dem Pianisten Lars Vogt als künstlerischem Leiter begeisterten international renommierte Künstler ein anspruchsvolles Publikum, das die stets ausverkauften Konzerte zwischen alten Turbinen, glänzenden Messinginstrumenten und Art-Deco-Lampen manchmal geradezu andächtig verfolgte. Auch in den folgenden Jahren war das Echo bei den Zuhörern überwältigend. Die Presse berichtete begeistert. Frei zugängliche Proben in „Haus Schönblick“ schaffen eine Werkstattatmosphäre, die viele Musikfreunde in ihren Bann zieht. Die Konzertmitschnitte werden vom Medienpartner Deutschlandfunk ausgestrahlt und erreichen pro Konzert bundesweit jeweils mehrere hunderttausend Hörer. Die Kooperation zwischen dem Kunstförderverein Kreis Düren e.V. als Veranstalter und RWE als Hauptsponsor ruht auf einem stabilen Fundament. SPANNUNGEN: MUSIK IM RWE-KRAFTWERK HEIMBACH will Voraussetzungen für gemeinsames Musizieren und Musik-Erleben in einer sympathisch-spannenden Atmosphäre schaffen. www.spannungen.de/das-festival.html

Karlsruhe ZeitGenuss 2017 Im Zentrum des fünften Festivals für Musik unserer Zeit steht der koreanisch-deutsche Komponist Isang Yun, dessen 100. Geburtstag in diesem Jahr gefeiert wird. Vom 12. bis 15. Oktober 2017 wird vor allem mit Kammermusikwerken an Yun erinnert, der in seinem Schaffen östliche und westliche Musiktradition verIsang Yun schmolz. Nach KarlsruFoto: Boosey & Hawkes, Bote & Bock Berlin he kommen Freunde, Zeitgenossen und Musikerinnen und Musiker, denen Yun einzelne Werke gewidmet hat, außerdem werden Kompositionen seines bedeutendsten Schülers, Toshio Hosokawa, aufgeführt. Eine Gesprächsrunde mit Künstlern und Politikern informiert über Musik und Politik in Korea. Das Festival wird vom Kulturamt der Stadt und der Hochschule für Musik Karlsruhe gemeinsam veranstaltet. Neben Studierenden und Dozierenden der Hochschule für Musik treten Ensembles aus Karlsruhe, die Jugendkantorei Cantus Juvenum und Gäste bei den Konzerten auf. Der Klarinettist Eduard Brunner, der mehrere Werke Isang Yuns uraufgeführt hat, kuratiert das Festival, das von der Internationalen Isang-Yun-Gesellschaft Berlin unterstützt wird. www.karlsruhe.de/zeitgenuss


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So 30.4. 18 Uhr Kölner Philharmonie Bamberger Symphoniker – Bayerische Staatsphilharmonie Jakub Hrůša

Fr 5.5. 20 Uhr Kölner Philharmonie Spitting Chamber Music Käptn Peng Malikah stargaze

Beim philharmonischen Debüt des tschechi° schen Dirigenten Jakub Hr uša als neuer Chefdirigent der Bamberger Symphoniker steht die Orgel in zwei neuen Werken im Mittelpunkt. Auf der chinesischen Sheng ist Wu Wei im Solokonzert zu erleben, das die Südkoreanerin Unsuk Chin für ihn geschrieben hat. Zu den gefragtesten Konzertorganisten seiner Generation zählt Christian Schmitt. An der philharmonischen Klais-Orgel wird er Toshio Hosokawas „Umarmung“- Licht und Schatten uraufführen.

Der musikalische Hunger von Dirigent André de Ridder ist einzigartig bis grenzenlos. Immerhin reicht sein Spektrum von Monteverdi bis Mouse on Mars und von Wolfgang Rihm über Max Richter bis Radiohead. Und wenn er nicht gerade das New York Philharmonic leitet, stellt er mit seinem Musikerkollektiv stargaze außergewöhnliche Pop-Projekte auf die Beine. Für den jüngsten Coup bringt er gleich vier Top-Vokalkünstler mit, um mit Beats und Poetry den Bogen von Hip-Hop zur neuen Musik zu schlagen. Schmitt, Christian © Uwe Arens

Käptn Peng © Zippo Zimmermann

ACHT BRÜCKEN | Musik für Köln Bereits zum siebten Mal fällt Ende April der Startschuss für Kölns Festival für die Musik der Moderne. Vom 28. April bis 7. Mai erklingt für zehn Tage Musik von zeitgenössischen Komponisten und Künstlern aus dem Jazz, der Welt- oder Popmusik. Die große thematische Klammer des Festivals 2017 bildet das Verhältnis von Musik und Sprache. Unter dem Motto »Ton. Satz. Laut.« werden in rund 50 Veranstaltungen die Regelwerke von Klang und Wort auf den Prüfstand gestellt; Töne seziert, Laute kombiniert und Phoneme entlarvt. Dabei wartet das Festival mit Komponisten auf, die Meister ihres Faches sind: Georges Aperghis, György Ligeti, Luciano Berio, Helmut Lachenmann oder Peter Eötvös sind nur einige von ihnen.

denen u.a. das Ensemble intercontemporain, Das neue Ensemble, das Ensemble Modern, das Experimentalstudio SWR oder das Ensemble Musikfabrik zu Gast sind. Mit dem ACHT BRÜCKEN Freihafen schenkt das Festival Musikliebhabern in Köln wieder einen ganz besonderen Tag: Von 11 Uhr morgens bis spät in die Nacht darf am Maifeiertag bei freiem Eintritt in der Kölner

Philharmonie, dem Filmforum und dem Funkhaus am Wallrafplatz die Musik von heute in bestem akustischem Umfeld erkundet werden. Unkonventionelle Kombinationen von Musik und Spielstätte haben bei ACHT BRÜCKEN Tradition und so darf es auch 2017

nicht verwundern, wenn die Einstürzenden Neubauten mit Stahlfedern und Plastikrohren die Kölner Philharmonie erobern oder die britische Vokalakrobatin Hannah Silva zwischen gelagerten Hochwasserschutzelementen eine Bühne des Protestes errichtet. Die Neugierde steigt bei der Frage: Wie kommuniziert das Ensemble stargaze mit den Hip-Hop-Artists Malikah und Käptn Peng? Das Project Spitting Chamber Music wird es erstmals präsentieren. Auf ein ganz archaisches Verständigungssystem greifen die Künstler von Trommelsprachen – Languages of drums zurück: Perkussionisten aus Tel Aviv, Chennai, Istanbul und Köln öffnen mit einer teils komponierten, teils improvisierten Suite den Raum für Rhythmus und Takt. Das Verhältnis von Musik und Sprache zu erforschen sei jedem Festivalbesucher mit auf den Weg gegeben. Manch einer ringt sein Leben nach Worten – ein anderer vertut sich stets im Ausdruck. Der Poetry-Artist Saul Williams, in Köln zu Gast mit dem New Yorker Mivos Quartet, bringt es pragmatisch auf den Punkt, wenn er konstatiert: »Manche Dinge wollen geschrieben werden, andere gesungen, gesummt oder geschrien – so ist das eben im Leben.«

Geballte Experimentierlust und sprachspielerische Facetten zeigen sich in den Arbeiten der diesjährigen Porträtkomponistin Unsuk Chin (*1961 Seoul). Von der in Berlin lebenden Ligeti-Schülerin, deren Musiksprache von starker kommunikativer Kraft geprägt ist, werden 13 Werke aufgeführt; darunter ihr vielschichtiges Ensemblewerk »Graffiti«, »Šu«, ein Konzert für die chinesische Mundorgel Sheng und Orchester und »Puzzles and Games from Alice in Wonderland«, eine eigens für das Festival verfasste Konzertsuite.

FESTIVALZEITRAUM: 28.04. – 07.05.2017 Tickets & Infos auf www.achtbruecken.de und unter 0221 280 281 Festivalpass: Besuchen Sie alle Festivalkonzerte mit einem Pass zum Preis von € 105,- (ermäßigt € 51,- )

Für erstklassige Interpretationen zeichnen herausragende Orchester wie die Bamberger Symphoniker, das SWR Symphonieorchester, das WDR Sinfonieorchester oder das Gürzenich-Orchester Köln ebenso verantwortlich wie Spitzenklangkörper für neue Musik, von

Bestellen Sie die kostenlose Programmbroschüre per Post www.achtbruecken.de/broschuere

7.5. 20 Uhr Kölner Philharmonie Unsuk Chin im Porträt II | SWR Symphonieorchester | Tito Ceccherini

7.5. 18 Uhr Funkhaus Wallrafplatz Saul Williams | Mivos Quartet

»Meine Musik ist das Abbild meiner Träume«, sagt Unsuk Chin, und tatsächlich lassen sich in all ihren Kompositionen die fantastische Farbenpracht und fremdartige Logik von Träumen wiederfinden. Beim zweiten Porträtkonzert erklingen ihr Konzert für Klavier und Orchester und das Werk »Graffiti«. Durch den Einsatz ungewohnter Schlaginstrumente entsteht dort eine eigene musikalische Sprache, die sich laut der Komponistin »zwischen Ungeschliffenheit und Kultiviertheit, Komplexität und Transparenz« bewegt.

Die Texte des Dichters, Schauspielers und charismatischen Hip-Hop-Performers Saul Williams changieren zwischen Wortspiel und rebellischradikaler Message. Williams’ Vortrag wird begleitet vom New Yorker Mivos Quartet, eines der kühnsten und wildesten Ensembles für neue Musik in Amerika.

Chin, Unsuk © ArenaPAL/Eric Richmond

Williams, Saul © Geordie Wood


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ORFF

Orff | Porträt Kreye Archiv Salzburg

lässt einen wieder spielen Musikmachen war für Orff von Kind auf selbstverständliches Spiel. Kindliches Spielzeug war nach dem Grad seiner rhythmischen Brauchbarkeit geschätzt. Am Klavier entdeckte Orff früh die Möglichkeiten eigener rhythmischer und klanglicher Betätigung und Erfindung. Bald entstand das Bedürfnis, das am Instrument Gefundene auch aufzuschreiben. Derartige Aufzeichnungen wurden der Schiefertafel anvertraut. Die These, Musik beginne im Menschen, bildet die Grundlange zu Carl Orffs musikpädagogischem Konzept, das zu ›Elementarem Musizieren‹ anregen möchte. Darin sind Sprache, Tanz und Musik gleichwertige Ausdrucksformen. Spiel und Improvisation führen in einem Arbeitsprozess, der den Mitwirkenden ein hohes Mass an kreativer Freiheit lässt, zu einem ganzheitlichen Gestalten. Auch andere Kunstformen, etwa das darstellende Spiel und die bildnerische Gestaltung können miteinbezogen werden. Wir sprachen mit Annabell Opelt, Geschäftsführerin Orff-Schulwerk Gesellschaft Deutschland e.V. mit Dozenten/innen der Orff Schulwerl Gesellschaft und baten Nele Schäfer, mehrmalige Teilnehmerin der Orff Familienfreizeit in Hohebuch um Ihre Entdeckung von Orff. Was macht die Faszination von Carl Orff bis heute aus? Diese Frage kann ich nur für mich beantworten, denn jeden fasziniert wahrscheinlich ein anderer Aspekt an seiner Persönlichkeit und seinem Schaffen. Carl Orff geht sowohl im pädagogisch orientierten OrffSchulwerk als auch in seinen

Kompositionen auf eine ganz besondere Art und Weise mit Rhythmus und Sprache um. Durch zunächst elementare musikalische Mittel schafft er eine Welt, die einerseits kraftvoll und vor mitreißender Energie sprudelt, andererseits unserer eigenen Realität oft märchenhaft fern scheint, fast archaisch.

Dazu gehört meist eine gute Portion Charme und Witz, der gerne auch mal derber sein durfte. In der perkussiven Klangwelt, die Orff nicht nur durch das für ihn typische Instrumentarium, sondern auch aus der Sprache heraus kreiert, findet sich stets eine Lebendigkeit, die zum Bewegen animiert, und wenn es

Annabell Opelt | © Studio 4U – Euduard Judt

nur die entstehenden Bilder und Geschichten im Kopf sind. Das, was mit dem Orff-Schulwerk vermittelt werden soll, die Verbindung von Musik, Tanz und Sprache und das Einladen zum eigenen Kreieren und Spielen, findet sich in seinem kompositorischen Werk eins zu eins wieder.

Wer oder was wäre Carl Orff heute? Das ist eine spannende Frage. Ich denke, dass jemand, der seinen eigenen Ideen und Talenten in einem Maß nachgeht, wie es Orff getan hat, der würde das auch zu einer anderen Zeit oder an einem anderen Ort tun. Er würde sicherlich auch heute der neugierige und experimentierfreudige Mensch sein, wie er es zeitlebens war. Sicherlich würde er auch heute mit allen Möglichkeiten spielen und fremden oder andersartigen Dingen auf den Grund gehen. Es wäre aber z. B. interessant zu sehen, wie er mit der heutigen schnellen technologischen Entwicklung umgehen würde. Bindet er sie ein? Spielt er damit? Schließlich ist damals das Orff-Schulwerk durch das neue Medium „Radio“ groß rausgekommen. Oder ist die Technologisierung ein Faktor, der uns zu weit vom Ursprünglichen, das er so sehr gesucht und vermittelt hat, entfernt? Denn wenn wir zurückschauen, dann wurde das Orff- Schulwerk in einer ähnlichen Zeit geboren, wie wir sie heute erleben. Politisch und wirtschaftlich ging es hoch her. Es liefen Prozesse ab, die der Einzelne nicht mehr durchschauen oder schnell verstehen konnte. Die Jukebox und der Jazz kamen aus Amerika nach Europa und veränderten die kulturelle Szene, ein neues Lebensgefühl entstand. Musik konnte reproduziert werden und die Kunstmusik entwickelte sich von der alltäglichen Unterhaltungsmusik immer weiter weg. Heute sehen die Entwicklungen ähnlich spektakulär aus. Die Arbeit, die dem Orff-Schulwerk zugrunde liegt, sollte durch eine tänzerisch-musikalische Bildung wieder das eigene Potenzial freisetzen und ein größeres Interesse und Verständnis für den Kunstbereich fördern. Es ging nicht darum, aus einem Laien einen Profi zu machen, sondern ein Verständnis füreinander zu entwickeln. Für viele Menschen ist Carl Orff Carmina Burana. Punkt. Aber Carl Orff war nicht nur Komponist, sondern …? Orff war für mich ein Entdecker und Erfinder. Er war sehr belesen. Beispielsweise beschäftigte er sich wissenschaftlich mit Theatergeschichte, Kunstgeschichte oder Dichtung, was seine umfangreiche Bibliothek in seinem Wohnhaus in Dießen belegt. Orff war immer auf der Suche nach etwas Neuem. Dabei war er sowohl in der Idee der Musiké des alten Griechenlands als auch in der heute als „Alte Musik“ bezeichneten Sparte zu Hause und hat dennoch zukunftsorientiert gedacht. Orff hat fremde Kulturen und Klänge geliebt und sie entweder aus einer vergangenen Zeit oder von einem anderen geografischen Ort zu sich geholt. Um diese Klänge umsetzen zu können, erfahrbar und wiederholbar zu machen, hat er zusammen mit Curt Sachs und Karl Maendler das „OrffInstrumentarium“ entwickelt. Ebenfalls war Orff ein Innova-

tor in Bezug auf das moderne Musiktheater. Auch wenn ein bekanntes kunst-pädagogisches Werk nach ihm benannt ist, so tue ich mich schwer, ihn als Pädagogen im primären und klassischen Sinn zu sehen. Orff war an einer reinen Wissensvermittlung nicht interessiert. Er verfolgte den Ansatz, dass Wissen und Erkenntnis nur aus dem eigenen Erleben und Handeln, in seinem Fall aus der Sprache, der Bewegung und dem Musizieren heraus, generiert werden kann. Da er keine pädagogische Ausbildung besaß und aus dem künstlerischen Bereich der Komposition kam, fand er anscheinend intuitiv den passenden pädagogischen Ansatz, der humanistisch geprägt war und in vielen Punkten durch die Forschungsergebnisse der heutigen Lernpsychologie bestätigt wird – insbesondere im Hinblick auf den Aspekt der Kreativität. Von seinen Schülern und Kollegen wurde er als empathisch, interessiert, verständnisvoll und kritisch beschrieben. Er hat seine SchülerInnen mit auf die eigene Entdeckungsreise genommen. Das künstlerische Moment war der Kernpunkt, sowohl im Ergebnis als auch im Unterrichten an sich. Was ist das Besondere an der orffschen Lehre? Viele verbinden das Orff-Schulwerk mit Carl Orff, Xylophonen und Früherziehung. Was weniger bekannt ist, ist, dass es zunächst in den 20er- und auch 30er-Jahren an der Günther-Schule in München aus der Arbeit mit Erwachsenen heraus entstanden ist. Erst durch die Radioübertragungen Ende der 40er-Jahre wurde es von Carl Orff und ganz besonders von Gunild Keetmann für Kinder aufgearbeitet und verlegt. Für mich ist aber gerade die erste Entwicklungsphase mit Erwachsenen das Spannende an den Ursprüngen und Grundlagen des Orff-Schulwerks. Ebenfalls ist es bemerkenswert, dass das OrffSchulwerk heute in der Musikpädagogik bekannt ist, jedoch auf einer bewegungsorientierten Arbeit fußt, die sich in den Niederschriften nicht wiederfinden lässt und zum Teil primär die Persönlichkeitsbildung junger Frauen bezweckte. Ich denke, dass dieses unausgeglichene Verhältnis der Verschriftlichung von musikalischen und tänzerischen Aspekten zu vielen Missverständnissen in der Verbreitung und Umsetzung des Orff-Schulwerks geführt hat. Dabei ist hier der holistische und humanistische Gedanke verankert, durch den das OrffSchulwerk bis heute einen der wenigen Ansätze liefert, bei dem der Mensch in seinen verschiedenen Kommunikationsund Ausdrucksmöglichkeiten gleichwertig angesprochen wird: Musik – Tanz – Sprache und die Gruppe ist das zentrale soziale Gefüge. In und durch sie wächst im gemeinsamen Handeln und Erleben der Gemeinschaftssinn, die Selbstwahrnehmung, Selbstbestimmung, Persönlichkeitsentwicklung, kurz soziale


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Kompetenzen, Fantasie und Kreativität, die in den Alltag hineinreichen sollen und zum lebenslangen Lernen beitragen. In der Verschiedenheit von Gruppenmitgliedern liegt der wichtige Anreiz, sich selber als individuelles Wesen zu entdecken, sich in Bezug zum Umfeld zu sehen, Grenzen auszutesten und diese zu erkennen und anzuerkennen sowie andere in ihrer „Andersartigkeit“ wahrzunehmen. Es geht um den direkten Kontakt, den direkten Austausch. Im geschichtlichpolitischen Kontext war das ein sehr fortschrittlicher Gedanke, aber auch heute, wo wir alle vernetzt leben, scheint es mit der „Andersartigkeit“ nicht immer so einfach zu sein, wie wir es uns wünschen. Es steckt schon eine gehörige Portion demokratischen Gedankenguts im Ansatz des Orff-Schulwerks. Das Innovative im Schulwerk war und ist dabei, dass es sich auf die Form der Improvisation stützt, wo doch eigentlich unsere klassische Musikausbildung auf den Notentext fokussiert ist. Für viele ist das schon ein Hindernis und der Spaß am freien Musi-

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zieren ist gebremst. Orff wollte mit seinem Ansatz die engen Grenzen des Musikbegriffs der abendländischen Musik sprengen und erweitern, indem er auf archaische Anfänge oder das Mittelalter verweist, beispielsweise mittels Ostinatoformen oder improvisierter Spielmannsmusik und der damaligen Verknüpfung zur orientalischen Musikpraxis. Das Orff-Schulwerk ist als offenes Werk konzipiert. Damals war es für den neuen Bereich der musikalischen Laienarbeit gedacht und stand von seiner Intention her in Zusammenhang mit dem starken Auseinanderdriften von Kunst- und Laienmusik. Orff verstand es weder als eine Schule, bei der die musikalischen Stücke reproduziert werden sollen, noch als vollkommen oder abgeschlossen. Vielmehr ist es als Inspirationsquelle und Modellsammlung zu verstehen, was aus einer künstlerischen Arbeit mit Gruppen entstehen kann. Wenn wir im Sinne des OrffSchulwerks arbeiten, können wir am Ende des Tages nicht ein Stück daraus zum Klingen

bringen, sondern ihm eine neue, aus der Improvisation heraus entstandene und mit den Ideen und dem Können der Gruppe erarbeitete Komposition hinzufügen. In diesem Sinn beziehe ich das Wort „Komposition“ nicht nur auf den rein musikbezogenen Aspekt, sondern gleichwertig auf Tanz, Sprache und alles, was als Gestaltungsmedium hinzugenommen werden kann und ein ganzheitliches Erleben und Erfassen ermöglicht. 1961 gründete Carl Orff das Orff-Institut an der Universität Mozarteum Salzburg, an dem Sie selbst studiert haben. Was lernt man am Orff-Institut, was man an anderen Musikhochschulen nicht lernt? Zunächst ist das Orff-Institut eine der wenigen Ausbildungsstätten, an der die Verbindung von Musik und Tanz gleichberechtigt berücksichtigt und gelehrt wird. Als dritte Komponente kommt die Sprache hinzu. Somit erhält jeder in seiner Grundausbildung Tanzunterricht, Instrumental-, Gesangs- und Sprechunterricht.

© Orff Schulwerk

© Orff Schulwerk

Verschieden geartete Fächer übernehmen die Aufgabe, diese drei Bereiche immer wieder auf unterschiedliche Weise miteinander in Verbindung zu bringen, mal den einen Bereich in den Fokus zu stellen und mal den anderen. Obwohl ich zu Beginn des Studiums die drei Bereiche getrennt voneinander betrachtet habe, so habe ich noch weit über das Studium hinaus immer wieder die Abhängigkeiten und Zusammenhänge erkennen und erlernen dürfen. Neben dieser künstlerischen Ausbildung erhält jeder eine pädagogische Fachausbildung, die denke ich stärker als an anderen Institutionen in der Praxis verankert ist. Wir waren froh, wenn wir uns mal in eine Vorlesung setzen durften und nicht selber aktiv sein mussten! Dieser hohe Praxisanteil geht mit verschiedenen hauseigenen Gruppen und Kooperationen einher, die stets mit einem hohen Betreuungsschlüssel zwischen Student und DozentIn/ProfessorIn versehen sind. Dabei erhalten wir nicht nur Einblicke in die typischen Bereiche wie Früherziehung und Kindergruppen, sondern auch in die Arbeit mit Senioren, die Ar-

beit in sozialen Brennpunkten oder der Lebenshilfe. Auch finde ich, dass die Art und Weise, wie ich an die Arbeit mit Gruppen herangeführt wurde, außergewöhnlich im Bildungsbetrieb ist. Vom Beobachten wird über die Semester hinweg das Mitmachen, Mitgestalten und selber Anleiten bis hin zum Leiten der eigenen Gruppe im abschließenden Semester gefördert. Ich konnte mich am Orff-Institut in jede Richtung entwickeln, die ich interessant fand und wurde stets unterstützt. Wie sind Sie zu Orff gekommen? Als ich acht Jahre alt war, bin ich mit meiner Mutter und meinem Bruder zum Familienkurs der Orff-Schulwerk Gesellschaft gefahren. Damals fand er noch in Bad Fredeburg statt und auch wenn die Anfahrt recht weit war, haben wir seitdem keinen Kurs ausgelassen und uns jedes Jahr bereits im Auto mit den alten Liedern auf den kommenden Kurs eingestimmt. Ich habe die Tage genossen, in denen ich Theater spielen konnte, viele verschiedene Instrumente im Ensemblespiel ausprobiert habe

und mit allen Teilnehmern, ob groß oder klein, abends Volksund Gruppentänze getanzt habe. Wenn ich jetzt auf die Zeit zurückblicke, dann fasziniert mich, dass ich immer das Gefühl hatte, mit meinen Ideen und kreativen Beiträgen gehört worden zu sein und diese neben den Ideen der anderen Teilnehmer im Prozess wiedererkennen konnte. Ich hatte nie das Gefühl, in einer Lehrsituation zu sein und entwickelte eine hohe Motivation, viele Stunden am Tag aktiv mitzumachen. Diese schönen Erfahrungen und die Neugierde, wie man so unterrichtet, haben mich schlussendlich zu meinem Studium ans Orff-Institut geführt. Seit 2015 sind Sie Geschäftsführerin der Orff-Schulwerkgesellschaft Deutschland e.V. in Gräfelfing. Was sind die Idee, die Ziele und Aufgaben der Schulwerkgesellschaft? Die Orff-Schulwerk Gesellschaft Deutschland e.V. wurde 1962 gegründet und versteht sich als Fachverband für elementare Musik- und Tanzpädagogik. In diesen nunmehr 54 Jahren haben die Aufgaben immer wie-

Dozenten ARI KLAGE Wie kamen Sie zu Orff? Ich hatte zuerst einige Semester Schulmusikpädagogik in Berlin studiert. Dort habe ich im Studiengang „Musiktherapie“ schnuppern dürfen und Ansätze der Orff-Pädagogik kennengelernt. Freilich mit einem anderen Fokus, da es ja um therapeutische Settings ging, aber dennoch weckten diese Erfahrungen meine Neugier. Zur selben Zeit habe ich mit kleinen Kindern in freien Kindergärten Musik gemacht und erkannt, dass ich auf diesem Gebiet mehr fundierte Ausbildung brauche. Was ist für Sie die Faszination von Orff? Faszinierend ist der ganzheitliche Ansatz, der mehrere künstlerisch-pädagogische Richtungen vereinen kann (Hauptschwerpunkte sind Musik, Bewegung/Tanz sowie die Sprache). Entscheidend sind dabei elementare Zugänge, die die Grundkräfte der Musik und Bewegung als Ausgangspunkt haben, und somit für alle Zielgruppen und Altersstufen adaptierbar sind. Was macht Orff mit einem? Das ist eine schwierige Frage, da jeder Mensch dies anders beantworten würde. Ich bemerke oft, dass die gelungensten Stunden darauf beruhen,

wenn Menschen sich von Musik und Tanz im Innersten berührt fühlen, wenn im scheinbar Einfachen eine Kraft und ein Ausdruckspotenzial spürbar werden, die unser Leben bereichern. Besonders für Kinder ist es ein spielerischer Zugang, der alle Sinne mit einbezieht. ARI GLAGE freischaffender Rhythmuspädagoge, Lehrauftrag an der Universität Mozarteum (Abt. Carl Orff Institut), TAKETINA-Rhythmuspädagoge, langjährige internationale Kurs-und Fortbildungstätigkeit.

ISABEL RÖSNER Wie kamen Sie zu Orff? Bis zu meinem 18. Lebensjahr war Orff für mich ein sehr ferner Begriff. Alles, was mir bis dahin von ihm bekannt war, war, ganz klassisch, die Carmina Burana. Doch das änderte sich schlagartig mit meinem Studienwunsch. Ich suchte nach einem Studium, welches es mir erlauben würde, meine zwei Leidenschaften, Musik und Tanz, zu verknüpfen, denn damit hatte ich mich meine gesamte Kindheit und Jugend beschäftigt. Tanztheater, Orchester, Chor, Klavier und Co. gehörten zu meinen schulischen und nachmittäglichen Beschäftigungen. Mein Wunsch war es, diese Dinge auch in

mein späteres Leben zu integrieren und vor allem auch die Möglichkeit zu haben, dies auch pädagogisch weitergeben zu können. Musik auf Lehramt zu studieren erschien mir zu sehr beschränkt auf eine Altersgruppe, enge Lehrpläne und vor allem die Bewegung fehlte. Und so kam ich dank etwas Internetrecherche und der Mutter einer Klassenkameradin an das Carl Orff Institut nach Salzburg. Nach der Hospitationswoche vor Ort war klar, dass das genau der richtige Platz für mich war. Die pädagogische Idee Carl Orffs, Musik, Tanz und Sprache zu verbinden und Musik und Bewegung als etwas Elementares zu begreifen, das für jeden zugänglich und begreifbar und somit auch für jeden erlebbar ist, machte mich neugierig und entsprach meinen Vorstellungen von einem ganzheitlichen musikund tanzpädagogischen Angebot. Was ist für Sie die Faszination von Orff? Orff fasziniert mich auf vielerlei Ebenen. Sein künstlerisches Werk, sei es nun die Carmina Burana, Antigone oder seine Märchenstücke wie die Kluge oder der Mond, sprechen so eine eigene Musiksprache und vereinen Kraft, Einfühlsamkeit und Witz, dass es mich beim Hören immer wieder berührt, euphorisiert und mich jedes Mal etwas Neues entdecken lässt. Aber natürlich finden meine Berührungspunkte mit Orff eher auf pädagogischer Ebene statt. Sei-

ne pädagogische Idee, Musik, Sprache und Bewegung für jeden erlebbar zu machen, spiegelt sich in meiner Unterrichtstätigkeit wider. Ob meine Schüler jetzt anderthalb oder 90 Jahre alt sind, spielt dabei keine Rolle. Orffs Intention für den Musik- und Bewegungsunterricht war es, einen fantasievollen Umgang mit Musik, Sprache und Bewegung zu ermöglichen und das angepasst an den jeweiligen Leistungsstand des Schülers. Dazu gehört in jedem Unterricht auch das Prinzip der Improvisation. Kindern und Erwachsenen den Freiraum zum Ausprobieren, Variieren und Entwickeln zu geben macht den Unterricht im Sinne Orffs so faszinierend und bereichernd. Was innerhalb einer Gruppe durch die Beigabe von kleinen Melodien oder rhythmischen Bausteinen entstehen kann, ist immer wieder erstaunlich und zeigt mir jedes Mal wieder, dass Elementare Musik etwas ist, was direkt vom Menschen ausgeht und nur durch das eigene Tun wirklich durchdrungen werden kann. Wenn ich meine Schüler auf dieser Entdeckungsreise begleiten darf und sehe, wie sie beginnen, mit dem Material zu spielen, es verändern und es sich zu eigen zu machen, dann macht mich das sehr glücklich. Und auch sehr dankbar. Dankbar, dass Carl Orff Anfang des 20. Jahrhunderts diesen Weg beschritten hat. Dankbar, dass Orff und seine Ideen auch heute noch aktuell sind und in allen möglichen Ländern gelebt werden.


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der variiert. Das Kerngeschäft ist jedoch gleich geblieben. Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, neben der Ausbildungsmöglichkeit am Orff-Institut, Universität Mozarteum Salzburg, ein deutschlandweites Angebot zur Fort- und Weiterbildung im Bereich „elementare Musik- und Tanzpädagogik“ zu schaffen. Somit gehört es primär zu unseren Aufgaben, das pädagogische Werk Orffs und Keetmanns aktiv und lebendig mithilfe unserer international tätigen Dozenten an Pädagogen im öffentlichen Schulsystem und im außerschulischen Bereich weiterzugeben. Wichtig ist uns dabei, die Brücke zwischen Tradition und Neuentwicklung zu schlagen. Dazu gehört, der offen gedachten Konzeption des Orff-Schulwerks gerecht zu werden und es stets im Sinne unseres heutigen Zeitgeists zu interpretieren und weiterzuentwickeln. Natürlich ergeben sich dadurch auch neue Herausforderungen und Aufgaben. In einer schnelllebigen und technologisierten Zeit, wie wir sie gerade jetzt erleben, ändern sich beispielsweise schnell Berufs- und Tätigkeitsfelder. Unter diesem Aspekt etabliert sich das OrffSchulwerk zunehmend sowohl in der inklusiven Pädagogik als auch der Musikgeragogik. Gertrud Orff (seine zweite Frau) entwickelte aus den elementar

musikalischen Grundprinzipien des Orff-Schulwerks die anerkannte Orff-Musiktherapie. Und wer weiß, welche Bereiche oder Kooperationen sich in Zukunft noch auftun, an die wir noch gar nicht gedacht haben? Es gibt in der ganzen Welt Orff Schulwerkgesellschaften. Wie wichtig sind die internationale Zusammenarbeit und der regelmäßige Austausch? Insgesamt gibt es momentan weltweit 48 Gesellschaften. Ich denke, dass es in jedem Fachbereich wichtig ist, sich mit den Kollegen weltweit auszutauschen, Entwicklungen mitzubekommen und fachliche Diskussionsforen wahrzunehmen. Somit lädt das „International Orff-Schulwerk Forum Salzburg“ jährlich nach Salzburg ein. Dabei ist es spannend zu sehen, wie das Orff-Schulwerk zum Beispiel in Hong Kong, Kapstadt oder Teheran umgesetzt wird. Es ist aber auch eine Möglichkeit, strukturelle Fragen oder Probleme anzusprechen und auf Erfahrungen oder Lösungen anderer Gesellschaften zurückzugreifen. Was ich mir noch mehr wünschen würde, wäre eine Zusammenarbeit der Gesellschaften im Bereich der internationalen Jobvermittlung oder der Entwicklung von gemeinsamen Austauschprogrammen.

Dankbar für diesen ganzheitlichen Ansatz und dankbar, dass ich jemand sein darf, der anderen eine musikalisch-tänzerische Annäherung an Neues oder auch längst Vergessenes ermöglichen kann. Was macht Orff mit einem? Orff inspiriert. Orff führt Menschen zusammen. Orff musikalisiert. Orff lässt einen gestalten. Orff macht hörbar. Orff verbindet. Und vor allem: Orff lässt einen wieder spielen. Und das habe ich im Laufe meines Studiums am Carl Orff Institut zum Glück wieder gelernt. Zu spielen. Das ganze erwachsene Tun, das Angespannte hinter einem zu lassen und im Spiel aufzulösen. Und somit auch freier kreativ tätig zu sein und den Blick für die kleinen, feinen Besonderheiten um einen herum zu öffnen. ISABEL RÖSNER Geboren 1988 in Leipzig/Deutschland. 2006 – 2014 Studium der Elementaren Musik- und Tanzpädagogik am Carl Orff Institut Salzburg. Seit 2012 Lehrerin für alle Altersgruppen von Kleinkindern bis Senioren mit Demenz an Musik- und Grundschulen im Raum München. Seit 2010 Dozentin am jährlich stattfindenden Orff-Schulwerk Familienkurs und mitverantwortlich für die Organisation der Orff-Schulwerkkurse im Raum München. Seit 2015 Vorstandsmitglied der Orff-Schulwerk-Gesellschaft Deutschland e.V. Seit 2014 Leiterin der Musik- und Kunstschule „DorffWerkstatt Andechs e.V.“, einer Musikschule, die sich den pädagogischen Grundsätzen und der künstlerischen Arbeit Carl Orffs verschrieben hat.

© Orff Schulwerk

© Orff Schulwerk

© Orff Schulwerk

Ist Orff in Tasmanien der gleiche Orff wie in München? Gibt es regionale Unterschiede in der orffschen Lehre oder der Interpretation dieser? Ob die Rezeptionsgeschichte von Orff dort dieselbe ist, das weiß ich nicht. Was jedoch das Orff-Schulwerk betrifft, so gibt es auf jeden Fall unterschiedliche Umsetzungen, die aber auch immer wieder fachlich diskutiert werden. Während wir beispielsweise im deutschsprachigen Raum die Bände des Orff-Schulwerk sehr frei und als Ideenkiste interpretieren, werden diese als aufein-

ander folgende „Level“ in den USA durchgenommen. Nicht nur hier kann die Frage gestellt werden, ob nicht der Begriff „Schulwerk“ missverständlich aufgefasst werden kann? Denn er leitet sich nicht von Schule oder schulisch ab, sondern von Schulung, wobei anhand von praktischen Beispielen Musik verstanden werden soll. Ein weiteres sehr aktuelles Beispiel ist China – dort boomt geradezu das Interesse an europäischen musikpädagogischen Konzepten. Allerdings ist das Bildungssystem komplett anders orientiert, die Bildung verfolgt andere Ziele und die

Gruppengrößen entsprechen in keiner Weise unseren Gruppengrößen, sodass eine persönliche und individuelle Arbeit kaum bis gar nicht möglich ist. Hier haben wir als Gesellschaft auf eine sehr persönliche Zusammenarbeit gesetzt, die mit der SINO IMEX GmbH erfolgt und schon zu vielen schönen Fortbildungen in China oder Deutschland geführt hat. Das Orff-Schulwerk ist wie das „Stille-Post“-Spiel. Es wird praktisch weitergegeben, und allein dadurch verändert es sich bereits. Es bekommt neue Einflüsse und bewirkt kulturelle Annäherungen.

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RUPERT BOPP

Wie kamen Sie zu Orff? Eine Schulfreundin nahm mich mit auf einen Orff-Kurs, den Dozenten und Studenten des Orff-Instituts in Salzburg leiteten. Ich war so begeistert von der für mich neuen Art, Musik zu vermitteln, dass ich beschloss, Musik- und Bewegungserziehung zu studieren.

Wie kamen Sie zu Orff? Durch eine Sinn- und Lebenskrise nach dem Zivildienst. Mein bis dahin anvisiertes Berufsziel im Bereich Werbung erschien mir nach entsprechendem Praktikum nicht mehr erstrebenswert; es sollte viel mehr „etwas mit Musik und Menschen“ werden. Allerdings hatte ich bisher in diesem Bereich noch keinen Ehrgeiz entwickelt, von daher kam ein Instrumentalstudium nicht infrage. Der Selbstverwirklichungsaspekt innerhalb der Ausbildung am Orff-Institut erschien verlockend.

Was macht Orff mit einem? Orff bringt Menschen zusammen. KERSTIN BOPP Jahrgang 1969, Musikunterricht in Blockflöte, Flügelhorn, Geige und Klavier, 1988-94 Studium der „Musik-und Bewegungserziehung“ am Orff-Institut in Salzburg mit Schwerpunkt Gesang. Seit 1995 Lehrtätigkeit an den Musikschulen Neubiberg und Starnberg in den Fächern: Mutter-Kind-Musizieren, Musikalische Früherziehung, Musiktheater, Kinderchor und Erwachsenenchor. Leitung von Fortbildungen, Mitwirkung in verschiedenen Gesangsensembles, vor allem im Bereich „Alte Musik“.

Wir sind inspiriert und angesteckt durch unsere CARL Ausgabe und den Orff Schwerpunkt. Was kommt als nächstes, welchen Kurs empfehlen Sie uns? Als „Kind“ des Familienkurses „Wenn Kinder mit ihren Eltern … Teenies go Orff“ kann ich diesen Traditionskurs nur wärmstens an alle Familien oder Großeltern mit ihren Enkelkindern weiterempfehlen. Ein weiterer Renner (schnell anmelden!) ist unser Kurs „Musik und Tanz im Kindergarten“ mit einem Dozententeam um Henriette Klebingat. Wir haben aber auch ganz spannende Kurse im Schwerpunkt Sprache oder Bewegung! Schauen Sie doch einfach selber mal auf unserer Homepage www. orff-schulwerk.de vorbei! Wir freuen uns auf Sie! DAS GESPRÄCH FÜHRTE KAI GEIGER.

KERSTIN BOPP

Was ist die Faszination von Orff? In der Idee von Carl Orff werden Musik, Sprache und Bewegung miteinander verbunden. Der ganze Mensch wird angesprochen und kann sich ausdrücken.

© Orff Schulwerk

Was ist die Faszination von Orff? 1) Das Elementare:  Jeder kann mitmachen  Es kann einfach beginnen und dennoch komplex werden  Der Mensch wird ganzheitlich angesprochen 2) Das Verbindende Musik kann innerhalb des orffschen Ansatzes mit allem Möglichen kombiniert werden: Die Verbindung zu Sprache und Bewegung wird ja schon per Definition hervorgehoben, aber auch bildende Kunst, Mathematik, Interkulturalität, Inklusion … Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen.

ANNABELL OPELT studierte zwischen 2009 und 2013 am Carl Orff Institut, Mozarteum Salzburg, Elementare Musik- und Tanzpädagogik mit dem Schwerpunkt „Musik und Tanz in sozialer und integrativer Pädagogik“. Parallel studierte sie von 2009 -2014 das Konzertfach Blockflöte am Mozarteum Salzburg bei Prof. Dorothee Oberlinger. Seit 2014 führt sie dieses Studium an der Universität für Musik und darstellende Kunst bei Prof. Carsten Eckert in Wien fort. Sie ist seit 2012 Dozentin bei der Orff-Schulwerk Gesellschaft Deutschland e.V. und übernahm dort 2015 die Geschäftsführung sowie einen Sitz im Vorstand. Zwischen 2015 und 2017 absolviert sie den ersten Ausbildungsabschnitt (Zertifikat) der TZI Ausbildung. Künstlerisch ist sie als Gründungsmitglied im Ensemble „CEMBALESS – Ensemble für Alte und Neue Musik“ tätig. Annabell Opelt ist Stipendiatin der Konrad-Adenauer-Stiftung. Kontakt: orff-schulwerk@t-online.de

Was macht Orff mit einem? Das ist sicherlich sehr individuell … In meinem Fall habe ich den Eindruck, mich zu einem „Multidilletanten“ entwickelt zu haben, d.h.: Ich habe Fähigkeiten auf vielen Gebieten entwickelt, ohne diese jedoch wirklich ausgeprägt zu haben. Dies hat Vor- und auch Nachteile. Innerhalb meiner künstlerischen und pädagogischen Arbeit erlebe ich große Vielfalt: Auf der Bühne kann ich Musiker und auch Schauspieler sein, und als Pädagoge unterrichte ich Menschen im Alter von 3-70 Jahren in unterschiedlichen Bereichen. Über die klassische elementare Pädagogik hinaus gebe ich auch Instrumentalunterricht und Bandcoaching. Entscheidend für mich ist in diesem Zusammenhang, dass ich meine Grenzen erkenne und gegebenenfalls rechtzeitig Spezialisten das Feld überlasse. RUPERT BOPP Jahrgang 1967, Geigenunterricht: 1972-1987, Studium am Orff-Institut, Hochschule Mozarteum: 1990-1996, Lehrtätigkeit seit 1997: Musikschule Starnberg, Fachschule für Heilerziehungspflege, Markt Indersdorf, Workshops. Künstlerische Tätigkeit: Mitglied in verschiedenen Formationen im Bereich Theatermusik, Mittelalter und Weltmusik. Soloprojekte (Multiinstrumental, Liveloops)

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40  |  Klassik | Orff

CARL | arttourist.com 1|2017

Carl Orff, 1968 | Foto: Klaus Redenbacher

Carl Orff

Mein Orff

Erfahrungsbericht von Nele Schäfer TollesRohr Boomwhackers | © Michael Galeza

Ein Altxylophon. Zur Geburt unserer jüngsten Tochter hatte ich dieses Instrument von meinen Eltern geschenkt bekommen. Ein langgehegter Wunsch war in Erfüllung gegangen, aber nun verstaubte das Instrument trotz musikbegeisterter Hausbewohner still und leise im Flur. Etwas zu zart für spontanen Gebrauch durch Kinderhände … Das durfte nicht so bleiben! Bei einem Xylophon-Kurs bei Micaela Grüner hatte ich gelernt, welche Möglichkeiten dort in der Flurecke schlummerten, aber diese Einführung war lange her und außerdem wollte ich gerne mit den Kindern gemeinsam, nicht für sie lernen. Die damalige Musikpädagogin unserer Töchter hatte dann das nötige Stichwort „Orff-Schulwerk Gesellschaft“ parat und das Internet kündigte an, dass in der Karwoche „die Eltern mit den Kindern“ musizieren würden. Und so packten wir im Frühjahr 2009 zum ersten Mal die Koffer und landeten voll freudiger Erwartungen in der Bayerischen Akademie Hammelburg.

Sieben Orff-Freizeiten später steht auch 2017 in der Karwoche der Familienkurs der OrffSchulwerk Gesellschaft dick und strahlend in unserem Kalender. Und das Altxylophon? Es verstaubt weiter … Warum? In Hammelburg und später in Hohebuch durften wir erfahren, dass Orff für viel mehr steht als das Musizieren mit Blockflöten und Stabspielen. Orff – das steht für mich für das wunderbar notenfreie Erlernen von Liedern, Vorsingen–Nachsingen, Klang ins Ohr, Melodie ins Herz und bei der Abreise einen Notenzettel in die Hand als Erinnerung. Orff – das steht für mich für die erstaunliche Erfahrung, dass mein Körper mich durch gezielte „Percussion“ ins Abenteuer-Land der 5-Achteloder gar 7-Achtel-Takte führt – Terrain, auf das ich mich mit meiner Geige nie gewagt hätte. Rhythmus – das ist nichts für mich! Wie oft hatte ich dieses Statement in den 41 Jahren vor den Orff-Freizeiten von mir gegeben. Nun, ich wurde eines Besseren belehrt. Sprache oder Bodypercussion öffnet den Weg, ist Stütze, Leitschnur, egal ob auf der Trommel, beim Klatschen oder im improvisierten Gesang.

Aber „Orff“, wie unsere Töchter den jährlich stattfindenden Familienkurs der Orff-Schulwerk Gesellschaft liebevoll nennen, ist weit mehr als Musizieren. Bei Bilderbuch-Vertonungen, aber auch bei den Projekten der versammelten Teenager wird improvisiert, Theater gespielt, werden Dialoge geschrieben, eigene Lieder und Sprechkanons entwickelt. Ausdruckstanz, aber auch Kreistänze, gemeinsames Spielen, Lagerfeuer am Abend oder Basteln – für jeden zwischen 1 und 99 ist etwas dabei. Das Herz der Familienfreizeit schlägt im generationsübergreifenden Miteinander. „Wenn die Eltern mit den Kindern …!“ Am Morgen beim musikalischen Warm-up, am Mittag beim Essen, am Abend beim gemeinsamen Spielen. Und die Teenager? Verblüffend, aber voller Begeisterung mittendrin dabei! Fast alle waren als Kinder schon dort und kommen gerne jedes Jahr wieder. Manche inzwischen ohne Eltern, manche mit Freunden, die sie angesteckt haben … Viele kommen jedoch gern jedes Jahr mit ihren Eltern.

Carl Orff, Komponist und Theatermann, Humanist und Pädagoge gleichermaßen, erlangte durch seine „Carmina Burana“ Weltruhm. In der Vielfalt seiner Bühnenwerke, in denen er Anregungen aus dem mittelalterlichen Mysterienspiel, den Volksstoffen seiner bayerischen Heimat, aus Märchen der Welt bis hin zur griechischen Tragödie verarbeitet, offenbart sich die Schaffenskraft einer der herausragendsten Künstlerpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts. Auch sein weltweit in über dreißig Ländern der Erde präsentes Orff-Schulwerk der elementaren Musik- und Bewegungserziehung belebt und prägt seit mehr als fünfzig Jahren die Musikpädagogik für Kinder rund um unseren Globus. www.orff.de

Carl Orff Museum Das Carl Orff Museum zeigt Leben und Werk des Künstlers auf Schautafeln mit Bildern und Texten. Ein Touchscreen ermöglicht die Wiedergabe von Werkausschnitten, Musikbeispielen, Bühnenbildern, Noten und Handschriften. Eine Auswahl an Orff-Schulwerk-Instrumenten zum eigenen Musizieren ist vorhanden. Carl Orff Museum Hofmark 3, 86911 Dießen am Ammersee www.orff.de/institutionen/carl-orff-museum.html

Orff-Institut Salzburg Elementare Musik- und Tanzpädagogik Abteilung 12 der Universität Mozarteum www.orffinstitut.at

Gesellschaft „Förderer des Orff-Schulwerks“ Die österreichische Orff-Schulwerk Gesellschaft ist ein gemeinnütziger Verein, der umfassend und aktuell auf Gebieten Elementarer Musikund Tanzpädagogik informiert und seine Mitglieder ideell und materiell fördert. www.orff-schulwerk.at

Orff-Schulwerk Forum Salzburg © Orff Schulwerk

ULRIKE MEYERHOLZ Wie kamen Sie zu Orff? Meine Freundin Susanne aus Berlin erzählte mir unbedarftem, 18-jährigem „Landei“ im Frühjahr 1977 von dem Studium „Elementare Musik und Tanzpädagogik“ an der Musikhochschule Mozarteum, Abteilung Orff-Institut in Salzburg. Eigentlich wollte ich Medizin studieren, stand aber wegen des hohen Numerus clausus auf der Warteliste. 3 ½ Monate später und nach fieberhaften Vorbereitungen war die Aufnahmeprüfung in Salzburg. Wir haben sie beide bestanden und vier Jahre lang jeden Tag dieses Studiums genossen! Ich bin sehr dankbar, dass ich anschließend doch noch Medizin studieren konnte und mich nach dieser wichtigen Erfahrung bewusst für ein Berufsleben mit Musik und Tanz entscheiden konnte. Was ist für Sie die Faszination von Orff? Da ich schon immer gern musiziert, gesungen

© Orff Schulwerk

und getanzt habe, hat die Verbindung von Musik, Rhythmus, Tanz und Sprache einen Nerv bei mir getroffen. Es hat einfach alles für mich gestimmt! Bei besten Bedingungen studieren zu dürfen ist ein besonderes Geschenk: Die kleine Semestergruppe von 15 Studierenden ermöglichte eine intensive Auseinandersetzung mit dem Lehrstoff. Sich von zugewandten Lehrerpersönlichkeiten gefördert und gefordert fühlen und sich auf ausgesuchtem Instrumentarium in lichtdurchfluteten Unterrichtsräumen auszuprobieren ist eine große Ausnahme in der Studienlandschaft. Ich fühlte mich als Mensch gesehen und wertgeschätzt und erlebte auf unterschiedlichsten Ebenen, dass sich jeder mit seinen ganz eigenen Fähigkeiten mit Musik, Sprache, Rhythmus und Tanz ausdrücken und seine Persönlichkeit entwickeln kann. Was macht Orff mit einem? Ich fühlte mich durch das Studium gut für die Praxis gerüstet. Die vielen positiven Erfahrungen konnte ich in meiner Arbeit mit Kindergruppen, Jugendlichen und Erwachsenen einbringen und

© Orff Schulwerk

habe darauf immer gute Resonanz erfahren: Gemeinsam schöpferische Prozesse zu erleben ist enorm bereichernd und hält beweglich im Kopf und im Herzen. Man spürt täglich seinen Körper, seine Möglichkeiten und seine Grenzen. Die Arbeit mit den Kindern hält im Herzen jung, man bekommt viel mit, was die jungen Leute bewegt, man ist aber auch mehr in Sorge und sensibler und fragt sich häufig, was der übermäßige Konsum von digitalen Medien mit den Menschen macht. ULRIKE MEYERHOLZ 1977-81 Studium Musik- und Tanzerziehung an der Universität Mozarteum/Orff-Institut, Salzburg. Seit 1981 bis heute in Kindergärten und Musikschulen MFE, sieben Jahre Lehrtätigkeit an der Fachschule für Sozialpädagogik ev. Fröbelseminar Kassel. Von 1982 bis 1985 Medizinstudium in Mainz und Marburg. Seit 1992 bis heute Lehraufträge an der Universität KasselInstitut für Musik, Fortbildungsseminare im In- und Ausland, Autorentätigkeit. Seit 2003 Vorstandsmitglied der OrffSchulwerk Gesellschaft Deutschland e.V. Seit 2009 Dozentin für Elementare Musikpädagogik (EMP) an der Musikakademie der Stadt Kassel „Louis Spohr“.

1983 zunächst als „Orff-Zentrum“ von Univ. Prof. Dr. Hermann Regner gegründet, später umbenannt zu „Orff-Schulwerk Forum Salzburg“ agiert dieses heute als ein gemeinnütziger Verein und fördert in enger Zusammenarbeit mit der Carl Orff-Stiftung, dem Orff-Institut und den derzeit 44 weltweiten Orff-Schulwerk Gesellschaften die internationale Arbeit mit dem Orff-Schulwerk. www.orff-schulwerk-forum-salzburg.org

Orff-Schulwerk Gesellschaft Deutschland e.V. MUSIK + TANZ + ERZIEHUNG – die deutsche Orff-Schulwerk Gesellschaft fühlt sich den grundlegenden Ideen des Orff-Schulwerks und seiner zeitgemäßen Darstellung verpflichtet. Sie informiert über aktuelle Fragen der Elementaren Musik- und Bewegungserziehung und unterstützt die Arbeit in rund 20 Regionen innerhalb Deutschlands. www.orff-schulwerk.de

Orff Zentrum München Das Orff Zentrum München hat die wissenschaftliche Erforschung von Leben und Werk Carl Orffs zur Aufgabe. www.orff-zentrum.de


42  |  Klassik | Tipps

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Candida Höfer | Elbphilharmonie Hamburg Herzog & de Meuron Hamburg 2016 | © Candida Höfer / VG Bild Kunst, Bonn, 2016

Berlin

Hamburg

Elbphilharmonie Revisited Deichtorhallen Hamburg Halle für aktuelle Kunst 10.2. – 1.5.2017

Anlässlich der Eröffnung der Elbphilharmonie zeigen die Deichtorhallen Hamburg in Kooperation mit der HamburgMusik gGmbH und gefördert durch die Kulturbehörde eine großangelegte Ausstellung mit dem Titel »Elbphilharmonie Revisited«, die vom 10. Februar bis zum 1. Mai 2017 in der Halle für aktuelle Kunst der Deichtorhallen zu sehen sein wird. Seit vielen Jahrhunderten reagieren Künstler unmittelbar auf architektonische Kontexte und versuchen mit ihren Werken feste Grenzen zwischen visueller Kunst, Architektur und Design zu verwischen oder gar aufzulösen. Künstler sind häufig genug selbst Grenzgänger zwischen diesen Bereichen. Die Ausstellung »Elbphilharmonie Revisited« steht in dieser Tradition künstlerischer Reflexion und Adaption von Architektur. Es wurden für das Projekt international renommierte Künstler ausgewählt, die eine enge Beziehung zur Welt der Architektur verbindet und die sich von der mehrmonatigen Testphase des Gebäudes vor der Eröffnung künstlerisch inspirieren ließen.

Peter Buggenhout | Modell/Ideenskizze für eine Installation anläßlich der Ausstellung »Elbphilharmonie revisited« © Peter Buggenhout

Mit der Ausstellung »Elbphilharmonie Revisited« betreten die Deichtorhallen Neuland. Die Künstlerinnen und Künstler beschäftigen sich in ihren zumeist eigens für diese Ausstellung entwickelten Arbeiten mit ihrer Beziehung zur Architektur im Allgemeinen und dem Elbphilharmonie-Gebäude des Architekturbüros Herzog & de Meuron im Speziellen sowie mit der Beziehung des Gebäudes zu den Menschen. Sie sind in den verschiedensten Medien zu Hause – das Spektrum reicht von der Fotografie, über raumgreifende Installationen und Skulpturen bis hin zu filmischen Arbeiten. Auch wenn das Gebäude An-

Eröffnung Barenboim-Said Akademie – Pierre Boulez Saal © Jan Zappner

Sarah Morris | Finite and Infinite Games [Production Still], 2017 © Sarah Morris/Photographer: Wendy Bowman

lass und Ursprung der Ausstellungsidee war, haben die Künstler völlig unabhängig davon ihre Arbeiten entwickelt.

Barenboim-Said Akademie Im Oktober, zum Wintersemester 2016/2017, haben 37 junge Studierende aus dem Nahen Osten im Geist des West-Eastern Divan Orchestra ihre vierjährige Ausbildung an der Barenboim-Said Akademie in Berlin begonnen. Mit rund 90 Studierenden wird die Akademie 2018/19 voll ausgelastet sein. Im Sommer 2016 wurde die Barenboim-Said Akademie als Hochschule staatlich anerkannt. Der Bau der Barenboim-Said Akademie hat im Mai 2014 begonnen und wurde nach zweieinhalbjähriger Bauzeit Anfang Dezember 2016 eröffnet. Der vom amerikanischen Architekten Frank Gehry entworfene Konzertsaal ist ein Glanzlicht der Akademie. Die Architektur des Saals eröffnet eine außergewöhnliche Perspektive. Sie wird von zwei Ellipsen geprägt, deren Achsen so gegeneinander verschoben sind, dass der Anblick des Rangs einen Eindruck von Schwerelosigkeit vermittelt – er schwebt gleichsam im Raum. In das denkmalgeschützte Gebäude – das ehemalige Kulissenlager der Staatsoper – wurden rund 2.200 Kubikmeter Beton und 700 Tonnen Stahl verbaut. Es

entstanden Probe- und Seminarräume, ein Auditorium, eine Bibliothek, Büros und Garderoben. Die Idee der Akademie reflektiert die Geschichte des West-Eastern Divan Orchestra. Der Pianist und Generalmusikdirektor der Berliner Staatsoper, Daniel Barenboim, und der amerikanisch-palästinensische Literaturwissenschaftler Edward W. Said haben das Ensemble 1999 in Weimar gegründet. Es setzt sich in gleichen Teilen zusammen aus jungen israelischen und arabischen Musikern und hat sich inzwischen dank zahlreicher Konzerte in aller Welt einen hervorragenden Ruf erspielt. Die Gründung der Barenboim-Said Akademie im Jahr 2012 hat das erfolgreiche Projekt auf eine neue Ebene gehoben. Der Pierre Boulez Saal ist ein neuer Kammermusiksaal für die Musikstadt Berlin und Teil der BarenboimSaid Akademie. Die Vision für den Pierre Boulez Saal reflektiert den humanistischen Grundgedanken von Bildung durch Musik; in seinen Konzertprogrammen sollen sich Tradition und Erneuerung, Vertrautes und Fremdes gegenüberstehen. www.barenboim-said.com

So wird etwa die monumentale, klassische Erscheinung der Fotografien von Candida Höfer der pittoresken und dystopischen Unruhe in den Werken Peter Buggenhouts gegenüberstehen. Auch die künstlerischen Arbeiten etwa von Monica Bonvicini oder Sarah Morris setzten der auch optisch gewaltigen Inszenierung dieses Konzerthauses und der sich darum entwickelnden Wahrnehmung einer solchen Kulturmarke Überraschendes entgegen. Alle Künstler – darunter ferner Baltic Raw Org, Jean-Marc Bustamante, Janet Cardiff und George Bures Miller, Tacita Dean, Liam Gillick und Tomás Saraceno - sind mit hochinteressanten Werken vertreten, die subjektiv und assoziativ, polemisch und kritisch und/oder auch poetisch auf das Gebäude künstlerisch reagieren. So wird die Ausstellung »Elbphilharmonie Revisited« im Spannungsfeld des Diskurses von Architektur und bildender Kunst in vielfältiger Weise zum Nachdenken anregen und dafür sensibilisieren, die Elbphilharmonie ganz neu als menschlichen, musikalischen und politischen Lebensraum wahrzunehmen. Eine Ausstellung mit Beiträgen von Baltic Raw Org, Monica Bonvicini, Peter Buggenhout, Jean-Marc Bustamante, Janet Cardiff und George Bures Miller, Tacita Dean, Uli M. Fischer, Liam Gillick, Herzog & de Meuron, Candida Höfer, Sarah Morris, Thomas Ruff, Tomás Saraceno u.a. www.deichtorhallen.de

Dresden

Kraftwerke Mitte Das ehemalige Kraftwerk Mitte Dresden, ein imposantes Industriedenkmal aus dem 19. Jahrhundert, hat sich verwandelt. Dresden freut sich über einen einzigartigen Kunst-, Kultur- und Kreativstandort. Exzellente Lage, beeindruckende Architektur, innovative Ideen: Ein neuer Magnet mitten in Dresden. Am 16.12.2016 öffneten Staatsoperette Dresden und tjg. theater junge generation ihre Türen am neuen Standort mit einem offiziellen Festakt. Jetzt stehen die Türen der Theater im

neuen Haus offen. Neben den Theatern wird noch viel mehr geboten, von der Eventlocation Kraftwerk Mitte über die Musikhochschule bis zum Energiemuseum – den neuen Kulturstandort komplettieren Gastronomie, Inspiration und moderne Arbeitswelt: Für Büros, Ateliers und Ausstellungsräume gibt es interessante Mietangebote! www.kraftwerk-mitte-dresden.de


CARL | arttourist.com 1|2017

Festivals | 43

Weimar

58. Weimarer Meisterkurse 15. – 29.7.2017

© Guido Werner

Von den Meistern lernen, intensives Auseinandersetzen mit Spieltechnik und musikalischer Interpretation, den künstlerischen Horizont erweitern – diesem Anspruch haben sich die Weimarer Meisterkurse verschrieben. Vom 15. bis 29. Juli 2017 kommen in der Stadt an der Ilm junge musikalische Talente aus aller Welt und international renommierte GastprofessorInnen zur intensiven Arbeit zusammen. „Zu den Meisterkursen zu kommen ist für mich jedes Mal wie nach Hause zu kommen. Die wunderbare Atmosphäre überträgt sich von den Ortsansässigen auf alle angereisten Musikerinnen und Musiker. Außerdem liebe ich das Flair dieser Stadt. Die Woche in Weimar gehört zu meinem regelmäßigen Sommerleben.“  Michael Sanderling

Genaux (Gesang/ BarockoAls zweiwöchiges Festival, per) und Christian Wetzel eingebettet in den Weimarer (Oboe). Midori Goto wird Sommer, sind die Weimarer wieder einen Kurs in VioMeisterkurse auch beim PuChristian Wetzel Jens-Peter Maintz Midori Goto line geben, Arie Vardi und blikum kein Geheimtipp © Privatarchiv des Künstlers © Mat Hennek © Timothy-Greenfield Sanders Janina Fialkowska in Klamehr. Bieten sie doch mehr vier. Eine Besonderheit ist der Meisterkurs für Orchesterstudio ist öffentlich und gibt den als nur Konzertabende. Einen unmittelbaren Jazzklavier mit Marc Copland aus den USA. Blick auf den musikalischen EntstehungsproEinblick in die musikalische Arbeit ermögzess frei. Eine besondere Anerkennung winkt licht die für das Publikum öffentliche KursarDie abendlichen Konzertangebote der Weiden besten TeilnehmerInnen: Sie konzertiebeit. Hier ist der Hörer hautnah dabei, wenn marer Meisterkurse werden auch in diesem ren gemeinsam mit der Jenaer Philharmonie am musikalischen Stück geprobt und an der Jahr ergänzt um die bewährte Musikfilmbeim großen Abschlusskonzert „Die Besten Bühnendarbietung gefeilt wird. WerkstatReihe in Kooperation mit dem Kommunalen zum Schluss“ in der Weimarhalle. tatmosphäre bietet das Orchesterstudio der Kino mon ami. Jenaer Philharmonie. KursteilnehmerInnen Die Liste der Gastprofessoren für 2017 liest entwickeln hier gemeinsam mit dem OrchesDas ausführliche Programm der Weimarer sich wie das Who is Who der Klassikszeter Werke des Konzertrepertoires. Sie arbeiten Meisterkurse 2017 finden Sie unter ne: Zugesagt haben u.a. Bob van Asperen sich konzentriert durch ganze Sätze, verfeiwww.hfm-weimar.de/meisterkurse (Cembalo), Barthold Kuijken (Flöte), Vivica nern das Spiel kleinerer Passagen. Auch das

Erfurt

Thüringer Bachwochen 2017

Auf den Spuren Bachs und Luthers in der Mitte Deutschlands 7.4. – 1.5.2017 Das kleine Thüringen mag man zunächst eher mit seiner schönen Natur in Verbindung bringen – vor allem seine Kulturgeschichte ist es, die kaum zu übertreffen scheint. Seit auf der Wartburg Martin Luther das Neue Testament ins Deutsche übersetzte, wurden hier wichtige theologische und politische, gesellschaftliche und musikalische Akzente gesetzt. Namen wie Goethe und Schiller, Liszt, Wagner oder das Bauhaus sind untrennbar mit Thüringen verbunden. Doch vor allem Johann Sebastian Bach hat hier Spuren hinterlassen: Mit dem Bachhaus und der Taufkirche in Eisenach, der Traukirche in Dornheim, den frühen Wirkungsstätten als Organist in Mühlhausen, Arnstadt und Weimar sowie den Häusern der Vorfahren in Erfurt und Wechmar verfügt Thüringen über eine Vielzahl authentischer Bachorte. Diese eindrucksvollen Schauplätze bilden den Rahmen für die „Thüringer Bachwochen“, das größte Musikfestival des Landes, das alljährlich Bach-Freunde aus aller Welt anzieht. Die „ultimative Bach-Pilgerreise“ (BBC Music Magazine) reicht dabei von den Anfängen bis in die Moderne und schlägt einen Bogen von den großen Passionen am Taufstein in Eisenach hin zu Bach-Tanztheater und BarockLounges, die Bachs Klänge elektronisch remixen. Große Namen geben

sich dabei die Klinke in die Hand: 2017 werden etwa der Tölzer Knabenchor zu erleben sein, Star-Pianist Tzimon Barto, die Blechbläser-Stars von „Canadian Brass“ oder das BarockEnsemble „L’Arpeggiata“. Daneben zeigen Nachwuchs-Talente wie Cembalist Jean Rondeau und das Frankfurter Vox Orchester ihr Können. Im Reformationsjahr 2017 widmet sich ein Schwerpunkt darüber hinaus Martin Luther, war der große Reformator in seiner Kindheit doch (so wie Bach) KurrendeSänger an Eisenachs Georgenkirche. Dort wird gebündelt am letzten Aprilwochenende ein Musikfest zu Luthers Ehren stattfinden, mit Konzerten des Dresdner Kreuzchores, des Berliner Vocalconsorts oder von Klarinettist Jörg Widmann, Exkursionen führen darüber hinaus zu weiteren Luther-Orten in Schmalkalden oder der Landeshauptstadt Erfurt. Den gegenreformatorischen Kontrapunkt übernimmt das Ensemble „Concerto Romano“ in Weimar, wenn in der Osternacht geheime Klänge aus der Sixtinischen Kapelle zum Leben erweckt werden. So bieten sich ideale Chancen, sich musikalisch vielfältig auf eine Geschichtsreise zu begeben – Begegnungen mit Bach und Luther eingeschlossen.

Jörg Widmann | © Marco Borggreve

www.thueringer-bachwochen.de

Christina Pluhar, L’Arpeggiata | © Marco Borggreve

Cellist Pieter Wispelwey auf der Wartburg | © Marco Borggreve


44  |  Festivals | Tipps

CARL | arttourist.com 1|2017

Weitere Festivaltipps Gohrisch Internationale Schostakowitsch Tage Gohrisch An drei Tagen im Jahr wird der Luftkurort Gohrisch zum Mekka der Schostakowitsch-Freunde aus aller Welt: Seit 2010 finden hier in Kooperation mit der Staatskapelle Dresden die Internationalen Schostakowitsch Tage statt. Dmitri Schostakowitsch komponierte 1960 in Gohrisch sein berühmtes achtes Streichquartett, mit dem er seinem Leiden unter dem Sowjetregime in bedrückender Weise Ausdruck verlieh. Der achte Festivaljahrgang stellt dem Oeuvre von Schostakowitsch die Komponisten Mieczysław Weinberg und Sofia Gubaidulina gegenüber. Weinbergs Biografie ist durch schwere Schicksalsschläge gekennzeichnet, er wurde von den Nationalsozialisten vertrieben und sah sich auch in der Sowjetunion antisemitischer Hetze ausgesetzt. Verarbeitet hat er dies in einer Musik voller Tragik, aber auch mit sublimiertem Humor. Mit Schostakowitsch verband ihn gegenseitige Bewunderung und eine herzliche Freundschaft. Auch Sofia Gubaidulina war Schostakowitsch eng verbunden – er war es, der sie darin bestärkte, ihren eigenen Weg zu gehen, ganz „sie selbst zu sein“. Dieser Anspruch ist in ihrer konzentrierten und spirituellen Musiksprache bis heute erkennbar. Allein vier Uraufführungen hält das diesjährige Programm der Schostakowitsch Tage bereit, darunter eine von Schostakowitsch! Viele international

renommierte

Künstler

werden wieder in der Gohrischer Konzertscheune erwartet, deren außergewöhnliche Akustik jedes Konzert zum Erlebnis werden lässt.

Weißenfels, Zeitz, Bad Köstritz, Gera und Dresden

Heinrich Schütz Musikfest 6. – 15.10.2017

Internationale Schostakowitsch Tage Gohrisch 23. – 25. Juni 2017 www.schostakowitsch-tage.de In Kooperation mit der Sächsischen Staatskapelle Dresden

mitreißenden, die wilden und die hoch artifiziellen

„Aus Liebe zur Wahrheit“ hat Martin Luther die Welt verändert. Er und unzählige Mitstreiter schufen eine bis heute wirkmächtige Bewusstseinszäsur. Die Menschen standen auf und schleuderten das Rad der Geschichte aus eingefahrenen Bahnen. Das Heinrich Schütz Musikfest 2017 liefert den Soundtrack zu diesen epochemachenden Bewegungen nach 1517. Doch handelt es sich keineswegs um eine museale Rückschau: Ein Vorreiter der Moderne, ein konfessioneller Kosmopolit, ein Meister des musikalischen Ausdrucks, ein Wegbereiter … all das war Heinrich Schütz. Daher hat er uns heute immer noch – oder schon wieder – Viel zu sagen. Das mag im Reformationsjubiläumsjahr naheliegend erscheinen, war er doch für die großen Reformationsfeierlichkeiten 1617 in Dresden musikalisch verantwortlich, doch erweisen die facettenreichen Programme des Heinrich Schütz Musikfests alljährlich, dass es hier um Mehr geht als nur das Begehen einer runden Zahl. Glaubenstrost und Lebenslust, ein weiter, kritischer Geist, ein menschenfreundliches Herz zeichneten den Sagittarius aus – und sprechen in höchster Aktualität aus seinen Werken zu uns heute. Alte Musik in ihrer gegenwärtigen Lebendigkeit. Die international gefeierte Gambistin Hille Perl ist artist in residence des

Heinrich Schütz Musikfests 2017. Sie formuliert diesen Anspruch so: „Wahrscheinlich müssen wir selbst die Augen und Ohren und das Gewissen des Schöpfers der Welt sein.“ In ihren Auftaktkonzerten, zu denen sie namhafte Freunde und Kollegen eingeladen hat, in ihren Gesprächskonzerten, Workshops und beim Abschlusskonzert gemeinsam mit dem Ensemble Sarband, tanzenden Derwischen und dem Leipziger Synagogalchor wird sie uns ihr Credo klingend und klangfarbenreich vor Augen und Ohren führen. Freuen Sie sich also auf eine Künstlerin voll überbordender Kreativität, revolutionärem Geist und gesellschaftlichem Verantwortungsbewusstsein. Das Heinrich Schütz Musikfest wird auch 2017 an den wichtigsten Lebensstationen Schütz‘ in Weißenfels, Zeitz, Bad Köstritz, Gera und Dresden stattfinden – mit maßstabsetzende Interpretationen durch führende Ensemble der Alten Musik an authentischen und atmosphärisch einzigartigen Spielstätten Mitteldeutschlands. Und so vielfältig wie diese Kulturregion ist auch das Programm: historische Klangbilder treffen auf zeitgenössische Aneignungen und stilistische Grenzgänger zwischen Frühbarock, Weltmusik und Jazz. Programm und Vorverkauf ab 1.5.2017. www.schütz-musikfest.de

Formen des Miteinanders von Musik und Tanz, von den rituellen Tänzen der frühen Kulturen über große Ballettmusik bis zu Tango und Walzer. Calmus Zandel 2016 | © Irène Zandel

Weimar Güldener Herbst 2017

Das Highlight des Festivals: Rossballettpferde Epona © Werner Kmetitsch

„La Margarita“ im Barockschloss von Schielleiten.

Calmus_Zandel2016_01_© Irène Zandel

Hier wird mit Ausschnitten aus Cestis „Il Pomo

Der GÜLDENE HERBST 2017 – Festival Alter Musik

d’oro“ die Oper rund um die Hochzeit Kaiser Leo-

in Thüringen steht unter dem Motto „Soli Deo Glo-

polds I. in Wien 1667 wiedererweckt. Im Zentrum

ria”. Calmus Ensemble, Capella de la Torre, Musica

das barocke Rossballett zu originaler Musik von J.

Fiorita oder Weser-Renaissance konzertieren vom

H. Schmelzer, dazu Top-Kulinarik (vom Picknick im

29. September bis 15. Oktober in Weimar, Erfurt,

Schlosspark bis zur Champagner Lounge).

Rudolstadt und mehr, mit Schätzen der Reforma-

23.6. – 23.7.2017 | www.styriarte.com

tionszeit aus Schlössern und Kirchen. Bei den 10. Collegium Marianum Prag am 10. September in

Greifswald Eldenaer Jazz Evenings

Goldbach bei Gotha unikat überlieferte Werke von

Genießen Sie 2 Abende mit je 3 Konzerten in bezau-

Telemann und Benda aus dem dortigen Pfarrarchiv.

bernder Atmosphäre. „Die Konzertnächte beginnen

2018 folgen weitere Entdeckungen!

in der Abendsonne, die die backsteinroten Mauern

www.gueldener-herbst.de

im zum Himmel of-

Thüringer Adjuvantentagen 2017 präsentiert das

fenen Konzertraum

Davos (CH) DAVOS FESTIVAL 2017 – ein einziger Spielplatz

fast magisch zum Leuchten

bringt“

(Heti Brunzel/NDR)

DF_17_A4_Festival_RZ_Layout 1 05.12.16 15:32 Seite 1

Im Sommer begibt

und enden kurz vor

sich das 32. DAVOS

Mitternacht inmit-

FESTIVAL mitten auf

ten des durch Caspar David Friedrich berühmt ge-

den SPIELPLATZ des

wordenen Symbols der deutschen Romantik.

Lebens und lädt ein,

Mit 3 Bigbands, von Jazz-Standards bis Avantgarde-

Musik als verblüffend

Sound, 2 hervorragende Piano-Trios und die multi-

verspielte Kunst der

5. – 19. AUGUST 2017

Gegenwart zu erkunden. Geraten Sie bei Bach spielerisch aus

Eldenaer Jazz Evenings im Hellen © Philipp Schroeder, Lensescape.org

linguale Natalia Mateo 30.6./1.7.17, Klosterruine Eldena, Greifswald www.eldenaer-jazz-evenings.de

SPIELPLATZ

1:1 bedeutet. Treten Sie mit uns und dem genialen

Innsbruck (A) Die Liebe, sprach sie… Innsbrucker Festwochen der Alten Musik 2017 450 Jahre Monteverdi

Erfinder und Komponisten Arnold Schönberg als

Der am 15. Mai 1567 in Cremona getaufte Clau-

Bohème Sauvage in den Schatzalp-Spielsalon der

dio Zuan Antonio Monteverdi hat wie kaum ein

20er Jahre ein. Erkunden Sie das Kinderspiel bei ei-

anderer Komponist die abendländische Musikkul-

nem Workshop beim Selberbauen von originellsten

tur beeinflusst. Allein seine „Erfindung“ des Basso

Instrumenten. 80 junge Musiker aus aller Welt be-

ostinato wirkt sich bis

geben sich in über 50 Konzerten vom 5.-19. August

hin zum Jazz und Rock

2017 auf diverse Spielfelder. Spielen Sie mit!

aus und seine Opern

5. – 19.8.2017 | www.davosfestival.ch

prägten nachhaltig die

den

(wohlkonstru-

ierten) Fugen. Würfeln Sie Ihre persönliche Mozart Komposition und erleben Sie in der DAVOS FESTIVAL Spielbox, was

Graz (A) styriarte 2017 Tanz des Lebens Im Sommer 2017 geht es bei der styriarte in Graz und der Steiermark um all die faszinierenden und

Entwicklung des Musiktheaters. Seit im Jahr 1977 der von John Eliot Gardiner geleitete MonFORTSETZUNG AUF SEITE 92


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Literatur | 45

IT IS LIKE A DRUG.

Edward van de Vendel: „I am addicted to write books!” Winner of the German Children's Literature Award 2016 Edward you just won the „German Children's Literature Award“ („Deutscher Jugendliteraturpreis“) for the best picture book „The Dog That Nino Didn't Have“. Congratulations! I was absolutely sure that we wouldn’t get the prize. I was the third time nominated, so we were really cool ‘till the moment they said, „the nominated are…“ I am well aware of the significance of this prestigious award. What does it means to win the prize for this picture book? I also loved the nominations with my two other books - but this is fantastic! I wrote the book for the young illustrator Anton van Hertbruggen. It was his first book. I saw Anton’s work at an exhibition of his art school when he was in the second year. I loved his work and I just wanted to make a book with him. I really made the story about Nino for him. Lucky him! Lucky me! Anton really wanted to put all of his effort into the book. And I learned a lot in this collaboration. This book taught me to restrict myself and the text. To leave the storytelling to the illustrator. A good picture book is a book where the text can’t be read without the pictures. If you just read the text from this book you don’t understand it. It really becomes a story when you see the pictures. The book is not an easy read. It is about a boy who fled into a fantasy world. The pictures by the young illustrator take the reader even into an entire

EDVARD VAN DE VEDEL 1964, Leerdam. All-round Jugendbuchautor. Ehemaliger Schuldirektor. Nach seinem Abschluss an der Pädagogischen Akademie gründete Edward van de Vendel eine Grundschule und wurde deren Direktor. Danach zog er es vor, selbst zu unterrichten, bis er sich schließlich für die Schriftstellerei entschied, denn hier konnte er sein Talent und seinen Idealismus am besten ausleben. Er schrieb zwei Gedichtbände für Kinder, bevor er 1999 mit Gijsbrecht, einer poetischen

imaginary world. What did the cooperation look like? It was difficult for Anton to illustrate something that is invisible. Anton had to find a way to draw a dog that is not there. He tried many ideas, and he took four or five months to find a solution. The main thing for me is that Anton took the text and made it his own. It was him adding the whole universe to the story. The psychological part of the story is mine. But he created the surroundings for the father. I have only written that the father is far away but he makes him into a pilot, calling with an old fashioned phone from a country far away. There is so much psychology added by Anton. We didn’t talk much about it but he felt a lot of things. The “German Children's Literature Award“ awarded also the german translator Ralf Erldorf for his delicate translation. The is a beautiful aspect of the prize. Ralf translated all of my books into german. He is my german tongue. If you read the text to children they have the feeling that someone wrote the text in german. Ralf is really close to the original text, to the rhythm, to the music. He is not only the translator but also the one who talks about my books to german publishers. I totally trust him. You got the award for the best picture book. What makes a good book for you? That is a difficult question (he laughs), but I have already an answer. If you ask children this question they say: funny, thrilling or touching. If you ask grown-ups they will say: a good book has to have a good style,

Adaption des niederländischen Klassikers aus dem 17. Jahrhundert, den Durchbruch schaffte. Dafür erhielt er den angesehenen Gouden Zoen, den er im Jahr darauf noch einmal gewann. Diesmal für ein völlig anderes Buch: den Young Adult Roman Dagen van de Bluegrassliefde. Für Dom konijn, ein Bilderbuch für Kinder, erhielt er den Zilveren Penseel. Van de Vendel wurde bald zu einem der vielseitigsten niederländischen Jugendbuchautoren. Sein umfangreiches OEuvre umfasst beinahe sämtliche Genres, von Prosa – Fiction und Non-Fiction – zu Poesie, Liederund Theatertexten über Cross-over Bücher wie Sofie en de pinguïns, in dem er eine Geschichte mit Comiczeichnungen, Foto Comics und Infokästen kombiniert. In De gelukvinder (2008), das er zusammen mit Anoush Elman schrieb, einem in die Niederlande geflüchteten Afghanen, zeigt sich sein Gespür für soziokulturelle Fragen. Zweimal gewann Van de Vendel den Woutertje Pieterse Preis, den bedeutendsten Kinderbuchpreis der Niederlande, zunächst für Superguppie (2004) und nun auch für Stem op de okapi (2016). Van de Vendel wohnt in Rotterdam und ist Gastdozent an der Kunsthochschule in Utrecht. Sein Werk wurde in mehr als 25 Sprachen übersetzt.

it has to be original and the writing has to be very good. I think: a good book should always have something from the children’s and the grown-ups’ criteria. I don’t like books that are really thrilling but badly written. But I also don’t like books that are really well written but slow and boring and dealing with things only grownups are occupied with. What is a good book for young readers? When you get older you always remember books from the time when you were young. And often these books have something in common: It is not just a book but there is a danger in the book. Friendship is important and you had to overcome something in the end cause you had to be brave. The big topics the children care about are the same topics adults care about: Who am I? Who are my friends? Betrayal. Love. All these things are the topics in children’s books – maybe in a different way. I think stories that encourage you - even for life - these are the really good books. What drives you to write? It is the best thing in my life! I am infatuated with books and the way they come to life. What I also like is the collaboration with the illustrators – it is fantastic! When I was small I wanted to write songs cause I thought: I can write thy lyrics and someone else will make it more beautiful by adding a composition to it and by singing my words. It is the collaboration that adds – if things go right – more to the original. This is amazing! I don’t know how these things work (he laughs). I also don’t know how to write a book, of course I know how to start, but there are so may mysterious things in the process - I am addicted to it. The publisher plays also an important role in the process. What makes a good publisher for you? The nice thing about books is that you can never predict which books will be selling well or not. To some extent you can but in the end you simply cannot. Who would have thought that for instance John Green who doesn’t write the easiest books will be such a bestselling author? So I think a publisher should be daring and should be a book lover.

Yes! The new ideas just pile up in my head and then they cluster into a bigger idea. It takes years for the ideas to grow into a book. I am much addicted to making new books, new titles and new ideas. But that is difficult sometimes because there are to many ideas. At the moment I have 12 books in my head. I know the title, I know what it should be about and what kind of book it should be. I just have to write them (he laughs) But: there always has to be a kind of emergency to write them. Every author struggles in the process of writing a book. What is the hardest thing about writing for you? Everything is hard about writing! (he laughs) Getting going is so difficult. Every morning I come up with some excuse: „I don’t have to, it’s to difficult, I am not concentrated enough,I need to answer my emails“. Most of the time I have the feeling I have to get something out of the air but I don’t know how - it is too difficult for me. Why am I doing this? (he laughs) But then there is the miracle when it happens that you write just like a writing machine. And you have no notion of where you are! You are just in the story and you look up from your book and it is two hours later. That doesn’t happen often but this is so addictive. When that happens everything is ok. What do you find most interesting about your literary characters? The great novelist Aidan Chambers from the United Kingdom once said: A real authorship is that some main characters pop up in your head and you have no idea what these people want. And that is what you are going to do: discover what she or he wants. I don’t want to say that I am a real author but I think this is really the way: you trying to find out why this one person is so intriguing to you. Which writers inspire you? For me it’s Astrid Lindgren. I really think for me it is good to read her books over and over again. There are a few of her from the

DER HUND, DEN NINO NICHT HATTE Ein atmosphärisches Meisterwerk über einen unsichtbaren Freund Nino hatte einen Hund, den er nicht hatte. Einen Fantasiehund. Der traute sich alles, er machte alles, er verstand alles!
 Eines Tages schenken Ninos Eltern ihm einen richtigen Hund. Aber traut sich der Hund auch alles? Macht der Hund auch alles? Versteht der Hund, was der Fantasiehund verstand? Eine einfühlsame Geschichte über die sympathischen Freunde, die so manche Kinder täglich begleiten – ob Hund, heimlicher Zwilling oder welch unsichtbarer Lausbub auch immer … Ein Schmunzelbuch für Eltern und ein besonderes Schmuckstück für Sammler. Anton van Hertbruggens Debüt wurde mehrfach international preisgekrönt! Edward van de Vendel DER HUND, DEN NINO NICHT HATTE Illustrationen von Anton van Hertbruggen Aus dem Niederländischen von Rolf Erdorf ab 3 Jahren | 40 Seiten | 24 x 34 cm | vollfarbig | ISBN 978-3-85581-552-4

early fifties that are not very well known and I grant myself one unknown Astrid Lindgren book every three years before they are all gone. I am reading her to learn how she did things. For instance to read her book „brothers lionheart“ from time is so important for me. And of course there are some dutch writers who influenced me. Guus Kuijer, the most known dutch writer. is my all time idol. I think it is also important to know where the literature in your country comes from. From all the books you have read: Who is your favorite literary character? That is easy: Jonathan from Astrid Lindgren’s „brothers lionheart“. He is the older brother and he is like a hero. His little brother, actually the main character, is looking up to his big brother but he finds out that he also has problems. I think it is fantastic to see why Jonathan does what he does. Why he is addicted to beeing brave. I am still looking at him and try to find out how Astrid Lindgren did it.

rassing. Not many people know that when I was young I was a big fishlover. I was not fishing because I didn’t dare to take out the hook out of a fish. No, but I loved tropical fishes! I had several aquariums. But I lived in a very small town so in order to buy a fish I had to bike for an hour. They sold the fishes in a plastic bag. But a tropical fish is a tropical fish because it needs warm water! When I was biking back I had to hide the fish under my jacket, on my body next my heart to keep them warm. Really! There I was, as a child of ten years old, biking home for an hour with my sweet tropical fish on my heart and I could feel them bumping on my skin. I think I have never told this to anyone before (he smiles).  DAS GESPRÄCH FÜHRTE 

BIRTE HENDRICKS

„Den Menschen eine Stimme geben.“ Birte Hendricks, Studium der Germanistik und Pädagogik, Moderatorin für Lesungen und kulturelle Veranstaltungen, freie Autorin für Verlage, Print- und Onlinemagazine sowie Kulturinstitutionen. Projektleitungen für das internationale

You have told so many stories, even with biographical topics. Can you tell something that nobody knows about you? (He laughs) What a difficult question! Now I should find something that is not to embar-

literaturfestival berlin. Ihre Interessengebiete sind Kinder- und Jugendliteratur, interkultureller Austausch und Tanz. Während ihrer Auslandaufenthalte interviewt und portraitiert sie Reisende, Tänzer und junge Frauen, besonders in Indien und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Birte Hendricks lebt in Berlin.

DEUTSCHER JUGENDLITERATURPREIS 2017 Die Nominierungen zum Deutschen Jugendliteraturpreis werden am 23. März auf der Leipziger Buchmesse bekanntgegeben. Die Kritikerjury prämiert je ein Bilder-, Kinder-, Jugend- sowie Sachbuch aus der Produktion 2016. Die Jugendjury vergibt ihren eigenen Preis. Alle Spartenpreise sind mit je 10.000 Euro dotiert. Der Sonderpreis „Gesamtwerk“ des Deutschen Jugendliteraturpreises in Höhe von 12.000 Euro wird an eine deutsche Autorin bzw. einen deutschen Autor vergeben. Erstmals wird der Sonderpreis „Neue Talente“ verliehen, 2017 an eine/n deutsche/n Autor/in, die bzw. der 2016 ein erstes

You are daring, you are even addicted to writing. Do you always have new ideas for books?

herausragendes literarisches Werk vorgelegt hat. Dieser Sonderpreis ist mit 10.000 Euro dotiert und wird wie der Sonderpreis „Gesamtwerk“ künftig im jährlichen Wechsel an deutsche Autoren, Illustratoren und Übersetzer vergeben. Stifter des Preises ist das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Information: www.jugendliteratur.org


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CARL | arttourist.com 1|2017

Literaturstadt Heidelberg Heidelberg ist Deutschlands erste UNESCO City of Literature

City of Literature Heidelberg | Foto: Dorn

Im Gespräch erläutert Dr. Andrea Edel, Leiterin des Kulturamts der Stadt Heidelberg und Projektleiterin der UNESCO City of Literature Heidelberg, was es mit dem Creative Cities-Netzwerk der UNESCO auf sich hat und stellt die reichhaltige Literaturszene der Neckarstadt vor. Heidelberg ist eine UNESCO City of Literature. Was muss man sich darunter vorstellen und wie kam es dazu? 2004 rief die UNESCO das Programm des „Creative Cities Network“ ins Leben. Städte, die sich durch eine herausragende Stellung in einem der sieben Bereiche Film, Musik, Design, Gastronomie, Medienkunst, Kunsthandwerk/Volkskunst oder Literatur auszeichnen und dem kreativen Sektor einen wesentlichen Wert in der Stadtentwicklung einräumen, können sich bei der UNESCO-Kommission in Paris für das Programm bewerben. Eine UNESCO Creative City zu sein bedeutet aber nicht, einen reinen Ehrentitel tragen zu dürfen. Es ist vielmehr eine Selbstverpflichtung, aktiv in dem weltweiten Netzwerk mitzuarbeiten. Mit der Auszeichnung verfolgt die UNESCO das Ziel, dass sich die Städte unter-

einander und im direkten Kontakt intensiv austauschen, ihr Wissen, ihre Erfahrungen und Ideen teilen und interdisziplinär kooperieren. In den Städten sollen dadurch die Kunstproduktion erhöht, die Kreativwirtschaft gestärkt, die Internationalität der Kulturschaffenden mit Austauschprogrammen gefördert, die Partizipationsmöglichkeiten am kulturellen Leben für alle Bevölkerungsgruppen optimiert sowie Kultur und Kreativität als fester Bestandteil der Stadtentwicklung nachhaltig verankert werden. Auf Initiative des Heidelberger Bürgermeisters für Kultur, Familie und Soziales, Dr. Joachim Gerner, hatte ein 15-köpfiges Expertenkommitee aus Literatur- und Kreativschaffenden die Bewerbung der Stadt ausgearbeitet. Zeitgleich mit den deutschen Städten Mannheim und Hannover – beide UNESCO

Cities of Music – erhielt Heidelberg am 1. Dezember 2014 den Titel als UNESCO-Literaturstadt. Bislang sind somit – mit Berlin als City of Design – vier deutsche Städte Mitglied im UNESCO-Netzwerk, Heidelberg als bislang einzige deutsche Literaturstadt. Mit welchen Literaturstädten kann Heidelberg sich als einzige deutsche UNESCO City of Literature seitdem vernetzen? Weltweit gibt es derzeit zwanzig UNESCO-Literaturstädte: Bagdad, Barcelona, Dublin, Dunedin, Edinburgh, Granada, Heidelberg, Iowa City, Krakau, Ljubljana, Lwiw, Melbourne, Montevideo, Norwich, Nottingham, Óbidos, Prag, Reykjavík, Uljanowsk und Tartu. Mit diesen Städten stehen wir in intensivem Kontakt. Vertreterinnen und Vertreter dieser Untergrup-

Expedition Poesie | Foto: Christian Buck

pe im UNESCO-Netzwerk der kreativen Städte treffen sich zweimal im Jahr persönlich, um gemeinsame Ausrichtungen und Projekte abzustimmen. Doch sind Kooperationen nicht nur unter den Literaturstädten möglich. Gerade die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Städten anderer Sparten ist hinsichtlich der interkulturellen Verständigung und der Erweiterung der kreativen Möglichkeiten ausdrücklich erwünscht. Und selbstverständlich konzentrieren sich unsere Kooperationen nicht nur auf das UNESCO-Netzwerk. Viele Städte sind für uns als Literaturstädte von Weltrang auch ohne den UNESCO-Titel von wesentlicher Bedeutung. So konnten wir 2016 z. B. neben der UNESCO City of Literature Granada auch zusammen mit dem Staatlichen Literaturmuseum in Moskau eine Ausstellung zu Ehren des russisch-jüdischen

Dichters Ossip Mandelstam (1891-1938) realisieren, der einst in Heidelberg zu dichten begann. Darüber hinaus haben wir als UNESCO City of Literature den Auftrag, für die Freiheit des Wortes zu kämpfen und unser Know-how mit Städten im globalen Süden, die noch über eine weniger etablierte Kulturszene oder Kreativwirtschaft verfügen, zu teilen und sie in Kooperationen einzubinden. Wodurch zeichnet sich die Stadt als Literaturstadt aus? Heidelberg hat natürlich eine lange und eindrucksvolle literarische Geschichte – man denke beispielsweise an die berühmte Bibliotheca Palatina und den Codex Manesse, der sich in der Universitätsbibliothek Heidelberg befindet, an die Heidelberger Romantik, Dichter wie Achim von Arnim, Clemens Brentano und Friedrich Höl-

derlin, oder an Stefan George und Hilde Domin. Umfassend die Geistesgrößen zu nennen, die an der „Ruperto Carola“ als Deutschlands ältester Universität tätig waren, wäre ein anspruchsvolles Unterfangen – erwähnen möchte ich stellvertretend Max Weber, Karl Jaspers und Hans-Georg Gadamer. Doch bei aller Tradition und Geschichtsträchtigkeit, die unsere Stadt in kreativer und literarischer Hinsicht auszeichnen, ist die überaus aktive und breit aufgestellte gegenwärtige Szene das ausschlaggebende Kriterium für eine UNESCO Creative City. Rund 120 Autorinnen und Autoren leben in und um Heidelberg, von der lebendigen und durch ein renommiertes universitäres Übersetzungsinstitut flankierte Übersetzerszene ganz zu schweigen. Knapp 50 Verlage sind in Heidelberg beheimatet – von großen Wissen-

Eröffnung Mandelstam-Ausstellung | Foto: Konrad Gös


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Literatur | Heidelberg  |  47

Highlights in Heidelberg Ausstellung | „Aufs Maul geschaut. Mit Luther in die Welt der Wörter“

Lesefest in der Stadtbücherei

schaftsverlagen wie Winter oder Springer bis zu renommierten Independent-Verlagen wie Das Wunderhorn oder Draupadi. Die Buchhandlungsdichte in Heidelberg ist so hoch wie in kaum einer anderen deutschen Stadt: Bei rund 150.000 Einwohnerinnen und Einwohnern kommen im Schnitt 1,5 Läden auf 10.000 Menschen. Da wird allein schon der Einkaufsbummel zum literarischen Stadtspaziergang. Doch natürlich ist die Literaturgeschichte der Stadt und die literarische Gegenwart ebenfalls in einer Vielzahl an qualifizierten themenbezogenen Stadtführungen zu erleben, die man bei den Heidelberger Gästeführern e.V. oder über Heidelberg Marketing buchen kann. Die Tage kann man in Heidelberg nahezu immer mit dem Besuch eines literarischen Abendprogramms ausklingen lassen: Es vergeht kein Tag, an dem nicht eine Lesung, ein Poetry Slam, Theatervorstellungen oder ähnliches stattfinden. Hierzu tragen nicht nur die großen Kulturinstitutionen der Stadt bei – wie das Deutsch-Amerikanische Institut, das Interkulturelle Zentrum, das Kulturhaus Karlstorbahnhof, die Stadtbücherei, das Theater und Orchester Heidelberg oder die Universität Heidelberg mit ihren Tagungen und Podiumsveranstaltungen –, sondern auch die Mannigfaltigkeit an literarischen Salons und Gesellschaften, studentischen Autoren- und Dichtergruppen oder die Literaturcafés. Wie sieht es denn mit literarischen Festivals in Heidelberg aus? Im Frühsommer finden sich Literaturinteressierte im Spiegelzelt mitten in der Altstadt zu den seit 1994 mit deutschsprachigen und internationalen Gastautorinnen und –autoren stattfindenden „Heidelberger Literaturtagen“ ein. Im Herbst präsentiert der „Literaturherbst Heidelberg“ seit zwei Jahren erfolgreich Schriftstellerinnen und Schriftsteller der Region an Orten im gesamten Stadtgebiet. Ein besonderes Event ist das „Literaturcamp Heidelberg“, das am 24. und 25. Juni 2017 zum zweiten Mal im Format eines „Barcamps“ stattfindet. 2016 fanden sich zu den rund 60 DiskussionSessions über 150 Literaturenthusiasten in Heidelberg ein. Da Heidelberg als UNESCO City of Literature aber auch und gerade durch interdisziplinäre Kooperationen gekennzeichnet ist, müssen an dieser Stelle auch etablierte Glanzlichter des Festivallebens wie der jährliche „Heidelberger Stückemarkt“ für neue Dramatik oder das Musikfestival „Heidelberger Frühling“ mit seinen internationalen Gastspielen und Programmen Erwähnung finden. Da wie Sie skizziert haben Heidelberg schon vor der Ernennung 2014 eine blühende Literaturlandschaft besaß – was

hat sich in der UNESCO City of Literature seitdem getan? Zunächst sind die Heidelberger Literaturakteure noch einmal deutlich näher zusammengerückt: Wir haben eine regelmäßig stattfindende Literaturversammlung etabliert, die alle professionell mit Literatur Befassten zusammenbringt – also AutorInnen, ÜbersetzerInnen, Verlage, Buchhandlungen und Antiquariate, JournalistInnen und weitere. Jede einzelne Branche hat sich zudem organisiert und SprecherInnen gewählt. In Arbeitsgruppen werden Projekte, die das reichhaltige Literaturprogramm Heidelbergs ergänzen sollen, gemeinsam geplant. Neben einer Vielzahl an kleineren Formaten möchte ich zur Illustration dieser Arbeitsweise gerne unser besagtes Großprojekt im Jahr 2016 anführen: „Ossip Mandelstam. Wort und Schicksal“ widmete dem russischen Poeten neben den Ausstellungen in Heidelberg und Granada auch eine umfassende Begleitpublikation auf Deutsch und Spanisch, an der AutorInnen, WissenschaftlerInnen und ÜbersetzerInnen aus Heidelberg und Granada beteiligt waren. Zudem gab es im Verlauf von zwei Monaten mit und für alle Bevölkerungsgruppen ein umfangreiches Rahmenprogramm, an dem Heidelberger Institutionen und über 100 Heidelberger Bürgerinnen und Bürger aktiv beteiligt waren. Projekte wie dieses anlässlich des 125. Geburtstages des Dichters bedienen Themen, die sonst womöglich keine Beachtung gefunden hätten, und setzen lokale Akteure in internationalen Kontakt. Darüber hinaus entstehen im Netzwerk viele kleine Kooperationsformate, welche die jeweilige Literatur der Bevölkerung der Partnerstädte näherbringt. Verstärkt kümmern wir uns hierbei um Übersetzungsprojekte nach dem Vorbild der Reihe „Versschmuggel“ vom Haus der Poesie Berlin und dem Heidelberger Verlag Das Wunderhorn und der „Poesie der Nachbarn“ des Künstlerhauses Edenkoben. Unser eigenes Format „Expedition Poesie. Poeten aus zwei Sprachen übersetzen ihre Gedichte miteinander“ brachte letztes Jahr Heidelberger und Prager LyrikerInnen zusammen. 2017 wird eine Übersetzerwerkstatt mit Granada samt anschließenden Lesungen in beiden Städten stattfinden. Dieses Jahr starten wir in Heidelberg zudem die Vorbereitungen für „Love Lyrics – Love Songs!“, ein neues, langfristig international ausgerichtetes Kooperationsprojekt der UNESCO Cities of Music und der UNESCO Cities of Literature, das Heidelberg initiiert hat; bilinguale Lesungen stehen auf dem Programm und auch eine überarbeitete Neuauflage unseres gefragten „Stadtplans der Buchhandlungen“, der 2016 erstmals alle Buchhandlungen und Antiquariate verzeichnete, wird es geben. DAS GESPRÄCH FÜHRTE KAI GEIGER.

Anlässlich des Reformationsjubiläums und des Lutherjahres 2017 präsentiert die UNESCO City of Literature Heidelberg die Ausstellung in der zentralen Heidelberger Heiliggeistkirche. Die Ausstellung, Foto: studio pw konzipiert und realisiert vom Haus der Poesie in Berlin, der Stiftung Brückner-Kühner (Kassel), der Neuen Fruchtbringenden Gesellschaft (Köthen) und des Berliner Studios TheGreenEyl, beleuchtet auf sinnliche Art die Sprache, die wir täglich so selbstverständlich verwenden. Sie lädt Lutherinteressierte, sprach- und literaturaffine Besucherinnen und Besucher sowie touristisches Laufpublikum gleichermaßen dazu ein, sich durch poetische Installationen lustvoll und aktiv in die Welt der Wörter und Wortschöpfungen zu vertiefen. Die Ortswahl ist nicht zufällig: Die evangelische Heiliggeistkirche ist der zentrale Ort der Lutherstadt Heidelberg und der Feierlichkeiten des Reformationsjubiläums. Und auf ihrer Empore befand sich einst die berühmte „Bibliotheca Palatina“. 25.2.2017 – 26.3.2017 Heiliggeistkirche Heidelberg | Marktplatz | 69115 Heidelberg Öffnungszeiten (keine Besichtigung während Gottesdiensten und Andachten): Mo-Sa 11 -17 Uhr, So und Feiertage 12.30-17 Uhr

Festival Heidelberger Literaturtage im Aufbruch

Foto: Christian Buck DR. ANDREA EDEL Dr. Andrea Edel (*1963). Studium der Musik an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main. Studium der Kunstgeschichte an den Universitäten Frankfurt am Main, Freiburg im Breisgau, Gießen und Bern. Forschungsjahre in Paris und Dissertation in Bern über den französischen Kunsttheoretiker und Kulturpolitiker Charles Blanc (1813-1882). 1994-1996 Leitung der Plakatsammlung am Museum für Angewandte Kunst Köln. 19972014 Direktorin des Referats Kultur der Stadt Kaiserslautern, Programmgestaltung der internationalen Konzerte und Ausstellungen in der Fruchthalle Kaiserslautern, sowie Gestaltung des jährlichen Festivals „Lange Nacht der Kultur” Kaiserslautern. 2005-2007 Lehrbeauftrage für Kunstgeschichte im Studiengang „Virtual Design” an der Fachhochschule Kaiserslautern und für „Synästhetik” an der Hochschule der Bildenden Künste Saar. Seit 2014 Leiterin des Kulturamts der Stadt Heidelberg und Projektleiterin. Projektleiterin „UNESCO Creative City Heidelberg / City of Literature”. Mitglied des Beirats der Internationalen Martin Buber-Stiftung; seit 2015 Mitglied des Beirats „Vielfalt künstlerischer Ausdrucksformen” der Deutschen UNESCO-Kommission e.V.

ADRESSEN: Deutsch-Amerikanisches Institut Heidelberg Sofienstraße 12, 69115 Heidelberg +49 (0) 6221 60730 www.dai-heidelberg.de Interkulturelles Zentrum Landfriedkomplex Bergheimer Str. 147, 69115 Heidelberg +49 (0)6221 5815600 iz@heidelberg.de www.iz-heidelberg.de Kulturhaus Karlstorbahnhof Am Karlstor 1, 69117 Heidelberg +49 (0) 6221 978911 www.karlstorbahnhof.de Literaturcamp Heidelberg DEZERNAT 16 Kultur- und Kreativwirtschaft in der alten Feuerwache Heidelberg Emil-Maier-Straße 16, 69115 Heidelberg www.literaturcamp-heidelberg.de Stadtbücherei Heidelberg Poststraße 15, 69115 Heidelberg +49 (0) 6221 5836100 stadtbuecherei-kundenservice@heidelberg.de www.stadtbuecherei-heidelberg.bib-bw.de Theater und Orchester Heidelberg Theaterstraße 10, 69117 Heidelberg +49 (0) 6221 5820000 tickets@theater.heidelberg.de www.theaterheidelberg.de Heidelberger Gästeführer www.heidelberger-gaestefuehrer.de Stadtführungen Heidelberg Marketing +49 (0) 6221 58 40 223/-225 guide@heidelberg-marketing.de www.heidelberg-marketing.de/fuehrungen

Das Festival in und um das historische Spiegelzelt auf Foto: Stefan Kresin dem Universitätsplatz zählt zu den 15 Top-Festivals der Metropolregion Rhein-Neckar. Es bietet Lesungen namhafter nationaler und internationaler Autorinnen und Autoren aller literarischer Gattungen, Konzerte, Podiumsdiskussionen, ein Kinder- und Jugendprogramm sowie einen Thementag über den Maghreb. 21.6.2017 – 25.6.2017 www.heidelberger-literaturtage.de

Literaturpreise der Stadt Heidelberg Die Stadt Heidelberg fördert Literatinnen und Literaten durch regelmäßig von prominenten Fachjurys vergebene Literaturpreise. Der Clemens Brentano Preis für Literatur wird jährlich wechselnd in den Sparten Lyrik, Erzählung, Essay und Roman an deutschsprachige Autorinnen und Autoren vergeben. Der Preis ist deutschlandweit einmalig, denn die Jury setzt sich aus professionellen LiteraturkritikerInnen sowie aus Studierenden des Germanistischen Seminars der Universität Heidelberg zusammen. 2016 ging der Preis zuletzt an den Lyriker Thilo Krause. Im Andenken an die erste Preisträgerin und 2006 verstorbene Ehrenbürgerin der Stadt Heidelberg wird alle drei Jahre der HildeDomin-Preis für Literatur im Exil an Schriftstellerinnen und Schriftsteller verliehen, die im Exil in Deutschland leben oder Foto: Philipp Rothe als Nachkommen mit diesem Thema in Berührung kamen, sich literarisch damit auseinandersetzten und in deutscher Sprache publizieren. Edgar Hilsenrath erhielt den Preis 2016 für sein Lebenswerk. Die Heidelberger Poetikdozentur als Kooperation von Stadt und Germanistischem Seminar der Universität Heidelberg beruft jedes Jahr eine Autorin/einen Autor für Poetikvorlesungen, Lesungen und Gespräche, die auch einer interessierten Öffentlichkeit zugängig sind. Inhaber der Dozentur im Frühsommer 2017 ist Frank Witzel. Der Karl-Jaspers-Preis wird in Kooperation mit der Universität und der Akademie der Wissenschaften Heidelberg für ein wissenschaftliches Werk von internationalem Rang verliehen, das von philosophischem Geist getragen ist. Die wissenschaftliche Bedeutung soll die Grenzen einer geisteswissenschaftlichen oder psychiatrischen Fachdisziplin zugunsten einer interdisziplinären Verständigung überschreiten. Die Preisverleihung 2017 an Jan und Aleida Assmann findet am 4.5.2017 in Heidelberg statt. WEITERE INFORMATIONEN ZUR UNESCO CITY OF LITERATURE HEIDELBERG: www.heidelberg.de/cityofliterature | www.facebook.com/literaturstadtheidelberg Das Koordinationsteam der UNESCO City of Literature Heidelberg im städtischen Kulturamt setzt sich aus Dr. Andrea Edel, Phillip Koban und Stefan Kaumkötter zusammen. KONTAKT: UNESCO City of Literature c/o Kulturamt der Stadt Heidelberg Haspelgasse 12, 69115 Heidelberg unesco.creative.city@heidelberg.de +49 (0) 6221 58 33 000 Foto: Annemone Taake


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Jazz | 49

30. Internationale Theaterhaus Jazztage Stuttgart Das Programm der 30. Internationalen Theaterhaus Jazztage vom 12.4.2017 – 18.4.2017 steht fest. 29 Ausgaben mit 5 Veranstaltungstagen, erstmals verlängert auf 7 Veranstaltungstage. Dank der erneuten Unterstützung des Hauptsponsors Mercedes-Benz Bank und dem Theaterhaus-Förderverein ist das Theaterhaus auch 2017 in der Lage Stuttgart ein hochkarätiges und vielfältiges Festivalprogramm anzubieten. Schon der Auftakt des Festivals am 12.4. mit THE MANHATTAN TRANSFER und einer Uraufführung, BEATS mit dem Stepptänzer Thomas Marek, Kurt Holzkämper am Bass

und dem CRO-Drummer Flo König zeugt von der hohen Qualität und der großen Bandbreite, die das Festival an Ostern 2017 zu bieten hat. Diese Vielfältigkeit zieht sich durch das komplette Festivalprogramm. Vom A-Cappella Hochgenuss mit Urszula Dudziak, Norma Winstone, Michele Hendricks und Jay Clayton gefolgt vom Piano-Trio Michael Wollny, Iiro Rantala und Leszek Mozdzer bei „Höher geht´s nicht“ am 13.4., über den ALPENJAZZ, dem Gipfeltreffen der besten alpenländischen Musiker, bis hin zu den mittlerweile schon traditionellen Geburtstagskonzerten, wird bester Hörgenuss an Ostern 2017 angeboten. Joo Kraus feiert mit einem spezi-

ell von ihm arrangierten Abend am 15.4. mit Ralf Schmid, Torsten Krill, Veit Hübner, Omar Sosa, Malia, Pee Wee Ellis und dem Kammerorchester Arcata Stuttgart seinen 50. Geburtstag. Beim zweiten Geburtstagkonzert am 16.4. sind gleich zwei Jubilare auf der Bühne. Richie Beirach feiert mit Randy Brecker und seiner Band seinen 70. Geburtstag, Thomasz Stanko im Rahmen dieses Doppelkonzertes seinen 75. Geburtstag. Auf Grund des hohen Zuspruches bei den vergangenen Festivals sind auch wieder Genre-übergreifende Projekte Teil der 30. Internationalen Theaterhaus Jazztage.


50 | Jazz

CARL | arttourist.com 1|2017

Am 13. + 14.4. wird in Halle T3 eine Neuausgabe des 2016 umjubelten Jazz Poetry Slams stattfinden. Mit der DANCE/ JAZZ FUSION Vol.2 am 16. + 17.4. steht noch eine veritable Uraufführung ins Haus. Wie bereits vor zwei Jahren ist der Abend eine Symbiose aus Jazz und Tanz mit dem Ferenc und Magnus Mehl Quartett und den Tänzerinnen und Tänzern Elisa Badenes, Agnes Su, Pablo von Sternenfels und Robert Robinson. Die Choreographie besteht aus einem improvisierten Teil und einer Choreographie von Marco Goecke. Zudem wird in Halle T4 vom 14. – 17.4. die Filmwerkschau Julian Benedikt gezeigt, in der vier seiner wichtigsten Jazzdokumentationen gezeigt werden.

Malia © Gregor Hohenberg

30. Internationale Theaterhaus Jazztage 12.4. – 18.4.2017

Beirach Huebner | ©ACT / Laura Carbone

Leszek Mozdzer | ©Kamil Gozdan

EINTRITTSKARTEN Telefonische Reservierung täglich zwischen 10 – 21:30 Uhr unter 0711-40207 -20 / -21 / -22 / -23 Online-Kartenbestellung (VVK) im Theaterhauskalender und/oder über reservix.de

Theaterhaus Stuttgart Siemensstrasse 11 70469 Stuttgart www.theaterhaus.com

Adam Baldych, 2015 | © Gregor Hohenberg

A

Till Broenner | © Ulla Lommen

Das Finale am Dienstag den 18.4. übernimmt kein Geringerer als Till Brönner, der mit seiner sechs-köpfigen Band sein neues Album THE GOOD LIFE präsentiert.

J Dieter Ilg | ©ACT Till Brönner

Michael Wollny | © Joerg Steinmetz ACT

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© ANOA Jump

© The Manhattan Transfer

Wolfgang Haffner © ACT Gregor Hohenberg

Joo Kraus | © Chris Marquardt

Z © EB Bigbandproject Rosebud

Das Programm Mittwoch 12.4.2017

20 Uhr | T1 THE MANHATTAN TRANSFER Kein Vocal-Ensemble weltweit ist so erfolgreich wie THE MANHATTAN TRANSFER. Zwei Dutzend Grammy Awards sind schwer zu übertreffen. Zwischen 1980 und 1990 – 10 Jahre lang – war THE MANHATTAN TRANSFER bei den Jazz Polls der führenden Musikzeitschriften Amerikas „Best Vocal Group“ in den Kategorien Jazz und Pop. 42 Jahre ist THE MANHATTAN TRANSFER im Spitzen-

bereich der Jazz- und Popmusik tätig und bis auf einen der Gründer noch heute in gleicher Besetzung. Ein großes Musikereignis zum Auftakt des Festivals. Janis Siegel, Cheryl Bentyne, Alan Paul, Trist Curless & Begleitband VVK: EUR 54 bis EUR 34 20:30 Uhr | T3 BEATS - Uraufführung     Der Stepptänzer und Choreograph Thomas Marek und der Bassist und Komponist Kurt Holzkämper haben sich für ihre Premi-

ere noch einen besonderen Gast dazu geholt: den CRO-Drummer Flo König. In dieser neuen Performance sind elektronisch erzeugte Beats, geloopte Sequenzen am Bass, verfremdete Tap-Sounds und gesampelte Kollagen aus der House- und Technomusik Grundlage eines Geflechts aus Grooves und Improvisationen.     mit Thomas Marek (tapdance) Kurt Holzkämper (b) und dem CRO-Drummer Flo König (dr) VVK: EUR 26     

Donnerstag 13.4.2017

20 Uhr | T1 „Höher geht‘s nicht“ VOCAL SUMMIT    mit Urszula Dudziak, Norma Winstone, Michele Hendricks, Jay Clayton  Vier der weltbesten Jazzsängerinnen feiern nach 15 Jahren eine Reunion. A-Cappella-Gesang in Perfektion. PIANO SUMMIT     mit Michael Wollny, Iiro Rantala, Leszek Mozdzer (pianos & Fender Rhodes)

Die drei Pianisten Wollny, Rantala und Mozdzer beweisen solo, in Duos und im Trio, dass der Jazz verrostete Schubladen, die zwischen E- und U-Musik trennen, sprengen kann. Sie führen vor, dass Klassik und Jazz alles anderer als Gegensätze sind. Das ZDF urteilte über das erste und bisher einzige Konzert der drei Pianisten in der Berliner Philharmonie: “Das war großartig, um nicht zu sagen: Weltklasse!” VVK: EUR 48 bis EZR 36

20:30 Uhr | T2 DIETER ILG QUINTET PLAYS JOHN COLTRANE    Dieter Ilg zählt mittlerweile zu den renommiertesten Jazzmusikern Deutschlands. Speziell international wird das Bass-Spiel von Dieter Ilg hoch eingeschätzt, deshalb wird er immer wieder von den amerikanischen Jazzstars als Mitspieler gebucht. Seine eigenen Formationen in Deutschland sind immer hochkarätig besetzt. Seine musikalische Kompetenz zeigt die Besetzung dieses Quar-


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tetts. Neben seinen langjährigen Begleitern Rainer Böhm und Patrice Héral sind mit dem Saxophonisten Christof Lauer und dem polnischen Geigenvirtuosen Adam Baldych zwei starke Musikerpersönlichkeiten in seiner Band. Dieter Ilg sagt: „Es waren Vinylscheiben von John Coltrane wie das legendäre Album „Giant Steps“, die mich dahin lenkten, wo ich mich heute künstlerisch befinde.“ Nach drei Echo-Jazz-Auszeichnungen ganz oben! mit Dieter Ilg (b) Christof Lauer (sax) Adam Baldych (vio) Rainer Böhm (p) Patrice Héral (dr) A NOVEL OF ANOMALY Ein Finne, ein Italiener und zwei Schweizer bieten gute Laune, Spielfreude und feinsten Hörgenuss. Zwischen Jazz, Welt-Musik und Avantgarde verwandeln sich die vier Musiker zu Poeten und einmalige Klangteppiche und ausdrucksstarke Soli fliegen zwischen den Musikwelten hin und her. Andreas Schaerer (voc) Luciano Biondini (acc) Kalle Kalima (git) Lucas Niggli (dr) VVK: EUR 29                    21 Uhr | T3 JAZZ POETRY SLAM Nach dem großen Erfolg bei den Jazztagen 2016 trifft an zwei Abenden erneut die lebendige Form der Literatur auf eine der freiesten Formen der Musik: Poetry Slam meets Jazz! Eine Auswahl der profiliertesten und erfolgreichsten Poetry Slammer der Republik performt ihre Texte, dazu improvisiert ein Quartett mit Eberhard Budziat (tb), Magnus Mehl (sax), Sebastian Schuster (b), Hans Fickelscher (dr). Wortkünstler treffen Klangkünstler! VVK: EUR 20 | erm.: EUR 15

Freitag 14.4.2017

19 Uhr | T1 ALPENJAZZ           Ein Gipfeltreffen der besten alpenländischen Musiker, mit Andreas Schaerer (voc) Christian Zehnder (voc, Wippakkordeon) Andreas Martin Hofmeir (tuba) Peter Rom (git) Martin Eberle (tp) Matthias Loibner (Drehleier) Christof Dienz (Zither) Gregor Hilbe (perc., cello, electronics) VVK: EUR 42 bis EUR 32 20 Uhr | T2 WOLLNY/HAFFNER DUO mit Michael Wollny (p) Wolfgang Haffner (dr) MOBILE Nik Bärtsch (p), Sha (cl) Kaspar Rast: (dr) Nicolas Stocker (perc) EXTENDED Etienne Abelin (vio)Ola Sendeck: (vio) David Schnee (viola); Solme Hong (cello) Ambrosius Huber (cello) Adrian Rigopulos: (db) VVK: EUR 30                                                 21 Uhr | T3 JAZZ POETRY SLAM  VVK: EUR 20 | erm.: EUR 15 21:30 Uhr | T4 FILMREIHE JULIAN BENEDIKT Eine Werkschau | Dokumentation  „Chico Hamilton –Dancing to a different drummer“ (1993) Regie: Julian Benedikt  VVK: EUR 6                

Samstag 15.4.2017

20:00 Uhr | T1 JOO KRAUS 50 – Das Geburtstagskonzert mit Joo Kraus (tp) Ralf Schmid (p) Torsten Krill (dr) Veit Hübner (b) Omar Sosa (p) Malia (voc) Pee Wee Ellis (sax) und Kammerorchester Arcata Stuttgart VVK: EUR 40 bis EUR 30 20:30 Uhr | T3 BRITJAZZ NIGHT   mit SOWETO KINCH TRIO Soweto Kinch (sax, Voc), David Hodek (dr), Alexander Davis (b) Die englische Fachpresse schreibt von einer Kombination aus Rap, Spoken Word, Elektronik und rohem High-Energy Jazz. Die drei wären Jazzastronauten. und NEIL COWLEY TRIO Neil Cowley (p) Rex Horan (b) Clive Deamer (dr) Dom Monks (keys, FX) Neil Cowley Trio Im Jahr 2006 mischte das Trio mit seiner Debüt-CD „Displaced“ die Szene auf, indem es das klassische Konzept des Klaviertrios auf den Kopf stellte. Seine dynamischen Konzerte machten es schnell zu einer der spannendsten Bands Großbritanniens. Zwischenzeitlich wird Cowley international als schillernder Komponist von pulsierender und cineastischer Musik gefeiert. Eine hochinteressante Entdeckung steht ins Haus. VVK: EUR 29 21:00h | T4 FILMREIHE JULIAN BENEDIKT Dokumentation „Jazz Seen – The life and times of photographer William Claxton“ (1999) Regie: Julian Benedikt  VVK: EUR 6

Sonntag 16.4.2017 19 Uhr | T1 „Birthday Concerts“

RICHIE BEIRACH 70 FEAT. RANDY BRECKER mit Richie Beirach (p) Randy Brecker (tp) Gregor Hübner (vio) Veit Hübner (b)

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Michael Kersting (dr)           TOMASZ STANKO 75             mit Tomasz Stanko (tp) Lukasz Ojdana (p) Maciej Garbowski (b) Krzysztof Gradziuk (dr) VVK: EUR 40 bis EUR 30                                                                        19:30 Uhr | T3 REBECCA TRESCHER ENSEMBLE 11  Die Nürnberger Klarinettistin und Komponistin ist eine der außergewöhnlichsten Musikerinnen der jungen deutschen Jazzszene. Die Besetzung ihres Ensembles 11 kann man durchaus waghalsig nennen, folgt sie doch in keiner Weise dem herkömmlichen Schema von Big Bands: Die Harfe neben dem Saxophon, das Cello neben dem Vibraphon, die Flöte neben dem Kontrabass. Unkonventionell werden neue Klangkombinationen erschaffen, trotzdem pulsiert im Hintergrund ein treibender Groove. Rebecca Trescher (cl) Maja Taube (harp) Agnes Lepp (voc) Florian Bischof (cello) Andreas Feith (p) Konstantin Herleinsberger (sax) Markus Harm (sax) Max Leiß (b) Julian Fau (dr) Volker Heuken (vb) Hironaru Saito (fl) MONIKA ROSCHER BIG BAND    Das Münchner Artrockpopelektrokollektiv in Big Band gestaltet ist ein musikalischer Kosmos von 17 Musikern, aufgeführt von der jungen Bandleaderin, Gitarristin und Komponistin Monika Roscher. Musikalische Entdeckungsreisen zwischen Jazz, Rock und Polyrhythmen waren noch nie so einladend das Tanzbein zu schwingen. 2014 wurde die Band mit dem Echo-Jazz-Award „Newcomer des Jahres National“, einem Musikstipendium der Stadt München und dem Bayerischen Kunstförderpreis ausgezeichnet.    mit Monika Roscher (git) Julian Schunter (sax) Jan Kiesewetter (sax) Jasmin Gundermann (sax) Michael Schreiber (sax) Heiko Giering (cl, sax) Johannes Schneider (tp) Andreas Unterreiner (tp) Matthias Lindermayr (tp) Julian Hesse (tp) Lukas Bamesreiter (tb) Ralf Bauer (tb) Christine Harris (tb) Jakob Grimm (tb) Josef Ressle (p) Ferdinand Roscher (b) Silvan Strauß (dr) Leonhard Kuhn & Matthias Leichtle (sounds & mix) VVK: EUR 26 20 Uhr | T2 DANCE/JAZZ FUSION Vol. 2 mit dem Ferenc und Magnus Mehl Quartett und den Tänzern Elisa Badenes, Agnes Su, Pablo von Sternenfels und Robert Robinson Choreographie: Marco Goecke und freie Improvisation VVK: EUR 29 21 Uhr | T4 FILMREIHE JULIAN BENEDIKT – Dokumentation „Play Your Own Thing – Eine Geschichte des europäischen Jazz“ (2006) Regie: Julian Benedikt VVK: 6,-         

Montag 17.4.2017 19 Uhr | T1 „The Dutch evening“

ACK PLAYS AND TELLS – HIS FAVOURITE MUSIC WITH FRIENDS mit Ack van Rooyen (tp) Paul Heller (sax) Frans van Geest (b) Hubert Nuss (keyb) Bruno Castellucci (dr) Nippy Noya (per) JASPER VAN’T HOF QUARTET  FEAT. ANGELIQUE KIDJO mit Jasper van’t Hof (p, keyb) Angelique Kidjo (voc) Tony Lakatos (sax) Stefan Lievestro (b) Dra Diarra (dr, perc, voc)   Jasper van’t Hof feiert 2017 seinen 70. Geburtstag und sein 50 jähriges Bühnenjubiläum. VVK: EUR 40 bis EUR 30                 19:30 Uhr | T3 REMSTALSINFONIE VON EBERHARD BUDZIAT (MUSIK) UND VINCENT KLINK (TEXTE)     mit dem Eberhard Budziat Big Band Projekt VVK: EUR 26 19:30 Uhr | T4 FILMREIHE JULIAN BENEDIKT - Dokumentation „Eberhard Weber – Rebell am Bass“ (2016) Regie: Julian Benedikt, anschließend Gespräch mit Julian Benedikt und Eberhard Weber VVK: EUR 6                            20 Uhr | T2 DANCE/JAZZ FUSION Vol. 2 mit dem Ferenc und Magnus Mehl Quartett und den Tänzern Elisa Badenes, Agnes Su,  Pablo von Sternenfels und Robert Robinson Choreographie: Marco Goecke  und freie Improvisation VVK: EUR 29,

Dienstag 18.4.2017

20 Uhr | T1 TILL BRÖNNER – The Good Life Till Brönner ist in der Musikwelt einer der bekanntesten und erfolgreichsten deutschen Jazz-Musiker. Der Abend wird von Brönners sechsköpfiger Band begleitet. Ein grandioser Abschluss des Festivals kann erwartet werden. VVK: K1: EUR 56 | K2: EUR 50

Lachen. Leben. Lust. Laune. Kultur. Sport. Kunst. Spott. Theaterhaus Stuttgart Das Theaterhaus Stuttgart e.V. ist ein Theater und Veranstaltungsort im Stuttgarter Norden. Mit 300.000 Besuchern und rund 900 Veranstaltungen im Jahr ist das Theaterhaus das bestbesuchte Haus seiner Art in Deutschland. Neben den Aufführungen seiner beiden Ensembles für Tanz und Schauspiel gibt es Gastspiele mit Künstlerinnen und Künstlern aus den Bereichen Comedy, Kabarett, Pop und Rockmusik, Lesungen, Jazz, Klassik und Neue Musik. Das Haus bietet in vier Veranstaltungshallen und zusätzlich vermietbaren Räumen eine Gesamtkapazität von nahezu 2.000 Sitzplätzen. Neben vier Veranstaltungssälen gibt es Proberäume, Werkstätten, ein Restaurant, Büroräume und ein zweistöckiges Foyer. Die Kunstformen werden zudem durch ein Sportangebot ergänzt, wofür eine separate Sporthalle zur Verfügung steht. Kunst und Sport unter einem Dach! Als eingetragener, gemeinnütziger Verein ist das Theaterhaus Stuttgart in privater Trägerschaft organisiert und laut Vereinssatzung dem Zweck der Gemeinnützigkeit verschrieben. Vielfalt und Offenheit sind zentrale Werte dieses Hauses! Wir sprachen mit dem Theaterhaus­ leiter Werner Schretzmeier und Eric Gauthier, dem Leiter der Gauthier Dance//Dance Company Theaterhaus Stuttgart. 15 Jahre Pragsattel, 30 Jahre Internationale Theaterhaus Jazztage, 10 Jahre Gauthier Dance, 2. COLOURS International Dance Festival. Hat das Jubiläumsjahr gut begonnen? Wie fühlen Sie sich? ERIC GAUTHIER: Seitdem im September 2016 die Proben für unsere Geburtstagsproduktion BIG FAT TEN begonnen haben, hat sich bei mir mehr und mehr ein Jubiläums-Feeling aufgebaut. Jetzt zu Beginn des Jahres kreieren mehrere Choreographen parallel im Ballettsaal. Es brummt gerade nur so. Wobei uns 2017 mit dem zweiten COLOURS-Festival ja in der Tat eine weitere große Veranstaltung ins Haus steht, die mein Team und mich sehr beschäftigt. Das bedeutet natürlich viel Arbeit – aber es ist gleichzeitig eine enorme Motivation. Wir sind alle sooo gespannt auf die kommenden Monate.

Wie entstand die Idee zum Theaterhaus? WERNER SCHRETZMEIER: Nachdem 1982 das Veranstaltungszelt der Manufaktur Schorndorf, deren Gründer ich bin, auf dem Stuttgarter Karlsplatz zwischen September und Dezember 35000 Besucher verzeichnete, war klar, dass Stuttgart einen kulturellen Ort braucht, in dem die unterschiedlichsten kulturellen Bedürfnisse unter einem Dach zu finden sind. Wer waren die Initiatoren? WERNER SCHRETZMEIER: Werner Schretzmeier, Gudrun Schretzmeier, Peter Grohmann Was waren Ihre Ideale, die Zielsetzung und was ist davon geblieben? WERNER SCHRETZMEIER: Kultur für alle. Niedere Schwellen. Günstige Eintrittspreise. Unprätentiös. Einladend durch Freundlichkeit. Seine politische Haltung nicht verstecken. Auf jeden Fall kein Gemeindehaus werden, in dem sich die immer gleichen treffen. Die drei Gründer haben sich in die Hand versprochen, dass wenn es ein Gemeindehaus werden würde, die Unternehmung gescheitert wäre. Es wurde nie zum Gemeindehaus. Es blieb bis heute eine kunterbunte Mischung aus „Thirty-Somethings“ und „Greyhounds“, aus Bankkauffrau und Architektin. Im Prinzip haben sich weder Ideale noch Zielsetzung verschoben. Der Wert von Realismus hat in den Jahren zugenommen. Welche Widerstände gab es und ab wann waren Sie in Stuttgart angekommen und etabliert? WERNER SCHRETZMEIER: Widerstände gab es von Beginn an, denn Neues erzeugt wohl in diesem Land erst mal Unsicherheit. Und diese ist gefährlich. Das Fördern von neuen Ideen bzw. neuen Orten wird nach wie vor von Misstrauen bestimmt. Und je erfolgreicher dann doch gearbeitet wird, je suspekter wird der Erfolg wahrgenommen. Dieses Land hat Angst vor dem Risiko. Auch heute noch begleitet uns dieses Misstrauen vonseiten der Kulturpolitik. Dagegen ist das Vertrauen der vielen Besucherinnen und Besucher stets am Wachsen und macht uns letztendlich stark.

Werner Schretzmeier Foto: Helmuth Scham, www.schampus.com

Gab es Momente des Scheiterns, wo Sie alles hinschmeißen wollten? WERNER SCHRETZMEIER: Die Momente des Scheiterns gab es in den 32 Jahren nie. Die Momente voller Frust wegen des zähen Fortgangs der finanziellen Hilfe durch Stadt und Land sind aber immer wieder spürbar und manchmal schmerzlich, weil Sisyphos einem als erfolgreicher Mann vorkommt und das Syndrom des ewigen zweiten Platzes die Motivation ganz stark beeinträchtigt. Aber hinschmeißen – nie!! Was macht den Erfolg des Theaterhaus Stuttgart aus? WERNER SCHRETZMEIER: Der Programmmix aus sogenannter Hochkultur


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und Breitenkultur. Dass Comedy neben Literatur angeboten wird, dass die Popmusik und der Jazz nebeneinander stehen, dass Theater und Tanz als unterhaltendes Element gesehen werden und deshalb großen Zuspruch haben. Aber auch die hochmotivierte und stets freundliche Belegschaft des Hauses trägt viel dazu bei, dass die vielen Besucherinnen und Besuchers sich stets willkommen fühlen. Wieviel Subkultur und Basisdemokratie lebt noch im Theaterhaus Stuttgart? WERNER SCHRETZMEIER: Subkultur ist ein sehr dehnbarer Begriff. Und kann auch als Behauptung daherkommen. Subkulturell könnte sein, dass wir nach wie vor ein hausinternes Entlohnungssystem haben, also keine Tarifgehälter, dass wir ein selbstbestimmtes Arbeitssystem haben, das den verschiedenen Abteilungen eine Art Selbstverwaltung einräumt, dass wir auch 2017 großen Wert auf soziale Eintrittspreise legen und dass weiterhin im Haus direkte Kommunikation Vorrang vor digitaler hat. Mit einem Konzert des United Jazz & Rock Ensemble wurde das Theaterhaus Stuttgart Wangen 1984 eröffnet? Dieses Jahr feiern Sie 30. Internationalen Theaterhaus Jazztage. Ist der Jazz der rote Faden, der Rhythmus des Hauses? WERNER SCHRETZMEIER: Die Musik von „UNITED“ könnte der rote musikalische Faden des Hauses sein. Jazz und Rock oder Jazz und Tanz oder Jazz und Literatur, so wie bei den 30. Internationalen Theaterhaus Jazztagen. Im

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Jazz schlummert so viel Unterschiedliches und genau diese Vielfalt ist unsere Maxime. Was erwartet die Besucher anlässlich der Jubiläumsausgabe? WERNER SCHRETZMEIER: Ein sehr gutes, sehr differenziertes und sehr ereignisreiches Festival. Neben wunderbaren Konzerten eben der Tanz, die Literatur, der Film. 19… haben Sie ein festes Schauspielensemble gegründet und am Haus etabliert. Wie kam es dazu? WERNER SCHRETZMEIER: 1989 war das Jahr der Gründung eines festen Schauspielensembles. Meine Überlegung war kein konventionelles Ensemble zusammen zu stellen, sondern den Versuch zu starten mit Schauspielerinnen und Schauspielern die keinen deutschen Pass haben, aber trotzdem schon lange in Deutschland leben, die Arbeit aufzunehmen. Der Jugoslawienkrieg, die Zusammenarbeit mit der Akademie Schloß Solitude waren Grundlagen zum Internationalen Theaterhaus Schauspielensemble. Der Jugoslawienkrieg, weil viele junge künstlerisch ausgebildete Frauen und Männer nach Deutschland flohen. Wie wichtig waren / sind dabei die long play Eigenproduktionen wie Dirty Dishes? WERNER SCHRETZMEIER: Die lang laufenden Schauspielproduktionen sind ein Unikat des Theaterhauses. Gewohnt ist man lang laufende Produktionen vom Musiktheater (Musical). In den Spielplänen der deutschen Theater kommt das nicht vor. Animiert hat mich auch die Tatsache, dass „Arsen und Spitzenhäubchen“ am

Dirty Dishes | Foto: Regina Brocke

Broadway in New York 1400 Vorstellungen verzeichnete. Tatsache bleibt aber, dass Produktionen wie „Was heißt hier Liebe“ (seit 1989 im Repertoire des Theaterhauses) und „Dirty Dishes“ (seit 1995 im Repertoire) bei stetiger Aktualisierung nie ihre Qualität und Faszination verlieren. Klar, diese Produktionen müssen gepflegt werden. Und dann ist Eric Gauthier Werner Schretzmeier begegnet. Wie kam es dazu? ERIC GAUTHIER: Noch in meiner Zeit als Tänzer beim Stuttgarter Ballett bin ich mit meiner Band im Theaterhaus aufgetreten – und lernte dort natürlich Werner Schretzmeier kennen. Ich habe gleich gemerkt, wie viel Respekt er vor der Arbeit von uns Tänzern hat. Diese Wertschätzung kam absolut rüber und hat mich natürlich sehr für ihn eingenommen. TSCHICK | Foto: Regina Brocke

Stand die Idee einer eigenen Tanzcompagnie gleich im Raum? ERIC GAUTHIER: Der Weg dorthin war bei Werner und mir sicherlich unterschiedlich – aber zum Glück so, dass wir beide zur gleichen Schlussfolgerung gelangt sind: Stuttgart braucht eine Tanzcompagnie im Theaterhaus! Werner hatte ja schon ein paar Jahre zuvor von einem Tanzensemble geträumt, in der Phase als Ismael Ivo am Theaterhaus einige aufsehenerregende Produktionen herausbrachte. Dieser Plan hat sich ja leider zerschlagen. Aber natürlich hatte Werner eine solche CompanyGründung schon mal für sich und das Haus durchgespielt. Ich selbst habe parallel Claudia Bauer und Meinrad Huber von ecotopia dance productions bestürmt, eine der wichtigsten Tanzagenturen in Europa, die von jeher viel mit dem Theaterhaus zusammengearbeitet haben. Die beiden haben sich irgendwann auf mich Verrückten eingelassen. Und heute machen sie unser ganzes Tourmanagement und spielen auch bei COLOURS eine wichtige Rolle: Claudia leitet die Organisation, Meinrad ist unser Programmchef. Wie kann man sich ein eigenes Schauspielensemble und eine eigene Tanzcompagnie leisten? WERNER SCHRETZMEIER: Wir sind das einzige Privattheater in Europa das sich zwei festangestellte Ensembles leistet. Wir wollen das so, weil wir auch fachlich in der Lage sind, Eigenproduktionen herzustellen und damit Erfolg zu haben. Darüber hinaus sind eigene künstlerische Beiträge für das Sozialgebilde Theaterhaus das wichtigste Motiv. Identität entsteht über das „Eigene“ – intern und auch für die emotionale Bindung unseres Publikums zum Theaterhaus. Wir müssen im Schnitt jährlich 900 Vorstellungen beziehungsweise Veranstaltungen machen, damit die Rechnung aufgeht. Davon sind 300 aus eigener Hand und 600 als Gastspiele, die wiederum so viel generieren müssen, dass damit die 300 vom Theaterhaus hergestellten Vorstellungen finanziert werden können. 2/3

finanzieren 1/3 des Programms! Unser Entertainmentangebot hat eine klare Funktion: Es trägt wesentlich dazu bei, dass das Theaterhaus sich zwei Ensembles leisten kann. Dieses Jahr feiern Sie 10 Jahre Gauthier Dance? Wie fühlt sich das an und wie feiern Sie dieses Jubiläum? ERIC GAUTHIER: Es fühlt sich natürlich ganz wunderbar an. Als wir die Company gegründet haben, wurden ja auch skeptische Stimmen laut, die uns maximal fünf Jahre geben wollten. Dass wir die erste Dekade geschafft haben, macht mich wirklich stolz. Das Jubiläum feiern wir mit unserer Geburtstagsproduktion BIG FAT TEN, ein gemischtes Programm mit Werken von sieben Star-Choreographen, darunter fünf Uraufführungen. An den Start gehen Alejandro Cerrudo, Itzik Galili, Johan Inger, Andonis Foniadakis, Nacho

© Wilhelm Mierendorf WERNER SCHRETZMEIER Werner Schretzmeier, Jahrgang 1944 – in Schorndorf (BadenWürttemberg) geboren. Gelernter Industriekaufmann. 1964 Gründung der politischen Kabarettgruppe „Die Widerständler“, 1968 Gründung des politisch-kulturellen Clubs Manufaktur in Schorndorf. Gleichzeitig beginnt der Weg als TV-Regisseur, Autor und Dokumentarist beim SDRFernsehen, später auch für andere Fernsehstationen. Die Musikfilme „P“ u.a. mit „Pink Floyd“, „Steppenwolf“, „Small Faces“, „The Nice“, „The Taste mit Rory Gallagher“ gehören ebenso zu seinem Schaffen, wie die Dokumentarfilmreihen „Jour Fix“, „Clubs in Deutschland“ oder „Diskuss“, die TV-Serien „Goldener Sonntag“, „Die kleine Heimat“, „Hoffmanns Geschichten“ etc. Live-Regie bei den Berliner Jazztagen, Rockpalast, zu Gast im Fronttheater. 1970 Aufbau des selbstverwalteten Jugendzentrums Hammerschlag Schorndorf. 1970 zusammen mit Wolfgang Dauner die Band „Et Cetera“ gegründet. 1975 wieder zusammen mit Wolfgang Dauner Gründung des United Jazz + Rock Ensembles.

Duato, Marie Chouinard und ich selbst. Und natürlich wird es bei der Premiere am 1. März viele Specials und Überraschungen für das Publikum geben. Was ist in Stuttgart besonders, was es wo anders nicht gibt? ERIC GAUTHIER: Das ist einfach zu beantworten: das Publikum! Ich glaube, es gibt weltweit kaum eine andere Stadt mit so begeisterungsfähigen, aber auch tanzerfahrenen Zuschauern. Das ist natürlich die große und prägende Tradition des Stuttgarter Balletts, die uns da zugutekommt. Genau wegen der starken Stellung des Balletts bieten wir mit Gauthier Dance und der zeitgenössischeren Ausrichtung aber auch eine ideale Ergänzung. Beim Stuttgarter Publikum haben wir anscheinend eine echte Liebe zum modernen Tanz entfacht. Das hat uns auch das erste COLOURS-Festival 2015 ge-

1976 zusammen mit Wolfgang Dauner, Albert Mangelsdorff, Volker Kriegel und Ack van Rooyen, Gründung des unabhängigen Plattenlabels „Mood Record“. 1985 zusammen mit Peter Grohmann und Gudrun Schretzmeier, Gründung des Theaterhauses Stuttgart. Seit dieser Zeit Leiter des Theaterhauses. 1993: Erste Inszenierung fürs Theaterhaus: VERMUMMTE von Ilan Hatsor (1994 erhält die Inszenierung den 2. Preis des Kleintheater-Festivals Baden-Württemberg). Viele weitere folgen, z.B. das „Kultstück“ DIRTY DISHES, das seit 22 Jahren gespielt wird, „Angst essen Seele auf“ von Rainer Werner Fassbinder, „Bezahlt wird nicht“ von Dario Fo, „Elling“ von Axel Hellstenius, „Ab heute heißt du Sara“ von Volker Ludwig und Detlef Michel, „Das Interview“ von Theo van Gogh, „Wer hat Angst vor Virginia Woolf“ von Edward Albee und „Reden mit Mama“ von Jordi Galceran, „Leben bis Männer“ und „Schiedsrichter Fertig“ von Thomas Brussig, „Scherbenpark“, „Benefiz – Jeder rettet einen Afrikaner“, „Die zwölf Geschworenen“, "Der Gott des Gemetzels", Frau Müller muss weg!" und "Love Letters". 2003 zieht das Theaterhaus in das neue Domizil am Pragsattel, im Juni 2004 wird Schretzmeier der Stihl-Preis als Anerkennung für seine erfolgreiche Arbeit verliehen. 2009 wird er mit der Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet, da er „seit über 25 Jahren mit Beharrlichkeit, Sachverstand und großer Risikobereitschaft in Stuttgart eine erfolgreiche Kultureinrichtung geschaffen hat, ein Novum in der Kulturlandschaft Europas“. Am 21. Januar 2016 erhalten Werner Schretzmeier, Gudrun Schretzmeier und Peter Grohmann die Goldene Staufermedaille des Landes BadenWürttemberg. Seit 1970 verheiratet mit der Bühnen- und Kostümbildnerin Gudrun Schretzmeier.


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ERIC GAUTHIER | ARTISTIC DIRECTOR GAUTHIER DANCE//DANCE COMPANY THEATERHAUS STUTTGART

© Maks Richter

Innerhalb weniger Jahre ist Eric Gauthier der große Sprung gelungen: vom charismatischen Publikumsliebling des Stuttgarter Balletts zum international renommierten Choreographen und Chef einer der erfolgreichsten deutschen Tanzkompanien. Der Deutsche Tanzpreis »Zukunft« 2011 in der Kategorie Choreographie für Gauthier persönlich sowie der Deutsche Theaterpreis DER FAUST 2011 und 2013 für Gauthier Dance markieren das Standing, das sich die mittlerweile 16-köpfige Truppe seit 2007 erarbeitet hat. Mittlerweile haben Top-Kompanien weltweit Stücke von Eric Gauthier in ihrem Repertoire – darunter das Staatsballett Berlin, das Sankt Petersburg Mariinski-Ballett, das Stuttgarter Ballett, das Scapino Ballet Rotterdam oder Het Nationale Ballet Amsterdam. Zu den Ehrungen des Jahres 2016 zählen der Preis für das Beste Duett für Gauthiers Stück Punk Love beim St. Petersburger DANCE OPEN Festival 2016 und die Aufnahme unter die Hoffnungsträger 2016 im Jahrbuch

der Zeitschrift tanz. In der Kritikerumfrage 2012/13 von tanz wurde Eric Gauthier zwei Mal als Tänzer des Jahres genannt – für I Found A Fox, ein Solo, das Marco Goecke für ihn kreierte. Im Sommer 2015 sorgte das von Eric Gauthier konzipierte, vom Theaterhaus Stuttgart produzierte COLOURS International Dance Festival für Furore in der Tanzwelt. Der Premierenausgabe erntete viel Lob vom Publikum und der Presse. Als Sohn eines führenden AlzheimerForschers war Gauthier schon früh für soziale Belange sensibilisiert. Mit Gauthier Dance Mobil geht das Ensemble in Schulen, Krankenhäuser oder Altersheime und bringt den Tanz zu jenen Menschen, die nicht selbst ins Theater kommen können. Jedes Jahr organisiert und moderiert Gauthier außerdem eine Benefiz-Gala zugunsten der Alzheimer-Forschung im Theaterhaus Stuttgart und ist Mitglied im Kuratorium der Alzheimer Stiftung Baden-Württemberg. Für sein künstlerisches und soziales Engagement wurde Eric Gauthier im April 2015 mit dem Verdienstorden des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet.

Company Choreo Garrett&Moulton | InfiniteSixes | Foto: Regina Brocke

zeigt. Das Programm war ebenso hochkarätig wie anspruchsvoll – aber die Leute haben es geliebt. Diese Aufgeschlossenheit ist typisch für Stuttgart. Aber es gibt noch eine andere Besonderheit: Die Unternehmen im Raum Stuttgart fördern und unterstützen die Kultur in wirklich außergewöhnlichem Maß. Ohne diese Sponsoren gäbe es weder Gauthier Dance noch COLOURS. Neben ihren regulären Auftritten und Gastspielen haben Sie das Gauthier Dance Mobil entwickelt. Was hat es damit auf sich? ERIC GAUTHIER: Das Konzept ist einfach: Wir bringen den Tanz zu den Menschen, die selbst nicht ins Theater kommen

können – zum Beispiel Seniorenheime, Einrichtungen für behinderte Menschen, Krankenhäuser oder Jugendzentren. Für unser Gauthier Dance Mobil haben wir ein etwa 45-minütiges Programm entwickelt, das wir auch auf kleinem Raum spielen können. Wir demonstrieren den Ablauf eines typischen Tags: morgens Training, danach Proben und abends die Aufführung – da zeigen wir kurze Auszüge aus aktuellen Produktionen. Hinterher kann man noch Fragen stellen und mit uns ins Gespräch kommen. Wir machen das ehrenamtlich und verzichten auf Gage – und bekommen ganz viel Dankbarkeit und Motivation zurück von unserem Mobil-Publikum.

Mit dem COLOURS International Dance Festival 2015 haben sie die Tanzwelt weit über die Grenzen Stuttgart hinaus aufhorchen lassen und haben das Publikum begeistert. Was war gut, was bleibt, was ist neu in 2017? ERIC GAUTHIER: Es war wirklich erstaunlich, wie COLOURS schon bei seiner ersten Ausgabe wirklich zum Leben erwacht ist. Das Publikum hat unser Programmauswahl vertraut und kam in Scharen. 2017 werden wir noch mehr Aktivitäten in der Stadt haben als beim letzten Mal. Ähnlich wie mit dem Gauthier Dance Mobil wollen wir die Menschen erreichen, die von sich aus

nicht ins Theater gehen. Mit einem Kids Day in der Wilhelma, dem Stuttgarter Zoo, sprechen wir zum ersten Mal auch ein ganz junges Publikum an. Außerdem haben wir das Programm noch einmal ausgeweitet und differenziert. In der kleinsten Theaterhaus-Halle T4 mit 100 Plätzen zeigen wir experimentellere und Genreübergreifende Produktionen. Die sind übrigens schon alle ausverkauft! Und zum Zehnjährigen kommt die Tanzhalle? ERIC GAUTHIER: Na ja – das Zehnjährige ist dieses Jahr. So schnell werden wir wohl keine neue Tanzhalle bekommen. Aber es schaut sehr hoffnungs-

voll aus. Die Stadt steht hinter uns. Die Tanzhalle finde ich auch deshalb so wichtig, weil sie ja nicht nur für Gauthier Dance gebaut wird, sondern in einer zweiten Halle auch der freien Szene endlich eine eigene Spielstätte verschaffen würde. Wir können uns allen nur die Daumen drücken, dass wir bald endgültig Gewissheit haben. Herr Schretzmeier. Sie sind jugendliche 70+. Das Theaterhaus ist Ihr Lebenswerk! Wovon träumen Sie? WERNER SCHRETZMEIER: Ich träume von einem Theaterhaus, das vom Land und von der Stadt so viel Unterstützung bekommt, dass dieses

Haus auch mal einen eigenen Programmetat hat oder anders ausgedrückt: Würde das Haus statt augenblicklich 25% in der Zukunft 40% erhalten und müsste „nur“ 60% selbst erwirtschaften (jetzt 75%), wären die Möglichkeiten den Menschen dieser Stadt, dieser Region ein noch besseres Angebot zu machen, endlich da. Das haben die jährlich 300000 Besucher genauso verdient, wie die 100 die im Theaterhaus die Arbeit machen. DAS GESPRÄCH FÜHRTE KAI GEIGER.

Werner Schretzmeier: | Foto: Helmuth Scham, www.schampus.com

NIJINSKI | Harms Guerra | Foto: Regina Brocke

VERANSTALTUNGEN THEATERHAUS SCHAUSPIEL – MONATLICH IM PROGRAMM Termine unter www.theaterhaus.com Auch Deutsche unter den Opfern Die deutsche Ayşe DIRTY DISHES mit neuem Küchenpersonal Frau Müller muss weg! Ich werde nicht hassen TSCHICK Was heißt hier Liebe? Zeit der Kannibalen Ziemlich beste Freunde


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INFORMATIONEN Karten für COLOURS gibt es online oder per Mail: tickets@theaterhaus.com. Außerdem telefonisch unter +49 711-4020720 oder natürlich an der Theaterhaus-Kasse, täglich geöffnet von 10.00 - 21.30 Uhr. Sowohl online als auch telefonisch oder vor Ort ist eine platzgenaue Kartenreservierung möglich. Für weitere Fragen oder Informationen zum Festival schreiben Sie eine Mail an coloursdancefestival@theaterhaus.com © SimonWachter

www.coloursdancefestival.com

COLOURS

International Dance Festival 6. – 23.7.2017 GLÜCKLICHER START Im heißen Sommer 2015 eroberte das erste COLOURS International Dance Festival auf Anhieb das tanzbegeisterte Publikum, die Medien und die Fachwelt. Eric Gauthiers Traum von einem großen internationalen Tanzfestival für Stuttgart ging in Erfüllung – genauso bunt, vielfaltig und inspirierend, wie er es sich ausgemalt hatte. Ein Festival dieser Größenordnung ins Leben zu rufen, konnte nur gelingen, weil starke, überzeugte Partner COLOURS zur Seite standen: das Theaterhaus Stuttgart als Produzent, die öffentlichen Geldgeber von Stadt und Land und die Unterstützer aus der Wirtschaft, allen voran die Mercedes-Benz Bank als Hauptsponsor. Ihrer aller Mut wurde belohnt: COLOURS ist schon jetzt ein Referenzpunkt innerhalb der europäischen Festivallandschaft und entfaltet bis heute nachhaltige Wirkung: Die beiden in Koproduktion mit COLOURS entstandenen Uraufführungen Soft virtuosity, still humid, on the edge von Marie Chouinard und OCD Love von Sharon Eyal–Gai Behar gingen ausgiebig auf Tour und trugen den Namen des Festivals in die ganze Welt. Und auch die vier Koproduktionen 2017 werden international gespielt.

DIE ERFOLGSGESCHICHTE GEHT WEITER Mit diesem Rückenwind soll die zweite Ausgabe von COLOURS den zeitgenössischen Tanz noch heller strahlen lassen. Im Vergleich zu 2015 haben Eric Gauthier und Programmchef Meinrad Huber mehr Companies in das Festivalzentrum Theaterhaus Stuttgart eingeladen. Auf dem Programm stehen 23 ausgesuchte Produktionen, darunter eine abendfüllende Uraufführung und fünf kurze Neukreationen für Gauthier Dance, eine Europa-Premiere, neun deutsche Erstaufführungen und vier COLOURS-Koproduktionen. Als Gastgeber eröffnet Gauthier Dance// Dance Company Theaterhaus Stuttgart das Festival mit der Premiere von MEGA ISRAEL, einem Tanzabend mit Stücken der Top-Choreographen Hofesh Shechter, Sharon Eyal–Gai Behar und Ohad Naharin. Die beim letzten Mal nicht genutzte Halle T4 wird geöffnet für genreübergreifende Formate zwischen Tanz, Performance und Theater. In der Stuttgarter Innenstadt wird COLOURS präsenter sein als je zuvor – unter anderem mit Tanz-Events auf dem Marktplatz, dem Königsbau / Schlossplatz, dem Marienplatz, im Stuttgarter Rathaus und erstmals mit einem COLOURS Kids Day im zoologisch-botanischen Garten von Stuttgart, der Wilhelma! Künstlerische Leitung, Idee & Konzept COLOURS: Eric Gauthier Künstlerische Leitung Programm COLOURS: Meinrad Huber Leitung Theaterhaus Stuttgart: Werner Schretzmeier

© SimonWachter

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GLANZ DURCH TANZ COLOURS will den zeitgenössischen Tanz in all seiner Vielfalt leuchten lassen. Nach der hervorragenden Resonanz auf die Premiere 2015 war klar: Die Latte für eine zweite Ausgabe liegt hoch. Doch zum Glück sind die beiden Künstlerischen Leiter Eric Gauthier und Meinrad Huber gut vernetzt. Daher vereint auch das Line-up für 2017 große Namen, eine hohe Premierendichte und vor allem aufregende Produktionen. Stilistisch und ästhetisch reicht das Spektrum von Ballett bis Tanztheater, von Zirkus bis Performances, von traditionellem Tanzen bis zu Stepptanz oder Breakdance. Im Theaterhaus Stuttgart leuchten auf der COLOURS-Palette 2017 internationale Highlights in verschiedensten Farben: die Tanz-Hard-Rocker von der Hofesh Shechter Company, politisches Tanztheater (Helena Waldmann), Flamenco und HipHop (Wang Ramirez & Rocío Molina), Ballett (Ballett Zürich), eine Tanztheater-Interpretation von Schwanensee (Teac Damsa), Akrobatik auf engstem Raum (Gravity & Other Myths), der Tanz-Bildhauer Russell Maliphant, Tap Dance fur das elektronische Zeitalter (Dorrance Dance), die Tanz-Puristin Anne Teresa de Keersmaeker (Rosas), zeitgenössischer Tanz aus Kuba (Los Hijos del Director), eine Studie der Innigkeit aus der Schule von Pina Bausch (Narelle Benjamin & Paul White), die kanadische Tanz-Extremistin Louise Lecavalier, Phy-

sical Theatre im Fusball-Fieber (Jo Strømgren Kompani), eine Lecture Performance (Cristiana Morganti), eine biographisch-musikalische Tänzerzahlung (Francesca Harper), inklusives Tanztheater (Teatro La Ribalta) und ein subversiver choreographischer Kommentar zum Nahost-Konflikt (Hillel Kogan).

SCHAUEN, LERNEN, SELBER TANZEN – WORKSHOPS UND MEET THE TALENTS Neben den eigentlichen Aufführungen wartet COLOURS mit einem umfangreichen Rahmenprogramm mit Workshops internationaler Choreographen auf, darunter viele, die eigene Produktionen bei COLOURS zeigen. Die Bandbreite reicht vom Profi-Niveau bis zu Angeboten für alle, die einfach Lust am Tanzen haben. Als neues Format gibt es 2017 Meet the Talents. Eric Gauthier hat fünf vielversprechende junge Choreographen eingeladen, ein kurzes Stück für die Theaterhaus-Company zu kreieren: Guillaume Côté (Kanada), den früheren Gauthier Dance-Tanzer Giuseppe Spota (Italien/Deutschland), Shahar Biniamini (Israel), Nadav Zelner (Israel) und den Gauthier Dance-Ballettmeister Guillaume Hulot. Geprobt wird in der zweiten Festivalwoche, ganztägig – teils im Ballettsaal von Gauthier Dance, teils in der Theaterhaus-Sporthalle. Alle, die Zeit und Lust haben, sind ausdrück-

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lich eingeladen bei der Kreation zuzuschauen. In der Abschlusswoche des Festivals werden die neuen Stücke am frühen Abend in der Sporthalle präsentiert. Eric Gauthier führt durch die Show und stellt die anwesenden Choreographen in kurzen Interviews vor.

STUTTGART TANZT – DAS PROGRAMM IN DER CITY Mit mehreren groß angelegten Aktionen in der Stuttgarter City gelang es den Machern schon in der ersten Runde, die ganze Stadt mit dem COLOURS-Fieber anzustecken. Schließlich ist Eric Gauthier davon überzeugt, dass jede und jeder tanzen kann und dass Tanz für alle da ist. Auch COLOURS 2017 will in den öffentlichen Raum ausstrahlen, sogar noch intensiver als beim letzten Mal. Teilweise vorbehaltlich der Bewilligung der Fördergelder sind momentan in Planung:

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PROGRAMM 2017 BALLETT ZÜRICH: ROMEO UND JULIA (Zürich/Schweiz) DEUTSCHLAND-PREMIERE

Gauthier Dance | Dance Company Theaterhaus Stuttgart: MEGA ISRAEL PREMIERE

FRANCESCA HARPER: THE LOOK OF FEELING (New York/USA) DEUTSCHLAND-PREMIERE Samstag 15.7.17 Sonntag 16.7.17

MORGANTI: MOVING WITH PINA EINE LECTURE PERFORMANCE ÜBER DIE POETIK, TECHNIK UND KREATIVITÄT VON PINA BAUSCH (Rom/Italien)

Pressefoto Benjamin White Pippa Samaya Pressefoto Helena Waldmann

Pressefoto Mega Israel Uprising | BenRudick

Donnerstag 6.7.17 Freitag 7.7.17, Samstag 8.7.17, Sonntag 9.7.17

Tanzregie: Helena Waldmann Freitag, 14.7.17 Samstag, 15.7.17

HILLEL KOGAN: WE LOVE ARABS (Tel Aviv/Israel)

Pressefoto Hillel Kogan Gadi Dagon

Pressefoto Morganti il Funaro

Von und mit: Cristiana Morganti Freitag, 7.7.17 Samstag, 8.7.17

DORRANCE DANCE: ETM: DOUBLE DOWN (New York/USA) Mit Live-Musik

Pressefoto GD Choreo Soto Conrazoncorazon Regina Brocke

Choreographien: Guillaume Côté (Kanada), Giuseppe Spota (Italien/Deutschland), Shahar Biniamini (Israel), Nadav Zelner (Israel), Guillaume Hulot (Frankreich/Deutschland) Uraufführung Dienstag 18.7.17 Mittwoch 19.7.17, Donnerstag 20.7.17, Freitag 21.7.17, Samstag 22.7.17, Sonntag 23.7.17

GRAVITY & OTHER MYTHS: A SIMPLE SPACE (Adelaide/Australien) Mit Live-Musik

HOFESH SHECHTER COMPANY: NEUE PRODUKTION (London/Großbritannien) Mit Live-Musik DEUTSCHLAND-PREMIERE

ROSAS: A LOVE SUPREME (Brüssel/Belgien) DEUTSCHLAND-PREMIERE

Pressefoto Rosas Anne Van Aerschot

Choreographie: Anne Teresa de Keersmaeker, Salva Sanchis Samstag, 22.7.17 Sonntag, 23.7.17

RUSSELL MALIPHANT COMPANY: CONCEAL | REVEAL – ‘STUTTGARTER FASSUNG’ PIECE NO. 43, SHIFT, TWO X TWO (London/Großbritannien)

Pressefoto Hofesh Shechter Gabriele Zucca

Choreographie: Hofesh Shechter Dienstag, 18.7.17 Mittwoch, 19.7.17

JO STRØMGREN KOMPANI: A DANCE TRIBUTE TO THE ART OF FOOTBALL (Oslo/Norwegen)

Pressefoto Dorrance Dance | Hayim Heron

Choreographie: Michelle Dorrance Dienstag, 18.7.17 Mittwoch, 19.7.17

Choreographie: Narelle Benjamin, Paul White Samstag, 8.7.17 Sonntag, 9.7.17

Gauthier Dance | Dance Company Theaterhaus Stuttgart: MEET THE TALENTS (Stuttgart/Germany) FÜNF URAUFFÜHRUNGEN

Choreographie: Hillel Kogan Mittwoch, 12.7.17 Donnerstag, 13.7.17

COLOURS IN THE CITY AM 30. JUNI 2017 Der große Kick-off auf dem Stuttgarter Marktplatz. Zusehen, mittanzen, in Festivallaune kommen! Auf der großen Bühne vor dem Rathaus erwartet die Zuschauer ein buntes Programm, moderiert von Eric Gauthier und präsentiert von Gauthier Dance und befreundeten Künstlern.

NARELLE BENJAMIN & PAUL WHITE: CELLA (Sydney/Australien) URAUFFÜHRUNG

Choreographie: Christian Spuck Donnerstag, 13.7.17 Freitag, 14.7.17 Samstag, 15.7.17

COLOURS XXL-WORKSHOP AM 24. JUNI 2017 Hunderte Teilnehmerinnen und – man höre und staune – selbst männliche Teilnehmer drängten sich 2015 in die ausgeräumte und größte Theaterhaus-Halle T1, um mit Eric Gauthier und seiner Company eine Reihe humorvoller, mitreisender Tanznummern einzustudieren. Die witzigen Choreographien präsentierten sie wenige Wochen später beim großen COLOURS-Flashmob vor dem Stuttgarter Königsbau. Ein solch schweißtreibender Nachmittag voller Spaß, Bewegung und Vorfreude auf das Festival markiert auch 2017 den Beginn des COLOURS-Countdowns.

HELENA WALDMANN: GUTE PÄSSE SCHLECHTE PÄSSE. EINE GRENZERFAHRUNG. (Berlin/Deutschland)

Pressefoto Russell Maliphant Company

Choreographie: Russell Maliphant Freitag, 7.7.17 Samstag, 8.7.17

TEAC DAMSA: SWAN LAKE/LOCH NA HEALA (Dublin/Irland) Mit Live-Musik DEUTSCHLAND-PREMIERE

Pressefoto Gravity Steve Ullathorne

Freitag, 7.7.17 Samstag, 8.7.17 Sonntag, 9.7.17

Pressefoto Jo Stromgren Knut Bry

Choreographie: Jo Strømgren Mittwoch, 19.7.17 Donnerstag, 20.7.17 Freitag, 21.7.17

LOS HIJOS DEL DIRECTOR: LA TRIBULACIÓN DE ANAXIMANDRO (HOMBRE. ARCHE APEIRON) (Havanna/Kuba) EUROPA-PREMIERE

Pressefoto Teac Damsa

Choreographie: Michael Keegan-Dolan Samstag, 22.7.17 Sonntag, 23.7.17

TEATRO LA RIBALTA: NIEMAND WEISS VON UNS (Bozen/Italien) DEUTSCHLAND-PREMIERE

Teatro La Ribalta Piero Tauro Pressefoto Los Hijos

Choreographie: George Céspedes Dienstag, 11.7.17 Mittwoch, 12.7.17

LOUISE LECAVALIER FOU GLORIEUX: BATTLEGROUND (Montréal/Kanada) Mit Live-Musik

Pressefoto Louise Lecavalier Carl Lessard

© SimonWachter

Konzept und Choreographie: Louise Lecavalier Samstag, 15.7.17 Sonntag, 16.7.17

Choreographie: Julie Anne Stanzak Freitag, 21.7.17 Samstag, 22.7.17

WANG RAMIREZ & ROCÍO MOLINA: FELAHIKUM (Perpignan/Frankreich, Sevilla/Spanien, Berlin/Deutschland) DEUTSCHLAND-PREMIERE

Pressefoto Wang Ramirez Ghostographic

Choreographie: Rocío Molina, Honji Wang, Sébastien Ramirez Dienstag, 11.7.17 Mittwoch, 12.7.17


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Stijn Celis: Der wunderbare Mandarin | Foto: Bettina Stöß

Alice im Wunderland The Royal Ballet © Bill Cooper

München

Saarbrücken

Christopher Wheeldon und sein Team reisen eigens aus London an, um das Ballett in Zusammenarbeit mit den Ballettmeistern vor Ort mit dem Münchner Ensemble einzustudieren. Wheeldon, einer der gefragtesten Choreographen der heutigen Zeit, erhielt für die Christopher Wheeldon © Angela Sterling Kreation von Alice Unterstützung des britischen Zauberkünstlers Paul Kieve. Der Illusionist, bekannt dafür, die Zaubertricks in den Harry-Potter-Filmen wahrheitsgetreu auf die Leinwand gebracht zu haben, schafft es auch im Ballett, tief in die Trickkiste zu greifen und passend zur Handlung zauberhafte Effekte ins Leben zu rufen. Igor Zelensky 2016 Der Austatter und Bühnendesig©Wilfried Hösl ner Bob Crowley, unter anderem Tony-Award-Gewinner für die Produktion zahlreicher Broadway Musicals, hat mit dem Alice, deren hochmütige Mutter den DichEinfallsreichtum für Bühne und Kostüm von ter zum Tee geladen hat, verschwindet ganz „Alice“ nicht gegeizt. In Zusammenarbeit mit plötzlich in eine Traumwelt hinter der WirkNicholas Wright, Natasha Katz, Jon Driscoll lichkeit. Sie begegnet auf ihren Abenteuern und Gemma Carrington entstand ein Mix einer ganzen Reihe von seltsamen Charakaus schwindelerregenden Videoprojektionen teren: Der berühmten Herzkönigin, die eine und sprunghaft wandelbaren Bühnenbildern. urkomische Variante des Rosen-Adagios aus Das Werk wird es gewiss schaffen, durch sei„Dornröschen“ zum Besten gibt, aber auch ne aufwändige und mit viel Liebe zum Detail tanzenden Spielkarten, einer biegsamen Raukreierte Szenerie die vollständige Bühnenmape und dem steppenden verrückten Hutmaschinerie und Technik des Nationaltheaters cher. Als Höhepunkt tanzen Alice und der herauszufordern. Herzbube einen zarten Liebes-Pas-de-deux von außergewöhnlicher Schönheit. Mit Wheeldons „Alice im Wunderland“ kommt ein Handlungsballett auf die Bühne, Daneben finden sich die bekannt boshafdas jedem Alter und Geschmack etwas bietet: ten Charaktere und gruseligen Orte, die der Das für das Royal Ballet entstandene Werk ist Handlung den richtigen Drive geben und ein Fest für Augen und Ohren und nun lädt in der berühmten Kindergeschichte von Ledas Bayerische Staatsballett das Münchner wis Carroll und in Wheeldons Ballett ihr Publikum in der Deutschen Erstaufführung Unwesen treiben: Eine alptraumhafte Küein, gemeinsam mit Alice dem weißen Hasen che, eine auf unheimliche Weise körperlose ins Wunderland zu folgen. Grinsekatze und die verrückte Tee-Party. Die schier endlose Vielfalt der Charaktere in AliChristopher Wheeldon | „Alice im Wunderland“ ces Wunderland spiegelt sich sowohl in der Premiere am 3. April 2017 Musik als auch in der Choreographie wider. Eröffnung der BallettFestwoche Wheeldons Zusammenarbeit mit dem KomInfos & Termine: www.staatsballett.de ponisten Joby Talbot erwies sich als so fruchtbar, dass 2014 sogar ein zweites Ballett des Duos für das Royal Ballet entstand: Shakespeares „A Winter’s Tale“.

Das Ballett des Saarländischen Staatstheaters begeistert nicht nur das deutsche Publikum, sondern zieht regelmäßig auch Besucher aus dem nahegelegen Frankreich und Luxemburg nach Saarbrücken. Seit der Spielzeit 2014/2015 leitet der international renommierte Choreograf Stijn Celis die Kompanie. Das Repertoire wird bestimmt durch Celis‘ eigene Choreografien und Stücke wichtiger zeitgenössischer Choreografen wie Ohad Naharin, Jirˇí Kylián, Johan Inger oder Alexander Ekman.

„Alice im Wunderland“ Erstklassiger Tanz Zur Eröffnung der BallettFestwoche im Herzen Europas 2017 beim Bayerischen Staatsballett Christopher Wheeldons „Alice im Wunderland“ wurde 2011 als Explosion von Farbe, Bühnenmagie und choreographischem Einfallsreichtum in London uraufgeführt. Als erstes abendfüllendes Werk beim Royal Ballet nach fast 20 Jahren wurde es sofort ein Hit, der bis heute das Haus zum Toben bringt - das Musical unter den zeitgenössischen Balletten. Joby Talbots Musik kombiniert zeitgenössische Klangwelten mit Melodien, die an das klassische Ballett des 19. Jahrhunderts erinnern, witzig, schnell und tänzerisch. Bob Crowleys ausgelassen einfallsreiche Bühnen-Fantasiewelten, Kostüme, Puppen und Projektionen lassen die Vorstellung vom Wunderland Wirklichkeit werden.

Ein besonderer Höhepunkt dieser Spielzeit wird der Doppelabend BOHNER_CELIS sein, der ab dem 6. Mai zu sehen ist. 1971 schuf Gerhard Bohner mit „Die Folterungen der Beatrice Cenci“ ein ausdrucksstarkes Werk, das ihn schlagartig berühmt machte. Den blutrünstigen Stoff um die römische Patrizierin Beatrice Cenci (1577– 1599) benutzte er als Ausgangspunkt für ein drastisches Tanztheaterstück. Nach 25 Jahren wird Bohners Werk erstmals wieder auf der Bühne zu sehen sein. Die Rekonstruktion wird gefördert von TANZFONDS ERBE, einer Initiative der Kulturstiftung des Bundes, die auf den Erhalt des nationalen Tanzerbes zielt. Mit seinem neuen Stück „Pulcinella“ setzt Stijn Celis einen heiteren Gegenpol. Die Welt der Commedia

dell’arte erwacht in zeitgenössischem Gewand zum Leben – begleitet von einer bezaubernden Komposition Igor Strawinskys. Bei KONJETZKY_BARROS erhalten zwei Nachwuchschoreografinnen ein Forum in der Alten Feuerwache, der kleineren, intimeren Spielstätte des Saarländischen Staatstheaters. Die Münchnerin Anna Konjetzky, die sich in den vergangenen Jahren in der freien Szene einen Namen gemacht hat, kreiert mit „ground“ ihre erste Arbeit für ein Ensemble an einem festen Haus. Liliana Barros, seit vielen Jahren markante Tänzerpersönlichkeit und Publikumsliebling in Saarbrücken, bestreitet den zweiten Teil des Abends. Sie choreografiert mit „My name is Legion“ ihr erstes größeres Stück. Bei SUBSTANZ 17 erhalten auch in diesem Jahr die Mitglieder des Ensembles wieder die Gelegenheit, sich choreografisch zu erproben. Wem Saarbrücken zu weit ist, der hat auch in dieser Spielzeit die Möglichkeit, die Kompanie bei einem Gastspiel zu sehen, unter anderem im Muffatwerk München und im Teatro Astro in Turin.

Ohad Naharin: Hora | Foto: Bettina Stöß

Stijn Celis: Neues Stück | Foto: Bettina Stöß

KONJETZKY_BARROS Anna Konjetzky: ground (UA) Liliana Barros: My name is Legion (UA) 18.02. – 07.04.2017 Alte Feuerwache

SUBSTANZ 17 Choreografien von Mitgliedern des Ballettensembles 23.06. – 02.07.2017 Alte Feuerwache

BOHNER_CELIS Gerhard Bohner: Die Folterungen der Beatrice Cenci (Rekonstruktion) Ein TANZFONDS-ERBE-Projekt Stijn Celis: Pulcinella (UA) 06.05. – 28.06.2017 Saarländische Staatstheater

BALLETT UNTERWEGS: HORA Tanzstück von Ohad Naharin 22.03./23.03.2017 Gastspiel im Teatro Astra, Turin (Italien)

DIE FOLTERUNGEN DER BEATRICE CENCI Tanzstück von Gerhard Bohner Ein TANZFONDS-ERBE-Projekt 04.07./05.07.2017 Muffatwerk, München KONTAKT Ballett des Saarländischen Staatstheaters Infos & Karten: +49 (0) 681 3092 – 486 www.staatstheater.saarland


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Tanztipps | 57

Bregenzer Frühling 2017 Mit seinen Darbietungen von Tanzkunst auf höchstem Niveau genießt der Bregenzer Frühling weit über die Landesgrenzen hinaus großen Zuspruch. Sein besonderes Profil und seine Qualität sind einzigartig im Bodenseeraum. Jedes Frühjahr begeistern hochkarätige, international gefeierte Ensembles mit ihren neue Maßstäbe setzenden Produktionen im Festspielhaus. Äußerst bemerkenswerte und ausdrucksstarke Choreografien bestimmen das Programm. „Galván ist Flamenco, Flamenco auf der Bühne, das ist Galván.“ Israel Galván hat den urwüchsigen Flamenco ins 21. Jahrhundert katapultiert. Der Andalusier setzt die radikale Verjüngungskur der spanischen Kunstform mit FLA.CO.MEN fort. Das renommierte NDT 2, mehrmals zu Gast beim Bregenzer Frühling, bringt drei verschiedene Choreografien (Marco Goecke, Edward Clug und León & Lightfoot) auf die Bühne des Festspielhauses, allesamt österreichische Erstaufführungen. Das ironische und poetische Stück „Cold Blood“ von Michèle Anne De Mey/Jaco Van Dormael/collectif Kiss & Cry erleben die Zuschauer als Live-Projektion, die Grenzen zwischen Kino, Tanz, Musik und Theater verschwimmen dabei. Eine Reise, auf der jeder Zuschauer in flüchtige Empfindungen eintaucht, die sich als unvergesslich erweisen. Der US-amerikanische

Choreograf Richard Siegal, einer der wichtigsten Akteure im zeitgenössischen Tanz, der mit seinen Stücken immer wieder neue Maßstäbe setzt, stellt mit „My Generation“ zwei seiner neuesten Choreografien vor. Akram Khans jüngste Produktion bezieht sich auf das Buch „Until the Lions: Echoes from the Mahabharata“. Seine eigene Version des Mahabharata dauert gerade eine Stunde und wird von nur drei TänzerInnen dargestellt. Das aktionstheater ensemble, jüngst mit dem Nestroypreis für die „Beste Off-Produktion“ ausgezeichnet, bringt mit „ICH GLAUBE“ wieder eine Uraufführung unter der Regie von Martin Gruber auf die Bühne des Festspielhauses. Auch für 2017 hat die Landeshauptstadt Bregenz wieder einen Tanzpass aufgelegt. Das Tanz-Abonnement des Bregenzer Frühlings 2017 bringt Ihnen beim Kauf eines Tanz-Passes bis zum 13.01.2017 wiederum 25 % Preisnachlass gegenüber dem Einzelkartenverkauf. Der Tanzpass und die Einzelkarten sind erhältlich bei Bregenz Tourismus & Stadtmarketing bzw. unter www.v-ticket.at und www.bregenzerfruehling.at

Richard Siegal Ballet of Difference © Rahi Rezvan

aktionstheater ensemble - ICH GLAUBE Ümut Cerhan © Julien Lambert

Handman - Edward Clug © Joris-Jan Bos

Weitere Tanztipps Hannover Emanuel Gat und Lia Tsolaki bei den KunstFestSpielen Herrenhausen 2017 Zwei außergewöhnliche Tanzperformances stehen bei den diesjährigen KunstFestSpielen Herrenhausen auf dem Programm. Die griechische Tänzerin und Choreografin Lia Tsolaki thematisiert in ihrem Stück „Flux“ Geschlechterrollen und trennt gleich zu Beginn der Tanzperformance weibliche und männliche Zuschauer. Das hochmusikalische Tanzstück „Gold“ Gold | ©Emanuel Gat des Choreografen Emanuel Gat ist eine Hommage an Glenn Gould. Gat nimmt die von Gould 1981 eingespielten Bachschen Goldberg-Variationen zum Ausgangspunkt und montiert sie mit dessen Radioarbeit „The Quiet in the Land“. Die KunstFestSpiele erobern mit einem vielfältigen Programm aus Musiktheater, Konzerten, Performances und Lichtinstallationen vom 5. bis 21. Mai 2017 neue Räume rund um die berühmten Gärten in Hannover-Herrenhausen. www.kunstfestspiele.de

München Festival DANCE Die 15. Ausgabe des Internationalen Festivals für zeitgenössischen Tanz der Landeshauptstadt München findet vom 11. bis 21. Mai statt. An elf Festivaltagen sind rund 20 ProEmanuel Gat mit "Sunny" © Dajana Lothert duktionen zu sehen, darunter sechs Uraufführungen und sechs deutsche Erstaufführungen. In über 130 Vorstellungen präsentieren sich neue Talente von Kanada bis China und die internationalen Stars des zeitgenössischen Tanzes wie Richard Siegal, Wim Vandekeybus, Trajal Harrell, VA Wölfl, Sharon Eyal oder Emanuel Gat. Ein Schwerpunkt des Festivals zeigt neue Arbeiten der jungen Künstlerszene aus Montréal. 11. – 21.5.2017 | www.dance-muenchen.de

Wien (A) ImPulsTanz Vienna International Dance Festival Fünf Wochen lang macht Europas größtes Festival für zeitgenössischen Tanz Wien erneut zum internationalen Hotspot der Szene. Zu den absoluten Höhepunkten des Per©Katri Naukkarinen 2015 formance-Programms zählt eine Weltpremiere des belgischen „Kunsttitans“ Jan Fabre und Anne Teresa De Keersmaekers neuestes Stück. Die [8:tension]-Reihe für junge Choreografie zeigt eindrucksvolle Gruppenstücke und vielschichtige Soloarbeiten. Und mehr als 200 Workshops und Researchprojekte laden indes zum Selbertanzen ein: von Parkours über HipHop bis hin zu Bollywood Dance und Yoga. 13.7. – 13.8.2017 | www.impulstanz.com

Wolfsburg 15. Movimentos Festwochen

SH-BOOM! - Sol León und Paul Lightfoot © Joris-Jan Bos

FREITAG, 17.3.2017 Israel Galván FLA.CO.MEN SAMSTAG, 22. 4.2017 Nederlands Dans Theater 2 Neue Produktion Österreichische Erstaufführung Handman Österreichische Erstaufführung SH-BOOM! Österreichische Erstaufführung

Handman - Edward Clug © Hugo Gumiel

SAMSTAG, 13.5.2017 Michèle Anne De Mey | Jaco Van Dormael | collectif Kiss & Cry Cold Blood Österreichische Erstaufführung

MITTWOCH, 7.6.2017 Donnerstag, 8.6.2017 Freitag, 9.6.2017 aktionstheater ensemble ICH GLAUBE Uraufführung

FREITAG, 19.5.2017 Richard Siegal | Ballet of Difference My Generation Österreichische Erstaufführung

Alle Tanz-Aufführungen finden im Festspielhaus statt. Die Aufführungen des aktionstheater ensemble finden im schoeller 2welten shed8 statt. Beginn: 20Uhr Termin- und Programmänderungen vorbehalten

SAMSTAG, 27.5.2017 Akram Khan Company Until the Lions Österreichische Erstaufführung

KARTENVORVERKAUF: Bregenz Tourismus & Stadtmarketing Rathausstraße 35a, A-6900 Bregenz, Austria T +43(0)5574/4080 und alle v-ticket Vorverkaufsstellen sowie online unter: www.v-ticket.at E-Mail: tourismus@bregenz.at www.bregenzerfruehling.at VERANSTALTER: Landeshauptstadt Bregenz/Kulturamt Künstlerischer Leiter: Dr. Wolfgang Fetz Bergmannstraße 6, A-6900 Bregenz Österreich T +43(0)5574/4101511

Die 15. Movimentos Festwochen der Autostadt in Wolfsburg finden vom 21. April bis 21. Mai 2017 unter dem Thema „Freiheit“ statt. Fünf internationale Tanzcompanys zeigen sechs Deutschlandpremieren im Volkswagen KraftWerk, Jazz-Größen wie Matt Bianco, Jacky Terrasson und Fabrizio Bosso treten im SAFE AS HOUSES | © Rahi Rezvani ZeitHaus auf. Ein besonderer Abend erwartet die Besucher mit Klaus Maria Brandauer und dem Deutschen Filmorchester Babelsberg bei einer literarisch-musikalischen Exkursion in die Freiheit. 21.4. -21.5.2017 | www.movimentos.de


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Wer die Welt verstehen will, muss Dokumentarfilme sehen Wir sprachen mit drei Dokumentarfilmerinnen/er und einer Producerin über die Faszination des Genres Dokumentarfilm und Ihre Arbeit. Wer die Welt verstehen will, muss Dokumentarfilme sehen, die in vielen Bereichen und Thematiken zum wesentlichen Verständnis der geschichtlichen, politischen und gesellschaftlichen Zusammenhänge beitragen. Sie bringen die Geschichten hinter der Geschichte und deren Protagonisten ans Licht und auf Film, woraus faszinierende, intensive und hoch informative Filme entstehen, die in der internationalen Fernsehlandschaft eher die Nächte bespielen oder auf entsprechenden Festivals und in Filmreihen gezeigt werden. Dank der Einrichtung von Mediatheken und Internet findet eine wachsende Anzahl an Zuschauern Zugang zu den Filmen. Die Gesamtentwicklung des Dokumentarfilms lässt hoffen. So verzeichnet der Dokumentarfilm in jeder Hinsicht hohe Zuwachsraten. Seit 1999 Wim Wenders mit „Buena Vista Social Club“ den ersten Besuchermillionär unter den Dokumentarfilmen ins Kino brachte, gibt es fast jedes Jahr einen Besuchermillionär und mehrere Filme im 100.000er Bereich. Die Interviewpartner waren Saskia Kress, filmtank GmbH Hamburg, Berlin, Monika Mack, Bildersturm Filmproduktion GmbH, Köln, Stefan Eberlein, Filmbüro-Süd München, Berlin, und Norbert Kaiser, artmetropol.tv, Edingen-Neckarhausen. Wie wird man Dokumentarfilmerin? SASKIA KRESS: Für diesen Job gibt es nicht den EINEN Weg. Ich persönlich habe jahrelang als klassische Journalistin in aktuellen TV-Redaktionen wie dem ZDF-Morgenmagazin gearbeitet und wollte nach einiger Zeit auch längere Formate ausprobieren. Da ich meine Stärken nicht so sehr im kreativen Filmemachen gesehen habe, wechselte ich auf die Produktionsseite: Filmprojekte durchboxen, das kann ich – glaube ich – ganz gut ... Und Producerin? MONIKA MACK: Ich habe mich schon während des Studiums inhaltlich und über Nebenjobs mit dem Bereich Film und Fernsehen

beschäftigt, und dann zunächst durch freie Mitarbeit beim WDR und später in verschiedenen Abteilungen bei ARTE in Straßburg den Dokumentarfilm von der Senderseite aus kennengelernt. Dann standen die Postproduktion und die Übersetzung von Filmen beruflich im Mittelpunkt, auch ein faszinierender Bereich, bei dem man wieder auf ganz andere Weise tiefer in einen Film eindringt. Ich habe mich also dem Bereich Film von mehreren Seiten aus genähert und als Birgit Schulz mich fragte, ob ich Lust hätte, auch für Bildersturm zu arbeiten, einer Produktionsfirma für Dokumentarfilme, war das wie ein großes schönes Puzzlestück, das all die anderen Teile miteinander verbunden hat.

Hier geht es jetzt um die Entstehung des Films, von der Idee bis zur Kinopremiere, von der Projektentwicklung, Recherche, journalistischen Mitarbeit, über die Öffentlichkeitsarbeit bis zu internationalen Koproduktionen. Wie war es bei Ihnen? STEFAN EBERLEIN: Ich hatte Kommunikationswissenschaft studiert und meine Abschlussarbeit über einen Dokumentarfilm von Romuald Karmakar geschrieben. Danach assistierte ich ihm bei der Vorbereitung seines Spielfilms „Der Totmacher“. In dieser sehr intensiven Zeit lernte ich, was es bedeutet, Filme zu machen: Ein langer Marsch durch die Wüste mit der Aussicht, vielleicht irgendwann

irgendwann von den Sendern Geld für die eine oder andere Filmidee.

SASKIA KRESS ist Geschäftsführerin der Filmtank GmbH und Gründerin der Interactive Media Foundation gGmbH. Zusammen mit ihren Kollegen hat sie erfolgreich an dem international preisgekrönten Crossmedia-Projekt www.netwarsproject.com (u. a. Grimme Online Preis, SXSW Interactive Innovation Award, Deutscher Digital Award) mitgearbeitet, das den Krieg im Netz über viele verschiedene Plattformen thematisiert. 2013 gründete sie die gemeinnützige Interactive Media Foundation, die sich der zeitgemäßen Vermittlung von kulturellen und gesellschaftlich relevanten Themen, insbesondere an Kinder und Jugendliche, verschrieben hat.  FILMTANK GMBH Die vielfach preisgekrönte Produktionsfirma mit Sitz in Hamburg, Berlin und Ludwigsburg kommt ursprünglich aus dem Dokumentarfilm und produziert heute ganze Themenuniversen. Während in Hamburg und Ludwigsburg überwiegend Kinofilme hergestellt werden, konzentriert sich das Büro in Berlin auf die Produktion crossmedialer Inhalte. Hier werden Games, Apps, interaktive Graphic Novels und Web-Dokumentationen sowie weitere digitale Medien und auch Filminhalte umgesetzt. Alle Filmtank-Produktionen haben eines gemeinsam: Sie wollen Grenzen überwinden, bedeutsame Themen kreativ umsetzen, den Horizont erweitern. www.filmtank.de

einmal eine Oase (sprich: die Finanzierung der Ideen) zu finden, oder auch nicht. Das Abenteuerliche, das Existenzielle zog mich an. Ich fing an, eigene Projekte zu entwickeln und bekam

Und was waren Ihre Gründe, in die Filmbranche zu gehen? NORBERT KAISER: Innerer Zwang! Schon früh habe ich mit der Super-8-Kamera meiner Mutter herumhantiert und Trickfilme realisiert. Die Outtakes meines Onkels auf den damals üblichen schwarzen Spulen faszinierten mich, denn man konnte kleine Bilder sehen, wenn man den Filmstreifen in das Licht hielt. Dass das im Projektor eine Bewegung erzeugte, beeindruckte mich nachhaltig, und ich kam nie davon los. Aber erst nach der Gründung von artmetropol. tv konnte ich auch kreativ sein, die zehn Jahre, die ich beim ZDF verbrachte, waren da sozusagen der Vorlauf zum kreativen Dauerlauf. Warum Dokumentarfilm und nicht Spielfilm? Was macht den Reiz des Dokumentarfilms im Gegensatz zum Spielfilm aus? MONIKA MACK: Ich denke, dass beide Genres sehr faszinierend sein können und sehr wichtig sind, weil beide es ermöglichen, in unbekannte Welten einzutauchen, neue Perspektiven einzunehmen. Was mich am Dokumentarfilm reizt, ist natürlich die Tatsache, dass wir hier in der realen Welt unterwegs sind und es mit dem Leben von völlig unterschiedlichen Menschen zu tun haben, denen wir nicht vorschreiben, was sie vor der Kamera tun sollen, sondern die dem Filmemacher ihr Vertrauen schenken und ihn ein Stück weit an ihrem Leben teilhaben lassen.

Die Sensibilität des Filmemachers macht dann oft die Qualität des Filmes aus und gibt dem Zuschauer neue Erfahrungen mit auf den Weg. Gerade heute, wo man zu Recht von der Gefahr des „Postfaktischen“ spricht, können Dokumentarfilme dazu beitragen, die Gesellschaft differenzierter wahrzunehmen und sich von einfachen Schwarz-WeißSchemata zu lösen. NORBERT KAISER: Der Dokumentarfilm ist unmittelbar möglich – einen Spielfilm zu realisieren ist auf Jahre hinaus ein Kampf mit den Institutionen Filmförderung und Fernsehen. Und wenn man wirklich einen guten Stoff nach eigenen kreativen und inhaltlichen Maßstäben umsetzen will, dann hat man es schwer, wenn er nicht so sein soll wie die Dutzenware davor. Nur wenige Redaktionen trauen sich etwas. Der Dokumentarfilm lässt einem die Möglichkeit, seine Themen auch ohne Unterstützung der Sender zu realisieren, wenn man es unbedingt will. Das ist faszinierend und mit den heutigen Publikationsmöglichkeiten von Web-TV und anderen Videoplattformen erreicht man auch sein Publikum. SASKIA KRESS: Für uns gibt es kein Entweder/Oder. Der Reiz liegt in der Kombination von beidem. Wir arbeiten inzwischen regelmäßig mit Kollegen aus dem fiktionalen Bereich zusammen. Für manche Themen, Formate und Zuschauergruppen bietet es sich unserer Meinung nach an, dokumentarische Inhalte auch fiktional umzusetzen. Faktenbasiert nennen wir das dann. Aber ganz klar: Unser alltägliches Leben ist vermutlich facetten-


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NORBERT KAISER artmetropol.tv ist eines der ersten Kultur-Web-TVs und wurde 2007 von Norbert Kaiser gegründet. Bisher sind 700 Produktionen entstanden, hauptsächlich Kurz-Dokus, Interviews und zwei abendfüllende Kinodokumentationen. Seit 2011 ist artmetropol. tv auch als Filmproduktion tätig, die im Auftrag von Kunst- und Kulturinstitutionen Museums- und Ausstellungsfilme realisiert. Der Macher Norbert Kaiser war vor seiner Pionierarbeit auf diesem Gebiet zehn Jahre beim ZDF tätig und hat einen akademischen Grad als Magister Artium in Filmwissenschaft an der Johannes-GutenbergUniversität in Mainz erlangt. ARTMETROPOL.TV berichtet seit 2007 aus der Kulturszene der Metropolregion RheinNeckar – authentisch, professionell und mit großer Kontinuität. Wir verschreiben uns der Kultur und all ihren Facetten mit Herz, Verstand und ausgewiesener Könnerschaft und haben bereits über 500 Berichte und 30 Talksendungen realisiert, bei denen wir den Macherinnen und Machern hinter großen und kleinen Kultur-Ereignissen ein Gesicht geben. Der Kulturbegriff wird von artmetropol.tv nicht elitär verstanden. Kultur ist Lebensmittel und für jeden da. Die Berichte sind in einem dokumentarischen Stil gehalten: Im Zentrum steht die Aussage des Künstlers/Regisseurs/ Schauspielers. Wir veröffentlichen 2-3 Beiträge pro Woche. Darüber hinaus sind im Archiv alle Videos nach Kategorie geordnet zu finden.  artmetropol.tv existiert seit 2007 als junges Unternehmen mit Hauptsitz in Edingen-Neckarhausen und Büro in Mannheim und gehört zu einem der neun „besten regionalen Web-TVs“ in Deutschland (laut bild.de). www.artmetropol.tv

reicher als Hollywood und birgt Geschichten mit wahnsinnigen Höhen und Tiefen. STEFAN EBERLEIN: Mich persönlich haben immer schon eher Geschichten interessiert, die in der Realität angesiedelt sind. Star Wars zum Beispiel war nie mein Ding. Biografien lese ich wesentlich öfter als Romane. Dass etwas „wirklich“ passiert oder passiert ist, verleiht dem ja eine ganz andere Bedeutung. Das ist nichts, dass ich mit der Bemerkung „nur ausgedacht“ wieder von mir wegschieben kann. Damit muss ich mich auseinandersetzen, das tangiert mein reales Leben. Dass ich die Geschichte mit den tatsächlichen Akteuren sehen und erleben kann, gespiegelt im Werk des Dokumentarfilm-Regisseurs, fasziniert mich. Für mich haben auf diese Weise erzählte Geschichten oft eine viel größere Wucht als Spielfilme. Was ist und macht einen Dokumentarfilm aus? STEFAN EBERLEIN: Ein guter Dokumentarfilm lebt davon, dass Personen und Orte authentisch sind, dass es diese Menschen und Orte wirklich gibt. Trotzdem ist auch ein Dokumentarfilm immer in erster Linie ein Film, sprich: Das Werk eines Regisseurs, der mithilfe dieser realen Personen etwas Eigenes erzählt. Oft folgt die Geschichte dabei denselben dramaturgischen Regeln wie beim Spielfilm.

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Wie entsteht ein Dokumentarfilm und wer oder was ist hierfür nötig? MONIKA MACK: Wie in allen kreativen Bereichen steht die gute Idee, bewegende, spannende Protagonisten und eine erste Vorstellung für eine überzeugende visuelle Umsetzung am Anfang jedes neuen Projekts. Da Birgit Schulz von Bildersturm sowohl selbst Filmemacherin als auch Produzentin ist, kommen die Projektvorschläge entweder von ihr oder sie werden uns von freien Filmemachern vorgestellt, mit denen sie dann als Produzentin bei der Umsetzung eng zusammenarbeitet. Wir prüfen, welche Finanzierungspartner diese Art von Film mit uns realisieren könnten. Da spielen SendeplatzAnforderungen eine Rolle, aber auch die Frage, welcher Redakteur, welche Redakteurin gerade bei diesem Thema ein guter Partner wäre. Dann ist die erste große Herausforderung die Finanzierung: Mit einem Exposé und vielleicht sogar ersten Recherche-Aufnahmen wenden wir uns an Filmförderanstalten, TVRedakteure und immer häufiger auch an internationale Koproduktionspartner auf internationalen Märkten. Wir haben das große Glück, dass unter anderem die Film- und Medienstiftung NRW viele unserer kreativen Dokumentarfilme gefördert hat und zum Beispiel ARTE mit seinen verschiedenen Redaktionen in der ARD und beim ZDF oft ein wichtiger Senderpartner ist. Parallel zur Finanzierungsphase stellen wir das kreative Team zusammen, Kameramann, Cutterin, eventuell Komponist. Das sind auch für die Filmemacherin elementare Partner, die pro Projekt und je nach Persönlichkeit, Thema und Art des Films ausgewählt werden müssen. Da wir in kleinen Teams arbeiten, ist jeder Einzelne beim Dreh, dem Schnitt und in der Postproduktion wichtig und im Idealfall (glücklicherweise fast immer) auch sehr mit dem Projekt identifiziert. Nur so können wir mit den Budgets, die uns zur Verfügungen stehen, einen hochwertigen Film garantieren. Und während die Dreharbeiten laufen, finden im Hintergrund oft sehr aufwendige Recherchen statt, was weitere Protagonisten angeht, wie die Archivmaterial-Lage aussieht, welche Drehs noch möglich sind, wie die Spracharbeiten gestaltet werden sollen (Übersetzung, Untertitel, Voice-Over), welche Festival-Deadlines berücksichtig werden sollten und ab wann die Öffentlichkeitsarbeit beginnt (Plakat, Pressemappe etc.). Wie lange dauert ein Dokumentarfilm von der Idee bis zur Erstaufführung/-ausstrahlung? SASKIA KRESS: Sehr lang! Zwei bis vier Jahre ist total normal. Manchmal kürzer – oft aber auch länger ... Sie arbeiten regional und dokumentieren und berichten aus der Kulturlandschaft der Metropolregion Rhein-Neckar mit ganz anderen Abläufen.

Wie kam es dazu und was sind Chance und Herausforderung in einer regionalen filmischen Arbeit? NORBERT KAISER: Vor zehn Jahren habe ich als erstes regionales Kultur-Web-TV begonnen und gehörte mit artmetropol.tv gleich zu den zehn besten regionalen Web-TVs, dazu hatte uns damals die bild.de gekürt! Seither ist viel passiert, die regionalen und überregionalen Kulturinstitutionen sind auf unsere Arbeit aufmerksam geworden und so entstanden erste Museums- und Ausstellungsfilme, ich konnte das Genre der Kurz-Dokus etablieren. Einblicke in die Ausstellung und in die Gedanken der Künstler – von Sean Scully über Mary Bauermeister bis zu Martin Creed. Mitterweile arbeiten wir auch bundesweit in Sachen Kultur-Videos und haben uns als angesehene Produktionsfirma in der Sparte Kultur etabliert. Und wenn es um das Web-TV geht: In unserer Region ist es wichtig, auch abseits des Mainstreams Initiativen und Kulturvereinen mediale Aufmerksamkeit zu ge-

MONIKA MACK Monika Mack arbeitet als freie Producerin und Journalistin für Bildersturm und ist unter anderem für die Themen-Entwicklung internationaler Koproduktionen zuständig. Als Teilnehmerin des internationalen Producer-Trainings Eurodoc ist sie mit den Anforderungen und Profilen internationaler Senderpartner vertraut. Monika Mack arbeitet außerdem als Lektorin und Übersetzerin für diverse Kultur- und Medienunternehmen. Sie war für das Projektmanagement im Bereich Sprachentransfer internationaler Filmproduktionen und PR bei der Film & Video Untertitelung GmbH in Köln und Düsseldorf tätig, arbeitete in der PR-Abteilung und im Sprachendienst des deutsch-französischen Senders ARTE in Straßburg, absolvierte ein Magisterstudium der Romanistik und Germanistik an den Universitäten Lyon, Freiburg und Köln und lebte im Rahmen von diversen Studien- und Arbeitsaufenthalten in Frankreich und Spanien. BILDERSTURM Die Kölner Bildersturm Filmproduktion GmbH wurde von Birgit Schulz gegründet und steht seit über 15 Jahren für engagierte kulturelle und politische Dokumentarfilme. Dabei sind in Zusammenarbeit mit der ARD, WDR, SWR, NDR, dem ZDF und ARTE sowie mit anderen Kooperationspartnern zahlreiche preisgekrönte Film- und Fernsehproduktionen entstanden, die auf Festivals weltweit gezeigt werden und von internationalen Sendern angekauft oder koproduziert wurden. Birgit Schulz’ Kinofilm „Die Anwälte - Eine deutsche Geschichte“ zählte zu den fünf erfolgreichsten deutschen Kinodokumentarfilmen des Jahres 2009 und wurde 2010 mit dem Phönix-Dokumentarfilmpreis und 2011 mit zwei Grimme-Preisen ausgezeichnet. Zwischen 2010 und 2016 liefen unter anderem die Bildersturm-Produktionen „Die Stille der Unschuld - Der Künstler Gottfried Helnwein“, „Richard Deacon - In Between“, „Was bin ich wert?“, „Domian – Interview mit dem Tod“, „Voices of Violence“ und „Krieg und Spiele“ in den Kinos. Im März 2017 startet Claudia Schmids neuer Film “Unter aller Augen“ in den deutschen Kinos. www.bildersturm-film.de

ben. Bei der Entscheidung für Projekte geht es aber immer nach der Qualität des Inhalts. Wir setzen dann mit unserer Arbeit einen Rahmen, der visuell Lust auf das Thema und die Auseinandersetzung mit Kultur macht. Uns liegt die unelitäre Kulturvermittlung am Herzen. Was treibt eine/-n Dokumentarfilmer/-in an? Wie kommen Sie auf Ihre Themen? SASKIA KRESS: Ich habe das Glück, mit sehr schlauen Kollegen zusammenarbeiten zu dürfen. Die haben ein wirklich gutes Gespür für Themen. Außerdem bieten uns auch freie Autoren, Filmemacher und andere interessante Stoffe an. Wir prüfen dann, ob diese zu uns passen und ob wir die Kapazitäten haben, das Projekt erfolgreich produzieren zu können. STEFAN EBERLEIN: Ich bin an und für sich idealistisch. Jemand, der sich an all dem Bösen in der Welt aufreibt und sie zum

Guten verändern will. Irgendwann habe ich verstanden, dass das nicht möglich ist und war darüber sehr verzweifelt. Mein Ausweg war, dann wenigstens zu versuchen, kleine Ausschnitte unserer Realität so genau wie möglich zu beschreiben. Es ist wahrscheinlich eine Art Berufskrankheit, dass ich mir angewöhnt habe, mich bei allem, was ich sehe, höre, lese und erlebe, zu fragen, ob dies eine erzählenswerte Geschichte sein könnte. Wobei wir nicht vergessen wollen, dass letztendlich nicht ich darüber entscheide, welche Themen verfilmt werden, sondern die Geldgeber. Was sind die größten Hürden, was führt zum Scheitern? STEFAN EBERLEIN: Die Hürden lauern überall, Scheitern ist jederzeit möglich. Zweimal ist es mir passiert, dass andere Sender fast identische Filme machen wollten und die Diskussion über das weitere Vorgehen auf Senderebene alle Aktivitäten lähmte.

Weitere Beispiele: In Russland begann zeitgleich mit unseren Dreharbeiten die Krim- und Ukrainekrise, die das Projekt fast zum Kippen brachte. Einmal ließ uns ein Protagonist fast ein Jahr lang nicht mehr mit ihm filmen. Ein anderes Mal erhielten wir kein Visum für den Sudan – dahin hatte es unseren Protagonisten verschlagen – weil der damalige Außenminister Fischer den Sudan zwei Wochen vorher als „Schurkenstaat“ bezeichnet hatte. Das war dann das absurde Ende dieser Dreharbeiten. Müssen Sie für die Realisierung von Projekten Kompromisse eingehen und wenn ja, wo sind die Grenzen? NORBERT KAISER: Wenn man einen Film über einen eher unbekannten Mannheimer Künstler machen will, der sich seit Jahrzehnten dem Galerienzirkus und dem Proseccopublikum entzieht, dann ist klar, dass man das aus Überzeugung für die Kunst und den Künstler macht und wird auf


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anderen Wegen belohnt, nicht über die Einnahmen oder den Verkauf von DVDs – aber man lernt persönlich einen anderen Blick auf die Welt, den man für andere, die sich dafür interessieren, bereithält. Dokumentarfilm ist für mich auch die Möglichkeit, die Realität aufzuspalten, zu bereichern, eine Facette beizutragen. Vielleicht wird man dadurch teilweise auch ein anderer Mensch. Übrigens kann man das Werk von Edgar Schmandt zumindest in meinem Dokumentarfilm entdecken. Grenzen gibt es da, wo die Selbstausbeutung ungesund wird. Der Mechanismus greift nach zehn Jahren mittlerweile recht gut. Rote Lampe an heißt: Stop! Sie haben vor einigen Jahren aufgrund der immer schwieriger werdenden Finanzierung von Projekten und Ideen einen anderen Weg eingeschlagen und die IMF Interactive Media Foundation gegründet. Wie kam es dazu und was verbirgt sich dahinter? SAKIA KRESS: Die schwierige Finanzierung war nur ein Punkt. Noch viel entscheidender für uns war, dass wir in der Digitalisierung neue Möglichkeiten des Geschichtenerzählens gesehen haben. Mit Filmtank haben wir diesen neuen Weg ab 2011 sehr konsequent verfolgt. Wir denken heute nicht mehr nur im FilmGenre, sondern entwickeln ganze Themenuniversen, also auch Spiele, interaktive Web-Formate, Virtual-Reality-Installationen etc. Die Interactive Media Foundation vermittelt insbesondere jungen Menschen mit unterhaltsamen digitalen Projekten anspruchsvolle Inhalte. Das geht vom kreativen Umgang mit Technik und Codes (www.tuduu. org - sehr empfehlenswert!) über klassische Musik hin zu wissenschaftlichen Themen. Für wen machen Sie Dokumentarfilme und was bedeutet für Sie Erfolg? STEFAN EBERLEIN: Da kann ich nur mit Billy Wilder antworten: Ich versuche, die Filme zu machen, die ich selber gerne sehen würde. Das gelingt mal besser und mal schlechter. Erfolg ist ein vielfältiger Begriff. Im Fernsehen mit einem Film gute Reichweiten zu erzielen, ist wichtig, um sein Standing beim Sender zu halten. Preise sind schön, weil sie dem Ego guttun. Aber ich bin so oft knapp am Scheitern entlang geschrammt, dass ich es überaus schätzen kann, wenn am Ende aus einer Idee tatsächlich ein Film geworden ist. Und natürlich ist für mich jeder erfolgreich, der es schafft,

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in dieser frustrationsreichen Branche mehr als zehn Jahre zu überleben. Und wie ist es bei Ihnen? NORBERT KAISER: Ich mache die Filme für ein Publikum, das mehr über Kunst und Künstler erfahren will, ich liefere sozusagen den Hintergrund zu einem Werk. Die Filme sind selbst so gedreht, dass die Kunst abgebildet, aber nicht verfremdet wird. Also liefert meine Arbeit einen Zusatznutzen – zum Beispiel zu einer Ausstellung. Erfolg verbuche ich dann, wenn mir Zuschauer sagen, dass sie so mehr über Kunst und Künstler erfahren haben und das Werk vielleicht besser auf sich wirken lassen konnten, etwas davon in ihnen zurückbleibt. Erfolg ist mir nur in dieser Form wichtig – wenn mir jemand auf dem Weg kurz die Hand auf die Schulter legt und lobt. Ich bin sehr geerdet und misstraue jeder Form des überschwänglichen Lobs. Wir machen ja alle unsere Arbeit so gut wie möglich, ob wir Schuhe reparieren, im Krankenhaus Menschen pflegen oder Filme machen, ich sehe mich da nicht aus dem Kontext der Gesellschaft herausgehoben. Was ist für den fertigen Film die wichtigste Bühne? Wann ist/war ein Film erfolgreich? MONIKA MACK: Wenn ein Film fertig ist, in den alle immer viel Herzblut gesteckt haben, möchten wir natürlich ein größtmögliches Publikum erreichen (was beim Dokumentarfilm und insbesondere bei komplexeren Themen nicht immer einfach ist) und auch das Feedback erleben. Deswegen organisieren wir nicht nur bei Kinofilmen, sondern auch bei TV-Produktionen Filmpremieren und mit dem Verleiher Kinotouren, bei denen das Publikum die Möglichkeit hat, der Filmemacherin oder manchmal auch Protagonisten oder Experten Fragen zu stellen und auf das Gesehene zu reagieren. Das ist auch das schöne an Einladungen zu internationalen Filmfestivals: Der Filmemacher kann unmittelbar erleben, wie sein Film aufgenommen und verstanden wird, was nach der langen intensiven Arbeit bedeutende Momente sind. Aber neben der Kinoauswertung sind natürlich auch die TV-Ausstrahlungen wichtig, die auch noch ganz andere Leute erreichen, ein oft heterogeneres Publikum mit wieder anderen Reaktionen. Wenn der Film dann noch ein langes Nachleben hat, indem er international verkauft oder immer wieder zu besonderen Anlässen öffentlich gezeigt wird oder als DVD/Video On Demand weitergesehen wird, ist das natürlich

auch großartig. Wir haben zum Beispiel den Film „In Between“ über den britischen Künstler Richard Deacon jetzt in einer Sonderedition mit Originalzeichnungen des Künstlers auf den Markt gebracht, zeitgleich zu seinen beiden Ausstellungen in der Langen Foundation in Neuss und dem Folkwang Museum in Essen.

den Abgründen der Menschheit auf Du und Du stehen. Das alles sind Erfahrungen, die mich persönlich weitergebracht haben.

Wann sind Sie zufrieden mit Ihrer Arbeit? Wie wichtig ist für Sie Erfolg und wie ist dieser messbar? SASKIA KRESS: Für wen ist Erfolg nicht wichtig? Natürlich treibt mich und das ganze Team das positive Feedback von außen an. Natürlich freuen wir uns über jeden gewonnenen Preis! Und natürlich über jede Förderzusage oder jedes gute Gespräch mit potenziellen Kooperationspartnern. Und natürlich tut es uns wahnsinnig gut, wenn Zuschauer und User positiv auf unsere Filme und digitalen Formate reagieren. Das misst sich natürlich einerseits in Zahlen – andererseits aber auch qualitativ. Kürzlich haben wir einen interaktiven Comic über das Thema Magersucht gelauncht. Ein Vater schrieb: „Vielen Dank. Endlich verstehe ich meine kranke Tochter!“ Das war für alle Projektbeteiligten das größte Kompliment.

würden gerne mehr Dokumentarfilme sehen, oder erzählen begeistert von dem ein oder anderen Dokumentarfilm, der ihre Sicht auf die Welt beeinflusst hat. Dennoch ist es oft schwer, Dokumentarfilme in den Kinos zu platzieren und womöglich auch außerhalb des Nachmittags- oder Spätprogramms. Auch im Fernsehen kommen die Dokumentarfilme oft erst zu später Stunde. Durch die Mediatheken wird es inzwischen wieder leichter, das Publikum zu erreichen. Wir sind froh, dass es doch noch viele Arthouse Kinos gibt, die Wert auf ein gutes Dokumentarfilm-Programm legen, und vielleicht werden die Sender auch wieder etwas mutiger und geben ihrem Publikum auch vor 22 Uhr die Möglichkeit, gute Dokumentarfilme anzuschauen. Es würde sicher besser angenommen als oft gedacht. Es ist das einzige Genre, das in seiner Komplexität die Welt zu erklären vermag, und es stärkt letztendlich auch die Glaubwürdigkeit der öffentlichrechtlichen Sender. Ich würde mir wünschen, dass die Budgets wieder etwas höher und die Finanzierungsphasen wieder etwas kürzer werden und dass man das Publikum nicht unterschätzt. NORBERT KAISER: Der Dokumentarfilm hat seinen festen Platz – im TV wie auch bei Streamingportalen, die Zuschauer wollen mehr wissen, wollen sich informieren. Gute Dokus können beides – unterhalten und Infos weitergeben. Wichtig wäre mir für die Zukunft, dass der Dokumentarfilm an seinen Standards festhält und sich treu bleibt. Problematisch wird das Thema „fake news“ auch im

Was war bisher Ihr spannendstes Projekt/Film? SASKIA KRESS: Das erste crossmediale Projekt von Filmtank: „netwars/out of CTRL“. Ein sehr erfolgreiches Projekt, bei dem ich aber auch erfahren habe, wie nah Erfolg und Scheitern beieinander liegen können. Ein Projekt, das extrem über die Grenzen ging - an dem ich aber auch gewachsen bin. Ich habe in der Produktionszeit viel gelernt und es hat mein Jobprofil dauerhaft verändert. Ich empfinde es als großes Glück, bei dieser unvergesslichen Produktion Teil eines tollen netwars-Teams gewesen sein zu dürfen. MONIKA MACK: Es ist tatsächlich so, dass wir bei Bildersturm jedes Projekt so intensiv begleiten und gemeinsam mit dem jeweiligen Team so viele Achterbahnfahrten durchleben, von oft langwierigen Finanzierungsphasen, in denen man nicht sicher sein kann, ob aus einem Exposé wirklich eines Tages der Film wird, über die Unberechenbarkeit von Protagonisten oder neuen Drehbedingungen, dass es schwer ist, Favoriten zu nennen. Deswegen hängt im Moment mein Herz an drei aktuellen Kinoproduktionen. Zum einen „Unter aller Augen“, ein Film von Claudia Schmid über Frauen in Benin, Bangladesch, der DR Kongo, aber auch Deutschland, die übelster Gewalt ausgesetzt waren und sich freigekämpft haben. Der Film kommt jetzt zum Weltfrauentag in die deutschen Kinos. Dann entsteht gerade der Kinofilm „Playing God“ von Karin Jurschick, ein Film über einen charismatischen US-amerikanischen Anwalt, der berechnet, wie viel Dollar ein Menschenleben wert ist und der uns einen gerade jetzt sehr spannenden Einblick in das US-ame-

Wie ist aus Ihrer Sicht der Stellenwert des Dokumentarfilms heute und was wünschen Sie sich für die Zukunft? MONIKA MACK: Interessanterweise sagen viele Leute, sie

STEFAN EBERLEIN Stefan Eberlein wuchs im BadenWürttembergischen Biberach auf und studierte Kommunikationswissenschaft, Soziologie und Neuere Geschichte an der Ludwigs-Maximilians-Universität München. Er arbeitete für Romuald Karmakar und hat ca. 30 Dokumentarfilme, Doku-Serien und Reportagen produziert. Seine Filme liefen auf nationalen und internationalen Festivals. Sein größter Erfolg war „Parchim International“, ein Film über den chinesischen Investor Jonathan Pang, der in Mecklenburg einen alten Militärflughafen hat und dort seine Business-Träume verwirklichen will. Dafür erhielt er u. a. den Deutschen Regiepreis Metropolis 2016, den Publikumspreis Münchner Dokfest, Bester Dokumentarfilm Filmfestival Achtung Berlin, Bester Dokumentarfilm Filmkunstfest MecklenburgVorpommern. FILMBÜRO-SÜD ist eine unabhängige Filmproduktionsfirma in München, Berlin und Biberach. Seit dem Jahr 2000 stellen wir Dokumentationen, Reportagen und Dokumentarfilme zumeist für die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten in Deutschland her. Unser Markenzeichen sind bewegende, gut recherchierte und sensibel erzählte Geschichten über Menschen im sozialen, politischen und kulturellen Kontext. www.filmbuero-sued.de

rikanische Wertesystem gibt, und dann ein Kinderfilmprojekt, „Missing Movie“, ein internationaler non-verbaler Episodenfilm für Kinder in Flüchtlingssituationen. NORBERT KAISER: „Lieder aus der Fremde“, 2016. Ich habe die Uraufführung des musikalischen Werks für die Deutsche Staatsphilharmonie RheinlandPfalz begleitet. Ein türkischer Komponist Mehmet Yesilcay hat zusammen mit der deutschen Schauspielerin Anja Kleinhans diesen Abend gestaltet. Die fiktive Geschichte einer Frau, die aus der Fremde in Deutschland Asyl sucht – und was mit ihr alles passiert. Nach der Uraufführung wurde die Produktion von einer rechtspopulistischen Partei angegriffen, man solle deutsche Steuergelder nur für deutsche Kunst ausgeben. In diesem Moment war klar, wie wichtig es war, eine Dokumentation über diesen Musik-Theaterabend gemacht zu haben, um zeigen zu können, was der Abend bietet und wie man mit dieser Kurzdoku dem aufkeimenden Rechtsruck in der Politik und in der Gesellschaft sachlich begegnen kann. STEFAN EBERLEIN: Das spannendste Projekt gibt es für mich nicht. Im Südsudan bin ich mit einem Voraustrupp des Flüchtlingswerks der UN an einen Ort geflogen, an dem infolge des Bürgerkriegs seit 20 Jahren kein Europäer mehr war. Einen chinesischen Investor begleitete ich sieben Jahre lang und konnte mich in dessen Gedankenwelt vertiefen. In Russland stand ich, obwohl es nicht geplant war, von heute auf morgen zum Drehen in einem Gefängnis und konnte mit Männern sprechen, die mit

Kontext von vermeintlichen Dokumentationen im Internet, die Desinformation in das Kleid des Dokumentarfilms gießen. Medienkompetenz der Menschen ist hier mehr denn je ein wichtiges Element, das wir alle immer wieder neu erlernen müssen, um Agitation zu erkennen. SASKIA KRESS: Viele Dokumentarfilmer und -firmen können heute kaum noch überleben. Möglicherweise gibt es auch zu viele. Aber wie Sender teilweise mit Dokumentarfilmern umgehen, empfinde ich als absolute Ungerechtigkeit. Der Zulauf von jungen Studenten mit dem Schwerpunkt Dokumentarfilm ist an den Filmuniversitäten weiterhin sehr hoch – d. h., das Medium hat auch beim Nachwuchs nichts an Attraktivität eingebüßt. Für den Dokumentarfilm wünsche ich mir, dass diese jungen Menschen neue, qualitativ hochwertige Erzählformen finden, die wichtige Themen jenseits des klassischen 60- oder 90-Minüters in die Welt bringen. Und dass diese auch so finanziert sind, dass sie davon leben können! STEFAN EBERLEIN: Der Dokumentarfilm durchlebt gerade eine interessante Entwicklung. Während die Budgets dafür bei den Sendern in den letzten 15 Jahren auf ein dramatisches Mindestmaß gesunken und die Einschaltquoten traditionell eher schlecht sind (was nicht verwundert, wenn die Filme in der Regel erst ab 23 Uhr gezeigt werden), boomen die Dokumentarfilm-Festivals. Das heißt, es gibt trotz oder gerade wegen der Kurzatmigkeit unseres Informationskonsums ein großes Verlangen nach starken Hintergrund-Geschichten. Dies sollte Sendern und Förderinstitutionen ein Signal sein. Dokumentarfilm ist offensichtlich ein wichtiges Instrument zur Vermittlung von Information und Kultur, das es viel besser zu pflegen gilt, als es momentan der Fall ist. DAS GESPRÄCH FÜHRTE KAI GEIGER.


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AUSGEWÄHLTE DOKUMENTARFILMFESTIVALS

Hauptbahnhof Leipzig © Jonathan Skorupa

DOK Leipzig www.dok-leipzig.de Daniel Sponsel

DOK.fest München

Das DOK.fest München hat sich innerhalb der letzten Jahre zu einem der größten Dokumentarfilmfestivals in Europa entwickelt. Jährlich im Mai präsentiert das Festival die international interessantesten und neuesten Dokumentarfilme für zehn Tage auf der großen Leinwand. Das DOK. fest begleitet Filmografien renommierter FilmemacherInnen, unterstützt FilmemacherInnen aus sogenannten „low production countries“, arbeitet an einer möglichst großen Breitenwirkung für den künstlerischen Dokumentarfilm und sorgt für nachhaltige Verbindungen zwischen Etablierten und Nachwuchs. Interview mit Daniel Sponsel, Künstlerischer Leiter und Geschäftsführer, Kurator DOK.international und DOK.deutsch. 3. – 14.5.2017 | www.dokfest-muenchen.de Wie funktioniert ein Dokumentarfilmfestival? Ein Dokumentarfilmfestival durchläuft wie jedes Filmfestival einen jährlichen Zyklus, der Programmauswahl, Finanzierung und Eventorganisation umfasst. Bei der Filmauswahl werden aus circa 1000 Einreichungen und Filmvorschlägen die 150 herausragendsten ausgewählt. Dazu haben wir ein Team von 20 Sichtern, die über einen Zeitraum von circa vier Monaten das Programm kuratieren und zusammenstellen. Schon im Vorfeld und parallel dazu laufen die Gespräche mit Förderern, Sponsoren und Partnern. Das Organisationsteam plant und realisiert schließlich die rund 360 Filmscreenings und das Rahmenprogramm mit

Empfängen, Preisverleihungen, Konzerten und Panels. Nach welchen Kriterien geht die Jury vor? Beim DOK.fest werden insgesamt zwölf Preise verliehen, für die unterschiedliche Aspekte relevant sind. In den Wettbewerben DOK.international, DOK.deutsch und DOK.horizonte wird das filmische Gesamtkunstwerk prämiert. Bei anderen Preisen werden zum Beispiel ein herausragendes Kamerakonzept oder ein besonderes Zusammenspiel von Dokumentarfilm und eigens komponierter Filmmusik gewürdigt. Eine Auszeichnung konzentriert sich auf studentische Filme, eine andere auf die Darstellung kindlicher Lebenswelten. Für jeden Preis gibt es eine eigene Jury.

Was erwartet die Besucher beim diesjährigen DOK.fest München? In diesem Jahr werden beim Festival 150 herausragende Dokumentarfilme aus knapp 50 Ländern zu sehen sein, und zwar an 14 kulturellen Hotspots in der Münchner Innenstadt. Die Gastland-Reihe DOK. guest nimmt aktuelle Filme aus Mexiko in den Blick und die Retrospektive präsentiert eine Werkschau des großen Dokumentaristen und Fernseh-Pioniers Georg Stefan Troller. Außerdem präsentieren wir bei einer im Open-Air-Reihe mitreißende Musikdokumentarfilme, setzen den Dialog von Film und Kunst in der Pinakothek der Moderne fort und zeigen zum ersten Mal eine Themenveranstaltung im neu eröffneten NS-Dokumentationszentrum. DAS GESPRÄCH FÜHRTE KAI GEIGER.

DOKFEST | DOK.forum Eroeffnung | Filmschulfestival | © Sandra Ratkovic

dokKa Karlsruhe www.dokka.de

Duisburger Filmwoche www.duisburger-filmwoche.de

Dokumentarfilme für Kinder und Jugendliche Duisburg www.do-xs.de

Europäisches Dokumentarfilmfestival dokumentART | Neubrandenburg/Stettin www.dokumentart.org

Filmfest Eberswalde www.filmfest-eberswalde.de

Internationales Frauenfilmfestival Dortmund / Köln www.frauenfilmfestival.eu

Kasseler Dokfest

www.kasselerdokfest.de

goEast – Festival des mittel- und osteurop. Films Wiesbaden www.filmfestival-goeast.de

Neiße Filmfestival Zittau www.neissefilmfestival.de

Nordische Filmtage Lübeck www.filmtage.luebeck.de

Internationales Festival der Filmhochschulen www.filmschoolfest-munich.de

Queerfilm Bremen www.queerfilm.de

Open Air | WENN DER VORHANG | © Neven Allgeier


62  |  Fotografie

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Hinterglasbilder-Wand in Kandinskys und Münters Münchner Wohnung in der Ainmillerstraße 36, um 1913 | Foto: Gabriele Münter © VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Marabout Sidi-Ahia-ben-Ahmar mit zwei hockenden Gestalten, Place Pichon, Sousse, Tunesien, März 1905 | Foto: Gabriele Münter © VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Die Fotografin GABRIELE MÜNTER Bevor Gabriele Münter sich der Malerei zuwandte, hatte sie bereits fotografiert, um 1900 und zwar zum ersten Mal in den USA. Bald wird sie anfangen zu malen, fast täglich, ihr Leben lang. Und Gabriele Münter geht ins Kino! Sie war eine offene und experimentierfreudige Künstlerin, vieles, was sie geleistet hat, ist bisher nur wenig wahrgenommen worden, weil ihr Werk meist durch den engen Fokus ihrer Biografie und ihrer Beziehung zu Kandinsky interpretiert wurde. Bis heute sind daher fast nur ihre Bilder aus der Zeit des »Blauen Reiter« im Zentrum der Aufmerksamkeit gewesen. Und so ist der Name Münter vorwiegend mit dem deutschen Expressionismus assoziiert, mit Murnau und dem MünterHaus. Im Herbst zeigt das Lenbachhaus eine große Gabriele Münter Ausstellung (31. Oktober 2017–8. April 2018). Wir sprachen mit Frau Dr. Isabelle Jansen von der Gabriele Münter- und Johannes EichnerStiftung über die Fotografie, den unbekannten Teil im Werk von Gabriele Münter. Gabriele Münter ist als Malerin des „Blauen Reiter“ bekannt. Aber die Fotografin Münter ist weitgehend unbekannt. Warum? Aus einem einfachen Grund: weil ihre Fotografien kaum ausgestellt worden sind. Die Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung verfügt über einen Bestand von c.a. 2.000 Fotografien, wovon zwei Drittel von Gabriele Münter aufgenommen wurden. Ebenso viele verwaltet die Bibliothèque Kandinsky im Centre Pompidou Paris – auch hier stammt ein Teil von Münter. Der Bestand beider Institutionen wurde 1998-2000 katalogisiert und inventarisiert und in einer gemeinsamen Datenbank zusammengeführt. Anlässlich dieses Projekts wurden die Fotografien erstmals kunsthistorisch bearbeitet und einige Jahre spä-

ter, 2006/2007, von Lenbachhaus und Stiftung in zwei Ausstellungen ausgestellt. Wieviel Raum nimmt die Fotografie im Werk von Gabriele Münter ein, und welchen Stellenwert hat sie? Nicht nur weil die Fotos nicht gezeigt worden sind, ist Münter als Fotografin nicht bekannt, sondern auch, weil sie selbst ihre Fotografien vermutlich nicht als Kunst gesehen hat. Sie hat fotografiert, weil sie Spaß daran hatte, aber sie hat die Fotos nie ausgestellt. Aus dem heutigen kunsthistorischen Blickwinkel sehen wir das natürlich anders. Vor allem die Fotos aus Amerika sind für mich wirklich unglaublich schön - und auch sehr spannend, weil Münter sie aufnahm, bevor sie überhaupt zur Malerei kam. Es zeichnet sich eine Kontinuität ab, Motive

Drei Frauen im Sonntagsstaat, Marshall, Texas 1899/1900 Foto: Gabriele Münter | © VG Bild-Kunst, Bonn 2017

sind zu erkennen, die sie interessieren und die sie später in der Malerei umsetzten wird. Dieser ästhetische Blick ist schon vorhanden, ohne Ausbildung. Mit der Münter-Ausstellung im Lenbachhaus ab 31. Oktober 2017 wollen wir einen großen Schritt zur Anerkennung ihres fotografischen Werkes tun, indem wir zum ersten Mal eine größere Auswahl davon ihren Gemälden gegenüberstellen werden. Wie kam Gabriele Münter zur Fotografie, und wie hat die Fotografie ihr Werk geprägt und beeinflusst? Im Alter von 22 Jahren war sie mit ihrer Schwester in den USA zu Familienbesuchen. Sie hatte bis dahin ein paar Zeichenkurse besucht, aber noch nicht künstlerisch gearbeitet. Während der Reise bekam sie einen Fotoapparat geschenkt und fing an zu

Landschaft bei Guion, Texas, 9.3.1900 Foto: Gabriele Münter | © VG Bild-Kunst, Bonn 2017

fotografieren. Von Anfang an konnte sie mit diesem neuen Medium umgehen, nicht nur in technischer Hinsicht - sie konnte die Fotos richtig komponieren. Das sind keine Amateurfotos! Ähnlich wie in der Malerei ist die Landschaft auch in ihrer Fotografie das häufigste Thema. Erkennbar als direkte Bildvorlage hat Münter die Fotografien jedoch nur selten verwendet. Aber immer wieder hat sie ein Motiv in verschiedenen Techniken umgesetzt – Fotografie, Zeichnung, Malerei, Druckgrafik. Hatte Gabriele Münter bevorzugte Motive und Themen? Neben der Landschaft auch Motive aus ihrem alltäglichem Leben, z.B. die Wohnung in der Münchner Ainmillerstrasse und ihr Haus in Murnau. Ausstellungen waren selten das

Kleines Mädchen auf einer Straße, St. Louis 1900 Foto: Gabriele Münter | © VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Motiv, aber von der ersten Ausstellung des Blauen Reiter gibt es sechs Aufnahmen. Und die Komposition VII von Kandinsky hat sie in unterschiedlichen Stadien fotografiert, sodass die Entwicklung des malerischen Prozesses sichtbar wird. Porträts sind auch ein häufiges fotografisches Thema. Stilleben finden sich in Münters Fotografie interessanterweise gar nicht, obwohl sie in ihren Gemälden oft vorkommen. Für uns ein weiteres Indiz dafür, dass sie die Fotografie nicht als Kunst gesehen hat. Sie haben zwei große Ausstellungen über das Fotografische Werk Gabriele Münters gezeigt (im Jahr 2006/2007; Gabriele Münter – Die Reise nach Amerika, Fotografien 1899 – 1900, 30.9.2006 – 14.1.2007 / Gabriele Münter. Die Jahre mit Kandinsky, Fotografien 1902 – 1914, 10.2. – 3.6.2007). Wie haben die Besucher auf das unbekannte Werk Gabriele Münters reagiert? Bei der Ausstellung „Die Reise nach Amerika” war das Publikum überrascht und hat vor allem den historischen Aspekt der Aufnahmen honoriert. Spezialisten und Menschen, die sich für Fotografie interessieren, sahen hingegen den hohen künstlerischen Wert der Aufnahmen. Bei der anderen Ausstellung „Die Jahre mit Kandinsky” war das Interesse noch größer, da man dort auch andere Protagonisten des Blauen Reiter sehen konnte, also die Geschichte und die Vorgeschichte dieser künstlerischen Entwicklung, illustriert durch Fotos. Im Herbst diesen Jahres (31.10.2017–8.4.2018) zeigt das Lenbachhaus eine große Gabriele Münter Ausstellung. Warum darf man

diese Ausstellung auf keinen Fall verpassen? Wir präsentieren über 50 bislang noch nie oder zuletzt zu Münters Lebzeiten gezeigte Gemälde. Die Ausstellung widmet sich somit auch weit mehr als nur Münters sehr bekannten Blauer ReiterArbeiten, sie zeigt einen Überblick des gesamten malerischen Oeuvres dieser großartigen Künstlerin. Aus den Beständen der Gabriele Münter- und Johannes EichnerStiftung werden etwa 70 Gemälde gezeigt, dazu 15 Werke aus dem Lenbachhaus, ergänzt durch selten gezeigten Leihgaben aus weltweiten Museen und Privatsammlungen. Präsentiert werden die Werke in mehreren thematischen Sektionen, wie z.B. Landschaften, Porträts, Abstraktion, Primitivismus etc. Diese Ausstellung kann man im Kunstbau des Lenbachhauses sehen, oder in den folgenden Stationen: Louisiana Museum of Modern Art, Humlebaeck bei Kopenhagen und Museum Ludwig in Köln. Eine solche umfassende Ausstellungen kann auch nicht oft organisiert werden – die letzte große Münter-Ausstellung hat vor 25 Jahren stattgefunden – deshalb sollte man sie nicht verpassen! DAS GESPRÄCH FÜHRTE KAI GEIGER EIN AUSFÜHRLICHERES INTERVIEW GIBTT ES AUF DEM BLOG WWW.LENBACHHAUS.DE/BLOG

Gabriele Münter | Bildnis von Marianne von Werefkin, 1909 | Foto: Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau, München | Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung © VG Bild-Kunst, Bonn 2017


CARL | arttourist.com 1|2017

Fotografie  |  63

Fotografie

Paris, Berlin und den Vereinigten Staaten haben sich angemeldet. Es werden sowohl junge Positionen als auch Vintage und Klassiker erwartet. Die Messeleitung um den Direktor Sven Eisenhut blickt optimistisch in die Zukunft, denn das Jahr 2017 verspricht ein gutes zu werden, finden doch die Biennale in Venedig sowie die Documenta in Athen statt. Als Novum rückt die photo basel im Sommer die Videokunst mit ins Zentrum – erstmals werden Videoarbeiten, auch zeitbasierte Medienkunst genannt, in einem speziellen Setting dem breiten Publikum gezeigt. 14. – 18.6.2017 www.photo-basel.com

The Invisible Man | Harlem New York, 1952 @ Gordon Parks | Courtesy The Gordon Parks Foundation

Amsterdam Gordon Parks Der legendäre amerikanische Fotograf Gordon Parks beschrieb seine Kamera als seine Waffe der Wahl. Das Foam Museum Amsterdam präsentiert die erste große Retrospektive der Arbeiten von Gordon Parks in den Niederlanden. Er war ein Pionier in vielerlei Hinsicht. Damals war es für afro-amerikanische Fotografen sehr ungewöhnlich, von renommierten Zeitschriften wie Vogue und Life einen Auftrag zu erhalten. Durch seine Arbeit konnte Parks wichtige Themen wie Segregation, Marginalisierung, Ungerechtigkeit und Armut einem breiten Publikum zugänglich machen. 16.6. – 6.9.2017 | www.foam.org

Berlin Juergen Teller. Enjoy Your Life! Juergen Teller, geboren 1964 in Erlangen, zählt international zu den gefragtesten Fotografen der Gegenwart. Seine Arbeiten, oft umJuergen Teller | Plates/Teller, fangreiche Serien, No.75, 2016 | © Juergen Teller werden in Büchern, Zeitschriften, Magazinen und Ausstellungen veröffentlicht. Seit 1986 lebt er in London. Dort begann er für Musik-, Zeitgeist- und Modemagazine zu fotografieren. Bekannt wurde er 1991 als er die Band Nirvana fotografierte und seine Fotos von Kurt Cobain veröffentlichte. Juergen Tellers Arbeiten bewegen sich seitdem an der Schnittstelle zwischen Kunst und kommerzieller Fotografie. Rund 250 Bilder geben Einblicke in sein Gesamtwerk. 20.4. – 3.7.2017 www.berlinerfestspiele.de

© Kai Geiger

Arles Les Recontres de la Photographie

Die Recontres d’Arles wurden 1970 von dem Fotografen Lucien Clergue, dem Autor Michel Tournier und dem Historiker JeanMaurice Rouquette gegründet. Das Festival, das zu den wichtigsten Fotoausstellungen weltweit gehört, widmet sich jeden Sommer ausschließlich neuen Arbeiten von internationalen Fotografen, die eine Jury im Vorfeld auswählt. Arles ist Fotografie. Über die ganze Stadt verteilt werden an verschiedensten Orten, in Museen, Galerien, historischen Denkmälern, Kirchen oder Industriegebäuden, Einzelkünstler, Gruppen oder Themenausstellungen gezeigt. Für viele Fotografen waren und sind die Recontres Sprungbrett für eine internationale Karriere. 3.7. – 24.9.2017 Ausstellungen 3. – 9.7.2017 Festival www.rencontres-arles.com

Basel (CH) photo basel Die photo basel findet in diesem Jahr bereits zum dritten Mal parallel zur Art Basel statt, Austragungsort ist erneut das Basler Volkshaus. Das Feld der teilnehmenden Galerien verspricht, so international wie nie zuvor zu werden – Galerien aus Hong Kong, Tokyo,

Andreas Gursky (*1955) | Charles de Gaulle, 1992 C-Print, 182 x 238,5 cm | Städel Museum, Frankfurt am Main © Andreas Gursky / VG Bild-Kunst, Bonn 2016 / Courtesy Sprüth Magers, Berlin London | DZ BANK Kunstsammlung im Städel Museum

Frankfurt Fotografien werden Bilder. Die Becher-Klasse Ausstellungshaus

Andreas Gursky, Candida Höfer, Axel Hütte, Thomas Ruff, Jörg Sasse, Thomas Struth – mit diesen Namen und mehr noch mit jenen ihrer Lehrer, Bernd und Hilla Becher, verbindet sich eine der radikalsten Veränderungen der Kunst unserer Gegenwart in Bezug auf ihre ästhetischen, medialen und ökonomischen Rahmenbedingungen. Diese Generation von Künstlern, zu der auch Namen wie Volker Döhne, Tata Ronkholz oder Petra Wunderlich gehören, bildete die erste von vielen folgenden „Becher-Klassen“ an der Düsseldorfer Kunstakademie. Die Ausstellung „Fotografien werden Bilder. Die Becher-Klasse“ versammelt über 150 teils großformatige Hauptwerke, aber auch Frühwerke dieser bedeutenden Künstlerinnen und Künstler. Sie haben die Fotografie in den 1990er-Jahren nicht nur international wesentlich geprägt, sondern auch Stellenwert und Wahrnehmung der künstlerischen Fotografie vollkommen neu bestimmt. In ihren formal wie konzeptuell argumentierenden Bildschöpfungen befragen sie den Natur- und Lebensraum des Menschen, dessen unmittelbare Umgebung, private oder globale Dimensionen ebenso wie gesellschaftliche und ästhetische Organisationsprinzipien. Ihr Œuvre kennzeichnet, bei aller Heterogenität, stets ein ambivalentes Verhältnis zur Malerei, das sich zwischen Aneignung und Abgrenzung bewegt. Ihre Werke sind Ausdruck einer selbstbewussten Emanzipation der Fotografie als künstlerisches Medium und reflektieren zugleich jenen – nicht nur digitalen – Moment, in dem sich die Grenzen der beiden ehemals konkurrierenden Medien auflösen. 25.4. – 13.8.2017 www.staedelmuseum.de

SIBYLLE, 2/1964 | Foto: Günter Rössler

Rüsselsheim SIBYLLE – Die Fotografen

Zum ersten Mal wird die Bedeutung der Sibylle – Zeitschrift für Mode und Kultur für die Entwicklung der Fotografie und einer künstlerischen Bildsprache Ostdeutschlands beleuchtet. Sibylle war eine Frauenzeitschrift in der DDR, die regelmäßig schnell vergriffen war und als Ost-Vogue galt. Gründerin und Namensgeberin war Sibylle Gerstner. Herausgegeben vom Modeinstitut Berlin erschien die Zeitschrift ab 1956 sechsmal pro Jahr in einer Auflage von nur 200.000 Exemplaren im Verlag für die Frau, Leipzig. Neben anspruchsvollen Modefotos von Arno Fischer, Roger Melis, Günter Rössler, Ute Mahler, Sibylle Bergemann, Sven Marquardt, Elisabeth Meinke u. a. waren auch ansprechende redaktionelle Beiträge ihr Markenzeichen. Auf die frauenzeitschrifttypischen Ratgeberteile wurde bewusst verzichtet und die gezeigte Mode hatte mit der realsozialistischen Wirklichkeit nur wenig gemein. Anfang 1995 musste das Erscheinen im Selbstverlag aus finanziellen Gründen endgültig eingestellt werden. Die Opelvillen-Ausstellung wurde in Kooperation mit der Kunsthalle Rostock entwickelt und wird neben der Vorstellung der Fotografen auch einen kulturhistorischen Abriss geben. 30.8. – 26.11.2017 www.opelvillen.de

Ausstellung Die vierte Dimension | Foto: Axel Grüner

Braunschweig Museum für Photographie Braunschweig Das Museum für Photographie Braunschweig zeigt internationale zeitgenössische Fotografie und präsentiert wichtige fotografische Positionen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Als ein Ort der Debatte beleuchtet es die aktuellen künstlerischen Praktiken des Mediums aus dem Verständnis der historischen und sozialen Gebrauchsweisen sowie der heutigen Rolle der Fotografie in den Medien. Gegründet wurde das Museum 1984 von Braunschweiger FotografInnen, die ein Forum des Austauschs über fotografische Bilder zu etablieren suchten. Seit 30 Jahren war und ist die Frage nach der jeweils zeitgenössischen Perspektive auf Fotografie Gegenstand lebendiger Auseinandersetzung des von seinen Mitgliedern getragenen Vereins. In begleitenden Veranstaltungen wie Führungen, Künstlergesprächen, Lesungen oder Filmvorführungen werden Aspekte der präsentierten Positionen vertieft und ergänzt. www.photomuseum.de

Colorado River Delta #2 | Near San Felipe, Baja, Mexico 2011 © Edward Burtynsky / Courtesy Admira Milan

Wien (A) Edward Burtynsky. Water

Thomas Ruff (*1958) | Porträt (B. Ebert), 1983 Chromogener Farbabzug, 210 x 165 cm Privatsammlung | © VG Bild-Kunst, 2016

Der kanadische Fotograf Edward Burtynsky (*1955) wurde mit atemberaubenden großformatigen Fotografien, die durch Menschenhand veränderte Landschaften, Industriegelände oder Ballungszentren dokumentieren, weltberühmt. Das KUNST HAUS WIEN widmet dem Künstler, der seine Begabung seit über 30 Jahren in den „Dienst der Kultur der Nachhaltigkeit“ stellt, nun eine erste umfassende Einzelausstellung in Österreich. Sie präsentiert Burtynskys aktuellen Werkzyklus zu einem Thema von globaler Relevanz: Wasser als wertvolle Ressource, als täglich notwendiges Element für unseren Körper und unseren Planeten und als Urquell des Lebens schlechthin. 23.3. – 27.8.2017 www.kunsthauswien.com


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GRAND TOUR arttourist.com gazette Extra Ausgabe 2017

passage2011 | Foto: © Thomas Straub

GRAND TOUR 2017 – ATHEN – BASEL – KASSEL – MÜNSTER – VENEDIG


Henry Moore, Oval with Points, 1968–70 Reproduced by permission of the Henry Moore Foundation Foto: Chris Kozarich

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HENRY MOORE VISION.CREATION. OBSESSION 28. Mai 2017 – 7. Januar 2018

Öffnungszeiten Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen 11 – 18 Uhr Arp Museum Bahnhof Rolandseck Hans-Arp-Allee 1, 53424 Remagen Informationen & Tickets +49 2228 -9425-0, www.arpmuseum.org

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CARL | arttourist.com 1|2017

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MÜNSTER Skulpturprojekte Münster 10.6. – 1.10.2017

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VENEDIG Biennale Venedig 13.5. – 26.11.2017 ATHEN Documenta 14 8.6. – 16.7.2016

Editorial GRAND TOUR der Kunst Nur alle zehn Jahre fallen vier der wichtigsten und spannendsten Kunstereignisse auf dasselbe Jahr. 2017 ist es wieder so weit. Mit der Kunstbiennale Venedig (13.5. – 26.11.2017 ), der documenta Athen (8.4. – 16.7.2017 ) und Kassel (10.6. – 17.9.2017), der Art Basel (15. – 18.5.2017) und dem Skulptur Projekte Münster (19.6. – 1.10.2016 ). Auch wenn es in 2017 keine offizielle GRAND TOUR, eine Zusammenarbeit der vier Veranstaltungen im Bereich einer gemeinsamen touristischen Angebotsstruktur gibt, besteht die Möglichkeit für jede(n) Kunstfreund(in), sich auf die große Reise und auf den neuesten Stand im Bereich der zeitgenössischen Kunst zu begeben. Es war ein Wagnis, schon zu Beginn des Jahres eine Beilage zu diesem Thema zu publizieren, wo viele Informationen, vor allem inhaltlicher Art, noch Allgemeinplätze sind und man die Ideen, Konzepte und Künstler nur erahnen, durch die Presse ab und zu erhaschen kann. Zu Beginn des Kunstreigens werden viele Zeitungen, Monopol und art Das Kunstmagazin Sonderausgaben herausbringen und die Inhalte nachliefern. Da Reisen Planungen bedürfen, möchten wir Ihnen schon heute Appetit machen, Sie zum Reisen anregen und erste Informationen in die Hand, zum Lesen geben. Auf www.grandtour2017.com werden wir Stück für Stück Informationen nachlegen. Unser Titelbild hat etwas vom Reisen, der Dynamik von Bewegung und Beschwerlichkeit, die die Annäherung an die zeitgenössische Kunst oftmals ist. Das Foto ist aus dem spektakulären Kunstprojekt passage2011, einem offiziellen Projekt der 54. Internationalen Kunstausstellung - La Biennale di Venezia 2011, die außerhalb der Giardini und Arsenale an einem der vielen weiteren Kunstorten in Venedig während der Biennale stattfand. Genießen Sie die Grand Tour in Gedanken, auf Reisen, in Teilen oder im Ganzen. Herzliche Grüße, Ihr

Kai Geiger ART CITIES IN EUROPE GmbH geiger@artcities.com

Reiseempfehlungen FÜR GRUPPEN Kassel Marketing GmbH | Fotograf: Paavo Blåfield

FÜR EINZELREISENDE

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GRAND TOUR 2017 – ATHEN – BASEL – KASSEL – MÜNSTER – VENEDIG

Extra Ausgabe 2017

Das Buch „passage2011. Ein aktionistisches, transalpines Drama“, hrsg. v. Christian Schoen ist 2012 im Hirmer-Verlag erschienen. Buch, Kurzfilm oder auch Abzüge aus der FotoEdition können über kunst | konzepte (info@kunst-konzepte.de, T: +49-981 205 96 80) bezogen werden.

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Giovanni Pal. ti Eine Biennale, die «zusammen mit den Künstlern, von ihnen und für sie“ entworfen na Tolentini zo Corte nà o n C.Po o Fo a D r Evangelista ola Pistor Dona C. nd wurde: So beschreibt die französische Kuratorin Christine Macel das Konzept Cder . So .d tar udo S.Stin C t n u a a a r .C Brusa S e m F a r . . C h en rg nd Rio T nd C. Lava La Hauptausstellung der kommenden Venedig-Biennale. Der San TitelNicolò der 57. Ausgabe ist iove ta Ra tarini Fo S. A erà S dori C. re . Con mo rà d C.Llo r . n da Tolentino o T S e F oma .And Viva“ und will denLavadori T r Cim „Viva Arte Fokus mehr auf die Künstler als auf große Themen Campo rea Rio Pal. rne o es Co S. Polo . C. d. Cavalli i ezz C n Corner legen. . M sc Paolo Baratta e Christine Macel | Photo by Andrea Avezzù d . e C.Llo C.Llo C . Tod Fond. M Courtesy La Biennale di Venezia C agazen C.Te Spiriti Chiovere Meloni Fon Pal. à i r h Fon d. Min Ter C. S. Rocco Tabacc S. Polo a o c i Marcello ri o b d R b Tin tto . de S. Maria dei Frari enta Fa C Calle Madonnetta t hielle l Ga Fondam ta Delle Burc Ca . Die orett ffar s t n o e r t a o elfo o tt Fondam In einem Statement schreibt Macel: rte ne Sal „In einer Welt oa iz. S C.D D . Pa in der der Sali voller .P C. Rio Konflikte und Erschütterungen, z. S nta ass sieri C. Rio lon . Ro ion dei Pen Nu à M rr e Humanismus ernsthaft gefährdet ist, ist die Kunst T c Te oli co C. V Sot ag Rio ov b Fo r ra inan C. az t. o om N d en L t C i . derndwertvollste Teil des Menschen. Sie schafft idea . am .d d rga . .V en C o t l C t a alen Raum für Überlegungen, individuellen Aus. d. i Pal. Pre C.te C.Te ti Fon Pal. nde C. d. B C druck, Freiheit und FragestellunLayard . Fond grundlegende Gra a Carrera Barbo d. T d. sego l a . Del Barbarigo n rag DE Rio N Ca S. het Cro gen. Es ist ein L ‚Ja‘ zum Leben, uovoobwohl manchmal to Pal. ser on Pantal R io i z C N a uovo Mehr denn je sind die . d S. Toma ein ‚Aber‘ dahinter steht.“ enta Riz Tiepolo Ex Chiesa di .T Fondam C. ra S. Angelo Passi Pal. Palazzo gh S.M. Maggiore Künstler gefordert, Verantwortung zu übernehD tie ra u c a ro e Volpi S. P n e Benzon t ll e to do aro enta d s Be m men und die Stimme in politischen und geselle a l d P n o Fo C. C.te C.Ren igo ier r à schaftlichen Debatten zu erheben. a Contarini Rio rb om d. C Ba Pala .T a'F .te S a n C n o o Fort d C.te sca C te .d. Ma Cereri ri Bonazzo ta dei Cristo Balbi Pal. n Viva Arte Viva ist auch ein Ausruf, ein Ausdruck C F e O . m d a N . T AGL D. Forn Pal. Mocenigo Fond IAPIE Pal. risi TRA der Leidenschaft für die Kunst und füro den Die Ausstellung entwickelt sich organischCont. in einer Folge von Pavillons, Räumen und . Na ZimC.Po Zud. ond C. d F S. Margherita C. ist eine Figuri stand des Künstlers. Viva Arte Viva Bienna- .Maga mern, die dem Betrachter ein Erlebnis, also eine Reise, von der Innerlichkeit bis zur UnendC.Camerini Bro zen cch le, die mit den Künstlern, den Künstlern und den lichkeit bietet. C.te ett Spe a Pal. Morolin Vecchia . d. C.llo Künstlern entworfen wurde. Es befasst sich mit in C r o e a l li c C.te s Fo C.d.O Squellini mue C. Ca' Lin Fond. die sie vorschlagen, den Fragen, die . Sa Künstler und Publikum Lezze S. Angelo den Formen, Ein weiterer Schwerpunkt der Biennale soll der Dialog zwischen liz. S nal o po a ’A s nt ti Sa r S o Pal. Nani C.Llo ze wird es ttwöchentliche Fra i z . Soccdie Praktiken, die sie entwickeln Pal. o sie stellen, und sein: Während der kompletten Laufzeit der Ausstellung „Open Tar d o C.Te Nuovo C. C. d Car ro C. Bernardo . Z i he TTA l i Grassi alvasia Forno . C.TE STRE C. d.Mgeben, C.d. e C.d Orb beim deFormen riat die des S.M. Lebens, die sie wählen. bles“ bei denen das Publikum die Möglichkeit Mittagessen mit eg ipi bekommt, a B l t n . a Pal . n a u tt a e er e d tr t let M del Carmine S ca . t . d.S C. C M C d.Eröffnung C. C e ore Rezzon dam Pal. den Künstlern insico Gespräch zu kommen. InS.den Wochen soll außerdem Pal. Samuele FOND.C.TE . M vor der aot C. Fon C.R or MAGGIORE o onic Cicogna Rezz Coll. Zenobio . Fond Stefano ti ein Video eines teilnehmendenPal. Künstlers auf der Biennale atro offiziellen Website derSan d. Albertäglich n e Fo T . Armeno d . ro ro Malipie ue C Sott. hochgeladen werden, sodass sich das Publikum bereits vorab Fond.d. Sq C.te Nani mit den gezeigten Arbeiten Sora nzo o ardini tt er G e h ta g en auseinandersetzen kann. S. C.d. IGO Fondam C. d.Tra FOND.RIELLOFONDAMENTA BARBAR S S. Maurizio p ezie C.te Sforza Barnaba na r C r C.Te di Pescheria .d.P Pal. alie F iova nta Zappa e o a Duca del b Ca’ Schließlich gibt es das Projekt „Meine Bibliothek auspacken“, inspiriert durch Walter Benn a i m LorePal. rn r a B . u S t a g t n u L e . C n dan V Loreda ri C.Te Lardona ie . h C.Zag jamins Aufsatz, der 1931 veröffentlicht wurde, in dem die Künstler von Viva Arte Viva eine rc C.Po e Angelo uri C. d. C Pal. C n . Pizzeria Chiesa ondListe ihrer Lieblingsbücher erstellen können (Walter iBenjamin, S. Maurizio a F a ri a Rafaelle g Auspacken meiner Biblioo Falier v n i 'A Il Profeta d d.S.Vida t . C S. C.Llo us C.Bevilaqua Gi von der Liste der Texte, die durch C. Rig den thek: ein Gespräch über das Buch-Sammeln, gefolgt Balastro Zo C.Nave C. hetti e it m S. C. Lio Giustinian C. Ere Autor gelesen und gesammelt werden). Für die Besucher ist es die Chance, die Bücher als Gallerie Sebastiano C. Balastro Pal. PisaniPal. Ausstellung und dell’ kennenzulernen. In einer Quell Inspiration der Künstler einem begleiSac.der d. Toletta Moretta Cavalli C. Accademia Pal. tenden Katalog werden diese CEinblicke öffentlich. orf Francetti C.Llo Saliz u Pal. Barbaro zada C. Centopietre S. Ba Ga Barbarigo segio m C. Chiesa bar FOND Minotto C Die 57. Ausgabe der Biennale von Venedig findet vom 13. Mai bis zum 26. November 2017 . a Terminal d . anti .F Ogniss C.Te D. OGNIS rati C. d. T oletta SANT C.Po Maritima Morti IMacel | Photo by Andrea Avezzù Christine statt. Es nehmen insgesamt 57 Länder teil. Pal. S.Basegio S. Maria Courtesy of La Biennale di Venezia Gallerie Contarinid’ Gigolo Polignac dell’ C. R S. Accademia ota Pal. C. La Trovaso Fond C. L rga N Pal. Loredan a a a n m Collezione i rga Fon enta S. Basilio Pal. o Peggy Barbarig P d C.Po Zatt i . s Piscin Stazione a Bo n ere Nani a Forn i ntin S.Trovaso Ca er Guggenheim C. P Marittima i nal Mocenigo C.d om C. Bastion ed .C pea hie ella C. S. Cristoforo s a Giu Fond. Venier CWEITERE dec(STAND 2016, Reguläre Eintrittskarte BIENNALEN LAND / KÜNSTLER Kanada: Geoffrey Farmer VERNISSAGE Fax +39 041 5218 732 .S. ca Gio P n Einladung) Fond. Zorzi Bragadin 10. - 12. Mai 2017 (nuroauf INFORMATIONEN EURo25 für den einmaligen Besuch der VENEDIG IN 2017 WWW.GRANDTOUR2017) Litauen: Zilvinas Landzbergas C.IN te Lu van Ex Convent F ngo C.L ranch ni Luxemburg: Mike Bourscheid Tel. +39 041 5218 828 Giardini und Arsenale Australien: Tracey Moffatt i arg (Monday > Friday 10 am - 1:30 pm and (Tage können frei gewählt werden und Tanz Belgien: Dirk Braeckman Neuseeland: Lisa Reihana ERÖFFNUNG a B 23.6. – 1.7.2017 Agnese S. M.müssen S. Maria S.nicht rus 25.7. – 12.8.2017 Niederlande: Wendelien van OldenOffizielle Eröffnung und Preisverlei2:30 pm - 5:30 pm; Saturday 10 am aufeinander folgen) Theater Chile: Bernardo Oyarzún a Visitazione Rosario C.C – 9.9.2017 Dänemark: Kirstine Roepstorff borgh hung 1:30 pm) apu Film 30.8. C.Forn C. d zzMusik 13.5.2017 www.labiennale.org Dauerkarte 29.9. – o8.10.2017 Deutschland: Anne Imhof Österreich: Erwin Wurm und Brigitte Fond i a P onte EUR 80 am. C.Nava C.d Normalpreis Kowanz Estland: Katja Novitskova . ro S C.LLO que EINTRITTSKARTEN Schüler und Studenten unter 26 EUR 45 Finnland: Erkka Nissinen und Nathaniel Polen: Sharon Lockhart ÖFFNUNGSZEITEN Rio Terra S. Vito Zattere e MONFALCONE Zatt 1-Wochen Pass EUR 40 (für 7 aufeinan- ro Rumänien: Geta Bratescu Giardini Di – So 10 – 18 Uhr 48 Stunden Eintrittskarten Mellors ere Palazzo C .S. D Ai G C.dietr derfolgende Frankreich: Xavier Veilhan Schottland: Rachel Maclean Arsenale Di – So 10 – 18 Uhr, 13.5. – (Gültigkeit 48 Stunden für beliebig ome o g. In esui Tage) curabil 30.9. Fr und Sa 10 – 20 Uhr) häufige Nutzung) Großbritannien: Phyllida Barlow Schweiz: Theresa Hubbard/Alexander nico ti C. Que i Vorverkauf www.labiennale.org  Irak: Francis Alÿs, Luay Fadhil, Sherko Birchler und Carol Bove Mo geschlossen außer 14.5., 14.8., 4.9., Normalpreis EUR 30 Sott. Santi

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Anne Imhof wird 2017 den deutschen Pavillon auf der Fond Pre mo . i r S t o 57. Internationalen Kunstausstellung – La Biennale di . i And n Ca d. Fi Calle rea lle Larga .S C Venezia gestalten. Eigens für den Pavillon entwickelt .E Ca tua Call rbe e Vo Fond. na raum- und zeitgreifende ArPH de lti d. Sarto Imhof seit Mai 2016 eine i ri le Call Bo XY EXTRAS e Ve te MN S. Felice C de nier ri Werk umfasst malerische, beit. tIhr skulpturale, installal .S l F e ond . SC Fo Corte .P tive sowie performative Arbeiten. riu 11 Felice C nd Palazzo Carità li am . Boldu d. Rio T C.te C .L C. d. V errà C. d Pis en a Retier o B lt r . t a o C.te Tag ga aber keine Kommunikation rba F or Str Blicke treffen sich, entsteht. ta rutta liap B GASTRO-TIPP ad Barbaro e rioli rle ietr N aN aro Pal. Rio a n u Sie nehmen einen wahr, aber erkennen einen nicht an. d Terr o o i s Portrait Anne Imhof C v of alle d à de Fontana ve a C. ella M i Fra d. F © Photo Nadine Fraczkowski Nach Gender, individuell und eigen, zugleich aber stet Santa a nces d o o nna rno cani C. Sofia reotyp erscheinen die Menschen in Anne Imhofs Mad. P Str C. ost ad Va a aN risc lereien C Co und Szenarien. Geräusche, KlangF und KomposiC. .B o ov rte on Palazzo att d. a dirhythmisieren und synchronisieren da Raum und Oc atg C. Ca' d'Oro tionen Ospedale me a d. T lia Sagredo Pal C. C rag nta u d o o r 14 h Körper in einer gedehnten Zeit, welche sich lose durch t C.Te Pal. Civile e e San Lazzaro N s C.llo del t e to uo Traghetto C. Teatro Vecchio Michiel Palazzo S. Apostoli v Cason Ai Mendicanti M e Narrationen elo gliedert. Das Geschehen ist kontingent, algondole n Widman C. C. in i jedem Moment auch anders sein. Die Beweles kann Ga C. A Mi b riel nge an Ca an Palazzo la l i Anne Imhof l| © Photo S. Canciano zwischen zäher Alltäglichkeit und na idm Nadine Fraczkowski o gungen changieren ie W n Mangilli a l e p l C. l e C. Leon l G m S rätselhaften Ritualen, zwischen fremdbestimmten sowie cuol a Sc ra Ca e Palazzo C. C C. r Ca' da nd Pin imia schematisierten Abläufen oder individuellen FehlfunkGrifalconi C.Po Santa e no sanC o Mosto Ospedale Civile ancia .d Be Maria Nova C. La an C tionen, Uniformität und Punk. In der Gruppe formiert, S .C cca . z r z g li a a Santa Maria S ris G. G C.llo S.M. rie C.Po ti allinbleibt die ziellose Individualität bestehen. Auch wenn del Pianto Nova Ex Scuola Grande a Beccarie Rio C. Ciurian C. d Mu Rug . Squ di S di San Marco sie gemeinsam singen, singen sie vom Ich. ti ad S. M. d. V e e r . cchi o . Sp Gio C.Po o ezia Miracoli v C. C. Battisti li C.TE anni C. d HR Riv C . For S.S. Giovanni e Paolo C. Modena . Cas TEATRO Griso ett no Auf Matten und Schlafsäcken, mit Boxsäcken, Baseballt e l l i sto C. C.llo di a mo Co C. d. E Sansoni R Carol Bove. Photo by AndreasS. Laszlo rte schlägern und Rasierern bewegen sich die Performer im G. Konrath rbe C. Teatro io di S. M Palazzo S. G.David Zwirner, New Arm de Courtesy di York/London Rialto a l r i n Trainingscamp der kapitalisierten Körper und des optiai M Malibran a Pisani Elemosinario C.Po ilio n Rialto Ospedaletto mierten Lebens. Zum Bersten gespannt oder erschlafft SCHWEIZER PAVILLON 2017 Fondaco dei Nuovo C. S C. d. M c a erscheinen die dressierten und fragilen Körper wie von Der Kurator Philipp Kaiser hat für die l e o C C Tedeschi t ta . Pin C.llo C. d. ezzo .d Barbari Palazzo avan d R e e . a de le T Material. Forno mon CurnisAusstellung Palazzo unsichtbaren Machtstrukturen durchzogenes io R „Womenlla Mof Venice“Ponte im di ole te Cavazzi-Foscari C. d . Ol C . Morosini S. AponalC. d Schweizer Pavillon an aoder . di Forn Rialto C. S. F Den Bio-Techno-Körpern ist ihre mediale Vermittlung Kunstbinn Borg o Palazzo C rance . M C. P a oloc C.te o sco i a o o C.Po San r m Dona i t inen bereits inhärent. Sie scheinen sich permanentMuazzo in konennale 2017 das Künstlerpaar Teresa bo C. Zo n chi n Bartolomeo C g o Palazzo C Palazzo . . Palazzo Biss P verwandeln; sie wollen zum Bild C. C S. Bartolomeo Hubbard/Alexander Birchler sowie die a S. onte Ruzzini sumierbare Bilder zu e a Cavagnis Campo Bragadin Ant S. Lio S.Künstlerin Silvestro Carol Bove eingeladen. Kai- ria mos Ware. Anne Fon C. Z r o o werden, zur digitalen n F io d. S Imhof begegnet Rio der di S. G. Latera S. Giustina C. G occo . M. o S s a Palazzo i . no alea Gio d Ca Lungunserer Zeit mit einem harten Brutalität Realismus. In ser sieht das Projekt als Auseinanderzza Palazzo van lle ara Sali Calle lto ni L Cappello zzad .P Lar C Palazzo a i d a Ex Ospizio Gussoni lle ihren Szenarien vergegenwärtigt sie, wie a der Körper in setzung mit derR Absenz von Albertog . C. de a tt.

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den Bildbegriff immateriell durch ihre Licht- Was Wurm und Kowanz verbindet, ist die Beziekunstwerke erweitert. Sie macht Lichtobjekte, hung des Bildes bzw. der Plastik zur Architektur. Lichtinstallationen, Lichträume, Lichtarchi- Kowanz hat durch ihre Lichtinstallationen auf tektur. Erwin Wurm hat den Skulpturenbegriff immaterielle Weise den öffentlichen Raum und materiell erweitert. Er hat der performativen die Architektur neu definiert. Wurm hat mit seiWende – die Verwandlung von Kunstobjekten nen berühmten Häuserparaphrasen, von Narrow House bis zu Attack, a in Handlungsformen undadie Erweiterung a 43 aHouse 1A a GT a LU EE a 22 ades NZ a 03 a IS diePSkulptur zur ArSkulpturenbegriffs in die Medien – einen wesent- chitektur verwandelt. lichen Schub gegeben. Wurm macht Skulptur- www.labiennale2017.at a 22 a EE a LURauma LT a IQ a 06 a IS a 15 a G ZW aPerformances, NZ a a 25Skulptur-Installationen, Beide haben in den letzten Jahrzehnten bedeu- skulpturen und Architekturskulpturen. Skulptende österreichische Beiträge zu internationa- tur wird bei ihm Architektur und Handlung len Strömungen entwickelt. Brigitte Kowanz hat und mediale Notation.

Themen-Touren:

Das Ausstellungskonzept sieht zwei international überaus erfolgreiche österreichische KünstlerInnen vor: Brigitte Kowanz und Erwin Wurm – beide StaatspreisträgerInnen, mit zahlreichen Einzelausstellungen in den wichtigsten Kunstzentren von Paris bis New York, deren Werke sich in bedeutenden musealen und privaten Sammlungen befinden.

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CARL | arttourist.com 1|2017

Basel

Ein Paradies für Museumsliebhaber

© Nicolas Glauser

In Basel ist die Begeisterung für Kunst eine Kultur. Das kommt nicht von ungefähr, begegnet einem Kunst doch auf Schritt und Tritt, sei es beim Flanieren durch die schöne Altstadt oder beim Besuch in einem der nahezu 40 Museen – das ist in der Schweiz einzigartig und auch im internationalen Vergleich Spitzenklasse.

Kunst hat in Basel Tradition Für Museumsliebhaber gilt eines ganz klar: Basel ist keine Stadt, die auf die Schnelle entdeckt werden kann. Dafür sorgen die nahezu 40 Museen auf gerade mal 37km2. Mit ihren unterschiedlichen Themenbereichen bieten sie etwas für jeden Geschmack und haben teilweise sogar Geschichte geschrieben. Das Museum für Gegenwartskunst beispielsweise war weltweit das erste seiner Sparte. Und das Schaulager ist eine neue Art von Kunstort, weder Museum noch traditionelles Lagerhaus und zugleich der Wissenschaft zugänglich. Im Museum Tinguely sind die bekanntesten Werke des Schweizer Künstlers Jean Tinguely untergebracht und das Haus hebt sich insbesondere durch seine interdisziplinären Ausstellungen von den anderen Kunstmuseen ab. In einer der ältesten öffentlichen Kunstsammlungen der Welt, im Kunstmuseum Basel, das seit 2016 mit einem grossen Erweiterungsbau aufwartet, können Werke von Holbein bis Picasso sowie hochkarätige Sonderausstellungen bestaunt werden. Das Museum geht auf die Sammlung des kultivierten Basler Bürgers Basilius Amerbach zurück. Im Jahr 1661 verhinderten der grosse Rat und die Universität Basel den Abgang der Amerbach-Sammlung nach Holland. Die Sammlung wurde in einem Patrizierhaus etabliert und war ab 1671 für die Öffentlichkeit zugänglich. Mit Stolz kann auch die Kunsthalle Basel auf einige Ausstellungen zurückblicken, die für die Kunst im 19. und 20. Jahrhundert wegweisend waren. So war sie beispielsweise das erste Museum, das die bekannten Seerosen von Claude Monet ausserhalb von Paris zeigte und so den Anstoss für eine ganze Reihe von Präsentationen in Zürich, London, New York oder Minneapolis gab. Die Kunst begegnet einem aber in Basel nicht nur in der Vielfalt der Museen, sondern

auch überall beim Bummeln durch die Stadt. Serra, Borofsky, Rodin oder Niki de Saint Phalle sind nur einige Namen von Künstlern, die das Stadtbild mit ihren Werken prägen. Idealer Ausgangspunkt für einen Rundgang ist der Tinguely-Brunnen neben dem Theater Basel. Die faszinierenden Bewegungen und Verrenkungen der Metallfiguren bieten ein einzigartiges Spektakel.

Kultur soweit das Auge reicht Bei der ausserordentlich reichen Vielfalt des Kulturangebots kommt jeder interessierte Besucher auf seine Kosten. Neben den hochkarätigen Museen überzeugt auch das Theater Basel als grösstes Dreispartentheater der Schweiz mit hochwertigen Produktionen in Tanz, Oper und Schauspiel und einem breit gefächerten Repertoire. Von zahlreichen Kleintheatern über das Musical Theater Basel bis hin zu Volksbühnen findet sich in Basel zudem alles, was das Kulturherz begehrt. Die Stadt am Rhein verfügt überdies über eine lebendige Musikszene. Ein ganz wesentlicher Teil des gelebten Kulturverständnisses ist auch die im Spätherbst stattfindende Baloise Session an der schon Stars wie Emeli Sandé oder Norah Jones zu Gast waren, sowie die beiden bis über die Stadtgrenzen hinaus bekannten klassischen Orchester.

Museum Tinguely | © Museum Tinguely (Westansicht) 2013 Foto: Roland Schmid

Warteck | Davide Bonina

Kunstmuseum Basel | © Kunstmuseum Basel Foto: Julian Salinas

Wo sich die Architektur eine Hochburg gebaut hat Zeitgenössische Architektur ist für Basel zu einem Markenzeichen geworden. Als faszinierender Kontrast zur ehrwürdigen Altstadt runden topmoderne Bauten von international tätigen Architekten das Bild einer weltoffenen Metropole ab. Hiesige Architekturbüros wie Herzog & de Meuron oder Diener & Diener begeistern die Welt mit aufsehenerregenden Bauten und wirken in ihrer Heimatstadt intensiv an der Stadtentwicklung mit. Aber auch auswärtige Architekten wie Richard Meier, Frank Gehry oder Renzo Piano haben hier Akzente gesetzt. Über welche Bedeutung Basel in der Architekturwelt verfügt, zeigt sich daran, dass rund ein Drittel aller Träger des renommierten Pritzker-Preises hier bereits gebaut hat.

Theater Basel | © Theater Basel


CARL | arttourist.com 1|2017

Basel | 71

Ausstellungen Fondation Beyeler

Claude Monet | En Norvégienne, 1887, In der Barke Öl auf Leinwand, 97,5 x 130,5 cm Musée d’Orsay, Paris, Vermächtnis der Princesse Edmond de Polignac, 1947 | Foto: © RMN-Grand Palais (Musée d’Orsay) / Hervé Lewandowski

Monet | 22.1. – 28.5.2017 Zu ihrem 20. Geburtstag präsentiert die Fondation Beyeler einen der bedeutendsten und beliebtesten Künstler: Claude Monet. Die Ausstellung ist ein Fest des Lichts und der Farben. Sie beleuchtet die künstlerische Entwicklung des französischen Malers von der Zeit des Impressionismus bis zum berühmten Spätwerk. Zu sehen sind seine Landschaften am Mittelmeer, wilde Atlantikküsten, die Flussläufe der Seine, Blumenwiesen, Heuhaufen, Seerosen, Kathedralen und Brücken im Nebel. Der Künstler experimentierte in seinen Bildern mit wechselnden Licht- und Farbenspielen im Verlauf der Tages- und Jahreszeiten. Mit Spiegelungen und Schatten gelang es Monet, magische Stimmungen zu erzeugen. www.fondationbeyeler.ch

Weitere Ausstellungen Urban Art Führungen

Picassos an das Museo Nacional del Prado in Madrid ausgeliehen, die rund 1.4 Millionen Besucher dort gesehen haben. Dem Prado war es ein Anliegen, sich zu reBildnis des Philipp Emanuel vanchieren, und von Savoyen im Alter von knapp zwei Jahren er lässt 2017 desJan Kraeck, gen. Giovanni wegen 26 Werke Caracca, 1587, Öl auf Leinvom späten 15. wand, 121 x 83 cm © Museo Nacional del Prado, Madrid bis zum Ende des 18. Jahrhunderts nach Basel reisen. Selbst diese großzügige Gegenleihgabe erschöpft den Reichtum der Madrider Sammlung natürlich nicht annähernd. Gemeinsam mit den Madrider Kollegen hat das Kunstmuseum Basel beschlossen, anhand von 24 Paarungen (einige wenige erweitert zum Tripel) Verbindungslinien zwischen den beiden Häusern zu thematisieren: Tizian, Zurbarán, Velázquez und Goya treten in Dialog mit Memling, Holbein, Goltzius und Rembrandt.

Die grosse Sommerausstellung ist dem Künstler Wolfgang Tillmans gewidmet. Tillmans wurde 1968 in Remscheid (D) geboren. Als 20-Jähriger lebte er in Hamburg, wo seine künstlerische Arbeit ihren Anfang nahm. Anfang der 1990erJahre studierte er am College of Art and Design in Bournemouth. Von 1992 bis 2007 lebte und arbeitete er vorwiegend in London; danach verlegte er seinen Schwerpunkt nach Berlin. WEITERE AUSSTELLUNGEN Sammlung Beyeler – Das Original 5.2. – 7.5.2017 Sammlung Beyeler „Remixed“ 11.6. – September 2017 Paul Klee 1.10.2017 – 21.1.2018

Kunstmuseum Basel ¡Hola Prado! Zwei Sammlungen im Dialog 8.4. – 20.8.2017 | Neubau 2015 hatte das Kunstmuseum Basel während des Umbaus zehn bedeutende

WEITERE AUSSTELLUNGEN Stephen Cripps. Performing Machines 27.1. – 1.5.2017

Jérôme Zonder. The Dancing Room 7.6. – 1.11.2017

Vitra Design Museum

Der verborgene Cézanne Vom Skizzenbuch zur Leinwand 10.6. – 24.9.2017 | Neubau

Wolfgang Tillmans 28.5. – 1.10.2017

geschnitzte Baustelle) oder der imposante Cement Truck  (2016) in Originalgröße zu sehen sein. Mit viel Ironie, Witz und Humor vereint der konzeptuelle Provokateur oftmals Dekoratives mit Alltagsfunktionen und hinterfragt somit gängige Wertesysteme der Konsumgesellschaft. In Zusammenarbeit mit dem MUDAM, Luxemburg. www.tinguely.ch

Jean Tinguelys „Grosse Méta-Maxi-Maxi-Utopia“ ab März 2017 wieder im Museum Tinguely!

L’Après-midi à Naples | Paul Cézanne, 1870/72 © Privatbesitz

Wolfgang Tillmans | Wet Room (Barnaby), 2010 Ungerahmter inkjet Druck auf Papier, clips 138 x 208 cm | © Wolfgang Tillmans

Wim Delvoye | Étui pour une Mobylette, 2004 aluminium, lacquer, felt, Peugeot Vogue | 70 x 175 x 170 cm, Collection Claudine et Jean-Marc Salomon, France © VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Als Begründer der Moderne ist Paul Cézanne (1839–1906) heute der wichtigste und berühmteste Maler des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Weniger bekannt ist, dass er auch ein wegweisender Zeichner war, denn dieser Aspekt seines Werkes ist bis heute wenig erforscht und selten ausgestellt. Mit 154 Blättern befindet sich im Kupferstichkabinett des Kunstmuseums Basel die weltweit größte Zeichnungssammlung Cézannes. Dass sie bereits in den 1930er-Jahren angelegt wurde, zeugt von der weitsichtigen Basler Sammlungspolitik. Zwei Drittel dieses Bestandes stammen aus aufgelösten Skizzenbüchern, die im Hinblick auf die Ausstellung weitgehend rekonstruiert wurden. Als Anfang und Kern des künstlerischen Prozesses erlauben sie die unmittelbare Begegnung mit Cézannes täglicher Zeichenpraxis. www.kunstmuseumbasel.ch WEITERE AUSSTELLUNGEN Otto Freundlich Kosmischer Kommunismus 10.6. – 10.9.2017 Chagall Die Jahre des Durchbruchs 1911–1919 16.9.2017 – 21.1.2018

Museum Tinguely

Die Welt von Charles & Ray Eames 30.9.2017 – 25.2.2018 Museum, Gallery, Schaudepot, Feuerwehrhaus Charles und Ray Eames zählen zu den einflussreichsten Designern des 20. Jahrhunderts. Mit ihren Möbeln, Filmen, Büchern, Ausstellungen und Medieninstallationen prägten sie unsere Alltagskultur und beeinflussen Generationen von Gestaltern bis heute. Zum 110. Geburtstag von Charles Eames präsentiert das Museum unter dem Titel „An Eames Celebration“ eine ganze Reihe von Ausstellungen und Veranstaltungen, die das Werk des legendären Designerpaares so umfassend wie nie zuvor präsentieren. Die Ausstellung „Die Welt von Charles & Ray Eames“ im Hauptgebäude des Vitra Design Museums bildet das Zentrum dieser Eames-Saison. Konzipiert als große Retrospektive zeigt sie die vielen Facetten des Werkes von Charles & Ray Eames und umfasst Leihgaben aus Sammlungen weltweit. Die Ausstellung wird kuratiertund organisiert vom Barbican Centre, London. „Die Welt von Charles & Ray Eames“ ist eine Ausstellung des Barbican Centre London in Zusammenarbeit mit dem Eames Office und unterstützt von der Terra Foundation. www.design-museum.de

Kunst kann man in Basel nicht nur in den Museen ansehen, sondern auch an den Wänden. Hier finden sich nämlich besonders viele Ecken, an welchen die ArbeiASVP NewYork Spalenring ten von Graffiti- und Street Art-Künstlern bestaunt werden können. Die Organisation «Artstübli» bietet authentische Touren an, welche durch Künstler und Kenner der Szene begleitet werden. Lesen Sie mehr unter www.artstuebli.ch

Rehberger-Weg | © Mark Niedermann

«24 stops» – Der Rehberger-Weg Der Rehberger-Weg verknüpft über eine Länge von rund fünf Kilometern zwei Länder, zwei Gemeinden, zwei Kulturinstitutionen – und unzählige Geschichten. Er verläuft zwischen Weil am Rhein und Riehen, zwischen der Fondation Beyeler und dem Vitra Campus und führt durch eine einzigartig vielfältige Natur- und Kulturlandschaft. Die «24 stops», 24 Wegmarken des Künstlers Tobias Rehberger, geben Anlass dazu, die Geschichte und Geschichten der Umgebung und ihrer Menschen kennen zu lernen und neu zu erzählen. Lesen Sie mehr unter www.basel.com/rehberger-weg

Basel Art Pass Basel Tourismus bietet Ihnen mit dem Art & Design Special ein Pauschalangebot, das die Übernachtung in der gewünschten Hotelkategorie sowie den © Stephan Schacher Eintritt in die Sammlungen und Sonderausstellungen der vier Top-Museen Fondation Beyeler, Kunstmuseum Basel, Museum Tinguely und dem Vitra Design Museum während 48 Stunden beinhaltet. Buchen Sie Ihren Aufenthalt in Basel unter www.basel.com/baselartpass

Gratis Besuch im Museum Die staatlichen Museen des Kantons Basel-Stadt offerieren Ihnen einen Happy Day pro Monat sowie die Happy Hour: Jeden 1. Sonntag im Monat ist der Eintritt ins Museum frei. Die Happy Hour ermöglicht von Dienstag bis Samstag freien Eintritt ins Museum jeweils eine Stunde vor dessen Schliessung. Ausgenommen sind Sonderausstellungen und im Kunstmuseum Basel der Donnerstag sowie im HMB – Museum für Musik der Dienstag. Zu den staatlichen Museen zählen das Antikenmuseum Basel und Sammlung Ludwig, die Skulpturhalle, alle drei Häuser des Historischen Museum Basel (HMB), die drei Häuser des Kunstmuseum Basel, das Museum der Kulturen sowie das Naturhistorische Museum Basel. Weiterführende Informationen finden Sie unter www.museenbasel.ch

WEITERE AUSSTELLUNGEN Monobloc – Ein Stuhl für die Welt 17.3. – 18.6.2017 Mudun – Urban Cultures in Transit 13.5. – 20.8.2017 Together! Die neue Architektur der Gemeinschaft 3.6. – 10.9.2017

Wim Delvoye 14.6.2017 – 1.1.2018 Das Museum Tinguely widmet im Sommer 2017 dem belgischen Künstler Wim Delvoye eine große Einzelausstellung. Neben seinem bekanntesten Werk, der Cloaca, eine Maschine, die den menschlichen Verdauungsvorgang simuliert und von menschlichen visuell nicht zu unterscheidende Exkremente produziert, werden auch Arbeiten wie  Chantier  (1992, eine aus Holz

Charles und Ray Eames posieren mit Stuhlunterbauten. Die Welt von Charles & Ray Eames, Ausstellung im Vitra Design Museum © Eames Office LLC.

© Martin Graf


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Weitere Kunstmessen während der Art Basel LISTE – Art Fair Basel ehemalige Warteck Brauerei Seit über 20 Jahren klein und fein und ungemein bedeutend seit ihrer Gründung im Jahre 1996 ist die LISTE – Art Fair Basel © Fotograf: Daniel Spehr LISTE zu einer der wichtigsten Messen für vorwiegend neue, zum Teil aber auch einer mittleren Generation von Galerien geworden. Die LISTE konzentriert sich auf das Vorstellen von jungen Galerien, mit mehrheitlich jungen, noch wenig bekannten Künstlerinnen und Künstlern. Jedes Jahr präsentieren sich rund 80 Galerien aus über 30 Ländern – davon werden jeweils 10–15 Galerien neu vorgestellt. Die LISTE hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese neuen Galerien zu fördern und sie einem internationalen Fachpublikum vorzustellen. 13. – 18.6.2017 | www.liste.ch

photo basel Volkshaus Basel Acquavella Galleries | © Art Basel

ART BASEL 15. – 18.6.2017 Die Art Basel gilt als die bedeutendste Messe für Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts. Sie heißt jedes Jahr im Juni Kunstliebhaber aus aller Welt willkommen. Sie ist die berühmteste aller internationalen Kunstmessen. Die „beste Show“, die „weltweit bedeutendsten Künstler“, die „wichtigsten Sammler“, „international führende Galerien“, „erstklassige Werke“, „unglaubliches Niveau“, „exzellente Verkäufe“ – so wird die Art Basel von vielen teilnehmenden Galeristen, von Journalisten und Sammlern beschrieben.

PARCOURS

Die Art Basel polarisiert wie keine zweite Verkaufsschau zeitgenössischer Kunst. Doch ihr Erfolg ist unbestritten: jährlich werden aus Basel neue Besucher- und Umsatzrekorde gemeldet. Die letztjährige Messe war die erfolgreichste Messe in der Geschichte der Art Basel.

Das wöchentliche Programm der Kunst Basel von und über Künstler wird von Maxa Zoller kuratiert. Für ihre RoamingSerie von experimentellen Filmvorführungen bekannt, zielt Zoller auf ein abwechslungsreiches und anspruchsvolles Programm von Arbeiten, die gemeinsam einen Dialog über das Medium Film schaffen.

Die durch eine Auswahl hervorgegangenen besten Galerien aus der ganzen Welt stellen moderne und zeitgenössische Werke von hoher Qualität aus: Gemälde, Skulpturen, Installationen, Fotografien, Drucke, Videos und Multimediaarbeiten von über 4.000 Künstlern. Auch die berühmtesten Meister der modernen und zeitgenössischen Kunst von Picasso, Miró, Klee, Warhol und Jeff Koons bis zur jüngsten Künstlergeneration sind jedes Jahr präsent. Die Art Basel ist ein Epizentrum des Kunstmarkts und zieht Galeristen, Sammler, Kuratoren und interessiertes Publikum gleichermaßen an.

SEKTOREN GALLERIES Das Herzstück der Art Basel ist der Bereich der Galerien. Die Besucher erwartet eine breite Palette von modernen und zeitgenössischen Werken, darunter Gemälde, Zeichnungen, Skulpturen, Installationen, Drucke, Fotografie, Video und digitale Kunst von mehr als 4.000 Künstlern.

FEATURE In diesem Bereich stehen von Galeristen fokussiertere kuratorische Projekte im Mittelpunkt. Diese können Soloprä-

Parcours konzentriert sich auf das historische Zentrum Basels rund um das Basler Münster – ein Wahrzeichen der Stadt – und umfasst bedeutende Lokalitäten wie beispielsweise das Museum der Kulturen, das Naturhistorische Museum, das Rathaus und den Münsterplatz. Ortsspezifische Werke von international anerkannten Künstlern werden gezeigt. Die Ausgabe 2017 kuratiert wiederum Samuel Leuenberger vom Kunstraum SALTS.

FILM

Cheim and Read | © Art Basel

sentationen, Nebeneinanderstellungen oder einen thematischen Fokus umfassen und die eine breite Palette von verschiedenen Kulturen, Generationen und künstlerischen Ansätzen repräsentieren.

STATEMENTS Die Statements zeigen Einzelpräsentationen aufstrebender junger Künstler, die den renommierten Baloise Art Prize erhalten können. Die Baloise Group erwirbt Kunstwerke der preisgekrönten Künstler, die sie dann an bedeutende europäische Kunstinstitutionen spenden.

EDITION Führende Verleger von Editionen, Druckgrafiken und Multiples zeigen die Resultate ihrer Zusammenarbeit mit renommierten Künstlern und bieten den Besuchern die Möglichkeit, bedeutende und seltene Publikationen zu sehen.

UNLIMITED Von der New Yorker Kuratorin Gianni Jetzer kuratiert, ist Unlimited die spannendste und wegweisende Ausstellungsplattform der Art Basel. Sie bietet Galerien eine einmalige Chance, Werke zu zeigen, die den Rahmen eines konventionellen Messestandes sprengen würden. Darunter sind massive Skulpturen und Gemälde, Videoprojektionen, großformatige Installationen und Live-Performances.

MAGAZINES Kunstpublikationen aus aller Welt zeigen ihre Magazine in Einzelmagazinständen oder am Gemeinschaftsstand.

TALKS Mit dem anregenden Programm „Konversationen & Salons“ der Art Basel können die Zuschauer ihr Wissen über die internationale Kunst und den Kunstmarkt vertiefen. Die tägliche Conversations-Reihe bietet dem Publikum Teilnahme am Denken wichtiger artworld-Spieler – Künstler, Kuratoren, Kritiker und Sammler –, die ihre einzigartige Perspektive auf die Herstellung, das Sammeln und die Ausstellung von Kunst diskutieren. ADRESSE Messe Basel Messeplatz 10, 4005 Basel, Switzerland www.artbasel.com ÖFFNUNGSZEITEN Private days (nur auf Einladung) Montag 12.6.2017 | Dienstag 13.6.2017 Mittwoch 14.6.2017 VERNISSAGE (NUR AUF EINLADUNG) Mittwoch 14.6.2017 PUBLIKUMSTAGE Donnerstag 15. – Sonntag 18.6.2017 FÜHRUNGEN Öffentliche Führungen, geführt von Kunsthistorikern und Kunstkritikern, werden in drei Sprachen angeboten: Englisch, Deutsch und Französisch.

Die photo basel findet in diesem Jahr bereits zum dritten Mal parallel zur Art Basel statt, Austragungsort ist erneut das Basler Volkshaus. Das Feld der teil© photo basel nehmenden Galerien verspricht, so international wie nie zuvor zu werden – Galerien aus Hong Kong, Tokyo, Paris, Berlin und auch den Vereinigten Staaten haben sich angemeldet. Es werden sowohl junge Positionen als auch Vintage und Klassiker erwartet. Die Messeleitung um den Direktor Sven Eisenhut blickt optimistisch in die Zukunft, denn das Jahr 2017 verspricht ein gutes zu werden, finden doch die Biennale in Venedig sowie die Documenta in Athen statt. Als Novum rückt die photo basel im Sommer die Videokunst mit ins Zentrum – erstmals werden Videoarbeiten, auch zeitbasierte Medienkunst genannt, in einem speziellen Setting dem breiten Publikum gezeigt. 14. – 18.6.2017 | www.photo-basel.com

VOLTA13 Markthalle, Basel Die Messe VOLTA Basel ist eine renommierte Kunstmesse für neue und aufstrebende Kunst. Rund 70 internationale Werke von Gallerien aus fast 20 Ländern werden © Foto Nicholas Winter with courtesy of VOLTA auf der VOLTA Kunstmesse Basel präsentiert. Das Angebot umfasst dabei Bilder, Malereien, Zeichnungen, fotografische Arbeiten, Skulpturen, Papierarbeiten, eklektische und dynamische Präsentationen und vieles mehr. Die VOLTA Messe Basel ist eine Plattform für junge Gallerien und deren Künstler. 12. – 17.6.2017 | www.voltashow.com

Design/Miami Hall 1 Süd, Messe Basel Design Miami/Basel ist eine Ausstellung für internationales Design. Sie ist eine der wichtigsten und einflussreichsten Designmessen in Europa. Verschiedene Aussteller präsentieren hier kreative Innovation, Möbeldesign und Kreationen für den Mode- und Einzelhandel. 13. – 18.6.2017 | www.basel2017.designmiami.com

I Never Read Kaserne Basel Während der Art Basel findet in diesem Jahr bereits zum fünften Mal die I Never Read, Art Book Fair Basel statt, eine Buchmesse für Kunstpublikationen. Vom 15. bis zum 18. Juni 2016 treffen sich im Rahmen der Veranstaltung nationale und internationale Verleger in der Kaserne Basel und zeigen ihre neuesten Publikationen und Druckerzeugnisse. 14. – 17.6.2017 | www.ineverread.com

Scope Basel Clarahaus Auf der Scope in Basel präsentieren internationale Aussteller und Künstler ihre Werke und zeigen in dieser Ausstellung für zeitgenössische Kunst unter anderem interessante und eindrucksvolle Bilder, Drucke und Skulpturen. Kunstliebhaber haben hier die Möglichkeit, zwischen unterschiedlichen Themenpavillons zu wählen. 14. – 19.6.2017 | www.scope-art.com


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alle Fotos © Kassel Marketing

Kassel

Von documenta 14 bis Herkules 300: Die Kassel-Highlights 2017 Willkommen in einer der schönsten Kulturlandschaften der Republik: Willkommen in Kassel! An erster Stelle steht dabei natürlich die documenta 14: Unter dem Motto „Learning from Athens“ präsentiert die Weltkunstausstellung vom 8. April bis 16. Juli in Athen und vom 10. Juni bis 17. September in Kassel die aktuellen globalen Trends aus zeitgenössischer Kunst und Kultur. Durch die Einbeziehung Athens als gleichberechtigter Gastgeber findet die documenta 2017 erstmals an zwei Orten parallel statt. An ein und demselben Ort steht seit nunmehr 300 Jahren der Herkules, Kassels weithin sichtbares Wahrzeichen, innerhalb des UNESCO-Welterbes Bergpark Wilhelmshöhe mit den Wasserspielen liegt. In diesem Jahr wird der kupferne Hüne 300 Jahre alt. Und wie sich das für einen der berühmtesten „Söhne“ der Stadt gehört, wird der runde Geburtstag mit einem rauschenden Fest am 3. und 4. Juni 2017 im Bergpark gefeiert. Außerdem zeigt das Schloss Wilhelmshöhe vom 31. März bis 8. November die Ausstellung „Herkules 300 - Wiedergeburt eines Helden“ rund um die Geschichte des Monuments. „Nur“ 500 Jahre liegen die Anfänge der lutherischen Reformationsbewegung zurück. Ein Jubiläum, das im kommenden Jahr weltweit gefeiert wird. Auch in Kassel und Nordhessen gibt es zahlreiche Orte zu entdecken, die eng mit der Reformation verknüpft sind. Apropos Geschichte: Gleich zwei Kasseler Museen – das Stadtmuseum sowie das Hessische Landesmuseum wurden in den vergangenen Jahren aufwendig modernisiert und empfangen die Besucher nun wieder mit spannenden neuen Ausstellungskonzepten. Während das Stadtmuseum die facettenreiche Geschichte Kassels erlebbar macht, lädt das Hessische Landesmuseum zu einer spannenden Zeitreise durch 300.000 Jahre nordhessische Kultur- und Landesgeschichte ein.

HOTELBUCHUNGEN, STÄDETCARDS UND STADTFÜHRUNGEN Kassel Marketing GmbH Obere Königsstraße 15, 34117 Kassel Telefon: +49 (0)561 70 77-07 info@kassel-marketing.de, www.kassel-marketing.de DOCUMENTA 14 FÜR GRUPPEN (AB 25 PERSONEN) ART CITIES KULTURPAKET  2 Übernachtungen mit Frühstück in einem guten Mittelklassehotel in Kassel  Stadtrundfahrt Kassel entdecken (2 Stunden)  Tageskarte documenta 14  Sonderführung durch die Ausstellungsorte der documenta 14 mit geschultem Personal  Eintritt GRIMMWELT  Eintritt Museum Schloss Wilhelmshöhe  Führung Bergpark Wilhelmshöhe Preis pro Person ab EUR 239 im Doppelzimmer | ab EUR 116 Einzelzimmerzuschlag ART CITIES PLUS Diskussionen und Hintergrundgespräche mit Künstlern in Kassel Vermittlung von Tickets für das Staatstheater Kassel (je nach Spielplan) Karten für eine ausgewählte Abendveranstaltung im Rahmen der documenta 14 (je nach Programm) PROGRAMMBAUSTEINE KASSEL Stadt erkunden FÜHRUNG ZU DEN DOCUMENTA-AUSSENWERKEN Diese Führung verdeutlicht die einzigartige Wechselbeziehung zwischen Kunstwerken und Stadtbild seit 1955. So begegnen einem z.B. der vertikale Erdkilometer von Walter de Maria, der Rahmenbau mit Blick in die Karlsaue von Haus-Rucker-Co (beide documenta 6). Oder die Spitzhacke von Claes Oldenburg und die 7000 Eichen von Joseph Beuys, die zur documenta 7 für Aufsehen sorgten. Ebenso der „Man walking to the sky“ von Jonathan Borofsky oder „Die Fremden“ von Thomas Schütte (beide documenta 9). BERGPARK WILHELMSHÖHE (UNESCO WELTERBE) Europas größter barocker Bergpark mit der Herkules-Statue und den Wasserspielen zählt zum Welterbe der UNESCO. Bei einer Führung erhält man Einblicke in dieses faszinierende Zeugnis der Gartenbaukunst. Ein besonderer Anlass sind die WASSERSPIELE (1. Mai bis zum 3. Oktober, jeweils mittwochs und an Sonn- und Feiertagen ab 14.30 Uhr). Tipp: Beleuchtete Wasserspiele bei Nacht mit klassischer Musik, jeden 1. Samstag im Juni und Juli (Beginn 21.45 Uhr), August (21.15 Uhr) und September (20.45 Uhr). VIDEO WALK IM KULTURBAHNHOF Das Kunstwerk der kanadischen Künstler Janet Cardiff und George Bures Miller entstand zur dOCUMENTA (13) im Jahr 2012. Ausgestattet mit einem tragbaren Mediaplayer unternimmt man eine außergewöhnliche Entdeckungsreise durch den alten Hauptbahnhof. MUSEEN GRIMMWELT Zwischen 1798 und 1841 verbrachten die Brüder Grimm gut dreißig Jahre in der Stadt Kassel. In dem herausragenden Museumsneubau wird das facettenreiche Lebenswerk der Brüder Grimm vermittelt und seine Wirkung über das Heute hinaus in die Zukunft entfaltet. Die Handexemplare der Hausmärchen der Brüder Grimm, die hier zu sehen sind, gehören zum Weltdokumentenerbe der UNESCO. MUSEUM FÜR SEPULKRALKULTUR Einzigartig in Deutschland, zeigt das Museum seit über 25 Jahren ein breites Spektrum an historischen und aktuellen Zeugnissen über Sterben und Tod, Trauer und Gedenken. Neben Totenhemden, Särgen, Kutschen, Trauertrachten und Grabsteinen auch zahlreiche bildliche Darstellungen sowie die zeitgenössische künstlerische Auseinandersetzung mit dem Tod. SCHLOSS WILHELMSHÖHE | GEMÄLDEGALERIE ALTE MEISTER UND ANTIKENSAMMLUNG Ein hochkarätiges Kontrastprogramm zur Gegenwartskunst der documenta. Die herausragende Sammlung vom 16. bis zum 17. Jh. setzt ihre Schwerpunkte bei der niederländischen und flämischen Malerei. AUSSTELLUNGSTIPP Herkules 300 – Wiedergeburt eines Helden, 31.3. - 8.10.2017


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CARL | arttourist.com 1|2017

documenta 14 8.4. – 16.7.2017 | Athen 10.6. – 17.9.2017 | Kassel

© Jonathan Borofsky, Man walking to the Sky

lang wenig hinterfragte Position des zentralen Standorts der documenta wird zugunsten einer anderen Rolle aufgegeben, nämlich der des Gastes in Athen. Die verschiedenen Orte und die divergenten historischen, sozioökonomischen und kulturellen Gegebenheiten in Kassel und Athen wirken sich ebenso auf den Prozess der Schaffung beider Teile der Ausstellung aus, wie sie die einzelnen Kunstwerke inspirieren und beeinflussen. Die an der documenta 14 teilnehmenden Künstler sind eingeladen, im Rahmen der zwischen diesen beiden Städten entstehenden Dynamik zu reflektieren und zu produzieren und für jeden der beiden Orte eine Arbeit zu entwickeln. Die documenta 14 versucht eine Vielzahl von Stimmen in den zwei Städten, in denen sie verortet ist, zwischen ihnen und über sie hinaus zu erfassen und erschließt von dem Blickwinkel der mediterranen Metropole Athen aus, in der sich Afrika, der Nahe Osten und Asien berühren, auch außereuropäische Kontexte.

Jede documenta ist ein einzigartiges Unterfangen, das sich ausgehend vom ursprünglichen Konzept des Künstlerischen Leiters über viele Schritte der Recherche und Diskussion der Ausstellung annähert. Von leidenschaftlichen, öffentlichen Debatten begleitet, ist jede documenta ein Forum zur Reflexion und Präsentation globaler Entwicklungen in der zeitgenössischen Kunst und Kultur, ein Instrument zur Neuschreibung von Geschichte und zur Neudefinition zeitgenössischen Ausstellungsmachens. Alle fünf Jahre zeigt die documenta einem internationalen Publikum neue Richtungen auf. Der Künstlerische Leiter der documenta 14, Adam Szymczyk, hat für die Ausstellung eine Doppelstruktur vorgeschlagen, die sich in dem Arbeitstitel „Von Athen lernen“ widerspiegelt. Im Jahr 2017 sind Kassel und die griechische Hauptstadt gleichwertige Gastgeber der Ausstellung: Die bisalle Fotos © Kassel Marketing

© Claes Oldenburg, Spitzhacke

Thomas Schütte, Ankunft der Fremden | © VG Bild-Kunst, Bonn 2017


CARL | arttourist.com 1|2017

ADRESSE Kassel documenta 14 Friedrichsplatz 18 D-34117 Kassel T +49 561 707 270 www.documenta14.de ÖFFNUNGSZEITEN 10. Juni bis 17. September 2017 Täglich 10–20 Uhr Bitte beachten Sie, dass die Ticketschalter bereits 30 Minuten vor Ende der Öffnungszeiten schließen. Zusätzliche Informationen zu den Öffnungszeiten an den jeweiligen Veranstaltungsorten werden im Frühjahr 2017 bekannt gegeben.

Kassel | Athen  |  75

BESUCHERANFRAGEN Für alle Fragen rund um den Besuch der documenta 14 gibt es nun eine E-Mail-Adresse: visitors@documenta. de und eine Rufnummer +49 (0)561 7072770. Der Besucherservice gibt Antworten auf alle organisatorischen Fragen. Ob Eintrittspreise, Öffnungszeiten oder Fragen zu Führungen – hier erhalten interessierte Besucher alle wichtigen Informationen.

Familienkarte** EUR 50 €

PROGRAMME „Eine Erfahrung“: Eine Vielzahl von Stimmen Der Besuch der documenta 14 kann von einem Mitglied des Chors begleitet werden. Die Aufgabe des Chors ist es, auf die Interessen der Besucher_ innen einzugehen, ihre Bedürfnisse zu hören und durch das Anschauen und Erfahren der Arbeiten der documenta 14 Dialoge, Diskussionen und Debatten anzustoßen. Historisch bestand der Chor in der griechischen Tragödie aus einer Gruppe von Laien und Bürger_innen, die zwischen dem Publikum und den Schauspielenden als Kommentierende, Gestaltwandler und Empath_innen operierten. Während der historische griechische Chor oft den Text des Stücks mit kollektiver Stimme aufsagte, laden die Mitglieder des Chors der documenta 14 die Besucher_innen der Ausstellung ein, eine aktive Rolle im gemeinsamen kritischen Denken über die künstlerischen Projekte einzunehmen, tiefer gehende Fragen anzusprechen und dabei eine breite Perspektive im Bezug auf den jeweiligen Kontext der documenta 14 einzubeziehen. Auf diese Art und Weise werden die Besucher_innen zu Beitragenden der documenta 14 und verhandeln im gegebenen Zeitrahmen Seite an Seite mit den Chorist_innen die Routen, Reaktionen und künstlerischen Arbeiten der Ausstellung. Das Ziel des Vermittlungsprogramms „eine Erfahrung“ ist es, eine Vielzahl von Stimmen zu kreieren, die außerhalb der Ausstellung, in weiteren Fragen, Mythologien, Dialogen, Geschichten, Debatten und Gerüchten weiterklingen.

Kinder (im Alter bis zu zehn Jahren) freier Eintritt

Von Mitgliedern des Chors begleitete Spaziergänge für Gruppen können im Webshop gebucht werden.

Athen

*Schüler_innen, Auszubildende, Studierende, Empfänger_innen von Grundsicherungsleistungen (z. B. ALG II), Personen, die Freiwilligendienst leisten, Geflüchtete und Menschen im Asylverfahren sowie Menschen mit schwerer Behinderung (ab 50 Prozent) erhalten ermäßigte Eintrittskarten gegen Vorlage eines entsprechenden Ausweises. Menschen mit schwerer Behinderung und dem Merkzeichen B, H, BL, AG und G zahlen den regulären Eintritt und haben Anrecht auf freien Eintritt für eine Begleitperson.

TOUREN Die von der Stadt Kassel angekauften Kunstwerke der vergangenen documenta Ausstellungen können nun in geführten Rundgängen erkundet werden: Die Stadt Kassel hat in Kooperation mit der documenta und Museum Fridericianum gGmbH eine eigene Landingpage für die documenta Außenkunstwerke realisiert. Auf der Website www.documenta-historie.de oder über die APP „IZI Travel“ können Interessierte mit ihrem Smartphone oder Tablet aus drei verschiedenen Parcours zu den Kunstwerken ihre Lieblingsroute auswählen. Zur Wahl stehen die Rundgänge „Friedrichsplatz“, „Staatspark Karlsaue“ und „Stadtraum“. Der digitale documenta Guide leitet die Besucher in deutscher oder englischer Sprache zu den Kunstwerken.

Die documenta startet erstmals in ihrer 60-jährigen Geschichte nicht in Kassel, sondern in Athen. Es ist ein mutiger Schritt des künstlerischen Leiters Adam Szymczyk, einen documenta Prolog im krisengeschüttelten Athen zu veranstalten. Im Zeitalter von immer mehr Satellitenveranstaltungen etablierter Messen und Festivals mag es im Trend liegen. Ob es sich allerdings für die documenta eignet, wird sich erweisen. Die Entscheidung ist nicht überall auf Begeisterung gestoßen und wird bis heute leidenschaftlich diskutiert und abwartend freudig und kritisch beobachtet und kommentiert. Noch ist wenig bekannt, was dann wirklich in Athen stattfinden wird, außer dem inhaltlichen Ansatz „Von Athen lernen“. Man darf gespannt sein.

EINTRITTSKARTEN Eintrittskarten können online über den documenta 14 Webshop oder ab Frühling 2017 in den documenta 14 Shops in Kassel und Athen erworben werden. Die Eintrittskarte berechtigt zum Besuch aller Ausstellungsorte der documenta 14 in Kassel. Die Ausstellungsorte in Athen sind zumeist kostenfrei zugänglich. Einige Partnerinstitutionen erheben reguläre Eintrittspreise. www.documenta14.de/de/shop Tageskarte Erwachsene EUR 22 ermäßigt EUR 15* Zweitageskarte Erwachsene EUR 38 ermäßigt EUR 27 * Dauerkarte Erwachsene EUR 100 ermäßigt EUR 70* Abendkarte (gültig ab 17.00 Uhr) Erwachsene EUR 10 ermäßigt EUR 7* Schulklassen (pro Person) EUR 6

**Die Familienkarte gilt für bis zu zwei Erwachsene mit bis zu drei Kindern (bis 16 Jahre).

INFORMATIONEN www.documenta14.de

alle Fotos © Visit Greece

Athen erwartet internationale Gäste und will die Chance nutzen, sich als weltoffene und kulturell reiche Nation zu präsentieren, die aus der Krise und der Kunst Kraft für die Zukunft schöpft. Ein Ziel ist bereits erreicht. Das EMST – das griechische Nationalmuseum für zeitgenössische Kunst – wurde nach jahrelangen Verzögerungen eröffnet, zumindest in Teilen. Mit der Eröffnung wurde eine neue Ausstellungsreihe gestartet mit dem Titel: „Das EMST in der Welt“. Mit ihr möchte das EMST mit anderen Museen und Institutionen kooperieren. Begonnen haben sie den Austausch mit dem Museum of Contemporary Art Antwerp (M HKA). Fortgesetzt wird sie mit der documenta. 8.4. – 16.7.2017 | www.documenta14.de

ADRESSE documenta 14 Metsovou 25 GR-10682 / Athen T +30 215 535 030 0 athens.office@documenta.de ÖFFNUNGSZEITEN 8.4. – 16.7.2017 Täglich 10–20 Uhr HOTELBUCHUNGEN Hotels und Unterkünfte, Informationen und Ratschläge für Gruppen und individuell Reisende und Hilfe bei der Buchung von Unterkünften www.thisisathen.org

Hoteltipps Fresh Hotel

Hotel Novus

New Hotel

Dieses Designhotel liegt wenige Gehminuten von Monastiraki und der Plaka entfernt im Zentrum Athen und bietet luxuriöse, minimalistisch gestaltete Zimmer in lebendigen Farben. Die meisten Unterkünfte besitzen einen Balkon, einige einen Zen-Garten. Die geräumigen Zimmer sind schallisoliert und verfügen über einen LCD-Sat-TV und kostenfreies WLAN. Außerdem stehen Ihnen Pflegeprodukte und Hausschuhe zur Verfügung. Zu den Wellnessoptionen im Hotel Fresh gehören eine Sauna, ein hochmodernes Fitnesscenter und ein Hamam. Auf dem Dach bietet der Außenpool Aussicht auf den Parthenon und die Stadt. Genießen Sie morgens ein reichhaltiges Frühstücksbuffet im Restaurant Magenta. Das Air Lounge Bar-Restaurant auf dem Dach serviert mediterrane Spezialitäten in einer gelassenen Umgebung sowie mit Blick auf die Skyline und die Akropolis am Pool. Fresh Hotel Sofokleous Str. 26, Athens 10552 www.freshhotel.gr

In hervorragender Lage im angesagten Viertel Metaxourgio heißt Sie das Novus City Hotel willkommen. Es bietet schallisolierte Zimmer mit einem Flachbild-TV, kostenfreie Parkplätze sowie einen Pool und eine Bar auf dem Dach mit herrlichem Stadtblick. Das kürzlich eingerichtete 4-Sterne Hotel Novus City bietet stilvolle Zimmer mit Klimaanlage, einem 22-Zoll-LCD-Sat-TV, kostenlosem WLAN und einem Schreibtisch. Ein 18-Stunden-Zimmerservice und Badezimmer mit luxuriösen Annehmlichkeiten zählen zum weiteren Angebot. Die Atrium Bar & Lounge sowie die Views Rooftop Bar, Pool und Terrasse erwarten Sie mit einer umfangreichen Auswahl an Snacks, Salaten, Desserts, Kaffeespezialitäten, Drinks und Erfrischungen. Novus City Hotel 23 Karolou (Karaiskaki-Platz) Athen 104 37 www.novushotel.gr

Dieses brandneue Designhotel erwartet Sie in hervorragender Lage im Stadtzentrum, nur 200 m vom Syntagma-Platz entfernt. WLAN steht Ihnen im ganzen Hotel kostenfrei zur Verfügung. Freuen Sie sich auch auf das mediterrane Restaurant im New Hotel und auf den Fitnessbereich. Die von den preisgekrönten brasilianischen Designern Gebrüder Campana entworfenen 79 Zimmer sind rauchfrei. Das New Hotel ist Mitglied von Design Hotels of the World. Das New Hotel war früher das Olympic Palace Hotel. Während es heute durch sein auffallend modernes Design besticht, konnte es sich seine ursprünglichen Merkmale bewahren, einschließlich der schwarzen Marmortreppe aus den 1940er-Jahren. New Hotel Filellinon 16 Athen 105 57 www.yeshotels.gr/hotel/new-hotel

© Fresh Hotel

© Hotel Novus

© New Hotel


Museo Comunale d’Arte Moderna Via Borgo 34 CH 6612 Ascona Tel. +41 (0)91 759 81 40 museo@ascona.ch

Museo Castello San Materno Via Losone 10 CH 6612 Ascona Tel. +41 (0)91 759 81 60 museosanmaterno@ascona.ch

Dauerausstellung: Ab 04.03 Marianne Werefkin

Dauerausstellung: Ab 04.03 Max Liebermann, Lovis Corinth, Fritz Overbeck, Hans am Ende, Otto Modersohn, Paula Modersohn-Becker, Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel, Hermann Max Pechstein, Emil Nolde, Alexej Jawlensky, August Macke, Christian Rohlfs

Sonderausstellungen: 12.03 – 07.05.2017 Giuliano Collina. Das Leben im Atelier 25.05 – 03.09.2017 Nouveau Réalisme. Die sechziger Jahre

Sonderausstellung: 17.06 – 15.10.2017 Menschenbilder der Moderne. Von Lovis Corinth bis Alexej Jawlensky

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CARL | arttourist.com 1|2017

Münster | 77

MÜNSTER

der westfälischen Metropole von den Anfängen als frühmittelalterliche Klostersiedlung bis zur Gegenwart als Stadt der Wissenschaft und Lebensart. Kernstück des Museums ist die Schausammlung, in der Stadtmodelle und Originalobjekte die über 1200-jährige Geschichte Münsters veranschaulichen. www.stadtmuseum-muenster.de

Wo Kultur Stadt findet

Parallel dazu gibt es am Hafen im Speicher II in der Kunsthalle Münster regelmäßig hochaktuelle zeitgenössische Kunst zu sehen. Der für die Kunst sanierte Getreidespeicher hat sich im vergangenen Jahrzehnt zu einem Produktionsort verwandelt, in dem Künstler risikoreich und experimentell arbeiten können. Die Leitung der städtischen Kunstinstitution hat Dr. Gail B. Kirkpatrick. www.kunsthalle.muenster.de Zeitgenössische Kunst zeigen auch die vielen Galerien der Stadt – für Nachschub sorgt hier nicht zuletzt eine vitale Kunstszene, die rund um die Kunstakademie Münster und den Westfälischen Kunstverein entstanden ist.

Prinzipalmarkt | www.air-klick.de

Dass man über Kunst im Alltag geradezu stolpert – typisch für Münster. „Kunst im öffentlichen Raum“ ist das Thema der „Skulptur Projekte“, die Münster zum festen Begriff in der weltweiten Kunstszene gemacht haben. Alle zehn Jahre ziehen sie ein riesiges internationales Publikum in die Stadt. Und überall ist schon ein Kribbeln zu spüren: Die nächste Ausstellung steht unmittelbar bevor – vom 10. Juni bis 1. Oktober. Längst hat das Thema Spuren überall im Stadtbild hinterlassen, darunter Werke von Henry Moore, Eduardo Chillida, Claes Oldenburg, Rosemarie Trockel oder Ilija Kabakov. Und wichtiger noch: Eine Eigendynamik ist entstanden, auch im zehnjährigen Intervall dazwischen wird der öffentliche Raum immer wieder mit aktuellen künstlerischen Interventionen bespielt. Jüngste Beispiele: Die RehbergerInstallationen, die im Bahnhofsviertel banale Schaltkästen in träumerisch-surreale Skulpturen verwandeln, oder das Erschließen der urbanen Räume Münsters durch die Festivalreihe

Kunsthalle Münster, Aussenansicht | Matthias Grunert

„Flurstücke“, kritisch und kreativ, auch abseits ausgetretener Pfade. Doch Kunst in Münster findet natürlich nicht nur draußen statt. Mit einem Paukenschlag hat sich Münsters LWL-Museum für Kunst und Kultur nach mehrjähriger Umbaupause in der internationalen Kunstszene zurückgemeldet. Seit Eröffnung des Neubaus im Herbst 2014 zeigt das LWLMuseum für Kunst und Kultur die umfangreiche Kunstsammlung auf rund 7.500 Quadratmetern Ausstellungsfläche vollkommen neu. Für Aufsehen sorgt auch die spektakuläre „Höfe“-Architektur: Sie verbindet den Altbau mit kühner zeitgenössischer Formsprache und eröffnet Wege und Räume der Stadt auf neuartige Weise. www.lwl-museum-kunst-kultur.de Nur wenige Schritte entfernt lockt das Kunstmuseum Pablo Picasso Münster in einem wunderbar restaurierten westfälischen Adelshof Kunstfreunde aus ganz Europa an. Neben Picassos kompletter Lithografien-Sammlung beherbergt das Haus eine Vielzahl an Werken von Henri Matisse, Marc Chagall und Georges Braque. Auch eine umfangreiche Picasso-Fotosammlung, aufgenommen von Fotografen wie Irving Penn, Robert Capa, Lucien Clergue oder David Douglas Duncan, ist im Picasso-Museum zuhause. Das Museum präsentiert seine Bestände in thematisch-wechselnden Einzelausstellungen und zeigt regelmäßig exquisite Sonderausstellungen. www.kunstmuseum-picasso-muenster.de

die dem Besucher in wechselnder Konstellation vorgestellt werden. Während sich Ästhetik und Schönheit der lackierten Kunstwerke dem Betrachter auf den ersten Blick erschließen, wird ihre Kostbarkeit umso deutlicher, je mehr man über die aufwändigen Herstellungstechniken erfährt. www.museum-fuer-lackkunst.de Wer sich auf Entdeckungstour durch Münsters Geschichte begeben möchte, für den ist der Besuch des Friedenssaals im Historischen Rathaus ein Must. Hier wurde am 15. Mai 1648 der Spanisch-Niederländische Frieden als Teil des Westfälischen Friedens beschworen. Seit 2015 trägt das Historische Rathaus in Münster als „Stätte des Westfälischen Friedens“, gemeinsam mit seinem Osnabrücker Pendant, das Europäische Kulturerbe-Siegel. www.tourismus.muenster.de Noch mehr historische Details gibt es im Stadtmuseum Münster. Es zeigt die Geschichte

Überhaupt ist es die Mischung aus etablierten und jungen Akteuren, die Münsters Kulturszene so außerordentlich lebendig und abwechslungsreich macht. Neben den über 30 Museen, elf Theatern, einem Varieté und rund 20 Kinosälen finden sich hier jede Menge Veranstaltungen, für die es große, kleine oder gar keine Bühnen braucht, wie zum Beispiel „Schauraum – das Fest der Museen und Galerien“. Ob man im Theater Münster große Oper à la Zauberflöte genießt, im Wolfgang-Borchert-Theater, das mit dem Flechtheim-Speicher am Hafen einen aufsehenerregenden neuen Spielort bezogen hat, ein Stück von Kleist oder im Pumpenhaus aktuellste Tanztheater-Avantgarde erlebt ist nur eine Frage des Spielplans. Mit einem eigenen Sinfonieorchester, einer Musiktheatersparte, der Musikhochschule und vielen freien Ensembles finden die Liebhaber klassischer Musik ganzjährig ein reiches Angebot. Doch auch die Jazzfans kommen nicht zu kurz: Zu ihrem Mekka wird Münster alle zwei Jahre für ein Wochenende im Januar – mit dem Internationalen Jazzfestival Münster. Und in den Jahren dazwischen mit dem nicht minder hochkarätig bestückten Jazz Inbetween. Mehr Infos: www.tourismus.muenster.de www.facebook.com/muenstermarketing www.instagram.com/exploremuenster

Ein echtes Kleinod in der Kulturlandschaft Münsters ist das Museum für Lackkunst in einem Stadtpalais aus dem Jahr 1911. Seine europaweit einzigartige Sammlung umfasst etwa 2.000 Exponate aus unterschiedlichen Ländern,

Schauraum 2015 | © WebRock-Foto.de

ARRANGEMENT SKULPTUR PROJEKTE 2017 10.6.–1.10.2017 Leistungen:  1 Übernachtung inkl. Frühstück  öffentliche Skulptur Projekte-Tour mit Teilnahme-Garantie  Skulptur Projekte Karte  Willkommen-Ticket für freie Fahrt in Münsters Nahverkehr  Inklusive weiterer Zusatzleistungen der beteiligten Hotels Preis: ab 61,00 Euro pro Person im Doppelzimmer

Flurstuecke 2011 | Juliane Unkelbach

Kunstmuseum Pablo Picasso Münster

Buchung: Münster Marketing Tel: +49 (0)251 492-2726 tourismus@stadt-muenster.de www.tourismus.muenster.de


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CARL | arttourist.com 1|2017

SKULPTUR PROJEKTE MÜNSTER 10.6. – 1.10.2017

Peles Empire, Projektskizze für Skulptur Projekte 2017, 3D-Modell, Vorderansicht

Im Sommer 2017 finden in Münster zum fünften Mal die Skulptur Projekte statt. Von Klaus Bußmann und Kasper König 1977 initiiert, sind die Skulptur Projekte zu einer der weltweit wichtigsten Ausstellungen von Kunst im öffentlichen Raum geworden. Ihr großzügiger Turnus von zehn Jahren macht die Ausstellung nicht nur zu einem besonderen Ereignis, sondern auch zu einer Langzeitstudie im Spannungsfeld von Kunst und Öffentlichkeit.

Seit jeher basiert die Ausstellungsentwicklung auf den Vorschlägen der eingeladenen Künstler_innen für temporäre Projekte im Stadtraum. Während die Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Skulptur und den Möglichkeiten von Kunst im öffentlichen Raum stets Ausgangspunkt der künstlerischen Untersuchungen ist, wirft jede Dekade eigene Fragestellungen auf. Mechanismen, Formwerdungen und Wirkungen von Digitalisierung und Globalisierung beschäftigen die kommenden Skulptur Projekte.

Die fünfte Ausgabe entsteht in enger Zusammenarbeit von Kasper König als künstlerischem Leiter mit den Kuratorinnen Britta Peters, freie Ausstellungsmacherin aus Hamburg, und Marianne Wagner, Kuratorin für Gegenwartskunst am LWL-Museum für Kunst und Kultur. Insgesamt entstehen etwa 30 neue künstlerische Positionen zwischen Bildhauerei und performativer Kunst, die sich in die baulichen, historischen und gesellschaftlichen Kontexte der Stadt einschreiben.

Das Projekt der Künstlerinnengruppe Peles Empire knüpft an die skulpturale Tradition der Ausstellung an: Barbara Wolff und Katharina Stöver errichten eine begehbare Skulptur gegenüber dem Aegidiimarkt, die sich auf die Geschichte Münsters bezieht. Nicole Eisenman entwickelt einen Brunnen, dessen Bronze- und Gipsfiguren konservative Vorstellungen von Kunst im öffentlichen Raum durchkreuzen. Ays˛e Erkmen bezieht sich mit ihrem Projekt auf die Stadtentwicklung, wenn sie die beiden

Thomas Schütte, Kirschensäule, 1987, Skulptur Projekte in Münster 1987, Foto: LWL / Rudolf Wakonigg

© LWL/Hanna Neander | LWL-Museum für Kunst und Kultur, Engang und Spitze

Kasper König | Foto: Arne Wesenberg

Ayşe Erkmen, Skulpturen in der Luft, 1997, Skulptur. Projekte in Münster 1997, Foto: LWL / Roman Mensing


CARL | arttourist.com 1|2017

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Ayşe Erkmen, Projektskizze für Skulptur Projekte 2017

Uferseiten des Münsteraner Stadthafens durch einen knapp unter der Wasseroberfläche liegenden Steg miteinander verbindet. Stärker als in den vorangegangenen Ausstellungen werden 2017 performative Formate einbezogen. Das Interesse am Körper resultiert unter anderem aus dessen Verschwinden im digitalen Raum. Künstler_innen wie Alexandra Pirici, Xavier Le Roy gemeinsam mit Scarlet Yu oder die Gruppe Gintersdor-

fer/Klaßen entwickeln jeweils unterschiedliche Formate, die von einer Beteiligung zahlreicher Münsteraner Bürger_innen über das Weitergeben von Handlungsanweisungen an ausgewählte Tänzer_innen bis hin zur kontinuierlichen Zusammenarbeit mit einem großen Netzwerk unverwechselbarer Performance-Stars reichen. Ein weiterer konzeptioneller Strang der Ausstellung gilt dem Verhältnis von Skulptur und

Daniel Buren, 4 Tore, 1987, Skulptur Projekte in Münster 1987, Foto: LWL / Hubertus Huvermann 2016

Zeit. Seit 1977 sind 35 Skulpturen in der Stadt verblieben. Der Diskurs um Dauerhaftigkeit und Veränderung spiegelt sich auch in aktuellen Arbeiten wider: Lara Favaretto setzt in Münster ihre Serie Momentary Monuments (seit 2009) fort, zu der nach der Ausstellung die Zerstörung der gezeigten, monolithischen Steinskulptur gehört; Justin Matherly widmet sich als Bildhauer einer kritischen Durchdringung von Nietzsches Aphorismus von der ewigen Wiederkunft des Gleichen. Mit dem Lichthof im Altbau, dem Foyer des Neubaus und einem Teil der oberen Ausstellungsräume dienen drei ausgewählte Situationen im LWL-Museum für Kunst und Kultur als Projektstandorte: Gregor Schneider verwandelt den Wechselausstellungsbereich in eine Privatwohnung, die nur über den Notausgang zu betreten ist; Nora Schultz dimmt im Foyer das Licht und durchbricht mithilfe von ungelenken Drohnenaufnahmen die in der Architektur angelegten Wahrnehmungsperspektiven.

viermonatigen Ausstellungsdauer können die Skulptur Projekte bei freiem Eintritt besichtigt werden. Besucher_innen sollten zwei Tage einplanen, um alle Werke zu sehen. Veranstalter der Skulptur Projekte 2017 ist das LWL-Museum für Kunst und Kultur, Träger sind der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) und die Stadt Münster. Hauptförderer der Ausstellung sind die Kulturstiftung des Bundes und die Sparkassen- Finanzgruppe.

Insgesamt erweitert die fünfte Ausgabe der Skulptur Projekte ihren Radius: Standorte in vier bis fünf Kilometer Abstand zum Zentrum machen die Stadt abseits ihres touristischen Bilderbuch-Kerns erfahrbar. Während der INFORMATIONEN UND TERMINE über #sp17 www.skulptur-projekte.de, Facebook, Twitter und Instagram. SKULPTUR PROJEKTE 2017 LWL-Museum für Kunst und Kultur Domplatz 10 48143 Münster www.skulptur-projekte.de ÖFFNUNGSZEITEN Montag bis Sonntag 10–20 Uhr Freitag 10–22 Uhr Eintritt frei BESUCHERBÜRO Vermittlungsprogramm Zur Ausstellung wird derzeit ein umfangreiches Vermittlungsprogramm entwickelt. Wenn sie schon jetzt eine Tour für eine Gruppe buchen möchten, könne sie beim Serviceteam der Skulptur Projekte einen Termin reservieren. Informationen zu Fahrradverleih, Touren etc. 0049 (0)251 2031 8200 service@skulptur-projekte.de

Richard Serra, Trunk/J. Conrad Schlaun Recomposed, 1987, Skulptur Projekte in Münster 1987, Foto: LWL / Rudolf Wakonigg

Bruce Nauman, Square Depression, 1977/2007, skulptur projekte münster 07, Foto: LWL / Roman Mensing

HOTELBUCHUNGEN und Informationen zur Stadt Münster Marketing +49 (0) 251 4822726 tourismus@stadt-muenstre.de www.tourismus.muenster.de


KULTUR

#2 arttourist.com gazette ITB Ausgabe

KULTUR unterstützt / supported by ITB Berlin

Les Machines de l’île © Franck Tomps

ITB 2017 | Messezeitung der arttourist.com 


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CARL | arttourist.com 1|2017

© Messe Berlin

Der ITB Kongress 8. – 11.3.2017 Aussteller aus über 185 Ländern und Regionen, mehr als 120.000 Fachbesucher sowie Geschäftsabschlüsse in Höhe von etwa 7 Mrd. Euro zeigen: Auf der ITB Berlin treffen Angebot und Nachfrage am richtigen Ort zusammen. Die weltweit führende Reisemesse ist ein Pflichttermin für alle internationalen Experten der Tourismusindustrie.

ADRESSE Messe Berlin Messedamm 22 14055 Berlin ÖFFNUNGSZEITEN Fachbesucher: 8.-12.3.2017 l 10 - 18 Uhr Fachbesucher-Einlass ab 9:30 Uhr Privatbesucher: 11.-12. März, 10 – 18 Uhr Aussteller-Zutritt: 8:30 - 19 Uhr EINTRITTSPREISE Fachbesucher-Tagesausweis EUR 35 im Vorverkauf EUR 52 an der Tageskasse Fachbesucher-Dauerausweis EUR 50 im Vorverkauf EUR 75 an der Tageskasse Privatbesucher Tageskarte EUR 12 im Vorverkauf EUR 15 an der Tageskasse EUR 8 ermäßigt an der Tageskasse (Schüler & Studenten mit Nachweis) EUR 8 Last Minute Ticket (gültig am 12.3.2017 ab 14 Uhr) freier Eintritt für Kinder unter 14 Jahren in Begleitung eines Erwachsenen

Hier treffen Sie Unternehmen und Verbände sowie Top-Entscheider, Experten, Einkäufer und Nachwuchskräfte aus allen touristischen Bereichen: Hotelunternehmen, Tourismusverbände, Reiseveranstalter, Reisebüros, Verkehrsträger, Buchungsportale, Systemanbieter und alle anderen. ITB KONGRESS Der ITB Berlin Kongress ist der weltweit größte Fachkongress der Reisebranche. In mehr als 200 Keynotes, Interviews und Podiumsdiskussionen greifen Top-Entscheider aus Tourismuswirtschaft und -politik sowie anerkannte Fachexperten Schlüsselthemen auf, die die Strukturen der globalen Reisebranche nachhaltig verändern werden. Das hochgeschätzte Kongressprogramm steht unter anderem für:  Globale Trends  Innovative Geschäftsmodelle  Best Practice-Beispiele  Aktuelle Studienergebnisse Der ITB Berlin Kongress ist damit unentbehrliche Informations- und Networkingplattform, Impulsgeber und Orientierungshilfe für Strategie- und Maßnahmenentwicklung in einer sich dynamisch verändernden globalen Reisebranche.

Buchungen unter www.itb-berlin.de/Besucher/Tickets/

Themenschwerpunkt 2017 Disruptive Travel: Das Ende alter Gewissheiten Derzeit erleben wir eine Phase, in der die globale Weltordnung aus den Fugen gerät und alte Gewissheiten nicht mehr gültig erscheinen. In einer „Ära der Weltunordnung“ verändern sich auch die Strukturen der Reisebranche massiv. Regionale Krisenherde und Terroranschläge verunsichern Reisende und lenken gewohnte Reiseströme um wie nie zuvor. Erstmals stellen sich der Reisebranche nach Jahrzehnten sicher geglaubten Wachstums existenzielle Fragen. Zeitgleich erleben wir eine nie gekannte Wucht der Digitalisierung. Technologiegiganten investieren massiv in Künstliche Intelligenz. Unvorstellbare technologische Fortschritte stellen die Menschheit vor existenzielle Zukunftsfragen. Auch in der

Travel Industry hat Künstliche Intelligenz das Potenzial, etablierte Wertschöpfungsketten aufzubrechen und vollkommen neu zu ordnen. Mit einer Vielzahl von Sessions gibt der ITB Berlin Kongress 2017 wertvolle Anregungen, wie „Safety & Security“ im globalen Tourismus erhöht werden kann und wie die Reisenachfrage in krisenhaften Zeiten stabilisiert werden kann. Gleichsam werden die Potenziale der Künstlichen Intelligenz aufgezeigt und Anregungen für deren profitable Nutzung gegeben. Neben den Schwerpunktthemen werden wieder 400 Referenten in 200 Sessions weitere hochrelevante Trends im globalen Tourismus

behandeln und den ITB-Fachbesuchern und -Ausstellern damit einen wertvollen Wissensvorsprung bieten. Der ITB Berlin Kongress 2017 steht damit unter dem Motto „Disruptive Travel: Das Ende alter Gewissheiten“.

Sie können nicht persönlich vor Ort sein? Folgen Sie dem Livestream der ITB und verpassen Sie keine Session des ITB Future Days, ITB Hospitality Days, ITB Marketing and Distribution Days, ITB Destination Day, ITB eTravel World, ITB MICE Days und des ITB CSR Days! www.itb-kongress.de/de/ Programm/Themenschwerpunkt/


CARL | arttourist.com 1|2017

Messe Berlin | 83

Vorgespräch zum Vortrag

Digital Nomads:

Marktpotentiale eines globalen Trendsegments am 10.3.2017 | 11:45 – 12:10 Uhr im Rahmen des ITB Kongress Wir sprachen mit Christoph Santner und Christine Papadopoulos von der Firma RealMakers e.U. Wer oder Was ist ein Digitaler Nomade? Das ist ein Mensch, der einen neuen LifeStyle, WorkStyle und TravelStyle pflegt und prägt. Die Welt ist für ihn zu groß und zu spannend, um sein ganzes Leben nur an einem einzigen Ort zu verbringen – mit zwei Wochen Pauschalreise pro Jahr. Ein digitaler Nomade lebt an verschiedenen Orten, jeweils für Wochen oder Monate. Wir sprechen hier auch von Workation. Das ist die Kombination von Work & Vacation. Vorzugsweise verdient er sein Geld unter Nutzung der digitalen Möglichkeiten. In immer mehr Berufen ist ja eine permanente Anwesenheit nicht mehr gefordert. Die meisten Digitalen Nomaden sind heute selbständig oder sie betreiben Start-ups mit eigenen Homepages und Web­ shops. Sie sind also Webdesigner, Programmierer, Blogger, Journalisten, Filmemacher, Künstler, Consultants, Entrepreneure. Skype & Co. machen das Arbeiten leicht, auch aus entlegenen Winkeln der Welt. Und es gibt globale Plattformen, die Mitarbeiter für temporäre Projekte suchen. Woher kommt der Trend? Natürlich gab es immer schon Nomaden. Sie existieren heute noch in vielen Teilen der Welt. Wir haben im letzten Jahr z. B. Mongolische Nomaden besucht. Sie bleiben ihrer traditionellen Lebensweise treu, sind aber mit Solarenergie, TV und Handy durchaus an die moderne Welt angeschlossen. Gerade auch viele Künstler verstehen und verstanden sich immer schon als Nomaden. Musiker und Schauspieler gehen seit Jahrhunderten „on tour“. Schauen Sie sich mal an, wie viel etwa Mozart gereist ist, von klein an, in klapperigen Kutschen quer durch ganz Europa! Immer schon existierten Wanderbühnen und auch „Wanderkünstler“, die sich explizit so nannten: etwa die Gruppe von ursprünglich 14 russischen Malern um Iwan Kramskoi, die 1863 demonstrativ aus der St. Petersburger Akademie austraten. Der aktuelle Trend startete natürlich parallel zum Siegeszug des Internets. Zuerst vor allem in den USA. Dazu kommt heute die Möglichkeit, günstig zu reisen. Viele Digitale Nomaden haben auch Eltern aus verschiedenen Kulturen, mit denen sie schon an verschiedenen Plätzen gelebt haben. Das alles zusammen führt dazu, dass sich immer mehr Menschen als Weltbürger erleben. Sie kosten die Chancen aus, die diese neue Daseinsform ermöglicht.

Wie muss man sich das Leben, Arbeits- und Reiseverhalten eines Digitalen Nomaden vorstellen? Es gibt natürlich unterschiedlichste Facetten. Viele gehen zu Hotspots nach Asien, Südeuropa oder Lateinamerika, wo bestimmte Städte wie Magnete wirken. Die Lebenskosten sind dort überschaubar. Vor Ort finden sie eine sehr inspirierende, weltoffene, internationale Crowd, die sich ständig verändert. Co-Working-Spaces gehören zur Grundausstattung. Es entstehen aber auch mehr und mehr Co-LivingSpaces, teils von internationalen Ketten betrieben. Also so etwas wie gut ausgestattete WGs auf Zeit, wo man aber häufig als Team an gemeinsamen Projekten und Start-ups arbeitet. Natürlich gibt es auch vielfältige Möglichkeiten, bei den lokalen Communities anzudocken. Mehr und mehr Städte verstehen diesen Wert, den Digitale Nomaden einbringen, und sie positionieren sich ganz bewusst. Es gibt Rankings im Internet, wo man nach verschiedenen Kriterien gelistete Orte findet, auf die man vermutlich selbst nie gekommen wäre, die aber perfekt zu einem passen. Da ist für jeden Lebensstil etwas dabei.

Was bedeutet dies für die Tourismusbranche, die die Digital Nomads (Digitalen Nomaden) als Trendsetter– Segment erschließen möchte? Es ist unglaublich, wie viele Unternehmen diese Zielgruppe gerade entdecken. Es handelt sich hier um einen riesigen, stark wachsenden Markt. Der typische Digitale Nomade ist gar nicht mal so jung, die stärkste Gruppe ist anfangs bis Mitte 30 und hat sich nach ein paar Jahren im Beruf selbständig gemacht. Aber es gibt auch viele Baby Boomers und Post-Career-Nomaden, die sich dann z. B. ein teures Wohnmobil kaufen, einen Webshop eröffnen und um die Welt fahren. Zumindest bloggen sie für ihre Freunde. Auf jeden Fall geben Digitale Nomaden deutlich mehr Geld für Reisen aus als der

Durchschnittsbürger. Einerseits gibt es viele Start-ups in diesem Bereich, die neue Angebote offerieren. Aber auch Ketten, die den Trend verstanden haben und community-artige Hotels anbieten wie Moxy von Marriot oder Tru by Hilton. Oder Two Roads Hotels, die sich als Lifestyle-Management-Company verstehen und Community Hotels, Restaurants und Bars der nächsten Generation anbieten. Es geht dabei immer wieder darum, nicht als einsamer Wolf das Leben zu bewältigen, sondern in eine Gemeinschaft eingebettet zu sein. In die internationale und in die lokale. Die digitalen Communities des Internets übertragen sich in die reale Welt. Wie sehen weitere konkrete touristische Produkte für einen Digitalen Nomaden aus? Es gibt etwa eigene Kreuzfahrten für Digitale Nomaden, wo gemeinsam gelebt, gearbeitet und gereist wird. Oder Touren, die Sie mit einer gleichgesinnten Gruppe ein Jahr lang rund um die Welt bringen, pro Monat in eine andere aufregende Stadt. Oder Co-Working-Retreats, die ein, zwei, drei Monate lang dauern. Es gibt Angebote wie Roam: Dort werden für eine fixe Gebühr von $ 1.800 pro Monat Co-Living- und Co-WorkingSpaces in aller Welt angeboten, die Sie nach Lust und Laune benutzen können. Gerne nennen wir auch ein heimisches Angebot, das in diese Richtung geht: Die Grätzlhotels der Urbanauts, wo man „Wiener auf Zeit“ werden kann. Da wurden ehemalige Tante-Emma-Läden in stylische Hotel-Appartements umgebaut. Grätzl heißt so viel wie Neighbourhood. Man dockt also bei den inspirierenden Menschen vor Ort direkt an. Das ist der Trend. Einen Boom erleben wir gerade bei Serviced Appartments, die primär von Geschäftskunden benutzt werden. Von Consultants, Filmcrews, Besuchern und Managern rund um Events und Messen etc. Die Branche hat ein jährliches Wachstum von 20 Prozent. Die Zahl dieser Appartements hat sich im letzten Jahrzehnt mehr als verdoppelt. Namen wie Adina, Derag Living Hotels oder Frasers, aus Singapur stammend, werden immer bekannter. Sie bieten neben der Küche im eigenen Appartement auch auf Lounge getrimmte Community-Inseln. Wir sprechen hier von Bleasure, der Kombination von Business & Leasure. Fitness- und Wellness-Angebote unterm eigenen

© Christoph Santner, RealMakers e.U. CHRISTOPH SANTNER, 55, ist Futurist, Consultant, Autor, Keynote-Speaker. Er startete als TV-Journalist beim ORF und spezialisierte sich mit einer eigenen Medien-Agentur auf Zukunftsthemen. Nach Jahren in den USA und London gründete er die Innovations- und Kommunikations-Agentur RealMakers.org, mit der er etablierte Marken und Start-ups „from vision to reality“ begleitet. Nomadical.org promotet das Trendthema „Digital Nomads“. CHRISTINE PAPADOPOULOS, 45, ist Südafrikanerin mit griechischen Vorfahren. Nach ihrem Finanz- und Management-Studium arbeitete sie für Firmen wie Deloitte, Young &

Dach verstehen sich da von selbst. Natürlich mischt auch Airbnb in diesem Markt mit. Den Service kann man optional dazubuchen. Sie sind Gründer des Projektes Normadical.org. Was verbirgt sich dahinter? Sie wissen, was ein Sabbatical ist. Wir haben unser Wort nun geprägt, um damit die nächste Stufe dieser Entwicklung zu beschreiben: Wir sprechen Menschen an, die nicht nur wie beim Sabbatical studieren und „ruhen“, was dieser Ausdruck eigentlich bedeutet. Sie sind aktiv, verdienen ihren Lebensunterhalt und ziehen für eine gewisse Zeit nomadisch durch die Welt. Sie entdecken, sie inspirieren sich und andere, und sie schaffen etwas in dieser Zeit. Wir selbst leben immer wieder so, seit vielen Jahren. Gerade bereiten wir vor, ein Jahr die Seidenstraße zu bereisen, mit einer längeren Phase bei realen Nomaden in der Mongolei. Damit wollen wir andere inspirieren, Ähnliches zu versuchen. Es muss ja nicht gleich für immer sein. Mit unserer Website informieren wir einerseits über den Verlauf unseres eigenen Projekts, beraten aber auch Interessierte. Das sind sowohl Einzelne als auch Unternehmen, die mehr und mehr auf Digitale Nomaden zurückgreifen. Wir vernetzen

Rubiacm und Ogilvy. Seit 2008 in Europa, baute sie u. a. für Microsoft in Westeuropa ein Partner-Loyalty-Program auf. Vor drei Jahren gründete sie mit Christoph Santner RealMakers.org und nun Nomadical.org. Beide sind „nomadic by nature“ und waren für berufliche Projekte in über 50 Ländern unterwegs. Über das Thema Digitale Nomaden hielten sie u. a. Keynotes auf UNWTOKonferenzen in Ulaanbaatar und London. Im Rahmen der ITB sprechen die beiden über das Thema Digital Nomads: Marktpotentiale eines globalen Trendsegments. Am Freitag, 10. März, 11.45 in Halle 7.1b, Saal London

spannende Projekte, die für Globale Nomaden interessant sind, und bieten relevante Informationen. Gerade auch entlang der Seidenstraße. Denn diese wird von China aus quer durch ganz Asien gerade mit unglaublichen Investitionen in Infrastruktur neu ausgebaut und bietet große Chancen. Auch für Digitale Nomaden. Wenn sich die USA und UK abschotten, gilt es eben, zu neuen Oasen aufzubrechen. Unternehmen beraten wir dabei, wie sie es künftig schaffen, einerseits Mitarbeiter durch Nomadicals zu motivieren und zu binden, andererseits aber auch, wie sie vorteilhaft mit externen Digitalen Nomaden zusammenarbeiten können. Diese sind gerne bereit, vor Ort zeitlich begrenzte Projekte zu übernehmen, ohne gleich eine Anstellung zu fordern. Oder sie arbeiten auch gerne „remote“. Das ist eine Win-Win-Situation für beide Seiten. Am FREITAG, 10. März, 11.45 in Hall 7.1b, Saal London, halten Sie einen Vortrag im Rahmen des ITB Kongress. Was erwartet den Kongressbesucher? Wir werden interessierte Touristiker auf die enormen Chancen aufmerksam machen, die es rund um Digitale Nomaden gibt. Also all dies noch deutlich vertiefen, was wir hier nur

anreißen konnten. Jede Woche entstehen teils unglaubliche Start-ups für Digitale Nomaden, wo wir uns fragen, warum diese Felder nicht von traditionellen Anbietern besetzt werden. Natürlich inspirieren wir auch Menschen, die diesen Schritt ins Nomadendasein machen möchten, und zeigen Best-Practice-Beispiele auf. Aber vor allem beschreiben wir dieses neue Paradigma, diesen neuen Lebensstil, den wir beide seit vielen Jahren an verschiedensten Orten weltweit leben. Es gibt nun mal Menschen, die sich mit den Zugvögeln und den wandernden Tierherden verwandt fühlen. Für sie ist es Folter, das ganze Leben angenagelt am selben Ort verbringen zu müssen. Wie sagte schon Jimi Hendrix? „Wenn ich zu lange am selben Ort bin, langweile ich mich!“ Wie ein Künstler on tour zu sein, sein eigenes Opus stetig weiterzuentwickeln und es weltweit zu promoten und zu performen, das wollen mehr und mehr Zeitgenossen in den unterschiedlichsten Berufsfeldern. In der Welt und in der Reisebranche der Zukunft werden Globale Nomaden keine Randerscheinung sein, sondern eine zentrale, inspirierende und prägende Gruppe. Von ihr gehen wesentliche Impulse und Trends aus. Ganz sicher! DAS GESPRÄCH FÜHRTE KAI GEIGER.


84 | Culture Lounge

CARL | arttourist.com 1|2017

Kultur aus ganz Europa auf der ITB 10 Jahre CULTURE LOUNGE auf der weltgrößten Reisemesse BONN/BERLIN. Noch größer und noch internationaler präsentiert sich in 2017 die CULTURE LOUNGE, die offizielle Kulturplattform der ITB Berlin, die in diesem Jahr ihr zehnjähriges Bestehen feiert. Rund 70 Aussteller aus neun Ländern stellen vom 9. bis 13. März 2016 ihre kulturellen Highlights und Angebote vor, darunter Museen aus ganz Europa, Festivals, große europäische Verbundprojekte und Kulturdienstleister. Die Palette reicht von der documenta 14

bis zur Europäischen Kulturhauptstadt, von der Bundeskunsthalle bis zur Ruhrtriennale. Der Anteil internationaler Aussteller in der CULTURE LOUNGE ist 2017 so hoch wie nie: Flandern ist in diesem Jahr Kulturpartner. VISITFLANDERS - Tourismus Flandern-Brüssel mit seinen Kulturstädten Antwerpen, Brügge, Leuven, Oostende und Mechelen präsentiert ein hochkarätiges Kulturprogramm und gibt einen Ausblick auf

die große Kampagne „Flämische Meister 2018-2020“. Mit Aarhus und LeeuwardenFriesland (2018) sowie Valletta (2018) sind gleich drei europäische Kulturhauptstädte in der Kulturhalle präsent. Der Verbund „Van Gogh Europe“ lädt ein, den Spuren des berühmten Künstlers an authentischen Orten in den Niederlanden, Belgien und Frankreich zu folgen. Wieder dabei sind die Europäische Vereinigung der NapoleonStädte und das Kulturland Norwegen. Das

norwegische Tourismusbüro will in Berlin auf die zahlreichen Kulturangebote und -attraktionen in der landschaftlich einzigartigen Umgebung aufmerksam machen. Zu den Ausstellern zählen daneben die großen Ausstellungsprojekte zum Karl Marx-Jubiläum in Trier und zu 300 Jahre Maria Theresia in Österreich. Auch hochkarätige Ausstellungshäuser wie das Museum Kunstpalast Düsseldorf, das Kunstareal München oder die Kunstmeile Hamburg stellen sich vor.


CARL | arttourist.com 1|2017

Culture Lounge | 85

Halle 16 – Die Kulturhalle der ITB Hall 16 – The Hall of Culture at ITB CULTURE BISTRO

Nutzen Sie den ITB Mobile Guide, das praktische, mobile Nachschlagewerk für eine optimale, zeiteffektive Messevorbereitung. Ab Februar kostenlos erhältlich für Android und iOS.

Genießen Sie Spezialitäten aus Indonesien. Dazu präsentiert das Kulturland Indonesien die Vielfalt der 17.000 Inseln.

CULINARY LOUNGE

Enjoy extraordinary specialities from Indonesia. Indonesia presents the manifold culture offers from the 17.000 islands.

URE CULT O R T S BI

An den drei Fachbesuchertagen stellen unsere kulinarischen Partner Flandern, Norwegen und Indonesien Spezialitäten ihres Landes vor. Jeweils mittags und nachmittags verwöhnen wir Sie und Ihre Gäste mit kleinen Kostproben.

IEN

NES

INDO

MEDIA SERVICE

Täglich können Sie sich bei Pressekonferenzen, Vorträgen, Präsentationen oder auch Netzwerktreffen über aktuelle Themen und Projekte informieren und austauschen. Das Programm finden Sie in dieser Broschüre.

Hier finden Sie umfassende Presseinformationen aller CULTURE LOUNGE-Aussteller und die Möglichkeit zum direkten Gespräch mit den jeweiligen Ansprechpartnern.

7 LE 1 HAL RREICH E ÖST EIZ W SCH ENIEN IN W E SLO TENST H LIEC

CULTURE CONFERENCE LOUNGE

Here you will find extensive press information about the CULTURE LOUNGE exhibitors as well a possibility for a direct chat with the according contacts.

#37

#36

Becker Billett

4

Weltkulturerbe #3 3 Völklinger Hütte Hildesheim Marketing Porzellanikon DiözesanPorzellanstraße museum ROGG-INN Paderborn

#3

#35

Museum Barberini

KÜCHE

Staatliche Museen Berlin

#24

#22

CA

European Federation of Napoleonic Cities

Kulturstadt Basel

#21

Information

9

#0

Malta Kassel Marketing/MHK documenta 14

1

#1

0

Budapest Violin Travel

VISITFLANDERS Visit Antwerpen MuZEE Oostende

Schallaburg

Stift & Stadt

#1 Klosterneuburg 2

Als Partner der CULTURE LOUNGE stattet Royal Copenhagen einen Teil des CULTURE CAFÉs mit feinem Porzellan aus. Wir wünschen Ihnen einen genussvollen Aufenthalt!

#2

#16

#13

0

#1

Slovenien

Darmstadt Marketing Hessisches Landesmuseum

9

#08

ROYAL CAFÉ

Kunstareal München

projekt2508

Welterbe Kloster Lorsch

Visit Brügge Visit Leuven Visit Mechelen Belgien-Tourismus Wallonie

European Parliament

#14 #14

#1

#01

L YA

#04 #04

RO

Areneria

#25

Kolumba Karl Marx 2018 Landesausstellung RLP in Trier

D

#03

#26

CULINARY

E BOAR

#02

Leeuwarden-Friesland Kulturhauptstadt 2018

#07

Kunstfest Weimar RuhrNationaltheater triennale

#27

Museum Kunstpalast

E BAR

CULTUR

CULTUR

Kunstmeile Hamburg

Bundeskunsthalle

Kulturland Norwegen

##006

Art Cities Reisen

Ticketmaster

#05

LAGER

#28

ch er

ef ä

9

#2

Pr es s

Kunsthalle Mannheim

CULTURE CONFERENCE LOUNGE

HALLE 15.1 BULGARIEN, POLEN, MAZEDONIEN

0

#3

Landesmuseum Hannover

1

##3091

2

Van Gogh Europe LAGER

#3

Tatort Eifel

#3

Daily press conferences, talks, presentations and network meetings. You will find the complete programme in this brochure. Feel free to join any time.

#38 Europalia Arts Festival Indonesia

We will present specialties from our culinary partners Norway, Flanders and Indonesia. At noon and during the afternoon we spoil you and your guests with little delicacies.

#23

ITB MOBILE GUIDE

©

8

#1

#17

#15

Royal Copenhagen has been a partner of the CULTURE LOUNGE for many years. Enjoy this fine porcelain in a part of the CULTURE CAFÉ.

MEETING POINT

CULTURE CAFÉ

Unser Service für Vertreter der Reisebranche und der Medien: Nutzen Sie die CULTURE LOUNGE als Treffpunkt für Ihre Termine und Besprechungen. Das CULTURE CAFÉ und die CULTURE BAR bieten Ihnen dafür einen angenehmen Rahmen.

Ein besonderer Ort für Besprechungen und Termine. Täglich bieten wir neben Getränken und kleinen Snacks auch ein leichtes Mittagessen für Aussteller und ihre Gäste an.

Our services for Representatives of the Travel Industry and the Media. Use the CULTURE LOUNGE as a meeting point for your appointments and discussions. The Culture Café and the Culture Bar offer a convenient setting.

A special place for your meetings and individual appointments. Daily, we offer a light lunch for exhibitors and their guests, complimentary to little snacks and drinks.

© NBTC

Die integrierte CULTURE CONFERENCE LOUNGE bietet wieder Raum für zahlreiche interessante Vorträge, Pressekonferenzen und Präsentationen zu aktuellen Projekten und Themen für Fachbesucher und Medienvertreter. Eine Liste der Aussteller sowie das aktuelle Programm der CULTURE CONFERENCE LOUNGE stehen auf der Webseite www.culturelounge.de.

DIE KULTURHALLE DER ITB Seit zehn Jahren bietet die CULTURE LOUNGE ideale Voraussetzungen, um Reiseveranstalter, Journalisten und Endverbraucher über aktuelle Kulturprojekte, geplante Ausstellungen sowie bekannte und neue Destinationen zu informieren. Ein bewährtes Modulsystem ermöglicht es, jedem Aussteller eine für ihn budgetgerechte Präsentationsform auszuwählen. Die von der projekt2508 GmbH aus Bonn organisierte

CULTURE LOUNGE ist der offizielle Kulturpartner der ITB und präsentiert sich auch 2017 wieder in der Halle 16, der Kulturhalle der ITB.

MEGATREND KULTURTOURISMUS Kulturangebote in Städten und Regionen werden immer mehr zu einem entscheidenden Kriterium für die Auswahl eines Reiseziels. Laut der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT) werden ca. 45% des Ge-

Alle Bilder © projekt2508

samtumsatzes im Deutschlandtourismus mit kulturorientierten Reisen und Städtereisen erwirtschaftet. Die zunehmende und erfolgreiche Zusammenarbeit von Kultur- und Tourismuspartnern zeigt ein enormes Potential, das bei weitem noch nicht ausgeschöpft wird.


86 | Kunst

CARL | arttourist.com 1|2017

München

FORTSETZUNG VON SEITE 26

gebettet in einen internationalen Reigen von Veranstaltungen und Präsentationen zum Schaffen

GABRIELE MÜNTER 31.10.2017 – 8.4.2018

und Leben Rodins. Das Musée Rodin veröffent-

setzt

und

öffentlich

licht auf der Online-Plattform rodin100.org alle

zugänglich

gemacht

Veranstaltungen, die Rodin weltweit als Wegbe-

Bevor Gabriele Münter sich der Ma-

dem

Expressionismus

wird. Rund 60 interna-

reiter der Moderne feiern.

lerei zuwandte, hatte sie bereits fo-

assoziiert, mit Murnau und dem

tionale Künstlerinnen

7.3. – 11.6.2017 | www.kunsthalle-bremen.de

tografiert, um 1900 und zwar zum

Münter-Haus. Münters Werk ist je-

und

ersten Mal in den USA. Bald wird

doch deutlich facettenreicher, fan-

sich

sie anfangen zu malen, fast täg-

tasievoller und stilistisch breiter ge-

benden Gedanken der

lich, ihr Leben lang. Und Gabriele

fächert als bisher bekannt. Mit der

Reformation auseinan-

Münter geht ins Kino! Sie war eine

ihr im Lenbachhaus gewidmeten

der, die bis heute nicht

Graz Erwin Wurm Fußballgroßer Tonklumpen auf hellblauem Autodach

offene und experimentierfreudige

Ausstellung wird das Museum die-

an Aktualität verloren

Die Ausstellung von Erwin Wurm (*1954 in Bruck

Künstlerin, vieles, was sie geleistet

se reduzierte Rezeption ihrer Arbeit

haben; u. a. werden Arbeiten von Eija-Liisa Ah-

an der Mur) im Kunsthaus Graz nimmt ihren Aus-

hat, ist bisher nur wenig wahrge-

erweitern. Sie wollen die Komplexi-

tila, Ólafur Elíasson, Ays˛e Erkmen, Isa Genzken,

gangspunkt bei der

nommen worden, weil ihr Werk

tät und Eigenständigkeit von Mün-

Pascale Marthine Tayou, Günther Uecker, Ai Wei-

offenen

meist durch den engen Fokus ih-

ters Schaffen anhand kunsthistori-

wei, Erwin Wurm und Zhang Peili zu sehen sein.

tonischen Struktur

scher Fragen sichtbar machen und

Weitere Standorte der Ausstellung sind Berlin und

des

neu bewerten. Im Mittelpunkt der

Kassel. Hier zieht die Kunst in Kirchengebäude

Elemente des Per-

Schau wird ihr malerisches Oeuvre

ein.

formativen,

stehen, welches in verschiedenen

19.5. – 17.9.2017

zipativen und der

rer Biografie und ihrer Beziehung zu Kandinsky interpretiert wurde. Bis heute sind daher fast nur ihre Bilder aus der Zeit des „Blauen Rei-

Gabriele Münter Bildnis von Marianne von Werefkin, 1909 Foto: Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau, München Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung | © VG Bild-Kunst, Bonn 2017

deutschen

stellung in Stand ge-

Künstler mit

setzen

impulsge-

architek-

Kunsthauses. Parti-

ter“ im Zentrum der Aufmerksamkeit gewesen.

thematischen Sektionen präsentiert wird.

Lutherstadt Wittenberg, Altes Gefängnis

skulpturalen

Und so wird der Name Münter vorwiegend mit

www.lenbachhaus.de

Berlin, St. Matthäus-Kirche | Kassel, Karlskirche

zung werden dabei

Set-

www.luther-avantgarde.de

zueinander

und

zum Haus in Bezie-

Deutschland feiert 100 Jahre Bauhaus

hung gebracht. In Wurms Werk zeich-

Erwin Wurm, "Lampenskulpturen", 2016, Foto © Studio Erwin Wurm © VG Bild-Kunst, Bonn 2017

2019 findet das 100-jährige Gründungsjubiläum

nen sich bis heute wesentliche Entwicklungslini-

des Bauhauses statt. 1919 in Weimar gegründet,

en von Skulptur im 20. und 21. Jahrhundert ab

1925 nach Dessau umgezogen und 1933 in Berlin

– über das Objekt zur Handlung und weiter zur

unter dem Druck der Nationalsozialisten geschlos-

Bildwerdung. Anwesenheit und Abwesenheit zie-

sen, bestand das Bauhaus nur 14 Jahre. Dennoch

hen sich als Fragestellungen durch Wurms Werk,

wirkt die legendäre Hochschule für Gestaltung bis

wobei gerade Absenzen (von Objekt und Mensch)

in die Gegenwart fort. Sie gilt als wirkungsvollster

die Kraft der Imagination stimulieren.

Exportartikel von Kultur aus Deutschland im 20. Jahrhundert. www.bauhaus100.de

Frau im Clubsessel B3 von Marcel Breuer, Maske von Oskar Schlemmer, Kleid von Lis Beyer. Foto: Erich Consemüller, um 1927. Klassik Stiftung Weimar.

Wien

Wien 2018: Schönheit und Abgrund

Fernand Léger aus dem Malerbuch: Cirque, 1950 Kunstmuseum Pablo Picasso Münster |© VG Bild-Kunst, Bonn 2017 Fotos: Rudolf Wakonigg

Bietigheim-Bissingen Meisterwerke der französischen Moderne. Malerbücher von Bonnard bis Picasso

24.3.–20.8.2017 | www.museum-joanneum.at

Paderborn WUNDER ROMs im Blick des Nordens Paderborner Ausstellung wird zur Reise durch die Zeit Rom! Sehnsuchtsort,

Die Künstler der französischen Moderne wie Pi-

Pilgerziel,

erre Bonnard, Georges Braque, Marc Chagall,

tionsquelle für Phi-

Inspira-

Fernand Léger, Henri Matisse, Joan Miró und Pab-

losophen, Literaten

Einladung an Wiener Institutionen: Anlässlich

lo Picasso haben auch in den grafischen Künsten

und

der 100. Todestage von Gustav Klimt, Egon Schie-

Meisterwerke geschaffen. Die Ausstellung widmet

große Sonderausstel-

le, Otto Wagner und Koloman Moser im Jahr 2018

sich den Malerbüchern – diese Gattung aufwendig

lung im Diözesan-

wird der WienTourismus die Wiener Moderne

gestalteter Bücher entstand Ende des 19. Jahrhun-

museum Paderborn

in den Fokus seiner weltweiten Bewerbung von

derts maßgeblich in Frankreich. Die Ausstellung

WUNDER ROMs im

Wien rücken.

zeigt einen repräsentativen Überblick über die

Blick des Nordens –

Entwicklung der „livres d’artistes“ im 20. Jahr-

Von der Antike bis

Ziel ist es, die Zeit in Wien um 1900 sowie die

hundert: bibliophile Bücher mit Originalgrafiken,

zur Gegenwart (31.3.

Avantgarde-Rolle dieser Epoche und ihre Bedeu-

auf hochwertigem Papier in begrenzter Auflage

– 13.8.2017) lädt ein,

tung bis heute hervorzustreichen. In allen Berei-

gedruckt, wobei das Verhältnis von Text und Bild

die

häufig gleichrangig ist und die Künstler gelegent-

Faszination der ewi-

lich auch eigene Texte bildnerisch schmückten.

gen

Zäsur sorgte. Die Welt und Wien schwankten da-

Für die Ausstellung sind die – meist ungebunde-

Stadt zu erkunden.

mals zwischen Schönheit und Abgrund.

nen – Bücher so aufbereitet, dass alle Seiten mit

Auf den Spuren bedeutender Rom-Reisender schlägt

den attraktiven Farbholz- und Linolschnitten, Li-

sie einen Bogen vom Mittelalter bis zur zeitgenössi-

Der WienTourismus wird das Jahresthema 2018 in

thografien, Radierungen und Aquatinten von 18

schen Foto- und Videokunst. Antike Meisterwerke

all seinen Märkten weltweit bewerben. Zahlreiche

Künstlern der französischen Moderne intensiv be-

und sakrale Schätze aus den Museen des Vatikan und

Angebote zu diesem Thema sollen den Wien-Be-

trachtet werden können. In Kooperation mit dem

des Römischen Kapitol kommen nach Paderborn.

such für Touristen aus aller Welt in diesem Jahr

Kunstmuseum Pablo Picasso Münster.

Gemeinsam mit diesen charismatischen Zeugnissen

noch attraktiver machen.

8.4. – 2.7.2017 | galerie.bietigheim-bissingen.de

jahrtausendealter römischer Kultur sind wertvolle

chen des Lebens und der Kunst entstand damals Neues, bevor der Erste Weltkrieg für eine große

www.wienermoderne2018.info

Klimt.Schiele.Wagner.Moser.

www.wienermoderne2018.info

Bremen Auguste Rodin. Meisterwerke zum 100. Todestag

Aschaffenburg

Christian Schad Museum Eröffnung Mai 2018

Künstler.

Die

ungebrochene und

heiligen

Marmorhand der Kolossalstatue Kaiser Konstantins des Großen, um 315, Rom, Musei Capitolini © Rom, Musei Capitolini, Archivio Fotografico

mittelalterliche Manuskripte zu sehen, Schatzkunst und Architekturfragmente sowie Skizzen, Zeichnungen, Grafiken, Skulpturen und Fotografien bedeutender Künstler des Nordens. Sie stammen aus renom-

Anlässlich des 100. Todestags von Auguste Rodin

mierten Museen und Bibliotheken in ganz Europa.

(1840–1917) präsentiert die Kunsthalle Bremen

31.3.–13.8.2017 | www.wunder-roms.de

Meisterwerke des französischen Bildhauers aus ihDie Stadt Aschaffenburg errichtet das Christian

rer Sammlung. Darunter sind seine radikal veristi-

Schad Museum als ersten Bauabschnitt des neuen

sche Figur Johannes der Täufer (1878-1880) sowie

„Museumsquartiers“. Das architektonisch wie in-

die verkleinerten Ausführungen von drei Figuren

haltlich spannende und zeitgemäße Museum soll

aus Rodins berühmter Skulpturengruppe „Die Bür-

im Mai 2018 eröffnet werden. Bei der Einrichtung

ger von Calais“ (1889), die genauso wie

Magazin KKmag 2017 Inspirationen für Leib und Seele

der drei Etagen werden die Mitarbeiter der Muse-

das Johannes-Exemplar vom Kunst-

Der Mensch lebt

en der Stadt Aschaffenburg aus dem Vollen schöp-

verein Bremen direkt beim Künstler

nicht vom Brot al-

fen können: mehr als 3.200 Werke umfasst der

in

leine … Kunst und

Nachlass, den Schads Witwe Bettina in die Chris-

worden waren. Ro-

Kultur

tian-Schad-Stiftung Aschaffenburg überführt hat-

dins Figuren werden

Butter und Marme-

te. Aschaffenburg ist damit weltweit der einzige

ergänzt

lade. KKmag 2017

Standort, der alle Schaffensperioden des „Meisters

nössische Fotografien von

bietet

der neuen Sachlichkeit“ beleuchten kann. Die

Candida Höfer (*1944): In ihrem

Appetithäppchen

Museumsbesucher erwarten von der Malerei über

Zyklus „Zwölf“ aus dem Jahr 2000

Geschmacksrichtungen. Damit der geweckte

die Schadographie bis hin zur Photographie her-

fotografierte sie Rodins Bürger von

Hunger schnell gestillt werden kann, gibt es

vorragende Zeugnisse, die einen Streifzug durch

Calais an ihren zwölf Standorten

einen ausführlichen Kurskalender.

die Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts bieten

weltweit. Die Ausstellung ist ein-

Die Broschüre ist kostenlos zu beziehen unter Tel.:

werden www.christian-schad-museum.de

Christian sChad MuseuM aschaffenburg

2017

Auftrag

gegeben

durch

zeitge-

Auguste Rodin, Johannes der Täufer, 1878-80, Bronze, 2 x 0,82 x 1,14 m © Kunsthalle Bremen Der Kunstverein in Bremen Foto: Lars Lohrisch

sind

KKmag Kultur Kurse 2017

wie

kulturelle der

unterschiedlichsten

(+49) 07531-369 3042, info@kkmag.com oder www.kreativekurse.com, wo Kurse gebucht werden können.


CARL | arttourist.com 1|2017

Van Gogh Europe  |  87

© Van-Gogh-Museum | Vincent van Gogh Zelfportret als schilder | Self portrait as a painter

© Van-Gogh-Museum | Vincent van Gogh | Sunflowers 1889

Van Gogh | Die Kirche von Nuenen mit Kirchgängern

ROUTE VAN GOGH EUROPE Vincent van Gogh (1853-1890) ist einer der am meisten verehrten Künstler der Welt. Seine Gemälde, Zeichnungen und Briefe inspirieren Alt und Jung und seine Werke können in zahlreichen Museen der ganzen Welt bewundert werden. Auch viele Orte, an denen der Künstler lebte und arbeitete, von den Niederlanden bis Südfrankreich, sind für die Öffentlichkeit zugänglich. Mit Route Van Gogh Europe haben Sie die Möglichkeit, verschiedene Orte zu besuchen, an denen Vincent van Gogh gelebt hat und die Teile seines Œuvres ausstellen. Gemeinsam zeichnen sie ein Bild von Leben und Entwicklung dieses Künstlers: vom kleinen Jungen in Zundert bis zu einem der bedeutendsten Maler der Kunstgeschichte, der zudem eine neue Epoche einleitete.

What is the aim of the initiative? We like to make Van Gogh’s heritage in Europe available

to all. By implementing added value on a European scale in the field of art, economy and society by developing the Vincent van Gogh heritage continually and jointly; By creating this added value for both visitors and partners; By developing combined projects (at a regional and/or European level) which will contribute to the quality of management, conservation, development and visibility of Van Gogh’s heritage and the development of participating organisations, towns and regions. The highest quality is very much a prerequisite.

Who were the initiators and who is Van Gogh Europe? Van Gogh Europe is initiated by Van Gogh Brabant, the Van Gogh Museum and the KröllerMüller Museum. These Dutch Van Gogh partners adressed the possible European collaboration to the French and Belgian partners. What is the fascination of Van Gogh? Emotion is the greatest value that you as a guardian of Van Gogh’s heritage can present to your visitors. Vincent van Gogh was an European artist,

NL B F

UK

Route Van Gogh Europe INTERNATIONAL TRADE MANUAL

zu bestellen bei www.projekt2508.de

Wir sprachen mit Frank van den Eijnden, Chairman Van Gogh Europe. What is Van Gogh Europe and how did it happen? Van Gogh Europe is a foundation to enable the cooperation between Van Gogh heritage locations and Museums in the Netherlands, Belgium and France. In 2012 the partners started working together with the idea to create a giant stepping Stone in a joint European program in 2015 because of the commemoration of Vincent’s death 125 years ago.

www.vangogheurope.eu

Van Gogh Europe is a global product. How do you meet Van Gogh and what do you learn about him on the traces of Van Gogh through Europe? Van Gogh lived from 1853 to 1890. At that time nobody appreciated him as an artist. He is now among the top worldfamous artists. His works are on show all around the world. To this day many people are inspired by his paintings, drawings and letters. What is unusual, is that in addition to his paintings and drawings, the locations he lived and

worked in can still be admired. From the Netherlands to the South of France. Following the footsteps people learn about believing in your own talent and understanding the problems Vincent had in his time, his life and the several environments. You even get an idea about the industrial growth and big changes coming up in Europe and the role of the artists creating the new impressionism movement.

Van Gogh Europe offers several trails and combinations with artistic and touristic hotspots on the one hand, and on the other undiscovered little Van Gogh treasures: landscapes, graveyards, auberges and a lot of views and locations where Vincent lived, worked and got inspired for creating masterpieces. All the combined Van Gogh treasures can been found on www.vangogheurope.eu. WWW.VANGOGHEUROPE.EU

What does Route Van Gogh Europe offer the tourism market and where can it be booked?


88  |  Van Gogh Europe

CARL | arttourist.com 1|2017

Façade Auberge Nuit 2 | Erik Hesmerg

Het Noordbrabants Museum | exterior

VisitMons © Grégory Mathelot

Van GoghHuis Zundert – Geburtsort von Van Gogh

Foto: ©Jan Kees Steenman

HERITAGE SITES AND MUSEUMS 1. VAN GOGH MUSEUM, AMSTERDAM (NL)

fluss auf das spätere Leben des Künstlers wachge-

auch regelmä-

Das Van-Gogh-Museum in Amsterdam beher-

halten. Neben der Dauerausstellung „Vincent van

ßig die Um-

bergt die weltweit größte Sammlung von Gemäl-

Gogh − die Wurzeln eines Meisters“ wird im Rah-

gebung

den, Zeichnungen und Briefen des Meisters. Die

men von Sonderausstellungen auch sein Einfluss

der Suche nach

Dauerausstellung ist thematisch und chronolo-

auf andere Künstler des 20. und 21.  Jahrhunderts

Landschaftsmo-

gisch strukturiert und zeigt nicht nur Van Goghs

beleuchtet.

tiven. Hier entsteht

10 11

auf

Hauptwerke, sondern auch Werke seiner

sein

Zeitgenossen und Freunde.

werk, De aardappeleters (Die

erstes

Meister-

Kartoffelesser). In Nuenen gibt es 2. VAN GOGH HUIS DRENTHE,

ein Freiluftmuseum mit 23 Gebäu-

NIEUW-AMSTERDAM/VEENOORD (NL)

den und Erinnerungspunkten in der

Im Herbst des Jahres 1883 zieht Vin-

Umgebung, die einen direkten Bezug

cent van Gogh für drei Monate in die

zum Aufenthalt und zur Schaffensperi-

Provinz Drente, deren Landschaft einen

ode Van Goghs haben. Im „Vincentre“

unauslöschlichen Eindruck bei ihm hin-

erfährt man Näheres über den Menschen

terlässt. Während seines dortigen Auf-

Van Gogh und über seine Entwicklung

enthalts entstehen viele Gemälde und

zum Kunstmaler. Dank des Einsatzes mo-

Zeichnungen.

in

derner, audiovisueller Technologie fühlt

Nieuw-Amsterdam/Veenoord kann man

sich der Besucher förmlich leibhaftig in

das Zimmer besichtigen, in dem er zur

die Epoche dieses berühmtesten Malers

Untermiete wohnte. Ein Film versetzt die

Brabants zurückversetzt.

Im

Van-Gogh-Haus

Besucher in das Jahr 1883 zurück: Durch 7. HET NOORDBRABANTS MUSEUM,

die Augen des Künstlers schauen sie auf das Südost-Drente von einst.

© Van-Gogh-Museum | Vincent van Gogh | The Yellow House (The Street) 1888

‘S-HERTOGENBOSCH (NL) Das „Noordbrabants Museum“ ist das einzige Mu-

3. KRÖLLER-MÜLLER MUSEUM, OTTERLO (NL)

5. VAN GOGH KERK (VAN-GOGH-KIRCHE),

seum im Süden der Niederlande, in dem Original-

Das Kröller-Müller-Museum beherbergt die zweit-

ETTEN-LEUR (NL)

werke von Vincent van Gogh ausgestellt sind. Sie

größte Van-Gogh-Sammlung der Welt. Zusam-

In der Zeit von 1875 bis 1882 wohnte die Familie

erzählen die Geschichte seiner Kindheit und Ju-

mengetragen wurde sie in den Jahren 1908-1929

Van Gogh im Pfarrhaus im niederländischen Ort

gend in Brabant und bezeugen seine große Faszina-

von Helene Kröller-Müller, und sie umfasst an

Etten. Dort stattet ihr Van Gogh regelmäßig mehr-

tion für das bäuerliche Leben, das für den Künstler

die 90 Gemälde und gut 180 Zeichnungen. In der

tägige Besuche ab, häufig, weil er Geld braucht. Im

das „wahre Leben“ bedeutete. Eine Wandprojekti-

Van-Gogh-Galerie werden in wechselnden Kom-

Jahre 1881 kehrt er für einen längeren Zeitraum

on zeigt Abbildungen von Van Goghs Werken aus

binationen rund 40 Van-Gogh-Werke ausgestellt.

zurück ins elterliche Heim, in das Pfarrhaus hinter

seiner Brabanter und französischen Schaffenspe-

Darüber hinaus findet man hier Meisterwerke an-

der Kirche. Die Van-Gogh-Kirche, eine ehemalige

riode.

derer moderner Meister wie Claude Monet, Geor-

niederländisch-reformierte Kirche, zeigt unter an-

ges Seurat, Pablo Picasso und Piet Mondriaan.

derem eine Animation von Van Goghs Lebenslauf

8. VAN GOGH HUIS, CUESMES BEI MONS (BE)

In einem der größten Skulpturengärten Europas

sowie eine Maquette vom alten Pfarrhaus und Van

„La Maison du Marais“ ist der Name des

sind 160 Plastiken von führenden Bildhauern zu

Goghs erstem Zeichenatelier.

Hauses, in dem Vincent van Gogh für we-

sehen.

nige Wochen wohnte (1879/1880). In diesem 6. VINCENTRE | VAN GOGH VILLAGE, NUENEN

ehemaligen Wohnhaus im Steinkohlerevier Bori-

4. VINCENT VAN GOGH-HUIS, ZUNDERT (NL)

Ab Dezember 1883 wohnt Vincent van Gogh für

nage erhält der Besucher mittels einer audiovisu-

Das Vincent-van-Gogh-Haus befindet sich an der

zwei Jahre (bis November 1885) in Nuenen. Hier

ellen Präsentation biografische Informationen und

Stelle, an der einst das Geburtshaus des Künstlers

entsteht ein Viertel seines Gesamtwerkes. Zu sei-

findet darüber hinaus ein Faksimile der Zeichnung

stand. In diesem Zentrum der Kunst wird die Erin-

nen wichtigsten Motiven zählen Weber und auf

Les Bêcheurs (Die Grabenden) aus der Kollektion

nerung an die Jungend Van Goghs und ihren Ein-

dem Feld arbeitende Bauern, doch erkundet er

des BAM, dem „Museum voor Schone Kunsten“


CARL | arttourist.com 1|2017

Van Gogh Europe  |  89

Vincentre Nuenen (NL)

heritage location Etten-Leur

2 1 4

9

3 5

7 6

Musée d'Orsay Paris | Facade 2007 | P Schmidt

8

Photo ©Jan Kees Steenman

sich zwei Tage zuvor eine Kugel in den Bauch ge-

wurde während des Zweiten Weltkriegs zerstört,

schossen hatte.

ein Schicksal, dem auch andere von ihm frequentierte Plätze zum Opfer fielen. In der im Jahre 2014

11. DIE GRÄBER VON VINCENT UND THEO,

eröffneten, renommierten „Fondation Vincent van

AUVERS-SUR-OISE (FR)

Gogh Arles“ sind neben zahlreichen zeitgenössi-

Küns-

Als Vincent van Gogh am 29. Juli 1890 in Auvers-

schen Künstlern auch Gemälde aus den Sammlun-

te) im belgischen

sur-Oise stirbt, wird er neben seinem Bruder Theo

gen des Van-Gogh-Museums und des Kröller-Mül-

auf dem Friedhof der Gemeinde beigesetzt. Für vie-

ler-Museums zu sehen. Die Leihgaben werden im

le Kunstliebhaber sind die Gräber der beiden Van-

Rahmen von Sonderausstellungen gezeigt.

12

(Museum Schönen

der

Mons. 9. MAISON VAN GOGH

Gogh-Brüder, aber auch das Dorf und das Freiluft-

DE COLFONTAINE,

museum mit den reproduzierten Gemälden (ein

14. MUSÉE ESTRINE (MUSÉE DE FRANCE),

WASMES BEI MONS

kostenloser Lageplan ist beim Touristenbüro VVV

SAINT-RÉMY-DE-PROVENCE (FR)

erhältlich) zur Wallfahrtstätte geworden.

Das Musée Estrine ist ein Museum für moderne

(BE) Westlich von Mons steht

und zeitgenössische Kunst, das den Einfluss Van 12. MUSÉE D’ORSAY, PARIS (FR)

Goghs auf unzählige Künstler des 20. Jahrhun-

mes) das Haus, in dem Van Gogh zu

Das Musée d’Orsay zählt dank seiner Kollektion

derts bis heute beleuchtet. Eingebettet in Kunst-

Beginn seines Aufenthalts im Borinage

von Werken aus dem 19. Jahrhundert, darunter

werke aus der Dauerausstellung und aus Son-

(Dezember 1878 – Oktober 1880) wohnte.

viele Meisterwerke des Impressionismus, zu den

derausstellungen befindet sich das „Van Gogh

Van-Gogh-Liebhaber können sich

meistbesuchten der Welt. Hier haben die Wer-

Interpretatiecentrum“ (Zentrum für Van-Gogh-

hier eine Präsentation über das Le-

ke großer Meister wie Manet, Gauguin, Monet,

Interpretation). Hier erhält der Besucher Einblicke

ben des Künstlers im Steinkohlere-

Cézanne, Renoir, Gallé und Rodin eine dauerhaf-

in die Welt von Vincent van Gogh: seine Karriere

te Heimat gefunden, aber auch 24 Gemälde von

als Maler, Schriftsteller, Gelehrter und Liebhaber

Vincent van Gogh, die damit die größte Sammlung

von Kunst und Literatur.

im Ort Colfontaine (vormals Was-

vier Borinage anschauen. 10. AUBERGE

außerhalb der Niederlande bilden. Die meisten die-

RAVOUX,

ser Werke stammen aus Van Goghs französischer

15. SAINT-PAUL-DE-MAUSOLE,

AUVERS-SUR-OISE

Schaffensperiode und zeichnen seine künstlerische

SAINT-RÉMY-DE-PROVENCE (FR)

Auvers-sur-Oise ist ein 30 Ki-

Entwicklung zwischen Paris und Auvers nach.

Im Sanatorium des Klosters Saint-Paul-de-Mauso-

lometer vor den Toren von dadurch

13

14 15

Berühmtheit

le in Saint-Rémy-de-Provence wird Vincent van 12A. MONTMARTRE, PARIS (FR)

Gogh von Mai 1889 bis Mai 1890 psychiatrisch

erlang-

Beim Rundgang durch dieses malerische Vier-

behandelt. Er hat ein eigenes Atelier, genießt die

Paris gelegenes Künstlerdorf, das te, dass Vincent van Gogh hier

tel lernt man die weniger bekannten Seiten von

Bewunderung des Personals und darf als einziger

70 Tage seines Lebens verbrachte.

Montmartre kennen. Vom Stadtteil Saint-Georges

Patient das Gebäude verlassen. Während seines

In diesem kurzen Zeitraum schuf

bis zu den Mühlen oben auf dem Montmartre-

dortigen Aufenthalts entstehen innerhalb und

er an die 80 Werke, von

Hügel entdecken die Besucher Orte und Plätze,

außerhalb der Einrichtung rund 100 Zeichnungen

denen einige, wie bei-

die dessen sowohl städtischen als auch ländlichen

und 150 Gemälde, u. a. Irissen (Irisse), Korenveld

spielsweise Korenveld

Charakter gleichermaßen beleuchten.

met maaier (Kornfeld mit Mäher), Sterrennacht

met kraaien (Kornfeld mit Krähen), Portret van

(Sternennacht) sowie zahlreiche Gemälde von Oli13. FONDATION VINCENT VAN GOGH, ARLES (FR)

venbäumen und Zypressen. Die Umgebung dieses

Dr. Gachet (Porträt des Dr.

Im Jahr 1888 zieht Vincent van Gogh nach Arles,

historisch bedeutungsvollen Ortes, insbesondere

Gachet) oder De kerk van Auvers

weil er auf der Suche nach „einem anderen Licht“

das Kloster mit seiner romanischen Kapelle, prä-

(Die Kirche von Auvers), zu seinen

ist. Die Zeit in Arles ist die produktivste seines ge-

sentiert sich dem heutigen Besucher noch genau-

bekanntesten Gemälden zählen. In der

samten Künstlerlebens. Hier entstehen Werke wie

so, wie Van Gogh sie gekannt hat. Sein rekonstruiertes Zimmer kann besichtigt werden.

Pension „Auberge Ravoux“ kann man das

die Zonnebloemen (Sonnenblumen), Het gele huis

Zimmer besichtigen, das Van Gogh bewohnte und

(das gelbe Haus) und De slaapkamer (Das Schlaf-

in dem er am 29. Juli 1890 verstarb, nachdem er

zimmer). Das Haus, in dem Van Gogh wohnte,

WWW.VANGOGHEUROPE.EU


90  |  Jazz | Reisetipps

CARL | arttourist.com 1|2017

Leeuwarden (NL)

JAZZAHEAD! 2017: FINNLAND IM FOKUS

Entdecken Sie die Kulturhauptstadt Leeuwarden – Friesland 2018

15.–30.4.2017 Festival 27.–30.4.2017 Fachmesse jazzahead! Festival präsentiert im April 2017 Finnland als Partnerland im zweiwöchigen Festival – was gerade zum 100-jährigen Jubiläum der Unabhängigkeit Suomis besonders passend ist – und macht Bremen zur Jazzmetropole. Denn 1917 gilt zugleich „offiziell“ als das Geburtsjahr des Jazz. Mit seiner vielfältigen Kulturszene wird sich das Land in Ausstellungen, Lesungen, Filmen, Tanz und natürlich Musik und Jazz darstellen. Das Festival feiert seinen Auftakt am 15. April 2017 im Theater Bremen und mündet ab dem 27. April in das Messe-Wochenende der jazzahead!.

Leeuwarden und Friesland bilden den besonderen Rahmen für das europäische Kulturhauptstadtjahr 2018 mit vier Nationalparks, zwei UNESCO-Welterbestätten, elf kulturhistorischen Städten, Wattenmeerinseln und Seen. Die reiche Geschichte dieses Teils der Niederlande ist besonders gut erhalten. Im Vorfeld auf dieses besondere Jahr finden viele kulturelle Veranstaltungen und spannende Projekte statt. Eine ausgezeichnete Zeit, Friesland zu besuchen. Und nicht nur im Jahr 2018. Schon jetzt hat Friesland eine Menge

Die jazzahead! ist nicht nur eine Messe, sondern der wichtigste Treffpunkt für die internationale Jazzszene. Als Fachveranstaltung hat sie sich über diesen Zeitraum fest bei den Branchenvertretern aus Deutschland und Europa etabliert. Diese Messe bietet Agenturen, Labels, Künstlern, Medienvertretern, Produzenten und Veranstaltern die Möglichkeit, untereinander Kontakte zu knüpfen. www.jazzahead.de

Völklingen

Iiro Rantala | © ACT-Gregor Hohenberg

Rebekka Baken | © Foto: Andrea Bitesnich

Neue Spielstätte fürs Einhaldenfestival 2017 Bei aller Freude war es für Festivalmitbegründer Bernhard Rauch und seine Leute immer ein ganz schöner Kraftakt, das Hofgelände und die Gebäude bei laufendem Betrieb alljährlich umzurüsten und im Anschluss alles wieder an seinen Platz zu bringen. Daher wurde für 2017 eine neue Spielstätte für das Einhaldenfestival gesucht – und glücklicherweise auch gefunden. Der Kulturverein Einhalden und die vielen ehrenamtlichen Helfer, die das Einhaldenfestival seit 2004 jedes Jahr möglich machen, werden die Bühne im Jahr 2017 also erstmals nicht in Einhalden aufbauen, sondern auf dem Bauernhof im nahegelegenen Geratsreute bei Fronhofen. Der Geist von Einhalden, die Verbundenheit mit der Familie Rauch und die in all den Jahren gewonnenen Freundschaften werden sie aber auf jeden Fall begleiten. Das Line-up kann sich wie immer sehen lassen. Mit dabei sind unter anderem The Huebner Brothers feat Richie Beirach, Roby Lakatos, Joo Jazz, Eure Mütter und Berta Epple. www.einhaldenfestival.de

19. Jazz Am See 2017 Grenzgänge, Jazz & mehr Bereits im 19. Jahr gibt es die kleine, aber hochkarätige Jazzreihe in Allensbach am Bodensee, die mit Michael Wollny & Vincent Peirani Anfang Februar fulminant in die neue Saison gestartet ist. Es hat sich rumgesprochen, dass Allensbach ein besonderer Ort für Jazz ist, sodass viele Musiker gerne der Einladung an den Bodensee und in die hoch über Allensbach gelegene Gnadenkirche folgen. Von dort hat man einen atemberaubenden Blick über den Gnadensee und bei guter Sicht auf das gesamte Alpenpanorama. Auch das ist Teil des Konzepts, denn neben der Musik, die lange nachklingt, geht einem der Blick auch nicht mehr aus dem Sinn. Das geht Musikern wie Besuchern gleichermaßen. In der Saison 2016 waren erstmals alle Konzerte ausverkauft. Ein großer Erfolg für die Grenzgänge, Jazz & mehr Reihe. Auf dem Programm für 2017 stehen Oum, das European Quarett mit Jan Ludgren, Jukka Pekko, Dan Berglund und Morten Lund, Richie Beirach & Gregor Hübner, der Echo Preisträger 2016, Tigran Hamasyan, und Rebekka Bakken. www.allensbach.de/Kultur

JAZZ ACROSS EUR WWW.JAZZA

Das UNESCO-Weltkulturerbe Völklinger Hütte ist weltweit das einzige Eisenwerk aus der Blütezeit der Industrialisierung, das vollständig erhalten ist. Das Europäische Zentrum für Kunst und Industriekultur zeigt international herausragende Ausstellungen und ist Ort für außergewöhnliche Konzerte und Festivals. Die Großausstellung „Inka – Gold. Macht. Gott.“ (6. Mai bis 26. November 2017) zeigt mit 180 Exponaten die faszinierenden Hochkulturen der Inka- und Vor-Inka-Zeit und ihr Aufeinandertreffen mit der europäischen Kultur des 16. Jahrhunderts. Der Kern-Bestand der Exponate stammt aus dem Larco Museum, Lima und Cusco, das die größte Privatsammlung altperuanischer Kunst weltweit besitzt. Neben der Kultur der Inka und ihrer Ahnen ist die spanische Eroberung Südamerikas durch Francisco Pizarro ein wichtiges Thema. In der Ausstellung finden sich neben den Exponaten

Weltkulturerbe Völklinger Hütte | Gerhard Kassner

aus dem Larco-Museum Peru daher auch Leihgaben herausragender europäischer Museen und Sammlungen. Die „UrbanArt Biennale® 2017“ (9. April bis 5. November 2017) zeigt die neuesten Positionen der internationalen Kunst, die sich aus dem Graffiti entwickelt hat. Es ist die weltweit größte Werkschau zur Urban Art. www.voelklinger-huette.org

DIE E REIS NACH ES NANT

Nantes (F)

NANTES

rc Er du urs qu city e arco nstp in th Ein Ku tic trAil tis An Ar

Das südliche Tor zur Bretagne Nantes ist ein Phänomen unter allen französischen Städten. Eine Stadt, in der alles möglich scheint. Das einmalige Kultur- und Tourismusangebot wird Sie überraschen! Gestern hat Nantes noch Jules Vernes inspiriert, hat ihm ihre jodhaltigen Düfte übertragen. Später wird sie mit den Surrealisten unter einer Decke stecken. Heute bewegt sie weiterhin das Traumtänzerische von Künstlern, Architekten und anderen Poeten: Ein Elefant geht auf den Kais der Loire spazieren, ein gekrümmtes Segelboot entkommt einer Schleuse … die öffentlichen Räume, die Geschäfte, die Gärten … sie hissen die Flagge der Kreativität und machen gemeinsam Kultur. Informieren Sie sich unter www.levoyageanantes.fr 

NP

siehe auch Seite 81!

h diE

t stad

www.LEVOYAGEANANTES.FR

D

NTES,

NA SIE AUF GEHEN N! REISE

REISEFÜHRER 2017.18

Atelier Vecteur « Oscillation », dans le cadre du Voyage à Nantes 2016 © F. Tomps/LVAN

Seit 1981 lockt das Festival Jazz-Fans aus der gesamten Republik nach Mecklenburg-Vorpommern. Spüren Sie dem besonderen Zauber der Parkanlage nach, die schon Caspar David Friedrich inspirierte. Unter freiem Himmel, inmitten der Klosterruine treten auf: NDR Bigband „Iceland Visions – Music from the Geysirs“, Omer Klein Trio, Natalia Mateo, Shalosh, Brigade Futur 3 und die Spielvereinigung Sued, Bigband des Kepler-Gymnasiums Freudenstadt. 30.6./1.7.17 Klosterruine Eldena, Greifswald www.eldenaer-jazz-evenings.de

Weitere Informationen: www.2018.nl | www.friesland.nl

Das Weltkulturerbe Völklinger Hütte – einer der spannendsten Orte der Welt

Eldenaer Jazz Evenings 2015 | © lenescape.org | S. Busse

Eldenaer Jazz Evenings

zu bieten. Ein Land voller eigensinniger und wunderbarer Traditionen. Höllandischer als dies geht’s nicht!

#LVAN

GUIDE TOURISTIQUE DE NANTES MÉTROPOLE

OPE

CROSSEUROP

arttourist.com

E.COM

KICKS OFF 2017 © Franck Tomps


CARL | arttourist.com 1|2017

Malta | 91

Valletta

Europäische Kulturhauptstadt 2018

Valletta | © MTA Leslie Vella

Valletta, Hauptstadt des kleinsten EU-Staates Malta, ist in weniger als drei Flugstunden aus Deutschland zu erreichen. Mit nur rund 7000 Einwohnern und einer Fläche von 0.8 Quadratkilometern ist Valletta auch die kleinste Kapitale der Europäischen Union. Die Stadt lässt sich getrost als großes Freilichtmuseum bezeichnen und verleugnen kann die alte Dame nicht, dass ihr Grundstein im Jahr 1566 von Jean Parisot de Valette - damaliger Großmeister des Malteserordens - gelegt wurde. Ein Bummel durch Vallettas steile Straßen gleicht einer Zeitreise, denn die ursprüngliche Struktur ist immer noch präsent: schmale Gassen, bunte Holzbalkone, barocke Palazzi und Kirchen, Heiligenstatuen und Denkmäler. Vallettas imposanter und geschichtsträchtiger Grand Harbour zählt zu den tiefsten Naturhäfen des gesamten Mittelmeerraumes. Der Großmeisterpalast der Malteserritter beeindruckt mit kostbaren Kunstschätzen. Voller Pracht ist auch die St. John’s Co-Kathedrale, ehemalige Konventskirche der Ritter, die auch zwei beeindruckende Meisterwerke Caravaggios beherbergt. Die einst von den Malteserrittern als trutziges Bollwerk errichtete Stadt geht mit sanften Schritten in die Moderne: Der berühmte italienische Architekt Renzo Piano stellte 2009 seine Pläne zur Umgestaltung des Opernhauses und Stadttors von Valletta sowie für die Erbauung eines neuen Parlamentsgebäudes vor. Diese Projekte wurden im Mai 2015 abgeschlossen und Piano setzte meisterhaft neue architektonische Akzente. Valletta hat sich in den vergangenen Jahren zu einem der wohl einzigartigsten Städtereiseziele Europas entwickelt. Malta und Valletta sind das ganze Jahr über eine Reise wert, denn

die südlich von Sizilien im Mittelmeer gelegene Insel punktet mit über 300 Sonnentagen im Jahr. Übernachten lässt es sich in Valletta nicht nur vielfältig, sondern auch außergewöhnlich - ob elegantes 5-Sterne-Hotel oder Designer-Apartment in geschmackvoll restaurierten Palazzi oder historischen Stadthäusern. Dank Maltas kompakter Größe und kurzen Distanzen lässt sich ein Valletta-Citytrip unkompliziert mit Tagesausflügen auf Malta oder sogar auf die kleine Schwesterinsel Gozo kombinieren. Kultur- und Musikfans erwarten das ganze Jahr über interessante Ausstellungen und Veranstaltungen wie das Valletta International Baroque Festival, das Malta International Fireworks Festival, das Malta Jazz Festival, das Popspektakel Isle of MTV, das Malta International Arts Festival, die Kulturnacht „Notte Bianca“ sowie historische Paraden, Theater- und Opernaufführungen. Maltas bunter Kulturmix aus mediterranen, britischen und orientalischen Einflüssen findet sich auch in den Inselkochtöpfen wieder. Wer in Valletta auf gastronomische Entdeckungstour geht, findet urige Wine Bars, stilvolle Restaurants mit fangfrischem Fisch, britisch angehauchte Pubs sowie Cafés, die süße Köstlichkeiten servieren, welche von Maltas orientalischem Erbe und der Nähe zu Sizilien zeugen. Auch Shopping-Fans kommen in Maltas Hauptstadt voll auf ihre Kosten – ob Mode und Accessoires, aber auch inseltypische Mitbringsel wie mundgeblasenes Glas, handgeklöppelte Spitze oder feinster Filigranschmuck. Es bleibt spannend in Valletta, denn dieses Jahr beginnt ein wichtiger Countdown – 2018 ist die kleine Inselkapitale Europäische Kultur-

Grandmasters Palace | © viewingmalta

hauptstadt und teilt sich diesen Titel mit dem niederländischen Leeuwarden. Das vielfältige Valletta 2018-Kulturprogramm wird sich um die Schlüsselthemen Generationen, Routen, Städte und Inseln drehen. www.visitvalletta.de www.valletta2018.org www.visitmalta.com

Valletta International Baroque Festival Jährlich im Januar nehmen führende europäische Barockmusik-Ensembles das Publikum des Valletta International Baroque Festival mit auf eine bezaubernde, musikalische Zeitreise. Vallettas prächtige Kirchen, Paläste und das historische Teatru Manoel stellen die außergewöhnlichen Kulissen. Im Kulturhauptstadtjahr 2018 findet das Barockfestival vom 13. bis 27. Januar statt. www.vallettabaroquefestival. com.mt

Malta International Arts Festival Sommerlichen Kulturgenuss der besonderen Art verspricht das „Malta Arts Festival“ – Künstler aus Malta und der ganzen Welt bieten in Valletta und anderen Orten Maltas vom 23. Juni bis 15. Juli 2017 ein facettenreiches Programm aus modernem Ballett, Theater, Konzerten und Workshops. www.maltaartsfestival.org

Das Teatru Manoel Vallettas Teatru Manoel ist das drittälteste, noch bespielte Theater Europas und Maltas Nationaltheater. Im Jahr 1731 ließ Antonio Manoel de Vilhena – damaliger Großmeister

Kirchtürme Ta Liesse Valletta | © MTA Andreas Hub

Valletta Streets | © viewingmalta

des Malteserordens – das Theater errichten. Noch heute beeindruckt der Innenraum mit handbemalten Holzverkleidungen und einer vergoldeten Decke. Das Theater kann im Rahmen von Führungen besichtigt werden. www.teatrumanoel.com.mt

Die St. John’s Co-Cathedral Die in Vallettas Zentrum gelegene Konventsund Hauptkirche des Malteserordens wurde in den Jahren 1573 bis 1577 errichtet und erhielt im Jahr 1661 eine barocke Umgestaltung durch Mattia Preti. 364 kunstvoll gefertigte, marmorne Grabplatten - unter denen sich die sterblichen Überreste der Ritter befinden - schmücken den Boden der Kirche und des Oratoriums. Hier befinden sich zwei bedeutende Gemälde von Caravaggio: „Die Enthauptung Johannes des Täufers“ und „Der Heilige Hieronymus“. www.stjohnscocathedral.com/de

Großmeisterpalast Der Großmeisterpalast zählt zu den wohl bedeutendsten Denkmälern Vallettas, die bis heute die Ära des Malteserordens versinnbildlichen. Die ersten Strukturen dieses großzügigen Palastes entstanden von 1572 bis 1581; im Laufe der Zeit wurde das Gebäude jedoch vergrößert und erhielt Mitte des 18. Jahrhunderts sein heutiges Erscheinungsbild. Es diente unter anderem als britischer Gouverneurspalast, beherbergte bis 2015 das maltesische Parlament und ist heutzutage Sitz der maltesischen Staatspräsidentin. Besucher können die prachtvollen Prunkräume und Waffenkammer besichtigen. www.heritagemalta.org/museums-sites/ the-palace-state-rooms/

St John's Co-Cathedral Valletta | ©viewingmalta


92 | Festivals

CARL | arttourist.com 1|2017

© Stiftung Schloss Friedenstein Gotha

Merseburg

Merseburger Orgeltage 2017 im Zeichen des Reformationsjubiläums Die 47. Merseburger Orgeltage vom 16. bis zum 24. September 2017 kommen in diesem geschichtsträchtigen Jahr am Reformationsgedenken natürlich nicht vorbei und wollen dazu einen besonderen musikalischen Akzent setzen. Den Dialog der Konfessionen begleitet die Musica sacra auf ganz eigene Weise. Neben dem Choral der Lutherzeit als Ausdruck protestantischen Glaubens sind es die geistlichen Messen und Oratorien Mozarts, Schuberts, Beethovens, Mendelssohns und Brahms, die die Kirchenmusik der letzten Jahrhunderte unverwechselbar prägten. Johann Sebastian Bach komponierte sowohl für den katholischen Hof in Dresden als auch für den protestantischen Gottesdienst in seiner Thomaskirche zu Leipzig. Dieses interessante Spannungsfeld wollen die Orgeltage im Merseburger Dom 2017 mit dem Motto „Musica sacra über den Konfessionen“ hörbar machen. Neben den großen Orgelabenden und Mittagskonzerten an der berühmten Ladegastorgel mit international herausragenden Organisten sind es die Aufführungen von Bachs „Hohe Messe in h Moll“, Beethovens „Missa solemnis“, Mendelssohns Oratorium „Paulus“ und Choräle der Lutherzeit, die im Zentrum der großen Abendkonzerte stehen werden. Die lange Musiknacht, ein Abend mit jüdischer Musik, musikalische Gottesdienste, einen Kindertag im Dom, Kammermusiken

Gotha

Schloss Friedenstein Das Barocke Universum Gotha Das „Barocke Universum“ Schloss Friedenstein lässt wie nur wenige andere Schlösser oder Museen vergangene Jahrhunderte lebendig werden. Inmitten eines ausgedehnten Parks ist das imposante Schloss mit seinen vielfältigen historischen Gemächern, dem barocken Hoftheater und der Schlosskirche, aber auch mit einzigartigen Sammlungen zu Kunst, Natur und Geschichte nahezu unverändert erhalten. Das Schloss beherbergt heute drei Museen, das Schlossmuseum, das Museum der Natur und das Historische Museum. Im Schlossmuseum sind die herzoglichen Gemächer des 17. bis 19. Jahrhunderts zu sehen. Neben historischen Möbeln können hier kostbare Uhren,

Porzellan, Gemälde und vieles mehr bewundert werden. Außerdem zeigt die Kunstkammer herausragende Exponate aus Gold, Silber, Elfenbein, Bernstein und Nautilus, Ostasiatika oder Kuriosa wie einen der wenigen originalen Napoleon-Hüte der Welt. In wechselnden Präsentationen ist eine Auswahl aus einer der größten Münzsammlungen Deutschlands zu sehen. Einmalig ist auch das Ekhof-Theater, mit der einzigen noch funktionstüchtigen Bühnenmaschine aus dem 17. Jahrhundert weltweit. Das 1879 im Süden des Schlosses erbaute Herzogliche Museum zeigt seit 2013 bedeutende Kunstwerke von der von der Antike bis in die Neuzeit. www.stiftungfriedenstein.de

und spätabendliche Meditationen zeugen von der musikalischen Vielfalt dieses einzigartigen Musikfestes in Sachsen-Anhalt, für das der Leipziger Gewandhausorganist Michael Schönheit, zugleich Domorganist zu Merseburg, als Festivalleiter die künstlerische Verantwortung trägt. Das genaue Programm im Internet unter www.merseburger-orgeltage.de.

Herzogliches Museum Gotha, Gemäldegalerie, Altdeutsch

Ekhof-Theater Gotha, Bühne | Bernhard Hartmann | 2012


CARL | arttourist.com 1|2017

Festivals | 93

der Gedanke, dass man diese Aussicht der ganzen

FORTSETZUNG VON SEITE 44

Welt zeigen solle. Man solle alle Völker hierher brinteverdi Choir bei der damaligen Innsbrucker Fest-

gen und solle sagen: Dieses hier ist ein Stück Finn-

woche der Alten Musik Madrigale Monteverdis sang,

land und – so mein Gedankengang weiter – wenn

ist die Musik des Komponisten kontinuierlich und

Sie unser Land einmal sehen, muss seine ursprüng-

eng mit dem Festival verknüpft. Die erste szenische

liche Schönheit Sie in ihren Bann ziehen ...“

Aufführung einer Barockoper im Rahmen der Fest-

Der Auftakt der Festspielsaison 2017 ist eine voll-

wochen war 1980 Monteverdis „L’incoronazione

endete Art, das 100-jährige Finnland gebührend zu

di Poppea“ (Musikalische Leitung: Alan Curtis). Im

feiern. Ein Hoch auf das souveräne Finnland und

Monteverdi-Jahr 1993 – 350. Todestag – leitete René

die leuchtendste Perle unter den Veranstaltungen

Jacobs Aufführungen von Monteverdis Oper „Il ri-

seines Kultursommers. Kommen Sie und feiern Sie

torno d’Ulisse in patria“. Als Cembalist im Opernor-

mit uns!

chester Concerto Vocale wirkte damals Alessandro

7.7. – 4.8.2017 | www.operafestival.fi

De Marchi erstmals bei den Innsbrucker Festwochen mit. Dieselbe Oper wird der heutige Intendant des

24. Verbier Festival

Festivals im Monteverdi-Jahr 2017 – 450. Geburts-

Das Verbier Festival ist

tag – bei den Innsbrucker Festwochen der Alten Mu-

ein Festival für klassi-

sik dirigieren.

sche Musik, das den

18.7.–27.8.2017 | www.altemusik.at

Austausch

Garmisch-Partenkirchen Richard-Strauss-Festival Von Held und Welt Bauskulptur im Schaudepot Zehntscheune | © Kloster Lorsch

Lorsch

UNESCO Welterbe Kloster Lorsch Das verlorene Kloster? Stellen Sie sich vor, Sie haben ein UNESCO Weltkulturerbe, dessen Bedeutung europaweit unbestritten ist – doch es ist weitgehend zerstört. Das UNESCO Welterbe Kloster Lorsch ist zu weiten Teilen ein sogenanntes Bodendenkmal. Trotzdem weist es u. a. den am besten erhaltenen frühmittelalterlichen Bau nördlich der Alpen auf: die pittoreske Königshalle, deren Schönheit so unbestritten ist wie ihr eigentlicher Zweck immer noch unbekannt. Doch wie macht man die Machtfülle, den Reichtum, das bauliche Ausmaß, die geistesgeschichtliche Bedeutung, die politische Stellung dieser einstigen Reichsabtei Karls des Großen sichtbar?

Preisgekrönte Lösungen Dieser Aufgabe stellt man sich in Lorsch seit der Verleihung des Welterbetitels vor 25 Jahren mit beachtlichem Erfolg: Die Museumspädagogik wurde für ihre innovative Vermittlung von der UNESCO ausgezeichnet. Und nach einer 14 Millionen schweren Investition in die bessere Erlebbarkeit wurde die erweiterte und überarbeitete Anlage sowohl mit dem Deutschen Landschaftsarchitekturpreis als auch mit dem International Garden Award ausgezeichnet. In diesem Jahr lässt eine Anthropologie-Ausstellung im dramaturgisch klug ausgestatteten Schaudepot Zehntscheune gar einen Mönch „auferstehen“: Gemeinsam mit den Reiß-Engelhorn-Museen Mannheim rekonstruierte man das Gesicht eines auf dem Mönchsfriedhof Bestatteten (19. März – 14. Mai 2017).

zwischen

großen Meistern und jungen

Musikern

aus der ganzen Welt fördert.

Seine

Aus-

Mit „Ein Heldenleben“, der Symphonia Domestica

bildungsprogramme

und Strauss’ musikalischer Hommage an die majes-

stehen für Spitzenqua-

tätische Bergwelt seiner bayerischen Heimat, der Al-

lität im Bereich der

pensinfonie, vollendet sich der 2015 begonnene Zy-

Nachwuchsförderung. Die Festivalbesucher erwartet

klus der Tondichtungen. Gleichzeitig vollendet sich

ein einzigartiges und geselliges Ereignis im Herzen

auch die Intendanz von Ks. Brigitte Fassbaender, die

der Schweizer Alpen mit erstklassigen Konzerten,

das Festival zu einer von Bayerns feinsten Festival-

neuen Begegnungen und verschiedenen kostenlo-

adressen entwickel-

sen Zusatzaktivitäten.

te und sich 2017

21.7. – 6.8.2017 | www.verbierfestival.com

nach neun erfolgreichen Jahren verabschiedet.

Einzigartig in Europa Doch wie lebten die Menschen zur Karolingerzeit außerhalb der Klostermauern? Das kann man – europaweit einzigartig – im neu errichteten Freilichtlabor Lauresham sehen. Gut zwanzig Wirtschafts-, Wohn- und Stallbauten, Gärten, Wiesen, Weiden und viele Nutztiere vermitteln modellhaft frühmittelalterliche Alltagskultur, Handwerk und Grundherrschaft. Außerdem dient Lauresham der experimentellen Archäologie für deren Fragestellung – auch für die Gäste eine spannende, unübliche Konzeption, die immer wieder zum Blick ins Forschungslabor einlädt und Besuchende mit einem umfangreichen Programm aktiv einbindet.

Ort der Stille Eine so einladende wie kontemplative Atmosphäre herrscht auf der großen eiszeitlichen Flugsanddüne, die die Benediktinermönche einst mit ihrer Abteikirche krönten. Der Verlust der Gebäude wurde hier landschaftsarchitektonisch mutig und innovativ thematisiert. Hoch über der einst sumpfigen Ebene, von Rhein und Neckar durchzogen, schweift der freie Blick zur malerischen Bergstraße und über die Stadt, die das Welterbe von drei Seiten umschließt. Ein Ort zum Verweilen.

nach

Ganz

der

Devise

„Das Beste kommt zum

Schluss“

bringt

das

Festi-

valprogramm

in

vielfältigster Weise und auf höchstem

Brigitte Fassbaender | © Marc Gilsdorf

© fotoetage

fens zum Leuchten. Bei den Orchesterkonzerten

Bremen Musikfest Bremen

in der Olympia-Eissporthalle, den Liederabenden,

Das 28. Musikfest Bremen verführt mit Programmen

Kammerkonzerten, Meisterkursen und Lesungen

unterschiedlichster Couleur. Bereits die Eröffnung

dreht sich alles um das Werk des großen Meisters.

»Eine große Nachtmusik« rund um den illuminier-

Zu den renommierten Gästen, die sich in der unprä-

ten Marktplatz garantiert ein aufregendes Mit- und

tentiösen Atmosphäre besonders wohlfühlen und

Nebeneinander von Repertoires und Genres mit

die familiäre Herzlichkeit beim Festival schätzen,

Künstlern wie Orquestra de Cadaqués & Khatia Bu-

zählen in diesem Jahr unter anderen Marlis Peter-

niatishvili, Il Giardino Armonico, Ferhan & Ferzan

sen, Christiane Karg, Angelika Kirchschlager, The

Önder oder Christian Scott aTunde Adjuah. Weitere

King’s Singers, Daniel Ottensamer und Udo Wacht-

Höhepunkte versprechen Auftritte von Teodor Curr-

veitl.

entzis & MusicAeterna, Daniil Trifonov & Matthias

Richard Strauss komponierte viele seiner bedeu-

Goerne, Philippe Herreweghe & Collegium Vocale

tendsten Werke in Garmisch. So authentisch wie

Gent, Kristjan Järvi & Absolute Ensemble sowie von

hier kann man seine Musik an keinem anderen Ort

Philippe Jaroussky und Nuria Rial mit L‘Arpeggiata.

der Welt erleben.

19.8.–9.9.2017 | www.musikfest-bremen.de

Niveau wieder alle Facetten des Strauss’schen Schaf-

Richard-Strauss-Festival 2017 24.–30.6.2017 Von Held und Welt - Die Tondichtungen III www.richard-strauss-festival.de

Savonlinna (FI) Savonlinna Opernfestspiele Im Jahr 2017 wird Finnland hundert Jahre alt. Kom-

www.kloster-lorsch.de

men Sie und feiern Sie mit uns das große Jubiläum! Das Eröffnungswochenende der Savonlinna Opernfestspiele (8.7.–9.7.2017) zählt zu den absoluten

Königshalle gen Westen | © Kloster Lorsch

Höhepunkten der Jubiläumsfeierlichkeiten. Der Festivalauftakt mit der Uraufführung von Aulis Sallinens Burg im Wasser, seiner tief im finnischen Wesen verankerten Oper Kullervo sowie dem Ge-

Festival Aix-en-Provence

meinschaftskonzert zweier finnischer Chorinstituti-

Seit 1948 bietet das Festival in Aix-en-Provence

onen – Ylioppilaskunnan Laulajat und der Tapiola

alljährlich ein ungemein abwechslungsreiches Pro-

Juniorchor – in der Kirche von Kerimäki bildet ein

gramm: Neue Opernproduktionen, Werke von Mo-

einmaliges Ganzes, das in der langen Geschichte

zart, Zeitgenössisches, wiederentdeckte Meisterwer-

der Festspiele seinesgleichen sucht. Wie Aino Ack-

ke des Barock und Kammeropern, ganz zu schweigen

té, eine finnische Sopranistin und Gründerin der

von herausragenden Konzertreihen. Diese Vielfalt

Opernfestspiele in

zieht ein großes und enthusiastisches Publikum an.

Savonlinna, es einst

In Anerkennung dessen wurde das Festival d’Aix-en-

selbst in Worte fass-

Provence bei den International Opera Awards 2014

te: „Als die Sonne

als "Bestes Festival des Jahres" ausgezeichnet. Mit

langsam unterging,

seiner Akademie fördert er auch junge Talente aus

war die Landschaft,

der ganzen Welt und eröffnet damit neue Horizonte

die sich an den

im Bereich künstlerischen Schaffens. Ziel ist es, für

Burgmauern öffne-

die Oper eine Brücke in der heutigen Welt zu schla-

te,

überwältigend

gen und ihren Platz auf den renommiertesten nati-

schön. Diesen An-

onalen und internationalen Bühnen zu behaupten.

blick

3.-22.7.2017 | www.festival-aix.com

nicht

konnte

ich

vergessen

und da reifte in mir

Olavinlinna Castle © Design: Tom Röllich


94 | Karlsruhe

CARL | arttourist.com 1|2017

KULTUR IN KARLSRUHE DIE ETRUSKER BADISCHES LANDESMUSEUM

Als eine der frühen Hochkulturen Italiens bestimmten die Etrusker das Schicksal des westlichen Mittelmeerraumes vom 10. bis zum 1. Jh. vor Christus. Das Badische Landesmuseum präsentiert in Kooperation mit dem italienischen Kulturministerium ein umfassendes Portrait der etruskischen Kultur. Spektakuläre Exponate, begleitet von originalgetreuen Rekonstruktionen und interaktiven Features, zeichnen ein facettenreiches Panorama etruskischer Lebenswelten. 16.12.2017 – 17.6.2018 | WWW.LANDESMUSEUM.DE

Die Etrusker Weltkultur im antiken Italien 16. Dezember 2017 — 17. Juni 2018

Schloss Karlsruhe

MARKUS LÜPERTZ. KUNST, DIE IM WEGE STEHT ZKM | ZENTRUM FÜR KUNST UND MEDIEN

Markus Lüpertz, MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst, Duisburg | Sammlung Ströher, Darmstadt | © VG Bild-Kunst, Bonn 2017 Foto: Norbert Faehling, Düsseldorf

Die deutsche Malerei hat seit 1945 erstaunliche Welterfolge erzielt. Diese Ausstellung würdigt insbesondere die Verdienste und das Werk von Markus Lüpertz. Während seiner Amtszeit an der Akademie der Künste in Karlsruhe (1974-1986) verpflichtete Lüpertz weitere Maler wie beispielsweise Georg Baselitz oder Per Kirkeby, wodurch sich Karlsruhe als ein herausragendes Zentrum der deutschen Malerei und des Neoexpressionismus formierte. Zu seinem 75. Geburtstag 2016 hat das ZKM Lüpertz zu Ehren eine große Ausstellung geplant, für die Lüpertz selbst das Konzept entwarf. Die Ausstellung wird nun 2017 der Öffentlichkeit vorgestellt. 29.4.2017 – 20.8.2017 | WWW.ZKM.DE

DER RING DES NIBELUNGEN BADISCHES STAATSTHEATER KARLSRUHE

Am STAATSTHEATER KARLSRUHE entsteht zwischen 2016 und 2018 ein neuer Ring des Nibelungen. Es wird ein Ring der Vielfalt, den vier internationale Regisseure, David Hermann, Yuval Sharon, Thorleifur Örn Arnarsson und Tobias Kratzer, inszenieren. Die musikalische Leitung übernimmt Generalmusikdirektor Justin Brown, der damit seinen auch international stark beachteten Wagner-Zyklus komplettiert. Der vollständige Ring-Zyklus wird an Ostern und Pfingsten 2018 zu sehen sein. SIEGFRIED PREMIERE 10.6.2017 GÖTTERDÄMMERUNG PREMIERE 15.10.2017

©Felix Grünschloß

10. KARLSRUHER BALLETTWOCHE BADISCHES STAATSTHEATER KARLSRUHE

Paul Cézanne | Porträt eines Bauern, 1905 / 06 | © Museo Thyssen-Bornemisza, Madrid

CÉZANNE. Metamorphosen

Große Sonderausstellung des Landes Baden-Württemberg

Für viele Ballettfans ist sie schon lange ein Pflichttermin im Jahreskalender, die KARLSRUHER BALLETTWOCHE, die 2017 ihr zehnjähriges Jubiläum feiert! Das STAATSBALLETT präsentiert vom 23. bis zum 27. Mai mit den Neukreationen der Saison und den Repertoire-Klassikern die ganze Bandbreite seiner technischen und stilistischen Wandlungsfähigkeit. Den Höhepunkt der BALLETTWOCHE bildet jährlich die BALLETT GALA. Anlässlich ihres 10. Geburtstags wird sie sich vor allem als glanzvolle Jubiläumsgala präsentieren, bei der Stars internationaler Compagnien gemeinsam mit dem Karlsruher Ensemble ein schillerndes tänzerisches Kaleidoskop technischer Virtuosität und poetischer Eleganz zeigen werden. 23.5.2017 – 27.5.2017 | WWW.STAATSTHEATER.KARLSRUHE.DE

©Jochen Klenk

ARD HÖRSPIELTAGE 2017 SÜDWESTRUNDFUNK

VERANSTALTUNGSORT ZKM | ZENTRUM FÜR KUNST UND MEDIEN Fünf Tage für die Königsdisziplin des Radios, das Hörspiel. Geboten werden dabei aber auch Konzerte, Live-Hörspiele und ein Mitmach-Programm für Kinder. Kern des Festivals ist der »Deutsche Hörspielpreis der ARD«. Die Hörspiele werden gemeinsam mit dem Publikum angehört und von der prominent besetzten Fachjury öffentlich diskutiert. Das Publikum entscheidet über den Publikumspreis »ARD Online Award« mit. 8.11.2017 – 12.11.2017 | WWW.HOERSPIELTAGE.ARD.DE ©SWR

ATOLL FESTIVAL FÜR ZEITGENÖSSISCHEN ZIRKUS KULTURZENTRUM TOLLHAUS

28.10. 2017 – 11.2.2018 Die Staatliche Kunsthalle Karlsruhe plant als Höhepunkt im Herbst/Winterprogramm 2017/18 Cézanne. Metamorphosen, eine große Sonderausstellung des Landes Baden-Württemberg. Das Projekt schließt an die zahlreichen, international beachteten Ausstellungen des Museums zur französischen Kunst wie Eugène Delacroix, Corot – Natur und Traum und Degas – Klassik und Experiment an. Paul Cézanne (1839–1906) hat als Maler, Zeichner und Aquarellist ein überaus facettenreiches Werk geschaffen. Aufgrund seiner Tendenz zur Abstraktion der Bildelemente gilt er als wichtiger Wegbereiter der Moderne; er selbst hatte jedoch den Anspruch, die Malerei auf der Grundlage der klassischen Kunst zu erneuern. Die Ausstellung der Kunsthalle wirft einen neuen Blick auf Cézannes lichte Landschaften, auf seine Badenden, Porträts und Stillleben. Sie zeigt den Prozess des Malens als einen faszinierenden Prozess der Verwandlung der wahrgenommenen Natur in ein Gefüge farbiger Bildelemente.

ADRESSE Staatliche Kunsthalle Karlsruhe Hans-Thoma-Straße 2-6 76133 Karlsruhe www.kunsthalle-karlsruhe.de

ÖFFNUNGSZEITEN Di - So 10 - 18 Uhr Do bis 21 Uhr montags geschlossen EINTRITTSPREISE Normalpreis EUE 12, Ermäßigt EUR 9, Gruppen ab 10 Personen EUR 9

Das junge Festival erkundet die grenzüberschreitende, fantasievolle Welt des Neuen Zirkus. Theater und Artistik, Musik und Tanz, Tradition und Innovation, Komik und Poesie mischen sich hier zum Erlebnis für alle Sinne. Mit dem ATOLL-FESTIVAL für zeitgenössischen Zirkus übernimmt das Karlsruher Kulturzentrum TOLLHAUS in Deutschland eine Vorreiterrolle und bricht für eine hierzulande noch viel zu wenig beachtete Sparte eine Lanze. Mit deutschen Erstaufführungen und zahlreichen internationalen Produktionen zelebriert ATOLL in den Tollhaus- Sälen und Foyers, vor allem aber zirkustypisch im Freigelände und in Zelten eine junge, frische Kunstform. 14.9.2017 – 24.9.2017 | WWW.ATOLL-FESTIVAL.DE

Foto: PR, raumkontakt

DOKUMENTARFESTIVAL KALRSRUHE DOKKA E.V.

Das Dokumentarische steht im Fokus des deutschlandweit einzigen Dokumentarfestivals. Es werden neben dem Film weitere dokumentarische Medien wie Hördokumentationen und dokumentarische Installationen gleichwertig in ein fünftägiges Programm eingebunden. Filme und Hörarbeiten werden im Kinosaal der Kinemathek Karlsruhe präsentiert, Installationen in nahe gelegenen Off-Locations. Alle Künstler der präsentierten Arbeiten sind in Karlsruhe zum anschließenden Gespräch im dokKa Zelt vor dem Kino. Preisverleihung, Branchentreff und Festivalparty ergänzen das Programm. 24.5.2017 – 28.5.2017 | WWW.DOKKA.DE

Foto: Karolina Sobel / dokKa

LITERATURTAGE KARLSRUHE 2017 LITERARISCHE GESELLSCHAFT KARLSRUHE

Eröffnung der Literaturtage Karlsruhe 2016: Dead-and-Alive-Slam im Badischen Staatstheater / © ONUK

Paul Cézanne, Blick auf das Meer bei L’Estaque, 1883 – 1885 © bpk / Staatliche Kunsthalle Karlsruhe

Zahlreiche hochrangige Leihgaben aus internationalen Sammlungen werden in Karlsruhe zu sehen sein, darunter Werke aus dem Museum of Modern Art in New York, dem Musée d’Orsay in Paris, dem Puschkin Museum in Moskau sowie dem Museo Thyssen-Bornemisza in Madrid (Oktober 2017).

ANGEBOTE Gruppenführungen, Kurzführungen, Führungen in Fremdsprachen, weitere Führungsformate und Führungen zu speziellen Themen; eigene Veranstaltungen im Rahmen der Ausstellung sind möglich.

Die Karlsruher Literaturtage werden von der Literarischen Gesellschaft initiiert und organisiert und in Zusammenarbeit mit zahlreichen Institutionen und Initiativen Karlsruhes realisiert. Das Motto „Literatur offensiv!“ steht für den offenen Charakter der Veranstaltungen und das Bemühen der Beteiligten, ihre Literatur in der ganzen Stadt zu präsentieren. Neben dem Dead-and-Alive-Slam im Badischen Staatstheater, bei dem sich „verstorbene Dichter” und „lebende Autoren” messen, gibt es traditionell innovative Literaturformate an unterschiedlichen Orten, darunter klassische sowie szenische Lesungen und Lesungen mit Musik. Karlsruhe ist die Literaturstadt im Südwesten. ENDE SEPTEMBER WWW.LITERATURMUSEUM.DE | WWW.LITERATURTAGE-KARLSRUHE.DE

ZEITGENUSS – FESTIVAL FÜR MUSIK UNSERER ZEIT STADT KARLSRUHE, KULTURAMT/KULTURBÜRO

Mit der fünften Auflage des Festivals für Musik unserer Zeit stellen das städtische Kulturbüro und die Hochschule für Musik Karlsruhe als Stadt der künstlerischen und kompositorischen Avantgarde ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Gemeinsam präsentieren sie ein lebendiges Klangkaleidoskop der zeitgenössischen Musik, wie sie hier komponiert und interpretiert wird. Uraufführungen sind dabei ebenso selbstverständlich wie das Wiederhören wegweisender Werke aus der über 100-jährigen Geschichte der Neuen Musik. Für die Aufführungen im CampusOne der Hochschule bündeln die Veranstalter die Kompetenzen von in Karlsruhe beheimateten Ensembles und der Hochschule für Musik, profilierte Gäste ergänzen das facettenreiche musikalische Angebot. 12.–15.10.2017 | WWW.KARLSRUHE.DE/ZEITGENUSS

ZELTIVAL KULTURZENTRUM TOLLHAUS

INFORMATIONEN Weitere Informationen, Beratung und Buchung Hotline +49 (0)721 926 2696 info@kunsthalle-karlsruhe.de

Foto: Winfried Reinhardt

Foto: Tom Kohler

Ein Sommerfestival mit überregionaler Ausstrahlungskraft ist das ZELTIVAL des Karlsruher Kulturzentrums Tollhaus. Mit dem einzigartigen und liebenswürdigen Urlaubsflair seines Außengeländes verbinden die Programmmacher des ZELTIVAL ein hochkarätiges Konzertprogramm. Eine Menge aufregender Künstler gibt es vom 7. Juli bis zum 6. August zu entdecken, die sich vielfach exklusiv für Süddeutschland vorstellen. Doch das ZELTIVAL setzt nicht nur auf die Neuentdeckungen und Premieren, sondern hat stets auch eine Reihe großer, populärer Namen im Programm. Internationales Flair ist alljährlich ein markantes Kennzeichen des ZELTIVAL, das neben der Musik auch gerne Ausflüge in das Kabarett oder zum Neuen Zirkus unternimmt. 7.7.2017 – 6.8.2017 | WWW.ZELTIVAL.DE


CARL | arttourist.com 1|2017

Karlsruhe | 95

Sonderschauen Tomi Ungerer - Zeichnungen, Collagen und Objektkunst aus der Sammlung Würth

art KARLSRUHE 2016 | Besucher am Stand von Brigitte March, Stuttgart, vor einer Installation von Sang Yong Lee | Foto: KMK / Jürgen Rösner

art KARLSRUHE 2017 Entdecken. Lieben. Sammeln. 16. – 19.2.2017 Zahlreiche One-Artist-Shows, großzügige Skulpturenplätze sowie exklusive Sonderausstellungen – mit ihren Markenzeichen hat die art KARLSRUHE, Internationale Messe für Klassische Moderne und Gegenwartskunst, Erfolgsgeschichte geschrieben. Unter dem Slogan „Entdecken. Lieben. Sammeln.“ präsentieren sich, vom 16. bis 19. Februar 2017, 210 Galerien aus zwölf Ländern in den Karlsruher Messehallen. Darüber hinaus schaffen insgesamt 19 Skulpturenplätze raumgebende Situationen und laden zum Verweilen ein. Die limitierte Anzahl an Messekojen wurde von dem Beirat der art KARLSRUHE an national sowie international renommierte Galerien vergeben. Darunter sind zahlreiche bekannte Aussteller der art KARLSRUHE wie DIE GALERIE GmbH (Frankfurt am Main), Gilden’s Arts (London), Victor Lope Arte Contemporaneo (Barcelona), aber auch einige Neuzugänge wie beispielsweise Bernheimer Contemporary (Berlin), Tobias Naehring (Leipzig), island6 (Shanghai/China) oder die Galerie Springer (Berlin). Die Messe offeriert von Klassischer Moderne bis zur Gegenwartskunst ein weites Spektrum hochqualitativer Werke.

Exotik, Erotik, Kindheitsidylle, Tod: Das Werk Tomi Ungerers ist von einer seltenen Vielfalt geprägt. Und es ist gigantisch: Um die 40.000 Zeichnungen, Plakatentwürfe, Collagen, Lithografien, Holzschnitte und Objekte umfasst es. Über 80 Bücher für Kinder, rund 60 für Erwachsene hat der 1931 geborene Werbegrafiker, Schriftsteller, Illustrator, Maler und Fotograf geschaffen. Er ist in beinahe allen Medien unterwegs. Großzügig beTomi Ungerer Partyfrau, 1970/1980 schickt die Sammlung Sonderausstellung Würth 2017: Bleistift und Ölkreide auf Transparentpapier, Würth die art KARLSRU35 x 42,7 cm | © Sammlung Würth HE 2017 mit Teilen von Werken dieses künstlerischen Tausendsassas. Präsentiert werden in Halle 1 Originale, die einen inhaltlichen Querschnitt durch das vielschichtige Œuvre bieten. Die Zeichnungen, Collagen und Objekte zeichnen dabei ein Bild des künstlerischen Schaffens von den 1960er-Jahren bis in die Gegenwart. Halle 1

30 Jahre Retour de Paris Auf 100 Quadratmetern präsentiert sich in Halle 1 eine besondere Zusammenarbeit unter dem Titel „Retour de Paris“. Seit 30 Jahren reisen Stipendiaten für ein halbes Jahr in die französische Hauptstadt, um in den 325 Ateliers an der „Cité internationale des Arts“ im Herzen der Stadt, im Marais, und am Montmartre mit internationalen Kollegen in Kontakt zu kommen und zu arbeiten. Getragen vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden-Württemberg, der Stiftung Centre Culturel Franco-Allemand Karlsruhe, dem Centre Culturel Français Freiburg e. V. und dem Institut français Stuttgart wird eine Ausstellung mit einer Auswahl von Werken ehemaliger Stipendiaten die lebendige Kultur Europas sichtbar machen. Halle 1

Sonderschau Druckgrafik Kuratierte Beiträge aus dem Programm der Aussteller

Sonderausstellung Würth 2017: Tomi Ungerer Tomi Ungerer: In gelben Kissen, 1972, Bleistift und Ölkreide auf Transparentpapier, 35 x 42,7 cm. | © Sammlung Würth

HALLE 1 Fotografie + Original-Editionen HALLE 2 Moderne Klassik + Gegenwartskunst HALLE 3 Klassische Moderne + Gegenwartskunst DM-ARENA | HALLE 4 ContemporaryArt 21 ADRESSE Messe Karlsruhe Messeallee 1 76287 Rheinstetten ÖFFNUNGSZEITEN 16. – 18.2. 12 – 20 Uhr 19.2. 11 – 19 Uhr Preview und Vernissage (nur für geladene Gäste) 15.2. 15 – 21 Uhr www.art.karlsruhe.de

art KARLSRUHE 2016 Blick in Halle 2, die sich der Modernen Klassik und Gegenwartskunst widmet Foto: KMK / Jürgen Rösner

Seit Jahrhunderten räumen Kunstliebhaber der Druckgrafik einen besonderen Stellenwert ein und lassen sich faszinieren von den Finessen der Radierer, Kupferstecher oder Lithografen. Hoch- wie Tiefdruck sind aus der Kunstproduktion nicht wegzudenken. Auch in der Gegenwartskunst behauptet sich die Druckgrafik international. Erstmals widmet die art KARLSRUHE dem Programm der Editeure eine kuratierte Sonderschau, die auf 200 m2 im Umfeld von Fotografie und Original-Editionen in Halle 1 zu sehen sein wird. Alle Aussteller wurden eingeladen, ein repräsentatives Werk aus ihrem Grafikbestand für die Schau einzureichen. Halle 1

Hans Platschek Preis Seit zehn Jahren fest verankert im Rahmenprogramm der art KARLSRUHE ist die Verleihung des Hans Platschek Preises für Kunst und Schrift. Auf der art KARLSRUHE 2017 wird der Preis an den Künstler Jonathan Meese verliehen. Sein Juror ist der bekannte Journalist und Autor Florian Illies. Meeses wunderbar überbordende Lust an der Sprache und seine aberJonathan Meese | Photography: JanBauer.net witzig-genialen Bildtitel Courtesy: JonathanMeese.com führte der Juror Illies für seine Wahl des Preisträgers ins Feld. Diese setzt er gekonnt in der Malerei, Installationen, Videokunst und auch in Theaterarbeiten um und thematisiert dabei überwiegend Persönlichkeiten der Weltgeschichte. Forum in der dm-arena | Halle 4, 16.2.2017, 17 Uhr


KULTUR

© ZKM | Karlsruhe, Foto: Fabry

art KARLSRUHE 2017

#1 arttourist.com gazette art KARLSRUHE Ausgabe

CARL  

CARL is culture, art, music, theatre, design, travel, food, celebrities - published in Konstanz.

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