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BILLIE

#6 arttourist.com gazette Herbst/Winter 2014/2015

Kunst | Kultur | Festivals | Reisen | Essen & Trinken | Design & Lifestyle


Sparpreis Kultur: per Bahn zur Kunst – besonders günstig!

Ab allen Bahnhöfen in Deutschland zur Ausstellung. ❚ Ab 39 Euro (2. Kl.), ab 49 Euro (1. Kl.). Bis zu vier Mitfahrer sparen jeweils 10 Euro ❚ Zu den Topausstellungen z.B. in Bonn, Hamburg, Karlsruhe und Stuttgart ❚ Hin und zurück innerhalb von 3 Tagen im ICE, EC oder IC, Zugbindung ❚ Erhältlich in allen DB Reisezentren und DB Agenturen, solange der Vorrat reicht ❚ Mehr Infos unter www.bahn.de/kultur

Die Bahn macht mobil. Billie_286x436_4c.indd 1

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BILLIE | arttourist.com 2|2014

Editorial  |  3

Editorial



Liebe Leserin, lieber Leser, liebe Kunden und Freunde der arttourist.com

Rahmée Wetterich und Marie Darouiche, © Helmuth Scham, www.schampus.com

Billy Holiday, 1947 | Foto: William Gottlieb

Marie Darouiche wurde 1952 in Kamerun

ses in München und arbeitete mit exklusiven französischen Stoff- und Möbelproduzenten zusammen. Als Marie das Dirndl à l‘ Africaine erfand, stellte sie die ersten Weichen, um daraus NOH NEE werden zu lassen.

geboren, in einer Familie, wie man sie aus Filmen und Romanen kennt: Ein grosser Clan, viele Generationen fast unter einem Dach, kreative Menschen mit musikalischer und künstlerischer Begabung, die sich gegenseitig inspirierten. Maries Weg führte sie nach Europa, und glücklicherweise nach München. Ihre Liebe zu afrikanischen Stoffen brachte sie mit. Für sie war es ein logischer Schritt, vor gut fünf Jahren das erste Dirndl aus einem „Pagne“ zu nähen. Zunächst nur auf Bestellung, bis sie sich in 2010 mit ihrer Schwester und einer Freundin zusammenschließen konnte und NOH NEE entstand. Sie ist das Herz des Ateliers und überrascht jede Saison mit neuen Dirndl-Kreationen.

Rahmée Wetterich

war viel jünger als ihre Schwester Marie, als sie in München eintraf. Ebenfalls mit einer extra Portion Kreativität ausgestattet. Nach vielen erfolgreichen Jahren im Modebereich, eröffnete sie ein Studio für Inneneinrichtung in der Nähe des Nymphenburger Schlos-

Billie Holiday (* 7. April 1915 in Philadelphia,

Pennsylvania als Eleanora Fagan Gough; † 17. Juli 1959 in New York), auch Lady Day genannt, gilt als eine der bedeutendsten Jazzsängerinnen aller Zeiten. zählt mit Ella Fitzgerald und Sarah Vaughan zu den bedeutendsten Jazzsängerinnen. 1930 begann sie in Clubs aufzutreten. Ihren Künstlernamen übernahm sie von einer von ihr bewunderten Schauspielerin: Billie Dove. Ihr musikalisches Vorbild fand Billie in der Blues Sängerin Bessie Smith (1894 - 1937). Drei Jahre später entdeckte sie der Plattenproduzent John Hammond. Er organisierte für sie einige Aufnahmen mit Benny Goodman. Später arbeitete sie zusammen mit Jazzlegenden wie Lester Young, Count Basie und Artie Shaw. Mit Young verband sie eine lebenslange, enge Freundschaft – eine der wenigen engeren Beziehungen zu Männern, die unproblematisch verliefen.

Bisher erschienen:

PABLO

#1 arttourist.com gazette Frühjahr / Sommer 2012 Gratisexemplar

#2 arttourist.com gazette Herbst / Winter 2012 Gratisexemplar

THOMAS

#3 arttourist.com gazette Frühling / Sommer 2013 Gratisexemplar

Kunst | Kultur | Festivals | Reisen | Essen & Trinken | Shopping

GRET

#4 arttourist.com gazette Winter 2013/2014

Kunst | Kultur | Festivals | Reisen | Essen & Trinken | Shopping

Kunst | Kultur | Festivals | Reisen | Essen & Trinken | Shopping

Kunst | Kultur | Festivals | Reisen | Essen & Trinken | Shopping

KURT

FRIDA

#5 arttourist.com gazette Frühling 2013/2014

Kunst | Kultur | Festivals | Reisen | Essen & Trinken | Design & Lifestyle

BILLIE

Im Frühjahr 2015 #6 arttourist.com gazette Herbst/Winter 2014/2015

Kunst | Kultur | Festivals | Reisen | Essen & Trinken | Design & Lifestyle

EMILE

Kunst | Kultur | Festivals | Reisen | Essen & Trinken | Shopping

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#1 arttourist.com gazette Gratisexemplar

Was für ein großartiger und wunderbarer Konzertabend. Ich komme gerade vom Konzert des Lars Danielsson Quartets bei Jazz am See in Allensbach. Wie so oft sind es gerade diese Abende, ein tolles Jazzkonzert, eine zeitgenössische Oper, die mich in der Hektik der Endphase dieser Zeitung zur Ruhe kommen lassen. Abschalten, sich fallenlassen und wegträumen. Ein Kurzurlaub für Geist und Seele. Es war eine musikalische Bestätigung von BILLIE, einer Zeitung, die den Schwerpunkt Jazz & Neue Musik hat, die Sie in der Hand halten. Mit Jacques Loussier und den Play Bach Einspielungen, die meine Eltern auf Schallplatte hatten, fing alles an, meine Leidenschaft und Interesse für den Jazz. Später kamen Wolfgang Dauner und das United Jazz & Rock Ensemble dazu, die frühe Begegnung mit Joo Kraus, der mich seit über 30 Jahren musikalisch begleitet und den ich erst vor kurzem persönlich kennengelernt habe. In den letzten Jahren sind viele, viele Konzerte, Reisen, Künstlerbegegnungen, Gespräche und zahlreiche CD’s dazu gekommen. Sie sind fester Bestandteil meines Lebens. Ein besonderer Dank gilt hier Johannes Vogel von allblues, mit dem mich seit meiner Zeit als Künstlerischer Leiter des RheinfallFestival und dank des Künstlers Beat Toniolo eine Freundschaft verbindet, der mir immer wieder musikalische Auszeiten ermöglicht und dazu ermuntert. Eine zweite Leidenschaft gilt der neuen Musik. Initialzündung hierfür war ein Konzert mit Philip Glass 1992 anlässlich der Eröffnung der neuen Firmenzentrale der Firma Weishaupt in Schwendi, wo ich unverhofft auf etwas gestoßen bin, was mich tief beeindruckt und bewegt hat. Vertieft wurde diese erste »Infektion« beim Münchner Art-Projekt 1992, ein künstlerisches Gipfeltreffen, wo die besten Musiker aus Klassik, Pop und Jazz miteinander arbeiteten. Ein Crossover Veranstaltungskonzept, was es leider nur zu zwei Ausgaben schaffte. Heute ist der Besuch der Donaueschinger Musiktage ein Muss und fester Termin in der Jahresplanung. Umso mehr freut es mich, dass BILLIE zu den Donaueschinger Musiktagen und mit Unterstützung des swr erscheint. Aber es geht nicht nur um Jazz und Neue Musik in BILLIE sondern natürlich um viele spannende, überraschende und zu entdeckende Themen rings um das Gesamterlebnis Kultur, zu denen ich Sie herzlich einladen möchte. Während der Arbeit an BILLIE ist unsere Zeitung für den Druck & Medien Award 2014 nominiert worden und wir fiebern mit Spannung der Preisverleihung zur Zeitung des Jahres am 23.10. in Berlin entgegen. Schon alleine die Nominierung ist eine große Auszeichnung für unsere immer noch junge Zeitung und eine Bestätigung für unsere Idee, Konzept, Vision und unsere Arbeit, an der viele, viele tolle Menschen beteiligt sind. Ohne Euch – Ihr wisst es – wäre dies alles nicht möglich. Auch Sie können uns in dem Prozess hilfreich unter die Arme greifen, in dem Sie sich für uns entscheiden und ein Abo für Sie und Ihre Freunde erwerben. So umgehen Sie auch die »Schlacht« um eine der begehrten Ausgaben. Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Blättern, vertiefend Lesen und Entdecken. Ich habe dies sehr gerne für Sie zusammengestellt. Mit herzlichen Grüßen

Kai Geiger

Kunst 

Seite 5 – 31

Jazz & Neue Musik 

Seite 33 – 61

Kino 

Seite 62

Design 

Seite 65 – 67, 70 – 73

Essen & Trinken 

Seite 68, 69

Tanz & Ballett 

Seite 74 – 77

Jugend 

Seite 78

Städte & Regionen Flandern 

Seite 8 – 12, 75

St. Gallen 

München 

Seite 20 – 24

Seite 26 – 31

Kai Geiger ART CITIES IN EUROPE GmbH geiger@artcities.com Impressum: ART CITIES IN EUROPE GmbH | Titel: BILLIE, Rahmée Wetterich von Helmuth Scham, www.schampus.com | Produktion: FUCHS Druck + Medien GmbH, Rankstrasse

Danke:

9, 8280 Kreuzlingen, www.superfuchs.ch | Druck: Druckhaus Waiblingen www.dhw.de | DRUCKHAUS WAIBLINGEN

Redaktion: ART CITIES IN EUROPE GmbH, Glärnischstraße 7, D-78464 Konstanz, Tel. (+49) 07531 9073-0, Fax (+49) 07531 9073-5, www.arttourist.com, info@arttourist.com


4  |  Bad Homburg

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Bad Homburg

VERZWEIGT –

Bäume in der zeitgenössischen Kunst 30.11.2014 – 22.2.2015

Mit dieser Ausstellung nimmt das Museum Sinclair-Haus ein traditionelles Naturmotiv in den Blick, das auch in der zeitgenössischen Kunst vielfach bearbeitet worden ist. Erstmals werden Werke aus einer hochkarätigen Privatsammlung gezeigt, die ganz auf das Baum-Sujet ausgerichtet ist. Ergänzt wird dieses Konvolut durch Exponate der ALTANA Kunstsammlung und weitere Leihgaben. In einer abwechslungsreichen Abfolge von Skulpturen, Objekten, Gemälden, Zeichnungen und Filmen wird das Motiv des Baumes auf sehr unterschiedliche Art und Weise bearbeitet: seine einzigartige Form wird als Ganzes aufgegriffen, aber auch in seinen Details: dem Stamm, dem Ast, den Blättern. Auch seine mythologische und märchenhafte Bedeutung spielt eine Rolle. Und schließlich liefert der Baum mit seinem Holz auch einen viel genutzten Werkstoff, der gesammelt, zersägt, zusammengesetzt oder poliert zu sehr verschiedene Formen und Ausdrucksmöglichkeiten führen kann. Die Vielfalt dieser künstlerischen Herangehensweisen wird in der Ausstellung ersichtlich und zeigt zugleich, wie die zeitgenössische Kunst auf den Baum als „Abbild von Welt und Leben“ reagiert. Künstler der Ausstellung sind unter anderen Georg Baselitz, Laura Ford, Rebecca Horn, Alex Katz, Anselm Kiefer, Martin Kippenberger, Robert Longo, Tobias Rehberger, Sigmar Polke, Gerhard Richter, Thomas Ruff, Wolfgang Tillmans und Jeff Wall.

Vorschau ORI GERSHT NaturGewalten - Film und Fotografie Erste umfassende museale Einzelausstellung in Europa! 15.3. – 14.6.2015 Ori Gersht beschäftigt sich mit seiner Herkunft und den geschichtlichen Ereignissen in Europas jüngster Vergangenheit. Dabei werden Topografien und die Reise zu historisch bedeutsamen Orten zu Metaphern metaphysischer Prozesse. Das Schicksal Einzelner steht exemplarisch für die kollektive Vergangenheit, welche zugleich verborgener Subtext für die beziehungslose, jedoch sinnliche Betrachtererfahrung ist.

ADRESSE Museum Sinclair-Haus Löwengasse 15, Eingang Dorotheenstraße 61348 Bad Homburg v. d. Höhe ÖFFNUNGSZEITEN Di 14 – 20 Uhr Mi – Fr 14 – 19 Uhr Sa – So 10 – 18 Uhr

AUDIOGUIDE Nein FÜHRUNGEN Anmeldung zu Führungen und Veranstaltungen Tel 0 6172 404-120 info@altana-kulturstiftung.de KATALOG

EINTRITTSPREISE Normalpreis EUR 5, Ermäßigt EUR 3 Familienkarte EUR 12 Inhaber des Kulturpasses EUR 1 Inhaber der Museumsufercard Eintritt frei Mittwochs für alle Eintritt frei

Weitere Informationen www.altana-kulturstiftung.de

Tree girl with birds, Laura Ford courtesy Galerie

Scheffel, Bad Homburg


BILLIE | arttourist.com 2|2014

Dresden  |  5

Hellerau Europäisches Zentrum der Künste

Die Influenza an dem Oberkörper eines Mannes dargestellt, Magen und rechter Lungenflügel sind geöffnet | Dresden, nach 1890 | Hersteller: Werkstatt Rudolph Pohl (1852 – 1926)

Deutsches Hygiene-Museum

Blicke! Körper! Sensationen!

Societaetstheater

Ein Anatomisches Wachskabinett und die Kunst 11.10.2014 – 19.4.2015 Im Mittelpunkt der Sonderausstellung Blicke! Körper! Sensationen! steht ein historisches Wachskabinett, das um 1900 zum großen Teil in Dresden entstanden ist. Über ein Jahrhundert hinweg wurden diese Modelle von menschlichen Körpern und Körperteilen im Dienst der Gesundheitsaufklärung, aber auch der populären Unterhaltung auf Jahrmärkten vorgeführt. Mit seinen rund 250 Objekten gehört es zu den wenigen Exemplaren seiner Art, die in einer derartigen Bandbreite erhalten sind. Um die kulturhistorische und aktuelle Bedeutung dieses Wachskabinetts freizulegen, bedient sich die Ausstellung unterschiedlicher Zugänge. Sie beginnt als White Cube einer klassischen Kunstausstellung, in dem die Besucher Werken bedeutender Künstler der Gegenwart begegnen, die sich mit dem menschlichen Körper beschäftigen: Louise Bourgeois, Alexandra Bircken, Marcel Duchamp, Max Ernst, Robert Gober, Damien Hirst, Mike Kelley, Zoe Leonard, Paul McCarthy, Pipilotti Rist, Cindy Sherman, Pia Stadtbäumer, Paul Thek oder Luc Tuymans. In diesen Arbeiten wird das Spannungsver-

hältnis von Betrachter und Objekt auf verschiedenen Ebenen in Szene gesetzt. Die individuellen künstlerischen Positionen lassen assoziativ Motive anklingen, die für die Besucher beim Betrachten der Objekte des Wachskabinetts produktiv werden: Neugierde und Voyeurismus, Geschlecht und Identität, Ekel und Mitleid, Leben und Tod, Präsenz und Distanz, Wissen und Fantasie. Im Zentrum der Ausstellung werden die Objekte des Dresdner Wachskabinetts in einer abstrahierenden Rekonstruktion seiner ursprünglichen, historischen Präsentationsform gezeigt. Neben der allgemeinen Anatomie des Menschen waren es vor allem Themen wie Sexualität, Geburt, Verhütung, Abtreibung und Geschlechtskrankheiten, die dem Publikum vor dem Hintergrund der im 19. Jahrhundert noch jungen medizinischen Disziplinen Embryologie und Gynäkologie vorgestellt wurden. Es ging aber auch um Erkrankungen der Haut, der Augen oder des Verdauungstrakts oder um Ereignisse, die den Alltag der Menschen prägten, wie Arbeitsunfälle oder Kriegsverletzungen. Und selbstver-

ständlich durften auch Jahrmarktsklassiker wie ein Schwertschlucker oder ein leicht bekleidetes, vom Blitz erschlagenes Mädchen nicht fehlen. Als wertvolle kultur- und wissenschaftshistorische Dokumente lassen sich solche Wachskabinette auch als Spiegel der damaligen Gesellschafts-, Körper- und Moralvorstellungen interpretieren. Ein historischer Exkurs ordnet das Wachskabinett in die Geschichte der Anatomie und ihrer Popularisierung ein, in der öffentliche Leichensektionen und künstlerisch-wissenschaftliche Darstellungen des menschlichen Körpers seit Jahrhunderten eine bedeutende Rolle spielten. Abschließend dokumentiert die Ausstellung mit Arbeiten von u.a. Luis Buñuel, Marcel Duchamp, Max Ernst oder Herbert List wie sich die Künstler des Surrealismus mit den schockierend naturalistischen und teilweise bizarren Darstellungen und Fantasiewelten der Wachskabinette auseinandersetzten. Die Ausstellung endet in einem kontemplativen Raum mit einer Filmarbeit von Steve McQueen.

Kunsthaus Dresden Das Kunsthaus Dresden als städtische Galerie für Gegenwartskunst bietet mit seinen wechselnden Ausstellungen aktueller Kunst der Gegenwart einem breiten Publikum in Dresden Einblicke in das Kunstgeschehen der Welt. Die hier konzipierten und von einem kleinen Team umgesetzten Ausstellungen widmen sich besonderen, zumeist aktuellen Themen der Kunst und bieten in der Regel ein internationales Spektrum. Ein wesentliches Anliegen des Hauses ist es, künstlerische Ausdrucksformen und Inhalte einem breiten Publikum nahe zu bringen, das auf diesem Wege mehr über die Kunst erfährt. In der Ausstellungskonzeption verfolgt das Kunsthaus Dresden sowohl Einzelprojekte als auch längerfristige thematische Reihen. www.kunsthausdresden.de

Dresdner Philharmonie Dresdens Klang. 2014 / 2015

18. April bis Oktober 2015 Eine Sonderausstellung des Deutschen Hygiene-Museums

Pullman Dresden Newa

Die Dauerausstellung lädt ein auf einen interaktiven kultur- und wissenschaftsgeschichtlichen Parcours der Körperbilder und –begriffe: Leben, Ernährung, Sexualität, Erinnern, Denken, Bewegung, Schönheit

Unsere fünf Sinne Das Kinder-Museum eignet sich für Eltern mit Kindern im Alter von vier bis zehn Jahren. Gemeinsam spielerisch entdecken, wie wir mit unseren Sinnen die Welt erkunden – die perfekte Ergänzung zur Dauerausstellung und den Sonderausstellungen.

ÖFFNUNGSZEITEN Di – So, Feiertags 10 – 18 Uhr Mo geschlossen

© Detlef Ulbrich

Freundschaft. Eine Ausstellung über das, was uns verbindet

Abenteuer Mensch

ADRESSE Deutsches Hygiene-Museum Lingnerplatz 1 01069 Dresden www.dhmd.de

Es ist das älteste noch existierende Theater Dresdens. Im barocken Gebäude hat ein modernes Theater Einzug gehalten, das Aufführungen des Sprech-, Tanz- und Musiktheaters aus dem In- und Ausland Raum gibt. Zwei Bühnen stehen den Künstlern für ihre Projekte zur Verfügung. Im Sommer lockt ein zusätzlicher Spielraum in den barocken Garten. Das barocke Haus bietet neben seinem modernen Programm die Möglichkeit, sich im Theaterestaurant L’ART DE VIE verwöhnen zu lassen. www.societaetstheater.de

Bereits in der dritten Spielzeit ist die Dresdner Philharmonie in Dresden unterwegs und wird dabei nicht müde, neue Erfahrungen und musikalische Entdeckungen zu machen. Mit der Saison 2014 / 2015 ist nun auch ein Stück dieser Reise geschafft und eine Rückkehr in die alten Gefilde des Kulturpalastes rückt wieder ein Stück näher. Nichtsdestotrotz kann die Philharmonie auch in der neuen Saison den Kreis ihrer Spielstätten beibehalten und mit der Schlosskapelle sogar noch ausbauen. Auch die Anrechtsreihen bleiben bestehen und können wieder auf bis zu 9 Konzerte mit den à la carte-Konzerten erweitert werden. Insgesamt werden die Musiker bei 104 Veranstaltungen in Dresden zu erleben sein, davon 22 unter der Leitung von Chefdirigent Michael Sanderling. www.dresdnerphilharmonie.de

Weitere Ausstellungen im Deutschen Hygiene-Museum

Zoe Leonard | Anatomical Model of a Woman‘s Head Crying | 1993, © Zoe Leonard, Courtesy Galerie Gisela Capitain, Cologne

Hellerau ist diese idyllische Gartenstadt im Dresdner Norden. Und HELLERAU ist dieses Festspielhaus im Zentrum, das von Anfang an seiner Zeit voraus war in Architektur und Inhalt. In HELLERAU setzt sich der Geist der ersten Stunde fort: Als interdisziplinäres und internationales Zentrum für zeitgenössische Künste experimentiert, entwickelt und präsentiert HELLERAU unterschiedlichste Sparten und Formen aktueller Gegenwartskunst: Musik, Tanz, Theater, Performance, Neue Medien, Bildende Kunst, Literatur mit einem Fokus auf zeitgenössischem Tanz und Neuer Musik – wieder entsteht hier ein „Arbeitsplatz Kunst“. Das genreübergreifende Programm des Hauses eröffnet den Weg zu neuen Ausdrucksformen und überschreitet herkömmliche Veranstaltungsformate. www.hellerau.org

Freundschaft ist die Sehnsucht nach einer Beziehungsform, die stabil genug ist, Vertrauen, Sicherheit und Nähe zu bieten, und gleichzeitig so dehnbar, dass sie den Wunsch nach individueller Freiheit zulässt. Freundschaft könnte also für das zukünftige Zusammenleben ein Modell abgeben, das nicht zwangsläufig mit den politischen Utopien verbunden sein müsste, die lange Zeit mit assoziiert wurden.

EINTRITTSPREISE Normalpreis EUR 7 | Ermäßigt EUR 3 | Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren frei AUDIOGUIDE Für die Dauerausstellung auf Deutsch, Englisch, Französich, Tschechisch und Polnisch

ÖFFENTLICHE FÜHRUNGEN Übersichtsführung durch die Dauerausstellung Sa und So 14 Uhr | Übersichtsführung durch die Sonderausstellung „Blicke! Körper! Sensationen!“ Sa 16 Uhr Weiter Angebote unter: www.dhmd.de

GRUPPENFÜHRUNGEN Informationen und Buchungen beim Besucherservice und unter www.dhmd.de/bildung Übersichtsführungen können auch in Tschechisch, Englisch, Französisch und in anderen Sprachen gebucht werden.

Anmeldung unter service@ dhmd.de | Tel 0351 4846-400 KATALOG Blicke! Körper! Sensationen! Wallstein Verlag 2014, EUR 24,90

Das First Class Hotel erwartet Sie in bester Citylage direkt am eleganten Shoppingboulevard Prager Straße und nah an den berühmten Sehenswürdigkeiten, Kunstsammlungen und Galerien in der historischen Altstadt. Freuen Sie sich auf ein Hotel mit Style, Design, Wohlfühl-Atmosphäre und dem fantastischen Ausblick aus den Superior Zimmern bis zur Frauenkirche. Ob Geschäftsreise, Tagung oder Kurzurlaub – hier wird Ihr Aufenthalt in Dresden unvergesslich. Pullman Dresden Newa | Prager Straße 2c | 01069 Dresden | www.pullman-dresden.com


6  |  Düsseldorf

BILLIE | arttourist.com 2|2014

Wael Shawky | Cabaret Crusades: The Path to Cairo, 2012 | HD Video, Farbe, Sound, ca. 61 Min., Videoausschnitt | Courtesy the artist and Sfeier-Semler Gallery, Beirut / Hamburg, Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf, erworben 2012 | © Künstler | Foto: © Kunstsammlung NRW

Den dritten Teil der Cabaret Crusades realisiert Wael Shawky nun in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen unter den Augen der Besucher: Während in einem Teil der Grabbehalle im K20 die zwei seit 2010 gedrehten Videos und die Marionetten zu sehen sind, entsteht wenige Schritte entfernt die dritte Folge des KreuzzugEpos mit dem Titel The Secrets of Karbala. Diese bislang aufwändigste Filmproduktion Shawkys wird am 4. Dezember 2014 ihre Welturaufführung in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen erleben. Die Parallelität von Ausstellung und Produktion stellt für das Museum und ebenso für den Künstler ein Novum dar.

Max Slevogt (1868 – 1932) | Palmengarten in Luxor, 1914 | Öl auf Leinwand, 56,5 x 38,5 cm Galerie Neue Meister, Staatliche Kunstsammlungen Dresden | Foto: © Kunstsammlung NRW

Das Thema Ägypten wird neben den Ausstellungen von Wael Shawky und Slevogt/Klee auch wegweisend für das Programm von »Futur 3. Annäherung an die ungekannte Zukunft« im Schmela Haus werden. Für Herbst 2014 sind dort zahlreiche Veranstaltungen zur Situation Ägyptens geplant, gleichzeitig startet die mit Unterstützung des Goethe Instituts eingerichtete Kuratorenresidenz. Den Auftakt machen drei von einer Jury ausgewählte Kuratoren aus Ägypten, die sich während ihres Gastaufenthalts produktiv mit eigenen Themen in das auf Austausch und Dialog abzielende Veranstaltungsprogramm des Schmela Hauses einbringen.

tiert seine frühen Jahre, seine Zugehörigkeit zu ZERO und seine bildhauerische Arbeit. Malerei, Objekt, Skulptur, Film, Künstlerbücher, Manifeste, Bühnen- und Kostümentwürfe zeugen von der beharrlichen Arbeit eines vielseitigen Erfinders. Hauptwerke ebenso wie wenig bekannte Arbeiten ermöglichen neue Einblicke in das Schaffen Ueckers. Die Bandbreite der Ausstellung reicht von Werken mit politischen Aussagen bis hin zu meditativen Schöpfungen, in denen sich der Künstler intensiv mit der Wirkung des Lichtes auseinandersetzt. Weitere Themen sind der Stellenwert von Film und Schrift bei Uecker, dessen weltweite Rezeption ebenfalls dargestellt wird.

Joan Miró | Peinture-Poème (»Amour«), 1926 | Öl auf Leinwand, 146 × 114 cm | Museum Ludwig, Köln | © VG Bild-Kunst, Bonn 2014

Düsseldorf

Miró – Malerei als Poesie

K20 GRABBEPLATZ | K21 STÄNDEHAUS

13.6. – 27.9.2015 K20 Grabbeplatz

Ausstellungen und Projekte

Erstmals widmet sich eine Ausstellung Joan Mirós (1893 - 1983) Verhältnis zur Literatur und seiner Freundschaft zu bedeutenden Schriftstellern des 20. Jahrhunderts, wie Ernest Hemingway, Henry Miller, André Breton und Guillaume Apollinaire. Miró, der in seinem Atelier während der Pausen vom Malen unabhlässig las, bezog sich in seinen Werken explizit auf Texte. In den 1920er Jahren arbeitete er an einer umfangreichen Serie, die er „Peinture-Poéme“ nannte und die im Zentrum der Ausstellung stehen wird. Die Arbeiten dieser Serie zeigen, wie Mirós zeichenhafte Abstraktion im Wechselspiel mit der Literatur entstanden ist.

Nach Ägypten! Die Reisen von Max Slevogt und Paul Klee bis 4.1.2015 K20 Grabbeplatz Ägypten, das Land der Pharaonen, fasziniert die Menschen seit Jahrtausenden. Nach dem Feldzug Napoleons an der Wende zum 19. Jahrhundert wurde das Land am Nil eines der beliebtesten Ziele für Bildungs- und Kulturreisende. Bis heute locken das Fremde und Geheimnisvolle des Orients. Auch viele Künstler begeisterten sich für das gleißende Licht und die einzigartige Landschaft. Wie andere außereuropäische und vergangene Kulturen, so galt Ägypten aber auch als Inbegriff des Ursprünglichen und begleitete die Suche nach einer Gegenwelt zur mehr und mehr industrialisierten Gesellschaft des Nordens. Zu den Ägyptenreisenden gehörten auch Max Slevogt (1868-1932) und Paul Klee (1979-1940), einer der führenden Vertreter der Avantgarde. Etwa 130 Gemälde, Aquarelle und Zeichnun-

gen, die im Zusammenhang ihrer Reisen entstanden sind, verdeutlichen in der Ausstellung Nach Ägypten! Die Reisen von Max Slevogt und Paul Klee die Umbrüche am Übergang vom Impressionismus zur Klassischen Moderne. Museen aus dem In- und Ausland sowie renommierte private Sammlungen unterstützen großzügig die Ausstellung mit hochrangigen Leihgaben. Historische Fotografien und Dokumente ergänzen die Präsentation der Kunstwerke.

Wael Shawky – Cabaret Crusades bis 4.1.2015 K20 Grabbeplatz Die blutigen Kämpfe der Kreuzzüge liegen viele Jahrhunderte zurück, beeinflussen aber bis heute folgenschwer die Welt des Islam und des Westens. Cabaret Crusades nennt der ägyptische Künstler Wael Shawky (geb. 1971) seine Video-Trilogie, die das Geschehen konsequent aus arabischer Sicht schildert und in der Marionetten die historischen Gestalten verkörpern. Die ersten beiden Teile der Video-Folge gehörten zu den viel besprochenen Entdeckungen der documenta 13 in Kassel.

Günther Uecker | Foto: © Albrecht Fuchs, Köln 2014

Uecker 7.2. – 10.5.2015 K20 Grabbeplatz Die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen zeigt das Werk Günther Ueckers aus einer zeitgenössischen Perspektive. Die Präsentation dokumen-

Adressen K20 GRABBEPLATZ Grabbeplatz 5, 40213 Düsseldorf K21 STÄNDEHAUS Ständehausstraße 1, 40217 Düsseldorf F3 SCHMELA HAUS Mutter-Ey-Straße 3, 40213 Düsseldorf www.kunstsammlung.de Öffnungszeiten K20 GRABBEPLATZ K21 STÄNDEHAUS Di – Fr 10 – 18 Uhr Sa, So, feiertags 11 – 18 Uhr Mo geschlossen

KPMG-Kunstabend jeden 1. Mittwoch im Monat 18 – 22 Uhr (Eintritt frei) Am 24.12., 25.12. und 31.12. ist geschlossen, an allen übrigen gesetzlichen Feiertagen in Nordrhein-Westfalen ist geöffnet www.kunstsammlung.de Eintrittspreise K20 GRABBEPLATZ Normalpreis EUR 12 ermäßigt EUR 9,50 Kinder und Jugendliche (6-18 Jahre) EUR 2,50 K21 STÄNDEHAUS Normalpreis EUR 12

ermäßigt EUR 9,50 Kinder und Jugendliche (6-18 Jahre) EUR 2,50 Kombiticket (beide Häuser) Normalpreis EUR 17 ermäßigt EUR 13 Kinder und Jugendliche (6-18 Jahre) EUR 4 KPMG-Kunstabend Jeden 1. Mittwoch im Monat: 18.0022.00 Uhr, Eintritt frei. Weitere Informationen zu Führungen, Veranstaltungen, Museumsshop unter www.kunstsammlung.de


BILLIE | arttourist.com 2|2014

Düsseldorf  |  7

Inside the Speaker, 2014 | Acryl auf Stoff und Erde, | ca. 4,6 x 18,7 x 41,1 m | Installationsansicht | Stiftung Museum Kunstpalast, Düsseldorf Courtesy Johann König, Berlin | © Katharina Grosse und VG Bild-Kunst, Bonn 2014 / Foto: Nic Tenwiggenhorn (Ausschnitt)

Düsseldorf

Katharina Grosse Inside the Speaker 30.9.2014–1.2.2015 Die an der Düsseldorfer Kunstakademie lehrende, international renommierte Künstlerin Katharina Grosse (*1961), mit Wohnsitz in Berlin, ist als Vertreterin einer neuen Herangehensweise an die Malerei berühmt geworden. Seit mehr als zwei Jahrzehnten unterliegt ihre Kunst einem Prozess der Reflexion über die Ausdrucksmöglichkeiten des Mediums Malerei. Große Mengen von Erde, Stoff und Farbe bilden das Material, mit dem Katharina Grosse in einem der Ausstellungssäle im Museum Kunstpalast eine eindrucksvolle, fast 800 qm große, für die Besucher begehbare Installation schafft. In einem weiteren Saal zeigt sie eine Auswahl ihrer großformatigen Gemälde: Mit teilweise bis zu 36 qm großen Leinwänden, nehmen diese, wie ihre Raumarbeiten, beachtliche Ausmaße an und sprengen den Bildraum mittels farblicher Expansion. Mit dieser Zusammenschau von sehr großformatigen Bildern und einer über mehrere Tage entstandenen kolossalen MalereiRaum-Installation offeriert Katharina Grosse dem Publikum mit „Inside the Speaker“ ein besonderes Ausstellungserlebnis. Denn mit der möglichen Begehung des Kunstwerks wird der Besucher eingeladen, direkt ins Reich der Malerei einzutreten und mit all seinen Sinnen auch deren Betörungen und Stolpersteine zu erfahren. So wird das Publikum selbst aktiver Teil von und in der raumgreifenden Installation. Übersetzen lässt sich der Ausstellungstitel am ehesten mit „drin sein“, im Resonanzkörper selbst sein, bzw. „ganz nahe dran sein“, am Medium, aber auch an der Aussage und an der Person und der Stimme, die sie vermittelt. Eine Beobachtung dieser überwältigenden Installation und Malerei aus der Distanz erweist sich als schwierig, da man selbst Teil der Inszenierung wird. Die Ausstellung wirft Grundfragen zur Malerei und deren Möglichkeiten und Fähigkeiten im 21. Jahrhundert auf eine sehr sinnliche Art und Weise auf und wird diese zur Diskussion stelADRESSE Museum Kunstpalast Kulturzentrum Ehrenhof Ehrenhof 4-5 40479 Düsseldorf www.smkp.de ÖFFNUNGSZEITEN Di, Mi, Fr - So 11 - 18 Uhr, Do 11 - 21 Uhr Mo geschlossen

len. In dem kostenlos ausgegebenen Booklet werden unter dem von einem Zitat der Malerin abgeleiteten Titel „Ein Bild kann überall landen“ dem Besucher beispielhaft Fragen gestellt, z. B. „Welche Rolle spielt der Maßstab für die Wahrnehmung?“ Katharina Grosse denkt und handelt in Farben. Sie interagiert mit und gegen den bestehenden Raum. Sie erweitert ihn durch verschiedene Materialien, die durch ihre Formen Strukturen bilden, die sich gegen die Gleichförmigkeit des architektonischen Raumes mit seinen überschaubaren Koordinaten von Höhe, Breite und Tiefe stemmen und andere Wirklichkeiten darin etablieren. Die Installation besteht aus Falten und Verwerfungen, Wellen und schrägen Ebenen, die vom Betrachter eine andere Art der Orientierung und Aufmerksamkeit erfordern. Fragen wie „Was ist (noch) ein Bild?“ und „Wie verhält sich die Farbe zur Oberfläche und zum Raum?“ stehen gewissermaßen mit im Raum. Farbe und Malgrund stehen einander in ihrer unterschiedlichen Ausrichtung widersprechend gegenüber. Der Illusionsraum der Malerei nutzt für sich ein weites Spektrum, das sich von den Möglichkeiten des darunter liegenden realen Raumes absetzt. Auf diese Weise erweitert und öffnet die Künstlerin die Malerei in ihren räumlichen Dimensionen, in ihren Materialeigenschaften und in der ihr eigenen Grammatik reflexiver, emotionaler und struktureller Werte.

Katharina Grosse, 2014 | Foto: Veit Mette © Katharina Grosse und VG Bild-Kunst, Bonn, 2014

EINTRITTSPREISE Normalpreis EUR 9 ermäßigt EUR 7 EUR 1 für Kinder im Alter von 7-17 Jahren Kinder bis 6 Jahre Eintritt frei Gruppen ab 10 Personen: EUR 7 Tickets online: www.smkp.de/shop ÖFFENTLICHE FÜHRUNGEN So 15 Uhr (max. 20 Personen) Die Teilnahme ist im Eintrittspreis enthalten.

GRUPPENFÜHRUNGEN Führungen für Gruppen bis 20 Personen, ermäßigter Eintritt ab 10 Personen | Kosten: EUR 70 für 60 Minuten, zzgl. ermäßigten Eintritt pro Person | Kosten: EUR 85 für 90 Minuten, zzgl. ermäßigten Eintritt pro Person Führungen auch in englischer, französischer, italienischer und russischer Sprache buchbar Sonderkonditionen für Schulklassen Buchung und Information Tel.: +49 (0)211-566 42 160 | bildung@smkp.de

Bereits im Vorfeld der Ausstellung wurde auf der Plattform tumblr unter http://insidethespeaker.tumblr.com ein BLOG gestartet. Moderiert von der Schriftstellerin Annika Reich finden sich hier Texte verschiedener Autoren, Kunstexperten und Philosophen wie Dustin Breitenwischer, Annett Gröschner, Helene Hegemann, Hans-Ulrich Obrist und Marcus Steinweg über die Ausstellung, die Künstlerin und ihr Werk sowie Fotos und Videos.

Booklet Begleitend zur Ausstellung erhält jeder Besucher kostenlos ein Booklet Katalog Zur Ausstellung erscheint im Verlag der Buchhandlung Walther König ein zweisprachiger Katalog (dt./engl.), 160 Seiten, mit Texten von Dustin Breitenwischer, Philipp Kaiser, Ulrich Loock und Beat Wismer. Preis: Museumsausgabe EUR 19,80, Buchhandelsausgabe EUR 24,80

EDITION ”I can‘t sleep I can‘t eat“ Auflage 20, Preis: EUR 800 Medienpartner Monopol Kulturpartner WDR 3


8  |  Flandern

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Flandern Bei Flandern denkt man unweigerlich an Kunst und Kultur. Flanderns Museen bieten in den kommenden Monaten Highlights, die Kulturfreunde nicht verpassen sollten: von Rubens über die Wikinger bis hin zur spannenden Projekten zeitgenössischer Kunst. So werden in Tongeren die harten Männer aus dem hohen Norden in einem milderen, mehr privaten Licht präsentiert. Viel dreht sich um Rubens, dem Meistermaler des Mittelalters. Im Herbst beginnt der Ausstellungsreigen im Brüsseler Bozar, wo seine Einflüsse in der Malerei über die Jahrhunderte hinweg gezeigt werden. Seinen Familienporträts widmet sich das Antwerpener Rubenhaus. Parallel dazu kann man in Brüssel die intimen Porträts der Renaissance und deren Einfluss auf Rubens Werk bewundern. Aber auch Belgiens Küstenstadt Ostende lockt mit einem echten Kulturhighlight: einer Hommage an Jan Hoet. Die einzigartige Ausstellung widmet sich dem Meer, der großen Liebe des kürzlich verstorbenen Kurators. Anderen Formen der Kunst wie Lichtinstallation und Tanz widmen sich weitere spannende Ausstellungsprojekte. Gent zelebriert sich als Stadt des Lichtes und in Brüssel ist eine Weltpremiere von der berühmten Choreografin Anne Teresa de Keersmaeker zu sehen, die von Tanzperformances begleitet wird. Genug Gründe also, um Flandern neu oder mal wieder zu entdecken. © Antwerp Tourism & Convention

Kunst und Kultur in Flandern | ausgewählte Ausstellungen BRÜSSEL Retrospektive Constantin Meunier Erstmals seit 1905 wird in einer umfassenden Retrospektive das Werk des 1831 geborenen Belgischen Malers und Bildhauers gezeigt. Die Ausstellung zeigt Gemälde, Skulpturen, Aquarelle und Zeichnungen - deren Schwerpunktthemen der Realismus und soziale Aspekte des belgischen Arbeiterlebens bilden. Das Werk Constantin Meuniers (1831-1905) steht in perfektem Einklang mit dem Zeitalter der Industrialisierung. Seine Darstellung der Industrie- , Hafen- und Minenarbeiter, die er in der bildenden Kunst als Ikonen der Moderne darstellte, machte ihn interna- Minenarbeiter mit Beil © KMSKB-MRBAB. Designed by Piet Bodyn. tional bekannt. Sein Blick auf die Menschen und die Welt ist intensiv und voller Gefühl, der untrennbar mit der industriellen, sozialen und politischen Entwicklungen zu Ende des 19. Jahrhunderts in Belgien ist. Brüssel | Königliches Museum der Schönen Künste | bis 11.1.2015 | www.fine-arts-museum.be

Niederländische Porträtkunst der Renaissance Erstmals seit 50 Jahren wird die Porträtmalerei in der Renaissance in den Mittelpunkt einer Ausstellung gestellt. Antwerpen, Brügge, Brüssel, Amsterdam, Utrecht und Haarlem waren wichtige Zentren der Porträtkunst, die in der Renaissance ihre Blüte hatte. In Zeiten von religiösen Konflikten und wissenschaftlichen Entdeckungen waren die Künstler auf der Suche nach einem realistischen Ausdruck in der Darstellung des menschlichen Gesichtes. Künstler wie Quentin Massys, Joos van Cleve, Simon Bening, Ambrosius Benson, Joachim BeuBenson, Portrait of a man, ckelaer und Catharina Ambrosius Private Collection van Hemessen erstellten atemberaubende Bilder Ihrer Zeitgenossen. Was seit Jahren im Mittepunkt der wissenschaftlichen Forschung ist, wird in Brüssel für die Besucher öffentlich gemacht. Brüssel | BOZAR | 6.2. – 17.5.2015 www.bozar.be

Zeitgenössische Porträtfotografie Zwanzig zeitgenössische Fotografen stellen Ihre Fotografien den Porträts der Renaissancemaler gegenüber und sorgen für spannende Vergleiche, Ein- und Ausblicke, einen Gang durch die Geschichte der Darstellung des menschlichen Gesichtes. Die Ausstellug findet in Kooperation mit dem Niederländischen Fotomuseum Rotterdam, dem House of Photography Moscow und Thessaloniki Museum of Photography statt. Brüssel | BOZAR 6.2. – 17.5.2015 www.bozar.be

Judith Bloemendaal, Amsterdam 1999, ©Koos Breukel

Das Reich des Sultans Der osmanische Orient in der Kunst der Renaissance Am 29. Mai 1453 nahmen die Osmanen Konstantinopel in Besitz. Die Nachricht vom Fall der Stadt verbreitete sich schnell in ganz Europa. Die Ankunft der Osmanen war der Beginn einer wahren Faszination dieser Hochkultur und ihrer Wissenschaft. Sultan Bajezid, ©Veronese Nachfolge Künstler aus ganz Europa überquerten den Bosporus, der Handel blühte und der kulturelle Austausch erlebte seinen Höhepunkt. Die Ausstellung zeigt diese kulturelle Dynamik in all ihren Facetten und den Einfluss der islamischen Welt auf die Renaissance mit Werken von Bellini, Carpaccio, Dürer, Tizian und anderen. Brüssel | BOZAR | 27.2. – 31.5.2015 www.bozar.be

Marc Chagall Retrospektive Die Retrospektive mit 120 Werken von Marc Chagall, die vom 22.2. – 28.6.2015 im Königlichen Museum der Schönen Künste in Brüssel gezeigt werden, wird in Zusammenarbeit mit dem Palazzo Reale in Mailand realisiert und zeigt alle Schaffenperioden des russischen Künstlers. Ein besonderer Augenmerk gilt der russischen Periode des Künstlers und der Entstehung der kubistischen Avantgarde. Die Ausstellung erzählt den Weg von Marc Chagall von seinen ersten Jahren in Russland, dem ersten Aufenthalt in Frankreich, sein Exil zunächst in Frankreich und dann in Amerika, und schließlich die Rückkehr zu der Marc Chagall, Ich und das Dorf, 1912, Bleistift, Aquarell und Gouache auf Papier. MRBAB, Brüssel, Inv. 11108. französischen Rivie- © SABAM Belgien / ADAGP, Paris / ARS, New York / ra, wo der Künstler MRBAB, Brüssel. Foto von Geleyns / Ro-Scan. zu seiner poetischen Sprache und den heiteren Farben zurückfand. Gezeigt werden Werke aus renommierten Museen und Privatsammlungen weltweit. Brüssel | Königliches Museum der Schönen Künste | 28.2. – 28.6.2015 | www.fine-arts-museum.be

GENT Lightopia Wie kaum ein anderes Medium hat das elektrische Licht im letzten Jahrhundert den Lebensraum revolutioniert. Es veränderte die Städte, schuf neue Lebensund Arbeitsformen und wurde zum Motor des Fortschritts für Industrie, Medizin und Kommunikation. Rody Graumans, 85 lamps for Droog Design, 1993 Ausgelöst durch neue © Photo: Vitra Design Museum Andreas Jung Lichttechnologien, zeichnet sich in der Welt des künstlichen Lichts heute ein tiefgreifender Wandel ab. Dieser Entwicklung widmet sich die Ausstellung »Lightopia«. Es ist die erste Ausstellung, die das Thema Lichtdesign umfassend präsentiert – mit Beispielen aus Kunst, Design, Architektur und vielen anderen Disziplinen. »Lightopia« umfasst etwa 300 Werke, darunter zahlreiche Ikonen aus der bislang noch nie öffentlich gezeigten Leuchtensammlung des Vitra Design Museums in Weil am Rhein, etwa von Wilhelm Wagenfeld, Achille Castiglioni, Gino Sarfatti und Ingo Maurer. Andere Exponate veranschaulichen die performative Kraft des Lichts. Gent | Design Museum Gent | 15.11.2014 – 1.3.2015 www.designmuseumgent.be


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Flandern  |  9

© Stadt Gent

Lichtfestival Gent Während des viertägigen Lichtfestivals erstrahlt die Stadt in Werken von internationalen Lichtkünstlern und erhellt das winterliche Gent. Die Genter Nächte sind die Bühne für überraschendes Spektakel, technisch ausgetüftelte Installationen, spektakuläre Aufführungen und Veranstaltungen mit Licht. Im Rahmen des Lichtkunst-Festivals werden verschiedenste historische und markante Bauwerke mit kunstvollen und spektakulären Installationen in Szene gesetzt. Licht zieht an, Licht verbindet, Licht lädt zum Verweilen ein. Sie werden staunen und begeistert sein! Gent | 29.1. – 1.2.2015 | www.lichtfestivalgent.be

TONGEREN Die Wikinger Sie machten auf ihren Raubzügen die Weltmeere unsicher: blutrünstig, zerstörungswütig und immer begierig nach Schätzen. So sehen wir die Wikinger. Aber wer waren sie wirklich? Vor allem mordlustige Plünderer oder auch Künstler, Händler und Entdeckungsreisende. Und welche Rolle spielten die Frauen in diesem faszinierenden Volk? Vom 18. Oktober 2014 bis März 2015 lässt das Gallo-Römische Museum in Tongeren das stereotype Bild der Normannen wie eine Seifenblase zerplatzen. 500 schön ausgeleuchtete Objekte, darunter Juwelen, Textilien, Waffen und ein echtes Wikingerschiff, beweisen das hervorragende fachmännische Können unserer damaligen Nachbarn im Norden. Mit Hilfe interaktiver Displays und Multimediainstallationen wird die vielseitige Kultur dem Besucher näher gebracht. Eine sehenswerte Schau in der ältesten Stadt Belgiens. Die Ausstellung entsteht in Zusammenarbeit mit dem Nationalen Historischen Museum (Historiska Museet) von Stockholm Tongeren | Gallo-Romeins Museum | 18.10.2014 – 15.3.2015 www.galloromeinsmuseum.be Europa-Spezial Kultur der Deutschen Bahn. Ab EUR 59 für Zugticket (Hin- und Rückfahrt) und Eintritt Museum; auf bestimmten grenznahen Verbindungen auch günstiger.

Images of Vortex Temporum (black-box version), rehearsals © Anne Van Aerschot

Tanz in Flandern siehe auch Seite 75

Weitere Informationen zu Flandern als Kultur- und Reiseland: Visit Flanders Tourismus Flandern-Brüssel Cäcilienstraße 46 50667 Köln www.flandern.com

Peter Paul Rubens, Venus Frigida © Lukas - Art in Flanders VZW / Royal Museum of Fine Arts Antwerp, Photo: Hugo Maertens

Peter Paul Rubens Peter Paul Rubens (geb. 1577 in Siegen, Westfalen – gest. 1640 in Antwerpen) ist der wohl bekannteste Barockmaler Flanderns und galt vielen seiner Zeitgenossen als Vorbild. Neben den für ihn so typischen üppigen Frauenkörpern liegt sein thematischer Schwerpunkt in der sakralen Malerei. Als Sohn flämischer Immigranten verbrachte Rubens seine Kindheit in Köln und kehrte im Alter von zehn Jahren mit seiner Familie nach Antwerpen zurück, wo er eine Ausbildung zum Maler erhielt. Er verbrachte acht Jahre in Italien, um Tizian und Veronese zu studieren, erhielt bald eine Anstellung als Hofmaler in Mantua und reiste zwischendurch in diplomatischer Mission nach Spanien. In dieser Zeit wurde Rubens sehr stark durch die Kunst des Altertums beeinflusst und lernte viel von den Malereien Caravaggios.

Nach seiner Rückkehr nach Antwerpen wurde er der Hofmaler der Erzherzöge Albrecht von Österreich und Isabella von Spanien. Er baute sich ein prachtvolles Heim – das heutige Rubenshaus - und eröffnete ein Atelier, in dem er selbst zahlreiche Schüler unterrichtete. Im Laufe der folgenden Jahre betätigte sich Rubens außerdem als erfolgreicher Diplomat. Schwer an Gicht leidend, starb Rubens mit 63 Jahren in Antwerpen. Sein Grab befindet sich in der St.-Jakobskirche in Antwerpen. Noch heute begegnet man Rubens in zahlreichen Kirchen und Museen überall in Antwerpen und Flandern. Zwei seiner wichtigsten Werke – die Kreuzaufrichtung und die Kreuzabnahme – sind in der Antwerpener Kathedrale zu sehen und auch das Königliche Museum für Schöne Künste in Antwerpen verfügt über eine beträchtliche Kollektion. Ein weiteres Highlight ist mit Sicherheit das Rubenhaus, sein Antwerpener Wohnsitz, wo man den kreativen Geist dieses Genies noch immer spürt.

BRÜSSEL Sensation und Sinnlichkeit Rubens und sein Vermächtnis

Zudem widmet sich die Ausstellung dem Thema der Begierde, wie es vor allem in den ländlichen Szenen und Mythologien des flämischen Künstlers aufscheint. Bilder, die sonst nur einzeln zu sehen sind, werden in Kontext gesetzt und erlauben so einen neuartigen Zugang. Rubens „Pan and Syrinx“ aus Kassel wird zusammen mit Van Dycks „Bacchanal“ aus London und anderen von Rubens inspirierten dionysischen Szenen gezeigt.

Brüssel | BOZAR | bis 4.1.2015 Mit rund 160 Werken beleuchtet die Ausstellung den Einfluss des barocken Malerfürsten Peter Paul Rubens (1577-1640) auf die westliche Kunst bis zum 20. Jahrhundert. Das künstlerische Vermächtnis des einflussreichsten Flämischen Alten Meisters war für Künstler über vier Jahrhunderte Quelle der Inspiration. Von Rembrandt über Cézanne, bis zum Oeuvre von Picasso findet sich die Bildsprache von Rubens wieder. Es ist die erste große Übersicht dieses Themas weltweit. Organisiert wurde die Schau von der Royal Academy of Arts, London, und dem Königlichen Museum für Schöne Künste Antwerpen (KMSKA), Kurator ist Nico Van Hout. Leihgaben stammen u.a. aus der National Gallery und dem British Museum, dem Museo del Prado, der Neuen Pinakothek, dem Metropolitan Museum of Art und der Privatsammlung Ihrer Majestät Queen Elisabeth II.

Adresse: BOZAR PALEIS VOOR SCHONE KUNSTEN Rue Ravenstein 23 1000 Bruxelles www.bozar.be Öffnungszeiten: Di – So 10 – 18 Uhr Do 10 – 21 Uhr Mo geschlossen Eintrittspreise Normalpreis EUR 14 Ermäßigt (unter 26, über 67 & Gruppen) EUR 12 12 – 18 Jahre EUR 6

Peter Paul Rubens, The Bacchanalia on Andros, Photo © Erik Cornelius, Nationalmuseum, Stockholm

Die Ausstellung will einen Eindruck von der entscheidenden Bedeutung Rubens für Künstler aus verschiedenen Jahrhunderten vermitteln. Dabei findet auch die Vielseitigkeit seines Schaffens Beachtung. Unter anderem werden Rubens einflussreiche, mit Gewalt aufgeladene Darstellungen des Geschlechterkampfes zu sehen sein. Dazu gehören seine Ölskizzen, die die Entführung mythologischer Frauenfiguren zum Thema haben. Vor allem die Werke Delacroix‘ wurden davon ganz grundlegend beeinflusst.

Es werden Kombi-Tickets mit anderen Ausstellungen angeboten

Doppelzimmer. Information & Buchung: www.spar-mit.com, Tel: 07621-91 40 111

Vorverkauf im Museum Di – So 10 – 17:30 Uhr D0 10 – 20:30 Uhr

Kunden von Thalys erhalten gegen Vorlage Ihrer Fahrkarte einen ermäßigten Eintrittspreis von EUR 12 statt EUR 14 und können ein gratis Exemplar des Rubens-Reiseführers in Brüssel in der BOZAR Boutique, Ravensteinstraat 23 oder in der Touristenauskunft von VisitFlanders, Grasmarkt 61, abholen und in Antwerpen bei den Infoschaltern von Antwerpen Tourismus & Kongress, Hauptbahnhof oder Grote

Online Tickets http://expo.clic-com.be/ reise Hotelarrangement: 2 Übernachtungen mit Frühstück im 4-Sterne Holiday Inn Brussels Schumann, inkl. Ticket Sonderausstellung ab EUR 119 p. P. im

Auch Rubens Altarbildern und ihrem großen Einfluss auf die religiöse Malerei in den Niederlanden und in Spanien wird sich die Ausstellung widmen. Darüber hinaus präsentiert die Schau Rubens Porträts der genuesischen High Society, die Künstlern wie dem jungen Van Dyck als Inspirationsquelle dienten. Höhepunkt der gesamten Ausstellung: die Gegenüberstellung von Rubens und Watteau, deren Bilder unter dem Gesichtspunkt der Poesie betrachtet werden.

Markt 13, vom 25. September 2014 bis zum 4. Januar 2015. Mehr Infos unter: www.thalys.com Videoguide entdecken Sie die Werke Rubens einmal anders EUR 3 / EUR 5 für zwei Personen in Niederländisch, Deutsch, Englisch, Französisch Führungen In niederländischer, deutscher, englischer, französischer und weiteren Sprachern (auf Anfrage) Mindestteilnehmerzahl 15

Personen Weitere Informationen und Buchung Tel + 32 (0)70 34 45 77 groups@bozar.be Katalog Sensation und Sinnlichkeit, Rubens und sein Vermächtnis, 260 Seiten, EUR 49.95 in niederländischer, deutscher, englischer und französischer Sprache.


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ANTWERPEN Rubens Privat Antwerpen | Rubenshaus | 28.3. – 28.6.2015 Das Rubenshaus zeigt im Frühjahr eine einzigartige Ausstellung über Peter Paul Rubens als Porträtmaler. Zu seinen schönsten und intimsten Porträts gehören zweifellos die Bildnisse seiner Familie. Die verblüffenden Kunstwerke werden hier zum ersten Mal zusammen ausgestellt und an dem Ort gezeigt, wo sie einmal hingehörten: in Rubens’ Haus in Antwerpen. Rubens mochte Porträts überhaupt nicht, wie er selber verlauten ließ. Die Porträtmalerei genoss im 17. Jahrhundert kein besonders hohes Ansehen. Trotzdem war Peter Paul Rubens einer der besten Porträtmaler seiner Zeit. Er schuf Bildnisse seiner beiden Ehefrauen – der jung gestorbenen Isabella und der bildhübschen Helena – und seiner Kinder. Clara-Serenas Lausbubengesicht hat er ebenso beeindruckend dargestellt wie die lebens-

großen Porträts seiner halbwüchsigen Söhne Nicolaas und Albert. Außerdem malte er seine Schwägerinnen und Schwager. Rubens porträtierte natürlich auch sich selber: als jungen Mann zusammen mit seinem Bruder auf einer Italienreise und später als alten Herrn von hohem Stand, der schon den Tod vor Augen hatte. Die Porträts, die Rubens von seinen Familienmitgliedern anfertigte, entstanden nicht als Auftragsarbeit, sondern aus Liebe. Sie dienten der Erinnerung. Die verblüffenden Kunstwerke werden hier zum ersten Mal zusammen gezeigt. Die Ausstellung wurde von einer Reihe von Rubensspezialisten zusammengestellt und zeigt rund 50 Gemälde und Zeichnungen aus bedeutenden internationalen Museen wie den Uffizien Florenz, dem Pariser Louvre, der Erimiatge St. Petersburg und dem British Museum London.

©Dirk Braekman

OOSTENDE

DAS MEER

DE ZEE | THE SEA | LA MER Salut d’honneur Jan Hoet 23.10.2014 – 19.4.2015

Selbstporträt © Rubenshaus

Adresse Rubenshaus Wapper 9-11 2000 Antwerp Belgium www.rubenshuis.be

EINTRITTSPREISE Normalpreis EUR 10 Gruppen ab 12 Personen*, + 65 Jahre, 12 > 26 Jahre EUR 8 Unter 12 Jahre, Inhaber der Antwerp Citycard* Eintritt frei

scher und französischer Sprache mindestens 3 Wochen im Voraus zu buchen bei Antwerpen Tourismus & Kongress tel.+ 32 (0)3 232 01 03 l toerisme@ stad.antwerpen.be

ÖFFNUNGSZEITEN Di – So 10 – 17 Uhr Mo geschlossen (außer an Feiertagen) 1.5, 14.5. geschlossen

Führungen max. 15 Personen, reservieren ist Pflicht: tel: +32 (0)3 201 15 55 rubenshuis@stad.antwerpen.be

ZUGELASSENE BESUCHERZAHL Um den zu erwartenden Besucherstrom zu regulieren und den Komfort der Besucher zu gewährleisten, wird in Zeitblöcken gearbeitet. Für Gruppen: 1 Gruppe pro Viertelstunde (max. 15 Pers. pro Gruppe)

STADTFÜHRUNGEN (MAX. 15 PERSONEN) Für Erwachsene EUR 75 für max. 15 Teilnehmer (exkl. EUR 5 Verwaltungskosten, exkl. Eintritt zum Museum) In niederländischer, deutscher, engli-

Das Meer galt für die Kunst schon immer als besondere Inspirationsquelle. Seine Anziehungskraft kann man zweifellos den ständig wechselnden Impressionen zuschreiben. Das Meer ist ebenso konkret wie rätselhaft. Mit seiner unendlichen Schönheit hat es einen beruhigenden Effekt, mit seiner Unberechenbarkeit wirkt es aber auch bedrohlich. Die immerwährende Bewegung aus Ebbe und Flut ist ein kosmisches Pendel, das den Rhythmus des Lebens darstellt. Künstler werden jederzeit vom endlosen Spiel aus Licht, Raum und Bewegung fasziniert sein. Das Meer ist eine Ausstellung, die ebenso wie eine Welle nicht greifbar ist, wogt, zurückschlägt und Spuren hinterlässt, die durch neue Gewalt ausgelöscht werden. Das Meer ist eine Ausstellung im Dialog mit Ostende, verteilt auf mehrere Orte: ein Museum, ein Fort in den Dünen, eine historische Ladenpassage oder ein Hotel aus der Belle Époque mit Blick aufs Meer. Das Meer ist als ein Ehrengruß an Jan Hoet konzipiert, der noch eine letzte Hommage an das Meer erschaffen wollte - mit großen Gesten und kleinen Geschichten.

Das Meer - Salut d’honneur Jan Hoet Gruppenangebot Art Cities Reisen · 2 Übernachtunen mit Frühstücksbuffet in einem gehobenen Mittelklassehotel in Antwerpen, zentral gelegen · Welcome-Drink · Empfang durch die Reiseleitung und Stadtführung Antwerpen · Eintritt Ausstellung „Reunion – von Quinten Metsijs bis Peter Paul Rubens“ in der Liebfrauenkathedrale

Preis: Ab EUR 138 im Doppelzimmer Ab EUR 68 Einzelzimmerzuschlag

www.art-cities-reisen.de

· Eintritt und Führung durch die Sonderausstellung im Rubenshaus · Besuch des MAS-Museum am Strom mit herrlichem Blick von der Terrasse über die Stadt · Führung durch das neu gestaltete Middelheimmuseum mit aktuell 215 Skulpturen im Park, u.a. von Auguste Rodin, Rij Wouters und Henry Moore · Vermittlung von Zusatzleistungen und Prospektmaterial · Freiplatz für die 21. Person im Doppelzimmer

Das Meer blickt auf die Kunstgeschichte des Westens ab Mitte des 19. Jahrhunderts bis heute zurück und ebenso auf die Art und Weise, wie das Meer dargestellt und interpretiert wird. Das Meer fängt dort an, wo der Akademismus verabschiedet wird, wo man am oft narrativen dramatischen Meeres-Genre wie Sturm- und Schiffsbruchszenen vorbeigeht. Das Meer macht sich auf die Suche nach dem weiten und freien Blick des Künstlers auf das endlose Wasser, das in den Horizont übergeht. Die Ausstellung manifestiert sich daher in erster Linie als horizontale Geschichte, wobei La Vague von Gustave Courbet der Ausgangspunkt der Ausstellung über „Krisenmomente“ in der Kunstgeschichte ist. Es geht um eine Fülle von Geschichten zu Globalisierung und Grenzen, um den Horizont als Perspektive, um menschliche Stürme, das Segelboot und die Suche nach einem Wunder. Verschiedene künstlerische, aber auch gesellschaftliche Bruchlinien öffnen immer wieder die Tür zu einer Erneuerung, die aus einer Hinterfragung der akademischen Konventionen heraus zustande kommt. Das Meer wird kein mit Tableaus geschmückter Spaziergang, sondern sucht gerade den Moment, das Verbleiben. La Vague wird nicht als einer der zahlreichen Meeresblicke aufgenommen, sondern betont einen Krisenmoment in der Kunstgeschichte; damit wir stillstehen und wirklich sehen. Dadurch ergibt sich die Möglichkeit, in Das Meer die historische Chronologie mit vertikalen Begegnungen von moderner und zeitgenössischer Kunst zu durchbrechen; ein Ausgangspunkt, den Jan Hoet in den meisten seiner Ausstellungen wählte.


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Flandern  |  11

© Visit Oostende

Museum for modern art (MuZEE), © Westtoer

© Visit Oostende

ORTE Mu.ZEE, Romestraat 11 Leopold Park Kapuzinerkirche, Kapucijnenstraat 1 Thermae Palace, Koningin Astridlaan 7 Galerie Beau Site, Albert I Promenade 39 Ensor Haus, Vlaanderenstrzaat 27 Bahnhof De Grote Post Mercator-Marina www.dezee-oostende.be EINTRITTSpreise Einige Veranstaltungsorte sind kostenlos zu besichtigen. Ticketpreise für die Ausstellungen in den Museen: EUR 15 Wochenende und Ferien EUR 9 Wochenmitte (Mo – Do) EUR 5 bis einschließlich 26 Jahre (Wochenende, Ferien und Wochenmitte) frei bis einschließlich 12 Jahre GRUPPEN EUR 9 Wochenende und Ferien EUR 5 Wochenmitte (Mo – Do) Öffnungszeiten Mu.Zee täglich 10 bis 18 Uhr montags geschlossen

Beim Zusammenbringen von Bildern entstehen Erzählstränge, die den Betrachter mitnehmen und innehalten lassen. Kunstwerke greifen ineinander und verstärken einander. Manchmal prallen sie aufeinander, wodurch der Betrachter herausgefordert wird. Es entstehen verschiedene Wellenbewegungen, die sich auf alle Ausstellungsräume und mehrere Orte in der Stadt ausbreiten, wobei wir entweder nur ein Meisterwerk zeigen und dafür den erforderlichen Platz offen lassen oder zwischen verschiedenen Kunstwerken eine Wechselwirkung herstellen. Das Meer lässt den Betrachter durch Kunstgeschichte und -aktualität schweifen, auf der Suche nach Werken unter anderen von Bas Jan Ader, Francis Alÿs, Louis Artan, Joseph Beuys, William Blake, Georges Braque, Jean Brusselmans, Marc Chagall, Emile Claus, Gustave Courbet, Henri-Edmond Cross, Theo van Doesburg, James Ensor, Susan Hiller, Ferdinand Khnopff, Jacqueline Mesmaeker, Claude Monet, Ed Ruscha, Panamarenko, Francis Picabia, Constant Permeke, Léon Spilliaert, Jan Toorop, Luc Tuymans, Félix Vallotton, Philippe Vandenberg. Künstler, die ihm zufolge der brutalen Gewalt, aber auch der Ruhe, der Verspieltheit und der unendlichen Attraktivität des Meeres Ehre erweisen. Auch der öffentliche Raum wird sehr bewusst aufgesucht. Lawrence Weiner verbindet etwas ganz Besonderes mit dem Meer, das er in unzähligen Worten und Formen mit

seinem Publikum geteilt hat. In der Retrospektive führt sein Werk als roter Faden durch die Ausstellung, wodurch es seine persönliche Ode an das Meer wird und umgekehrt Das Meer Platz für eine Anthologie von Weiners Poesie lässt. Das Meer – Salut d’honneur Jan Hoet bietet auch eine Fülle von Geschichten über Jan Hoet als Ausstellungsmacher und als Pionier sowie Verfechter von zeitgenössischer Kunst in Belgien. Das Meer lädt Künstler, Kuratoren und Museumsfachleute aus dem In- und Ausland ein, einen außergewöhnlichen Beitrag zu dieser Ausstellung zu leisten, die in mehreren Kapiteln und Wellenbewegungen auf das internationale Werk und die Leidenschaft für die Kunst von Jan Hoet zurückblicken wird. Dabei bleibt das Meer der rote Faden. Auf diese Weise wird der Geist Jan Hoets in Das Meer optimal geschützt und erhalten. Aber auch sein künstlerisches Erbe wird auf ausgesprochen symbolische Weise über seine Freunde sowie Künstler und Mitarbeiter, die ihm nahe standen, präsentiert. Dieser Ehrengruß vereint Künstler, die mit neuen wie bestehenden Werken der „Speicher“ des Werks und der Leidenschaft von Jan Hoet als Fürsprecher der zeitgenössischen bildenden Kunst werden.

Gruppenführungen im Mu.Zee +32 (0)59 24 21 91 oder info@muzee.be ARRANGEMENTS Für individuelle Besucher: Hotelarrangements mit Ausstellungstickets www.dezee-oostende.be Für Gruppen Im Rahmen der Kunstausstellung „Das Meer“ bietet Toerisme Oostende ein Arrangement mit Übernachtung und ein Tagesarrangement an, bei dem der Kunstevent „Das Meer“ im Mittelpunkt stehen. Informationen und Buchungen bei Toerisme Oostende Kontakt Gruppen mit Übernachtung Tel: +32 (0)59 25 53 17 trade@toerisme-oostende.be Tagesarrangements Tel.: +32 (0)59 70 11 99 info@visitoostende.be www.visitoostende.be

OOSTENDE In Oostende verbindet sich die zeitlose Eleganz einer pulsierenden Küstenstadt mit dem Flair eines Fischerhafens, mit einer blühenden Kunstszene und dem genussvollen Leben in der Natur. Obwohl die Stadt nicht sehr groß ist, hat Oostende die Ausstrahlung einer Metropole und versteht es, seine Besucher bis in die kleinsten Ecken zu faszinieren: mit seinen bunten Fischkuttern, dem mondänen Yachthafen, der herrlichen Nordsee, den tollen Geschäften, den schönen Straßencafés, dem köstlichen Essen … Aber Oostende hat noch so viel mehr zu bieten. Der prächtige Dreimaster Mercator oder die Amandine, der letzte inzwischen als Museum eingerichtete Islandkutter, das renovierte Stadtmuseum, das Ensorhaus und das Mu.ZEE mit Werken renommierter einheimischer Maler wie James Ensor und Léon Spilliaert sind immer einen Besuch wert.


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Konrad Klapheck, Verliebtheit, 1969, ACT Art Collection – Siggi Loch, © VG Bild-Kunst, Bonn 2014

Bettina von Arnim, Hosenträger, 1970, Galerie Poll Berlin, © VG Bild-Kunst, Bonn 2014

Hermann Albert, Frau 7, 1969, Galerie Poll Berlin, © VG Bild-Kunst, Bonn 2014

Frankfurt

GERMAN POP Die westdeutsche Variante der Pop Art jenseits der Coca-Kolonialisierung 6.11.2014 – 8.02.2015 Der Herbst steht im Zeichen des Pop. In einer großen Überblicks­ ausstellung präsentiert die Schirn Kunsthalle Frankfurt ab dem 6. November 2014 erstmals ein breites Panorama der Pop Art in ihrer spezifisch deutschen Variante – ein bisher kaum beachtetes kunsthistorisches Phänomen. Pop, der in Großbritannien und den USA seinen Anfang nimmt und sich dort rasch etabliert, erfährt in den 1960er Jahren in der noch jungen Bundesrepublik Deutschland eine originelle künstlerische Ausprägung. Die in Westdeutschland lebenden Künstlerinnen und Künstler wie Thomas Bayrle, Christa Dichgans, Karl Horst Hödicke, Konrad Klapheck, Ferdinand Kriwet, Uwe Lausen,

Konrad Lueg, Boxer, 1964, Sammlung Kaspar Fischer, Bochum, © VG Bild-Kunst, Bonn 2014 ADRESSE SCHIRN KUNSTHALLE FRANKFURT Römerberg 60311 Frankfurt am Main TEL 069.29 98 82-0 WELCOME@SCHIRN.DE WWW.SCHIRN.DE

ÖFFNUNGSZEITEN Di, Fr - So 10 - 19 UHR Mi, Do 10 - 22 UHR Mo geschlossen EINTRITT Normalpreis EUR 9 Ermäßigt EUR 7 Eintritt für Kinder unter 8 Jahren frei Gruppen: ab 20 Personen gilt der ermäßigte Eintrittspreis.

Sigmar Polke oder Gerhard Richter setzen sich – im Gegensatz zum oft plakativen und glamourösen Vokabular ihrer angloamerikanischen Künstlerkollegen – in ihren Arbeiten mit den weniger grandiosen Banalitäten des deutschen Alltagslebens auseinander, ironisieren die kleinbürgerlichen Geschmacksideale und die beklemmende und trügerische Gemütlichkeit der 1960er Jahre. Auf die Phase des Wirtschaftswunders folgt eine der politischen Aufarbeitung der damals jüngsten deutschen Vergangenheit. Jenseits einer „Coca-Kolonialisierung“ entwickeln die deutschen Künstlerinnen und Künstler eine spezifische Ausprägung der Pop Art, die gleichsam auch einen Bruch mit der deutschen Hochkultur bedeutet: So wird die Formensprache einer Gartenlaube zu einem abstrakten Muster verarbeitet, Lockenwickler werden zu Skulpturen aus Ton und Bügelbretter zu bildwürdigen Motiven. Pop ist direkt und für jeden Betrachter unmittelbar zugänglich. Pop ist Alltag und reflektiert ihn, allem voran die kapitalistische Warenkultur und ihre Präsentationsformen. Die Werke der deutschen Pop Art kommentieren die Konsumkultur vor der eigenen Haustür. Das Konzept der Ausstellung rekonstruiert die vier maßgeblichen Zentren der Pop Art in Deutschland: Düsseldorf, Berlin, München und Frankfurt am Main. Als Plattformen brachten sie die Pop Art in ihrer Schlüsselphase als eigene großstädtische Kunstform zur Ausprägung. „German Pop“ vereint rund 140 Kunstwerke von 32 Künstlerinnen und Künstlern, darunter sowohl inzwischen etablierte als auch längst vergessene und weitestgehend unbekannte Protagonisten der deutschen Pop Art. In der Ausstellung sind beeindruckende und überraschende Arbeiten zu sehen, die teils seit Jahrzehnten nicht mehr ausgestellt wurden, wie etwa die Skulpturen von Winfred Gaul, oder sogar noch nie öffentlich zugänglich waren, so u. a. einige Kunstwerke von Ludi Armbruster. „German Pop“ versteht sich als Archäologie eines Jahrzehnts – den 1960er bis frühen 1970er Jahren –, die mit Gemälden, Objekten und Skulpturen, Filmen, Collagen und Grafiken eine Bestandsaufnahme der deutschen Pop Art leistet.

ONLINE-TICKETS erhalten Sie vorab auf WWW.SCHIRN.DE/TICKETS FÜHRUNGSANGEBOTE ZU GERMAN POP Reisegruppen zahlen den regulären Eintritt zzgl. EUR 100 (deutsch) bzw. EUR 120 (fremdsprachig) Führungsgebühr. Reisegruppen mit eigenem Führer zahlen den

regulären Eintritt zzgl. EUR 30 Lizenzgebühr. Firmen zahlen den regulären Eintritt zzgl. EUR 120 (deutsch) bzw. EUR 140 (fremdsprachig) Führungsgebühr. Private Gruppen zahlen für deutschsprachige Führungen den regulären Eintritt zzgl. EUR 70 (wochentags) bzw. EUR 80 (Wochenende) Führungsgebühr. Für fremdsprachige Führungen zahlen private Gruppen

EUR 90 (wochentags) bzw. EUR 100 (Wochenende). ÖFFENTLICHE FÜHRUNGEN Di 17 Uhr, Mi 11 Uhr, Do 19 Uhr, Sa 15 Uhr, So 17 Uhr INFO UND BUCHUNG TEL 069.29 98 82-112 fuehrungen@schirn.de

Sigmar Polke, Junge mit Zahnbürste, 1965, Kunst aus Nordrhein-Westfalen, Aachen, © The Estate of Sigmar Polke / VG Bild-Kunst, Bonn 2014. | Foto: Anne Gold

HIGHLIGHT 2015 STURM-FRAUEN

Künstlerinnen der Avantgarde 1910-1932 Mit der Ausstellung STURM-FRAUEN entführt die SCHIRN ihre Besucher in das Berlin der 1920er Jahre. Hier gründete der Schriftsteller, Verleger und Galerist Herwarth Walden 1912 die Galerie „Der Sturm“, ein Zentrum der internationalen Avantgarde. Heute weltberühmte Namen wie Marc Chagall, Wassily Kandinsky, oder Paul Klee zählten zum Kreis der Sturm-Künstler. Die SCHIRN richtet den Fokus erstmals auf die Frauen, die von Walden vertreten wurden. Mit etwa 150 Werken von Künstlerinnen des Expressionismus, des Futurismus, des Dadaismus, des Konstruktivismus und der Neuen Sachlichkeit bietet die Ausstellung einen weiblichen Blick auf die internationale Avantgarde im Berlin des frühen 20. Jahrhunderts. Gezeigt werden unter anderem Werke von Sonia Delaunay, Alexandra Exter, Natalja Gontscharowa, Gabriele Münter, Else LaskerSchüler und Marianne von Werefkin.


BILLIE | arttourist.com 2|2014

Konstanz  |  13

Stadtkind Konstanz Im Konstanzer Paradies hat mit dem Stadtkind Konstanz ein neuer Backladen mit Café eröffnet. Verena Peter und ihr Team versorgen ihre Gäste täglich mit Brötchen, Snacks, Kaffee und vielem mehr. Bei der Einrichtung wurde besonderer Wert auf Details gelegt, so gleicht zum Beispiel kein Tisch dem anderen. „Ich wünsche mir, dass sich unsere Gäste immer bei uns wohlfühlen, ob für den schnellen Snack zwischendurch oder den gemütlichen Kaffeeklatsch mit Freunden“, erläutert Verena Peter über ihr neues Café im Paradies. www.stadtkind-konstanz.de

Weinmarkt an der Laube

Imperia © Achim Mende

Konstanz

600 Jahre Konstanzer Konzil 2014–2018 Vor genau 600 Jahren trafen sich in Konstanz kirchliche und weltliche Würdenträger zu einem der größten Kongresse, den die westliche Welt bis dahin erlebt hatte.

Programmauswahl Herbst / Winter 2014 28.10.2014 Shirin Ebadi: Ein Leben für Frieden, Freiheit und die Rechte der Frauen Ein Abend mit der iranischen Friedensnobelpreisträgerin Programm-Highlights 2015 Jan Hus – Jahr der Gerechtigkeit Ausstellungen ganzjährig Jan Hus - Mut zu denken, Mut zu glauben, Mut zu sterben neue Dauerausstellung im HusMuseum Konstanz bis 22.02. Voll bis unters Dach. Konstanz und sein Konzil Playmobilausstellung Archäologisches Landesmuseum Konstanz

Bis zu 70.000 Besucher weilten während der vier Jahre des Konstanzer Konzils in der kleinen Stadt am Bodensee. Hohe Vertreter aus Klerus und Adel kamen um sich kirchlichen und politischen Fragestellungen zu widmen, in ihrer Entourage reisten zahlreiche Gelehrte, Kaufleute und Künstler um sich um die eher weltlichen Belange zu sorgen. Am Vorabend der Renaissance kam es so zu einem regen Austausch von Glauben und Meinungen, Wissen und Waren, Kunst und Kultur unter den europäischen Teilnehmern. Unter dem Motto „Europa zu Gast“ lädt Konstanz von 2014 bis 2018 Europa erneut an den Bodensee ein. Vielfältige Aktionen und Veranstaltungen kultureller, wissenschaftlicher, touristischer und religiöser Art laden Besucher ein, die Konzilstadt Konstanz und Europas Vergangenheit und Zukunft neu zu entdecken.

bis Herbst 2015 Konstanz 1414 – Städtischer Alltag zur Zeit des Konzils Rosgartenmuseum Konstanz 23.05. - 23.08. Meeting Point Kunstprojekt des Kunstverein Konstanz Konstanz und Kreuzlingen Musik und Theater 09.05. Neukomposition zu Jan Hus . Vorarlberger Landeskonservatorium im Rahmen des Bodenseefestivals Komposition: Francisco Obieta Münster Konstanz Juli Kunstfonds Konzil: Störfälle – Theaterperformance Straßentheaterprojekt von Heinke Hartmann und Hilde Schneider Konstanz und Kreuzlingen

01. - 04.10. Europäische Avantgarde um 1400 Festival mit Musik aus Konzilszeiten in Kooperation mit SWR2 01.10.: Vox Luminis 02.10.: Leones 03.10.: La main harmonique 04.10.: Capella de la torre 15.11. Oratorium: „Johannes Hus” von Carl Loewe Sinfonischer Chor Konstanz, Südwestdeutsche Philharmonie St. Stephan Konstanz Erinnern 03.–06.07. Feierliches Gedenkwochenende für Jan Hus Gedenkakt, Skulpturenprojekt, Musik, Theater, Lesungen, Begegnungen in Kooperation mit tschechischen und deutschen Partnern an versch. Orten in Konstanz

Fünf Köpfe geben den fünf Jubiläumsjahren dabei ihren jeweils eigenen Fokus. Das Eröffnungsjahr ist dem Initiator des Konzils König Sigismund als Jahr der europäischen Begegnungen gewidmet. 2015 erinnert als Jahr der Gerechtigkeit an das Schicksal Jan Hus, der – ebenso wie Hieronymus von Prag – von der Konzilsversammlung als Ketzer verurteilt und verbrannt worden war. Auseinandersetzung mit Themen wie Toleranz, Umgang mit Andersgläubigen sowie Werten und ihrem Wandel sollen über das Jubiläum hinaus anregen. Der literarischen Figur Imperia ist das Jubiläumsjahr 2015 gewidmet, das sich unter dem Motto Lebendiges Mittelalter präsentiert. Das Jahr der Religionen ist dem bis dato einzigen nördlich der Alpen gewählten Papst Martin V. gewidmet. Den Reigen der Jubiläumsjahre schließt Oswald von Wolkenstein 2018 mit dem Jahr der Kultur.

Erlebnis Auf den Spuren des Konzils Vielfältiges Führungsangebot in Stadt und Region: Fahrradführungen, inszenierte Stadtführungen, neue Stadtführung zu Jan Hus, Geocaching Tourist-Information Konstanz ganzjährig Orte des Konzils Aktionen an Konzilsorten in Konstanz und der Region Diskurse 30.04. Wirtschaftskonzil Diskurse aus den Themenbereichen Wirtschaft und Politik über die Grenze hinweg Konzilgebäude Konstanz 27.07. - 01.08. Europäisches Jugendparlament zu Gast in Konstanz

Einladung an Jugendliche aus Europa, sich mit Werten auseinander zu setzen. 05.11. Europa-Konzil 2015 Europäische Talente treffen auf die aktiven Gestalter Europas Konzil Konstanz Änderungen vorbehalten. Weitere Termine und Informationen unter: Konzilstadt Konstanz Marktstätte 1 D-78462 Konstanz www.konstanzer-konzil.de info@konstanzer-konzil.de www.facebook.com/konzilstadt

Schon zu Konzil-Zeiten vor 600 Jahren war man einem guten Glas Wein nicht abgeneigt. Seit über 30 Jahren bieten Bernhard und Esther Ellegast Ihnen bei fachkundiger Beratung ein Angebot von über 700 excellenten Weinen in allen Preisklassen. Auch Champagner, Sekt, Prosecco, Schnäpse, Whisky, Liköre ( auch offen zum Abfüllen) fehlen natürlich nicht in unserem Sortiment. Ein Tipp sind auch die Feinkost-Spezialitäten wie Öle, Essige, Pasta, Antipasti, feinste Schokoladen und Gebäck, schöne Gläser, Karaffen und vieles mehr… www.weinmarkt-konstanz.de

35. KONSTANZER JAZZHERBST Improvisation in der zeitgenössischen Musik Neue und neueste Musik, Jazz und Avantgarde verschmelzen bei den Projekten des diesjährigen Festivals. Nicht nur, dass die beteiligten Musiker ihre Profession „klassisch“ erlernt haben, sie nehmen sich auch die Freiheit musikalische Grenzen zu überwinden und in ihrer zeitgenössischen Musik Einflüsse aus allen Bereichen der Musik aufzunehmen. 22. – 25.10.2014 | www.jazzclub-konstanz.de

Hotel 47° Entdecken Sie das 47° - Das NEUE Hotel in Konstanz am Bodensee lädt ein zu Wellness, Business, Kurzurlaub, Romantik, Urlaub am Bodensee oder einfach nur Entspannen. Hier wird Gastlichkeit gepaart mit Herzlichkeit und Professionalität groß geschrieben. In 99 Zimmern & Studios verbinden sich klare Linien, schnörkelloses Design, ausgewählte Materialien und warme Erdtöne mit Farbakzenten zu Luxus und Komfort. Eine Auszeit vom alltäglichen Standard und der Tristesse des Normalen. 47° - hier sind Sie am Ziel! www.47grad.de

Buchhandlung Homburger & Hepp Bücher für Konstanz seit 1953. An der Nahtstelle zwischen der Niederburg, dem ältesten Stadtquartier, und der Fußgängermeile Wessenbergstraße finden Sie die Buchhandlung am Konstanzer Münsterplatz. Die Publikationen zum Thema „Konstanzer Konzil“, vom Faksimile der Richental-Chronik bis zum historischen Krimi, finden Sie dort immer in kompletter Auswahl – fachkundige Beratung in der wohl bestsortierten Bodensee- und Regionalbuch-Abteilung der Stadt inklusive. www.homburger-hepp.de


14  |  Max Ernst Museum Brühl des LVR

BILLIE | arttourist.com 2|2014

Hans Arp, Plastron et fourchette (Vorhemd und Gabel), 1922, Bemaltes | Holzrelief, National Gallery of Art, Washington D. C., Ailsa | Mellon Bruce Fund, 1983, © VG Bild-Kunst, Bonn 2014

Ernst Scheidegger, Hans Arp im Atelier in Meudon, 1953 | Silbergelatineabzug, Arp Museum Bahnhof Rolandseck, Remagen, |© VG Bild-Kunst, Bonn 2014

Hans Arp und “Ptolemäus I”, Venedig, Juni 1954, Fondazione Marguerite Arp, Locarno, © VG Bild-Kunst, Bonn 2014

Hans Arp, Entre balance et lunettes (Zwischen Waage und Brille), 1954, bemaltes Holzrelief, Arp Museum Bahnhof Rolandseck, Remagen | Foto: Mick Vincenz, © VG Bild-Kunst, Bonn 2014

Max Ernst Museum Brühl des LVR

DER ARP IST DA! 100 Jahre Freundschaft Hans Arp und Max Ernst 28.9.2014 – 22.2.2015 »Das ist der Arp, ohne jeden Zweifel. Freude im Dadahaus. Ein paar Tage später geht’s wie ein Lauffeuer durch das heilige Köln: Der Arp ist da!« Zwischen dem 28-jährigen Hans Arp (1886-1966) und dem fünf Jahre jüngeren Max Ernst (1891-1976) begann 1914 eine lebenslange Freundschaft, in deren Verlauf sie immer wieder an gemeinsamen Projekten und Veröffentlichungen arbeiteten. Aber auch ihre Biografien weisen Parallelen auf. So erhielten die beiden Künstler der Klassischen Moderne vor 60 Jahren im Sommer 1954 die Großen Preise der 27. Biennale von Venedig: Hans Arp den Preis für Skulptur und Max Ernst für sein malerisches Werk. Die Ausstellung »Der Arp ist da! 100 Jahre Freundschaft Hans Arp und Max Ernst« im Max Ernst Museum Brühl des LVR rekonstruiert die Präsentation von Hans Arp auf der Biennale in wesentlichen Teilen und zeigt neben Plastiken und Holzreliefs ausgewählte Dokumente sowie Fotografien, u.a. von Man Ray und Ernst Scheidegger. Wichtige Werke aus den Sammlungen führender Museen in Deutschland, Frankreich, der Schweiz oder den USA werden ergänzt durch zahlreiche Leihgaben aus dem Arp Museum Bahnhof Rolandseck.

Gemeinschaftsarbeiten beleuchten das subtile Spannungsfeld zwischen den beiden Künstlern, wie der 1930 veröffentlichte Gedichtband »weisst du schwarzt du«, für den Max Ernst zehn Texte von Hans Arp durch fünf Holzstichcollagen poetisch bildhaft erweiterte. Ebenso zeigt der Gemeinschaftsroman »L’homme qui a perdu son squelette« (Der Mann, der sein Skelett verlor) von 1939, an dem sich neben Hans Arp und Max Ernst auch Leonora Carrington, Paul Éluard oder Georges Hugnet beteiligten, das komplexe Netzwerk auf, in dem die beiden Künstler aktiv waren. In Kooperation mit dem Arp Museum Bahnhof Rolandseck in Remagen und der dortigen Ausstellung »Der Max ist da!« wird – ergänzt durch einen gemeinsamen Katalog – das Spektrum dieser besonderen Künstlerfreundschaft in einer Doppelausstellung ausgebreitet.

ADRESSE Max Ernst Museum Brühl des LVR Comesstraße 42 / Max-Ernst-Allee 1 50321 Brühl (Rheinland) www.maxernstmuseum.lvr.de ÖFFNUNGSZEITEN Di – So 11 – 18 Uhr sowie 1. November (Allerheiligen) und 26. Dezember (2. Weihnachtstag) EINTRITTSPREISE Normalpreis EUR 6, Ermäßigt EUR 3,50 LVR-Museumskarte (Jahreskarte für ALLE LVR- und LWLMuseen) Einzelkarte EUR 25, Familienkarte EUR 35 Ein Kombiticket für beide Ausstellungen und beide Häuser (Brühl und Remagen) ist zum Preis von EUR 11 (statt EUR 15) erhältlich. Tickets im Vorverkauf zum Selbstausdrucken inklusive VRS-Fahrausweis über www.bonnticket.de | www.koelnticket.de FÜHRUNGEN Führungen zu »Der Arp ist da!« Sa 15.30, So 13 und 15 Uhr Der Arp ist da! 100 Jahre Freundschaft Hans Arp und Max Ernst Regelmäßige öffentliche Führungen zur Wechselausstellung. Dauer: 1 Stunde | EUR 5, ermäßigt EUR 3 (zzgl. Eintritt) Keine Anmeldung erforderlich. Ab 19.10.2014 Jeden 3. Sonntag im Monat, 14.30 Uhr Der Arp ist da! 100 Jahre Freundschaft Hans Arp und Max Ernst Familienführung durch die Wechselausstellung. Dauer: 30 Min. Erwachsene EUR 2,50, ermäßigt EUR 1,50 (zzgl. Eintritt) Kinder EUR 1,50 (Eintritt frei) Begrenzte Teilnehmerzahl | Keine Anmeldung erforderlich Info-Service / Anmeldung / Buchung von Führungen und Workshops kulturinfo rheinland | Tel.: +49 (0) 22 34 / 99 21 - 555 | info@ kulturinfo-rheinland.de | www.kulturinfo-rheinland.de VERANSTALTUNGEN Begleitend zur Ausstellung werden Veranstaltungen (Filmvorführung, Konzert, Kulturdinner), Familientage, Führungen, Künstlerkurse sowie ein Sonderprogramm für Schulen angeboten. KATALOG Der Arp ist da! Der Max ist da! 100 Jahre Freundschaft Hans Arp und Max Ernst Hrsg.: Max Ernst Museum Brühl des LVR ISBN: 978-3-944453-03-3 352 Seiten, 312 meist farbige Abbildungen Format: 28 x 22,5 cm Preis an der Museumskasse: EUR 39,90


BILLIE | arttourist.com 2|2014

Ravensburg  |  15

Kunstmuseum Ravensburg

Inspirierende Spannung zwischen Kulturdenkmal und moderner Architektur

Otto Mueller. Gegenwelten

Das Humpis-Quartier ist eines der besterhaltenen spätmittelalterlichen Wohnquartiere in Süddeutschland. Die Fernhandelsfamilie Humpis hat dem Ensemble im 15. Jahrhundert die heutige Gestalt gegeben. Das Museum ist ein ungewöhnlicher Ort, an dem städtische Kulturgeschichte vom 11. bis zum 21. Jahrhundert emotional und authentisch erlebt werden kann. Insgesamt sieben Gebäude erwarten Sie mit Ausstellungen, Führungen und Veranstaltungen. Wechselnde Themenführungen: Do (18 Uhr) und 1. und 3. So im Monat (11 Uhr). | www.museum-humpis-quartier.de

13. September 2014 bis 25. Januar 2015

hoftheater baienfurt Das hoftheater baienfurt liegt zwischen Weingarten und Baienfurt in Hof gelegen. Es ist ein Laboratorium, in dem Kleinkunst in ihrer ganzen Vielfalt entwickelt, aufgekocht, gemischt und präsentiert wird. Kleinkunst bedeutet nicht „Kleine Kunst“, sondern „Kleinod-Kunst“. Theater- und Bühnenformen, die aus Subjektivem entstehen, von Begeisterung getragen werden und auf vielen kleinen Bühnen zu etwas Großem werden können. Auf dem Programm steht intelligentes, nicht intellektuelles Theater. Kabarett, Liedermacher Lesungen, Improvisationen... und viel viel mehr. www.hoftheater.org

Museum Villa Rot

Otto Mueller | Stehendes Mädchen unter Bäumen, um 1923 | Leimfarbe auf Rupfen; rückseitig Übermalung in Grau | Gudrun Selinka, Ravensburg

Otto Mueller (1874–1930) gilt als einer der wichtigsten Künstler des deutschen Expressionismus. Seine Malerei in zurückhaltender Farbigkeit ist zunächst inspiriert von Symbolismus und Jugendstil. Im Austausch mit der Künstlergruppe Brücke findet er dann zum eigenen unverwechselbaren Stil. Sein Ziel ist es, in seiner Kunst eine größtmögliche Einfachheit zu erreichen und seine individuellen Erfahrungen mit Natur und Mensch in allgemeingültige und zeitlose Kompositionen zu überführen. Mit rund sechzig Werken gibt die Schau einen konzentrierten Einblick in das Schaffen Otto Muellers. Sein Werk ist nicht zuletzt auch eine Reaktion auf die Krisen-, Umbruchs- und Verlusterscheinungen zu Beginn des letzten Jahrhunderts. Bewegt von der Sehnsucht nach Freiheit und Harmonie entwarf der Künstler malerische Gegenräume zur eigenen persönlichen und gesellschaftlichen Wirklichkeit. Es entstanden Landschafts- und Aktdarstellungen, in denen eine neue unmittelbare empathische Körper-Naturwahrnehmung zum Ausdruck kommt. Die Suche nach der eigenen sozialen Identität führt Mueller in den 1920er Jahren auf den Balkan, wo er das Leben der Roma erforscht. Die Zigeuner-Mappe, die 1927 fertiggestellt wurde, bildet Höhepunkt und Essenz seiner Begegnung und Beschäftigung mit dem am Rande der Gesellschaft lebendem Volk. Als besondere

Otto Mueller | Landschaft mit Badenden, um 1915 | Leimfarbe auf Rupfen | Kirchner Museum Davos | Stiftung Baumgart-Möller, 2000. |Foto: Kirchner Museum Davos

Note werden den Roma-Darstellungen Otto Muellers historische „Zigeuner“Fotografien von Ferdinand Schmutzer (1870–1928), Ludwig Angerer und anderen Fotografen aus der österreichischen Nationalbibliothek in Wien gegenübergestellt. Sowohl die malerischen als auch die fotografischen „Zigeuner“-Bilder spiegeln nicht zuletzt auch die Haltung und Sehnsüchte der Beobachtenden gegenüber dem Fremden wider. Hauptleihgeber der Ausstellung ist das Brücke Museum, Berlin. Dieses stellt dem Kunstmuseum Ravensburg ein Konvolut an Werken seines umfangreichen Otto

Mueller Bestandes zur Verfügung. Ergänzt werden diese durch Werke der Peter und Gudrun Selinka Sammlung sowie ausgewählte private und öffentliche Leihgaben. Die Ausstellung wurde kuratiert von Nicole Fritz. Die Auswahl der historischen Dokumentar-Fotografien aus der Nationalbibliothek in Wien hat Uwe Schögl zusammengestellt. Die Ausstellung wird realisiert mit freundlicher Unterstützung von der BW – Bank Baden-Württembergische Bank, Ravensburger und Andritz Hydro.

Öffnungszeiten Di – So 11-18 Uhr, Do 11 – 20 Uhr

Hofgut & Hofcafé Schleinsee Sich vom ersten Moment an wie zu Hause fühlen - das wird Ihnen auf dem Hofgut Schleinsee leicht gemacht, denn herzliche Gastlichkeit erwartet Sie. Erleben Sie die besondere Atmosphäre eines ursprünglichen Hofgutes. Direkt am eigenen See, umgeben von endlosen Wäldern und Wiesen. Platz genug, um Ihre Gedanken auf die Reise zu schicken. Das Hofcafé am schönen Schleinsee ist der ideale Platz für Ihre HofgutZeit. Liebevoll eingerichtet wurde aus der ehemaligen Hopfendarre ein ganz außergewöhnlicher Ort. Das wunderschöne Ambiente bietet viel Gemütlichkeit durch unzählige kleine Details, den Panorama Blick ins weite Grün und den wunderschönen Kachelofen.   www.schleinsee.de

Gasthof Ochsen Der Ochsen beim Mehlsack

Otto Mueller | Landschaft mit gelbem Feld, um 1925 | Leimfarbe auf Rupfen Sammlung und Stiftung Rolf Horn, Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf Adresse Kunstmuseum Ravensburg Burgstraße 9 88212 Ravensburg Tel. +49 751 82 810 www.kunstmuseum-ravensburg.de

Das Museum Villa Rot widmet sich in seiner Herbst/Winterausstellung 2014/15 „Alles Maskerade, Fasnacht, Karneval und dem Maskenspiel“. In mitten des Gebietes gelegen, in dem die schwäbisch-alemannische Fasnacht traditionell begangen wird, konzentriert sich das Museum Villa Rot auf das Phänomen der Maskerade in der Gegenwartskunst und zeigt Positionen internationaler zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler, die sich mit den kulturellen Hintergründen und Strukturen von Karneval- und Fasnachtstraditionen als Ausdruck einer autorisierten Anarchie © Axel Hoedt_Katze, Messkirch_Farbfotografie_2008 auseinandersetzen. www.villa-rot.de

24.12. geschlossen, 25./26.12. geöffnet; 31.12. bis 16 Uhr und 1.1. ab 14 Uhr geöffnet Eintrittspreise Normalpreis EUR 6 ermäßigt EUR 4 frei bis 18 Jahre Jahreskarte EUR 22 Ravensburger Museumskarte EUR 14

KATALOG Zur Ausstellung erscheint eine vom Brücke Museum herausgegebene Monografie zu Otto Mueller und ein vom Kunstmuseum Ravensburg herausgegebenes Katalogbuch zur Darstellung von Sinti und Roma in der Fotografie.

Öffentliche Führungen jeden Freitag und Samstag, 15 Uhr jeden Sonntag, 11.15 Uhr und 15 Uhr ohne Voranmeldung, 3 € pro Person zzgl. Eintritt

Gruppenführungen Buchung vormittags unter Tel. 0751 82 812 pro Gruppe EUR 65 zzgl. ermäßigten Eintritt

Willkommen im Gasthof Ochsen in Ravensburg! Mitten in der wunderschönen Altstadt Ravensburgs liegt der kleine Gasthof in nächster Nähe zum Kunstmuseum und dem Ravensburger Wahrzeichen, dem Mehlsack.  Wolfgang Kimpfler und seine Mitarbeiter verwöhnen Sie mit schwäbischen Leckereien, saisonalen Schmankerln wie Wild und Spargelgerichten sowie dem besten Wiener Kalbsschnitzel Ravensburgs.  Gerne laden wir sie auch ein, bei uns zu übernachten... www.ochsen-rv.de


EMILE BERNARD

La moisson(Detail), 1888, Musée d’Orsay, Paris, © RMN-Grand Palais (musée d'Orsay) / Jean-Gilles Berizzi

Am Puls der Moderne 7. Februar bis 31.Mai 2015

KUNSTHALLE BREMEN

Die Kunsthalle Bremen präsentiert in Kooperation mit den Musées d’Orsay et de l’Orangerie in Paris eine große Retrospektive des bisher unbekannten französischen Künstlers. Ausgewählte Werke von Gauguin, van Gogh und Toulouse-Lautrec ermöglichen Vergleiche mit Zeitgenossen, mit denen er engen Kontakt pflegte.

Besuchen Sie die Kunsthalle Bremen auch hier

BLOG

Kunsthalle Bremen Am Wall 207, 28195 Bremen info@kunsthalle-bremen.de www.bernard-bremen.de Mi – So: 10-18 Uhr Di: 10– 21 Uhr Mo geschlossen


BILLIE | arttourist.com 2|2014

Schwäbisch Hall  |  17

Kornhausscheunen Schwäbisch Hall In der Markthalle Kornhausscheunen der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall bleiben auf 320 Quadratmeter Fläche keine kulinarischen Wünsche offen. 22,5 Meter misst allein die Fleisch- und Wursttheke: Fleisch vom Schwäbisch-Hällischen Landschwein, vom Boeuf de Hohenlohe und vom Hohenloher Lamm werBeck nder Foto: Dr. Alexa den ebenso angeboten wie Dry Aged Beef – in einem speziellen Schrank gereiftes Rindfleisch. www.besh.de

JazzArtFestival

Pablo Picasso | Femme assise dans un fauteuil (Sitzende Frau), 1909 | Öl auf Leinwand, 100 x 80 cm | Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie Foto: bpk/Jörg P. Anders

Christian Schad | Sonja, 1928 | Öl auf Leinwand, 90 x 60 cm | Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie | Erworben durch den Verein der Freunde der Nationalgalerie aus Mitteln der Stiftung von Ingeborg und Günter Milich Foto: bpk/Jörg P. Anders

Schwäbisch Hall

Moderne Zeiten

Gerhards Marionettentheater

Die Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin zu Gast in der Kunsthalle Würth in Schwäbisch Hall bis 1.5.2015 Die Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin schickt rund 200 ihrer berühmtesten Werke jener dramatischen Epoche der Jahre 1900 bis 1945 auf die Reise in die Kunsthalle Würth. Schwäbisch Hall bekommt damit eine Ausstellung der Superlative, denn die Sammlung der Nationalgalerie gilt international als eines der bedeutendsten Schatzhäuser der Klassischen Moderne. Bereits1919, sofort nach Ende des Hohenzollernreiches, war eine Dependance der Nationalgalerie für die Moderne, als ein Museum der Gegenwartskunst, eingerichtet worden, es entstand hier die weltweit erste öffentliche Sammlung zur zeitgenössischen modernen Kunst des 20. Jahrhunderts.

ADRESSE KUNSTHALLE‡ Lange Straße 35 74523 Schwäbisch Hall www.kunst.wuerth.com ÖFFNUNGSZEITEN 23.5.2014 - 1.5.2015, täglich 10 - 18 Uhr

25./26.12.2014 und 1.1.2015 12 - 17 Uhr 24. und 31.12.2014. geschlossen EINTRITTSPREISE Eintritt frei

Baden-Württembergs größtes und ältestes Marionettentheater bietet ein abwechslungsreiches Programm für Kinder und Erwachsene. Highlights: Das Puppenspiel „Dr. Faust“ – Optional mit einer Nachtwächterführung durch die Altstadt und einem Abendessen. „Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch“ von Michael Ende – Ein modernes zeitkritisches Märchen. „Weihnachtsgeschichten“ von K.H. Waggerl – Besinnliche Einstimmung auf die Weihnachtszeit mit feinsinnigem Humor. 2015: 90 Jahre Gerhards Marionetten – Ab 15.3.2015 Sonderausstellung im Freilandmuseum Wackershofen. www.gerhards-marionettentheater.de

Dieter Franck Haus Das Dieter Franck Haus ist dem Maler Dieter Franck (1909–1980) gewidmet. In seinem ehemaligen Haus auf der Oberlimpurg ist in wechselnden Ausstellungen sein Oeuvre zu sehen, das im späten Expressionismus begann und in dem sich über ein halbes Jahrhundert künstlerisches Schaffen widerspiegelt. Dazu werden ausgewählte künstlerischer Positionen des 20. und 21. Jahrhunderts gezeigt. Inmitten eines verwunschenen Gartenparks mit neuen und alten Skulpturen und begrenzt von einem frühgeschichtlichen Keltenwall bezaubert dieser Kunst-Ort immer wieder aufs Neue durch seine einzigartige Atmosphäre. Geöffnet April bis Oktober sonntags von 13 -18 Uhr | www.dieter-franck.de

»Moderne Zeiten« beruht auf der sehr erfolgreichen Sammlungspräsentation der Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin (2010/11), die die Geschichte der Kunst in Deutschland in der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts auf neue Weise erzählte. Darüber hinaus gibt die für die Kunsthalle Würth adaptierte Ausstellung mit Werken von Lotte Laserstein, Wilhelm Lachnit oder Horst Strempel Gelegenheit zum Wiederentdecken und Kennenlernen dieser Epoche. Wie die ineinandergreifenden Zahnräder in Charlie Chaplins berühmtem Film Modern Times, auf den sich der Ausstellungstitel bezieht, werden so Künstler-, Themen-, Zeitgeschichte und Zeiträume zueinander in Bezug gesetzt und bringen unsere festgefahrenen Vorstellungen von Moderne in Bewegung. Neben höchstem ästhetischem Genuss bietet die Ausstellung auch Gelegenheit zur anregenden Reflexion über Geschichte, Kunst und Politik. Mit dieser Ausstellung setzen die Kunsthalle Würth und die Staatlichen Museen zu Berlin ihre langjährige gute Kooperation fort.

2007 gründeten vier Partner das „Internationale JazzArtFestival Schwäbisch Hall“ und bündelte damit die schon vorhandene Kompetenz: club alpha 60, GoetheInstitut, Konzertkreis Triangel und Kulturbüro der Stadt Schwäbisch Hall. Der 2010 gegründete Jazzclub löste den club alpha 60 ab. Das maßgeschneiderte Konzept: konsequent zeitgenössischer Jazz im unverwechselbaren charmanten Ambiente der „Hospitalkirche“ im Goethe-Institut. Unter dem riesigen Kristalllüster und Stuckdecken spielen innovative Musikerinnen und Musiker, die Grenzen ausloten wie etwa Michael Wollny, Dieter Ilg oder Nik Bärtsch. Größen der internationalen Jazzszene geben sich die Klinke in die Hand, ob Ketil Bjornstad, Charles Lloyd oder Avishai Cohen. Das Publikum und die Künstler schätzen die familiäre Atmospäre des mit viel ehrenamtlichem Engagement ermöglichten Festivals. 25. – 29.3.2015 l www.jazzart-hall.de

Hotel Adelshof Ernst Ludwig Kirchner | Potsdamer Platz, 1914 | Öl auf Leinwand, 200 x 150 cm | Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie | Erworben mit Unterstützung der Bundesrepublik Deutschland, der Kulturstiftung der Länder, der Ernst von Siemens Kunststiftung, der Kulturstiftung der Deutschen Bank u.a. Foto: bpk/Jörg P. Anders

AUDIOGUIDE Ja, deutsch und englisch EUR 6 ÖFFENTLICHE FÜHRUNGEN So 11:30, 14 und 15:30 Uhr EUR 6 Sonntags 11.30, 14 Uhr und 15.30 Uhr

€ 6 pro Person Audiophone dt./engl.: € 6 FÜHRUNGEN Führungen für Gruppen, Schulklassen und Kindergärten nach Vereinbarung. Tel 0791 94672-14 l kunsthalle@wuerth.com

KATALOG Zur Ausstellung erscheint ein umfangreicher Katalog im Swiridoff Verlag.

Historie erleben, mit allen Sinnen genießen... Die individuell und liebevoll gestalteten Themenzimmer bieten für jede Stimmungslage das Richtige. Direkt an der St. Michaelskirche mit der Großen Treppe als Kulisse der Freilichtspiele gelegen, sind wir nur 5 Gehminuten von der Johanniterkirche und der Kunsthalle Würth entfernt. Lassen Sie sich von der ausgezeichneten Küche in den verschiedenen Restaurants von Friedheinz Eggensperger verwöhnen und genießen Sie die Wohlfühlatmosphäre eines persönlich geführten Hauses. www.hotel-adelshof.de


18  |  Singen

BILLIE | arttourist.com 2|2014

Die Gems Nahezu Nonstop an 365 Tagen im Jahr bietet das Kulturzentrum GEMS ein vielfältiges Kulturprogramm. Dazu gehört Kabarett und Kleinkunst ebenso wie ein anspruchsvolles Kinoprogramm, Konzerte, Lesungen und vieles mehr. Zur Eröffnung im Jahre 1989 spielte Astor Piazolla, Gerhard Polt ist mittlerweile ein guter Freund des Hauses, ebenso Robert Kreis. In Zusammenarbeit mit dem Institut Francais und dem Singener Hegau-Gymnasium findet einmal jährlich eine Woche des französischen Films statt, Kooperationen mit dem Jazz-Club und dem Kommunalen Kino »Weitwinkel« ergänzen das Programm. Gastronomie und ein paar wenige Hotelzimmer runden das Gesamtkonzept Gems ab. www.diegems.de | www.kreuz.diegems.de

Galerie Vayhinger

Fotos Kunstmuseum Singen: © Kuhnle & Knödler Fotodesign

Singen Die Ausstellung zur Wiedereröffnung des Kunstmuseums Singen

WIEDER DA!

Kunst in neuen Räumen. bis 15.03.2015

Seit dem 13. September ist das nach Umbau und Erweiterung mit rund 1000 Quadratmetern Besucher- und Ausstellungsfläche nun zu den großen kommunalen Kunstmuseen auf der deutschen Seite des Bodensees zählende Kunstmuseum Singen wieder da - mit erneuertem Erscheinungsbild, modernem Besucherservice, barrierefreien Zugängen, neuem Licht, neuer Klimatechnik, neuen Depots sowie neugestalteten und erweiterten Ausstellungsflächen für die moderne und zeitgenössische Kunst aus der internationalen Euregio Bodensee und dem deutschen Südwesten. „WIEDER DA! Kunst in neuen Räumen.“ – so lautet der Titel der Ausstellung zur Wiedereröffnung, die zu einem Gang durch rund 100 Jahre Kunstgeschichte am Bodensee von 1900 bis heute einlädt. Die Präsentation zur Wiedereröffnung des Kunstmuseums Singen veranschaulicht sowohl die neuen Ausstellungsmöglichkeiten nach dem Umbau als auch die Qualität der um Neuerwerbungen erweiterten Sammlung. 140 Kunstwerke – Gemälde, Grafiken, Fotografien und Skulpturen, darunter viele Neuzugänge – erwarten die Besucher. Im Untergeschoss des Hauses, das nunmehr auf 570 Quadratmetern Gesamtund 455 Quadratmetern reiner Ausstellungsfläche erweitert wurde, präsentiert das Kunstmuseum zur Wiedereröffnung seinen größten Schatz: die »Künstler der Höri«, die in solcher Vollständigkeit und Fülle allein im Singener Kunstmuseum zu sehen sind. Es ist die Besonderheit des Hauses, dass es von all jenen Künstlern, die in der Zeit von 1933 bin in die 1960er Jahre Zuflucht und Heimat auf der Bodenseehalbinsel Höri fanden, eine Kollektion an Werken besitzt, die um Arbeiten von Künstlern aus deren Umkreis bereichert wird. Zur Wiedereröffnung zeigt das Museum erstmals seine in den letzten zwei Jahren erworbenen Gemälde

und Grafiken der längst zur klassischen Moderne zählenden Künstler Otto Dix, Erich Heckel, Max Ackermann, Walter Herzger, Curth Georg Becker, Helmuth Macke, komplettiert um Werke von Heinrich Nauen, Maria Caspar Filser, Franz Lenk, Reinhold Nägele und Ludwig Gabriel Schrieber. Das Obergeschoss des Kunstmuseums, das sich nach dem Umbau als weite, im Rundgang erschlossene Halle zeigt, ist der Präsentation der zeitgenössischen Kunst aus der Euergio Bodensee vorbehalten. Die neuen Ausstellungsmöglichkeiten für installative Einbauten und Bildhauerei aufgreifend, werden zur Wiedereröffnung Skulpturen von Robert Schad, Rudolf Wachter, Willi Siber, Markus Daum, Andrea Zaumseil, Friedemann Grieshaber und Markus F. Strieder prominent neben Gemälden und Grafiken von Friedemann Hahn, Felix Droese, Harald F. Müller, Gerold Miller, Markus Weggenmann, Johannes Dörflinger oder Jan Peter Thorbecke präsentiert. Auch verfügt das Kunstmuseum Singen nach dem Umbau im Obergeschoss des Hauses über eine fest in den Raum ein-

gestellte „Black Box“ für Film-, Videound Lichtprojektionen. Diese einzigartige Möglichkeit nutzend, präsentiert das Kunstmuseum zur Wiedereröffnung den 2014 entstandenen Film „Kunst im öffentlichen Raum in Singen“ von Mirjam Goller und Marcus Welsch. Der Film, der erstmals im Singener Kunstmuseum gezeigt wird, greift mit der Präsentation der Kunst im öffentlichen Raum einen weiteren Schwerpunkt der städtischen Sammlung auf und verdeutlicht in besonderer Weise, dass Singen im weiten Bodenseeraum eine der attraktivsten Städte für Kunst im Außenraum ist.

ADRESSE Kunstmuseum Singen Ekkehardstraße 10 78224 Singen www.kunstmuseum-singen.de ÖFFNUNGSZEITEN Di – Fr 14 – 18 Uhr Sa, So 11 – 17 Uhr Feiertag meist wie Werktag FÜHRUNGEN Information und Buchung Tel 07731 85-271 kunstmuseum@singen.de

andere Räume – anders Denken | Baustelle in Kopf und Raum „Helena & Werner Vayhinger sitzen zwischen zimmerhohen Türmen aus Umzugskartons. In Möggingen. Eine halbe Ewigkeit als Galerie in der Pflege bereits arrivierter Künstler und der Sorge um junge, hoffnungsvolle Talente liegen hinter ihnen. Damit haben sie wohl lange genug eindrucksvoll bewiesen, dass niveauvolles Engagement auch außerhalb der Metropolen gesehen wird und Früchte trägt. Nun aber haben sich unsere Youngsters für eine Frischzellentherapie in Form einer Villengalerie in Singen entschieden und der Schreiber dieser Zeilen hegt nicht den geringsten Zweifel, dass sich dadurch neue Perspektiven für Publikum & Künstler ergeben werden. Alte Hasen, die den Puls der Zeit erspüren ohne «Zeitgeist» auszustellen, blicken auf Vieles zurück, das trägt. Der Beispiele sind viele….“ Auszug aus dem Brief von Jan Peter Tripp zu Baustellen-Ausstellung in Singen. Galerie Vayhinger | Schaffhauser Str. 22 | 78224 Singen www.galerievayhinger.de

Hohe Käse-Kunst in Singen Wenn Wolfram Schreier über Käse spricht, versprüht er Funken der Leidenschaft, Lust und Liebe. Der 62-Jährige ist Käseveredler, trägt den Titel Maitre Fromager Affineur. Zusammen mit seiner nicht weniger begabten Frau Sieglinde betreibt er ein Fachgeschäft in der Singener Ekkehardstraße 29. Hier wird weit mehr gemacht als nur Käse verkauft. Die Schreiers begleiten ihre Kunden gerne zu höheren kulinarischen Weihen: Denn guter Käse macht glücklich. Auch online kann man bei Schreiers einkaufen: www.kaesereich-frankreich.de

Wo der Warhol über dem Oldtimer hängt Das Singener MAC Museum Art & Cars eröffnet am 26. Oktober 2014 die Ausstellung „Andy Warhol. CARS“. Ausgesuchte Oldtimer der Mercedes-Benz Classic Sammlung treffen auf rund 40 Werke der berühmten, amerikanischen Pop-Art-Ikone. Eine Premiere, denn Fahrzeuge und Bilder sind in dieser Konstellation zum ersten Daimler AG, The Andy Warhol Foundation Mal nebeneinander zu befor the Visual Arts sichtigen. Aus der Mercedes-Benz Classic Collection wird etwa der berühmte „Gullwing“ 300 SL gezeigt. Auch Raritäten wie der Prototyp C111 und der Benz Patent Motorwagen sind bis zum 17. Mai zu sehen. www. museum-art-cars.com

Restaurant Falconera Idyllisch am Waldrand des Schienerbergs gelegen, ist das Falconera eines der angesagtesten Restaurants am Bodensee. Innerhalb von zehn Jahren hat Sternekoch Johannes Wuhrer die historische Falknerei und ehemalige Mühle in „eines der besten Landgasthäuser Baden-Württembergs“( Feinschmecker) verwandelt. Mit Leidenschaft pflegen Küchenchef Wuhrer und sein Team die kreative, frische Saisonküche. Der persönliche Kontakt zu den Landwirten, Fischern, Metzgern und Käsern aus der Region spricht für die hervorragende Qualität der Produkte. Als „Harmonie der Aromen“ bezeichnet Gault Millau die Küche des Hauses und vergibt 2014 wieder 17 von 20 Punkten. www.restaurant-falconera.de


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Stuttgart  |  19

Kunst & Kultur im ARCOTEL Camino Denkmalgeschützte Altbausubstanz vereint mit modernen Gestaltungselementen. Atmosphäre und Design schaffen einen Ort zum Wohlfühlen. Heute präsentiert sich die Fassade des ARCOTEL Camino immer noch im historischen Originalzustand aus dem 19. Jahrhundert. Vier Mal im Jahr präsentieren bei den „Kunst & Kultur“-Veranstaltungen Künstler aus der Region ihre Werke. Am 20. November 2014 stellt Maler und Autor Rainer Hoffelner seine Bilder vor. Live-Musik und Kulinarik runden den Kunstgenuss ab. www.arcotelhotels.com

FITZ

Oskar Schlemmer | Paracelsus, Der Gesetzgeber, 1923 | Öl und Lack auf Leinwand | 99,5 x 75 cm | Staatsgalerie Stuttgart

Oskar Schlemmer | Das Triadische Ballett: Taucher, 1922 | Papiermaché, Stoff; Celluloid, Höhe: 190 cm, Durchmesser: 90 cm | Staatsgalerie Stuttgart, Leihgabe der Freunde der Staatsgalerie seit 1979

Stuttgart

Oskar Schlemmer –

Visionen einer neuen Welt Große Landesausstellung Baden-Württemberg 2014 21.11.2014 – 6.4.2015

Die Große Landesausstellung 2014 »Oskar Schlemmer – Visionen einer neuen Welt« wird die erste umfassende Retrospektive des Künstlers seit fast vierzig Jahren sein. Ausgehend von den eigenen umfangreichen Beständen, nicht zuletzt auch den Dokumenten aus dem hauseigenen Schlemmer-Archiv, sowie prominenten Leihgaben aus Museums- und Privatbesitz erforscht die Staatsgalerie den hohen ethischen und künstlerischen Anspruch von Oskar Schlemmer (1888-1943). Die Ambivalenz seiner Vision einer neuen Welt, die einerseits auf metaphysischreligiöse Sphären ausgerichtet ist und andererseits auf die weltverändernde Kraft der Kunst setzt, wird ebenso in den Blick genommen wie die Auseinandersetzung mit den Reformbestrebungen seiner Zeit. Mit rund 250 Gemälden, Aquarellen, Zeichnungen, Skulpturen, Fotografien und den noch in der Staatsgalerie erhaltenen Originalkostümen des »Triadischen Balletts« ist die Werkschau chronologisch und thematisch in sechs Sektionen aufgebaut. Schlemmers Frühwerk ist geprägt von seinem Studium an der Stuttgarter Akademie und der Auseinandersetzung mit der europäischen Avantgarde, deren Kenntnis durch einen Aufenthalt in Berlin 1911/12 und die Bekanntschaft mit Herwarth Walden sowie Besuche in dessen Galerie „Der Sturm“ gefördert wurde. Im Jahr 1921 wird Schlemmer an das Bauhaus in Weimar berufen, wo er als ADRESSE Staatsgalerie Stuttgart Konrad-Adenauer-Str. 30-32 D-70173 Stuttgart www.staatsgalerie.de

ÖFFNUNGSZEITEN Di – So 10 – 18 Uhr Do 10 – 20 Uhr Mo geschlossen Feiertage siehe www.staatsgalerie.de

Formmeister für Steinbildhauerei und Wandmalerei ab 1923 auch für die Bühnenwerkstatt zuständig ist. Sein bedeutendstes Werk der Bühnenkunst, »Das Triadische Ballett«, wird 1922 im Württembergischen Landestheater Stuttgart uraufgeführt und gilt als eine Inkunabel der Tanzkunst. Starre, den Körper zu marionettenhafter Bewegung zwingende Kostüme führen zur Konzeption eines von historischem Ballast befreiten Avantgardetanzes. Im Zuge der Übersiedlung des Bauhauses 1925 nach Dessau erhält Schlemmer als Leiter der Bauhausbühne zahlreiche Aufträge für die szenische Gestaltung von Opern und Balletten. Überregionale Erfolge feiert er mit den »Bauhaustänzen«, bei denen die Tänzer statt aufwändiger Kostüme Trikots und Masken tragen und elementare Körper-Raum-Beziehungen ausloten. Ab 1928 arbeitet Schlemmer an den Entwürfen für den Brunnenraum des Folkwang-Museums in Essen. Er konzentriert sich zunehmend auf die athletische Figur, die mit abstrakt-geometrischen Formen in Beziehung gesetzt wird. Die Entwurfsserien in Öl auf Leinwand sowie wandbildhohe Pastelle auf Transparentpapier aus der Sammlung der Staatsgalerie dokumentieren einzigartig Schlemmers größte Auftragsarbeit. Der ausgeführte Zyklus wurde 1933 von den Nationalsozialisten aus dem Museum entfernt und gilt als verschollen. EINTRITTSPREISE Normalpreis EUR 12 Ermäßigt EUR 10 Kinder und Jugendliche bis einschließlich 20 Jahre haben freien Eintritt in Sonderausstellungen und die Sammlung Online-Ticket: https://shop.staatsgalerie.de/

Nach Schlemmers Wechsel 1929 an die Staatliche Akademie für Kunst und Kunstgewerbe in Breslau entstehen bedeutende Gemälde, die vielfigurige Menschenarchitekturen mit Anklängen an Sportveranstaltungen sowie komplex gestaffelte Geländerszenen zeigen. Die Schließung des Bauhauses in Dessau 1932 kommentiert der Künstler mit seinem programmatischen Bild „Bauhaustreppe“ (heute Museum of Modern Art, New York). Als Schlemmer 1933 aus dem Lehramt entlassen und als entarteter Künstler gebrandmarkt wird, entstehen düstere Gemälde und – kurz vor seinem Tod – »Fensterbilder«, die das Leben der Anderen aus der Distanz des Außenstehenden beobachten. Mit kommerziellen Malerarbeiten bestreitet der Künstler nun seinen Lebensunterhalt, 1940 erhält er einen letzten Wandbildauftrag für ein Privathaus in Stuttgart. Die Ausstellung würdigt die visionäre Leistung dieses Pioniers eines modernen, Technik und Kunst, Mensch und Zivilisation, Körper und Geist versöhnenden Weltverständnisses. Und auch die Tragik dieses Weltverständnisses, dem nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten 1933 Maß, Zahl und Gesetz kaum mehr als Bollwerk gegen den Totalitarismus dienen konnten.

AUDIOGUIDE EUR 5 (Kinder EUR 2,50) ÖFFENTLICHE FÜHRUNGEN siehe www.staatsgalerie.de

staatsgalerie.de Dienstag bis Freitag, 10:00– 15:00 Uhr; in den Schulferien Dienstag bis Freitag, 10:0013:00 Uhr

FÜHRUNGEN Tel 0711 . 470 40 452, 470 40 453 | fuehrungsservice@

KATALOG EUR 29,90 im Museumsshop EUR 49,90 im Buchhandel

Als bedeutendstes europäisches Zentrum für freies Figurentheater zeigt das Stuttgarter FITZ seit über drei Jahrzehnten deutsche und internationale Theatergastspiele für Erwachsene. Mit seinen artifiziellen Bildwelten und Grenzüberschreitungen zu Schauspiel, Tanz, Musik und Multimedia gehört modernes Figurentheater zu den faszinierendsten Bühnenkünsten der Gegenwart. In der laufenden Spielzeit stehen u.a. Inszenierungen zu Alberto Giacometti und Hans Bellmer auf dem Programm. Informationen und Karten unter 0711.241541 und www.fitz-stuttgart.de

Myanmar – Das Goldene Land Zwischen aufwändiger Seidenweberei, traditionellen Tätowierungen und gänzlich vergoldeten Pagoden: Das Linden-Museum Stuttgart gewährt von 18.10.2014 bis 17.5.2015 umfassende Einblicke in die bis heute tief buddhistisch geprägte Kultur eines Landes, das sich nach langen Jahren der Isolation auf den Weg in die Moderne begibt. Über 200 ausgewählte Originale aus hochkarätigen internationalen Sammlungen, Filme und Musik zeichnen ein facettenreiches Bild. Weitere Informationen: www.lindenmuseum.de

Speisemeisterei Frank Oehler ist seit Oktober 2008 mit der Speisemeisterei im Schloss Hohenheim und hat im Jahr 2009 schon den begehrten Michelin Stern erhalten, der seit diesem Zeitpunkt ununterbrochen verteidigt wurde. An 7 Tagen in der Woche, mittags und abends führt Frank Oehler ein 34 köpfiges Team zu kulinarischen Höchstleistungen. Die Speisenstruktur: Mit einem fünf Gänge Menü aus rein regionalen Produkten aus Baden Württemberg und einem eigenständigen vegetarischem Menü wird die Liebe und die Vielfalt der Region zum Geschmack geführt. Die Speisemeisterei spricht alle Menschen an, die Wert legen auf eine genussvolle und selbstbestimmte erholsame Zeit während Ihres Aufenthaltes. Umgeben wird die Speisemeisterei vom Schloss Hohenheim. www.speisemeisterei.de

Dieter Roth. Balle Balle Knalle Dieter Roth zählt zu den einflussreichsten bildenden Künstlern des 20. Jahrhunderts. Einem zentralen Aspekt seines Werks ist bislang wenig Aufmerksamkeit zu Teil geworden: die Verwendung von Sprache und Literatur, die sich leitmotivisch durch nahezu all seine Werkgruppen zieht. Denn Roth sah sich vornehmlich als Schriftsteller, der seine bildnerischen Werke als Verdienstmöglichkeit nutze, um schreiben zu können. Die enge Verbindung von Wort und Bild macht das Kunstmuseum Stuttgart nun anhand von rund 150 Werken deutlich. Dadurch eröffnet sich zudem eine andere Sicht auf die Kunst der 1960er-Jahre Dieter Roth Literaturwurst, und ihre Umwälzungen. 1969 , Foto: Egbert Haneke, Hamburg © Dieter Roth 13.12.2014 – 12.4.2015 | Estate/Courtesy Hauser & Wirth Kunstmuseum Stuttgart www.kunstmuseum-stuttgart.de


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17. Internationales Sandskulpturenfestival Arionwiese Rorschach, 8. - 15. August Ausstellung bis 6. September Im August verwandelt sich die Arionwiese im Hafenstädtchen Rorschach jeweils in ein Meer aus Sand. Vom 8. bis 15. August schaffen internationale Künstlerteams direkt am Bodensee aus 250 Tonnen feinstem Quarzsand vergängliche Kunstwerke im XXL-Format. Gäste und Einheimische können den Künstlerinnen und Künstlern bei der Arbeit über die Schulter schauen und auch nach der Bewertung durch eine internationale Jury am 15. August sind die Sandskulpturen noch bis Anfang September zu besichtigen. Der Eintritt kostet 5 Franken. www.sandskulpturen.ch

St.Gallen Kunst und Kultur vor einzigartiger Kulisse St.Gallen entdecken Ob Museen mit hochkarätigen Ausstellungen, das älteste Theater der Schweiz mit seinen Weltpremieren oder das Weltkulturerbe Stiftsbezirk mit seinen einzigartigen Festspielen: Die Region St.Gallen-Bodensee besitzt die hohe Kunst, Kunst- und Kulturliebhaber auf der ganzen Welt auf sich aufmerksam zu machen.

Spaziergang durch ein Museum Alleine der Gang durch die Stadt St.Gallen gleicht dem Besuch eines grossen Museums: Ob Barock, Rokoko, Klassizismus oder Jugendstil, ob Wannenmacher, Giacometti, Richard Serra oder Joan Miró – sie alle haben in der Ostschweizer Hauptstadt ihre Spuren hinterlassen. Architektonische Bauplastiken aus der Karolingerzeit, mittelalterliche Fachwerkhäuser und schwungvolle Bauten von Santiago Calatrava begleiten den Besucher auf seinem Stadtrundgang. Daneben schmücken zahlreiche Brunnen und Skulpturen von lokalen Künstlern und international bekannten Grössen die Gassen und insbesondere den Stadtpark im Museumsviertel. Hier findet man neben dem Gauklerbrunnen des St.Galler Max Oertli den skulpturalen „Trunk“ von Richard Serra.

Operndrama im Weltkulturerbe Die grösste und eindrucksvollste Sehenswürdigkeit befindet sich jedoch im Herzen der Altstadt: der Stiftsbezirk, seit 1983 ein UNESCO-Weltkulturerbe. Hier finden jedes Jahr die berühmten St.Galler Festspiele statt. 2015 auf dem Programm steht vom 19. Juni bis 3. Juli das italienische Operndrama „I due Foscari“ von Giuseppe Verdi. Weitere Tanz-

und Konzerthighlights werden im Theater und in der historischen Tonhalle aufgeführt.

Stadt der schönen Erker Reich verziert drängen sich aus Holz und Stein gearbeitete Reliefs mit Darstellungen von exotischen Fruchtsortimenten, ja ganzen Erdteilen auf den Brüstungen der St.Galler Erker. Prachtvolle Anbauten sind es, die St.Galler Kaufleute ab Mitte des 16. Jahrhunderts nachträglich an ihre mittelalterlichen Bürgerhäuser angebaut haben. Damals brachten die fensterreichen Erker nicht nur mehr Licht in ihre Wohnräume. Sie machten auch den eigenen Wohlstand und die Weltläufigkeit des Hausbesitzers – ganz selbstbewusst – nach aussen sichtbar. Die dargestellten Szenen und Motive gaben den Erkern häufig ihre Namen. So findet man in der Spisergasse hinter dem Stiftsbezirk im Osten der Altstadt beispielsweise den „Sternen“- und den „Bären“Erker, in der benachbarten Schmiedgasse den „Schwanen“- und den „Pelikan“-Erker oder den „Kugel“-Erker in der gleichnamigen Gasse, den ein prunkvoller Erdball ziert. Einer der berühmten frühen Erker aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts schmückt das spätmittelalterliche „Haus zum Greif“ in der Gallusstrasse, zu deren Seite sich der historische Stiftsbezirk mit seiner weithin sichtbaren barocken Kathedrale öffnet.

Ein rotes Wohnzimmer für alle Als „öffentliches Wohnzimmer“ präsentieren sich Abschnitte des St. Galler Bleicheli-Quartiers für Bürger und Gäste der Stadt. Mit einem roten Teppich überzieht das Kunst-Projekt „Stadtlounge“

der renommierten Schweizer Künstlerin Pipilotti Rist und des Architekten Carlos Martinez öffentliche Plätze und Strassen des Altstadt-Quartiers. Die Wohnzimmerarchitektur gliedert sich dabei in einzelne Bereiche mit unterschiedlichen Raumthemen wie „Cafe“, „RelaxLounge“ oder „Business-Lounge“. Sie lädt zum Verweilen ein und bietet Raum für Begegnungen.

ganzjährlich Sie sind charmant und gebildet und es gibt kaum etwas, das sie von der Geschichte St.Gallens nicht wüssten: Die Stadtführerinnen von St.Gallen-Bodensee Tourismus. Mit ihnen wird der Rundgang durch die historische Altstadt und das UNESCO-Weltkulturerbe Stiftsbezirk zu einer aufregenden Entdeckungsreise. Nebst den öffentlichen Stadtführungen bietet St.Gallen-Bodensee Tourismus auch diverse spannende Themenführungen an. Treffpunkt ist jeweils bei der Tourist Information im Stiftsbezirk. www.st.gallen-bodensee.ch

Musical-Stadt St.Gallen Mit seinen Musical-Vorstellungen – darunter einigen Weltpremieren – hat sich St.Gallen als Musicalstandort weit über die Region hinaus einen Namen gemacht. Bis zu 45 000 Besucher kommen jährlich zu den rund 50 Musicalvorstellungen ins Theater St.Gallen – übrigens das älteste bespielte Berufstheater der Schweiz. 2014 feierte das Theater St.Gallen mit „Artus Excalibur“ erneut Weltpremiere. Das Musical von Erfolgskomponist Frank Wildhorn entführt in die Sagenwelt rund um König Artus und wird noch bis Ende Mai 2015 in St.Gallen zu sehen sein.

Das St.Galler Kinderfest Einen gesellschaftlichen Höhepunkt 2015 bildet das St. Galler Kinderfest. Seit 1824 wird es alle drei Jahre durchgeführt. Dabei ziehen die Schulkinder der städtischen Schulhäuser in festlichen Gewändern durch die Stadt zum Kinderfestplatz, um dort verschiedene Darbietungen aufzuführen. Das Fest wurde in die Liste der lebendigen Traditionen in der Schweiz aufgenommen. www.st.gallen-bodensee.ch

Sternenstadt St.Gallen Innenstadt, Ende November bis Ende Dezember Wenn am ersten Advent die Lichter des 20 Meter hohen Tannenbaums im Stiftsbezirk angezündet werden, wird’s weihnachtlich in St. Gallen. Über den Plätzen und Gassen der St.Galler Altstadt funkeln ab Ende November 700 Sterne und hüllen die historischen Fassaden der UNESCO-Weltkulturerbestadt in weihnachtlich-festlichen Glanz. Ein romantischer Weihnachtsmarkt in den Altstadtgassen, spezielle Themen- und Weihnachtsführungen mit Punsch und Gebäck, Konzerte in der barocken Kathedrale und Lesungen machen die Vorweihnachtszeit in der Schweizer Sternenstadt zu einem einzigartigen Erlebnis. www.sternenstadt.ch


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„Wenn Bücher Recht haben. Justitia und ihre Helfer in Handschriften der Stiftsbibliothek“ Jahresausstellung der Stiftsbibliothek St.Gallen 30. November 2014 bis 8. November 2015 Ende 2014 erscheint der dritte Band der Neukatalogisierung der St. Galler Handschriftenschätze. Darin werden die juristischen Handschriften vom 7. bis zum 17. Jahrhundert vorgestellt. Die Stiftsbibliothek nimmt diese Neuerscheinung zum Anlass, einige der wichtigsten Textzeugnisse zum mittelalterlichen Recht in ihrer Jahresausstellung 2014/15 unter dem Titel „Wenn Bücher Recht haben. Justitia und ihre Helfer in Handschriften der Stiftsbibliothek“ vorzustellen. Besucherinnen St. Gallen, Stiftsbibliothek, Cod. und Besucher erhalten an der AusSang. 731, p. 234 – Lex Romana Visigothorum, Lex Salica, Lex stellung zudem in jene HandschrifAlamannorum tensammlung Einblick, für welche die Stiftsbibliothek berühmt ist: althochdeutsche Sprachdenkmäler, glanzvolle St.Galler Buchmalerei des frühen Mittelalters oder angelsächsische Überlieferung. www.stibi.ch

St.Gallen

10. St.Galler Festspiele Klosterhof St. Gallen, 19. Juni bis 3. Juli

UNESCO-Weltkulturerbe Stiftsbezirk Das Wahrzeichen der Stadt, der St.Galler Stiftsbezirk mit seiner barocken Kathedrale, wurde 1983 samt Bibliothek und Stiftsarchiv in die Liste des UNESCOWeltkulturerbes aufgenommen. Er ist heute eine der zehn Weltkulturerbestätten der Schweiz. Die bewegte Geschichte des St.Galler Klosters, das sich von einer Mönchseinsiedelei zum geistigen Zentrum Europas entwickelte, war bis zu seiner Auflösung im Jahr 1805 von einer enormen Bautätigkeit begleitet. Von der ursprünglich frühmittelalterlichen Anlage ist heute auf dem ehemaligen Klostergelände nichts mehr zu entdecken. Überreste aus dieser Zeit und Elemente aus der Gotik können heute im Lapidarium, das sich in einem Gewölbekeller unter dem Westflügel der Klosteranlagen befindet, bewundert werden.

Die Stiftskirche, das Wahrzeichen St.Gallens Der jüngste, noch bestehende Kirchenbau im Stiftsbezirk ist die barocke Stiftskirche, die zwischen 1755 und 1767 entstand. Ein Baumeistertrio – bestehend aus dem Vorarlberger Johann Michael Beer von Bildstein; dem Architekten Peter Thumb, Erbauer der berühmten, barocken Wallfahrtskirche „Birnau“ am Bodensee und dem renommierten Johann Caspar Bagnato - , schuf mit Malern, Bildhauern und Stuckateuren eine Wandpfeilerkirche, die sich im Inneren aus kunstvoll hintereinander gruppierten Zentralräumen zu einem rhythmisch schwingenden Langraum zusammensetzt. Der Kirchenraum ist üppig ausgemalt, mit Stuckaturen verziert, die Innenausstattung reich mit Schnitzereien versehen. Namhafte, vor allem aus Süddeutschland stammende Künstler wie Christian Wenzinger, Bildhauer, Maler und Baumeister aus Freiburg, der Bildhauer Josef Anton Feuchtmayer und der Maler Josef Wannenmacher haben an der inneren

und äusseren Ausstattung der Stiftskirche mitgewirkt. Die Doppeltürme der Kirchenfassade überragen weithin sichtbar den Klosterkomplex. Barock bewegt und ausgewogen gegliedert, hebt sich die sandsteinfarbige Kirchenfront von den schlichten Fassaden der Flügelbauten ab.

Barocke „Seelenapotheke“: Die Stiftsbibliothek „Seelenapotheke“ steht in griechischen Lettern über dem Eingangsportal. Das war es, was die Erbauer in dieser reich bestückten Stiftsbibliothek sahen, deren kostbare Folianten sich in den Bücherregalen wie Arzneien in einem Apothekerschrank aneinanderreihen. Architektonisch betrachtet ist sie eine wahre Kunstschatulle. Der prachtvolle, geschwungene Saal mit seinen ornamentierten Intarsienböden, den holzvertäfelten, säulengeschmückten Bücherschränken und reich stukkierten Deckengemälden ist ein barockes Gesamtkunstwerk: harmonisch verbinden sich hier Architektur, Skulptur, Malerei und Ausstattung. Die 1758 errichtete Rokokobibliothek zählt zu den schönsten historischen Büchersälen der Welt. Publikumsmagnet ist der über zwei Meter hohe Erd- und Himmelsglobus aus

dem 16. Jahrhundert, der als aufwändig hergestellte Replik des Züricher Originals (Landesmuseum) in der Bibliothek zu bewundern ist sowie die ägyptische Mumie der Schepenese, die sich seit 1836 zusammen mit ihren Sarkophagen im Eigentum der Bibliothek befindet. Ihre Lebenszeit wird von ungefähr 650 bis 610 v. Chr. angegeben. Der Bücherbestand der heute noch aktiven Bibliothek beträgt rund 170 000 Bücher, darunter etwa 400 irischkeltische, karolingische und ottonische Handschriften aus der Blütezeit des Stifts vor dem Jahr 1000. Die beeindruckende Sammlung frühmittelalterlicher OriginalHandschriften macht diese Institution weltberühmt. Über 400 Bände sind mehr als 1 000 Jahre alt.

Führungen durch den Stiftsbezirk St.Gallen-Bodensee Tourismus bietet Führungen durch den Stiftsbezirk und die Stiftsbibliothek an. Diese finden jeweils samstags und während der Sommermonate zusätzlich auch am Sonntag statt und kosten 25 Franken pro Person. www.st.gallen-bodensee.ch www.stibi.ch

Die St.Galler Festspiele haben einen festen Platz in der Agenda jedes Opern-, Ballett- und Musikliebhabers. Sie finden jährlich im Stiftsbezirk, dem UENSCO-Weltkulturerbe, statt – ein weltweit einmaliger Ort für ein Festival. Auf dem Programm steht dieses Jahr das italienische Operndrama „I due Foscari“ von Giuseppe Verdi. Darin geht es um ein persönliches Machtspiel zwischen Vater und Sohn – den zwei Foscari – und den Konflikt zwischen politischer Pflicht und persönlicher Neigung. St.Gallen-Bodensee Tourismus bietet dazu ein attraktives Übernachtungsarrangement an. www.stgaller-festspiele.ch www.st.gallen-bodensee.ch

11. Museumsnacht St. Gallen St.Galler Innenstadt, 5. September Bereits zum 11. Mal öffnen die städtischen Museen gemeinsam mit Galerien und kulturellen Institutionen ihre Türen und laden Gäste und Einheimische zur St.Galler Museumsnacht ein. Von 18 bis 1 Uhr wird den Besucherinnen und Besuchern ein Erlebnis der besonderen Art mit Kunst, Literatur, Musik und Tanz geboten. Die Museumsnacht wurde 2004 ins Leben gerufen und ist seither nicht mehr aus der St.Galler Kulturagenda wegzudenken. Tickets sind bei St.Gallen-Bodensee Tourismus unter www. st.gallen-bodensee.ch oder am Schalter der Tourist Information St.Gallen erhältlich. www.museumsnachtsg.ch

„Im Atemzug der Zeit – St.Gallen und der 1. Weltkrieg“ Dauerausstellung im Historischen und Völkerkundemuseum St. Gallen 8. Mai 2015 bis 28. Februar 2016 2014 jährt sich der Ausbruch des Ersten Weltkriegs zum 100. Mal. Anlässlich dieses Gedenkjahres übernimmt das Historische und Völkerkundemuseum die Wanderausstellung «14/18 – Die Schweiz und der Grosse Krieg» und präsentiert ergänzend dazu die Sonderausstellung „Im Atemzug der Zeit – St.Gallen und der 1. Weltkrieg“. Darin soll Besucherinnen und Besuchern spezifisch die Verhältnisse in der Ostschweiz vermittelt werden, denn als Grenz- und Exportkanton war St.Gallen vom Krieg besonders betroffen. www.hvmsg.ch


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«S’isch – s’isch nöd». Das St. Galler Kinderfest Ausstellung vom 11.Februar bis 9.August 2015 St. Gallen steht für Stickerei. Neben der bis heute von der Haut Couture geschätzten „St. Galler Spitze“ erlangt die weisse Broderie Anglaise weltweite Popularität So wundert es denn nicht, dass eine der wichtigsten öffentlichen Veranstaltungen der Stadt, das St.Galler Kinderfest, schon früh die lokale Textilproduktion präsentiert und zelebriert. Weisse Stickereien, verarbeitet zu festlichen Kleidern für Mutter und Tochter, dominieren über lange Jahre das Bild des Umzugs wie auch der Strassenszenen und der anschliessenden Feierlichkeiten. Einen Tag lang feiert die Stadt sich und die Textilindustrie. Die Ausstellung «s‘isch – s’ich nöd» widmet sich Geschichte und Gegenwart des St. Galler Kinderfestes, das erstmals im Jahr 1824 begangen wurde und bis heute, so auch 2015, alle drei Jahre stattfindet.

Traum & Realisation Ausstellung vom März 2015 bis 2016

Textilmuseum St.Gallen Weisse Pracht & Wildwuchs

Das 1878 gegründete Textilmuseum St. Gallen beherbergt eine der bedeutendsten Sammlungen der Schweiz. Textilien aus aller Welt und vielen Jahrhunderten, Musterbücher, Entwurfszeichnungen, Fotografien und andere Archivalien illustrieren die wechselvolle Geschichte der Schweizer Textilindustrie zwischen regionaler Verbundenheit und internationalen Verflechtungen. Ausstellungen und Publikationen informieren zu historischen und aktuellen Entwicklungen, ergänzend werden Führungen, Museumsgespräche und andere Veranstaltungen angeboten. Eine besondere Attraktion stellt die Handstickmaschine aus der Zeit um 1890 dar, die jeweils am Donnerstag und Freitag von 12 bis 17 in Betrieb genommen wird. Adresse Textilmuseum St. Gallen Vadianstrasse 2 CH-9000 St.Gallen +41 (0)71 222 17 44 www.textilmuseum.ch info@textilmuseum.ch Öffnungszeiten Täglich von 10 – 17 Uhr

Eintrittspreise Erwachsene CHF 12 Senioren / ermässigter Eintritt CHF 10 Gruppen ab 10 Personen CHF 9 / Person Lehrlinge, Studenten (bis 26 Jahre) CHF 5 Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre sowie Inhaber der Raiffeisen Membercard, des

Noch bis Ende 2014 zeigt das Textilmuseum St.Gallen die Ausstellung «Kirschblüte & Edelweiss. Der Import des Exotischen», die sich dem spannenden und spannungsreichen Aufeinandertreffen von Schweizer und asiatischer Textiltradition widmet. Die Schau «s’isch – s’isch nöd», die sich mit dem St.Galler Kinderfest und seiner Bedeutung für die Textilstadt befasst, stellt die weltbekannte Broderie Anglaise in den Mittelpunkt. Bunt wuchert es danach in der Ausstellung «Wildwuchs», die die Zusammenhänge zwischen Landschaftsarchitektur und Textildesign untersucht und sich mit der Darstellung von Pflanzen auf europäischen Textilien seit dem Mittelalter auseinandersetzt.

Schweizer Museumspass und Schweizer Werkbunds haben freien Eintritt Öffentliche Führungen Öffentliche Führungen werden einmal im Monat jeweils am Sonntag um 11 Uhr angeboten. Die Termine entnehmen Sie bitte unserer Website.

Gruppenführungen Führungen (60 min) für Gruppen bis zu 25 Personen ab 120 CHF (zzgl. Eintritt) Buchung und Information: +41 (0)71 222 17 44, info@textilmuseum.ch

Handstickmaschine Vorführungen jeweils am Donnerstag- und Freitagnachmittag von 12 bis 17 Uhr sowie an einem Wochenende im Monat. Die Termine entnehmen Sie bitte unserer Website.

Die Ausstellung «Traum & Realisation» gibt einen Einblick in die facettenreiche Textilproduktion der Ostschweiz vom 16. Jahrhundert bis heute. Vom „weissen Gold“ Leinen spannt sich der Bogen bis zu Hightech Textilien der neuesten Generation. Feinbestickt, bunt bedruckt oder täuschend unscheinbar präsentieren sich die Produkte der Ostschweizer Textilindustrie, die die Geschicke der Region über viele Jahrhunderte massgeblich bestimmte. In vier Themengruppen setzt sich die Ausstellung mit ausgewählten Aspekten der Textilproduktion quer durch die Zeiten auseinander. „Weben und drucken“, „sticken und mechanisieren“, „entwerfen und kreieren“ sowie „erfinden und tüfteln“ greifen jeweils wichtige Fragen auf.

«Wildwuchs» Ausstellung vom 26.August 2015 bis 17. Januar 2016 Es herrscht Wildwuchs in der textilen Welt. Florale Ornamente wuchern auf Stoffen jeglicher Couleur, aller Regionen, Zeiten und Kulturen. Rosen, Tulpen und anderes Gewächs rankt – gestickt, geklöppelt, gewebt – auf Spitze, Samt und Seide. In Zusammenarbeit mit dem Institut für Geschichte und Theorie der Landschaftsarchitektur GTLA in Rapperswil unternimmt das Textilmuseum St. Gallen den Versuch, dem Wildwuchs Einhalt zu gebieten, das textile Treiben zu ordnen. Es macht die Ausstellung zum Garten, die Vitrine zur Rabatte. Die Ausstellung «Wildwuchs» widmet sich den facettenreichen Erscheinungsformen floraler Motive auf europäischen Textilien aus fünf Jahrhunderten und setzt sich mit den Zusammenhängen zwischen Gartengestaltung und Textildesign auseinander. Die Schau entwickelt sich entlang historischer Gartentypen und den Pflanzen, die zu der Zeit in Mode waren : angefangen beim mittelalterlichen Paradiesgarten über den streng gegliederten Renaissancegarten, die barocken Parterres de Broderie, den Landschaftsgärten bis zu den Gärten des 20. Jahrhunderts. Gegenübergestellt werden den Gartenplänen Textilien aus den Beständen des Textilmuseums, Kleider zeitgenössischer Modedesigner sowie historische Kostüme aus einer Schweizer Privatsammlung.


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St. Gallen | Rorschach  |  23

Forum Würth Rorschach

Mit der Eröffnung des Forum Würth Rorschach nach Entwürfen des Zürcher Architekturbüros Gigon/Guyer, hat die 15. museale Spielstätte der Sammlung Würth ihre Arbeit aufgenommen. In direkter Seelage am Bodensee-Radweg entstand hier der dritte Schweizer „Standort“, an dem das Unternehmen Würth seine Unternehmenskultur in Qualität und Gestaltung weithin sichtbar manifestiert. © Thies Wachter

Kunst der Aussenseiter im Forum Würth Rorschach Werke aus der Sammlung John und Sammlung Würth im Dialog | bis 22.2.2015 Seit Jahren engagiert sich das Sammlerehepaar Carmen und Reinhold Würth für die gesellschaftliche Integration von geistig und körperlich behinderten Menschen. Bereits über 200 Arbeiten von besonderen Menschen mit Handicap haben bislang Eingang in die Sammlung Würth gefunden. Dieses ausserordentliche Engagement setzt sich fort, indem Würth den Ankauf der Ostschweizer ›Kunstsammlung Mina und Josef John‹ durch das Museum im Lagerhaus, St. Gallen, Stiftung für schweizerische Naive Kunst und Art Brut, unterstützt und mit dieser Ausstellung Werke aus beiden Sammlungen in einen Dialog stellt. Rund 50 Gemälde und Zeichnungen der Sammlung Würth begegnen 50 Plastiken und Objekten aus der Sammlung John und präsentieren das faszinierende Wirken und Gestalten von Aussenseiterkünstlern.

Adresse Forum Würth Rorschach Churerstrasse 10 9400 Rorschach Schweiz Tel. +41 71 225 10 70 Fax +41 71 225 10 99 rorschach@forum-wuerth.ch www.forum-wuerth.ch

Öffnungszeiten April–September: Täglich 10–18 Uhr Oktober–März: Di–So 11–17 Uhr Eintritt frei Audioguide CHF 8.–

Bis 15. Januar 2015 Die Eröffnungsausstellung „Première – Die Sammlung Würth in Rorschach“ vereint 100 Meisterwerke von Picasso bis Lichtenstein aus der Sammlung Würth

Vorankündigung Ab 26. Januar 2015 „Waldeslust. Bäume und Wald in Bildern und Skulpturen der Sammlung Würth“ Das Forum Würth im Würth Haus Rorschach setzt sich in seiner nächsten Ausstellung unter dem Titel „Waldeslust“ mit den vielfältigen kulturellen und künstlerischen Aspekten des Natur- und Waldbewusstseins auseinander. Mit rund 100 markanten künstlerischen Positionen zum Wald aus der Sammlung Würth folgt die Ausstellung den sich immer wieder neu erfindenden künstlerischen Behauptungen zum Mythos Wald.


24  |  Kunsttipps

Ed White | Space Walk

Bonn

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Schein und Sein, Andrea und Anita, München 2007 © Herlinde Koelbl © Max Oppenheimer (MOPP: Thomas Mann)

Lübeck

Oberhausen

OUTER SPACE – Faszination Weltraum

Augen auf! – Thomas Mann und die bildende Kunst

3.10.2014 – 22.2.2015

bis 6.1.2015

Seit Menschengedenken ist der Weltraum Sehnsuchtsort und Projektionsfläche der forschenden Neugier. Wie ist das Universum entstanden? Woher kommen wir? Gibt es intelligente Zivilisationen auf anderen Planeten? Diese Fragen beschäftigen Philosophen und Naturwissenschaftler, Schriftsteller, Filmemacher und Künstler, Spinner und Visionäre gleichermaßen. Stets hat ein intensiver Austausch zwischen Kultur und Wissenschaft stattgefunden, naturwissenschaftliche und technologische Erkenntnisse sind in künstlerische Produktionen eingeflossen, und umgekehrt haben visionäre Ideen und Entwürfe den Wissenschaften wichtige Impulse gegeben. In der Tradition der großen interdisziplinären Ausstellungen untersucht die umfangreiche Schau diese Schnittstellen in 12 assoziativ gestalteten Kapiteln und schlägt einen Bogen von Objekten aus der Raumfahrt, wissenschaftlichen Exponaten und Science-Fiction bis hin zu Positionen der Kunst aus Vergangenheit und Gegenwart. Eine Ausstellung der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland, Bonn, in Kooperation mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) Die Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft von Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel. Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland GmbH | Friedrich-Ebert-Allee 4l | D-53113 Bonn | Öffnungszeiten Di, Mi 10 - 21 Uhr, Do - So und feiertags 10 - 19 Uhr, Freitags für angemeldete Gruppen ab 9 Uhr geöffnet, 24. und 31.12. sowie Mo geschlossen | www.bundeskunsthalle.de

Was sieht der Schriftsteller, wenn er von seinem Schreibtisch aufblickt? Die Ausstellung gibt erstmals Einblicke in die Bildwelten Thomas Manns. „Augen auf!“ ist dabei im doppelten Sinne zu verstehen: Gemeint ist Thomas Mann, der sich der Kunst zunächst zurückhaltend, später immer selbstverständlicher nähert, und sogar ausdrücklich zu Fragen der bildenden Kunst Stellung bezieht. „Augen auf!“ ist aber auch ein Appell an den Ausstellungsbesucher, dem Blick Thomas Manns folgend die Kunst der Moderne losgelöst vom gängigen Schema der Avantgarde zu betrachten. Die Präsentation im Behnhaus widmet sich der bildenden Kunst, gesehen mit den Augen Thomas Manns. Der Ausstellungsteil im Buddenbrookhaus nimmt die Illustrationen zu Texten Thomas Manns zum Ausgangspunkt. Hier eröffnet der Blick der Bildkünstler auf die Literatur neue Interpretationsspielräume. Historischen Positionen werden dabei neue Arbeiten an die Seite gestellt, die im Rahmen eines von der Hans-Meid-Stiftung geförderten Illustrationswettbewerbs von Studierenden der HAW Hamburg, Department Design, entstanden. Kulturstiftung Hansestadt Lübeck | die LÜBECKER MUSEEN | Museum Behnhaus Drägerhaus, Königstraße 9-11, 23552 Lübeck | Öffnungszeiten Di - So 10 – 18 und Buddenbrookhaus | Mengstraße 4, 23552 Lübeck | Öffnungszeiten Mo - So 10 - 18 | www.die-luebeckermuseen.de

Edgar Degas | Ballettklasse, um 1880 | © Privatsammlung Schweiz

© Altbau und Spitze am Abend Foto: Christian Richters

© Van Gogh Museum

Karlsruhe

Münster

Holland

DEGAS – Klassik und Experiment

Eröffnung LWL-Museum für Kunst und Kultur

Van Gogh Jahr 2015

8.11.2014 – 1.2.2015 Die Staatliche Kunsthalle Karlsruhe zeigt zum Jahreswechsel die Ausstellung DEGAS. Klassik und Experiment – ein Höhepunkt, der in der Kunsthalle eine lange Reihe international beachteter Schauen zu französischer Kunst fortsetzt. Edgar Degas (18341917) zählt zu den herausragenden Künstlern der französischen Kunst des 19. Jahrhunderts. Vom 8. November bis 1. Februar 2015 präsentiert die Kunsthalle den Künstler in einer großen Einzelausstellung, die rund 130 Werke aus 50 Jahren seines Schaffens vereint. Ausgangspunkt sind sieben Arbeiten Degas’ aus der Karlsruher Sammlung. Ergänzt um hochrangige Leihgaben von internationalen Museen und Privatsammlungen aus den USA, aus Kanada und Europa ermöglichen sie einen profunden Einblick in das vielfältige Werk des Künstlers. Staatliche Kunsthalle Karlsruhe | Hans-Thoma-Straße 2-6 | 76133 Karlsruhe | Öffnungszeiten: Di – So und an Feiertagen 10 – 18 Uhr, Mo geschlossen | www.kunsthalle-karlsruhe.de

Nach fünfjähriger Bauzeit wurde 19. September das neue LWLMuseum für Kunst und Kultur in Münster eröffnet. Nach den Plänen von Staab Architekten Berlin entstand ein neues Haus für die Kunst, das mit 51 Ausstellungsräumen Werke aus 1.000 Jahren zeigt. Eine internationale Gruppenschau »Das nackte Leben Bacon, Freud, Hockney und andere. Malerei in London 1950–80« (8.11.2014 – 22.2.2015) eröffnet das neue Ausstellungsprogramm des LWL-Museums für Kunst und Kultur. Die Ausstellung widmet sich der figurativen Malerei in London mit Arbeiten von Francis Bacon, Lucian Freud, Frank Auerbach, Leon Kossoff, David Hockney und Richard Hamilton. Rund 100 Arbeiten von fünfzehn Künstlern zeigen in großem Umfang den künstlerischen Dialog auf, der in London ab den 1950er Jahren begonnen hatte und über drei Jahrzehnte andauern sollte. LWL-Museum für Kunst und Kultur | Domplatz 10, 48143 Münster | Öffnungszeiten Di – So und an feiertagen 10 – 18 Uhr, Mo geschlossen | www.lwl.org

Herlinde Koelbl – Das deutsche Wohnzimmer, Spuren der Macht, Haare und andere menschliche Dinge – Fotografien von 1980 bis heute 25.1. – 3.5.2015 In dieser umfangreichen Überblicksausstellung wird das Werk einer der wichtigsten deutschen Fotografinnen vorgestellt. Bereits mit ihrem ersten Buch „Das deutsche Wohnzimmer“, erschienen 1980, zeigt Herlinde Koelbl ihr tiefgehendes Interesse am Menschen und den Dingen und Räumen, die ihn umgeben. Es müsse weiter gehen als unter die Oberfläche. Und das Vordringen in die Tiefen des Menschen ist wohl das Geheimnis ihrer faszinierenden Fotografien. Die Ausstellung vereint Werke aus allen wichtigen Schaffensphasen, so zu den Themen Kinder, USA, Feiern/Feine Leute, Jüdische Porträts, Sexualität, Beziehungen, Behausungen, Schein und Sein, Schriftsteller, Uniformen oder ihrer zum Klassiker gewordenen Langzeitstudie Spuren der Macht.Noch bis zum 18. Januar 2015 zeigt die LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen die Ausstellung STREICH AUF STREICH – 150 Jahre deutschsprachige Comics seit Max und Moritz LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen | Konrad-Adenauer-Allee 46, 46049 Oberhausen | Öffnungszeiten Di – So 11 – 18 Uhr, Montag geschlossen, Ostermontag geöffnet | Eintritt EUR 8, ermäßigt EUR 4, Familien (zwei Erwachsene plus Kinder) EUR 12, Kombiticket mit dem Gasometer EUR 11 | www.ludwiggalerie.de

Die Stiftung Van Gogh Europe Foundation - ein Zusammenschluss von rund 30 europäischen Institutionen, der sich aktiv für die Erhaltung des Erbes von Van Gogh in den Niederlanden, Belgien, Frankreich und England einsetzt - ehrt das Andenken des niederländischen Malers und stellt das Jahr 2015 unter das Motto: Van Gogh, 125 Jahre Inspiration. Das Kröller Müller Museum, Van Gogh Brabant, das Van Gogh Museum und Mons 2015, die europäische Kulturhauptstadt des kommenden Jahres, werden dieses Ereignis mit einer Vielzahl von Veranstaltungen und Ausstellungen begehen. Mit Amsterdam Marketing hat Amsterdam zudem einen optimalen Vertreter, der die Feierlichkeiten zum Gedenkjahr von Van Gogh mit verschiedenen Aktionen steuert und die örtlichen Museen unterstützt. www.vangoghmuseum.com


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Zürich  |  25

Egon Schiele | Selbstbildnis mit Lampionfrüchten, 1912 | Öl und Deckfarbe auf Holz, 32,2 x 39,8 cm | Leopold Museum, Wien

Jenny Saville | Rosetta II, 2005/06 | Öl auf Aquarellpapier, auf Holz aufgezogen, 252 x 187,5 cm | Privatsammlung, © 2014 ProLitteris, Zürich

Zürich

Egon Schiele – Jenny Saville 10.10.2014 – 25.1.2015 Als erstes Museum zeigt das Kunsthaus Zürich das Werk Egon Schieles (1890–1918) zusammen mit Arbeiten der zeitgenössischen britischen Malerin Jenny Saville (*1970). In der zeitlichen Distanz von einem Jahrhundert entfaltet sich ein spannungsvoller Dialog zwischen zwei malerischen Positionen, die sich intensiv mit der Körperlichkeit befassen. Die Ausstellung umfasst über 100 Gemälde und Zeichnungen. Wurde in früheren Ausstellungen Egon Schiele zumeist im historischen Kontext gezeigt, geht es hier um die Annäherung an und die Abgrenzung gegenüber einer zeitgenössischen Position. Schieles Werk gibt eine lose chronologische Abfolge vor. Savilles Gemälde treten vereinzelt, manchmal in kleineren Werk- oder Motivgruppen hinzu. Die Autonomie beider Positionen bleibt jedoch sichtbar. Mit einer grosszügigen Hängung der extrem unterschiedlichen Formate und dem Verzicht auf das Arrangement expliziter Bildpaare, fordert Kurator Oliver Wick die Wahrnehmung des Betrachters.

Jenny Saville | Fulcrum, 1998/99 | Öl auf Leinwand, 261,6 x 487,7 cm | Collection of Larry Gagosian, © 2014 ProLitteris, Zürich Egon Schiele | Bildnis Wally Neuzil, 1912 | Öl auf Holz, 32 x 39,8 cm | Leopold Museum, Wien

»Verkörperlichung« der Malerei Dem Besucher springt die ungeschönte Körperlichkeit ins Auge, die künstlerisch derart explizit ausgeleuchtet wird, dass sich beim Betrachten nicht selten ein Gefühl von Scheu, manchmal auch regelrechter physischer Befangenheit einstellt. Oftmals wird die übersteigerte Leiblichkeit, bei Saville üppiges Fleisch, bei Schiele hagere Versehrtheit, mit der Erfahrung des eigenen Körpers und in Kombination mit dem Selbstbild zum Ausdruck gebracht. Schiele kehrt in seinem knapp ein Jahrzehnt umfassenden Werk immer wieder zum Selbstund Aktselbstbildnis zurück. Auch Saville, deren Gemälde bisher fast immer den weiblichen Körper zum Thema haben, arbeitet mit Modellen und dem eigenen Körper. Ihr Schaffens­ prozess bedient sich aber einer übertragenen Form. Sie malt nicht live vor einem Modell, sondern nach zuvor gemachten Fotografien, die zusammen mit vielen anderen Bildquellen den Ausgangspunkt bilden. Diese Inszenierung des Körperlichen, bei Schiele durch Pose und Mimik noch gesteigert, zeichnet sich bei beiden Künstlern durch extrem gewählte Blickwinkel, meist eine pointierte Untersicht, und eine gewollte »Ortlosigkeit« aus. Demonstrativ werden Sehkonventionen hinterfragt. Die Darstellung von Leiblichkeit und Geschlecht erfolgt in ungeschönter Direktheit. Trotz des expressiven Eindrucks ist es keine spontane Selbstentäusserung, sondern minutiös geplante Malerei, die sich bei Schiele in einer gezielten Ansprache des Betrachters äussert, die durch Blickinszenierung und übersteigerte Selbstdarstellung erreicht wird. Saville bedient sich ähnlich appellativer Strategien, im Unterschied zu Schiele vor allem auch des Grossformats, mit dem der Betrachter überwältigt wird. Ihr geht es um eine Malerei, in der sich die Farbe wie das Fleisch verhält und das Gefühl des Körperlichen in Materialität und Taktilität übersetzt wird – eine «Verkörperlichung» der Malerei. Obwohl auch Schiele eine präzis durchmodellierte, geradezu plastisch aufgebaute Farbgebung anwendet, bleiben es bei ihm doch die Linie und die Kontur, die sein Bilddenken leiten. Gemeinsam ist den Bildern Schieles und Savilles, dass sie sich durch eine hermetische Abgeschlossenheit auszeichnen, die narrativen Inhalt vermeidet und so die Unausweichlichkeit des Körperlichen selbst betont.

Berühmte Meisterwerke und eine neue Arbeit Jenny Savilles Gemälde sind als Prozess zu begreifen, der das Medium Malerei an seine Grenzen treibt und deren vielschichtige Quellen in Reaktion auf das Malen immer wieder umgeformt werden. Somit fangen sie den Zustand eines Werdenden ein, der über das Menschliche hinaus Malerei an sich abbildet. Für die Ausstellung im Kunsthaus schafft die Absolventin der Glasgow School of Art, die nach einer Einzelausstellung in der Saatchi Gallery 1994 den internationalen Durchbruch erlangte, ein neues Werk. Insgesamt werden 17 ihrer Gemälde und

einige grossformatige Studies, die sich mit Textur und Materialität befassen, neben Schiele Platz finden. Dessen 37 Gemälde und 40 Arbeiten auf Papier entfalten im kleinen Format eine Wirkung, die Savilles Grossformaten in nichts nachsteht. In ausgewählten Themengruppen lassen sie eine künstlerische Intensität zu Tage treten, die vor dem Extremen nicht zurückschreckt.

Selten ausgeliehene Werke Für die Ausstellung konnten selten verliehene Leihgaben gewonnen werden. Das Leopold Museum in Wien hat ausnahmsweise der Ausleihe des Bildpaares «Selbstbildnis mit Lampionfrüchten» und dem zugehörigen «Bildnis Wally Neuzil» – Schieles langjähriger Lebensgefährtin – zugestimmt. Und dem ausserordentlichen Entgegenkommen des Belvedere, Wien, ist es zu verdanken, dass Schieles Hauptwerk «Tod und Mädchen» erstmals seit über 25 Jahren ins Ausland reisen darf. Die Werke Savilles stammen aus Privatsammlungen in Europa und den USA.

Schiele und Zürich Erstmals werden anhand von Dokumenten aus dem Museumsarchiv die engen Bezugspunkte von Egon Schiele zum Kunsthaus Zürich beleuchtet. Der damalige Direktor Wilhelm Wartmann versuchte 1915, mitten im Ersten Weltkrieg, eine Einzelausstellung zu organisieren, die die erste grosse Museumsausstellung für Schiele geworden wäre. Schiele trat damals als Künstler-Kurator in Erscheinung, der sich mit grossem Engagement für die junge Kunst seiner Zeit einsetzte, für das «Extremste», und getragen war vom Gedanken »Menschen sehend zu machen.« Seine erhaltenen Briefe und weiteres Quellenmaterial erlauben der Forschung bisher unbekannte Aufschlüsse.

ADRESSE Kunsthaus Zürich Heimplatz 1 CH–8001 Zürich www.kunsthaus.ch ÖFFNUNGSZEITEN Fr – So, Di 10 – 18 Uhr Do 10 – 20 Uhr Mo geschlossen Feiertage siehe www.kunsthaus.ch EINTRITTSPREISE Eintritt inkl. Audioguide d/e/f Normalpreis CHF 22 Ermäßigt und Gruppen ab 20 Personen CHF 17 Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre gratis. ÖFFENTLICHE FÜHRUNGEN Mi 18 Uhr, Fr 15 Uhr, So 11 Uhr

Private FÜHRUNGEN Private Führungen (auch in Fremdsprachen) organisieren wir gerne auf Anfrage Tel +41 (0)44 253 84 84 (Mo–Fr 9–12 Uhr). VORVERKAUF SBB RailAway-Kombi: Ermässigung auf Anreise und Eintritt am Bahnhof oder beim Rail Service 0900 300 300 (CHF 1.19/Min. ab Festnetz), www.sbb.ch/ kunsthaus-zuerich. Zürich Tourismus: Hotelzimmer-Buchung und Ticketverkauf. Tourist Service im Hauptbahnhof, Tel. +41 44 215 40 00, hotel@zuerich.com, www.zuerich. com. Magasins Fnac: Verkaufsstellen CH: Rive, Balexert, Lausanne, Fribourg, Pathé Kino Basel, www.fnac.ch; F: Carrefour, Géant, Magasins U, 0 892 68 36 22 (0.34 €/ min), www.fnac.com; BE: www.fnac.be.


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FC BAYERN ERLEBNISWELT Ob Klub-Legenden oder frisch gebackene Weltmeister: Die Stars des FC Bayern sind weltweit bekannt – und in der FC Bayern Erlebniswelt zu Hause. Deutschlands größtes Vereinsmuseum in der Allianz Arena ist ein Stück bedeutende Sport- und Kulturgeschichte, in der die Vermittlung der Werte und Traditionen des Klubs im Mittelpunkt steht. Jedes Stadion, jedes Trikot, jeder Triumph des FC Bayern seit der Gründung im Jahr 1900 sind auf über 3.000 qm eindrucksvoll dokumentiert und durch den von Fachjurys ausgezeichneten Einsatz von Medientechnik und interaktiven Elementen bewegend dargestellt. Emotion und Information – eine Mischung, die kleine wie große Gäste begeistert. GEWINNEN Sie 2 Tickets: Unter allen Einsendungen, Stichwort „Artmapp“, an pr@fcb-erlebniswelt.de verlost die FC Bayern Erlebniswelt 10 x 2 Tickets. www.fcb-erlebniswelt.de

KUNST / MUSEEN Haus der Kunst Das Haus der Kunst ist ein öffentliches Museum ohne eigene Sammlung und ein weltweit führendes Zentrum für zeitgenössische Kunst. Es ist der Untersuchung der Ge- © Fassade Haus der Kunst, 2012 Foto: Maximilian Geuter schichte und der Geschichten der zeitgenössischen Kunst verpflichtet; im Mittelpunkt stehen Ausstellungen, Recherche und Wissensvermittlung. Durch sein Programm unterstreicht das Haus der Kunst, dass die Entwicklungslinien der zeitgenössischen Kunst global und vielschichtig verlaufen und nicht durch geografische, konzeptuelle und kulturelle Grenzen einzuschränken sind. www.hausderkunst.de

Über das Leben und die Kultur

Kulturstadt München München ist schön und seine Schönheit macht einfach gute Laune. Das ganze Jahr über beglückt die Stadt ihre Fans und solche, die es werden wollen mit Blitzlichtern der Lebensfreude: Das Gold des Friedensengels gegen den blauen Himmel, das friedliche Völkchen Sonnenanbeter auf den Stufen der Glyptothek am Königsplatz, die 50 Farben „Grün“ im Englischen Garten, der Surfer mit Brett und nassen Haaren neben dem Businessman im Fokus der rasch gezückten Kamera, der Tourist tête a tête mit dem Original Blauen Pferd vom Blauen Reiter im Lenbachhaus, oder die Eisläufer bei Sonnenuntergang vor Schloss Nymphenburg. Manchmal liegt München auch am Meer: Einem Meer aus roten Schals und Trikots auf dem Marienplatz, immer dann, wenn der FC-Bayern einen weiteren Pokal abräumt. Die sinnenfreudige Metropole bedient die Lust auf sehen, hören, staunen und erleben mit einem überwältigenden Angebot. Schritt, Trab oder Galopp, der Gast gibt das Tempo vor, in dem er sich die Stadt erobern will. Die Wittelsbacher, die geschichtsträchtige Familie mit Märchenkönig Ludwig II. in ihrer adeligen Ahnenreihe, haben in über 700 Jahren leidenschaftlichen Einsatzes für die Kultur den Grundstein für das einzigartige Zusammenspiel von Musik, Theater und Museen gelegt. Heute ist der Musikliebhaber König in einem der renommiertesten Opernhäuser der Welt und bei den Konzerten von Orchestern der Spitzenklasse. Das Herz der Weltstadt schlägt zu den Werken der Klassik genauso wie zu den Rhythmen von Rock und Pop, Techno, Indie oder Alpenrock. Auf ihren Bühnen werden Gegenwartsstoffe

so packend in Szene gesetzt, dass die nationale und internationale Theaterkritik ins Schwärmen gerät. Beim Blick auf die Hauptwerke in den Kunstmuseen im Kunstareal der Münchner Maxvorstadt, spannt sich der Bogen beeindruckend über mehrere Jahrtausende von der Doppelstatue des Königs Niuserre in der Staatssammlung Ägyptischer Kunst bis hin zu Beuys‘ Arbeiten in der Pinakothek der Moderne und im Lenbachhaus. In München zuhause ist insbesondere auch eine junge und kreative Künstlerund Wissenschaftsszene. Das Zusammenwirken der Museen, der Hochschule für Fernsehen und Film, der Akademie der Bildenden Künste München, der Technischen Universität und der Ludwig Maximilians Universität (LMU),die in Rankings immer wieder Spitzenplätze belegt, trägt wesentlich zu einem innovativen und kreativen Umfeld bei. Und weil viele international renommierte Gestaltungskünstler so gerne in München leben und arbeiten, gilt München nicht zuletzt auch als Designhauptstadt Deutschlands. Allen München-Fans gemeinsam ist die Liebe zur Entspanntheit, mit der es in der Isarmetropole von Kulturgenuss zu Genusskultur geht: Nach der Oper hinüber ins Hofbräuhaus oder von einer Ausstellung im Haus der Kunst zu den benachbarten Riversurfern im Englischen Garten. Münchens lebendiges Bar- und Nachtleben spielt sich mitten im Zentrum und in den angrenzenden szenigen Stadtteilen ab . Überhaupt feiern die Münchner gern mit ihren Gästen aus aller Welt. Miteinander ins Gespräch kommt man bei den zahlreichen Festivals und Volksfesten wie den Dulten,

Die Pinakotheken

dem Frühlingsfest, den beiden Tollwood Festivals, dem Oktoberfest und am Jahresende auf dem Münchner Christkindlmarkt, wo Einheimische wie Besucher bei Glühwein und Lebkuchen ein weihnachtliches Gefühl der Verbundenheit erleben. Eine feste Münchner Institution zwischen Himmel und Erde ist der Biergarten: Hier unter dem Blätterdach der Kastanien kommt jeder Besucher nicht nur in deren Blütezeit in den Genuss der schönsten Klischees über die Stadt: Brezen, Bier und echte Gemütlichkeit, das Staunen, dass hier wirklich jeder mit jedem redet. Über Gott und die Welt und über das, was man in der Stadt auf keinen Fall verpassen darf und auch über das, was einem blühen kann, wenn man nicht ständig auf sein Geld aufpasst: Ein gepflegter Kaufrausch, die Jagd nach Edeldirndl und Hirschlederner oder nach Schnäppchen bei den zahlreichen Outdoor Ausrüstern, die eine große Affinität der Münchner zum Sport und die Nähe zu den Alpen erahnen lassen. Neben allen bekannten Kaufhäusern und internationalen Ketten sind auch Flagship-Vorzeigestores von Abercrombie & Fitch, Apple und Armani bis Gucci und Louis Vuitton in Münchens Shopping Malls vor Anker gegangen. Nicht weit davon rauscht die Isar, der renaturierte Gebirgsfluss, der quer durch die Stadt fließt, gesäumt von Grünanlagen und Fahrradwegen zur Naherholung mitten in der Großstadt.

Seit 1836 ist die Münchner Maxvorstadt eine Topadresse für Kunstliebhaber. Damals wurde die Alte Pinakothek erbaut. Sie zeigt heute Bestände Archive No.: 190 © Photographer: der Bayerischen Staatsgemäl- Robert Hertz, Neue Pinakothek desammlungen vom Mittelalter bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts. Die historische Epochenfolge setzen die Neue Pinakothek und die Pinakothek der Moderne fort: Die Neue Pinakothek präsentiert Werke des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts. Die Pinakothek der Moderne ist in der klassischen Moderne und der Gegenwartskunst verhaftet. Zusammen mit dem Museum Brandhorst und einigen weiteren Museen der Maxvorstadt bilden sie das Kunstareal München. www.pinakothek.de

Pinakothek der Moderne Mit vier bedeutenden Museen unter einem Dach ist die Pinakothek der Moderne eines der weltweit größten Häuser für Kunst Architektur und Design des 20. und 21. Jahrhunderts. Die Architektur des großzügigen Gebäudes mit der gläsernen Rotunde lädt ein, Zusammenhänge zu entdecken und neue, überraschende Einblicke zu gewinnen. www.pinakothek.de

Museum Mensch und Natur Naturkunde als Erlebnis…..lautet das Motto unseres Hauses, das Menschen aller Altersstufen und Bildungsgrade lebendige Wissensvermittlung und nachhaltige Erlebnisse bietet. Eindrucksvolle Dioramen, authentische Naturprojekte, naturgetreue Nachbildungen, interaktive Exponate erlauben spannende Einblicke in die Geschichte unserer Erde und des Lebens. www.mmn-muenchen.de

Lenbachhaus Das Lenbachhaus ist berühmt für die weltweit größte Sammlung zur Kunst des „Blauen Reiter“ von Franz Marc, Wassily Kandinsky, August Macke, Paul Klee oder Gabriele Münter. Die städtische Galerie, zu der auch der Kunstbau im U-Bahnhof Königsplatz gehört, zeigt Münchner Malereien des 19. Jahrhunderts und aktuelle Wechselausstellungen. www.lenbachhaus.de


EINE KÜNSTLERFREUNDSCHAFT 28 JAN BIS 03 MAI 2015 IM KUNSTBAU DI BIS SO 10 BIS 21 UHR

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München

Georg Baselitz – Damals, dazwischen und heute 19.09.2014 – 01.02.2015 1969 malte Georg Baselitz (*1938) „Der Wald auf dem Kopf“. Das Werk markiert den Beginn seiner Motivumkehrung – Ergebnis seiner Suche nach einer Alternative zu dem ideologisch aufgeladenen Widerstreit zwischen Realismus und Abstraktion. Das neue Bildkonzept blieb bis heute seine unverkennbare Handschrift und brachte ihm auch internationale Bekanntheit. Die deutsche Kunstszene war bereits seit einer zum Skandal avancierten Ausstellung in der Galerie Werner & Katz in Berlin im Jahr 1963 auf den jungen Maler aufmerksam geworden. Die damals ausgestellten Werke wie „Die große Nacht im Eimer“ trafen in der deutschen Gesellschaft der frühen 1960er Jahre auf wenig Verständnis. In den folgenden Jahren entstanden die sogenannten Helden-Bilder, die sich mit der Nachkriegsgeneration auseinandersetzen – es sind kaputte Helden, die vor dem Hintergrund einer zerstörten Umwelt gezeigt werden. In gewisser Hinsicht sind es auch Selbstbildnisse des modernen Künstlers. Einige Gemälde aus den Jahren 1965 bis 1977 lassen bereits zentrale Gegenstände erkennen, die in Baselitz‘ weiterer Laufbahn eine fundamentale Rolle spielten, und auf die er immer wieder zurückkam. „Die großen Freunde“ von 1965 gewinnen innerhalb von Baselitz‘ Gesamtwerk eine ikonische Bedeutung; „Porträt Elke I“ von 1969 ist das erste Bildnis seiner Frau, während „Schlafzimmer“ (1975) das Ehepaar in einem intimen Augenblick nackt zeigt. In „Fingermalerei-Adler“ taucht 1972 das Adlermotiv zum ersten Mal auf. Baselitz‘ Vorliebe für dieses Motiv ist immer bestehen geblieben und prägt noch seine jüngsten Werke. Die Wiederaufnahme und kritische Reflexion des eigenen Werks ist ein prägendes Merkmal seiner Arbeit. Bestimmte Motive kehren in Baselitz’ künstlerischer Entwicklung immer wieder. Im vergangenen Jahrzehnt nimmt die Neu-Interpretation programmatischer Werke vor einem veränderten Zeithintergrund – der Maler ist 76 Jahre alt – einen breiten Raum ein. So griff er seit 2005 Gemälde wie „Die großen Freunde“ oder „Ein neuer Typ“ in der Remix-Serie wieder auf. Darin eignet er sich das Motiv in eiADRESSE Haus der Kunst Prinzregentenstraße 1 80538 München +49 89 21127 113 +49 89 21127 157 Fax mail@hausderkunst.de ÖFFNUNGSZEITEN Mo – So 10 – 20 Uhr Do 10 – 22 Uhr Sammlung Goetz im Haus der Kunst Do 10 – 22 Uhr Fr – So 10 – 20 Uhr

Der Öffentlichkeit – Von den Freunden Haus der Kunst: Anri Sala – The Present Moment Für die dritte Ausgabe der jährlichen Auftragsarbeit „Der Öffentlichkeit – Von den Freunden Haus der Kunst“ hat Anri Sala (geb. 1974) eine Sound- und Videoinstallation erarbeitet. Mit ihr vertieft er seine Erkundungen der Beziehung von Architektur und Musik. Das kammermusikalische Werk „Verklärte Nacht“ von Arnold Schönberg in seiner originalen Streichsextett-Fassung (op. 4, entstanden 1899) bildet den Ausgangspunkt von „The Present Moment“. Die Installation erschließt sich beim Durchschreiten verschiedener musi- Anri Sala | Aus der Serie: Manifestations of motion and affect, 2014 kalischer Ebenen im Raum. Am Bleistift und Radiergummi auf Beginn empfängt den Besucher Papier | © Anri Sala die Aufnahme von einem Streicherensemble, das die originale Schönberg-Partitur aufführt. Jede Tonspur der sechs beteiligten Instrumente wird über einen eigenen Lautsprecher abgespielt. Diese Streichsextettfassung wird im Raum um weitere Tonspuren ergänzt, für die Anri Sala eine Modulation der Einzelstimmen einführt: Die in der „Verklärten Nacht“ gespielten Töne wandern über vier Lautsprecher durch den Raum nach hinten. Am Ende des Raums bleiben die Töne – in dauernder Wiederholung – als Ansammlung stehen. Sie verdichten sich zu einem akustischen Gedächtnis des gesamten Stückes. Mit „The Present Moment“ untersucht Anri Sala die Vorstellung des gegenwärtigen Augenblicks in einer Kunstform, die flüchtig und vergänglich ist. Was bedeutet es, sich das „Jetzt“ in Musik vorzustellen? Kann ein Klangerlebnis eine Erfahrung von Gegenwärtigkeit ermöglichen? In Zusammenarbeit mit dem Münchener Kammerorchester und Alexander Liebreich. | 18.10.2014 – 20.9.2015

Victor Man – Zephir

Georg Baselitz | Vorwärts im Mai, 2012 | Öl auf Leinwand | Privatsammlung | © Georg Baselitz, 2014 | Foto: Jochen Littkemann

nem völlig veränderten formalen Zugriff an, der die signifikanten Merkmale der ursprünglichen Fassungen konterkariert. Der einstigen Wirkung des kraftvollen Duktus sowie der gesättigten opaken Farbmaterie steht die luzide Transparenz eines Farbdrippings gegenüber. Die Spontaneität und Entspanntheit dieser Arbeiten erlaubten Baselitz eine unprätentiöse Revision seines malerischen Vokabulars und seiner eigenen Geschichte. In den „Schwarzen Bildern“, die zusammen mit den zeitgleich entstandenen Bronzeskulpturen den Kern der Ausstellung im Haus der Kunst bilden, hat Baselitz seine Bildsprache weiter radikalisiert: Ziel ist die Eliminierung jedes sichtbaren Kontrasts. Dabei erlangt er eine nahezu schlafwandlerische Meisterschaft über sein Material. Sein fließender, kreisender

EINTRITTSPREISE Tagesticket Normalpreis EUR 12 Ermäßigt EUR 10 Schüler und Jugendliche unter 18 Jahren EUR 5 Kinder unter 12 Jahren frei Gruppenführungen | 1 Ausstellung EUR 8 Jahreskarte EUR 50 | EUR 90 als Partnerkarte VERANSTALTUNGEN Dienstag 11.11.14, 18.30 Uhr Künstlerführung | Tilo Schulz führt durch die Georg Baselitz Ausstellung

Pinselstrich übt einen Magnetismus aus, in dessen Kraftfeld das Motiv völlig mit dem Hintergrund verschmilzt. Obwohl in lichtschluckende Dunkelheit gehüllt, sind die Gemälde keinesfalls farblos. Das vertraute Bild des fliegenden Adlers ist in einer Klangfülle aus dunklen Farbtönen von Blau, Braun und Grau bis hin zu Schwarz erkennbar. Die ausnahmslos schwarz patinierten Skulpturen erscheinen genauso ‚verdunkelt‘ wie die „Schwarzen Bilder“. Gegenständliche Motive aus den Gemälden kehren auch hier wieder und stellen kunsthistorische und biografische Bezüge her. Die jüngste Bronzeskulptur, „Zero Ende“ (2014), verbindet zwei Totenschädel zu einer Art Hantel, die von sieben Ringen umgeben ist: ein Symbol für die Verbindung zweier Lebenswege.

Donnerstag, 27.11.14, 19 Uhr Künstlergespräch | Georg Baselitz im Gespräch mit Sir Norman Rosenthal; moderiert von Ulrich Wilmes

Kunst Cocktail Do 13.11., 11.12., 19.30 Uhr Information & Buchung +49 89 21127 113 | fuehrungen@hausderkunst.de

FÜHRUNGEN Öffentliche Führungen in deutscher Sprache: Do 19 Uhr, So 16.30 Uhr Öffentliche Führungen in englischer Sprache: Fr im Wechsel 18.30 Uhr Kunst nach Feierabend: Do 25.9., 30.10., 15.1., 18.30 Uhr

KINDERPROGRAMM Für junge Besucher bietet das Haus der Kunst ein umfangreiches Kinder- und Jugendprogramm. Alle Angebote, auch für den Termin Ihrer Wahl, finden Sie auf unserer Webseite. Information & Anmeldung +49 89 21127 118 | kinderprogramm@hausderkunst.de

KATALOG Georg Baselitz – Damals, dazwischen und heute, hrsg. v. Ulrich Wilmes, Prestel, München 2014. 224 Seiten, 24,0 x 30,0 cm, 146 farbige Abbildungen, 7 s/w Abbildungen | ISBN 978-37913-5401-9 EUR 49,95 (D) / 51,40 (A) / CHF 66,90

In den Bildern von Victor Man herrscht eine Finsternis aus Schwarz-, Grau- und Grüntönen, an die sich das Auge des Betrachters zunächst Installationsaufnahme | „Victor Man - Zephir“, gewöhnen muss. Erst Deutsche Bank KunstHalle | Foto: Mathias mit dieser Gewöh- Schormann | © Victor Man nung wird Orientierung möglich, werden die Bildinhalte und Konturen allmählich sichtbar. So haben die Bilder von Victor Man die Funktion einer Schwelle, eines Übergangs, den es zu durchqueren gilt. Der Raum, der sich beim Verweilen vor den Bildern öffnet, führt in eine Welt der mythischen Gestalten, sowie der Zwitterwesen auf dem Weg von Mensch zum Tier oder vom Tier zum Mensch. Das Figurenprogramm von Victor Man oszilliert zwischen den Polen Askese und Exzess, die Wesen, die seine Gemälde bewohnen, sind von niedersten Trieben oder höchstem spirituellen Streben geleitet. Die Dunkelheit, in die sie gehüllt sind, ermöglicht alle Stadien des Übergangs von einem inneren Zustand zum anderen. Victor Man erhielt 2014 die von der Deutschen Bank vergebene Auszeichnung „Künstler des Jahres“. 24.10.2014 – 11.1.2015

Kapsel-Ausstellungen Die sogenannten „Kapseln“ sind ein neues Ausstellungsformat am Haus der Kunst, das sich auf einen einzigen Ausstellungsraum konzentriert und die Entwicklungen unter jungen, international aufstrebenden Künstlern untersucht. Ziel dieser Serie Mohamed Bourouissa | Horse Day, 2014 | Film still von Kapsel- © Courtesy the artist and kamel mennour, Paris Ausstellungen ist, das Publikum für die Produktion eines neuen Werks zu interessieren, geschaffen von einem Künstler, der vor seinem künstlerischen Durchbruch und damit an einem bedeutenden Punkt seiner Laufbahn steht. Die Serie beginnt 2014 mit zwei Künstlern, die sich konzeptuell mit dem Narrativen, mit Zeit und Raum und der Erschaffung einer sozialen Identität beschäftigen: Tilo Schulz und Mohamed Bourouissa. 24.10.2014 – 11.1.2015


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gesucht, der uns einen unverstellten Blick auf die eigentlichen Konflikte der Geschichte ermöglicht. List, Täuschung, Schuld und Verrat prägen die Gesellschaft, die dem Untergang geweiht ist. Noch in ihrer Keimzelle, der Familie, ist sie von nichts anderem als Macht und Ausbeutung bestimmt. Unsere Gesellschaft ist auf den von Wagner beschworenen Untergang gefolgt.“

Götter, Liebe, Heldentum Kirill Petrenko dirigiert Wagners Ring des Nibelungen Richard Wagners Weltendrama Der Ring des Nibelungen, die „größte Herausforderung für jedes Opernhaus“ (Intendant Nikolaus Bachler), kehrt ab Februar 2015 zurück auf die Bühne der Bayerischen Staatsoper. Kirill Petrenko dirigiert alle 15 Ring-Abende, darunter drei komplette Zyklen. Somit ist er in seiner Funktion als Generalmusikdirektor erstmals mit Werken von Richard Wagner zu hören.

Thomas J. Mayer singt alle drei Wotan-Partien, Thomasz Konieczny ist Alberich und Elisabeth Kulman verkörpert Fricka. Als Brünnhilde sind zu erleben: Evelyn Herlitzius (Die Walküre), Catherine Naglestad (Siegfried) und Petra Lang (Götterdämmerung). Sein Münchner Debüt als Siegmund gibt Stuart Skelton, seine Sieglinde ist wie in der Premierenserie Anja Kampe. Stephen Gould singt beide Siegfried-Partien, in

Götterdämmerung sind darüber hinaus Alejandro Marco-Buhrmester (Gunther), Hans-Peter König (Hagen) und Anna Gabler (Gutrune) zu erleben. Im Vorfeld der Premiere im Jahr 2012 sagte Regisseur Andreas Kriegenburg: „Die Beschäftigung mit Wagners Ring ist so anmaßend wie das Werk selbst. Angesichts der umfangreichen Rezeptionsgeschichte haben wir einen Weg

Zur Geschichte: Im Rheingold, dem 1869 am Münchner Nationaltheater uraufgeführten Vorabend der Tetralogie, verstricken sich die Fäden, verliert das Wasser seinen Glanz und verdunkeln sich die Wolken. In der 1870 in München uraufgeführten Walküre, dem Ersten Tag des Ring des Nibelungen, scheitern die Pläne des Göttervaters, seine Verstrickungen zu lösen: Am Ende sind die Kinder ermordet oder bestraft und verbannt. Bleibt allen das Warten auf den Helden einer kommenden Zeit. Den trägt Sieglinde in sich, Samen ihres Bruders, irgendwo auf der Flucht durch den Wald. Felsenhöhle, Wald, Wildnis, Felsenhöhe: Der Zweite Tag des Werks, Siegfried, gehört der Natur. Doch die Gestalt des harmlosen, naturverbundenen Wanderers schützt den Göttervater nicht vor seinem Fluch. Es folgt die Götterdämmerung: Die Götter schauen tatenlos dem eigenen Untergang zu. Der Kampf um die Macht kommt unter die Menschen, die die Katastrophe überdauern und vielleicht einmal vom Ende her alles verstehen. Weitere Informationen finden Sie auf www.staatsoper.de

Das Rheingold Fr 20.02.15 / Fr 27.02.15 / Mi 11.03.15 / So 22.03.15 Nationaltheater Die Walküre Sa 28.02.15 / Fr 06.03.15 / Sa 14.03.15 / Mo 23.03.15 Nationaltheater Siegfried So 08.03.15 / Mo 16.03.15 / Do 26.03.15 Nationaltheater Götterdämmerung Fr 20.03.15 / So 29.03.15 Nationaltheater

25 Jahre Staatsballett Die BallettFestwoche 2015 – ein Tanzfest für alle Es geht gar nicht darum, dass man die Jahre zählt, die man alt oder jung ist, wenn man sich mit der eigenen Substanz des Repertoires und, seit 2013, mit dem befasst, was im Tanzland Deutschland wichtig war. Deutschland ist seit der Moderne ein lebendiges facettenreiches Tanzland, weil es seit Beginn des 20. Jahrhunderts Künstler aus der ganzen Welt anzieht, die hier Wesentliches schaffen. Vom Bauhaus bis zum Ausdruckstanz, von den Erneuerern des Handlungsballetts Cranko, Neumeier u.a., vom Tanztheater der Pina Bausch, Johann Kresnik, Reinhild Hoffmann oder Susanne Linke, von der Avantgarde eines Jirì Kylián, Mats Ek oder William Forsythe, einer Sasha Waltz und vielen Vertretern der Freien Tanzszene wie Raimund Hoghe oder NEUER TANZ bis zu den jungen Neoklassikern wie Martin Schläpfer oder Terence Kohler, sorgen Theater, Ensembles und weltweit renommierte Tanzfestivals flächendeckend von Norden nach Süden, von Westen nach Osten für einen regen Austausch der Künste und Künstler und für Kooperationen, internationale Vernetzung und Vermittlung von Tanz. Die BallettFestwoche 2015 und das Programm zu 25 Jahren Staatsballett zeigen Höhepunkte im Nationaltheater, im Prinzregententheater, in der Muffathalle; in Produktionen, Gastspielen, Kooperationen, Filmen und Gesprächen wird Tanz aus Deutschland und der Welt in München lebendig: Richard Siegal eröffnet die BallettFestwoche mit einem Uraufführungsabend, danach trifft

sich München zu einem großen Tanzfest für alle im Nationaltheater. Der gefeierte Düsseldorfer Ballettchef Martin Schläpfer gastiert zum ersten Mal mit seinem Ensemble im Nationaltheater, Alexei Ratmanskys Paquita wird in einer Starbesetzung gezeigt, der Kultabend Der Gelbe Klang mit Simon, Maliphant und Barton polarisiert womöglich noch einmal Buh- und Bravo-Rufer, das Bayerische Staatsballett II zeigt

neue Kreationen und John Neumeier erweist sich einmal mehr als großer Erzähler in Shakespeares Sommernachtstraum. Mary Wigmans Sacre und Oskar Schlemmers Triadisches Ballett schließen die Saison in einem großen Abend im Juni/Juli ab. Lassen Sie sich begeistern, lassen Sie sich hinreißen! Information / Tickets www.staatsballett.de

BallettFestwoche 2015 18.-26.04.15, Nationaltheater Untitled – Ballett von Richard Siegal: Sa 18.04.15 I So 19.04.15 Gastspiel Ballett am Rhein Martin Schläpfer: Di 21.04.15 I Mi 22.04.15 Matinee der Heinz-Bosl-Stiftung / Junior Company So 19.04.15 I So 26.04.15 Ein Sommernachtstraum: Fr 24.04.15 Paquita: Sa 25.04.15 I Les Ballets Russes So 26.04.15 Das Triadische Ballett / Le Sacre du printemps Fr 10.07.15 I Sa 11.07.15 I So 12.07.15 Prinzregententheater


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BILLIE | arttourist.com 2|2014

Jazzclub Unterfahrt und Einstein Kultur

Das Einstein Kultur Das Einstein Kultur steht für Theater, Musik, Wort und Bild und ist im Inbegriff, ein wichtiger urbaner Treffpunkt der Kunstsparten in München zu werden. Das vielfältige Programm bewegt sich zwischen Weltmusik und experimentellen elektronischen Konzerten, geht von Musik- über Improtheater zu Performance, bietet junge Lyrikabende und aktuelle Ausstellungsprojekte sowie ein kreatives Angebot für Kinder und Jugendliche. Die Gewölbehallen können ebenfalls für Privatevents, Firmenfeiern, Dreharbeiten oder Fotoshootings angemietet werden.

Ein Haus, zwei Institutionen und ein vielseitiges Kulturprogramm 1978 gegründet, nun also im 4. Jahrzehnt des Bestehens, gehört der Jazzclub Unterfahrt mittlerweile zu den anerkanntesten Spielstätten für zeitgenössischen Jazz weltweit. Nationale Auszeichnungen wie der ECHO JAZZ 2012, der Spielstättenprogrammpreis Jazz, Rock, Pop 2013 und 2014 des Bundes und der Musikpreis der Landeshauptstadt München 2012 belegen dies ebenso, wie die regelmäßige Würdigung durch das renommierte Jazzmagazin „DownBeat“, welches den Club seit vielen Jahren in ihrer Liste der „Great Clubs of the World“ führt.

Aber auch die nationale und lokale Jazzszene sowie der Jazznachwuchs findet hier ihr Forum. Wöchentliche Jam Sessions und regelmäßige Big Band Nights sind feste Programmschwerpunkte. Die Konzertabende werden abgerundet durch ein abwechslungsreiches kulinarisches Angebot der Clubgastronomie. Neben den musikalischen Highlights bietet der Club Raum für eine Galerie mit wechselnden Ausstellungen von Jazzphotographie über Malerei bis zu Linolschnitten und Plakaten.

Das Programm des Jazzclub Unterfahrt in München reicht von Swing bis Bebop, Mainstream bis Avantgarde. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf zeitgenössischem Jazz in all seinen Facetten. Auf der Bühne des atmosphärischen Clubs stehen internationale Künstler auf höchstem Niveau wie Dee Dee Bridgewater, Jack DeJohnette, Kurt Elling oder Joshua Redman. Die Unterfahrt präsentiert auch die große Bandbreite des europäischen Jazz mit Serien wie „The Norway of Jazz“, „Jazz mediterranée“ oder „European Jazz made in ...“. In dieser Serie präsentierte der Jazzclub bereits zahlreiche Jazznationen wie die Niederlande, die Schweiz, Italien, Ungarn, Polen, Norwegen….

Geführt wird der Jazzclub Unterfahrt durch die Vorstände des gemeinnützigen Trägervereins „Förderkreis für Jazz und Malerei München e.V. und ein Team von jazzbegeisterten Mitarbeitern.

Die Geschichte 1978 Gründung des Jazzclub Unterfahrt in einer Haidhauser Eckkneipe 1998 Umzug in die Räume der Einsteinstraße 42 2012 titelt die Süddeutsche Zeitung: „Jazzclub rettet Kulturzentrum“: Der Trägerverein des Jazzclub Unterfahrt und seine ehrenamtlichen Vorstände gründen die Einstein Betriebsgesellschaft UG (haftungsbeschränkt). Das Einstein Kultur ist geboren und die Gewölbehallen im Umfeld des Jazzclubs werden von nun an mit Theater, Lesungen, Konzerten und Ausstellungen belebt. Der Jazzclub Unterfahrt und das Einstein Kultur befinden sich in ehemaligen Bierkellern in der Einsteinstraße 42 mitten im beliebten Münchner Viertel Haidhausen. Infos und Karten unter www.unterfahrt.de sowie auf Facebook und Twitter

© Philipp Göllner

Programmhighlights im Einstein Kultur von Oktober bis Dezember 17.-19.10.2014, Vernissage am 16.10. um 20 Uhr UAMO-Festival Interdisziplinäres Kunstfestival unter dem Motto „PRETTY – UGLY“.

31.10.2014 ab 19 Uhr Trick or Treat – Halloween im Untergrund Halloween im Untergrund mit schaurigen Filmen, geisterhaften Geschichten, dämonischem Improtheater, Gruselbuffet und Bloody Photo Shoot.

10.11.2014 um 20 Uhr Sarah Ferri Eine junge bezaubernde Dame aus Belgien mit italienischen Wurzeln elektrisiert mit ihrem neuen Album „Ferritales“ Hörer jenseits wie diesseits der Alpen.

20.11.2014 um 20 Uhr Meine drei lyrischen Ichs Neues aus der jungen Lyrik- und Kunstszene. Infos und Karten unter www.einsteinkultur.de sowie auf Facebook und Twitter

Übrigens!

BILLIE

#6 arttourist.com gazette

Herbst/Winter 2014/201 Kunst | Kultur | Festiv 5 als | Reisen | Essen & Trinken | Design & Lifestyle

Unter dem Motto „Billie, Abbey & Me“ gastierte die mehrfache Grammy-Preisträgerin Dee Dee Bridgewater im Februar 2014 im Jazzclub Unterfahrt und würdigte mit ihrem Programm die Jazzgrößen Billie Holiday und Abbey Lincoln.

Programmhighlights im Jazzclub Unterfahrt von Oktober bis Dezember 15.-18.10.2014, jeweils um 21 Uhr Festival European Jazz made in: Turkey Eine Konzertreihe mit Ilhan Ersahin´s Wonderland, Cazyapjazz, Kolektif Istanbul und Turgermerica. Traditionelle Klänge aus Anatolien und dem Balkan treffen auf Jazz, Funk und elektronische Elemente. Fr. 24.10. 2014 The Terence Blanchard E-Collective Terence Blanchard gilt seit seiner Arbeit mit Art Blakeys Jazz Messengers in

den 1980ern als einer der führenden Trompeter. Der Startrompeter wurde 2010 zum vierten Mal mit einem Grammy ausgezeichnet. Bei Terence Blanchards Konzert darf man sich auf swingenden, groovenden und doch sehr zeitgenössischen Jazz mit viel Südstaatenfeeling freuen Di. 4.11. 2014 21 Uhr Jack DeJohnette / Ravi Coltrane / Matt Garrison Zusammen mit Ravi Coltrane, Sohn der Jazz-Saxophonisten John Coltrane, und Matt Garrison, Sohn des langjährigen

John-Coltrane-Bassisten Jimmy Garrison beehrt die Schlagzeug-Legende Jack DeJohnette die Münchner Unterfahrt. 16.11. Sound Prints - Joe Lovano & Dave Douglas Quintet Das Quintett des GrammyAward-Gewinners, Saxophonisten und Komponisten Joe Lovano und des Trompeters Dave Douglas, Sound Prints, wurde von der New York Times als ein Zusammenspiel zweier der „großartigsten Musiker der Jazzgeschichte“ gelobt.

18.11.2014 Nina Attal Die junge wilde Französin schafft einen Klangcocktail aus Soul, Blues, Pop, Jazz und Funk und vereint Einflüsse der Black American Music mit eingängigen Pop-Melodien. 22.11.2014 Thärichens Tentett Diese Combo ist ein Highlight des deutschen Jazz und besticht mit der unverwechselbaren Stimme des ECHO Jazz Preisträgers Michael Schiefel

26.11. the Swallow Quintet E-Bass-Pionier Steve Swallow spielt auf der Bühne der Unterfahrt zusammen mit seiner Lebens- und Kreativpartnerin Carla Bley an der Orgel 29.11. Steve Coleman and Five Elements Der Altsaxofonist ist eine stilbildende Größe des zeitgenössischen Jazz. Seine universale musikalische Philosophie ist von antiken Kulturen ebenso wie von mittelalterlicher Mystik inspiriert.

Der kamerunische Musiker Biboul Darouiche (Bruder von Rahmée Wetterich und Marie Darouiche) ist ein regelmäßiger Gast auf der Bühne der Münchner Unterfahrt. Mit seinem aktuellen Projekt Soleil Bantu erzählt er in einer mitreißenden Mischung aus Afrobeat und Jazz seine multikulturelle Geschichte zwischen Afrika und Europa.


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Archiv Geiger Im Dezember 2010 eröffnete das Archiv Geiger seine © Oliver Heissner Räume im ehem. Künstleratelier von Rupprecht Geiger (1908– 2009) in München-Solln. Die aktuelle Präsentation zeigt sein Spätwerk, darunter das allerletzte Gemälde. Das Archiv Geiger ist mit zunehmender positiver Resonanz damit beschäftigt, den künstlerischen Nachlass von Rupprecht – und Willi – Geiger zu bearbeiten und mittels verschiedenster Aktivitäten der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. ARCHIV GEIGER | www.archiv-geiger.de | Öffnungszeiten: Mo MORGEN ROT 10 –14 Uhr, Di ABEND ROT 17 – 20 Uhr | Öffentliche Führungen: 15.11. + 7.12. (mit Anmeldung)

München  |  31

dem Schauspielhaus in der Münchner Maximilianstraße aufgeführt. Zu seinem hundertjährigen Bestehen wurde das denkmalgeschützte Jugendstilgebäude umfassend restauriert. Knapp Siebenhundert Zuschauern bietet es Platz. Weitere Spielstätten, die ebenfalls zu den Kammerspielen gehören, sind der Werkraum in der Hildegardstraße und die Spielhalle in der Falckenbergstraße. Jugendliche zwischen 15 und 21 Jahren können die Kammerspiele sogar für ihre eigenen Theaterprojekte nutzen. www.muenchner-kammerspiele.de

Künstlerhaus | www.kuenstlerhaus-muc.de

THEATER

Weitere Theater (eine Auswahl)

Kunstverein München | www.kunstverein-muenchen.de Kunsthalle der Hypo Kulturstiftung | www.kunsthalle-muc.de Jüdische Museum | www.juedisches-museum-muenchen.de Villa Stuck | www.villastuck.de Die Galerie der Künstler – Zeitgenössische Kunst in historischen Räumen I www.bbk-muc-obb.de Deutsches Museum | www.deutsches-museum.de Glyptothek | www.antike-am-koenigsplatz.mwn.de Die Galerie der Künstler | www.bbk-muc-obb.de

Staatstheater am Gärtnerplatz Das Staatstheater am Gärtnerplatz ist ein Haus mit einem einmaligen Profil und einer fast 150-jährigen Tradition. Das musikalische Unterhaltungstheater steht mit all seinen Facetten im Zentrum der Spielplangestaltung, die Werke aus Oper, Operette, Musical und Tanz umfasst. Seit Herbst 2012 leitet Josef E. Köpplinger das Haus und hat ihm eine umfassend neue Ausrichtung gegeben. Der durch die Sanierung des Theaters bis 2016 bedingte Ensuitebetrieb zeigt auf dem Gebiet des musikalischen Unterhaltungstheaters herausragende Neuproduktionen. www.gaertnerplatztheater.de

Prinzregententheater Das Prinzregententheater wurde um das Jahr 1900 nach dem Vorbild des Richard-WagnerFestspielhauses in Bayreuth fertiggestellt und wird noch heute als Theater genutzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg gewann das Haus an Bedeutung, als von 1944 bis 1963 die Bayerische Staatsoper Einzug hielt. Seitdem wird das Prinzregententheater auch als „demokratische“ Oper geschätzt, denn auf allen Plätzen hat© Photographer: Fritz Witzig, te man gute Sicht Prinzregententheater auf die Bühne und vorteilhafte Akustik. Im Jahr 1963 kam dann das vorübergehende Aus aufgrund der Baufälligkeit des Gebäudes. Erst 1988 konnte das Prinzregententheater auf Initiative von August Everding und mithilfe von Privatspenden wiedereröffnet werden. Auf dem Spielplan stehen heute Konzerte der klassischen Musik, Opern und Tanztheateraufführungen. www.prinzregententheater.de

Kammerspiele Die Münchner Kammerspiele zählen zu den bedeutendsten Sprechtheatern Deutschlands. Unter ihrem Dach vereinen sie drei Spielorte, von denen das Schauspielhaus in der Maximilianstraße die wichtigste Aufführungsstätte ist. Etwa zwölf Inszenierungen werden jährlich in

Taschenphilharmonie

Deutsches Theater München Die schönsten Musicals erleben Vorhang auf für Musicals und Shows der Extraklasse! Mitten im Herzen Münchens bietet das Deutsche Theater internationale Spitzenproduktionen – von beliebten Klassikern über s p e k t a k u l ä r e Saal © Deutsches Theater. Tanz-Shows bis hin zu Kabarettabenden und Konzerten. Ab Mitte Januar verwandelt sich das Theater mit seinen festlichen Galas, prächtigen Bällen und fantasievollen Kostümfesten in eine Hochburg des Münchner Faschings. www.deutsches-theater.de

Weitere Museen (eine Auswahl)

Orchester«, wie es gerne genannt wird. Mit Uraufführungen und interessanten Wiederentdeckungen werden neue Akzente gesetzt. Das Orchester tritt auch bei Gastkonzerten (z.B. Salzburger Festspiele) auf und engagiert sich in der Nachwuchsförderung. www.br.de/radio/br-klassik/muenchner-rundfunkorchester

Münchner Volkstheater | www.muenchner-volkstheater.de Komödie im Bayerischen Hof | www.komoedie-muenchen.de Lach- und Schießgesellschaft | www.lachundschiess.de PATHOS München | www.pathosmuenchen.de Reithallel www.reithalle-muenchen.de Die Schauburg | www.schauburg.net Schlachthof | www.im-schlachthof.de TamS | www.tamstheater.de theater VIEL LÄRM UM NICHTS | www.theaterviellaermumnichts.de

MUSIK Münchner Philharmoniker Am 10.9.2014 begann die neue Spielzeit der Münchner Philharmoniker. Sie sollte eigentlich im Zeichen des 85. Geburtstags ihres Chefdrigenten Lorin Maazel stehen. Nach seinem unerwarteten Tod konnten zahlreiche bekannte Dirigenten gewonnen werden, die das Programm der Münchner Philharmoniker fortführen. In den ersten drei Wochen nach der Spielpause dirigiert Semyon Bychkov das Orchester, auf dem Spielplan steht © Photographer: Robert Hertz, Philharmonie im Gasteig unter anderem das Hornkonzert Nr. 2 von Richard Strauss. Ein Highlight wird das Silvesterprogramm mit Diana Damrau unter der Leitung von Manfred Honeck. Im Fokus steht auch Beethovens Werk „Eroica“, mit dem Michal Nesterowicz sein Debüt geben wird. Ein weiterer Debütant ist Robert Trevino, der mit dem Orchester ein Schubert-Mahler-Programm zur Aufführung bringt. Auch der designierte Chefdirigent der Philharmoniker Valery Gergiev steht in der aktuellen Spielzeit bereits einmal am Pult: Am 6.3.2015 dirigiert er Werke von Dvorak und Strauss. www.mphil.de

Münchner Rundfunkorchester Das Münchner Rundfunkorchester besticht durch sein breites Spektrum: von der konzertanten Oper über moderne geistliche Musik und Filmmusik bis zum Kinderkonzert. Zu seinen Chefs zählten u.a. Giuseppe Patané und Marcello Viotti. Seit 2006 ist Ulf Schirmer Künstlerischer Leiter von »Münchens erstaunlichstem

© BR/Denis Pernath

DIVERSE BVV – Pflege und Förderung der Schönen Künste Der Bayerische Volksbildungsverband e. V. (kurz BVV) ist freier und unabhängiger Kulturträger in München, 1906 vom Pädagogen Georg Kerschensteiner gegründet. Damals wie heute gilt sein Augenmerk der Pflege und Förderung Schöner Künste – im Rahmen von Seminaren, Vorträgen, Führungen, Studienreisen sowie Konzertreihen in Nymphenburg und Benediktbeuern. Alle können Veranstaltungen des BVV beiwohnen und dem Verein beitreten – Informationen zu Mitgliedschaft und einzelnen Veranstaltungen unter www.bvv-ev.de oder 089/9973896.

© c_Astrid_Ackermann.

Bei der Taschenphilharmonie klingt Klassik anders als gewohnt: Unter der Leitung von Peter Stangel rückt das kleinste Sinfonieorchester der Welt bislang überhörte musikalische Details in den Fokus oder überrascht mit neuinstrumentierten Interpretationen bekannter Klassiker. Das 21-köpfige Ensemble hält seit 2005 die Balance zwischen Sinfonie und Kammermusik. Von den drei Münchner Konzertreihen und vielen liebevollen KinderCDs sind nicht nur Groß und Klein begeistert, sondern auch Experten: „Der bekannteste Geheimtipp in Münchens Klassikszene.“ www.die-taschenphilharmonie.de

Weihnachtskonzerte im Johannissaal Schloß Nymphenburg 2014 Weihnachtskonzerte bespielen einen stimmungsvollen Ort in München, den Johannissaal Schloß Nymphenburg, diesmal von 28. November bis 14. Dezember 2014. Dabei erklingt eine Kleine Schubertiade, Debussy trifft den Kleinen Prinzen und die Fraunhofer Saitenmusik beschließt den Zyklus mit vorweihnachtlicher Weltmusik – Vorverkauf München Ticket sowie 089/9973896. 28.11. – 14.12.2014 | www.bvv-ev.de Weitere Musikveranstaltungen (eine Auswagl) Gasteig | www.gasteig.de Münchner Symphoniker I www.muenchner-symphoniker.de München Musik | www.muenchenmusik.de Carl Orff-Festspiele Andechs | www.carl-orff-festspiele.de ars musica e.V. | www.ars-musica-muenchen.de

LITERATUR Münchner Bücherschau Jedes Jahr bietet die Münchner Bücherschau den Besuchern des Gasteigs Anregungen zu Ausflügen in die Welt des Buches. An 18 Tagen und Abenden von 8:00 bis 23:00 Uhr präsentieren rund 300 Verlage über 20 000 Bücher, Hörbücher und Kalender bei freiem Eintritt. Neben weiteren Ausstellungen rund ums Buch finden Lesungen und Podiumsdiskussionen statt. Einen Schwerpunkt bildet die Kinder- und Jugendbuchausstellung begleitet von Spiel- und Aktionsprogrammen. Die 55. Münchner Bücherschau findet 2014 zum 5. Mal im Rahmen des Literaturfests München statt. www.muenchner-buecherschau.de www.muenchner-buecherschau-junior.de

Krimifestival München Das Krimifestival München gilt als eines der größten internationalen Festivals für Kriminalliteratur und lockt jedes Jahr im Frühjahr und Herbst hochkarätige Krimi-Stars wie Stephen King aus aller Welt zur literarischen Spurensuche nach München, die ihre aktuellen Krimis und Thriller an außergewöhnlichen „Tatorten“ in ganz München präsentieren - u.a. im Polizeipräsidium, Knast, Schiesskeller im LKA, Sektionshörsaal, Curcus Krone Bau und BMW Welt. www.krimifestival-muenchen.de

Hotel Das Hotel Opéra in München Ein stilvolles kleines Stadtpalais im Herzen von München. Dank der Eleganz seiner Räume, seiner Leidenschaft für Kunst und Design und seiner privilegierten Lage gleich neben der exklusiven Maximilianstraße, ist das Hotel Opéra das ideale Haus für anspruchsvolle Gäste, die Individualität und luxuriöses Ambiente schätzen. Hinter den Mauern des kleinen Stadtpalais mit seinem mediterran anmutenden Arkadeninnenhof, eröffnet sich dem Gast eine Oase der Ruhe und Behaglichkeit mit viel Liebe zum Detail. www.hotel-opera.de

Das CORTIINA Hotel im Herzen Münchens Münchner Gemütlichkeit, italienischer Charme und cosmopolitisches Flair, das ist das CORTIINA Hotel in der Ledererstraße in München. Qualität und Eleganz bestimmen hier das Interieur. Die Leidenschaft für Kunst und Ästhetik ist überall zu entdecken, von der Hotelbar bis ins 72. Zimmer. Edle Materialien wie bayerischer Jura-Naturstein, dunkle Mooreiche oder unbehandelte Baumwollstoffe schaffen ein Gefühl der Behaglichkeit, inspirieren den Geist und die Sinne. Unvergessliche Momente für Gäste im CORTIINA Hotel. www.cortiina.com

Restaurant Restaurant Gandl Das Restaurant Gandl liegt direkt am St. Anna Platz, dem schönsten Platz im Lehel. Die sonnigen Terrassen laden ein, um sich zwischen den Einkäufen zu entspannen, sich in der Mittagspause zu erholen oder einfach, um nette Menschen zu treffen und die Atmosphäre zu genießen. Auf der Mittagskarte überwiegen leichte Gerichte mit feiner italienischer Note. Am Abend erwartet Sie in dem schönen Kolonialstil Restaurant mit offenem Kamin, eine gehobene Gastronomie mit köstlichen Sinnesfreuden und Einflüssen aus der französischen Küche. www.gandl.de


Malerei als Poesie

13.06. — 27.09. 2015

Düsseldorf www.kunstsammlung.de

Unternehmenspartner:

Medienpartner:

Joan Miró, Etoiles en des sexes d’escargots, 1925, (Detail), Öl auf Leinwand, 129,5 × 97 cm © Successió Miró / VG Bild-Kunst, Bonn 2014 Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf, Foto: Walter Klein


JAZZ | NEUE MUSIK

BILLIE | arttourist.com 2|2014

Joo Kraus JOO KRAUS, Jazz Trompeter aus Ulm, ist aus der deutschen Musikgeschichte der letzten beiden Jahrzehnte nicht wegzudenken. Seit mehr als 30 Jahren ist er Teil meiner musikalischen Leidenschaft.

Wir treffen uns im legendären Ulmer Jazzkeller Sauschdall, der 1963 von Studenten der Ingenieurschule (heute: Hochschule Ulm) gegründet wurde, in der Jazzgrößen wie die Dutch Swing College Band, Traditional Jazz Studio Prag, Albert Mangelsdorff, Wolfgang Dauner, John McLaughlin, Manfred Schoof, Joe Viera, die Indonesian All Stars, die Dave Pike Set, mit Volker Kriegel, Champion Jack Dupree, Jean-Luc Ponty und Dollar Brand und viele andere mehr gastierten. Der Sauschdall ist für viele Ulmer der Eintritt in den Jazzhimmel gewesen, so auch für Joo Kraus und mich. Joo Kraus ist mir früh begegnet und doch haben wir uns erst 2012 im Rahmen des fünften RheinfallFestival in Schaffhausen persönlich kennen gelernt. Als Künstlerischer Leiter habe ich ihn für ein Konzert mit der wunderbaren Simone Kermes und dem Orchester Les Passion de l‘ Ame gewonnen, ein erstmaliges und leider bis heute einmaliges Zusammentreffen von zwei Ausnahmemusikern und ungewöhnlichen Menschen. Joo Kraus,

wie Simone Kermes ließen sich auf dieses musikalische Experiment ein, dass zu einem unvergesslichen Konzerterlebnis wurde und bis heute Gänsehaut auslöst. Joo ist gut gelaunt, entspannt nimmt er Platz, genießt die spezielle Atmosphäre in den alt ehrwürdigen Gemäuern, >> ich war schon so lange nicht mehr hier<<. Er kommt gerade aus Paris, wo er mit Omar Sosa ein Konzert im Rahmen des Jazz à la Vilette Festival gespielt hat, das von Arte live übertragen wurde. Mit Omar Sosa hat er gerade eine neue CD aufgenommen, mit ihm ist er viel und in wechselnden Formationen unterwegs. Wir unterhalten uns über Funk Unlimited, wo ich ihn musikalisch für mich entdeckt und lieben gelernt habe, über die Zeit mit Kraan, den Erfolg mit Tab Two, die schwere Zeit nach der Trennung von Helmut Hattler und dem Ende des Erfolgprojektes, über das Scheitern, neue Inspiration und die wirklich wichtigen Dinge im Leben, den Rückzug in die Familie, die Sehnsucht Zeit zu haben und Projekten, neuen Ideen nachzuhängen.


34  |  Jazz | Neue Musik

BILLIE | arttourist.com 2|2014

Fotos © Chris Marquardt

Wir trafen Joo Kraus zum Gespräch Du kommst gerade aus Paris von Jazz à la Villette, wo Du mit Omar Sosa & The Afric-Lectric Experience aufgetreten bist. Wie war’s? Das war ein klasse Festival – 2.000 begeisterte Menschen, die uns Ihre Aufmerksamkeit geschenkt haben: Das allein ist echt ein Geschenk! Wir haben nur 50 Minuten Spielzeit gehabt... das ist für diese Band eigentlich zu wenig. Bei soviel Energie die wir da aufbauen. Bei so vielen Klasse Solisten in der Band. Nach uns spielte dann James Carter sein Giant Steps Programm: Da wusste ich wieder, dass ich kein „JAZZER“ sein möchte. Mann, dieses Gefuddel kann echt nerven. Ich habe das Konzert live auf ARTE concert gehört. Was hat diese Übertragung, die Nutzung des live stream, eine medienweite Übertragung für eine Bedeutung für Dich? Heute und in Zukunft? Oh... was hat das für eine Bedeutung? Auf der einen Seite verlieren Livemitschnitte natürlich an Bedeutung, weil ja mittlerweile fast jedes Konzert mitgeschnitten wird: Jeder hat eine GoPro, eine Canon EOS oder was auch immer und stellt dann recht passable Mitschnitte ins Netz. Man hat alles, immer, für quasi nix. Früher dachte man noch: Achtung – heute schneidet der NDR etc. mit – keine Fehler machen! Heute ist quasi jeder Ton den Du spielst im Netz noch mal zu hören: Schon komisch. Aber: ARTE hat sich ein so hohes Qualitätslevel behalten, dass DIESER Mitschnitt eben doch eine Bedeutung hat: „das hat Qualität, das hat einen Wert..“

Wie bist Du zur Trompete gekommen? Wann hast Du begonnen und gab es Vorbilder, Helden? Also: Ich wollte immer Schlagzeuger werden! Meine Eltern meinten: Lern’ doch erstmal ein „Melodieinstrument“. Dann dachte ich: ok, Posaune! Dazu war mein Arm mit 9 aber noch zu kurz. Dann hieß es: Dann lern doch mal Trompete! Danach kannst Du ja umsatteln auf Posaune. So war das, mit Neun. So unrühmlich. Hauptsache war aber: Musikmachen. Zu meiner Konfirmation hab ich mir dann aber ein Schlagzeug gekauft! Seit dem hatte ich immer eines. Und Congas und einen Haufen Perkussions... Vorbilder gab’s auch: Das waren Freddie Hubbard, Tom Browne, Nat Adderly. Später auch (viel später ) Miles Davis. Letzte Woche erst hab’ ich die in meiner kleinen Radioshow MUSIKFREIZEIT vorgestellt! Ich habe Dich bei und mit Funk Unlimited, Deiner ersten Band, kennengelernt. Das ist mehr als 30 Jahre her. Was sind die Meilensteine, die wegweisenden Momente in Deiner Musikerkarriere von damals Petrusplatz Neu-Ulm bis heute Paris, Istanbul, London, New York, Tokio. Tja, die Meilensteine und wichtigen Momente standen bei mir oft eben NICHT an den „tollen“ Plätzen... Ich erinnere mich an die ersten Bigband Proben mit der Ulmer Jazz Bigband. Da fühlte ich: BOW was ist das denn? Oder eben meine erste Jazzrock Band „Kangaroo“. Vielleicht auch mal ne Trompetenstunde bei Benny Bailey. Nach TAB TWO war ein musikalisch

energetisches Highlight dann auch eine Session in Stuttgart in Roger’s Kiste. Und auch mein erstes „Solo Album“ mit der SWR Bigband Public Jazz Lounge. Konzerte mit Omar Sosa sind oft Highlights! Und auf jeden Fall die Konzerte und Alben mit meinen Freunden! Ralf Schmid, Veit Hübner und Torsten Krill! Aber auch meine Arbeit/ Workshops mit Schüler Bigbands: Da passiert so viel, das glaubt man nicht! Ende der 90er Jahre, gerade zu einer Zeit wo die ersten Zeitungen über Dich als den jungen Miles Davis schrieben, hattest Du einen »musikalischen Burnout«. Wie hat sich dieser bemerkbar gemacht und wie hast Du diese schwierige Krise gemeistert? Also als jungen Miles Davis haben die ja schon 1992 geschrieben nach dem TAB TWO Album Space Case. Mit Tab TWO haben wir dann bis Ende der 90er ca. 800 Konzerte gespielt. Und das in einer fast inzestuösen 2er Beziehung, der Hellmut Hattler und ich. Das waren für Körper und Geist auf die Dauer ungünstige Bedingungen. Und dann ging es schlagartig bergab mit meiner Gesundheit. Der körperlichen und emotionalen. Wenn man das nicht erlebt hat, kann man sich nicht vorstellen wie das ist! Jetzt ist es ja nix neues mehr. Und mit Burnout hat man auch eine „hip-klingende“ Diagnose. Gar nicht verkehrt. Die Krise habe ich nach und nach gemeistert... das hat Zeit gebraucht. Und Veränderung!


BILLIE | arttourist.com 2|2014

Tab Two haben wir aufgelöst. Ich habe wieder Trompetenunterricht genommen. Meinen Kopf aufgemacht und soviel neues entdeckt: Meine Frau. Neue Musik. Urlaub. Vor allem habe ich einen HAUFEN veraltete und beknackte Überzeugungen in mir entdeckt. Das ist wohl das mühsamste, die zu entdecken und durch andere zu ersetzen. Du spielst immer wieder in neuen und wechselnden Formationen und Projekten. Worin besteht der Reiz, wie kommt es dazu und wie wichtig ist dies für die eigene musikalische Entwicklung? Das war sicherlich nach dem TAB TWO Bruch extrem wichtig! Ach, und mir gefällt ja soooo vieles: brasilianische Musik, Barbra Streisand, Funk, Deephouse und und und … Ich bin da halt ein Hans Dampf. Der Reiz ist, dass mich’s reizt! Und ich versuche, z.B. auch zusammen mit Omar Sosa all die Farben und Geschmäcker in den musikalischen Topf zu werfen. Zurzeit bist Du mit Omar Sosa als Omar Sosa & Joo Kraus Duo unterwegs. Erzähl uns von dem spannenden Projekt? Das haben wir ja schon lange in unserem Kopf: Wir sind beide klassisch ausgebildet. Und haben gemeinsame Lieblingsbands wie Earth Wind and Fire und v.a. Und – das ist das faszinierende – wir haben total verschieden Wurzeln!!! Europäisch und Afro- kubanisch. Sind aber eben gleich alt und deswegen tragen unsere musikalischen „Stammbäume“ halt auch viele gleiche Früchte. Und das coole ist: Mit Omar geh ich auf die Bühne und alles kann passieren! Ich habe neulich angefangen wie ein Muezzin durch die Trompete zu singen... das aber über einen Housebeat. Spielwiese ist das! Herzstücke ist ein weiteres Projekt und Format von Dir. Was hat es damit auf sich? Ich bin ständig mit so tollen Leuten auf der Bühne und im Studio. Und wie ein kleines Kind seinen Eltern davon begeistert erzählt, so hatte ich das Bedürfnis, meinen Ulmer Bekannten und Interessierten das zu zeigen. Und so dachte ich mir: Mensch, wenn’s zeitlich passt, dann lade ich die Musiker noch

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nach unserem Gig nach Ulm und Laupheim ein. In kleine Venues, ins Wohnzimmer sozusagen. Und das ist so schön jedes Mal. Musiker und Zuhörer schätzen das so! Da wird auch geplaudert und ausprobiert. Und das funktioniert alles ohne Kultur Zuschuss! Für mich ein magischer Moment. Das Abschlusskonzert vom Rheinfallfestival am 1. Juli 2012 in der Kirche St. Johann. Die Echo Preisträgerin Simone Kermes trifft auf den Echo Jazz Preisträger Joo Kraus. Ihr habt Euch am Mittag vor dem Konzert kennengelernt und saßt für 1 Stunde zusammen, habt gesprochen, abgestimmt und geprobt. Und dann dieses wahnsinnige Konzert, diese Intensität an Zusammenspielt, als würdet ihr schon seit Jahren befreundet und auf Tour sein. Wie ist sowas möglich? Stimmt, das war magisch! Jeder von uns beiden kommt aus völlig unterschiedlichen Musikwelten. Und dann zum ersten Mal zusammen spielen... was geht da ab? Man hat die Ohren und das Herz EXTREM weit offen an so einem Abend, niemand weiß wohin der Weg führt. Man selber käme gar nicht auf die Idee einer solchen Kooperation! Gottseidank gibt es Veranstalter, die visionär genug für so was sind! Und dann, was am wichtigsten ist: Simone Kermes und ich, wir beide hören wohl alle Arten Musik und sind keine verkrusteten Puristen. Keiner von uns sagt: Das ist bessere Musik, das ist wertiger, das ist U, das ist E... Würdest Du nochmals mit Simone Kermes ein Konzert machen? Und wenn Ja, welches Programm würdest Du Ihr vorschlagen und mit welcher Formation? Ach, ich hätte natürlich einen Haufen Ideen für ein Programm mit Simone: Michel Legrand Songs? Pop Stücke in akustik-Besetzung? Barbra Streisand? Ein „Liederabend“ mit akustischem Jazz Quartett – Schumann, Schubert, Strauss? Welche musikalischen Projekte, Träume hat Joo Kraus für die Zukunft? Im nächsten Jahr kommt mein neues richtiges SOLOALBUM, da bin ich grade dran! Außerdem ein Live Album mit der SWR Big-

Auf ein Wort Simone Kermes

Jazzfestivals Aachenkirch (A) Achensee-Jazzfestival im DAS KRONTHALER

Wie haben Sie die Begegnung, das Zusammenspiel mit Joo Kraus damals erlebt? Wir haben uns sofort verstanden. Proben brauchen wir eigentlich nicht, haben den gleichen Geschmack beim musizieren. Könnten Sie sich vorstellen einmal einen ganzen Konzertabend mit Joo Kraus, die Begegnung von Klassik und Jazz, zu bestreiten? Wenn Ja welches Programm in welcher Konstellation würde auf dem Programm stehen? Ja klar, leider habe ich ihn seit dem nicht mehr gesehen. Ich denke im Programm sollten total neu komponierte Stücke sein. Vielleicht 2-3 Klassiker von Weill, Gershwin, Bernstein?? www.simone-kermes.de

band. Ich möchte gerne ein Album machen, auf dem ich alles selber spiele. Es wird auch ein Album und hoffentlich viele Konzerte mit Omar und mir geben. Und ich würde sehr gerne mal ein Solo Programm mit Orchester machen: Das ist schon lang in meinem Kopf! Meine Tochter Emma (9 Jahre) spielt seit einem Jahr leidenschaftlich Trompete. Was kannst Du ihr mit auf den Weg geben? Ach wie schön – vor allem: Leidenschaft! So muss es sein. Wenn’s zwischendurch mal nervt, trotzdem nicht aufgeben! Dann muss man sich auf’s nächste Vorspiel oder die nächste Probe freuen! Trompete ist allerdings auch ein doofes Instrument: Man muss es eigentlich jeden Tag üben... und ich geh’ jetzt mal los. Üben.

Musik und Kunst dürfen im Leben nicht fehlen. Mit dieser Gesinnung startete Günther Hlebaina, Inhaber des ****S Hotels DAS KRONTHALER bereits zur Eröffnungssaison mit dem 1. Achensee-Jazzfestival. Initialzündung für die Wiederaufnahme 2014 gab Sängerin Stefanie Boltz, die das Festival nun leitet. Nächster Termin ist vom 21.-23.11.14 mit Schwerpunkt ‚GLM Allstars’. 2015 erwarten den Alpen- und Jazzliebhaber drei Konzertwochenenden: im Frühjahr ‚BerlinJazz’, im Sommer ‚AlpenJazz’ und im Herbst ‚NorthernJazz’. 21. – 23.11.2014 | Aachenkirch – Aachensee (A) www.daskronthaler.com

Basel (CH)

BALOISE SESSION Wenn Weltstars wie Eric Clapton, Rod Stewart, Zucchero oder P!nk nach Basel kommen, dann findet vermutlich gerade die BALOISE © Baloise Session SESSION statt. Seit 1986 treten jeden Herbst internationale Topstars und vielversprechende Newcomer am beliebten Schweizer Boutique-Musikfestival auf und sorgen für unvergessliche Konzerterlebnisse. Die Zuschauer sitzen in gediegenem Ambiente mit Clubtischen und Kerzenlicht nur wenige Meter von den Musikern entfernt. Mit Pop, Rock, Singer-Songwriter, Soul, Funk, Blues, Jazz und World Music hat das vielfältige Programm für jeden Musikgeschmack etwas zu bieten. Der Musikevent findet jährlich in der von Herzog & de Meuron konzipierten Event Halle der Messe Basel statt. 24.10. – 11.11.2014 | 23.10. – 12.11.2015 | Basel | Messe Basel www.baloisesession.ch

Berlin

Jazzfest Berlin Das Jazzfest Berlin feiert fünfzigjähriges Jubiläum, blickt nach vorn und zugleich auch zurück auf gut einhundert Jahre Jazzgeschichte. „Nichts ist intensiv genug, es sei denn vielleicht, es ist Jazz.“ Dieser Satz von Jean Cocteau, einem der vielseitigsten Künstler des 20. Jahrhunderts, formuliert eine Herausforderung © Jason Moran Fats Waller an den Jazz, seine Lebenskraft auch und Dance Party © John_Rogers erst recht in Zeiten digitalen Umbruchs zu beweisen.Zu den zentralen Themen des diesjährigen Festivaljahrgangs zählt die Kontinuität des Jazz im Wechselspiel von Tradition und Avantgarde. Unmittelbar damit verbunden, geht es um Jazz und die Dimension der Freiheit – musikalisch, historisch und aktuell. 5. – 8.11.2015 | Berlin | www.berlinerfestspiele.de

Berlin

Jazz Units 2014

Termine 8.11.2014 | Bayreuth Jazz November | Joo Kraus & Tales in Tones Trio 14.11.2014 | Radio Free FM, Live Stream 19-20h CET Joo Kraus' Musikfreizeit 14.11.2014 | Augsburg | Augustana Saal Joo Kraus & Tales in Tones Trio 27.11.2014 | Bremen | Radio Bremen (Sendesaal) Marialy Pacheco Trio feat. Joo Kraus 28.11.2014 | Köln | Altes Pfandhaus Marialy Pacheco Trio feat. Joo Kraus 5.12.2014 | Tallin, Estland | Bossarenova Trio 6.12.2014 | Frankfurt lAlte Oper | Bossarenova Trio 12.12.2014 | Radio Free FM, Live Stream 19-20h CET Kraus' Musikfreizeit

12.12.2014 | Biberach | Jazzkeller Marialy Pacheco & Joo Kraus 20.12.2014 | Karlsruhe | Tollhaus Joo Kraus 23.12.2014 | Ulm | Pauluskirche | Joo Kraus 6.2.2015 | Alsdorf | Energeticon Marialy Pacheco & Joo Kraus 25.2.2015 | Darmstadt | Central Station Marialy Pacheco & Joo Kraus 28.2.2015 | Düsseldorf | Spot o Jazz Festival Marialy Pacheco & Joo Kraus Joo Kraus Joo Kraus ist aus der deutschen Musikgeschichte der letzten beiden Jahrzehnte nicht wegzudenken. Einen exzellenten Namen konnte sich der Musiker mit dem Jazz-Award-prämierten Hip-Jazz Projekt Tab Two

machen. Ausgestattet mit einer virtuellen Band war das Duo in den 90ern auf nahezu allen Festivals im In- und Ausland zu hören und erspielte sich in Europa, Amerika und Asien einebeachtliche Fanbase. Ohne Tab Two würde dem Acid-Jazz, aber auch dem späteren Hip Hop und Drum’n’Bass eine gewaltige Dimension fehlen. Nach der Auflösung von Tab Two machte sich Joo Kraus schnell einen eigenständigen Namen als Spitzentrompeter und Kompositeur. Die Liste derer, die sich schon mit seinen Solis schmückten und Joos Kompositionen für eigene Projekte schätzen lernten, verdeutlicht die Vielfältigkeit seiner Musikalität: Omar Sosa, BAP, Nana Mouskouri, Tina Turner, Xavier Naidoo, Pee Wee Ellis, Mezzoforte u.v.m.Joo Kraus veröffentlichte kürzlich sein mittlerweile fünftes Soloalbum »Painting Pop«. Dafür erhielt JOO KRAUS den EchoJazz als bester Trompeter.

Die Jazz Units haben im Verlauf ihres langjährigen Bestehens viele Veränderungen erlebt und sind seit Anbeginn Spiegel und Aus© haage_schaefer_02_©joergsteinmetz.co hängeschild des kreativen und lebendigen, jazzmusikalischen Geschehens in Berlin. Seit mehr als 20 Jahren organisiert der Posaunist Iven Hausmann diese alljährlich stattfindende Konzertreihe, welche nicht nur die Vielseitigkeit der Berliner Szene abbildet sondern durch die Verknüpfung verschiedener Bands und Musiker auch selbst Neues initiiert hat. 11 Bands geben an fünf Abenden einen Einblick in die kontrastreiche Bandbreite des Jazz aus der Hauptstadt: Jazz als gemeinsame Sprache der unterschiedlichen Wahrnehmungen unseres Seins. 24.11. – 6.12.2014 | Berlin | Grüner Salon der Volksbühne am Rosa Luxemburg Platz | www.berlinjazz.de

Berlin

XJAZZ 2015 Das XJAZZ Debüt in 2014 sorgte für ausverkaufte Konzerte und prallgefüllte Clubs Am Wochenende vom 8. - 10.Mai 2014 ging die erste Ausgabe des XJAZZ Festivals in Berlin über die Bühne. Und soviel steht schon fest: Das XJAZZ Festival wird eine neue


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Institution in der Stadt. 48 Bands in 5 Clubs und einer Kirche, fast 10.000 Zuschauer, viele Konzerte fast bis ganz ausverkauft, ein magisches Festivalflair und begeisterte Reaktionen beim Publikum. 7. – 10.5.2015 | Berlin | www.xjazz.net

Copenhagen (DK)

Copenhagen Jazz Festival Jedes Jahr im Sommer dreht sich 10 Tage lang alles um den Jazz in Kopenhagen. Mehr als 1.200 Konzerte präsentieren alle Formen und Spielarten des Jazz. Gegrün© Copenhagen Jazz Festival det 1979 gehört es heute zu den führenden europäischen Jazzfestivals und ist einer der wichtigsten Musikevents überhaupt. Hier werden Trends gesetzt, sowohl in dänischen wie im internationalen Jazz. 3. – 7.7.2014 | Copenhagen | www.jazz.dk

Cully (CH)

Internationales Jazzfestival Bingen swingt

Der Jazz hat viele Gesichter „Nach 19 Jahren Bingen swingt liegt die Messlatte zur Jubiläumsausgabe im nächsten Sommer sehr hoch“, so die Projektleiterin Patricia Neher. „Das Ziel ist, mit einem abwechslungsreichen Programm Jung und Alt, Musikkenner und -liebhaber von dem Genre Jazz mit seinen vielen, vielen Gesichtern zu überzeugen.“ Dass ein solches Vorhaben funktioniert, hat Bingen swingt in den letzten, nahezu zwei Jahrzehnten gezeigt. Über drei Tage wird jeweils am letzten Juni-Wochenende auf acht Bühnen in der Altstadt geswingt, gegroovt, gejammt und gescattet, gefunkt, improvisiert und melodisiert. Ob auf der Burg Klopp oder zu deren Füßen, ob auf der Hauptbühne am Rhein oder direkt auf dem Speisemarkt, die über 30 geladenen Bands wandeln das malerische Städtchen am Tor zum UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal alljährlich in ein Elysium für diejenigen, die auf den Spuren guter Musik und geselliger Atmosphäre durch die Stadt schlendern.

Wer Bingen swingt besucht, kommt nicht nur, um die großen Stars zu sehen. Es sind die unterschiedlichsten musikalischen Ingredienzien, die Bingen swingt so besonders machen. Das Programm der letzten Jahre beeindruckt durch große Stars der Szene, Sternchen, die heute zu Institutionen des Jazz gehören ebenso wie durch vielversprechende Neuentdeckungen. Viele Besucher lassen sich treiben, um auch überraschende musikalische Genüsse zu erkunden, andere wiederum nehmen den Ablaufplan ganz genau und eilen von Bühne zu Bühne, um ihre Auserwählten aus nächster Nähe zu hören und zu sehen. In knapp 20 Jahren ist die Liste der Bands schier unendlich geworden. Hier stehen Namen, wie Scott Hamilton, Peter Brötzmann, Charly Mariano, Benny Golson, Charly Antolini und Klaus Doldinger neben Anke Helfrich, Erika Stucky, Klaus Heidenreich, Sebastian Sternal, Nils Landgren und Tony Lakatos und auch ein Manfred Krug, Bill Ramsey sowie Git-

te Henning waren bereits zu Gast in Bingen. Und wer nicht gleich weiter muss, um seinen Tourplan zu erfüllen, bleibt auch gern, um den allabendlichen Jamsessions beizuwohnen, selber auf musikalische Entdeckungstour zu gehen, rege an den Jazzgesprächen teilzunehmen oder als Überraschungsgast bei anderen Formationen vorbeizuschauen. Denn auch das macht Bingen swingt aus: Es ist ein geselliges Festival, bei dem nicht nur die Zuschauer mit einem Glas des vorzüglichen lokalen Weins beisammen stehen oder kulinarische Köstlichkeiten naschen, sondern auch Musiker, Manager und Tour-Crew sich gern auch mal unter die Leute begeben. Schon wie zuhause fühlt sich Emil Mangelsdorff bei Bingen swingt. Als er 2003 seinen ersten Auftritt zusammen mit Jörg Reiter im Rahmen des Festivals antrat, konnte er nicht ahnen, dass Bingen swingt einen so bleibenden Eindruck bei ihm hinterlassen würde, dass der nun 88jährige schon bald zu einer festen Größe des Festivals wurde. Die Jubiläumsausgabe im nächsten Jahr, vom 26.-28. Juni, steht auf ein Neues unter dem Vorzeichen der besonderen Atmosphäre, der guten Musik, dem Austausch und Zusammensein. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren, die ersten Bands sind gebucht. „Wir werden sicherlich nach 20 Jahren auch musikalisch ein Resümee ziehen“, nimmt Patricia Neher die Programmplanungen vorweg, „aber wichtig sind uns ebenso Ausblicke auf die nächsten 20 Jahre. Die Gesichter des Jazz sind so vielfältig, dass es uns nicht schwer fallen wird, auf unseren acht Bühnen in der Stadt auch in den nächsten Jahren einen abwechslungsreichen Querschnitt zu präsentieren. Da wird für jeden was dabei sein!“

Cully Jazz Festival Das intimste aller großen Jazzfestivals der Schweiz. Jeden Frühling verwandelt das Cully Jazz Festival das charmante Winzerdorf Cully während neun Tagen in eine © Cully Jazz Festival Hochburg der Jazz-Musik. Das Festival lockt jährlich über 45'000 Jazzfreunde an das Ufer des Genfer Sees, wo sie sich inmitten der zum UNESCO-Welterbe gehörenden Region Lavaux von den größten Jazz-Musikern mitreißen lassen. 10. – 18.4.2015 | Cully (CH) | www.cullyjazz.ch

Heidelberg Enjoy Jazz

Enjoy Jazz ist aus der Festivallandschaft nicht mehr weg zu denken. Weltweit hat es sich als eines der wichtigsten Jazzfestivals etabliert. Es ist ein lebendiges Festival, das sich in erster Linie der Freude an großartigen Darbietungen und dem Musikgenuss ver- © Omar Sosa, Paolo Fresu, Trilok Gurtu, Enjoy pflichtet fühlt. Die Freude am Jazz ist das Motto des Festivals – zu genießen bedeutet ebenfalls, sich für die einzelnen Künstler Zeit zu nehmen, so dass Enjoy Jazz meist nur ein Konzert pro Abend und pro Stadt ausrichtet. Sechs bis sieben Wochen lang bietet das Festival hochkarätig besetzte, und äußerst vielseitige Veranstaltungen mit dem Schwerpunkt auf Jazz, aber auch angrenzenden Genres wie Klassik, Pop, Rock, HipHop oder Elektro. An exklusiven Spielstätten in Heidelberg, Mannheim und Ludwigshafen lädt Enjoy Jazz wie gewohnt zu einzigartigen Konzertmomenten sowie Masterclasses, Matineen, Symposien, Partys und weiteren spannenden Projekten ein. 2.10. – 15.11.2014 | Mannheim, Heidelberg, Ludwigshafen | www.enjoyjazz.de

Perugia | Orvieto (I) Umbria Jazz Festival

Das Umbria Jazz Festival lockt jedes Jahr mehr als 200.000 Besucher an. Alle Top Stars des Jazz, Rock, Weltmusik bis hin zu Salsa © Umbria Jazz Festival und afrikanischer Stammesmusik geben sich ein Stelldichein, beleben die Straßen der Stadt Perugia und begeistern ein internationales Publikum. Die ganze Stadt ist eine 24 Stunden große Jazzbühne und man kann der Musik nicht entziehen. Viele der Konzerte finden Open-Air statt, viele kostenfrei, aber auch in Theatern, historischen Palazzos, Museen bis hin zu Konzerten in Gärten, Bars und Restaurants. Neben den Konzerten finden Fotoausstellungen, Podiumsdiskussionen, Signierstunden und CD-Release-Events statt, wie Akrobaten, Gaukler und Straßenmusiker an jeder Ecke für eine einmalige Atmosphäre sorgen. Ein Muss für jeden Jazzliebhaber. 27.12.2014 – 1.1.2015 | Orvieto | Umbria Jazz Winter 10. – 19.7.2015 | Perugia | Umbria Jazz

Ludwigsburg 20 Jahre Bingen swingt 26.6. – 28.6.2015 | Bingen | verschiedene Orte in der Stadt | www.bingen-swingt.de Kontakt Kulturbüro der Stadt Bingen Museumstraße 3 | 55411 Bingen am Rhein Tel.: 06721 184-355 www.bingen.de

Geheimtipp Bauer Studios Dass die Ludwigsburger unkomplizierte und professionelle Aufnahmen machen, ist schon lange kein Geheimtipp mehr. Profis wie Amateure schätzen die vertraute Atmosphäre, um ihre Kreativität voll zu entfalten. Auf dem legendären Steinway D Flügel spielten schon Größen wie Keith Jarrett und Michael Wollny. Die hervorragende Akustik der Bauer Studios und das Top-Equipment für HighRes-Aufnahmen sind unter Musikern sehr gefragt.


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Pure Analog-Aufnahmen werden seit 2013 mit der Reihe „Studio Konzert“ produziert. www.bauerstudios.de

Montreux (CH)

Montreux Jazz Festival Das Montreux Jazz Festival wurde 1969 von Claude Nobs (1936 - 2013) gegründet und entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einem unumgänglichen Rendezvous für alle Musikfreunde aus der Schweiz und der ganzen Welt. Miles Davis, Ray Charles, David Bowie oder Prince: alle grossen Namen sind schon auf den verschiedenen Bühnen des Festivals aufgetreten. Geschichtlicher Grundstein des Events ist natürlich der Jazz. Aber sehr bald schon hatten auch andere Musikstile einen festen Platz im Programm der Veranstaltung. Was sie alle auszeichnet, ist ihre Neugierde und der Enthusiasmus, den sie den anderen entgegenbringen. 3. – 18.7.2015 | Montreux | www.montreuxjazz.com

München

Jazzfest München

Die Internationale Jazzwoche Burghausen

Eine Geschichte über die Liebe zum Jazz Wer hätte 1970 gedacht, dass aus dem ersten Event mit drei Konzerten, einem Film- und Vortragsabend eines der größten und renommiertesten Jazzfestivals Europas wird? Unzählige Konzerte von den internationalen Größen des Jazz bis zu nationalen und lokalen Talenten zieren das Archiv der Jazzwoche – eine imposante Liste, die sich sehen lassen kann. Was mit einer kleinen Gruppe an Akteuren um das Urgestein der Jazzpädagogik Joe Viera und Helmut Viertl begann, ist heute ein unermüdliches Freiwilligen-Team von über 60 Personen rund um den Veranstalter IG Jazz Burghausen e.V. zur Jazzwoche. Aber auch langjährige Partner und Sponsoren haben die Internationale Jazzwoche Burghausen zu dem gemacht, was sie heute ist: ein Ohren- und Augenschmaus für Musikliebhaber jeglicher Couleur und jeglichen Alters. Hier finden sich Teens ein, um Jamie Cullum zu feiern, eingefleischte Jazzfans, für die es auch mal ein bisschen schräger sein darf, lauschen andächtig den Kompositionen eines John Hollenbeck oder Nils Petter Molvaer, die Tanzwütigen treffen sich zum sprichwörtlichen „Funky Friday“ mit Trombone Shorty, Marcus Miller oder Larry

Graham und die Geselligen und Feierfreudigen bevorzugen die Jazznight in den Lokalen der Altstadt – um nur einige wenige Ausschnitte aus dem umfangreichen Programm der letzten Jahre zu nennen. Besonders erwähnenswert sind die allnächtlichen LateNight-Treffs im berühmten „Wohnzimmer“ der IG Jazz Burghausen: Wenn die Hauptbühne der Wackerhalle geschlossen wird, finden sich die Nimmermüden im Jazzkeller des Mautnerschloss‘ zu den vielbesuchten Jamsessions der Artists in Residence ein. Hier toben sich die Teilnehmer der parallel zur Jazzwoche stattfindenden Jazz Master Classes und die Musiker der Hauptkonzerte oft bis tief in die Nacht musikalisch aus – einmalige Momente, die man nicht verpassen möchte. Bereits zur Tradition gehört die Eröffnung der Jazzwoche mit dem Finale des Europäischen Burghauser Jazzpreises. Fünf Bands, von einer namhaften Jury im Blindverfahren ausgewählt, wettstreiten im örtlichen Stadtsaal um ein Preisgeld von 10.000 EUR und das Auftaktkonzert am Folgetag in der Wackerhalle vor über 1.000 Zuschauern. Kein Wunder also, dass jedes Finale zu einem Jazz-

Krimi wird, den der zum Bersten gefüllte Saal alljährlich mit Spannung verfolgt. Wie eine Art Klammer steht auch der letzte Tag des Festivals ganz im Zeichen des jungen Jazz. Vier vielversprechende Formationen sind eingeladen, vier Bands, die ihre eigenen Ansätze haben, die ihre eigene musikalische Sprache sehr genau zu artikulieren wissen. So finden sich am sonntäglichen Next Generation Tag auch immer die „Trüffelsucher“ des Jazz ein und lassen sich überraschen von einem vielfältigen Programm, das so manche Entdeckung zu bieten hat. Seit vielen Jahren ist die Geschichte Burghausens auch eine Liebesgeschichte: die Liebe zum Jazz. Hochrangige Stars, erstklassige Talente und vielversprechender Nachwuchs geben sich jährlich ein Stelldichein und markieren die Stadt auf der Landkarte des internationalen Jazzgeschehens. Von der Hommage an ihre Besucher und der tiefen Verbeugung vor den ganz Großen zeugt die „Street of Fame“. Zwischen Mautnerschloss und Rathaus werden Jazz-Legenden, wie Ella Fitzgerald, Albert Mangelsdorff, Oscar Peterson, Dexter Gordon, Dizzy Gillespie gewürdigt – mit in den Boden der Fußgängerzone eingelassenen Bronzeplatten, auf denen neben der Unterschrift auch das Datum ihres Konzertes in Burghausen verewigt ist. 40 Bronzeplatten gibt es bis dato (die letzte erhielt Cassandra Wilson im Jahr 2013) und im zweijährigen Turnus wird die Street of Fame erweitert. Internationale Jazzwoche Burghausen 17. – 22.3.2015 | Burghausen www.b-jazz.com Kontakt: IG Jazz Burghausen e.V. Kanzelmüllerstraße 94 D-84489 Burghausen Telefon: +49/(0)8677/916463-0 info@b-jazz.com

zum 25. Mal zum Jazzfest einzuladen, erfüllt die Macher mit Stolz, da sie von einer Musikerinitiative zu einer kulturellen Münchner Institution geworden sind, mit wiedererkennbarem Profil und bemerkenswerter Historie. Jedes Programm verfolgte einen anderen Aspekt beim Blick auf die Münchner Szene © Jazzfest München und in 2015 freuen sie sich besonders auf einige „elder jazzmen“, deren Auftritt bei beim Jazzfest München durchaus eine Ehre ist, sind doch zwei sogar über 90 Jahre alt. Die Zusammenarbeit von jung und alt, von Weltstar und Jazzstudent, von JIM-Gründern und Newcomern, von old men & young women ist die Quelle der Inspiration die zeigt, daß (improvisierte) Musik keine Altersgrenzen kennt und immer neu entsteht. 6. – 8.11.2014 | 10. – 13.12.2015 | München | www.jazzfestmuenchen.de

Moers

moers festival Was 1972 als relativ kleines Open Air Festival im Innenhof des Moerser Schlosses begann hat sich schnell zu einem international beachteten Groß-Ereignis der aktuellen improvisierten Musik entwickelt. Das jeweils an Pfingsten stattfindende moers festival stand und steht für Risikobereitschaft und den Mut zu Neuem und ist damit Garant für musikalische 22. – 25.5.2015 | Moers | www.moers-festival.de

Poysdorf (A)

Poysdorf Jazz & Wine Summer Der Kulturhackler! Er ist bekannt wie das falsche Geld – von der Brünnerstraße bis New Orleans: Veranstalter, Musiker, Szenewirt und Wein-Koryphäe Erich Schreiber, der aus Prinzip immer auf mehreren Kirtagen gleichzeitig tanzt. Der Mann weiß aber dafür nur zu genau, was Stress bedeutet. Wie der Mister „Jazz & Wine“ in der relativ Hochkultur freien Zone Poysdorf vielfältige Projekte realisierte, ohne kommerzielle Kompromisse einzugehen und warum er sich im Vorjahr entschloss, die Organisation und die Abwicklung des sommerlichen Konzert- und © Poysdorf Jazz & Wine Summer Workshop-Reigens abzugeben. 13. – 18.7.2015 | Poysdorf (A) | www.jazzandwine.at

Rotterdam

North Sea Jazz Festival 10 Juli 2015 – 12 Juli 2015 North Sea Jazz ist weltweit bekannt als ein Festival, bei dem sich drei Tage lang die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Jazz treffen. Dank des abwechslungsreichen Programms ist hier für jeden Geschmack etwas dabei. Drei Tage mit Jazz, Blues, Soul, Funk, hip hop, r&b und vieles mehr. Mehr als 1000 Musiker treten in über 150 Konzerten auf drei Bühnen auf. © Hans Tak www.northseajazz.com


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Theaterstübchen Kassel Der JazzFrühling ist nur ein Grund diesen Ort als ein Kleinod des Jazz zu entdecken! Mitten in Deutschland mausert sich eine kleine, feine Location zum Jazz-Magneten für Künstler und Publikum - und dies alles initiierte Markus Knierim, Betreiber des Theaterstübchens und Macher des Kasseler JazzFrühlings sowie der BluesWochen. Seit fast zwei Jahrzehnten folgt Knierim seiner Passion, mit einem ambitionierten Jazz-, Blues- und Soulprogramm das Theaterstübchen zu einem der angesagten Clubs der Jazzszene zu machen. Mit großem Erfolg: jährlich über 200 Konzerte, zuzüglich etlicher anderer kultureller Veranstaltungen sprechen für sich. Nach einem umfangreichen Umbau inklusive technischer Ausrüstung 2012, ist das Theaterstübchen zu einem exponierten Platz auf der Landkarte des Jazz geworden. Die Stars der internationalen Jazzszene geben sich im Theaterstübchen die Klinke in die Hand aber auch auf die Förderung des Nachwuchses wird großen Wert gelegt. „Sie sind die Stars von Morgen“, so Markus Knierim, „die brauchen eine Bühne – meine Bühne!“, und integriert die jungen JazzerInnen als feste Instanz im Ganzjahresprogramm des Theaterstübchens.

Vier klassische Oldtimer als Shuttle-Flotte des Theaterstübchens Überhaupt der Service! Wo sonst übernimmt der Chef persönlich den ShuttleService mit einem seiner extravaganten Automobile? Es sind Schätze aus den 60erJahren, die untrennbar mit Markus Knie-

Der Schweizerhof in St.Moritz Partnerhotel des Festival da Jazz St. Moritz Das viersterne Hotel in den Engadiner Bergen, das seit seinem Beginn traditionelle Gastfreundschaft und anspruchsvollen Individualismus zu einem besonderen Erlebnis vereint. Deshalb sind sie auch seit der ersten Stunde als Partner an der Seite des Festival da Jazz und bieten mit den St. Moritz Sessions jedes Jahr Künstlern © Schweizerhof die Möglichkeit, als Artists in Residence im Schweizerhof zu leben und arbeiten. Für alle, die wissen, dass wahrer Luxus eine Sache der Einstellung ist! www.schweizerhofstmoritz.ch

Salzburg (A)

JAZZ & THE CITY Heißes Blech, harte Beats, schräge Lieder – unter diesem Motto verwandelt sich die Innenstadt Salzburg wieder für fünf Tage in ein Mekka der Musikszene. Mehr als neunzig Veranstaltungen an fünfzig Spielorten in der © Jazz & The City 2014_Sujet Salzburg Altstadt sorgen für besondere Klangerlebnisse – und das bei freiem Eintritt! Auf dem Programm stehen Weltmusik, Jazz und elektronische Musik, internationale Größen ebenso wie vielversprechende Newcomer. 22. – 26.10.2014 | 21. – 25.10.2015 | Salzburg www.salzburgjazz.com

Schaffhausen (CH)

Schaffhauser Jazzfestival Seit 25 Jahren zeigt das Schaffhauser Jazzfestival in der ehemaligen Kammgarn-Fabrik jeweils im Mai eine Momentaufnahme der einheimischen Jazzszene. Alle, die im Schweizer Jazz Rang und Namen haben, waren schon in Schaffhausen zu Gast. Zum Beispiel George Gruntz, Franco Ambrosetti, Irène Schweizer, Pierre Favre, Andy Scherrer oder Herbie Kopf, auch Sylvie Courvoisier, Elina Duni, Lucas Tobias_Preisig © Francesca Pfeffer Niggli, Nick Bärtsch um nur einige zu nennen. Nicht wenige, die als «No-Names» nach Schaffhausen gekommen sind, wurden hier entdeckt und sind dank ihres Auftritts und der Mitschnitte, welche das Schweizer Radio SRF2 wiederholt sendet, bekannt geworden 6. – 9.5.2014 | Schaffhausen | www.jazzfestival.ch

Das Theaterstübchen – ein „magischer Ort“... Stars wie Joshua Redman und Paul Jackson, Ron Carter, Pee Wee Ellis und Diknu Schneeberger haben bereits die Gastfreundschaft und das Ambiente dieses Ortes erlebt. Mit um die 200 Plätzen auf rund 300 qm und 40 qm Bühne wahrlich keine Konzertarena, doch verspricht gerade diese räumliche Einschränkung einmalige Konzerterlebnisse - für die Zuhörer und für die Künstler. Gewohnt vor großem Publikum zu spielen, lassen sich die Künstler im Theaterstübchen auf eine intime Atmosphäre ein. Und manch einer von ihnen ist froh, von den großen Bühnen dieser Welt seinen Jazz wieder in den Club zu bringen. Die Nähe zum Publikum hat seinen besonderen Reiz und legt das ideale Fundament, um dem Jazz wieder das zu bieten, was ihn ausmacht: Spontanität, Interaktion und Kommunikation – hautnah! „Ein magischer Ort!“, so kommentierte Ron Carter dann auch nach seinem mehr als zweistündigen Konzert beim 6. JazzFrühling auf der Autogrammwand des Theaterstübchens. Und Joshua Redman lobte den Klang auf der Bühne mit „best monitor sound ever!“, was einmal mehr den Mut Knierims belohnt, das Risiko eines kostenintensiven Umbaus zu wagen. Es bestätigt ihn in seiner Vision, dass sich Topqualität in allen Bereichen, sei es bei der Auswahl der Künstler, den technischen Voraussetzungen, ja bei allen Serviceleistungen rund um eine Veranstaltung, letztendlich immer auszahlt.

St. Moritz

Strasbourg

Festival Jazzdor

rims eigener Jazz-Initiation verbunden sind, und mit denen er heute seiner zweiten großen Leidenschaft, den Oldtimern, frönt. Als Kind hörte er zum ersten Mal Dave Brubeck’s Take Five in einem R16 – heute stellt er seine vier Oldtimer als Kulturgut der besonderen Art in den Dienst des Theaterstübchens und somit der Kasseler Kultur. Sei es sein Citroën von 1968 als „JazzTaxi“, sein 62er Opel als „Blues-Taxi“ oder der 69er Mercedes und der R16 (1967) als „Kultur-Taxi“, allesamt stehen sie symbolisch für die Stilsicherheit und den guten Ton des Programms!

pazität. Dann heißt es: das „Theaterstübchen geht fremd“ und bindet auch andere Spielorte der Stadt an der Fulda mit ein. So füllte bereits Ute Lemper die Oper bis auf den letzten Platz, Christina Branco begeisterte in der Karlskirche und das ResiDance Orchester verzauberte den Ballsaal des Hotel Reiss. Freuen wir uns also jetzt schon auf den 7. JazzFrühling, der vom 13.–28. März 2015 stattfindet!

„Theaterstübchen geht fremd“

Kontakt: Theaterstübchen | Markus Knierim Jordanstraße 11 | 34117 Kassel | Telefon: +49 561 816 57 06 E-Mail: markus@theaterstuebchen.de

Doch manchmal sprengen die Klasse des Programms und der zu erwartende Andrang alle Grenzen der räumlichen Ka-

Jazzfrühling | Blueswoche | Theaterstübchen 13. – 28.3.2015 | Kassel www.theaterstuebchen.de

Jazzdor steht für den Jazz von heute: Vielfältig, aufregend, offen, weder radikal noch konsensorientiert, das ist die Musik, die hier © Festival Jazzdor stattfindet, vor allem aber ist sie lebendig und der Sache verpflichtet! Jazzdor in Strasbourg zählt seit 30 Jahren zu den wichtigsten Jazzfestivals Frankreichs. Seit 2006 präsentiert Jazzdor Strasbourg-Berlin im Juni die neuesten Tendenzen der französischen Jazzszene und exklusive, deutsch-französische Projekte. Jazzdor Strasbourg | 7. – 21.11.2014 Jazzdor Strasbourg-Berlin | 02. – 05.06.2015 www.jazzdor.com

Troisdorf

Stadthalle Troisdorf Veranstaltungen für 151.500 Personen, die Einbindung eines Freigeländes mit überdachter Außenbühne, moderne Licht-, © Stadthalle Troisdorf Ton-, Bühnen-und Tagungstechnik sowie ein kompetentes Veranstaltungs- und Kulturmanagement überzeugen Künstler, Besucher und Aussteller gleichermaßen. Verkehrsgünstig zwischen Köln und Bonn gelegen, ist sie ein attraktiver, barrierefreier Veranstaltungsort in der Mitte Deutschlands. Unser Programmhighlight: der Cirque Nouveau mit den Produktionen der Gruppen Gandini Juggling, Doble Mandoble und Scrap Arts Music. www.stadthalle-troisdorf.de.


BILLIE | arttourist.com 2|2014

Jazz | Neue Musik  |  39

Wien

Jazz Fest Wien Ein urbanes Jazz Festival Das Jazz Fest Wien – gegründet 1991 – ist ein Fixpunkt der internationalen Festivalszene und ein Meilenstein in der kulturellen Landkarte Wiens und Österreichs. Das Jazz Fest Wien ist ein modernes, urbanes Festival mit internationaler Reputation im Kreis der drei wichtigsten Jazz Festivals der Welt, einer der Faktoren, die Wien als Reisedestination so attraktiv machen. Wien wird oft als Welthauptstadt der Musik bezeichnet. Neben Wiener Klassik, Walzer und Oper gibt es hier auch in Sachen Jazz, Blues, Soul, Worldmusic oder Downbeat viel zu entdecken. Alljährlich im Sommer während des Jazz Fest Wien beweist sich die Stadt auch als Metropole des Jazz und verwandter Genres. Das Geheimnis des Jazz Fest Wien sind die Auftritte hochkarätiger Künstlerinnen und Künstler des Jazz und verwandter Musikbereiche an den erlesensten Orten der Stadt. 29.6. – 8.7.2015 | Wien | www.viennajazz.org

Wiesbaden JUST MUSIC

Programmvorschau 1.12.2014 | TILL BRÖNNER (tr, flh) DIETER ILG (kb) Das Duo | ausverkauft 17.1.2015 | Wollny & Landgren 13.2.2015 | JACOB KARLZON 3 " Shine-Tour 2015 28.4.2015 | DUO BALDYCH HERMAN 17.10.2015 I MICHAEL WOLLNY solo www.allensbach.de Curtis Stigers (3. v. l.) und Sabine Schürnbrandt (2. v. l.)

Jazz Festival Willisau Das Jazz Festival Willisau gehört seit seinem Beginn im Jahre 1975 auch international zu den wichtigen Ereignissen der zeitgenössischen Jazz-Szene. 26. – 30.8.2015 | Willisau | www.jazzfestivalwillisau.ch

© Jazz Festival Willisau

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Jazz thing 106 ab 30.10. am Kiosk u.a. mit Blue Note 75, Gary Burton, Jamie Cullum, Branford Marsalis und Curtis Stigers

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Pharoah Sanders.

Ihre Konzertkirche umfasst 150 – max. 220 Plätze. Wie rechnen sich solche Stars in Allensbach? Zusammengefasst: scharf rechnen und kalkulieren und zum Glück treue Besucher und ein meist ausverkauftes Haus. Es ist nun mal nicht so, dass wir, weil wir der Kommune zugeordnet sind, ein größeres Budget zur Verfügung haben. Auch wenn Kultur bei uns einen großen Stellenwert hat, Dieter Ilg &n Charlie Mariano

Info, Abo und kostenloses Probeheft: probeheft@jazzthing.de, www.jazzthing.de

IN ALL DIRECTIONS.

Die Fragen stellte Kai Geiger, Herausgeber der arttourist.com

Willisau (CH)

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Wie wichtig ist Kultur, die Jazz am See Reihe für den Tourismus in Allensbach? Allensbach ist ein lebendiger Ort und Kultur hat, wie gesagt, einen hohen Stellenwert in der Gemeinde, sie ist vielerorts spürbar, viele Bürger/innen, Vereine, Initiativen identifizieren sich. Allensbach Hat´s ist unser selbstbewusster Slogan und JAZZ am SEE ist neben anderen Veranstaltungsreihen zu einer Marke, zu einem Renomée geworden, das auch den Tourismus befördert. Unser Publikum kommt aus dem Ort, der Region, aber auch von sehr weit her, teilweise über die Landesgrenzen hinaus

und nicht wenige verbinden ein Konzert mit einem Kurzurlaub bzw. genießen das Kulturprogramm während ihrer Ferientage am See.

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müssen wir unternehmerisch agieren. Und in der Tat, unsere Raumkapazität ist begrenzt. Das eine oder andere Konzert können wir uns deshalb schweren Herzens nicht leisten. Aber wir haben ein neugieriges, offenes Publikum, ein über das Maß hinaus engagiertes Team, ehrenamtliche Helfer, eine Kirchengemeinde, die das Engagement mitträgt und die Räumlichkeiten zur Verfügung stellt, nicht zuletzt eine politische Gemeinde, die uns Freiheit in der Programmgestaltung lässt und vor allem Musiker/innen, die gerne kommen und gerade die intime Atmosphäre schätzen. An dieser Stelle ein riesiges Dankeschön an alle.

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Wie schaffen Sie es immer wieder hochkarätige Musiker wie Till Brönner, Curtis Stigers oder Stefano Bollani nach Allensbach zu bekommen? Unsere Reihe JAZZ am SEE besteht seit nahezu 17 Jahren. Angefangen hat sie mit der Jazzlegende Charlie Mariano. Ich hatte damals das unschätzbare Glück, meinen Mann und Dokumentarfilmer Willy Meyer zu Filmaufnahmen für ein Portrait über diesen wunderbaren Saxofonisten nach Boston begleiten und Charlie Mariano kennenlernen zu dürfen. Aus dieser Begegnung entstand eine Freundschaft, die letztlich auch die Initialzündung für diese Reihe war. Wir hatten damals schon etliche Jazzkonzerte veranstaltet, die Reihe lag quasi auf der Hand. JAZZ am SEE ist also einerseits entstanden aus persönlichen Begegnungen. Andererseits haben wir von Anfang an auf Qualität, abseits des mainstreams gesetzt, Musiker aus verschiedenen Kulturkreisen oder Genres zusammengebracht, „kammermusikalische“ Formen in den Mittelpunkt gestellt. Die Reihe hat sich entwickelt, im Laufe der Jahre sind viele Jazzgrößen bei JAZZ am SEE aufgetreten und der gute Ruf in der Szene hat bewirkt, dass inzwischen Musiker und Agenturen auch auf uns zukommen.

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Wir sprachen mit Sabine Schürnbrand, Leiterin des Kultur- und Verkehrsbüros Allensbach.

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Die Gemeinde Allensbach am Untersee ist nicht nur bei Bodensee Feriengästen beliebt sondern auch immer mehr bei Jazzfans aus nah und fern. Jedes Jahr schafft es Sabine Schürnbrand vom Kultur- und Verkehrsbüro hochkarätige Musikerinnen und Musiker für Ihre Reihe Jazz am See zu gewinnen, das aufhorchen lässt. Vor allem kommen Sie gerne und oftmals wieder. Sicherlich einerseits wie magisch angezogen von dem ganz besonderen Konzertort, der kleinen, hoch über Allensbach gelegenen Gnadenkirche, von der man eine fantastische Sicht über den See und die Insel Reichenau hat, und bei der einem bei Sicht ein atemberaubendes Bergpanorama auf den Konzertabend einstimmt. Aber es ist bestimmt auch die herzliche Gastfreundschaft von Sabine Schürnbrand und ihren Helferinnen und Helfern, die die Künstler genießen und Sie entschleunigt. Allensbach hat’s - nicht nur ein Slogan. Es ist auch ein Gefühl, das einen vor, während und nach dem, Konzert umarmt.

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Jazz am See

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Viktoria Tolstoi & Jacob Karlzon

JUST MUSIC startete im Jahre 2000 als monatliche Konzertreihe in der FilmBühne Caligari. Seit 2005 ist daraus das Internationale Jazzfestival Wiesbaden entstanden, das von Raimund Knösche (JazzArchitekt) und Uwe Oberg (Pianist und Vorsitzender der Kooperative New Jazz Wiesbaden e.V.) ehrenamtlich kuratiert und organisiert wird. JUST MUSIC versteht Jazz als Experimentierfeld, das die Genregrenzen hinterfragt und immer wieder verschiebt. Neue (komponierte) Musik, Elektronik, Noise, Musik aus Asien oder Afrika verbindet sich hier mit improvisierter Musik. So präsentiert JUST MUSIC aktuelle, lebendige Musik mit Zeitbezug, die nicht nur spannende Unterhaltung verspricht, sondern auch Reibungsfläche bietet. 20. – 21.2.2015 | Wiesbaden | www.justmusic-festival.de


40  |  Jazz | Neue Musik

BILLIE | arttourist.com 2|2014

Hamburg

ELBJAZZ Festival 29.–30. Mai 2015 Der Hamburger Hafen wird zum Umschlagplatz für Jazz aus aller Welt

Wir trafen Tina Heine, Festivalleitung ELBJAZZ-Festival, zum Gesp In diesem Jahr hat das fünfte ELBJAZZ Festival stattgefunden. Wie ist es gelaufen? Sehr gut für uns – wir sind wirklich angekommen in der Stadt, aber auch über die Landesgrenzen hinaus. Über ein Drittel des Publikums kommt angereist – und das Wichtigste: viele unserer Besucher sind keine originären Jazzfans, sind aber kulturell aufgeschlossen, weltoffen und haben Lust bekommen im Hafen diese großartige Musik zu entdecken. In 2013 stand das Festival vor dem Aus. Sie mussten umdenken. Was hat sich verändert und wie wurden diese Veränderungen vom Publikum angenommen? ELBJAZZ stand nicht vor dem Aus, auch wenn ein Journalist des Hamburger Abendblatts glaubte, das postulieren zu müssen. ELBJAZZ hatte keine leichten ersten Jahre und nach wie vor ist dieses Festival finanziell auf Förderung und Sponsoring angewiesen, was nicht ungewöhnliches in der Kultur ist. Aber ELBJAZZ, mit seinem besonderen Location- und dem damit verbundenen Mobilitätskonzept, muss sich natürlich erst erproben und mit den Reaktionen der Besucher lernen, wie dieses Festival am besten seine Ziele erreicht, ohne künstlerisch Kompromisse ma-

Die besondere Atmosphäre des Hamburger Hafens in Verbindung mit dieser einzigartigen, nicht austauschbaren Musik. Ich sage auch ganz bewusst Hamburger Hafen, weil dieser eine große Besonderheit hat, denn er liegt mitten in der Stadt, sodass das Leben in der Innenstadt und an der Elbe unmittelbar mit dem Hafen und seiner Kulisse und Geräuschen verbunden ist. Es ist ein Sehnsuchtsort, der nie langweilig wird und immer in Bewegung ist – wie der Jazz! Bei ELBJAZZ sitzen Touristen und Hamburger sprichwörtlich in einem Boot, denn auch viele Hamburger kennen die Orte nicht, an die wir sie während des Festivals bringen. Außerdem ist unser Programm mit seiner Vielfalt und Einmaligkeit am Anfang der Festivalsaison eine spannende Präsentationsfläche – und die ungewöhnlichen Orte ein toller Resonanzraum für ein neues Liveerlebnis, auch für die Musiker selber.

chen zu müssen und finanziell maximal unabhängig zu sein. Das ist uns in diesem Jahr, mit dem etwas reduzierten Locationkonzept und dem kompakteren Programm meines Erachtens gut gelungen, ohne dass das Publikum oder die Musiker auf etwas verzichten müssen. Im Gegenteil, die Besucher waren in diesem Jahr begeistert! Wie entstand die Idee zum ELBJAZZ Festival? In meiner Bar, dem HADLEY´S (www.hadleys.de). Dort veranstaltete ich regelmäßig an Montagabenden Jazzkonzerte, um ein neues Publikum für den Jazz zu erreichen – und das hat großartig funktioniert. Und dann dachte ich, das müsste sich doch skalieren lassen… So fing ich an, ein Konzept zu entwickeln, das dem Jazz neue Räume öffnen sollte und für mehr Aufmerksamkeit für Jazz in der Stadt und über die Grenzen hinaus schaffen sollte. Gemeinsam mit Nina Sauer, die eine Eventagentur hat, haben wir dann das finale Konzept – mit Hafen, Barkassen und allem Drum und Dran – entwickelt. Was macht das ELBJAZZ Festival so anders, so besonders?

Tina Heine | © Foto by Martina van Kann

Wie wichtig ist die Kooperation mit den Konzertveranstaltern Folkert Koopmans (Geschäftsführer der FKP Scorpio Konzertproduktionen GmbH) als Ihren Co-Geschäftsführer und Karsten Jahnke (Geschäftsführer Karsten Jahnke Konzertdirektion GmbH), verantwortlich für das Booking, für Sie und die Entwicklung des ELBJAZZ Festival?


BILLIE | arttourist.com 2|2014

Jazz | Neue Musik  |  41

Beim ELBJAZZ Festival dient der Hamburger Hafen als Kulisse für ein einmaliges Musikereignis: Tausende von Besuchern lassen sich alljährlich für eines der größten europäischen Jazzfestivals begeistern, bei dem das unverwechselbare maritime Flair auf musikalische Vielfalt trifft. Bekannte Stars und Newcomer, rund 50 Konzerte und diverse Bühnen drinnen und draußen – verteilt in und um den Hafen, dazu außergewöhnliche Schauplätze vom Stückgutfrachter bis zum Werftgelände, gewaltige Kräne und große Docks – das ist ELBJAZZ! Am 29. und 30. Mai 2015 erobert das Festival zum sechsten Mal in Folge neue Räume für alle Spielarten des Jazz und präsentiert eine Mischung aus internationalen und nationalen Künstlern – große Namen und spannende Entdeckungen. ELBJAZZ steht für Bewegung, für Neugier, Innovatives und auch Bewährtes.

Die Besucher pendeln während des Festivals per Barkassen zu den Bühnen und erleben die einzigartige Atmosphäre des Hamburger Hafens. Abgerundet wird das zweitägige Festival durch ein vielfältiges Rahmenprogramm bestehend aus Workshops, Filmen, Ausstellungen und Kinderprogramm. In den letzten Jahren standen beim ELBJAZZ hochkarätige Künstler wie Jamie Cullum, Gregory Porter, Dianne Reeves, Joshua Redman, Chilly Gonzales, Hugh Masekela, die NDR Bigband, Helge Schneider, Caro Emerald, Nils Wülker, Klaus Doldinger, Paolo Nutini und Till Brönner auf der Bühne. Alle Infos unter www.elbjazz.de

Blohm+Voss mit Queen Elizabeth | © Foto by Jens Schlenker

präch Lebenswichtig, vor allem am Anfang. Hätte Folkert Koopmans sich nicht bereit erklärt, bei ELBJAZZ mit einzusteigen, würde es das Festival wohl nicht geben. Er hat ganz maßgeblichen Anteil an der grundsätzlichen Machbarkeit. Seine Erfahrungen mit Festivals, die Infrastruktur seiner Firma, auf die wir zurückgreifen, sind wichtig für eine Produktion mit dieser Komplexität. Mit Karsten Jahnke hat ELBJAZZ einen Partner an der Seite, dessen Agentur, aber vor allem er selber, das Geschäft mit dem Jazz in Deutschland über die letzten 40 (?) Jahre maßgeblich geprägt hat, natürlich sind seine Erfahrungen – aber ganz besonders seine Anekdoten – eine Bereicherung, vor allem auch, als es gerade losging. Für die gesamte und künftige Entwicklung ist aber vor allem wichtig, gerade NICHT in alten Strukturen zu denken oder sich auf Erfahrungen zu berufen, denn der Jazz steht ja nicht gerade besonders gut da, was Publikum und Präsenz angeht. Und da komme dann eher ich oder nun mittlerweile unser kleines ELBJAZZ Büro ins Spiel – wir sind mit viel Enthusiasmus und neuen Allianzen dabei, andere Wege aufzuzeigen, um Jazz zu veranstalten und zu promoten – mit vielen frischen Ideen. Ich glaube, diese Mischung aus uns allen macht es so spannend.

Daher ist auch das Programmteam, bestehend aus den Journalisten Götz Bühler und Klaus von Seckendorff, Karsten Jahnke und mir, ein bunter Haufen mit unterschiedlichen Ansätzen und Ideen – aber einem klaren, gemeinsamen Ziel. Bei so starken Partnern, wieviel Spielraum bleibt da noch für die eigene Künstlerische Idee und Linie? Ganz viel. Die künstlerische Leitung war von Anfang an bei mir und ist in der oben benannten Teamarbeit sehr fruchtbar. Mein kreativer und künstlerischer Freiraum, sowohl in der Produktion, wie in der Programmierung, beim Marketing und in der strategischen Entwicklung sind für mich Grundvoraussetzung, um morgens mit Energie in den Tag zu starten. Mit Karsten Jahnke und Folkert Koopmans habe ich da Partner, die mir sehr viel Vertrauen entgegenbringen. Mit »Ankerwürfe« haben Sie ein zweites, begleitendes Format entwickelt. Was muss man sich darunter verstehen? Das Konzept von ELBJAZZ lag von Anfang an darin begründet, ein neues Publikum für den Jazz zu gewinnen und Jazz in dieser Stadt (und auch darü-

ber hinaus) wieder zu einem lebendigen Bestandteil der Musikszene zu machen. Ein Festival selber wird aber nie Bestandteil einer alltäglichen Erfahrung werden, eigentlich soll es das jährliche Highlight einer lebendigen Szene sein – eine große Präsentationsfläche dessen, was alltäglich möglich ist und passiert. In Hamburg mangelt es aber an Spielstätten für zeitgenössischen Jazz und Orten, an denen Musiker aus aller Welt auf Publikum treffen. Die Ankerwürfe sind Konzerte, die mit ELBJAZZ unmittelbar verknüpft sind und gleichzeitig den Jazz in der Stadt „verankern“ sollen. So bleiben wir unseren „Markenbausteinen“ treu und verbinden die Konzerte mit ungewöhnlichen Orten oder eigenen, selten ganz reinen Konzertformaten und sind somit ganzjährig sichtbar. Ein schönes Beispiel war unser Gastspiel bei den Hamburger Lessingtagen des Thalia Theaters, mit Matthew Herbert und einer audiovisuellen Performance, die wir koproduziert haben. Lassen Sie uns nach vorne schauen. Was erwartet die Besucher beim ELBJAZZ Festival 2015? Vor allem viel Sonne! Und dann, in der Fortsetzung unseres bisherigen Konzepts, viele Deutschlandpremieren neben bekannten Gesichtern, vielleicht wieder

ein paar neue Bühnen, ein tolles symphonisches Projekt und wohl auch ein neues gastronomisches Konzept, das der Qualität und Vielfalt der Musik nichts nachsteht. Und noch ein Stück weiter. Es wird immer beliebter erfolgreiche Veranstaltungsformate ins Ausland zu transferieren und Satellitenveranstaltungen zu etablieren, wie z.B. die Kunstmesse Art Basel mit Art Basel Miami Beach und Art Basel Hong Kong oder die Internationale Tourismus Börse ITB mit der ITB Singapur. Wäre es denkbar, um in Hafenstädten zu denken, dass es einmal ein ELBJAZZ Festival Dubai, Busan oder Shanghai unter Ihrer Federführung geben wird? Das ist absolut nicht ausgeschlossen… Leise Anfänge dazu gibt es ja schon mit unserer Präsenz in Kopenhagen, dort hatte ELBJAZZ in diesem Jahr im Rahmen des Copenhagen Jazzfestivals schon zum zweiten Mal eine eigene ELBJAZZ Bühne und eben gerade (heute Morgen, 19.09.14) habe ich eine Kooperation mit dem Bimhuis in Amsterdam geschlossen. Die Zukunft steckt also noch voller Möglichkeiten. Die Fragen stellte Kai Geiger, Herausgeber arttourist.com


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BILLIE | arttourist.com 2|2014

30 Jahre INNtöne Festival – Jazz für die Seele Von 22. Mai bis zum 24. Mai 2015 wird der über 100 Jahre alte Buchmannhof in Diersbach/ Österreich zur Jazz-Hochburg umfunktioniert, um den besten Jazzmusikern/innen einen gebührenden Rahmen zu bieten. Das Programm 2015 ist ein Jubiläumsprogramm, alles ohne VIP-Zelt, nur verpackt in die entspannte Atmosphäre der Innviertler Landschaft. Jedes Jahr gibt es dazu eine ausgewogene Vielfalt kulinarischer Köstlichkeiten mit biologischen Lebensmitteln aus der Region. Mehr Luxus geht nicht. Den Rest besorgen an drei Tagen die Jazztöne, die aus allen Himmelsrichtungen weit hinein in die reizvollen Landstriche des Sauwaldes klingen. Bei der Gestaltung der Programme wird auf höchstes künstlerisches Niveau, innovative Pro-

jekte, sowie auf Verbindungen gegenwärtiger Musik und Kunst mit traditionellen Kunst- und Kulturformen Wert gelegt. Viele internationale und nationale Künstlerinnen und Künstler hatten bei den „INNtönen“ ihre ersten wichtigen Auftritte, ebenso waren fast alle internationalen Jazzgrößen zu Gast. Die Geschichte der INNtöne ist gefüllt mit wunderschönen musikalischen und menschlichen Höhepunkten. Wir aber leben im Hier und Jetzt und blicken in die Zukunft. So viele beseelte große Talente warten darauf, entdeckt zu werden und wir öffnen unsere Tore zu neuen Erlebnissen.

Das INNtöne Festival steht für Qualität und wird mittlerweile von vielen als eines der wichtigsten Festivals Europas bezeichnet. Festivalmacher Paul Zauner verlässt für seine Musikauswahl seit Jahren ausgetretene Pfade und wagt sich mutig an Neues. So ist das Kombinieren verschiedener Genres, Kulturen und Epochen immer ein Balanceakt, der mittlerweile weltweit in internationalen Musikkreisen höchste Anerkennung findet. INNtöne Jazzfestival & INNtöne Barock 22. – 24.5.2015 | Diersbach (A) www.inntoene.com


BILLIE | arttourist.com 2|2014

Jazz | Neue Musik  |  43

Wir trafen Festivalgründer Paul Zauner zum Gespräch Wer oder wie hat Sie / wurden Sie als Sohn einer Bauersfamilie mit Musik, dem Jazz infiziert? Mein Vater hat mir gerne etwas vorgesungen, wenn wir zur Kuhweide gegangen sind oder beim Kuhmelken. Wir hatten einen Radio, und da habe ich viel Musik gehört. Als wir dann später einen Fernseher bekommen haben, sah ich den Wiener Klarinettisten Fatty George, und ich war fasziniert wie diese genialen Musiker Themen spielten und improvisierten. Wie ging es dann weiter? Ich habe dann autodidakt Klavier gelernt, viel Mundharmonika gespielt und später dann Musik studiert, neben meiner Agrarausbildung und dem Veterinärstudium. Sie sind Multitalent. Jazzposaunist, Musikproduzent, Festivalmacher, Berater und Biobauer? Wie werden Sie Ihren Talenten gerecht? Woher nehmen Sie die Zeit? Durch frühes Aufstehen ist der Tag länger, und ich liebe all die Dinge die ich mache total. Und dann reisen Sie immer wieder, u.a. regelmäßig nach New York? Wie sieht Ihr New York aus, was fesselt Sie und war nicht der Reiz groß alles aufzugeben und ganz dort zu bleiben? Ich war vor 25 Jahren nahe daran ganz nach New York zu gehen, aber dann kam meine Tochter Rosa und ich dachte, es ist gesünder auf dem Land in einer intakten Umwelt aufzuwachsen. Sie gelten als Entdecker von Gregory Porter, der gerade in Europa durchstartet? Wie sind Sie sich begegnet? Ich habe Gregory damals in meinem Lieblingsclub in Harlem, dem St. Nicks Pub getroffen auf Vermittlung eines Musikerkollegen, und ich fand seine Musik großartig und wir haben uns auf Anhieb persönlich sehr gut verstanden. Und daraus entstand die Idee und das Projekt »Great Voices of Harlem«, das Sie selbst als interkontinentales Familie bezeichnen? Wer oder was sind die »Great Voices of Harlem«? Ich liebe Stimmen über alles. Und diese Musiker die so in Harlem ein und ausgehen tragen so viel Musik in sich, so viel Erlebtes und es besteht eine stilistische Offenheit, wie sie ansonsten kaum wo zu finden ist. Und natürlich die musikalische Tradition von Harlem mit fasziniert mich. Vor etwa 30 Jahren bin ich zum ersten Mal nach Harlem gekommen, da hat mich der ehemalige Rhasan Roland Kirk -Pianist Rahn Burton zum spielen in einen Club eingeladen. Ich habe in der Folge Musiker wie Donald Smith, Mansur Scott und eben Gregory Porter, nebst vielen anderen getroffen und nachdem wir in verschiedenen Besetzungen zusammen gespielt haben, ist die Idee entstanden die „Great Vocies of Harlem“ zu gründen. Wo eben die besten Vocalisten der Szene singen und spielen. Sind Sie weiter auf der Suche nach Voices? Wie erspüren Sie Talent, Stimmen, Töne, die dann später auch bei Ihrem eigenen INNtöne Festival auftreten? Das ist magnetisch, ich liebe diese Stimmen und sie fliegen mir zu. Sie sind 55 Jahre jung und Ihre kreative Energie kennt keine Grenzen! Ihre Projekte und Ideen leben von Ihrer Leidenschaft, Ihrem Feingefühl und einer unbändigen Lust zu bewegen und zu vermitteln. In Familienunternehmen kommt irgendwann immer die Frage nach einer Nachfol-

geregelung. Wie sieht es mit Ihren Kindern aus? Treten die in die Fußstapfen des Vaters? Kann man Ihr Festival in andere Hände geben oder werden Sie irgendwann sagen, so das war es? Meine Kinder lieben Musik und haben viel gehört. Mein Sohn liebt die Natur und ist sehr an der Landwirtschaft interessiert. Ich denke, das wichtigste ist, dass wir das was wir gerne machen, im Augenblick aus vollem Herzen machen. Die Kultur ist eine lang anhaltende unbesiegbare Kraft und nur die Liebe ist unendlich. Was möchte Paul Zauner noch bewegen, zeigen zu Gehör bringen? Ich spiele am liebsten in kleinen Klubs mit direktem Kontakt zum Publikum, da der Energieaustausch mit dem Publikum und die Schwingungen im Raum für mich ganz wichtig sind. Meistens spiele ich Jazz von traditionell bis ganz zeitgenössisch, das ist alles eins für mich. Aber ich freue mich auch, wenn die Temptations mich für eine Tour anrufen oder ich mit einem Gregorianischen Choral als Soloinstrument mitspiele oder wenn jemand für mich eine Mikrotonale Komposition spielt, ich liebe alles, wenn es Seele hat. Das Interview führte Kai Geiger, Herausgeber der arttourist.com Paul Zauner, ausgebildeter Agraringenieur, studierte in Wien neben der Tiermedizin auch Musik. In dieser Zeit wechselte er vom Klavier zur Posaune. Ab Mitte der 1980er Jahre spielte er mit Bumi Fian, Woody Schabata, aber auch mit Leon Thomas, George Adams, David Murray, Leopoldo Fleming, Hamiet Bluiett und Jean-Paul Bourelly. Auf seinem Bauernhof organisiert er jedes Jahr zu Pfingsten das preisgekrönte INNtöne Jazzfestival; auch ist er Kurator für Jazz am Brucknerhaus in Linz und betreut das Jazzprogramm mehrere Veranstaltungsorte in Passau. Dazu ist er Direktor der PAO Records.

Great Voices of Harlem GREGORY PORTER, DONALD SMITH, MANSUR SCOTT Einer der ersten Musiker, der Gregory Porters enormes Talent schon vor fast zehn Jahren zu würdigen wusste, war ein Bauer und Posaunist aus Österreich. Sein Name ist Paul Zauner und wenn der charmante Lockenkopf nicht Schweine züchtet oder das preisgekrönte INNtöne Festival veranstaltet, reist er seit nunmehr 25 Jahren nach Harlem um dort an dem lebendigen, musikalischen Geist teilzuhaben, den dieser Ort nach wie vor lebt, atmet und ausstrahlt. Zauner erstarrt dabei nicht etwa in touristischer Bewunderung, vielmehr agiert er: die Musiker, die er in Harlem entdeckte, lädt er zu Konzerten mit seiner wunderbaren Band „Blue Brass“ in Europa ein. Die vorliegende CD, aufgenommen in Österreich und gemastert in New York, ist also das Resultat einer interkontinentalen Familiengeschichte, wenn man so will, ein richtig schönes und echt legendäres Zusammentreffen von Zauners Weltklassemusikern und drei Gentlemen, die tatsächlich diesen Titel verdienen: Great Voices of Harlem. Es sind neben Porter der großartige Mansur Scott, der einen Block entfernt vom „Minton’s Playhouse“, dem Geburtsort

des Bebop, in Harlem aufwuchs und schon mit 15 mit Freunden wie Lee Morgan oder Charles Mingus abhing. Scotts musikalische Geschichten aus dem Knast und diversen Arbeitslagern offenbaren eine Faszination mit den Facetten des Lebens – das Soul-Food, das er auf dem Weg zu einer Chain-Gang in North Carolina aß, kann man im autobiografischen „Doing Hard Time“ beinahe schmecken. Der dritte im Bunde ist Donald Smith, ein Sänger der schon mit Rahsaan Roland Kirk oder Art Blakey arbeitete, der wahrscheinlich jedoch am bekanntesten für die bahnbrechenden Aufnahmen mit seinem Bruder Lonnie Liston Smith ist. Auf diesem Album überarbeitet Donald auch „Expansions“, den vielleicht größten Hit seines Bruders, auf inspirierte und herrliche Art und Weise. Great Vocies of Harlem sind TOP in den Amerikanischen Jazz Charts und großartige Kritiken in den wichtigsten Jazz und Soulmagazinen weltweit bewegen die Welt. Einer der Amerikansichen Kritiker meinte: "Warum haben wir es Jahrzente versäumt, solch großartige CD's zu produzieren?"


44  |  Jazz | Neue Musik

BILLIE | arttourist.com 2|2014

Fotos © Matthias Heyde, Berlin

Jazz in St. Moritz? Jazz in St. Moritz! Die Frage, wie man auf die Idee kommt, gerade in den Engadiner Bergen ein Jazz Festival aufzuziehen beantwortet Christian Jott Jenny, Gründer und Leiter des Festival da Jazz St. Moritz, mit der simplen Antwort: «Wo sonst spiegelt sich die unbändige Kraft, die Freiheit und Schönheit des Jazz so sehr in der unmittelbaren Umgebung

wieder wie hier, in den Bündner Bergen?» Fest steht: Das Festival da Jazz ist das höchstgelegenste Jazzfestival der Welt. Aber das ist noch längst nicht alles. Ganz gegen jedweden Trend zu anonymen Großkonzerten und Megaevents lädt Jenny die ausgewählten Stars in ein außergewöhnliches, intimes Venue, dem legendär-

en Dracula Club. Vor 150 Zuschauern und auf Armeslänge entfernt, erleben hier Jazzkenner und -liebhaber, wie ein Chick Corea oder Brad Mehldau in der Clubatmosphäre auftauen und zu den Wurzeln des Jazz als Club-Musik zurückfinden. Die Unmittelbarkeit zwischen Musikern und Publikum hat einen nachdrücklichen und für alle spürbaren Einfluss auf das Geschehen. Aber auch die Unsicherheit von Größen wie etwa Natalie Cole, die es gewohnt sind, weit weg vom Publikum und auf den großen Bühnen dieser Welt zu spielen, jetzt aber genau dieser Direktheit ausgesetzt sind und wie schüchterne Kinder erst wieder den Club und seine Sphäre lieben lernen, gehören zu den einzigartigen Beobachtungen während des Festivals. Über einen ganzen Monat, von Mitte Juli bis Mitte August, bietet das Festival da Jazz mit rund 50 Konzerten diese musikalischen und emotionalen Erlebnisse und nach der nun siebten Ausgabe des Festivals bedarf es keiner ausnehmenden Weisheit, den Satz „Nach dem Festival ist vor dem Festival.“ wirklich ernst zu nehmen. Kaum ist die Adrenalin-Zufuhr der Organisations-Crew wieder auf ein Normalmaß gesunken, der leidenschaftliche Rückblick durch analytischen Feinsinn ersetzt, wird auch schon wieder in die Zukunft geschaut. Welchen Herausforderungen stellt man sich beim nächsten Mal? Welche Wunschkandidaten füllen die Liste der Acts für die nächste Ausgabe? Genau hier hat Leiter Christian Jott Jenny seit Beginn des Festivals Beachtliches erreicht. Bevor das Festival da Jazz im Jahre 2007 mit damals lediglich vier Konzerten erstmals ins Leben gerufen wurde, war St. Moritz nicht gerade als Hot-Spot der internationalen Musik Szene bekannt. Der Zufall wollte es, dass der ursprüngliche Ort aus Renovierungsgründen nicht mehr bespielt werden konnte und aus der Not heraus bat Jenny den Designer Rolf Sachs sprichwörtlich um Asyl für seine Konzertreihe im sagenumwobenen Dracula Club, dessen Präsident Sachs ist. Als großer Jazz-Fan und engagierter Mitbürger der Gemeinde St. Moritz öffnet Sachs seither jeden Sommer die Türen seines, vom Vater Gunter Sachs gegründeten Refugiums - ein Chalet, das im Winter lediglich den Clubmitgliedern und deren Freunde vorbehalten ist - für jeden, der dem Jazz ebenso verfallen ist. In den letzten sieben Jahren ist es Jenny gelungen, dass Festival da Jazz St. Moritz auf der Landkarte der beachteten Jazz-Events Europas zu etablieren. Neben den großen Stars der Sze-

ne, wie John Scofield, Cassandra Wilson, Paolo Conte, Kurt Elling, Ahmad Jamal und Joshua Redman, sind genauso die Neuentdeckungen und Idole von Morgen wie Anthony Strong ein Teil des Konzepts. So begibt man sich zur vorgerückten Stunde zu den - kostenlosen - LateNight Konzerten des benachbarten Kulm Hotels. Dort klingt der Abend musikalisch aber nicht minder spannend aus. Um der Engadiner Bevölkerung ein dickes Dankeschön auszusprechen, kam Jenny auf die Idee, eines seiner Konzerte ganz nach dem Motto »umsonst und draußen« unter freiem Himmel und in luftiger Höhe zu präsentieren. Gesagt, getan und 2013 wurde zum ersten Mal der Ausflugsberg Muottas Muragl mit einer Höhe von 2‘453 m ü.M. zu einer Open Air Stätte mit Frische-Faktor. Die jeweils mehr als 1.500 Zuschauer, konnten bisher vor einzigartigem Panorama mit den groovigen Sounds von The Brand New Heavies und der Earth Wind & Fire Experience den Sonnenuntergang in den Engadiner Bergen erleben. Überhaupt ist es Jenny ganz wichtig, dass nicht nur musikalisch beim Festival da Jazz für jedermann was dabei ist: über die Hälfte der Konzerte gibt es zum Nulltarif und selbst die Konzerte im Dracula Club sind erschwinglich. Solch außergewöhnliche Unternehmungen bedürfen verlässlicher und engagierter Partner. Es sind neben dem Hauptsponsor Lexus die ortsansässigen Hotels wie der Schweizerhof und das besagte Kulm Hotel, die den Künstlern und Besuchern einen Aufenthalt so angenehm wie möglich machen oder das Hauser Hotel, das weitere Konzerte auf der hauseigenen Terrasse ermöglicht. Darüber hinaus unterstützen lokale Firmen, das Tourismusbüro Engadin, die Presse und nicht zuletzt die treuen Freunde des Festivals, die „Amis da Festival da Jazz“, das Festival nach Kräften und haben ihm so zu dem Renommee verholfen, das es heute auszeichnet. Jetzt stehen die Zeichen wieder auf Start, die Vorbereitungen für den Sommer 2015 laufen auf Hochtouren und einmal mehr darf man gespannt sein, welche musikalischen Leckerbissen Jenny aus dem Hut zaubert. Gewiss ist aber bereits jetzt: das Festival da Jazz wird auch 2015 wieder zu einem Erlebnis der besonderen Art. 8.7. – 8.8.2015 | St. Moritz | www.festivaldazazz.ch Kontakt: Verein Festival da Jazz | c/o Amt für Ideen Rindermarkt 20, 8001 Zürich info@festivaldajazz.ch


BILLIE | arttourist.com 2|2014

Jazz | Neue Musik  |  45

Jazz oder Nojazz? Egal – Hauptsache jazznojazz! Jazznojazz! Auch in seiner 16. Ausgabe macht das Zürcher Musikfestival seinem Namen alle Ehre und präsentiert frische Sounds und Bands aus Jazz und jazzaffinen Genres. Unterstützt von ewz und der Zürcher Kantonalbank sind vom 29. Oktober bis 1. November 2014 vier üppige Konzertnächte angesagt mit nicht weniger als 19 Konzerten in der Gessnerallee Zürich, im ewz-Unterwerk Selnau sowie im Club der Zürcher Kantonalbank im Theater der Künste.

Wir trafen Johannes Vogel zum Gespräch In diesem Jahr findet das jazznojazz Festival zum 16. Mal in Zürich statt und hat sich zu dem Jazzereignis in Zürich entwickelt. Was verbirgt sich hinter dem Namen jazznojazz? Ein besetztes Musikfestival mit Jazz und jazzaffinen Genres wie Funk, Soul, Electro, Blues. Jazz ist ja nicht mehr nur Jazz im klassischen, sprich swingenden Sinne. Jazz war immer schon mehr und deshalb bleibt er auch nie stehen und erfindet sich immer wieder neu. Im Festivalnamen jazznojazz bilden wir dies ab. Was erwartet den Besucher in diesem Jahr? Ein reich befrachtetes Programm mit nicht weniger als 18 Konzerten an vier Tagen! Den diesjährigen jazznojazz-Cocktail offerieren für Neues offene Jazz-Stars wie Avishai Cohen, Brad Mehldau und Al Di Meola, Grenzgänger aus Soul, Hip-Hop und Blues wie Robert Glasper, Meshell Ndegeocello oder Lucky Peterson, Funky-FusionCracks wie Amp Fiddler, Spyro Gyra und die Grammy-Gewinner von Snarky Puppy, die betörenden Stimmen von Ayo, Michael Kiwanuka und Naturally 7 sowie der Zürcher Jazz-Gipfel am Samstag mit Irène Schweizer/Jürg Wickihalder und Jojo Mayer/Zurich Jazz Orchestra. Was ist das Besondere am jazznojazz Festival? Neben der Musikmischung die Tatsache, dass das Festiva seit Beginn im Herzen von Zürich stattfindet und dies in Konzertsälen, die sonst kaum je für Konzert genutzt werden wie das Theaterhaus Gessnerallee, das ewz-Unterwerk Selnau (ein früheres Stromwerk) und im Club im Theater der Künste. 3 tolle Locations innerhalb von paar Hundert Metern.

jazznojazz Festival 14 Für Neues offene Jazz-Stars wie Avishai Cohen, Brad Mehldau und Al Di Meola, Grenzgänger aus Soul, Hip-Hop und Blues wie Robert Glasper, Meshell Ndegeocello oder Lucky Peterson, Funky-Fusion-Cracks wie Amp Fiddler, Paulo Mendonça, Spyro Gyra und die Grammy-Gewinner von Snarky Puppy, die betörenden Stimmen von Ayo, Michael Kiwanuka und Naturally 7 sowie der Zürcher Jazz-Gipfel am Samstag mit Irène Schweizer/Jürg Wickihalder und Jojo Mayer/Zurich Jazz Orchestra sorgen für den faszinierenden jazznojazz-Mix. 29.10. – 11.2014 | Zürich | diverse Orte | Tickets unter www.ticketcorner.ch

Weitere Konzerte von allblues Saison 2014/2015 Jethro Tull’s Ian Anderson 18.11.2014 | Zürich | Kongresshaus Ed Sheeran 19.11. 2014 | Zürich | Maag Halle Gregory Porter 22.11.2014 | Zürich | Tonhalle Herbie Hancock 1.12.2014 | Luzern | KKL Jan Garbarek & Hillard Ensemble 3.12.2014 | Zürich | Grossmünster 4.12.2014 | Genf | Cathédrale Saint-Pierre Brad Mehldau Piano Solo 29.1.2015 | Genf | Victoria Hall 30.1.2015 | Luzern | KKL

Nils Landgren & Michael Wollny Duo 2.2.2015 | Zürich | Tonhalle Stefano Bollani Piano Solo 27.2.2015 | Zürich | Neumünster Diane Reeves 16.3.2015 | Zürich / Tonhalle Richard Galliano – Paolo Fresu – Jan Lundgren 18.3.2015 | Luzern | KKL 26.3.2015 | Genf | Victoria Hall Dee Dee Bridgewater & China Moses 18.4.2015 | Zürich | Tonhalle Anouar Brahem Quartet & String Ensemble 8.6.2015 | Zürich | Tonhalle

Alle Konzerte unter www.allblues.ch Seit 1994 profiliert sich die AllBlues Konzert AG mit der Durchführung hochwertiger Jazzkonzerte in den grossen "klassischen" Konzertsälen der Schweiz. Die beiden Konzertserien «Jazz Recitals» (Tonhalle Zürich) und «Jazz Classics» (Luzern, Genf, Bern, Basel und Neuchâtel) gehören zu den Höhepunkten im Schweizer Jazzkalender. Mit Konzerten im Bereich von World, Funk & Soul sowie den hier angesiedelten Konzertreihen Migros Kulturprozent Zürich / Migros Kulturprozent Jazz und Accenture-Nights rundet die Firma ihr präzis gefasstes, qualitativ hochstehendes Profil in der Programmation ab. Johannes Vogel, geboren 5.4.1962, verheiratet , 2 Söhne, Studium in Allgemeiner Geschichte, Neuerer Deutscher Literatur und Volkskunde an der Universität Zürich. 1994: Gründung der All Blues Konzert GmbH in Winterthur,2007: Umwandlung in die AllBlues Konzert AG. Seit 1994 mehr als 1.000 Konzerte als AllBlues in der ganzen Schweiz.

Sie haben in den letzten Jahren viele eigene Reihen und Formate wie die Vulcain Jazz Classics, die Accenture Nights, die Neumünster Konzerte entwickelt. Wie wichtig sind diese für den Erfolg von allblues und was sind die Gründe? Konzertreihen geben dem Veranstalter die Möglichkeit, sich dem Publikum über einen längeren Zeitraum zu präsentieren. Kontinuität, das langfristige Planen und Durchführen von Konzerten, ist meines Erachtens das wichtigste Kriterium für den Erfolg eines Veranstalters. Neben der Qualität der Konzerte und einem präzisen Profil in der Programmation. Oder anders gesagt: Man sollte nicht einfach alles machen, was den Saal füllt. Sondern nur das, was zu einem passt. Und im Falle von AllBlues ist das Jazz und das "links und rechts" davon, wie Funk, Soul, Worldmusic, Singer-Songwriters, Folk-Pop, etc. allblues besteht seit diesem Jahr 20 Jahre. Blicken wir nach vorne. Was darf man in der Jubiläumssaison nicht verpassen? Das Jubiläum haben wir ja schon gefeiert mit der Herausgabe eines Fotobuches und dem Jubiläumskonzert mit der Nils Landgren Funk Unit im Mai dieses Jahres im Kaufleuten Zürich. Nun machen wir einfach so weiter wie in den letzten 20 Jahren, auch wenn es mittlerweile etwas mehr Konzerte sind als zu Beginn (nämlich weit über 100 pro Jahr in der ganzen Schweiz…) : Erstklassige Konzerte, die zu AllBlues passen: Wie Herbie Hancock und Dianne Reeves, wie James Taylor und Ed Sheeran, wie Annett Louisan und Gregor Meyle, wie Pink Martini und die FarewellTournee des Orquesta Buena Vista Social Clubs oder wie Tower of Power und Incognito, um nur ein paar wenige zu nennen… Warum nach Zürich kommen? … weil's jazznojazz nur in Zürich gibt! Die Fragen stellte Kai Geiger, Herausgeber der arttourist.com


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jazzahead!

in Bremen: mehr als eine Messe © Jens Schlenker

Bremen ist auf der Jazz-Landkarte ganz groß – wenn nicht sogar die Hauptstadt. Denn hier trifft sich im April alles, was Rang und Namen in der internationalen Szene hat. Eine Jazzmesse für Fachbesucher und das breite Publikum mit über 100 Konzerten und angegliedertem Kulturfestival. Blickt man heute auf einen Bremer April und die Musikfachmesse jazzahead!, so fällt es schwer zu glauben, dass alles 2006 als kleine Veranstaltung mit 91 Ausstellern begann. Längst ist die jazzahead! nicht mehr nur Branchentreff, sondern auch ein Kulturfestival, das in ganz Bremen sichtbar ist und weit über den Jazz hinausweist. Und das sehr erfolgreich: Allein 2014 zog das Musik- und Kulturprogramm über 22.000 Besucher an, im Jubiläumsjahr 2015 werden laut Veranstalter noch mehr Besucher erwartet. Die jazzahead! meistert dabei einen Spagat zwischen erfolgreicher Fachmesse und abgerundetem Publikumsprogramm. „Eine einmalige Entwicklung mit Modellcharakter“, so jazzahead!-Projektleiterin Sybille Kornitschky. Während sich die internationale Jazzmusikszene - 2.800 Fachteilnehmer und 700 ausstellende Firmen - in der MESSE Bremen austauscht und vernetzt, ist der Besucher mittendrin. Denn das integrierte ShowcaseFestival ist für alle zugänglich und gibt mit seinen 40 Showcases (30-minütige Kurzkonzerte) nicht nur Fachleuten einen wunderbar komprimierten Einblick in die aktuell spannendsten Jazzproduktionen der Welt. Darüber hinaus werden dem Besucher bereits zwei Wochen vor und parallel zur Messe weitere 60 Konzerte sowie Ausstellungen, Lesungen, Performances, Kino- und Theaterabende und vieles mehr rund um das jährlich wechselnde Partnerland geboten. Im April 2015 stellt sich Frankreich mit seiner Kunst- und Musikszene in Bremen vor.

Showcase-Festival mit Qualität und Herz An vier Tagen im April bereichert die jazzahead! Bremens Kulturangebot mit einem prall gefüllten Liveprogramm auf drei Bühnen innerhalb der Messe und des angrenzenden Kulturzentrums Schlachthof. Gegliedert in vier Module zeigen 40 Bands aus Deutschland

(German Jazz Expo), dem Partnerland (French Night), Europa (European Jazz Meeting) und Übersee (Overseas Night) im Showcase-Festival der jazzahead! die große Bandbreite des Jazz. Sie wurden zuvor von Fachjurys aus mehreren Hundert Bewerbungen ausgewählt. Ihr Auftritt sichert den Showcase-Bands die Aufmerksamkeit eines internationalen Entscheider- und

Fachpublikums der weltweiten Jazz- und Musikszene bestehend u.a. aus Festivaldirektoren, Programmverantwortlichen von Clubs und Vertretern von Plattenfirmen. Während der Messe und des Festivals werden Bands gebucht, Verträge geschlossen und Tourneen geplant. Die Stimmung ist besonders herzlich, die jazzahead! wird von ihren Teilnehmern auch © Frank Pusch / MESSE BREMEN


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vielfach als das große Familientreffen des Jazz beschrieben. Hier kommt zusammen, was zusammen gehört. Dabei ist die Messe alles andere als eine „kleine“ Veranstaltung - Stars von Weltrang, die großen Namen der Szene und solche, die dabei sind, es zu werden, sind mit von der Partie.

Clubnacht in Bremen: 1 Nacht, 1 Ticket, über 30 Spielstätten Am Samstag der jazzahead! (25.4.2015) swingt ganz Bremen, wenn die Clubnacht die Stadt erobert und über 30 Spielstätten in Jazzclubs verwandelt. Schiffe, Theater, Museen, Kirchen, Hotellobbys und natürlich auch reguläre Clubs gehören dazu. Vom späten Nachmittag bis in die frühen Morgenstunden kommen Jazz-Liebhaber dabei voll auf ihre

Kosten. Musikalisch ist das Spektrum so breit wie die Spielstätten unterschiedlich sind: von klassischem Jazz, großartigen Stimmen und vielen Ausläufern in andere Genres wie Funk, Soul und Blues ist alles dabei. Mal hier reinhören, mal dort länger bleiben – ein Ticket ermöglicht den Eintritt in alle teilnehmenden Spielstätten und garantiert einen spannenden Festivalabend. Auch über den Transport zwischen den Clubs muss sich der Besucher nicht sorgen, im Ticket ist ein Shuttle-Service inkludiert.

Kulturfestival: Accents français! In Ihrem zehnten Jahr rückt die jazzahead! Frankreich als Partnerland in den Mittelpunkt. Den Auftakt des zweiwöchigen Kulturfestivals in Bremen macht ein großer Eröffnungsabend am 9. April 2015 im Theater Bremen, gefolgt vom Jubiläum mit Open-Air Bühne am 11. April auf dem Marktplatz Bremen. In den zwei Wochen vor der jazzahead! gibt es die vielfältige Kulturszene Frankreichs in Lesungen, Theater, Performances, einem Kinder- und Jugendprogramm sowie Konzerten zu entdecken. Gekrönt wird dieses Kulturfestival mit dem Galakonzert im Konzerthaus Die Glocke am 24. April 2015 bei dem das Akkordeon das zentrale Instrument der angekündigten Stars im Programm sein wird. Auch im Rahmen der jazzahead! clubnight am 25. April 2015 und am Eröffnungsabend des Showcase-Festivals auf der jazzahead! wird viel französischer Jazz die Stadt zum Klingen bringen.

© Jens Schlenker

INFORMATIONEN jazzahead! MESSE BREMEN WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH Findorffstraße101 D-28215 Bremen www.jazzahead.de info@jazzahead.de Tel.: +49 (0)421 3505-287

TERMINE 09. - 26. April 2015 Kulturfestival 23. - 26. April 2015 Messe

24. April 2015 Galakonzert im Konzerthaus Die Glocke 25. April 2015 jazzahead! clubnight

HIGHLIGHTS der 10-jährigen Jubiläumsausgabe Partnerland Frankreich 09. April Eröffnungsgala Kulturfestival im Theater Bremen 11. April 2015 Open-Air-Bühne auf dem Marktplatz

TOURISTISCHE ANGEBOTE Bed & Jazzfest – Festivalwochenende in Bremen (2-Tages-Pauschale ab 99,-€ pro Erwachsener im DZ) Reise zum Ticket - für die verschiedenen Kulturfestival-Events

(2-Tages-Pauschale ab 69,-€ pro Erwachsener im DZ) Buchbar über die BTZ Bremer TouristikZentrale unter +49 (0)421 3080010 oder www.bremen-tourismus.de/ Weitere Information zu Hotelangeboten und der Anreise unter www.jazzahead.de/hotel-anreise/


Billie Magazin_Ausgabe_10.2014_Anz. 22.09.14 10:01 Seite 1

in the spirit of jazz

ACT 9577-2 (auch als lp)

ACT 9571-2 (auch als lp)

ACT 9572-2

ACT 9573-2 (auch als lp)

ACT 9575-2

ACT 9673-2

ACT 9728-2

ACT 9627-2

ACT 9574-2

ACT artists in concert: karten jahnke jazznights mit jacob karlzon 3 & manu katché 4 vom 17.10. - 30.10. (info: www.kj.de) lars danielsson liberetto: 20.11. elmau 22.11. innsbruck 24.11. wien 25.11. münchen jerry léonide quartet: 9.12. münchen emile parisien quartet: 12.11. mannheim 13.11. münchen 15.11. tübingen 17.11. frankfurt 18.11. jena tobias christl wildern: 8.11. bayreuth 20.11. münchen

alle ACT-veröffentlichungen auch auf allen gängigen downloadportalen erhältlich vertrieb: edel:kultur

www.actmusic.com


Die Donaueschinger Musiktage 2014

vom 17. bis 19. Oktober

Die Donaueschinger Musiktage sind traditionsgemäß ein Produktions- und Autorenfestival, eine Messe des Neuen.

Nicht geklärt ist allerdings, ob es die reine Freude am alljährlichen Kreisen des Komponistenkarussells ist, die den Pilgerstrom aus aller Herren Länder in das abgelegene Städtchen auf der Baar auslöst. Vielleicht ist es in unserer digitalen Zeit, in der alles möglich, alles unmittelbar abrufbar ist, eher das Vermögen, zu fokussieren und zu kontextualisieren sowie die Aufmerksamkeit auf eine gemeinschaftliche Perspektive zu richten, die Voraussetzung

Foto: Tilman Stamer

für ein nachhaltiges Interesse. Vor diesem Hintergrund hinterfragen die Donaueschinger Musiktage in diesem Jahr, woraus sich Kunstwollen eigentlich speist, wie es sich materialisiert und in welchem Medium es letztendlich Ausdruck findet, wann künstlerische Ideen in ein Konzert, wann in eine Ausstellung oder in eine Lesung münden. Zu diesem Zwecke wurden

Komponisten eingeladen, die sich über ihr musikalisches Tun hinaus auch in anderen Metiers äußern und die von den Wechselbeziehungen der Disziplinen profitieren. Beispielhaft erwähnt seien Wolfgang Rihm und Hans Zender, die neben ihrer kompositorischen Bedeutung auch als herausragende Essayisten hervortreten. Brice

Pauset ist auch Cembalobauer und Cembalist. Die Komponisten Kryštof Marˇatka und Pascal Dusapin sind gleichzeitig Filmemacher und Fotokünstler. Friedrich Cerha, Brian Ferneyhough, Chris New­man und François Sarhan stellen auch als bildende Künstler aus. Manos Tsangaris wiederum ist der Schöpfer eines multiperspektivischen


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finden, wohl aber prägend für deren künstlerischen Ansatz sind. Wie weit der Autonomieanspruch in die einzelnen Werke hineinreicht, vermag die neue Komposition „points & views“ von Peter Ablinger zu vermitteln: ihr erster Satz ist eine großformatige Fotoarbeit und der zweite ein Musikstück. Aus gesellschaftlicher Perspektive sind die Donaueschinger Musiktage damit eine Reaktion auf die zunehmende Spezialisierung aller Lebensbereiche, die durch die Digitalisierung einen neuen Schub erhalten hat. Gilt doch horizontale Spezialisierung seit langem als Ideal der Arbeitsordnung, als Insigne des Fortschritts, als Voraussetzung der Automatisierung, Radikalisierung und Ökonomisierung der Gesellschaft – auch der Künste. Minimale Anstrengung, maximales Resultat. Dieser hohe Grad an Spezialisierung ist in der Musik von besonderer Bedeutung. Wir alle wissen es: Musiker zu sein bedarf nicht nur eines besonders hohen Grades an Spezialisierung, sondern diese setzt auch sehr früh ein. Und gerade in der Mu-

Airmachine – konstruiert von Ondřej Adámek

sik gilt es als ein ausgesprochenes Tabu, einer anderen Profession nachzugehen. Auf der anderen Seite verfügen wir mit dem Computer, dieser Universalisierungsmaschine unserer Zeit, über ein elementares Werkzeug, das die Voraussetzungen dafür schafft, um alle medialen Daseinsformen – unabhängig ihrer inhaltlichen Werte – zu disponieren und damit die ReIntegration der Disziplinen und die EntDifferenzierung der Gesellschaft und der Künste voranzutreiben – mit dem Resultat einer paradoxen Situation: Trotz des ausgeprägten Spezialisierungsstrebens in allen gesellschaftlichen Bereichen erwartet die Gesellschaft (auch in den Künsten) ein gänzlich anderes Menschenbild: jenes des Alleskönners. Die Musik betreffend sei auf jenen Künstlertypus verwiesen, der zugleich als Komponist und Performer oder Komponist und Softwareentwickler, Sänger und zugleich Songwriters agiert. Und so sind, grob formuliert, einerseits die Omnipräsenz des Multimedialen, andererseits die permanent fortschreitende Spezialisierung in der Gesellschaft die beiden elementaren Hintergründe für das gewählte Festivalthema. Die schlichte Konjunktion „und“ als Titel für das Festival und die Ausstellung kann durchaus auch als Versuch gelesen werden, historisch besetzte Begriffe wie die der Doppel- oder der Mehrfachbegabung zu umgehen. Es handelt sich um ein Zitat. Wassily Kandinsky verfasste 1928 einen gleichnamigen Essay, in dem er das 19. Jahrhundert als eines der Absonderung, Spezialisierung, Fragmentierung und Segmentierung: des „Entweder – Oder“ bezeichnete, während er das 20. Jahrhundert in der Kunst – trotz der rasch weiter fortschreitenden Autonomisierung aller Lebens- und Gesellschaftsbereiche – als eines des „Und“, des Neubeginns der „synthetischen Künste“ charakterisierte.

Videoart des Komponisten Johannes Kreidler

© Steven Sussman

Abenteuer Neugierde SWR NEWJazz Meeting 2014 Musikalische Begegnungen möglich machen, die unter normalen Bedingungen nicht möglich sind – das ist Ziel des alljährlich stattfindenden SWR NEWJazz Meeting. 1966 wurde dieses Jazzlabor des Südwestrundfunks vom ehemaligen SWF-Jazzredakteur Joachim-Ernst Berendt erfunden. Die Idee: verschiedene improvisierende Musiker erarbeiten in den Rundfunkstudios des Südwestrundfunks ein Programm, das sie im Anschluss daran in öffentlichen Konzerten im Sendegebiet präsentieren. Von Anfang an war das NEWJazz Meeting mehr als ein zwangloses „Come Together“ in einem Studio. Die Musiker dieser weltweit einmaligen Institution nutzten die Gelegenheit, im radiophonen Kontext Konzepte zu entwickeln für die auf der von Konventionen geprägten Szene nur wenig Platz war. So wurde das SWR NEWJazz Meeting schnell zu einem Sensor und Katalysator für sich anbahnende Jazzentwicklungen. In den Baden-Badener Rundfunkstudios präsentierten die Musiker der einflussreichen Chicagoer Musikerorganisation AACM (Lester Bowie und Joseph Jarman) ihre wegweisenden Ansätze zum ersten Mal auf dem Alten Kontinent. Das SWR NEWJazz Meeting wurde zu einem Resonanzboden für die vielfältigen Entwicklungen der europäischen Jazzemanzipation von Alexander von Schlippenbach über Joachim Kühn und Gianluigi Trovesi bis hin zu Vincent Peirani. Und hier regten sich besonders früh jene Impulse, die für eine kreative Öffnung des Jazz zu den großen nichtwestlichen Musikkulturen sorgten (Rabih-Abou Khalil und Renaud Garcia-Fons). Das diesjährige SWR NEWJazz Meeeting bringt improvisierende Musiker aus Südamerika, den USA und Europa zusammen. Das SWR NEWJazz Meeting 2014 auf Tour: Karlsruhe, Tollhaus: 21.11. | Tübingen, Sudhaus: 22.11. | Mainz, Frankfurter Hof: 23.11. Das Ensemble: Jakob Bro, Gitarre | Melissa Aldana, Tenorsaxophon | Kirk Knuffke, Kornett | Jacob Sacks, Klavier, Fender Rhodes | Joe Martin, Bass | R. J. Miller, Schlagzeug

© Madeleine Ventrice

Next Generation Das Off-Programm der Donaueschinger Musiktage

17. – 19. Oktober 2014

Plakatgestaltung: Wolfgang Bosse. plonk-art.de

Universaltheaters. Bei kaum einer anderen Komponistin tritt utopische Paradoxie so in Erscheinung wie bei Jennifer Walshe: Wir erleben sie als multiple Persönlichkeit, die mit den von ihr erfundenen professionellen, halbprofessionellen, nichtprofessionellen Künstlerfiguren das Prinzip vom Alles- und Nichtskönner als vollkommene Fiktion lustvoll ausspielt. Im Zentrum des Festivals steht dabei nicht die große neue Welt hybrider oder transdisziplinärer künstlerischer Produkte, sondern stehen Positionen, die auf die Autonomie der jeweiligen Kunstsparte setzen. Neben den üblichen Konzerten, Installationen und Performances gibt es Lesungen, Film- und Videovorführungen sowie eine thematisch begleitende Ausstellung bildender Kunst. Die darin gezeigten Arbeiten stammen ausschließlich von Komponistinnen und Komponisten. Aus dieser Perspektive bieten sie herausragende Einblicke in Tiefenschichten des Kunstwollens der betreffenden Künstler, die im Kontext der Konzertsituation ansonsten keine oder kaum Beachtung

BILLIE | arttourist.com 2|2014

Wie war das gleich mit der vorherrschenden Haarfarbe auf Europas Hochkul-

den dann in der Musikhochschule in Trossingen die

Seinen Abschluss findet „Next Generation“ immer

turfestivals – Silbergrau? Mag sein. Nicht jedoch in Donaueschingen! Jung ist

ersten Seminare und Workshops statt, begleitet von

am Montag nach den Donaueschinger Musiktagen

hier nicht nur die Musik, die bei diesem Uraufführungsfestival alljährlich aus

einem Konzert mit Kompositionen der Teilnehmer

der Taufe gehoben wird, sondern zum überwiegenden Teil auch das Publikum

des Workshops. Die Themen für die Workshops und

selbst. Dafür sorgt nicht zuletzt das Off-Programm des Festivals, das unter dem

Seminare beziehen sich jeweils auf das Festivalthe-

Titel „Next Generation“ von Festivalleiter Armin Köhler vor neun Jahren auf

ma der Musiktage: Komponieren für den Raum zum

den Weg gebracht wurde. Es bietet jährlich 180 Studenten aus aller Welt die

Beispiel oder musikalische Großformen; 2014 dreht

Organisiert wird „Next Generation“ im Team: ge-

Möglichkeit, nicht nur schlechthin am Festivalgeschehen teilzuhaben, son-

sich alles um das Phänomen der Spezialisierung in

meinsam mit den Musiktagen und dem Amt für

dern mittendrin zu sein, an den Proben teilzunehmen, mit den Künstlern des

unserer Gesellschaft und im Musikleben. Von Frei-

Kultur und Marketing der Stadt Donaueschingen

Festivals zu diskutieren oder sich wertvolle Tipps von ihren Lehrervorbildern,

tag bis Sonntag besucht man die Proben und die

und der Musikhochschule Trossingen laufen die

deren Werke gerade präsentiert werden, zu holen. Insgesamt haben sich damit

Konzerte der Musiktage. Besonders begehrt sind

Fäden für das Projekt seit diesem Jahr an der Hoch-

seit der Gründung nahezu 2.000 junge Menschen aus 20 Nationen in Donau-

die Seminarplätze im Anschluss an solche Proben,

schule der Künste Bern bei Angleraux Graziella

eschingen auf dem Gebiet der Neuen Musik weitergebildet.

in denen dann ganz konkrete Fragen an die Interpreten und die Schöpfer der Werke gestellt werden

Donaueschinger Musiktage

Chiyoko Szlavnics Transmission, 2012 Tusche auf Papier

Veranstalter: Gesellschaft der Musikfreunde Donaueschingen in Zusammenarbeit mit der Stadt Donaueschingen, dem Südwestrundfunk und dem Experimentalstudio des SWR. Gefördert durch das Land Baden-Württemberg, die Kulturstiftung des Bundes und die Ernst von Siemens Musikstiftung.

Kartenvorbestellung: Amt Kultur, Tourismus und Marketing, Karlstraße 58, 78166 Donaueschingen, Tel.: 0049 771 857266, Fax: 0049 771 857228 Programm: www.swr2.de/donaueschingen

wiederum mit Seminaren und einem Abschlussforum mit dem Festivalleiter in der Trossinger Musikhochschule.

Contratto, Lennart Dohms und Johanna Schweizer zusammen. Da die Donaueschinger Musiktage über die Arbeit

„Next Generation“ ist im Grunde ein Festival im Festival, zu dem sich gan-

können. Ein Höhepunkt ist das Studentenkonzert

ze Seminargruppen aus Wien, Barcelona, New York, Moskau, Bremen, Köln

in Donaueschingen mit ausgewählten Werken der Kursteilnehmer. Wessen

mit Studenten hinaus auch Angebote für Kinder, Jugendliche und im Bereich

oder Dresden bereits im Frühsommer anmelden. Das Off-Programm beginnt

Werke gespielt werden, darüber entscheidet eine Expertenkommission eu-

der Lehrerfortbildung macht, hat das Festival vor zwei Jahren unter dem Label

jeweils am Mittwochabend vor dem Festivalwochenende im Oktober mit ei-

ropäischer Musikhochschulen, deren Ensembles für Neue Musik dann auch

maD, music academy donaueschingen, eine große Weiterbildungsakademie

ner zünftigen Eröffnungsparty: Man schreibt sich ein, tauscht sich aus und

das Konzert bestreiten. Höhepunkte bislang waren die Konzerte mit den En-

gegründet, die unter einem Dach ein breites Spektrum von Zielgruppen an-

entwickelt erste Strategien zum Besuch der Workshops. Am Donnerstag fin-

sembles der Musikhochschulen Trossingen, Stuttgart, Luzern, Köln oder Basel.

spricht.


BILLIE | arttourist.com 2|2014

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Neue Musik und Jazz im Südwesten Initiiert und veranstaltet vom Südwestrundfunk Eberhard Stett im Gespräch mit Armin Köhler, Leiter der SWR-Redaktion Neue Musik und Jazz und künstlerischer Leiter der Donaueschinger Musiktage. ES: Weshalb setzt sich das Neue in der ernsten Musik nicht automatisch durch? Funktioniert hier der „Markt“ nicht wie beispielsweise in der Literatur und bildenden Kunst? AK: In der Neuen Musik gibt es so etwas, was man auch nur ansatzweise als „Markt“ bezeichnen könnte, nicht. Die Musik als ein flüchtiges und zeitgebundenes Medium gehorcht ihren ganz eigenen Gesetzen. Die Gründe, weshalb Neue Musik sich nicht in gleicher Intensität und Geschwindigkeit wie neue Literatur und bildende Kunst durchsetzt, sind vielschichtig. Aus Platzgründen seien nur die drei wichtigsten genannt: Der erste betrifft die Erwartungshaltung, die die Gesellschaft an Musik im Allgemeinen richtet. Anders als in der Filmkunst oder in der Literatur erwartet man von der Musik einzig, dass sie unterhalten oder entspannen möge – Fun ist angesagt. Eine geistige, schöpferische Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Problemen der Zeit über das Medium Musik hat keine oder eine zu geringe gesellschaftliche Akzeptanz. Zweitens erfordert Musikhören Konzentration und in gewisser Weise auch Kontemplation. Ein Buch legt man auch einmal zur Seite - in einer Ausstellung entscheidet der Rezipient (und nicht der Künstler), wie lange er vor einem Bild verweilt. Das kann auch mal nur wenige Sekunden sein. Ein musikalisches Kunsterlebnis stellt sich aber erst dann ein, wenn ich einen musikalischen Prozess über einen längeren Zeitraum verfolge. Ich muss mich darauf einlassen wollen und können. Und wir alle wissen es: Der Faktor Zeit ist Mangelware in unserer Gesellschaft. Und drittens schließlich ist der Musik nichts Objekthaftes eigen. Ein Buch kann ich in meinen Bücherschrank stellen, ein Bild an die Wand hängen. ES: Wie sieht die Förderung der Neuen Musik durch den SWR konkret aus? Welche Anstrengungen unternimmt der SWR für die Neue Musik? AK: Im Vergleich zu allen anderen europäischen Rundfunksendern fördert der SWR die Neue Musik ganz besonders stark. Das werden selbst die größten Kritiker einräumen. So gibt es beispielsweise weltweit keinen anderen Sender, der mit einer solchen Intensität und Nachdrücklichkeit einem neuen musikalischen Denken auf die Sprünge hilft. Hierfür vergibt der Sender jährlich ca. 30 Auftragskompositionen an Komponisten aus aller Welt. Der SWR ist zudem die zentrale Schaltstelle

des traditionsreichsten Festivals für Neue Musik, der Donaueschinger Musiktage. Er ist zwar nicht alleiniger Geldgeber des Festivals, aber ohne seine Kompetenz und sein technisches Know-how wäre es nicht realisierbar. Gleiches trifft auf das Experimentalstudio des SWR zu. Hier erhalten jährlich viele junge Komponisten die Möglichkeit, über einen langen Zeitraum auf live-elektronischem Gebiet zu experimentieren. Man vergibt Arbeitsstipendien und stellt eine technische Ausstattung und Soundingenieure zur Verfügung, deren Qualität ihresgleichen sucht. Ein rundfunkpolitischer Diamant sind die alljährlichen Live-Übertragungen der Donaueschinger Musiktage. Hierfür wurde eigens ein Festival im Festival kreiert: Man überträgt nicht etwa über das gesamte Wochenende nur 1:1 die einzelnen Konzerte des Festivals, sondern vermittelt darüber hinaus Hintergrundberichte, Interviews mit den anwesenden Künstlern, Werkeinführungen, Diskussionen, Gespräche mit Besuchern des Festivals und brandneue Konzertkritiken. Ist „Next Generation“, das Off-Programm des Festivals, eine Schule des Musikmachens, so sind die Live-Übertragungen von SWR2 aus der Stadt auf der Baar eine Schule des Hörens. Und so paradox es klingen mag: Der Hörer am Radio ist auf diese Weise gelegentlich näher am Geschehen dran als der Festivalbesucher vor Ort. Nicht unerwähnt bleiben dürfen die beiden Konzertreihen „ars nova“ und „attacca“, die der SWR mit seinen Partnern über das gesamte Jahr verteilt im Sendegebiet veranstaltet, oder die vielen neuen Werke, die alle Klangkörper des SWR in ihren Konzertreihen zur Uraufführung bringen oder nachspielen. Das SWR Sinfonieorchester BadenBaden und Freiburg wurde für diese Arbeit unlängst mehrfach ausgezeichnet. Zu ergänzen sind noch die wöchentlichen Sendeplätze für Neue Musik, darunter ein aufwendiger Feature-Sendeplatz, den es bei vielen anderen Sendern in dieser Form gar nicht mehr gibt oder die Schwetzinger SWR Festspiele, die alljährlich eine neue Oper aus der Taufe heben und nunmehr immer auch Konzerte mit aktueller Musik in ihr Programm aufnehmen und, und, und…. ES: Weshalb ist es Aufgabe des öffentlichrechtlichen Rundfunks, jenseits der Tradition, Neue Musik zu fördern? Ist es nicht Aufgabe des Rundfunks Bestehendes abzubilden statt Neues zu initiieren? AK: Was macht die Qualität einer Rundfunkanstalt aus? Aus meiner Sicht ist das auf der einen Seite die Kreativität und die Kompetenz ihrer Mitarbeiter und auf der anderen ein vielfältiges und ausdifferenziertes Archiv. Beides ist voneinander

Armin Köhler inmitten der Musiker des SWR Sinfonieorchesters Baden-Baden und Freiburg

nicht zu trennen, beides bedingt einander. Und die Förderung der Neuen Musik dient nachdrücklich dem Ausbau eines individuellen Archivs. Zudem haben die öffentlich-rechtlichen Sender einen Kulturauftrag. Dieser besagt unter anderem, dass ein öffentlich-rechtlicher Sender nicht nur abbilden kann, was ist, sondern dass dieser in das gesellschaftliche Geschehen als Impulsgeber auch offensiv eingreift. Man ist nicht nur journalistischer Begleiter, sondern auch kritischer Aufklärer im traditionellen Sinne. Hierfür werden die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten von der Gesellschaft mit den entsprechenden Potenzen und Kompetenzen ausgestattet. Hierzu gehört aber auch, dass diese Gesellschaft begreift und sich bewusst macht, welche Aufgaben sie dem Rundfunk dereinst übertragen hat, und dass die Einlösung dieser Aufgaben auch finanziell untermauert werden muss. Das ist zurzeit nicht unbedingt immer der Fall. ES: Wenn Sie sich im In- und Ausland umschauen, ist die Situation der Neuen Musik und ihrer Akteure im Südwesten Deutschlands eher paradiesisch oder katastrophal? AK: Die Situation ist eher paradiesisch. Das ist gewiss kein Zufall. Hier im Südwesten sitzen offenbar kluge Köpfe, die zum einen wissen, dass Qualität ihren Preis hat und die sich zum anderen bewusst sind, dass Kultur kein gesellschaftliches freiwilliges Anhängsel, sondern infrastrukturelle Voraussetzung für eine funktionierende Wirtschaft und Gesellschaft ist.

ES: Ist es eher nützlich oder schädlich für das Verständnis von und den Zugang zu Neuer Musik, wenn ich über musikalisch-klassisches Vorwissen verfüge? AK: Man benötigt nicht unbedingt eine musikalische Vorbildung, um Neue Musik hören zu können. Manchmal kann dies sogar schaden ‒ nämlich dann, wenn dem Hörer, von einem wie auch immer gearteten Formenkanon eingeschnürt, ein unverstellter Blick auf ein neues Angebot verwehrt wird. Einzige Voraussetzungen sind Neugier, Offenheit, Sensibilität, eine Prise Kreativität, die wir uns alle über unsere Kindertage hinaus noch bewahrt haben, ein Schuss Konzentration und ein gewisses Kombinationsvermögen. Denn wirklich Neue Musik vollzieht sich nicht in einer allgemeingültigen Sprache, sondern sie bildet für jedes neue Werk eine eigene Sprache aus. Und diese Sprache lerne ich erst beim Hören - gewissermaßen gemeinsam mit dem Komponisten und den Interpreten. Der Komponist ist dem Hörer nur ein ganz kleines Stück voraus. Er ist der Impulsgeber für unsere kreativen Verknüpfungen. Er schlägt mit dem Beginn eines Stückes eine Schneise in den Urwald der Klänge. Wohin der Weg mich allerdings führt, das obliegt einzig meiner eigenen Entscheidung. Immer aber gehen wir den Weg gemeinsam. Der Komponist mag die Töne setzen, wir Hörer setzen die Beziehungen zwischen ihnen. Wir sind immer auf demselben Weg, selbst dann, wenn die von uns gesetzten Beziehungen nicht den Intentionen des Komponisten entsprechen sollten. Denn intentionslose Klänge gibt es ohnehin nicht.

Gamut Inc.| © Christoph Voy

Klangexperimente im 21. Jahrhundert attacca – geistesgegenwart.musik in Stuttgart Stuttgart ist eine Stadt der Erfindungen. Aber nicht nur die Industrie hat

Jules Verne gebaut werden,

Mit dem Radio-Sinfonieorchester Stutt-

Teil am technischen Fortschritt, auch die Kunst treibt uns mit ihren Ide-

um sich eine andere, fiktive

gart des SWR, dem SWR Vokalensemble

en und Einfällen voran. Dabei gilt in der Kunst das Interesse aber nicht

Vergangenheit auszumalen.

Stuttgart, Ilan Volkov, Grete Pederson,

dem ökonomischen Mehrwert, sondern den ästhetischen Möglichkeiten.

Kunst steht dabei immer in

Art Zoyd, Francesco Dillon, Sebastian

Attacca, die SWR2-Konzertreihe für Neue Musik in Stuttgart, stellt im No-

einem Konkurrenzverhältnis

Berweck, Pascal Pons u. a. m.

vember 2014 deshalb einmal die schönsten und versponnensten Klang-

zur ökonomischen Vernunft;

Mit Musik u. a. von Luc Ferrari, Genoël

experimente des 21. Jahrhunderts vor. Alte Walkmen werden auf elek-

sie entwirft Räume, in denen

von Lilienstern, Carola Bauckholt, Geor-

tromagnetische Schwingungen abgehorcht oder Schallplattenspieler auf

sich

denken

ge Lewis, Bernard Parmegiani, Thomas

verborgene Resonanzen hin abgelauscht. Dabei wird deutlich, dass in der

lassen. Zwei Tage lang also

Meadowcroft, Kirsten Reese, Alan Hilario,

Musik der Gegenwart oft historische und vermeintlich überholte Tech-

konfrontiert die Neue Musik

Gamut Inc., Vinyl-Horror & Terror, Tho-

niken neu befragt und auf nicht ausgeschöpfte Potenziale hin erprobt

die Technik aufs Lustvollste –

mas Ankersmit, Phill Niblock

werden. Und da kann es schon einmal geschehen, dass der erste Musik-

nicht nur mit ihren Unzulänglichkeiten, sondern auch mit den verwege-

Theaterhaus Stuttgart: 15. November, ab 17 Uhr

computer, das legendäre Fairlight-System, neu gebootet werden muss.

nen Möglichkeiten, die von der Geschichte fahrlässig übergangen worden

Theater Rampe Stuttgart: 16. November, ab15 Uhr

Oder dass Instrumente nach dem Vorbild von Science-Fiction-Autoren wir

sind.

Alternativen


52  |  Jazz | Neue Musik

BILLIE | arttourist.com 2|2014

Neue Musik

Eine Auswahl an Veranstaltungen, Reihen und Festivals, die sich der neuen und zeitgenössischen Musik widmen Bad Kreuznach

Festival PARKMUSIK Neue Ho(e)rizonte Das kleine aber feine Festival PARKMUSIK Neue Ho(e)rizonte wurde von Sigune von Osten 1996 ins Leben gerufen. Seitdem gibt es am 4. Wochenende im August Samstag / Sonntag auf und rundum den malerisch gelegenen Trombacher Hof Neue akustische und optische Klänge und Eindrücke zu erleben. Das Besondere an diesem Festival ist seine Inszenierung: im historischen Ambiente des 600 Jahre alten Trombacher Klostergutes. und in der unberührten, europäisch geschützten Landschaft (FFH) der Trombachaue. Hier verschmelzen ungewohnte Klänge Neuer Musik, außereuropäische Kulturen, Optische und akustische Kunst, Traditionen, Natur, Luft, Duft, und Licht zu einer einmaligen Harmonie. Dabei öffnen sich Herz und Sinne ohne Vorbehalte. 29.–30.8.2015 | Bad Kreuznach | Trombacher Hof bei Bad Kreuznach | www.artpoint-th.com

Bamberg

15. Tage der Neuen Musik Bamberg – "plugged!!!!" Zeitgenössische Musik in einer der schönsten historischen Städte Deutschlands! Alle zwei Jahre holen die Tage der Neuen Musik Bamberg un- © Tage der Neuen Musik Bamberg, Jugendkonzert am Gagelmann (Foto: erhörte Klänge in die Weltkul- Rolf-Bernhard Essig) turerbestadt. Künstler aus dem In- und Ausland gestalten das Festival zusammen mit herausragenden Bamberger Musikern. Sie bleiben jeweils für mehrere Tage in der Stadt, proben dort und realisieren auch Projekte mit Mitgliedern anderer Ensembles – Gelegenheit zu gegenseitiger Inspiration, zu gemeinsamem Experiment und zum Dialog, auch mit dem Publikum. Das Festival wurde 1987 gegründet und stand bis 2009 unter der Leitung des Komponisten Horst Lohse. Sein Nachfolger ist seit 2011 der Dirigent und Musikmanager Markus Elsner. Composer in Residence: Minas Borboudakis | Ensemble in Residence: Sonar Quartett | Künstlerische Leitung: Markus Elsner 7. – 10.5.2014 | Bamberg | www.tagederneuenmusik.de

Berlin

MaerzMusik Was ist Musik? Auf diese Frage findet heute wohl jeder Musikliebhaber eine andere Antwort. MaerzMusik reagiert offensiv auf dieses neue Verhältnis zum © MaerzMusik13 Image Berline FestKlang in der Gesellschaft. Das spiele_02 Festival für aktuelle Musik hebt Grenzen auf zwischen Tradition und Innovation. Mit seinem weiten Spektrum von Orchesterund Kammermusik über innovatives Musiktheater bis hin zu experimentellen und medienkünstlerischen Arbeiten bietet es ein faszinierendes und kontrastreiches Panorama der Gegenwartsmusik. Etablierte Künstler und junger Nachwuchs aus der ganzen Welt strömen jährlich im März nach Berlin, um ein dichtes Programm mit vielen Uraufführungen und Neuproduktionen – oftmals Auftragswerke von MaerzMusik – zu präsentieren. Mit wechselnden Schwerpunkten widmet sich das Festival dem musikalischen Geschehen in ausgewählten Regionen. Die beliebte nächtliche Reihe „Sonic Arts Lounge“ stellt außergewöhnliche Spielformen und neueste Facetten technologischer Klang- und Bildproduktion vor.. 20. – 29.3.2015 | Berlin | www.berlinerfestspiele.de

Eckernförde

5. internationales Provinzlärm Festival für neue Musik Provinzlärm ist ein junges, ambitioniertes, internationales Festival für zeitgenössische Musik. Es findet alle zwei Jahre im Ostseebad Eckernförde in Schleswig-Holstein statt und stellt bisher in jeder Ausgabe ein bestimmtes Schwerpunktland, zumeist aus dem skandinavisch-baltischen Raum, in den Fokus. Die Biennale startete 2007 mit dem Länderschwerpunkt Island, es folgten 2009 Lettland, 2011 Finnland und 2013 Polen. 20.–22.2.2015 | Eckernförde | www.neuemusik-eckernfoerde.de

Essen

„NOW!“ Parallelwelten 31.10.2014 – 16.11.2014 „NOW!“ stellt die Seh- und Hörgewohnheiten auf die Probe. Bei der vierten Ausgabe des Festivals für Neue Musik werden Wahrnehmungsgrenzen erweitert und konventionelle Aufführungsräume gesprengt. In Kooperation mit der Folkwang Universität der Künste, dem Landesmusikrat NRW, der Folkwang Musikschule und der Stiftung Zollverein lädt die Philharmonie Essen zu insgesamt 20 Konzerten, Aufführungen, Ausstellungen und einem Symposium ein – an mehreren verschiedenen Spielorten. Unter dem Titel „Parallelwelten“ bekommt man bei den aufgeführten Klassikern der Neuen Musik, aber auch in den Auftragskompositionen einen ständig anderen Blick auf scheinbar Vertrautes. 31.10.–16.11.2014 | 23.10.–8.11.2015 | Essen | Philharmonie Essen www.philharmonie-essen.de/themen-reihen/now-parallelwelten

Essen

Park Sounds Für vier sommerliche Tage wird der Stadtgarten in Essen zur „magischen Klanginsel“ (WAZ): Bei den Park Sounds verfangen sich faszinierende Klänge in den Baumwipfeln, wandern über die Wiesen und berauschen das auf Liegestühlen, Sitzsäcken und Picknickdecken sitzende Publikum. Studierende der Kompositionsklassen der Folkwang Universität der Künste präsentieren gemeinsam mit ihren Professoren jeden Abend von 20 bis 22 Uhr wechselnde Programme, die speziell auf die akustische Situation im Park ausgerichtet sind. Packen Sie den Picknickkorb, öffnen Sie eine Flasche Wein und lassen Sie sich mit Freunden oder Familie von den Klängen der musikalischen Avantgarde im Park inspirieren! 22. – 26.6.2015 | Essen | Stadtgarten Essen www.philharmonie-essen.de/konzerte/event/55886.htm

Halle

10. Festival "Women in Jazz" Der Jazz hat ein neues Gesicht. Wie schon so oft in der etwa ein hundert jährigen Geschichte hat sich das Erscheinungsbild des Jazz gewandelt: Es ist emotional, betörend erotisch, und es ist weiblich.Seit Mitte der 1990er Jahre © MarialyPacheco_Portrait_Presse_ ist zu beobachten, dass die Zahl der Musikerinnen im Jazz stetig ansteigt. Ausgangspunkt dieser Entwicklung war der unerwartete kommerzielle Erfolg der amerikanischen Sängerinnen Diana Krall und Norah Jones. Als ein wichtiges Zentrum dieser Entwicklung hat sich das Festival „Women in Jazz“ in Halle etabliert. Bereits zum vierten Mal trafen im Februar 2009 jazzende Frauen auf ein interessiertes Publikum. 24.4.–3.5.2015 | Halle (Saale) | www.womeninjazz.de

Hamburg

blurred edges – Festival für aktuelle Musik in Hamburg Das Hamburger Produzenten-Festival blurred edges eröffnet vom 5. bis 20. Juni 2015 zum zehnten Mal in Folge den Dialog vielfältiger ästhetischer Positionen aktueller Musik. Mit ca. 50 Veranstaltungen agiert blurred edges als große Plattform des Austausches und der Vernetzung von lokalen sowie internationalen KünstlerInnen, Ensembles und der Öffentlichkeit. Die FestivalbesucherInnen werden sowohl künstlerisch als auch geografisch auf Entdeckungsreise geschickt, denn blurred edges weitet sich während der © Nika Son, Foto von: Sarah Bernhard 16 Tage auf ca. 25 sehr unterschiedliche Orte in Hamburg aus. Ziel ist es, die Sinne zu erweitern und Offenheit für Neues zu schaffen, die gewohnte Umgebung zu verlassen und einen Perspektivenwechsel stattfinden zu lassen. Raus aus der gewohnten Umgebung, hin zu neuen Eindrücken! 5. – 20.6.2015 | Hamburg | www.blurrededges.de

Köln

ACHT BRÜCKEN | Musik für Köln Zeitraum ACHT BRÜCKEN | Musik für Köln findet seit 2011 jährlich Anfang Mai statt und stellt die Musik der Moderne ins Zentrum des Festival-Programms. Wechselnde Programmschwerpunkte laden ein, die Musik unserer Zeit zu erkunden und dabei das © Alan Gilbert, Dirigent Ohr für Neues zu begeistern. Namhafte des New York Philharmnationale und internationale Interpreten nonic gastieren während der Festival-Tage in Köln, aber auch regionale und lokale Musiker bis hin zur freien Musikszene Kölns sind als fester Bestandteil im Festivalprogramm vertreten. ACHT BRÜCKEN verfolgt das Ziel, möglichst vielen Menschen die Musik der Moderne näher zu bringen und damit dieser Musik die Aufmerksamkeit zuteil werden zu lassen, die ihr gebührt. Die täglichen einzigartigen Konzerte und eine breite Palette an Workshops, Filmen, Ausstellungen, Vorträgen und besonderen Angeboten für Kinder bilden dabei ein ausgewogenes und spannendes Programm, das für jeden etwas bereithält, der sich dem Unbekannten und Neuen nähern möchte. 30.4.–10.5.2015 | Köln | achtbruecken.de

Mannheim

Zeitgenössisches Musiktheater am Nationaltheater Mit einer Uraufführung von Lucia Ronchetti setzt die Oper des NTM ihren Fokus auf das zeitgenössische Musiktheater in der Spielzeit 14/15 fort. Die renommierte italienische Komponistin schreibt für das Nationaltheater eine komische und phantastische Oper über die sich dem Ende neigende Welt der Bücher, über Prüfungen und Konzentrationsmängel, über Störungen und Gestört werden und über Menschen, die sich in den Randzonen einer Stadt bewegen. Das Libretto wird von dem Autor Ermanno Cavazzoni, der bereits die Vorlage zu Federico Fellinis Film Die Stimme des Mondes schrieb, auf Grundlage seines Romans Mitternachtsabitur verfasst. Esame di mezzanotte wird am 29. Mai 2015 in der Inszenierung und Ausstattung von Achim Freyer uraufgeführt. 29.5.2015 | Mannheim | Nationaltheater www.nationaltheater-mannheim.de

Mühlheim an der Ruhr Utopie jetzt!

Zum 11. Mal findet in Mülheim an der Ruhr das Festival für Neue Musik „Utopie jetzt!“ statt. Die Programmgestaltung kann im Jahre 2014 nicht ohne Reaktion auf die europäische Geschichte der letzten hundert Jahre geschehen: zu sehr haben die beiden Weltkriege und ihre Folgen unsere Zeitsituation geprägt. Unter dem Motto „Aufschrei“ versammelt das Festival dazu am Wochenende vom 24. bis 26. Oktober 2014 klangliche Reflektionen, die zum Zuhören, Verweilen und Nachdenken anregen. 24.–26.10.2014 | 28.–30.10.2016 | Mühlheim an der Ruhr www.utopie-jetzt.de

Niedersachsen Musik 21 Festival

Das „Musik 21 Festival“, 2008 ins Leben gerufen, ist der jährliche Höhepunkt des Netzwerkprojekts „Musik 21 Niedersachsen“. Zu einem © Foto: Klaus Fleige Jahresthema präsentieren niedersächsische Partnerakteure und internationale Gäste in Konzerten, Workshops, Installationen und Performances Musik von der klassischen Avantgarde bis zur Gegenwart – quer durch Genres und Disziplinen. Unter der künstlerischen Leitung von Stephan Meier findet das dreitägige Festival alle zwei Jahre in Hannover und im Wechsel in anderen Städten Niedersachsens statt. 10.–12.7.2015 | Hannover | Musik 21 Festival „Klang-Körper“ www.musik21niedersachsen.de

Oldenburg

MUSIK MACHT BILDER: LANGE NÄCHTE DER MUSIK in Bremen und Oldenburg Mit zwei Festivals zum Thema „MUSIK MACHT BILDER“ veranstalten die 11 Netzwerkpartner von klangpol - Netzwerk Neue Musik Nordwest das in Oldenburg äußerst erfolgreiche Format der „LANGEN NACHT DER MUSIK“ 2015 erstmals auch in Bremen. Im Bereich des alten Güterbahnhofs in Bremen und entlang der Peterstrasse in Oldenburg zeigen sie © Foto von Louisa Oeltjenbruns ein Programm an der Schnittstelle zwischen Musik und visuellen Künsten. Dabei kommen auch Stücke und Performances unter Einbeziehung von Laien und SchülerInnen zur Aufführung. 16.5.2015 | Bremen | 20.06.2015 | Oldenburg | www.klangpol.de


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Sachsen-Anhalt

IMPULS-Festival für Neue Musik in Sachsen-Anhalt Insgesamt 9 Ur- und Erstaufführungen, darunter 5 Auftragskompositionen stehen beim IMPULS-Festival 2014 auf dem Programm, neben Helmut Oehring von dem New Yorker Komponisten und Rapper Gene Pritsker, dem Leipziger Komponisten und Pianisten Stephan König, dem französischen Komponisten Karol Beffa und des britischen Schlagzeuger, © Yejin Gil (Artist ist Residence) Komponisten und Dirigenten James Wood. Mit erst 16 Jahren ist Jorma Marggraf der jüngst Komponist des diesjährigen Festivals. Der Hallenser gewann 2013 im Rahmen der Orchesterwerkstatt im Nordharzer Städtebundtheater dem IMPULS-Preis und damit einen Kompositionsauftrag für das diesjährige Festival. 31.10.–25.11.2014 | Halle, Bitterfeld-Wolfen, Schönebeck, Dessau, Wernigerode, Eisleben, Halberstadt, Quedlinburg, Magdeburg, Leipzig, Berlin | www.impulsfestival.de

Weimar

16. Weimarer Frühjahrstage für zeitgenössische Musik Schwerpunkte des internationalen Festivals sind stets zwei internationale Kompositionswettbewerbe für Kammermusik und Orchester, sowie Konzerte, welche die Stilvielfalt der aktuellen Musik widerspiegeln. Die Konzerte reichen von instrumental geprägten Konzerten über Elektroakustik, Performance und Multimedia bis hin zu Konzertprojekten mit Künstlern aus der Elektro- und Techno-Szene. Für die Preisträgerkonzerte der Kompositionswettbewerbe 2015 stehen die Jenaer Philharmonie unter Leitung von Markus L. Frank, sowie das via nova Ensemble in der Besetzung Harfe, Viola, Horn und Akkordeon zur Verfügung. Neben den Preisträgerkonzerten stehen Konzerte mit dem niederländischen Ensemble Black Pencil, dem Schweizer Ensemble retro disco, dem DJ Stefan Goldmann und den Landesjugendendensembles Neue Musik Thüringen und Niedersachsen auf dem Programm. Die Jugendensembles werden 2015 erstmals mit dem DJ und Elektronik-Künstler Stefan Goldmann ein Gemeinschaftsprojekt realisieren. Die amerikanisch-deutsche Flötistin Carin Levine, der Cellist Moritz Müllenbach aus der Schweiz, sowie die Sängerin und Tänzerin Silje Aker Johnsen aus Norwegen sind zudem als artists in residence zu Gast in Weimar und werden insgesamt drei Konzerte des Festivals als Solisten bereichern. 8.–12.4.2015 | Weimar | www.via-nova-ev.de

Weingarten

Internationale Weingartener Tage für Neue Musik Die Internationalen Weingartener Tage für Neue Musik wurden 1986 von der an der Pädagogischen Hochschule Weingarten lehrenden Pianistin Rita Jans initiiert. Dieses Musikfestival findet jedes Jahr an einem Wochenende (von Freitag bis Sonntag) im Herbst statt und wird veranstaltet vom Förderkreis der Weingartener Tage für Neue Musik e.V. in Zusammenarbeit mit der Stadt Weingarten und der Pädagogischen Hochschule und in Kooperation mit dem Vorarlberger Landeskonservatorium. In jedem Jahr wird ein bekannter Komponist nach Weingarten eingeladen, der während dieser drei Tage anwesend ist und in zahlreichen und vielfältigen Veranstaltungen sein Oeuvre präsentiert. Gerade die Anwesenheit des Komponisten und die enge Zusammenarbeit mit uns bei der Gestaltung des Festivals ist für das Publikum von besonderer Weingarten Attraktivität 7.–9.11.2015 | Weingarten | www.weingarten-neue-musik.de

Wien

Wien Modern Einmal mehr wird das Festival WIEN MODERN die gesamte Stadt Wien in ein dichtes Netz zeitgenössischen Musikschaffens tauchen. Wie bereits in den vergangenen Jahren wird das Festival auch in seiner kommenden Saison Tradition und Innovation miteinander in Einklang bringen, Grenzen überschreiten und die Neugier auf das Kunstschaffen der Gegenwart wecken, klassische Konzertformate hinterfragen, aufzeigen, verwerfen und ganz bewusst neue kreieren und zur Diskussion stellen. 29.10.–21.11.2014 | Wien www.wienmodern.at

Jazz | Neue Musik  |  53

Kurt Weill Fest 2015:

„Vom Lied zum Song“ Das zurückliegende Kurt Weill Fest traf mit seinem Motto „Aufbruch – Weill & die Medien" den Puls der Zeit. Rund 16.500 Besucher haben 2014 die zahlreichen Veranstaltungen im Rahmen des Festivals besucht. Besondere Strahlkraft entwickelten dabei zwei Medien-Projekte, die zu nationaler und internationaler Berichterstattung über das Kurt Weill Fest führten. Zum einen die erfolgreiche Deutschlandpremiere der „Tweetfonie“, eines Konzertereignisses, das die Welt der Neuen Medien und der Orchestermusik miteinander verschmelzen ließ. Zum anderen der Sendebetrieb von WeillFM, einem eigenen Festivalradio – das als Jugendmedienprojekt Furore machte. Beide Projekte zeigten eindrucksvoll, dass das Kurt Weill Fest kein klingendes Museum, sondern eine außerordentlich vitales Musikfest ist. Das kommende Kurt Weill Fest steht unter dem Motto „Vom Lied zum Song“ und ist eine Hommage an die vielseitigste, ursprünglichste und sinnlichste Forme der Kommunikation, in der die Regungen der Menschen in all ihren Facetten zum Ausdruck gebracht werden können. Und es ist ebenso eine Hommage an die beiden bedeutendsten Söhne der Stadt Dessau: an den Dichter Johann Ludwig Müller und den Komponisten Kurt Julian Weill. Seit der Mitte der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts arbeitete Kurt Weill daran, für die jeweilige Botschaft und den voraussichtlichen Empfänger die richtige Melodie, den richtigen Rhythmus, den richtigen Klang zu finden. Es ist jedoch nicht nur der Klang, der die berühmten Songs zu dem machte was sie heute noch sind. Zeit seines Schaffens bewies Kurt Weill ein untrügliches Gespür, ein zartes Fingerspitzengefühl, was die Auswahl seiner Texte und seiner Librettisten betraf. Nicht selten stehen diese im Schatten der Komponisten. So auch ganz zweifellos Johann Wilhelm Müller mit seinen Gedichten. Häufig ist sogar Musikfreunden unbekannt, wer die Verse für die beiden Schubert-Zyklen „Die Winterreise“ und „Die schöne Müllerin“ verfasst hat. Lyrik und Musik – so findet mit „Vom Lied zum Song“ auch bisher Ungehörtes Einzug ins Fest: Franz Schubert, Richard Strauss, Vaughn Williams, Ernst Krenek, Heinrich Heine. Artist-in-Residence und weitere Höhepunkte beim Kurt Weill Fest 2015 Ihre Stimme kennen Millionen, ihre frühen Hits kann der größte Teil der deutschen Bevölkerung auch heute noch mitpfeifen und als Schauspielerin ist sie seit über vierzig Jahren einer der prägenden Charaktere auf deutschen Bühnen. Auch Cornelia Froboess verbindet eine besondere Liebe mit den Texten großer deutscher Dichter und so wird sie sich als Artistin-Residence auf eine von Musik getragene Zeit- und Literaturreise der letzten 200 Jahre begeben und mit herausragenden JazzMusikern der Verbindung zwischen Text und Musik nachspüren. „Vom Lied zum Song“ Vom 27. Februar bis 15. März 2014 werden an 20 Festspielorten in Dessau, Wörlitz, Wittenberg und erstmals auch in Halle und Magdeburg unter dem Motto „Vom Lied zum Song“ knapp 60 Konzerte, von Sinfonik über Kammerkonzert bis zu Ballett und Jazz sowie ein umfangreiches Rahmenprogramm zu erleben sein.

Im historischen Eichenkranz in Wörlitz etwa widmet sich Cornelia Froboess Texten und Briefen von Wilhelm Müller, Kurt Weill, Ernst Krenek und Friedrich Hollaender. Musikalisch wird sie dabei begleitet von Dieter Ilg, einem der international bedeutendsten deutschen Jazz-Musiker. Im Landesfunkhaus Magdeburg und dem Bauhaus Dessau schlüpft die Künstlerin in die Rolle der „Frau Wernicke“ einer fiktiven Berliner Hausfrau, die während des NaziRegimes im Deutschen Dienst der BBC mit Ihren Kommentaren zum Widerstand aufrief. Jazz-Pianistin, Arrangeurin und Komponistin Julia Hülsmann die sich ein feines fünfköpfiges Ensemble zusammengestellt hat begleitet Cornelia Froboess dabei. Texte von Brecht, Kästner, Biermann und Heine sind beim Programm „Liederliches“ zu erleben, welches Cornelia Froboess bereits mit großem Erfolg mit einem der seit Jahrzehnten gefragtesten Jazz-Gitarristen und langjährigen Partner Sigi Schwab entwickelte. Daneben gibt es eine ganze Reihe herausragender Konzerte, die die Grenzen zwischen U- und E-Musik vergessen lassen. So wird es Konzerte geben mit u.a. Wolfgang und Christian Muthspiel, Wolfgang Holzmair mit Siegfried Mauser, Ute Lemper und Katharina Thalbach. Aber auch so altbekannte Gäste wie das Ensemble Modern kommen zurück nach Dessau: Neben einem Kammerkonzert und einem Konzert der „Internationalen Ensemble Modern Akademie“, gibt es eine Aufführung der legendären „Dreigro-

Zu den Festspielhöhepunkten gehören u.a. 27.02.2015, 19.00 Uhr Anhaltisches Theater Dessau Kristjan Järvi & MDR Sinfonieorchester: „Johnny Johnson“ von Kurt Weill 07.03.2015, 19.30 Uhr Theater Magdeburg & 08.03.2015, 19.00 Uhr Anhaltisches Theater Dessau

Ute Lemper: Letzter Tango in Berlin 01.03.2015, 20.00 Uhr Anhaltisches Theater Dessau HK Gruber & Ensemble Modern: „Die Dreigroschenoper“

schenoper“ bei der die ehemaligen Artistin-Residence Ute Gfrerer und HK Gruber das Festspielpublikum begeistern werden. Preisträger des internationalen Lotte Lenya Gesangswettbewerbes werden gemeinsam mit dem ehemaligen Artist-in-Residence James Holmes neben den deutschen Liedern Kurt Weills auch seine amerikanischen Broadwaysongs präsentieren. Aber auch Sinfonisches wird beim kommenden Festival zu erleben sein: Mit der Deutschen Staatsphilharmonie RheinlandPfalz und einer illustren Schar international gefeierter Sänger spürt Dirigent Ernst Theis in zwei Konzerten dem Festspielmotto nach, und lässt in dem ersten facettenreich gestalteten Programm den „Moon of Alabama“ den großen spätromantischen Orchesterliedern begegnen. Zieht sich als roter Faden durch das Festival auch das Verhältnis zwischen Text und Musik, wenn es um Arie und Lied geht, so gipfelt dies im Schlusskonzert der Deutschen Staatsphilharmonie, in der Begegnung mit der Oper Capriccio und deren Schlussszene: Gilt die ganze Oper doch der Frage, ob die Dichtung oder Tonkunst bedeutender sei, ob die Musik den Worten oder die Worte der Musik dienen und so findet sich im Strauss’schen Resumee „Vergebliches Müh’n, die beiden zu trennen. In eins verschmolzen sind Worte und Töne – zu einem Neuen verbunden. Geheimnis der Stunde. Eine Kunst durch andere erlöst.“ die Haltung von Kurt Weill wieder, der in seinem gesamten Schaffen darauf abzielte, dass Schriftsteller und Komponist ein gemeinsames Werk erschaffen sollten.

06.03.2015, 19.00 Uhr Auferstehungskirche Dessau & 08.03.2015, 11.00 Uhr Eichenkranz (Wörlitz) Wolfgang Holzmair & Siegfried Mauser 14.03.2015, 16.00 Uhr & und 15.03.2015, 17.00 Uhr im Anhaltischen Theater Dessau Ernst Theis & Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz

14.03.2015, 19.30 Uhr Marienkirche Dessau Katharina Thalbach und Christoph Israel Informationen und Karten unter: 0341-14 990 900 oder ww.kurt-weill-fest.de


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The Art in Music Künstlerische Freiheit und gestalterischer Rahmen, Form und Funktion, äußere Gestalt und innerer Ausdruck, Ästhetik und Entertainment – diese mal widerstreitenden, mal sich ergänzenden Gegensatzpaare vereinen die Genres des Jazz und der bildenden Kunst wie keine anderen. Es ist also kein Zufall, dass die Kunst nach der Musik zur zweiten großen Leidenschaft von ACT-Chef Siggi Loch wurde. Was die Verbindung von beidem angeht, waren für Loch wie für so viele die LP-Covers von Blue Note eine frühe Inspiration, besonders weil Fotografie sein frühestes Hobby war.

Wie wird man Musiker bei ACT? Musiker brauchen wir für die einzelnen Produktionen und sie werden von Fall zu Fall engagiert. Was ich suche sind außergewöhnliche Künstlerpersönlichkeiten, die mehr sind als nur gute Handwerker. Die zu finden, bevor sie bereits zu Stars gereift sind und es von allen Dächern gepfiffen wird, das ist die eigentliche Aufgabe und ständige Herausforderung. Um einen ACT im Frühstadium zu erkennen, muss ich viele Konzerte mit noch ungekannten Talenten besuchen, wie zum Beispiel 1994 die Jazz Baltica, wo ich Nils Landgren für mich und ACT entdeckt habe. Oder auch ein Konzert unserer Künstlerin Youn Sun Nah in Paris, wo ich den jungen Akkordeonisten Vincent Peirani erstmals gehört habe. Ich habe aber auch stets ein offenes Ohr für die Empfehlungen der Künstler mit denen ich bereits arbeite, wie zum Bespiel Nils Landgren, über den ich Esbjörn Svensson und weitere schwedische Künstler kennengelernt habe. Entscheidend ist aber immer, dass ich die möglichen ACT Anwärter im Konzert vor einem Publikum erlebt habe, um beurteilen zu können, ob jemand nicht nur sein Handwerk beherrscht, sondern auch die Herzen der Zuhörer erwärmen kann. Der Funke muss überspringen. Wer das bei 20 Zuhörern schafft, dem gelingt es vielleicht auch bei 1000. Darüber hinaus ist viel Bauchgefühl dabei. Unsere generelle Philosophie ist es ja, Jazz in seiner ganzen Vielfalt und auch in Verbindung mit anderen Genres zu zeigen. Aber wir müssen immer auch das Gefühl haben, das etwas innerhalb unserer musikalischen Ästhetik schlüssig ist, sonst machen wir es nicht. Wie wird man Künstler auf einem ACT CD Cover? Ist zuerst die Musik, die Komposition da, für die ein Bild gesucht wird, oder inspiriert ein Bild

durchaus den Musiker zu einer Komposition über das Bild? The Music comes first! Erst danach mache ich mir Gedanken über die Vermarktung und die beginnt mit dem Cover. Aber jede einzelne ACT Veröffentlichung soll auch in mein Gesamtkonzept passen, denn für mich ist ACT ein Gesamtkunstwerk und ich verfolge die Idee, herausragende Musikproduktionen mit ebenso relevanter zeitgenössischer Kunst zu kombinieren. Die Leidenschaft für Musik ist zu meinem Beruf geworden. Daneben ist die bildende Kunst mein Hobby. Diese beiden ästhetischen Kommunikationsebenen zu verbinden, ist mir immer wieder eine besondere Freude und deswegen mache ich auch seit über 10 Jahren fast alle Covergestaltungen selbst. Ausnahmen sind Lizenzübernahmen wie z.B. die Veröffentlichungen von Youn Sun Nah. Bei der Auswahl der Motive lasse ich mich von meinem Instinkt leiten. Die Bilder stammen sehr oft aus meiner eigenen Sammlung. Es gibt sonst keinen begründbaren Zusammenhang zwischen den Bildmotiven und der Musik, außer, dass beide Künstler aus der Jetztzeit stammen und den jeweiligen Zeitgeist repräsentieren sollen. Inzwischen kenne ich auch viele bildende Künstler persönlich und bringe sie gelegentlich auch mit meinen ACTs zusammen. Daraus ergeben sich auch immer wieder echte Kooperationen zwischen den beiden Welten, das ist aber eher die Ausnahme. Allerdings möchte ich auch nicht verschweigen, dass wir auch Künstler haben, die sich dieser Konzeption verweigern und dann versuche ich auch nicht, ihnen ein Cover aufzuzwingen, mit dem sie sich nicht identifizieren können. Dann kommt es auch bei ACT zu den üblichen Covergestaltungen mit Künstlerfotos, denn ich will auch keinen guten ACT einem Prinzip opfern.

»Noch heute spricht jeder vom Blue-Note-Stil, meint aber genau genommen nur etwa zehn Jahre der Zusammenarbeit des Fotographen Francis Wolff mit dem Typographen Reid Miles«. In dieser Zeit Mitte der Sechziger fällt ein weiteres Schlüsselerlebnis Lochs: Als Labelmanger der »twen«-LP-Reihe, noch für Phillips, lernt er Willy Fleckhaus kennen, den Mitbegründer und Art Director der noch heute legendären Zeitschrift. »Er wagte für die Cover eine radikale Kombination von Musik und bildender Kunst, damals vor allem Op Art. Diese Zusammenarbeit hat mich geprägt.« Als es dann 1992 mit ACT ans eigene Label ging, kam logischerweise der Wunsch auf, eine ähnlich markante und kreative optische Visitenkarte als »Corporate Identity« zu erschaffen. Nicht ohne Grund lautet der ACT-Slogan seit jeher: The Art in Music.

Peter Saville Peter Saville hat Musikgeschichte geschrieben, obwohl er selbst kein einziges Album aufgenommen hat. Mit seinen Covern für Bands wie Joy Division, New Order und OMD hat er die simple Plattenhülle zum Kunstwerk erklärt. Seitdem er sein Londoner Studio 2003 geschlossen hatte, blieb er jedoch keineswegs untätig. Er arbeitet als Kreativdirektor für seine Heimatstadt Manchester, berät Modelabels wie Yohji Yamamoto oder entwickelt Stoffe für den dänischen Hersteller Kvadrat. Im September 2013 wurde der 59-jährige mit der Goldenen Medaille des London Design Festivals ausgezeichnet. Ein Gespräch über unfreiwillige Credits, kreative Freiheit und einen universellen Sockel. Herr Saville, die meisten Designer haben in ihrer Karriere schon einmal erlebt, dass ihr Name bei einem Projekt unterschlagen wurde. Bei Ihnen ist es genau anders herum. Mir werden ständig Dinge zugeschrieben, die ich gar nicht gemacht habe. Jeder, der irgendwann für mich gearbeitet hat und ein neues Album-Cover herausbringt, behauptet, dass ich es gemacht hätte. Das bringt die Leute immer mehr durcheinander. Oft sind es die Gestalter gar nicht selbst, sondern das, was im Internet oder in Zeitschriften verbreitet wird. Das passiert, weil die Leute erkannt haben, dass über ein Cover mehr gesprochen wird, wenn es von mir stammt. Das ist nichts anderes als PR. Das letzte

Der britische Designer über unfreiwillige Credits, kreative Freiheit und einen universellen Sockel

Album-Cover, für das ich verantwortlich war, war das 2005er New-Order-Album „Waiting for the Sirens‘ Call“. Es sagt in großen Buchstaben „No“. Warum haben Sie 2003 beschlossen, Ihr Studio zu schließen? Zu diesem Zeitpunkt lief gerade eine große Retrospektive meiner Arbeiten im Designmuseum London. Da habe ich gemerkt, dass meine Zukunft nicht mehr meine Agentur, sondern meine eigene Person sein kann. Wenn man fünf bis sechs Angestellte hat, muss man die Arbeit machen, die man machen muss und nicht nur die, die man machen will. Für mich ging es darum, wieder mehr Freiheit zu haben und nicht mehr jeden Monat so viel Geld einspielen zu müssen. Hinzu kam ein ganz praktischer Aspekt. Ich kann nicht mit dem Computer arbeiten. Das macht es heute schwer, im Grafikdesign tätig zu sein. Also tue ich das nicht mehr. Seitdem sind sie vor allem Berater tätig, darunter auch für Ihre Heimatstadt Manchester. Welche Aufgabe hat ein urbaner Kreativdirektor? Es geht darum, die Wahrnehmung von Manchester zu verändern. Der Wunsch der Stadtväter war, wieder eine Rolle zu spielen und nicht den Anschluss an die heutige Wirtschaft zu verlieren. Ich habe versucht, mir vorzustellen, wie Manchester im 21. Jahrhundert verstanden werden könnte. Als Geburtsstätte der industriellen Revolution war Manchester im frühen 19. Jahrhundert die wichtigste

Stadt der Welt. Die Frage war: Wie könnte sie wieder wichtig werden? Ich kam daher mit dem Vorschlag, Manchester als „the original modern city“ aufzufassen: als die erste Stadt der Moderne. In den letzten Jahren gab es viele Treffen, um herauszufinden, was „original modern“ heute bedeuten könnte. Und das wäre? Manchester muss eine Stadt sein, die sich den Problemen der Gegenwart stellt und einen Weg nach vorne zeigt. Dies gilt für alle Aspekte des städtischen Lebens, egal ob es um Wohnen, Transport, Bildung, Kultur oder Nachhaltigkeit geht. Es muss wieder eine Stadt sein, die Innovationen und Zeitgeist hervorbringt. Das ist interessant und kann Manchester wieder zu einer wichtigen Stadt machen. Ein anderes Projekt ist die Zusammenarbeit mit dem dänischen Stoffhersteller Kvadrat, den Sie seit 2004 beraten. Wie kann man sich diese Kooperation vorstellen? Es ging darum, die Erscheinung und das Gefühl der Firma neu zu definieren. Angefangen hat es mit der Typografie des Namens, die klarer und prägnanter wurde. Später haben wir auch die gesamte Kommunikation überarbeitet. Die Schwierigkeit war ja nicht nur, dass die meisten Leute zu dieser Zeit noch nicht einmal den Namen richtig aussprechen konnten. Auch wusste niemand, wer diese Firma ist und woher sie kommt. Ich erinnere mich

an eine meiner ersten Reise nach Ebeltoft an den Sitz des Unternehmens. Die Fotos, die ich von der Landschaft, den Büros oder selbst vom Flughafen gemacht habe, waren anfangs nur für mich selbst gedacht als Erinnerung an diesen Ort. Doch dann haben wir sie fast fünf Jahre lang für die Kommunikation verwendet. Dieser persönliche Zugang war wichtig, um der Firma eine Identität zu geben. Das nächste, was ich mit Kvadrat entwickle, sind ein paar neue Stoffe. Ein Terrain, auf dem Sie sich in den letzten Jahren immer häufiger bewegen, ist die Kunst. Warum? Ich habe Design und Kunst immer als eine symbiotische Beziehung verstanden. Das war für mich schon als Teenager faszinierend. Denn in den siebziger Jahren im Norden Englands existierte keine zeitgenössische Kunst im alltäglichen Leben. Es gab dafür einfach kein geeignetes Forum. Und selbst in London gab es bis vor zwanzig Jahren keine Szene


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Wie sind die Künstler in diesen Prozess eingebunden? Kommt es zu einer Begegnung, einem Austausch zwischen Bildenden Künstler und Musiker, wie z.B. zwischen Daniel Richter und Michael Wollny für »Hexentanz«oder Ai Weiwei mit Lars Danielsson & Wolfgang Haffner? Wie gesagt, zwischen einigen Musikern und den Künstlern entwickelt sich gelegentlich eine persönliche Beziehung, wie im Falle von Nguyên Lê und Nils Landgren mit dem leider verstorbenen Martin Noël. Zuerst war die Kunst und dann die Musik! Zwei großen Leidenschaften die Sie leiten und dafür Leben lassen. Gab oder gibt es die Idee für eine Siggi Loch Symphonie / Ausstellungsprojekt »Musiker einer Ausstellung« wo Sie Musik, Ihre Musiker und Kunst, Ihre Künstler gegenüber und in einen Kontext zueinander stellen? Das passiert durchaus regelmäßig. Es begann 2007 in der Bremer Weserburg mit „Paint it BLUE“ , einer Ausstellung mit Werken aus der „ACT Art Collection“, die mit Konzerten von ACT Künstlern begleitet wurde. Hier wurde auch die „Aktion“ von 1996 wiederholt, in der der Maler Rolf Rose den Musiker Nils Landgren blau anmalte. Dann gab es 2008 im Haus der Fotografie in Hamburg eine große Ausstellung meiner eigenen Fotos mit einem Steinway Flügel als Mittelpunkt, auf dem ACT Künstler konzertierten. Und auch in meiner privaten Galerie in Berlin veranstalte ich regelmäßig Hauskonzerte unter dem ACT Motto „The Art in Music“. Sie bringen immer wieder kreative Köpfe, Musiker und Komponisten zusammen. So auch für das jüngst erschienene »Duo Art Creating

Magic« Album (CD). Wie entstand diese Idee und deren Reiz? Wie haben die Künstler, die zum Teil erstmalig im oder als Duo zusammen gespielt haben, reagiert, sich eingebracht und eine musikalisches Resultat hervorgebracht? Mit dem Erfolg von e.s.t – Esbjörn Svensson Trio stellte sich ein Boom / ein Revival der Klaviertrios im Jazz ein, besonders in Europa. Man kann schon sagen, dass ACT hier ein maßgeblicher Impulsgeber war. Und in den letzten Jahren haben wir verstärkt beobachtet, wie sich eine neue, kammermusikalische, fast schon klassische Innigkeit im europäischen Jazz entwickelt hat, die sich zum einen aus einer gewissen Reduktion und zum anderen aus der Freiheit und Unmittelbarkeit der Kommunikation zweier Musiker speist. Und wenn zwei große Meister aufeinandertreffen, können auch große, magische Momente entstehen, für die man keine weiteren Musiker braucht. Das Duo verkörpert die Essenz dessen, was Jazz ausmacht: Kommunikation. Einige Künstler sind schon lange im Duo unterwegs, etwa, euphorisch gefeiert, Saxofonist Heinz Sauer und Pianist Michael Wollny, oder, gerade besonders in Frankreich DER Jazz-Act der Stunde, Akkordeonist Vincent Peirani und Saxofonist Emile Parisién.

Andere Konstellationen kamen tatsächlich auf mein Anregen hin zustande, etwa das der belgischen Gitarrenlegende Philip Catherine und Bassist Martin Wind. Die beiden verstanden sich im Studio und auf Tour so blendend, dass daraus eine feste Working Band entstanden ist. Gab es auch ein Scheitern in den Duos? Eigentlich nicht. Die Alben, die erschienen sind, haben wir veröffentlicht, weil es musikalisch funktioniert und harmoniert hat. Sicher gibt es Besetzungen, die zukünftig weniger intensiv touren werden, als andere, aber aus unserer Sicht sind sämtliche aktuelle Duo Art Produktionen rund und schlüssig.

Ein weiteres von Ihnen imitiertes und angestoßenes Projekt ist Jazz at the Philharmonic. >>Wie eine Hure in der Kirche<< titelte Spiegel Kultur zu Beginn der Reihe in der Berliner Philharmonie. Wie kam es zu dieser Kooperation und was sind die Pläne? Die Initialzündung: im Jahr 2012 versteigerte die Stiftung Berliner Philharmoniker den Steinway D Flügel, der 1992 speziell für Alfred Brendel als „Artist in Residenz“ der Berliner Philharmoniker angeschafft wurde und auf dem er danach seine Berliner Konzerte spielte, jetzt aber seine Konzerttätigkeit beendete. Als regelmäßige Konzertbesucher und Förderer der Berliner Philharmonie waren

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für zeitgenössische Kunst. Der einzige Kanal, die Werte und Ideen der Kunst auszudrücken und zu kommunizieren, lag damals in den Gebrauchsgegenständen des täglichen Bedarfs. Es waren die Massenartikel! So wie Albumcover? Ja, die Avantgarde der Popmusik war damals so nah an der Kunst, wie ich es mir in meinem Leben überhaupt vorstellen konnte. Die frühen, vom Popart-Gründer Richard Hamilton inspirierten Plattencover von „Roxy Music“ waren sehr wichtig für meine Erfahrung mit zeitgenössischer Kunst und kultureller Ästhetik. Sie waren mein Museum für moderne Kunst. Auch bei Ihren eigenen Coverentwürfen haben Sie immer wieder mit Zitaten aus der Kunstgeschichte gearbeitet. So zitiert die Hülle der New Order Single „Thieves like us“ von 1984 ein Gemälde von Giorgio de Chirico, während die Alben von Orchestral Manoeuvres in the Dark (OMD) dem russischen Konstruktivismus nachempfunden sind. Ich hatte die Freiheit, bei Factory Records den Gedanken der Kunst in den Alltag einzubringen. Ich habe die Albumcover benutzt, um diejenigen Dinge anderen Leute nahe zu bringen, für die ich mich selbst begeistert habe. Ich habe sie schließlich zusammengefügt, als wäre ich ein Kurator und das 12-Zoll-Plattencover meine eigene Galerie, in der

ich drei bis vier Mal im Jahr eine Ausstellung organisieren konnte. Auch später haben Sie skurrile Dinge des Alltages, die Sie in kleinen Läden gefunden haben, in Galerien und Museen gezeigt... Ja, fast alle meiner neuen Arbeiten drehen sich um das Thema Beobachtung. Das tat ich zwar auch früher, nur habe ich mich auf historische Dinge konzentriert. Heute sind es die Dinge, die ich um mich herum sehe: einen kleinen Plastikvogel zum Beispiel. Bestimmt haben ihn auch schon tausende andere Leute bei sich zu Hause. Doch was ihnen fehlt, ist der Sockel, auf den sie ihn stellen können. Darin habe ich daran gearbeitet und einen universellen Sockel entworfen. Einen universellen Sockel? Ja, einen Sockel, den man für 30 Euro in einem Geschäft kaufen kann, um auf ihn die Objekte zu stellen, die man interessant findet. Das würde den Blick der Menschen auf ihre Umgebung verändern in dem Sinne, dass alles irgendwie nach Kunst aussieht. Ich finde es spannend, die Dinge in einem anderen Kontext zu stellen und somit ihre Wahrnehmung zu verändern. Es wäre auch eine Möglichkeit, Dinge mit anderen zu teilen. Wir haben 2008 eine erste Version dieses Sockels in einer Londoner Galerie präsentiert. Er ist zunächst auf 200 Stück limitiert, doch später möchte ich ihn auch unbegrenzt produzieren lassen. Während der Aus-

stellung haben eingeladene Künstler ihre Arbeiten darauf gezeigt. Als mein Galerist Richard Hamilton von meiner Idee erzählt hat, hat er sofort zugesagt und mir seinen Segen gegeben. Das hat mich sehr glücklich gemacht. Was ist dann daraus geworden?
 Das Lustige ist, dass sich das Projekt immer weiter fortsetzt. Bei kommerziellen Projekten wie einem Plattencover erhält man sofort ein Feedback. Und wenn keines kommt, dann kommt auch später nichts mehr. In der Kunst erhält man dieses Feed-

back nicht sofort. Das ist fast schon wie ein Antiklimax. Doch der Unterschied ist, dass die Dinge nicht verschwinden. Der Sockel hatte seine größte Wahrnehmung in diesem Jahr, als ihn Hans Ulrich Obrist in der Ausstellung „Do It“ in Manchester gezeigt hatte. Das sind fünf Jahre später! Im Dezember 2013 wurde der Sockel auch auf der Art Basel Miami gezeigt werden. Er hat ein eigenes Leben erhalten. Wie steht es um die Idee, ihn in Serie zu produzieren? Wir haben jetzt erst einmal eine zweite Edition in einer kleinen Auflage gemacht. Aber sicher: Damit er sein wirkliches Potenzial ausleben kann, müsste er überall zu haben sein. Doch dafür braucht es einen Hersteller. Als ich den Sockel 2008 mit einer gewissen Pop-Sensibilität gezeigt habe, dachte ich, dass ihn tatsächlich bald jeder haben wird (lacht). Aber wir werden sehen. Vielleicht klappt es ja in zehn Jahren. Das wäre wirklich großartig. Das Gespräch führte Norman Kietzmann

Norman Kietzmann schreibt als freiberuflicher Redakteur über Design und Architektur. Nach seinem Designstudium zog es ihn nach Mailand, von wo aus er für zahlreiche deutsche Print- und Onlinemedien berichtet. 2011 wurde er mit dem renommierten „COR-Preis Wohnen und Design“ für den journalistischen Nachwuchs ausgezeichnet.


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ATS Records Gegründet vom Eigentümer Reinhard Brunner 1987 in Leonstein Oberösterreich Österreich. 1994 wurde das erste Album mit Jon Sass - Faces – produziert. Jon Sass ist einer der besten Tubaspieler der Welt, sowohl im Jazz als auch im klassischen Bereich. Es folgten noch 4 weitere Alben mit Jon Sass. Darunter auch sein wunderbares Soloalbum „Sassified“. Jon Sass ist laufend weltweit auf Tour. Ebenfalls bei 3 Produktionen war Doretta Carter mit dabei. Seit 2000 hat sich Reinhard Brunner mehr auf den Bereich Jazz konzentriert. Mit Künstlern wie Jon Sass, Robert Bachner, Jazzodrom, Saxofour, konnten immer wieder hervorragende Alben produziert werden, die auch international Erfolge und Preise bekamen. Robert Bachner konnte mit seinen Quintett den „Hans Koller Preis 2006 - CD Of The Year“ gewinnen. Bei ATSRecords wurden auch eine Menge großer Big Bands, wie das “Upper Austrian Jazz Orchestra“ der „Robert Bachner Big Band“ oder auch

MPS

BOOMSLANG Records

das erste deutsche Jazzlabel Diese drei Buchstaben stehen bis heute für Musikgenuss mit höchsten klangtechnischen Maßstäben: MPS, das Kürzel für Musik Produktion Schwarzwald. Hinter dem Kürzel verbirgt sich eine Geschichte, die von einem Mann erzählt, der Großindustrieller (SABA-Radios, Fernsehen, etc.), Jazzfan und autodidakter Tonigenieur war – Hans Georg Brunner-Schwer. Seit den frühen Sechzigern entstanden im Studio von Hans Georg Brunner-Schwer am Rande der beschaulichen Schwarzwaldstadt Villingen Hunderte von Aufnahmen, die aufgrund ihrer klanglichen Brillanz, aber auch wegen ihrer außergewöhnlichen, weitgespannten Stilistik zwischen Swing und Fusion, zwischen Groove und Experiment bei Jazzliebhabern und -kennern bis heute weltweit für Ehrfurcht sorgen. Im Laufe der Jahrzehnte sind die legendären Produktionen eines der ersten deutschen Jazzlabels auch von einer neuen Generation entdeckt worden. Den Auftakt des Schwarzwaldlabels gestaltete der Mann, der bei MPS unstrittiges Herzstück und „Ahnherr“ aller Veröffentlichungen war und ist: der Kanadier Oscar Peterson. Es war ein großes Abenteuer für alle Beteiligten, als der kanadische Pianist von Weltrang 1961 erstmals Villingen besuchte. HansGeorg Brunner-Schwer (HGBS), ehemaliger Inhaber der Hifi-Dynastie SABA, hatte sich gerade die erste Version seines Studios eingerichtet, oberhalb des Wohnzimmers der Villa, ausgestattet mit der besten Aufnahmetechnik, die damals zu haben war. Genau damit lockte der Pianobegeisterte den Mann aus Kanada zu sich in den Schwarzwald. Direkt nach einem Gastspiel in Zürich überwand Peterson in seiner Limousine die Berge und wurde mit seinem Bassisten Ray Brown und Drummer Ed Thigpen ins Wohnzimmer an den SteinwayFlügel geleitet, wo bereits erwartungsvolle Gäste dem Star aus Übersee entgegen fieberten. Der

Pianogigant und seine beiden Musikerkollegen waren selbst begeistert, als sie nach der Session dem Mitschnitt des nächtlichen Privatkonzerts lauschten. So direkt und unverfälscht hatten sie den Sound des Pianos und des Trios bislang auf Tonkonserve noch nicht vernommen. Ganz so, als säße die Band noch immer an ihren Instrumenten, ohne die Störgeräusche eines Nachtclubs, und trotzdem in denkbar intimer Atmosphäre. Petersons Enthusiasmus besiegelte eine lange Freund- und Seelenverwandtschaft mit dem Hause Brunner-Schwer. Die sechs Aufnahmen gebündelt unter dem Namen „Exclusively for my friends“ sollten der erfolgreiche Startschuss für das Label werden, der weltweit Gehör fand! Dem Ruf folgten Künstler wie George Duke, Albert Mangelsdorff, Joe Pass, Joachim Kühn, Wolfgang Dauner, Friedrich Gulda, Peter Herbolzheimer, Dave Pike, Singers Unlimited, uvm. Ein weiterer Produzent der neben dem Labelgründer maßgeblich am Sound und der Auswahl der Musiker und Aufnahmen beteiligt war, war kein geringerer als der „Jazzpabst“ Joachim Ernst Behrendt selbst. Zusammen veröffentlichten sie weit mehr als 400 Alben. Seit Anfang des Jahres 2014 wird im Zuge der „Wiederaufforstung“ des Schwarzwald-Labels die Originaltonbänder in rein analogem Verfahren behutsam optimiert und erscheinen mit dem OriginalArtwork auf 180 Gramm Vinyl, ausgesuchte Titel auch auf klassischem Tonband für den audiophilen Markt. Parallel hierzu arbeitet der neue Mutterkonzern Edel den kompletten MPS-Jazzkatalog bis Ende 2015 für den digitalen Vertriebsweg auf. Neben dem Klassiker der 6fach Vinyl Box „Exclusively for my friends“ von Oscar Peterson sind auch die CD Reihe wie die 25er MPS Kultur SPIEGEL Edition erscheinen. MPS (Musik Produktion Schwarzwald) www.mps-music.com

ist das Label des österreichischen Schlagzeugers, Produzenten und Festivalbetreibers (Bezau Beatz) Alfred Vogel. Für grosse Aufmerksamkeit sorgte 2012 seine Veröffentlichung VOGELPERSPEKTIVE, eine 5 teilige CD Reihe, auf der Vogel mit zahlreichen Gästen aus New York über Zürich bis nach Berlin musizierte. "Der zeitgenössische Jazz ist um ein pulsierendes Zentrum reicher. Es handelt sich nicht um New York, nicht um Berlin, sondern um: Bezau. Vogels Perspektive eröffnet der improvisierten Musik neue Klangräume. „Think local, play global“ könnte man diese Philosophie nennen.“ (Rondo). BOOMSLANG RECORDS veröffentlicht in den Genres Modern Jazz, Improvised Music und Singer/Songwriter. Musik jenseits des Mainstreams, für entdeckungsfreudige und audiophile Hörer, die auch gerne über den Tellerrand gucken. www.traps.at

CWM-MUSIC Die Collective Workstation of Music (CWMMUSIC) als Label fördert und präsentiert CDs, Bücher und Workshops von außereuropäischer Musik, verbunden mit europäischer Improvisations und Kompositionsmodellen. Elektronisches und Elektroakustisches Instrumentarium verbunden

GLM Music GLM Music ist eine unabhängige Musikfirma, die sich mit Musikverlag, Label und Bookingdepartment der handgemachten Musik verschrieben hat. Wenn wir unsere

„Heavy Tuba & Jon Sass“ produziert und veröffentlicht. 2013 wurde das Sub-Label BR7music gegründet mit dem Ziel herausragende österreichische Künstler aus den Genres Rock, Pop und Jazz zu veröffentlichen sowie live-, und studiotechnisch zu betreuen und zu unterstützen. www.ats-records.com

mit Instrumenten aus dem europäischen und außereuropäischen Bereich. Manipulationen des akustischen Instrumentariums mit Alltagsgegenständen und computergesteuerten Verfremdungen. Theater, Filmmusik live Präsentationen mit verschiedensten Thematiken und Produktion von Büchern und CDs, die diesem Thema entsprechen, stehen im Vordergrund. Bücher und Kurse für verschiedene Trommeltechniken aus verschiedensten Kulturen werden angeboten. Vernetzung und Präsentation von Musikern und Veranstaltern, Labels, Schulen und sonstiges. www.cwm-music.at

Herzog Records GmbH Der Jazz kennt viele Facetten. Herzog Records legt seit Labelgründung ein Augenmerk auf Vocal Jazz und stark melodisch geprägte Produktionen. Interessierte Musikhörer finden bei Herzog Records eine gute Orientierung in den verschiedenen Jazz Segmenten: Sänger Jeff Cascaro hat eine bluesige Klangfarbe. Die Nighthawks stehen für melodischen Electro Jazz, wohingegen Sängerin Jessica Gall sich dem Singer-Songwriter Jazz widmet. Wer deutschsprachigen Jazz Chanson liebt ist bei Kitty Hoff richtig. Den Big Band Swing der 20er Jahre repräsentiert das Pasadena Roof Orchestra. Hören Sie auf unserer Webseite in die herzögliche Klangwelt hinein. www.herzogrecords.com

Musik beschreiben sollen, so sprechen wir von Jazz, World, Reggae und anspruchsvollem Pop. Seit der Gründung von GLM Music im Jahr 1988 entstand ein umfangreicher Katalog aus hochwertigen Produktionen, aufgenommen und dargeboten von international renommierten Künstlern wie z.B. Quadro Nuevo, das Martina Eisenreich Quartett, Stefanie Boltz, Sven Faller, Levantino, Café del mundo, Willy Astor, Martin Kälberer – sie spiegeln das Spektrum der Musikwelt von GLM wider. Bei GLM finden Sie ECHO Jazz Preisträger, Kulturpreisträger, Creole Preisträger, Jazz Award Auszeichnungen, Hörbuchpreise und und und… www.glm.de


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JAZZNARTS Records Groovig, mainstreamig oder auch avantgardistisch - die Musik von JAZZNARTS klingt immer zeitgemäß, kreativ, frisch und nachvollziehbar. Der Anspruch eines Labels auf der Höhe der Zeit spiegelt sich auch im Artwork wider – in stets 6-seitigen matten Digipacks wird die Musik stilsicher und extravagant „verpackt“. Das Spektrum der Künstler von JAZZNARTS ist weit gefächert: hochtalentierte, aufstrebende Jungmusiker gehören ebenso dazu wie arrivierte Jazzgrößen. Der Schwerpunkt liegt auf der europäischen Szene, es sind aber auch ausgewählten amerikanischen Jazzer zu hören. Dreizehn Jahre nach der Label-Gründung führt der Katalog knapp 80 Veröffentlichungen. www.jazznarts.com

JazzWerkstatt Records Die JazzWerkstatt Wien wurde 2004 von 6 jungen Musikern gegründet. Um die aus der Initiative hervorgegangenen Produktionen zu dokumentieren und zu vermarkten, folgte 2005 die Gründung von JazzWerkstatt Records (JWR). Eine neue Generation österreichischer KomponistInnen und MusikerInnen ist da am Werk. Der unpuristische Umgang mit Jazz, improvisierter, elektronischer und zeitgenössischer Musik fördert zahlreiche Produktionen großer stilistischer Bandbreite zutage. Zu den knapp 40 - auch preisgekrönten - CDs, EPs und LPs zählen Veröffentlichungen der JWR-Label Aushängeschilder koenigleopold, Studio Dan, Rom/Schaerer/ Eberle, Schmied´s Puls und des hauseigenen JazzWerkstatt Wien New Ensembles. www.jazzwerkstatt.at

PAO Records Feel the Soul of PAO! Das Österreichische Label PAO Records produziert zeitgenössische Musik , Groove Music und ist in lezter Zeit spezialisiert darauf die besten Stimmen des Jazz zu veröffentlichen. Neue CDs von PAO Records sind sehr stark in den verschiedenen Vocaltraditionen verbunden: Mansur Scott ist eine direkte Weiterentwicklung von Billie Holiday, Mansur Scott's Mutter, eine großartige Sängerin, und Billie waren gute Freundinnen. Die Neue CD „Throw it away“ ist ein Juwel in dieser Tradition aus Harlem.

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JIVE MUSIC JIVE MUSIC - ein ungewöhnliches Unternehmen: Hier fangen zwei Männer einen guten Teil der österreichischen Jazzszene digital ein und sorgen dafür, dass die Musik in Form von CDs im ganzen Land und auch weit über die Grenzen hinaus verbreitet wird. Rens Newland, geborener Holländer, und der Wiener Martin Fuss sind hier die Produzenten und noch vieles mehr — Studio, Lager, Promotion, Versand sind unter einer Adresse zu finden in Wien, 21sten Bezirk Die beiden sind auch außerhalb ihrer Plattenproduktion voll ausgelastet: Als Musiker beispielsweise — Newland spielt Gitarre, ist unter anderem Co-leader bei der Popband Ostinato, war lang Musikalischer Leiter bei Gloria Gaynor und musizierte in der legendären ORF Big Band, Fuss entlockt Saxofon, Klarinette und Flöte

Ebenso die neue CD „From C to shining sea“von Melba Joyce. Sie steht in der Tradition von Dianah Washington und zählt zu den herausragensten Sängerinnen unserer Zeit. Weitere Neuerscheinungen sind Jean Paul Bourelly “Vibe Music”, Dave Liebman “Sketches of Aranjuez”, Gerd Dudek “The German Jazz Trio“, Lenny Popkin Trio „Live at the INNtöne Festival“, Michel Godard “Ecoutes Le Vent” und die gefeierte Rereleases von Archie Shepp „St. Louis Blues“, Raul de Soza “Soul & Creation”, Art Farmer “plays standards”, Kenny Wheeler “Live” www.pao.at

Quinton Records “The Art Of Recording Arts” hat Quinton Records zu seinem Leitspruch erhoben. Seit der Gründung im Jahre 2001 produziert das österreichische Label handverlesene Alben aus Klassik und Jazz und pflegt die enge Zusammenarbeit mit den Musikern. Klingende Namen wie das Vienna Art Orchestra, den

Ozella Music Ozella Music ist das Unternehmen des Musikers, Produzenten und Komponisten Dagobert Böhm. Drei Label bilden das Zuhause für internationale Künstler mit Audiophilen Produktionen aus den Bereichen: World, Jazz, Lounge, Singer-Songwriter, Blues. Eines liegt allen unseren Veröffentlichungen zu Grunde: Die Zusammenarbeit mit Künstlern, die ihre ureigene musikalische Sprache sprechen, ihre künstlerischen Visionen auf qualitativ höchstem Niveau mit uns zusammen verwirklichen wollen. Wir sind offen für Experimentierfreude und Individualität abseits ausgetretener Pfade.

jazzige Töne (z.B. für Reinhard Fendrich) und ist außerdem Musikpädagoge an der Universität Wien. Er begleitete schon viele Weltstars wie Ray Charles oder Natalie Cole. Bei Jive Music liegt von der Produktion über das Marketing bis zur Werbung und der Betreuung des Lagers alles in ihren vier Händen. www.jivemusic.at

LABEL Eine Auswahl von wichtigen Musik- und Platten-Labels, die sich dem Jazz und der Neuen Musik verschrieben haben TCB – The Montreux Jazz Label Dieses ausschliesslich dem Jazz gewidmete Label besteht seit 1994 und ist in Montreux domiziliert. Der Katalog des Labels beinhaltet 350 aktive Titel in der ganzen Breite der Jazzstile. Das Label wird in den wichtigsten Märkten der Welt vertrieben und man kann über diverse Online Anbieter CDs bestellen, auch über die eigene Webseite. Auf dem Label sind Jazzmusiker und Gruppen aus der ganzen Welt vertreten. www.tcb.ch

Gitarristen Wolfgang Muthspiel oder internationale Stars wie den Bassisten Steve Swallow findet man im Katalog, ebenso ein Album mit den drei Gitarristen Rudy Linka, John Scofield und John Abercrombie. Aktuell gibt es ab Oktober das Album “L’Ultima Mattanza mit dem italienischen Saxophonisten Gavino Murgia und den beiden Franzosen Michel Godard und Patrice Heral. www.quintonrecords.com

SESSION WORK RECORDS Session Work wurde 2007 von Christoph Pepe Auer als Struktur für einen stark wachsenden Bereich des zeitgenössischen Jazz, improvisierte Musik und kreative Vermischungen mit angrenzenden Musik-Stilen gegründet. Das Label steht für eine kulturelle und musikalische Offenheit, kombiniert mit einer überaus strebsamen, aber ungezwungenen Arbeitseinstellung. Bisher sind 72 Produktionen veröffentlich worden worauf sich ca. 450 Eigenkompositionen befinden. Ein innovativer Zugang zur Musik als auch höchste Qualität des Schaffens sind Vorrausetzung für alle fast 200 MusikerInnen des Kollektivs. www.sessionworkrecords.com

SKIP Records GmbH

Die audiophile Klang Qualität unserer Produktionen und wunderschön gestalteten CD Cover sind ein Fest für Auge und Ohr. www.ozellamusic.com

Seit nunmehr 15 Jahren hat es sich SKIP RECORDS zum Ziel gesetzt, einen anspruchsvollen Katalog an Musik zusammenzutragen, der durch konstant gute künstlerische Qualität und hervorragende Aufnahmetechnik überzeugt.Die Aufnahmen speisen sich dabei aus so unterschiedlichen Quellen wie Jazz, World Music, R&B und Sophisticated Pop. Die bisherige Reihe von musikalisch hochwer-

tigen Produktionen der selektiv designten SKIP-Künstler erzielt sehr positive Medien- und Publikumsresonanz, was nicht zuletzt durch hohe Platzierungen in Jazz/World Music-Charts zahlreicher Länder, diverser ECHO Jazz Preise und weiterer Awards dokumentiert wird. www.skiprecords.com

Winter & Winter Winter & Winter ist eine international bedeutende Musikproduktion, hervorgegangen aus dem Label JMT/Bamboo. JMT/Bamboo wurde von Stefan Winter zwischen 1985 und 1995 geleitet, um die zeitgenössischen Strömungen des Jazz, vor allem in New York zu dokumentieren. In dieser Dekade werden die Debütplatten bedeutender Künstler wie Uri Caine, JeanPaul Bourelly, Steve Coleman, Greg Osby, Hank Roberts und Cassandra Wilson realisiert. 1995 entwickeln Stefan Winter und Mariko Takahashi ein neues, grenzüberschreitendes Konzept und gründen in den darauf folgenden Jahren Winter & Winter, um Strömungen der Klassik, der zeitgenössischen Musik und Improvisation sowie Musik aus aller Welt zu verbinden. Zu den Besonderheiten zählen HörFilme ("Kino für geschlossene Augen" wie der Spiegel titelt), Filmproduktionen (Film Edition), Hörbücher (Literatur Edition) und eine eigene Galerie in München Schwabing. Seit 2014 fördert und realisiert Winter & Winter die Schaffung analoger Klangkunstwerke als Unikate. www.winterandwinter.com


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ich und meine Frau Sissy bei der Versteigerung und da wir gerade 20 Jahre ACT nach der Labelgründung von 1992 feierten, nahm ich die Duplizität der Ereignisse zum Anlass, mir den Brendel Flügel zu schenken. Mein Angebot an Sir Simon Rattle und den Intendanten Martin Hoffmann, den Brendel Flügel mit einem Benefizkonzert von 3 ACT Pianisten in der Philharmonie seiner neuen Bestimmung zu übergeben, wurde dankend angenommen. Das Konzert von Michael Wollny (DE), Leszek Możdżer (PL) und Iiro Rantala (FI) war umgehend ausverkauft, wurde ein triumphaler Erfolg und erschien kurz danach auch als Album „Jazz at Berlin Philharmonic I“. Aus der Konzertidee wurde eine Konzertserie, die ich weiterhin kuratiere, die nahezu durchgehend ausverkauft ist und jetzt 2014/15 in die zweite Saison geht. Ein echter „Leuchtturm“ der Berliner Jazzlandschaft. Neben bekanntem und durch Sie gewachsenem Künstler ist Ihnen die Nachwuchsförderung ein großes Anliegen. Hierzu riefen Sie 2005 die ACT Reihe >>young german jazz<< ins Leben. Was hat es damit auf sich und wie hat sich die Reihe in den letzten 10 Jahren entwickelt? Von Anfang an war es mit ACT mein wichtigstes Ziel, neue Künstler zu entdecken und aufzubauen. Und schon lange vor meiner Zeit bei ACT, besonders durch die langjährige Zusammenarbeit mit Klaus Doldinger, war es mir ein besonderes Anliegen, Jazz aus Deutschland auf die Sprünge zu helfen – national wie international. Das ein solcher Erfolg möglich ist, zeigt sich am deutlichsten an Pianist Michael Wollny, dem ersten Künstler der young german jazz Serie. Sein aktuelles Album „Weltentraum“ mit Bearbeitungen klassischer und Neuer Musik, Jazz, Pop und Filmmusik erreichte in nur knapp 8 Wochen „Jazz-Gold“ in Deutschland und das wichtigste britische Jazzmagazin „Jazzwise“ widmete Michael Wollny als erstem deutschen Jazzkünstler überhaupt eine Titelstory. Michael Wollny steht für eine ganze Generation deutscher Jazzmusiker, die jenseits aller Schubladen ihre ganz eigene Definition des Begriffs „Jazz“ vertreten, weniger als direkte Weiterführung des Jazz aus Amerika, sondern viel mehr als Summe ihrer ganz persönlichen Einflüsse: ob Funk- und Hip Hop bei dem Trio „Three Fall“, Bearbeitungen von Pop und Indie Klassikern von Sänger Tobias Christl oder eben vorrangig Klassik und Neuer Musik bei Michael Wollny.

Geht es Ihnen alleine um die Förderung des Musikernachwuchses oder auch um eine junge Hörerschaft, die Sie für den Jazz gewinnen wollen? Grundsätzlich produzieren wir Musik für alle Menschen, die sich für anspruchsvollere Musik und hier besonders für den Jazz interessieren, egal welchen Alters. Und die Logik „junger Musiker = junge Zuhörer“ und umgekehrt möchte ich nicht grundsätzlich unterschreiben. Ich meine, die Musik eines 80-jährigen Heinz Sauer ist, wenn man sich auf sie einlässt, auch für jeden 20-Jährigen eine Offenbarung und Michael Wollny wird auch den sehr erwachsenen, anspruchsvollen Hörer erreichen. Aber natürlich, der Jazz muss, wenn er überleben will, auch ein junges Publikum ansprechen. Und das geht nur, wenn er sich seinem Hörer in einer Art mitteilt, die ins Hier und Jetzt passt. ACT war nie ein Label für Traditionalisten, mich hat immer viel mehr interessiert, wo etwas Neues entsteht, auf welchem Nährboden auch immer. Und wir sind immer auch bereit, künstlerisch und konzeptionell etwas zu riskieren, getreu dem Motto : No Risk – No Fun! Und wenn ich mir das Publikum bei den Konzerten unserer Künstler anschaue, dann sehe ich da eine Mischung und Altersstruktur, die mir gut gefällt und mich glauben lässt, dass wir wirklich ein sehr breites Publikum erreichen, ohne uns zu verbiegen oder beliebig zu sein. In BILLIE widmen wir uns auch dem Thema zeitgenössischer / Neuer Musik, u.a. auch der Komposition und dem Arrangement von Computerspielemusik. Wie wappnet sich ACT neuen Musikrichtungen, neuen Vermittlungs- und Kommunikationswegen? Wie gesagt, mich interessiert in allererster Linie Musik, in der ich etwas Neues höre und die ihre Einflüsse aus dem Hier und Jetzt zieht oder aus der Tradition etwas Neues entwickelt. Und ich meine, dafür habe ich mir immer einen guten Instinkt bewahrt. Ich bin aber auch ein Kind der Analogkultur und nicht der Online-Generation. Computerspiele gehören nicht zu meinem Leben, mit denen sollen sich andere auseinandersetzen. Und einen facebook Account werde ich mir auch nicht anlegen. Wohin geht die Reise, was ist unerfüllt? Was sind Ihre Pläne, Ideen und Visionen? Da halte ich mich an Dizzy Gillespie: „ I want to Bop till I Drop“. Die Fragen stellte Kai Geiger, Herausgeber der arttourist.com

© Tiger and Chicken

… vom Piepen  zum Orchester Seit über 40 Jahren machen Computerspiele Töne. So wie sie sich die Spiele in dieser Zeit entwickelt haben, hat dies auch die Musik: Aus Pieptönen wurden simple Lieder – und aus diesen irgendwann eine einzigartige, innovative Form der Popmusik. Der 14. Januar 2013 war ein historisches Datum, ohne dass viele Menschen das überhaupt mitbekamen: „Baba Yetu“ hieß das Lied, das ein etwa dreißigköpfiger Chor an diesem Tag intonierte, nicht irgendwo, sondern auf dem Neujahrskonzert der Vereinten Nationen in New York. „Baba Yetu“, das heißt „Vater unser“ auf Swaheli und der Text des Liedes ist nichts weiter als eine Übersetzung desselben in diese Sprache. Es ist eine Hymne der Völkerverständigung, elegisch und eingängig – und doch aus einem ganz anderen Grund so besonders: Komponiert wurde „Baba Yetu“ ursprünglich nämlich nicht für dieses Konzert, nicht mal für irgendein Konzert – sondern einzig und allein für das Computerspiel „Civilization IV“. Mit „Baba Yetu“ war ein ganzes Genre in der Realität angekommen. Draußen, in der Welt außerhalb des Rechners. Bis es soweit war, vergingen 40 Jahre: Und wie Kinder groß werden, so gilt das auch für Computerspiele und ihre Musik. Wo zunächst grobe Töne waren, folgten bald simple Musikstücke, später wuchsen die Möglichkeiten und mit ihnen die Musik. Heute ist Computerspielemusik all das, was man sonst auf dem Markt findet: Pop, Klassik und experimentelle Musik. Die

Grenzen zwischen den Tönen aus dem Radio und denen aus dem Rechner verschwimmen zunehmend, oft gibt es sie schon gar nicht mehr. Am Anfang aber war das Piepen: „Pong“ hieß das erste Spiel mit Tönen, und der erste Klassiker des Computerzeitalters. 1972 erschien die simple Tischtennissimulation, sie zeigte mit einem Ton an, wenn der Ball einen Schläger oder das Spielfeld berührte. In den folgenden Jahren wurde das Prinzip immer mehr verfeinert, immer neue Spiele erzeugten immer neue und immer mehr Geräusche – aber Musik, das konnte und wollte keines von ihnen machen. „Damals wurde ja vor allem für Spielhallen produziert. Dort konkurrierte eine Maschine mit anderen, also ging es vor allem um Soundeffekte“, sagt Computerwissenschaftlerin Melanie Fritsch, Autorin der Arbeit „History of Video Game Music“. Dann folgte 1983 der C64, mit dem Heimcomputer hielt auch die Musik Einzug ins Spiel. Und was für welche: Nicht mehr als drei Töne gleichzeitig konnte die Maschine wiedergeben, der Speicherplatz auf den Disketten war eng begrenzt – und ging zum allergrößten Teil für das Spiel drauf. „Damals gab es auch keine Komponisten, sondern die Programmierer ent-


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Michael Stöckemann ist Mitbegründer von „Sound of Games“, dem führenden Anbieter von Premium SpieleMusik. Seit 2002 ist er als Komponist tätig. Jeden Monat hören mehr als 50 Millionen Spieler seine Musik in Konsolen-, Mobile- und Online-Spielen. www.sound-of-games.com Melanie Fritsch M.A. studierte Theaterwissenschaft, Neuere Deutsche Literatur und Musikwissenschaft in Berlin und Rom. Anschließend war sie als Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Forschungsinstitut für Musiktheater der Universität Bayreuth in Forschung und Lehre tätig, und promoviert ebendort zum Themenfeld Computerspiele, Musik und Performance. Darüber hinaus ist sie Mitglied des vom britischen AHRC geförderten internationalen Forschernetzwerks „Guitar Heroes in Music Education? Music-based video-games and their potential for musical and performative creativity“ ( http://music-games-creativity-network.blogspot. co.uk/ ). Ihre weiteren Forschungsgebiete sind virtuelle Welten, Musik als Performance, Liveness, HCI, sowie Tanz- und © Ingo Drumm Theatergeschichte und -ästhetik. www.foto-drumm.de Für mehr Informationen siehe uni-bayreuth.academia.edu/mfritsch live at gamescom festival 2014

Produktionsetats. Dass er damals und heute im Geschäft bestehen konnte, dürfte auch an seiner Vielseitigkeit liegen: „Ich habe als Junge eine lange Orchesterausbildung absolviert und auch alle möglichen Instrumente gelernt“, sagt er. Nichts könnte den Wandel der Branche besser illustrieren als Stöckemanns Vita: Lautete früher die für ihn erste und einzig relevante Frage, wenn es an einen Auftrag ging „Wie viel Speicherplatz“, so fragt er sich heute nur: „Mit wem?“ Kann er die Musikstücke, die er benötigt, also selbst einspielen oder holt er sich lieber einen Spezialisten?

wickelten schnell noch die Musik zum Stück“, sagt Fritsch. Was nicht heißt, dass es an Kreativität gefehlt hätte: Computerspielemusik in den ausgehenden 80er-Jahren, das waren wilde Kakophonien aus wenigen Tönen. Mit Geschwindigkeit und Reizen versuchten sie, den Mangel an Möglichkeiten zu überdecken – und wurden gerade dadurch stilbildend. Es wurde geschossen, geflogen und gerannt, immer im Rhythmus des Stakkatos aus den Knopflautsprechern. Das Prinzip änderte sich auch nicht, als die Möglichkeiten besser wurden: Der Amiga verdrängte den C64 aus den Kinderzimmern, und als aus diesen Jugendzimmer geworden waren, wurde der Amiga durch die neu aufgekommenen PCs ersetzt. Die Musik der Spiele war feiner geworden, sauberer, aber sie folgte nach wie vor der Ästhetik des Simplen. Neu war, dass sie jetzt reagieren konnte: Je nachdem, welche Möglichkeit der Spieler wählte, so verhielt sich auch die Musik. Wer in einer Spielewelt auf einen Gegner eindrosch, wurde mit einer anderen Musik belohnt oder gestraft als derjenige, der mit ihm redete. Zugleich eroberte Nintendo den Markt – und etablierte als erster Akteur einen völlig anderen Stil: Statt von Rhythmen waren Spiele wie „Super Mario“, „Zelda“ oder „Tetris“ von Melodien dominiert. „Bis dahin hatte der Spruch gegolten: ‚You can not hum a video game’, man kann die Musik also nicht summen.“ Bis dahin hatte sich Computerspielemusik 25 Jahre lang fast nur mit sich selbst beschäftigt, war aus sich selbst hervorgegangen, hatte sich selbstreferentiell entwickelt und war kurz davor, sich in unterschiedliche Genres aufzuteilen – und dann zerbrach alles. Mitte der 90erJahre erschien die CD-Rom auf dem Markt und sie war mehr als ein Stück Kunststoff: Speicherplatz und Soundkarten stellten mit einem Mal kein Hindernis mehr dar – jedes Lied und jedes Instrument konnte zu jedem beliebigen Zeit-

punkt eines Spiels verwendet werden, in bestechendem Klang. Die Folge: Computerspiele klangen plötzlich nicht mehr wie Computerspiele – Pop, Rock oder Klassik-Epen dominieren seitdem die Welten, in denen die Gamer sich bewegen. Das einzige, was eine Komposition begrenzt, ist das Budget der Produktionsfirma. „Nicht jeder kann sich ein Orchester leisten“, sagt Melanie Fritsch dazu. Wer sagen wollte, spätestens seit der Jahrtausendwende sei die Musik des Computerspiels dieselbe wie im Rest der Welt, hat vollkommen Recht – und könnte trotzdem falscher nicht liegen: Denn je anspruchsvoller die Musik wurde, desto wichtiger wurde ihre Reaktionsfähigkeit, ein Konzept, das andere Formen von Musik gar nicht kennen: Während Filmmusik in ihren Spannungsbögen einfach nur der Handlung folgt, gibt es diese Möglichkeit im Spiel nicht: Hier wählt der Spieler selber, was er tut, wann es spannend wird und wann nicht – und die Musik muss den zahlreichen Wahlmöglichkeiten Rechnung tragen. So kommt es, dass

heute jedes Stück Computerspielemusik streng genommen nur ein einziges Mal gespielt wird, beim nächsten Ausflug in die virtuelle Realität werden ihre Versatzstücke schon wieder in einer anderen Reihenfolge montiert. Es ist paradox: Gerade weil die Speichermöglichkeiten heute so unfassbar perfekt sind, ist das Endprodukt so flüchtig und vergänglich, wie es zu Zeiten der mündlichen Überlieferung nicht war. Spiele wie die Zombie-Simulation „Left for Dead“ leisten sich den Luxus, jeden Untoten mit einer eigenen Melodie zu versehen – kommt der Spieler mehreren von ihnen zugleich nahe, verschmelzen diese zu einem einzigen, einzigartigen Stück. Das ist die Kunst der Videomusiker: Tracks zu komponieren, die sich gegenseitig tolerieren und befruchten. Einer, der von Anfang an dabei war, ist Michael Stöckemann. Als Junge experimentierte er in den 80er-Jahren an seinem Amiga, schrieb als junger Mann in den 90ern seine ersten Stücke für Computerspiele – und verwaltet heute mit seiner Firma „Sound of Games“ sechsstellige

Vor einiger Zeit traf Michael Stöckemann bei seiner Arbeit auf die Vergangenheit: „Wings“ hieß ein erfolgreiches Amiga-Spiel aus den frühen 90er-Jahren, es war eine Simulation der Luftschlachten aus dem Ersten Weltkrieg. Nun sollte es eine neue Version von „Wings“ geben, mit allen Standards moderner Technik, moderner Komposition – und trotzdem Wiedererkennungswert. „Wir haben uns dann überlegt, dass wir die zehn Stücke des alten Spiels neu vertonen und in der Länge verdoppeln“, sagt Stöckemann. Er stand nun vor der Aufgabe, aus etwas Simplem, das an Orchestermusik erinnern sollte – Orchestermusik zu machen. Welches Piepen und welches Blubbern war also eine Violine und welches doch eher eine Trompete? „Ich habe mich immer nur gefragt: Was hätte der damalige Komponist getan, wenn er nur die Möglichkeit gehabt hätte?“ Am Ende hatte Stöckemann die Klavierstücke selbst gespielt, für die Trompetenparts besorgte er sich aber lieber einen Militärmusik-Spezialisten. Und einen Akkordeonisten sowieso. Und ein Blasorchester. Alles, um am Ende Töne zu haben, die aus einem Computer kommen. So wie früher, nur ganz anders. Text: Sebastian Stoll Sebastian Stoll, freier Journalist. Reportagen und Portraits unter anderem für Dummy, den Tagesspiegel, die Berliner Zeitung, den Freitag, die Frankfurter Rundschau und Facts


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Young Classic Sound Orchestra

„Computerspielemusik hat ihre eigene Wertigkeit“ Was kommt heraus, wenn ein Dirigent und ein Komponist für Videospiele aufeinandertreffen? „Videogames in Concert“ heißt die Reihe, mit der Lahnor Adjei und Helge Borgarts in Deutschland auf Tour gehen –

und das mit großem Erfolg. Sie sagen: „Es gibt in dem Gebiet viel ernsthafte Musik und es macht Spaß, sie aufzuführen.“ Herr Adjei, Herr Borgarts, gemeinsam bringen Sie unter dem Titel „Video Games in Concert“ die Musik von Computerspielen auf die Bühne. Wie sieht dabei Ihre Aufgabenteilung aus? Helge Borgarts: Da ich Computerspiele produziere und auch Musik dafür komponiere, bin ich bestens in der Spieleszene vernetzt. Ich kümmere mich deshalb darum, das Notenmaterial zu besorgen und zu sichten. Ich frage mich: Was könnte ein interessantes Thema sein? Ist das geklärt, kümmere ich mich um konzeptionelle Dinge.

Ich war fest entschlossen, das als Live-Konzert auf die Beine zu stellen. Ich habe Rona angesprochen – und er hat mich wiederum mit Helge Borgarts bekannt gemacht. Helge und ich haben dann schnell festgestellt, dass wir beide eine große Passion für Videospielemusik haben – und gemerkt, dass wir sie gerne einem großen Publikum zur Verfügung stellen wollen.

Lahnor Adjei: Meine Aufgabe liegt in der musikalischen Umsetzung. Ich habe als Dirigent schon mit vielen Orchestern zusammengearbeitet, vor allem im Bereich der Klassik, aber immer schon ein Faible für ausgefallen Projekte gehabt, etwa für Filmmusik, die ich mit dem Young Classic Sound Orchestra vertont habe. Die Wege von Helge und mir haben sich aber eher zufällig gekreuzt.

War es leicht, ihr Orchester zu überreden, das Young Classic Sound Orchestra? Lahnor Adjei: Ich muss sagen, das hat einer gewissen Überredungskunst bedurft. Anfangs waren die Mitglieder relativ skeptisch – auch deswegen, weil sie keine konkrete Vorstellung von der Musik hatten. Die meisten hatten sie beim Spielen mal wahrgenommen, aber nie konzentriert und fokussiert angehört. Sie haben aber schnell gemerkt, dass es in dem Gebiet sehr viel ernstzunehmende Musik gibt und es sehr viel Spaß macht, sie aufzuführen.

Wie ist das passiert? Lahnor Adjei: Das war vor etwa vier Jahren auf der Soundtrack Cologne, einer Messe rund um das Thema „Musik in Medien“. Ich war eigentlich dort, weil ich Jeff Rona treffen wollte, einem Komponisten der Musik zu dem Videospiel „God of War“.

Warum ist Computerspielemusik denn geeignet für Aufführungen auf der Konzertbühne? Lahnor Adjei: Sie ist oft sehr nah an die Stilistik der Filmmusik angelehnt, auch was die Orchestrierung betrifft: Viel Blecheinsatz, viel Schlagwerkeinsatz. Das ganze Erlebnis des Aufführens erinnert stark

an Filmmusik und ist nicht zu vergleichen mit einer Mozart-Symphonie. Helge Borgarts: Man muss auch sagen: Wenn man bei den Musikern eine gewisse Distanz feststellt, dann ist das auch völlig nachvollziehbar – denn bis vor 20 Jahren gab es diese Disziplin in ihrer jetzigen Ausprägung überhaupt nicht. Erst seitdem ist die Technologie der Computer überhaupt in der Lage, hochwertige Musik abzuspielen. Bis dahin war das nur ‚Piep, Piep, Piep“. Die ganze Industrie ist noch ziemlich jung. Zudem hat Spielemusik immer auch eine Funktion. Sie ist auf das Bild konzipiert und ist nicht zum konzertanten Genuss. Auch darin ähnelt sie Filmmusik und deshalb ist das Umsetzen einer Game-Musik für den Konzertsaal gar nicht trivial und in der Regel auch nie ohne Arbeit des Komponisten zu machen. Nach welchen Kriterien wählen sie die Stücke aus? Helge Borgarts: Einen großen Anteil hat natürlich die Marke, also das Spiel. Eine gute Spielemarke hat einfach eine größere Reichweite, das darf man auch nicht außer Acht lassen… …die Leute wollen vermutlich auch das hören, was sie schon kennen.

Helge Borgarts: Genau. Noch wichtiger ist aber, dass wir überhaupt an das Material herankommen und ob die Rechtesituation klärbar ist, das ist bei Games-Musik alles andere als trivial. Und natürlich: Was eignet sich überhaupt zur Umsetzung und haben wir die Manpower, das zu machen? Was sind die spezifischen Probleme dabei? Lahnor Adjei: Wie gesagt: Die Musik dient ja dem Videogame. Deswegen gibt es in ihr Passagen, die vom Klanganspruch ganz speziell angelegt sind, von der Artikulation, von der Rhythmisierung. So wie man es fast nirgendwo anders findet, auch nicht in der Filmmusik. Das ist dann auch ein Lernprozess des Orchesters, genau diese Elemente auch umzusetzen. Darin unterscheiden sich dann auch die Orchester, die eben das gut spielen können, und die, die es nicht können. Das ist nicht anders als bei klassischer Musik: Man muss sich damit auseinandersetzen, um die Vorstellungen, die der Komponist in sich getragen hat, umsetzen zu können. Wie kann man sich die Unterschiede von Computerspielemusik zu anderer konkret vorstellen? Lahnor Adjei: Bestimmte Effekte sind eben nicht nach der Logik der klassischen Musik angeordnet, sondern sie sollen ins Spiel hineinwirken. Dort sollen sie bestimmte Effekte und Reaktionen des Spielers auslösen. Oder die Streicher: In klassischer Orchestermusik haben sie in der Regel mehr die harmonisierende Funktion. In Videospielen arbeiten sie oft perkussiv. Das ist eine ganz andere Klangfarbe und für ein Orchester oftmals Neuland. Wie arrangiert man ein solches Stück? Oder sollte man besser sagen: Einen solchen Track? Helge Borgarts: Wir gehen so vor, dass der Komponist sein ursprüngliches Material neu gestaltet und arrangiert. Das Ergebnis gebe ich dann weiter an einen Orchestrator, der es für die jeweilige Besetzung des Orchesters umsetzt. Welche Artikulationen oder rhythmischen Patterns wir übernehmen können und welche man verändern muss, das erarbeiten wir im gemeinsamen Dialog. Das ist kein


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Helge Borgarts

Standardverfahren, sondern ein sehr dynamisches und kommunikatives. Nun ist es ja so, dass Computerspielemusik nicht linear verläuft, sondern sich je nach Spielverlauf entwickelt. Wie geht man damit um? Helge Borgarts: Wir lassen die Stücke komplett neu arrangieren oder arrangieren sie in Absprache mit dem Komponisten selber. Meistens aber setzt sich der Komponist hin und baut aus seinem Material ein durcharrangiertes Stück. Das gilt nur für die Main Themes meistens nicht, da diese in der Regel schon perfekt arrangiert und durchkomponiert sind, wenngleich aber auch diese selten länger als zwei Minuten sind. Dass die Musik aus dem Spiel eins zu eins übernommen werden kann, ist fast nie der Fall. Sie arbeiten also mit Versatzstücken. Wie nah ist das Ergebnis denn am Original? Helge Borgarts: Sehr nah. Erstens, weil wir ja die Arrangements ja vom Komponisten selber bekommen. Und zweitens, weil wir viel Wert darauf legen, dass die Musik, wie wir sie spielen, zumindest in Teilen immer im Spiel hörbar ist. Lahnor Adjei: Es gibt auch Anbieter, die das anders machen. Die überarbeiten dann die Musik und bringen sie etwas verändert auf die Bühne. Das ist manchmal sehr weit weg davon, wie die Musik im Spiel zu hören ist. Das ist legitim, aber nichts für uns. Warum wollen Sie diese Nähe? Lahnor Adjei: Wir möchten so verdeutlichen, dass die Musik einen sehr eigenständigen Anspruch hat – und nicht erst durch einen Kunstgriff den Wert erhält, aufgeführt werden zu können. Diese Musik hat ihre eigene Wertigkeit und das möchten wir erfahrbar machen. Was sind das denn für Menschen, die zu Ihren Konzerten kommen? Lahnor Adjei: Wir haben ein überwiegend junges Publikum. Bei unseren Auftritten in Karlsruhe hat-

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Lahnor Adjei

ten wir vielleicht 16-Jährige dort sitzen bis hin zu Leuten um die 30. Man merkt auch, dass es oftmals Leute sind, die es eigentlich nicht gewohnt sind, sich in einem solchen Ambiente zu bewegen. Sie tragen oft legere Alltagskleidung oder lange Ledermäntel. Andererseits erinnere ich mich auch an einen jüngeren Herrn um die 20, der offenbar seinen Anzug von der Konfirmation ausgepackt hatte. Es ist ja auch ein erklärtes Ziel von Ihnen, junge Leute in die Konzertsäle zu bekommen. Lahnor Adjei: Und eine ziemlich Erfolgsgeschichte. Wir bekommen viele Reaktionen über Facebook oder per E-Mail, in denen sich junge Menschen begeistert für unser Angebot bedanken. Das hat uns schon gezeigt, dass wir einen gewissen Nerv treffen. Herr Borgarts, Herr Adjei, haben Sie vielen Dank für dieses Gespräch. Das Interview führte Sebastian Stoll. Sebastian Stoll, freier Journalist. Reportagen und Portraits unter anderem für Dummy, den Tagesspiegel, die Berliner Zeitung, den Freitag, die Frankfurter Rundschau und Facts

Young Classic Sound Orchestra Das Young Classic Sound Orchestra (vorher Young Cinema Sound Orchestra) wurde als Projektorchester von Lahnor Adjei 2004 ins Leben gerufen. Das rund 80-köpfige Sinfonieorchester setzt sich überwiegend aus begabten jungen Instrumentalisten, sowie aus professionellen Musikern der Region Karlsruhe, Heidelberg und Mannheim zusammen. Ziel des Young Classic Sound Orchestra ist es, vor allem das junge Publikum mit hochwertigen Musikevents der besonderen Art für sinfonische Chor- und Orchestermusik zu begeistern. Nicht nur ein attraktives Programm mit bekannten Melodien z.B. aus der Kinowelt, sondern vor allem auch eine besondere Multimediashow durch Bildanimationen und Lichttechnik kombiniert mit einer professionellen schauspielerischen Moderation lassen den Konzertbesucher noch mehr in die „fantastische Welt der Musik“ eintauchen. Überzeugen Sie sich selbst und besuchen Sie ein Event des Young Classic Sound Orchestra. Wir freuen uns auf Sie! www.ycs-orchestra.de

Lahnor Adjei Eigentlich könnten die Welten, aus denen beide stammen, unterschiedlicher kaum sein: Lahnor Adjei ist Dirigent Gründer des „Young Classic Sound Orchestra“, mit dem er seit 2004 Filmmusik auf deutschen Konzertbühnen aufführt. Helge Borgarts ist Produzent von Computerspielen und komponiert auch deren Musik. Gemeinsam machen sie aus Musik von Spielen Bühnenstücke – die sie in Zukunft nicht nur selber aufführen wollen: Derzeit sind beide auf der Suche nach Kooperationspartnern: Kulturorchester sollen die von ihnen arrangierten Stücke im deutschsprachigen Raum weiter verbreiten.

Lahnor Adjei studierte Musik in den Fächern Horn und Dirigieren an der Staatlichen Hochschule für Musik in Mannheim. Er dirigierte Orchester, wie u.a. die Nürnberger Symphoniker und das Kurpfälzische Kammerorchester Mannheim und war Preisträger des „Dirigentenpodium Baden-Württemberg“. Gastspiele als Dirigent und Hornist führten ihn u.a. nach Japan, England, Frankreich, Spanien, Italien, Griechenland, Ghana und in die Türkei. Von 2002 bis 2004 war Lahnor Adjei Generalmusikdirektor am National Theatre of Ghana und Chefdirigent des National Symphony Orchestra Ghana. 2004 gründete er das Young Classic Sound Orchestra, um sich vorwiegend einer Musik zu widmen, die sich außerhalb des konventionellen klassischen Konzertprogramms befindet. Dabei entwickelte er für sein Orchester die Konzertreihe Young Classic Nights, eine

Reihe, die besonders auf ein junges Publikum mit den Schwerpunkten Film-, Videospieleund Crossover-Musik gerichtet ist. Von 2012 bis 2013 war er Dirigent des Sinfonieorchesters der Sommerakademie Geislingen Seit 2012 ist er Leiter der städtischen Musikschule Schwäbisch-Hall und gründete dort die Junge Philharmonie Schwäbisch Hall. Als Dirigent und Hornist konzertiert Lahnor Adjei regelmäßig mit den Ensembles Blech10 und BrassSound Quintett Mannheim. www.lahnor-adjei.de

Helge Borgarts ist ein deutscher Komponist und Produzent. Er startete seine Laufbahn bei Blue Blue Software, dem Publisher und Entwickler so erfolgreicher Videospiele wie „Die Siedler“, „Battle Isle“ oder „Extreme Assault“. In der Folge, baute er neben seiner Tätigkeit als Musiker als Geschäftsführer der sysis interactive simulations Germany, eines der ersten deutschen Unternehmen auf das Onlinespiele und intelligente Plattformen entwickelte. Von 2006 bis 2013 war er CEO der phenomedia publishing gmbh Deutschlands wohl bekanntestem Entwickler und Publisher von Gelegenheitsspielen, bekannt geworden durch die Marke „Moorhuhn“. In dieser Zeit leitete er die Produktion von über 25 Spielen für alle relevanten Plattformen, etablierte die erste Handelsmarke für Gelegenheitsspiele in Deutschland und organisierte einen weltweites Vertriebsnetzwerk. Seit 2013 arbeitet er als freiberuflicher Komponist, Produzent und Berater. Seit 2011 ist Helge für den Bereich Games Musik des renommierten Film- und Medienmusik Festivals Soundtrack_Cologne verantwortlich. Er war Sprecher auf Veranstaltungen wie dem Transatlantyk 2013 - Poznan International Film and Music Festival und produziert Live Video Musik Konzerte, z.B. mit dem Young Classic Sound Orchestra in Karlsruhe. www.borgarts.de


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Fotos © Cineastic Gondolas

Cineastic Gondolas Himmel und Hölle Am Samstag, den 13. Dezember 2014, verwandelt das internationale Kunstfestival die Wintersportregion Lech Zürs am Arlberg zum vierten Mal in einen exklusiven Hotspot für Kulturbegeisterte. Das Festival Cineastic Gondolas steht für den wohl schönsten und atemberaubendsten Start in die Winter- und Ski-Saison. Sein Name ist Programm: für einen Tag im Dezember werden die vier Gondeln der Rüfikopfbahn in Lech am Arlberg zu schwebenden Kinos und

Discos umfunktioniert sowie die Stationsgebäude und umliegenden Berggipfel mit Kunst und Musik bespielt. Mit ihrer vierten Auflage beweisen die Festivalorganisatoren, dass aller guten Dinge eben nicht drei sind. Ganz im Gegenteil: nach einem Jahr Pause ist Dr. Christof Murr, kunstaffiner Bergdoktor und Erfinder des Festivals, mit neuer Leidenschaft als künstlerischer Leiter zurückgekehrt. Zusammen mit dem Lichtdesigner und technischen Leiter Udo Kapeller

sowie der Projektleiterin Andrea M. Junker bildet er wieder jenes Kernteam, das die Cineastic Gondolas 2011 ins Leben gerufen hat. Mit dem diesjährigen Festivalthema >Himmel und Hölle< verleiht Murr auch dem Kontext des Settings – Kunst zwischen Gipfel und Abgrund, zwischen Aufstieg und Fall – eine ganz neue Imposanz. Achtung: Outdoorevent - feste Schuhe & warme Kleidung erforderlich! www.cineasticgondolas.at.

Kurz-Info Cineastic Gondolas 2014 WAS? Das einzigartige Kurzfilmfestival Cineastic Gondolas mit kuratierten AnimationsKurzfilmen im Gondelkino, Kunst, Raum- & Klanginstallationen, Performances, DJs & Live Musik zwischen 1344 und 2350 m Höhe! WANN? Sa, 13. Dezember 2014 (21- 3h) WO? Rüfikopfbahn / A - 6764 Lech am Arlberg SIDE EVENTS Freitag 12. Dezember 2014 18 Uhr CG Ausstellungseröffnung / Hotel Berghof, Lech 22 Uhr CG Warm-Up Party mit internat. DJ Line UP / Club Vernissage, Zürs

Samstag 13. (bzw. Sonntag 14.) Dezember 2014 ab 2 h After-Show Parties im K.Club und der Archiv Bar in Lech TICKETS Ab 06. Oktober gelangen 350 limitierte Tickets über Ö-Ticket, CTS Eventim, Ticketmaster & Ländle Ticket an alle bekannten Vorverkaufsstellen in D-A-CH. Vorverkauf EUR 26 (& Gebühren), Abendkasse EUR 34 HOTELPACKAGES MIT TICKETS für das ganze Eventweekend bei allen teilnehmenden Hotels in Lech Zürs & direkt bei den Lech Zürser Tourismusbüros oder Online über die teilnehmenden Hotels erhältlich. www.lech-zuers.at


sChau glaube liebe hoffnung

Ödön von Horváth Regie: Andreas Kriegenburg Premiere 20. September 2014

Die bleChtrommel

Günter Grass Regie: Konstantin Bogomolov Premiere 10. Oktober 2014

frankfurt

Rainald Grebe Regie: Rainald Grebe ur a uf f ührung 1. November 2014

enDstation sehnsuCht

Tennessee Williams Regie: Kay Voges Premiere 6. Dezember 2014

sPielhaus Dämonen

Fjodor Dostojewski Regie: Sebastian Hartmann Premiere Januar 2015

Dantons toD

Georg Büchner Regie: Ulrich Rasche Premiere März 2015

maCbeth

William Shakespeare Regie: Dave St-Pierre Premiere April 2015

D e r a u f h a lt s a me a uf s t ie g D e s a r t u ro ui Bertolt Brecht Regie: Samuel Weiss Premiere 19. September 2014

s e iD ne t t z u mr. s l o a ne Joe Orton Regie: Jürgen Kruse Premiere 17. Oktober 2014

liquiDation

Imre Kertész Regie: Stephanie Mohr

De u t sc hsp r a c hige e rs ta uf f ührung

14. November 2014

Was ihr Wollt

William Shakespeare Regie: Jorinde Dröse Premiere Juni 2015

K AMMER

spiele

C on ta ine r Pa ri s

David Gieselmann Regie: Christian Brey ur a uf f ührung 19. Dezember 2014

Das sPiel ist aus

Jean-Paul Sartre Regie: Alexander Eisenach Premiere Februar 2015

amerika

Franz Kafka Regie: Philipp Preuss Premiere April 2015

Die WieDervereinigung Der beiDen koreas Joël Pommerat Regie: Oliver Reese

De u t sc he e rs ta uf f ührung

Mai 2015

spielzeit 14 / 15

PREMIEREN W W W.S C H AU S P IE L F R A N K F U R T.D E K A RTENTELEFON 069.2 12.49.49.4

Andere SPIEL orte your lover forever

Verschiedene Autorinnen Regie: Lily Sykes ur a uf f ührung August 2014 Premiere 21. September 2014 Ein Adorno-Projekt von Christian Franke ur a uf f ührung

BOX

Die Premieren Des regiestuDio

AZ_286x436_Spielzeit14-15.indd 1

Text, Regie, Choreografie: Falk Richter ur a uf f ührung Februar 2015

Bocken

heimer

Depot

suCht

SP IE L

Projekt von Leonie Kubigsteltig Premiere 28. September 2014 Box

Peter Pan James Matthew Barrie Regie: Michael Schweighöfer Premiere 15. November 2014 Schauspielhaus

anne

Projekt zu Anne Frank von Martina Droste Premiere Januar 2015 Kammerspiele

naChtasyl

Maxim Gorki Regie: Johanna Wehner Premiere Februar 2015 Bockenheimer Depot

freiraum

Projekt von Martina Droste und Chris Weinheimer Premiere Juni 2015 Bockenheimer Depot

Foto Till Janz & Hendrik Schröder

Wut unD geDanke

theaterProjekt m i t m u s ik e rn , sc h A u s p ie l e rn un d tä n z e rn

Junges

sC h a u

09.09.14 17:47


Klassische Moderne und Gegenwartskunst 5. â&#x20AC;&#x201C; 8. März 2015

Messe Karlsruhe www.art-karlsruhe.de


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Fotos © Helmuth Scham, www.schampus.com

Crossover der Kulturen Die Schwestern Rahmee Wetterich und Marie Darouiche kreieren Dirndl aus afrikanischen Stoffen. Die Mischung unterschiedlicher Einflüsse ist kein Zufall, sondern steht für das Leben ihrer Familie. Als Rahmee Wetterich ein Kind war, da konnte sie sich jeden Morgen aussuchen, ob sie Europäerin sein wollte oder Afrikanerin. Das Haus, das ihr kurdischer Vater in Kamerun gebaut hatte, bot ihr beide Möglichkeiten: Im Obergeschoss hatte er eine europäisch geprägte Wohnung mit massiven Holz- und Steinmöbeln eingerichtet, im Erdgeschoss lag ein einfacher Gesellschaftsraum, in dem die Familie der kamerunischen Mutter ein- und ausging. Oben gab es zum Frühstück Baguette, unten häufig Bananen mit Pfeffer. „Ich habe immer schon zwischen zwei Welten wählen können. Meistens habe ich mich für Afrika entschieden, denn es ist einfach in mir“, sagt sie.

Heute ist Rahmee Wetterich 49 Jahre und lebt seit 30 Jahren in München, doch der Spruch gilt immer noch. Gemeinsam mit ihrer Schwester Marie Darouiche, 61 Jahre, betreibt sie seit 2010 das Modelabel „Noh Nee“. Beide bringen damit die Mode Afrikas nach Deutschland, aber nicht so, wie man sie dort trägt, sondern: als Dirndl. Es sind aberwitzige Kreationen, welche die Schwestern verkaufen, bunte Stoffe und schrille Muster sind so geschnitten, dass sie das klassische Dirndl-Dekolletee bilden. „Dirndl africaine“ nennen sie die Kollektion, sie sieht ein bisschen aus wie das Oktoberfest auf LSD. Sie wollen den Europäern zeigen, das Afrika ganz anders ist, als sie es sich vorstellen – und zugleich


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NOH NEE  |  67

Biboul Darouiche Biboul wird in Yaoundé, Kamerun, geboren, wo seine beiden älteren Brüder die afrikanische avantgarde Pop-Band „We the People“ gründeten. Die Musik seiner Brüder ist Bibouls erster professioneller Kontakt mit Musik. In den späten 1970er Jahren zieht die Familie Darouiche nach München. Hier gründen die Darouiche-Brüder die „Kuntah Show Band“. 4 Jahre lang touren Sie durch Europa, den Nahen Osten, Amerika, Süd-Amerika und die Karibik. Bereits mit 15 Jahren spielt Biboul mit seinem Bruder Pasha, César Granados, Toni Perez und anderen in der Band „Conjunto Boriquen“, die als „Connexión Latina“ bekannt wird, geleitet von Rudi Füser. „Connexión Latina“ ist die erste erfolgreiche Salsa-Band in Europa. Biboul zieht nach Kopenhagen, Dänemark. Hier spielt er mit verschiedenen Künstlern, spielt im Theater und wirkt als Percussionist bei Filmmusikproduktionen mit. Gemeinsam mit seinen Brüdern gründet er die „VoodooGang“. Die „Voodoo Gang“ tourt bis zu Ihrer Auflösung Ende der 1980er Jahre. In den 1990er Jahren zieht Biboul für 3 Jahre nach Paris. Hier beschäftigt er sich hauptsächlich mit der afrikanischen Musik: Nach Rückkehr nach München wird er u.a. Mitglied in Klaus Doldingers „Passport“, mit denen er bis heute Tourneen, CD-und Filmaufnahmen macht und auf Festivals und in verschiedenen Jazz-Clubs Europas auftritt. Eigene Projekte und CD-Einspielungen wie „Soleil Bantu und „Africa is Calling“, folgen: Er spielt u.a. mit der WDR Bigband, SWR Bigband, der Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz und der hr-Bigband. Aktuelle CD Im Frühjahr 2013 erschien die aktuelle CD von Soleil Bantu »Message from the Trees« auf dem Label Unit Records. Biboul lebt in München. Konzerttermine Biboul Darouiche´s Blu Bantu 19.11.14 Pasinger Fabrik München 21.11.14 Raven Straubing 22.11.14 Künstlerwerkstatt Pfaffenhofen Biboul Darouiche´s Soleil Bantu 27.02.14 Altes Pfandhaus Köln 25.04.14 Kemptener Jazzfrühling www.biboul.de www.bantu-musicbooking.com

den Afrikanern, dass sie stolz sein können auf das, was sie sind. Dafür nehmen sie nur einen kleinen Umweg, sie machen gewissermaßen Kunst am Busen. Angefangen hat alles mit einem Mangel, vielleicht sogar mit etwas Leere: Rahmee Wetterich arbeitete lange Jahre als erfolgreiche Innenausstatterin, Marie Darouiche schon damals als Modeschöpferin. Beide waren kreativ und zugleich beschränkt, denn in ihren Arbeiten folgten sie strikt europäischen Konventionen. Tausendmal gesehene Räume, tausendmal gesehene Kleider. Irgendwann bat eine Küchenfirma Rahmee Wetterich um eine Ausstattung für eine Ausstellung zum Thema „The Coulour Mix of Africa“. Gefragt waren immer noch typische europäische Küchen, aber etwas anders sollten sie aussehen. Sie war der Meinung, in einer solchen Küche sollten auch Kleider aus Afrika hängen, also fragte sie ihre Schwester, ob sie eines schneidern könne. Es passte. Beide begannen zu experimentieren, vermischten Stile und Kulturen, irgendwann organisierte Marie Darouiche eine kleine Modenschau mit ein paar improvisierten Kleidern. Das lief so erfolgreich, dass sie schließlich eine Münchner Schneiderin engagierten und sich in die Kunst der Dirndlschnitte einweisen ließen. Von 400 bis etwa 1.100 Euro kostet ein „Dirndl africaine“. Für die Kundschaft ist das kein Problem, erst recht nicht im reichen München. „Die Deutschen lieben unsere bunten Farben. Interessanterweise sind oft die Männer begeistert und schicken ihre Frauen zu uns“, sagt Rahmee Wetterich. Aber im Grunde produziert sie nicht nur für Deutschland, sie erhofft sich auch ein kleines Signal in ihre Heimat: „Diese Tücher werden in Kamerun nicht mehr richtig respektiert. Was man hat, das schätzt

man eben nicht. Wir wollen den Leuten sagen: Trag doch kein Polyester bei 40 Grad, das hier sind tolle Stoffe.“ Rahmee Wetterich und Marie Darouiche sind zwei Schwestern, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten: Rahmee ist eine energische Frau, die gerne und genau das Konzept des „Dirndl africaine“ erklärt, Marie hingegen ist froh, wenn sie die Medienarbeit nicht machen muss: Nur ab und an schaut sie beim Gespräch in einem Nebenraum des Ateliers vorbei und erkundigt sich auf Französisch nach dem Verlauf des Gespräches oder den vielen Stoffen, die hier liegen. Mit dabei ist auch Biboul Darouiche, 51 Jahre, der Bruder der beiden – der etwas ganz anderes macht und doch haargenau dasselbe: Er ist geprägt durch den gemeinsamen großen Bruder, der schon Anfang der 70er-Jahre damit begann, mit seinen Freunden im Elternhaus der Familie Musik zu machen. Als die Familie Ende des Jahrzehnts nach Deutschland ging, wurde der junge Biboul Perkussionist. Er spielte Salsa, Pop, Rhythm & Blues, später viel Jazz. Europäische Rhythmen oder amerikanische, das eben, was gerade gefragt war. Mit afrikanischer Musik kam er erst wieder in Berührung, als er für ein paar Jahre nach Paris ging – und das als Zaungast. Es war schrecklich: Afrikanische Musiker flogen ein, sangen lieblos ein Stück über Liebe herunter und das wurde dann auf dem afrikanischen Markt verkauft. Mehr als einmal hat er das in der Szene erlebt. „Zu dieser Zeit habe ich mich gefragt: Was ist eigentlich mit unserer eigenen Kultur?“ Biboul Darouiche begann, Elemente aus seiner Kindheit in seine Musik aufzunehmen, Elemente aus Kamerun. Einfach, weil sie gut waren. Als „Afro-Beat & Tribal Pop“ bezeichnet er die Musik, die er heute produziert. „Meine Musik ist authentisch“, sagt er dazu.

Rahmee, Marie und Biboul – alle drei sind Menschen, die in der Fremde ihre Herkunft für sich entdeckt haben, und die damit allen etwas geben: Sowohl den Menschen vor Ort wie denen in ihrer Heimat, denen sie so zeigen können, wie sehr ihre Kultur im Ausland ankommt. Und doch ist es gar nicht leicht, mit ihnen darüber zu reden: „Ich mag es nicht, wenn Menschen zu sehr in unser Leben hineinschwimmen. Deswegen will ich eigentlich nicht zu viel über unsere Familie erzählen.“ Es geht nicht darum, dass sie nicht über ihre Kultur sprechen will – aber die Grenze zum Persönlichen ist schwer zu ziehen, das merkt sie mit jedem Medienbericht. „Kürzlich hat mich eine Kundin gefragt, welche Hautfarbe mein Mann hat. Dabei möchte ich einfach in Ruhe meine Arbeit machen.“ Das ist ihr Dilemma: Einblicke zu geben ohne Einblicke zuzulassen, zumindest die falschen. Denn es gibt ja auch eine Mission. „Wir versuchen, unser Sein mit den Leuten zu teilen“, sagt Rahmee Wetterich. Das ist auch deshalb wichtig, weil die Welt viel kleiner ist, als so Mancher vermutet: Denn viele traditionelle afrikanische Stoffe – stammen eigentlich aus den Niederlanden. Dort und in anderen europäischen Ländern wurden sie Anfang bis Mitte des 20. Jahrhunderts auch zunächst auf den Markt gebracht. „Die Stoffe waren den Europäern allerdings zu bunt. Den Durchbruch hatten sie in Afrika“, sagt Rahmee Wetterich. Dort seien sie nach wie vor äußerst beliebt. Rahmee Wetterich und ihre Schwester verwenden die Tücher noch heute. Es sind europäisch-afrikanische Tücher, es ist europäisch-afrikanische Mode, es sind europäisch-afrikanische Menschen. Text: Sebastian Stoll

Sebastian Stoll, freier Journalist. Reportagen und Portraits unter anderem für Dummy, den Tagesspiegel, die Berliner Zeitung, den Freitag, die Frankfurter Rundschau und Facts


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rettet das mittagessen Sebastian Dickhaut Autor, Koch, Gastgeber, Foodblogger – Sebastian Dickhaut vereint dies alles in einer Person. Mehr als 50 Kochbücher stammen aus seiner Feder, viele davon sehr erfolgreich und in mehrere Sprachen übersetzt, unter anderem die Reihe Basic Cooking von Gräfe und Unzer. Und auch das Kochportal Küchengötter wurde von ihm mitbegründet. Seit 2005 ist rettet das mittagessen sein Esszimmer im Internet, als meersuppe ist er auf Twitter und Instagram. In seinem Münchner Kochstudio HUKODI5 lädt er zu Kochkursen, Küchenkonzerten und Lesungen mit Menü. Sein Motto: »Essen ist viel zu wichtig, um es ernst zu nehmen.“ www.sebastian-dickhaut.de www.rettet-das-mittagessen.de/blog Interview mit Sebastian Dickhaut Sebastian, du hast deine kulinarische Karriere mit einer Ausbildung als Koch in einer Privatklinik begonnen. Was hat dich am Beruf des Kochs gereizt, und worin sahst du eine Herausforderung, für kranke Menschen zu kochen? Zuerst war das eher eine Notlösung. Ich wollte Kunst studieren, und meine Eltern fanden es gut, wenn ich vorher einen »richtigen« Beruf habe. Mein Vater hatte ein altes Hotel in eine psychiatrische Klinik umgebaut, außerdem hatten sie ein Grilllokal im Burgenland gehabt, ich aß gerne und dachte mir, dass ich als Koch einen Menge erleben würde – ein alter Beruf mit vielen Möglichkeiten. Und so landete ich zwei Straßen weiter von unserer Klinik in einem ähnlichen Ex-Zauberberghotel, in dem wir zuckerkranken Menschen zwei Broteinheiten Kartoffeln in Silberschalen abwogen. Wie in vielen Kliniken Bad Nauheims stand auch dort ein Chef am Herd, der nach dem großen Kochen draußen hier etwas mehr Ruhe haben wollte und viel Zeit hatte, uns sein Wissen weiterzugeben. Unsere Patienten hießen »Gäste« und wurden einzeln bedient, ich habe es gar nicht als Kochen für kranke Menschen wahrgenommen. Wie kam es dazu, dass du schließlich Kochbuchund Foodblogautor geworden bist? Nach der Lehre gings ins Leben zu Kempinski Frankfurt, Frühdienst ab sechs, Spätdienst bis eins, zur Messe jede Minute ein Essen, tolle und bekloppte Leute, wilde Nächte, durchgeschlafene Tage – nach zwei Jahren erinnerte ich mich wieder an die Idee, Kunst zu studieren. Kündigte, bewarb mich mit Zeichnungen aus meiner Schulzeit und merkte, dass es nur noch eine Idee war. Es folgten noch mal zwei Jahre als Koch wie oben, nur in allem extremer. Am Ende war ich in einem sehr guten Restaurant und fragte mich immer noch, ob es das mit dem Kochen war. Nein! Weil das Schreiben längst das Zeichnen bei mir ersetzt hatte, machte ich ein Praktikum bei einer kleinen Tageszeitung, währenddem die erwartete Volontärin absprang. Ich fing gleich an – unter anderem als Polizeireporter und Verwurster der Redaktionssau. Danach wollten sie in den Feuilletons keinen Koch mit Volontariat, dafür suchte ein Verlag in München einen angestellten

Autor für die kleinen Bücher von Meine Familie & ich, die man an der Kasse kaufen konnte. Also ging ich dort in meine dritte Lehre, schrieb in drei Jahren elf Bücher, dann änderte sich die Auftragslage und ich war wieder arbeitslos. Ich machte mich selbständig und schrieb weiter Kochbücher. Außerdem machte ich Foodstyling und Verbrauchertests, schrieb Rezepte und Restaurantkritiken, gründete den Lokalführer DelikatEssen und dachte mir mit GU Basic cooking aus, ging nach Sydney und merkte, dass deutsche Kleinfamilien als Mittagesser dort Exoten waren. Hatte die Idee, von dort auf der Basicwebsite täglich über mein Mittagessen zu schreiben, wovon sie in Deutschland schon beim Frühstück lesen könnten. Die Seite kam nicht zustande, wir kamen nach drei Jahren zurück und ich entdeckte Blogs. Mailte zum Test täglich an Freunde über meinen Mittag und dann gings los im Mai 2005.

Du hast also aus Liebe zu deinen Eltern auf dein Kunststudium verzichtet. Würdest du sagen, dass du über Umwege in deinem Beruf doch noch zum Künstler wurdest? Oder anders gefragt: Ist Kochen (D)eine Kunst? Hui, Kunst und Liebe, große Frage, danke schön. Ja, ich hab meine Eltern geliebt, weil sie angenehm verrückt waren und an den entscheidenden Stellen dann doch recht vernünftig. Und als ihr Sohn sehnte ich mich auch nach Normalität – und fürchtete wohl, dass ich mich in einem Kunststudium verlieren würde. Und noch vor dem Künstler wollte ich

Autor werden – und dachte, dazu muss man vor allem leben statt lernen, was als Koch auf jeden Fall aufregender und gewichtiger sein wird denn als Kunststudent. Das ist nun dreißig Jahre her und du hast Recht, inzwischen habe ich die Schleife zur Kunst gefunden, manche sagen zur Lebenskunst. Lustigerweise fühle ich mich dabei jetzt weniger den Malern oder Schreibern nahe, sondern den Musikern. Wenn ich an meinem Herdblock steh und vor mir sitzen Leute, die mir beim Warten auf ihr Essen zuschauen und ich da nach meinem Credo ganz frisch koche mit dem, was da ist und mich dabei um die Grundtechnik herum inspirieren lasse und erzähle, was ich mache, dann fühle ich mich in den besten Momenten wie so ein alter, ewig junger Jazzer, der sich durch die Jahre die Sicherheit angespielt hat, es einfach laufen zu lassen. Das ist dann wie Spielen, Singen, Tanzen auf einmal. Und wenn wir einen Kochkurs machen, wirdʼs zu einer Jamsession mit mir als Leader. Kein Wunder, dass Musik neben Essen inzwischen die zweite feste Größe in unserem HUKODI hier ist. Und in meinem Leben auch. Mittlerweile bist du ein »alter Hase« im Kochbuchgeschäft. Als einer der Erfinder der Bestsellerreihe Basic cooking von GU, von den mehr als zwei Millionen Exemplaren weltweit verkauft wurden, bist du zu einem der erfolgreichsten Kochbuchautoren Deutschlands avanciert. Was hat sich seit dem Beginn deiner Karriere vor zwanzig Jahren auf dem Kochbuchmarkt verändert? Kochbücher waren damals oft entweder zum Anschauen und Hinlegen oder zum Benutzen und Weglegen. Mit »Jamie Oliver & Söhne«, Donna Hay und auch Basic cooking kamen Ende der 90er so begeisternde wie nützliche Kochbücher in die Küchen und echte Menschen in die Bücher, in deren Welt die Leser sich wiederfinden konnten. Daraus wurden dann Marken, der Markt und das Marketing konzentrierten sich immer mehr darauf. So waren Kochbücher oft ganz oben in den Bestsellerlisten. Der lieblose Schrott oder die bloße Nachmache ist weniger geworden, im Schnitt finde ich das Niveau und den Anspruch der Leser höher als früher. Allerdings gibt es auch mehr Gleichförmigkeit und weniger Wow- Effekte im Regal.

Und viele Angebote im Internet. Wie blickt man als aktiver Kochbuchautor auf die steigende Anzahl der Foodblogs? Glaubst du, dass diese Entwicklung zum Problem für Kochbuchverlage werden kann? Welche Reaktion wünschst du dir seitens der Verlage? Zum Großteil gebe ich dir mit meiner Arbeit die Antwort: Ich schreibe ein Foodblog und stelle nicht nur meine Rezepte über das GU-Kochportal küchengötter.de6 kostenlos zur Verfügung, sondern arbeite aktiv daran mit. Der Verlag hat zehn Jahre gebraucht, um sich dazu durchzuringen. Doch jetzt machen sie eine gut gepflegte Qualitätsseite mit Persönlichkeit, in der Redaktion wie in der Community. Alles andere würde auch nicht zu ihnen passen und wäre Geldverschwendung. Und der Erfolg gibt dem Recht, in Zuverlässigkeit und Freudemachen liegen sie ganz vorne. Natürlich ist das den Controllern noch nicht genug, aber stattdessen gar nichts zu machen oder nur einen Prospekt reinzustellen, fände ich blöd. Das Internet ist nicht das Böse, sondern was Gutes, wenn die Guten darin was gut machen. Und wenn du mit der gleichen Energie ein Kochbuch machst, das den Lesern nicht nur eine Rezeptsammlung, sondern eine eigene Welt und Geschichte bietet, dann schlägt das jede Datenbank und gibt den Communitys reales Futter. Wer’s drunter macht, hat es allerdings zusehends schwerer im Kochbuchmarkt. Für mich selbst würde ich sagen, dass ich mir von meinem Verlag in der Beziehung nicht viel wünschen muss – die direkte und schnelle Arbeit mit den Küchengöttern hat auch für mich neuen Pep reingebracht und viel wachsen lassen, zum Beispiel die Kochkurse. Ich sag immer, die Basics sind die Nationalmannschaft für mich, die Küchengötter aber sind mein Verein. Was unterscheidet Foodblogs, Foodmagazine und Kochbücher, und worin siehst du den Mehrwert der jeweiligen medialen Formen? Puh ... hm ... also, was sie verbindet, sind die Menschen, die sie nutzen, Leute, die gerne essen, sich das wahrscheinlich auch gerne kochen und die dafür Material, Rat, Inspiration und auch Unterhaltung wollen. Da gibts manche, die das alles zusammen nutzen und solche, die speziell auf ein Medium stehen. Für die Unterschiede musst du dir nur die Art der Produktion anschauen: Ein gutes Kochbuch braucht von der ersten Idee bis in den


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Küchengespräche Restaurant Day Ein Karneval des Essens, an dem jeder für einen Tag ein Restaurant eröffnen kann

Laden auch heute noch mind. ein Jahr. Daher sollte es was haben, das Bestand hat, auf das ich mich stützen kann – eine gute Grundidee, eine gute Geschichte, Rezepte, die zu Lieblingen werden können, einfach ein Grund zur Freude, jedes Mal wenn ich es sehe oder in die Hand nehme. Darin ist es unschlagbar. Magazine kommen jeden Monat raus, sie begleiten mich durchs Jahr in einer festen Struktur – was gibts zu kaufen, was koch ich draus, wo sind die neuen Lokale, wo kann man mal zum Genießen hinfahren und was tut sich sonst so in der Foodiewelt? Erzählt von so erfahrenen wie neugierigen Profis. Und Foodblogs sind das tägliche Brot, immer wieder neu belegt, mal klassisch, mal witzig, mal solide, mal verwegen? Am liebsten mit viel Persönlichkeit und deren Alltag, ohne dass es eine One-WoMan-Show sein muss. Wobei ich hier von meinen Idealen rede, die mir noch viel zu selten erreicht oder auch nur angestrebt werden. Dein eigenes Foodblog rettet das mittagessen hast du anfänglich aus Werbezwecken für deine Kochbücher ins Leben gerufen. Im Laufe der Zeit wurde dann aber viel mehr daraus. Wie hat sich das Blog allmählich entwickelt? Eigentlich ging es mir eher darum, ein bisschen hinter den Büchern hervorzukommen. Dass die viel bekannter als ich sind, finde ich angenehm, weil ich davon gut leben kann, ohne mein Leben verkaufen zu müssen. Da verschenke ich es lieber und glaube, selbst die Kontrolle darüber zu haben. Wie oft bei meinen Projekten schuf ich einen festen Rahmen, in dem sich gut improvisieren lässt: Mittagessen als Symbol für Arbeit und Genießen; jeden Werktag einen Beitrag; mein Arbeitsviertel Haidhausen als Basis, von der aus die Welt entdeckt und erklärt wurde. Inzwischen geht aber ein großer Teil meiner Netzenergie in die Küchengötter (dank dieses Blogs). Zugleich werden wir hier im Büro Kleinveranstalter für Mittagstische, Kochkurse, Lesungen, Feinkost. Und mein Schreiben verlässt das Kochen immer mehr. Das alles ist alleine für das Blog zu viel und zu wenig zugleich, was man ihm auch angemerkt hat. So habe ich nun meine eigene Website gemacht und fürs HUKODI und Wunderwürz auch noch eine. Zugleich

versucht, meinem Blog mit Mittagesserporträts eine neue Richtung zu geben, was schön, aber eher ein Schau- als ein Dialogfenster war, und der Dialog ist mir sehr wichtig auf rettet das mittagessen. Dass Herr Paulsen seinen Kiosk zugunsten von NutriCulinary geschlossen und damit seine Welt unter einen Hut gebracht hat, kann ich gut nachvollziehen; in rettet das mittagessen steckte aber von Anfang an meine ganze Welt und vieles, was sie heute ausmacht, hat dort begonnen. Und die übrige Welt übers Mittagessen zu entdecken, hat immer noch seinen Reiz. Mal sehen, was noch draus wird. Der Name deines Foodblogs erzählt von deiner Liebe zur ausgedehnten Mittagspause. Wieso findest du die Pause zur Mittagszeit so wichtig und welches Mittagessen hast du in besonderer Erinnerung behalten? Mittagessen hat so was Verbindendes und Unverbindliches zugleich. Ob die Kollegen sagen: »Kommst’ mit?« oder ob man sich alleine mit seinem Brot auf die Parkbank hockt, ob es Kinder nach der Schule sind oder Rentner beim Tagesteller, ob sich Manager zum Business Lunch treffen oder ob sich die Herzinfarkte im Dreibettzimmer zum Hühnerfrikassee hinsetzen. Mittags sind der Tag und seine Geschichten noch frisch, man schmeckt besser, und die Preise sind moderater. Gerade weil das Mittagessen für viele kein Muss mehr ist, ist es ein größerer Luxus, als abends essen zu gehen. Tatsächlich sind es fast immer Mittagessen, an die ich mich besonders erinnere: mit meinem Vater bei Plachutta in Wien, als ich zum ersten Mal dachte, dass ich ihn vielleicht nicht wiedersehe; mit meiner Mutter am Fasching beim Schuhbeck, sie als Chinesin, ich als verrückter Professor; ein Sushihochhaus in Tokio, in dem mich Japan vollends verzauberte; ein Grillfest auf dem vereisten Neusiedler See, bei dem es nur Alkohol zu trinken gab (ich war acht). Das Mittagessen, bei dem ich mich nach über zwanzig Jahren wieder verliebte. Welche Auswirkungen hat das Bloggen auf dein Kochen und das Schreiben neuer Rezepte? In der Hochphase habe ich zum einen Rezepte gekocht, die sich gut verbloggen ließen

– gute Geschichte, interessante Zutaten oder Zubereitung, besonderer Anlass. Und das Kochen hat länger gedauert, weil ich immer fotografieren musste. Inspirierend fand ich die Erkenntnis, dass ein aufgeschriebenes Rezept nicht in Stein gemeißelt ist und dass es durch Kommentare und Korrekturen nicht beliebiger wird, sondern mehr Charakter bekommt. Und weil wir inzwischen mehr als zwanzig Basics haben, denke ich da auch manchmal beim Schrauben an Texten: »Na, lass es jetzt mal so, kannst du ja beim nächsten Mal dran weitermachen.« Dein Kochbüro HUKODI wird ja immer mehr zur Gaststube. Nun kann man nicht nur als virtueller Gast an deinem Mittagstisch sitzen, sondern auch im wahren Leben bei dir einkehren. Wie kam es dazu und wie unterscheiden sich deine realen von deinen virtuellen Besuchern? Irgendwann hatte ich wieder Lust zu kochen und Gäste zu haben. Das ging mit den Kochkursen los, dann haben wir die Freitagsküche gemacht, drei Gänge mit Wein zum Fixpreis am Freitagmittag, um ins Wochenende zu starten. War toll, aber viel Aufwand für zu wenig Geld. Haben wir dann in den Abend genommen, mehr Aufwand für mehr Geld. Parallel gings mit Musik und Lesungen los, zu denen es ein Menü gibt, noch mehr Aufwand vor allem im Vorfeld fürs gleiche Geld. Im Moment machen wir immer wieder Konzerte ohne Eintritt, zu denen es dann ein Menü auf die Hand gibt und Drinks an der Bar, die mein Ältester schmeißt. Motto: Der Live-Club mit der besten Küche Münchens. Wenig Aufwand, viel Freude und auch nicht weniger Geld als vorher. Sebastian, danke für das Interview! Das Interview führte Ariane Bille. Das komplette Interview finden Sie im Buch Foodblogs von Ariane Bille. Ariane Bille studierte Kommunikationsdesign in Düsseldorf. Heute lebt und arbeitet sie in Berlin als freiberufliche Grafikdesignerin, Foodfotografin und -bloggerin für verschiedene Verlage und Agenturen. www.kulinarische-momentaufnahmen.de | www.ariane-bille.de

Die bunte Welt der Foodblogs Ausgewählte Foodblogs aus Deutschland, Österreich und der Schweiz: Porträts, Erzählungen und Rezepte von und für Foodies sowie unschlagbare Tipps und Tricks aus der Community. Die deutschsprachige Foodblog-Landschaft ist dynamisch, vielfältig und wächst unaufhörlich. Ariane Bille ist es gelungen aus den vielen spannenden Protagonisten der Szene eine Momentaufnahme einzufrieren: Im Fokus des Buches stehen zwölf außergewöhnliche Foodblogger und Foodbloggerinnen, die in ausführlichen Interview-Porträts vorgestellt werden. Kulinarische Momentaufnahmen: Interviews, Geschichten & Rezepte ausgewählter Foodblogs. von Ariane Bille | 160 Seiten auf volumigem Papier | 143 Farbfotos | 230 x 210 mm, Klappenbroschur | Hädecke Verlag | Für Deutschland: EUR 24,90 | ISBN 978-3-7750-0661-3

Der Restaurant Day ein Jahrmarkt rund ums Essen, geschaffen von Tausenden Menschen, die weltweit “Ein-Tages-Restaurants” organisieren oder diese besuchen. Die Idee dahinter: Ein freudiger Tag mit den Menäivä / Restaurant Pikku-Berliini, Helsinki, Ravintolap schen aus der nä- Day | Photo: Tuomas Sarparanta heren Umgebung, an dem Speisen und Getränke das verbindende Glied sind. Die Veranstaltung wird ermöglicht durch ein Team von Freiwilligen, die auch diese Website unterhalten. Alle teilnehmenden “EinTages-Gastronomen” sind für die Ereignisse rund um ihr Restaurant selbst verantwortlich. Nächster Restaurant Day 15.11.2014 | www.restaurantday.org

Neals Yard Dairy Farm cheeses from the British Isles ist die erste Adresse in Sachen Käse in London, Großbritannien und wer will auf der ganzen Welt. Ihre Spezialität ist die Vielfalt und hohe Kunst des englischen Käses. NealsYard Diary beziehen Ihre Produkte von mehr als sieb- zig verschiedenen Käsern aus ganz Großbritannien und Irland. Ihre Produzenten werden regelmäßig besucht, um die hohe Qualität zu prüfen, zu sichern und um die Geschichte hinter dem Käse zu erfahren und an ihre Kunden weiter zu geben. Ein Besuch in einem ihrer drei Läden ist ein kulinarisch-poetisches Erlebnis. Der Käse wird unaufdringlich zelebriert, man kann probieren und nimmt garantiert zu viel mit nach Hause. But take it for granted it will be eaten anyway. www.nealsyarddairy.co.uk

Markthalle Neun Berlin Die Markthalle Neun demonstriert, wie „Anders-Essen“ und „Anders-Einkaufen“ in der Stadt möglich sind: regional- und saisonal-betont, verbunden mit lokaler Wertschöpfung und kurzen Wegen, verantwortungsbewusst, fair, ökologisch, im direkten Kontakt mit den Erzeugern und - bei Fleisch und Fisch - aus artgerechter Haltung bzw. nachhaltigem Fang. Die schrittweise Wiederansiedlung des kleinteiligen Lebensmittelhandels und -handwerks auf der zuvor von Discountern dominierten Fläche bedeutet auch die Wiederaneignung der Halle als lebendiger Ort im © Markthalle Neun Quartier. Der mit Produkten v.a. aus der Region ist die Basis der Markthalle Neun: Der Street-Food-Markt zeigt Berlin als Kreativmetropole auch beim Thema Essen, als Einwanderungsstadt mit einer großen Vielfalt an authentischen Esskulturen. www.markthalleneun.de

Chasa da Fö Die womöglich höchstgelegene Kochschule Europas die „Chasa da Fö“ finden Sie auf 2.206 Metern Höhe, oberhalb des kleinen Engadinerdorfs Ftan. Auf sehr gut ausgebauten Wanderwegen, © Andrea Badrutt. durch wunderschöne und herrlich duftene Wälder führt der Weg vom Ftaner Hochalpinen Institut aus in etwa 2 Stunden hinauf auf die Alp Laret. Im ehemaligen Schweinestall der Alp ist heute die „Chasa da Fö“ – auf Deutsch das „Haus des Feuers“ – untergebracht. Bei den Kochkursen setzen die Veranstalter auf regionale Erzeugnisse und deren traditionelle Weiterverarbeitung. Auf dem alten Engadiner Holzkohleherd werden traditionelle Gerichte aus der Region zubereitet und anschaulich erklärt. Dabei spielen auch die ortsansässigen Bauern mit Ihren Produkten eine grosse Rolle. www.chasadafoe.ch


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Couchtisch Freebird - mit bunten Glasplatten

Multivitamin Regale - Fruchtbare Wände

Optische Täuschung und statisches Experiment. Leicht, filigran, zurückhaltend und trotzdem stabil - so könnte man den Couchtisch freebird zusammenfassend beschreiben. freebird, weil das Gestell in Kombination mit der Glasplatte eine Leichtigkeit und Zurückhaltung ausstrahlt und es so wirkt, als wolle der obere Rahmen mit der Platte abheben und die untere Struktur verlassen - fast wie ein mit Helium gefüllter Luftballon. www.selekkt.com

Multivitamin, das dekorative Design-Objekt für Zuhause - Das Wandregal hilft nicht nur Äpfel und Birnen zu verstauen, es präsentiert sie auf schlanken Schlaufen aus Edelstahl zugleich als Design-Objekte. Durch die Luftlagerung der Obst- und Gemüseteile wird die Gefahr der Fäulnis - oder Schimmelansteckung gebannt. Platzsparend und schonend gebettet präsentieren sich Vitamine hier von Ihrer besten Seite. Zuhause, im Büro oder in der Gastronomie - das Multivitamin Regal schafft individuelles Ambiente durch den spielerischen Umgang mit Formen und Farben und bietet täglich neue Varianten Obst und Gemüse in Szene zu setzen. www.multivitamin-objekt.de

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Paperwolf DIY Fuchs Skulptur zum Selberbauen

Marc + Matthew Art Collection Die Marc + Matthew Art Collection ist die moderne Online-Galerie für zeitgenössische Kunst. In unterschiedlichen Abständen werden streng limitierte Editionen spannender Werke angeboten. In Zusammenarbeit mit Kunstvereinen, exklusiven Galerien und renommierten Kuratoren erfolgt die Auswahl des Angebots. Jedes Werk erzählt eine spannende Geschichte, die im mitgelieferten Booklet festgehalten ist. Die Werke werden stets auf besondere Art und Weise hergestellt, wie etwa der traditionellen Vergrößerung auf Barytpapier. Das Angebot richtet sich an Kunstinteressierte, die hohen Wert auf Qualität legen. www.marc-matthew.com

Diese Fuchs-Skulptur zum Selberbauen besteht aus zwei Elementen: Dem Körper und dem Schwanz. Eine mitgelieferte Schablone hilft Dir, die Teile richtig an der Wand zu positionieren. www.selekkt.com

Lena Peter Recyclingleuchte FELIX 1 Bei den Recyclingleuchten MOLLY, CHARLY und FELIX handelt es sich um handwerkliche gefertigte Unikate mit eigener Lebensgeschichte. Die verwendeten Backformen sind alte Exemplare, die in einer Zeit hergestellt wurden, als das Handwerk noch im Vordergrund stand. Urgroßmutters Liebling wird somit zum persönlichen Klassiker. Die Leuchten stellen damit eine Verbindung zwischen Vergangenheit und Zukunft her. Die Leuchten geben ein warmes, funktionales Licht und eignen sich sowohl für private als auch für geschäftliche Räume. Theken, Küchen- und Arbeitstische, Schaufenster und Wohnräume werden dekorativ aufgewertet und harmonisch ausgeleuchtet. www.selekkt.com

drinkitnow TAG ME Mit dem kleinen Flieger ist eine gute Reise vorprogrammiert. Gepäckanhänger sind ja eigentlich eine eher langweilige Angelegenheit und dienen normalerweise nur zur Information (dafür ist das Adressfeld da…). Mit dem Gepäckanhänger Tag Me von OTOTO können Sie Ihr Gepäckstück unter den Massen an Koffern auf dem Förderband sofort erkennen: „Der mit dem Flieger ist meiner!“ www.design-3000.de

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Formfreund Emil Beistelltisch

Schlüsselroman

Emil vereint Tablett und Tisch. Dieser nützliche Helfer steht bei jeder Gelegenheit zur Verfügung, fungiert er doch als kleiner Beistelltisch oder als Tablett in angenehmer Höhe neben der Festtafel. In der Küche beladen, möchte er gerne an die Hand genommen werden. Emil ist aus Eiche, weißem Schichtstoff und pulverbeschichtetem Stahlrohr. www.selekkt.com

Die besonders fest vernietete Lösung für Bücher, die niemand mehr aufschlagen wollte: Für Schlüssel, Handtücher, Gürtel und Sonstiges. Als Material dienen ausrangierte Bücher aus Hamburger Buchhandlungen. Sie sind so stabil, daß sie auch Jacken tragen könnten. www.lockengeloet.com

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EXPO Milano 2015 DIE EXPO 2015, die Weltausstellung, in der alle Nationen der Welt ihre Traditionen, ihre Kreativität und ihren Innovationsgeist zur Schau stellen, findet in Mailand statt, in der europäischen Mode- und Designhauptstadt, Die EXPO 2015 in Mailand trägt das Thema „Feeding the Planet, Energy for Life“ und will damit Antworten geben auf die zukünftigen, großen Herausforderungen der Welternährung. Im Rahmen eines konzeptionellen Masterplans stellt diese Weltausstellung einen expliziten Paradigmenwechsel dar, denn sie verzichtet entschieden auf repräsentative Monumentalbauten. Vielmehr präsentiert sie sich als „nachhaltiger Agrofood-Park“.

Museum für Gestaltung – Schaudepot Das Museum für Gestaltung feiert einen Meilenstein in der fast 140-jährigen Geschichte seines Bestehens: Ende September eröffnet es im Toni-Areal seinen neuen Standort, das „Schaudepot“. Hier macht es seine bedeutenden Sammlungsarchive erstmals für die Öffentlichkeit zugänglich und zeigt wechselnde Ausstellungen. Über 40 Jahre lang engagierte sich das führende Museum für Design und visuelle Kommunikation der Schweiz, nz, Museum für . Foto: Christine Be seine vier SammSammlungsarchive nz Photographie Be ine rist Ch © Gestaltung Zürich, lungen unter einem Dach zu vereinen. Bisher waren die Design-, Kunstgewerbe-, Plakat- und Grafiksammlung auf verschiedene Orte im Kanton Zürich verteilt. Nun finden endlich ihre über 500‘000 Designobjekte im Toni-Areal zusammen. Herzstück des neuen Archivs bildet ein freistehendes, begehbares Hochregallager. Zudem zeigt das Museum im Schaudepot in neuen Ausstellungsräumen wechselnde Ausstellungen. Designgeschichte hautnah erleben Zum ersten Mal in seiner fast 140-jährigen Geschichte präsentiert das Museum für Gestaltung im Schaudepot seine Sammlungen der Öffentlichkeit. www.museum-gestaltung.ch


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Designshow auf vier

Auf sechsmonatiger Europa-Tournee: Ein designaffines Wohnmobil macht Schluss wurde. Im Gegenteil: Ein wenig erinnert das Hebel in Bewegung. Dem Gestalterduo LuEin designaffines Wohnmobil tourt derzeit Fahrzeug an einen entkernten Betonbau aus dovica und Roberto Palomba wurde die kredurch Europa und macht Schluss mit den übden siebziger Jahren, der mit rau belassenen ative Leitung übertragen, während rund 20 lichen Standards spießiger Camping-Kisten. Wänden und industriellen Objekten einer Designhersteller aktuelle Entwürfe bis hin zu Das rollende Zuhause ist bis unter das Dach neuen Bestimmung zugeführt wurde. Klassikern beisteuerten. Unter dem Namen mit prominenten Designentwürfen bestückt, Homette startete das designaffine Wohnmobil die entgegen aller Erwartungen auch auf in Mailand seine Europatournee und erreichte kleinstem Raum brillieren. Kompakt, belastbar, flexibel am Wochenende München. Nach einem kurDie Sehnsucht nach der Natur ist am WohEin einfaches Klappbett sowie ein aus transzen Zwischenstopp gestern am Bergwitzsee in nen zwar nicht spurlos vorübergegangen. parentem Harz und venezianischen Hölzern Sachsen-Anhalt, wird der Wagen heute Mittag Doch trotz aller Ausflüge in raffinierte Baumgefertigter Klapptisch (Entwurf und Umsetin Berlin erwartet. häuser, schwebende Nester oder abseits gelezung: Designstudio Alcarol Lab) gehören zu Wohnwagen-Interieur5 Räumliche Reduktion gene Überlebenshütten schien die mobilste den wenigen Maßanfertigungen des Projektes, Was diese Roadtour aus gestalterischer Peraller Behausungen bislang ein rotes Tuch zu ansonsten kommen ausschließlich Serien-Probleiben: der Wohnwagen. Ein dukte zum Einsatz. Die AuswahlVorstoß zur Rehabilitierung des kriterien waren so einfach wie eng: Ein Vorstoß zur Rehabilitierung des rollenden Heims Kompakt, belastbar und flexibel rollenden Heims kommt entgegen aller Klischees nicht aus kommt entgegen aller Klischees nicht aus Holland. müssen die Objekte sein, um den Holland, sondern ausgerechnet sechsmonatigen Praxistest auf Euaus dem wohl häuslichsten aller ropas Straßen bestehen zu können europäischen Länder: Italien. spektive interessant macht, ist weniger das und den Alltag nicht in eine Strapaze zu verExterieur des Vintage-Wohnmobils als dessen wandeln. komplett umgestaltetes Interieur. Anstatt in Homette großformatigen Lofts zu residieren, treffen die Die Idee zur Neuerfindung des CampingswaVon Castiglioni bis Palomba Produkte auf demonstrativ alltagstauglichem gens hatte die Journalistin Arianna Malagoli. Als leicht bewegliches Sitzobjekt dient der HoLevel zusammen. Exakt 14 Quadratmeter Als sie den italienischen Designverband ADI ckerklassiker Sella von Achille und Pier Giamisst das Innere des Wohnwagens, das keines(der auch den Designpreis Compasso d‘Oro como Castiglioni (Zanotta, 1957), dessen Sitzwegs in eine überdesignte Koje transformiert vergibt) als Partner gewann, setze dieser alle fläche in Form eines Fahrradsattels auch auf


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Rädern

s mit den Standards spießiger Camping-Kisten. tellern mit stark ornamentalen Motiven. Dass sind Treffen mit lokalen Designbüros geplant, minimalem Raum zu wenden vermag. Flexibel die Espresso-Maschine von Bialetti stammt, mit denen über die Alltagstauglichkeit des zeigt sich das Sitzsystem Trix von Piero Lissoversteht sich fast von selbst. Designs diskutiert werden soll. Parallel wird ni (Kartell, 2005), dessen drei unterschiedlich das nomadische Redaktionsbüro von seinen große Polster durch Kunststoffriemen verbunErlebnissen und Erfahrungen auf der eigenen den sind und in wenigen Handgriffen vom Trans-Europa-Express Homepage berichten. Wer Interesse am desiSofa in eine Chaiselongue oder in ein Bett Sechs Monate dauert die design on board gnaffinen Wohnmobil gefunden hat, sollte verwandelt werden können. Als Tischleuchte Tour, die von Berlin weiter nach Hamburg, den derzeitigen Standort auf dem dient eine Mininaturversion von Exakt 14 Quadratmeter misst das Innere des täglich aktualisierten Blog mögGae Aulentis Pipistrello-Leuchte (Martinelli Luce, 1955), während Wohnwagens, das entgegen erster Befürchtungen in lichst zeitnah in Erfahrung bringen. Schließlich liegt der Reiz des im Badezimmer das puristische keine überdesignte Koje transformiert wurde. rollenden Zuhauses genau darin, Waschbecken Lab_03 von Ludodass es morgen schon wieder ganz vica und Roberto Palomba (Zucwoanders ist. chetti/Kos, 2010) verwendet wurde. TourneeKopenhagen, Amsterdam, Paris, London, plan 7 Bilbao, Lissabon, Madrid bis nach Barcelona Weitere Infos zum Projekt und den aktuellen führen wird. Ein Abweichen von den bekannStandort finden Sie unter: ten Pfaden und das Erkunden weiterer ZieVon Smeg bis Bialetti www.designonboard.it le ist nicht nur erlaubt, sondern explizit Teil Den größten Teil des mobilen Zuhauses des Programms. „Das Ganze ist natürlich ein nimmt die Küche ein. Das offene Edelstahlspannendes Experiment, für einen so langen Modell Slim stammt von Elmar Cucine (DeText: Norman Kietzmann, Zeitraum auf so kleinem Raum zu wohnen“, sign: Ludovica und Roberto Palomba) und Foto: Enrico Valvo, 08.07.2014 sagt Arienna Malagoli, die selbst die gesamte wird von einem runden Kühlschrank im RetReise begleiten wird. rogewand von Smeg ergänzt. Die gasbetriebenen Edelstahl-Kochplatten Ribaltabili wurden Norman Kietzmann schreibt als freiberuflicher Redakteur von Alpes Inox beigesteuert, während bei den Immer unterwegs über Design und Architektur. Nach seinem Designstudium zog Tellern die Hybrid-Serie von Seletti gewählt Das Ziel des Projektes ist mehr als nur ein es ihn nach Mailand, von wo aus er für zahlreiche deutsche Print- und Onlinemedien berichtet. 2011 wurde er mit dem wurde – ein Zusammenschluss von halb chirollender Showroom für die an Bord gezeigrenommierten „COR-Preis Wohnen und Design“ für den journesischen und halb europäischen Porzellanten Produkte. An den einzelnen Stationen nalistischen Nachwuchs ausgezeichnet.

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74  |  Tanz & Ballett

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Tanz und Ballett Ausgewählte Tanz- und Ballettveranstaltungen, Festivals und Projekte Berlin

Trisha Brown Dance Company (USA)

„Present Tense” (2003) © Trisha Brown Dance Company

Die Tänzerin und Choreografin Trisha Brown gehört als Mitbegründerin des amerikanischen Post Modern Dance zu den einflussreichsten Persönlichkeiten des zeitgenössischen Tanzes. Mit der 1970 gegründeten Trisha Brown Dance Company wurde sie in der Tanzwelt international bekannt. Die Berliner Akademie der Künste war 1976 das erste Haus, das ein Programm von Trisha Brown in Berlin präsentierte, und lädt sie jetzt im April 2015 zum dritten Mal ein - die letzte Möglichkeit einer authentischen Begegnung mit Trisha Browns Werk, denn Ende 2015 wird sich die Kompanie auflösen. Gezeigt werden u.a. Schlüsselwerke wie „Solo Olos“ und „Son of Gone Fishin´“. 24.–26.4. 2015 | Berlin | Akademie der Künste | www.adk.de

Berlin

Staatsballett Berlin Mit der Spielzeit 2014/ 2015 hat der weltweit renommierte, spanische Choreograph und Ballettdirektor Nacho Duato die Intendanz des Staatsballetts Berlin übernommen. In das bestehende Repertoire bringt er die Vielfalt seines Schaffens aus der Zusammenarbeit mit dem Mikhailovsky Theater in St. Petersburg und der Compañía Nacional de Danza in Madrid ein. In der aktuellen Saison stehen seine Choreographien „Dornröschen“, „Vielfältigkeit. Formen von Stille und Leere“ und „White Darkness“ auf dem Spielplan. Das klassische Repertoire will er weiter pflegen, das Staatsballett Berlin insgesamt aber moderner machen. Im Mai 2015 zeigt er seine erste Kreation als Compagnie-Chef. Man darf gespannt sein! www.staatsballett-berlin.de

Bielefeld

Ein Fest mit Freunden 10 Jahre Tanztheater Bielefeld 10 Jahre Tanztheater Bielefeld – das sind mehr als 40 Tänzerpersönlichkeiten auf den Bühnen des Theaters, 16 Gastchoreographen mit unterschiedlichsten Handschriften, 44 Tanzstücke mit dem Ensemble, 11 Gastspiele aus dem In- und Ausland sowie 19 Zeitsprung-Projekte mit über 2.000 Beteiligten. In einer festlichen Gala werden Beiträge ehemaliger Tänzer und Choreographen sowie Szenen aus den beliebtesten Tanzstücken der vergangenen zehn Jahre zu sehen sein. 7. und 8.3.2015 | Bielefeld | Theater Bielefeld | www.theater-bielefeld.de

Bochum

Renegade in Residence | neues Stück Das Schauspielhaus Bochum arbeitet in enger Partnerschaft mit der Herner Street-Art-Kompanie Renegade zusammen. Die Tänzer – Hip Hopper und Breaker – von Pottporus e.V./Re-

negade nutzen die Räume und die Infrastruktur des Schauspielhauses, tauchen als Künstler in den Vorstellungen des Schauspielhauses auf und einmal im Jahr entsteht unter der künstlerischen Leitung von Renegade eine gemeinsame Tanztheaterproduktion. 2014/2015 wird erstmals Neco Çelik im Rahmen von „Renegade in Residence“ am Schauspielhaus Bochum arbeiten und ein neues Stück für die Kammerspiele entwickeln. Seit zehn Jahren entwickeln Renegade urbane Kunst, indem sie Street-Art mit vielen Formen und Impulsen verbinden. Dabei mixen sie Hip-Hop mit klassischem Tanztheater, versammeln Breaker und B-Boys ebenso wie klassische Tänzer und vereinen eine Vielzahl von Tanz-Kulturen und -Generationen. Uraufführung: 10.1.2015 | Bochum | Kammerspiele | www.schauspielhausbochum.de

Dresden

Tristan + Isolde Tief in der Vergangenheit liegen die Ursprünge der ältesten abendländischen Liebesgeschichte »Tristan und Isolde«. Eine Sage keltischen Ursprungs über einen Zauber, der Isolde, die Prinzessin von Irland, und Tristan, ihren Brautwerber und Feind, in tiefster Liebe aneinanderbindet. Eine Liebe, zu groß für jeden Widerstand. Eine Verbindung, zu mächtig für alles Irdische. Weder Tristans Treue zu seinem Oheim Marke noch Isoldes Schuldgefühle gegenüber ihrem gefallenen Verlobten können die gegenseitige Anziehung schwächen. Wenn es um Tristan und Isolde geht, zählt nur eines: die tiefe, ewige, brennende Liebe. Nach zahlreichen Romanen, Richard Wagners gleichnamigem Musikdrama und Filmadaptionen findet das unsterbliche Paar nun auch in der Ballettsprache Dawsons seine Verewigung. David Dawson, mehrfach preisgekrönter Choreograf, dessen erstes Handlungsballett »Giselle« in seiner Zeit als Hauschoreograf für das Semperoper Ballett entstanden ist, nimmt sich zusammen mit dem polnischen Komponisten Szymon Brzóska des alten Mythos’ an. In der eleganten Bewegungssprache Dawsons und zu den modernen, emotional-berührenden Klängen der Neukomposition Brzóskas wird die zeitlose Liebesgeschichte zu neuem Leben erweckt. Ballett in zwei Akten von David Dawson zur Musik von Szymon Brzóska Uraufführung | Premiere am 15.2.2015 | Dresden | Semperoper | www.semperoper.de

Dresden

DEREVO Tanztheater Dresden – St. Petersburg DEREVO wurde 1988 im damaligen Leningrad von Anton Adassinsky gegründet. 1996 kamen die russischen KünstlerInnen nach Dresden und ihr "Baum" (das Wort DEREVO im Russischen) konnte hier Wurzeln fassen. Die Performance "The Rider" ermöglichte 1993 einen ersten, faszinierender Einblick in die Welt ihrer opulenten Bild- und Körpersprache. In den nächsten Jahren folgten unter der künstlerischen Leitung des Begründers Anton Adassinsky in Dresden die Pro-

Duisburger Tanztage

duktionen "Red Zone", "Süd.Grenze" und "Once". Inzwischen ist die Liste der realisierten künstlerischen Projekte in Dresden lang, neben Großproduktionen wie "Inseln im Strom", „La Divina Comedia“ oder “Ketzal“ finden sich Soloabende einzelner Mitglieder, Fotoausstellungen, Filme, Buch- und Musikproduktionen. Mit dem Umzug Ende 2003 ins Festspielhaus Hellerau eröffneten sich DEREVO neue Perspektiven und mit HELLERAU: Europäischen Zentrum der Künste ein neuer Kooperationspartner. www.derevo.org

Duisburg

Duisburger TANZtage Die Duisburger TANZtage sind mit rund 5000 Tänzerinnen und Tänzern das größte Tanzfestival für Amateure in Deutschland. Sie bieten Formationen aller Stile und Altersklassen eine Bühne. Zwischen Hip-Hop und Show, Modern Dance und Folklore ist bei den Duisburger TANZtagen nahezu jede tänzerische Form vertreten. Hier finden Einsteiger ebenso ihr Publikum wie routinierte Formationen. Auch deutsche oder internationale Titelträger präsentiert sich gerne in Duisburg und mancher Profi nutzt die Offenheit von Veranstalter und Publikum, um Neues auszuprobieren. Unter dem Motto "First Level" finden vom 27.2. – 8.3.2015 in der Rheinhausen-Halle sortiert nach den unterschiedlichen Stilen die Vorentscheide statt. Am Finalwochenende (20. – 21.3.2015) treten die besten Gruppen im Theater am Marientor noch einmal gegeneinander an. 27.2. – 8.3.2014 | Duisburg | Rheinhausen-Halle www.duisburger-tanztage.de

2014/15 im Opernhaus Düsseldorf und Theater Duisburg bestimmt. Mit George Balanchines „Serenade“ und Jerome Robbins‘ „Moves“ stehen an den beiden mehrteiligen Abenden b.21 und b.22 zwei amerikanische Schlüsselwerke des 20. Jahrhunderts auf dem Programm. Dass Hans van Manen mit „Alltag“ erstmals für das Ballett am Rhein ein neues Stück kreiert und Martin Schläpfer hierfür als Tänzer auf die Bühne zurückkehrt, ist eine Sensation – zu erleben in b.21. Die großen existentiellen Fragen des Menschseins spürt Martin Schläpfer dagegen in b.17 mit seinem Ballett abendfüllenden Ballett „7“ auf Gustav Mahlers 7. Sinfonie auf. In b.23 kehrt der Schwede Mats Ek mit der Deutschen Erstaufführung seines Beziehungsdramas „Rättika“ an den Rhein zurück, und in einem „Capricho Flamenco“ von Brigitta Luisa Merki trifft das Ballett am Rhein auf das Ensemble Flamencos en route. „Mit dem Ballett am Rhein erlebt man die aufregendste Kompanie Deutschlands – und das ohne jede Ermüdungserscheinung“ – so Manuel Brug (Die Welt). b.21: Balanchine / van Manen / Schläpfer | 17.10.– 21.12.2014, Opernhaus Düsseldorf b.17: Schläpfer | 19.12.2014–7.1.2015, Opernhaus Düsseldorf b.22: Schläpfer / Robbins | 23.1.–11.2.2015, Theater Duisburg b.23: Schläpfer / Merki / Ek | 14.3–25.6.2015, Opernhaus Düsseldorf www.ballettamrhein.de

Frankfurt

THE FORSYTHE COMPANY Wiederaufnahmepremiere Kammer / Kammer Ein Stück von William Forsythe

Düsseldorf

„Die aufregendste Kompanie Deutschlands“ Die nächsten Premieren des Balletts am Rhein

Foto © Gert Weigelt

Das Ballett am Rhein Düsseldorf Duisburg ist 2014 erneut „Kompanie des Jahres“ – so das Ergebnis der internationalen Kritikerumfrage der Zeitschrift tanz, die bereits 2013 Martin Schläpfer und seinem Ensemble diese Auszeichnung zuteilwerden ließ. „Sensibel, verblüffend, virtuos, intelligent … – lässt niemals kalt“, schrieb Nicole Strecker (WDR) über das Zusammenspiel von historischen Werken sowie neuen Sichtweisen und das Überschreiten ästhetischer Grenzen, das auch die Planung der Spielzeit

»Kammer/Kammer« ist eine szenische Bearbeitung des Romans Outline of My Lover von Douglas A. Martin und des Essays Irony is Not Enough: Essay on my Life as Catherine Deneuve der preisgekrönten Dichterin und Akademikerin Anne Carson. Es zeigt die Entwicklung zweier Liebesbeziehungen durch ein dynamisch choreografiertes Szenen- und Videodesign im Rahmen einer Live-Aufnahme eines Films auf der Bühne. Tanzende Körper konfrontieren einander in dieser multiplen entgrenzten Landschaft, wenn Forsythe choreografische Erfindungsgabe mit seiner Vision des Theaters verknüpft. 10., 11., 12., 13., 16., 17., 18., 19.4.2015, 20 Uhr | Frankfurt | Bockenheimer Depot | www.theforsythecompany.com


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Tanz & Ballett  |  75

Anne Teresa De Keersmaeker: Work/Travail/Arbeid 20.03 – 17.05.2015

Anne Teresa De Keersmaeker 2014 © Anne Van Aerschot

WIELS, das Zentrum für zeitgenössische Kunst, präsentiert mit »Arbeit | Travail | Arbeid« ein ehrgeiziges wie ungewöhnliches Ausstellungsprojekt von Anne Teresa De Keersmaeker in Zusammenarbeit mit Rosas, das zum Umdenken einlädt. Eine Live-Tanz-Performance wird als neunwöchigen Ausstellung dabei gezeigt. Was bedeutet es eine Choreographie museal auszustellen? Diese Frage ist der Ausgangspunkt für die Ausstellung Arbeit / Travail / Arbeid. Anne Teresa De Keersmaeker interpretiert ihr Tanzstück »Vortex Temporum« für die radikal verschiedenen zeitlichen und räumlichen Bedingungen eines Museumsraums neu. Es ist nicht nur die Auseinandersetzung mit dem neuen Raum, sondern auch eine Tanzperformance, die neun Wochen lang für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht und kontinuierlich aufgeführt wird.

Die ursprüngliche Choreographie für eine Bühne wird völlig neu erfunden und erweitert sich um die Aspekte Raum und Zeit. Die klassischen Rahmenbedingungen für Tanz sind nicht mehr existent und Anne Teresa De Keersmaeker entwickelt eine ganz neue Tanzform, eine neue choreografische Handschrift. Für alle Beteiligten, Choreograph, Tänzerinnen und Tänzer wie Besucher ist es ein spannender Prozess und eine Herausforderung, eine Aufgabe die Anne Terese De Keersmaeker liegt und für die sie bekannt ist. Work/Travail/Arbeid, initiiert von WIELS und der Kuratorin Elena Filipovic. Produktion WIELS, Rosas Co-Produktion in Brüssel De Munt/La Monnaie, Kaaitheater, Kunstenfestivaldesarts Begleitendes Tanzprogramm während der gesamte Ausstellung siehe www.wiels.org

© Anne Van Aerschot

ADRESSE WIELS, Contemporary Art Centre Avenue Van Volxemlaan 354 1190 Brussels www.wiels.org ÖFFNUNGSZEITEN Mi – So 11 – 18 Uhr jeden ersten und dritten Mittwoch im Monat 11 - 21 Uhr, Mo, Di geschlossen

EINTRITTSPREISE EUR 8 Studenten, Lehrer, Senioren (über 60) und Gruppen (größer als 10 Personen) EUR 5 1. Mittwoch im Monat frei

FÜHRUNGEN max. 20 Personen Informationen und Buchung frederique.versaen@wiels.org +32 (0) 2 340 00 52

Tanz in Flandern 2015 Eine Auswahl bezieht sich und interpretiert in diesem Stück das gleichnamige Gedicht des kanadischen Militärarztes und Dichter John McCrae.

© BS Tanzaufführungen The Lover – Bára Sigfúsdottir/Curtain Call Productions Während des Performatik 2015 Festivals wird die Beursschouwburg das neue Solo der isländischen Tänzerin Bára Sigfúsdóttir präsentieren , das in Zusammenarbeit mit der französischen Künstlerin Noémie Goudal und dem isländischen Musiker Borko entsteht. 27/03/2015 | Brüssel | Kaaitheater www.kaaitheater.be

© Veerle Frissen Flanders Fields – Koninklijk Ballet Vlaanderen Die Ballettreihe »Flanders Fields« erinnert an die Schrecken des Ersten Weltkriegs. Unverständnis, Angst, Verlust und Machtgier bilden den roten Faden durch die verschiedenen Choreografien, die das Königliche Ballett von Flandern präsentieren. Dialog – verbunden in Zweisamkeit Dieses Stück aus dem Jahr 1971 hatte für die Tänzerin und Choreografin Jeanne Brabants eine besondere Bedeutung. Es handelt vom dem Konflikt von älteren Liebespaaren. Helden der Herzen Der Tänzer und Choreograph Ricardo Amarante

Vergessene Land (für Ausreißer) Vergessenes Land ist ein Meisterwerk des tschechischen Choreographen Jirí Kylián zu Musik von Benjamin Britten »Sinfonia da Requiem«. Kylián wurde zu diesem Stück von einem Gemälde von Edvard Munch mit drei Frauen in den verschiedenen Phasen ihres Lebens inspiriert, wie von der Küste East Anglia in England, wo Benjamin Britten geboren wurde. Diese Küste verschwindet langsam unter dem Meeresspiegel, wie menschliche Beziehungen. Mit Vergessenes Land erstellt Kylián eine Geschichte über Gefühle, über verlorene Werte, Liebhaber und verlorene Zeit, die dem Schrecken des Ersten Weltkriegs mit seinen unzähligen namenlosen Toten, die nur in der Erinnerung weiter leben, sehr ähnelt. Der grüne Tisch – Todestanz in acht Szenen »Der grüne Tisch (1932)« des deutschen Choreographen Kurt Jooss ging als erstes politisches Ballett in die Tanzgeschichte ein. Das Stück handelt von der Grabinschrift für einen unbekannten gefallenden Soldaten und den politischen Kräften, die anstatt zu handeln und den drohenden Untergang der Welt abzuwenden nur reden. Nicht nur das Thema, sondern auch die neue choreografische Gestaltung beeindruckte

und war einer der Wegbereiter des neuen Ausdrucktanz, in der Tanzmoderne. Termine und weitere Informationen www.balletvlaanderen.be Festivals Move Me (Leuven) Vier Mal pro Spielzeit organisiert STUK in Leuven das Tanzprogramm »move me« Das Programm besteht aus Performances, Vorträgen, Filmen, Workshops und vielem mehr. Jedes »move me« Programm steht unter einem bestimmten Thema. In der Spielzeit 2014 2015 finden noch zwei »move me« Veranstaltungen statt: 10. – 13.3. und 22. – 24.4.2015 | Leuven | STUK | www.stuk.be BOUGE B (Antwerpen) Jedes Jahr ist das Kunstzentrum deSingel Gastgeber für BOUGE B, ein Festival, das als Zufluchtsort für junge belgische und ausländische Künstler fungiert. Forschung und Experimente sind die Säulen jeder Schöpfung und das Leitthema des Festivals. Das DeSingel gibt jungen Künstlern und Choreografen die Möglichkeit, ihre Stücke in den Studios des Theaters zu entwickeln und auf die Bühnen zu bringen, ohne das Risiko zu tragen. 22.04.2015 – 25.04.2015 | Antwerpen | deSingel www.desingel.be

Kunstenfestivaldesarts (Brüssel) Jedes Jahr im Mai findet das Kunstenfestivaldesarts in Brüssel statt und vereint für einen Zeitraum von drei Wochen mehr als zwanzig Theater und andere Einrichtungen der Stadt. Belgische und internationale Künstler geben sich ein Stelldichein und zeigen neue Stücke, mit denen sie das Publikum heraus- und auffordern, ihre Sichtweisen und Perspektiven von der Welt zu überdenken und zu erweitern. Das Programm zeigt Theater, Tanz, Musik, Oper, Film, Video und Kunst 8. – 30.5.2015 | Brüssel | www.kfda.be December Dance (Brügge) "December Dance" ist ein internationales Tanzfestival im Konzerthaus in Brügge. Es zeigt ein abwechslungsreiches Programm von etablierten Künstlern und jungen Nachwuchskünstlern. Jedes Jahr wird das Festival von einem anderen Choreografen kuratiert. In 2015 wird das Festival von Jan Fabre geleitet. 3. – 13.12.2015 | Brügge | Concertgebouw www.concertgebouw.be


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Fr, 20. Februar, Mi, 4. März, So, 15. März, Sa, 21. März, Do, 16. April, Sa, 9. Mai, Do, 16. Juli. Mannheim | Nationaltheater Mannheim, Opernhaus | www.nationaltheater-mannheim.de

München

München_Dance

Gießen

TanzArt-ostwest Festival Seit 16 Jahren vernetzt und führt das TanzArtostwest Festival den zeitgenössischen Tanz in Europa, mit seinen vielfältigen stilistischen Ausprägungen, zusammen. Rund 40 bis 50 Ensembles aus der internationalen Tanzszene befinden sich in kontinuierlichem Dialog miteinander. Zusammen sind etwa 80 nationale und internationale Compagnien aus festen und freien Theaterstrukturen mit ihren Beiträgen am TanzArt-ostwest Festival beteiligt. Aktiv wird der tänzerische und künstlerische Austausch zwischen Tänzern, Compagnien und Choreographen auf multi-nationaler Ebene gefördert 16. – 25.5.2015 | Gießen | www.tanzart-ostwest.de

Leipzig

Leipziger Ballett

Das Leipziger Ballett, dessen Ursprünge bis ins späte 17. Jahrhundert reichen, zählt heute zu den großen internationalen Kompanien. In den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts setzte Mary Wigman mit ihrer Choreografie von Carl Orffs »Carmina Burana« - mit Stilmitteln des Ausdruckstanzes - einen Meilenstein. Seit Eröffnung des Neuen Opernhauses in 1960 wurden nahezu allen großen Handlungsballette, aber auch neue Handschriften, aufgeführt. Die Einleitung einer neuen Ära erfolgte 1991 mit dem Antritt von Uwe Scholz als Ballettdirektor und Chefchoreograf. Seiner ersten Leipziger Premiere »Die Schöpfung«, nach wie vor Aushängeschild der neoklassisch geprägten Kompanie, folgten sinfonische Ballette wie »Die Große Messe«, »Siebente Symphonie« und »Bruckner 8«, die auf Gastspielen in ganz Europa und in Hongkong gezeigt wurden. Nach dem Tod von Uwe Scholz in 2004 setzte der neue Ballettdirektor Paul Chalmer u.a. mit einem dreijährigen Strawinsky-Zyklus wesentliche Akzente. Mario Schröder hat seit 2010/11 als Ballettdirektor und Chefchoreograf die Company übernommen. Leipzig | www.oper-leipzig.de

Leverkusen

Tanz bei Bayer Kultur Ballett und insbesondere der zeitgenössische Tanz haben in Leverkusen eine lange Tradition. Seit Eröffnung des Bayer Kulturhauses im Jahr 1907 ist er fester Bestandteil des Spielplans. Zuerst in Form von Aufführungen der kulturellen

Werksvereine, dann zunehmend mit Gastspielen nationaler und internationaler Gäste. Die sorgfältige Auswahl der eingeladenen Künstler berücksichtigt sowohl aktuelle Strömungen wie bekanntere Compagnien und weist mit den Aufführungen auf die unterschiedlichen ästhetischen und thematischen Ansätze dieser Kunstform hin. In der laufenden Spielzeit 2014/15 dürfen sich Tanzinteressierte in und um Leverkusen auf die Compagnie Georges Momboye (Boyakodah), das Ballett des Stadttheaters Bremerhaven (Die drei kleinen Schweinchen), die São Paulo Companhia de Dança (Peekabo, Choreographie Marco Goecke | Gnawa, Choreographie Nacho Duato | In the Middle, Somewhat Elevated, Choreographie William Forsythe), 420PEOPLE (Mirage) sowie das Bundesjugendballett mit einer Choreographie von John Neumeier freuen. Informationen zum Spielplan gibt es unter www.kultur.bayer.de Compagnie Georges Momboye | 7.11.2014 Ballett Stadttheater Bremerhaven | 13.12.2014 São Paulo Companhia de Dança | 28.1.2015 420PEOPLE | 21.3.2015 Bundesjugendballett | 30.5.2015 Leverkusen | www.culture.bayer.com

Mannheim

Shakespeare bewegt

Kevin O’Day, Ballettintendant am Nationaltheater Mannheim, choreografiert Shakespeare: Nach Hamlet für das Stuttgarter Ballett und Romeo und Julia sowie Othello in Mannheim widmet er sich nun mit seinem Ensemble zum ersten Mal einer Komödie: Die beiden Herren aus Verona. Begleitet wird das Ballett live von einer zehnköpfigen Jazzband. Thomas Siffling, Jazztrompeter und seit vielen Jahren dem Choreografen eng verbunden, komponiert die Musik eigens für das von Kevin O’Day entworfene Libretto. 2 Gents ist ein zeitgenössisches Handlungsballett und eine originäre Version des ShakespeareStoffes über Freundschaft und Liebe, Stadt und Provinz, Treue und Verrat. Uraufführung: Sa, 30.1., Weitere Aufführungen: Mi, 11. Februar,

Vom 7. bis zum 17. Mai 2015 findet das internationale Festival für zeitgenössischen Tanz der Landeshauptstadt München statt – und damit erstmals im Frühjahr und nicht im Spätherbst wie in den Jahren zuvor. Mit der Verlegung des Termins in den Mai positioniert sich das Publikumsfestival in seiner 14. Ausgabe neu im europäischen Kalender: Es kann internationale Neuproduktionen schon zu Beginn der Festivalsaison nach München einladen und bei wärmeren Temperaturen auch den öffentlichen Raum als Spielfläche nutzen. 2015 wird die Tanzbiennale nun zum zweiten Mal von Nina Hümpel kuratiert. Die Gründerin und Herausgeberin der Online-Plattform tanznetz.de wurde erst jüngst für ihre Pionierarbeit mit dem Anerkennungspreis des Deutschen Tanzpreises 2014 ausgezeichnet. Hümpel zielt darauf, Dance 2015 als „ein Publikumsfestival mit international bedeutenden Positionen, aber auch Uraufführungen und Neuentdeckungen“ zu präsentieren. Das Programm soll die große Vielfalt des zeitgenössischen Tanzes widerspiegeln und seine Innovationskraft für andere Kunstsparten wie die bildenden Künste, das Schauspiel oder die zeitgenössische Musik verdeutlichen. 7. – 17.5.2015 | München | verschiedene Orte | www.dance-muenchen.de

München

Minutemade Die wöchentliche Dancesoap des Gärtnerplatztheaters

»Im Grunde ist es so, als wenn man auf den Markt geht, um frische Zutaten für ein bestimmtes Menü zu kaufen«, so beschreibt Ballettdirektor Karl Alfred Schreiner die Entstehung einer Choreografie, »oft nimmt man Dinge ganz spontan mit, probiert aus und schmeckt ab. Am Ende ergibt sich dann etwas ganz Spannendes, das man so nie wieder hinkriegt.« Bei der Dancesoap »Minutemade« kann das Publikum diesen Moment des schöpferischen Urknalls live miterleben, der sich sonst nur hinter verschlossenen Türen ereignet! Die Regeln sind streng: Genau eine Woche haben unsere Choreografen jeweils Zeit, um gemeinsam mit unserer Ballettkompagnie ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen und schließlich in Form einer »Momentaufnahme« die gemeinsame Arbeit zu präsentieren. 13.6., 20.6., 27.6. und 4.7.2015 | Uraufführung München | Ballett des Staatstheaters am Gärtnerplatz | www.gaertnerplatztheater.de

Oldenburg

12. Internationale Tanztage am Oldenburgischen Staatstheater Ist der Tanz ein Schlüssel, Verborgenes oder Verschüttetes auszugraben, Tradiertes zu vitalisieren? Dann müssen wir tanzen und später denken. Eines der größten Tanzfestivals im Nordwesten Deutschlands erfindet sich neu. Die 12. Internationalen Tanztage am Oldenburgischen

Staatstheater bestehen seit 22 Jahren und versammeln vom 17. bis 26 April 2015 internationale Compagnien von Rang, Projekte im öffentlichen Raum und Oldenburger selbst auf den Bühnen des kleinsten Staatstheaters Deutschlands. Die neue Ballettleitung, Ballettdirektor Burkhard Nemitz und Chefchoreograf Antoine Jully, haben Compagnien aus New York, Frankreich, Schweden, Spanien, den Niederlanden, Dänemark, der Tschechischen Republik und Wien eingeladen. 23 Aufführungen von 11 Compagnien mit 6 Deutschland Premieren zeigen neueste Entwicklungen in Tanz und Ballett und animieren in zahlreichen öffentlichen Workshops nicht nur zum Schauen. 17. -26.4.2015 | Oldenburg | Staatstheater www.staatstheater.de

Potsdam POTSDAMER TANZTAGE 2015

Die Potsdamer Tanztage haben sich seit 1991 als herausragendes internationales künstlerisches Highlight in Potsdam etabliert und bleiben weiterhin einzigartig im Land Brandenburg. Das Festival lädt jedes Jahr Tanzkompanien aus der ganzen Welt nach Potsdam ein und bietet damit ein international hochkarätiges Spektrum verschiedener Tanztheaterformen an. Zwölf Tage lang wird die Landeshauptstadt Brandenburgs zur Bühne der internationalen Tanzszene. Kinder- und Jugendtanztage: Seit 2004 sind die Kinder- und Jugendtanztage ein fester Bestandteil des Festivals. Kinder haben ein natürliches Verständnis vom Tanz: Sie staunen, sie genießen, Bewegung zu sehen und nachzumachen 27.5. – 7.6.2015 | Potsdam | www.potsdamer-tanztage.de

Salzburg

25. Internationale Ostertanztage & 15. Salzburger Performance Tage Tanzimpulse klein, innovativ, mutig, performativ, kontrovers, familiär, inklusiv, schräg, zeitgenössisch. Zum Zusehen und zum Mitmachen. Und sie feiern mit dem Team, den internationalen DozentInnen, TänzerInnen und PerformerInnen einen besonderen Geburtstag! 27.3. – 3.4.2015 | Salzburg | www.tanzimpulse.at

Wien

Tanzende Lebensfreude – Tanzquartier Wien

Das Tanzquartier Wien (TQW) ist eines der wichtigsten Häuser in Europa, wenn es um das Weiterdenken und die Förderung von zeitgenössischem Tanz und Performance, sowie den damit in Verbindung stehenden theoretischen Diskursen und Positionen geht. Vor dem Hintergrund eines transdisziplinären Kunstverständnisses, das sich auch in der Lage des TQW inmitten des MuseumsQuartier Wien wieder findet, bestimmen das Erspüren von gegenwärtigen Entwicklungen und richtungweisenden Tendenzen im Tanzschaffen und die dialogische Nähe mit den Künstlerinnen und Künstlern unser Handeln ebenso wie die Formate. Künstlerische Prozesse sind uns wichtig: Sie werden von uns empfangen, initiiert, betreut, geschützt aber auch im Risiko begleitet. Wien | www.tqw.at


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RUI HORTA In den neunziger Jahren (1991-1998) wirkte am Künstlerhaus Mousonturm in Frankfurt ein Ensemble, das maßgebend für die deutsche Tanzszene wurde: Rui Hortas S.O.A.P. Company. Innerhalb weniger Jahre avancierte die einzigartige choreographische Handschrift des Portugiesen vom Geheimtipp zu einer Kultmarke des zeitgenössischen Tanzes und feierte weltweite Erfolge.

Was waren die Gründe für das Ende von S.OA.P. 1998 und wäre S.O.A.P. im heutigen kulturpolitischen Klima nochmals so denkbar und möglich? The reason why S.O.A.P ended, had to do with the difficult environment for the arts in Frankfurt, something that also Forsythe felt a few years later. On the other hand, the Mousonturm was taking a new direction, where S.O.A.P did not make sense. I myself was also ready for a change. During all those years, and in order to survive the touring schedule, I needed a more sensitive and calm creative environment. Still, working with Dieter Buroch was a constant pleasure: I only had one boss in my life, it was him and it was great. I think a project like S.O.A.P would obviously be possible today, given the fact that a house is strongly behind an artist that is on a high quality level. In diesem Jahr, zwei Jahrzehnte nach Gründung von S.O.A.P., brachte die Tanzcompagnie Gießen im Rahmen von TANZFONDS ERBE zwei Arbeiten aus dieser Zeit – „Ordinary Events“ (1991) und „Khora“ (1996) – erneut zur Aufführung. Sie übernahmen selbst die Neuinszenierung. Wie kam es zu diesem Projekt? War es ein künstlerisches Déjà-vu für Sie? This project was only possible due to the enthusiasm of Tarek Assam, he himself a fan of S.O.A.P, when he was a young dancer. Well, restaging Khora was very special for me because, even if Object Constant was my most viewed piece, Khora was much more sophisticated, not only in the movement vocabulary but also in composition and dramaturgy. As I was re-staging it 20 years later, I felt that it was still quite up to date. Artists always love their most difficult pieces. Was ist aus den anderen »S.O.A.P.‘s«, den Tänzerinnen und Tänzern geworden? Haben Sie noch Kontakt? I still have contact with some of the dancers and others, I follow from the distance. For example, Dietmar Janeck became a very respected photographer and set designer. Olga Cobos and Peter Mika have their own company and school in Spain. Desiree Kongerod is still a very active dancer and circus artist. Abou Lagraa became a choreographer. Laura Marini is a very respected teacher in Buenos Aires. Anton Skrzypiciel. just had a premiere in Lyon with a portuguese choreographer Tania Carvalho. Ranghild Olsen, after marrying the very famous photographer, Chris Nash, she had a successful career with Jonathan Burroughs, is now working as a dance administrator. Jan Kodet is choreographer and ballet master with the National Ballet of Prag. José Biondi and Annette Kaltenmark are teachers in Palucca Schule, Dresden, etc...

Nach Frankfurt und zwei Jahren in München kehrten Sie 2000 nach Portugal zurück und gründeten das »O espaco do Tempo« in einem alten Kloster in Montemor-o-Novo? Was ist das »O espaco do Tempo« wie kam es dazu und was machen Sie dort? O Espaço do Tempo, an old monastery of the 16th century, is the most important artist residence Center in Portugal, with more than 50 projects a year. Hosting the national Platform of Performing Art, it became a cult place for the Portuguese scene, helping a lot of emerging artist in dance and theatre and performance. In a certain sense, a lot of what I learned in my years in the Mousonturm, I could apply as a leader of that space. We host national and international artist. Montemor-o-Novo ist eine Kleinstadt mit 17.00 Einwohnern (ca. 80 km östlich der Hauptstadt Lissabon und ca. 30 km westlich der Unescostadt Évora) in der portugiesischen Provinz? Warum dort und nicht in Lissabon oder Porto? Wie arbeitet es sich in der »Provinz« und woher kommen Ihre Zuschauer? After the years in Frankfurt and Munich, and a lot of international touring, I was ready to come home. So, together with my PortugueseGerman family, 3 kids, we decided to live in the countryside. Montemor is a beautiful city in the heart of Portugal and I was offered to work in an old dominican monastery of the 16th century. When we came, the place was half in ruins, and since 15 years we have been working at restoring it and also not finished, it offers ideal technical and production facilities for the performing arts. I work as artistic director of this centre as well as a very active choreographer. Working with avant-garde dance and theatre in the small town in the province is a big challenge, but we make no concessions about our artistic choices, and amazingly we are very warmly integrated in the society. Our audience comes not only from Montemor but also from Evora and Lisbon that is 100km away. Sie haben nie ein Ballett als Ballettdirektor an einem der großen etablierten Häuser in Europa übernommen? Hat man Sie nie gefragt oder wollten Sie nicht?

I had many offers to direct important companies all over Europe but I always felt that my place was in the free scene. I must say that it is much more exciting to be a guest choreographer in this same houses than to be an artistic director with all it's heavy administration obligations. At my heart I am a choreographer. Von was träumt Rui Horta? Was sind Ihre Pläne? Gibt es noch unerfüllte Projekte? In the moment I dream every night of my next premiere in Dresden Hellerau with my new creation: Hierarchy of Clouds. Next year I will be the director of a new opera production from Stravinsky at the National Theatre in Lisbon. I have a lot of work planned ahead but what I really dream is to have time to do along travel next year. Die Fragen stellte Kai Geiger, Herausgeber der arttourist.com


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Rhapsody in School “Musiker zum Anfassen”… Hintergrund dieser Initiative Der Zauber klassischer Musik wird jungen Menschen immer weniger nahe gebracht, und damit verlieren wir einen wichtigen Aspekt unserer kulturellen Identität. Um dem entgegen zu wirken, haben sich der Pianist Lars Vogt und seine Musikerfreunde zu einem Künstler-Netzwerk zusammen gefunden und besuchen im Rahmen des Projekts RHAPSODY IN SCHOOL Kinder und Jugendliche bundesweit und international in ihren Klassenräumen. “Ich habe nie etwas Sinnvolleres gemacht.” Lars Vogt www.rhapsody-in-school.de

VISION KINO

Zakhar Bron Der Stargeiger ist sehr von Interlaken angetan Seit Jahrzehnten unterrichtet er die junge Geigenelite aus aller Welt. Nun hat Zakhar Bron in Interlaken einen Standort für sein Lebenswerk gefunden. Mit einem Rezital und zwei Meisterkursen hinterlegte Zakhar Bron, ehemaliger Schüler und Assistent des legendären Geigers Igor Oistrakh, 2009 seine Visitenkarte in Interlaken. Diese blieb nicht unbeachtet: Nando von Allmen, Geschäftsführer der Interlaken Classics, schätzte das Potenzial des begnadeten Geigers und Pädagogen aus Kasachstan sofort richtig ein und packte die sich bietende Chance beim Schopf. «Zakhar Bron ist eine schier unerschöpfliche Quelle grossartiger Talente. Zudem verfügt er über ein riesiges Netzwerk, welches er aus Zeitgründen alleine kaum zu verwalten vermag,» sagt Nando von Allmen über den Meister, der seinerzeit das Moskauer Konservatorium verliess und ins abgelegene Nowosibirsk umzog, um dort unter seinen Fittichen heutige Stars wie Maxim Vengerov oder David Garrett heranwachsen zu lassen. Die Freundschaft wuchs, die Bedürfnisse des einen weckten Visionen im anderen, und allmählich entstand in den kreativen Köpfen der beiden Herren das Konzept einer Akademie rund um den Namen Zakhar Bron. Gedacht, getan: Am 17. Oktober 2013 wurde die Zakhar Bron Akademie eröffnet, mit Nando von Allmen als Geschäftsführer. Unter ihrem Dach finden sich fünf Sparten, die die Bedürfnisse der Jungtalente bestmöglich abdecken. So gibt es die Meisterklasse Interlaken mit Zakhar Brons besten Schülern, die von ihm selber und seinen Assistenten unterrichtet werden. Da ein Diplom auch in der Musikwelt unerlässlich ist, bietet die Akademie zudem interessierten Talenten aus der Schweiz und dem Ausland via der Kalaidos Fachhochschule ein Bachelor- und ein Masterstudium an. Nicht zu vergessen sind die im Rahmen der Akademie stattfindenden Meisterkurse, die Junior Academy, eine Musikschule für normal begabte Kinder ab fünf Jahren, die von Professor Brons Assistenten unterrichtet werden, und das Kammerorchester Zakhar Bron Chamber. Ursina Humm Zürcher www.zakharbronchamber.com www.kalaidos-fh.ch

können. Diesen Gedanken habe ich aufgegriffen, alles Weitere ist daraus entstanden. Sind Sie zufrieden mit dem Lauf der Dinge? Sehr. Wir erreichen einen immer grösseren Bekanntheitsgrad, Verhandlungen mit potenziellen Sponsoren stehen bevor und das Schweizer Fernsehen hat Interesse an einer Langzeitdokumentation geäussert. Das kommt der Erfüllung eines Traumes gleich, denn die mediale Vermarktung ist essenziell.

4 FRAGEN AN Nando von Allmen ist Geschäftsführer der Interlaken-Classics Wie entstand die Idee zur Gründung einer Akademie? Im 2011 erzählte mir Herr Bron, dass er in Kürze an den Hochschulen in Köln und Zürich pensioniert werde. Die Nachfrage von jungen Talenten sei aber nach wie vor riesig und er bedaure, nicht weiterhin Bachelor- und Master-Studiengänge anbieten zu

Wo sehen Sie die Akademie in zehn Jahren? Zunächst streben wir einen Ganzjahresbetrieb mit entsprechenden Ferienzeiten an. Längerfristig wünsche ich mir, dass die Akademie in vielleicht 40 Jahren als Lebenswerk Zakhar Brons in die Geschichte eingehen darf. Unser grosses Vorbild dazu ist die Yehudi Menuhin School in London. Wo gibt es noch dringend Bedarf? Wir sind eine Privatschule. Bedarf gibt es deshalb vor allem bei der Beschaffung finanzieller Mittel. Interview: uhz

Zakhar Bron Festival Orchestra Das erweiterte Zakhar Bron Chamber vereint aktuelle und ehemalige Schüler und Schülerinnen Zakhar Brons sowie talentierte junge Musiker und Musikerinnen anderer Instrumente aus den Hochschulen in Zürich, Köln und Madrid zu einem Streichorchester der Spitzenklasse. Es dient den jungen Talenten als Plattform für erste Erfahrungen auf der Bühne, konzertiert aber auch mehrmals jährlich im In- und Ausland. Bereits erwiesen Zakhar Brons «grosse Ehemalige» Daniel Hope, Maxim Vengerov und Vadim Repin sowie weitere grossartige Musiker wie Natalia Gutman (Cello) und Sabine Meyer (Klarinette) dem Ensemble in Interlaken die Ehre. 2015 wird u.a. die berühmte Bratschistin Nobuko Imai am Festival in Interlaken mit den Solisten von morgen musizieren. Für weitere Infos: classic.music.train Am 2. Februar 2015 fährt das Zakhar Bron Chamber Orchestra nach Berlin, wo am Abend ein Konzert in der Berliner Philharmonie stattfin-

VISION KINO ist eine gemeinnützige Gesellschaft zur Förderung der Film- und Medienkompetenz von Kindern und Jugendlichen. Sie wird unterstützt von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, der Filmförderungsanstalt, der Stiftung Deutsche Kinemathek, sowie der »Kino macht Schule« GbR, bestehend aus dem Verband der Filmverleiher e.V., dem HDF Kino e.V., der Arbeitsgemeinschaft Kino – Gilde deutscher Filmkunsttheater e.V. und dem Bundesverband kommunale Filmarbeit e.V. Die Schirmherrschaft über VISION KINO hat Bundespräsident Joachim Gauck übernommen. Ziel und Aufgabe von VISION KINO ist es, als Teil der kulturellen Jugendbildung und im Rahmen einer übergreifenden Medienkompetenz insbesondere die Filmkompetenz von Kindern und Jugendlichen zu stärken und sie gleichzeitig für den Kulturort und originären Rezeptionsort des Films, das Kino, zu sensibilisieren. www.visionkino.de

TanzZeit – Zeit für Tanz in Schulen Einmal in der Woche tanzen Jungen und Mädchen aus Berliner Grundschulen unter Anleitung professioneller Tänzer: Sie gehören zu den Schulklassen, die am Projekt „TanzZeit - Zeit für Tanz in Schulen“ teilnehmen. Durch den Unterricht im Rahmen vom regulären Vormittagsunterricht erreicht TanzZeit Kinder aller Schichten und Nationalitäten. TanzZeit setzt sich dafür ein, dass Tanzkunst - mit hoher Qualität von Tanzprofis vermittelt – ein fester Bestandteil vom regulären Schulunterricht wird. Gerade in der heutigen Zeit, in der Bewegungsmangel, schlechte Lernergebnisse und fehlende Motivation von Schülern beklagt werden, bietet das Medium Tanz vielfältige Möglichkeiten, diesem Trend entgegenzuwirken. Tanz fördert die Integration von Kindern unterschiedlicher Herkunft, vermittelt Bewegungsvielfalt, Körperwahrnehmung und -bewusstsein. Tanz stärkt außerdem das Selbstbewusstsein und schafft damit die Voraussetzung für viele positive Lernprozesse. Auf diese Weise fördert Tanz auch das kognitive Lernen. www.tanzzeit-schule.de

Junge Freunde Kunstmuseen

www.interlaken-classics.ch

det. Interessierte Musikfans können das Orchester auf der Reise von Interlaken nach Berlin begleiten oder unterwegs zusteigen. Im Zug werden Rezitale von Ensembles

und Referate zur Konzerteinführung geboten. Weitere Informationen können auf der Website www.zakharbronchamber.com abgerufen werden.

sind ein wachsender Zusammenschluss von jungen Freundeskreisen in ganz Deutschland. Das Ziel ist es, die bildende Kunst als festen Bestandteil im Leben junger Menschen zu etablieren und langfristig ein bundesweites Netzwerk von Kunst- und Museumsliebhabern zu begründen. Das leidenschaftliche Engagement junger Freundeskreise soll das Interesse für eine ideelle aber auch finanzielle Unterstützung von Museen und Museumsvereinen bei jungen Menschen stärken. Unser Motto lautet: Home is © SCHIRN KUNSTHALLE FRANKFURT. where the art is. www.bundesverband-der-foerdervereine.de


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