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Gelebte Liebe Was ist Liebe? Ist sie ein Bedürfnis entstanden aus dem Gefühl von Mangel oder ist sie viel mehr ein Zustand der Fülle? Wenn wir lieben, wissen wir, dass wir sind. Aber woher wissen wir, ob es wirklich Liebe ist? Manchmal kommt es mir so vor, als ob alle lieben wollen, nur um nicht diese Leere in sich spüren zu müssen. Doch ist leer sein gleich ein Mangel an Liebe und Nähe oder mehr ein Loslassen von all dem seelischen Müll, den wir in jede Beziehung, in jede Begegnung mit hineinnehmen? Wenn ich das Gesicht eines geliebten Menschen ansehe, sehe ich erst mal meinen eigenen Hunger nach Nähe, Geborgenheit. Schön, wenn er diesen Hunger stillt. Aber es ist nicht genug, ich will noch mehr, denn ich bin sehr hungrig, ja manchmal sogar ausgehungert. Und wenn er nicht diesen Erwar tungen entspricht, kommt gleich die Frage: „ Liebst du mich nicht mehr? “ Wie kann ich von Liebe sprechen, wenn es eigentlich um mein eigenes egoistisches Bedürfnis geht? Liebe ist verkommen zu einem Unwort. Es hat keinen Wert mehr! Wenn wir eigentlich unsere eigene Bedürftigkeit damit beschreiben, sollten wir von einer Wechselwirkung von Bedürfnisbefriedigungen sprechen. Denn auch der andere sieht in mir eher ein sich erfüllen seiner Wünsche und Erwartungen. Und wenn diese gegenseitigen Erwartungen nicht mehr erfüllt werden, ist es eine Krise oder ein Scheitern der Beziehung. Doch eigentlich hat es die Liebe gar nicht gegeben, denn unsere Bedürf nisse und Vorstellungen von Beziehung konnten einfach nicht erfüllt werden. Also ist eine Beziehung auf diesem Niveau schon von Anfang an zum Scheitern verurteilt! Nun, es kommt vor, dass es auch Beziehungen gibt, wo es darüber hinausgeht. Es keine sich alles verschlingende „Liebe“ gibt, sondern ein gegenseitiges Achten. Dabei erkennt jeder in dem anderen einen Menschen, der erst mal sich selbst liebt und treu ist. Wo beide ganz bei sich sind und keine Erwartungen an den anderen stellen, sondern geben. Was kann man geben? Zeit, Gedanken, Gespräche, Talente ... Alles ohne selbst zu fordern oder eine Gegenleistung zu erwarten. Was für ein Genuss! Das Gefühl, dem anderen nah zu sein und zu geben, ist Fülle. Aus dieser Fülle kann eine gemeinsame Liebe wachsen oder ist dies schon Liebe? Es ist wie ein zarter Keimling, der Pflege und Aufmerksamkeit braucht. Nur leider werden wir oft über rollt von unserem Alltag und den ganzen Herausforderungen, die vor der Haustür warten. Und viele erkennen dann nicht mehr, wo überall kleine Pflänzchen der Liebe sind und trampeln wie der bekannte Elefant im Porzellanladen umher oder lassen sie verkümmern. Manch einer lebt in so einer verkümmerten Beziehung und wird sich dem vielleicht niemals bewusst. Doch eines macht mir Hoffnung, dass die Liebe wie der berühmte Löwenzahn ist! Selbst im Beton fängt er an zu blühen, vermehrt sich und hält selbst den Pestiziden stand. Also lasst uns die Liebe aussäen und überall etwas von uns bedingungslos geben! So wird die Liebe zu einem Gefühl der Fülle. Dann bekommt sie ihren eigenen Wert zurück und wird zu dem was sie ist, Leben.


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