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ASTRID

#10 arttourist.com gazette Herbst/Winter 2016

Kunst | Kultur | Festivals | Reisen | Essen & Trinken | Design & Lifestyle


Sparpreis Kultur: per Bahn zur Kunst – besonders günstig! Zum Beispiel zu den Ausstellungen „GIACOMETTI-NAUMAN“ in Frankfurt und „Das Paradies auf Erden“ in Dresden. ❚ Ab 39 Euro. Bis zu vier Mitfahrer sparen je 10 Euro. ❚ Hin und zurück innerhalb von 3 Tagen. Solange der Vorrat reicht. ❚ Mehr Infos unter bahn.de/kultur ASTRID_320x470_4c.indd 1

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JULES | arttourist.com 1|2016

Editorial | 3



Editorial Liebe Leserin, lieber Leser, liebe Kunden und Freunde der arttourist.com

Nicole Reinhardt | © Helmuth Scham, www.schampus.com

Astrid Lindgren | © Jacob Forsell

»ASTRID« Nicole Reinhardt

»ASTRID« Astrid Lindgren

aus Konstanz. Erzieherin im Kinderhaus Edith Stein, zurzeit glückliche Mutter im Mutterschutz, die mit den Büchern von Astrid Lindgren groß geworden ist und sie bis heute gerne den Kindern und ihrer eigenen Tochter vorliest.

Die wunderbare Schriftstellerin Astrid Lindgren hat uns inspiriert, unsere Ausgabe mit Schwerpunkt Kinder und Literatur ASTRID zu nennen. Sie finden alles über das Werk und Leben der Astrid Lindgren auf www.astridlindgren.se und www.astrid-lindgren.de. Im letzten Jahr erschien bei DVA eine sehr lesenswerte Biografie über die Autorin: „Astrid Lindgren. Ihr Leben“.

Bisher erschienen: THOMAS PABLO FRIDA #2 arttourist.com gazette Herbst / Winter 2012 Gratisexemplar

#1 arttourist.com gazette Frühjahr / Sommer 2012 Gratisexemplar

GRET

#4 arttourist.com gazette Winter 2013/2014

Kunst | Kultur | Festivals | Reisen | Essen & Trinken | Shopping

Kunst | Kultur | Festivals | Reisen | Essen & Trinken | Shopping

#6 arttourist.com gazette Herbst/Winter 2014/2015

Kunst | Kultur | Festivals | Reisen | Essen & Trinken | Design & Lifestyle

EMILE

#7 arttourist.com gazette Frühling/Sommer 2015

Kunst | Kultur | Festivals | Reisen | Essen & Trinken | Design & Lifestyle

KATE

#8 arttourist.com gazette Herbst/Winter 2015

Kunst | Kultur | Festivals | Reisen | Essen & Trinken | Design & Lifestyle

JULES

KURT

#9 arttourist.com gazette Frühling/Sommer 2016

Kunst | Kultur | Festivals | Reisen | Essen & Trinken | Design & Lifestyle

ASTRID

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r | Festivals

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CARL

Kunst | Kultu

#5 arttourist.com gazette Frühling 2013/2014

Kunst | Kultur | Festivals | Reisen | Essen & Trinken | Design & Lifestyle

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BILLIE

#3 arttourist.com gazette Frühling / Sommer 2013 Gratisexemplar

| Reisen

| Essen &

Trinken |

Shopping

#9 arttourist.com Frühling/Sommegazette r 2016

erscheint im Frühjahr 2017

10 Ausgaben arttourist.com Mit ASTRID erscheint die 10. Ausgabe der arttourist.com, der zehnte Name und das zehnte Gesicht ziert das Cover unserer Zeitung, die wir mit der Ausgabe PABLO begonnen haben. Die Idee eine Zeitung über das Gesamterlebnis Kultur zu machen entstand nach und nach, vor allem durch Sie unsere Leser und Kunden, die immer mehr nicht nur den Grund, z.B. eine Eintrittskarte für eine Ausstellung, sondern das MEHR angefragt und gesucht haben. Das MEHR an Erlebnis in der Stadt, dem Ort des Grundes, z.B. den Opernfestspielen in Verona,. Die Idee mit den wechselnden Namen und den gegenübergestellten Gesichtern stiess Beginn auf Unverständnis, Nachfrage nach dem Wiedererkennungswert und dem Sinn. Mit Freude und auch Stolz sind alle Bedenkenträger der ersten Stunde, unsere Leser und Kunden inzwischen große Anhänger und Freunde dieser so speziellen Idee, die eben der Wiedererkennungswert ausmacht.

druckaushalter im Hintergrund unschätzbar unterstützen. Die Finanzierung jeder Ausgabe ist weiterhin jedes Mal eine Herausforderung, die mal mehr, mal weniger gut gelingt, es aber immer geschafft wird die Zeitung mit viel Idealismus zu verlegen. Hier darf das Fahrwasser gerne ruhiger und kontinuierlicher werden, wenn ich mir etwas für die Zukunft wünschen darf.

Machbar war und ist es nur, weil mit dem Druckhaus Waiblingen, dem Fotografen Helmuth Scham, dem wunderbaren Grafiker und heimlichen „Filmstar“ Chris Bernert allesamt leidenschaftliche Zeitungsmacher am Start sind und mit meiner Familie, meinem Vater und meinem Freund Peter Dörr Unterstützer, Zeitfreihalter und Leidens-

Wir erscheinen im kleinen Groß, mit überschaubarem Team, jenseits eines großen Medienhauses. Dadurch ist vieles möglich und so wird es auch bleiben.

Und auch, dass wir ab Herbst mit einer großen Aktion eine Mut machende Anzahl an Abonnenten bekommen, die das Projekt unserer Leidenschaft zusätzlich abstützen und sichern. Wenn Sie uns dabei unterstützen, indem Sie als Leser unserer Zeitung diese in die Welt tragen und uns empfehlen, in dem Sie uns als Kunde die Treue und ein Jahresredaktionspaket buchen und indem Sie als Auslagestelle weiterhin Raum für die Verteilung bieten, würde dies uns sehr freuen.

Ich bin mit Büchern groß geworden. Bücher und das Lesen sind mir und meinen Geschwistern in die Wiege gelegt worden und sind bis heute ein wichtiger Bestandteil meines Lebens. Meine Mutter war Bibliothekarin und hat uns früh in die Welt des Erzählens, der Geschichten, der Fantasiewelt des geschrieben Wortes, der erzählenden Bilder eingeführt. Schöne Erinnerungen aus der Kindheit und Jugend , das Vorlesen der Eltern und Großeltern, die Geschichten des Großvaters vom Leben auf dem Schloss Tübingen und als Schiffsarzt im zweiten Weltkrieg, der Gang in die Kinder- und Jugendbibliothek in Ulm, Vorlesewettbewerbe, Autorenlesungen und der Besuch der Bücherschau in Stuttgart sind mir noch sehr gegenwärtig und haben mich verführt und geleitet. Heute erfreuen sich meine Kinder an dem was Oma und Opa uns mit auf dem Weg gegeben haben. Unsere Wohnung lebt mit uns und unseren Büchern. Ab und an gehen wir durch die Regale, sortieren aus und veranstalten einen Bücherflohmarkt bei Saft, Wein und Speckzopf, um Platz für neues Lesefutter zu schaffen und über die Bücher mit unseren Gästen im Gespräch zu sein. Ein großer Dank geht an meine Schwester Nele Schäfer, die eine große Hilfe beim Themenschwerpunkt Literatur und Ideengeber in der Recherche war. So war es an der Zeit eine Ausgabe den Helden meiner Kindheit, der Mutter von Pippi Langstrumpf, den Kindern von Bullerbü, Karlsson vom Dach, Madita und vielen weiteren Figuren, der großartigen Astrid Lindgren zu widmen. Was sonst einen Gedanken und Überlegung länger dauert, war das Gesicht zu ASTRID, unserer ASTRID, sofort klar. Es ist die wunderbare Nicole Reinhardt, die Bezugserzieherin unseres Sohnes Moritz im Kinderhaus Edith Stein war, und die ihren Beruf, dem Arbeiten mit und für die Kinder mit einer Zugewandtheit, Leidenschaft und bewundernswerten Ruhe lebt. Danke Nicole für Dein Sein und dass Du unsere ASTRID bist. In Szene gesetzt wurde ASTRID erneut von dem genialen Fotografen Helmuth Scham. Das Setting fand rings um das Konstanzer Münster und in der Buchhandlung Homburger & Hepp statt. Danke Mechthild und Daniel, dass wir dies bei Euch machen durften. Mit dabei war mein Freund und Mitkämpfer für Kinderkultur, der Kinderhausleiter vom Kinderhaus Edith Stein, Thomas Kanneberg. Zusammen haben wir, er als Leiter, ich als Elternbeiratsvorsitzender, unglaublich viele, schöne und wichtige Dinge für die Kinder und das Kinderhaus Edith Stein realisiert. Hier geht ein großer Herzensdank an Dich Thomas und das ganze, das beste Team vom Kinderhaus Edith Stein. So geht es in ASTRID auch um das Thema Buch, Kinder und Jugendliche, das sich in der Recherche als unerschöpflich erwies und wir uns inhaltlich immer wieder bremsen mussten. So nehmen Sie es als Anregung zum Lesen, zum Erinnern an lieb gewonnen Kinder- und Jugendbücher, zum Vorlesen, zum Geschichten schreiben und sich einfach mal wieder in die Fantasiewelt eines Buches fallen zu lassen. Doch ASTRID lebt nicht nur in der Literatur sondern widmet sich erneut vielen Themen, die das Gesamterlebnis Kultur ausmachen, das Leben bereichern, inspirieren und uns glücklich machen. Dieses Glück wünsche ich auch Ihnen beim Lesen von ASTRID.

Kai Geiger

KUNST 

Seite 4-32

LITERATUR 

Seite 33-48, 73-80

DESIGN 

FILM 

TANZ 

FOTO 

JAZZ 

NEUE MUSIK 

Seite 49-51

Seite 52-53

Seite 54-55

Seite 56-57

Seite 58-61

Seite 62-63

KLASSIK | THEATER 

Seite 65-72

STÄDTE & REGIONEN FLANDERN

Seite 17-23

FRANKFURT

Seite 12-13

KONSTANZ

Seite 24

PFORZHEIM

Seite 26-27

ZUG

Seite 30-31

Herzliche Grüße, Ihr

Kai Geiger ART CITIES IN EUROPE GmbH geiger@artcities.com

Herzlichen Dank für SIE und IHR Interesse und Unterstützung. Impressum: ART CITIES IN EUROPE GmbH | Titel: ASTRID, Nicole Reinhardt, © Helmuth Scham, www.schampus. com | Produktion, Gestaltung & Layout: Chris Bernert, chris@deluxe-grafik.com | Druck: Druckhaus Waib-

Danke:

lingen www.dhw.de | Redaktion: ART CITIES IN EUROPE GmbH | arttourist.com, Glärnischstraße 7, D-78464 DRUCKHAUS WAIBLINGEN

Konstanz, Tel. (+49) 07531 9073-0, Fax (+49) 07531 9073-5, www.arttourist.com, info@arttourist.com


4 | Baden-Baden

ASTRID | arttourist.com 2|2016

Dieter Krieg, Ohne Titel, 1992, Privatsammlung | © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

Gerhard Richter, Kerze, 1982, Museum Frieder Burda, Baden-Baden | © Gerhard Richter, 2016

Marina Abramovic, Artist Portrait with a Candle, 2012 © Marina Abramovic, Courtesy Marina Abramovic Archives and Galerie Krinzinger, Wien | VG Bild-Kunst, Bonn 2016

Baden-Baden

DIE KERZE

Ein symbolträchtiges Motiv in der Gegenwartskunst 22.10.2016 – 29.1.2017 Das Museum Frieder Burda in Baden-Baden zeigt im Herbst / Winter 2016 eine große Themenausstellung zum Motiv der Kerze. Das Gemälde „Kerze“ (1982) von Gerhard Richter, das zu den bedeutendsten Bildern der Sammlung Frieder Burda zählt, hat sich zu einer wahren Bild-Ikone entwickelt. Die große Anziehungskraft, die von dem faszinierenden Werk ausgeht - bereits 1988 wählte es die USBand Sonic Youth für den Titel ihres Albums „Daydream Nation“ - , gibt Anlass für eine Schau, die das prominente Bildmotiv der Kerze mit seinen vielfältigen Bedeutungen genauer untersucht. Die Kerze symbolisiert anschaulich Leben, Vergänglichkeit und Tod, sie steht für Trauer und Melancholie, erleuchtet im wahrsten Sinne des Wortes Darstellungen der Wissen-

schaft und der Künste oder lädt erotische Szenen subtil auf. Die Ausstellung im Museum Frieder Burda zeigt, wie Künstler im 20. und 21. Jahrhundert fest verankerte Bildtraditionen des Kerzenmotivs aufbrechen, experimentell variieren und in zeitgemäße Bedeutungszusammenhänge überführen. Zu sehen sind Gemälde, Skulpturen, Fotografien sowie Videoinstallationen unter anderem von Marina Abramovic, Georg Baselitz, Christian Boltanski, Thomas Demand, Eric Fischl, Fischli & Weiss, Jörg Immendorff, Karin Kneffel, Jeff Koons, Alicja Kwade, Markus Lüpertz, Nam June Paik, A. R. Penck, Andreas Slominski, Thomas Struth und Gavin Turk. Den Besucher der Ausstellung in BadenBaden erwarten überraschende Aspekte des Motivs der Kerze, das durch die sehr unter-

Nam June Paik, One Candle, 1988, MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main | © Nam June Paik Estate, Foto: Axel Schneider

schiedlich arbeitenden Künstler auf vielfältige Art interpretiert wird. Neben den bildkünstlerischen Lösungen erweitert die Ausstellung die Perspektive auf die Rolle der Kerze im Film. Im Rahmen eines Kompilationsfilms stellen „Kerzenmomente“ aus der gesamten Filmgeschichte diverse

ADRESSE Museum Frieder Burda Lichtentaler Allee 8 b 76530 Baden-Baden www.museum-frieder-burda.de ÖFFNUNGSZEITEN Di – So 10 – 18 Uhr An allen Feiertagen geöffnet

formale wie inhaltliche Kriterien heraus und zeigen das Spannungsfeld zwischen Bild und Film auf. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit Essays zur Motivgeschichte der Kerze, zur Bedeutung von Gerhard Richters Kerzenbildern sowie zu Kerzendarstellungen im Film.

EINTRITTSPREISE Ticket EUR 13, ermäßigt EUR 11 Schüler ab 9 Jahren EUR 5 Familienticket EUR 27 AUDIOGUIDE deutsch und französisch EUR 4

FÜHRUNGEN Öffentliche Führungen EUR 4 Mi 16 Uhr, Sa, So 11 und 15 Uhr Private Gruppenführungen EUR 75 Buchung von Führungen und Anmeldung von Gruppen T. +49 7221 39898-38 fuehrungen@museum-frieder-burda.de KATALOG Der Ausstellungskatalog erscheint im Verlag der Buchhandlung Walther König. Sonderpreis im Museum EUR 38


ASTRID | arttourist.com 2|2016

Basel | 5

Kandinsky, Marc & Der Blaue Reiter | Franz Marc, Blauschwarzer Fuchs, 1911 | Öl auf Leinwand, 50 x 63 cm | Von der Heydt-Museum Wuppertal Foto: © Medienzentrum, Antje Zeis-Loi / Von der Heydt-Museum Wuppertal

Basel | Riehen

KANDINSKY, MARC & DER BLAUE REITER 4.9.2016 – 22.1.2017

Kandinsky, Marc & Der Blaue Reiter | Wassily Kandinsky, Fuga, 1914 | Öl auf Leinwand, 129,5 x 129,5 cm | Fondation Beyeler, Riehen/Basel, Sammlung Beyeler | Foto: Robert Bayer, Basel

Zum ersten Mal seit 30 Jahren widmet sich eine umfassende Ausstellung in der Schweiz einem der faszinierendsten Kapitel der modernen Kunst, das unter dem Titel »Der Blaue Reiter« berühmt geworden ist. Die Münchner Ausstellung im Jahr 1911 und die gleichnamige Künstlerbewegung generierte ein neues, revolutionäres Kunsterlebnis. Ausgehend von den Werken Wassily Kandinskys in der Sammlung Beyeler wird dem Publikum ein Einblick in die Arbeit einer Gruppe avantgardistischer Künstler gegeben, deren Offenheit und Internationalität durch den Ersten Weltkrieg unterbrochen wurde.

Kunst- und Weltverständnis, bei dem es nicht mehr um die Abbildung der sichtbaren Wirklichkeit ging, sondern um die Verbildlichung geistiger Fragen. Dies zeigt sich vor allen Dingen in einer Entfesselung der Farbe, die angeregt wurde durch die Voralpenlandschaft südlich von München.

»Der Blaue Reiter« ist der Name des legendären Almanachs, der von Wassily Kandinsky (1866–1944) und Franz Marc (1880– 1916) herausgegeben wurde und 1912 in München erschien. Kandinsky und Marc versammelten in diesem Buch Texte und Bilder aus unterschiedlichen Kulturen und von verschiedenen Künstlern. Der Almanach sollte die Notwendigkeit eines Epochenumbruchs der Künste zu Beginn des 20. Jahrhunderts dokumentieren. Er zeugt von einem damals revolutionär neuen

In der Ausstellung werden nicht nur der Almanach vorgestellt, sondern auch ca. 60 ausgewählte Werke der am Almanach beteiligten und mit Kandinsky und Marc befreundeten Künstler gezeigt.

Dieses Denken, vor dessen Hintergrund vor allem Kandinsky und Franz Marc ihren Weg zur Abstraktion entwickelten, führte zu einem Wendepunkt in der abendländischen Kunstauffassung und prägte Generationen von Malern – bis heute.

Die Ausstellung »Kandinsky, Marc & Der Blaue Reiter« wurde grosszügig unterstützt durch: Hansjörg Wyss-Foundation, Beyeler-Stiftung und Novartis.

ADRESSE FONDATION BEYELER Baselstrasse 101 CH-4125 Riehen / Basel http://www.fondationbeyeler.ch/informationen/allgemeine-informationen ÖFFNUNGSZEITEN Täglich von 10.00 bis 18.00 Uhr, mittwochs bis 20.00 Uhr. EINTRITTSPREISE Erwachsene CHF 25.– Reduzierter Eintritt für Gruppen ab 20 Personen, Studierende, Schüler, Kinder und Menschen mit Behinderungen sowie jeweils montags, 10.00 –18.00 Uhr, und mittwochs, 17.00 – 20.00 Uhr ONLINE www.reservix.de

FÜHRUNGEN Öffentliche Führungen für Einzelpersonen (täglich) CHF 7 Private Führungen für Gruppen (max. 20 Personen) CHF 650 Abendführungen mit Apéro / Dinner auf Anfrage Anmeldung und Auskunft Mo bis Fr, 9 – 12 Uhr und 14 – 17 Uhr Tel. +41 61 645 97 20 oder fuehrungen@fondationbeyeler.ch KATALOG Kandinsky, Marc und der Blaue Reiter Hrsg. Fondation Beyeler, Riehen/Basel, Ulf Küster, Texte von Andreas Beyer, Oskar Bätschmann, Cathrin KlingsöhrLeroy, Ulf Küster, Marta Ruiz del Árbol, Gestaltung von Heinz Hiltbrunner Deutsch 2016. 200 Seiten, ca. 180 Abb. 27,40 x 31,00 cm gebunden. Hatje Cantz Verlag ca. EUR 58


6 | Bonn

ASTRID | arttourist.com 2|2016

Max Ernst, Vater Rhein,1953 | Kunstmuseum Basel | © VG Bild-Kunst, Bonn 2016 |Foto: Kunstmuseum Basel, Martin P. Bühler

Johann Adolf Lasinsky, Der Rhein bei Koblenz-Ehrenbreitstein, 1828 | LVR-LandesMuseum Bonn | © LVR-LandesMuseum Bonn, Foto: Jürgen Vogel

Bonn

DER RHEIN

Rheingold-Dukat, Rheinpfalz, Karl-Philipp (1716–1742), o. J. Deutsche Bundesbank, Frankfurt am Main © Deutsche Bundesbank, Frankfurt am Main

Eine europäische Flussbiografie 9.9.2016 – 22.1.2017 Der Rhein ist eine der verkehrsreichsten Wasserstraßen der ganzen Welt. Seit Jahrtausenden befördert er Menschen, Kohle, Baumaterial, Luxusgüter, Kunstschätze und Waffen, aber auch Ideen, Märchen und Mythen durch halb Europa. Beeindruckende Städte, Klöster und Kathedralen, aber auch Ballungsräume und Industrieansiedlungen säumen den Strom. Er ist und war Grenze und verbindendes Element gleichermaßen und prägt bis heute die Menschen, die sich an seinen Ufern niedergelassen haben. Seit römischer Zeit war der Rhein mit wechselnden Fronten zwischen Germanien und Gallien, der Schweiz und Burgund, Deutschland und Frankreich, Belgien und Holland Pforte, Festung und Grenze, Brücke und Furt. Er wurde reguliert, begradigt, verschmutzt, umkämpft, erobert und besetzt.

Am Rhein entstand die Europäische Union, und so folgt die Ausstellung der kulturpolitischen Botschaft zu grenzüberschreitender Kooperation seiner Anrainer Schweiz, Liechtenstein, Deutschland, Frankreich und den Niederlanden. Sie begleitet den Rhein von seinen Quellen bis zum Rhein-Maas-Schelde-Delta und erzählt am Beispiel einzelner Orte und Regionen von folgenreichen und teils dramatischen Ereignissen aus über 2000 Jahren Kulturgeschichte: von den Römern, dem Bau gotischer Kathedralen, der Rheinromantik, den Kriegen und der Bonner Republik bis hin zum Wiederaufbau des Rotterdamer Hafens als Tor zur Welt. Eine Ausstellung der Bundeskunsthalle in Kooperation mit dem LVRLandesMuseum Bonn.

ADRESSE Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland GmbH Friedrich-Ebert-Allee 4 | D-53113 Bonn T +49 228 9171 200 | F +49 228 234 154 www.bundeskunsthalle.de ÖFFNUNGSZEITEN Di, Mi 10–21 Uhr Do - So und feiertags 10–19 Uhr Fr für angemeldete Gruppen ab 9 Uhr geöffnet. 24. und 31.12. sowie montags geschlossen

A group of Electrum coins (gold and silver alloy) of different denominations, Asia Minor, Last third of the 7th century BCE , Extended loan from the collection of Dr. David and Jemima Jesselsohn, Zurich, Photo © The Israel Museum, Jerusalem, by Elie Posner

Johanna von Schönfeld, 2013 | Ohrenkuss-Ausgabe „Superkräfte“ © Martin Langhorst (www.lichtbilderlanghorst.de)

EINE KURZE GESCHICHTE DER MENSCHHEIT

TOUCHDOWN

22.11.2016 – 26.3.2017

29.10.2016 – 12.3.2017

Die Ausstellung entsteht in Kooperation mit dem Israel Museum in Jerusalem und stellt die Schlüsselereignisse innerhalb der Menschheitsgeschichte dar: Beginnend mit den Grundlagen der Zivilisation, über die Entwicklung von Kommunikation und Sprache, bis hin zur Industrialisierung und aktuellen Fragestellungen konfrontiert sie einzigartige archäologische Artefakte mit ausgewählten Werken zeitgenössischer Kunst.

Zum ersten Mal begibt sich eine Ausstellung auf eine kulturhistorische und experimentelle Spurensuche in unsere Vergangenheit und Gegenwart. Sie erzählt, wie Menschen lebten, leben und leben möchten – Menschen mit und ohne Down-Syndrom. Aktiv von Menschen mit Down-Syndrom mit erarbeitet und vermittelt – als Experten in eigener Sache –, umfasst sie wissenschaftliche und künstlerische Exponate aus Archäologie, Zeitgeschichte, Genetik, Medizin, Soziologie, Literatur, Film, Theater und bildender Kunst.

Eine Ausstellung mit und über Menschen mit Down-Syndrom


ASTRID | arttourist.com 2|2016

Bonn | 7

Hannes Maria Flach Rhein, ca. 1931

Valeska Achenbach & Isabela Pacini ohne Titel, 2003 © Valeska Achenbach & Isabela Pacini, 2016

Bonn

bilderstrom

Der Rhein und die Fotografie 2016-1853 9.9.2016-22.1.2017 „bilderstrom – Der Rhein und die Fotografie 2016-1853“ versammelt rund 260 eindrucksvolle Fotografien von 62 bedeutenden europäischen Fotografen aus 163 Jahren. Ob als „Vater Rhein“, national umkämpfte Grenzlinie, Sehnsuchtslandschaft der (Post-)Romantik, ökologisch bedrohtes Biotop, tagestouristisches Ausflugsziel, ökonomische Lebensader, urbaner Alltagsraum, Sinnbild Europas oder als ewig mäanderndes Fließgewässer: der Rhein erweist sich immer wieder als bildschöpfender Fluss. Damit eröffnet „bilderstrom“ facettenreich eine motivbezogene Geschichte der Fotografie. Schon mit Beginn der Bildproduktion entwickelt sich der berühmteste aller europäischen Flüsse zu einem

begehrten Motiv, das in zahlreichen Gemälden, Zeichnungen und Stichen Verbreitung findet. In der Summe vermögen es die Rheinbilder wiederum, kollektive Vorstellungen zu erzeugen und zu modellieren. Sie bewegen sich bewusst zwischen Zeugnis und Mythos, zwischen Klischee und Kunst. Solche Vorstellungsbilder prägen die Wahrnehmung auf den Rhein bis heute. Die Ausstellung erkundet die Wechselwirkungen zwischen Fluss und Bild anhand der Fotografie, einem Verfahren, das in einem besonderen Spannungsfeld zwischen Wirklichkeitstreue und der Sehnsucht nach Imagination steht. Die Schau vereint namhafte europäische Fotografen, insbesondere aus Deutschland und

August Sander, Rheintal mit Insel Nonnenwerth ca. 1936 | Abzug 1974 von Gunther Sander | August Sander | VG-Bild-Kunst, Bonn 2016.

den Anrainerstaaten Schweiz, Frankreich und den Niederlanden. Das Spektrum reicht von freien dokumentarischen und bildjournalistischen Arbeiten bis zu fotokünstlerischen Positionen. Die Ausstellung ist ein Kooperationssprojekt mit der Bundeskunsthalle, die zeitgleich die Ausstellung „Der Rhein – eine europäische Flussbiografie“ präsentiert. Das Kombiticket LVR-LandesMuseum und Bundeskunsthalle ist im Vorverkauf inklusive VRS-Fahrausweis über www.bonnticket.de bzw. www.koelnticket.de, TicketHotline 0118 502010 erhältlich.

EVA‘S BEAUTY CASE

Schmuck und Styling im Spiegel der Zeiten 9.6.2016 – 22.1.2017

„Eva‘s Beauty Case“ lädt ein, die vielen Facetten im Streben nach menschlicher Schönheit zu erleben. Die Ausstellung spannt einen einzigartigen Kultur und Epoche übergreifenden Bogen von der Steinzeit bis in die Gegenwart. Das LVR-LandesMuseum Bonn besitzt eine der größten und bedeutendsten Sammlungen römischen und frühmittelalterlichen Schmucks nördlich der Alpen. Zahlrei-

Foto: Jürgen Vogel

che filigran gearbeitete Goldscheibenfibeln bezeugen die außerordentliche Kunstfertigkeit der Goldschmiede im frühen Mittelalter. Diese kostbaren Funde stehen im Zentrum der Ausstellung, die sich mit der Kulturgeschichte des Schmucks und der Schönheit beschäftigt. Sie gibt faszinierende Einblicke in die Kunst des Hairstylings, der Parfüm- und Make-up-Kreationen quer durch die Geschichte, vom Bauplan der Natur über die wechselnden Schönheitsideale bis hin zum Schönheits- und Starkult der Gegenwart. Interaktive Schauelemente, Medien- und Hands-OnStationen machen diese Ausstellung zu einem besonderen Ereignis. Ein eigener Mitmachbereich geht auf die Idealvorstellungen von Schönheit im Wandel der Zeit ein. So können sich die Besucherinnen und Besucher in Nofretete, eine feine Dame des 19. Jahrhunderts oder den Neandertaler morphen.

Goldscheibenfibel, Merowingerzeit, 3. Viertel 7. Jh. n.Chr., Niederkassel-Rheidt | Dieses Stück gehört zu den kostbarsten und größten Exemplaren einer an Mittel- und Niederrhein als Mantelverschluss getragenen Fibelgruppe, deren Dekor getriebene und cloisonnierte Insekten zeigt | LVR-LandesMuseum Bonn.

ADRESSE LVR-LandesMuseum Bonn Rheinisches Landesmuseum für Archäologie, Kunst- und Kulturgeschichte Colmantstr. 14–16 53115 Bonn www.landesmuseum-bonn.lvr.de

Ein Ticket für beide Ausstellungen im Vorverkauf: inklusive VRS-Fahrausweis über www.bonnticket.de bzw. www.koelnticket. de und an allen bekannten Vorverkaufsstellen: EUR 9,80 l ermäßigt EUR 7,60 l Familienticket EUR 20,60 Ticket-Hotline 0228 502010

ÖFFNUNGSZEITEN Di – Fr und So 11–18 Uhr, Sa 13–18 Uhr 24.12., 25.12., 31.12. und Neujahr geschlossen

ANMELDUNGEN VON FÜHRUNGEN info@kulturinfo-rheinland.de Tel 02234 9921-555 Unter der Nummer 0228 2070-277 können Sie sich von Di–Fr 9–13 Uhr zusätzlich detailliert über das museumspädagogische Angebot informieren.

EINTRITTSPREISE Erwachsene EUR 8 ermäßigt EUR 6 Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre haben freien Eintritt


8 | Brühl

ASTRID | arttourist.com 2|2016

Jaume Plensa, Invisible Laura, 2016 | Stahl und Edelstahl © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

NEUE WERKE Ein 4,50 Meter hoher weiblicher Kopf in Eisenguss steht direkt vor dem Eingangsplateau des Max Ernst Museums. Das über 2,7 Tonnen schwere Werk mit dem Titel »Isabella« aus dem Jahr 2015 verweist unübersehbar darauf, dass das Max Ernst Museum einen außergewöhnlichen Künstler zu Gast hat. Im Max Ernst Museum nehmen Plensas Skulpturen zusammen mit einigen in Mischtechnik ausgeführten Zeichnungen den Dialog mit Max Ernst auf unterschiedliche Weise auf. Dabei zeigen sich in der Werkauswahl Berührungspunkte mit dem Surrealismus, aber auch Kontraste und andere Perspektiven, die seine eigenständige Formensprache und deren inhaltliche Wirkkraft offenbaren.

Brühl

Jaume Plensa – Die innere Sicht

Ausstellung im Max Ernst Museum Brühl des LVR 4.9.2016 – 15.1.2017 Jaume Plensa, Lilliput VI, 2012 | bemalte Bronze und Edelstahl | Foto: Ari Karttunen / Espoo | Museum of Modern Art (EMMA) | © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

EXKLUSIVE ZUSAMMENARBEIT MIT DEM KÜNSTLER Die Ausstellung »Jaume Plensa – Die innere Sicht« (4. September 2016 bis 15. Januar 2017) entstand in Zusammenarbeit mit dem Künstler exklusiv für das Max Ernst Museum. Die Einladung nach Brühl nahm der 1955 in Barcelona geborene Jaume Plensa spontan an. Der Katalane zählt zu den bedeutendsten zeitgenössischen Bildhauern weltweit. Seine spektakulären und zugleich meditativen Skulpturen im öffentlichen Raum befinden sich an ausgesuchten Plätzen auf der ganzen Welt. Zuletzt hat Jaume Plensa anlässlich der Biennale von Venedig 2015 für seinen Beitrag in der Basilica di San Giorgio Maggiore den Global Fine Art Award in der Rubrik »Best Public Installation« erhalten. Bis in die 1990er Jahre hinein war der Künstler vor allem für seine gusseisernen Plastiken bekannt. Er arbeitete dann aber auch mit Polyesterkunstharz und Glas, sowie mit Stahl, Marmor, Alabaster, Basalt, Bronze und gegenwärtig mit Holz. Genauso bedeutend sind für ihn allerdings auch die immateriellen »Werksstoffe« wie Licht, Wort und Klang.

Zahlreiche plastische Werke werden im Max Ernst Museum zum ersten Mal der Öffentlichkeit vorgestellt. Darunter sind eigens für die Ausstellung vollendete Wandzeichnungen sowie mehrteilige Skulpturen, an denen der Künstler bis kurz vorher noch in seinem Atelier in Barcelona gearbeitet hat. Sie offenbaren, wie es Plensa um die Verbindung von Materie und Gedanken, um die künstlerische Formgebung und Instrumentalisierung der Werkstoffe im Hinblick auf eine poetische und magische Aufladung mit Ideen geht. Die geschlossenen Augen bei seinen Kopfdarstellungen evozieren Stille, Versunkenheit und Traum. Auf diesen Habitus bezieht sich der Titel der Ausstellung: Die innere Sicht. Wenn Plensa darauf verweist, dass eine Skulptur für ihn »die beste Art ist, eine Frage zu stellen«, so erscheint das Max Ernst Museum passend, um verschiedene Antworten zu diskutieren. Denn Plensas Arbeiten befragen ganz allgemein die conditio humana und scheuen sich nicht, auch Perfektion, Schönheit und Spiritualität zu suggerieren.

ADRESSE Max Ernst Museum Brühl des LVR Comesstr. 42 / Max-Ernst-Allee 1 50321 Brühl (Rheinland) www.maxernstmuseum.lvr.de ÖFFNUNGSZEITEN Di – So 11 – 18 Uhr sowie 3.10., 1.11., 26.12. Mo geschlossen sowie 1.1., 24.-25.12., 31.12. EINTRITTSPREISE Erwachsene EUR 8,50 ermäßigt EUR 5 Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre: Eintritt frei Vorverkauf inklusive VRSFahrausweis www.koelnticket.de oder www.bonnticket.de Ticket-Hotline 0221 2801 oder 0228 502010 sowie an allen bekannten Vorverkaufsstellen: EUR 10,90 | ermäßigt EUR 7,10

Jaume Plensa, Twenty-nine Palms, 2007 | Edelstahl | Installationsansicht Yorkshire Sculpture Park, West Bretton, 2011 Foto: Jonty Wilde / Yorkshire Sculpture Park | © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

FÜHRUNGEN Öffentliche Führungen EUR 5 zzgl. Museumseintritt Sa 15.30 Uhr | So 15 Uhr Öffentliche Familienführungen: jeden 3. Sonntag im Monat, 14.30 Uhr Private Gruppenführungen EUR 70 INFO-SERVICE ANMELDUNG BUCHUNG kulturinfo rheinland, Tel 02234 9921 – 555 info@kulturinfo-rheinland.de KATALOG Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit 224 Seiten, zahlreichen Abbildungen und Beiträgen von Patrick Blümel, Jaume Plensa, Achim Sommer und Jürgen Wilhelm.


ASTRID | arttourist.com 2|2016

Düsseldorf  | 9

Daniel Buren | Oct. 1973, 1973 | Tuch, weiß und orange gestreift, weiße Farbe | 98 × 141 cm | Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf | © VG Bild-Kunst, Bonn 2016 | Foto: Achim Kukulies, Düsseldorf

K20, Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf

Wolke & Kristall

Die Sammlung Dorothee und Konrad Fischer 24.9.2016 – 8.1.2017 Der Erwerb der Sammlung Dorothee und Konrad Fischer ist eine Sensation für die Kunstszene des Landes. Die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen ergänzt damit ihre herausragende Kollektion an Gemälden der nordamerikanischen Nachkriegskunst um epochale Werke der Concept Art und Minimal Art. Für den internationalen Durchbruch dieser Kunstströmungen steht wie kaum ein anderer Konrad Fischer. Ab den 1960er Jahren machte er seine Galerie zum Treffpunkt von Künstlern, Kuratoren und Sammlern und katapultierte Düsseldorf in den Olymp der aktuellen Avantgarde.

Konrad Fischer 1968 in der Ausstellung »6 day week  - 6 sound problems« | Bruce Nauman Installation / Ausstellung »6 day week  - 6 sound problems«, Galerie Konrad Fischer 1968 © VG Bild-Kunst, Bonn 2016 | Foto: Dorothee Fischer

In der Ausstellung treten Installationen von Carl Andre, Bruce Nauman, Sol LeWitt und weitere Werke aus der Sammlung Dorothee und Konrad Fischer in unmittelbaren Dialog mit Bildern von Jackson Pollock, Frank Stella und Ellsworth Kelly. Diese markieren den Ausgangspunkt des einzigartigen Paradigmenwechsels in der Kunstgeschichte der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, als Konzept und „Idee“ an die Stelle des herkömmlichen Gemäldes traten. Arbeiten von Mario Merz und Jannis Kounellis geben die europäische Antwort der Arte Povera Bewegung auf den Umbruch. Künstler wie Gregor Schneider, Thomas Schütte oder Paloma Varga Weisz schreiben die Entwicklung der Installationskunst bis in die Gegenwart fort. Auf etwa 2.000 qm sind mehr 200 Werke zu sehen. Zu den Künstlerinnen und Künstlern gehören unter anderen Carl Andre, Bernd und Hilla Becher, Lothar Baumgarten, Daniel Buren, Hanne Darboven, Dan Flavin, Jan Dibbets, Gilbert & George, Donald Judd, On Kawara, Ellsworth Kelly, Franz Kline, Jannis Kounellis, Sol LeWitt, Richard Long, Robert Mangold, Mario Merz, Juan Muñoz, Bruce Nauman, Giuseppe Penone, Jackson Pollock, Robert Rauschenberg, Ad Reinhardt, Mark Rothko, Robert Ryman, Fred Sandback, Gregor Schneider, Thomas Schütte, Frank Stella, Niele Toroni, Andy Warhol, Lawrence Weiner.

ADRESSEN K20 GRABBEPLATZ Grabbeplatz 5, 40213 Düsseldorf K21 STÄNDEHAUS Ständehausstraße 1, 40217 Düsseldorf F3 SCHMELA HAUS Mutter-Ey-Straße 3, 40213 Düsseldorf www.kunstsammlung.de ÖFFNUNGSZEITEN K20 GRABBEPLATZ K21 STÄNDEHAUS Di – Fr 10 – 18 Uhr, Sa, So, feiertags 11 – 18 Uhr, Mo geschlossen jeden 1. Mittwoch im Monat 10 – 22 Uhr EINTRITTSPREISE K20 GRABBEPLATZ Normalpreis EUR 12, ermäßigt EUR 10 Kinder und Jugendliche (6-18 Jahre) EUR 2,50 K21 STÄNDEHAUS Normalpreis EUR 12, ermäßigt EUR 10 Kinder und Jugendliche (6-18 Jahre) EUR 2,50 Kombiticket (beide Häuser) Normalpreis EUR 18 ermäßigt EUR 14 Kinder und Jugendliche (6-18 Jahre) EUR 4 KPMG-Kunstabend jeden 1. Mittwoch im Monat: 18.00-22.00 Uhr, Eintritt frei.

Thomas Schütte | Blumen für Konrad, 1997/98 | Aquarell auf Papier, 39 × 29 cm Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf | © VG Bild-Kunst Bonn, 2016 Foto: Achim Kukulies, Düsseldorf

ÖFFENTLICHE FÜHRUNGEN Di 16.30 – 17.30 Uhr, So und feiertags 15 – 16 Uhr begrenzte Teilnehmerzahl, Anmeldung erforderlich Angebote für Kinder finden Sie auf www.kunstsammlung.de Weitere Informationen zu Führungen, Veranstaltungen, Museumsshop unter www.kunstsammlung.de


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ASTRID | arttourist.com 2|2016

Christo, Wrapped Beetle 1963 (Objekt 2014), 1963 / 2014 | Auto, Stoff, Seile | Courtesy of the artist | © Christo 2014 | © Foto: Wolfgang Volz

Museum Kunstpalast, Düsseldorf

Hinter den Vorhang Verhüllung und Enthüllung seit der Renaissance. Von Tizian bis Christo 1.10. 2016 – 22.1.2017 Ausgehend von der Gründungslegende der mimetischen Malerei – der Erzählung vom künstlerischen Wettstreit zwischen den beiden antiken Malern Zeuxis und Parrhasios – widmet sich diese faszinierende Themenschau anhand der Motive von Schleier und Vorhang einigen Grundfragen von Malerei und bildender Kunst überhaupt. Mit hochkarätigen Leihgaben aus internationalen Museen und Privatsammlungen wird die Ausstellung das künstlerische Wechselspiel zwischen Verbergen und Zeigen, Verhüllen und Enthüllen aufzeigen. Die präsentierten Werke – Gemälde, Zeichnungen, Skulpturen, Installationen, Fotografien – spannen den Bogen von der Renaissance und des Barock über die Moderne bis hin zur zeitgenössischen Kunst. Neben Tizians im Jahr 1558 gemalten „Porträt des Kardinals Filippo Archinto“ aus dem Philadelphia Museum of Art, präsentiert die exklusiv in Düsseldorf gezeigte Schau u.a. Werke von Cranach, El Greco, Tin-

ADRESSE Museum Kunstpalast Kulturzentrum Ehrenhof Ehrenhof 4-5 40479 Düsseldorf T +49(0)211-555 42 100 www.smkp.de

toretto, Böcklin, Robert Delaunay, Max Beckmann, Cindy Sherman, Christo und Gerhard Richter. Die von Beat Wismer, Generaldirektor Museum Kunstpalast, gemeinsam mit Claudia Blümle, Professorin am Institut für Kunst- und Bildgeschichte der Humboldt-Universität zu Berlin, kuratierte Ausstellung wird in sieben verschiedenen Kapiteln die Ambivalenz und den Reiz vom Verhüllen und Enthüllen sowie das sinnliche Verhältnis von bildender Kunst und Wahrnehmung verdeutlichen. Der Themenreigen der Schau beginnt mit Werken, die, bezugnehmend auf die artistische Virtuosität der beiden wettstreitenden antiken Maler Zeuxis und Parrhasios, den Aspekt der künstlerischen Augentäuschung aufgreifen und wird sich in weiteren Kapiteln Aspekten wie „Mysterium des Göttlichen“, „Macht der Repräsentation“, „Gewalt der Enthüllung“, „Reiz des Verborgenen“, „Innen und Außen“ sowie „Die Kunst zu enthüllen“ widmen.

ÖFFNUNGSZEITEN Di - So 11-18 Uhr, Do 11-21 Uhr, Mo geschlossen, Feiertagsöffnungszeiten siehe www.smkp.de/besucherinfo AUDIOGUIDE ca. 60 Min., dt./engl.: EUR 3

EINTRITTSPREISE EUR 12 / ermäßigt EUR 9,50 EUR 1 für Kinder im Alter von 7-17 Jahren Kinder bis 6 Jahre Eintritt frei Gruppen ab 10 Personen: EUR 9,50 Tickets online: www.smkp.de/shop

Die Epochen und Gattungen übergreifende Ausstellung schlägt nicht nur in der Auswahl der Kunstwerke einen Bogen bis in die Gegenwart. Der Schleier, das Verbergen und Zeigen spielen bis in die aktuelle Gegenwart hinein in religiösen und gesellschaftlichen Zusammenhängen ebenso wie in der Mode eine bedeutende Rolle. Ähnlich wie der Vorhang – weit mehr als irgendein anderes Motiv – im Bild zwischen der Welt des Betrachters und jener des Bildes vermittelt, soll das Begleit-programm zur Ausstellung den interessierten Besuchern weitere Bildräume und -schichten eröffnen. Zur Ausstellung erscheint ein wissenschaftlicher Katalog, u.a. mit Beiträgen von Claudia Blümle, Horst Bredekamp, Wolfgang Kemp, Barbara Schellewald und Beat Wismer.

FÜHRUNGEN mit Platzreservierung Sa, So 14 Uhr, Do 18 Uhr Gebühr: EUR 5 + ermäßigter Ausstellungseintritt, Anmeldung erforderlich Buchung: bildung@smkp.de T +49(0)211-566 42 160 www.smkp.de/shop

Tizian, Porträt des Kardinals Filippo Archinto, 1558 | Öl auf Leinwand, 114.8 x 88.7 cm ©Philadelphia Museum of Art: John G. Johnson Collection, 1917 Foto: Philadelphia Museum of Art

GRUPPENFÜHRUNGEN EUR 75 für 60 Min. und EUR 95 für 90 Min. zzgl. Eintritt pro Person, maximale Gruppengröße: 20 Personen Führungen auch in englischer, französischer, spanischer, italienischer und russischer Sprache buchbar

Fremdsprachenzuschlag: EUR 10 Fremdführungsgebühr: EUR 26 / Fremdführungen sind nur nach Voranmeldung möglich Vorkasse für die Führungen. Die Eintritte sind vor Ort an der Kasse zu entrichten

KATALOG Zur Ausstellung erscheint im Hirmer Verlag ein wissenschaftlicher Katalog mit Beiträgen von Claudia Blümle, Horst Bredekamp, Georges Didi-Hubermann, Wolfgang Kemp, Roland Krischel, Klaus Krüger, Patrik Reuterswärd, Barbara Schellewald, Beate Söntgen, Victor Stoichita, Beat Wismer und Gerhard Wolf.


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Emden | 11

Nikolai Astrup, Birthday in the Parsonage Garden, 1911-1927 | Oil on canvas, 130 x 159 cm | Sparebankstiftelsen DnB/The Astrup Collection/KODE, Bergen Art Museum, Norway. Photo © Dag Fosse / KODE

Emden

30 Jahre Kunsthalle Emden Mit Nikolai Astrup endet das Jubiläumsjahr 2016 Nikolai Astrup: Norwegen. Eine Entdeckung 2.10.2016 – 22.1.2017 In seinem Heimatland Norwegen zählt Nikolai Astrup (1880 – 1928) zu den bekanntesten und beliebtesten Künstlern. Seine Gemälde und Druckgrafiken der wilden und beeindruckenden Natur sowie des traditionellen Lebens WestNorwegens haben das Bild dieses Landes, auch das Selbstbild seiner Einwohner, entscheidend geprägt. Bedeutende Werke finden sich im Nationalmuseum in Oslo, weiteren norwegischen Museen und zahlreichen privaten Sammlungen. Umso erstaunlicher, dass der Zeitgenosse Edvard Munchs außerhalb Skandinaviens kaum bekannt ist.  Die Kunsthalle Emden widmet diesem einfallsreichen

Henri und Eske Nannen

und außergewöhnlichen Einzelgänger die erste Ausstellung überhaupt in Deutschland. Die Ausstellungstournee ist eine Kooperation mit der Dulwich Picture Gallery (London) und dem Henie Onstad Kunstsenter (Oslo).

Jubiläums-Ausstellung anlässlich des Jubiläums “30 Jahre Kunsthalle” Seit ihrer Eröffnung im Jahr 1986 durch Richard von Weizsäcker hat sich die Kunsthalle Emden vom idyllisch gelegenen Geheimtipp an der Nordsee zu einem der bekanntesten und populärsten Kunstmuseen Norddeutschlands

entwickelt. Den „menschlichen Dimensionen“, die den damaligen Bundespräsident so beeindruckten, haben umfangreiche Erweiterungen und Modernisierungen keinen Abbruch getan. Im Gegenteil, Erstbesucher sind oft überrascht und begeistert: in einer beschaulichen Hafenstadt, entspannter Atmosphäre und reizvoller Umgebung ist das Erlebnis großer Kunst offenbar besonders genussvoll. Das Weltnaturerbe Wattenmeer liegt vor der Tür, die sprichwörtliche Weite Ostriesland entschleunigt schon auf der Anreise.

Ein Blick mit Freude nach vorne und voller Glück zurück Interview mit Esken Nannen 30 Jahre Kunsthalle Emden wird im Oktober dieses Jahres gefeiert. Ein ganz persönlicher Blick des Menschen Eske Nannen zurück auf diese Zeit? Darf ich etwas weiter ausholen? Ich hatte großes Glück in meinem Leben, angefangen mit meinem Elternhaus, das mich tolerant erzogen hat und mir ermöglichte, in jungen Jahren einen großen Teil der Welt kennen zu lernen. Später erfuhr ich das Privileg, an der Seite eines geliebten Menschen die Vision von der Kunsthalle Emden als „einer lebendigen Begegnungsstätte zwischen Bildern und Bürgern“ verwirklichen zu können. Und schließlich die beglückende Erfahrung, gemeinsam mit einem wunderbaren Team und vielen Förderern die damit verbundenen Herausforderungen zu meistern und das Haus nicht nur zu erhalten, sondern sogar weiter auszubauen. Sie hören zu Ende des Jahres als Geschäftsführerin der Kunsthalle Emden, die Ihr Mann Henri Nannen gegründet und die Sie beide gemeinsam auf- und ausgebaut haben, auf. Was gilt es noch zu richten? Für die Zeit nach meinem Ausscheiden aus dem operativen Bereich haben die Gremien der Stiftung neue Strukturen geschaffen. Ich wünsche mir, dass diese - gemäß dem Leitbild der Stiftung – dazu beitragen, für die Kunsthalle eine sichere Zukunft zu gewährleisten. Was treibt Sie um und an für die Zeit, die kommt? Für mich ganz persönlich darf ich sagen, dass mein Leben durch menschliche Begegnungen sehr bereichert wurde, das wünsche ich mir auch weiterhin für die Zukunft in Nah und Fern. Damit verbunden ist zugleich mein Bedürfnis, etwas „zurückgeben“ zu können für all das Gute, das

Nikolai Astrup, By The Open Door, before 1911 | Oil on canvas, 87 x 110 cm. Private Collection, Oslo | © Anders Bergersen

ADRESSE Kunsthalle Emden Hinter dem Rahmen 13 D – 26721 Emden www.kunsthalle-emden.de

ÖFFNUNGSZEITEN Di – Fr 10 – 17 Uhr, Sa, So, Feiertage 11 – 17 Uhr, Mo geschlossen 23., 24., 25. und 31.01. geschlossen EINTRITTSPREISE Erwachsene EUR 8 Ermäßigt EUR 6 Kinder/Jugendliche (bis 15 Jahre) frei

Nikolai Astrup, March Atmosphere at Lake Jølstravatnet, before 1908 | Öl/Leinwand, 75 x 57 cm. Private Collection, Oslo | © Anders Bergersen AUDIOGUIDE Kostenlos ÖFFENTLICHE FÜHRUNGEN Sonntags, 11.30 Uhr, EUR 3 FÜHRUNGEN Tel. (04921) 97 50 70, Mo bis Fr 8 – 12 Uhr marlies.tjaden@kunsthalle-emden.de

TOURISTISCHE ARRANGEMENTS Tourist-Info Emden Tel. (04921) 97 40-0 Ostfriesland Tourismus GmbH www.ostfriesland.de Tel. (0491) 91 96 96 69

ich in meinem Leben erfahren durfte. Mein Wunsch ist dabei, dass die Kunsthalle sich ihren besonderen Spirit erhält, der sie auszeichnet. Sie hat mit ihrem lebendigen Charakter immer viele Menschen begeistert, weil es hier sowohl authentisch nordisch als auch professionell und sehr kommunikativ zugeht. So eine sympathische Atmosphäre entsteht nicht durch ein Gebäude, sondern durch ein engagiertes Team. Wohin geht die erste Reise, Ihrer großen Leidenschaft, zu Beginn Ihres neuen Lebensabschnitts? Die erste größere Reise in 2017 geht in den OMAN.


12 | Frankfurt

ASTRID | arttourist.com 2|2016

Literaturstadt Frankfurt KUNST UND KULTUR RUND UM DIE BUCHMESSE Frankfurt ist bekannt als Handelsplatz und Drehkreuz der Finanzwelt. Es ist aber auch Kulturstadt und zudem markanter Treffpunkt für Lesende und Literaten aus aller Welt. Als Sitz bedeutender Verlage, des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels und nicht zuletzt der Frankfurter Buchmesse ist Frankfurt ganzjährig geprägt von einer vielseitigen Literaturlandschaft mit dem Literaturhaus, der Romanfabrik und dem Hessischen Literaturforum im Mousonturm oder auch der Off-Szene mit ihren verschiedenen Lesebühnen und bei Poetry Slams. Zudem finden überregional bekannten Festivals im Frühjahr wie literaTurm in den Frankfurter Hochhäusern oder die Frankfurter Lyriktage statt. Jedes Jahr im Herbst wird die Metropole am Main aber von einer besonderen Atmosphäre erfasst, wenn zur weltweit größten Buchmesse internationale Autorinnen und Autoren, Beschäftigte aus der Verlagsbranche und dem Buchhandel und Lesende nach Frankfurt kommen. In diesem Jahr sind Flandern und die Niederlande Ehrengast der Frankfurter Buchmesse (19.–23.10.2016). Die Begeisterung für das Lesen und das Interesse an den Gastländern greifen im Oktober regelmäßig auf die gesamte Stadt über. Eine Woche lang finden Lesungen, Preisverleihungen wie die des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels oder des Deutschen Buchpreises und Veranstaltungen rund ums Buch statt. Ob auf der Messe selbst, am Bahnhof, in Cafés, bei den etablierten Frankfurter Literaturveranstaltern – überall in Frankfurt wird im Oktober ausgiebig vorgelesen, vorgetragen und diskutiert, mehr noch als sonst am Geburtsort Goethes. Die traditionsreichste Frankfurter Literaturveranstaltung zur Buchmesse ist Literatur im Römer im Herzen der Stadt. An zwei Tagen konzentriert werden Autorinnen und Autoren in Gesprächen und bei Lesungen in den Hallen des Rathauses bei freiem Eintritt vorgestellt (19.– 20.10.2016). Ebenso wie Literatur im Römer wird auch das zentrale Lesefest OPEN BOOKS vom Kulturamt der Stadt Frankfurt organisiert. Es holt während der Buchmesse die spannendsten und interessantesten Novitäten des Buchherbstes in die Innenstadt rund um den Römer und bietet ein abwechslungsreiches Literatur Haus Fassade | © Uwe Dettmar Programm aus Prosa und Lyrik, Sachbuch und internationaler Literatur an verschiedenen Orten. Auch OPEN BOOKS ist ein Angebot mit freiem Eintritt (19.–22.10.2016). Zentrum von OPEN BOOKS ist der Frankfurter Kunstverein, Plattform für innovative Kunstformen und Teil des Museumsufer Frankfurt, dessen einzigartiges Bau- und Kulturensemble jährlich mehr als zwei Millionen Kulturtouristen aus aller Welt anzieht. Von Goethe und seinen kreativen Erben bis zur Videokunst, von antiken Skulpturen bis hin zu Beuys sind es nur wenige Minuten zu Fuß. 15 Museen befinden sich in unmittelbarer Nähe zum Mainufer, ebenso viele sind in der näheren Umgebung angesiedelt. Alljährlich ist die Buchmesse und das Medium Buch für viele Museen des Frankfurter Museumsufers Anlass, Künstler aus dem Gastland der Messe einzuladen, Ausstellung zu Kultur und Besonderheiten der Gastregion zu präsentieren und ein buntes Rahmenprogramm zu bieten. Das Haupthaus des Museums für Moderne Kunst, das MMK 1, eines der wichtigsten Museen Europas mit

Goethe | © Studio Christian Schön


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Frankfurt | 13

Open Books 2015 | © Alexander Paul Englert

Fiona Tan, Diptych, 2006–11, Installationsansicht Stedelijk Museum, 2012, Courtesy the artist and Frith Street Gallery, London, Foto: Gert Jan Van Rooij

Innenansicht DAM | © Uwe Dettmar

Open Books | © Alexander Paul Englert

hochkarätigen Werken der europäischen und amerikanischen Kunst der 60er Jahre bis hin zu aktuellen Positionen der internationalen Gegenwartskunst, stellt zur Buchmesse beispielsweise die bisher umfassendste Schau der international gefeierten Künstlerin Fiona Tan im deutschsprachigen Raum aus. Neben Werken aus dem filmischen Oeuvre – wie die Doppelprojektion „Rise and Fall“, die sie 2009 für den Niederländischen Pavillon der Venedig Biennale produzierte – steht die neueste Entwicklung in Fiona Tans Arbeiten hin zu installativen Environments im Mittelpunkt (17.09.2016–15.01.2017). Das MMK 2, eine Dependance des Museums für Moderne Kunst zwischen hohen Bankentürmen und hippem Bahnhofsviertel, zeigt Arbeiten des seit 2006 an der Frankfurter Städelschule als Professor tätigen Niederländers Willem de Rooij, der zu den einflussreichsten Künstlern seiner Generation zählt (14.10.2016–19.02.2017). Das renommierte Städel Museum mit einer Sammlung hochkarätiger Werke aus sieben Jahrhunderten präsentiert anlässlich des Auftritts Flanderns und der Niederlande als Ehrengast auf der Frankfurter Buchmesse und im Rahmen der Serie „Im Städel Garten“ eine neue Arbeit des belgischen Künstlers David Claerbout (28.09.–06.11.2016), der Portikus, eine Ausstellungshalle für zeitgenössische, junge Kunst, stellt die belgischen Künstler Jos de Gruyter und Harald Thys vor (24.09.–20.11.2016). Architekten aus Flandern und den Niederlanden widmet sich ab Oktober das Deutsche Architekturmuseum, das Architektur und neue Bauweisen aus aller Welt zeigt. Der bekannteren niederländischen Architektur, wie der von Rem Koolhaas, der in seiner Karriere auch viele wichtige Kulturbauten plante, wird 2016 eine neue Perspektive auf die hochgehandelte flämische Szene zur Seite gestellt (08.10.2016–29.01.2017). Begleitet werden diese und weitere Ausstellungen durch einen Veranstaltungsreigen aus Filmen, Diskussionen, Konzerten, einem umfangreichen museumspädagogischen Programm und Lesungen. Lesungen finden durch das Jahr hindurch immer wieder auch in den Frankfurter Theatern statt. Wie die Museen greifen sowohl die Städtischen Bühnen als auch die vielseitigen freien Theater, die sich mit ihren progressiven und faszinierenden Inszenierungen hervortun, die Buchmesse in

Frankfurt auf. Neben dem traditionellen Saisonstart mit zahlreichen spannenden Uraufführungen, Premieren und Klassikern, zeigen die Bühnen auch Gastspiele aus dem Länderschwerpunkt der Buchmesse, laden bekannte Autorinnen und Autoren zu Lesungen und internationale Künstlerinnen und Künstler zu Gemeinschaftsproduktionen ein. Das Künstlerhaus Mousonturm hat beispielsweise neben eigenen Tanz- und Theaterproduktionen, Filmfestivals und interdisziplinären Projekten auch Performances internationaler Ensembles auf dem Spielplan. Oliver Reese zeigt in der letzten Spielzeit seiner Intendanz am Schauspiel Frankfurt ab September 2016 noch einmal ein fulminantes und mitreißendes Theaterprogramm, basierend auf der großen Weltliteratur, ergänzt um niederländische Beiträge und Lesungen.

MUSEUMSUFER-TIPP: Mit dem MuseumsufertTicket für 18 € können 34 Museen an zwei aufeinander folgenden Tagen nach Lust und Laune besucht werden.

ADRESSEN: Deutsches Architekturmuseum Schaumainkai 43 (Museumsufer) 60596 Frankfurt am Main Tel. +49 (0) 69 212 38844 info.dam@stadt-frankfurt.de www.dam-online.de Künstlerhaus Mousonturm/ Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V. Waldschmidtstraße 4 60316 Frankfurt am Main Tel. + 49 (0) 69 4058950 Tel. + 49 (0) 69 24449940 info@mousonturm.de info@hlfm.de www.mousonturm.de hlfm.de Literaturhaus Frankfurt am Main e.V. Schöne Aussicht 2 60311 Frankfurt am Main Tel. +49 (0) 69 7561840 info@literaturhausfrankfurt.de www.literaturhausfrankfurt.de MMK 1 des MMK Museum für Moderne Kunst Domstraße 10 60311 Frankfurt am Main Tel. +49 (0) 69 21230447 mmk@stadt-frankfurt.de www.mmk-frankfurt.de

Museum Angewandte Kunst Schaumainkai 17 (Museumsufer) 60594 Frankfurt am Main Tel. +49 (0) 69 21234037 presse.angewandte-kunst @stadt-frankfurt.de www.angewandtekunstfrankfurt.de Portikus Alte Brücke (Main) 60594 Frankfurt am Main Tel. +49 (0) 69 96244540 info@portikus.de www.portikus.de Romanfabrik e.V. Hanauer Landstraße 186, 60314 Frankfurt Tel. +49 (0) 69 4940902 www.romanfabrik.de Schauspiel Frankfurt Neue Mainzer Straße 17 60311 Frankfurt am Main Tel. +49 (0) 69 21237444 info@schauspielfrankfurt.de www.schauspielfrankfurt.de Städel Museum Schaumainkai 63 (Museumsufer) 60596 Frankfurt am Main Tel. +49 (0) 69 6050980 info@staedelmuseum.de www.staedelmuseum.de

MMK 2 des MMK Museum für Moderne Kunst Taunustor 1 60310 Frankfurt am Main Tel. +49 (0) 69 21273165 mmk@stadt-frankfurt.de www.mmk-frankfurt.de

LINKS: www.kultur-frankfurt.de www.museumsufer-frankfurt.de www.openbooks-frankfurt.de


14 | Tipps

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Bern (CH)

PAUL KLEE UND DIE SURREALISTEN 18.11.2016 – 12.3.2017

Zum ersten Mal wird in einer Ausstellung umfassend die Beziehung Paul Klees zu den surrealistischen Künstlern im Paris der 1920er und 1930er Jahre beleuchtet. Für die Surrealisten der ersten Stunde wie Max Ernst und Joan

Miró, aber auch für Literaten wie Louis Aragon oder Paul Eluard war die Begegnung mit Klees traumhaft verwobenen Bildwelten eine künstlerische Offenbarung. Themen wie die Welt als Traum, surreale Maschinen und Apparate, imaginäre Pflanzenwelten (Histoire naturelle), rätselhafte Porträts und Masken, das Geheimnis der Objekte, unwirkliche Räume und imaginäre Architekturen, erhellen die gegenseitige Auseinandersetzung.

Bad Homburg DIE ZWEITE HAUT | Natur-Kleid 16.10.2016 – 19.2.2017

vom Ende der 1960er Jahre bis in unsere Zeit. Der eigene Körper des Künstlers und der Künstlerin bildet den gemeinsamen Ausgangspunkt der ge-

Die Haut umschließt den menschlichen Körper

zeigten Arbeiten. Die Ausstellung eröffnet somit ein

und dient zunächst als begrenzender Schutz vor

Panorama der Auseinandersetzung mit dem Selbst

der Außenwelt. Stellvertretend kann Kleidung – als

jenseits des klassischen Selbstporträts. Sie zeigt in

zweite Haut - diese

den vielfältigsten Formen die leibliche Präsenz des

Schwellenfunktio-

Künstlers im eigenen Werk: Körper, Biografie, sozia-

nen

übernehmen,

le oder sexuelle Identität, Humor oder Melancholie,

sie kann schützen

alle diese Aspekte sind Akteur oder Material für die

und verhüllen oder

künstlerische Arbeit. Zu sehen sind rund 100 Arbei-

kann als Schmuck,

ten von Schlüsselfiguren der Kunst des 20. und 21.

Inneres nach außen

Jahrhunderts.

transportieren und ein Ausdruck kul-

Karoline Hjorth und Ikonen Riitta, Norway / Agnes I, May 2011, © Karoline Hjorth und Ikonen Riitta

symbiotischen Beziehung von Haut, Kleidung und

Frankfurt MAGRITTE. Der Verrat der Bilder 10.2. – 5.6.2017

Außenwelt rückt das Thema auch in der zeitgenös-

Die SCHIRN KUNSTHALLE Frankfurt widmet dem

sischen Kunst immer stärker in den Fokus. Zuneh-

Magier der verrätselten Bilder René Magritte (1898–

mend werden dabei organische Rohstoffe und kre-

1967) die erste große Ausstellung im Jahr 2017.

atürliches Material in den Werkprozess integriert.

Für seine außerge-

Aus Blumen, Käfern, Fischen, Blättern und Zweigen

wöhnlichen künst-

entstehen Kleider, die als skulpturale Objekte sowie

lerischen Strategien

in Fotografien und Gemälden auch an den bibli-

suchte der belgische

schen Entstehungsmythos von Kleidung erinnern.

Surrealist

Die Ausstellung im Museum Sinclair-Haus unter-

die Nähe zur Phi-

sucht und verbildlicht auf vielfältige Weise, was es

losophie, die ihm

bedeuten kann, sich eine fremde, „Zweite Haut“

die Impulse für den

über zu streifen – um sich damit von der Natur ab-

komplexen Charak-

zugrenzen und sich gleichermaßen mit ihr zu ver-

ter seiner Bilder lie-

binden.

ferte. So suchte der Künstler den engen Austausch

Museum Sinclair-Haus | museum-sinclair-haus.de

mit Heidegger-Spezialisten ebenso wie mit dem

tureller oder indi-

vidueller Identität sein. Aufgrund dieser gleichsam

Die Ausstellung entsteht in enger Zusammenarbeit mit dem Centre Pompidou in Paris und vereint eine große Anzahl von Meisterwerken surrealistischer Künstler wie Max Ernst, Joan Miró, Hans Arp, Alberto Giacometti, André Masson, René Magritte, Pablo Picasso und Salvador Dalí aus den wichtigsten Museen der Welt mit ausgewählten Bildern Klees. Zentrum Paul Klee | Monument im Fruchtland 3 Postfach | 3000 Bern 31 | www.zpk.org Pablo Picasso, Tête de femme, 1939, Öl auf Leinwand, 46.5 x 33 cm, © Succession Picasso | VG Bild-Kunst, Bonn 2016

Bremen

EMIL NOLDE TRIFFT PAULA MODERSOHN-BECKER 9.10.2016 - 29.1.2017

Im Jahr 1900 treffen die noch unverheiratete Künstlerin Paula Becker und der dänische Maler Emil Hansen – später Nolde – in Paris aufeinander. Zum Teil unveröffentlichte Briefe belegen, dass sich beide auch später noch für das Werk des jeweils anderen interessierten. Über dieses Zusammentreffen hinaus ist es vor allem eine gemeinsame Leidenschaft, welche die erste Gegenüberstellung von Werken Paula Modersohn-Beckers und Emil Noldes sinnvoll erscheinen lässt: der Mensch. Mit unterschiedlichen Mitteln, aber vereint in dem Prinzip der Einfachheit, vermitteln sie in ihren figurativen Bildern eine besondere Intensität und Nähe. Durch die direkte Gegenüberstellung von Porträts, Paar- und Kinderbildern sowie Akten, werden die individuellen Wege, mit denen Modersohn-Becker und Nolde diesen besonderen Ausdruck suchen, sichtbar. Es eröffnen sich überraschende Einblicke in die Welt von zwei der bedeutendsten Künstler der Moderne, die sich in dieser Ausstellung vor allem als eines offenbaren: als Menschenmaler.

Museen Böttcherstraße | Paula Modersohn-Becker Museum | Böttcherstraße 6-10 | 28195 Bremen | www.museen-boettcherstrasse.de

Ähnlichkeit und des Realismus deutlich. Die Ausstellung beleuchtet Magrittes zentrale Bildformeln, die sich mit dem Mythos der Erfindung und der Definition der Malerei befassen. Seine intellektuel-

che. Er gehört zum modernen Lifestyle, er wird zum

le Neugier führte den Maler zu einem bemerkens-

populären Massenspektakel oder verleiht elitä-

werten Schaffen, zu einer Verfremdung der Welt,

res Prestige. Der Siegeszug des Sports begann in

die auf einzigartige Weise akkurate, meisterhafte

Deutschland vor über hundert Jahren. Max Lie-

Malerei mit konzeptuellem Denken verbindet. All

bermann war der erste deutsche Künstler, der sich

das bezeugt Magrittes Argwohn gegenüber simplen

intensiv mit diesem Thema auseinandersetzte. Die

Antworten und einem simplen Realismus. Eine Aus-

Sonderausstellung „Max Liebermann Blick auf Bewe-

stellung in Kooperation mit dem Centre Pompidou,

gung und zum modernen Sport“ in der Kunsthalle

Paris.

Liebermanns

und Sport und erzählt zugleich die Geschichte

1.10.2016 – 22.1.2017

vom

Die Ausstellung „Geschlechterkampf. Franz von Stuck bis Frida Kahlo“ behandelt die künstlerische

Werke von Edgar Degas, Édouard Manet und Henri

Auseinandersetzung mit Geschlechterrollen von der

de Toulouse veranschaulichen Liebermanns Inspi-

Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Ende des Zwei-

ration durch die französische Malerei und Graphik.

ten Weltkrieges. Die

Seine Darstellungen der Tennis- und Polospieler

traditionelle Defini-

sind in Frankreich und Deutschland ohnegleichen.

tion von männlich

Die Einzigartigkeit seiner Sportmotive wird durch

und weiblich als ak-

die Betrachtung ausgewählter Werke englischer und

tiv/passiv, rational/

deutscher Zeitgenossen wie John Lavery oder Max

emotional, Kultur/

Slevogt deutlich. Es werden knapp 140 Gemälde,

Natur war in der

Skulpturen sowie Arbeiten auf Papier und darüber

Kunst der Moderne

hinaus historisches Material, wie Zeitschriften und

ein intensiv behan-

Fotografien, präsentiert.

deltes Thema: Viele

Kunsthalle Bremen | www.kunsthalle-bremen.de

Künstler

Deichtorhallen Hamburg | Deichtorstr. 1-2 | 20095 Hamburg | www.deichtorhallen.de

ihrem Publikum überzogene Charaktereigenschaften vor Augen und untermauerten in ihren Werken stereotype Rollenbilder. Andere griffen gängige Rollenklischees an und versuchten, diese durch Strategien wie Ironie, Überzeichnung, Maskerade und Hybridisierung aufzubrechen. Anhand einer Auswahl von etwa 140 Werken der Malerei, Skulptur, Grafik, Fotografie

meinsam mit der Pinault Collection eine facetten-

sowie Filmen macht es sich das groß angelegte Aus-

reiche Schau zur Selbstdarstellung des Künstlers im

stellungsprojekt zur Aufgabe, besonders prägnante

eigenen Werk aus. Zugleich ist es die erste Ausstel-

künstlerische Positionen zu bestimmen und in einen

lung

Dialog zu stellen.

in

Deutsch-

land, die Einblicke

Die Sammlung Viehof, in die wichtige Teile der Sammlungen Speck und Rheingold eingeflossen sind, vereint Werke aus den Bereichen Malerei, Zeichnung, Fotografie, Skulptur, Installation und Video mit Schwerpunkt auf deutsche Kunst von der Nachkriegszeit bis heute.

führten

Max Liebermann, (1847–1935) Samson und Delila, 1902 Öl auf Leinwand, 151,2 x 212 cm Städel Museum, Frankfurt am Main Foto: Städel Museum – ARTOTHEK

Im Herbst 2016 richtet das Museum Folkwang ge-

Frankfurt Städel Museum | www.staedelmuseum.de

in die außerordent-

Im Zentrum der Ausstellung stehen hochkarätige Konvolute einzelner Künstler, darunter Georg Baselitz, Joseph Beuys, Candida Höfer, Jörg Immendorff, Sigmar Polke, Daniel Richter und Rosemarie Trockel. Die vollständig aus den Beständen der Sammlung gebildete und von Dr. Dirk Luckow kuratierte Überblicksschau zeitgenössischer Kunst zeigt die außergewöhnliche Vielschichtigkeit dieser passionierten und zukunftsweisenden Sammlungstätigkeit.

Frankfurt GESCHLECHTERKAMPF Franz von Stuck bis Frida Kahlo 24.11.2016–19.3.2017

Polo in der Kunst.

Essen DANCING WITH MYSELF Sammlung Pinault zum ersten Mal in Deutschland 7.10.2016 – 15.1.2017 Neo Rauch: Männer mit Flugzeugen, 2012 | Öl auf Leinwand, Bildmaß: 200 x 250 cm; Rahmenmaß: 205,1 x 255,3 x 5,5 cm | Courtesy Galerie EIGEN + ART Leipzig/Berlin and David Zwirner, New York/London | © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

SCHIRN KUNSTHALLE FRANKFURT | www.schirn.de

Reiten, Tennis und

Max Liebermann, Polospieler in Jenischs Park, 1903

Kunst der Gegenwart von Beuys bis Baselitz Mit der Sammlung Viehof präsentieren die Deichtorhallen Hamburg an zwei Standorten, der Halle für aktuelle Kunst und der Sammlung Falckenberg in Hamburg-Harburg, eine der bedeutendsten deutschen Privatsammlungen zeitgenössischer Kunst. Über 850 Werke von 75 Künstlern werden die Deichtorhallen in ein temporäres Museum der Gegenwartskunst verwandeln.

Magrittes anhaltende Beschäftigung mit Fragen der

Blick auf Bewegung

SAMMLUNG VIEHOF

René Magritte, La Lampe philosophique, 1936; Privatsammlung © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

Sport durchdringt heute nahezu alle Lebensberei-

Max

Hamburg

Magritte

großen Michel Foucault. In diesen Dialogen wird

Bremen MAX LIEBERMANN – Vom Freizeitvergnügen zum modernen Sport 22.10.2016 – 26.2.2017

Bremen untersucht

Emil Nolde, Bruder und Schwester, 1918 | © Nolde Stiftung Seebüll

Museum Folkwang l www.museum-folkwang.de

Dancing with Mys-

Köln WIR NENNEN ES LUDWIG Das Museum Ludwig wird 40! 27.8.2016 – 8.1.2017

elf (7. Oktober 2016

Die Gruppenausstellung „Wir nennen es Ludwig“

– 15. Januar 2017)

stellt den Höhepunkt im Jubiläumsjahr des Museum

ist ein wilder, spie-

Ludwig 2016 dar. Drei Jubiläen gilt es zu begehen:

lerischer, poetischer

Als Josef Haubrich der Stadt Köln 1946 seine Samm-

lichen

Sammlun-

gen von François Pinault ermöglicht.

und Tanz

politischer durch

die

Gegenwartskunst,

Urs Fischer, Oxygen, 2015 Pinault Collection © Urs Fischer Courtesy of the artist und Gagosian Gallery Foto: Mats Nordman

lung mit Werken der klassischen Moderne schenkte, hatte er damit den Grundstein für ein Museum gelegt, 1976 unterzeichneten Peter und Irene Ludwig


ASTRID | arttourist.com 2|2016

Tipps | 15

ihren Schenkungs-

mus,

vertrag

rund

Kunstmuseum

zeit-

vensburg die Vor-

genössischer Kunst

stellung der in der

und 1986 konnte

Sammlung Selinka

der

350

mit

Werken

BÜHNENREIF / 1. AKT (1900 – 2016)

Ra-

des

vertretenen Expressionisten fort. Emil

werden. Das Thema

Nolde wurde im Au-

dieser breit ange-

gust 1867 als Sohn

legten Schau ist die

eines Landwirtes im

Institution

deutsch-dänischen

selbst.

Remagen

das

eröffnet

Neubau

Museums

Diango Hernández, Installationsansicht Museum Morsbroich, Leverkusen En teoria, la playa, 2016, Wandmalerei, Acrylfarbe auf Wand © Diango Hernández, Foto: Anne Pöhlmann

setzt

22.9.2016 – 23.4.2017

Emil Nolde Begegnung am Strand, 1920 Ölfarben auf Leinwand © Nolde Stiftung Seebüll Foto: Elke Walford/Dirk Dunkelberg

Anlässlich der ge-

Grenzland geboren. Nach einer Ausbildung zum

meinschaftlich

Holzbildhauer und Zeichner in Flensburg und Wan-

vom Direktor und

derjahren in Süddeutschland und Berlin, ließ er sich

allen KuratorInnen

1903 auf der Insel Alsen nieder. Dort fand er zu sei-

des Hauses konzipierten Jubiläumsausstellung, sind

nem eigentlichen Ausdrucksmittel – der Farbe. Die

25 internationale KünstlerInnen und Künstlerkol-

in Kooperation mit dem Brücke-Museum und der

lektive eingeladen, sich intensiv mit der Institution

Nolde Stiftung Seebüll erarbeitete Ausstellung gibt

auseinanderzusetzen und auf die Frage zu reagieren,

einen Überblick über das Werk des bedeutenden Ex-

was das Museum Ludwig für sie bedeutet. Der Titel

pressionisten. Präsentiert werden über 60 hochkarä-

„Wir nennen es Ludwig“ ist bewusst offen gewählt,

tige Werke von den frühen Jahren als Mitglied der

da es nicht um eine Festschreibung geht, sondern

Brücke in Berlin, über die Südseereise, die Zeit im

um eine Vielzahl subjektiver Perspektiven.

Nationalsozialismus bis hin zu den späten Jahren.

Museum Ludwig | www.museum-ludwig.de

Ravensburg Kunstmuseum

Münster HENRY MOORE. Impuls für Europa 11.11.2016 – 19.3.2017

www.kunstmuseum-ravensburg.de

Henry Moore gehört zu den wichtigsten Bildhauern

St. Gallen (CH) PAUL MCCARTHY 3.9. – 13.11.2016

des 20. Jahrhunderts. Wie kaum ein anderer gilt er

Der 70-jährige Paul McCarthy, dessen Werk weg-

heute noch als Inbegriff des „modernen Künstlers“.

weisend ist für Generationen jüngerer Kunstschaf-

Die

Ausstellung

zeigt

auf,

fender, gilt als en-

warum

fant

terrible

der

Moore, der bereits

zeitgenössischen

zu Lebzeiten als „Pi-

Kunst. Seine künst-

casso der Skulptur“

lerische

gefeiert wurde, die

beginnt der in Salt

Bildhauerei in ei-

Lake City geborene

nem solchen Maß

Paul McCarthy, White Snow Dwarf (Grumpy) 2012 Silikon (gelb) 171.5 x 149.9 x 131.4 cm | (McCAR53230) © Ursula Hauser Collection, Switzerland, Fredrik Nilsen 

dominierte, dass er selbst eine jüngere Künstlergeneration in den Bann zog. Moore setzte sich radikal

mit

dem

Henry Moore, Mother and Child ©LWL-Museum Münster

Karriere

und heute in Los Angeles

lebende

McCarthy mit Performances.

Dabei

beschäftigt er sich

anfangs mit klassischer Malerei in Form von painting as action, indem er seinen eigenen Körper als

Verhältnis von Mensch und Natur auseinander und

Pinsel bzw. Körpersäfte als Malmaterie einsetzt. Das

wählte die menschliche Figur als zentrales Motiv.

führt zur künstlerischen Auseinandersetzung mit

Thema der Ausstellung ist die Frage, warum Henry

gesellschaftlichen Tabuzonen, mit Erotik und Se-

Moore international, aber auch in Deutschland so

xualität. Zugleich wendet er sich den stereotypen

viele Künstler inspirierte wie Hans Uhlmann und

Bildvorstellungen der Massenkultur zu, wie sie sich

Bernhard Heiliger, Joseph Beuys und Gustav Metzger.

in Disneyland, Hollywood-Filmen oder Cartoons

LWL-Museum für Kunst und Kultur | Westfälisches

manifestieren. Ausgehend vom 1937 von Walt

Landesmuseum | www.lwl-museum-kunst-kultur.de

Disney

Münster HENRI MATISSE Die Hand zum Singen bringen 29.10.2016 – 29.1.2017 Im Herbst 2016 feiert das Picasso-Museum eine museale Weltpremiere: Deutschlands größte MatisseKollektion wird der Öffentlichkeit präsentiert. Nie zuvor wurden die 121 Grafiken, die das

Museum

seit

produzierten

Zeichentrickfilm

realisiert

plex zu Schneewittchen: In der Ausstellung werden die Zwerge erstmals umfassend in der Lokremise St.Gallen zu sehen sein – formal wie inhaltlich virtuos karikiert. Kunstmuseum St. Gallen | www.kunstmuseumsg.ch

Zürich (CH) ALBERTO GIACOMETTI: Material und Vision 28.10.2016 – 15.1.2017 50 Jahre nach dem Tod Alberto Giacomettis (1901

neue

Dauerleih-

–1966) beleuchtet eine grosse Sonderausstellung

gabe

beherbergt,

die grundlegenden Aspekte des Schaffens und die

Kunstwerke men

Die

Arbeitsprozesse des weltbekannten Schweizers. Aus-

stam-

gangspunkt sind 75 kostbare Originalgipse aus dem

direkt

von

Nachlass des Künstlers, die 2006 als Schenkung

der Familie Matisse

von Bruno und Odette Giacometti an die Alberto

und

Giacometti-Stiftung im Kunsthaus gelangten. In ei-

lagerten

die

letzten 60 Jahre gut bewacht in einem Pariser

Banksafe.

Im Picasso-Museum

nem mehrjährigen Pablo Picasso, Faun zwischen Zweigen, 1948, Lithografie (c) Succession Picasso,VG Bild-Kunst, Bonn 2016

Forschungsprojekt wurden sie von den Restauratoren

des

werden die Bilder erstmalig gerahmt und gemein-

Kunsthauses unter-

sam mit hochkarätigen Leihgaben aus internationa-

sucht und für diese

len Museen und Sammlungen ausgestellt, darunter

Ausstellung vorbe-

Gemälde, Skulpturen, Kostüme, zwei seltene Sche-

reitet. Die Ausstel-

renschnitte und ein großformatiger Wandteppich.

lung erweitert den

Die Werke umspannen einen Zeitraum von knapp

Bestand im Kunst-

50 Jahren von 1906 bis 1952 und decken damit ei-

haus um bedeuten-

nen Großteil seiner Schaffenszeit ab.

de Leihgaben aus

Münster Kunstmuseum Pablo Picasso Münster

anderen Sammlungen, vor allem aus der nicht öf-

www.picassomuseum.de

fentlichen Fondation Alberto et Annette Giacometti

Ravensburg EMIL NOLDE. Der Maler 5.11.2016 – 5.2.2017 Mit der Ausstellung über Emil Nolde (1867–1956), dem Individualisten des deutschen Expressionis-

mittelalterlichen Altarbildern über barocke zentralperspektivische Bühnenräume bis hin zu den höfischen Maskenbällen und »Tableaux vivants« des 18. Jahrhunderts. Neben Gemälden, Graphiken und Skulpturen von Longhi über Cuyp bis zu Toulouse-Lautrec und Manzu umfasst die Ausstellung auch Bühnenmodelleund Entwürfe von Torelli, Schinkel und Achenbach sowie Kostüme und Theaterrequisiten.

Die Präsentation »Bühnenreif / 1. Akt (1900 – 2016)« umfasst Arbeiten von der klassischen Moderne bis zur zeitgenössischen Kunst. Zu sehen sind Bühnenmodelle, Kostüme, Installationen, Videoarbeiten, Malerei und Skulptur von u. a. Piet Mondrian, Vladimir Tatlin, Daniel Spoerri, Markus Lüpertz, Alexandra Hopf, Leiko Ikemura, Bill Viola, Arnulf Rainer, Claus Richter, Marcel Dzama. George Grosz und Marvin Gaye Chetwynd.

Arp Museum Bahnhof Rolandseck | Hans-ArpAllee 1 | 53424 Remagen | www.arpmuseum.org

Am 11. November 2016 folgt dann die Ausstellung »Bühnenreif / 2. Akt (1500 bis 1900)«, die sich der Kunst vom Barock bis in die Moderne widmet. Die gezeigten Werke reichen von

Piet Mondrian, Bühnenmodell für Michel Seuphors »L’Éphémère est éternel« (1926), Rekonstruktion 1964, Collection Van Abbemuseum, Eindhoven, Foto: Peter Cox

Oberhausen

LET’S BUY IT! KUNST UND EINKAUF

Von Albrecht Dürer über Andy Warhol bis Gerhard Richter 22.1.2017 – 14.5.2017 Kunst und Kaufen. Zwei Dinge, die nah zusammenhängen und doch weit auseinander zu liegen scheinen. An der Wende vom Mittelalter zur Neuzeit tritt Albrecht Dürer als einer der ersten Kunst-Unternehmer auf. Die Frage nach Original, Kopie und Fälschung stellt sich immer wieder. Große Spekulationsblasen wie die Tulpomania des 17. Jahrhunderts in den Niederlanden verbinden Kunst- und Geldmarkt.

McCarthy 2009 einen umfangreichen Werkkom-

Sommer 2015 als

ausgestellt.

Im Dada-Jubiläumsjahr 2016 widmet das Arp Museum Bahnhof Rolandseck gleich zwei Ausstellungen dem Thema der Bühne in der Bildenden Kunst. Inspiriert vom legendären »Cabaret Voltaire«, dem Geburtsort Dadas in Zürich, wird das wechselvolle Verhältnis von Bild und Bühne vom 16. Jahrhundert bis in die Gegenwart gattungsübergreifend in den Blick genommen.

Alberto Giacometti, Femme couchée qui rêve, 1929 Bronze, weiss gefasst, 24 x 43 x 13,5 cm Kunsthaus Zürich, Alberto Giacometti-Stiftung, © Succession Alberto Giacometti / 2016 ProLitteris, Zürich

in Paris, die erstmals in dieser Fülle in der Schweiz zu sehen sind. Kunsthaus Zürich | www.kunsthaus.ch

mit ihrer Mutter beim Shoppen zu zeigen scheint, verbindet sich hier das Thema des Einkaufens mit dem teuersten Maler des aktuellen Kunstmarktes. Die Ausstellung vereint Arbeiten vom 16. Jahrhundert bis heute und beleuchtet, was Kunst und Einkauf verbindet. LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen Konrad-Adenauer-Allee 46, 46049 Oberhausen www.ludwiggalerie.de

Marcel Duchamp erklärt Industrieware zur Kunst, Andy Mutter und Tochter © Gerhard Richter, 2016 Warhol und die Vertreter der ÖFFNUNGSZEITEN: Pop Art nehmen Supermarktprodukte in ihre Dienstag bis Sonntag 11–18 Uhr, Bilder auf. Wenn Gerhard Richter auf seinem Montag geschlossen, Ostermontag geöffnet Gemälde Mutter und Tochter Brigitte Bardot

Schweinfurt

LOCKRUF DER DÉCADENCE

Deutsche Malerei und Bohème 1840-1920 4.9.2016 – 8.1.2017

bildlichen „Verlockungen“ Die Epochenschau spannt der Décadence eine andere, einen Bogen vom Klassizispositive Konnotation. mus über die literarische Pariser Décadence-Diskussion Mit der Sammlung des Muum 1860 bis hin zur deutseums Georg Schäfer und schen Malerei und Bohème internationalen Leihgaben des Impressionismus und kann gezeigt werden, wie die Symbolismus. Sie zeigt, dass pädagogische Formel: „Die es von 1800 bis 1920 zwar antiken Tugenden sind eineine sich aus älteren und unfacher durch die Untugenterschiedlichen Quellen speiden darzustellen“ bildliche sende Motivtradition gab, Lovis Corinth, Bacchantenpaar, 1908, Öl Ausprägung fand. doch erst die deutschen auf Leinwand, Museum Georg Schäfer, Schweinfurt Nachfolger Hans Makarts Die Ausstellung umfasst ca. 50 z. T. großforma(1840-1884) übernahmen den Effekt der Skantige Gemälde, 70 hervorragende Arbeiten auf dalerzeugung durch Gemälde. Das GeneralthePapier sowie eine Auswahl an Bohème-Literatur ma „Der Untergang Roms“ wurde europaweit der Zeit. Sie wird u.a. von einem Katalog mit einem irritierten Publikum als allegorisch zu Beiträgen bekannter Wissenschaftler begleitet. begreifender Topos in zahlreichen Varianten vorgeführt. Im Umkehrschluss beinhaltete Museum Georg Schäfer es die Forderung nach einer neuen Ethik für Brückenstraße 20 | 97421 Schweinfurt eine ebenso neue Großstadtgesellschaft. Diewww.museumgeorgschaefer.de ser Aspekt gab dem „Moralischen“ und den


KARLSRUHE Klassische Moderne und Gegenwartskunst 16. – 19. Februar 2017

Messe Karlsruhe | www.art-karlsruhe.de


LESEN SIE

FLANDERN

und lernen Sie eine der spannendsten Kulturregionen Europas kennen

Comicparade © Visitbrussels

Sicherlich wussten Sie bereits, dass Flandern in diesem Jahr Ehrengast auf der Frankfurter Buchmesse ist. Der Gastlandauftritt gibt der Frankfurter Buchmesse jedes Jahr eine neue Prägung. Für das Gastland selbst ist der Auftritt von doppelter Bedeutung: Literatur und Kultur des Landes erfahren eine immense Aufmerksamkeit und die Verlagsbranche des Landes steht im Mittelpunkt auf dem größten internationalen Ereignis für die Buch- und Medienwelt. Dazu fördert es die Bekanntheit des Gastlandes als Kulturreiseziel.

Flamen sind fleißig und arbeitsam, jedoch gleichzeitig dickköpfig und eigenwillig mit einem ausgeprägten Sinn für das savoir vivre. Eine einzigartige, typisch flämische Kombination, die nur hier zu finden ist – sowohl bei den großen Malern, als auch bei Küchenchefs, Chocolatiers, Bierbrauern, Designern und Schriftstellern.

Ein attraktives und umfangreiches Programm erwartet die Besucher der Buchmesse. Flandern bringt seine kulturellen Highlights in die Stadt: In Frankfurt und Umgebung, aber auch in zahlreichen anderen Städten gibt es Lesungen, Podiumsdiskussionen zu Politik, Literatur und Zeitgeschehen, (Kunst-)Ausstellungen, Theater, Tanz, Musik, Film, Performances, literarisch-kulinarische Nächte, Fachkongresse und Partys. Zahlreiche Verlage und Kultureinrichtungen greifen das Gastlandthema auf und integrieren Titel und Beiträge in ihr Programm. Ein guter Grund mehr, auch in ASTRID dieser kleinen aber feinen Region mehrere Seiten zu widmen, denn Flandern punktet mit genau den Dingen, die das Leben lebenswert machen: Kunst und Kultur im Überfluss, einem üppigen Lebensstil voll burgundischer Fülle und einer erfrischenden Eigensinnigkeit. Die

BART MOEYAERT

Dann lesen Sie weiter!

Mit seinen Werken rührt der preisgekrönte Schriftsteller Bart Moeyaert die Herzen von Groß und Klein. Im Jahre 1998 gewann er für seinen Roman „Bloße Hände“ den Deutschen Jugendbuchliteraturpreis und von 2006 bis 2007 war er Stadtdichter von Antwerpen. Bart Moeyaert ist künstlerischer Leiter des Gastlandauftritts von Flandern und den Niederlanden auf der Frankfurter Buchmesse 2016.

FLANDERN-GESCHICHTEN

Über die Frankfurter Buchmesse:

Passend zum Ehrengastauftritt von Flandern und den Niederlanden auf der Frankfurter Buchmesse 2016 schlägt auch VISIT FLANDERS neue Seiten auf und präsentiert die reiche Kulturregion rund um die flämischen Kunststädte Antwerpen, Brügge, Gent sowie die Hauptstadt Brüssel und die belgische Nordseeküste. Erzählt werden Flandern-Geschichten aus der Heimat der Flämischen Meister, aus dem Mekka für Comic-, Street Art- und Design-Fans, aus der Region mit ihrer ausgeprägten Genusskultur, ihren gelebten Traditionen und ihren besonderen Charakteren vom Kitchen Rebel bis zur Krabbenfischerin.

„Als man mich fragte, ob ich künstlerischer Leiter des Gastlandauftritts sein wollte, habe ich sofort zugestimmt. Ich hatte zwar im Vorfeld bereits geahnt, dass dies eine bedeutsame Aufgabe sein würde, doch der tatsächliche Umfang sprengt alle Erwartungen. Dieses Projekt hat mein Leben mehr als zwei Jahre lang dominiert. Von Anfang an ging es mir darum, eine breite Basis für eine Zusammenarbeit aufzubauen. Es sollte keine einmalige Aktion werden, die mit der Buchmesse beginnt und endet. Die Projekte sollten vielmehr eine tiefere Wirkung haben und länger nachklingen. Die Welle begann mit der Lit.cologne in Köln und nahm dann über Leipzig und Berlin Fahrt auf, bis sie im Herbst mit voller Wucht Frankfurt erreicht. Und sie wird auch danach noch weiterlaufen: Nach der Buchmesse findet in Karlsruhe eine weitere große Ausstellung statt. Ich bin und bleibe auch als künstlerischer Leiter ein Geschichtenerzähler. Der Gastlandauftritt hat eine gewisse

AUF DEN GESCHMACK GEKOMMEN?

www.flandern16.de

Eigendynamik entwickelt, in der sämtliche Genres und auch andere Kunstformen beleuchtet werden. Ich finde es großartig, dass dadurch eine Übersetzungslawine ins Deutsche ausgelöst wurde.“

Über flämische und niederländische Schriftsteller „Als Flandern und die Niederlande im Jahre 1993 erstmals Ehrengast auf der Frankfurter Buchmesse waren, hatte das eine enorme Wirkung. Zahlreiche Fachbesucher und Lesebegeisterte machten zum ersten Mal Bekanntschaft mit unserer Literatur und bekamen Lust auf mehr. Heute, 23 Jahre später, zeigen wir: Wer glaubte, uns zu kennen, täuscht sich wahrscheinlich, denn die Zeit stand nicht still – ganz im Gegenteil. Neben Cees Noteboom und Hugo Claus sind inzwischen neue literarische Sterne am Firmament aufgestiegen: Saskia de Coster, Peter Verhelst, Arnon Grunberg, um nur einige zu nennen. Ich hoffe, dass die von Flandern und den Niederlanden gemeinsam erschaffene Literatur bald auch weit jenseits unserer Grenzen gelesen wird.“

Bart Moeyaert | © Dries Luyten


18  |  Flandern

ASTRID | arttourist.com 2|2016

© Stad Antwerpen

BÜCHERSTADT ANTWERPEN Antwerpen ist nicht nur die Wiege des industriellen Druckens, sondern auch DIE Bücherhauptstadt Flanderns: In der Stadt an der Schelde, die 2004 UNESCO-Weltbücherstadt war, haben sich zahlreiche Autoren, bedeutende Verlage und literarische Institutionen niedergelassen. Bücherfreunde können hier in vielen kleinen Antiquariaten und gut sortierten und spezialisierten Buchläden stöbern. Literatur wird an zahlreichen Stellen in der Stadt erlebbar: bei diversen Lesungen und Buchfestivals und gleich zwei Buchmessen, die hier jährlich stattfinden. Literatur können AntwerpenBesucher sogar im Vorbeigehen genießen: Verteilt im ganzen Stadtbild haben etwa Stadtdichter lesbare Spuren hinterlassen: So ziert das Gedicht „Dirigent“ von Bart Moeyaert eine Wand an der Vlaamse Opera. Und wer die Augen aufhält, findet die fünf „Gedichtmuren“ in Antwerpen, etwa am Café ‘t Halb Souke oder am Café Köln. ©Antwerpen Toerisme en Congres

Neueröffnung UNESCO-Welterbe Museum Plantin-Moretus Die älteste Druckerei der Welt erstrahlt ab 30. September in neuem Glanz Wie Lennon und McCartney, Jobs und Wozniak Etwas Einzigartiges schaffen, etwas, das die Welt verändert. Musik, wie sie vorher noch nie geklungen hat oder einfache schöne PCs. Auch Plantin und sein Schwiegersohn Moretus waren so ein einmaliges, revolutionäres Duo: die ersten Verleger, die im industriellen Maßstab arbeiteten. Sie können jetzt – 400 Jahre später – einfach bei ihnen ein- und ausgehen, ihr Haus und ihre Druckerei sehen noch genauso aus, als wären die beiden nur einmal kurz etwas trinken gegangen.

Das ist auch der UNESCO nicht entgangen Das Museum Plantin-Moretus ist das erste und einzige Museum der Welt, das einen Platz in der prestigeträchtigen Liste des Weltkulturerbes der UNESCO erhalten hat. Somit gehört das Museum zusammen mit dem Taj Mahal, der Ak-

ropolis und dem Grand Canyon zu dieser renommierten Familie. Seit Mai 2016 sind rund um die älteste Druckerei der Welt in dem eindrucksvollen Komplex aus dem 16. Jahrhundert die Handwerker zugange. Ab dem 30. September öffnet das Museum die Tore eines Neubaus mit einem Lesesaal und Depot und präsentiert die vollkommen neu gestaltete Dauerausstellung. Die Besucher können dann noch tiefer in die Geschichte des Buches und der Buchdruckkunst eintauchen und mehr über die Verbreitung des Wissens, die technischen Innovationen sowie den Unternehmergeist der Antwerpener Druckerdynastie Plantin und Moretus erfahren. Mit beeindruckenden audiovisuellen Installationen wird das Technikdenkmal rund um die noch funktionsfähigen Druckpressen zum Leben erweckt: So vermitteln Klanginstallationen einen Eindruck von der Arbeit,

die die Setzer, Letterngießer, Drucker und Korrektoren hier vor über 400 Jahren verrichteten. Die Besucher können auch am Leben von Christophe Plantin und den Brüdern Moretus teilnehmen: Sie treffen die Familien, die Freunde sowie die Kunden und erhalten spannende Einblicke in das Verlagswesen der damaligen Zeit. Nicht zuletzt lernen sie die beiden Drucker als geistige Urgroßväter von Mark Zuckerberg und Bill Gates kennen: Mit ihrer so genialen wie revolutionären Geschäftsidee schufen Plantin und Moretus ein einzigartiges Imperium und läuteten ein neues Zeitalter der Kommunikation ein. Und schließlich gibt die von einem Künstler gestaltete Holzfassade des Neubaus einen Vorgeschmack auf die alte Druckkunst: Sie erinnert an die Setzkästen, in denen früher in Druckereien die Buchstaben aufbewahrt wurden. www.museumplantinmoretus.be

© www.tomaskubes.cz MUSEUM PLANTIN-MORETUS Vrijdagmarkt 22, 2000 Antwerpen www.museumplantinmoretus.be ÖFFNUNGSZEITEN Di – So 10 – 17 Uhr, Mo geschlossen EINTRITTSPREISE Normalpreis EUR 8, Ermäßigt EUR 6, Kinder bis 12 Jahre frei


ASTRID | arttourist.com 2|2016

Flandern  |  19

Leuven

500 JAHRE „UTOPIA“ Im Dezember 1516 wurde in Leuven das erste Exemplar von „Utopia“ gedruckt. Das Buch von Thomas More handelt von einer imaginären Insel, auf der Glück und Gerechtigkeit blühen und ist heute ein Klassiker der Weltliteratur und der politischen Philosophie. 500 Jahre nach der Veröffentlichung feiert die flämische Stadt den Meilenstein der Literaturgeschichte mit einem großen Festival: Ab dem 26. September 2016 gibt es ein volles Programm mit Ausstellungen, Street Art, Film, Musik, Theater, Tanz, Literatur, Vorträgen und Stadtrundgängen. Einer der Höhepunkte ist die große kunsthistorische Ausstellung „Auf der Suche nach Utopia”, die vom 20. Oktober 2016 bis 17. Januar 2017 im M - Museum Leuven zu sehen ist. Der englische Humanist und Staatsmann Thomas Moore (der sich selbst Thomas Morus nannte) hatte das ebenso visionäre wie revolutionäre Buch aus Enttäuschung über die Korruption und die Misswirtschaft in seinem Land geschrieben. Sicher nicht ganz zufällig hatte er sich für die Veröffentlichung Leuven ausgesucht: In der flämischen Stadt 30 Kilometer östlich von Brüssel befindet sich nicht nur die älteste katholische Universität der Welt, hier verkehrten auch weltberühmte Gelehrte und Forscher. Das kleine goldene Büchlein schlug große Wellen, ist doch von Neuverteilung des Reichtums, von Chancengleichheit, Kinderbetreuung und kostenlosem Schulunterricht für alle die Rede. So spannend das Buch selbst ist, so nachhaltig hat es die Kultur geprägt. Nicht nur in Bezug auf die Sprache (der Begriff „Utopie“ hat hier seinen Ursprung), sondern auch auf die Kunst: Utopia hat eine ganz neue Epoche im

Anonymous Follower of Jheronymus Bosch | The Vision of Tundale | 1520-1530 | Madrid Fundacion Lazaro Galdiano

europäischen Denken eingeleitet und eine bis dato einzigartige Welle kreativer Höhepunkte ausgelöst. Künstler aus ganz Europa haben sich zu fantastischen Werken inspirieren lassen. Einen eindrucksvollen Überblick gibt die Ausstellung “Auf der Suche nach Utopia”. Präsentiert werden 90 Meisterwerke, etwa von Jan Gossaert, Quinten Metsys, Albrecht Dürer oder Hans Holbein. Die Ausstellung erzählt von Träumen, Idealen und vom Paradies auf Erden, aber auch von Fehlschlägen und Enttäuschungen auf der Suche nach einer neuen Gesellschaft. Sie gibt Einblick in die Faszination ferner Länder und fremder Kulturen. In der Universitätsbibliothek Leuven wird gleichzeitig die Ausstellung „Utopia & More” gezeigt: Hier werden wertvolle Manuskripte, Briefe, alte Drucke und Kuriositäten präsentiert. Weitere Informationen zu den Ausstellungen und den Events rund um 500 Jahre Utopia finden Interessierte unter www.utopialeuven.be/de

© Jan Gossaert, Porträt einer jungen Prinzessin mit Armillarium, The National Gallery, London

COMIC

ist die gemeinsame Sprache der Belgier In Belgien gehören Comics zum nationalen Kulturgut und sind Teil des Alltagslebens. Die Comic-Kultur in den Niederlanden und in Flandern weist nach wie vor Unterschiede, aber auch Gemeinsamkeiten auf. In der Entwicklung, die sich seit der Jahrtausendwende abzeichnet, treten jedoch vor allem die Gemeinsamkeiten hervor. Lange Reihen mit fester Personage gibt es zwar noch, aber sie haben es immer schwerer. Die meisten dieser

Reihen wurden seinerzeit für Zeitungen und Zeitschriften ersonnen, als Gag-Comic oder im Feuilleton, und die Probleme der geschriebenen Presse sind zugleich auch die Probleme dieser Art von Comics geworden. Heutzutage funktionieren diese Comics in einem viel breiteren Kontext der Unterhaltungsbranche, in dem auch Film, Games, Animation, Internet, soziale Medien etc. eine Rolle spielen. Hinzu kommt, dass in den letzten fünfzehn Jahren eine künstlerische Comic-Kultur aufgeblüht ist, die sich in erster Linie an ein erwachsenes Publikum wendet und sich nicht mehr um die Einschränkungen kümmert, die eine Publikation in einer Zeitung oder Zeitschrift mit sich bringt. Nirgendwo sonst spielen die gezeichneten Geschichten eine so große Rolle in der Gesellschaft wie in Belgien, nirgendwo sonst würde man ein Comic-Zentrum (Musée de la Bande Dessiné) an so einen zentralen Platz bauen. Das Comic-Zentrum wurde 1989 gar vom belgischen Königspaar eröffnet. Heute ist es mit mehr als 200.000 Gästen jährlich nach Atomium und Magritte-Museum Brüssels drittgrößte Touristenattraktion.

BXL Comicmuseum © Pieter Heremans

Die Comic-Begeisterung hat Belgien vor allem einem Mann zu verdanken: Georges Prosper Remi, den alle nach seinen umgedrehten

Comicwand © Visitbrussels

Initialen „R“ und „G“ nur Hergé nennen. Der Künstler gilt heute als der Urvater des modernen Comics. „Les aventures de Tintin“, wie die „Tim und Struppi“-Bücher im französischsprachigen Original heißen, haben ihn bekannt gemacht.

Comic Spaziergang durch Brüssel Der Comic Walk in Brüssel ist einzigartig in Europa. Eine etwa sechs Kilometer lange Route führt an insgesamt 32 großformatigen Comicmalereien auf Hauswänden vorbei. In der Lakensestraat sieht man die Comic-Helden Suske und Wiske von Willy Vandersteen an einer Hausfassade und Lucky Luke von Morris begegnet einem auf einer Hauswand in der Washuisstraat. 1991 entwickelte sich die Idee zu diesen so genannten „Murales“ und die ersten Wandmalereien wurden nach Vor-

lage der Originale auf die Wände gebracht. Mit der Zeit wurden es immer mehr und auch weiterhin werden Hausfassaden mit riesigen Comicfiguren verschönert.

Comics Station Antwerpen An prominenter Stelle erhält die ComicNation Belgien im Frühjahr 2017 eine neue Attraktion: Auf einer Ausstellungsfläche von 6000 Quadratmetern wird im historischen Bahnhof von Antwerpen die „Comics Station“ eröffnet. Dabei handelt es sich um einen Themen- und Erlebnispark, der die Welt prominenter Comic-Helden greifbar macht – darunter auch international bekannte Stars wie Lucky Luke und die Schlümpfe. www.cbbd.be | www.comicsstation.be www.visitbrussels.be | www.flandern16.de


20  |  Flandern

ASTRID | arttourist.com 2|2016

Saul Leiter Retrospektive Im

Herbst

wird

im

FOMU eine Retrospektive über Saul Leiters (1923-2013) gezeigt. Der amerikanische Fotograf ist vor allem als Pionier der

Farbfotografie

be-

kannt. Sein Tätigkeitsbereich erstreckte sich von Mode- bis Straßenfotografie. Entgegen der Gewohnheit

der

Zeit

verwendete er schon im Jahre 1946, lange bevor der New Color Photogra-

Leiter Man with Straw Hat

phy Bewegung der Sieb-

ziger Jahre, die Farbfilmtechnik. Diese Ausstellung umfasst nicht nur Farbfotos und Schwarz-Weiß-Aufnahmen, sondern auch eine Auswahl von Gemälden, übermalten Nacktbildern und Notizbüchern. 28.10.2016 – 29.1.2017 | FOMU foto museum | www.fotomuseum.be

Buddha & Mind Am

Internationalen

Tag

des Yogas präsentierte das MAS seine Herbstausstel-

Atelier Rubenshaus Anno 2007 | Bart-Huysmans

lung “Buddha & Mind”. Aktueller denn je ist die Suche nach Frieden und Ruhe

Antwerpen

in unserer Gesellschaft, im

Rubenshaus wird 70 Peter Paul Rubens weltbekannte Künstlerresidenz an der Antwerpener Wapper rückt 2017 ins Rampenlicht. Das Rubenshaus wird 70 und bietet aus diesem Grund ein attraktives Programm. Im Zentrum stehen Neuerwerbungen, großartige Ausstellungen, kostenlose Führungen, Tanz-Workshops und klassische Konzerte. Das Museum beschenkt sich mit einer Neuerwerbung von Jan Boeckhorst (1604-1668) selbst. Boeckhorst, ein Schüler von Rubens und ein berühmter Meister des 17. und 18. Jahrhundert wurde über Jahre vernachlässigt. Erst in den 1960er Jahren haben Kunsthistoriker den Antwerpener Meister wieder entdeckt. Neben religiösen Themen, malte Boeckhorst profane Szenen des einfachen Lebens, wie das monumentale Gemälde „Die Bauern auf dem Weg auf den Markt“, die im großen Studio des Rubenshaus gezeigt werden.

Geburtstagskind erhält “brillanten Besuch” Das Rubenshaus erhält regelmäßig „brillianten Besuch“. Dank seiner guten Verbindungen zu Museen, Sammlern und Händlern ist das Museum regelmäßig auserwählt, Erstausstellungen und außergewöhnliche Meisterwerke zu präsentieren. In diesem Sommer zeigt das Rubenshaus zwei kürzlich entdeckte Porträts von Anthony van Dyck mit sechs weiteren Leihgaben. Anthony van Dyck war Peter Paul Rubens bekanntester und versiertester Schüler. Das Museum lädt zu kostenlosen Führungen ein und führt die Besucher zu einigen spektakulären Leihgaben neben den Gemälden der ständigen Sammlung.

Internationale Premiere für Maerten de Vos Nicht nur Anthony van Dycks Selbstporträt wird mit seiner internationalen Premiere im Rubenshaus gezeigt, sondern auch die Verleumdung des Apelles von Maerten de Vos. Der talentierte De Vos ist wenig bekannt in der Öffentlichkeit. Er wird als Rubens “Vorgänger”

hektischen Alltag, verankert. Die Ausstellung basiert auf Meisterwerken der Sarvavid Vairocana @ Collectie MAS

MAS eigenen Sammlung,

die Sarvavid Vairocana Mandala. Dies ist eine einzigartige Reihe von Gemälden, die mindestens 300 Jahre alt sind, alle von sich getrennte,

gesehen. Die Verleumdung des Apelles war ein Thema, mit dem De Vos sich als gelernter Renaissance-Künstler präsentierte. In den Niederlanden wurde Apelles als die Verkörperung des perfekten Maler betrachtet. Das Panel von Maarten de Vos ist die einzige bekannte gemalte Version des Themas aus den Niederlanden. Im Jahr 2019 wird die Arbeit als langfristige Leihgabe im renovierten Museum of Fine Arts in Antwerpen präsentiert.

eigenständige Kunstwerke. Die Tatsache, dass die Sammlung zusammen blieb, ist die Einzigartigkeit der Ausstellung. Nirgendwo sonst auf der Welt gibt es eine Sammlung wie diese, eine vollständige Serie von 54 Bildern. Zusammen bilden diese Gemälde eine Anleitung zur Meditation auf einem Mandala, eine Darstellung des Kosmos. 21.10.2016 – 19.3.2017 | MAS Museum aan de Stroom | www.mas.be

Rik Wouters & die private Utopie Die bezaubernde Wohnlichkeit

Malers

Rik

Gefühl der Heiligkeit zwi-

Das Rubenshaus ist Genuss Für Menschen, die Antwerpen auf den Spuren von Rubens entdecken wollen, gibt es ein zusätzliches Angebot. Auf der Internetseite des Museums finden sich drei Routen, die einen zwei Tage durch die Stadt Antwerpen leiten. Die Routen zeigen die schönsten Spaziergänge, Museen und Märkte von Antwerpen mit praktischen Tipps wie man Kosten sparen kann.

des

Wouters sowie das intime schen ihm und seiner Frau CHRISTIAN WIJNANTS, RESORT 2015 © DIRK ALEXANDER

Nel sind die Grundlage für diese Ausstellung. Wouters

war der einzige Künstler der post-impressionistische Maltechniken mit einfachen häuslichen Szenen kombinierte. Seine expressiven Pinselstriche und der unvollendete Stil seiner Bilder bilden die Dynamik in seiner Arbeit. Wouters Werk konzentriert sich auf Malerei und Studien von Licht. Er wählte Interieurs und Stilleben zur Darstellung. Auch wenn nicht alles perfekt in seinem Leben war, stand das harmonische „gute Leben“ im Mittelpunkt seiner Arbeit. Seine Liebe zu Nel war eine treibende Kraft in seiner Arbeit. Ihre Lust am Leben inspirierte ihn für viele bekannte Bilder und Skulpturen. Die Aus-

Rubenshaus Wapper 9-11 | B-2000 Antwerpen www.rubenshuis.be

stellung unterstreicht die Bewegung und Sehnsucht der Menschen nach Heimat, Natur und Entschleunigung und die Hinwendung zum Handwerk, nichtindustrieller und natürlicher Lebensweise. 17.9.2016 – 26.2.2017 | ModeMuseum Provincie Antwerpen

Garten Rubenshaus © Beeldarchief collectie Antwerpen

Selbstportrait Peter Paul Rubens 1630 | Beeldarchief Collectie Antwerpen

www.momu.be

App der Antwerpener Museen Mit der Antwerpener Museen App kann man einen wahren Schatz an Kunst und Geschichte in Antwerpen entdecken. Man verfügt über einen nützlichen Führer, der dabei hilft, mehr über die Stadt und deren Schätze zu erfahren. Die App ist vollgepackt mit exklusiven Informationen und interessante Führungen durch die Museen und die Stadt. Es werden regelmäßig neue Führungen und Stadtrundgänge hinzugefügt, womit man immer wieder etwas Neues entdecken kann. www.antwerpmuseumapp.com

© 2016 AMA - Antwerp Museum App


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Flandern  |  21

December Dance 16 Crossing Channels präsentiert das Beste aus der britischen Tanzszene, mit 10 belgischen Premieren, von international renommierten

Compagnien

bis hin zu Nachwuchstalenten. Nach

den

Schwerpunkten

Montréal und Québec (DD08), Mitteleuropa (DD10), Nordeuropa (DD12) und Asien (DD14) konzentriert sich die zehnte Ausgabe von December Dance auf den zeitgenössischen Tanz des Vereinigten Königreichs. Das Festival präsentiert zeitge-

Campagnebeeld DD16 - Until The Lions © Richard Haughton

nössischen Tanz in all seinen Formen, Stilen und Genres und zeigt das Facettenreichtum der britischen Tanzlandschaft. Besonderes Augenmerk gilt dem ästhetischen Tanz, Tanztheater, konzeptionellen Tanz, interdisziplinären und multidisziplinären Ausdrucksformen und der Beziehung und dem gegenseitigen Einfluss zwischen Choreographie und Musik/Beleuchtung. Neben den Tanzvorführungen stehen viele weitere begleitende Veranstaltungen auf dem Programm des Tanzfestivals in Brügge. Claes Jacobsz. van der Heck, Het oordeel van Cambyses, 1620, olieverf op paneel © Collectie Stedelijk Museum Alkmaar

1. – 11.12.2016 | Concertgebouw Brugge | www.visitbruges.be

Bach-Akademie Luther Revolution, Bachs Reformation

Brügge

Die Kunst des Rechts

500 Jahre Widerstand, alleine von einem einzigen Mann inspiriert. Als der Augustiner-

28.10.2016 – 5.2.2017

mönch Martin Luther im Jahre 1517 seine 95 Thesen an eine Wittenberger Kirchen-

Ausgehend von etwa dreißig Arbeiten zum Thema Gerechtigkeit aus den Sammlungen der Museen in Brügge (Groeningemuseum, Gruuthusemuseum und Brugse Vrije) aus dem 15., 16. und 17. Jahrhundert, die um etwa sechzig Leihgaben ergänzt werden, zielt die Ausstellung darauf ab, die Art und Weise zu zeigen, wie bestimmte Gesetze und juristische Zusammenhänge, die Jurisprudenz, in der Kunst des Ancien Régime abgebildet wurden. Zeitgleich zeigt die Ausstellung wie sich Normen, Werte und Praktiken innerhalb des Justizsystems des späten Mittelalters entwickelt haben.

tür nagelte, startete er eine radikale Reform. In strikter Einhaltung der Bibel wiedersetzte er sich der Kirchen­ New Work 2016 © Jake Walters

tradition und der Bevormundung der Gläubigen durch

seine dekadenten Kollegen. Luther sprach ab sofort für sich selbst und über seinen Glauben. Während Luther und andere Reformatoren die Fundamente der Kirche zu verschieben begannen, zogen verheerende Kriege über den Kontinent. In diesen unruhigen Zeiten kam das musikalische Leben nicht zum Erliegen. Luther sah die Macht

Die „Gerechtigkeit des Kambyses“, gemalt von Gerard David in und von den Schöffen von Brügge in Auftrag gegeben, ist eines der Meisterwerke des Groeningemuseum in Brügge. Das Gemälde ist in vielerlei Hinsicht ein typisches „Exemplum Justitia“, aber gleichzeitig lässt es viele Fragen unbeantwortet. Dieses fesselnde Gemälde ist im Rathaussaal von Brügge zu sehen. Ab dem 15. Jahrhundert war es üblich, Sitzungssäle mit Gemälden und Skulpturen zu schmücken, die Szenen aus dem Gericht darstellten. Oft war das Jüngste Gericht die Wahl des Themas, da es den Moment der ultimative Gerechtigkeit exemplifizierte. Während des 15. Jahrhunderts wurden vor allem in Deutschland und in den Niederlanden Gerichtssäle mit Gemälden

der polyphonen Musik, seine Ideen zu verbreiten. Choräle waren eine seiner Ausdrucksformen, die Grundlage des deutschen Barock, PLEIN SINT SALVATORSKATHEDRAAL © Jan D‘Hondt

während die komplexe Polyphonie der Renaissance in der genialen

zur Gerechtigkeit, inspiriert aus historischen und biblischen Quellen, bestückt. Diese ersetzten zum Teil das Motiv des Jüngsten Gerichts.

Kontrapunkt von Buxtehude, Bach und Zeitgenossen lebten. In der Bachakademie 2017 wird es um die Reformation und ihren unvergleichlichen musikalischen Reichtum gehen. Collegium Vocale Gent, Philippe Herreweghe und eine Vielzahl von jungen und bekannten

Welche Botschaften gingen von den Bildern aus, was wurde den Richter in den Sitzungssälen vermittelt? Auf welche Weise funktionierten und beeinflussten diese Gemälde und andere Kunstwerke das Gerichtssystem der Zeit? Was sagen diese komplexen Gemälde und Kunstwerke über die Zeit aus, in denen sie entstanden? Alles Fragen auf die die Ausstellung Antworten sucht und eindrücklich findet.

Musik- und Tanztalenten sorgen für fünf spannende Festivaltage. 17. – 22.1.2017 | Concertgebouw Brugge | www.visitbruges.be

Handmade in Brügge App Mit der Handmade in Brügge App entdecken Sie die

„Das letzte Urteil“ von Jan Provoost und „Gerechtigkeit des Kambyses“ von Gerard David (Groeningecollectie) veranschaulichen zwei wesentliche Denkweisen der Justiz des Ancien Régime: Die Vernetzung von Gerechtigkeit mit Glauben, Gottesfürchtigkeit und Gerechtigkeit als Tugend, mit den hohen professionellen Standards und Anforderungen an die Richter. Die beiden Gemälde und andere Werke der Brügger Sammlungen sind der Ausgangspunkt für die Ausstellung von Kunstwerken zum Thema Gerechtigkeit in den drei Jahrhunderten. Die Werke aus den Sammlungen Brügges und die Leihgaben zeigen die Zusammenhänge zwischen der Darstellung der Gerechtigkeit und verwandten Themen in der Kunst.

Handwerke der Vergangenheit und die zeitgenössischen Handwerker in ihren Werkstätten. Auf der

Burg

beginnt

der Spaziergang mit dem der Besucher sich auf den Spuren der Handwerke von einst und jetzt begibt. Zahlreiche Denkmäler in Brügge zeugen von der Virtuosität des Handwerks vergangener

Jan D‘Hondt | 736 SHOE RECRAFTING 2 DETAIL INTERIEUR

Zeiten.

Aber auch heute sind Handwerker in der Stadt aktiv. Handmade in Brügge bringt die Geschichte und die Gegenwart auf den Stadtplan und zeigt den Besuchern den Weg! Die Handmade in Brügge App lädt zu einem schönen Spaziergang durch ein überraschendes Stück Brügge ein. Es bietet die Gelegenheit die unterschiedlichen Werkstätten und Shops zu besuchen. Auf der Route liegen auch einige

Groeningemuseum Dijver 12 | 8000 Brugge

Denkmäler und Museen. Der Nutzer bestimmt selbst, welche Rou-

www.visitbruges.be

besuchen möchte. Handmade in Brügge ist eine Initiative von Tapis

te er auswählt, welche der vielen Handwerksbetriebe und Studios er Plein (Gesellschaft ohne Gewinnabsicht) in Zusammenarbeit mit der

Öfnungszeiten: Di–So 9:30–17 Uhr Jan Provoost, Het Laatste Oordeel, 1525, olieverf op paneel © Lukas - Art in Flanders vzw, Foto Hugo Maertens | Musea Brugge

Stadt Brügge. www.visitbruges.be


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Unter dem Titel „The Power of Avantgarde – now and then“ werden zahlreiche Exponate von den Protagonisten der Klassischen Moderne aus den Jahren von 1895 bis 1920 ausgestellt. Der deutsche Kurator Ulrich Bischoff möchte mit der Ausstellung den Nachweis antreten, dass Künstler imstande sind, gesellschaftliche Zäsuren wie den Ersten Weltkrieg vorauszusehen und in ihrem Werk zu thematisieren. Zu den ausgestellten Künstlern gehören unter anderem Marcel Duchamp, Fernand Léger und Kazimir Malevich. Zusätzliche Würze erhält die mit Spannung erwartete Schau dadurch, dass 15 namhafte Gegenwartskünstler (darunter Gerhard Richter, Luc Tuymans und Marlene Dumas) mit ihren eigenen Arbeiten in Dialog zu den Protagonisten der Klassischen Moderne treten. So erhalten Besucher Gelegenheit, auch aktuelle Themen auf sich wirken zu lassen.

A Feverish Era in Japanese Art Expressionism in the 1950’s and 1960’s Die

Ausstellung

unter-

streicht die Ära der expressionistischen

Abstraktion

in den 50er Jahren in Japan durch Werke aus verschiedenen künstlerischen Genres wie Nihon-ga (Malerei im japanischen Stil), Malerei des Westens und Kunsthandwerk.

Dieses

Phä-

Shiryu MORITA | Bottom | 1955 MOMAK max 6 weeks

nomen wird anhand von etwa 80 Arbeiten (Gemälde,

Skulpturen, Kalligraphie, Keramik und Textilien) untersucht. Die Schau beschränkt sich nicht auf die expressionistische Abstraktion in Japan zu dieser Zeit, sondern untersucht die gesamte Informel Bewegung und ihre kunsthistorische, soziale und politische Bedeutung in Japan und dem Westen. Dabei ermöglicht sie Einblicke in

Donas - Tete Cubiste - 1917 | © CedricVerhelst

Brüssel

THE POWER OF THE AVANT-GARDE Now and then 29.9.2016 – 22.1.2017

Avantgarde ist ein Konzept, das sowohl aus dem Krieg als von der Kunst stammt. Avantgarde entstand in der Zeit der sozialen Revolution an der die Künstler antizipierten. In der bildenden Kunst ist die Blütezeit der Avantgarde zwischen 1895 und 1920, die mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs ein jähes Ende fand. Aber wie relevant ist diese Pionierkunst heute? Rund 15 führende zeitgenössische Künstler stehen im Dialog mit den Künstlern der historischen Avantgarde, von Ensor bis Munch und deren Auswirkung auf die Bewegungen kurz nach dem Krieg. Die heutigen Künstler fühlen oft eine starke Affinität zu spezifischen Avantgarde-Kunstwerken. Die Wahl der Kunstwerke und der Dialog mit der eigenen Arbeit zwingt uns diese Schlüsselwerke der modernen Kunst in einem anderen Licht zu sehen. Die Kraft der Avantgarde scheint viel mehr Ressourcen zu haben, als weithin bekannt.

historische Zusammenhänge und deren Einflüsse, in die Harmonie und den Konflikt zwischen Dichotomien wie Ost und West, in Tradition und Moderne, lokal wie global. 14.10.2016 – 22.1.2017 | BOZAR | www.bozar.be

Ukiyo-e the finest japanese prints Ukiyo-e ist erstmalig, eine beeindruckende Ausstellung einer Auswahl von 400 der besten Drucke der außerordentlichen Museumssammlung von mehr als 7.500 Drucken, die bekannt für ihre herausragende Qualität sind und immer wieder für große Ausstellungen in Japan beliehen wird. Die Ausstellung bietet einen seltenen und umfassenden

© Königliche Museen für Kunst und Geschichte

Überblick über die Kunst

der japanischen Drucke aus den Schwarz-Weiß-Anfängen bis in die

Zwei Grundideen hat der Kurator der Ausstellung zugrunde gelegt. Auf der einen Seite hebt die Ausstellung das Jahr vor dem Ausbruch des 1. Weltkriegs hervor und betont die Energie und den Zeitgeist der damaligen Zeit in der Kunst. Künstler sind für ihn die Seismographen einer sich anbahnenden Explosion, die folgen würde. Die Ausstellung stellt historische Zusammenhänge zwischen den wichtigsten Avantgarde-Städten und Bewegungen her – zwischen dem Futurismus in Mailand, dem Kubismus in Paris, den expressionistischen Gruppen Die Brücke und Der Blaue Reiter, sowie dem Bauhaus in Deutschland, welche die enorme Energie und den Druck zum Ausdruck bringen von der die Künstler in diesem Jahr geleitet und inspiriert wurden. Die Schau vermittelt einen Einblick in verschiedene Kunstbewegungen und beleuchtet die vielfältigen Erwartungen, verwirrende Gefühle und Ideen, die Illusion und Desillusion der beteiligten Künstler. Der Glaube an eine neue und bessere Welt und die tiefe Enttäuschung die folgte, hinterließ tiefe Spuren in der Kunst, was die Ausstellung unterstreicht. Der zweite Ansatz der Ausstellung ist die Wiederkehr des Begriffs der “unverbrauchten Moderne”, der erstmalig in der legendären Ausstellung “Westkunst” (Museum Ludwig, Köln, 1981) von Kaspar König thematisiert wurde, der besagt, dass das Potential der Moderne bei weitem nicht erschöpft ist. Aus dieser Perspektive der Ausstellung wurden zeitgenössische Künstler eingeladen sich mit der Avantgarde-Kunst auseinanderzusetzen.

hervorragende polychrome Serie Ende des 19. Jahrhunderts, die entscheidend für die Entwicklung eines Westlichen Geschmacks in Japan war. Zusätzlich werden zeitgenössische japanische Objekte, wie Lacquerware, Rüstungen und ein Kimono gezeigt und in einen kulturellen Kontext gestellt. Die Ausstellung ermöglichst es eine neue und schöne Vison von Japan und der japanischen Kunst zu teilen, die so nur in diesem Jahr zu sehen sein wird. Japan und Belgien feiern 150 Jahre diplomatische und Freundschaftsbeziehungen. 21.10,2016 – 12.2.2017 | Cinquantenaire Museum www.kmkg-mrah.be/cinquantenaire-museum

Erik van Lieshout The Show Must Ego On Dies ist Erik van Lieshout’s erste institutionelle Einzelausstellung in Belgien. Sie zeigt eine Reihe von Filmen, Skulpturen und Arbeiten

Erik van Lieshout, Sex is Sentimental, (video still) 2009, HD film, colour, sound 21 minutes, courtesy of the artist and Galerie Guido W. Baudach, Berlin, Annet Gelink Gallery, Amsterdam, Galerie Krinzinger, Wien, Maureen Paley, London and Anton Kern Gallery, New York

auf Papier, die alle seit 2009 entstanden sind. Sie werden in einer speziell gestalteten Umgebung gezeigt, die vollständig das Innere von WIELS verändert. Bilder aus Design-Magazinen wurden vergrößert, auf Papier gedruckt und die Wände als allumfassende, dreidimensionale Collage gestaltet. Van Lieshout Arbeit ist herausfordernd, kontrovers und voller Energie. Doch obwohl es rau und im Jetzt erscheint, ist es das Ergebnis eines in-

Gino Severini, La danse de l’ours au Moulin Rouge, 1913 | Foto © Centre Pompidou, MNAM-CCI, Philippe Migeat © ADAGP | VG Bild-Kunst, Bonn 2016

Palais des Beaux-Arts Paleis voor Schone Kunsten Rue Ravenstein 23 | 1000 Brussels www.bozar.be Öffnungszeiten: Di – So 10 – 18 Uhr Mo geschlossen

tensiven Prozesses aus Zeichnung, Film, Redaktion und Gebäude. 30.9.2016 – 8.1.2017 | www.wiels.org

Erik van Lieshout, The Basement, (video still), 2014, Mixed media installation: HD, color, sound, 17:19 min, Wood, color copies, Courtesy Annet Gelink Gallery, Amsterdam and Manifesta 10, St. Petersburg


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War in Short Pants 14-18 Entdecken Sie die Welt der Kinder während des Krieges. Die Ausstellung „War in Short Pants“ lässt den Besucher den Ersten Weltkrieg durch die Augen eines Kindes sehen. Wie haben Kinder diese dramatische Zeit erlebt, als die Welt auf den Kopf gestellt wurde? Was waren die Auswirkungen auf ihre persönliche Welt? Sechs Kinder aus sechs verschiedenen Ländern erzählen ihre Geschichte. Jedes von ihnen erlebte seinen eigenen Krieg, die Nähe zur Front, Angst und Flucht. Eindrückliche Zeitdokumente wie Tagebücher, Briefe, Spielzeug, Lieder und Zeichnungen untermauern das Erlebte und die Einzelschicksale. 14.10.2016 – 2.4.2017 | Sint-Pietersabdij | www.sintpietersabdij.stad.gent

Triennale für Design Hands on Design Design-Flandern veranstaltet die Triennale für Design seit 1995 und ist eines der wichtigsten Design-Events, der die Trends, Entwicklungen des aktuellen Designs präsentiert. Johan Valcke, der Kurator für die 8. Triennale, ist derzeit damit beschäftigt eine attraktive und wegweisende Ausstellung im Design Museum Gent vorzubereiten. Der Schwerpunkt dieser Triennale für Design in Flandern ist die Wirkung von Erneuerung und verbindet diese mit traditionellem Wissen, Techniken und Prozesse in unserer modernen Konstruktion und Fertigung. Die Triennale findet zu einer Zeit statt, wo das Handwerk im In- und Ausland, wieder die verdiente Wertschätzung sowohl für seinen kulturellen als auch wirtschaftlichen Wert erhält. 19.11.2016 – 5.3.2017 | www.designmuseumgent.be

Emile Verhaeren, Autor, Kritiker und die Kunst seiner Zeit Hundert Jahre nach seinem Tod, zeigt das MSK eine Hommage an Emile Verhaeren (1855-1916), einer Schlüsselfigur in der belgischen Kulturlandschaft rund Emil Verhaeren (1855-1916) | Les Débâcles, 1888 | Frontispice door by: Odilon Redon Brussel, Edmond Deman,1888 Museum voor Schone Kunsten Gent.

um die Jahrhundertwende. Emile Verhaeren, ein Dichter und Chronist der Kunst seiner

Zeit, genoss zu Lebzeiten einen internationalen Ruf. Zwischen 1880 und 1916 verfolgte er intensiv die Entwicklung der Avantgarde-Kunst in Belgien, und verteidigte Naturalismus und Social Art, Impressionismus, Neo-Impressionismus und Symbolismus engagiert. Emile VerhaePieter Claeissens, Verkündigung, ca. 1530

rens Schriften über Kunst, wie seine Gedichte, spiegeln die Emotionen, Leidenschaften und künstlerischen Kontroversen der damaligen Zeit. Noch heute schätzt man die außergewöhnliche Art und Weise, wie er

Gent

sich seinen Themen näherte und darüber schrieb.

FÜR GOTT & DAS LIEBE GELD

15.10.2016 – 15.1.2017 Museum für Schöne Künste | www.mskgent.be

Nairy Baghramian Die deutsche Bildhauerin Nairy Baghramian (1971, Isfahan, Iran) will uns Strategien bewusst machen, die

Flanderns Goldene Zeit 17.6.2016 – 1.1.2017

die

Produktion,

Präsentation

und

Wahrnehmung von Kunst und die Rolle des Betrachters in der Erfassung des Werts von Kunst ermöglichen. Um

Vom 17. Juni 2016 bis zum 1. Januar 2017 findet in der belgischen Provinz Ostflandern im Genter Kulturzentrum Caermersklooster die Ausstellung ‘Für Gott & das Liebe Geld. Flanderns Goldene Zeit‘ statt. Meisterwerke und seltene Kunstjuwelen nehmen die Besucher mit auf eine Reise durch das faszinierende Mittelalter. Eine Kombination, die eine umfassende Kulturgeschichte erzählt. Eine Geschichte bei der man die reiche Vergangenheit des heutigen Flanderns nachleben kann, wobei diese auf erfrischende Weise unter einem neuen Blickwinkel erzählt wird.

meinschaften sich zu wirtschaftlichen Machtzentren mit einem blühenden Kunsthandwerk entwickeln. Künstlerische Produkte aus Flandern und Brabant erobern den Weltmarkt: Gemälde, Bilder, Wandteppiche, Altaraufsätze, illustrierte Handschriften … begehrte Güter, die leidenschaftlich exportiert werden. Kunst aus den Niederlanden wird zu einem Gütesiegel, einem internationalen Standard. Mit anderen Worten befinden wir uns mitten im Goldenen Zeitalter der Südlichen Niederlande. Hier haben die modernen Niederlande und Flandern ihre Wurzeln.

Das Goldene Zeitalter der Südlichen Niederlande

Meisterwerke und seltene Kunstjuwelen

Die Besucher tauchen ein in die Blütezeit des 15. und 16. Jahrhunderts. Die Schifffahrt verschiebt Grenzen. Der Handel erreicht bisher ungekannte Dimensionen. Die Grundlagen für die doppelte Buchführung werden gelegt. Nach dem Vorbild der Börse in Brügge werden mehrere Handelsniederlassungen eröffnet. Handel und Unternehmertum sorgen dafür, dass diese Ge-

Die ausgestellte Sammlung von Werken stammen aus dem späten Mittelalter und der frühen Renaissance. Neben Gemälden sind auch Gebrauchsgegenstände aus dieser Zeit zu sehen. Die Sammlung wurde zusammengestellt aus Leihgaben von renommierten belgischen Museen, Archiven, Bibliotheken und Privatkollektionen. Unter anderem umfasst die Ausstellung Meisterwerke, die Teil des

Umfeld von Gillis Mostaert, Allegorie des Handels, ca. 1550-1600

dies zu tun, zerlegt die Künstlerin bestehende Formen und Konzepte aus

Nairy Baghramian Slip of the Tongue Installation view, Punta della Dogana, Venezia, 2015 Galerie Buchholz, BerlinCologne

dem Bereich der Skulptur und kombiniert sie mit den Prinzipien von Design oder Mode neu. Sie balanciert zwischen Funktionalität und Präsentation, Dekoration und Nutzen, Gedächtnis und Körperlichkeit. Sie experimentiert mit Materialien, hängenden Höhen, Sichtachsen und anderen Darstellungsparametern. Auf diese Weise werden räumliche Hierarchien sichtbar gemacht und der Künstler herausfordert, die Beziehungen zwischen Betrachter und Kunstwerk herzustellen und neu zu ordnen. Sebastian Vranck, Marktszene, ca. 1600

19.11.2016 – 26.2.2017 | Stedelijk Museum voor Actuele Kunst www.smak.be

kulturellen Erbes Belgiens sind. Und es sind Stücke dabei, die zum ersten Mal der Öffentlichkeit präsentiert werden. Eine einmalige Gelegenheit, um diese Werke zu bewundern. Die Ausstellung läuft bis zum 1. Januar 2017.

These Strangers ... Painting and People Die Ausstellung ist keine Bestandaufnahme, sondern untersucht das einzelne Oeuvre einer Reihe von Malern auf Hintergrund der Tradition des Portraits. Sie konfrontiert uns sowohl mit dem Blick auf das Motiv und dem Blick zurück, der vom jeweiligen Bild ausgeht. Die Bilder zeigen einen intimen Blick auf die Hinter-

ADRESSE Provinziales Kulturzentrum Caermersklooster Vrouwebroersstraat 6 (Patershol) 9000 Gent (Belgien) www.voor-god-en-geld.be ÖFFNUNGSZEITEN Di – So 10 – 18 Uhr Mo geschlossen sowie 24., 24., 31.12.2016 und 1.1.2017

FÜHRUNGEN Führungen können reserviert werden bei: vzw Gandante www.gandante.be +32 (0)9 375 31 61 De Gentse Gidsen www.gentsegidsen.be +32 (0)9 233 07 72233 Ghent-Authentic www.ghent-authentic.com +32 (0)9 269 52 18

gründe, persönlichen, sozialen und kulturellen Gegebenheiten der Künstler wie der der Betrachter. Während das gemalte Porträt zunächst das Streben nach Wahrhaftigkeit des Lebens symbolisiert, unterstreicht es später den Individualismus des Einzelnen. Porträtmalerei stellt und klärt relevante Fragen über Begriffe wie Originalität, Identität, Geschlecht, Subjektivität, Bewusstsein und Selbstbewusstsein.

Richard in the Era of Corporation 1979 | © Estate of Alice Neel

1.10.2016 – 8.1.2017 | Stedelijk Museum voor Actuele Kunst | www.smak.be


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Konstanz-Panorama | Konzil | © AchimMende

Graffiti | Martin V | www.eminhasicri.com

Konstanz

600 JAHRE KONSTANZER KONZIL 2014 - 2018 2016 – IMPERIA – LEBENDIGES MITTELALTER Klangkultur und Lichtkunst Die berühmte Kurtisane Imperia hätte ihre Freunde am Herbstprogramm des Jubiläums „600 Jahre Konstanzer Konzil 2014 - 2018“ gehabt: Vom 30. September bis 3. Oktober 2016 treffen in der Konzilstadt vier weltweit führende Ensembles zusammen, um die Musik des Konzils erneut erklingen zu lassen! Bereits zum dritten Mal findet die Reihe „Europäische Avantgarde um 1400“ in Kooperation mit SWR2 im Rahmen des Konziljubiläums statt. Dieses Jahr steht die Musik der verschiedenen Religionen, die beim Konstanzer Konzil aufeinandertrafen, im Mittelpunkt. Das US-amerikanische Vokalensemble Cappella Romana präsentiert im Eröffnungskonzert griechische und byzantinische Liturgie, wie sie in den vom Konzil-Chronisten Ulrich Richental beschriebenen orthodoxen Gottesdiensten erklungen sein könnte. Der Komponist Guillaume Dufay war wahrscheinlich selbst zu Gast am Bodensee. Für den in Konstanz gewählten Papst Martin V. thematisierte er in seinen Werken die politischen Umbrüche, die die Kirchenspaltung in Europa verursachten. Das niederländische Vokalensemble Cappella Pratensis trägt die Motetten, wie im 15. Jahrhundert üblich, direkt aus den beeindruckenden, großen historischen Chorbüchern vor. Am dritten Abend bringt das Moskauer Ensemble Sirin die Musik der russischen Fürstentümer nach Konstanz zurück. Neben Kompositionen aus dem frühen 15. Jahrhundert sind Kiewer Gesang und Bauernweisen der volkstümlichen Pilgerbewegung zu hören.

Auch Osmanen sind laut Richental zu Gast auf dem Konzil gewesen. Das Ayangil Ensemble aus Istanbul präsentiert osmanische Kompositionen aus der Zeit um 1400, Musik aus Manuskripten von Abdülkaadir Merâgî, Sultan Veled sowie Instrumentalmusik. Kurzweilige Einführungsveranstaltungen erklären die Bezüge zum Konstanzer Konzil und die Besonderheit dieser einmaligen Konzerte jeweils eine Stunde vor Konzertbeginn. Freitag, 30.09. 20 Uhr, Münster: CAPPELLA ROMANA Samstag, 01.10., 20 Uhr, Münster: CAPPELLA PRATENSIS Sonntag, 02.10., 20 Uhr, Inselhotel: ENSEMBLE SIRIN Montag, 03.10., 16 Uhr Wolkensteinsaal: AYANGIL ENSEMBLE Ins Auge fallen werden vom 6. bis 12. Oktober die Illuminationen. Nach Einbruch der Dämmerung werden ausgesuchte Orte, Wahrzeichen und Gebäude der Konstanzer Altstadt von dem Künstlertrio Teresa Renn, Jan Behnstedt-Renn und Patrick Pfeiffer mit Videoinstallationen in Szene gesetzt. Die Besucher erwartet ein eindrucksvolles Spektakel, welches das Geschehen rund um das historische Konzil mit zeitgenössischen Mitteln künstlerisch interpretiert. Großflächige Filmsequenzen, Zeichnungen und Text-Bildkombinationen bringen unterschiedliche Facetten von Machtspielen buchstäblich ans Licht. Die Gestaltung der Projektionen und die Projektionsstandorte werden eng aufeinander bezogen und

KONZILSTADT KONSTANZ Marktstätte 1 78467 Konstanz info@konstanzer-konzil.de www.konstanzer-konzil.de AUS DEM PROGRAMM HERBST/WINTER 30. September bis 03. Oktober 2016 Europäische Avantgarde um 1400 Musikfestival mit vier Konzerten an Konzilorten; in Kooperation mit SWR2

Papst Martin V | Richental-Chronik | Rosgartenmuseum Konstanz

bilden eine lokale, visuelle und thematische Einheit. Jedem Ort ist eine ihm entsprechende und in der Geschichte des Konzils begründete Thematik zugeordnet. Die Leitwörter VERFÜHREN – VERRATEN – VERKÜNDEN – VERBINDEN – VERBRENNEN – VERKÖRPERN – VERGELTEN – VERBANNEN bilden die begriffliche und die visuelle Struktur. Durch ihre Umsetzung an den entsprechenden Orten fügen sie sich zu einer Topographie der Machtspiele zusammen, einem Parcours, der auf dem nächtlichen Weg durch die Stadt erkundet werden kann – entweder selbständig oder in öffentlichen Führungen, die in der Veranstaltungswoche täglich angeboten werden.

2017 – MARTIN V. JAHR DER RELIGIONEN Habemus Papam Am 11. November 1417 wurde Martin V. auf dem Konstanzer Konzil zum Papst gewählt. Mit der bis heute einzigen gültigen Papstwahl nördlich der Alpen konnte das abendländische Schisma endlich beendet werden. In ansonsten kriegerischen Zeiten schafften es die europäischen Teilnehmer sich friedlich auf einen einenden Papst zu einigen: So waren an der Wahl neben den Kardinälen auch kirchliche und weltliche Wahlmänner, organisiert in sogenannten „Nationes“, beteiligt. An diesen lösungsorientierten Diskurs der damaligen Konzilteilnehmer knüpft das vierte Jubliläumsjahr an. 2017 macht sich als „Jahr der Religionen“ den interreligiösen Dialog in allen Facetten zur Aufgabe.

02. bis 16. September 2016 Match Installation von Saskia Breitenreicher im Rahmen des Kunstfonds Konzil; Rathaus-Innenhof 06. bis 12. Oktober 2016 Illuminationen Videoinstallationen von Theresa Renn, Jan Behnstedt, Patrick Pfeiffer; Konzilorte bis 30. Oktober 2016 Sonderausstellung zu Hieronymus von Prag Hus-Haus bis Juni 2017 Das Rheinrad Installation von Ulrich Vogel im Rahmen des Kunstfonds Konzil; Rheintorturm April bis Oktober 2016/2017 KonzilsteLLen Stelenausstellung zum Konstanzer Konzil; Innenstadt ganzjährig 2016 Jan Hus – Mut zu denken, Mut zu glauben, Mut zu sterben Hus-Haus ganzjährig 2016 Auf den Spuren des Konzils Inszenierte Stadtführungen, Fahrradführungen, Geocaching , u. a.; Tourist-Information 14. November 2016 bis 07. Februar 2017 Ringvorlesung: Kloster und Stadt Universität Konstanz, Stadtarchiv, Konzilstadt Konstanz; Speichersaal Konzilgebäude 12. Februar 2017 Premiere: Kaspar und die Riechkugel Familien- und Schülerkonzerte der SWP 24. bis 26. März 2017 Tage der Chor- und Orchestermusik Bundesvereinigung Deutscher Chorverbände 08. April bis 29. Oktober 2017 Zu Gast bei Juden. Leben in der mittelalterlichen Stadt Ausstellungsprojekt der Universität Konstanz in Zusammenarbeit mit dem Archäologischen Landesmuseum Konstanz; ALM 27. April bis 01. Mai 2017 Papstwahl 2.0 Planspiel für Jugendliche der Oberstufe 25. bis 28. Mai 2017 HandWerkStadt in Kooperation mit der Handwerkskammer Konstanz

KSK Europäische Avantgarde Ensemble Sirin | © Ensemble Sirin

Cappella_Romana

07. bis 23. Juli 2017 La Juive Oper im Stadtraum


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Mannheim  |  25

Apostel Paulus | Kunsthistorisches Museum Wien | Rembrandt Harmensz van Rijn, 1633 (?) datiert | Gemälde | © KHM–Museumsverband Wien

Bildnis einer lesenden Frau | Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim | Peter Paul Rubens / Jan Boeckhorst, 1. Hälfte 17. Jahrhundert Öl auf mehrteiliger Eichenholztafel; 64,8 x 55,7 cm | © rem, Foto: Jean Christen

Mannheim

Barock

König Ludwig XIV. (1638–1715) von Frankreich | Wien, Kunsthistorisches Museum | Justus van Egmont, um 1651/1654 | © KHM–Museumsverband Wien

Nur schöner Schein? 11.9.2016 – 19.2.2017

Üppige Frauen, gepuderte Perücken, dekadente Feste und prächtige Baudenkmäler? Lange Zeit wurde die Barockepoche ausschließlich mit klischeehaften Vorstellungen in Verbindung gebracht. Doch ein näherer Blick auf die europäische Kulturgeschichte der Jahre 1580 bis ca. 1770 bringt Überraschendes ans Tageslicht: fortschrittliche Erkenntnisse in der Medizin, ein klassisch-antikes Schönheitsideal, wegweisende wirtschaftliche Entwicklungen, wissenschaftliche Rationalität sowie eine alle Lebensbereiche durchdringende Ordnungsstruktur.

neuen Instrumenten wie Fernrohr und Mikroskop erforschte man die Gestirne des Himmels und die Tier- und Pflanzenwelt der Erde. Handelsbeziehungen, Wissenschaftsaustausch und Missionarsreisen veränderten die Weltsicht nachhaltig und sorgten erstmals für eine global vernetzte Gesellschaft. Schließlich geriet durch ein wachsendes Selbstbewusstsein des Bürgertums die bisherige Ständegesellschaft ins Wanken.

Puder, Pomp und Dekadenz?

Anhand von 300 Exponaten, die den Themenkomplexen „Raum“, „Körper“, „Wissen“, „Ordnung“, „Glaube“ und „Zeit“ zugeordnet sind, stellt die Ausstellung die wichtigsten Charakteristika des Zeitalters vor. Darüber hinaus finden sich Themen und Gestaltungsformen des Barock auch heute noch in Werbung, Mode, Design, Kunst oder Architektur und belegen die Aktualität des Phänomens. Mit der Ausstellung setzen die Reiss-Engelhorn-Museen ihre langjährige enge Zusammenarbeit mit dem Kunsthistorischen Museum Wien fort. Auch zahlreiche weitere europäische Museen und Sammlungen unterstützen das Projekt mit kostbaren Leihgaben.

Die kulturhistorische Ausstellung „Barock – Nur schöner Schein?“ präsentiert barockzeitliche Charakteristika jenseits von Puder, Pomp und Dekadenz. Sie stellt erstmalig die Vielschichtigkeit und die Widersprüche des Barockzeitalters ins Zentrum der Präsentation. Während die Kultur am Hofe mit rauschenden Festen und kostspieligem Lebenswandel bis heute ein Sinnbild für „Barock“ ist, prägten konfessionelle Auseinandersetzungen, verheerende Kriege und katastrophale Hungersnöte vielerorts den Alltag. Dennoch herrschte in dieser Epoche der Frühen Neuzeit Aufbruchsstimmung: Mit

ADRESSE Zeughaus C5 Weltkulturen 68159 Mannheim www.rem-mannheim.de www.barock2016.de

ÖFFNUNGSZEITEN Di – So (auch an Feiertagen) 11 – 18 Uhr Mo sowie am 24.12.2016 und 31.12.2016 geschlossen EINTRITTSPREISE Erwachsene EUR 12,50 Ermäßigt und Gruppen ab 10 Personen EUR 10,50

Ausgewählte Exponate präsentieren die Vielschichtigkeit des barocken Zeitalters

Studenten, Auszubildende EUR 6,50 Kinder, Jugendlichen (6-18 Jahre) EUR 3 Familien EUR 24,50 ONLINE www.reservix.de

FÜHRUNGEN Öffentliche Führungen So sowie an Feiertagen 15 Uhr Erwachsene EUR 3,50, ermäßigt EUR 2 Euro, jeweils zuzüglich Eintritt Ohne Anmeldung. Begrenzte Teilnehmerzahl. Bitte beachten Sie, dass für öffentliche Führungen keine Reservierungen möglich sind.

Doily | Hendrik Kertels | © Hendrik Kertels

Gruppenführungen Führungen innerhalb der Öffnungszeiten Gruppen (bis 20 Personen) EUR 61 zuzüglich Eintritts Gruppentarif Führungen für Schulklassen pauschal EUR 45 Euro, zuzüglich Eintrittspreis Schulklassen

Kontakt Buchungsbüro Tel 0621 - 293 37 71 Fax 0621 - 293 21 38 buchungen.rem@mannheim.de KATALOG Zur Ausstellung erscheint ein Katalog


26  |  Pforzheim

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250 Jahre Goldstadt Pforzheim Jubiläumsprogramm 2017 Wie tickt diese Stadt, die Tradition mit Moderne verknüpft? Pforzheim feiert 2017 seine Schmuck- und Uhrenindustrie, 250 Jahre „Goldstadt“. 1767 erteilte der Markgraf Karl Friedrich von Baden die Erlaubnis, in Pforzheim eine Uhren- und Schmuckfabrik zu errichten, das war der Beginn einer einzigartigen Erfolgsgeschichte. Im Jubiläumsjahr bietet die Goldstadt jede Menge Events, Ausstellungen, Theater und Konzerte rund um die nach wie vor bedeutende Schmuck- und Uhrenindustrie. Bis heute produzieren kreative Köpfe, Schmuckdesigner und Goldschmiede aus Pforzheim etwa 80 Prozent der deutschen Schmuckwaren, und es gibt in Pforzheim die einzige Goldschmiedeschule mit Uhrenmacherschule der Bundesrepublik. Aus dieser Tradition sind auch moderne Präzisions-, Medizin- und Stanztechnologie entstanden. Die Pforzheimer Hochschule festigt den Ruf als internationale Design- und Innovations-Metropole.

Präzision und Eleganz: Armbanduhren der Luxusklasse im Schmuckmuseum

Das komplett umgestaltete Technische Museum wird am 8. und 9. April 2017 in moderner Ausstellungskonzeption neu eröffnet. An historischen Maschinen ist unter anderem das Guillochieren zu sehen, ein Verfahren, bei dem komplexe Linienmuster ins Material gearbeitet werden. Das Haus mit der langen Tradition macht Geschichte lebendig: Seit 1983 befindet es sich bereits in der ehemaligen Schmuckfabrik Kollmar und Jourdan mit seiner wunderschönen Außenfassade. Während die Fabrikatmosphäre erhalten bleibt, signalisieren die neugestalteten Museumsräume in zeitgemäßer Gestaltung die Aktualität der Ausstellung. Das Museum zeigt die Technik der Schmuck- und Uhrenindustrie in ihrem historischen Kontext, aber auch die Menschen und Arbeitsbedingungen, Ideen und Entwicklungen in der Industrie und in der Stadt Pforzheim.

Doppelausstellung im Schmuckmuseum verbindet Schmuck und Kunst

Bei der großen Eröffnungsgala wird Startenor José Carreras im CongressCentrum Pforzheim singen. Wie sich alte Techniken neu Mit über 200 unterschiedlichen Verinterpretieren lassen, zeigt anstaltungen feiert Pforzheim: Den das Kreativzentrum EMMA Auftakt bildet die große Sonderausmit „Pforzheim revisited“. stellung „Mechanik en miniature – Zahlreiche Vorträge, Konzerte, Armbanduhren der Luxusklasse“ ab 25. eine „Rassler-Stern-Wanderung“ November im Schmuckmuseum. Rund 80 Bildnisanhänger Kaiserin und Workshops ergänzen das umbis 100 Armbanduhren sind zu bewundern, Eleonore | Gold, Email Wien (?), um 1680 fangreiche Programm, das mit der überwiegend aus aktuellen Produktionen. Im © Schmuckmuseum PforzDoppelausstellung „Must-haves – Fokus stehen die herausragende Technik sowie die heim | Foto: Günther Meyer Schmuck großer Juweliere/ MustBesonderheiten mechanischer Uhrwerke. Unglaubsees – Schmuck in der Kunst“, die ab 21. Mai lich, was in einer mechanischen Armbanduhr alles an Präziim Schmuckmuseum präsentiert wird, noch sionstechnik steckt! Winzige Uhrwerke sorgen dafür, dass die einen weiteren Höhepunkt erlebt. Menschen Uhr richtig tickt. Etwa 200 Gramm wiegt eine Armbanduhr lieben Schmuck und lassen sich mit all ihrer im Schnitt und hat gerade mal vier Zentimeter Durchmesser. Pracht auf Bildern verewigen. Zum einen ist Ein Uhrwerk besteht aus bis zu 590 Teilen, die mit Pinzetten in der Schau „Must-haves – Schmuck ground starker Lupe nur von ruhigen Händen ineinander gefügt ßer Juweliere“ eben dieser zu sehen. Zum werden können. Die komplexe Mechanik ist beeindruckend. andern wird parallel in „Must-sees“ (in Seit den 1990ern entwickelte sich wieder ein Kult um die meden Räumen des Kunstvereins, ebenfalls chanische Luxusuhr. im Reuchlinhaus) gezeigt, wie in der Bildenden Kunst die getragenen Schmuckstücke als Auch die Spielzeit des Pforzheimer Theaters steht unter dem Bildmotive wieder auftauchen. Zu den groMotto „El Dorado“ und mit dem international renommierten ßen Juwelieren zählen Cartier und Tiffany. Open-Air Theater Titanick wird das Theaterspektakel „GoldZu den großen Luxusmarken gehören auch rausch“ auf den Straßen im Zentrum der Stadt erlebbar.

Kollmar&Jourdan-Gebäude — Domizil des Technischen Museums der Pforzheimer Schmuck- und Uhrenindustrie


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Pforzheim  |  27

© „xenorama“, 270°-Multivisionsshow

in Pforzheim ansässige, wie etwa Wellendorff. Einzelstücke hoher Juwelierskunst wie beispielsweise der Panther von Cartier sind zu bewundern. Goldschmiedekunst vom Feinsten im Zusammenspiel mit Gemälden und Skulpturen prägt die „Must-sees – Schmuck in der Kunst“. Ob visuelle Kunst auch ist, was sie scheint? Die „Timeless machine“ zeigt Licht- und Multimediaprojektionen von Alexander Stubli´c am Industriehaus. Ab dem 23. Juni lassen sie die Stadtgeschichte aufleben und blicken auf innovative Industrien, die aus der Traditionsindustrie entstanden sind. Der Goldstadt-Marathon beendet das Jubiläum, das 2022 in der Ornamenta II als Forum für Design-, Architektur- und Stadtentwicklung fortgeführt wird.

Eröffnungsgala „250 Jahre Goldstadt – Innovation“

Eine Fashion-Show mit außergewöhnlichen Kreationen von Jasmina Jovy setzt diese Elemente modisch und künstlerisch in Szene. Choreographisch wird die Ballettcompagnie des Theaters Pforzheim unter der Leitung von Guido Markowitz zusätzliche Glanzpunkte setzen. Durch die Unterstützung der Karl Scheufele GmbH & Co KG und die enge Verbundenheit des Hauses Chopard mit Weltstar José Carreras, konnte der Startenor für einen Auftritt beim ersten Gala-Abend am 12. Mai 2017 gewonnen werden. Mit diesem Auftritt gipfelt dieser besondere Jubiläumsabend in ein fulminantes Finale. 12. und 13.5.2017 Congress Centrum Pforzheim www.goldstadt250.de

„Timeless machine“ Visual Arts - Lichtprojektionen von Alexander Stubli´ c Die Jubiläumsthemen „Schmuck, Uhren, Design und Innovationen aus Pforzheim“ werden durch imposante Lichtprojektionen auf der Fassade des Industriehauses sichtbar gemacht. Erleben Sie in vier wechselnden Filmen die Historie zur Uhren- und Schmuckherstellung, den Aufbruch und die Weiterentwicklung zu erfolgreichen Designpositionen sowie die Innovationen, die die Marke „Goldstadt“ in 250 Jahren heute noch prägen. 23.6. – 22.7.2017 | 22 Uhr Industriehaus Pforzheim www.goldstadt250.de | www.stublic.de

Mit der Eröffnungsgala am Freitag, 12. und Samstag, 13. Mai wird jeweils ab 20 Uhr ein großer Glanzpunkt gesetzt. Die Eröffnungsgala „250 Jahre Goldstadt – Innovation“ - Pforzheim feiert! In einer einzigartigen 270 Grad- Multivisonsschau, Brosche | Gold, Diamanten die vom Collective Xenorama realisiert wird Englisch oder französisch, - werden die Themen Schmuck, Uhren, De- um 1860—70 sign und Innovation in spektakulärer Weise © Schmuckmuseum Pforzheim sichtbar gemacht. Zeitgeschichte, Mode, un- Foto: Günther Meyer terschiedliche Design-Positionen sowie die Entwicklung von der Traditionsindustrie zu neuwww.goldstadt250.de en und wegweisenden Technologien zeigen, wie www.schmuckmuseum.de sich die Lebensräume der Stadt und in der Rewww.technisches-museum.de gion verändert haben und heute noch prägen.

© „Alexander Stubli´ c“, Lichtprojektion Industriehaus, Visualisierung

Veranstaltungs-Tipps aus dem Jubiläumsprogramm Freitag, 25.11.2016 – Sonntag, 23.4.2017 MECHANIK EN MINIATURE – ARMBANDUHREN DER LUXUSKLASSE Sonntag, 21.5.2017 – Sonntag, 10.9.2017 Doppelausstellung MUST-HAVES – SCHMUCK GROSSER JUWELIERE MUST-SEES – SCHMUCK IN DER KUNST Schmuckmuseum Pforzheim, Jahnstr. 42, 75173 Pforzheim © Rebecca Schultze

Samstag und Sonntag, 8. und 9.4.2017 WIEDERERÖFFNUNG Technisches Museum der Pforzheimer Schmuck- und Uhrenindustrie Bleichstraße 81, 75173 Pforzheim Freitag, 23.6.2017 bis Samstag, 22.7.2017, jeweils ab 22 Uhr „TIMELESS MACHINE“ VISUAL ARTS – LICHTPROJEKTIONEN VON ALEXANDER STUBLIC´ Die Jubiläumsthemen „Schmuck, Uhren, Design und Innovationen aus Pforzheim“ werden durch imposante

Lichtprojektionen auf der Fassade des Industriehauses sichtbar gemacht. Erleben Sie in vier wechselnden Filmen die Historie zur Uhren- und Schmuckherstellung, den Aufbruch und die Weiterentwicklung zu erfolgreichen Designpositionen sowie die Innovationen, die die Marke „Goldstadt“ in 250 Jahren heute noch prägen. Industriehaus Pforzheim Poststraße 3 75172 Pforzheim www.goldstadt250.de www.stublic.de


28  |  Neue Museen

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Musee de La Boverie Architectes Rudy Riccio© VilledeLiege-MarcVerpoorten

Preisträger des „Grand Prix national de L’architecture“ und Erbauer des MUCEM, das im Rahmen der europäischen Kulturhauptstadt 2013 in Kunstmuseum Basel | Neubau; Kunstmuseum Basel © Kunstmuseum Basel, Photo © Julian Salinas

Vue de la place Unterlinden: la Maison, la Piscine et l’aile nouvelle dite Ackerhof. Musée Unterlinden, Photo : Ruedi Walti

Marseille eröffnet wurde. Das Museum wurde mit Rücksicht auf die altehrwürdige Architektur erneuert und durch einen neuen, in gänzlich

Basel (CH) Kunstmuseum Basel

Colmar (F) Musée Unterlinden

Im April eröffnete der Neubau des Basler Kunstmuseum, das für Wech-

Das von den Basler Architekten Herzog & de Meuron erweiterte Mu-

wird es zukünftig ausreichend Platz für die Sammlung Moderner und

selausstellungen genutzt wird. Der graue Kubus der Architekten Ema-

sée Unterlinden wurde Ende 2015 eröffnet mit dem die Elsässer Klein-

Zeitgenössischer Kunst der Stadt Lüttich, aber auch für temporäre Aus-

nuel Christ und Christoph Gantenbein, der von außen als strenger

stadt mit dem pittoresken mittelalterlichen Erscheinungsbild und den

stellungen geben. Durch die Zusammenarbeit mit dem Louvre in den

Monolith wirkt und mit einem großzügigen Innenleben begeistert,

kostbaren Bilderschätzen, einen Sprung in eine neue Ära wagte. Die-

Jahren 2016 bis 2018 wird jährlich eine Ausstellung in Lüttich gezeigt

verschafft dem Kunstmuseum Platz, den es jahrelang nicht hatte. Das

ser Mut wird mit großem Publikumszuspruch belohnt. In Colmar ent-

werden, bei denen der Louvre beratend tätig ist, aber auch eigene Wer-

Kunstmuseum Basel zählt international zu den renommiertesten Mu-

stand eine neue Mitte und zugleich ein außergewöhnliches Museums-

ke zur Verfügung stellt.

seen seiner Art. Seine weltberühmte Sammlung, die Öffentliche Kunst-

Quartier ausmehreren Gebäuden. Das Musée Unterlinden kann seitdem

www.laboverie.com

sammlung Basel, umfasst heute rund 4‘000 Gemälde, Skulpturen,

auf 8000 Quadratmetern seine Schätze ausbreiten und zukünftig neben

Installationen und Videos sowie 300’000 Zeichnungen und Druckgra-

der permanenten Präsentation mehr Wechselausstellungen anbieten. Im

fiken aus sieben Jahrhunderten.

Herbst 2016 steht eine große Otto Dix Ausstellung auf dem Programm.

www.kunstmuseumbasel.ch

www.musee-unterlinden.com

modernem Design gehaltenen Glasflügel auf über 4.000 qm erweitert. Gleichzeitig wurde auch der umliegende Park angepasst. In La Boverie

Hamburg Hamburger Kunsthalle Unter dem Motto „Die Kunst ist zurück“ wurde am 30. April 2016 die Hamburger

Kunsthal-

le nach umfangreicher Modernisierung dereröffnet.

wie-

Zentrales

Element der Moderni-

Haupteingang am Grün-

Nantes (F) Musée d’Arts Nantes Wiedereröffnung im Frühjahr 2017

dungsbau.

sierung ist der wieder Museum Berggruen mit Erweiterungsbau | © Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie, Museum Berggruen / hc-krass.de

Berlin Museum Berggruen

erschlossene historische Der

Stanton Williams © DR

Besu-

Das Musée des Beaux-Arts Nantes ist im Umbruch. Das Museum wird zur-

cher betritt seitdem das

zeit aufwendig renoviert und um einen Neubau erweitert. Eröffnung ist

Museum durch ein neu

im Frühjahr 2017. Die Sammlung des Museums bietet einen umfassenden

Der Erweiterungsbau des Museums Berggruen in Berlin ist nach seiner

gestaltetes

großzügi-

Sanierung wieder geöffnet. Er ist die Heimat für Dutzende Werke von

ges Foyer mit zentralen

Überblick der westlichen Malerei aus dem 13. bis 21. Jahrhundert. Un-

Paul Klee. Der Neubau war im Jahr 2013 kurz nach seiner Eröffnung

Serviceeinrichtungen.

wegen Schimmels wieder geschlossen worden. Der historische Bau des

Auch die Sammlungsbe-

werke von Courbet, Picasso, Ingres, Chagall, de la Tour, Delacroix ...Das

Museums nahe dem Schloss Charlottenburg blieb in der Zeit jedoch

reiche für Kunst aus allen Epochen wurden rundum modernisiert und

britische Architektenbüro Stanton Williams ist als Gewinner aus einem

geöffnet. Nach der Sanierung seien nun rund 70 Werke des Malers Paul

circa 500 Quadratmeter Ausstellungsfläche hinzugewonnen. Zudem

Architektenwettbewerb hervorgegangen. Ihr überzeugendes Konzept, der

Klee (1879-1940) wieder zu sehen, teilten die Staatlichen Museen mit.

sind mit dem Werner-Otto-Saal ein neuer Veranstaltungssaal sowie er-

die Räume im dann renovierten Altbau, wo die ständige Sammlung ge-

Das Museum, gestiftet vom Sammler und Kunsthändler Heinz Berg-

weiterte Kapazitäten für den Vermittlungsbereich entstanden.

zeigt wird, wie im Erweiterungsbau betonen, der Flächen für Workshops

gruen (1914-2007), versammelt Werke der Klassischen Moderne, unter

www.hamburger-kunsthalle.de

für Schulklassen, ein Auditorium, für Dokumentation und Bibliothek und

Außenansicht des neu erschlossenen Eingangsportals der Hamburger Kunsthalle© Hamburger Kunsthalle Foto: Kay Riechers

ter den 10.000 Werken (Bildern, Skulpturen, Zeichnungen, Grafiken und zeitgenössischen Installationen) befinden sich mehrere Hundert Meister-

anderem von Pablo Picasso, Alberto Giacometti, Georges Braque und

neue Räumlichkeiten für die zeitgenössische Sammlung schafft, begeis-

Henri Matisse. Es hat nun eine Ausstellungsfläche von 1250 Quadrat-

tert. Anfang 2017 wird das Musée des Beaux-Arts vollständig wiedereröff-

metern. Im Hauptbau hatte einst Berggruen selbst gewohnt.

net und ist dann das Musée d‘Arts. Die Namensänderung unterstreicht

www.smb.museum/museen-und-einrichtungen/museum-berggruen

das Neue und die Weiterentwicklung des Museums. www.museedesbeauxarts.nantes.fr

Chur (CH)

The new Tate Modern © Hayes Davidson and Herzog & de Meuron

Landesmuseum Zürich: Ensemble aus Alt und Neu. © Roman Keller

London (GB) New Tate Modern

Zürich (CH) Landesmuseum

Noch vor dem Brexit eröffnete die Tate Modern einen außergewöhnli-

Mit der Eröffnung des Neubaus des Landesmuseums Zürich steht ein

chen Neubau, ein Haus der globalisierten Künste, der von den Schwei-

Jahrhundertprojekt vor seiner Realisation. Das eindrucksvolle Gebäu-

zer Architekten Herzog & de Meuron entwickelt wurde. „Boiler House

de ist die moderne Erweiterung des Altbaus. Das beliebte kulturhistori-

oder Switch House?“ ist seit dem 17. Juni für Besucher der NEW TATE

sche Museum erhält nach rund 15 Jahren Planungs- und Realisations-

Das Bündner Kunstmuseum Chur in der historischen Villa Planta hat

MODERN neben Shakespears Globe Theatre die Frage. Auf dem Ge-

zeit mit dem Neubau flexible Ausstellungshallen und eine moderne

einen prominenten Erweiterungsbau der Architekten Barozzi & Veiga

lände der ehemaligen Schaltzentrale der Bankside Powerstation ist ein

Infrastruktur. Der Neubau ergänzt den Bau von 1898 des Architekten

aus Barcelona erhalten und gehört heute mit seiner Sammlung und

64 Meter hoher Turm gewachsen, der schon jetzt eine Landmark ist.

Gustav Gull auf der Seite des Platzspitzparks, sodass Alt- und Neubau

den attraktiven Wechselausstellungen zu den bedeutenden Kunstmu-

Bis 1981 war dieses Gebäude als Kraftwerk das schlagende Herz der

direkt miteinander verbunden werden und ein Rundgang durch bei-

seen der Schweiz. Die einmalige Sammlung umfasst rund 8000 Werke

pulsierenden Großstadt London, heute ist es, gegenüber der St. Pauls

de Gebäude möglich wird. Der Neubau ist nach zeitgemäßen ökologi-

aus allen Bereichen der bildenden Kunst vom 18. Jahrhundert bis zur

Cathedral, eine Kathedrale des Lernens und der Kunst

schen Kriterien im Minergie-Eco-P-Standard erstellt worden.

Gegenwart und wird auf einer Fläche von über 1200 m2 gezeigt. Zu

www.tate.org.uk

Den Auftakt bilden gleich zwei Ausstellungen: «Europa in der Renais-

Markanter Erweiterungsbau des Bündner Kunstmuseums | © Bündner Kunstmuseum

Bündner Kunstmuseum

den Highlights zählen Werkgruppen von Angelika Kauffmann (1741-

sance. Metamorphosen 1400 – 1600», eine Ausstellung über die Kultur

Künstlerfamilie Giacometti, mit dem weltbekannten Bildhauer Alberto

Lüttich (B) La Boverie Museum für moderne und zeitgenössische Kunst

und den beiden wichtigen Schweizer Malern Giovanni und Augusto.

2013 schloss das ehemalige Museum für Moderne und Zeitgenössische

dernen, flexiblen Ausstellungshallen verfügt das neue Haus auch über

Ernst Ludwig Kirchner (1880-1938) und der Schweizer Expressionis-

Kunst (MAMAC) in Lüttich seine Pforten, um das Gebäude, den ehe-

ein Studienzentrum und eine Bibliothek, ein Auditorium für öffentli-

mus sind in der Sammlung mit Schlüsselwerken vertreten.

maligen Palast der Weltausstellung von 1905, komplett zu renovieren

che Veranstaltungen und über ein hochstehendes Gastroangebot.

www.buendner-kunstmuseum.ch

und zu erweitern. Engagiert wurde hierfür Architekt Rudy Ricciotti,

www.nationalmuseum.ch/d/zuerich/

1807), in Chur geboren und eine der ersten angesehenen Künstlerinnen der Royal Academy in London. Das Herz der Sammlung ist die

des Dialogs, der Ideenflüge, der Verwandlungen und des kulturellen Transfers über weite Räume und «Archäologie Schweiz», die das reiche archäologische Schweizer Kulturerbe vor Augen führt. Neben den mo-


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Stuttgart | Wiesbaden | Wuppertal  |  29

Stuttgart

FRANCIS BACON – UNSICHTBARE RÄUME 7.10.2016–8.1.2017 Die Ausstellung widmet sich erstmals einem zentralen Aspekt in dem Werk von Francis Bacon (1909–1992), der als einer der bedeutendsten modernen Maler Großbritanniens gilt. Er umgab viele seiner Sujets mit einem architektonischen, geisterhaft anmutenden Rahmenwerk, das die schmerzvollen Figuren eingrenzt. Die Ausstellung wird ungefähr 35 großformatige Gemälde sowie Papierarbeiten präsentieren, die das würfelförmige oder elliptische Käfigmotiv verbindet.

Neben den Käfigen, die in seinen Gemälden immer wiederkehren, beleuchtet die Ausstellung auch das Kruzifix als architektonische Körperstruktur, wie in dem berühmten Triptychon »Three Studies for Figures at the Base of a Crucifixion / Drei Studien für Figuren am Fuße einer Kreuzigung« (1944). Ausgehend von dem 1981 erschienenen, bahnbrechenden Essay »Francis Bacon: Die Logik der Sensation« von Gilles Deleuze, verdeutlicht die Ausstellung, wie Bacons imaginäre Räume die Isolation der dargestellten Figuren betonen und die Aufmerksamkeit auf deren psychologisches Befinden lenken.

Francis Bacon, Chimpanzee (Schimpanse), 1955 | Öl auf Leinwand, 152,5 cm x 117,2 cm | Staatsgalerie Stuttgart © The Estate of Francis Bacon. All rights reserved/VG Bild-Kunst, Bonn 2015

»Francis Bacon. Unsichtbare Räume« spürt diesen architektonischen Strukturen im Schaffen des Künstlers nach, beginnend bei den frühen, in den 1950er- Jahren entstandenen Arbeiten wie etwa »Study for a Portrait / Studie für ein Porträt« (1952) aus der Tate Gallery oder »Chimpanzee / Schimpanse« (1955) aus der Staatsgalerie Stuttgart. Nach einer kurzen Zeit in den 1960er- Jahren, als das Motiv nur eine Randerscheinung in Bacons Werk darstellte, rückte es in den 1970er- und 1980er- Jahren erneut ins Zentrum. Die bislang eher vage Umgrenzung von Figur verwandelt er in eine theatralische Kulisse.

»Francis Bacon. Unsichtbare Räume« ist eine Gemeinschaftsausstellung der Tate Liverpool und der Staatsgalerie Stuttgart und wird von Kasia Redzisz in Zusammenarbeit mit Laureen Barnes von der Tate Liverpool kuratiert. Staatsgalerie Stuttgart Konrad-Adenauer-Str. 30-32 D-70173 Stuttgart www.staatsgalerie.de

Wiesbaden

CARAVAGGIOS ERBEN | BAROCK IN NEAPEL 14.10.2016 – 12.2.2017 | Museum Wiesbaden Mit Caravaggios kurzem Aufenthalt in der Stadt am Vesuv 1606/07 begann für die neapolitanische Malerei ein neues Zeitalter. Die schonungslose Wirklichkeitserfassung und das dramatische Hell-Dunkel seiner hier entstandenen Werke gaben wesentliche Impulse für die Herausbildung einer lokalen Schule mit eigener Prägung und von europäischem Rang. Künstler wie Battistello Caracciolo, Artemisia Gentileschi  oder Jusepe de Ribera entwickelten die caravaggesken Gestaltungsprinzipien auf je individuelle Weise weiter, Massimo Stanzione und Bernardo Cavallino überführten sie in publikumswirksame Eleganz. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts wurden die reich instrumentierten religiösen und mythologischen Kompositionen eines Mattia Preti, Luca Giordano und Francesco Solimena geradezu zum Exportschlager und gelangten in zahlreiche europäische Sammlungen. In einem denkbar breiten Spektrum an Bildthemen fand nicht zuletzt auch die Erfahrung von Armut, Brutalität und Verfall ihren Niederschlag. Diese durch Sinnlichkeit und Drastik, genaue

Massimo Stanzione (1585-1656) | Der bethlehemitische Kindermord, Graf Harrach’sche Familiensammlung, Schloss Rohrau, Österreich | Foto: © Graf Harrach’sche Familiensammlung, Schloss Rohrau, Österreich

Beobachtung und festlichen Überschwang beeindruckende Malerei ist in Deutschland noch wenig bekannt. In Wiesbaden wird der einzigartige Beitrag Neapels zur europäischen Barockkunst durch eine Fülle herausragender Exponate anschaulich. Hessisches Landesmuseum fur Kunst und Natur Friedrich-Ebert-Allee 2 | 65185 Wiesbaden www.museum-wiesbaden.de

Wuppertal

GIGANTEN IM WETTLAUF ZUR MODERNE EDGAR DEGAS UND AUGUSTE RODIN 25.10.2016 – 26.2.2017

Sie kannten und sie schätzten sich. Sie beneideten und bewunderten einander. Ihre Werke waren Anmut und Bewegung, Körper, Raum und Zeit. Sie waren fasziniert von Pferden, von Frauen und von der Fotografie. Sie waren Außenseiter und Rebellen – und sie waren Genies. In einem Wettlauf hin zur Moderne warfen Edgar Degas und Auguste Rodin Regeln und Normen über Bord, erfanden das wegweisende Neue. Anfangs verspottet, waren sie am Ende hoch verehrt. Sie starben im selben Jahr, 1917, – kurz nacheinander. Ohne sie wäre die Moderne nicht denkbar. Noch

PROJEKT HERZSCHMERZ Dieses Projekt ist deutlich „multikultureller“, als es zunächst den Anschein hat. Zwar handelt es sich hierbei zunächst mal „nur“ um eine CD – doch außer Musik und Gesang werden hier auch Poesie und Malerei bemüht. Und zwar indem sich das Musikerpaar Stefanie Schesinger und Wolfgang Lackerschmid die Mühe gemacht hat, eine kreative Kollaboration mit dem Maler und Dichter Wolfgang Lüpertz einzugehen, dessen Gedichte hier als Grundlage für die Songtexte hergenommen wurden und dessen Malereien das Artwork zieren (und der nebenbei auch gerne als Musiker tätig ist und mit seinem Klavierspiel selbst als Gast auf der CD zu hören ist). Neben der Sängerin Stefanie Schesinger und dem Vibraphonisten (und gelegentlichem EPianisten) Wolfgang Lackerschmid und natürlich Lüpertz selbst gibt es noch Gastbeiträge von Gitarrist Pedro Tagliani, Flügelhornist Ryan Carniaux, Pianist Mark Soskin, Bassist John Goldby und Drummer Guido May zu hören. Wir haben Stefanie Schlesinger dazu befragt. Wie haben Sie Markus Lüpertz kennengelernt? Kennengelernt haben sich Wolfgang Lackerschmid und Markus Lüpertz 1995 beim Irseer Kunstsommer. Lüpertz betreute die Malerklasse, Lackerschmid leitete ein Jazzseminar. Gemeinsam spielen sie nun schon seit vielen Jahren in der Free-JazzBand TTT, einer Formation, in der bekannte Jazzer wie Ryan Carniaux, Manfred Schoof und Gerd Dudek mitwirken. Wie entstand die Idee, die Gedichte von Markus Lüpertz zu vertonen? Markus Lüpertz wusste, dass es bereits Literaturvertonungen von Wolfgang Lackerschmid gab: dieser schuf z.B. einige Neuvertonungen von BrechtGedichten. So kam Lüpertz mit dem Wunsch auf Wolfgang Lackerschmid zu, auch aus seinen Texten Lieder zu machen.

Wie sind die Kompositionen entstanden und wie war Markus Lüpertz einbezogen, der selbst großer Jazzfreund ist und sehr gut Klavier spielt? Die Kompositionen haben sich über einen längeren Zeitraum entwickelt. Zuerst war es wichtig, aus den vielen seiner Texte diejenigen zu entdecken, die für eine Vertonung spannend wären. Die Texte selbst haben so eine starke Bildsprache, dass sie die musikalische Stimmung teilweise auch schon vorgaben. Wir mussten die Musik nur noch aus Ihnen herauslesen. Die Gedichte selbst waren Markus‘ Einfluß auf unsere Kompositionen - ansonsten hatten wir freie Hand. Was erwartet den Hörer? Je nach Textinhalt erwarten den Hörer Jazzsongs, Balladen, poetische Kunstlieder oder humorvolle Couplets. Auch die Besetzung variiert je nach Stück. Es gibt Duo-Stücke mit Gesang und Vibraphon oder Klavier; es gibt auch einen Song mit Gitarre, gespielt von Pedro Tagliani, und auf der CD sind sogar noch zwei Bonustracks mit kompletter Band zu hören. Die in der Laufzeit kürzere LP enthält einen Siebdruck von Markus Lüpertz in limitierter Auflage. Treten Sie auch zusammen als „Trio“ auf? Zur CD Präsentation sind wir im Trio aufgetreten. Dies ist allerdings eher die Ausnahme. O-Ton Markus Lüpertz: Zu seinen Texten: „Die Gedichte, das sind nicht-gemalte Bilder.“ Zur musikalischen Umsetzung: „Der Gesang ist großartig, und es ist eine wunderbare Musik. – Diese Atmosphäre, die leichte Schwermut, die Ironie, der Übermut, die Verzweiflung und das Unglück. Dazwischen spielt das Ganze ja“. www.stefanieschlesinger.de www.lackerschmid.de

nie wurden die Werke von Degas und Rodin in einer Ausstellung so umfassend nebeneinandergestellt, miteinander konfrontiert, diskutiert wie jetzt. Nach Renoir, Monet, Sisley und Pissarro zeigt das Von der Heydt-Museum Wuppertal – nun zum ersten Mal – die zwei Giganten des Impressionismus im Wettstreit um das Neue in der Kunst. Von der Heydt-Museum Turmhof 8 | 42103 Wuppertal www.von-der-heydt-museum.de Auguste Rodin Schreitender Mann

© Markus Lüpertz, Stefanie Schlesinger und Wolfgang Lackerschmid


30  |  Zug

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Kunsthaus Zug

Kunsthaus Zug Weitsichten – ganz nah Das Kunsthaus Zug befindet sich in schönster Umgebung mitten in Zug. Es verfügt über eine weltweit beachtete Sammlung der Wiener Moderne (Klimt, Hoffmann, Schiele, Kokoschka u.v.a.). Weitere Sammlungsschwerpunkte sind der Schweizer Surrealismus/Fantastik sowie Kunst mit Bezug zum Kanton Zug. Jährlich werden vier Ausstellungen zur Kunst der Moderne bis zur Gegenwart gezeigt. Ein idyllischer Garten und helle Räume bieten den Besuchern ein besonderes Ambiente. Das Kunsthaus Zug versteht sich als Partner zeitgenössischer Künstler und schafft die Bedingungen für neuartige, oft mehrjährige Projekte auch im öffentlichen Raum (Eliasson, Kabakov, Kawamata, Pepperstein, Rütimann, Signer). 10. 9. – 13.10.2016 Ship of Tolerance Ilya und Emilia Kabakov

27.8. – 20.11.2016 Paris sans Fin – Cézanne bis Giacometti Eine Sammlungscollage

Kunsthaus Zug | Dorfstrasse 27 | 6301 Zug | www.kunsthauszug.ch Roman Signer, «Seesicht», Foto Oliver Baer, Zug

KOLINSTADT ZUG Aufstrebende Kunststadt Vor noch nicht allzu vielen Jahren spielten in Zug Weltstars auf und die Sitzplätze im Theatercasino waren nicht einmal ausverkauft. Zu wenige Kunstliebhaber in Zug? Kaum zu glauben, was sich in der Zwischenzeit alles verändert hat! In nur 15 Jahren hat sich der Wirtschaftsstandort zu einer aufstrebenden Kulturstadt entwickelt. Kaum eine zweite Kleinstadt in der Schweiz verfügt über eine so hohe Dichte an Kunst- und Kulturangeboten und einen so vielseitigen Veranstaltungskalender. Für bescheidene 29 000 Einwohner gibt es hier fünf Museen, sieben Veranstaltungshäuser, zwei Kinos sowie zahlreiche private Eventlokale. Auch der Kunstmarkt scheint sich auf eine anspruchsvolle Kundschaft auszurichten. Seit geraumer Zeit ergänzen internationale Galerien das Bild. Die überschaubare Grösse der historischen Kleinstadt und die dichten Netzwerke von Vereinen und Organisationen wirken in der Kulturszene als Katalysatoren. Kultwellen verteilen sich wie Tsunamis über der Stadt. Plötzlich spricht jeder vom Kunsthaus Zug. Die Sammlung Kamm, ausgehend von der Wiener Moderne, mit zahlreichen Schlüsselwerken der Gegenwartskunst, braucht dringend neue Räume. Kunst wird zur öffentlichen Aufgabe, Teil des

Stadtlebens und einem zentralen Anliegen der Stadtentwicklung.

Open-Air-Konzerte bei Sonnenuntergang In langen Sommernächten pulsiert die Altstadt. Das Alpenpanorama vor dem See bietet eine ideale Atmosphäre für Openair-Veranstaltungen jeder Art. Jazz-Night, Rock the Docks, Akkordeonfestival, Tanzfest oder Kunstnacht sind über die Jahre feste Bestandteile des Kulturlebens geworden. Während der Indoor-Jahreszeit bieten Literaturtage, Filmtage, Designmessen, der Märlisunntig, Ausstellungen verschiedener Museen und zahlreiche Veranstaltungen geistige Nahrung und gute Unterhaltung.

Jazz Night Zug, Marla Glen, 2014, Foto Christine Suter, Zug

Dialog durch Kunst im öffentlichen Raum Die erste Sehenswürdigkeit internationaler Kunst am Bau kann bereits bei der Ankunft am Bahnhof besichtigt werden. Der amerikanische Künstler James Turrell taucht die ganze Bahnhofhalle und die Südfassade mit seiner Lichtinstallation «light transport» aus dem Jahr 2003 nachts in einen farbigen Lichtschimmer. Draussen auf dem Bahnhofplatz begrüsst ein Marmorbrunnen von Ilia und Emilia Kabakov die ankommenden Gäste und verweist damit auf den jahrelangen Dialog, welchen das Kunsthaus Zug mit dem russischen Künstlerpaar pflegt. Auf dem Seeuferspaziergang zur Altstadt befinden sich zahlreiche Werke Internationaler und Schweizer Gegenwartskunst. Seit Jahren kehrt der japanische Künstler Tadashi Kawamata immer wieder nach Zug zurück und setzt sich räumlich und inhaltlich mit dem Stadtraum auseinander. Nicht weniger als vier seiner Holzskulpturen befinden sich am Seeuferweg. Besonders stolz ist die Stadt Zug auf das Kunstwerk «Seesicht» des Schweizer Künstlers Roman Signer. Eine geschlossene Stahltreppe führt zu einem unter Wasser liegenden Fenster, das die Sicht in den See ermöglicht. Mit seiner räumlich und gedanklich konzis gestalteten Arbeit kommentiert der Künstler die Zuger Immobiliensituation, wo Liegenschaften generell auf Grund ihrer Seesicht bewertet werden. Einen besonders schönen Skulpturengarten bietet das Kunsthaus, mit Werken von Fritz Wotruba, Richard Tuttle, Tadashi Kawamata und Peter Kogler. Gesamthaft befinden sich in der Stadt Zug über 100 öffentlich zugängliche Kunstwerke im Freien. Jedes Jahr kommen weitere dazu. Die städtische Kulturvermittlung, das Kunsthaus sowie private Galerien präsentieren regelmässig Ausstellungsprojekte und Rundgänge im öffentlichen Raum, die sich mit dem Raum, dem Ort und der Gesellschaft auseinandersetzen.

Museum Burg Zug

Die verwinkelte Burg mit ihrer reichen Geschichte und den unterschiedlichen Räumen lädt zu einer faszinierenden Entdeckungsreise ein. Einst Herrschaftssitz, diente sie später wohlhabenden Familien zur Repräsentation. Heute zeigt das Museum in der Dauerausstellung auf sinnlich-spielerische Art verschiedene Facetten der Zuger Geschichte vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Mit spannenden Objekten, stimmungsvollen Inszenierungen und interaktiven Stationen lässt sich viel Interessantes über das Leben und Wirken in Zug entdecken – von der mittelalterlichen Schlacht, zur barocken Erlebniswelt, einer brisanten Liebesaffäre, dem Zuger Kunsthandwerk und Gewerbe, bis zur Wohnkultur und Stadtentwicklung. 16.4. – 30.10.2016 14/18 – Die Schweiz und der grosse Krieg Wie die Schweiz den Krieg veränderte

Museum Burg Zug | Kirchenstrasse 11 | 6300 Zug | www.burgzug.ch

Theater Casino Zug Das Theater Casino Zug, der kulturelle „Leuchtturm“ der Stadt Zug, wird in der Spielzeit 2016/17 umgebaut und bleibt bis zum Sommer 2017 geschlossen. Kulturelles, wie Klassik- und Jazzkonzerte, Tanz-, Theater- und Comedy-Veranstaltungen finden trotzdem statt; ganz unter dem Motto „Casino. Gespielt wird immer.“. An verschiedenen, auch ungewöhnlichen Spielorten in und um Zug darf gelauscht, gelacht und mitgefiebert werden. Oper im Kultursilo, Comedy in einer Werkstatt, Jazz in einer Produktionshalle für Backöfen, das und noch viel mehr ist zu erleben in den kommenden Monaten. Theater Casino Zug | Artherstrasse 2 | 6300 Zug | www.theatercasino.ch

www.zug-tourismus.ch www.zugkultur.ch www.stadtzug.ch/kunst James Turrell, «light transport», 2003, Bahnhof Zug, Foto Guido Baselgia 2003

Museum Burg Zug

Theatercasino Zug , Foto Stadt Zug


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Zug  |  31

Zytturm, Foto: Zug Tourismus / Markus Buehler-Rasom

Die Stadt Zug hält viele grosse und kleine Überraschungen bereit. Längst nicht alle sind sich dieser reichhaltigen Fülle an Kultur bewusst. Doch wo fängt man an, die schöne Stadt am See kennen zu lernen? Auf diese Frage antwortet Zug Tourismus mit acht Stadtrundgängen. Diese Rundgänge sind konzipiert zum Geniessen. Auf eigene Faust. Unabhängig.

Die Zuger Designtour Prisca Waller, Foto: Daniela Kienzler

Made in Zug – Design aus Zug

Für Personen, die sich in der Kreativwirtschaft zuhause fühlen, bietet sich die Zuger Designtour an. Die Tour führt vom Kolinplatz zu den talentiertesten Anbietern von Kleider, Schmuck, Glas, Keramik und Möbel. Auf diesem Rundgang finden Sie nur original „Made in Zug“ und lernen gleichzeitig die Macher hinter den Angeboten kennen.

Der ultimative Altstadtbummel Insider der Zuger Kulturszene wissen, dass sich hinter dem pulsierenden Geschäftszentrum in der historischen Altstadt eine erfolgreiche Designerszene entwickelt hat. In den alten Handwerkerhäusern und Manufakturen der Zigarren- und Seidenfabrikanten werden zeitgemässe Produkte gestaltet und produziert.

präzise und konsequent arbeitet. Nicht weniger extrem sind Barbara und Jürgen Birchler von Bellefleur, die aus Blumen und Schmetterlingen eine sehnsuchtsvolle Farben- und Formenwelt in ihr Geschäft am Kolinplatz zaubern. Beide Geschäfte sind schon wegen der Räumlichkeiten einen Besuch wert.

Auf einem kleinen Stadtrundgang von weniger als 2 km Distanz können in Zug über 16 Ateliers besucht werden. Mindestens die Hälfte davon sind weit über Zug hinaus bekannt. Am stärksten vertreten sind die Mode- und Schmuckdesigner, doch auch im Bereich Möbel und Einrichtungen haben sich interessante junge Startups angesiedelt.

Nicht weit davon, am Kolinplatz 5, liegt die Schneiderei von Sara Schlumpf, haute Couture, luxury fashion. Passend zum Schmuck von nebenan entwirft sie seit 1991, zuerst in Paris, seit 1994 auch in Zug, „perfekt auf den Körper neuzeitlicher Prinzessinnen geschnittene Kleider, inspiriert aus verschiedenen Zeiten, umgesetzt in zeitlose Eleganz mit einer nostalgischen Note Hollywood der Technicolor Epoche“. Bekannt wurde sie 2005 in der Schweiz mit dem Label «j’aime», Kollektionen und Objekten von befreundeten Designern aus Berlin, Mailand und New York.

In der gleichen Region wie die Designtour findet man auch den Altstadtbummel. Dieser führt seine Besucher zu den alten Gebäuden der Stadt. In rund 60 Minuten kann man so den ältesten Stadtteil und das touristische Muss von Zug kennenlernen.

Architektur-Highlights Wer sich eher in der modernen Baukultur wohl fühlt, hat allen Grund,

Die Goldschmiedekunst hat in der Kolinstadt Zug eine lange Tradition. Seit dem Barock wurden Goldschmiedearbeiten aus Zug nach ganz Europa geliefert. Das älteste heute noch bekannte Goldschmiedehaus steht an der Neugasse 27 und wurde dieses Jahr von der Familie Lohri sorgfältig restauriert. Lohris entwickeln und produzieren ihre eigenen Schmuckkollektionen im danebenliegenden Atelier und benützen das barocke Altstadthaus als kleines Schmuckmuseum. Eine stille Grösse ist Marc Schnyder auf der gegenüberliegenden Strassenseite. Mit seltenen Steinen und verspielten Formen sind seine massgeschneiderten Einzelstücke für ganz besondere Momente einer anspruchsvollen Kundschaft geschaffen. Teilweise nimmt die Herstellung wochenlange Arbeit in Anspruch. Das Schaufenster ähnelt der Schatztruhe eines Märchenschlosses. Für das mondäne Zug ein echter Hauch von Romantik. Der Star in Sachen Schmuck ist bei dieser Kundschaft André Schweiger, ein junger innovativer Nonkonformist, der mit seiner organischen Formenwelt alle Bereiche der Provokation auslotet und dabei hoch

sich den Architekturrundgang auf seine Liste zu setzen. Denn dank dem rasanten Wachstum gibt es kaum ein Trend, der sich im Zuger Stadtbild nicht zeigt – dabei sind auch einige architektonische Perlen. Nirgendwo sonst sind in der Schweiz auf so engem Raum so viele architektonische Highlights zu sehen. 

Junges Design und schöne Geschäfte Diese Namen passen perfekt zur kleinen Perle Zug. Doch gibt es inzwischen auch hier eine junge urbane Kundschaft, die exklusive Mode für den Alltag braucht. Selbstbewusste Jungunternehmerinnen mit einem profilierten Auftritt finden gute Stücke bei Prisca Waller, Eva Kyburz, Mirjam Roosdorp oder Sasha Haettenschweiler. Grosse Erwartungen setzen die Zuger im Textilbereich auf Claudia Caviezel, die als Textilgestalterin 2016 den Swiss Design Award gewonnen hat und bereist für zahlreiche grosse Modehäuser arbeitet.

Foto: Andreas Busslinger

Der Parkhüpfer Neben diesem rasanten Wachstum findet man auch gemütlichere Plätzchen in Zug. Kleine Grünanlagen laden ein zum Innehalten, Ausruhen,

Etwas ausserhalb von Zug sind die Möbelwerkstätten von Marc Geissmann oder Stefan Gnirs und Simon Burri gelegen, doch kann man diese einmal jährlich jeweils im Dezember an der Designmesse AUSZUG an der Shedhalle an der Hofstrasse 15 oder auf Anfrage besichtigen. Beide stellen neben eigenen Kollektionen auch Möbel auf Anfrage und nach Mass her. www.auszug.ch www.designauszug.ch

Ring von André Schweiger | Foto: André Schweiger

zum Kraft schöpfen. Unsere Tour führt Sie zu unerwarteten Grünoasen, in denen Sie verweilen können. Auf den Parkbänken oder den Stühlen: Oder Sie legen sich einfach auf eine der Wiesen.

Der Seeuferspaziergang Der Zugersee hat schon viele Reisende begeistert. Und bezaubert auch immer wieder die Einheimischen. Die Stimmungen am und über dem See sind einzigartig – besonders berühmt ist der Zuger Sonnenuntergang. Die Zugerinnen und Zuger halten ihn für den schönsten der Welt.

Zuger Kirschtorten Meile Nebst dem Sonnenuntergang kennt man Zug auch wegen der weltbekannten Zuger Kirschtorte. Fünf drehbare Bildzylinder stellen das Zuger Chriesiland mit seinen Kirschen und Kirschbäumen, seinem weltbekannten Kirsch sowie die 100-jährige Geschichte der berühmten Zuger Kirschtorte vor.

Rein ins Zuger Nachtleben Der letzte Rundgang von Zug Tourismus eignet sich hingegen bestens, um den Tag abzuschliessen. Zug hat auch den Nachteulen viel zu bieten. Diverse Bars, Restaurants und Tanzlokale laden ein, sich zu treffen. Das Zuger Nachtleben ist mit einem Hauch Internationalität durchsetzt – entsprechend der bunt zusammengesetzten Bevölkerung Zugs. Alle Touren und viele weitere Angebote: www.zug-tourismus.ch/stadtrundgaenge Mit einer Gruppe in Zug? Wir verraten Ihnen gerne die beliebtesten Gruppenprogramme der Region. Rufen Sie an unter 041 723 68 00, schreiben Sie uns Jürgen Birchler, Bellefleur | Foto: Daniela Kienzler

Textilien von Caroline Flueler | Foto: Alexandra Wey

unter tourism@zug.ch oder besuchen Sie uns am Bahnhof Zug.


SCHREIBEN, um selbst Kind zu bleiben Astrid Lindgren schrieb Bücher, um selbst Kind zu bleiben. „Die beste Zeit meines Lebens war, wenn ich spielen durfte. Ich fand es nicht besonders lustig, größer zu werden“, erzählt Astrid Lindgren. Und die Figur der Pippi spricht ihr aus der Seele, wenn sie erklärt, dass Erwachsene langweilig sind: „Sie haben nur einen Haufen Arbeit und komische Kleider und Hühneraugen“. Ein Stück Bullerbü steckt auch in Nicole Reinhardt, unserer ASTRID.

Wer kennt Sie nicht! Für viele von uns sind die Figuren Astrid Lindgrens, Pippi Langstrumpf, Kalle Blomquist, die Kinder von Bullerbü, Madita oder Karlsson vom Dach, bis heute Helden unserer Kindheit und die Geschichten verbinden Familien über viele Generationen, da die Geschichten so herrlich zeitlos sind und bis heute vorgelesen und erzählt werden. Sie sind auch die Helden vieler Kinder im Kinderhaus Edith Stein, in dem unsere Kinder bis zur zweiten Grundschulklasse waren, und mit dem uns eine große Freundschaft verbindet. Über vier Jahre war ich dort als Elternbeiratsvorsitzender aktiv engagiert, vor allem in der Bewältigung und dem Wiederaufbau nach einem verheerenden Brand. Aktionen wie „125 Wunschbücher“ haben, Kinder, Erzieherinnen, Erzieher und Eltern zusammengeschweißt und in der schweren Zeit Halt gegeben. Uns war es wichtig, dass jedes der 125 Kinder, so schnell wie möglich wieder ein Buch in der Hand halten kann. Die Aktion war Teil vieler Kinderkulturaktivitäten, zu denen auch spannende Lesungen, wie „Literatur in den Häusern“, gehörten. Durch die Verbindung KinderKinderhaus Edith Stein– Bücher–ErzieherInnen war es naheliegend, eine Erzieherin aus dem Team des Kinderhauses für unsere ASTRID zu nehmen. Nicole Reinhardt, unsere ASTRID, war die Bezugserzieherin von unserem Sohn Moritz im Kinderhaus Edith Stein, ein ganz besonderer und wunderbarer Mensch, eine Erzieherin aus Leidenschaft, mit viel Gutem und Talenten gesegnet, den Kindern herzlich zugewandt, ein Glücksfall für Moritz und uns Eltern. Moritz hat in seinen Jahren dort viel Prägendes, Wichtiges, uns Eltern Unterstützendes mit auf den Weg bekommen, wofür wir als Familie dankbar sind und gerne zurückschauen. Nicole Reinhardt wuchs im Süden Deutschlands, auf dem Land, als eines von 4 Kindern einer Pastorenfamilie auf. Dort hat sie Familie erlebt und die Kindheit war wie ein Stück Bullerbü, eines von Nicole Rein-


34 | Literatur

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Nicole Reinhardt, Mechthild Homburger, Daniel Widmaier

hardts Lieblingsbüchern. Bücher, das Vorlesen, war Teil ihrer Kindheit. Sie erzählt mir von ihrem Vater, der abends eine Matratze unter dem Bett vorzog und Bücher vorlas, aber auch selbst ein großartiger Geschichtenerzähler war. Schnick & Schnack, zwei Mäuse, oder Ursel & Peter, zwei Kinder und die Ponys Prinz + Ute auf dem Bauernhof, leben in ihr weiter. Am Talent des Vaters erfreut sich heute Nicole Reinhardts Tochter, die gerade das Sprechen lernt, den Geschichten der Mama gespannt lauscht und begierig in sich aufsaugt. „Bücher inspirieren die Kinder, sich ihre eigene Welt zu schaffen, in eine andere Welt einzutauchen, ein Stück Bullerbü zu fantasieren. Gerade für Kinder mit Migrationshintergrund, Flüchtlingskinder, sind Geschichten wichtiger Teil zum Ankommen, verarbeiten und vergessen“, so Nicole Reinhardt. Den Eltern Reinhardt war es wichtig, das praktische im Leben, das was mit dem Leben zu tun hat, Zusammenhalt, Familie, dass jeder Mensch willkommen ist, zu vermitteln und ihren Kindern mit auf den Weg zu geben. Schon früh wurden ihre Kinder in den Kirchenalltag eingebunden und jedes Kind nach ihren Neigungen aktiv in das Gemeindeleben und die

Gottesdienste eingebunden, was den Zusammenhalt, das Leben für eine Gemeinschaft und das Selbstbewusstsein stärkte. So war es für Nicole Reinhardt recht früh klar, dass sie den Beruf der Erzieherin erlernen würde, dem Sie ein paar Jahre später noch die Ausbildung zur Musikmentorin der Stiftung „Singen mit Kindern“ anhängte. Musik, das Singen ist eine zweite große Leidenschaft von Nicole. Sie ist eine großartige und ausdrucksstarke Sängerin. Sie würde gerne Musik und Gesang mehr Raum in ihrem Beruf, in ihrer Tätigkeit als Erzieherin einräumen, was aber der Alltag eines Kinderhauses mit allen seinen Aufgaben nicht möglich macht. Das arbeite in ihr und sie überlegt und denkt weiter, wo und wie es weiter geht. Im Moment geniest sie zuhause bei und mit ihrer Tochter Taja zu sein und im Hier und Jetzt zu leben, mit ihr zu singen, zu lesen und sich am Gebrabbel der ersten Worte und deren Findung zu erfreuen. Sie genießt den Moment hier am See, das Leben in der Stadt und träumt vom Land, von einem Leben wie in Bullerbü. KAI GEIGER

Fotos: © Helmuth Scham, www.schampus.com

Kinderhaus Edith Stein

Ein Haus für und mit Kultur Wir sprachen mit Thomas Kannenberg, Leiter des Konstanzer Kinderhaues Edith Stein Wie kam es dazu? Warum ist Kultur dem Kinderhaus Edith Stein so wichtig? Weil wir damit alle und jeden erreichen. Egal, ob wir ein kleines Mädchen haben, das noch nicht sprechen kann oder den liebenswürdigen Großvater oder aber auch die Familie aus dem fernen und fremden Land, welche kein deutsches Wort spricht. Kultur verbindet, baut Brücken und bereichert. Genau die gleichen Ziele verfolgt das Kinderhaus Edith Stein, genau die gleichen Attribute möchten wir unseren Familien bieten.

Thomas Kanneberg, Felix Strasser, Kai Geiger | Foto: Anja Böhme

Welche Angebote haben Sie für die Kinder eingerichtet? Oh, das sind eine ganze Menge, da wir auch vielen Kulturschaffenden unsere Räumlichkeiten günstig vermieten, damit sie Kindern und Erwachsenen etwas anbieten können. Von unserem schönen Haus profitieren demnach viele Konstanzer. Konkret im Haus ist es ein großes Kinder-Atelier, welches unglaubliche Kunstwerke aus Kinderhand hervorbringt, eine Familien-

Bibliothek und , mit ein Herzstück des Hauses, die musikalische Früherziehung für alle Kinder ab 4 – 6 Jahren. Was macht Kultur, die Angebote Ihres Hauses mit den Kindern? Kinder sind voll Energie und mit vielen Sensoren ausgestattet. Und diese tollen Eigenschaften werden durch die Kultur frei, setzten sich in Bewegung und regen alle Sinne an. Sie wirkt so nachhaltig, dass wir bei den Kindern oft Tage und Wochen später noch ihre Folgen sehen und spüren. Es ist aktuell nicht unbedingt zeitgemäß, denn die pädagogische Bewegung fordert, dass Kinder selbst aktiv sein müssen. Wir sehen aber, wie viel sich in Bewegung bei den Jüngsten setzt, wenn sie Künstler sehen und erleben dürfen, egal in welchem Bereich. Die musikalische Früherziehung ist in der Bildung nicht wegzudenken, die Hirnforschung belegt dies einwandfrei. Aber sie bildet nicht nur kognitiv sondern bildet auch das Herz, die Muse. Ich glaube, dadurch dürfen


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Literatur | 35

Welttag des Buches Jedes Jahr am 23. April wird der Welttag des Buches gefeiert. Deutschlandweit feiern dann Buchhandlungen, Verlage, Bibliotheken, Schulen und Lesebegeisterte am UNESCO-Welttag des Buches ein großes Lesefest. Eine regionale Tradition ist zu einem internationalen Ereignis geworden: 1995 erklärte die UNESCO den 23. April zum „Welttag des Buches“, dem weltweiten Feiertag für das Lesen, für Bücher und die Rechte der Autoren. Die UN-Organisation für Kultur und Bildung hat sich dabei von dem katalanischen Brauch inspirieren lassen, zum Namenstag des Schutzpatronen der Katalanen Sant Jordi (St. Georg) Rosen und Bücher zu verschenken. Über diesen Brauch hinaus hat der 23. April auch aus einem weiteren Grund besondere Bedeutung: Er ist der Todestag von William Shakespeare und Miguel de Cervantes. (Quelle: Börsenverein des Deutschen Buchhandels) www.welttag-des-buches.de

Internationaler Kinderbuchtag Der Internationale Kinderbuchtag (englisch International Children’s Book Day) ist ein internationaler Aktionstag, der die Freude am Lesen unterstützen und das Interesse an Kinder- und Jugendliteratur fördern soll. Er wird seit dem Jahr 1967 jährlich am 2. April, dem Geburtstag des bekannten Dichters und Schriftstellers Hans Christian Andersen, begangen und wurde durch das International Board on Books for Young People (IBBY) gegründet. Seither findet der Internationale Kinder- und Jugendbuchtag auch jährlich in Deutschland statt und wird von der deutschen Sektion von IBBY, dem Arbeitskreis für Jugendliteratur e. V. mit Sitz in München, betreut. www.ibby.org

Kinder ganzheitlich wachsen. Besonders im Kindergarten-Alter haben wir noch diese Möglichkeit. Alle Angebote kommen den Kindern des Kinderhauses kostenfrei zu Gute? Wer finanziert dieses Angebot und wie kann man das Kinderhaus Edith Stein konkret unterstützen? Wir hatten einen sehr engagierten Elternbeirat im Haus, der uns fragte, wie er als Gremium unsere Arbeit unterstützen könne. Mehrere Eltern hatten Ideen und Talente, wie z.B. Vorlese-Zeiten oder auch Waldwochen. Es entstand aber auch die anspruchsvolle Vision, allen Kindern den Zugang zur einer musikalischen Grundausbildung zu ermöglichen. „Allen“ bedeutete, für Kinder und deren Familien kostenfrei, damit niemand aus finanziellen Gründen ausgeschlossen ist. Dafür mussten einige Tausend Euro Spenden gesammelt werden und Veranstaltungen organisiert und gestemmt werden, um einen Grundstock zu bekommen. Um die Jahreskosten zu decken, kamen jährlich wiederkehrende Veranstaltungen auf uns zu. Dieses Jahr nun feiern wir den 5. Geburtstag der musikalischen Früherziehung hier bei uns im Haus. Aber auch andere Kinder-Kultur-Veranstaltungen machen wir immer wieder, wenn es geht, kostenfrei für die Kinder. Helfen kann man uns natürlich durch Spenden. Aber nicht nur finanzieller Art,

sondern auch gerne durch Veranstaltungen oder Konzerte zu günstigen Konditionen. Wir wollten nie nur „die Hand aufhalten“ und Spenden annehmen, sondern mit kreativen Ideen und eigenem Einsatz Gelder generieren.

Buchhandlung Homburger & Hepp Wir sprachen mit den Inhabern der Konstanzer Buchhandlung Homburger & Hepp, Mechthild Homburger und Daniel Widmaier, die dem Kinderhaus Edith Stein in vielen Aktionen ein engagierter Partner war und ist. Welchen Anteil machen Kinder- und Jugendliteratur in Ihrem Sortiment aus? Bei ca. 15% und damit ziemlich genau im Branchenschnitt. Welchen Einfluss kann eine Buchhandlung auf die Leselust, das lesen fördern nehmen? Eine Buchhandlung kann, ebenso wir eine Bibliothek, ein Ort für Erkundungen und Entdeckungen sein. Hier kann man ansetzen, indem man die Kinder heranführt, ermuntert und ermutigt, um auch die Schwellenangst zu nehmen. Sicher muss man auch ansprechendes Ambiente bieten und freundlichen Umgang pflegen, damit sich die Kinder im Laden wohlfühlen. Wir

freuen uns über Kinder, die nur mal kurz hereinschneien, um ein bisschen zu schmökern ohne direkte Kaufabsicht.   

Stiftung Lesen Die Stiftung Lesen arbeitet dafür, dass Lesen Teil jeder Kindheit und Jugend wird. Denn Lesefreude und Lesekompetenz sind wichtige Vo-

Wie engagieren Sie sich für die Leser / Kunden von morgen? Bücherkoffer: Wir stellen den Konstanzer Grundschulen sog. „Lesekoffer“ mit 60-80 Kinderbüchern kostenlos für einen Zeitraum von etwa 2 Monaten zur Verfügung. Es gibt Koffer für 1. Und 2. Klasse und solche für 3. Und 4. Klasse. Die Lesekoffer stehen als mobile Bibliothek in den Grundschulklassen. Die Klassen besuchen im Aktionszeitraum unsere Buchhandlung. Viele sind zum ersten mal in einer Buchhandlung, aber danach wissen sie sicher, wo es Bücher gibt.     Lesefutterteam: Wir versorgen etwa 20 besonders aktive Kinder, das „Lesefutterteam“, mit kostenlosem Lesestoff. Auf unserer Homepage und jeweils im November beim sehr gut besuchten „Lesefutter“-Abend präsentieren die Kinder ihre Lieblingsbücher – vor anderen Kindern und  Eltern. Vorlesewettbewerb: Immer im Februar sind wir Ausrichter des Kreisentscheides des deutschlandweiten Vorlesewettbewerbs. Das sind natürlich Kinder, die schon sehr gut lesen können – die Begeisterung am Lesen überträgt sich aber regelmäßig auf die ganze Klasse.  

raussetzungen für die persönliche Entwicklung und ein erfolgreiches Leben. Als operative Stiftung führt sie in enger Zusammenarbeit mit Bundes- und Landesministerien, wissenschaftlichen Einrichtungen, Stiftungen, Verbänden und Unternehmen breitenwirksame Programme sowie Forschungs- und Modellprojekte durch. Dazu zählen der „Bundesweite Vorlesetag“, der „Welttag des Buches“ und „Lesestart – Drei Meilensteine für das Lesen“, ein bundesweites frühkindliches Leseförderprogramm, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziert wird. Die Stiftung Lesen steht unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten und wird von zahlreichen prominenten Lesebotschaftern unterstützt. Mehr Informationen unter www.stiftunglesen.de

Lesestart – Drei Meilensteine für das Lesen Das bundesweite frühkindliche Leseförderprogramm Leseförderung sollte lange vor der Schule beginnen, denn bereits in frühester Kindheit wird das Fundament dafür gelegt, wie gut ein Kind lesen kann. Um Kinder schon so früh wie möglich mit dem Thema Lesen in Berührung zu bringen und ihre Bildungschancen damit nachhaltig zu verbessern, haben das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und

www.homburger-hepp.de

die Stiftung Lesen 2011 die Initiative „Lesestart – Drei Meilensteine für das Lesen“ ins Leben gerufen. Das bundesweite frühkindliche Le-

DIE GESPRÄCHE FÜHRTE KAI GEIGER

WEITER AUF SEITE 37


36  |  Literatur | Messen & Festivals

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Leipziger Buchmesse Leipzig liest Der März steht in Leipzig im Zeichen des Lesens. Die Leipziger Buchmesse und ihr Lesefest Leipzig liest sind das Frühjahrsereignis der Buch- und Medienbranche. Autoren, Leser und Verlage treffen zusammen, um sich zu informieren, auszutauschen und Neues zu entdecken. Es erwartet die Besucher spannende Themenwelten: Literatur, Kinder & Jugend, autoren@leipzig, Bildung & Wissen, Musik, Hörbuch & Film, Buchkunst & Grafik NEU.DENKER 23. – 26.3.2017

alle Bilder © Buchmesse Frankfurt

Frankfurt

DIE 68. FRANKFURTER BUCHMESSE: KINDER-UND JUGENDMEDIEN AUF DER FRANKFURTER BUCHMESSE

KIBUM Oldenburg

© KIBUM Oldenburg

www.leipziger-buchmesse.de

In Oldenburg findet jedes Jahr im November die Kinder- und Jugendbuchmesse KIBUM statt; sie ist die größte nicht-kommerzielle Messe ihrer Art in ganz Deutschland und präsentiert Neuerscheinungen im Bereich Kinder- und Jugendliteratur,

Der KIDS Bereich der Frankfurter Buchmesse ist

Illustratoren: Der Illustrators Corner, in direk-

begleitet von einem umfangreichen Rahmenpro-

bunt, spannend und ein „Muss“ für alle Teilneh-

ter Nachbarschaft zum Kinderbuch-Zentrum, ist

gramm sowohl für Kinder als auch für Erwachse-

mer und Interessierten der Kinderbuch-Commu-

Anlaufstelle für Illustratoren und Verlage. Map-

ne. Die Termine sind für 2016: 5. bis 15. Novem-

nity. Seminare und Networking-Events während

penberatung von Fachleuten, Rechtsberatung für

ber und für 2017: 4. bis 14. November.

der gesamten Messe zeigen wie „Lesen morgen“

Illustratoren sowie Einblicke in deutsche und in-

5. – 15.11.2016 | www.kibum-oldenburg.de

funktioniert, wie Kinderbuchmärkte in anderen

ternationale Portfolios – für all das trifft man hier

Ländern aussehen und Vieles mehr. Man kommt

die richtigen Ansprechpartner.

Wien | Buch Wien © LCM Fotostudio Richard Schuster

ins Gespräch mit Verlegern, Agenten, Autoren Von Games bis Film: Auf der Frankfurter Buch-

BUCH WIEN

messe sind alle wichtigen Player aus den Berei-

Die BUCH WIEN Internationale Buchmesse und

Die Halle 3.0 ist das Zentrum des Kids-Uni-

chen Games, Technologie, Licensing, Film etc.

Lesefestwoche wird mit der Langen Nacht der Bü-

versum: Hier stellen namhafte deutschsprachi-

vertreten und bieten neue Kontakte.

cher am Mittwoch, 9. November 2016 eröffnet. Von

ge Verlage wie Oetinger, Loewe, Beltz und vie-

19. – 23.10.2016 | www.buchmesse.de

Donnerstag, 10. November bis Sonntag, 13. Novem-

und Illustratoren.

le andere aus. Hinzu kommen die großen und

ber bietet die BUCH WIEN erneut hunderte Veran-

kleinen Aussteller aus Russland, Spanien, Italien,

staltungen an Veranstaltungsorten in ganz Wien

Asien und zahlreichen anderen Ländern. Von

sowie in der Messehalle D.

Mittwoch bis Freitag finden auf der Kids‘ Stage

10. – 13.11.2016 | www.buchwien.at

Fachveranstaltungen zu diversen Themen statt,

München Comic Festival

am Wochenende lesen dort bekannte Autoren für das Publikum.

Stärker noch als in anDas Kinderbuch wächst international auf der

deren deutschen Groß-

Buchmesse: In diesem Jahr stellen in Halle 5.1

städten haben Comic-

150 Aussteller auf 1.400 qm, in Halle 6.1 140

veranstaltungen in München eine große Tradition.

Aussteller auf 2.700 qm ihre Kinder- und Jugend-

Bereits 1985 gab es erstmals Comic-Tage, seit 1990

buchprogramme vor. Die Frankfurter Buchmes-

fanden zuerst jährlich und später dann in zweijäh-

se hat deshalb neue Kinderbuch-Areale an den

rigem Turnus Comic-Großveranstaltungen in der

Halleneingängen geschaffen, um die Orientie-

bayerischen Metropole statt. Das vom Kulturreferat

rung zu erleichtern. Nicht nur in Halle 3.0, auch

der Landeshauptstadt München geförderte Comic-

in allen anderen Hallen finden die Besucher Kin-

festival München besteht seit 2007 und wird im

derbuchverlage, die in ihrem nationalen Kon-

zweijährigen Wechsel mit dem Comic-Salon in Er-

text ausstellen. Seit der Buchmesse 2015 sind

langen durchgeführt. KiBuMe 02 © Juri Junkov

alle Verlage rund um die Agora gruppiert, lange Laufwege zu den z.B englischsprachigen Kinderbuchverlagen sind nicht mehr nötig, diese sind jetzt in Halle 6.1.

25. – 28.5.2017 www.comicfestival-muenchen.de

24. Kinderbuchmesse Lörracher LeseLust Neues und Fremdes

Buch Basel Der Verein LiteraturBasel macht Literatur einem

Wie viele Farben hat die Welt? Die 24. Kinderbuch-

breiten Publikum zugänglich. Zu diesem Zweck be-

messe Lörracher LeseLust entdeckt Neues und Frem-

treibt er das Literaturhaus Basel, führt jährlich das

des: Wie sprechen Menschen in fremden Ländern?

Internationale Literaturfestival BuchBasel durch

Wie sehen ihre Kleider und ihre Schrift aus? Welche

und verleiht in Zusammenarbeit mit dem Schwei-

Feste feiern sie? Was essen und lesen sie am lieb­

zer Buchhändler- und Verleger-Verband SBVV den

sten? Auf der Kinderbuchmesse gibt’s Geschichten

Schweizer Buchpreis.

aus fremden Welten, Schreib- und Buchwerkstätten,

11. – 13.11.2016 | www.buchbasel.ch

Theater, tausende Bücher in der Schmökerecke und an den Ständen. 20. – 22.11.2016 www.burghof-leselust.com

BUCHSCHAUEN | EINE AUSWAHL Karlsruher Bücherschau

11.11. – 4.12.2016 | www.karlsruher-buecherschau.de

Stuttgarter Buchwochen

10.11. – 4.12.2016 | www.stuttgarter-buchwochen.de

Stuttgarter Kinder & Jugendbuchwochen

18. – 19.2.2017 | www.kinder-jugendbuchwochen.de

Münchner Bücherschau

10. – 27.11.2016 | www.muenchner-buecherschau.de

Münchener Bücherschau junior

11. – 19.3.2017 | www.muenchner-buecherschau-junior.de


ASTRID | arttourist.com 2|2016

Literatur | Messen & Festivals  |  37

FORTSETZUNG VON SEITE 35 seförderprogramm begleitet Kinder und Eltern in den entscheidenden frühen Jahren bis zur Einschulung. Dreimal erhalten Kinder in ihren ersten sechs Lebensjahren über das Lesestart-Programm ein Buch, die Eltern bekommen begleitend Informationen zur Sprach- und Leseerziehung sowie Hinweise auf regionale Angebote, zum Beispiel in Bibliotheken. (Quelle; Stiftung Lesen) www.lesestart.de

© Literaturhaus Hamburg

Deutscher Lesepreis

DAS NETZWERK DER LITERATURHÄUSER

Der Deutsche Lesepreis zeichnet innovative Leseförderungsmaßnah-

Ausgehend von Berlin, wurden seit 1986

Ende der neunziger Jahre begann die Zu-

über gemeinsame Projekte und Mittelak-

men aus und sucht deshalb jedes Jahr herausragende Maßnahmen und

zunächst in den großen Städten Deutsch-

sammenarbeit

der

quisition im deutschsprachigen Raum als

Projekte in den Feldern, die dazu beitragen, eine Kultur des Lesens zu

lands, Österreichs und der Schweiz, dann

Literaturhäuser

mit

Aus-

Literaturvermittler zu wirken. Auch gilt es,

erhalten und zu fördern. Dabei wollen sie nicht nur Bewährtes aus-

schnell auch in mittelgroßen Städten die-

stellungsprojekten, Lesereisen und Pla-

die „Marke“ Literaturhaus als Synonym für

zeichnen, sondern neuen Ideen eine Chance geben und sie bei der

ser Länder Literaturhäuser gegründet, die

kataktionen. Seit 2002 haben sie sich im

eine zeitgemäße, wandlungsfähige Förde-

Realisierung begleiten. Lesefreude und Lesekompetenz sind zentrale

sich in wenigen Jahren zu lebendigen Treff-

losen Verbund, ab 2008 in einem gemein-

rung und Vermittlung von deutschsprachi-

Grundlagen für die Bildungsfähigkeit und damit für gesellschaftliche

punkten für die Literatur und das Buch der

nützigen Verein unter dem Namen „litera-

ger und internationaler Gegenwartslitera-

Teilhabe. Doch trotz großer Anstrengungen ist es um die Lesekompe-

Gegenwart entwickelten und im kulturel-

turhaus.net“ zusammengeschlossen. Sinn

tur weiter zu verbreiten.

tenz in Deutschland noch immer nicht optimal bestellt. Leseförderung

len Leben ihrer Städte zu unverzichtbaren

dieses Zusammenschlusses ist es, Erfah-

Einrichtungen wurden.

rungen und Kontakte auszutauschen und

deutschsprachigen gemeinsamen

ist jedoch unabdingbar für eine funktionierende Gesellschaft. Alle gewww.literaturhaus.net

sellschaftlichen Gruppen und Akteure sind daher gefordert, sich im Alltag für die Leseförderung in Deutschland zu engagieren. (Quelle: Stiftung Lesen) www.deutscher-lesepreis.de

LITERATURTAGE

14. September – 24. Oktober 2016

DeSSin © Selçuk Demirel,PariS 2016

Hamburg Harbour Front Literaturfestival Hamburg

schen Schriftsteller Cees Nooteboom eröffnet. Neben Lesungen mit namhaften deutschen Autorinnen und Autoren fin-

Vom 14. September bis zum 24. Oktober

den sich auch internationale Größen in

2016 wird der Hamburger Hafen zum 8.

Hamburg ein. Im Rahmen des Debütan-

Mal Treffpunkt nationaler und internati-

tensalons gibt es zudem acht Nachwuchs-

onaler Autorinnen und Autoren aus der

autorinnen und -autoren zu entdecken,

Bundesweiten Vorlesetag

ganzen Welt. Es werden dem Publikum

unter denen am Ende des Festivals der mit

Der Bundesweite Vorlesetag ist eine gemeinsame Initiative von DIE

rund 70 Veranstaltungen aller Genres prä-

EUR 10.000 dotierte Klaus-Michael Küh-

ZEIT, Stiftung Lesen und Deutsche Bahn Stiftung. Dieser Aktionstag für

sentiert – darunter wie immer die wich-

ne-Preis ausgelobt wird.

das Vorlesen findet seit 2004 jedes Jahr am dritten Freitag im Novem-

tigsten Neuerscheinungen des Herbstes.

14.9. – 24.10.2016

ber statt. Der Bundesweite Vorlesetag setzt ein öffentlichkeitswirksa-

Das Festival wird mit dem niederländi-

www.harbourfront-hamburg.com

mes Zeichen für die Bedeutung des Vorlesens. Ziel ist es, Begeisterung für das Lesen und Vorlesen zu wecken und Kinder bereits früh mit

Plakat © Harbour Front Literaturfestival Hamburg

dem geschriebenen und erzählten Wort in Kontakt zu bringen. Das Konzept ist einfach: Jeder, der Spaß am Vorlesen hat, liest an diesem

München

Tag anderen vor – zum Beispiel in Schulen, Kindergärten, Bibliotheken

LITERATURFEST MÜNCHEN

oder Buchhandlungen. Auch an ungewöhnlichen Vorleseorten finden Aktionen statt: im Riesenrad, im Flugzeug, in einem Tierpark, in Muse-

Das siebte Literaturfest München findet vom

unter: Swetlana Alexijewitsch, Bachtyar Ali,

Diskussionen, Vorträge und Ausstellungen

en oder als Guerilla-Variante auf einer viel befahrenen Kreuzung – der

10. bis zum 27. November 2016 an verschie-

Garry Disher, Carolin Emcke, Mathias Énard,

stehen auf dem Programm, zudem Schulle-

Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. (Quelle: Stiftung Lesen)

denen Orten in München statt: im Gasteig,

Cornelia Funke, Judith Kuckart, Sibylle Le-

sungen sowie tägliche Mitmachaktionen für

Der diesjährige Bundesweite Vorlesetag findet am 18. November statt.

Literaturhaus, Lyrik-Kabinett, Hofspielhaus,

witscharoff, Dominique Manotti, Katja Lan-

Kinder und Jugendliche.

Infos und Anmeldung unter www.vorlesetag.de

Ampère, Einstein Kultur, in den Kammer-

ge-Müller, Herta Müller, Donald R. Pollock,

spielen, der LMU München und der Brasserie

Christoph Ransmayr, Raoul Schrott, Shu-

10. – 27.11.2016

Oskar Maria. Rund 70 Autorinnen und Auto-

mona Sinha und Hanns Zischler. Szenische

www.literaturfest-muenchen.de

ren kommen in die Landeshauptstadt, dar-

und musikalische Lesungen, Performances,

© Internationale Jugendbibliothek

Internationale Jugendbibliothek Die Internationale Jugendbibliothek ist weltweit die größte Bibliothek für internationale Kinder- und Jugendliteratur. Sie wurde 1949 von Jella Lepman gegründet und seither kontinuierlich zum international anerkannten Zentrum für Kinder- und Jugendliteratur ausgebaut. Die Arbeit ist getragen von der Überzeugung, dass Kinder- und Jugendbücher ein unverzichtbarer Teil des kulturellen Lebens einer Gesellschaft sind, den es zu bewahren, zu dokumentieren und zu vermitteln gilt. Dabei ist es der Internationalen Jugenbibliothek an der Förderung des internationalen Kulturaustausches und der kulturellen Bildung von Kindern und Jugendlichen besonders gelegen. www.ijb.de


38  |  Literatur | Messen & Festivals

ASTRID | arttourist.com 2|2016

alle Bilder © BolognaFiere

Bologna (I) | 3. – 7.4.2017

BOLOGNA CHILDREN’S BOOK FAIR Die Kinderbuchmesse Bologna - The Bologna Children’s Book Fair ist Branchen-

In den vier Foren der Messe (Illustrators’ Café, Digital Café, Authors’ Café,

treffpunkt und die wichtigste Messe zum Thema Kinder- und Jugendbuch. Seit

Translators’ Café) finden an jedem Tag verschiedene Fachveranstaltungen zu

mehr als 50 Jahre findet sie alljährlich im April statt, und ist Plattform für Illus-

dem Themenschwerpunkt des betreffenden Cafés. Diskutiert wird über Fragen

tratoren, Grafik Designer, Literaturagenten, Verlage, Autoren, Übersetzer, On-

im Zusammenhang mit dem illustrierten Buch: Wie kann man es am besten

line- und Multimediaentwickler, Entwickler, Lizenzgeber und Lizenznehmer,

fördern? Wie soll man auf die Herausforderungen der Internationalisierung

der Verpackungsindustrie, Drucker, Distributoren, Buchhandlungen, Marken,

reagieren? Welches sind die wichtigsten Preise für die Kinder- und Jugend-

Bibliothekare, Lehrer und verschiedenster Verlagsdienstleister.

buchverlage und ihre Autoren? Weitere wichtige Themen sind die Übersetzung von Kinder- und Jugendliteratur und die Fragen im Zusammenhang mit den

Eine jedes Jahr wachsende Anzahl von internationalen Ausstellern lockt ein

Verlagen, die sich mit Migration und Flüchtlingen beschäftigen. In 2016 war

globales Publikum nach Bologna. Ein Schwerpunkt ist das Thema Content Pub-

Deutschland Gastland bei der Kinderbuchmesse.

lishing im Bereich des Kinder- und Jugendbuches, ein Bereich wo in den letzten Jahren hohe Investitionen getätigt wurden.

BolognaFiere | Gate Piazza Costituzione | www.bolognachildrensbookfair.com


ASTRID | arttourist.com 2|2016

Literatur | Messen & Festivals  |  39

Frankfurt Struwwelpeter-Museum

Karlsruhe

ARD HÖRSPIELTAGE

In einer liebevoll restaurierten Gründerzeitvilla im Frankfurter

Größtes deutschsprachiges Festival für das Hörspiel

Westend

hat

der

Struwwelpe-

ter sein Zuhause. Dort stellt das Struwwelpeter-Museum den Nach-

FÜNF TAGE KINO FÜR DIE OHREN!

lass des Frankfurter Arztes und Schriftstellers Heinrich Hoffmann

© Struwwelpeter-Museum, Frankfurt a.M.

Die ARD Hörspieltage mit ihrem Wettbewerb

aus. Briefe, Manuskripte und zahlreiche Dokumente stammen aus dem

um den Deutschen Hörspielpreis der ARD und

früheren Struwwelpeter-Museum nahe der Schirn. Sie zeigen den Arzt,

fünf weiteren Preisen, mit ihren Jurydiskussio-

Reformer der Psychiatrie, politisch engagierten Bürger und Demokrat

nen vor Publikum, mit Live-Hörspielen auf der

von 1848. Darüber hinaus entwickelt sich das Haus zu einem neuartigen

Bühne und 50 Begleitveranstaltungen sind das

Museum der Kinderliteratur und damit zu einem Anziehungspunkt für

führende Event für Hörspiel und Klangkunst in

Literaturforscher, Sammler und nicht zuletzt für Kinder. Spaß am Buch

Deutschland, Österreich und der Schweiz. Hier

und Lust auf die Institution Museum will es wecken: Mal selber reimen,

treffen sich das Publikum und die Branche:

eine Nonsense-Geschichte erfinden oder Kochen mit dem Suppenkas-

Autoren, Verlagslektoren, Regisseure, Kompo-

per. Zu solchen und anderen Aktivitäten laden ein großes Spielzimmer

nisten, Kritiker, Hörfunk-Redakteure, Medien-

und ein Werkraum ein.

und Kommunikationswissenschaftler!

www.struwwelpeter-museum.de

9. – 13.11.2016 | www.hoerspieltage.ard.de Wettbewerb: 12 Hörspiele von ARD, Deutsch-

Dresden Erich Kästner Museum

landradio, ORF und SRF

Seit seiner Eröffnung im Jahr

Live-Hörspiel: »Verdacht« nach Alfred Hitchcock

2000 ist das Erich Kästner Muse-

Die besten Kurzhörspiele: ARD PiNball

um in der Villa Augustin ansässig.

SWR Symphonieorchester meets Rap:

Es zeigt den weltbekannten Kin-

Game over

derbuchautor, Gebrauchslyriker,

#unendlichesspiel: Das größte Hörspiel aller

Journalisten und Medienmann

Zeiten von Andreas Ammer, Andreas Gerth &

Erich Kästner Museum geöffnet von Ruairí O’Brien

Acid Pauli mit dem Roman „Unendlicher Spaß“

Autor des 20. Jahrhunderts. Korrespondierend mit der fassadenlosen

von David Foster Wallace und den Besuchern

Bausteinstruktur der Museumsarchitektur wird nicht ein vorgefertig-

der ARD Hörspieltage.

tes Bild Erich Kästners, sondern es werden verschiedene Facetten von

Partnersender: ORF und SRF

Leben und Werk vermittelt. Das neuartige Museumskonzept bietet

Klangdom im Kubus: »Ozeane«

hierzu bei bewusst geringem Ressourcenverbrauch ein Höchstmaß an

Live-Hörspiel: »Die kleine Hexe« von

spannenden Informationen auf Sichtbarkeits- und Vertiefungsebenen,

Otfried Preußler

mit denen sich Besucher aller Generationen spielerisch die komplexe

Kriminacht: »Hunkelers Geheimnis«

Kästner-Welt erobern können.

Networking: Nacht der Gewinner,

www.erich-kaestner-museum.de

Festivallounge … Publikum trifft Profis: ARD HörSpiel-Box © SWRlPeter A. Schmidt

Erich Kästner als exemplarischen

Kassel GRIMMWELT Kassel In der GRIMMWELT Kassel kom-

Solothurn (CH) Solothurner Literaturtage

men die Brüder Grimm und ihre

Die Solothurner Literaturtage, gegründet 1978,

Zürich (CH) | Zürich liest Buch- und Lesefestival in Zürich, Winterthur und Region

sind ein Forum für das aktuelle Literaturschaf-

Vom 26. bis 30. Oktober 2016 geht zum

fene Erlebnisraum das faszinieren-

fen in der Schweiz. Neue literarische Arbeiten

sechsten Mal das Buch- und Lesefestival «Zü-

de Leben, Schaffen und Wirken der Brüder Grimm. Die GRIMMWELT

sollen Kontakte zwischen Schreibenden aus

rich liest» über die Bühnen und durch die

Kassel bietet viel mehr als nur eine formale Ausstellung der wertvollen

allen vier Sprachregionen und Publikum sowie

Buchhandlungen von Zürich, Winterthur

literarischen und historischen Exponate. Erleben Sie die Brüder Grimm

Medien und Verlegern herstellen. Die Solo-

und der Region. Mit gut 150 Lesungen und

ganz aktuell in dieser architektonisch interessanten, zum Entdecken

thurner Literaturtage sind der Ort geworden,

literarischen Veranstaltungen und über 200

einladenden Wissenslandschaft.

wo sich die Schweizer Autoren und Autorin-

Autorinnen und Autoren aus der Schweiz, aus

www.grimmwelt.de

nen einmal jährlich treffen, um persönliche

Europa und Übersee gehört «Zürich liest» zu

und fachliche Gespräche zu führen, an denen

den grössten Literaturfestivals im deutsch-

sich auch das Publikum beteiligen soll.

sprachigen Raum.

Odense (DK) H.C. Andersen

Seit Anbeginn ist die Auseinandersetzung

26. – 30.10.2016 | www.zuerich-liest.ch

Der Märchenautor Hans Chris-

Märchen im digitalen Zeitalter an. Künstlerisch, medial und interaktiv vermittelt dieser neu geschaf-

mit dem ausländischen Literaturschaffen ein der

Solothurner

Literaturtage.

In

den vergangenen 38 Jahren stellten die

Solothurner

Solothurner Journées Littéraires Giornate Letterarie Sentupada Litterara

fester Bestandteil

GRIMMWELT Innenansicht Foyer, 2015, © J.Bitter

tian Andersen wurde 1805 in © Wortspiele

München | Wien (A) WORTSPIELE München Wien

Odense geboren und ist somit einer der berühmtesten Söhne der Stadt. Dies prägt natürlich das kulturelle Programm und

© Museum Odense

die Sehenswürdigkeiten der Stadt. Im Hans Christian Andersen Haus

Die neue Lust auf Literatur ist überall spürbar

in der Odenseer Altstadt wird die Geschichte des wundersamen Lebens

- die neue Lust am Schreiben auch. Bis jetzt

des Dichters dargestellt. Die Ausstellungen hinterfragen die Person Hans

existiert in Deutschland kein anerkanntes

Christian Andersens und die Welt, in der er von 1805 bis 1875 lebte. Zu

Podium für den literarischen Nachwuchs.

sehen sind eine breite Auswahl der Scherenschnitte und Zeichnungen

Die Europäischen Literaturtage sind der Hö-

Ein junges, urbanes Publikum mit eigenen

des Dichters, sowie eine umfassende Büchersammlung aus der gan-

deren Werk vor.

hepunkt der Jahrestätigkeit von EliT Litera-

Bedürfnissen und neuem Selbstverständnis

zen Welt. Die Innenstadt von Odense, Heimatstadt des Dichters Hans

Nebst Lesungen gibt es Diskussionen, Über-

turhaus Europa. Im einzigartigen Ambiente

verlangt adäquate Darstellungsweisen. Auf

Christian Andersen, ist von den Skulpturen seiner Märchen geprägt.

setzerworkshops, Performances und Ausstel-

der Wachau trifft sich das literarische Europa

diesem Boden ist die Neu-Gierde auf die Li-

www.museum.odense.dk

lungen.

im Herbst zu einem Wochenende des Aus-

teratur und zugleich eine vielfältige Szenerie

26. – 28.5.2017 | www.literatur.ch

tausches, Diskutierens, Konfrontiert- und

junger Autoren gewachsen. Dem tragen bis

Vertraut-Werdens mit europäischer Literatur.

jetzt viele einzelne Lesungen Rechnung - es

Berlin Buchstabenmuseum

Die Europäischen Literaturtage bestehen aus

ist aber an der Zeit, diese neuen Strömungen

Das

einem Symposium mit geladenen und akkre-

zu bündeln und ihnen durch ein jährlich wie-

sich die Bewahrung und Doku-

ditierten TeilnehmerInnen, das die Jahres-

derkehrendes Festival einen entsprechenden

mentation von Buchstaben zur

themen des Observatoriums der europäi-

Ausdruck zu verleihen. München als die größ-

schen Gegenwartsliteratur behandelt, und

te Verlagsstadt Europas ist prädestiniert für

aus öffentlichen Lesungen und AutorInnen-

ein Festival junger Literaten. WORTSPIELE

system. Buchstaben stehen an der Schnittstelle zwischen Schriftkultur

gesprächen europäischer AutorInnen, Film-

- drei Nächte Kontakte, Austausch und Spaß

und visueller Kultur. Sie sind die elementaren semiotischen Bausteine al-

vorführungen und Performances. Ergänzt

für junge europäische Autoren und ihre Leser.

ler textlichen Überlieferungen und schriftlichen Kommunikation. Buch-

wird das Programm durch Workshops und

WORTSPIELE ist ein Treffen für junge Auto-

staben sind Chiffren mit charakteristischer Form und vielfältiger Materi-

Lesungen in Schulen und im Karikatur-

ren verschiedener Couleur. Darin liegen Idee,

alität, sie transportieren Images, sie verschlingen sich zu Tattoos oder sie

museum Krems für junge LeserInnen. Die

Charakter und Dynamik des Festivals - und

schmecken als Suppeneinlage und Gebäck. Das Buchstabenmuseum - im

Kooperation mit den Europäischen Litera-

sein Charme!

Jahr 2005 von Barbara Dechant und Anja Schulze gegründet - arbeitet da-

tur-Jugendbegegnungen bereichert die Eu-

15. – 17.3.2017 München

her auch als Recycling-Unternehmen und als Depot. Gesammelt werden

ropäischen Literaturtage um innovative For-

20. – 31.3.2017 Wien

Objekte, die semiotisch als Zeichen im ABC funktionieren, quer zu ihrer

men der Literaturbegegnung.

www.festival-wortspiele.eu

materiellen Substanz, in der Fülle ihrer Funktionen und in aller ästheti-

Literaturtage über 1‘200

verschie-

dene Autorinnen und Autoren und

Literaturtage de Soleure di Soletta a Soloturn

Spitz an der Donau (A) Europäische Literaturtage

3. – 6.11.2016 | www.literaturhauseuropa.eu

© Djamila Grossman

schen Bandbreite. www.buchstabenmuseum.de

Buchstabenmuseum

hat

Aufgabe gemacht, unabhängig von Kultur, Sprache und Schrift-


40  |  Literatur | Neuerscheinungen

THOMAS THIEMEYER EVOLUTION - DIE STADT DER ÜBERLEBENDEN Ahnungslos reisen Lucie und Jem mit einer Austauschgruppe in die USA. Doch als ihr Flugzeug am Denver Airport notlandet, wird ihnen schnell klar: Die Welt, wie sie sie kennen, gibt es nicht mehr. Die Flugbahn überwuchert, das Terminal menschenverlassen, lauern überall Gefahren. Sogar die Tiere scheinen sich gegen sie verschworen zu haben: Wölfe, Bären, Vögel greifen die Jugendlichen immer wieder in großen Schwärmen an. Was ist bloß geschehen? Während ihrer gefahrvollen Reise durch die neue Welt erfahren sie von einem Kometeneinschlag. Und von ein paar letzten Überlebenden in einer verschollenen Stadt. Aber wie sollen sie die erreichen, wenn die ganze Erde sich gegen sie verschworen hat? 368 Seiten | ab 12 Jahren Arena Verlag | www.arena-verlag.de KATJA BRANDIS / CLAUDIA CARLS WOODWALKERS CARAGS VERWANDLUNG Auf den ersten Blick sieht Carag aus wie ein normaler Junge. Doch hinter seinen leuchtenden Augen verbirgt sich ein Geheimnis: Carag ist ein Gestaltwandler. Aufgewachsen als Berglöwe in den Wäldern lebt er erst seit Kurzem in der Menschenwelt. Das neue Leben ist für ihn so fremd wie faszinierend. Doch erst als Carag von der Clearwater High erfährt, einem Internat für Woodwalker wie ihn, verspürt er ein Gefühl von Heimat. In Holly, einem frechen Rothörnchen, und Brandon, einem schüchternen Bison, findet er Freunde. Und die kann Carag gut gebrauchen – denn sein neues Leben steckt voller Gefahren 272 Seiten | ab 10 Jahre Arena Verlag | www.arena-verlag.de OLIVER PÖTZSCH DIE SCHWARZEN MUSKETIERE DAS SCHWERT DER MACHT Lukas und seine Freunde reisen nach Prag, um ihren alten Widersacher aufzuhalten, der laut der Warnung des Sterndeuters Senno das Reich zu erpressen droht. Ihre Unternehmung stellt ihren Mut und ihre Freundschaft auf eine harte Probe. Das neueste historische Abenteuer von Oliver Pötzsch! ab 12 Jahren arsedition | www.arsedition.de BIRGITTA BEHR SUSI, ENKELIN VON HAUS NUMMER 4 Ein berührendes Buch über die wahre Geschichte eines jüdischen Mädchens im Zweiten Weltkrieg, das sich jahrelang vor den Nazis verstecken musste und dank der Hilfe von Freunden, aber auch von völlig Fremden überlebte. Die eindrücklichen Bilder unterstreichen die ergreifende Erzählung. ab 10 Jahren arsedition | www.arsedition.de ROBIN DIX TIGERHERZ – DER PRINZ DES DSCHUNGELS Tief verborgen im Regenwald lebt Raja, ein junger weißer Tiger. Ausersehen, einst über den Dschungel zu herrschen. Doch seit jeher gibt es Mächte, die nach seinem Leben trachten. Sein größter Feind ist Eisenkralle, der aufgrund einer Weissagung um seinen Thron fürchten muss. Als der gefährliche Tiger ihn aufspürt, muss Raja fliehen und alles zurücklassen, was ihm lieb ist. Gemeinsam mit dem klugen Gecko Biru macht er sich auf den Weg zur Insel der

ASTRID | arttourist.com 2|2016

Schatten, wo seine Ausbildung zum Jäger beendet werden soll. Aber die Reise dorthin ist weit, und im Dschungel lauern überall Gefahren ... 224 Seiten | ab 10 Jahren Bastei Lübbe AG | www.luebbe.de LUCY KEATING JUGENDBUCH: ZWEI IN EINEM TRAUM Solange Alice denken kann, träumt sie Nacht für Nacht von Max. In echt hat sie ihn noch nie getroffen, doch in ihren Träumen sind sie unsterblich ineinander verliebt. Bis Max eines Tages vor ihr steht. Doch im echten Leben ist er abweisend und hat eine Freundin – nicht gerade die perfekten Voraussetzungen für ein Happy End. Max und Alice beschließen, ihre gemeinsamen Träume zu beenden. Doch wie geht das? Und kann man die große Liebe einfach so in den Wind schlagen? 353 Seiten | ab 14 Jahren Bastei Lübbe AG | www.luebbe.de JULYA RABINOWICHS DAZWISCHEN: ICH Das Los der 15-jährigen Madina teilen viele Flüchtlingskinder: Sie alle sind Brückenbauer zwischen ihren Familien und dem neuen Leben in der westlichen Welt. Wo Madina herkommt? Das ist egal. Sie kommt von überall und nirgendwo. Und ist nun endlich angekommen, in einem Land, das Sicherheit verspricht. Für sie fühlt es sich hier nach Zukunft an. Doch nicht allen in ihrer Familie fällt es leicht, Fuß zu fassen. Ihr Vater zieht sich zurück, ihre Mutter schweigt. Und so ist es an Madina, tätig zu werden. Mittlerin zu sein zwischen ihrer Familie im Flüchtlingsheim und dem unbekannten Leben außerhalb. Zerrissen zwischen ihren Eltern, die sie nicht loslassen wollen, dem Wunsch, ein ganz normaler Teenager zu sein und aufgenommen zu werden, nimmt Madina das Schicksal ihrer Familie in die Hand. Und findet in Laura eine Freundin, die für sie in der Fremde Heimat bedeutet. Die Geschichte einer schmerzvollen, gelingenden Integration. Ein Flüchtlingsschicksal, das durch die autobiografischen Erfahrungen der Autorin, die selbst Immigrantin ist und lange Jahre für den Wiener Flüchtlingsdienst als Dolmetscherin gearbeitet hat, eine große Tiefe, Intensität und Glaubwürdigkeit gewinnt. 256 Seiten | ab 14 Jahren Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG www.hanser-literaturverlage.de ANNIKA REICH LOTTO MACHT, WAS SIE WILL Es gibt viele Dinge, die Lotto nicht mag. Pflichten, Langeweile und Brokkoli zum Beispiel. Was sie mag, sind Raketen, ihre Oma und freche Ideen. Mit Neugier, Fantasie und Frechheit kämpft sie gegen Regeln und Langeweile und übersteht damit auch die schwierigsten Tage. Zahnputz-Regeln, Waschtage, Mülldienste und Ins-Bett-gehen? Sowas können sich nur Erwachsene ausdenken! Lotto muss sich eine Menge einfallen lassen, damit ihr Tag ein Abenteuer wird: Gleich morgens fliegt sie mit ihrem Borstenkatapult weiß-grüne Zahnpastakurven übers Waschbecken. So macht Zähneputzen Spaß! Danach kippt sie Milch in die Badewanne und steigt wie Kleopatra in einen blubbernden Vulkansee. Und den Müll bringt sie runter, weil in der Tonne ein geheimnisvoller Minihirsch lebt. Das verrät sie natürlich niemandem. Erwachsene verstehen sowas nicht. Auch nicht, dass sie keinen Brokkoli mag. Den isst sie nur, wenn sie sich vorstellt, eine Raketenchefin im Weltall zu sein. Von oben wird er nämlich winzig klein. 96 Seiten | ab 6 Jahren Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG www.hanser-literaturverlage.de ANKE KRANENDONK ANNEMARIE VAN HAERINGEN KÄPT‘N KALLE Kalle bekommt ein Boot. Sein eigenes Boot! Das muss er sofort ausprobieren. Und zwar zusammen mit Max, dem Hund der Nachbarin, und natürlich dem Meerschweinchen Hektor. Aber so einfach ist das gar nicht.

Jedenfalls erstmal. Dann aber fahren alle drei auf den Fluss hinaus zu den großen Schiffen. Das ist toll, aber fast zu spannend. Zum Glück trifft Kalle unterwegs Septimia. Die hat kein Haustier, also schenkt Kalle ihr Hektor. Dann muss er weiter, mehr Abenteuer erleben, ehe er die beiden schließlich zum Eisessen wiedersieht. Eine wunderbar warmherzige Freundschaftsgeschichte, in herrlich erfrischendem Ton erzählt. 160 Seiten | ab 6 Jahren CARLSEN Verlag GmbH | www.carlsen.de TAMARA BACH VIERZEHN Der erste Schultag. Kurz vor den Sommerferien ist Beh krank geworden und konnte nicht mit den anderen in den Urlaub fahren. Als das neue Schuljahr anfängt, hat sie alle acht Wochen lang nicht gesehen. Viel ist passiert, ihre Freundinnen haben neue Leute kennengelernt und Geschichten zu erzählen. Beh dagegen war nur zu Hause. Aber eigentlich war da mehr, von dem ihre Freundinnen nichts wissen. Zu Hause liegt eine Postkarte für sie im Briefkasten, in der Stadt gibt es ein Zimmer mit blauen Wänden, da ist ein Hund, ein Mädchen mit Schwimmflügeln und lauter Orte, die Beh bis zum Abend noch fotografieren wird, weil ihnen etwas fehlt. Und als Beh am Ende des Tages ihre Zimmertür schließt, hat sie auch jemand bei ihrem vollen Namen genannt. Ein Buch über ein Mädchen, das gerade damit anfängt, erwachsen zu werden. 144 Seiten | ab14 Jahren CARLSEN Verlag GmbH | www.carlsen.de BERND FLESSNER FRAG DOCH MAL … DIE MAUS! DAS GROSSE MAUSWISSEN Ungekürzte Lesung mit Armin Maiwald Die Maus hat jede Menge mausschlaue Antworten gesammelt und löst so häufig gestellte Fragen – kindgerecht und unterhaltsam aufbereitet. Ein ebenso spannendes wie lehrreiches Hörbuch, gelesen von Armin Maiwald, einem der Experten für Maus-Sachgeschichten. ab 5 Jahren Random House Audio | cbj audio www.cbj-audio.de JENNY HAN TO ALL THE BOYS I’VE LOVED BEFORE Vom Zauber der ersten großen Liebe: Lara Jeans hatte noch keinen Freund, aber verliebt war sie schon oft. Ihre Gefühle fasst sie in geheime Liebesbriefe und versteckt diese. Doch dann gelangen auf mysteriöse Weise alle fünf Briefe zu ihren Empfängern. ab 12 Jahren Random House Audio | cbj audio www.cbj-audio.de STEPHANIE SCHNEIDER UNSER KUNTERBOOT – SOMMER DER GEHEIMNISSE Sie heißen Faule Paula, Lorella, Flitzpiepe oder Kunterboot – die Schiffe der kleinen Hausbootkolonie, wo Jonna und ihre Freunde zu Hause sind. Jeden Tag gibt es da ein neues Abenteuer zu erleben. Und es gibt Elfen, wie auf Island. Das weiß Jonna ganz genau! Doch dann soll die alte Lorella verschrottet werden und Jonnas bester Freund Karl in eine moderne Wohnung an Land umziehen. Das darf einfach nicht wahr sein, findet Jonna! Nie und nimmer! Doch im richtigen Leben funktionieren die Dinge eben oft ganz anders als in den Geschichten, die Jonna so liebt. Oder werden die Elfen ein Einsehen haben und tatsächlich Wünsche erfüllen? 168 Seiten | ab 7 Jahren cbj + cbt Verlag | Verlagsgruppe Random House GmbH | www.randomhouse.de

ELISABETH HERRMANN DIE MÜHLE The Court – das waren die Coolen. Die Unerreichbaren. Die Helden von Lanas Schulzeit. Wie kann es sein, dass ausgerechnet Lana an eine Einladung zu einem Kurztrip mit der ÜberfliegerClique kommt? Jahre, nachdem sie alle ihre alte Schule verlassen haben? Die Kings und Queens der coolen Clique sind zwar wenig begeistert, als Lana statt ihres siebten Mitglieds bei ihrem Treffen auftaucht. Aber dann überschlagen sich die Ereignisse. Der Trip führt die Clique in eine alte abgelegene Mühle, umgeben von Wildnis. Alles hier scheint für sie vorbereitet zu sein. Nur wer hat eigentlich die Einladungen verschickt? Wer begrüßt sie mit schriftlichen Botschaften, hat seltsame Spiele für sie organisiert? Als der erste der Freunde verschwindet, bricht Panik in der Gruppe aus … 448 Seiten | ab 14 Jahren cbj + cbt Verlag | Verlagsgruppe Random House GmbH | www.randomhouse.de NICHOLAS GANNON DIE HÖCHST WUNDERSAME REISE BIS ANS ENDE DER WELT Der 11-jährige Archer will die Welt erforschen, vom Dschungel bis zur Wüste genau wie seine Großeltern! Doch die verschwanden vor zwei Jahren spurlos bei einer Expedition am Südpol. Seitdem lassen Archers Eltern ihn kaum noch vor die Tür. Schluss mit der Entdecker-Tradition! Doch als eines Tages ein einäugiger Kapitän vor Archers Tür auftaucht und ihm einen Haufen Koffer mit Reiseaufzeichnungen übergibt, steht für Archer fest: Er muss zum Südpol reisen und seine Großeltern finden! 368 Seiten | ab 10 Coppenrath Verlag GmbH & Co. KG www.coppenrath.de TERI TERRY BOOK OF LIES Quinn und Piper sind Zwillinge, doch sie sind sich noch nie begegnet. Erst als ihre Mutter bei einem tragischen Unfall stirbt, treffen sich die Schwestern auf der Beerdigung. Piper ist begeistert und fasziniert. Für sie ist Quinn der Schlüssel zu einem uralten Familiengeheimnis. Doch Quinn ist voller Misstrauen. Warum wurde sie ihr Leben lang von ihrer Schwester ferngehalten? Schlummert in ihr tatsächlich eine dunkle Seite, vor der sie ihre Mutter und Großmutter immer gewarnt haben? Ist sie eine Gefahr für Piper? Während Quinn ihre Vergangenheit hinter sich lassen will, vergräbt sich Piper immer tiefer in die Mythen und Prophezeiungen, die sich um ihre Familie ranken – und tritt damit ein Inferno los. Düster, fesselnd, magisch – Teri Terry schlägt alle in ihren Bann! 400 Seiten | ab 14 Coppenrath Verlag GmbH & Co. KG www.coppenrath.de KATE DICAMILLO LITTLE MISS FLORIDA Darin erzählt die vielfach preisgekrönte Autorin von drei zehnjährigen Mädchen, die –  jede  auf ihre Weise – einen Verlust erlitten haben und im Laufe eines ganz besonderen Sommers von erbitterten Konkurrentinnen zu engen Freundinnen werden. Aus dem amerikanischen Englisch von Sabine Ludwig. 232 Seiten | ab 9 Jahren dtv junior | dtv Reihe Hanser | www.dtv.de JASON REYNOLDS/BRENDAN KIELY NICHTS IST OKAY! ZWEI SEITEN EINER GESCHICHTE Die beiden Autoren schildern einen Schlüsselmoment aus dem Leben des schwarzen Jugendlichen Rashad und seines weißen Schulkameraden Quinn. Rashad

wurde O brutalen durch ei Poliziste beobach nur die S sondern Täter sei chen Fre

320 Seit ab 14 Ja dtv junio dtv Reih www.dtv

JAKOB WEGELIUS GABRIELE HAEFS (ÜBERS.) SALLY JONES - MORD OHNE LEICHE Lissabon um 1900: Im Hafen stürzt ein Mann ins Wasser. Seine Leiche wird nie gefunden. Doch der Seemann Koskela wird wegen Mordes verur Jones will seine Unschuld beweise begibt sich auf eine abenteuerlich nach Indien.

624 Seiten | ab 9 Jahren Gerstenberg Verlag GmbH & Co. K www.gerstenberg-verlag.de

TOORBE MANN ARMSTR DIE ABE CHE REI EINER M MOND Ein klein für Bastian Pastewka – ein großer für die Mausheit. Vor langer Zeit le eine Maus namens Lindbergh das und überquerte den Atlantik. Nun abenteuerliche Geschichte der Mä fahrt weiter. Denn es war gar kein der zum ersten Mal den Mond bet Der kluge und abenteuerlustige M Armstrong möchte seine Freunde überzeugen, dass der Mond kein l Käse ist, und baut sich eine Rakete Der Hessische Rundfunk hat zusam Stimmenmultitalent Bastian Paste Torben Kuhlmanns neuer, bezaube Bilderbuchgeschichte eine inszen Lesung für die ganze Familie gem atmosphärisches Sounddesign de fort mit in die Welt des mutigen M nimmt.

ab 5 Jahren Verlagsgruppe Random House Gm Der Hörverlag | www.randomhous

URSULA POZNANSKI ELANUS ANGRIFF DER ÜBERWACHUNGSD Der sieb ge Jona Altersge an Intell Auffassu voraus, a macht ih gerade b Gegen d wehrt er einem ungewöhnlichen Mittel: ein Klein, leise und mit einer Kamera kann sie jeden aufspüren, dessen nummer Jona besitzt. Sie versorgt brisanten Details aus dem Privatleben seiner Opfer. Doch wo nicht gerechnet hat: Offenbar wird selbst überwacht. Dann häufen sic die darauf hindeuten, dass jemand ihm her ist ... Drohnen, Überwachung, Big Data aktuelle Thriller wird spannungsv von Jens Wawrczeck, bekannt u.a. von den Drei ???.

ab 12 Jahre Verlagsgruppe Random House Gm Der Hörverlag | www.randomhous

MORTON RHUE DSCHIHAD ONLINE Als Khalil realisiert, dass sein radikalisierter Bruder Amir ihn vom Dschihad überzeugt hat, nimmt die Katastrophe schon ihren Lauf. Aleksandar Radenković gibt USA lebenden Brüdern seine Stim zieht die ZuhörerInnen in seinen B

256 Seiten | ab 12 Jahren JUMBO Verlag | www.jumboverlag

KIRSTEN BOIE THABO – DETEKTIV & GENTLEMA DIE KROKODIL SPUR Einige Kinder aus Thabos Dorf sin verschwunden. Als echter Detekti


ASTRID | arttourist.com 2|2016

Opfer eines n Übergriffs inen weißen en. Quinn htet nicht Szene, n erkennt im inen väterlieund…

sich Thabo sofort mit seinen Freunden Emma und Siphiso auf die Suche. Als Sprecher gibt Hendrik Kleinschmidt Thabo eine Stimme voller Witz und Humor.

ten ahren or he Hanser v.de

4 CDs Gesamtspielzeit: ca. 360 Minuten 5 – 10 Jahre JUMBO Verlag | www.jumboverlag.de

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KARL MAY ALEXANDER RÖDER IM BANNE DES MÄCHTIGEN (KARL MAYS MAGISCHER ORIENT, BAND 1) In der Wüste treffen Kara Ben Nemsi und Hadschi Halef Omar auf Banditen des mächtigen Al-Kadir. Auf der Jagd nach diesem geheimnisvollen Bösewicht müssen die Freunde bald einsehen, dass es Dinge gibt, die über das Erklärbare hinausgehen. Ist Magie im Spiel? ab 13 KARL-MAY-VERLAG | www.karl-may.de KRISTIN LÜCKEL AHOI, IHR LANDRATTEN! DIE TOLLSTEN PIRATENGESCHICHTEN Oh nein, Fred hat die Piratenschatzkarte verloren, die ihm sein Onkel, Kapitän Leo, anvertraut hat. Der Piratenpapagei Scharfschnabel möchte unbedingt eine Frau finden und Trixi will das Piratengeschäft ihres Vaters retten. 11 spannenden Piratengeschichten 80 Seiten | ab 5 Jahren Kaufmann Verlag | www.kaufmann-verlag.de ANDREA SCHÜTZE SURI, DAS MAGISCHE ZAUBERPONY, IM FEENREICH Lena begibt sich auf eine abenteuerliche Reise ins Feenreich. Gemeinsam mit Suri, dem Zauberpony, will sie ihre kleinen Freunde vor dem Krummen Zauberer retten. Band 2 der Reihe um Lena und Suri: Ein magisches Vergnügen! 32 Seiten | ab 4 Jahren Kaufmann Verlag | www.kaufmann-verlag.de THEODOR FONTANE HERR VON RIBBECK AUF RIBBECK IM HAVELLAND” Ob kicherndscheue Mädchen oder kecke Jungs: Der großherzige Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland hat für alle ein offenes Herz und verschenkt Jahr für Jahr die köstlichen Birnen aus seinem Garten an die Kinder im Dorf. Doch wie soll es nach seinem Tod weitergehen? Zu Recht misstraut er seinem geizigen Sohn und befürchtet, dieser werde künftig keine Birnen mehr verteilen. Er schmiedet einen genialen Plan, um die Kinder auch über seinen Tod hinaus reich mit den süßen Früchten zu beschenken – und sein Vermächtnis gelingt. Theodor Fontane hat diese wunderbare Begebenheit aus Schleswig-Holstein vor über 200 Jahren in Reime gefasst und sein Gedicht ist weit über die Region hinaus weltbekannt geworden. Dorota Wünsch hat die Ballade frisch und witzig illustriert und schafft somit ein weiteres Juwel in der Reihe Poesie für Kinder. ab 4 Jahre Kindermann Verlag www.kindermannverlag.de DR. BARBARA KINDERMANN MACBETH Die schottischen Feldherren Macbeth und Banquo reiten nach einer siegreichen Schlacht stolz zum Schloss ihres Königs zurück.

Literatur | Neuerscheinungen  |  41

Doch auf dem Heimweg begegnen ihnen drei geheimnisvolle Hexen, die die beiden Helden mit rätselhaften Weissagungen zutiefst verwirren. Macbeth begrüßen die drei Zauberschwestern gar als künftigen König. König? Noch nie war es Macbeth in den Sinn gekommen, jemals Herrscher zu sein. Doch jetzt weckt diese Prophezeiung seine Machtgier und der Gedanke an den Thron lässt ihm keine Ruhe mehr. Macbeth und seine Gemahlin beschließen, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen – sie schmieden einen tödlichen Plan …Barbara Kindermann erzählt in der Reihe Weltliteratur für Kinder gekonnt eines von Shakespeares bekanntesten Bühnenstücken spannend für Kinder nach. Mit atmosphärischen Illustrationen setzt Anna Severynovska die Geschichte um Herrschsucht, Verrat und Magie atemberaubend in Szene. ab 6 Jahre Kindermann Verlag  www.kindermannverlag.de DEREK LANDY DEMON ROAD – HÖLLE UND HIGHWAY Demon Road ist ein irrwitziger Roadtrip, eine außergewöhnliche Coming-ofAge Geschichte und zugleich eine großartige Hommage an das amerikanische Horrorgenre, von Stephen Kings Klassikern bis zur Erfolgsserie Supernatural. Wenn ihr glaubt, eure Eltern wären schwierig, dann solltet ihr euch mal mit Amber unterhalten! Amber Lamont ist gerade 16 Jahre alt, als sie feststellen muss, dass ihre eigenen Eltern sie gerne zum Abendessen verspeisen möchten. Nur so könnten sie ihre Kräfte wieder aufladen. Alles klar: Ambers Eltern sind waschechte Dämonen. Seitdem ist Amber auf der Flucht. Quer durch die USA ist sie auf der Demon Road unterwegs, einem magischen Straßennetz, das unheimliche Orte und schauerlichste Wesen miteinander verbindet. Sie trifft auf Vampire, Hexen und untote Serienkiller und erfährt nach und nach, was für teuflische Fähigkeiten in ihr stecken ... „Hölle und Highway“ ist der erste Band der Demon Road-Reihe. 480 Seiten | ab 14 Jahren Loewe Verlag GmbH | www.loewe-verlage.de NINA DULLECK MIEP, DER AUSSERIRDISCHE Für echte Weltraum-Fans ein Muss! In der neuen Kinderbuch-Reihe Miep erzählt Nina Dulleck spannende und witzige Abenteuer rund um den kleinen Außerirdischen Miep mit seiner Familie, seinen verrückten Raumschiffen und seinem treuen Weltraum-Haustier Nudel. Die Geschichten mit hohem Bildanteil eignen sich für Jungen und Mädchen ab 5 Jahren zum Vorlesen und ab 7 Jahren zum ersten Selberlesen. Die bunten Bilder mit vielen originellen Details sorgen für viel Spaß beim Lesenlernen. Miep schlurft gelangweilt durch das Astro-Museum, als ihm ein Pastatid namens Nudel in die Arme springt! So ein kleines Weltraumhaustier hat sich Miep immer gewünscht. Und schon steckt er mitten in einem spannenden Abenteuer. Denn er muss nicht nur seinen Papa davon überzeugen, Nudel behalten zu dürfen, sondern ihn auch vor Museumswärtern und neugierigen Menschen-Astronauten beschützen. 80 Seiten | ab 5 Jahren Loewe Verlag GmbH | www.loewe-verlage.de

ALEKSANDRA & DANIEL MIZIELINSCY UNTER DER ERDE · TIEF IM WASSER Aleksandra und Daniel Mizielinscy gelingt erneut ein Husarenstück: Sie führen uns in Gefilde, in die fast nie jemand vordringt: Unter die Erde und Tief ins Wasser! Es ist spektakulär, was sie uns dort zeigen: Goldminen in Südafrika, die Unterwasserwelt unter Bohrinseln, Vulkanausbrüche, Riesenasseln, Gespensterfische und drei Meter lange Regenwürmer. Sie führen uns zu Ausgrabungen und in Abwasserkanäle und wissen, dass in Nordkorea die tiefste U-Bahn der Welt fährt. 112 Seiten | ab 7 Moritz Verlag | www.moritzverlag.de

CORNELIA FUNKE: DRACHENREITER DIE FEDER EINES GREIFS 19 Jahre mussten Fans von Cornelia Funke warten: Jetzt hat die Autorin endlich eine Fortsetzung ihres fantastischen Kinderbuchs „Drachenreiter“ geschrieben: Zwei Jahre nach ihrem Sieg über Nesselbrand erwartet Ben, Barnabas und Fliegenbein ein neues Abenteuer: Der Nachwuchs des letzten Pegasus’ ist bedroht! Nur die Sonnenfeder eines Greifs kann ihre Art noch retten. Gemeinsam mit einer fliegenden Ratte, einem Fjordtroll und einem nervösen Papagei reisen sie nach Indonesien, auf ihrer Suche nach dem gefährlichsten aller Fabelwesen – und merken schnell: sie brauchen die Hilfe eines Drachens und seines Kobolds. ca. 384 Seiten | ab 10 Jahre Dressler Verlag GmbH www.dressler-verlag.de www.corneliafunke.de ANTONIA MICHAELIS: DIE ATTENTÄTER Obwohl sie aus grundverschiedenen Verhältnissen stammen, sind Cliff und Alain fasziniert voneinander. Zwischen ihnen steht Margarete, die beide von klein auf kennen. Dann konvertiert Cliff zum Islam und verschwindet. Als er zurückkehrt, wird klar: Er soll für den IS einen „Tag des Blutes“ planen. Alain will seinen Freund retten – doch wie lange kann er noch zu ihm halten? Mit „Die Attentäter“ gelingt Antonia Michaelis ein beklemmender Blick in die Abgründe des Terrors: Sie erzählt in meisterhafter Eindringlichkeit die hochemotionale Geschichte eines jungen Mannes, der zum IS-Kämpfer wird. Ein packender, psychologisch dichter Roman zu einem höchst aktuellen Thema mit einem faszinierenden Protagonisten, der den Leser so schnell nicht wieder loslässt. ca. 488 Seiten | ab 16 Jahre Verlag Friedrich Oetinger GmbH www.oetinger.de www.antonia-michaelis.de JOCHEN WEEBER ILLUSTRIERT VON FARIBA GHOLIZADEH WAS IST BLOSS MIT GISBERT LOS? Gisbert hat viele Freunde und fühlt sich sehr wohl in seiner Giraffenhaut. Eines Tages hört er, wie hinter seinem Rücken zwei Hyänen über seine braunen Flecken tuscheln - und spürt, wie er plötzlich kleiner wird! Dann findet das Nilpferd sein Trompetenspiel furchtbar schief. Und wieder schrumpft er ein Stück. Schließlich fühlt er sich so klein, dass er sogar unter das Sofa passt. Doch als ihm seine Freunde eines Tages ein Stück Kuchen und eine Postkarte vor die Tür stellen, weiß Gisbert endlich, was mit ihm los ist. 24 Seiten | ab 3 Jahren Verlagsgruppe Patmos www.verlagsgruppe-patmos.de ANDREA SCHOMBURG PROFESSOR MURKES STRENG GEHEIMES LEXIKON DER AUSGESTORBENEN TIERE, DIE ES NIE GAB Professor Murke ist ständig unterwegs! Seine Forschungsreisen führen ihn nach Afrika, Australien und in viele andere Länder. Das denkt zumindest seine Familie. Aber Professor Murke hat ein Geheimnis: Seine streng geheime Zeitmaschine, mit der er durch die Jahrtausende reist und längst vergessene Erdzeitalter erforscht. Niemand weiß davon, außer seinem Enkel Jonas. Leider passt aber nur eine Person in das Tempomobil, sonst hätten die beiden zu zweit durch die Zeitgeschichte reisen können. Zum Glück schreibt der Professor eifrig Tagebuch. Darin kann Jonas von den seltsamsten Erlebnissen lesen: von faszinierenden Tieren, die es so gegeben haben könnte, von denen aber niemand weiß. Zum Beispiel von der Drachenfliegerschlange, der Königin des Tempestäum (Sturmzeit). Sie tanzt im Sturm durch die Luft, saugt sich dabei Tropfenkäfer ins Maul und kreischt vor Vergnügen. 36 Seiten | ab 4 Jahren Tulipan Verlag GmbH www.tulipan-verlag.de

Meike Haas © privat

Wir sprachen mit der Kinderbuchautorin

MEIKE HAAS Wie wird man Kinderbuchautorin? Man muss sich hinsetzen und ein Buch schreiben. Ich glaube, das Wichtigste dabei ist Durchhaltevermögen. Man muss solange an dem Text arbeiten, bis man von ihm überzeugt ist. Dann muss man einen Verlag finden. Möglicherweise ist es hilfreich, sich erst nach einer Literatur-Agentur umzuschauen. Denn für die Agentur ist man interessant, sobald der Text gut ist, beim Verlag muss der Text nicht nur gut sein, sondern auch ins Programm passen. Selber herauszufinden, welcher Verlag jetzt gerade was sucht, ist schwierig. Wie entstehen Figuren wie Lotte, Coxi, Milena, Pauline oder Finja? Die Figuren entstehen nicht allein, sondern als Konstellation. Zu der lebhaften Lotte gehört die nachdenkliche Tinka. Zu der frechen Hexe Coxi gehört die Viertklässlerin Lieselotte, die das Hexen-Chaos vertuschen will. Es muss ja etwas zwischen den Figuren passieren, damit die Geschichte spannend wird. Meistens habe ich eine einzige Situation vor Augen, z.B. wie Tinka in Lottes hell erleuchtetes Fenster hineinsieht und sich wünscht, mit dem Mädchen dort drinnen befreundet zu sein. Dann statte ich die Charaktere mit Eigenschaften aus, die diese Situation bestmöglich zur Geltung kommen lassen. Wenn die Figuren dann „stimmen“ habe ich natürlich viel von meiner Gestaltungsherrschaft verloren. Jetzt lassen sie nicht mehr alles mit sich machen, sondern wollen ihrem Charakter entsprechend handeln. Wie fällt die Entscheidung, ob Figuren „weiterleben“ oder für ein Buch erweckt und wieder „eingemottet“ werden? Das ist die Planung des Verlags. Bücher werden entworfen als Serien oder als Einzeltitel. Bei einem großen kommerziellen Erfolg kann es natürlich sein, dass aus einem Einzeltitel dann plötzlich eine Serie wird. Wieviel Einfluss haben Ihre Leser auf Ihre Geschichten, denen Sie bei Lesungen oder im Rahmen von Schreibworkshops persönlich begegnen? Lesungen sind eine große Hilfe. Ich bin oft überrascht, welche Stellen die größte Begeisterung auslösen und an welchen Stellen Zuhörer aussteigen. Wenn ich an einem Text arbeite, lese ich ihn oft laut vor und stelle mir die Vorlese-Situation vor, dann bekomme ich ein besseres Gefühl für die Dramaturgie. Wie kritisch oder liebevoll sind Ihre eigenen Kinder mit den Figuren und Geschichten Ihrer Bücher und wie gehen Sie mit der Geschichtenwelt Ihrer Mutter und Ihrem eigenen Familienleben um, wo nicht immer alles „Sommer, Sonne, Stallgeflüster“ ist? Ich habe meinen Kindern (als sie noch zur Zielgruppe gehörten) nur ein einziges Mal aus einem Text vorgelesen, der noch nicht fertig war. Denn die Kinder mochten es nicht, dass ich die Geschichte danach verändert habe. Das hat mir absolut eingeleuchtet. Sie hatten ja eine Beziehungen zu allen Figuren aufgebaut und dann habe ich manche einfach wieder aus der Geschichte rausgeworfen oder bei anderen das Geschlecht gewechselt oder die Haarfarbe oder was auch immer. Es hat die Geschichte für die Kinder entzaubert, dass sie den mechanischen Produktionssweg miterlebt haben. Also habe ich das später nicht mehr gemacht und sie haben meine Bücher nur so wahrgenommen, wie Bücher von anderen Autoren auch. Jetzt, wo sie größer sind, macht es meiner Tochter manchmal Spaß, in den Entwürfen herum zu lesen, selbst etwas dazu zu schreiben und vor allem: Fehler zu entdecken.

Eine Auswahl Ihrer Bücher „Schurkenstraße 7“ dtv, 2015 „Krafaffel, der Drache mit dem ängstlichen Herzen“, tulipan, 2016 „Coxi Flederwisch und der total verhexte Schultag“, dtv 2011 „Lotte, Motte und ich“, dtv 2012 „Der ausgebüxte Weihnachtsesel“, magellan, 2014 www.meike-haas.de DAS GESPRÄCH FÜHRTE KAI GEIGER.


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Buchkinder Leipzig e.V. Kinder lieben Geschichten … … denken sich welche aus – und vergessen sie irgendwann. Im Buchkinder Leipzig e.V. – einer Buch – und Schreibwerkstatt für Kinder und Jugendliche im Alter von 4-18 Jahren – entwickeln Jungen und Mädchen seit 2001 ihre Geschichten zu eigenen Büchern. Sie überlegen und diskutieren ihre Ideen, schreiben sie auf, illustrieren, setzen und drucken, bis die bunten Produkte ihrer Phantasie gebunden zwischen Buchdeckeln vorliegen. Die Erwachsenen stehen ihnen dabei als gleichberechtigte Partner unterstützend zur Seite, sie schreiben nichts vor und geben den Kindern Zeit und Raum. Buchkinder wachsen mit ihren Büchern. Sie übernehmen Verantwortung und entwickeln neben Kreativität und kommunikativen Fähigkeiten auch soziale Kompetenz. www.buchkinder.de Wir trafen Birgit Schulze Wehninck und Sven Riemer, geschäftsführender Vorstand, Buchkinder Leipzig e.V. zu einem Gespräch. Wie entstand die Idee zu Buchkinder? Genau genommen ist es eine Haltung zum Kind, die ja vom Kind selbst eingefordert wird: Höre mir zu und nehme mich ernst, mit dem was ich mitzuteilen habe. Erste deutliche Bestrebungen dem gerecht zu werden, sind sicherlich bei dem Reformpädagogen Célestin Freinet zu finden. Er hat in den 1920er Jahren Schülern ermöglicht, eigene Texte zu setzen, Klassenzeitungen und Bücher zu drucken. Er hat eine bis heute noch sehr aktuelle Schulform entwickelt, welche Selbstverantwortlichkeit des Kindes in den Mittelpunkt stellt. Die Buchkinder sind konkret mit den vielfältigen Möglichkeiten nach der Politischen Wende in Leipzig entstanden. In einem Wohnzimmer hat Ralf Uwe Lange 2001 angefangen mit Kindern zu arbeiten und mit weiteren Menschen den Verein gegründet. Der Buchkinder Leipzig e.V. kann somit auf 15 Jahre Erfahrung zurückgreifen.

Was ist das Ziel von Buchkinder und wie erreichen Sie Kinder und Jugendliche? Vordergründig kann man sagen, dass wir uns die Aufgabe gestellt haben, Kinder und Jugendliche zum eigenen Ausdruck zu ermutigen. Das fertige Buch ist dabei das sichtbare, vorzeigbare Ergebnis eines langen und vielschichtigen Prozesses. Wir möchten das Vertrauen der Kinder in die eigene Wahrnehmung ganz allgemein stärken. Wenn ein Kind nach mehreren Monaten sein eigenes Buch mit seiner eigenen Geschichte und eigenen Zeichnungen oder Linolschnitten in den Händen hält, stärkt dies in sehr vielseitiger Weise die persönliche Entwicklung des Kindes. Eine wirkliche demokratische Teilhabe ist nur möglich, wenn ich verantwortungsbewusst Sachverhalte innerlich abprüfen, einordnen und auch mit Selbstbewusstsein äußern kann. Hierfür möchten wir Grundlagen bei den Kindern bilden. Wir haben unter dem Dach des Vereins verschiedene Aufgabenfelder: die freie Kursarbeit, Schulkooperationen, wo wir Teil des Unterrichtes sind, Kursarbeit mit Kindern, die einen Migrationshintergrund haben, Arbeit mit Kindern, die aus ihren Heimatländern geflüchtet sind und den eigenen BuchKindergarten mit 120 Kindern. Der Zugang der Kinder und Jugendlichen zu unserer Arbeit kann also sehr unterschiedlich sein. Oftmals sind es Eltern, die denken, das wäre was für ihr Kind oder Kinder/Jugendliche haben anderen von ihren Erfahrungen erzählt. Im Leipziger Osten, wo wir hauptsächlich mit Kindern mit Migrationshintergrund arbeiten, kommen diese meistens ganz selbständig zu uns in die Werkstatt. Die Aufnahme ist dann sehr formlos und die Eltern lernen wir meist erst bei der ersten Lesung der Kinder kennen. Wir haben in Leipzig mittlerweile sicherlich auch einen gewissen Bekanntheitsgrad und können nicht alle Kinder, die zu uns möchten aufnehmen. Es ist eine etwas widersprüchliche Situation. Je mehr Zuspruch wir

durch die Kinder erhalten, desto mehr finanzielle Mittel müssen wir zur Schaffung der entsprechenden Rahmenbedingungen akquirieren. Was passiert bei Buchkinder? Wie muss man sich Ihre Arbeit vorstellen? Zu allererst sind wir Raumgeber und das in mehrfacher Hinsicht. Die Kinder betreten unsere Werkstatt und sollen das Gefühl haben, das ist mein Ort - hier kann ich meine Dinge tun, ohne dass ich Aufgabenstellungen im Außen gerecht werden muss. Es riecht hier nach Druckfarbe, es gibt viele alte Maschinen, Trockengestelle für die Linolschnitte, Holzregale für die Kisten eines jeden Kindes und ganz zentral einen großen, von vielen Linolschnittversuchen gezeichneter Holztisch. Auf diesem Tisch sind gespitzte Bunt- und Bleistifte, Filzstifte, Wachsmalkreide, Scheren, Klebestifte, Ritzmesser und unterschiedlich große Linoleumstücke vorbereitet. Jetzt müssen wir als erwachsene Begleiter nur noch zuhören. Die meisten Kinder haben ein sehr natürliches Bedürfnis, sich anderen Menschen mitteilen zu wollen. Sie fangen ganz selbstverständlich an zu zeichnen oder erzählen von einer Begebenheit. Neben dem Zuhören sind die richtigen Fragestellungen der Kern unserer Arbeit, vorausgesetzt es besteht ein echtes, liebevolles Interesse an dem Kind und dem was es uns mitteilen möchte. Die richtigen, eher öffnenden Fragen sind wichtig, Die Haltung zum Kind spiegelt sich in der Art der Fragen wieder. Die Geschichte soll ja das Kind in sich weiterentwickeln und nicht durch reduzierte Ja-Nein-Fragen in eine bestimmte Richtung gelenkt werden. Kein Kind kommt mit einer fertigen eigene Geschichte, aber es hat eigene innere Bilder und Vorstellungen, Begebenheiten, bestimmte Ideen im Kopf. Diese gilt es aufzugreifen und durch eine wirkliche Neugierde des Begleiters weiter zu formen. Das ist ein sehr schmaler Grad, weil wir (die Erwachsenen)

alle Bilder © regentaucher.com

gegenüber Kindern meist denken, wir wissen es besser. Aber es geht nicht um richtig oder falsch, es geht um die Originalität und Einzigartigkeit der Aussagen eines jeden Kindes. Nur so können sie diese unglaubliche Kraft über Wort und Bild entwickeln. Im gesamten Bundesgebiet gibt es Netzwerkpartner der Buchkinder Leipzig e.V.. Wie wird man Partner und was erwarten Sie von Ihren Partnern? Das ist wirklich erstaunlich. Überall gibt es Menschen die begeistert diesen Impuls aufgreifen. Wir waren auch in Kenia (2008 und 2009) und Südafrika (2010) vom Goetheinstitut eingeladen, die Arbeit vorzustellen und auch dort wird unter ganz anderen Voraussetzungen noch immer mit der Buchkindermethodik gearbeitet. Neben vielen Europäischen Ländern haben wir hauptsächlich im deutschsprachigen Raum Seminare abgehalten. In den jeweiligen Städten sind dann meistens kleine Gruppen hervorgegangen, die teilweise auch schon über Jahre aktiv sind. So gibt es mittlerweile an die 30 Initiativen, die Buchkinderarbeit betreiben. Es ist ein loses Netzwerk ohne wirkliche verbindliche Abmachungen und Vereinbarungen. Wir sind an dieser Stelle eigentlich auch ein wenig überfordert, weil es allein dafür eine volle Stelle bräuchte, das Netzwerk zum Nutzen aller sinnvoll zu bedienen. Gleichzeitig liegt der Buchkindermethodik auch ein gewisser anarchistischer Ansatz zu Grunde und zu starke Strukturen, zum Beispiel eines Dachverbandes, würden diesem wahrscheinlich entgegenwirken. Wir wünschen uns auf jeden Fall, dass die jeweiligen Partner die Quelle des Ganzen nicht vergessen und entsprechende Hinweise pflegen. Eine Mitgliedschaft bei uns sollte selbstverständlich sein. Ein inhaltlicher Austausch wäre sehr wünschenswert, ist aber nach bisherigen Erfahrungen nur sehr schwer umsetzbar.


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Ich finde Ihre Arbeit sehr wichtig. Sie basiert auf viel Idealismus und Leidenschaft und lebt vom permanenten Trommeln für die Sache. Wie kann man Ihre Arbeit unterstützen? Vielen Dank für die Blumen. Es ist eine wunderschöne Erfahrung, Leidenschaft für eine Sache zu entwickeln. Wir sehen auch bei den Kindern im eigenen BuchKindergarten was es bedeutet, wenn sie aus der eigenen Begeisterung heraus, Lernerfahrungen machen können oder anders ausgedrückt: einfach spielen können. Der eigene und notwendige Idealismus birgt dabei viele Fallstricke, wird im Außen schonmal mißverstanden und schafft im inneren der Organisation schnell Voraussetzungen, die die eigenen Kräfte über ein gesundes Maß hinaus strapazieren. Selbstsverantwortung gefragt und innere Abprüfung... An dieser Stelle ist es sicherlich sinnvoll, den Ball flach zu halten. Eine klare innere Orientierung zu haben, ist natürlich unerlässlich. Manchmal wünschen wir uns, dass auch leisere Töne, als die der Trommeln gehört werden. Wir wünschen uns weitere Unterstützung von wirtschaftlichen Unternehmen, die die gesellschaftliche Relevanz unserer Arbeit erkennen. Auch wir sind unternehmerisch tätig, aber die „Wertsschöpfung“ liegt in der Persönlichkeitsentwicklung der Kinder und nicht im monetären Profit. Ein Austausch auf Augenhöhe ist möglich. Wir haben wunderschöne Produkte, wie den Buchkinderwand- oder Postkartenkalender, die als Präsent auch für Firmen und deren Kunden spannend sind. Die Mitteilungen der Kinder sind hier in einer einzigartigen Zusammenfassung zu erleben und die meisten bleiben uns dann treu. Gleichzeitig haben wir seit einigen Monaten eine neue Aktion ins Leben gerufen: Werden Sie Mäzen bei den Buchkindern! Ab 6 € bis 250 € monatlich, kann jeder die Buchkinder dauerhaft unterstützen. Eine besondere Form der Anerkennung für die Mäzene ist gewiss. (www.mäzen@buchkinder.de) Sind aus den Buchkindern Autorinnen und Autoren erwachsen, die bei Ihnen das Schreiben entdeckt haben? In unserer jährlich erscheinenden Buchkinderpost haben wir eine Rubrik, die heißt: „Was macht… eigentlich heute?“ Hier stellen wir ehemalige Buchkinder vor, die kurz vor dem Eintritt ins Berufsleben stehen. Es ist immer wieder bemerkenswert, welchen Stellenwert die Erfahrungen bei den Buchkindern noch haben und wie die Bücher aus dieser Zeit gehütet werden. Bis jetzt haben wir allen Versuchungen widerstehen können, die durch eine Art Ausleseverfahren, wie Prämierungen der besten Bücher, der Autor des Monats oder … als vorbereitente Ausbildung für das Literaturinstitut möglich wären. Der Fokus bei uns liegt wie erwähnt, ja mehr auf jedem Kind seinen persönlichen Ausdruck zu ermöglichen. Der Prozess, den ein Kind oder Jugendlicher bei uns durchläuft, ist ja ein durch und durch künstlerischer. Den Anfang bildet ein eigener Impuls, eine eigene Idee, das Vergrößerungsglas wird für diese Idee benutzt, es wird geschrieben und gezeichnet und die Ergebnisse werden in den eigenen Kisten (jedes Kind hat seinen Namen auf einer Holzkiste aus dem großen Regal stehen) über mehrere Monate oder Jahre gesammelt, dann kommt zur passenden Zeit das Sichten des Materials, das Sortieren und ganz wichtig - das Verdichten. Das Weglassen ist eine enorm wichtige Erfahrung, um die Schlüssigkeit einer Geschichte zu ermöglichen. Dann kommt das Gestalten des Buches, also das Layout oder ein Dummy, es wird gedruckt – meist originalgraphisch und zum Schluss wird das Buch gebunden. Mit dem fertigen Buch können die jungen Autoren auf Buchmessen oder eigens organisierten Veranstaltungen ihre Geschichten vor Publikum vortragen. Es ist also ein sehr umfassender künstlerischer Prozess und entsprechend grundlegend oder fundamental sind die Erfahrungen und Fähigkeiten. Diese können möglicherweise für den beruflichen Wertegang beitragen, so wie ein ehemaliges Buchkind einen von 9 Studienplätzen an der Trickfilmschule in Potsdam bekommen hat – aus ca. 3000 Bewerbern. Es ist aber auch einfach schön zu sehen, wie sich die Ausdrucksvielfalt und die Farbigkeit der Sprache von Kindern entwickelt, die über mehrere Jahre bei uns sind. DAS GESPRÄCH FÜHRTE KAI GEIGER.

Literatur | Kinder | Augsburger Puppenkiste  |  43

die Gefühle der kleinen Kobolde hineinversetzen können, sollen so spielerisch zur differenzierten Wahrnehmung ihrer eigenen Gefühlswelt angeregt werden. Wie haben Sie sich beim Komponieren (Lied und Musik) den Gefühlen, dem Fühlen von Kindern genähert und vergewissert, dass ihre Lieder, die Musik auch die Gefühle treffen? Da die Texte vorgegeben waren, ging es für uns vor allem darum, diese auf musikalischer Ebene zu unterstützen und zu vertiefen. Gleichzeitig haben wir darauf geachtet, dass es für Kindergartenkinder und ErzieherInnen im Kindergartenalltag umsetzbar sein sollte.

Koboldland © Augsburger Puppenkiste

Kinderkulturprojekt

Paula und die Kistenkobolde

Augsburger Puppenkiste als kreativer und emotionaler Partner Seit 2006 gehen Papilio und die Augsburger Puppenkiste mit ihrer Aufklärungskampagne regelmäßig auf Deutschland-Tournee. Ziel ist, auf die große Bedeutung psychosozialer Gesundheit aufmerksam zu machen und Förderer und Kindergärten dafür zu gewinnen. Paula und die Kistenkobolde heißt eine der drei Papilio-Maßnahmen, die Kinder in Papilio-Kitas kennen lernen. Die Geschichte bildet die Basis für das Erlernen emotionaler Kompetenzen und entstand in Zusammenarbeit mit der Augsburger Puppenkiste. Autor ist Peter Scheerbaum, der schon lange mit der Augsburger Puppenkiste zusammenarbeitet. Die Puppenkiste inszenierte das Stück auch für die Bühnen. Davon gibt es einen Film auf DVD. Zudem wurden Paula und die Kistenkobolde als Hörspiel aufgenommen. Die Musik komponierten Wolfgang Lackerschmid und Stefanie Schlesinger, die mir anlässlich der jazzahead in Bremen das Projekt vorgestellt und mich dafür begeistert haben. Im Frühsommer trafen wir Stefanie Schlesinger und Wolfgang Lackerschmid zum Gespräch. Wer und was ist Stefanie Schlesinger? Stefanie Schlesinger ist Jazzsängerin, schreibt Songs, arbeitet als Gesangs-Pädagogin, und singt und spricht bei „Paula und die Kistenkobolde“ die Rolle der Paula. … und Wolfgang Lackerschmid? Wolfgang Lackerschmid ist ein international renommierter Jazzmusiker, Multiinstrumentalist und

Komponist. Besonders bekannt ist er für sein Spiel auf seinem Hauptinstrument, dem Vibraphon. Sie arbeiten in vielen Projekten zusammen? Wie sind Sie sich begegnet und wie haben Sie sich künstlerisch gefunden? Die Zusammenarbeit ist sehr vielseitig. Ob als Duo mit Vibraphon und Gesang bis hin zu Musiktheaterstücken, die wir gemeinsam entwickeln, gibt es immer neue und spannende Projekte. Kennengelernt haben wir uns in Irsee, als Wolfgang Lackerschmid zum dortigen Kunstsommer eine Auftragskomposition einstudierte und Stefanie Schlesinger im Chor seine Musik sang. Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit Papilio, der Augsburger Puppenkiste und Ihnen für „Paula und die Kistenkobolde“? Dies erfolgte auf Initiative der Augsburger Puppenkiste, deren Autor Peter Scheerbaum auch die Geschichte zu „Paula und die Kistenkobolde“ schrieb. Das pädagogische Konzept von Papilio besteht aus drei Bausteinen, von denen einer die Geschichte rund um Paula darstellt. Deren Umsetzung oblag - natürlich in enger Zusammenarbeit mit den Papilio-Team - der Augsburger Puppenkiste. Wer ist Paula, wer sind die Kistenkobolde und um was geht es in dem Stück? Paula ist ein fünfjähriges Kindergartenkind, das auf dem Dachboden seiner Großeltern eine Kiste entdeckt, aus der nach und nach die vier Kobolde Heulibold, Zornibold, Bibberbold und Freudibold zum Vorschein kommen. Sie sind auf der Suche nach einem Kind, das ihnen hilft, ihren jeweiligen Gefühlszustand zu verstehen. Die Kinder im Vorschulalter, die sich ja sehr rasch und intensiv in

„Paula und die Kistenkobolde“ ist ein Projekt der Papilio. Was verbirgt sich dahinter? Der Papilio e.V. widmet sich Gewalt- und Suchtprävention, und setzt dabei schon im Kindergartenalter an. Ausführliche Details zum pädagogischen und wissenschaftlichen Hintergrund findet man unter www.papilio.de. Wie reagieren, interagieren und partizipieren die Kinder? Grundsätzlich sind die Kinder natürlich erst einmal von den Marionetten fasziniert und lauschen gespannt der Geschichte. Für uns besonders berührend ist es, wenn Kinder, die bereits seit längerem in einem Papilio-Kindergarten mit der Geschichte vertraut sind, bei den Songs begeistert mitsingen. Für diese Kinder ist unsere Musik ein prägender Teil ihrer Kindheit geworden. Das ist wundervoll! Arbeiten Sie jeden Auftritt auf und reflektieren diesen mit den Einrichtungen vor Ort und im Team? Wenn wir mit unserem eigenen Kinderliederprogramm (mit und ohne Marionetten) unterwegs sind, versuchen wir durchaus, uns auf die Gegebenheiten vor Ort einzustellen. Dabei hängt auch viel davon ab, in wie weit die Pädagogen schon im Vorfeld mit den Kindern gesungen und musikalisch gearbeitet haben: Wie groß ist die Bereitschaft der Kinder, mitzumachen, wie geschult ist die Aufmerksamkeit für Musik etc. „Paula hat gar keine Zeit mehr zum Traurig-sein …“ und „ Glücklich sitzt Pauls auf ihrem Sofa ….“ heißt es am Ende. Als „Eltern“ von Paula haben Sie alles richtig gemacht? Was können und wollen Sie Eltern mit auf dem Weg geben, was sie an und mit ihrer Paula gelernt haben? Durch Paula lernen die Kinder sich ihrer Gefühle bewußt zu werden, und auch darüber zu reden, wenn es einem einmal nicht so gut geht. Außerdem können sie Verständnis für die Trauer, die Angst oder Wut des anderen entwickeln und ihm gegebenenfalls dabei helfen, mit diesen Gefühlen umzugehen. Was bleibt? Und was bleibt noch zu tun? Das Projekt ist ungemein nachhaltig, wachsen doch immer wieder neue Generationen von Kindern mit unseren Songs auf. Wenn wir ihre Entwicklung dadurch positiv unterstützen konnten, ist dies der schönste Erfolg. Uns persönlich haben die Kobolde und Paula dazu inspiriert, die CD „Lieder aus dem Koboldland“ zu produzieren. Hier haben wir losgelöst von einer Geschichte und mit den Elementen des Jazz den Kobolden und Paula Songs auf den Leib geschrieben. So gibt es z.B. einen Blues für den traurigen Heulibold. Darüber hinaus war es uns wichtig, möglichst viele Instrumente vorzustellen, wofür sich die improvisatorischen Teile der Songs natürlich fantastisch eignen. Dass es irgendwann eine weitere musikalische Geschichte rund um Paula gibt, ist ebenfalls nicht ausgeschlossen. DAS GESPRÄCH FÜHRTE KAI GEIGER. PAULA UND DIE KISTENKOBOLDE DVD 32 Minuten, Begleitheft für Eltern (12 Seiten), EUR 9,95 BILDERBUCH: PAULA UND DIE KISTENKOBOLDE Gebundene Ausgabe, 32 Seiten, plus Hörspiel-CD mit dem Stück, EUR 14,95

© Wolfang Lackerschmid, Stefanie Schlesinger

www.papilio.de www.augsburger-puppenkiste.de www.stefanieschlesinger.de www.lackerschmid.de


44  |  Literatur | Kinder | Düsseldorf

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alle Bilder © Musikverein Düsseldorf

Jeder hat eine Stimme Die Erfolge der Kinder machen Mut: In Düsseldorf gehen professionelle Sänger in die Grundschulen „Guten Morgen, liebe Kinder der HermannGmeiner-Schule!“ Das sagt Ulrike Eitel nicht. Sondern sie singt es, auf einer Bühne. Und bemerkenswert konzentriert schallt es zurück: „Guten Morgen, Frau Eitel!“ Dabei hatte bis eben noch ein ungeheures Tohuwabohu in der Düsseldorfer Tonhalle geherrscht. Schließlich sind hier mehr als eintausend Kinder aus drei Grundschulen versammelt, um gemeinsam zu singen. Dass das Kinder zwischen sechs und zehn Jahren in der Schule tun, ist keineswegs mehr so selbstverständlich, wie man denken könnte. Zwar ist Singen nach wie vor Teil aller Lehrpläne, aber ausgebildete Musiklehrer finden sich nur in einer Minderheit der Grundschulen. Darum hängt viel davon ab, ob der Klassenlehrer gern singt oder nicht. Und dass viele Erwachsene sich heutzutage mit dem Singen schwertun, lehrt jeder Besuch einer Hochzeit oder eines Weihnachtsgottesdienstes. Laut zu singen, scheint den meisten Menschen irgendwie peinlich geworden. Bei vielen dürfte das auch damit zu tun haben, dass sie es als Kinder kaum getan haben. Und vom Lernen der Notenschrift in den weiterführenden Schulen bleibt bei den meisten Menschen wenig hängen. Zu spüren bekommen das auch die vielen Laien-Ensembles. Kirchenchöre und Gesangvereine leiden unter Überalterung. Selbst die philharmonischen Chöre, die die großen symphonischen Werke singen dürfen, klagen über Nachwuchsmangel. „Nicht immer nur schwätzen, sondern auch etwas tun“, ist das Motto, mit dem Manfred Hill dagegen angehen will. Der 72-jährige ehemalige Chef einer Feuerlöscherfirma steht

nicht nur zu seinem kräftigen rheinischen Akzent, er engagiert sich auch in vielfältiger Form für seine Stadt. Als Vorsitzender des Städtischen Musikvereins zu Düsseldorf vertritt er einen der ehrwürdigsten deutschen Laienchöre. Felix Mendelssohn-Bartholdy und Robert Schumann waren hier Musikdirektoren, im 19. Jahrhundert standen manchmal bis zu siebenhundert Sänger auf der Bühne. Doch der Nachwuchsmangel macht sich auch hier bemerkbar. Aber Manfred Hill hat vor inzwischen zehn Jahren die „Singpause“ ins Leben gerufen. Zweimal in der Woche gehen dabei professionelle Sänger in Grundschulen, um zwanzig Minuten mit den Kindern zu singen. Angefangen hat Hill mit fünf Schulen,

inzwischen sind es 61 geworden. 13 400 Düsseldorfer Kinder nehmen an insgesamt 1160 „Singpausen“ pro Woche teil. Das Konzept ist so erfolgreich, dass es Nachahmer von Niedersachsen bis Baden-Württemberg findet. Die Singpause entstand parallel zur Initiative „Je-Ki“, die von der nordrhein-westfälischen Landesregierung intensiv gefördert wurde. Auch eine gute Idee – doch „Jedem Kind sein Instrument“ gilt in vielerlei Hinsicht als fehleranfällig. An den meisten Orten stehen nicht genug Lehrer zur Verfügung, manchmal auch nicht genug Instrumente fürs häusliche Üben. Nur im Gruppenunterricht zu musizieren, bringt bei den meisten Instrumenten nicht sehr viel. Inzwischen hat man

daraus gelernt und mit dem laufenden Schuljahr Je-Ki zu „JeKits“ erweitert. Bei „Jedem Kind Instrumente, Tanzen, Singen“ spielen auch Formen des musikalischen Gestaltens wie Singen und Tanzen eine größere Rolle, die sich gut in der Gruppe betreiben lassen. „Jedes Kind hat ein Instrument“ ist denn auch einer der Merksätze von Manfred Hill: Eine Stimme hat nämlich erst mal jeder. Was noch nicht bedeutet, dass er auch weiß, wo „sie sitzt“, wie die Sänger sagen. „Am Anfang können die meisten Kinder zwischen Rufen, Singen und Sprechen noch nicht richtig unterscheiden“, sagt Marieddy Rossetto, künstlerische Leiterin der Singpause. „Aber schon nach ein paar Monaten beginnen sich die Stimmen zu run-


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Literatur | Kinder | Taschenlampenkonzerte  |  45

alle Bilder © Rumpelstil

den.“ Mit Stimm- wie Gehörbildung beginnt die Singpause, bei der nach der sogenannten Ward-Methode unterrichtet wird. Das von der amerikanischen Musikpädagogin Justine Bayard Ward (1879–1975) entwickelte System ordnet den Tönen der Dur-Tonleiter Zahlen oder Silben zu, die die Kinder in den Grundschulen bereits beherrschen. Solche Verfahren sind aus vielen Kulturen vertraut, auch bei der Erfindung der europäischen Musiknotation im Mittelalter spielten sie eine Rolle. Gleichzeitig zeigen die Kinder mit den Händen die Tonhöhen an, sodass die Stufen der Tonleiter im Körpergedächtnis gespeichert werden. Erst von da aus lernen sie, über Zwischenstufen, das Notensystem. Das erstaunliche Ergebnis: In der vierten Klasse können die meisten Kinder fließend Noten lesen und in Klang umsetzen – was heute sehr vielen Erwachsenen, denen man die Noten eines Weihnachtsliedes in die Hand drückt, eben nicht gelingt. Noten stehen denn auch in dem Heft, das die Eltern und Sponsoren beim Abschlusskonzert in der Düsseldorfer Tonhalle bekommen. Das jährliche Ereignis sei für die Schulen wichtig, um die Motivation zwischendurch wachzuhalten, sagt Marieddy Rossetto. „Für die Erde singen wir“, heißt das Motto in diesem Jahr; die Kinder singen Volkslieder aus verschiedenen Kulturen: „Und jetzt gang i ans Petersbrünnele“ aus Österreich ebenso wie das russische „Sascha geizte mit den Worten“ oder ein südamerikanisches „Un poquito cantas“, dies sogar im spanischen Original. Dazu gibt es auch hier lustige Bewegungen, die beim Merken helfen. Beim englischen „Summer is acoming in“ dürfen die Erwachsenen den begleitenden „Kuckuck“ imitieren. Zur Mitte des Konzerts schalten die Lichttechniker den großen Sternenhimmel der Tonhalle dazu, der daran erinnert, dass Düsseldorfs wichtigster Konzertsaal einmal ein Planetarium war. Ein großes Oh und Ah geht durch den Raum.

Der gastgebende Intendant Michael Becker hält so ein „kindliches Erleben“ für deutlich wichtiger als „Education“. Die Tonhalle pflegt eine regelmäßige Aufbauarbeit gerade für die Jüngsten. Konzerte gibt es bereits – unter dem Titel „Ultraschall“ – für die Ungeborenen, gefolgt von der Reihe „Himmelblau“ für Babys. Das Modewort „Education“ benutzt Becker dafür nicht, weil es ihm erst mal nicht darum geht, ob die Kleinen später für Haydn und Schönberg wiederkommen. „Wir wollen ein Gefühl dafür vermitteln, dass es einen Unterschied macht, ob man für Musik einen Knopf drückt oder sie selber macht.“ Die Singpause passt da perfekt ins Profil. Auch deshalb schafft man Raum für die insgesamt sechzehn Abschlusskonzerte der 61 Schulen. So kommen auch Kinder in den zentralen Konzertsaal Düsseldorfs, die in der Peripherie leben und selten überhaupt in der Innenstadt sind. Die Tonhalle wird zum Bürgerzentrum. Der Verkehrsbund legt für die Abschlusskonzerte sogar Sonderfahrpläne an. Die Singpause hat damit eine hohe integrative Wirkung, gerade für soziale schwächere Familien. Auch Kinder mit Migrationshintergrund kommen durchs gemeinsame Singen leichter in den Klassenverband hinein. Entsprechend begeistert sind die Klassenlehrer und geben gern etwas von ihrer Unterrichtszeit ab. „Die Singpause macht natürlich die Welt nicht besser“, sagt Manfred Hill, „aber sie kann den Umgang der Kinder miteinander verbessern.“ Zum Abschluss des Konzerts steht denn auch eine echte Hymne an seine Stadt auf dem Programm: „Düsseldorf, du schöne Perle am Rhein“. Und die Choreografie dazu? Es darf geschunkelt werden. Autor MICHAEL STALLKNECHT, übernommen mit Genehmigung aus der Süddeutschen Zeitung vom 13.5.2016, Feuilleton www.tonhalle.de | www.musikverein-duesseldorf.de

RUMPELSTIL Die Musik von RUMPELSTIL ist da zu Hause, wo Erwachsene und Kinder zusammen kommen, also miteinander bummeln, schummeln, Kekse klauen, sich im Auto stauen, Karten spielen, um die Wette schielen, Fragen fragen, sich wieder vertragen und gute Musik erleben wollen. Dieses Zusammenspiel von Groß und Klein ist den vier Musikern wichtig. Kinder können über Erwachsene staunen und Erwachsene wundern sich über ihre Kinder. Das, was im Alltag so oft verloren geht. Bühnenshows wie »Die 1x1 Matheshow« und »Das Konzert der Lieblingsbücher«, ihre Musikrevuen bzw. Musikmärchen wie »Das Märchen vom Prinzen der nicht heiraten wollte«, »Frau Holle und Herr Knolle« und »Käsemondmärchen« sind durch ihren Witz und durch ihre stimmige, abwechslungsreiche Musik kleine Highlights im Jahreszeitenchaos. Die Songs von RUMPELSTIL sind anspruchsvoll und das macht sie so erholsam.

Am 24. September erwartet Sie erneut eine ausverkaufte Waldbühne in Berlin, wo Sie, wie davor in Hamburg, Dresden, Bonn und vielen anderen Städten, mit ihrem Taschenlampenkonzert, das inzwischen schon Kultstatus hat, auf der Bühnen stehen und sie viele Kinder und Erwachsene für ein Jahr, bis zum nächsten Mal glücklich machen. Wie das? Was ist das „magische“? Drei oder vier Mal im Jahr erleben wir ein „magisches“ Konzert. Das heißt, die Musik, das Publikum, wir, die Musiker und die Techniker sind Eins mit dem Abend, mit der Situation. Alle scheinen leicht bis schwer verzaubert zu sein und alle zaubern irgendwie mit. Man möchte alle umarmen und die Musik sowieso. So ein seliges Grinsen liegt in der Luft und manchmal schweben wir danach noch stundenlang durch die Stadtlandschaft. Dann wissen wir wieder ganz genau, warum wir Musiker geworden sind. Nun ja, wir haben so 80 Konzerte im Jahr und manchmal wird es eben „magisch“. Was ist ein Taschenlampenkonzert und wie entstand die Idee dazu? Eine Bekannte, die sich in ein Lied von uns und zwar in das Lied „Die Wahrheit“ verliebt hatte, wollte unbedingt mit uns in einem Berliner Park ein Konzert organisieren. Bei der Ortsbegehung hat dann die Nachmittagssonne bei mir eine Kindheitserinnerung ans Licht gekitzelt. Und Schwups, war die Idee da – „Hier müsste

man ein Taschenlampenkonzert machen“. Als dann zum ersten Taschenlampenkonzert trotz Unwetterwarnung und Regen 900 Gäste und 900 Taschenlampen erschienen, war klar, dass das eine gute Idee war. Einige Jahre später, als dann diese Freilichtbühne aus allen Nähten platze, traute sich Sabine Giese von der DEAG, dieses Konzert in die Waldbühne zu holen. Und die Berliner Waldbühne war dann der Ritterschlag. Zurzeit bereiten wir ein Taschenlampenkonzert in Mexico City vor. Was erwartet die Besucher? 1. Ein kleines Abenteuer. Nachtwanderung und Rockkonzert in Einem. Die Band RUMPELSTIL spielt zwei Stunden nonstop, ausschließlich eigene Songs. Es wird gefunzelt (Publikum), außergewöhnlich gut gesungen (Publikum + RUMPELSTIL) und sehr frei getanzt (Publikum + TanzZwiEt). 2. Eine sehr gute Band. Die Berliner Band RUMPELSTIL – Blanche Elliz, Max Vonthien, Peter Schenderlein und Jörn Brumme – wird dieses Jahr verstärkt durch Rene Decker (as) und Micha Ritter (g), 15 Posaunisten der Musikschule Neukölln und durch die TänzerInnen der TanzZwiEt. Das Motto der Band: Unsere Lieder sind anspruchsvoll und darum so erholsam. 3. Ein äußerst sympathisches Publikum. Taschenlampenkonzerte sind keine Konzerte für tausend kreischende Teenies oder für tausend grauhaarige Jazzliebhaber. Es sind im wahrsten Sinne des Wortes – Familienkonzerte für Groß, Klein und Kleinstfamilien. RUMPELSTIL ist mehr als das Taschenlampenkonzert. Wer und was ist RUMPELSTIL? Wir sind Band und Musiktheater gleichzeitig und wirklich keine Stubenhocker. Das ganze rumpelstilistische Unternehmen können wir am Leben erhalten weil wir heftig unterwegs sind und jedes Jahr ca. 80 Konzert bzw. Theaterstücke auf die Beine stellen. Wir sind eine freie Band, kein Major hat uns bis jetzt gekauft und wir probieren immer wieder Neues aus. Im Repertoire haben wir „Das Konzert der Lieblingsbücher“, das Musikmärchen“ ...vom Prinzen der nicht heiraten wollte“, das „Müllkonzert“, ein „Grusel*fan*konzert“ und auch eine „Mathematikshow“. Abgesehen von mir sind alle auch im Jazzbereich unterwegs. Ich bin dann doch lieber am Meer. www.rumpelstil.de DAS GESPRÄCH FÜHRTE KAI GEIGER.


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agogik und zur Entwicklung von Methoden und Formaten, um allen gesellschaftlichen Gruppen eine Teilhabe an Kunst und Kultur zu ermöglichen. Grundlage dafür ist der Bildungsauftrag, den jede öffentliche Kulturinstitution erfüllen muss. Gerade die Ausstellungen der SCHIRN zeigen nicht nur interessante künstlerische Positionen, sondern greifen immer auch aktuelle gesellschaftliche Debatten auf. Mit unseren Angeboten möchten wir diese Inhalte einem breiten Publikum vermitteln, zu einer Auseinandersetzung mit diesen Themen anregen und damit ein Interesse an Kunst auch für zukünftige Generationen sicherstellen. Nicht zuletzt geht es immer wieder darum, die Relevanz künstlerischer Positionen auch für heutigen Lebensalltag spürbar zu machen.

Kinderkunstnacht | © Sascha Rheke

Schirn Kunsthalle Frankfurt

Bildung und Ästhetik Bildung im Kindesalter hat in den letzten Jahren immer mehr an Wichtigkeit zugenommen. Eine Gruppe von Pädagoginnen und Pädagogen, die im Jahre 2003 das Berliner Bildungsprogramm entworfen haben, diskutierten lange über ihr Verständnis von Bildung und fanden eine Formel, die das, was sie mit Bildung im Kindesalter meinen, so zusammenfasst: „In Anknüpfung an Humboldt verstehen wir Bildung als die Aneignungstätigkeit, mit der sich der Mensch ein Bild von der Welt macht und sie gestaltet.“ Der Begriff „Aneignungstätigkeit“ meint hier vor allem die Selbsttätigkeit von Kindern, also ihre Fähigkeit, von Geburt an selbst zu fühlen, zu handeln und zu verstehen. Erkenntnis ist diesem Verständnis zufolge nicht das Produkt pädagogischen Bemühens, sondern vollzieht sich im Kind selbst durch vielfältige sinnliche Erkundungen. In diesem Verständnis treffen für die Gruppe Bildung und Ästhetik zusammen (Quelle Prof. Dr. Annette Dreier, FH Potsdam,) Wer mit Kindern zusammen aufwächst, mit ihnen lebt oder auch durch einen pädagogischen Beruf sehr eng mit Kindern verbunden ist, kann sich der Faszination der Bilder und Zeichnungen sicherlich nicht entziehen. Immer mehr Kindereinrichtungen öffnen sich diesem Ansatz und richten Ateliers, Räume zum Forschen und Experimentieren wie auch

Angebote zum Theater-, Puppen- und Rollenspiel ein. Sie geben dadurch den Kindern dort vielfältige Gelegenheiten zum Wahrnehmen, Ausprobieren, Phantasieren und Inszenieren.

Ferienprogramm wie auch Führungen für alle Altersklassen vom Kindergarten bis hin zu speziellen Programmen für ältere Menschen mit Hör- und Sehproblemen.

SCHIRN KUNSTHALLE FRANKFURT

Wir sprachen mit Frau Dr. Chantal Eschenfelder, Leitung Bildung & Vermittlung in der Schirn Kunsthalle Frankfurt:

Die SCHIRN KUNSTHALLE FRANKFURT ist eines der renommiertesten Kunsteinrichtung Europas. Sie versteht sich als eine über gesellschaftliche Schichten hinweg verbindende Begegnungstätte, als Impulsgeber und Ort des kritischen Hinterfragens historischer und aktueller Positionen in der Kunst. Gleichzeitig ist sie eine wichtige Bildungseinrichtung im Raum Frankfurt Rhein-Main. Sie hat in den letzten Jahren ihr Angebot an Dienstleistungen und museumspädagogischen Angeboten für alle Altersgruppen stark ausgebaut. So gibt es die Freunde der SCHIRN, den CIRCLE, den KINDERKUNSTCLUB, die MINISCHIRN, ein renommiertes und weithin anerkanntes

Dr. Chantal Eschenfelder | © SCHIRN

Sommerakademie | © Dirk Obermeier

Warum sind diese Angebote so wichtig geworden für ein Museum? Die SCHIRN ist eine Kunsthalle, das heißt, es gibt im Vergleich zu einem Museum keine eigene Sammlung sondern wechselnde Ausstellungen zu Themen der modernen und zeitgenössischen Kunst. Kunstvermittlung bedient dabei nicht nur die Bedürfnisse der aktuellen Besucher, sondern sichert auch das Publikum von morgen. Es ist ja inzwischen bekannt, dass ein frühzeitiger Umgang mit Kunst besonders nachhaltig wirkt und den Grundstein für ein Interesse an Kultur auch im Erwachsenenalter legt. Mit unseren vielfältigen Vermittlungsangeboten reagieren wir auf die sich verändernden Bedürfnisse unseres immer stärker diversifizierten Publikums, das mit verschiedenen Interessen, Erwartungen aber auch unterschiedlichen Bildungshintergründen zu uns kommt. Die Auseinandersetzung mit Kunst und Kultur ist heute nicht mehr nur einigen wenigen Kunstinteressierten vorbehalten. Bereits in den 1960er Jahren kam es im Zuge der pädagogischen Reformen zu einem Aufschwung der Kunstpäd-

Kinderstunde | © Dirk Obermeier

Was sind die Beweggründe für das Engagement? Zunächst reagieren wir einfach auf die vielfältigen Bedürfnisse unserer Besucher. Viele kommen mit einem grundsätzlichen Interesse an Kunst, wünschen sich aber noch sehr viel mehr Hintergrundinformationen. Seit einiger Zeit steht auch die sogenannte „visitor journey“ stärker im Mittelpunkt. Das heißt, wir machen nicht nur Angebote für den Ausstellungsbesuch selbst, wie beispielsweise eine Führung oder einen Audioguide, sondern fragen uns darüber hinaus, was Besucher im Vorfeld zur Vorbereitung benötigen oder auch danach als Erinnerung oder Vertiefung gerne mitnehmen möchten, etwa den Katalog oder ein Begleitheft. Das kostenfreie Digitorial hilft beispielsweise den Besuchern, sich inhaltlich auf das jeweilige Ausstellungsthema einzustimmen und vorzubereiten und damit das Museumserlebnis zu bereichern. Aber auch in der Ausstellung gibt es digitale Angebote wie das Wifi-Angebot, auf das man von seinem Mobiltelefon zugreifen kann und die eher spielerisch mit kleinen Fragen und Impulsen eine Auseinandersetzung mit den Werken in Gang setzen. Sonderformate wie Expertenführungen, SCHIRN@NIGHT, Dialogführungen, oder andere Veranstaltungen richten sich auch an wiederkehrende Besucher und sprechen darüber hinaus weitere Publikumsgruppen an, die sonst vielleicht nicht in die Ausstellung gekommen wären. Ein Schwergewicht liegt auf dem Angebot für Kinder und Jugendliche. Was bietet die Schirn mit welcher Zielrichtung an? Das große Spektrum reicht von dem eher didaktisch aufbereiteten Führungs- und Workshop-Programm für Kitas und Schulen aller Altersstufen und Schulformen bis zu eher spielerisch- unterhaltsamen Programmen wie die Kinderstunden mit Märchenerzähler oder Workshops am Sonntag, Familiennachmittage, Ferienprogramme oder Kindergeburtstage. Etwas ganz Besonderes ist in diesem Zusammenhang die MINISCHIRN: ein dauerhafter ästhetischer Erlebnisparcours für Kinder von drei bis acht Jahren. Hier können Kinder ganz eigenständig an verschiedenen Stationen zu den Themen Farbe, Form und Struktur ihrem natürlichen Bewegungsdrang und ihrer Entdeckerfreude nachgehen. So erleben sie spielerisch Grundlagen ästhetischer Gestaltung, während sich ihre Eltern in Ruhe die Ausstellung anschauen. Darüber hinaus führen wir auch größere Projekte durch, wie z.B. SCHIRN DOMINO, wo wir mit Frankfurter Jugendhäusern kooperieren und mehrwöchige Kunstprojekte zu unseren Sonderausstellungen mit anschließender Präsentation durchführen. Es ist uns sehr wichtig, auch Angebote mit Kindern und Jugendlichen durchzuführen, die sonst nicht mit Kunst und Kultur in Berührung kommen. Was macht das Angebot mit den Kindern und Jugendlichen? Selbst für routinierte Kunstpädagogen ist es immer wieder aufs Neue ein Erlebnis zu sehen, wie stark Kunst als Impulsgeber wirkt, wie Kinder und Jugendliche auf Werke reagieren, obwohl sie sich vielleicht nie zuvor damit beschäftigt haben. Kunst hat eine Ausdruckskraft, die auf einer nonverbalen Ebene wirkt. Diese Eindrücke dann in eigene Worte zu fassen oder auch in einem anschließenden Workshop selbst schöpferisch umzusetzen, ist für viele eine ganz neue und be-


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Literatur | Kinder | Düsseldorf | Duisburg  |  47

sondere Erfahrung, die nachhaltig wirkt. Hierbei geht es nicht nur darum, Interesse für Kunst an sich zu wecken. In vielen Untersuchungen zu Lern- und Bildungsprozessen konnte nachgewiesen werden, wie stark die Teilnahme an solchen Angeboten zur Stärkung der eigenen Identität und von Kompetenzen wie Wahrnehmungs-, Kreativitäts- und Kommunikationsfähigkeiten beiträgt. Alles Stärken, die später auch für andere Bereiche wie Handwerk, Naturwissenschaft und Technik nützlich sind. Findet neben dem Zugang zur Kunst auch eine starke Bindung zum Haus, der SCHIRN Kunsthalle statt; Kinder, die über Jahre, die verschiedenen Angebote wahrnehmen? Ja, die gibt es. So haben wir in der MINISCHIRN extra ein „Fanticket“ für Stammgäste eingeführt. In unserem Programm EXPLORE treffen sich Kinder und Jugendliche ab 10 Jahren wöchentlich zum künstlerischen Arbeiten und Testen unseres Workshop-Programms. Viele der Teilnehmer sind über mehrere Jahre dabei geblieben. Auch der KINDERKUNSTKLUB bietet die Möglichkeit im Alter zwischen 6 und 13 Jahren regelmäßig und über einen langen Zeitraum am Vermittlungsprogramm der SCHIRN teilzunehmen. Auf diese Weise sind auch unter unseren jungen Besuchen der SCHIRN schon viele Fans gewachsen. Mit welchen Einrichtungen, Partnern kooperieren Sie in diesen Angeboten und wie wichtig sind diese für sie und die SCHIRN für die Partner? Zur Realisierung unserer Angebote arbeiten wir mit vielen Bildungspartnern zusammen, wie etwa dem Kita Bildungsnetz der Stadt Frankfurt, vielen Schulen, den kunstpädagogischen Instituten der Universitäten in Gießen und Frankfurt, dem Netzwerk Kultur. Forscher, der kommunalen Kinder-, Jugend, und Familienhilfe in Frankfurt, dem Amt für multikulturelle Angelegenheiten u.v.a. Gerade in interdisziplinären Projekten in den Bereichen Bildung und Soziales ist es uns wichtig, mit Institutionen zusammen zu arbeiten, verschiedene Kompetenzen zusammenzubringen, mit denen sich eine professionelle Umsetzung realisieren lässt. Zudem sind Kooperationen auch immer hilfreich, um noch ein anderes Publikum zu erschließen. Wie lässt sich solch eine Angebotspalette finanzieren? Sind die Angebote keine finanzielle Belastung für den Museumsbetrieb? Wir würden da nicht von Belastung sprechen, denn die Investition in Bildung und Vermittlung lohnt sich am Ende immer. Aber natürlich unterscheiden wir zwischen einem Regelangebot, das aus dem laufenden Budget finanziert wird, und den vielen Sonderprojekten, die wir mit Hilfe von Förderern realisieren können. Das hat übrigens nicht nur finanzielle Vorteile. Um eine Förderung zu erhalten, müssen Sie einen gut vorbereiteten Projektantrag einreichen. Das ist gut investierte Zeit, die der Qualität des Programms am Ende dient. www.schirn.de DAS GESPRÄCH FÜHRTE KAI GEIGER.

DIE SCHNEEKÖNIGIN - Adela Zaharia | © Hans Joerg Michel

Oper am Rhein für alle Große Bühne für Kinderoper in Düsseldorf und Duisburg Morgens um elf im Theater Duisburg: Ohrenbetäubender Lärm füllt den Zuschauerraum, über 1.000 Kinder warten darauf, dass endlich der Vorhang aufgeht und sie die Räubertochter Ronja sehen und hören. Als die Vorstellung beginnt, herrscht plötzlich atemberaubende Stille – und hält an, bis sich die Spannung im jubelnden Schlussapplaus entlädt. Nach dem aufregenden Premierenbesuch schreibt die 10-jährige Zara in einem liebevoll mit Bildern und Zeichnungen gestalteten Brief: „Ich dachte immer, Oper wäre langweilig, ihr habt mir das glatte Gegenteil gezeigt.“ „Musik muss man nicht nur hören, man muss sie auch sehen.“ Diesem Motto des russischen Komponisten Igor Strawinsky folgend, findet seit der Spielzeit 2009/10 jedes Jahr die Premiere einer Kinderoper auf den großen Bühnen der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf und Duisburg statt. Jenseits von Dauerbrennern wie Humperdincks „Hänsel und Gretel“, das am Rhein seit 1969 als Kultinszenierung alle Jahre wieder zu Weihnachten auf dem Spielplan steht, präsentiert Generalintendant Christoph Meyer zeitgenössische Märchen- und Familienopern auf den beiden großen Bühnen der seit 1956 bestehenden Theatergemeinschaft. Sein erklärtes Ziel ist es, Musiktheater für Kinder regelmäßig mit dem gleichen Aufwand und Anspruch zu produzieren, wie er für die klassischen Opern des Repertoires betrieben wird. Für die jungen Zuschauer ein besonderes Erlebnis: „Robin Hood“, „Der gestiefelte Kater“ oder „Die Prinzessin auf der Erbse“ kommen als märchenhafte Helden auf die große Bühne – mit Solisten, Chor und komplettem Orchester sowie fantasievollen Bühnen- und Kostümbildern und allem Bühnenzauber, den Beleuchtung, Requisite und Pyrotechnik erzeugen können. Seit drei Jahren gibt es dazu die Kooperation „Junge Opern Rhein-Ruhr“: Dieses deutschlandweit einzigartige Projekt hat zum Ziel,

Kinder und Jugendliche für spannendes Musiktheater zu begeistern, indem Werke speziell für sie komponiert werden. Gemeinsam vergeben die Deutsche Oper am Rhein und die Theater in Dortmund und Bonn Kompositionsaufträge für Uraufführungen großer Kinderopern. Das junge Publikum profitiert in den vier Städten davon, dass sich drei Institutionen den hohen finanziellen und künstlerischen Aufwand teilen. Aufgrund seiner landesweiten Bedeutung steht das Projekt „Junge Opern Rhein-Ruhr“ unter der Schirmherrschaft der NRW-Kulturministerin Christina Kampmann.

Eine Reihe von Projekten, Workshops und Mitmachaktionen flankieren die großen Kinderopern in Düsseldorf und Duisburg. Dafür sorgen die drei Mitarbeiterinnen des Bereichs „Junge Oper am Rhein“ mit Unterstützung des gesamten Theaters. Im neuen Bühnenprogramm „Der Opernbaukasten“ steht der bekannte KiKA-Moderator Malte Arkona im Mittelpunkt. Malte, der sich auch als Pate der Jungen Oper am Rhein engagiert, ist überzeugt: „Oper ist spannender als Fernsehen und Internet zusammen.“ www.operamrhein.de

DER OPERNBAUKASTEN – Elena Sancho Pereg (Blondchen), Malte Arkona (Moderator), Lukasz Konieczny (Osmin), Hubert Walawski (Belmonte), Eva Bodorová (Konstanze) | © Susanne Diesner

DEUTSCHE OPER AM RHEIN PROGRAMM FÜR ALLE AB 6 JAHREN DIE SCHNEEKÖNIGIN Familienoper von Marius Felix Lange 16.10.2016 & 10.11.2016, Theater Duisburg 25.11.2016–26.12.2016, Opernhaus Düsseldorf

DER OPERNBAUKASTEN – FOLGE 2 Oper entdecken mit Malte Arkona 06.11.2016 & 26.03.2017, Opernhaus Düsseldorf 12.02.2017 & 25.06.2017, Theater Duisburg

LOST IN THE FOREST Hänsel und Gretel auf der Spur 9.11.2016–20.11.2016, Opernhaus Düsseldorf 25.11.2016–30.11.2016, Theater Duisburg

ZAUBERFLÖTE FÜR KINDER Nach W.A. Mozart 17.12.2016–16.3.2017, Opernhaus Düsseldorf (Foyer) 22.1.2017–12.5.2017, Theater Duisburg (Foyer)

HÄNSEL UND GRETEL Märchenspiel von Engelbert Humperdinck 11.11.2016–15.01.2017, Opernhaus Düsseldorf 10.12.2016–22.01.2017, Theater Duisburg

PREMIERE WO DIE WILDEN KERLE WOHNEN Fantastische Oper von Oliver Knussen 03.03.2017–05.07.2017, Theater Duisburg


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DIE QUALITÄT DES UNVORHERSEHBAREN Feinstes Porzellan aus der kleinen Manufaktur EIDEN

PORZELLAN VASEN LICHT MANUFAKTUR

Porzellan ist ein besonderes Material. Obwohl es schwer ist, wirkt es leicht und fein. In der Ulmer Porzellan-Manufaktur entstehen anmutige Leuchten und Vasen. Jan und Dagmar Eiden, beide Designer und Keramiker sind die Persönlichkeiten, die den EIDENObjekten ganz besondere Ausstrahlung geben. Aus dem Rohstoff Porzellan entstehen Leuchten und Vasen mit Charakter, die Freude machen und Atmosphäre schaffen. Jedes Element steht für sich, hat seine Eigenarten und ist zugleich Teil eines Ensembles. Je nach Anspruch und Vorstellung. „Lebendigkeit und Schönheit, die nicht vorrangig nach Perfektion ausgerichtet sind, sind das, was uns wichtig ist, anzieht und antreibt“, sagen Jan und Dagmar Eiden übereinstimmend. „Der Zufall bekommt bei der Herstellung seinen Platz und jedes Objekt wird dadurch individuell“. Die Form ist wichtig, Akzente werden sparsam und mit Bedacht gesetzt. Raue Oberflächen kontrastieren mit feinen Dekors oder spielen mit glasierten Elementen. Farbe ist bewusst eingesetztes Gestaltungselement. Andere Kreationen wiederum erhalten durch den bewussten Verzicht auf Dekoration ihren Charme. Anne Kristin Baumgärtel © Agentur Buck & Baumgärtel, Ulm


50 | Design

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Alle Fotos © Eiden - Porzellan | Eiden – Porzellan Licht

Jan Eiden hat den Beruf von Grund auf gelernt. Bereits in der Schulzeit entdeckte er die Liebe zur Keramik und brachte seine Profession im Laufe der Jahre zur Vollendung. Jan Eiden ist seit 1998 selbständig. Er und seine Frau Dagmar, ebenfalls Meisterin dieses Handwerks und Designerin, gründeten 2003 zusammen die kleine Manufaktur am Ulmer Karlsplatz. Von hier aus starten EIDEN-Produkte in die Welt. Was kaum einer weiß: Porzellan ist die am schwierigsten zu verarbeitende keramische Masse. Um die ganz besonderen Eigenschaften dieses Werkstoffs herauszuarbeiten und überzeugende Produkte zu erschaffen, sind besondere Sorgfalt, Können und langjährige Erfahrung notwendig. Dann entstehen diese feinen unverwechselbaren Arbeiten. Mit jeder EIDEN-Vase, mit jeder EIDEN-Leuchte, mit jedem EIDENAccessoire verlässt ein Einzelstück die Manufaktur.

Und: eine Manufaktur ist keine Fabrik. Alle Arbeiten werden von Menschen getan. Das bedeutet auch, dass keine Form ganz der anderen gleicht, die Wandstärken und Glasuraufträge leichte Unterschiede aufweisen und kein Dekor ganz genau so aussieht wie das andere. Das ist erwünscht und wird bewusst nicht vermieden. Es ist Teil der Eiden-Philosophie. Wir trafen Dagmar und Jan Eiden im ANIMO, auch Ort der Fertigung für die Porzellan Leuchten, zum Gespräch: Eiden Porzellan gibt es nun seit 13 Jahren. Es war nicht der direkte Weg in die Selbständigkeit. Warum der Umweg über die AOK und den Beruf als Webdesigner in die Selbständigkeit? Jan Eiden: Für den Weg in die Selbständigkeit wollten wir uns Zeit lassen. Als gelernte Keramiker wollten wir „gute Keramik“ machen, schöne Dinge, die uns

entsprechen und in die Zeit passen. Dazu haben wir seit 1998 in einer kleinen Werkstatt parallel zu unseren ausgeübten Berufen die ersten Produktreihen entwickelt. Von Anfang an gab es Geschirr und Porzellan-Leuchten. Als wir 2002 die Räume in der Syrlinstaße fanden, waren wir bereit, ein schönes Sortiment anzubieten und zu verkaufen. Die Suche nach dem besseren Produkt ging weiter. Und im Laufe der Jahre haben wir uns von einer Töpferei zu einer kleinen Porzellanmanufaktur entwickelt. Die 13 gilt sowohl als Unglückszahl als auch als Glückszahl. Wie geht es Ihnen im Blick zurück und im Blick nach vorne? Jan Eiden: Dagmar hatte am Anfang die Vision, einfaches, lebendiges, handwerklich hergestelltes Geschirr zu machen, das in die Zeit passt und den Menschen gefällt. Sie hat gesucht, probiert und es dann einfach gemacht. Ich mußte mich zu Beginn mit der eigenen Unsicherheit auseinander setzen, ob man mit der Herstellung von Keramik oder Porzellan überhaupt den Lebensunterhalt bestreiten kann. Die große Zeit der Töpfer war schon eine Weile vorbei.


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Design | 51

Vitra Schaudepot © vitra

Weil am Rhein Vitra Schaudepot

Im Vitra Schaudepot, entworfen von den Basler Architekten Herzog & de Meuron, präsentiert das Vitra Design Museum der Öffentlichkeit Schlüsselobjekte seiner umfangreichen Sammlung. Die Sammlung des Vitra Design Museums zählt zu den wichtigsten Beständen des Möbeldesigns weltweit. Sie umfasst insgesamt rund 7000 Möbel, über 1000 Leuchten, zahlreiche Archive sowie Nachlässe von Designern wie Charles & Ray Eames, Verner Panton und Alexander Girard. Obschon das Hauptgebäude des Vitra Design Museums von Frank Gehry 1989 ursprünglich als Sammlungsbau konzipiert war, präsentiert das Museum darin heute grosse Wechselausstellungen. Die Sammlung des Museums wurde bislang nicht dauerhaft gezeigt. In diesem Zusammenhang entsteht ein zweiter Eingang zum Vitra Campus, der

Vision und Unsicherheit sind heute der Erfahrung gewichen, dass die Produkte gut sind und viele Leute sie mögen. Dankbar stellen wir fest, dass Vertrauen und Stabilität gewachsen sind. Wenn das so weiter geht, freuen wir uns. Woher nehmen Sie die Inspiration für Ihre Kreationen? Was, wo, wie ist Quell für ihre Ideen? Dagmar Eiden: Die Lust und die Freude am Geschirrmachen, am Leben, an den Dingen sind meine Quelle. Die Inspiration kommt von überall her... Wieviel Risiko liegt in jedem neuen Design, in jeder neuen Produktlinie? Dagmar Eiden : Wenn ich das Gefühl habe, dass ein Entwurf gut ist und stimmt, dann denke ich nicht weiter darüber nach. Ich mache es einfach und sehe, was passiert. Die eigene Freude über das Geschaffene trägt es nach aussen. Wie produzieren Sie? Auf Bestand oder auf Bestellung? Jan Eiden: Für die beiden Läden brauchen wir natürlich einen Bestand. Der ist aber nie vollständig. In beiden Bereichen, also beim Geschirr und bei den Leuchten, gibt es so viele Modelle und Modellvarianten, dass es eigentlich unmöglich ist, alles vorrätig zu haben. Daher fertigen wir viel auf Bestellung, für Wiederverkäufer wie auch für Endkunden. Darin liegt eine besondere Qualität. Der Kunde erhält genau die für ihn hergestellten Trinkschalen oder die oft in einem langen Entscheidungsprozess ausgewählte Leuchten-Kombination.

Zwei Kreative unter einem Dach? Wie meistern sie das? Jan Eiden: Zu Beginn haben wir unter einem Dach gemeinsam Leuchten und Geschirr hergestellt und weiterentwickelt. Das ging gut. Auch kreative Reibungseffekte gehörten dazu. Doch die Ergebnisse gefielen uns beiden. Seit vielen Jahren gibt es nun zwei Dächer, zwei Werkstätten, zwei Buchhaltungen. Da meistert jeder das Seine. Das Geschirr entsteht nun in der Sterngasse. Das ist gut so und mindert nicht die Qualität der Zusammenarbeit, z.B. bei der gemeinsamen Vermarktung. Vor 5 Jahren kam mit dem ANIMO – Das Ulmer Manufaktur-Café ein weiteres „Kind“ dazu? Wie kam es zu der Idee? Jan Eiden: Der Raum, den wir da als Werkstatt und Laden in der Syrlinstaße gefunden haben, hat es mir ins Ohr geflüstert. Schon Jahre vor Eröffnung des Cafés war ich mir sicher, dass dieser Raum ein schönes Café geben würde. Aber ich bin kein Gastronom, war ausreichend beschäftigt und der Raum war voll mit Porzellan. Nach der Aufteilung der Werkstätten an unterschiedliche Plätze in Ulm, wurde Platz frei. Zeitgleich ergab sich eine geschäftliche Partnerschaft, bei der ein bißchen gastronomische Erfahrung mit einfloß, so dass wir ohne lange zu überlegen den Versuch mit dem Café wagten. Es hat sich toll entwickelt. Das liegt allerdings auch sehr an unserem wunderbaren Team. Ohne diese Menschen würde hier nicht viel gehen. Sie sind der große Schatz im ANIMO!

Neben dem Cafébetrieb bieten Sie auch ein kleines, aber sehr feines Kulturprogramm an. Was sind die Schwerpunkte in der Kultur und wie steht dieses in Verbindung zur Keramik? Jan Eiden: Ich war nie nur Keramiker. Und ein Café ist für mich nicht nur ein Platz, wo es Kaffee, Kuchen und Mittagessen gibt. Es sollte ein Platz sein, an dem man sich wohl, vielleicht ein bißchen inspiriert und aufgehoben fühlt. Es ist ein Platz, der, wie ich finde, immer wieder neu belebt werden muss. Und es ist schön, wenn das mit Veranstaltungen geschieht, die mir am Herzen liegen und meist auch anderen gefallen. Das ist das Kriterium unserer kleinen Konzerte, Varietés und Vorträge. Es ist ein Geschenk, dass es immer wieder herausragenden Musikern und Künstlern Freude macht, hier in unserem kleinen Café aufzutreten.

dadurch noch besser an die Städte Basel und Weil am Rhein ange-

www.eiden-eiden.de | www.cafe-animo.de

Wien (A) VIENNA DESIGN WEEK

DAS GESPRÄCH FÜHRTE KAI GEIGER.

bunden wird. www.vitra.com/de-de/campus

Holland (NL) Von Mondrian bis zu Dutch Design. 100 Jahre De Stijl. 2017 ist es 100 Jahre her, dass De Stijl in Leiden gegründet wurde. Holland feiert dies mit dem Jubiläumsjahr Von Mondrian bis zu Dutch Design. 100 Jahre De Stijl. Piet Mondrian ist einer der bekanntesten Künstler dieser internationalen Kunstbewegung. Das Gemeentemuseum in Den Haag besitzt die größte Mondrian-Sammlung und eine der größeren De-Stijl-Sammlungen der Welt. 2017 bietet das Museum seinen Besuchern eine einzigartige Gelegenheit: Es präsentiert unter anderem zum ersten und einzigen Mal in seiner Geschichte alle 300 Mondrians in einer gemeinsamen Ausstellung. www.holland.com | www.gemeentemuseum.nl

Die VIENNA DESIGN WEEK ist

EIDEN – Porzellan Geschirr Dagmar Eiden Sterngasse 6 89073 Ulm

Österreichs größtes Designfestival mit einer Vielzahl an Schauplätzen in ganz Wien und begeisterte zuletzt 36.537 BesucherInnen. Das von Lilli Hollein kuratierte

© Petra Rautenstrauch/Kollektiv Fischka

Event geht 2016 in seine zehnte

EIDEN – Porzellan Licht Jan Eiden Syrlinstraße 17 (am Karlsplatz) 89073 Ulm

Runde. Entstehungs- und Produktionsprozesse

offenzulegen

und das experimentelle Arbeiten vor Ort anzuregen sind Kernelemente des Festivalkonzepts. Die

Manufaktur-Café ANIMO! Syrlinstraße 17 (am Karlsplatz) 89073 Ulm

VIENNA DESIGN WEEK macht ganz Wien zum Schauplatz und zum Schauraum für Design. Design ist dabei mehr als das gestaltete Objekt und wird als elementarer Bestandteil der Kulturproduktion verstanden. Das Festival macht anschaulich, wie grundlegend Design unsere materielle Kultur, unseren

Sie konzentrieren sich auf Porzellan und Leuchten in Ihrer Arbeit. Was lag dieser Entscheidung zu Grunde? Wirtschaftliche Überlegungen auf Grund der Nachfrage oder die pure Leidenschaft für das Objekt und eine Nische (Leuchten)? Dagmar Eiden: Für mich ist es, wie gesagt, die Leidenschaft, Lust und Freude, Geschirr zu machen und den Alltag anderer Menschen damit zu „erhellen“. Jan Eiden: Vor Jahren haben wir die Produktlinien „Geschirr“ und „Leuchten“ getrennt. Dagmar betreibt die GeschirrManufaktur, ich bin für die Leuchten verantwortlich. Von Anfang an hat mich die Zartheit, Leichtigkeit und das schöne Licht der Leuchten fasziniert. Aber ich kann nicht leugnen, dass es mich durchaus antreibt und freut, dass wir mit Leuchten aus Porzellan in dieser Vielfalt auch nach Jahren noch ziemlich allein da stehen – und damit in einer sehr schönen Nische.

Alltag und unsere Warenwelt prägt, ebenso wie Lebensstil und Mode, kurzum: unser gesamtes ästhetisches Empfinden und Urteil. 30.9.-9.10.2016 | www.viennadesignweek.at

Zürich (CH) petite poste Ausgewählte Postkarten, Schreib- & Papeteriewaren petiteposte - der Online Store für exklusive Karten und ausgewählte Schreib- und Papeteriewaren. Die einzigartigen Postkarten und limitierten Editionen stammen von Künstlern aus aller Welt und können im Store direkt online und per Post weltweit verschickt oder zum Selberschreiben nach Hause bestellt werden. Bei den Schreib- & Papeteriewaren handelt es sich um hochwertige Produkte von namhaften und erlesenen Qualitätsmarken, wie Faber-Castell, Schwartz® RECYCLED & ECOLOGICAL, Barcelona bis hin zu Eigenproduktionen. petiteposte wird seit der Gründung 2010 von einem kleinen Team in Zürich geführt: Katrin Walther und Manuel Siciliano arbeiten gemeinsam mit ihren Partnern mit viel Leidenschaft daran, ihre Kommunikationswelt mit petiteposte ein Stück reicher zu machen. www.petiteposte.com


52 | Film

ASTRID | arttourist.com 2|2016

George Clooney, Foto Alexander Janetzko © Berlinale 2016

Berlin 67. Berlinale 2017

im Forum und Forum Expanded sowie

über 90 Ländern eingereicht. Neben den

verbuchen die Hofer Filmtage jedes Jahr

valpräsentationen,

die Erkundung filmischer Möglichkeiten

Wettbewerben bietet die Festivalwoche

einen Erfolg bei Publikum und Filmbran-

sowie erstklassig besetzte internationale

in den Berlinale Shorts. Das Berlinale Spe-

ein umfangreiches Angebot an Sonder-

che. Seit ihrer Gründung bieten die Hofer

Fachkonferenzen. In der Verbindung mit

cial, einschließlich Berlinale Special Gala,

programmen mit Themen- und Länder-

Filmtage ein Forum für den jungen unab-

Unternehmens- und Programmpräsentati-

zeigt außergewöhnliche Neuproduktio-

schwerpunkten, Retrospektiven und Kin-

hängigen Film, vor allem für den deut-

onen ist das Film Festival Cologne die zen-

nen und ehrt Filmpersönlichkeiten. Seit

derfilmen. Seit 2012 ergänzt die Sektion

schen. Aber nicht nur. Jedes Jahr kommen

trale Kommunikationsplattform im deut-

2015 präsentiert Berlinale Special Series

„etc. - events, trainings, connections“ das

viele Filmemacher auch aus dem Ausland

schen Fernsehmarkt und rückt wichtige

ausgewählte internationale Serien. Er-

filmische Angebot mit Podiumsdiskussio-

in die oberfränkische Stadt: aus dem euro-

neue Entwicklungen in den Blick. Auch

gänzt wird das Programm durch eine Re-

nen, Vorträgen, Workshops, Ausstellun-

päischen Ausland und auch aus den USA,

in diesem Jahr präsentiert das Film Festival

trospektive sowie eine Hommage, die das

gen und Empfängen für die Fachbesucher

Neuseeland, Australien oder dem Nahen

Cologne ein breit gefächertes Programm:

Lebenswerk einer großen Filmpersönlich-

des Festivals.

Osten. Die Zielsetzung der Hofer Filmtage

In den Reihen Top Ten TV, Look, Kino,

keit ehrt, kuratiert von der Deutschen Ki-

4. – 9.4.2017 | www.filmfest-dresden.de

war von Anfang an, den Regisseuren eine

Made in NRW, Kultnacht und Showcase

Preisverleihungen

Berlin: ein weltoffener und aufregender

nemathek – Museum für Film und Fern-

Plattform für ihre Filme zu geben, Talen-

werden die besten Produktionen der inter-

Kulturschauplatz

ungebrochener

sehen. 2013 wurde die Retrospektive um

te zu entdecken und ein Treffpunkt der

nationalen Medienlandschaft vor großem

Anziehungskraft. Künstler aus aller Welt

von

die Präsentationen der Berlinale Classics

Branche zu sein. Regisseure wie Caroline

Publikum vorgestellt. Weitere erfolgreiche

kommen hierher. Eine differenzierte Ki-

erweitert. Diese zeigen aktuelle Restaurie-

Link, Doris Dörrie, Tom Tykwer, Sönke

Bestandteile der Veranstaltung sind Werk-

nolandschaft und ein filmbegeistertes

rungen von Filmklassikern sowie wieder-

Wortmann, Christian Petzold – nur um

stattgespräche mit Regisseuren, Autoren

Publikum zeichnen die Stadt aus. Mit-

entdeckte Filme.

einige zu nennen - haben ihre ersten

und

tendrin die Berlinale als großes Kulturer-

9. – 19.2.2017 | www.berlinale.de

Fingerübungen in Hof präsentiert. Auch

exklusive Premieren und natürlich die fei-

die Erfolge der Filme von internationalen

erlichen Preisverleihungen vor über 700

Regisseuren wie Jim Jarmusch, Atom Ego-

geladenen Vertretern aus Medien, Wirt-

yan oder Peter Jackson sind durchaus in

schaft und Politik. Für Fachbesucher lie-

Hof begründet. Letzterem wurde 1994 die

fern die Lectures mit exklusiven Keynotes

Retrospektive gewidmet, lange bevor er

und Präsentationen internationaler Pro-

eignis und eines der wichtigsten Events Foyer Central, Foto © Hendrik Ertel

der internationalen Filmindustrie. Über

Produzenten,

Branchenempfänge,

darunter gut 3.800 Journalisten: Kunst,

Hof 50. Internationale Hofer Filmtage 2016

Glamour, Party und Geschäft sind bei

In diesem Jahr feiern die Internationalen

mit seiner Trilogie „Herr der Ringe“ Welt-

grammmacher wichtige Informationen

Hofer Filmtage ihr 50. Bestehen. Leider

erfolge feierte.

über neue Mediensprachen und weltweite

findet das Jubiläum ohne Festivalleiter

Die 50. Internationalen Hofer Filmtage

Marktentwicklungen.

und Gründer Heinz Badewitz statt. Er

werden im Zeichen von Heinz Badewitz

7. – 14.10.2016 | www.cologne-conference.de

verstarb im Alter von 74 Jahren im März

stehen. Das Hofer Filmtage Team wird das

dieses Jahres. Die Internationalen Hofer

diesjährige Festival in seinem Sinne fort-

Filmtage, von Heinz Badewitz und Uwe

führen und seine Pläne umsetzen. Dazu

335.000 verkaufte Eintrittskarten, über 20.000 Fachbesucher aus 128 Ländern,

der Berlinale untrennbar miteinander verbunden.

Ein Mammutereignis, aber

© Filmfest Dresden

Publikumsfestival. Künstler aus aller Welt

Dresden 29. FILMFEST DRESDEN – International Short Film Festival

zieht es nach Berlin. Eine differenzierte

Das 1989 gegründete FILMFEST DRES-

Brandner 1967 gegründet, sind eines der

ist ein Trio als Kuratorium für die Film-

Kinolandschaft, eine kritische Öffent-

DEN zählt zu den renommiertesten

renommiertesten deutschen Filmfestivals

auswahl berufen worden, welches das

lichkeit und ein vielschichtiges Publikum

und

Kurzfilmfestivals

und für viele das Sprungbrett des deut-

Team unterstützt.

zeichnen die Stadt aus. Für zwei Wochen

in Europa. Jedes Jahr bringt es an sechs

schen Nachwuchses. Nicht ohne Grund

25. – 30.10.2017 | www.hofer-filmtage.com

im Jahr ist Berlin ganz auf Berlinale ein-

Festivaltagen im April aktuelle Kurzfilm-

prägte Wim Wenders den Begriff „Home

gestellt.

produktionen aus Deutschland, Europa

Of Films“ als Synonym für die Hofer

auch ein Fest der Begegnung und Diskussionen. Die Berlinale ist nicht nur Branchentreff, sondern auch das größte

höchstdotierten

© Filmplus Köln

und der Welt in die sächsische Landes-

Filmtage. Rund 130 Filme zeigt das Fes-

DIE GANZE WELT DES FILMS

hauptstadt und verzeichnet rund 20.000

tival jährlich im Herbst und präsentiert

Köln Filmplus

Das öffentliche Programm der Interna-

Besucher, darunter bis zu 500 akkreditier-

damit einen Spiegel der neuen nationa-

Filmplus ist Europas einziges Festival, das

tionalen Filmfestspiele Berlin zeigt jedes

te Fachbesucher. Insgesamt werden Preis-

len wie internationalen Produktionen.

sich inhaltlich mit Schnitt und Montage-

Jahr ca. 400 Filme, überwiegend Welt-

gelder im Gesamtwert von 66.000 Euro

Mit ca. 30.000 Besuchern in sechs Tagen

kunst beschäftigt. In kreativer und famili-

oder Europapremieren. Filme aller Gen-

in den Sparten nationaler und interna-

res, Längen und Formate finden in den

tionaler Animations- und Kurzspielfilm

verschiedenen Sektionen ihren Platz:

sowie vier Sonderpreise verliehen. Darun-

großes internationales Kino im Wettbe-

ter der DEFA-Förderpreis für Animation,

werb, Independent und Arthouse im Pa-

der ARTE-Kurzfilmpreis, der „Goldener

Köln Film Festival Cologne Publikumsfestival und Fachkongress

norama, Kino für ein junges Publikum

Reiter“ Filmton sowie der Filmförderpreis

Seit der Gründung im Jahr 1991 hat es

anstaltungen mit namhaften Vertretern

in Generation, Neuentdeckungen und

der Sächsischen Staatsministerin für Wis-

sich als eine der wichtigsten deutschen

und Juroren aus der Filmbranche vor gro-

vielversprechende Talente aus der deut-

senschaft und Kunst, dotiert mit 20.000

Medienveranstaltungen und als führen-

ßem Publikum in den Kölner Programm-

schen Filmlandschaft in der Perspektive

Euro. Für das Programm zum Internatio-

des Festival für herausragendes Fernsehen

kinos Filmforum und OFF Broadway ist

Deutsches Kino, Avantgarde, Experiment

nalen und Nationalen Wettbewerb wer-

und unabhängige Filmkultur etabliert.

eine feste Größe im Kölner Kulturkalen-

und noch unbekannte Kinematografien

den jährlich mehr als 2.000 Kurzfilme aus

Im Zentrum stehen hochrangige Festi-

der. Das Publikum und die Zielgruppe

Der 2016 verstorbene Filmtageleiter Heinz Badewitz mit seinem Freund Wim Wenders im „Deckenkino“ in Hof, 2014, Foto Evelyn Kutschera

ärer Atmosphäre trifft die Branche auf ein anspruchsvolles und filmbegeistertes Publikum. Die viertägige Veranstaltung mit Filmvorführungen,

Podiumsdiskussio-

nen, Werkstattgesprächen und Abendver-

von Filmplus bestehen zum großen Teil aus Vertretern der Film- und Fernsehbranche und Filmstudenten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, sowie dem interessierten Kölner Kinopublikum. Damit wird ein innovatives, kulturaffines ren Besucher Anschauliches aus seinem

und kaufkräftiges Publikum vereint. Vom

Privatleben, während im Neubau sein

Kreativen bis zum CEO deckt das Festival

künstlerisches Schaffen im Mittelpunkt

eine sehr breite Zielgruppe ab.

steht Filme wie «Limelight», «The Great

21.-24.10.2016 | www.filmplus.de

Dictator» oder «Modern Times» gehören fest zum kulturellen Kanon des 20. Jahrhundert. Ebenso prominent ist ihr Hauptdarsteller

Sir

Charles

Spencer

Chaplin. Der in London geborene Komiker verbrachte die letzten 25 Jahre seines Lebens auf dem sonnigen Plateau oberhalb von Vevey. Seit dem Frühling 2016 ist sein Anwesen

auf den Lac Léman gewähren Einblick in

Leipzig 59. Int. Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm

Leben und Alltag der Chaplins. In der

Das Internationale Leipziger Festival für

neugebauten Ausstellungshalle wird das

Dokumentar- und Animationsfilm ist das

künstlerische Schaffen des Regisseurs

größte deutsche und eines der führenden

«Manoir de Ban» öffentlich zugänglich. Die herrschaftliche Villa und der 14 Hektar grosse Park mit der unverbauten Sicht

CHAPLINS WORLD

Chaplin’s World © Bubbles Incorporated

Hauptbahnhof Leipzig © Jonathan Skorupa

Die Idee eines grossen Museums zu Ehren

nada ausgetüftelten und anfangs nur den

und Schauspielers mit modernster Muse-

internationalen Festivals für künstleri-

von Charlie Chaplin und dessen Werk

Kindern des Filmemachers präsentierten

umsdidaktik inszeniert: Originale Film-

schen Dokumentar- und Animationsfilm

entstand im Jahr 2000 bei einer Begeg-

Szenarien, basierten auf einem grundle-

dekors, ein Schnittraum und ein Multi-

wie für interaktives Storytelling „Unge-

nung zwischen dem Schweizer Philippe

genden Konzept: Charlie und der Vaga-

Media-Theater machen das «Ereignis»

horsam” ist Leitmotiv der diesjährigen

Meylan und dem Kanadier Yves Durand.

bund sollten die ultimativen Gastgeber

Charlie Chaplin zum Erlebnis.

Festivalausgabe. Das Leitmotiv zieht sich

Ersterer ist Architekt aus der Region, der

eines Museum sein, welches ihrem Image

eine langjährige Beziehung zur Familie

in allen Punkten entspricht und im Her-

Auf dem einstigen Landsitz der Familie

Chaplin’s World

me. Die Retrospektive etwa erkundet den

Chaplin pflegt. Letzterer ist Museums-

zen des Anwesens liegt, welches all jene

Chaplin «Manoir de Ban» in Corsier-sur-

Route de Fenil 2

stilbildenden wie mutigen polnischen

designer mit einer Leidenschaft für den

Merkmale bewahrt hat, die Charlie Chap-

Vevey wurde eine ganze Welt rund um

1804 Corsier-sur-Vevey (CH)

Dokumentarfilm, der bei DOK Leipzig

Kinofilm und Charlie Chaplin. Ihre al-

lin einst dazu veranlasst hatten, es zum

den Mann mit der Melone eröffnet: Im

Mo – So 10 – 18 Uhr

durch seine Nähe zum Spielfilm immer

lerersten, zwischen der Schweiz und Ka-

Wohnsitz seiner Familie zu machen.

Herrenhaus mit dem riesigen Park erfah-

www.chaplinsworld.com

wieder für hitzige Diskussionen sorgte.

als roter Faden durch die Sonderprogram-

Zudem

beleuchten

Sonderprogramme


ASTRID | arttourist.com 2|2016

Film | 53

mit Werken aus Ländern wie Polen, Russ-

festival von Baden-Württemberg feiern.

land oder der Türkei, welche künstleri-

Dabei ist es gleichzeitig auch das weltweit

schen Strategien Filmschaffende in einem

bekannteste aus Baden-Württemberg; bei

restriktiven Umfeld entwickeln. Personell

über 1000 Filmfestivals weltweit ist es das

verändert sich in diesem Jahr der Anima-

siebtälteste der Welt und seit Jahrzehnten

München

FRIEDRICH WILHELM MURNAU EINE HOMMAGE

tionsfilmbereich des Festivals. Der Ani-

berühmt dafür neue Regietalente zu ent-

mationsfilmexperte André Eckardt löst

decken. Die Newcomer aus Mannheim-

Annegret Richter als Kurator für Anima-

Heidelberg bleiben meist nicht unbekannt

tionsfilm und als Mitglied der Auswahl-

und feiern nach einigen Jahren internati-

Mit Nosferatu, Faust, Der letzte Mann,

kommission ab. Annegret Richter ist seit

onale Erfolge, so wie zum Beispiel Jim Jar-

Sunrise und Tabu schrieb Friedrich Wil-

2015 Leiterin der Geschäftsstelle der AG

musch, Atmo Egoyan, Wim Wenders oder

helm Murnau Filmgeschichte. 21 Fil-

Animationsfilm und koordiniert für DOK

Guillaume Nicloux, die in Mannheim-

me drehte er zwischen 1919 und 1930

Leipzig weiterhin Sonderveranstaltungen

Heidelberg als Anfänger ihre Weltkarriere

in Deutschland, Amerika und Tahiti.

wie etwa Filmnächte oder Panels.

begannen und mit internationalen Film-

Ursprünglich hieß der große Regisseur

31.10. — 6.11.2016 | www.dok-leipzig.de

preisen prämiert sind. Die Festivalbesu-

der Stummfilmzeit Friedrich Wilhelm

cher sehen im offiziellen Programm nur

Plumpe. Seinen Künstlernamen gab er

eine hoch qualitative Auswahl von rund

sich nach einem wunderbaren Som-

50 Filmwerken junger Talente, die als Ur-

mer im Jahr 1910 im vom »Blauen Rei-

aufführungen gezeigt werden und von ho-

ter« und der Kunstszene der Moderne

hem künstlerischem Niveau sind. Kino auf

heimgesuchten

dem Internationalen Filmfestival Mann-

Murnau. Im Rahmen seines Interesses

heim-Heidelberg ist eine Weltreise. Auf der

für das Phänomen des Expressionismus

Kinoleinwand sehen die Besucher Szenen

widmet das Lenbachhaus Friedrich Wil-

der unterschiedlichen Kulturen aus allen

helm Murnau ein Ausstellungsprojekt,

Ecken der Welt. Und das nicht nur im

eine Hommage an seine innovative

Spielfilmformat. Denn das Internationale

Filmsprache und die einzigartige globa-

Filmfestival Mannheim Heidelberg weitete

le Wirkung der frühen Filmkunst.

Von 25. bis 30. April 2017 ist im Rahmen

sein Programm seit 2015 auf eine Auswahl

Mit Filmessays von Alexander Kluge,

der 14. Festivalausgabe die Präsentation

weltweit neuester Serien aus, die auf dem

Ulrike Ottinger, Guy Maddin, Luc La-

von rund 160 herausragenden handver-

Festival in Mannheim-Heideberg noch vor

gier, Narges Kalhor, Jonas Neumann,

lesenen Spiel-, Dokumentar und Kurzfil-

ihrer Ausstrahlung im TV zu sehen. Das

Friedrich Rackwitz, Felicitas Sonvilla.

men aus ganz Europa geplant – darunter

Finale des Festivals bilden die Vergabe des

25.10.2016 – 26.2.2017

etliche Uraufführungen sowie internati-

Grand Newcomer Award Mannheim-Hei-

www.lenbachhaus.de

onal ausgezeichnete Filme, die erstmals

delberg an einen jungen Autorenregisseur

in Österreich präsentiert werden. Zu se-

durch die unabhängige, internationale

hen sind zahlreiche filmische Highlights

Jury und die Verleihung des New Creators

der

Award Mannheim-Heidelberg an einen

herausragende Position in der interna-

ter Beteiligung von mehr als 96.000 Besu-

angelegenheit einiger Kurzfilmliebha-

A-Festivals in Berlin, Cannes, Locarno,

Serien-Creator.

tionalen Festivallandschaft. Neben dem

cherinnen und Besuchern. Die Viennale,

ber begann, hat sich in 20 Jahren zum

Venedig, Karlovy Vary, Warschau oder

4. – 19.11.2016

Wettbewerb bietet das Festival in thema-

die 2016 zum 54. Mal stattfindet, ist Öster-

bedeutendsten

San Sebastían) genauso wie ausgewähltes

www.iffmh.de | info@iffmh.de

tisch immer wieder neu ausgerichteten

reichs größtes internationales Filmevent

Schweiz gemausert. Die Internationa-

lokales Filmschaffen (Programmschiene

Spezialprogrammen und Retrospektiven

und zugleich eines der akzentuiertesten

len

LOCAL ARTISTS). Dabei geht es CROS-

einen einzigartigen Überblick über das

und qualitätsvollsten Filmfestivals im eu-

jedes Jahr mehr als 17‘000 Filmbegeis-

SING EUROPE als zweitgrößtem inter-

Animationsfilmschaffen von Künstlerin-

ropäischen Zusammenhang. Die Viennale

terte nach Winterthur und zeigen über

nationalen Filmfestival Österreichs auch

nen aus aller Welt und österreichischen

ist der Versuch, sowohl ein Publikums-

200 Film-Delikatessen aus dem In- und

um die Präsentation von Filmen aus so-

Filmemacherinnen. Historische Raritäten

festival für eine breite, kinointeressierte

Ausland. Im renommierten Schweizer

genannten „low capacity countries“, also

und aktuelle Produktionen stehen glei-

Öffentlichkeit zu sein, als auch den Stand

und internationalen Wettbewerb steht

Ländern mit einer kleineren bzw. struk-

chermaßen auf dem Programm. Animated

der internationalen Filmkultur auf hohem

der zeitgenössische Kurzfilm im Vorder-

turschwachen Filmwirtschaft und um

Documentaries, Arbeiten von Studentin-

ästhetischen und politischen Niveau zu

grund und es werden die vielverspre-

nen internationaler Filmschulen und die

vermitteln und zur Diskussion zu stellen.

chendsten Kurzfilme aus der Schweiz

kinematographische Reflexion des The-

Es ist diese Kombination, die die Einmalig-

sowie das aktuellste, weltweite Kurzfilm-

menkomplexes Arbeit/Gesellschaft sind

keit der Viennale ausmacht. In einer Art le-

schaffen präsentiert. Es geht um das Ze-

fixe Programmschienen, die sich über die

bendigem, kulturellen Ausnahmezustand

lebrieren der Institution Kino, aber auch

Jahre etabliert haben.

präsentiert die Viennale eine filmische

um die Entdeckung neuer Trends in der

Festivalsujet d.signwerk.com Foto: Gerhard Wasserbauer

Linz (A) CROSSING EUROPE

vergangenen

Festivalsaison

(von

Produktionen, die trotz internationaler Festivalerfolge keinen Platz mehr im re-

Jia Zhang-ke (China), Amir Naderi (Iran), Hou Hsiao-hsien (Taïwan), Abolfazl Jalili (Iran) in 2008 at the 3 Continents Festival.

Ausstellung im Lenbachhaus

oberbayerischen

Ort

Film still aus Nosferatu: Eine Symphonie des Grauens, Regie: F. W. Murnau (Deutschland 1922) Foto: Deutsche Kinemathek, Berlin

Kurzfilmfestival

Kurzfilmtage

Winterthur

der

ziehen

sprüche eines Fachpublikums und eines

Nantes (F) Festival de 3 continents Der Geschmack der Entdeckung und der Begegnung

Ausstellungen, Workshops, Publikums-

Entdeckungsreise durch das Kino der Welt.

Filmwelt – in inhaltlicher genauso wie

regionalen Kinopublikums zusammen-

Seit 1979 findet jedes Jahr im November in

gespräche und Best Practice-Nachmittage

Die Viennale zeigt in ihrem jährlichen

in formaler Hinsicht. Neben dem Wett-

zuführen, und einen lebendigen Ort zur

Nantes das Festival der 3 Kontinente mit

geben Einblick in das kreative Schaffen der

Hauptprogramm eine akzentuierte Aus-

bewerb zeigen die Kurzfilmtage kuratier-

Präsentation und Diskussion für zeitge-

Spielfilmen und Dokumentarfilmen aus

Filmemacherinnen und bieten die Mög-

wahl neuer filmischer Arbeiten aus allen

te Programme, die vielfältige Themen

nössisches, manchmal auch unbequemes

Afrika, Lateinamerika und Asien statt. Das

lichkeit des unmittelbaren Austausches.

Ländern, nationale, zum Teil interna-

in einem größeren kulturellen Zusam-

oder künstlerisch exzentrisches, gesell-

Festival der 3 Kontinente ist ein Ort der Ent-

Tricky Women 2017, 15.-19. März, rückt

tionale Premieren, durchweg Beispiele

menhang behandeln. Der Einbezug der

schaftspolitisches AutorInnenkino aus

deckung und Begegnung, ein Ort des Aus-

das japanische Animationsfilmschaffen in

einer lebendigen Kinematographie von

Filmgeschichte spielt dabei genauso eine

Europa zu schaffen.

tauschs und der Leidenschaft für Filme aus

den Blickpunkt!

ästhetischem Eigensinn und politischer

Rolle wie zeitgenössische Filme, Gesell-

Das Festivalprogramm 2017 versucht

dem Süden. Mit der geografischen inhaltli-

15. - 19.3.2017 | www.trickywomen.at

Aktualität. Neben der umfangreichen ak-

schaftliches, Einblicke in Institutionen

erneut ein Schlaglicht auf die verschie-

chen Spezialisierung haben die Macher un-

tuellen Spielfilmproduktion in allen ihren

oder Gesamtwerke von Filmemachern

denen Nuancen des (Film)Kontinents

ter den Filmfestivals Pionierarbeit geleistet.

Formen, Genres und Erzählweisen widmet

und Künstlern. Im Jubiläumsjahr stehen

Europa zu werfen, thematisch breit ge-

Sie sind das Credo und die Identität des Fes-

das Festival besondere Aufmerksamkeit

hier u.a. die Nordischen Länder («Großer

fächert (politische Umbrüche, ökonomi-

tivals- Mit exklusiven Premieren von Spiel-

dem dokumentarischen Kino, dem inter-

Fokus»), Kolumbien («Land im Fokus»)

sche Krisen oder Flüchtlings- und Migra-

filmen, einer Retrospektive zu einem Film-

nationalen Kurzfilmschaffen sowie experi-

und die portugiesische Filmemacherin

tionsbewegungen) und gekennzeichnet

regisseur, einer Ehrung eines Schauspielers

mentellen Werken und Arbeiten aus dem

und Künstlerin Salomé Lamas («Person

durch unterschiedlichste künstlerische

oder einer Schauspielerin, der Präsentation

Crossover-Bereich. Für viele RegisseurIn-

im Fokus») im Mittelpunkt. Neben Podi-

Herangehensweisen bzw. Handschriften

des Kinos eines bestimmten Landes, eines

nen stellt die Viennale die einzige Mög-

en, Branchenangeboten, Kunst-Ausstel-

– alles in allem ein vielgestaltiges Film-

bestimmten Kulturkreises oder der Pro-

lichkeit dar, ihre Arbeiten in Österreich zu

lungen und einem abwechslungsreichen

programm als Einladung zur direkten

duktion eines bestimmten Studios besticht

Rahmenprogramm wird die Jubiläums-

Auseinandersetzung mit europäischen

das Festival der drei Kontinente mit vielen

dem Festivalprogramm kommen in den

ausgabe der Kurzfilmtage durch exklu-

Lebenswelten.

Highlights und Ausrufezeichen.

Wien (A) VIENNALE

zeigen, denn nur die wenigsten Filme aus regulären Kinospielbetrieb.

sive Spezialveranstaltungen abgerundet

25. – 30.4.2017 | www.crossingeurope.at

22. – 29.11.2016 | www.3continents.com

Mehrere hundert Spiel-, Dokumentar- und

20.10. – 2.11.2017 | www.viennale.at

– wie etwa ein «CinéConcert», welches

gulären Kinobetrieb finden. Auch für 2017 ist es Christine Dollhofer und ihrem Team ein Anliegen, die An-

Viennale, Gartenbaukino 2016 © Alexi Peleksnod

Kurzfilme in 14 Tagen. Jedes Jahr Ende Ok-

Festival mit urbanem Flair und internationaler Ausrichtung statt, mit zahlreichen

Man soll die Feste feiern, wie sie fallen.

tungsmusik kombiniert.

Gästen aus dem In- und Ausland und un-

Was Ende der 90er-Jahre als Herzens-

8. – 13.11.2016 | www.kurzfilmtage.ch

ihren schönen, komfortablen Kinos ein

© Ben Pakalski

Wien (A) Tricky Women Festival

Auf

März – rund um den internationalen

Internationale

Mannheim-Heidelberg

es

Anfängen des 20. Jahrhunderts mit live orchestrierter,

historischer

Unterhal-

Seit 2001 findet Tricky Women Anfang

Filmfestival

zieht

zination des Schienenverkehrs aus den

Tricky Women 2016/Evelyn Rois

Mannheim 65. Int. Filmfestival Mannheim-Heidelberg das

ein Stummfilmprogramm über die Fas-

Winterthur (CH) 20. Internationale Kurzfilmtage Winterthur

tober findet in der Wiener Innenstadt mit

jähr-

Frauentag – in Wien statt und legt dabei

lich über 65.000 Kinobegeisterte, die in

den Fokus auf Animationsfilme von Frau-

Mannheim-Heidelberg das größte Film-

en. Damit bekleidet Tricky Women eine

Im Gartenbaukino © Alexi Peleksnod

Foto © Internationale Kurzfilmtage Winterthur


54 | Tanz

Bremen

ASTRID | arttourist.com 2|2016

Abou Lagraa© Nathalie Sternalski

TANZ BREMEN Seit über 20 Jahren gehört TANZ Bremen – eines der wichtigsten internationalen Tanzfestivals in Deutschland – zu den kulturellen Highlights der Stadt. Vom 17. bis 25. März 2017 zeigt das biennale Festival aktuelle Produktionen des lokalen und internationalen Tanzgeschehens. In den vergangenen Jahren präsentierte TANZ Bremen bereits viele international renommierte ChoreografInnen und

Kompagnien wie Alain Platel, Mathilde Monnier, Dave St-Pierre, Richard Siegel und Helena Waldmann. Begleitet von einem umfangreichen Rahmenprogramm mit Workshops, Filmreihen und Performances im öffentlichen Raum wird das Festival den zeitgenössischen Tanz auch 2017 in der ganzen Stadt erlebbar machen. 17, - 25.3.2017 | www.tanz-bremen.de

Düsseldorf und Duisburg

ERSTE ADRESSE FÜR ZEITGENÖSSISCHES BALLETT

Die Spielzeit 2016/17 mit Martin Schläpfers Ballett am Rhein Das Ballett am Rhein – dreimal in Folge zur „Kompanie des Jahres“ gekürt – gilt in Europa als erste Adresse für zeitgenössisches Ballett und präsentiert mit dem Spielplan 2016/17 ein faszinierendes Wechselspiel aus Uraufführungen und historischen Werken. Eine Huldigung an den Spitzentanz ist b.26. Auf ein virtuoses, lebensfrohes Tanzfest des dänischen Romantikers August Bournonville folgt mit Antony Tudors „Dark Elegies“ ein berührendes Trauerritual. Terence Kohlers „ONE“ fasziniert dagegen mit energiegeladenen Bildern des Kampfes, die sich immer mehr in Befreiung auflösen. Mit b.29 erfüllt sich Chefchoreograph Martin Schläpfer einen lang gehegten Wunsch: ein Ballett zu Witold Lutosławskis „Konzert für Orchester“. Seine Uraufführung flankieren zwei Herzstücke der amerikanischen Neoklassik: George Balanchines verklärtsublime „Mozartiana“ und Jerome Robbins‘ urkomische Ballett-Persiflage „The Concert“.

nachgefragt:

Michael Freundt © Tanzjahr2016

TANZJAHR_2016 Tanzjahr Deutschland 2016 – ein Jahr lang präsentiert sich Vielfalt und Kraft der Tanzszene – ob zeitgenössisch oder klassisch. Wir fragten bei Michael Freundt, Geschäftsführer des Dachverbandes Tanz Deutschland und Mitinitiator des Tanzjahres nach: Wie sind Sie mit dem Verlauf des tanzjahr2016 zufrieden? Das Tanzjahr  präsentiert eine außerordentlich große Vielfalt von Tanz- und Ballettproduktionen, dazu Kongresse wie den Europäischen Kongress für Tanzmedizin, die Pina Bausch-Ausstellung, Symposien mit nationaler und internationaler Bedeutung und Vieles mehr. Deutschlandweit beteiligen sich so viele Ensembles, Veranstalter und Festivals am Tanzjahr, das ist schon beeindruckend, wie auch unser Tanzkalender auf der Website www. tanzjahr2016.de und das Presseecho zeigen. Zwei der ganz großen Festivals mit internationaler Ausstrahlung sind  erfolgreich über die Bühne gegangen.  Die Tanzplattform im März mit  Vorstellungen in Frankfurt am Main, Darmstadt und Bad Homburg hat die innovativsten Tanzproduktionen „Made in Germany“ präsentiert. Der Tanzkongress im Juni in Hannover hat nicht nur rund tausend Tanzfachleute zusammengebracht, sondern auch wunderbare Produktionen aus der Freien Szene und des Staatsballetts Hannover präsentiert. Eine Höhepunkt war bestimmt „update“ eine Tanzgala mit zwölf herausragenden Produktionen der Ballett- und Tanzensembles aus dem ganzen Land.

Und dazu noch das HipHop-Ereignis des Jahres, der „Battle of the Year“, alles an einem Wochenende in Hannover. Aber das Jahr ist reich an Festivals, ob Tanztheater, Flamenco oder Volkstanz.   Was wurde erreicht, angestoßen, was nehmen Sie mit und wie geht es weiter? Wichtig war und ist uns die Wahrnehmung durch die Politik. Dass die Kulturstaatsministerin Monika Grütters die Schirmherrschaft für das Tanzjahr übernommen hat, bedeutet schon einiges. Der Empfang des Bundespräsidenten  für den Tanz,  welcher am Anfang des Tanzjahres stand, bedeutet eine  große Wertschätzung für die Tanzschaffenden. Entstanden ist auch ein neues Förderprogramm der Kulturstiftung des Bundes, mit dem die Tanz- und Ballettensembles stärker auch in kleineren Städten präsent werden. Und in vielen Städten hat sich die Tanzszene – von den Ballettschulen, über freie ChoreografInnen bis hin zu den großen Kompanien neu verbunden, wirbt gemeinsam um Publikum und macht die Kulturpolitik auf sich aufmerksam. Eine Herausforderung bleibt es, auch jene zu erreichen, die Tanz noch gar nicht anspricht. Vielleicht kann ein Weg dazu sein, nicht nur Musik und Clubs, sondern auch die Tanzvorstellungen der Theater im Internet, in den sozialen Netzwerken stärker zu bewerben. Dazu haben wir unser Projekt «Tanz medial» gestartet. Und den Tanzkalender, den wir auch im nächsten Jahr weiterführen und ausbauen wollen. www.tanzjahr2016.de DAS GESPRÄCH FÜHRTE KAI GEIGER.

Terence Kohler: ONE – Ensemble | Foto: Gert Weigelt

Um Außenseiter und Einzelgänger geht es in b.30 mit Uraufführungen von Natalia Horecna und Remus S˛ucheanaˇ sowie Marco Goeckes „Lonesome George“: ein existenzielles

Ausgesetztsein, wie es wohl selten eindringlicher auf die Tanzbühne gebracht wurde. Mit „Obelisco“ präsentiert Martin Schläpfer in b.31 ein traumverlorenes Ballett, voller poetischer Schönheit. Fragil, melancholisch und gefährdet ist auch die Welt in Hans van Manens „Adagio Hammerklavier“, „SH-BOOM!“ von Sol León und Paul Lightfoot dagegen ein mitreißender Tanz auf dem Vulkan: sehr witzig, extrem sexy und ein wenig nachdenklich. Mit „Petite Messe Solennelle“ folgt in b.32 Martin Schläpfers Auseinandersetzung mit Gioacchino Rossinis gleichnamiger Messe im Spannungsfeld zwischen den großen Fragen des Menschseins und den Irrsinnigkeiten der Opera buffa. In der zweiten Ausgabe der Plattform Choreographie „Young Moves“ bekommt der kreative Nachwuchs erneut Gelegenheit, eigene Stücke auf die Bühne zu bringen. Außerdem setzt das Ballett am Rhein auch 2016/17 seine Serie internationaler Gastspiele mit Auftritten in Berlin, Bilbao, Den Haag, Friedrichshafen, Genf und erneut bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen fort. Terence Kohler: ONE – Yuko Kato Foto: Gert Weigelt

b.26 August Bournonville: Bournonville Divertissement Antony Tudor: Dark Elegies Terence Kohler: ONE 16.09. – 21.12.2016, Opernhaus Düsseldorf

b.30 Remus Şucheană: Concerto Grosso Nr. 1 (UA) Marco Goecke: Lonesome George Natalia Horecna: Wounded Angel (UA) 14.01. – 19.02.2017, Opernhaus Düsseldorf

b.29 George Balanchine: Mozartiana Martin Schläpfer: Konzert für Orchester (UA) Jerome Robbins: The Concert 28.10. – 17.12.2016, Theater Duisburg

b.31 Martin Schläpfer: Obelisco Hans van Manen: Adagio Hammerklavier Sol León & Paul Lightfoot: SH-BOOM! 01.04. – 05.05.2017, Opernhaus Düsseldorf 13.05. – 09.06.2017, Theater Duisburg

b.32 Martin Schläpfer: Petite Messe Solennelle (UA) 02.06. – 15.07.2017, Opernhaus Düsseldorf Young Moves Plattform Choreographie Ballett am Rhein Sechs Uraufführungen von Chidozie Nzerem, Sonny Locsin, So-Yeon Kim, Boris Randzio, Michael Foster und Wun Sze Chan 04.07. – 13.07.2017, Opernhaus Düsseldorf

BALLETT AM RHEIN DÜSSELDORF DUISBURG Infos & Karten: + 49 (0)211.89 25 211 | www.ballettamrhein.de | #ballettamrhein (Facebook, Twitter, YouTube, Instagram)

ISMAEL IVO TANZT »FRANCIS BACON« (DT.) Die legendäre Tanzperformance »Francis Bacon« von Ismael Ivo und Johann Kresnik kehrt im Oktober 2016 auf Einladung der Staatsgalerie Stuttgart an das Theaterhaus Stuttgart zurück. Eine nackte Sphinx, mit ihren Beinen in einem weißen Sack und einem Schlachtermesser als Krücke. Ein Körper, der von der Decke hängt wie Schlachtvieh. Und Ismael Ivo sich windend, nach Atem ringend. Mit dem 1993 im Theaterhaus Stuttgart uraufgeführten und 2012 für das Tanzfestival »ImPulsTanz« neu produzierten Stück »Francis Bacon« kehrt der brasilianische Tänzer und Choreograph Ismael Ivo auf

Einladung der Staatsgalerie Stuttgart an seine Ursprünge zurück. Vielleicht letztmalig wird Ivo ab dem 9.10.2016 »Francis Bacon« auf der Bühne selbst interpretieren. Erstmalig wird die Performance im direkten Vergleich mit Gemälden Francis Bacons zu erleben sein, die zeitgleich in der Ausstellung »Francis Bacon. Unsichtbare Räume« (7.10.2016-8.1.2017) in der Staatsgalerie Stuttgart gezeigt werden. Termine: 9.10.2016 / 10.10.2016 / 13.10.2016 / 14.10.2016 / 15.10.2016 Vorverkauf: www.theaterhaus.de Ismael Ivo tanzt »Francis Bacon«, Foto: Judith Lutz


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Tanz | 55

reografie, die mit Sitzen, Stehen, Liegen sämtliche Alltagspositionen dekliniert und trotz enormer Präzision lässig wirkt, entspannt und unangestrengt. Ein Hauch New York weht von der Bühne, William Forsythes experimenteller Akademismus schwingt mit wie eine in Armen und Beinen seiner Ex-Protagonisten archivierte Matrix. Aktiviert wird sie vom Perkussionisten Philipp Danzeisen, Widerpart und Kompagnon der Tänzer. Und die liefern trotz dramaturgischer Schwachstellen eine großartige Partie.

DOE WBTH | Foto: DorotheaTuch Premiere11

Dance on

PROTOTYP AUF ZWÖLF BEINEN Tänzer über vierzig gelten im Profitanz als Senioren. Das neue Ensemble „Dance on“ beweist mit seiner ersten Premiere in Hamburg, wie fragwürdig das ist. Das Projekt markiert einen neuen Trend. Unter sogenannten Senioren stellte sich der Regisseur Rabih Mroué eine bestimmte Spezies vor: „Leute um die 70 mit weißen Haaren und vielen Falten.“ Was er vorfand, als er mit den Proben zu „Water between three hands“ begann, war eine Überraschung: Im Studio erwarteten ihn drei Männer und drei Frauen – Tänzer zwischen 40 und 50. Im Profitanz gilt diese Altersklasse als „Senior“, wird für gewöhnlich ausgemustert, zum Arbeitsamt geschickt, in sekundäre Ausbildungen oder drittklassige Tätigkeiten gesteckt. Mühevoll erworbenes Körper- und Bewegungswissen ist plötzlich totes Kapital, Auftrittserfahrung und Ausdrucksvermögen zählen nicht mehr. Was nicht nur wirtschaftlicher Blödsinn ist, sondern auch künstlerisch immer fragwürdiger

wird. Denn der Tanz fällt durch die demografische Reifeprüfung, wenn er wie bisher das Image des notorischen Schönlings und Berufsjugendlichen hochhält. So sehen das jedenfalls Madeline Ritter und Riccarda Herre, die Rabih Mroué als Choreograf für ihr kürzlich gegründetes „Dance on“-Ensemble engagiert haben: für sechs exzellente Tänzer, die jenseits ihres offiziellen Verfallsdatums weitermachen wollen. Bis Ende 2017 ist das Projekt durch eine Patchwork-Finanzierung von Bund und Koproduzenten halbwegs gesichert.   Für das Ende Januar aufgelegte Debüt „7 Dialogues“ komponierten die Tänzer einen SoloReigen und ließen sich dabei von fachfremden Komplizen assistieren. Der Regisseur Tim Etchells, der Performance-Guru Ivo Dimchev und der Visual Artist Hetain Patel steuerten Ideen bei, die sich zum halb spaßigen, halb melancholischen Persönlichkeitspuzzle summierten. Überhaupt sind außer Kat Válastur und William Forsythe, aus dessen aufgelöster

© Dorothea Tuch

Paris (F)

pindorama lia rodrigues | sammi landweer 0975

„Water between three hands“ begreift den Körper als surrealistisches Objekt und huldigt ihm mit den Mitteln von Sprache und Bewegung. Die Spuk- und Wunderkammern unter der Haut werden in albtraumhaften Passagen über Vergänglichkeit, Erinnerung, Verzerrung und Verfremdung der Wahrnehmung beschrieben. Den meisten Episoden geht ein Text voran, von einzelnen Akteuren vorgetragen, bevor sie wieder ins Kollektiv einscheren: in eine der Geometrie von Kreis, Diagonale und rechtwinkligen Schrittparaden verpflichtete Cho-

DORION WEICKMANN. Übernommen aus der Süddeutschen Zeitung vom 26.4.2016, Feuilleton, Seite 12

www.dance-on.net EINE AUSWAHL AN TERMINEN 30.9.2016 | Malmö | Festival Forever Dance 1.10.2016 | Malmö | Festival Forever Dance 7.10.2016 | Ludwigshafen | Theater im Pfalzbau 8.10.2016 | Ludwigshafen | Theater im Pfalzbau 14.10.2016 | San Sebastian | Teatro Victoria Eugenia 15.10.2016 | San Sebastian | Teatro Victoria Eugenia 20.10.2016 | Düsseldorf | tanzhaus-nrw 28.10.2016 | Düsseldorf | tanzhaus-nrw 29.10.2016 | Düsseldorf | tanzhaus-nrw 30.11.2016 | Frankfurt | Schauspiel Frankfurt 1.12.2016 | Frankfurt | Schauspiel Frankfurt 27.1.2017 | Köln | Bühnen Köln 28.1.2017 | Köln | Bühnen Köln 11.3.2017 | Hamburg | Kampnagel 12.3.2017 | Hamburg | Kampnagel 24.3.2016 | Düsseldorf | tanzhaus nrw 25.3.2016 | Düsseldorf | tanzhaus nrw 26.3.2016 | Düsseldorf | tanzhaus nrw 12.5.2017 | Genf | ADC Genève 13.5.2017 | Genf | ADC Genève 17.5.2017 | Heilbronn | Theater Heilbronn

London (GB)

FESTIVAL D’AUTOMNE Das Festival d‘Automne, Festival der zeitgenössischen Künste, findet in diesem Jahr zum 45. Mal statt und präsentiert Theater, Tanz, Musik, Bildende Kunst und Film. Dank großzügiger Sponsoren und Partner kommt zwischen September und Dezember ein hochkarätiges Lineup auf die Bühne und in die Spielstätten des Festivals. Highlights sind im Bereich Tanz u.a. die Choreographen Lucinda Childs, Maguy Marin und Anne Teresa de Keersmaeker , im Theater Frank Castorf, Silva Costa, die Wooster Group und Patrice Chéreau, im Bereich der Musik Aufführungen von und mit Wolfgang

Company die Hälfte der „Dance on“-Besetzung stammt, erst mal keine Choreografen am Werk. Sondern Multitasker wie Rabih Mroué, die sich für Körper und Bewegtbilder genauso lebhaft interessieren wie für Politik und Zeitgeschehen.   Der Libanese, mit eigenen Werken an den Münchner Kammerspielen und im Berliner Hebbel-am-Ufer-Kombinat vertreten, montiert szenische Collagen mit nachbebender Wirkung. In „Riding on a Cloud“ (2013) zeichnet er die Geschichte des eigenen, durch ein Sniper-Geschoss geschädigten Bruders nach; in „Ode to Joy“ (2015) umkreist er auf Grundlage des Attentats auf die israelische Olympiamannschaft von 1972 den nahöstlichen „Bruderkampf“. Als Choreograf gänzlich unbeleckt, folgte Mroué bei der Uraufführung von „Water between three hands“ auf Kampnagel in Hamburg nun der Devise: „Ich weiß nicht genau, was ich sehen will, aber sehr genau, was ich nicht sehen will.“ Damit erwies sich der knapp 50-Jährige als perfekter Supervisor für eine Tänzerschar, deren Expertise im Prinzip ausreicht, um eigenverantwortlich Kunst zu machen.

Dass es dafür Abnehmer gibt, zeigten die ausverkauften, mit grau melierten Hanseatenhäuptern besetzten Kampnagel-Ränge. Aber was kann „Dance on“ für die Tanzkunst leisten? Madeline Ritter versteht das Ensemble als Prototyp und Erzeuger eines weitergabetauglichen Repertoires. Prompt kommt da Widerspruch vom künstlerischen Leiter Christopher Roman, der weder mit möglichen Nachahmern noch mit Vorläufer-Modellen wie Jirˇí Kyliáns 1996 eingegangenem Nederlands Dans Theater III behelligt werden will: „Wir sind wir, und was wir machen, tun wir aus Lust an der künstlerischen Arbeit. Das lässt sich nicht kopieren.“   Roman ist ein streitbarer und origineller primus inter pares, kein Chef. Er steht mit seinen fünf ebenso eigenwilligen Kollegen auf der Bühne, alle teilen eine Mission, nicht aber eine Meinung. Vierzigjährige lassen sich eben nicht mehr bevormunden, von Dispositions- und Kreationsroutine knechten. Sie sind, wie das „Senioren“-Team unter Beweis stellt, topfit, reif und selbstbewusst. Das sind Erfolgsfaktoren, die immer mehr Tänzer zur Verlängerung ihrer Karriere ermuntern, darunter Stars wie Alessandra Ferri oder Ana Laguna, der unverwüstliche Mikhail Baryshnikov, die energische Carolyn Carlson oder Egon Madsen, einst Mitinitiator des Stuttgarter Ballettwunders. Unlängst triumphierte der gut 70-Jährige mit drei anderen „Greyhounds“ im Stuttgarter Theaterhaus, von Gleichaltrigen wie Vertretern der Enkelgeneration frenetisch beklatscht. Einmal Tänzer, immer Tänzer? Zumindest ist die Ausmusterung kein Automatismus mehr.

DANCE UMBRELLA 2016 Rihm, György Kurtág und im Film u.a. ein Blick auf den Independent Film in Amerika. 7.9. – 31.12.2016 | www.festival-automne.com

Das Dance Umbrella 2016 ist das wichtigste Festival und Forum für zeitgenössischen Tanz in Großbritannien. Das Festival findet in 16 verschiedenen Spielstätten in London statt und zeigt ein abwechslungsreiches Programm von Internationalen Choreographen und Tanzensembles bis hin zu britischen Newcomern und Überraschungsgästen. Das diesjährige Festival präsentiert zwei Weltpremieren, eine Europäische Premiere, drei britische und zwei Londoner Premieren, womit es seinen Ruf eines Premieren- und Sprungbrett-Festivals mehr als gerecht wird. 7. – 22.10.2016 | www.danceumbrella.co.uk

Primal Matter © Maria Peteinaraki


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Der European Month of Photography (EMOP) ist ein europäisches Gemeinschaftsprojekt, dem die Fotofestivals in Berlin, Bratislava, Budapest, Ljubljana, Luxemburg, Paris und Wien angehören. Bereits 2004 entstand auf Initiative der Berliner Partnerstadt Paris die Idee, ein europäisches Netzwerk von Fotofestivals ins Leben zu rufen. Der Kooperation von Berlin, Paris und Wien folgten schon 2006 die Städte Bratislava und Luxemburg, 2012 Budapest und Ljubljana. 2014 trat Athen dem europäischen Netzwerk bei. Ziel des Gemeinschaftsprojekts ist es, die Zusammenarbeit auf europäischer Ebene zu fördern, die internationale Fotoszene zu stärken, den Austausch von Informationen und Erfahrungen zu intensivieren und junge Künstlerinnen und Künstler zu unterstützen.

EUROPÄISCHE PARTNERSTÄDTE UND DEREN FESTIVALS Athen Athens Photo Festival 9.6. – 31.7.2016 www.emop-athens.eu Berlin EMOP Berlin – European Month of Photography 2016 1. – 31.10.2016 www.emop-berlin.eu Bratislava Mesiac Fotografie 1. – 30.11.2016 www.emop-bratislava.eu Budapest Fotóhónap - Hungarian Month of Photography 1. – 30.11.2016 www.emop-budapest.eu

Ljubljana Photonic Moments – Month of Photography 1. - 30.6.2016 www.emop-ljubljana.eu Luxemburg EMOP Luxembourg April 2017 www.emop-luxembourg.eu Paris Mois de la Photo du Grand Paris April/Mai 2017 www.emop-paris.eu Wien Eyes On – Monat der Fotografie Wien 25.10. – 30.11.2016 www.emop-vienna.eu

www.europeanmonthofphotography.org

Tina Lechner, Galerie Hubert Winter

Wien (A)

Eyes On – Monat der Fotografie Wien ostkreuzschule zehn richter balazs

Berlin

EMOP BERLIN European Month of Photography 2016 Deutschlands größtes Fotofestival stellt in Berlin die ganze Bandbreite historischer und zeitgenössischer Fotografie vor. Museen, Kulturinstitutionen, Galerien, Projekträume, Botschaften und Fotoschulen in Berlin und Potsdam präsentieren einen Monat lang zahlreiche Ausstellungsprojekte und Veranstaltungen. Die Landesgesellschaft Kulturprojekte Berlin kooperiert in diesem Jahr erstmals mit der Fotoinstitution C/O Berlin und eröffnet das Festival mit den EMOP Opening Days im Amerika Haus in Charlottenburg. Die Fachjury des EMOP Berlin hat in diesem Jahr insgesamt 130 Ausstellungsprojekte von

zwitschermaschine wildwild berlin mayer

120 Institutionen für das Festivalprogramm ausgewählt. Klassiker stehen dabei neben Positionen, die auch für Kenner Überraschungen bieten, bekannte Namen neben Nachwuchskünstlerinnen und -künstlern. Die Auswahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer des EMOP Berlin – European Month of Photography 2016 bezeugt nicht nur eine große thematische, sondern auch eine institutionelle und konzeptionelle Vielfalt. Die Formate reichen von Ausstellungen im Außenraum und großen Museumspräsentationen, über brillant recherchierte Einzel- und Gruppenpräsentationen in Galerien und Projekträumen bis zu beindruckenden Beiträgen der vielen in der Stadt ansässigen ausländischen Kulturinstitute und Botschaften sowie den städtischen Kunst- und Kulturämtern. Auch die Kreativität der zahlreichen Fotoschulen Berlins und deren selbstverständliche Beteiligung am Festival ist ein Merkmal des EMOP Berlin. 1. – 31.10.2016 | www.emop-berlin.eu

Wien, Verena Kaspar-Eisert/KUNST HAUS WIEN, Anja Manfredi/Schule für künstlerische Photographie, Walter Moser/Albertina und Josephine Wagner/Galerie Raum mit Licht, hat aus den Projektvorschlägen über 150 Ausstellungen und Veranstaltungen für das Programm ausgewählt. Entsprechend vielfältig sind auch die Schauplätze, die von der Albertina, der Galerie bäckerstrasse4, dem Josephinum, der Brunnenpassage, dem KUNST HAUS WIEN, bis zum Photoinstitut Bonartes, dem Polnischen Institut Wien und dem Wien Museum reichen.

Von 25. Oktober bis 30. November 2016 steht Wien bereits zum siebten Mal ganz im Zeichen der Fotografie. Eyes On – Monat der Fotografie Wien bietet dem Publikum mit über 150 Projekten ein abwechslungsreiches Programm. Schwerpunkte des diesjährigen Festivals sind die enge Zusammenarbeit mit dem Monat der Fotografie in Bratislava im Rahmen einer gemeinsam veranstalteten internationalen Portfolio Review sowie die zuletzt gut angenommenen Eyes On Talks und Walks. Eröffnet wird Eyes On am 24. Oktober mit „Looking For The Clouds“, einer Gemeinschaftsausstellung mit den Partnerstädten des European Month of PhotograDaniel Gebhart de Koekkoek, Verlag für phy (EMOP), im MUSA. moderne Kunst Collectors Agenda Eyes On – Monat der Fotografie Wien bietet sowohl für Institutionen als auch für einzelne KünstlerInnen und FotografInnen einen Rahmen, um Projekte rund um das Medium Fotografie zu präsentieren. Eine Fachjury bestehend aus Berthold Ecker/Kulturabteilung der Stadt

Eyes On ist nicht nur ein Treffpunkt für österreichische und internationale FotoexpertInnen, sondern möchte dem Publikum heuer die vielschichtigen Themen der Fotografie im Rahmen von Schwerpunkten vermitteln. Bei den Eyes On Talks und Eyes On Walks wird die Möglichkeit geboten im Rahmen von Gesprächen und speziellen Führungen auf KünstlerInnen, FotografInnen, GaleristInnen und andere interessante Persönlichkeiten aus der Welt der Fotografie zu treffen. 25.10. – 30.11.2016 | www.emop-vienna.eu

Berlin Essen Hannover

WERKSTATT FÜR PHOTOGRAPHIE 1976 – 1986

Dreiteilige Ausstellung zum Aufbruch der Fotografie Eine Kooperation von C/O Berlin, Museum Folkwang, Essen, und Sprengel Museum Hannover. 1976 gründete der Berliner Fotograf Michael Schmidt die Werkstatt für Photographie an der Volkshochschule Berlin-Kreuzberg. Ihre programmatische Ausrichtung – mit dem Fokus auf inhaltlicher Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Fotografie – war einzigartig und führte bereits früh zu einem tiefgehenden Verständnis des Mediums als eigenständige Kunstform. Als die Einrichtung 1986 geschlos-

sen wurde, geriet sie mit der Zeit in Vergessenheit. Anlässlich des 40jährigen Jubiläums der Werkstatt für Photographie präsentieren C/O Berlin, das Sprengel Museum Hannover und das Museum Folkwang Essen ein gemeinsames Ausstellungsprojekt, das in drei Stationen erstmals die Geschichte, Einflüsse und Auswirkungen dieser Institution und ihrer Akteure beschreibt. Darüber hinaus skizzieren die drei

links: Essen | Werkstatt für Photographie | UBlume 1980 | aus der Serie Worauf wartest Du | MFOLKWANG mitte: Hannover | Werkstatt für Photographie | ms c-o080 SprengelMH rechts: Werkstatt für Photographie | ms c-o080 CoBerlin

Stationen die Situation eines Mediums im Aufbruch, welches – ermutigt durch das Selbstbewusstsein der amerikanischen Fotografie – auf die eigenständige künstlerische Autorenschaft setzt. Die Ausstellungen entwerfen somit ein lebendiges, multiperspektivisches Bild der Fotografie der 1970er und 1980er Jahre, das die Geschichte der westdeutschen Fotografie jener Zeit um ein weiteres Kapitel neben der Düsseldorfer Schule ergänzt.

MUSEUM FOLKWANG Das rebellische Bild Situation 1980: Die Kreuzberger „Werkstatt für Photographie“ und die junge Folkwang-Szene 9.12.2016 – 19.2.2017 www.museum-folkwang.de SPRENGEL MUSEUM HANNOVER Und plötzlich diese Weite 10.12.2016 – 19.3.2017 www.sprengel-museum.de C/O BERLIN Kreuzberg – Amerika Die Berliner Werkstatt für Photographie 1976–86 10.12.2016 – 12.2.2017 www.co-berlin.org


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Foto | 57

© Andreas Meichsner | Berlin Serie Willkommen im Club 1500

Naomi Campbell, Linda Evangelista, Tatjana Patitz, Christy Turlington & Cindy Crawford, New York, 1990 © Peter Lindbergh (Courtesy of Peter Lindbergh, Paris / Gagosian Gallery)

Rotterdam (NL)

PETER LINDBERGH A Different Vision on Fashion Photography Die erste Ausstellung in den Niederlanden, die dem deutschen Fotografen Peter Lindbergh gewidmet ist, eröffnet am 10. September. Die Kunsthal Rotterdam hat die 220 Fotos umfassende Ausstellung initiiert, produziert und wird auch für die Tour verantwortlich sein. Im Rahmen dieses spektakulären Überblicks über Lindberghs umfassendes Werk wird auch exklusives Material gezeigt, dass von bisher niemals gezeigten persönlichen Notizen, Storyboards, Props, Polaroids, Kontaktbögen und Filmen bis hin zu monumentalen Drucken reicht. Es handelt sich um eine großangelegte Retrospektive der Arbeit

Jeanne Moreau, Paris, 2003 Vanity Fair © Peter Lindbergh (Courtesy of Peter Lindbergh, Paris / Gagosian Gallery)

des Fotografen. Lindberghs reine Schwarz-WeißFotografien haben den Verlauf der Modefotografie seit den frühen 1980er Jahren bestimmt. Die Ausstellung «Ein anderer Blick auf Modefotografie» ist eine Ode an Lindberghs vielfältiges Werk, das seit 1978 bis zum heutigen Tag im Entstehen ist. Er gilt als einer der einflussreichsten Modefotografen der Welt. Die multimediale Ausstellung wird in einem thematischen Ansatz präsentiert, der seine kreative Entwicklung unterstreicht und sich auf seine über die Jahre wichtigsten Themen, imaginären Welten und Leidenschaften konzentriert. Die Ausstellung ist in neun verschiedene Bereiche unterteilt: Supermodels, Modeschöpfer, Zeitgeist, Tanz, Die Dunkelkammer, Das Unbekannte, Die Leinwand, Ikonen und eine exklusive Rotterdam-Galerie. 10.9.2016 – 12.2.2017 | www.kunsthal.nl

Worpswede

RAW PHOTOFESTIVAL WORPSWEDE Ein sechsköpfiges Team um die beiden Worpsweder Fotografen Rüdiger Lubricht und Jürgen Strasser veranstaltet vom 17. September bis 16. Oktober 2016 erstmals das RAW PHOTOFESTIVAL WORPSWEDE. Kooperationspartner der Projektgruppe RAW als Veranstalter sind die Gemeinde Worpswede und die Deutsche Gesellschaft für Photographie e.V. (DGPh). Wurde die Fotografie bei ihrer Entstehung noch als reines Handwerk gesehen, ist sie heute längst als vollwertige Kunstform akzeptiert. Kein Museum, keine Sammlung,

die mittlerweile ohne Fotografie auskommt. Hohe Besucherzahlen bei Fotoausstellungen sowie anwachsende Verkaufspreise für Fotokunst machen den Stellenwert der Fotografie im Kunstgeschehen deutlich. Geradezu folgerichtig ist es daher, dass ein international bekanntes Künstlerdorf wie Worpswede sich als neuer Standort für zeitgenössische Fotografie positionieren und nachhaltig etablieren möchte. Den Anfang macht das RAW PHOTOFESTIVAL WORPSWEDE 2016. Die in Worpswede lebenden Fotografen Rüdiger Lubricht und Jürgen Strasser bilden das Führungsduo dieses neuen künstlerisch ambitionierten

Peter Gowland Girl’s, Vol. 1 | Model: Pat Hall | Silbergelatineprint, 20 x 35 cm, ca. 1955 | © Peter Gowland / Zephyr Joachim Gies | Koeln Serie Abgetankt

Projekts. In vier anspruchsvollen Ausstellungen werden verschiedene Positionen zeitgenössischer Fotografie gezeigt. Auswahlkriterien hierbei: Bilder, die faszinieren, überraschen und zum Diskurs über das Medium Fotografie anregen. Dafür hat der künstlerische Leiter des Festivals, Rüdiger Lubricht, Fotografinnen und Fotografen aus Berlin, Bremen, Düsseldorf, Hamburg, Hannover, Köln und Weimar eingeladen. Begleitet werden die Hauptausstellungen von der Reihe „Lokale Fotografie an lokalen Orten“, in der Worpsweder Fotokünstler ihre aktuellen Arbeiten zeigen, denn das ganze Künstlerdorf soll sich während des Festivalzeitraums in Fotografie „kleiden“. Vorträge, Filme, Workshops und ... komplettieren das Programm. 17.9. – 16.10.2016 | www.raw-photofestival.de

Mannheim

PETER GOWLAND‘S GIRLS* 9.10.2016 – 29.1.2017 Peter Gowland (1916 – 2010) fotografierte ab 1946 in und um Los Angeles junge Frauen im Glamour und Pin-Up Stil. Bereits zu Beginn seiner Karriere bezeichnete ihn die New York Times 1954 als „America’s No. 1 Pin-Up Photographer” und siedelte seine Bilder später im „Irgendwo zwischen Verführung und Kunst“ an. Seine Models fand Peter Gowland an den Filmsets in Hollywood, bei Agenturen oder Schönheitswettbewerben. Er inszenierte und fotografierte sie im Studio oder an den Stränden von Los Angeles bis Malibu. So trug er wesentlich zur Entstehung des Mythos Kaliforniens als ewig sonnigem Nachkriegs-Paradies der Moderne bei. Sein Stil verbindet die weibliche Schönheit mit natürlicher Frische, reizender Pose und eleganter Gestaltung.

Anlässlich des 100. Geburtstags des Fotografen Peter Gowland präsentiert ZEPHYR – Raum für Fotografie in den Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen vom 9.10.2016 bis 29.1.2017 weltweit erstmals eine umfassende Ausstellung seines Lebenswerks. Peter Gowland’s Girls* präsentiert rund 200 Werke, die aus Peter Gowlands Nachlass ausgewählt wurden. Dieser umfasst zehntausende großartiger Prints und Dias, darunter die aufregendsten, elegantesten und gewagtesten Bilder einer beispiellosen Pin-Up-Fotografenkarriere. 9.10.2016 – 29.1.2017 www.rem-mannheim.de www.zephyr-mannheim.com

Leiter | Untitled | Selfportrait 1950

Antwerpen (B)

SAUL LEITER RETROSPEKTIVE Im Herbst wird im FOMU eine Retrospektive über das Œuvre Saul Leiters (1923-2013) veranstaltet. Der amerikanische Fotograf ist vor allem als Pionier der Farbfotografie bekannt. Sein Tätigkeitsbereich erstreckte sich von Mode- bis Straßenfotografie. Entgegen der Gewohnheit der Zeit verwendete er schon im Jahre 1946, lange vor der New Color Photography Bewegung der Siebziger, die Farbfilmtechnik. Diese Ausstellung umfasst nicht nur Farbfotos und SchwarzWeiß-Aufnahmen, sondern auch eine Auswahl von Gemälden, übermalten Nacktbildern und Notizbüchern.     28.10.16 - 29.1.2017 | www.fotomuseum.be

Model: Candi Elkins aus „Peter Gowland Girl’s, Vol. 6“ Silbergelatineprint, 20 x 35 cm, ca. 1960-65 © Peter Gowland / Zephyr


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Caravan Palace@Enjoy Jazz im Karlstorbahnhof Heidelberg © Adonis Malamos

Heidelberg, Mannheim, Ludwigshafen

18. Enjoy Jazz Festival 2.10. – 11.11.2016 Enjoy Jazz ist aus der Festivallandschaft nicht mehr weg zu denken. Weltweit hat es sich als eines der wichtigsten Jazzfestivals etabliert. Es ist ein lebendiges Festival, das sich in erster Linie der Freude an großartigen Darbietungen und dem Musikgenuss verpflichtet fühlt. Die Freude am Jazz ist das Motto des Festivals – zu genießen bedeutet ebenfalls, sich für die einzelnen Künstler Zeit zu nehmen, so dass Enjoy Jazz meist nur ein Konzert pro Abend und pro Stadt ausrichtet. Enjoy Jazz, das Internationale Festival für Jazz und Anderes, präsentiert sich in diesem Jahr zum 18. Mal und findet vom 2. Oktober bis 12. November 2016 statt. Sechs Wochen lang bietet das Festival hochkarätig besetzte, und äußerst vielseitige Veranstaltungen mit dem Schwerpunkt auf Jazz, aber auch angrenzenden Genres wie Klassik, Pop, Rock, HipHop oder Elektro.

tinmen 7

An exklusiven Spielstätten in Heidelberg, Mannheim und Ludwigshafen lädt Enjoy Jazz wie gewohnt zu einzigartigen Konzertmomenten sowie Masterclasses, Matineen, Symposien, Partys und weiteren spannenden Projekten ein. Mehr als 20.000 Besucher und zahlreiche Journalisten aus der Region, Deutschland und der Welt kommen jährlich, um Größen wie Archie Shepp, Brad Mehldau, Joshua Redman, David Murray und Herbie Hancock oder auch Trends setzende Newcomer wie Snarky Puppy, Cécile McLorin Salvant oder Apparat zu sehen. Auch in diesem Jahr darf das Enjoy Jazz-Publikum auf Musiklegenden und junge Ausnahmetalente gespannt sein. Enjoy Jazz steht für Innovation und Offenheit, d.h. dafür, den Blick auch

immer auf die musikalische Zukunft zu richten, Experimente zu wagen und sich positiv inspirieren zu lassen. Die Mischung aus Perfektion und Pioniergeist ist es, mit der Enjoy Jazz die Aufmerksamkeit in nationalen und internationalen Feuilletons sowie in Rundfunk und Fernsehen gewonnen hat. Das lässt das Festival zu einem Ereignis werden, das auf seine ganz spezielle Art und Weise Tradition und Weltoffenheit miteinander verbindet. Musikexperten und das stetig wachsende Stamm-Publikum von Enjoy Jazz schätzen dies sehr. Detailliertes Programm unter www.enjoyjazz.de Sie können Karten einfach und bequem über Reservix www.reservix.de bestellen. Tickets können entweder selbst direkt ausgedruckt oder per Post zugesendet werden.

Michael Wollny Vincent Peirani © Jörg Steinmetz 4

Wir sprachen mit dem Festivalgründer und Festivalleiter Rainer Kern. Wie entstand Enjoy Jazz, wie kam Rainer Kern zum Jazz und auf die Idee zum Festival? Zum Jazz kam ich durch meinen 10 Jahre älteren Bruder, der mich früh zu Jazz-Konzerten und Festivals mitnahm. Durch diese frühe Prägung erwuchs in mir der Traum, eines Festivals, das für Musiker wie Publikum gleichermaßen da war – das nur ein Konzert pro Abend präsentierte und das dadurch der Musik ihren vollen Raum gab. Im besten Falle sollte dieses Festival natürlich in meiner Heimat stattfinden. Diesen Traum konnte ich mir 1999 im Kulturzentrum Karlstorbahnhof in Heidelberg mit Enjoy Jazz schließlich erfüllen. Das Festival wird in diesem Jahr „Volljährig“. Was erwartet die Besucher, was sind die Highlights des 18. Enjoy Jazz? Unter den Highlights des Festivals sind natürlich ganz oben Joshua Redman und Brad Mehldau im BASFFeierabendhaus anzusiedeln. 2008 standen die beiden erstmalig bei Enjoy Jazz gemeinsam auf der Bühne und dies auf meine Initiative hin. Das Konzert war ein solcher Erfolg, dass die beiden seither gemeinsam in dieser Formation weltweit touren. Ich freue mich daher natürlich besonders, beide 2016 beim BASF-Konzert wieder bei Enjoy Jazz auf der Bühne erleben zu können.

Foto Kern 7235 DB# 1007

Tord Gustavsen ft Simin Tander © Øyvind Hjelmen

Charles_Lloyd_© Dorothy Darr 2


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Jazz | 59

The Comet is coming 2 © Fabrice Bourgelle

dejohnette coltrane garrison ©peter gannushkin

Berlin Was verbirgt sich hinter dem Zusatz „und Anderes“ im Festivaltitel „Enjoy Jazz Festival für Jazz und Anderes“? Der Jazz ist im Besonderen eine Musik, deren Einflüsse und Spielarten nicht nur zahlreiche weitere Musiken beeinflusst und bereichert hat, sondern sich auch durch seine wesenseigene Offenheit in der Improvisation auszeichnet. Daher liegt es gerade beim Jazz nahe, diese Einflüsse und Freiheiten, die ‚Anderes‘ ermöglichen und bedingen bereits im Titel mit aufzuzeigen. Ein gutes Beispiel dieses Jahres hierfür wäre das Konzert mit Johannes Motschmann, oder aber auch John Kameel Farah, die beide die Grenzen ‚klassischer‘ Stile sprengen und sich in neue Felder vorwagen. Genau das ist meines Erachtens nach Jazz – und eben Anderes. Wie wichtig sind europäische Partnerschaften auch in Hinblick auf das vom European Jazz Network lancierte Projekt „Jazz across Europe“? Ich denke gerade mit Hinblick auf die politischen Ereignisse wird diese Frage aktuell in Europa immer virulenter und verlangt auch nach immer nachdrücklicheren Antworten. Denn abseits vom inhaltlichen Zusammenarbeiten im musikalischen Bereich oder der Erarbeitung gemeinsamer audience development-Strategien, scheint mir insbesondere die Verortung als ein gemeinschaftliches europäisches Netzwerk immer wichtiger. Der Jazz war schon immer und ist nach wie vor eine hoch politische, wie kulturelle Auseinandersetzung mit und Umsetzung von gesellschaftlichen Ereignissen und Gegebenheiten. Dem dürfen, können und sollten wir uns auch als Festivalmacher und Veranstalter nicht entziehen. Das Ganze darf übrigens auch nicht an den Grenzen Europas enden; deswegen sind auch unsere außereuropäischen Partner ebenso wichtig, wie unsere europäischen. Die Metropolregion Rhein Neckar ist eine der wenigen Regionen, die „Metropole“ leben und durch viele Aktivitäten nach Außen sichtund erfahrbar machen und die Kultur in den Fokus stellen. Wie wichtig ist der Metropolgedanke für Sie als Festivalmacher? Chance oder Bürde? Bereits im zweiten Jahr der Entstehung von Enjoy Jazz haben wir das Festival von Heidelberg auch auf die Stadt Mannheim ausgeweitet, nur wenige Jahre später folgte Ludwigshafen. Das erfolgte da-

mals noch alles vor der Entstehung der Metropolregion. Der Metropolgedanke ist für mich und das Festival daher ganz klar nicht nur Chance, sondern wächst und gedeiht auch gerade auf Grund der hochkarätigen Festivals in unserer Region, die sich gemeinsam in der Festivalregion organisieren und die wir mitbegründet haben. Auch das Kulturbüro der MRN trägt daran einen entscheidenden Anteil. Gerade Festivals wie Enjoy Jazz, oder beispielsweise auch das Fotofestival Heidelberg, Mannheim, Ludwigshafen helfen dabei, in den Köpfen der Menschen Städtegrenzen abzubauen und ihre Region als eine Metropole wahrzunehmen. Was für den Gedanken ‚Europa‘ gilt, gilt selbstredend auch im ‚kleinen‘, lokalen für die Metropolregion Rhein-Neckar. Dieser Abbau von Grenzen zeitigt Synergieeffekte, von denen selbstredend auch wir als Festival profitieren, und der sich wunderbarerweise wie eine Spirale immer weiter nach oben schraubt. Das Enjoy Jazz finanziert sich zu einem großen Teil aus Sponsorengeldern. Eine gute Ehe oder Abhängigkeit? Eine ganz wunderbare Lebensgemeinschaft, welche die Freiheit lässt, der zu bleiben, der man ist und sich dennoch gerade darin gegenseitig zu fordern und zu fördern. Allen voran unser Hauptförderer SAS und unser Premiumförderer BASF SE ermöglichen uns, das Programm des Enjoy Jazz Festivals in seinen vielen Facetten zu verwirklichen. So feiern beispielsweise die Matineen und Masterclasses beim Festival dieses Jahr ihr 10-jähriges Bestehen und wären ohne SAS und BASF SE nicht denkbar gewesen. Wohin geht die Reise, wovon träumt Rainer Kern heute? Dass weiterhin so viele Menschen an meinem Traum teilhaben und festhalten. Die Entwicklung, die das Enjoy Jazz Festival in den letzten 17 Jahren genommen hat, ist wirklich schlicht traumhaft, die Reaktionen sowohl von Seiten des Publikums, als auch von Seiten der Musiker sind atemberaubend. Dass dieser Traum auch weiterhin von anderen Menschen mitgeträumt wird, wäre schon ein Anfang, denn schließlich geht die Reise ja immer ins Ungewisse. DAS GESPRÄCH FÜHRTE KAI GEIGER

Joshua Redman und Brad Mehldau 2 © Weintraub

JAZZFEST BERLIN 2016: EXTENDED VERSION Die Berliner Festspiele veranstalten das 53. Jazzfest Berlin in diesem Jahr vom 1. bis 6. November, in einer „extended version“ mit zwei Vorveranstaltungen. Insgesamt werden beim Festival 16  Jazzformationen und fünf teils völlig neue Duo-Kombinationen auftreten. Viele der beim Jazzfest Berlin 2016 präsentierten Projekte sind speziell für das Festival entwickelt und werden dort einmalig zu erleben sein. Ein großer Teil der zum Jazzfest Berlin 2016 eingeladenen Musiker*innen stammt aus den USA: Jack DeJohnette, Mary Halvorson, Julia Holter, Steve Lehman, Myra Melford, Brad

Mehldau, Joshua Redman, Matana Roberts und Wadada Leo Smith. Sie treffen auf verschiedenste europäisch geprägte Künstler*innen, im Speziellen aber auch auf die Berliner Jazzszene, die wieder deutliche Spuren in der diesjährigen Festivalausgabe hinterlässt. Zentraler Veranstaltungsort des Jazzfest Berlin 2016 ist wieder das Haus der Berliner Festspiele mit dem großen Saal und der Seitenbühne. Weitere Konzerte finden im Jazzclub A-Trane, in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche und im Maison de France statt. 1. – 6.11.2016 | www.berlinerfestspiele.de

Levitation © Mehdi Benkler

Nik Baertsch‘s Mobile ©Christian Senti

Leipzig

40. LEIPZIGER JAZZTAGE

»Schöne Künste« zum 40. Jubiläum der Leipziger Jazztage Jazz und Tanz – Jazz und Poesie – Jazz und Malerei: Die Leipziger Jazztage stehen in ihrer 40. Ausgabe vom 29. September bis 8. Oktober 2016 im Zeichen der »Schönen Künste«. Unter der Schirmherrschaft von Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung präsentiert der Jazzclub Leipzig zahlreiche Eigenproduktionen und Auftragsarbeiten mit internationalen Stars, die verschiedene Künste miteinander verbinden. Mit dabei: Antonio Sanchez & Mario Schröder (Tanz), The Bad Plus, Nik Bärtsch’s Mobile & Lisa Ramstein (Tanz), Kurt Rosenwinkel, Meshell Ndegeocello, Julia Hülsmann Quartett feat. Theo Bleckmann, Ketil Bjørnstad, Rolf & Joachim Kühn »Home again« feat. Tomasz Stan´ko & Asja Valcic, Michael Wollny, Tamar Halperin & hr-Bigband, Tord Gustavsen feat. Simin Tander & Jarle Vespestad, Günter Baby Sommer, Daniel Erdmann & Samuel Rohrer feat. Jean Michel Hannecart (Malerei), Nora Gomringer (Text) & Philipp Scholz u.a. Weit über 100 Künstler und Künstlerinnen treten an den 10 Festivaltagen in über 25 Konzerten auf – Jazztagetypisch an unterschiedlichsten Spielorten vom Opernhaus übers Schauspiel Leipzig und Kirchen bis zu Szeneclubs der Stadt wie Moritzbastei und

die naTo. Erstmals seit 1987 kehrt das Festival zudem an seinen früheren Hauptspielort, die historische Kongreßhalle am Zoo zurück. Dort formieren die in Leipzig geborenen und mit dem Festival stets eng verbundenen Rolf und Joachim Kühn eine Supergroup aus ihren aktuellen Bands UNIT und New Trio sowie den Gästen Tomasz Stan´ko und Asja Valcic. Zudem stellt Free-Jazz-Ikone Günter Baby Sommer dort sein neues Projekt »Vor der Mauer – Nach der Mauer« vor, wie das Kühn-Projekt eine Mischung aus „alten Hasen“ (Sommer und Friedhelm Schönfeld) und „jungen Hüpfern“ (Julia Kadel und Walburga Walde). 29.9. – 8.10.2016 | www.jazzclub-leipzig.de

Beat Freisen © Johannes Dittmar


60 | Jazz

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digung in Europa besser funktionieren? Dies setzt allerdings offene Grenzen voraus, was leider nur bis vor kurzer Zeit noch selbstverständlich war. Welches Interesse und welche Vorteile haben die einzelnen Festivals in der Vernetzung? Peter Schulze: Das Interesse der Festivals liegt auf der Hand: zunächst einmal ist dies eine konzertierte Aktion zur gemeinsamen Erweiterung des je eigenen Einzugsgebietes. Unterstellt man Jazzliebhabern, eine halbwegs homogene und zugleich vielseitig interessierte Gruppe von Menschen zu sein, so kann man kaum fokussiertere Marketingstrategien fahren als auf diese Weise. Die Vernetzung der Festivals untereinander ist dabei zudem die ökonomischste Art, dies zu tun, weil wenig zusätzliche externe Zielansprachen nötig sind. Jedenfalls in der Theorie....

Sybille Kornitschky | © Balindt Hrotko

Peter Schulze | © Balindt Hrotko

WER ODER WAS IST JAZZ ACROSS EUROPE? Wir sprachen mit Sybille Kornitschky, Projektleiterin jazzahead! Bremen und Peter Schulze aus dem künstlerischen Leitungsteam der jazzahead! sowie EJN Mitglied seit 1992, beide federführend verantwortlich für das Projekt Jazz Across Europe innerhalb des Europe Jazz Network. Das Europe Jazz Network hat die Initiative »Jazz across Europe« ins Leben gerufen. Was sind die Idee und die Ziele des europäischen Projekts? Sybille Kornitschky: Es gab schon 2011 einen ersten Aufschlag unter der Überlegung, wie das Pub-

likum für Jazz vergrößert werden kann. Audience development by travelling sozusagen. Was, wenn nicht nur Musiker reisen sondern das Publikum auch? Was, wenn profilierte Festivals sich untereinander vernetzen, ihrem eigenen Publikum Festivals in anderen Regionen und zu anderen Jahreszeiten empfehlen, da Festivals ja in der Regel nur wenige Tage im Jahr dauern? Was, wenn nicht nur Musiker ihren musikalischen Horizont beim Reisen erweitern sondern das hörende Publikum dieses aktiv ebenfalls buchstäblich „erfahren“ kann? Mobilität und Reisefreiheit wurde und wird vor allem in der erweiterten EU begierig gelebt. Wie könnte thematisch gebundene Völkerverstän-

Wie wird die Initiative lebendig, sichtbar und greifbar für den Jazzliebhaber? Sybille Kornitschky: Bisher wird sie das leider noch nicht genügend, da die Kooperation zwischen lokalen Festivals und lokalen Tourismusbüros und der dann zwingenden Erweiterung im europäischen Maßstab noch sehr in den Kinderschuhen steckt. Aber genau das wollen wir mit diesem Projekt jetzt ändern. Innerhalb von EJN haben wir die Festivals dazu aufgerufen, sich verbindlich für eine Beteiligung auszusprechen und auch außerhalb des Netzwerkes suchen wir nach Festivalpartnern, die Lust haben, sich zu beteiligen. Die Initiative „Jazz across Europe“ soll nach dem Kick-off der EJN European Jazz Network im Herbst 2016 in die Realisierungsphase übergehen. Verantwortlich für die Realisierung ist die Kulturinitiative ART CITIES IN EUROPE und arttourist.com unter Leitung von Kai Geiger. Weitere Informationen über „Jazz across Europe“ finden Sie ab Herbst unter www.jazzacrosseurope.com 27.–30.4.2017 | www.jazzahead.de

London (GB)

HÄNDEL & HENDRIX HAUS Zwei Weltstars, Tür an Tür. Seit diesem Jahr ist das Appartement von Jimi Hendrix zu besichtigen, das direkt neben Händel einstiger Wohnung liegt. In den Räumen im Edelstadtteil Mayfair hatte der 1970 gestorbene Musiker ein Jahr lang von 1968 bis 1969 gelebt: Gleich neben dem Haus, in dem die Hendrix-Wohnung liegt, hatte der Komponist Georg Friedrich Händel bis zu seinem Tod im Jahr 1759 rund 36 Jahre lang gelebt. Jimi Hendrix war amüsiert darüber, dass der Geist Händels in seiner Bude „umging“. Hendrix hatte die letzten Jahre seines Lebens vor allem in London verbracht. Er starb in einem Hotel im Londoner Stadtteil Notting Hill, vermutlich an einer Überdosis. Georg Friedrich Händel und Jimi Hendrix haben auf den ersten Blick nicht viel miteinander zu tun. Das neue Händel-Hendrix-Museum nahe der Londoner Oxford Street beweist das Gegenteil. www.handelhendrix.org

Jimi Hendrix‘s Epiphone FT79 acoustic guitar at Handel & Hendrix in London (2). Credit Michael Bowles-Handel & Hendrix in London

Zürich (CH)

18. JAZZNOJAZZ FESTIVAL ZURICH 2016 Das  jazznojazz  Festival Zürich macht auch in seiner 18. Ausgabe seinem Namen alle Ehre und präsentiert frische Sounds und Künstler aus Jazz und jazzaffinen Genres. Unterstützt von der langjährigen Hauptsponsorin Zürcher Kantonalbank sowie Co-Partner Migros-Kulturprozent gehen vom 1. bis 5. November 2016 über 20 Konzerte über die drei Bühnen in der Gessnerallee Zürich.  Für Neues offene Jazz-Koryphäen wie  Ibrahim Maalouf, Richard Galliano, Joshua Redman/Brad Mehldau Duo, David Sanborn  und das  SFJazz Collective, Groove-Koryphäen wie St Germain und Bugge Wesseltoft, die bezaubernden Stimmen von Hindi Zahra, China Moses, Y’akoto, Alina Amuri und Sarah McKenzie  sowie angesagte Newcomer wie  Lucky Chops, Jacob Collier  und  GoGo Penguin  sorgen für den faszinierenden jazznojazz-Mix. Das Eröffnungskonzert am Dienstagabend, 1.11.16,

bestreitet die UK-Kultband The Cinematic Orchestra; für die neuen «Late Night Sessions» im «Stall 6» konnten The New Mastersounds verpflichtet werden.  Nach der erfolgreichen Premiere im letzten Jahr setzen  jazznojazz und Migros-Kulturprozent-Jazz ihr Vermittlungsprojekt  für Schulklassen aus dem Kanton Zürich fort, diesmal unter fulminanter Ägide von  Hildegard Lernt Fliegen mit Sänger Andreas Schaerer. 1.-5.11.2016 | www.jazznojazz.ch 

Bugge Wesseltoft

Ibrahim Maalouf ® Denis Rouvre

arttouris

t.com

SUPPORTS

SOME OF THE LOVELY Mit arttourist.com SUPPORTS möchten wir zukünftig Projekte, Initiativen, Künstlerinnen und Künstler aller Kultursparten unterstützen, die uns in ihrer Idee, dem Konzept, der Ausrichtung und vor allem in ihrer Leidenschaft und Zielstrebigkeit beeindrucken und berühren. Wir möchten „jungen“, neuen Ideen und Projekten ein Forum über unsere Zeitung und unsere Internetseite geben, und sie eine Wegstrecke lang in ihrer Entwicklung begleiten. Wir möchten SUPPORTS vorstellen, über den Stand der Dinge und das Vorankommen informieren, über die Erfolge aber auch über die Sorgen und Zweifel sprechen. Und immer wieder über die Notwendigkeiten, die Formen der Unterstützung, die für den nächsten Schritt erforderlich sind und wie man, wir alle, die Künstlerinnen und Künstler dabei unterstützen können. Den Anfang machen wir mit der Band »Some Of The Lovely« um den Freiburger Musiker Manuel Mühl. Manuel Mühl habe ich im letzten Herbst als Dozent der Konstanzer Jazz & Rockschule kennen gelernt und habe nach und nach von seinem Bandprojekt erfahren. Bei unseren Treffen kamen wir immer wieder auf die Band zu sprechen und ich habe mich anstecken lassen von der Gradlinigkeit, der Euphorie und dem unbedingten Wille »Some of the Lovely« und deren Musik auf einen professionellen Weg zu bringen, eine erste CD zu produzieren, ein »Lebensprojekt« zu realisieren. „Some Of The Lovely“ – Was bedeutet der Name und was bedeutet Euch der Name, was wollt Ihr damit ausdrücken? Wenn wir auf die Bühne steigen oder uns zum Proben treffen, bringt jeder seine Stärken und Schwächen mit, ohne diese inszenieren oder verstecken zu wollen. Wir pflegen einen möglichst ehrlichen und authentischen Umgang untereinander wie auch mit dem Publikum, dem wir auf Augenhöhe begegnen wollen. Interessanterweise funktioniert das bei Konzerten ganz gut. Je „liebevoller“ wir uns zeigen, desto entspannter ist das Publikum. Jede(r) darf und soll sie/er selbst sein. Die Musik tut dann ihr Übriges. Wir selbst stecken voller Bewunderung füreinander. Jeder hält den jeweils anderen für die ideale Besetzung. Durch diese hohe Wertschätzung und auch enge Freundschaften, die weit vor der Gründung dieser Band geknüpft wurden, entsteht tatsächlich eine eher familiäre Atmosphäre. Schlicht und einfach „Some Of The Lovely“.


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alle Bilder © Some of the Lovely

MANU Wie habt Ihr Euch gefunden? Eigentlich kennen wir uns schon seit Jahren über andere Projekte oder das Studium und haben uns dann Stück für Stück in dieser Konstellation wiedergefunden. Als in Freiburg lebende, gebürtige Amerikaner sind Edward und Lindsey schnell aufeinander getroffen und haben weit vor Some Of The Lovely in Jazzbesetzungen gespielt. Zu dieser Zeit bildeten sich auch die anderen Kontakte und Freundschaften. Erst Jahre später arbeiteten Lindsey und Edward an eigenen Stücken und trommelten Sophie, Jan und Manu zusammen. Gemeinsam mit einem Bassisten spielten wir in dieser Formation eine Weile zusammen. Als wir letzten Sommer dann einen neuen Mann am Kontrabass suchten, war Jonas von vornherein unser Favorit, der dann glücklicherweise zusagte. Was für Musik macht Ihr? Anfangs versuchten wir uns mit der Bezeichnung „Contemporary Bluegrass“, aber allein die Verwendung von Schlagzeug und E-Gitarre widerspricht dem Konzept des Bluegrass grundlegend. Gleichzeitig haben wir unsere kleine String Section aus Cello und Kontrabass, einmal mit klassischer, einmal mit Jazzausbildung, was sich entsprechend in der Musik niederschlägt. Hinzu kommt Edward, der dann tatsächlich typische Bluegrass-Instrumente wie Mandoline, Mandocello und Banjo verwendet und damit am ehesten einen stilistischen roten Faden durch unsere Stücke zieht. Beim Arrangieren dachten wir zuerst in den üblichen Techniken des Songwritings weshalb die aktuellen Demo-Aufnahmen noch recht poppig daherkommen. Wir liessen uns aber immer mehr auf sparsamere, manchmal gar kammermusikalische, Arrangements ein, die der Musik und der Vielfalt der Instrumente mehr Freiheit einräumen und Lindseys Texten einen besseren Dienst erweisen. Also zusammenfassend ein eklektischer Mix aus traditioneller, nordamerikanischer Musik, Popularmusik und kammermusikalischen Einflüssen. Das ist für Plakate leider etwas zu sperrig, daher würden die meisten wohl einfach „Folk“ sagen. Wohin geht die Reise, was sind Eure Ziele, Euer Zeitplan mit „Some Of The Lovely“? Wir wollen ganz klar unser Songmaterial verbessern, aufnehmen und einem größeren Publikum präsentieren. Dabei geht es in erster Linie um die Umsetzung unserer künstlerischen Vorstellungen und nicht um Massentauglichkeit. Dieses Jahr soll eine EP fertiggestellt werden, bevor wir uns im nächsten Jahr an eine Albumproduktion wagen. Dafür suchen wir

LINDS

JAN

in den nächsten Monaten Verbündete in Form von Labels, Produzenten und Bookern. Ihr geht Euer Projekt sehr zielstrebig an, trotz aller logistischen und zeitlichen Herausforderungen. Wie organisiert und managt Ihr Euch? Ohne Internet und einer wöchentlichen Flut an E-Mails wäre dies wohl kaum möglich. Wir haben klare Aufgabenverteilungen, die sich an den aktuellen (und sich immer wieder ändernden) zeitlichen Ressourcen der Mitglieder orientieren und ein hohes Maß an Kommunikation erfordern. Edward und Lindsey komponieren die Grundideen unserer Songs und bringen diese ab einem bestimmten Status mit in die Probe um sie gemeinsam weiterzuentwickeln. Lindsey übernimmt die Probenplanung, Edward das Booking und Manu die technischen Angelegenheiten, wie Aufnahmen und Homepage. Die ganze Organisation und das Arbeitstempo nehmen gelegentlich manische Ausmaße an. Dann heißt es Kaffee und weiter.

SOPHIE Was sind die nächsten Schritte? Nachdem wir die ersten Konzerte in der aktuellen Besetzung gespielt haben, setzen wir uns nun verstärkt an das Ausarbeiten von bereits bestehenden und neuen Stücken. Ein Teil davon soll dann über den Sommer in Eigenregie aufgenommen und produziert werden, um im Herbst eine EP in Händen zu halten. Damit werden wir dann an Türen klopfen und uns Gedanken zu Finanzierung und Umsetzung einer größeren Albumproduktion im Jahre 2017 machen. Parallel wollen wir unsere Live-Performance voranbringen. Wir sind für Tontechniker nicht ganz leicht zu mischen und die Fülle an Instrumenten bringt ganz eigene Schwierigkeiten mit sich. Da gibt es einiges zu tun und wir freuen uns auf ein volles Jahr. Wo und wie kann man Euch auf dem Weg begleiten und unterstützen? Grundsätzlich freuen wir uns erst einmal über jeden, der uns live oder im Internet besucht. Bei unseren Konzerten wollen wir ein Erlebnis fernab von erho-

JONAS

ED

benen Handys und Tablets erzeugen, die Zuhörer aus ihrem Alltag abholen und ein paar authentische, gemeinsame Momente mit ihnen und unserer Musik erleben. Das ist mehr wert als alles andere. Andererseits finanziert sich dieses Projekt nicht von allein, und wenn man die Arbeitsstunden überschlägt, ist das mittlerweile für einige Mitglieder ein fulltime job ohne Bezahlung. Um größere Konzerte (jenseits der Hut-Spenden) zu spielen, brauchen wir ein größeres Publikum. So trivial das klingen mag, ein einfaches „Like“ auf Facebook oder ein Eintrag in unseren Newsletter hilft da schon weiter. Viele Booker schauen lediglich auf die mediale Reichweite einer Band. Glücklicherweise bewegen wir uns in einem Genre, in dem diese Kategorien nicht ganz so sehr ins Gewicht fallen. Dennoch fängt es eben mit solchen Kleinigkeiten an. Zu einem späteren Zeitpunkt wird der Verkauf von CDs und Merchandising wie bei jeder Band eine wichtige Rolle spielen. www.someofthelovely.com DAS GESPRÄCH FÜHRTE KAI GEIGER.


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Neue Musik Paris und das Mivos Quartett aus New York feiern ihr ECLAT-Debut, neben internationalen Interpreten sind die Neuen Vocalsolisten, ascolta, das SWR Radiosinfonieorchester Stuttgart und das SWR Vokalensemble wieder die Säulen des Festivals. Im Zentrum steht eine junge Komponistinnen-Generation, die ihre Ausdrucksmöglichkeiten oft im Grenzbereich zu anderen Genres sucht und im künstlerischen Dialog entwickelt – wie Clara Maïda mit der Architektin Jenny Sabin, Brigitta Muntendorf mit dem Maler Vincent Mesnaritsch, Enno Poppe mit dem Schriftsteller Marcel Beyer. Mit neuen Werken u.a. von Georges Aperghis, Clara Ianotta, Johannes Schöllhorn, Klaus Ospald, Hanna Hartman, Christoph Ogiermann zeigt ECLAT eine große Bandbreite aktueller Musik. 2.-5.2.2017 | www.eclat.org

Brüssel (B) Ars Musica - Biennale für zeitgenössische Musik Das 1989 ins Leben gerufene Brüsseler Festival für zeitgenössische Musik „Ars Musica“, das neuerdings als Biennale stattfindet, hat sich in Europa nach und nach zu einer hochrangigen Festivalreferenz entwickelt. Die nächste Ausgabe findet im November 2016 statt. International und kreativ: Die belgischen Kulturinstitutionen haben mit Ars Musica einen Ort der Begegnung für hochkarätige belgische und internationale Ensembles, renommierte Protagonisten und junge Newcomer erschaffen. Auf dem Programm stehen Musikkreationen, aber auch Tanz, Video, bildende Künste und Multimedia. Mit Kreativität und Offenheit wird hier über den eigenen kulturellen Tellerrand geblickt. 12. – 27.11.2016 | www.arsmusica.be

Salzburg (A) Dialoge Salzburg Das zeitgenössische Festival Dialoge  steht 2016 unter dem Leitthema „Grenze“ und findet vom 30. November bis 4. Dezember 2016 statt. Im Mittelpunkt Nicolas Altstaedt ©Marco Borggreve stehen  Wolfgang Rihm, Ferruccio Busoni und Mozart, unter anderem werden Künstler und Ensembles wie Maxime Pascale, Kirill Gerstein, Rainer Honeck, Pekka Kuusisto, Nicolas Altstaedt, das Arditti Quartett oder Tanja Tetzlaff zu erleben sein. 30.11.-4.12.2016 | www.mozarteum.at

Pitch 43 - tuning the cosmos© Michael Bölter

Salzburg Biennale rückt 2017 Kuba und Graz in den Fokus Salzburg Biennale 2017 – Festival für authentische Musik der Gegenwart | Organisatorische Neu-Ausrichtung des Trägervereins Salzburg Biennale Mit seiner künstlerischen Ausrichtung der Salzburg Biennale knüpft Siegfried Mauser an die Gründungsidee von Hans Landesmann an und führt die Begegnung von zeitgenössischer komponierter Musik mit authentischer ethnischer Musik fort. Diese Beziehungen sollen in Form von drei Profilen – konkret: als Städte/Länderprofil, als Persönlichkeitsprofil und als Szene Österreich - an drei verlängerten Wochenenden musikalisch erlebbar werden. Mit der Biennale 2017 will sich Mauser der Musik aus Kuba, dem Komponisten Bryan Ferneyhough und der innovativen Musikwelt von Graz und Umgebung widmen. Die Bezeichnung „Hörund Schaufenster“ für die Wochenendprogramme impliziert, dass die Profile durchaus über die musikalischen Erscheinungsformen hinaus auch Aspekte von beispielsweise Bildender Kunst und Theater einbeziehen könnten. www.salzburgbiennale.at

Ludwigshafen_Bild_1 Galliano © Vincent Catala

Ludwigshafen MODERN TIMES 2016: Aufbruch!

Stuttgart (D) ECLAT Festival

© Foto Martin Sigmund

Ein Highlight in Stuttgart und ein fester Termin für alle Neue Musik-Fans sind die vier Tage Anfang Februar, wenn das ECLAT Festival wieder alle Säle und Experimentierbühnen im Stuttgarter Theaterhaus mit Konzerten, Musiktheater, Performances und Installationen bespielt. Ensemble Garage aus Köln, 2e2m aus

Vom 23. September bis zum 2. Oktober geht das Metropolregion Sommer- Musikfest in die vierte Runde – Einen Kosmos im Kleinen zeigt die Deutsche Staatsphilharmonie RheinlandPfalz unter der Leitung von GMD Karl-Heinz Steffens mit fünf Konzerten in Mannheim und Ludwigshafen. Mehr und mehr wird die Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz als das Sinfonieorchester der erweiterten Metropolregion RheinNeckar wahrgenommen – eine Entwicklung, die vor allem durch das Engagement von GMD

Karl- Heinz Steffens und Intendant Prof. Michael Kaufmann getragen wird und nicht zuletzt auch auf der Neugier des aufgeschlossenen Publikums in der Region fußt. Mit dem diesjährigen Metropolregion Sommer-Musikfest schenkt das Orchester der Region zum Saisonauftakt bereits zum vierten Mal ein besonderes Festival, das u.a. Alexandra Petersamer, Richard Galliano, Juliane Banse und Frank-Peter Zimmermann begrüßt. Auch Aribert Reimann, dem die Staatsphilharmonie in der kommenden Spielzeit ihr Komponistenportrait widmet, wird das Fest mit seiner Anwesenheit bereichern und zu einer spannenden Begegnungsstätte für zeitgenössische Musik werden lassen. „Aufbruch“ steht als Thema über MODERN TIMES 2016 und das ist durchaus in doppelter Weise gemeint. Es soll zum einen der Musik nachgespürt werden, die das 20. Jahrhundert künstlerisch maßgeblich prägte und zum anderen weiter jener Weg beschritten werden, immer wieder dorthin aufzubrechen, wo der Musikbetrieb der letzten 100 Jahre allzu selektiv und in abgrenzenden Kategorisierungen gewirkt hat. Die große sinfonische Form trifft bei MODERN TIMES auf Kammerensembles, Hauptwerke des gängigen Konzert-Repertoires treffen auf großartige unbekanntere Werke. Angeführt wird der „Aufbruch“ dabei sicher durch eines der zentralen Werke des 20. Jahrhunderts, den berühmten „Le Sacre du Printemps“ von Igor Strawinsky. 23.8. – 2.10.2016 | www.staatsphilharmonie.de

Fotos ©Roland Owsnitzki @votos.de

Ponta Do Sol | Madeira (PT) MADEIRADIG International Mzusic Festival Four Days of Extraordinary Music Wenn der Rest von Europa in Kälte und Trostlosigkeit versinkt, treffen sich einige der besten Avantgarde Musiker auf der bergigen Vulkaninsel Madeira bei frühlingshaften Temperaturen zum Musikfestival MADEIRADIG des Berliner Veranstalters Michael Rosen. Es trifft sich die Avantgarde aus New York, Kopenhagen, Wien und Berlin bei elektronischer Musik und Jazz. Das MADEIRADiG Festival ist ein einzigartiges Abenteuer außergewöhnlicher Musik. Dann befällt das beschauliche Dörfchen Ponta Do Sol ein regelrechter Kulturschock. 30 Autominuten von Funchal, der Hauptstadt Madeiras, entfernt in einer beschaulichen Bucht gelegen, besticht das pittoreske Dutzend Häuser durch seine aus der Zeit gefallene Schönheit. Jedes Jahr im Dezember schlägt dort, wo sonst die Langsamkeit regiert, ein kultureller Fremdkörper ein: Das MADEIRADIG Festival. Für das kleine portugiesische Eiland fernab des Festlands ist es zu einer kulturellen Institution geworden — selbst an den Marktständen Funchals erntet man eifriges Nicken, sobald der Name fällt. Für vier Tage prallt dann zeitgenössische Klangkunst und ein Funke Popkultur auf eine Kulisse, die vor allem über ihre eindrucksvolle vulkanische Geologie und wundersame Flora wirkt. Das verdeutlicht ob der Ausgeprägtheit vieler Kontraste Spannungen und Gegensätze, die im hektischen Alltag der Metropolen allzu leicht übertüncht werden: Kultur versus Natur, Tradition versus Fortschritt, Ökonomie versus Autonomie der Kunst und – wie bereits im Namen angelegt – Digitalität. 2. – 5.12.2016 | www.digitalinberlin.eu

Karlsruhe ZeitGenuss ZeitGenuss – in Verbindung mit musikalischer Avantgarde ist dieser Name Anspruch und Programm. In Karlsruhe geht vom 21. bis 29. Oktober 2016 die vierte Auflage des Festivals für Musik unserer Zeit über die Bühne, das gemeinsam vom Kulturamt der Stadt und der Hochschule für Musik Karlsruhe veranstaltet wird. Die Stadt kann dabei mit ihren Pfunden wuchern: Hier lebt und arbeitet mit Wolfgang Rihm einer der bedeutendsten Komponisten der Gegenwart, an der Hochschule für Musik werden zwei Kompositionsklassen und junge Musikerinnen und Musiker im Hauptfach Zeitgenössische Musik unterrichtet, es gibt engagierte Veranstalter, eine quicklebendige Szene und ein waches, aufgeschlossenes Publikum. Diese Qualitäten machen das Festival ZeitGenuss stark: Es bündelt die Kompetenzen von in Karlsruhe beheimateten Ensembles und der Hochschule für Musik. Profilierte Gäste ergänzen das breit gefächerte musikalische Angebot. 2016 steht der in Lahr geborene Avantgardist Dieter Schnebel im Zentrum; in einer Karlsruher Meisterklasse Interpretation zeitgenössischer Musik erarbeitet er mit Studierenden ein Konzertprogramm mit eigenen Werken. Darüber hinaus wird sein Schaffen im Gesprächskonzert, im Vortrag und in weiteren Konzerten beleuchtet. 19 Uraufführungen und einer deutschen Erstaufführung stehen Werke der klassischen Avantgarde gegenüber. Im Rückblick auf Reger, Prokofjew, Schönberg und Strawinsky etwa schärft sich der Blick für Entwicklungen und Standpunkte. Eine weitere Programmlinie gilt der Repertoirebildung: Uraufführungen sind selbstverständlich, ebenso wichtig ist es aber, bedeutende Werke der Neuen Musik wieder live erleben zu können. In Karlsruhe sind das ein Ausschnitt aus Kagels Staatstheater, Ionisation von Varèse, Griseys Tempus ex Machina oder Rihms Fremde Szenen I – III. Aktuelles gibt es im Preisträgerkonzert des Karlsruher Interpretations- und Kompositionswettbewerbs 2015 und von den Kompositionsklassen Wolfgang Rihm und Markus Hechtle zu hören. Einmal mehr sind die Karlsruher Meisterkonzerte im von Achim Heidenreich kuratierten Festival zu Gast: Aribert Reimanns Nahe Ferne, Momente zu Beethovens Klavierstück BDur WoO 60 spiegeln sich in Orchesterwerken des Wiener Klassikers. Ein Raumklangerlebnis verspricht das Abschlusskonzert mit dem CoroPiccolo und Christian-Markus Raiser in der Evangelischen Stadtkirche. Der Österreicher Wolfgang Mitterer schreibt dafür ein Werk für zwei konzertierende Orgeln, einen improvisierenden Kammerchor, Elektronik und Werkausschnitte zeitgenössischer Kollegen. 21. – 29.10.2016 | www.karlsruhe.de/zeitgenuss


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Neue Musik | 63

14. – 16.10.2016 In zwölf Konzerten mit insgesamt 18 Uraufführungen, Klanginstallationen, Performance-Projekten und zahlreichen Sonderveranstaltungen wird das Wochenende vom 14. - 16. Oktober ein ereignis- und erlebnisreiches. Zu den Höhepunkten des Wochenendes gehören sicher die Uraufführungen neuer Werke von Peter Ablinger, James Dillon, Georg Friedrich Haas, Bernhard Gander, Rebecca Saunders, Martin Smolka, Marco Stroppa und Michael Wertmüller sowie die deutsche Erstaufführung des Sirenen-Zyklus von Peter Eötvös. Aber auch die jüngere Generation ist mit Joanna Bailie, Martin Jaggi, Daniel Wohl und Nathan Davis prominent vertreten.   Mit dem Klangforum Wien, dem ensemble recherche, dem Arditti und dem Calder Quartet, der Avantjazzrockgruppe Steamboat Switzerland, dem IRCAM, dem Posaunisten Mike Svoboda und den beiden Sopranistinnen Juliet Fraser und Audrey Luna sind auch in diesem Jahr herausragende Interpreten zu Gast. Hinzu

kommen natürlich die drei Klangkörper des SWR, das Vokalensemble, das Experimentalstudio und das SWR Symphonieorchester, die das Festival mit ihrer großen Kompetenz im Bereich der zeitgenössischen Musik bereichern. Klanginstallationen kommen in diesem Jahr von Thomas Köner, Yutaka Makino und Johannes S. Sistermanns. An der Grenze zwischen Avantgarde und elektronischer Tanzmusik bewegt sich der Österreicher Curd Duca. Außerdem  im Programm sind  diesmal auch ein Vortrag des englischen Musikphilosophen Roger Scruton sowie zahlreiche Komponisten-Gespräche. Bereits seit dem 1. Mai läuft Hannes Seidls radiofones Projekt „Good Morning Deutschland“ in der Flüchtlingsunterkunft Donaueschingen, das jeden Mittwoch von 17 - 20 Uhr online zu hören ist. Donaueschinger Musiktage | 14.-16. Oktober 2016 www.swr.de/swr2/festivals/donaueschingen alle Fotos © SWR Donaueschinger Musiktage

INTERVIEW Wir sprachen mit Björn Gottstein, seit 2015 Künstlerischer Leiter der Donaueschinger Musiktage Nach einem noch programmatisch maßgeblich vom verstorbenen Festivalleiter Armin Köhler geprägten ersten Festivaljahr unter Ihrer Leitung werden die Donaueschinger Musiktage 2016 Ihre Handschrift tragen. Was verändert sich? Das Jahr 2016 ist ein Gemeinschaftsjahr. Armin Köhler und ich tragen gewissermaßen gemeinsam die Verantwortung für die Programmgestaltung. So werde ich als Festivalleiter aber natürlich erste Akzente setzen können. Das Prinzip der Neuen Musik ist das einer permanenten Erneuerung. Neue Musik, mit einem großen N, möchte auch immer neue Musik, also mit kleinem n sein, also wirklich neu, unerhört, über Grenzen hinausgehend. Das ist selbst dort der Fall, wo wir im Konzertsaal ein traditionelles Ensemble, sagen wir: ein Sinfonieorchester erleben. Der Münchner Komponist Klaus Schedl wird, mithilfe des Freiburger Experimentalstudios, die Ästhetik der Dronemusik auf das Orchesterprinzip übertragen. Ähnlich ist es bei Franck Bedrossian, der in Zusammenarbeit mit dem Pariser IRCAM seine Vision des „son saturé“, als eines gesättigten, schwarzen Klangs verfolgt. Ein ganz besonderes Projekt ist in diesem Jahr das Radioprojekt „Good Morning, Deutschland“ des Frankfurter Komponisten Hannes Seidl. Seidl wird mit Flüchtlingen aus der Donaueschinger Flüchtlingsunterkunft gemeinsam Musik machen, Musik hören und über Musik sprechen. Das ist ein Projekt, das sich am Rande dessen bewegt, was wir üblicherweise mit einem Neue-Musik-Konzert verbinden. Ich freue mich besonders auf diese Arbeit, weil es nicht nur der Form nach neue Wege geht, sondern auch ein besonders für Donaueschingen mit seinen fast 3.000 Flüchtlingen besonders aktuelle Situation aufgreift.

Was sind die Schwerpunkte, Akzente, die Sie in den nächsten Jahren in Donaueschingen zur Aufführung bringen wollen? Die Neue Musik erlebt zurzeit einen immensen Wandel. Dieser Wandel ist gleichermaßen durch die Generationen als auch von der technischen Entwicklung bedingt. Komponisten, die heute um die 40 Jahre alt sind, geben sich nicht mit dem, was die Neue Musik erreicht hat, zufrieden. Sie hinterfragen die Institutionen und auch die Gewohnheiten der Neuen Musik. Sie schreiben Kompositionen für Youtube und integrieren die neuen Technologien ganz selbstverständlich in ihre Werke. Diesen Wandel zu begleiten, das ist die wichtigste Aufgabe der kommenden Jahre. Wenn wir auf die Programme der Neue-Musik-Festivals schauen, dann müssen wir sicher etwas ändern im Bereich der Internationalität. Was geschieht heute in Argentien oder in Südkorea? Gleiches gilt für die der ästhetischen Offenheit: wir brauchen auch Impulse von Theaterregisseuren und der Popkultur. Auch werden immer noch zu wenig Komponistinnen aufgeführt. Das sind Aspekte, die die Programmgestaltung der kommenden Jahre prägen soll. Wie wichtig sind neue Formate, Vermittlungsformen für die Neue Musik wie der in 2015 erstmalig veranstaltete Festivalkongress upgrade? Der Festivalkongress upgrade, der 2015 erstmals in Donaueschingen stattfand und der sich Vermittlungsfragen widmet, war ein ungemein spannendes Experiment. Die Zusammenarbeit mit Jugendlichen, Pädagogen, Komponisten und professionellen Musikern hat zu unglaublich tollen Ergebnissen geführt. Die Musiktage werden sich sicher nicht in diesem Maße der Vermittlung widmen. Aber der Diskurs ist wichtig, dass wir uns vergewissern, welche Bedeutung und welchen Stellenwert in der Welt die Werke haben. Bereits im letzten Jahr haben

wir mit kurzen Komponistengesprächen begonnen, die es dem Publikum ermöglicht, die Persönlichkeit eines Künstlers im Gespräch zu erleben und dadurch vielleicht auch einen anderen Zugang zu dessen Werk zu bekommen. Es wird in diesem Jahr erstmals einen Vortrag bei den Donaueschinger Musiktag geben. Diese Reihe der Donaueschinger Lectures soll in den kommenden Jahren das diskursive Potenzial der Neuen Musik unter Beweis stellt. Den Anfang macht in diesem Jahr der englische Philosoph Roger Scruton, der sich eingehend mit Neuer Musik befasst hat und bisweilen auch einen durchaus kritischen Blick auf das Genre wirft. Es soll also nicht nur gemütlich zugehen. Zeitgenössische, Neue Musik erfreute sich in Asien großer Beliebtheit, Einige europäische Festivals und Messen haben inzwischen Satelliten Veranstaltungen im Ausland, um neuen »Märkten« näher zu sein? Ist dies ein Thema für die Donaueschinger Musiktage? Es stimmt, dass die Neue Musik in vielen Ländern außerhalb Europas einen hohen Stellenwert genießt. Wir erleben es an den vielen Studenten aus dem Nahen und dem Fernen Osten, aus dem Libanon, aus Israel, aus Südkorea, Japan oder China, die nach Europa kommen, um sich dieser Disziplin zu widmen. Es ist eine tolle Öffnung, weil diese Komponisten oft ganz andere Fragestellungen und Blickwinkel mitbringen. Ob wir deshalb auch die „Donaueschinger Musiktage Miami Beach“ oder „Donaueschinger Musiktage Hong Kong“ brauchen, lasse ich einmal dahingestellt. Einerseits unterliegen wir im Bereich der Neuen Musik nicht in dem Maße dem Markt, wie es die bildende Kunst tut. Gleichzeitig möchte ich den Eindruck vermeiden, dass wir systematisch Kultur exportieren. Vielleicht ist die Streckenführung der Tour de France ein gutes Vorbild. Dort beginnt die Veranstaltung alle zwei Jahre mit einem Prolog im Ausland. Das wäre vielleicht eine schöne Möglichkeit, die Musiktage international zu positionieren. DAS GESPRÄCH FÜHRTE KAI GEIGER.


I R U M A A ALIN T F O T L E S S E W E G BUG E D I R B S C E M S O N A M I A T S N I I R CH H C & N R O B N A S DAVID N I U G N E N P E G O E G I O L F G T N R E L D R A G E H I LD A R H A Z I D HIN F U O L A A M M I H A IBR R U E A I D L L L H O JACOBC EDMAN & BR ADME R A U H S O J S P O H C LU C K Y I L T T Ü R MARIEK EK TOR P S A N I IBRAHIM G RE O N A I L MAALOUF L A G D R 3.11.16 RICHA E I Z N E K C M SAR AH E V I T C E L L O C Z Z SFJA N I A A M R R T E S G E T H S C R O C I T A M E N S I D C N U O TH E S R E T S A M TH E N E W O T O K A ´ Y 18th JAZZNOJAZZ FESTIVAL ZURICH Gessnerallee Zürich

www.jazznojazz.ch

1.–5.11.2016

www.ticketcorner.ch

www.jazznojazz.ch

VERANSTALTER: AllBlues Konzert AG

www.allblues.ch


Elbphilharmonie Hamburg

DAS WUNDER FÜNF Monate vor der Eröffnung hat die Elbphilharmonie in Hamburg bereits eine tolle Karriere hinter sich: Sie war ein Traum, ein Fiasko, ein Witz - nun ist sie die schöne Geliebte. Flach liegt die Barkasse im Wasser. Leicht schwankend, bisschen unsicher. Wie ein vollgelaufener Matrose, der auf der nahen Reeperbahn, wo die vollgelaufenen Matrosen seit mindestens einhundert Jahren ausgestorben sind, die La Paloma Bar sucht, aber nur den neuesten Fischfoodschnellimbiss hinter der Herbertstraße findet. Die Herbertstraße war übrigens in ihrer bizarren Blöße auch schon mal deutlich anziehender - als so ausgezogen, umgezogen und bald auch hinweggentrifiziert wie jetzt. Auf der einstündigen Hamburg-Rundfahrt „Speicherstadt & Hafen“, sie ereignete sich tatsächlich schon vor ein paar Jahren, wird jedenfalls die Kehrwiederspitze erreicht. Da sagt der Barkassenskipper: „Tja, Leute, eigentlich sollte man die Kehrwiederspitze ja allmählich umbenennen: in Kehrniewiederspitze.“

Elbphilharmonie © Jörg Modrow


66 | Hamburg

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Erst berühmt. Dann berüchtigt. Dann prächtig. So ist das.

Elbphilharmonie © Maxim Schulz

Höhöhö. Die erfahrenen Hafen-Touristen lachen. Man selbst ist halblustig drauf. So fragt man: „Wieso das denn?“ Woraufhin der Skipper im plattesten Platt und somit schon mal sehr sympathisch antwortet: „dorwegen“. Mit dem Daumen deutet er über die Schulter, über die Reling, über die Barkasse, über den alten ziegelummauerten Kai der Speicherstadt . . . dann höher . . . höher . . . auf etwas, was aussieht wie ein leuchtendes Gebirgsmassiv mitten auf dem Wasser. Wie ein schwebender, titanischer Kristall. Ein Wunder. Als käme gerade der Fliegende Holländer vorbei. Der Skipper zeigt aber nicht auf das Wunder, sondern auf das Unerhörte. Auf das Dings. Den Skandal. Die Pleite. Das Fiasko. Die Katastrophe. Die Frechheit. Den Wahnsinn. Auf die dümmste Baustelle der Welt. Er zeigt auf das Höhöhö-Haus, auf die Hamburger Elbphilharmonie. Das neue Konzerthaus inmitten Europas größtem Bauprojekt, der Hafencity: eine Lachnummer, ein Trauerspiel. Was eine Krone werden sollte, ist ein Elend. Ein Grund, Hamburg für Schilda zu halten. Viele Jahre später fertig als erhofft. Hunderte Millionen Euro teurer als gedacht. Ein Bau, der vor Gericht landet. Wie blöd muss man eigentlich sein? Der Skipper ist jetzt mal so richtig in Fahrt -dorwegen.

de Meuron aus Basel, sowie die Projektleiter des Baukonzerns Hochtief wollte man zur Zeit der Hafenrundfahrt gelegentlich lieber tot als lebendig sehen in Hamburg. Und die eigenen Baubehörden hätte man am liebsten auch gleich hinterher und zu den Fischen geschickt. Hamburg war echt sauer. Und im Rest Deutschlands sagte man sich: Höhöhö. Wie titelte der Stern als Fachmagazin für extraterrestrische Absonderlichkeiten doch so schön im Jahr 2003, als man sich am Plan für ein „neues Konzerthaus der Superlative“ noch berauschen konnte: „Ufo an der Elbe“. Erst sollte das Ufo 241,3 Millionen kosten - jetzt werden 860 Millionen Euro daraus. Erst dachte man: „Wenn alles gut geht, wird das Wunderwerk im Jahr 2008 eröffnet.“ Jetzt ist es das Jahr 2017. Es ist also nicht alles gut gegangen. Und trotzdem, wie soll man sagen, man hat ja schon das eine oder andere Haus gesehen, aber ein solches noch nie. Man möchte nicht Konzerthaus zum Konzerthaus sagen. Sondern, wäre es nicht so abgegriffen, Kathedrale. Oder, wäre das nicht noch viel abgegegriffener, Wunder,

Ufo, irgendwas Unglaubliches jedenfalls. Vielleicht sogar: Backsteinmauerreste im brackigen Wasser mit oben was aus Glas, Konzertsaal und Hotel drauf. Kurz: Die Elbphilharmonie ist fantastisch. Vielleicht nicht nur trotz, sondern auch aufgrund ihrer Geschichte. Häuser sind immer dann am schönsten, wenn sie so aussehen, als hätten sie schon einiges hinter sich und noch ein paar Rätsel in sich. Darin sind Häuser den Menschen seltsam ähnlich. Umso schöner ist nun, dass der Hafenrundfahrtveranstalter von damals auch ausweislich der aktuellen Homepage die Kehrwiederspitze doch noch so offensichtlich ins Herz geschlossen hat: „Weitere Sehenswürdigkeiten sind die malerischen Fleete und die faszinierende Hafencity mit ihrem neuen Konzerthaus, der noch unvollendeten, berühmt berüchtigten - und dennoch bereits prächtigen - Elbphilharmonie.“ Objekt der Begierde: Die Elbphilharmonie steht schon längst auf dem Besuchsprogramm der Touristen, auch wenn sie erst im Januar 2017 eröffnet wird.

Erst berühmt. Dann berüchtigt. Dann prächtig. So ist das. Würde man dem Skipper von damals erneut begegnen, so fragte man ihn, warum Hamburg eigentlich so toll ist. So schön. So einzigartig. Vielleicht würde sein Daumen einmal mehr über die Schulter auf die Elbphilharmonie deuten - und womöglich raunzte er einen abermals platterdings so an: dorwegen. Der Hamburger Oberbaudirektor Jörn Walter sagt jetzt: „Der Bau wird wirklich großartig im besten Sinne des Wortes. Es gibt viele Ereignisarchitekturen, aber auch immer noch wirkliche Architekturereignisse - die Elbphilharmonie ist ein solches.“ Die Geschichte, die von Hamburg und der Elbphilharmonie erzählt, ist im Grunde eine typische Liebesgeschichte. In guten Liebesgeschichten gibt es: Verliebtheit, Verlobtheit, Verheiratetheit . . . und dann, wie es sich gehört, Hass, Raserei, Verrat. Man sieht sich vor Gericht. Szenen einer Ehe. In diesem Fall: mit Happy End. Hamburg liebt nämlich seine Elbphilharmonie. Endlich. Aus dem Lustobjekt

Häuser sind immer dann am schönsten, wenn sie so aussehen, als hätten sie schon einiges hinter sich. In ein paar Monaten, am 11. Januar 2017, soll das so spektakuläre wie umstrittene, das so ersehnte wie befürchtete Konzerthaus endlich eröffnet werden. Nun aber wirklich. Es ist, als würde mit diesem Haus ein Satz wahr werden, der vom Wiener Architekten Wolf Prix und seinem Coop-Himmelb(l) au-Team stammt, wobei Prix mit der Elbphilharmonie gar nichts zu tun hat. Er mag sie aber. Was kein Wunder ist. Häuser, die sich als Anarchie, Wahnwitz und Chaos in der Gesellschaft erweisen, findet er eigentlich grundsätzlich schwer in Ordnung. Die Himmelblauen dichteten einmal: „Wir wollen Architektur, die leuchtet, die sticht, die fetzt ( . . . ) Architektur muss schluchtig sein. Lebend oder tot.“ Die höchstdekorierten Architekten der Skandalphilharmonie, Jacques Herzog und Pierre

Elb Philharmonie Kleiner Saal © Herzog de Meuron


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wurde ein Hassobjekt - und aus dem Hass wurde die große Liebe. Ach, schön. Das sollte auch mal unter Menschen so sein. In der Baugeschichte ist es nicht ganz so selten. Es geht stets um Misstrauen und jene Zeit, die es manchmal braucht, um etwas böses Neues (fremd, feindlich, furchtbar) als das gute Alte zu vereinnahmen (vertraut, tradiert, herrlich). So erging es dem Eiffelturm in Paris. Auch der wurde erst gehasst und danach geliebt. Er hatte es nicht schwer, weil er so teuer wurde, sondern weil er so unfassbar hässlich werden sollte. Tatsache. Als im späten 19. Jahrhundert der 324 Meter hohe Eisenfachwerkturm errichtet wurde, veröffentlichte Le Temps einen Aufschrei der Empörung: „Wir protestieren mit aller Kraft gegen die Errichtung des unnötigen und ungeheuerlichen Eiffelturms. Wird die Stadt Paris sich den überspannten, geschäftstüchtigen Fantastereien einer Maschinenkonstruktion anschließen, um sich für immer zu schänden?“ Man beachte das Vokabular: unnötig, ungeheuerlich, überspannt . . . kennt man alles von der Elbphilharmonie. Übrigens wollten ein paar Aktionisten vor einiger Zeit den Eiffelturm für ein paar Monate begrünen. Das Ganze sollte eine Kunstaktion sein - und auf das ökologische Zeitalter hinweisen. Es gab einen Aufschrei in Paris. Was warf man der Aktion vor? Sie sei in etwa dies: unnötig, ungeheuerlich und überspannt. Dringend warnte man vor der Schändung des Wahrzeichens von Paris. Oder die Oper von Sydney. Deren genialischer Architekt, Jørn Utzon, hatte Australien und auch seine eigene Baustelle schon längst im Zorn verlassen, als die nie zuvor gesehene Schalenkonstruktion, die der Oper ihr charakteristisches Äußeres verleiht, 1973 feierlich mit Beethovens Neunter eröffnet wurde. Im vierten Satz heißt es in der „Ode an die Freude“: „Wir betreten feuertrunken, / Himmlische, dein Heiligthum!“ In Sydney war das Heiligtum zu diesem Zeitpunkt eher umstritten. Aufgrund der innovativen Konstruktionsweise und vor allem auch deshalb, weil schon gebaut wurde, während die Statiker noch rechneten, wurde die Oper nicht ganz kostengerecht fertig. Statt der ursprünglich geplanten dreieinhalb Millionen Pfund kostet das Projekt schließlich 50 Millionen Pfund. Statt wie geplant 1965 wurde das Haus

Hamburg | 67

acht Jahre später eröffnet. Auch das war eine Baustelle, wie sie unbeliebter nicht sein konnte. Seit 2007 steht die Oper von Sydney auf der Welterbeliste der Unesco. Für die Pariser war der Bau des Eiffelturms erst mal eine Provokation. Er galt als unnötig, ungeheuerlich, überspannt. Übrigens war auch die wundersame Zeltdachlandschaft des Münchner Olympiastadions - es sollte schließlich 1800 Prozent teurer werden als geplant - nicht gerade beliebt während der Bauzeit. «Monströs» und genau: «unnötig» wurde das Vorhaben im Spiegel genannt. Als das Monster viele Jahre später dem Fußball zuliebe zum modernen „Hexenkessel“ umgebaut werden sollte, wurden die Umbaupläne als was bezeichnet? Als „monströs“ und „unnötig“. So ist die Liebe. Emotional halt. Falsch wäre es, wollte man nun mehr Häuser fordern, die so sein müssen: Erstens müssen sie teurer werden als geplant, und zweitens später fertig. Große Architektur hat man dann auch nicht zwingend vor sich. Richtig wäre es aber, wenn man sich abseits der kostensicher und termingerecht zu sein habenden, bitte auch stadtraumverträglichen Alltagsarchitektur bei wenigen herausragenden ArchitekturMutproben darüber im Klaren wäre, dass das Bauen auf Neuland mit Risiken behaftet ist. In diesem Fall wäre es schön, wenn die Beteiligten das vorher schon mal ganz ehrlich ansprechen würden. Bei den meisten später „überzogenen“ Projekten sind die anfangs genannten Kosten und Termine so realistisch wie die Dieselwerte von VW. Wenn es eine Gesellschaft schafft, sich über Risiken zu verständigen, schultert man sie vielleicht gemeinsam. Manchmal geht auch schief, was schiefgehen kann - ohne dass das schon ein Turm in Pisa (und was für ein Wahrzeichen!) sein müsste.

Semyon Bychkov | Foto: Musacchio Ianniello

Riccardo Chailly | Foto: Gert Mothes

Tom R. Schulz © Michael Zapf

INTERVIEW Wir sprachen mit Tom R. Schulz, Pressesprecher HamburgMusik gGmbH. Nicolas Altstaedt | Foto: Marco Borggreve

Der Termin ist fix, die Eröffnungskonzerte stehen und der Run auf die Karten für die neue Elbphilharmonie ist ungebrochen. Wie fühlen Sie sich? Glänzend. Und es stehen ja nicht nur die Eröffnungskonzerte, das wäre ein bisschen wenig. Wir haben für die Eröffnungssaison der Elbphilharmonie ein Programm aufgelegt, bei dem Musikfans mit offenen Ohren am liebsten vor dem neuen Konzerthaus campieren würden, weil die Top-Ereignisse so dicht aufeinander folgen, dass sich ein Nachhausefahren zwischendurch kaum lohnt. Im Ernst: Wir freuen uns ungemein auf die Zukunft in und mit der Elbphilharmonie. Wichtig ist mir aber zu sagen, dass es trotz des von Ihnen benannten Runs auf Tickets bei uns in nahezu allen Konzerten noch Karten zu kaufen gibt, oft auch zu sehr moderaten Preisen.

Helene Grimaud | Foto: Mat Hennek

Wie gehen Sie nach all den Diskussionen, Kostenexplosionen und Verzögerungen mit dem Erwartungsdruck an das Programm und perfekte Abläufe um? Mit einem Maximum an Verantwortungsgefühl, würde ich sagen. Gleichzeitig kann man das Konzerthaus inhaltlich ja nicht haftbar machen für die

Die Elbphilharmonie wird bald viel zu spät fertig? Okay, 632 Jahre waren es in Köln beim Dom, wo man die Baupläne mal für ein paar Jahrhunderte verlegt hatte. Ist dann aber doch noch was Ordentliches daraus geworden. Hamburg, sei glücklich.

Planungsfehler und Querelen der am Bau Beteiligten in der Vergangenheit. Perfekte Abläufe von Anfang an? Das ist eine hohe Zielmarke, aber so sind wir Deutschen wohl gestrickt. Natürlich wünschen wir uns, dass alles von Anfang an so rund wie möglich läuft. Wir beobachten im Übrigen, dass die Zeiten, in denen die massiven Kostensteigerungen und Verzögerungen bei der Fertigstellung des Baus im Vordergrund der Wahrnehmung standen, so langsam abgelöst werden von Vorfreude und Stolz auf das, was da jetzt an glanzvoller Architektur schon von außen im Hafen zu bewundern ist. Und

AUTOR: GERHARD MATZIG. ÜBERNOMMEN MIT GENEHMIGUNG AUS DER SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG VOM 12.3.2016

drinnen, versprochen, ist es mindestens genauso schön. Lang Lang | © Harald Hoffmann

Haben Sie Zeit, das Haus auf Herz und Nieren im Realbetrieb in einer Art pre-opening Phase mit Konzerten ohne Publikum zu testen? Wir sind ab 31. Oktober Herren im Haus. Bereits im September ist Zeit für erste Orchesterproben, denn das NDR Elbphilharmonie Orchester, unser Residenzorchester, muss sich auf die Gegebenheiten des neuen Saals einstellen. Wir veranstalten auch ein paar Testkonzerte vor ausgewähltem Publikum, denn das muss man ja machen, um die Abläufe zu üben. Bei den Konzerten gibt es allerdings nicht sinfonische Musik, sondern elektrisch verstärkte Musik. Mit welchem Programm werden Sie die Elbphilharmonie eröffnen und was sind die Highlights in den ersten 100 Tagen Elbphilharmonie? Das Programm, das das NDR Elbphilharmonie unter der Leitung seines Chefdirigenten Thomas Hengelbrock spielen wird, ist noch geheim. Nur dass es eine Uraufführung von Wolfgang Rihm geben wird, Reminiszenz –Triptychon und Spruch in Memoriam Hans Henny Jahnn für Tenor und großes Orchester, das ist schon bekanntgegeben worden. Jonas Kaufmann singt die Tenorpartie. Die übrige Sängerbesetzung der Eröffnungskonzerte ist auch ausgesprochen fein: Anja Harteros, Wiebke Lehmkuhl, Philippe Jaroussky und Bryn Terfel. Auch unsere Organistin Iveta Apkalna ist dabei. Und danach: Highlights in Hülle und Fülle. Wenn Sie mich nach meinen Favoriten fragen: der Soloabend des Pianisten Brad Mehldau am 16. Januar,  Schönbergs „Moses und Aron“ mit dem NDR Elbphilharmonie Orchester unter Ingo Metzmacher am 28. Januar, Paolo Conte am 25. Februar, der John Zorn Marathon am 30. März, das Violinkonzert von Oscar Strasnoy, das Isabelle Faust, für mich die Geigerin schlechthin, am 14. April mit dem Ensemble Resonanz aus der Taufe heben wird, unser Festival „Salam Syria“ im März.

Elbphilharmonie Großer Saal © Herzog de Meuron

Und noch ungefähr 100 andere…. DAS GESPRÄCH FÜHRTE KAI GEIGER.


68 | Saisonstart

ASTRID | arttourist.com 2|2016

SAISONSTART Welchen Einfluss hat, wie wichtig ist der Saisonstart für die jeweilige Spielzeit? BASEL (CH)

BERLIN

BREMEN

DRESDEN

Der Saisonstart ist für das

Unsere Saison beginnt am

Nach der Sommerpause

Natürlich wünschen wir

ganze Orchester und Or-

11. September 2016 mit

ist ein Saisonstart immer

uns

chesterbüro wichtig: nach

“Vielfältigkeit.

Formen

mit sehr viel Vorfreude

Saisonstart, was die Quali-

der langen Sommerpause

von Stille und Leere”. Die-

und großen Erwartungen

tät der Neuproduktionen

starten alle erholt in eine

se Produktion haben wir

verbunden. Die Musiker

und ihre Resonanz bei Pu-

neue Saison - die ja auch

seit März 2015 im Reper-

möchten endlich wieder

blikum und Presse angeht

immer viele Herausforderungen und Abenteuer

toire, d.h. die Tänzer begehen den Saisonstart mit

auf die Bühne und in den Orchestergraben, wol-

– ein gelungener Saisonstart ist eine gute Startram-

mit sich bringt. Gelingt der Saisonstart gut, entwi-

einem bekannten Stück. Insgesamt bedeutet eine

len ihr Publikum mit leidenschaftlicher Spiel-

pe für den weiteren Verlauf der Saison und beflü-

ckelt sich eine grosse Kraft und Motivation für die

neue Spielzeit aber einen Neustart, da alte Produk-

freude abholen und mitnehmen in die neue

gelt alle, Künstler, Mitarbeiter und Publikum.

weiteren Monate.

tionen aus dem Programm genommen werden

Konzertsaison. Ein idealer Saisonstart muss zün-

Wolfgang Rothe, Kaufmännischer Geschäftsführer

Cristina Steinle, Assistenz PR & Marketing,

und neue hinzu kommen. Das ist für die Tänzerin-

den, muss Begeisterung wecken und neugierig

des Sächsischen Staatstheaters und der

Sinfonieorchester Basel

nen und Tänzer, aber auch für alle anderen Mitar-

auf mehr machen – und dies nicht nur beim Pu-

Semperoper Dresden

beiter spannend, da sie neuen Herausforderungen

blikum, sondern auch bei den Musikern. Musik

und auch neuen Bewegungssprachen begegnen.

hat immer mit Emotionen zu tun, je authenti-

DRESDEN

Nacho Duato, Intendant, Staatsballett Berlin

scher und mitreißender diese sind, desto über-

Der

zeugender ist auch die Qualität eines Orchesters,

kiert natürlich einen be-

desto geglückter ist ein Saisonstart.

sonderen Höhepunkt der

Christian Kötter, Intendant, Bremer Philharmoniker

neuen Spielzeit. Das Kon-

BERLIN Es ist wichtig, nach der langen Sommerpause mit

einen

erfolgreichen

Saisonauftakt

mar-

einem Paukenschlag der

BERLIN

Stadt zu zeigen, dass man

Auf den Saisonstart am 3.

wieder da ist, das Opern-

Oktober freue ich mich

haus für alle geöffnet ist

besonders. Harry Kupfer,

COTTBUS

und alle Abteilungen wie-

der große Regisseur von

Jeder Start ist sehr wichtig

Michael Sanderling diri-

der auf Höchsttouren laufen. Deshalb laden wir

Weltrang wird erstmals seit

– also sucht man natürlich

giert und ist die erste Gelegenheit für unseren

zum großen Spielzeit-Eröffnungsfest ein, bei dem

15 Jahren wieder an der

nach

Artist in Residence (in der Spielzeit 16/17 der

neben Konzerten, Technikshows und Probenbesu-

Berliner Staatsoper insze-

Herausgehobenem,

chen das Mitspiel-Orchester sowie der große Mit-

nieren und seine langjährige Zusammenarbeit mit

ein Achtungszeichen setzt:

likum zu präsentieren.

sing-Chor Gelegenheit bieten, sich unter die Profis

Daniel Barenboim fortsetzen.

Hallo, wir sind wieder da

Frauke Roth, Intendantin

des Orchesters und Chores der Deutschen Oper

Prof. Jürgen Flimm, Intendant,

… und WIE! Ein geglück-

Dresdner Philharmoniker

Berlin zu mischen und gemeinsam zu musizieren.

Staatsoper Unter den Linden

ter Start gibt auch Sicherheit für die dann laufen-

Dietmar Schwarz, Intendant, Deutsche Oper Berlin

etwas

zert wird traditionell von unserem

Passendem, was

Chefdirigenten

Countertenor Bejun Mehta), sich unserem Pub-

de Saison, er ist wie ein „Omen“, das die gesamte

DÜSSELDORF

Spielzeit prägen wird.

Selbstverständlich ist nach

Martin Schüler, Intendant, Staatstheater Cottbus

den Theaterferien ein guter Start in die Saison motivierend und inspirierend für Akteure und Zuschauer gleichermaßen – die erste Premiere signalisiert „Wir sind wieder da“ und soll Lust auf mehr machen. Deshalb ist unser wichtigstes Ziel vor allem eine abwechslungsreiche und interessante Spielplangestaltung über die ganze Länge der Spielzeit hinweg. Prof. Christoph Meyer, Generalintendant, Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf Duisburg


ASTRID | arttourist.com 2|2016

Saisonstart | 69

GERA

HAMBURG

HEIDELBERG

LEIPZIG

Theater sind magische,

Über das Eröffnungsstück

Der Saisonstart hat einen

Viele Leipziger freuen sich

heilige Orte. Neben der

einer Saison machen wir

enorm hohen Stellenwert

alljährlich

gründlichen

auf

unseren

Vorberei-

uns immer besondere Ge-

für die Spielzeit! Er setzt

Saisonstart. In diesem Jahr

tung braucht es immer

danken. Es muss ein State-

die erste Duftmarke. Er legt

eröffnen wir am Samstag,

ein gehöriges Stück Glück

ment für die Saison sein,

die Latte hoch und bereitet

den 3. September 2016

für das Gelingen. Wahr-

kann dann Schubkraft für

den Boden. Er stimmt ein

zunächst den nun schon

scheinlich sind wir da-

viele Wochen entwickeln,

auf das, was folgt – ästhe-

traditionellen

rum am Theater so abergläubisch. Wir spucken

muss aber auch gleichzeitig unterhaltsam genug

tisch und thematisch. Insofern übt er auch Einfluss

haustag in der Innenstadt. Zahlreiche Ensembles

uns vor der Vorstellung über die linke Schulter,

sein, um ein breites Publikum zu erreichen, da

aus. Nach einer gelungenen Saisoneröffnung geht

des Gewandhausorchesters und die Gewand-

bedanken uns nicht für das toitoitoi, gehen nicht

gerade der September ein schwieriger Verkaufs-

man mit Hochstimmung in die neue Spielzeit – das

hausChöre musizieren und singen auf Plätzen und

in privatem Mantel oder Kopfbedeckung über die

monat ist, in dem das potentielle Publikum erst

Publikum genauso wie die Theaterleute.

in Passagen. Dies ist unser musikalisches „Auftakt-

Bühne, pfeifen dort nicht, in Generalproben muss

wieder „bereit“ gemacht werden muss für die

Holger Schultze, Intendant, Theater Heidelberg

Geschenk“. Und dieser Beginn ist stets der Impuls

irgend etwas schiefgehen und im Anschluß wird

Theatersaison.

nicht applaudiert und so weiter. Für viele dieser

Axel Schneider, Intendant Hamburger Kammerspiele

Rituale gibt es historische Ursachen und dennoch

Gewand-

für die jeweils neue Saison.

HILDESHEIM

Andreas Schulz, Gewandhausdirektor,

Der „große programma-

Gewandhaus Leipzig

verliert „Der Aberglaub‘, in dem wir aufgewachsen,

HAMBURG

(…), auch wenn wir ihn erkennen, darum seine

Die Staatsoper Hamburg

sonstart hat in den letzten

LEIPZIG

Macht nicht über uns.“ (Lessing: NATHAN DER

eröffnet am 23. September

Jahren an Bedeutung ver-

Eine

WEISE). Dazu gehört auch der Spielzeitauftakt. Er

2016 die Saison mit Mo-

loren. Entscheidender ist

ist der programmatische

soll nach der Sommerpause nicht nur neues Inters-

zarts Zauberflöte. „Eines

es für uns heute, bereits

Auftakt für die kommen-

se wecken, sondern ein gutes Omen für die ganze

der größten Rätselwerke

zum

eine

den Monate - und wenn

Spielzeit sein.

unserer Kultur“ (Peter von

möglichst große Vielfalt im Spielplan zu haben,

er gelingt, kann ein guter

Kay Kuntze, Generalintendant

Matt) zieht sich gleichsam

um möglichst vielen unterschiedlichen Publi-

Start die Saison durchaus

Theater & Philharmonie Thüringen

durch die Spielzeit: mit einer Neuinszenierung auf

kumsgruppen etwas anbieten zu können.

positiv beeinflussen. Am

der Großen Bühne, einer Version eigens für Kinder

Jörg Gade, Intendant, Theater für Niedersachsen

Schauspiel Leipzig gibt es 2016/17 insgesamt 23

GÖRLITZ

und einem flankierenden Stadt- und Schulprojekt.

tische Aufschlag“ als Sai-

Saisonbeginn

Spielzeiteröffnung

Premieren, wobei ein deutlicher Schwerpunkt seit

Sai-

„In Zeiten von Umbruch, von Wertediskussion

Moment

und fundamentalen gesellschaftlichen Verände-

FRANKFURT hr Orchester

Aufmerksamkeit

rungen stellt die Staatsoper Hamburg mit Mozarts

Der

setzt

te für performative Formate auf dem Gelände der

für das Theater. Die Men-

Meisterwerk DIE Oper in den Mittelpunkt, die sich

einen wichtigen musika-

ehemaligen Baumwollspinnerei etablieren konn-

schen sind gespannt auf

exemplarisch mit der Würde des Menschen und

lischen Akzent in jeder

ten, in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Künst-

die ersten künstlerischen

der Sinnhaftigkeit des (Zusammen-) Lebens ausei-

Spielzeit des hr-Sinfonie-

lern der sogenannten Leipziger Schule.

Produktionen der Spiel-

nandersetzt.“, so Opernintendant Georges Delnon

orchesters. Seit drei Jahren

Enrico Lübbe, Intendant, Schauspiel Leipzig

zeit und neu engagierte Künstler können zum

zur Programmatik der Spielzeit 2016/2017.

eröffnen wir die Saison da-

ersten Mal live erlebt werden. In einer Gala zur

Georges Delnon, Opernintendant,

bei mit einem großen Open Air Programm am Ufer

LUZERN

Spielzeiteröffnung geben wir in jedem Jahr einen

Hamburger Staatsoper

des Mains im Herzen der Stadt Frankfurt. Mehr

Der Saisonstart ist immer

Ausblick auf den Spielplan der kommenden Mona-

als 20.000 begeisterte Besucher haben im vergan-

wichtig, weil er nach den

te, ein wichtiges Element der Öffentlichkeitsarbeit

genen Jahr den sommerlichen Konzertabend mit

Ferien die Aufmerksamkeit

und Abonnentenansprache. Die Häuser des Ger-

seiner außergewöhnlichen Atmosphäre bei freiem

wieder aufs Theater lenkt.

hart-Hauptmann-Theaters Görlitz-Zittau sind zen-

Eintritt verfolgt.

Unser Saisonstart jetzt ist

trale Orte des öffentlichen Lebens in der Region.

Michael Traub, Musikchef und Orchestermanager,

noch mal wichtiger, weil er

Insofern gerät der Saisonstart auch zum wichtigen

hr-Sinfonieorchester

der Beginn meiner Inten-

Natürlich sonstart großer

ist ein

der

Saisonauftakt

Beginn meiner Intendanz auf der Gegenwartsdramatik liegt und wir zudem eine eigene Spielstät-

Ereignis der Stadtgesellschaften: nach der Sommer-

danz ist, mit neuen Gesichtern, neuen Begegnun-

pause trifft man sich, um gemeinsam in die begin-

gen und einem neuen Stil. Wir werden ihn nicht

nende Theaterspielzeit zu starten.

nur mit drei Premieren begehen, sondern auch mit

Klaus Arnauer, Generalintendant

einer neuen Spielstätte: einer modularen Box, die

Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau

ganz aus Holz gebaut ist, vor dem Theater steht und sich komplett zum Marktplatz und zur Reuss hin öffnen lässt. Dort wollen wir auch an Theaterformen arbeiten die sich mit dem öffentlichen Raum von Luzern beschäftigen. Benedikt von Peter, Intendant, Luzerner Theater


70 | Saisonstart

ASTRID | arttourist.com 2|2016

MAGDEBURG

MÜNCHEN

Der Saisonstart ist natür-

Wie

lich ein ganz besonderer

welche

Moment! Es ist wichtig,

setzt

den

vorgegeben

ein

PFORZHEIM

STUTTGART

ausfällt,

Mit dem Saisonstart haben

Nach Ende der Urlaubs-

freige-

wir die Möglichkeit frisch

und Ferienzeit ist es ge-

Dispositionen

Start

Energien

auf uns aufmerksam zu

radezu unerlässlich, dem

ist

machen und das Publikum

Publikum zu signalisieren:

spannenden Auftakt für

im Theater oft für den

für unsere Arbeit, unser

das Warten hat ein Ende,

die Spielzeit zu bieten.

„Spirit“ und das Gelingen

Theater, zu interessieren

es geht wieder los an der

Dazu eröffnet er immer die

einer Spielzeit ausschlag-

und im besten Falle an uns

Oper,

Möglichkeit, in der Stadt auf sich aufmerksam zu

gebend. Auch für eine fruchtbare Arbeit in der

zu binden. Gelingt uns das, so erfreut es, wenn uns

men, wir freuen uns auf Sie! Wir wollen gleich zu

machen und nach der Sommerpause das Theater

Theaterakademie ist ein kraftvoller Auftakt nicht

das Publikum auch über die restliche Spielzeit er-

Beginn der Spielzeit bei unseren Zuschauern Lust,

wieder zum Gesprächsthema zu machen.

zu unterschätzen. Mit ihren acht Studiengängen

halten bleibt und über Mundpropaganda weitere

Neugierde und Vorfreude wecken auf die künstleri-

Karen Stone, Generalintendantin, Theater Magdeburg

Schauspiel, Musiktheater/Operngesang, Musical,

Zuschauer gewonnen werden können.

schen Leckerbissen, die unsere Besucher bei uns im

Regie, Bühnenbild und -kostüm, Maskenbild und

Der Saisonstart ist ein mit allen Mitarbeitern des

Opernhaus fast täglich erleben können.

Kulturkritik ist die Theaterakademie August Ever-

Theaters gemeinsamer Schritt in eine spannende

Jossi Wieler, Intendant, Oper Stuttgart

Das Meininger Theater

ding ein ganz besonderes Theater: ein Theater, in

Zeit voller Abenteuer. Unsere Arbeit hat viel mit

ist wie kaum ein mittleres

das die größte Ausbildungsstätte für Bühnenberufe

Höhlenforschung gemeinsam. Wir steigen in ein

REGENSBURG

Staatstheater in Deutsch-

in Deutschland integriert ist.

Projekt ein, untersuchen es von allen Seiten und

Egal, womit man startet –

land vom Tourismus aus

Prof. Hans-Jürgen Drescher, Präseident,

präsentieren am Ende die Ergebnisse, Erkenntnisse

der Anfang muss gut sein.

Gesamtdeutschland, der

Theaterakademie August Everding

und Fundstücke.

Insofern sind für uns die

Carolin Stolz, Spielleiterin, Theater Pforzheim

Eröffnungspremieren sehr

Abonnenten

einen

MEININGEN

Schweiz und Österreich

und

werden,

herzlich

willkom-

abhängig. In einer Stadt

NEUSS

mit nur ca. 20.000 Einwohnern wäre eine ange-

Der Saisonstart ist der Auf-

SAARBRÜCKEN

strebte Zahl von ca. 166.000 Theaterbesuchen

takt nach sechs Wochen

Der Saisonstart ist enorm

Jens Neundorff von Enzberg,

pro Saison nicht ohne Tourismus zu erreichen.

Sommerferien: Wir sind

wichtig! Wir arbeiten wo-

Intendant, Theater Regensburg

Eine überregional wahrgenommene Spielzeiter-

wieder da! Unterhaltsam

chenlang in allen Sparten

öffnung hat hier natürlich eine werbende Funk-

und programmatisch wird

und Abteilungen fieberhaft

WINTERTHUR

tion. Zugleich zeigt sie die politische Haltung

das Motto der neuen Spiel-

darauf hin, das hat immer

Erfahrungsgemäss ist der

des Spieljahres. Da sich die Tradition des Mei-

zeit zur Eröffnung präsen-

auch etwas von einem

Saisonstart

ninger Theaters auf den Theaterherzog Georg II

tiert und legt die Weichen für den weiteren Spiel-

Feuerwerk:

wesentlich für das Theater

beruft, sind natürlich die Autoren und Kompo-

zeitverlauf!

Zeit „zünden“ wir ein großes Theaterfest und die

Winterthur. Und dies ist

nisten, die in seiner Ära hier wirkten, immer ein

Bettina Jahnke, Intendantin,

Eröffnungspremieren sowie -konzerte, die wir alle

nicht nur in der Aussen-

Teil unseres Spielplanes: Strauss, Wagner, Ibsen,

Rheinisches Landestheater Neuss

mit viel Aufregung und Herzblut erwarten. Auch

wirkung so. Auch intern

unser Publikum ist total gespannt und neugierig,

wissen wir alle: Jetzt geht’s

wenn es nach den Ferien endlich wieder losgeht.

wieder los!

Die Eröffnung einer neu-

Daher ist der Spielzeitanfang immer etwas ganz

Thomas Guglielmetti, Programmleiter, Theater Winterthur

Schiller. Ansgar Haag, Intendant, Das Meininger Theater

MEMMINGEN

NÜRNBERG

In

wichtige Signale, wie wir in eine Spielzeit kommen.

kürzester

en Saison ist in vielerlei

Besonderes.

Der Saisonstart ist immer

Hinsicht

Dagmar Schlingmann, Intendantin,

wie ein kleiner Neubeginn,

Ereignis. Zuallererst ist es

aufregend und spannend.

der musikalische Auftakt,

In unserem Falle, zu Be-

sozusagen der Startschuss

STUTTGART

ginn einer neuen Inten-

für die große Zahl an Kon-

Die Spielzeiteröffnung ist

danz, ganz besonders. Der

zerten, die in jeder Spielzeit präsentiert werden. So,

traditionell ein wichtiger

Saisonstart soll die Energie

wie man anfängt, wie man sich nach der Sommer-

Moment im Jahresplan der

und Leidenschaft setzen, mit der wir Theater ma-

pause seinem Publikum präsentiert, so wird man

Theater. Sowohl um Kräfte

chen wollen: Er öffnet die Türen des Theaters weit

auch für die kommende Monate wahrgenommen.

zu bündeln, als auch die

und lädt ein: Kommt, das ist Euer Ort zur Ausein-

Es ist die Visitenkarte für die weiteren Veranstal-

Aufmerksamkeit

andersetzung, zum Nachdenken, zum Spielen und

tungen und macht beim Publikum optimalerweise

neue Spielzeit zu lenken.

Träumen!

Lust auf mehr. Aber auch intern ist es wichtig, dass

Armin Petras, Intendant, Schauspiel Stuttgart

Kathrin Mädler, Intendantin, Landestheater Schwaben

nach einer Phase der Ruhe, wie sie in der Sommer-

ein

wichtiges

pause alle künstlerischen Einrichtungen genießen, und mit Beginn der Vorbereitung auf die neue Spielzeit der erste Auftritt „sitzt“. Um die Bedeutung zu unterstreichen, ist es eine Selbstverständlichkeit, dass der Intendant „sein“ Publikum von der Bühne aus persönlich begrüßt und der Chefdirigent dieses Konzert leitet. Lucius A. Hemmer, Intendant, Nürnberger Symphoniker

Saarländisches Staatstheater

auf

die

immer

ganz


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Saisonstart | 71

WÜRZBURG

ZÜRICH

Jeder Saisonbeginn ist et-

Der Saison-Eröffnung hat

was Besonderes: Das Thea-

eine große Bedeutung für

ter kehrt aus der Sommer-

das

pause zurück und startet

Zürich in vielfacher Hin-

voller Elan in die nächste

sicht: Wir nutzen den Sai-

Spielzeit. Oft sind dann

sonstart, um thematische

auch, wie jetzt am Main-

Schwerpunkte und beson-

franken Theater, viele neue Mitglieder im Ensemb-

dere künstlerische Konstellationen wie unseren

le, die die Aufbruchstimmung noch zusätzlich be-

neuen Artist in Residence Martin Grubinger, der

feuern. Und natürlich erwartet auch das Publikum

weltweit beste Multipercussionist, vorzustellen.

– insbesondere die Abonnenten – jede neue Spiel-

Daher werden wir im September 2016 mit einem

zeit mit Spannung, ist also zum Beginn besonders

Schlagzeugkonzert, das Martin Grubinger inter-

aufmerksam. Für den Auftakt meiner Intendanz

pretieren wird, und dem „Sacre du Printemps“

am Mainfranken Theater werden wir sieben Premi-

von Igor Strawinsky beginnen. Chefdirigent und

eren allein im Oktober 2016 geben. Wir starten in

Musikalischer Leiter Lionel Bringuier und Gastdi-

allen Sparten in die Saison und bieten so von Be-

rigenten werden sich verstärkt den Ballets Russes

ginn an ein besonders vielfältiges Programm. Das

widmen.

ist wichtig – im Herbst und im Winter ist die Insti-

Darüber hinaus ist es wichtig für uns, die jewei-

tution Theater schließlich besonders nachgefragt.

ligen Eröffnungen aufzuzeichnen und in unter-

Markus Trabusch, Intendant,

schiedlichen medialen audiovisuellen Kontexten

Mainfranken Theater Würzburg

ausstrahlen zu können. Und es ist ein besonderer

Tonhalle-Orchester

Dieter Richter © Thilo Beu

DIETER RICHTER, BÜHNENBILDNER

Anlass für unsere öffentlichen Förderer, Sponsoren

Die Bühnenbilder der Szenen auf diesen

rum bis heute ein starker Wagner-Kult Bestand

und privaten Unterstützer, um diesen für ihr Enga-

Seiten sind vom deutschen Bühnenbild-

hat. Zum einen gibt es dieses Überwältigende

gement zu danken und sie auf die neue Saison ein-

ner Dieter Richter aus Köln, unser „Titel-

seiner Musik, mit einer fast narkotischen Wir-

zustimmen. Dieses erste Konzert wird immer mehr

held“ in der Ausgabe KURT arttourist.com

kung, und das scheint auch gleichzeitig die

zu einem gesellschaftlichen Ereignis in Zürich und

1/2014. Sie stammen aus den Produktionen

Schwierigkeiten widerzuspiegeln, die mit ihm

zieht auch neues, neugieriges Publikum an.

„Grande Magia“ und „Otello“.

verbunden sind. Zum anderen kann man nicht ausblenden, was im Laufe der Rezeptionsge-

Ilona Schmiel, Intendantin, Tonhalle-Gesellschaft Zürich

ZÜRICH Nach

der

Sommerpau-

Die Spielzeit ist in den meisten Häusern

schichte mit der Musik gemacht wurde, wofür

zu Ende. Wo treffe ich Sie an?

sie zwischenzeitlich stand. Es ist hochinteres-

Ich bin gerade am Stettiner Haff in Mecklen-

sant, sich damit auseinanderzusetzen, zum ei-

burg-Vorpommern nahe der polnischen Grenze.

nen die Musik auf sich wirken zu lassen, zum

se ist es uns wichtig, uns

anderen hinter die Kulissen zu schauen....

mit einem Paukenschlag

An was arbeiten Sie gerade?

Wagner hat die Musik Hollywoods mit seinen

zurückzumelden. Da mir

Ich arbeite gerade mit dem Regisseur Dietrich

großen Blockbustern wie STAR WARS mächtig

als Intendant die Öffnung

W. Hilsdorf an einer Produktion für das Lan-

beeinflusst, weil der Effekt und die Wirkung

des Opernhauses am Her-

destheater Linz, der „HARMONIE DER WELT“

dieser Musik stark abzulesen ist und eine enor-

zen liegt, beginnen wir

von Paul Hindemith. Wir lesen das Stück,

me suggestive Kraft besitzt.

jede Spielzeit mit einem grossen Eröffnungsfest,

hören die Musik, die Köpfe rauchen, wir ver-

bei dem wir alle Türen öffnen und gemeinsam

suchen eine Richtung zu finden, um ein relativ

Wie nähern Sie sich Richard Wagners

mit unserem Publikum den Saisonstart feiern. Alle

unbekanntes Stück etwas bekannter zu ma-

Musik und Partitur?

Mitarbeiter und Abteilungen des Hauses tragen zu

chen. Wir sind auch ein bisschen Vermittler

Durch ständiges Lesen der Partitur, das häufige

dem vielfältigen Programm bei, das Workshops,

und Verteidiger eines zu Unrecht selten gespiel-

Hören der Opern und das Lesen von wichtigen

öffentlichen Proben, Konzerte, erlebnisreiche Tou-

ten Werkes des moderneren Musiktheaters. Au-

Büchern über ihn und sein Werk. In den letzten

ren durch die Unterwelt des Opernhaus und vieles

ßerdem steht der „RING DES NIBELUNGEN“

Jahren, vor allem 2013, zum 200. Geburtstag,

mehr beinhaltet. Ich persönlich freue mich immer

von Richard Wagner auf dem Programm, der

erschienen einige neue Bücher über ihn, die

sehr auf das Fest.

an der Deutschen Oper am Rhein zwischen

wieder neue Perspektiven eröffnen. Durch den

Andreas Homoki, Intendantin, Opernhaus Zürich

2017 und 2019 zur Aufführung kommen wird.

intensiven Gedankenaustausch mit Dietrich Hilsdorf. Und alles dies mit Skizzenbuch, um

Wie ist Ihr Verhältnis zu Richard Wagner?

schnell festhalten zu können, ob diese Idee rele-

Mein Verhältnis zum Werk Wagners ist ein

vant sein könnte für die Inszenierung und den

durchaus zwiegespaltenes. Schon allein die Fül-

Bühnenraum.

le der Literatur über sein Werk und seine Person zeigt ein großes Bedürfnis, sich an ihm abzuar-

Mehr Bilder und Informationen über Dieter

beiten, verstehen zu wollen, was die Hass-Liebe

Richter finden Sie unter www.dieter-richter.com

ausmacht, die viele mit ihm verbindet, und wa-

DAS GESPRÄCH FÜHRTE KAI GEIGER.


St채hlem체hle A Q U A

V I T A E

Vergessen Sie alles, was Sie 체ber Schnaps wissen. DIE ZEIT 체ber Christoph Keller


74  |  Sechzig Jahre Deutscher Jugendliteraturpreis

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Vertreter der Jugendjury verkünden ihren Sieger bei der Preisverleihung 2015 | © José Poblete_AKJ

Sechzig Jahre Deutscher Jugendliteraturpreis

Literarische Qualität zählt 1956 – 2016 Am 26. April 1956 wurde der Deutsche Jugendliteraturpreis zum ersten Mal verliehen. Seit 60 Jahren zeichnet er herausragende kinder- und jugendliterarische Werke aus und spiegelt damit die Bandbreite, die auf dem deutschen Buchmarkt zu finden ist. Dazu gehören auch Übersetzungen aus anderen Sprachen. Egal, aus welchem Land ein Buch stammt, es zählt allein die literarische Qualität. Der Deutsche Jugendliteraturpreis will die Entwicklung der Kinder- und Jugendliteratur fördern, das öffentliche Interesse an ihr wach halten und zur Diskussion herausfordern. Ziel ist es, Kinder und Jugendliche mit Hilfe eines vielfältigen Literaturangebots in ihrer Persönlichkeit zu stärken und Orientierung auf einem schier unüberschaubaren Buchmarkt zu bieten. Gestiftet wird der Deutsche Jugendliteraturpreis vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, ausgerichtet wird er vom Arbeitskreis für Jugendliteratur e.V. Das Plakat zum 60. Geburtstag wurde von David Wiesner gestaltet. Zwei gute Freunde feiern darauf mit: Der glückliche Löwe, Preisträger der ersten Stunde, und Momo, die als Bronzeplastik inzwischen bei ausgezeichneten Autoren, Illustratoren und Übersetzern

Wir sprachen mit Walter Mirbeth, Vorstandsmitglied des Arbeitskreises für Jugendliteratur e.V.

Seit 1956 wurden fast 3.000 Bücher mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet oder dafür nominiert. Dieser beeindruckende Bücherschatz wurde in einer Datenbank zur Online-Recherche erschlossen, zugänglich unter www.djlp.jugendliteratur.org

Gratulation zu 60 Jahre Deutscher Jugendliteraturpreis, das in diesem Jahr gefeiert wird! Wie kam es zu der Idee und wie hat sich der Walter Mirbeth Jugendliteraturpreis über 60 Jahre verändert? Herzlichen Dank für den Glückwunsch. Bereits 1947 wurde auf Betreiben von Jella Leppman und Erich Kästner die Internationale Jugendbibliothek gegründet und ein Jahr später etablierte sich die Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlegern. In dieser Linie muss man die Idee des Bundesministerium des Inneren sehen, das 1955 den Arbeitskreis für Jugendschriftentum in München ins Leben gerufen hat und damit ein Jahr später der erste Deutsche Jugendbuchpreis (wie er damals noch geheißen hat) verliehen worden ist. Im Laufe dieser 60 Jahre haben sich viele Strukturen verändert: so z.B. die Jurys, der Preisstifter wechselte ab 1959 ins Bundesministerium für Familie und Jugend (heute: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ)), die Sparten wurden der Zeit angepasst, 1981 wurde der Preis in „Deutscher Jugendliteraturpreis“ umbenannt, ab 1991 wurde der Sonderpreis für das Lebenswerk eines deutschen Autors, Übersetzers und Illustrators eingefügt, die unabhängige Jugendjury wurde 2003 etabliert, die Form der Preisverleihung wechselte zum „Oscar-Modell“ und natürlich veränderte sich die Preissumme. Ab 2017 wird neu ein Sonderpreis eingefügt, der „Neuen Talente“ mit deutscher Herkunft berücksichtigt.

ARBEITSKREIS FÜR JUGENDLITERATUR E. V. Metzstraße 14 c, 81667 München Telefon (089) 45 80 806 | Fax (089) 45 80 80 88 info@jugendliteratur.org | www.jugendliteratur.org

Wie muss man sich das Verfahren der Kritikerjury von der Einreichung über die Auswahl bis zur Preisverleihung vorstellen?

Vertreter der Jugendjury bei der Nominierungsbekanntgabe zum Deutschen Jugendliteraturpreis 2016 © Matthias Knoch / AKJ

in vielen Ländern zu Hause ist. Auch die Jubiläumspublikation ist international: Im Juli 2016 erschien bei Jacoby & Stuart ein Geschichtenband mit Texten von Preisträgern aus aller Welt. Gefeiert wird das ganze Jahr über: Den Auftakt bildete die Bekanntgabe der Nominierungen 2016 auf der Leipziger Buchmesse. Weiter ging es mit einer Podiumsrunde auf der Kinderbuchmesse in Bologna. Im September präsentiert Bundesministerin Manuela Schwesig die Jubiläumspublikation in Rostock; auf der Frankfurter Buchmesse werden die diesjährigen Preise verleihen. Für Vermittler findet im November eine Fachtagung in Hamburg statt. Mit einem internationalen Autorenabend in München klingt das Jubiläumsjahr aus.

Bücherschatz Online

Etwa 600 bis 700 Bücher werden jährlich von den Verlagen eingereicht. Die 9-köpfige Kritikerjury – sie besteht aus jeweils zwei Experten, die je eine Sparte betreuen und dem/der Juryvorsitzenden – wählt in zwei Sitzungen je sechs Bücher für die Nominierungsliste. Diese 24 Bücher aus den Sparten Bilder-, Kinder-, Jugend- und Sachbuch werden auf der Leipziger Buchmesse im Frühjahr präsentiert. In der letzten Sitzung werden im September die jeweiligen vier Siegertitel ermittelt. Die Präsentation erfolgt auf der Frankfurter Buchmesse vor ca. 1500 Gästen nach dem „Oscar-Prinzip“. Jeder Preisträger erhält die „Momo“ - eine Statue, namentlich angelehnt an den Roman von Michael Ende – und die Preissumme von derzeit 10 000 €. Diese Summe muss bei Übersetzung oder Illustration unter den Beteiligten aufgeteilt werden. Wie entstand die Idee der Jugendjury, wie ist sie organisiert und wie muss man sich deren Arbeit vorstellen? Bereits im Gründungsjahr 1955 forderten die Stifter des DJLP: „...sondern die Jugend selbst muß als aktiv mitwirkender Partner gewonnen werden.“ Der Weg bis zur autonomen Jugendjury im Jahr 2003 lief über viele Jahre und Etappen: 1968: indirekte Beteiligung Jugendlicher an der Preisfindung durch Befragung von lesenden Kindern und Jugendlichen 1971: Beratungsrecht von zwei Jugendlichen 1980: Mitspracherecht von zwei Jugendlichen mit Sitz und Stimme 1991: Erhöhung der jugendlichen Stimmen auf vier 2003: sechs Jugendleseclubs bilden die autonome Jugendjury. Diese – verteilt über das ganze Bundesgebiet und an verschiedenen Organisationen verortet – sichten nur die Neuproduktion (ca. 300 Exemplare) der Jugendromane eines Jahres. Jeder Leseclub reicht zur Leipziger Buchmesse seinen Favoriten ein. Aus diesen sechs Büchern wird über ein Punktesystem der Siegertitel ermittelt. Auch dieser Preisträger erhält die „Momo“ und ein Preisgeld von 10 000 €. (vgl. dazu Brendel-Perpina/Stumpf: „Leseförderung durch Teilhabe“, ISBN 978-3-86736-336-5)

Wie wichtig ist der Preis für die Jugend und die Jugend für den Deutschen Jugendliteraturpreis? Trifft man Jugendliche aus den Leseclubs, die schon in der Jury waren oder jetzt gerade sind, stellt man eine große Begeisterung für die nominierten Bücher des DJLP fest. Auch die nicht in die Jury gewählten Leseclubs verfolgen diese Wertungen.


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Sicher sind das Insider und interessierte Leser. Doch besucht man Schulen und liest aus den nominierten Büchern des DJLP vor, so kann man feststellen:  m an erinnert sich noch an die vor einem Jahr vorgelesenen Bücher  m an möchte wissen, wer den Preis in diesem Jahr bekommen wird  m an liest sehr interessiert die vom AKJ herausgegebenen Broschüren  u nd man diskutiert in den Klassen die Themen dieser Bücher Zur zweiten Teilfrage: Die Jugend ist für den DJLP bzw. dessen Organisatoren sehr wichtig. Sie sind ja die primäre Zielgruppe und alle Ziele, die unter Frage 2 genannt sind, sollen ja erfüllt werden. Deshalb  h at sich der AKJ für eine Partizipation der Jugendlichen bei den Jurys ausgesprochen ibt es für erwachsene Multiplikatoren die sog.  g Praxisseminare, die es ermöglichen, didaktisch mit den Büchern umzugehen reffen sich die Jugendjurys einmal pro Jahr zu  t einem kritischen Feedback ibt es die Möglichkeit vor der Preisverleihung  g sich als Jugendjury mit der Kritikerjury zu treffen und Erfahrungen auszutauschen rmöglicht es der AKJ den Jugendjurys sich mit  e einer Theaterpädagogin zu treffen und ihre Präsentation der nominierten Bücher bei der Preisverleihung einzuüben nd nicht zuletzt hat sich der AKJ bei dem  u Projekt „Kultur macht stark“ – finanziert vom Ministerium für Bildung und Forschung – einklinken können. Seit März 2013 wurden so über 100 ein- oder mehrtägige Maßnahmen von Jugendlichen für Jugendliche organisiert. Das Projekt „Literanauten überall“ zeigt, wie sehr Jugendliche sich im Bereich Literatur einsetzen und bereit sind, in Workshops – auch an Wochenenden – den kreativen Umgang mit Literatur spielerisch zu erlernen. Dies alles zeigt, wie ineinander verwoben diese beiden Teilfragen sind und sie können aus Sicht des Arbeitskreis für Jugendliteratur e.V. (AKJ) und auch der betroffenen Jugendlichen nur positiv beantwortet werden.

Sechzig Jahre Deutscher Jugendliteraturpreis  |  75

BILDERBUCH Nominierungen der Kritikerjury

Marcelo Pimentel EINE GESCHICHTE OHNE ENDE Ein Bilderbuch aus Brasilien Baobab Books ISBN 978-3-905804-64-5 14,90 € (D), 15,40 € (A), 19,80 sFr UVP Ab 2 Vertreterinnen der Jugendjury bei der Nominierungsbekanntgabe zum Deutschen Jugendliteraturpreis 2016 © Matthias Knoch / AKJ

Bleiben die Leseclubs nach ihrer zweijährigen Jurorentätigkeit dem Preis, der Arbeit des Arbeitskreises für Jugendliteratur e.V. als kritische Leser erhalten? Die Frage kann sicher mit Ja beantwortet werden. Nach zwei- oder vierjähriger Jurytätigkeit sind Jugendliche meist in einer Phase des Umbruchs, d.h. Berufsbeginn, Studium in einer anderen Stadt, … Außerdem folgen jüngere LeserInnen nach, bzw. die Statuten des Leseclubs schreiben vor, dass man mit 18 Jahren aufhören muss. Trotzdem steigen „ältere Jugendliche“ nach einigen Jahren Pause wieder in ihren Leseclub ein, um sich im Bereich Jugendliteratur aktiv zu betätigen – wenn auch in anderer Funktion. Und etliche Jugendliche ergreifen Berufe, die sich eindeutig mit den Bereichen Buch oder Schreiben beschäftigen. Auch von ihnen gibt es immer wieder – auch kritische – Rückmeldungen zu den Nominierungslisten. Neben der Jurytätigkeit gibt es das LiteranautenProjekt, bei dem 22 Leseclubs seit 2013 aktiv dabei waren oder sind. Leseclubs, die aus der Jurytätigkeit ausgeschieden sind, wechseln oft in dieses Projekt.

Wie nah ist das Buch noch an der Jugend im Zeitalter der zunehmenden Dominanz, Konsum und Abhängigkeit von Neuen Medien und virtuellen Welten? Verliert das Buch unsere Jugend? Man sollte nicht in den Fehler verfallen, das Lesen in und mit veschiedenen Medien gegeneinander auszuspielen. E-Reader haben sicher ihre Vorteile. Nur, ob ein Text im Jahr 2026 noch auf einem elektronischen Gerät des Jahres 2016 gelesen werden kann, ist fraglich. Das Buch kann jedoch über viele Jahrzehnte oder Jahrhunderte benutzt werden. Damit öffnen sich Fragen nach dem Umweltschutz und den Menschenrechten, wenn man an die Produktion oder Entsorgung elektronischer Geräte denkt. Man sollte auch überlegen, weshalb Kopenhagen eine zukunftsweisende Stadtbibliothek vor kurzem errichtet hat. Warum plant Helsinki – obwohl eine moderne öffentliche Bibliothek seit Jahren vorhanden ist – eine zusätzliche neue große Bücherei? Warum liest in Finnland und Estland – die wahrscheinlich am meisten digitalisierten Länder Europas – die Bevölkerung lieber ein gedrucktes Buch als den Text auf einem E-Reader? Wahrscheinlich werden beide Modelle – Buch und elektronische Geräte – in Zukunft nebeneinander existieren. Welches Buch/Bücher aus Ihrer Jugend hat Sie am meisten bewegt und Sie im Erwachsenwerden begleitet? Das Bilderbuch „Der glückliche Löwe“ hat mich als Kind begleitet und ich konnte es lange Jahre auswendig hersagen. Doch es sind zwei Romane, die mich zum Lesen gebracht, mein Denken beeinflusst haben und die ich bis heute sehr gerne lese. Mit etwa 10 Jahren habe ich den Roman: „Wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen durch Schweden“ von Selma Lagerlöf gelesen. Dieser Roman hat mir die Tür geöffnet zu Phantasie, zu Sagen, zu Abenteuern und zugleich zu einer naturverbundenen Verantwortung. Erst später sind mir die weiteren Tiefen dieses Romans bewusst geworden. Doch die Vorliebe zu den skandinavischen Ländern und zum Lesen wurde hier gelegt. Der andere Roman ist „Mein Name sei Gantenbein“ von Max Frisch, den ich mit etwa 16 Jahren gelesen und nicht verstanden habe. Doch dieses Nicht-Verstehen war so faszinierend, dass ich den Roman immer wieder lesen musste. Seinen u.a. innewohnenden Existenzialismus habe ich erst viel später begriffen. Das sind – denke ich – die zwei Romane, die mich am stärksten beeinflusst haben.

Marianne Dubuc BUS FAHREN Aus dem Französischen von Julia Süßbrich Beltz & Gelberg ISBN 978-3-407-82088-4 13,95 € (D), 14,40 € (A), 19,90 sFr UVP Ab 3

Anja Mikolajetz DAS HERZ DES AFFEN Aladin Verlag ISBN 978-3-8489-0098-5 16,95 € (D), 17,50 € (A), 25,50 sFr UVP Ab 4

Emmanuelle Polack (Text) · Barroux (Illustration) KAKO, DER SCHRECKLICHE Aus dem Französischen von Babette Blume mixtvision ISBN 978-3-95854-017-0 14,90 € (D), 15,40 € (A), 21,20 sFr UVP Ab 5

Edward van de Vendel (Text) Anton van Hertbruggen (Illustration) DER HUND, DEN NINO NICHT HATTE Aus dem Niederländischen von Rolf Erdorf Bohem Press ISBN 978-3-85581-552-4 14,95 € (D), 15,40 € (A), 21,00 sFr UVP Ab 5

WALTER MIRBETH

Literanauten unterwegs im Bücheruniversum © Arbeitskreis für Jugendliteratur/Literanauten

WALTER MIRBETH Walter Mirbeth, (*1950), seit 2012 Schatzmeister im Vorstand des Arbeitskreises für Jugendliteratur, leistete nach dem Abitur Zivildienst in einem Kinderheim für Sozialwaisen. Er studierte evangelische Theologie und Erziehungswissenschaft und arbeitete als Lehrer an einer bayerischen Mittelschule. Walter Mirbeth ist Mitglied des finnischen Kinderbuchinstituts, Organisator der Türkheimer Buchwochen mit Autorenlesungen und Illustrationsausstellungen sowie erster Vorstand des Vereins „Türkheimer Buchwoche e.V.“. Von 2005 bis 2008 war er Mitglied der Kritikerjury des Deutschen Jugendliteraturpreises in der Sparte Jugendbuch. 2011 war er Mitglied der Sonderpreisjury Übersetzung.

Anna Castagnoli (Text) · Carll Cneut (Illustration) DER GOLDENE KÄFIG ODER DIE WAHRE GESCHICHTE DER BLUTPRINZESSIN Aus dem Italienischen von Ulrike Schimming Bohem Press ISBN 978-3-95939-016-3 28,95 € (D), 29,80 € (A), 37,90 sFr UVP Ab 6


76  |  Sechzig Jahre Deutscher Jugendliteraturpreis

ASTRID | arttourist.com 2|2016

Große Literatur für die Kleinen

20 Geschichten der Besten zum 60. Geburtstag des Deutschen Jugendliteraturpreises 20 Autorinnen und Autoren haben für dieses Buch Geschichten geschrieben, die zum Entdecken der Welt vor unserer Tür einladen und dazu ermutigen, was draußen wartet, hereinDie Jugendjury zum Deutschen Jugendliteraturpreis 2016 auf der Leipziger Buchmesse | © Matthias Knoch / AKJ

zulassen. Sie stammen aus allen fünf Erdteilen und gehören zu den besten Kinderbuchauto-

DIE JURYS 2016 Die Preise in den Sparten Bilderbuch, Kinderbuch, Jugendbuch und Sachbuch werden von der Kritikerjury verliehen, der neun erwachsene Juroren angehören. Ulrike Erb-May, Nicole Filbrandt, Christine Hauke-Dreesen, Prof. Dr. Anita Schilcher, Dr.

ren der Welt. Sie sind in den letzten 10 Jahren mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet worden oder standen auf der Auswahlliste. Sie alle zeigen, dass Kinderliteratur große Literatur sein kann, und entsprechend

Felix Giesa, Birgit Müller-Bardorff (Vorsitz), Anke Märk-Bürmann, Dr. Inger Lison und Carola Pohlmann.

bewegend, komisch, traurig, nachdenklich und immer spannend sind ihre Geschichten zu lesen. Jede dieser Geschichten ist von Aljoscha Blau unnachahmlich illustriert worden.

Für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2016 hat die Kritikerjury u. a. die eingereichten 667 Bücher aus der Produktion des Jahres 2015 geprüft. Davon waren 405 Originalausgaben (60,7 %) und 262 Übersetzungen (39,3 %). Aus allen Einreichungen entfielen 179 auf die Sparte Bilderbuch, 182 auf die Sparte Kinderbuch, 221 auf die Sparte Jugendbuch und 85 auf die Sparte Sachbuch.

Die Autoren und ihre Geschichten Martin Baltscheit, Tschiep; Kirsten Boie, Hab ich nicht Glück?; Davide Calì, Der Mann, der Briefkästen pflanzte; Vincent Cuvellier, Normal, normal …; Inés Garland, Kebs Früchte; Peter Härtling, Die geschlossene Tür; Susan Kreller, Hundert; Rose Lagercrantz, Mein Kirschbaum; Marjaleena Lembcke, PardonBonbons; Bart Moeyaert, Du bist alles; Iva

Birgit Müller-Bardorff, die Vorsitzende der Kritikerjury bei der Nominierungsbekanntgabe zum Deutschen Jugendliteraturpreis 2016 | © Matthias Knoch / AKJ

Zudem vergibt eine unabhängige Jugendjury einen eigenen Preis. Sie setzt sich aus sechs über die Bundesrepublik verteilten Leseclubs zusammen: der Lese-AG der Bergschule St. Elisabeth in Heiligenstadt, dem Leseclub 2.0 der Bücherstube Klingler in Hainburg, dem Leseclub Karigis der Konrad-Adenauer-Realschule und der Integrierten Gesamtschule Innenstadt in Köln, den Münchner Bücherfressern der Buchhandlung Buchpalast, dem Pankower Leseclub des Carl-von- OssietzkyGymnasiums und der Buchhandlung Buchlokal in Berlin und den Reading Teens der Buchhandlung Christiansen in Hamburg. Für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2016 hat die Jugendjury rund250 Neuerscheinungen aus dem Jahr 2015 geprüft.

Procházková, Beule und die Naturgesetze; Mirjam Pressler, Herr Grau und Frau Blau; Vertreterin der Jugendjury bei der Nominierungsbekanntgabe zum Deutschen Jugendliteraturpreis 2016 © Matthias Knoch / AKJ

Maris Putninš, Waikiki; Jutta Richter, Einmal wohnte ich in einem Schuhkarton; Jenny Robson, Immer noch da; Andreas Steinhöfel,

Am Freitag, dem 21. Oktober 2016, wird der Deutsche Jugendliteraturpreis auf der Frankfurter Buchmesse verliehen. Die Preissumme beträgt pro Sparte 10.000 Euro und kann zwischen Autoren, Illustratoren und Übersetzern aufgeteilt werden.

Alpha Centauri; Tami Shem-Tov, Mein sensorisches Problem; Shaun Tan, Papagei und Schwein; Toon Tellegen, Vor meiner Tür; Robert Paul Weston, Land des Zorns. Was ist los vor meiner Tür? Herausgegeben von Stephanie Jentgens

Auch der mit 12.000 Euro dotierte Sonderpreis 2016 für das Autoren-Gesamtwerk wird in Frankfurt vergeben. Mitglieder der Sonderpreisjury sind Kathrin Buchmann, Irene Hoppe und Regina Pantos (Vorsitz).

Mit farbigen Illustrationen von Aljoscha Blau 160 S., Halbleinen geb., 19,6 x 27, 5 cm durchgehend farbig € [D] 24,00 | € [A] 24,70

KINDERBUCH | Nominierung der Kritikerjury

Uwe-Michael Gutzschhahn (Hrsg.) Sabine Wilharm (Illustration) UNUNTERBROCHEN SCHWIMMT IM MEER DER HINUNDHERING HIN UND HER DAS DICKE BUCH VOM NONSENS-REIM cbj Verlag ISBN 978-3-570-15971-2 19,99 € (D), 20,60 € (A), 26,90 sFr UVP Ab 6

Frida Nilsson (Text) Anke Kuhl (Illustration) FROHE WEIHNACHTEN, ZWIEBELCHEN! Aus dem Schwedischen von Friederike Buchinger Gerstenberg Verlag ISBN 978-3-8369-5860-8 12,95 € (D), 13,40 € (A), 16,90 sFr UVP Ab 6

Hayfa Al Mansour DAS MÄDCHEN WADJDA Aus dem Englischen von Catrin Frischer cbt Verlag ISBN 978-3-570-16378-8 12,99 € (D), 13,40 € (A), 17,90 sFr UVP Ab 11

Stefanie Höfler (Text) Franziska Walther (Illustration) MEIN SOMMER MIT MUCKS Beltz & Gelberg ISBN 978-3-407-82063-1 12,95 € (D), 13,40 € (A), 18,60 sFr UVP Ab 11

Ann M. Martin DIE WAHRE GESCHICHTE VON REGEN UND STURM Aus dem Englischen von Gabriele Haefs Königskinder ISBN 978-3-551-56013-1 14,99 € (D), 15,50 € (A), 21,90 sFr UVP Ab 11

Ross Montgomery ALEX, MARTHA UND DIE REISE INS VERBOTENE LAND Aus dem Englischen von André Mumot Carl Hanser Verlag ISBN 978-3-446-24933-2 14,90 € (D), 15,40 € (A), 21,90 sFr UVP Ab 11


ASTRID | arttourist.com 2|2016

Sechzig Jahre Deutscher Jugendliteraturpreis  |  77

Jugendjury Die Jugendjury zum Deutschen Jugendliteraturpreis (DJLP) ist eine unabhängige Jury, in der seit 2003 jährlich ca. 100 Jugendliche eine Nominierungsliste erstellen und einen Preis vergeben. Der Arbeitskreis für Jugendliteratur e.V. hat damit die Beteiligung von Jugendlichen an der Preisfindung, die seit 1972 besteht, konsequent weiterentwickelt. Ihm ist es ein Anliegen, den Jugendlichen ihren Einsatz im Rahmen der Jugendjury zu zertifizieren. Eine angemessene Anerkennung erhalten sie seit 2008 durch einen Bildungspass - den Kompetenznachweis Kultur. Die Jury setzt sich aus sechs über die Bundesrepublik verteilten Leseclubs zusammen, die vom Vorstand des Arbeitskreises für Jugendliteratur auf eine Amtszeit von zwei Jahren gewählt und vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend berufen werden. Sie können maximal zwei Amtszeiten hintereinander absolvieren. Wir befragten zwei Leseclubs der diesjährigen Jury des Deutschen Jugendliteraturpreises 2016 sowie jeweils ein Leseclubmitglied. Weitere Antworten von Jugendlichen finden Sie auf www.arttourist.com

Leseclub 2.0. Eva Mauser Bücherstube Klingler, Hainburg Wie wird man Leseclub und Mitglied der Jugendjury? Der Leseclub ist entstanden durch eine Projektidee für die Abschlussarbeit meiner Weiterbildung zur Buchhändlerin am mediacampus frankfurt, der Buchhändlerschule in Frankfurt am Main. Kinder- und Jugendbuch war bereits während meines Studiums der

Germanistik mein Schwerpunkt und so wollte ich nach Projekten mit Grundschülern (Hörclub GanzOhrHasen) mal etwas mit Jugendlichen machen. Hierzu schrieb ich zunächst die ehemaligen Praktikanten der Buchhandlung Bücherstube Klingler in Hainburg an, in der ich arbeite. Obwohl wir eine kleine inhabergeführte Buchhandlung sind, liegt uns die Betreuung von Praktikanten sehr am Herzen. Es kamen fünf interessierte Jugendliche im Alter zwischen 13 und 16 Jahren zusammen und wir trafen uns anfangs alle vier bis sechs Wochen, um uns über die in der Zwischenzeit gelesenen Bücher auszutauschen. Der Leseclub 2.0 war entstanden. Die Bücherstube Klingler stellte den Jugendlichen die Leseexemplare aus dem Bereich Jugendbuch zur Verfügung. Besprechungen wurden auf facebook veröffentlicht. Wir entwickelten schon früh gemeinsam einen Bewertungsbogen. Was macht das gute Buch aus? Natürlich eine fesselnde Story, eine angemessene und – ganz

Gruppenbild2015 in der Buchhandlung

Leseclub 2.0 zu Gast beim Magellan Verlag

wichtig – nicht aufgesetzte Sprache und Charaktere, mit denen man sich identifizieren und auseinandersetzen kann. Vor allem Jugendsprache wirkt oft peinlich, da sie an der Realität der Zielgruppe vorbeigeht. Aber auch das Layout, darunter das Cover, Gestaltung der Seiten, die Wahl der Schriftart und -größe, und der Klappentext müssen stimmen. Nach der Lektüre muss etwas bleiben. Das gute Buch verändert unser Denken, unseren Blick auf bestimmte Themen und die Welt, auf uns selbst... Die Lesecluber brachten interessierte Freunde mit und die Buchhändlerin, Frau Claudia Becker-Klingler, und die Teamerin des Leseclubs 2.0, Eva Mauser, verteilten fortan im Tagesgeschäft der Buchhandlung Flyer an jugendliche Leser. Die Besuche der Frankfurter Buchmesse und vor allem eine erste, selbstorganisierte Fahrt zur Buchmesse in Leipzig schweißten die Jugendlichen sehr zusammen. Auf der Buchmesse in Leipzig informierten wir uns 2013 bei Julia Lentge vom Arbeitskreis für Jugendliteratur e.V. über die Aufgaben der Jugendjury und die Teilnahmebedingungen. Um gut und verlässlich arbeiten zu können, sollte eine Mindestmitgliederzahl von zehn Jugendlichen erreicht sein. Wir waren gerade mal acht LeserInnen, die regelmäßig an den Treffen teilnahmen. Aber die Aussicht auf die vielen Leseexemplare, die zur Sichtung von den Verlagen zur Verfügung gestellt werden, und auf den Blick hinter die Kulissen der Juryarbeit reizten sehr und der Leseclub wagte die Bewerbung. Es folgte die Ernennung des Leseclubs 2.0 zu einem Teil der Jugendjury für den DJLP 2015 und 2016 durch die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Manuela Schwesig. Wie funktionieren ein Leseclub und Ihre Arbeit als Jugendjury? Wichtig für das Funktionieren des Leseclubs und besonders für die Arbeit als Jugendjury sind die regelmäßigen Treffen, an denen ein fester Kern, zur Zeit ca. 12 Jugendliche im Alter zwischen 12 und 21 Jahren, teilnimmt. Wir treffen uns alle zwei Wochen am Samstag von 13 bis 15 Uhr in einem Raum, das uns der Kinderaus Hainstadt gem. e.V. kostenfrei zur Verfügung stellt. Oft dauern die Tref-

fen auch länger, denn es gibt viel zu besprechen und zu diskutieren. Hier besprechen wir in erster Linie die Bücher, die wir zwischen den Treffen gelesen haben. Das sind zwischen 10 und 30 Bücher pro Treffen! Was ist preisverdächtig, was nur gutes Lesefutter? Wir verteilen bis zu fünf Eulen für Story, Layout, Gestaltung der Welt und der Charaktere, Besonderheit, Aktualität etc. und für ganz besondere Bücher gibt es die Supereule. Die Eule ist auch unser Leseclub-Logo, das von einem Mitglied, Sarah von Petersdorff, entworfen worden ist. Preisverdächtige Bücher werden auf einem Zettel notiert und für alle sichtbar an die Wand gehängt. Diese sollen nun von möglichst vielen Leseclubmitgliedern gelesen werden, um das beste Buch des Jahres unter den mehrere tausend Titel umfassenden Neuerscheinungen eines Jahres zu finden. Seit wir Jugendjury sind, diskutieren wir deutlich kritischer über die Titel und haben unseren Bewertungsbogen verfeinert. Nun lesen wir in erster Linie die Neuerscheinungen und Reihen und Titel aus den letzten Jahren, die wir schon zu Hause stehen haben, müssen hintanstehen. Zwei Mal im Jahr erstellen wir eine sogenannte Präferenzliste mit jeweils fünf Titeln aus dem Frühjahres- und aus dem Herbstprogramm der Verlage. Diese tauschen wir unter den sechs Leseclubs der Jugendjury aus, um so zu erfahren, was die anderen entdeckt haben und gut finden. Schließlich wählen wir intern unser Buch des Jahres. Für die Buchmesse in Leipzig gilt es dann, unsere Nominierung in Szene zu setzen. Bei der Nominierungsbekanntgabe des DJLP stellen die Leseclubs ihre Titel in einem 2-Minuten-Sketch dar. Es ist nicht einfach, das, was das Besondere eines Buches ausmacht, in Szene zu setzen und Inhalt und unsere Begründung in nur zwei Minuten darzustellen! Das sind viele, mitunter sehr lustige Zusatzstunden und viel Herzklopfen für diejenigen, die auf die Bühne dürfen. Für die Buchmesse in Frankfurt erarbeiten je zwei Mitglieder eines jeden Leseclubs eine Bühnenpräsentation, in der alle nominierten Titel der Jugendjury vorgestellt werden. Die Jugendlichen arbeiten mit einer Theaterpädagogin an einem Wochenende, das vom Arbeitskreis für Jugendliteratur e.V. organisiert wird.

SACHBUCH | Nominierung der Kritikerjury

Iwona Chmielewska ABC.DE Gimpel Verlag/Verlag Warstwy ISBN 978-3-945359-03-7 19,90 € (D), 20,50 € (A), 34,30 sFr UVP Ab 6

William Grill SHACKLETONS REISE Aus dem Englischen von Harald Stadler NordSüd Verlag ISBN 978-314-10311-7 19,99 € (D), 20,60 € (A), 25,90 sFr UVP Ab 8

Britta Teckentrup ALLE WETTER Verlagshaus Jacoby & Stuart ISBN 978-3-942787-52-9 24,95 € (D), 25,70 € (A), 35,50 sFr UVP Ab 9

Jean Paul Mongin (Text) Julia Wauters (Illustration) LEIBNIZ ODER DIE BESTE DER MÖGLICHEN WELTEN Aus dem Französischen von Heinz Jatho Diaphanes Verlag ISBN 978-3-03734-508-5 14,95 € (D), 15,40 € (A), 18,00 sFr UVP Ab 10

Kristina Gehrmann IM EISLAND BAND 1: DIE FRANKLINEXPEDITION Hinstorff Verlag ISBN 978-356-01901-8 16,99 € (D), 17,50 € (A), 18,50 sFr UVP Ab 12

Reinhard Kleist DER TRAUM VON OLYMPIA DIE GESCHICHTE VON SAMIA YUSUF OMAR Carlsen Verlag ISBN 978-3-551-73639-0 17,90 € (D), 18,40 € (A), 25,90 sFr UVP Ab 14


78  |  Sechzig Jahre Deutscher Jugendliteraturpreis

ASTRID | arttourist.com 2|2016

GIDEON, 19 JAHRE

der Schule und auch sonst nie welche zu geben), empfinde ich es als sehr angenehm, mich mit anderen Buchbegeisterten auszutauschen. Durch den Autausch wird natürlich auch die To-read-Liste länger und länger und man kommt so auf Bücher, die man viellleicht sonst nie in die Hand genommen hätte! Außerdem kann man endlich seine Begeisterung über bestimmte Bücher und die Enttäuschung über wieder andere Bücher teilen. Schließlich spuken einem immer so viele Gedanken nach dem Lesen eines Buches im Kopf herum, die man einfach mal mitteilen will. Außerdem habe ich hier im Leseclub enge Freunde kennengelernt. Dadurch ist er mir ans Herz gewachsen.

Was liest Du gerade? Im Moment „Simon versus The Homo Sapiens Agenda“ von Becky Albertalli (auf Deutsch im Februar bei Carlsen erschienen unter dem Titel „Nur drei Worte“). Ich habe ja schon fünf Titel der Jugendjury-Nominierungen durch und musste nun mal etwas Anderes lesen. Das ist eine Art Coming-Out-Roman. Es sind darin ganz viele Harry-Potter-Referenzen zu finden, da der Protagonist ein riesen Harry-Potter-Fan ist. Schon allein dadurch macht es sehr viel Spaß, es zu lesen. Wie bist Du auf den Leseclub der Buchhandlung aufmerksam geworden und was bedeutet er Dir? Das war bei der Leipzig-Fahrt 2013 des Leseclubs 2.0. Da hat die Frau Klingler mich gefragt, ob ich mitkommen will. Ganz spontan im Buchladen war das, weil ein anderes Mitglied ausgefallen ist. Das war dann auch das Jahr, bei dem wir uns beim Arbeitskreis für Jugendliteratur e.V. über die Arbeit als Jugendjury informiert haben. Ich kannte niemanden, aber es hat großen Spaß gemacht

und danach bin ich dabei geblieben. Der Leseclub hat sich seitdem noch mal sehr verändert. Es sind viele neue Mitglieder dazugekommen, aber auch einige nicht mehr dabei, auch wegen schulischer Sachen. Einige studieren schon. Was mir der Leseclub bedeutet? Weil es gar nicht so leicht ist, andere ungefähr gleichaltrige Viel- und Gerneleser zu treffen (irgendwie schien es davon an

Oft wird uns die Frage gestellt, was man in so einem Leseclub eigentlich macht und ob man sich da trifft und liest... Es ist viel mehr als das – viel Spaß, viel Arbeit und viele tolle Menschen kommen hier zusammen! Wie erleben Sie die Arbeit mit den Jugendlichen und wie beeinflusst es Ihre Tätigkeit als Buchhändlerin, Ihr Sortiment, Ausrichtung Ihrer Buchhandlung? Es ist nicht immer einfach, eine Bande Jugendlicher im Alter zwischen 12 und 21 Jahren zu bändigen und konstruktiv zu arbeiten. „Ich empfinde die Arbeit mit den Jugendlichen gerade deshalb aber als sehr bereichernd. Es kommen hier Mädchen und Jungen in einer Altersspanne zusammen, wie sie sonst nirgends zusammenkommen. Realschüler, Gymnasiasten, Studierende diskutieren, argumentieren und kommentieren auf einem erstaunlichen Niveau. Und ich staune

über die Bücherstapel, die sie alle zwei Wochen mitbringen und beobachte gespannt die Entwicklung, nicht nur im Leseverhalten.“ (Eva Mauser) Schon lange ist das Team der Bücherstube Klingler in der Leseförderung tätig und arbeitet eng mit der örtlichen Grundschule und der Gemeindebücherei zusammen. Sowohl Frau Becker-Klingler, die Inhaberin der Bücherstube, als auch Frau Mauser, die Teamerin des Leseclubs, haben am Institut für Jugendbuchforschung in Frankfurt studiert, viele Weiterbildungen zum Thema Kinder- und Jugendbuch besucht und bringen so neben der Liebe zum guten Buch eine Menge Fachkompetenz mit. Neben der Beratung im Alltag finden im Herbst ein Kinder- und ein Jugendbuchabend statt, auf dem die beachtenswertesten Neuerscheinung und besondere Herzensbücher vorgestellt werden. Gerahmt wird das stets durch ein fachlichen oder thematischen Beitrag, zum Beispiel über die Bedeutung der Illustrati-

TANISHA, 16 JAHRE

Buchhandlung vorbei gegangen – das war das erste Mal, dass ich die Buchhandlung überhaupt betreten habe! Und Eva, die Teamerin des Leseclubs, hat mich dann eingeladen, einfach mal bei einem Treffen vorbeizuschauen. Der Leseclub ist mir schon sehr wichtig. Deswegen versuche ich auch, kein Treffen zu verpassen.

Dein Favorit? Unter den Neuerscheinungen von diesem Jahr? „Nur drei Worte“ von Becky Albertalli (Carlsen 2016). Welches sind Deine wichtigsten drei Jugendbücher, die Du jedem Jugendlichen ans Herz legen möchtest? „Harry Potter“ von J.K. Rowling – natürlich alle Bände (Carlsen). „Letztendlich sind wir dem Universum egal“ von David Levithan (Fischer FJB 2014). „Ich gegen Osborne“ von Joey Goebel (Diogenes 2013).

on, nicht nur im Bilderbuch, oder im vergangenen Jahr über den Themenkonplex Flucht, Vertreibung und Krieg im Kinder- und Jugendbuch. Gemeinsam mit dem Leseclub gestalten wir seit einigen Jahren einen eigenen Jugendbuch-Abend, die Wel(T)Räume. Die Arbeit mit den Jugendlichen hat uns einen wertvollen Einblick in die Lesegewohnheiten junger Menschen gegeben und wir können unseren Bestand entsprechend ausrichten und noch kompetenter beraten, als wir das bisher bereits getan haben. Bei all dem Engagement müssen wir aber feststellen, dass unser Jugendbuchverkauf rückläufig ist. Unsere jugendlichen Stammleser sind Mitglieder im Leseclub und werden hier kräftig mit Lesefutter versorgt. Die weiterführenden Schulen nehmen unser Engagement nicht wahr, obwohl wir schon mehrfach eine Kooperation hinsichtlich Leserwerbung oder gemeinsamer Veranstaltungen angestrebt haben und unsere

Ihr habt über die letzten Wochen und Monate viele Bücher gelesen, besprochen und bewertet? Wie war die Arbeit in der Jury?

Was liest Du gerade? Das sind sehr viele Bücher parallel. Als letztes in der Hand hatte ich „Secrets. Wen Emma hasste“ von Daniela Pusch (Oetinger 34). Das ist dieses Jahr erschienen und ich habe es in Leipzig auf der Buchmesse zur Sichtung für den DJLP bekommen. Das ist nicht das einzige Buch. Ich lese mindestens zehn Bücher parallel. Das mache ich immer so, weil ich einfach lesen muss. Wenn ich an einem Tag das Interesse für ein Buch nicht aufbringen kann, muss ich mir einfach was anderes suchen. Wie bist Du auf den Leseclub der Buchhandlung aufmerksam geworden und was bedeutet er Dir? Als die Sankt Wendelinus Bücherei, die katholische Bücherei in Hainburg, noch geöffnet hatte, habe ich da ehrenamtlich gearbeitet. Dort lagen Flyer von der Buchhandlung aus, in denen für den Leseclub 2.0 der Bücherstube Klingler geworben wurde. Dann bin ich bei der

Ihr habt über die letzten Wochen und Monate viele Bücher gelesen, besprochen und bewertet? Wie war die Arbeit in der Jury? Wir sichten an die 300 Neuerscheinungen im Jahr. Es ist schon schön, den Horizont zu erweitern, da man so auch mal Bücher in die Hand nimmt, die man sonst nicht lesen würde. Dabei ist es aber auch schade, dass man kaum mehr dazu

kommt, die Bücher zu lesen, die man sonst gerne liest – von Lieblingsautoren zum Beispiel. Auch die Fortsetzungen von Reihen müssen liegen bleiben, da die Neuerscheinungen aus 2016 Priorität haben. Daneben müssen wir die Nominierungen der anderen Leseclubs für den Deutschen Jugendliteraturpreis sichten. Denn nur die Leseclub-Mitglieder, die alle nominierten Titel gelesen haben, sind hier stimmberechtigt. Ich habe schon fünf der sechs Titel gelesen.

Ich habe viele Bücher angefangen. Die Bücher waren nicht so richtig überzeugend bislang und ich habe viele nicht fertig gelesen. Es gab in diesem Jahr schon einiges zu tun: Wir waren in Leipzig auf der Buchmesse, wo wir ein Interview mit einer Autorin (Katja Brandis) hatten und den Magellan Verlag besucht haben. Wir mussten neue Prüfexemplare bestellen und hierfür die ganzen Vorschauen durchsehen. Das macht viel Spaß. Da gibt es spannende Titel zu entdecken – und auch viele Möglichkeiten, sein Taschengeld auszugeben. Denn bei den Verlagen bestellen können wir nur die Titel, die wir für „herausragend“ und preisverdächtig halten. „Lesefutter“ können wir in der Buchhandlung kaufen. Dein Favorit? „Zusammen werden wir leuchten“ von

Lisa Williamson (Fischer Verlag) und „Anders frei als du“ von Christine Fehér (cbt). Die beiden fand ich dieses Jahr richtig toll. „Anders frei als du“ setzt sich mit der Religion auseinander. Ich glaube, Islam war es. Das Mädchen kommt zum Glauben wegen ihres Freundes. Doch sie bleibt bei der Religion, auch nach der Trennung, weil sie ihr etwas bedeutet. Sie muss sich gegenüber Freunden und Familie rechtfertigen und die gewöhnen sich nur schwer an die neue Religion. Das ist mal ein positiver Blick auf das Thema. Das finde ich wichtig.

Fachkompetenz im Hinblick auf die Schülerbüchereibestückung anbieten. Ohne welche 5 Jugendbücher wird man als Jugendlicher nicht „erwachsen“? „Harry Potter“ von J.K. Rowling. „Wie ein leeres Blatt“ von Pénélope Bagieu. Eine Graphic Novel, Der kleine Prinz „Letztendlich sind wir dem Universum egal“ von David Levithan Daneben greifen die jugendlicher Leser des Leseclubs 2.0 aus eigenen Antrieb zu Klassikern wie „Der Herr der Ringe“, „Alice im Wunderland“, „Anne Frank. Tagebuch“, „Momo“. Sie gehören ganz ohne Frage zum Erwachsenwerden dazu. WIR SPRACHEN MIT EVA MAUSER VON DER BÜCHERSTUBE KLINGLER BÜCHERSTUBE KLINGLER SCHULSTRASSE 6 | 63512 HAINBURG WWW.BUECHERSTUBE.NET

Buchhandlung Buchpalast München | © Katrin Rüger

Katrin Rüger, Bücherfresser vom Buchpalast München Wie wird man Leseclub und Mitglied der Jugendjury? Als Leseclub Mitglied der Jugendjury wird man, indem man sich beim Arbeitskreis für Jugendliteratur um das Juryamt bewirbt. Wie gründet man einen Leseclub? Man nehme ein paar lesebegeisterte Jugendliche, einen Stapel Leseexemplare, ein Glas Gummibärchen und finde einen Ort, an dem man sich mindestens alle zwei Wochen treffen kann. Im Leseclub hört der Erwachsene Jugendlichen einfach gut zu. Sie haben meistens die besten Ideen, wie ein Leseclub

Welches sind Deine wichtigsten drei Jugendbücher, die Du jedem Jugendlichen ans Herz legen möchtest? „Was fehlt, wenn ich verschwunden bin“ von Lilly Lindner (Fischer Verlag 2015). „Der Märchenerzähler“ von Antonia Michaelis (Oetinger 2012). Und weiterhin empfehle ich kein drittes Buch, sondern eine kleine feine Buchhandlung. Da findet man immer etwas Besonderes. Katrin Rüger, Bücherfresser vom Buchpalast München

JUGENDBUCH | Nominierung der Kritikerjury

Erin Jade Lange HALBE HELDEN Aus dem Englischen von Jessika Komina und Sandra Knuffinke Magellan Verlag ISBN 978-3-7348-5010-3 16,95 € (D), 17,50 € (A), 21,90 sFr UVP Ab 12

Makiia Lucier DAS FIEBER Aus dem Englischen von Katharina Diestelmeier Königskinder ISBN 978-3-551-56012-4 17,99 € (D), 18,50 € (A), 25,90 sFr UVP Ab 12

Mariko Tamaki (Text) Jillian Tamaki (Illustration) EIN SOMMER AM SEE Aus dem Englischen von Tina Hohl Lettering von Michael Hau Reprodukt ISBN 978-3-95640-025-4 29,00 € (D), 29,90 € (A), 37,00 sFr UVP Ab 12

Kirsten Fuchs MÄDCHENMEUTE Rowohlt Rotfuchs ISBN 978-3-499-21758-6 9,99 € (D), 10,30 € (A), 13,50 sFr UVP Ab 14

Rainbow Rowell ELEANOR & PARK Aus dem Englischen von Brigitte Jakobeit Carl Hanser Verlag ISBN 978-3-446-24740-6 16,90 € (D), 17,40 € (A), 23,90 sFr UVP Ab 14

Erna Sassen DAS HIER IST KEIN TAGEBUCH Aus dem Niederländischen von Rolf Erdorf Verlag Freies Geistesleben ISBN 978-3-7725-2861-3 17,90 € (D), 18,40 € (A), 22,90 sFr UVP Ab 14


ASTRID | arttourist.com 2|2016

Sechzig Jahre Deutscher Jugendliteraturpreis  |  79

zu etwas wird, wohin man gerne geht. Ein Leseclub kann auch ganz ohne Erwachsenen funktionieren. „Die Bücherfresser“ gründeteten sich als feste Gruppe 2009. Erst traf man sich monatlich, bald zweiwöchentlich und seit geraumer Zeit wöchentlich. Bald werden wir wohl in der Buchhandlung schlafen. Die Gruppe hat zwischen 20 und 25 Mitgliedern, die sich aber in zwei Gruppen treffen, die kleinen und die großen Bücherfresser. Als ich 2006 für vier Jahre in die Kritikerjury des Deutschen Jugendliteraturpreises (Sparte Jugendbuch) berufen wurde, stapelten sich bald die Leseexemplare des Jugendbuchmarktes bei mir und hofften auf weitere Verwendung. Gleichzeitig wurde mir der Meinungsaustausch mit den eigentlichen Lesern sehr wichtig. So kam es zur Gründung der Bücherfresser, einer Gruppe lesebegeisterter Jugendlicher aus meiner Kundschaft. Seit 2009 treffen sie sich mit mir regelmäßig alle zwei Wochen, häufig sogar wöchentlich in der Buchhandlung. Das Logo mit den bücherfressenden dreiäugigen Monstern, ein wichtiges Identifikationselement der Kinder, entwarf der mit mir und Jochen Till befreundete, damals noch unbekannte Illustrator Zapf, alias Falk Holzapfel. Wir sind jetzt vier! Auf Wunsch der Mädchen haben wir nun auch ein Baby-Monster! Heute hat der Leseclub 20-25 Mitglieder, die sich in zwei Gruppen treffen. Seit 2013 sind sie Jugendjury des Deutschen Jugendliteraturpreises. Gerne legen Bücherfresser selbstbewusst einen Stapel Leseexemplare mit den Worten „Die bringe ich zurück“ auf den Kassentresen und freuen sich an erstaunten Kundenblicken. Sie fühlen sich im Buchpalast zu Hause und schleichen mit kurzem Nicken vorbei in den Spiegelsaal, zu konspirativen Treffen, mal gemeinsam ein Interview vorzubereiten, oder an einem Pressetext zu feilen. Die Kunden haben sich an das lebendige, jugendliche Leben im Palast gewöhnt. Ich selbst war für die Sparte Jugendbuch in der Kritikerjury des Deutschen Jugendliteraturpreises von 2006-2009. Die Jugendlichen sind von 2013-2016 eine von sechs Jugendjurys. 2015 wurde der Buchpalast mit dem Deutschen Buchhandlungspreis ausgezeichnet. Wie funktionieren ein Leseclub und Ihre Arbeit als Jugendjury? Für die Juryarbeit prüfen wir gemeinsam rund 350 Leseexemplare, indem einzelne Leser die Bücher zuerst mit einem Punktesystem (grün, gelb, rot) bewerten. Beim wöchentlichen Austausch diskutieren wir Leseleidenschaft, thematische Wichtigkeit, Inhalte und Form. Am Ende bleiben rund 12-15 Bücher übrig, die alle gelesen haben, wenn wir in zwei demokratischen Jurysitzungen über das Preisbuch entscheiden. Wie erleben Sie die Arbeit mit den Jugendlichen und wie beeinflusst es Ihre Tätigkeit als Buchhändlerin, Ihr Sortiment, Ausrichtung Ihrer Buchhandlung? Auf meine Frage warum sie überhaupt so regelmäßig in den Leseclub kämen, schließlich kostet er nichts und Noten gibt´s auch nicht, antworteten die

LEA, 19 JAHRE

was mein Hobby ist. Hier kann ich über Bücher und das Lesen reden. In der Schule geht das nicht, weil nicht so viele in meinem Alter lesen. Durch den Leseclub treffe ich auf Gleichgesinnte. Das ist schön!

Was liest Du gerade? „Mit anderen Worten: Ich“ von Tamara Ireland Stone (Magellan 2016). Habe ich heute Morgen angefangen. Das ist ein Prüfexemplar aus diesem Jahr, aber ich habe es mir selbst gekauft, weil es mir so gut gefallen hat, schon vom Aussehen her. Es ist aus dem Magellan Verlag, das ist ein besonderer Verlag. Wir haben ihn auf der Buchmesse in Leipzig besucht und die haben sich ganz viel Zeit für uns genommen und erzählt, wie so ein kleiner Verlag arbeitet. Man merkt den Büchern an, dass da ganz viel Herzblut drinsteckt... Wie bist Du auf den Leseclub der Buchhandlung aufmerksam geworden und was bedeutet er Dir? Ich habe ein Praktikum in der Bücherstube Klingler gemacht und zwei Monate später einen süßen Brief von der Eva be-

kommen, in dem sie mich zum Leseclub 2.0 eingeladen hat. Der Leseclub bedeutet mir sehr viel. Ich bin schon von Anfang an dabei. Hier habe ich meine heute besten Freunde kennengelernt. Hier kann ich das teilen,

Ihr habt über die letzten Wochen und Monate viele Bücher gelesen, besprochen und bewertet? Wie war die Arbeit in der Jury? Ja, wir haben sehr viel gelesen. Aber die Leseclub- und Juryarbeit ist ja noch viel mehr. Messebesuche, Vorschauen sichten, Interviews vorbereiten. Wir basteln schon lange an einer Homepage. Zwischenzeitlich ist es auch anstrengend gewesen. Nicht so sehr, dass man keine Lust mehr hat, aber es ist doch viel. Denn man muss die Nominierungen dieses Jahres lesen und daneben auch die Neuerscheinungen sichten. Es macht aber auch ganz viel Spaß, weil man mit den Bücher nicht allein ist. Man tauscht sich aus. Und als Teil der Jugendjury ist

das auch eine wichtige Arbeit. Klar sind auch viele schlechte Bücher unter den Leseexemplaren dabei. Da macht es um so mehr Spaß, darunter ein richtig gutes zu finden und die Entdeckung mit den anderen zu teilen. Dein Favorit? Ich habe bislang noch nicht so viel aus 2016 gelesen. Am besten gefallen hat mir darunter „Die (beinahe) größte Liebesgeschichte des Universums“ von Sarvenaz Tash. Auch ein Titel aus dem Magellan Verlag... Welches sind Deine wichtigsten drei Jugendbücher, die Du jedem Jugendlichen ans Herz legen möchtest? Ich finde, man kann nicht drei Bücher nennen, die jedem gefallen, die jeder lesen muss. Jeder hat seinen eigenen Geschmack und muss „das“ Buch finden, das einen zum Leser macht.

Jugendlichen prompt: Wegen der Ehrlichkeit und der Wertschätzung. Jugendliche überraschen mich immer wieder von Neuem mit ihrer Sicht auf die Dinge. Mich beflügelt ihr freiwilliger Einsatz und ihre Leidenschaft. Ihre Meinung zu Büchern ist in der Buchhandlung ständig präsent und Kunden fragen wie selbstverständlich: „Wie fanden das denn ihre Kinder?“ und meinen damit den Leseclub. Kinder und Jugendliche stellen bei uns am Nachmittag einen unübersehbar großen Kundenanteil und haben sich den Buchpalast erobert. Schon im Grundschulalter schauen sie selbstständig bei uns vorbei. Ohne welche 5 Jugendbücher wird man als Jugendlicher nicht „erwachsen“ Peer Martin, „Sommer unter schwarzen Flügeln“. „HerzSlam“ von Jaromir Konecny „iBoy“ von Kevin Brooks „Erebos“ von Ursula Poznanski „Aristoteles und Dante“ von Benjamin Alire Sáenz WIR SPRACHEN MIT KATRIN RÜGER VOM BUCHPALAST MÜNCHEN BUCHPALAST MÜNCHEN | KIRCHENSTRASSE 5 81675  MÜNCHEN | WWW.BUCHPALASTMUENCHEN.DE DIE BÜCHERFRESSER | WWW.DIEBUECHERFRESSER.DE Mitglieder des Leseclubs mit Fritz | © Katrin Rüger

ALLE GESPRÄCHE FÜHRTE KAI GEIGER.

handlung und Katrin hat auch von den Bücherfressern erzählt. Damit hat sie mein Interesse dafür geweckt und zweieinhalb Jahre später wurde ich bei den Bücherfressern aufgenommen.

Anna mit neuem Lesefutter in der Buchhandlung | © Katrin Rüger

ANNA, 14 JAHRE Was liest Du gerade? Im Moment lese ich „Die Bestimmung Letzte Entscheidung“ von Veronica Roth und „Der Tiger in meinem Herzen“ von Patricia McCormik. Wie bist Du auf den Leseclub der Buchhandlung aufmerksam geworden und was bedeutet er Dir? In der Buchhandlung haben wir immer unsere Bücher gekauft. Dann waren wir als ich in der 4. Klasse war von der Schule aus am Welttag des Buches in der Buch-

Ihr habt über die letzten Wochen und Monate viele Bücher gelesen, besprochen und bewertet? Wie war die Arbeit in der Jury? Die Arbeit war schon anstrengend. Manchmal haben die Besprechungen länger gedauert, doch es macht immer sehr viel Spaß! Dein Favorit? Meine Favoriten sind „Sommer unter schwarzen Flügeln“ von Peer Martin und „Du neben mir und zwischen uns die ganze Welt“ von Nicola Yoon. Welches sind Deine wichtigsten drei Jugendbücher, die Du jedem Jugendlichen ans Herz legen möchtest? Drei Bücher, die ich Jugendlichen wirklich ans Herz lege sind „Liverpool Street“ von Anne Voorhoeve, „Wunder“ von Ra-

quel J. Palacio und „Die Bestimmung“ von Veronica Roth.

Dein Favorit? „Drohnenpilot“ von Thorsten Nesch.

KRISTOF, 13 JAHRE Was liest Du gerade? „Der unsterbliche Alchemyst“ von Michael Scott, „Drachenelfen“ von Bernhard Hennen, „Die Attentäter“ von Antonia Michaelis.

Welches sind Deine wichtigsten drei Jugendbücher, die Du jedem Jugendlichen ans Herz legen möchtest? „Erebos“ von Ursula Poznanski, „Odessa“ von Peter van Olmen, „Abgehauen“ von Grit Poppe.

Wie bist Du auf den Leseclub der Buchhandlung aufmerksam geworden und was bedeutet er Dir? Als ich klein war, habe ich da mit meiner Mutter immer Bücher eingekauft, er bedeutet mir viel, weil es sehr viel Spaß macht die Projekte durchzuführen. Ihr habt über die letzten Wochen und Monate viele Bücher gelesen, besprochen und bewertet? Wie war die Arbeit in der Jury? Ich fand es super, das Buch „Sommer unter schwarzen Flügeln“ von Peer Martin bearbeitet und das Rollenspiel dazu gemacht zu haben.

Kristof beim Interview mit Ursula Poznanski (Leipziger Buchmesse 2016) | © Katrin Rüger

JUGENDJURY | Nominierungen der Jugendjury

Nicola Yoon DU NEBEN MIR UND ZWISCHEN UNS DIE GANZE WELT Aus dem Englischen von Simone Wiemken Dressler Verlag ISBN 978-3-7915-2540-2 16,99 € (D), 17,50 € (A), 21,90 sFr UVP Ab 12

Dirk Reinhardt TRAIN KIDS Gerstenberg Verlag ISBN 978-3-8369-5800-4 14,95 € (D), 15,40 € (A), 21,30 sFr UVP Ab 13

Peer Martin SOMMER UNTER SCHWARZEN FLÜGELN Oetinger Verlag ISBN 978-3-7891-4297-0 19,99 € (D), 20,60 € (A), 26,90 sFr UVP Ab 14

Matthew Quick GOODBYE BELLMONT Aus dem Englischen von Knut Krüger dtv ISBN 978-3-423-76122-2 16,95 € (D), 17,50 € (A), 21,90 sFr UVP Ab 14

Erna Sassen DAS HIER IST KEIN TAGEBUCH Aus dem Niederländischen von Rolf Erdorf Verlag Freies Geistesleben ISBN 978-3-7725-2861-3 17,90 € (D), 18,40 € (A), 22,90 sFr UVP Ab 14

Patricia McCormick DER TIGER IN MEINEM HERZEN Aus dem Englischen von Maren Illinger Fischer KJB ISBN 978-3-596-85580-3 14,99 € (D), 15,50 € (A), 19,90 sFr UVP Ab 16


www.moritzverlag.de

Illustration von Mario Ramos

»Ein Glanzlicht unter den Bilderbüchern sind jene vom Moritz Verlag.« Schwäbische Zeitung

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