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Bewusst Leben Wie kann ich bewusst leben? Diese Frage beschäftigt mich. In den Regalen der Buchläden gibt es reihenweise Bücher, die mich darüber aufklären und die mir Anweisungen geben, wie ich es tun soll. Aber stimmt das wirklich? Bin ich nicht wieder in so eine Art Programm gestolpert, dass mir sagt, wenn ich funktionieren soll, dann muss ich schleunigst bewusst leben? Aber wer steuert eigentlich meine Entscheidungen, ich oder das Programm? Welches Programm? Mein Denken übernimmt schon wieder die Führung und mein Gefühl oder meine Empfindungen wer – den unterdrückt, ja sogar lächerlich gemacht. Dann höre ich so eine Stimme im Kopf, die sagt: „Hey, du bist verrückt, wenn du meinst wirklich bewusst leben zu müssen!“ Und höre ich genauer hin, höre ich die Stimme meiner Mutter, meines Vaters, meiner Lehrer oder wer immer sonst mich so behandelt hat. Aber das ist längst Vergangenheit. Wie kann dieses Fühlen oder Denken gerade jetzt passieren, wenn die Personen weit weg sind oder schon längst gestorben? Ich habe es gut abgespeichert, wie auf einer Festplatte eines Computers. Nur wo und wie kann ich es ausschalten? Nun da haben die Experten auch wieder viele Tipps und ich kann sie wiederum in einem dieser Bücher finden, die zum Verkauf angeboten werden. Mein Gott, die verdienen ganz schön viel Geld an dieser Arbeit an mir selbst. Vielleicht sollte ich auch ein Buch darüber schreiben? Wenn ich also den Gedankengang weiterspinne, brauche ich so eine Art Hilfsmittel, um mein Pro gramm, meine Prägung auszuschalten und vielleicht auch loszuwerden. Wenn ich etwas loswerden will, kann ich mich nicht davor verstecken oder davor fliehen. Egal was von beiden ich versuche, ich muss mich immer wieder neu verstecken oder neu davor wegrennen. Was wenn ich mich diesem Gefühl, dieser Situation, in der ich gerade bin stelle? Was passiert dann? Wird dieses Gefühl mich verschlingen, mich überwältigen, mich ganz und gar für verrückt halten? Und wenn ich es einfach als gegeben hin nehme, nun dann lebe ich nicht so bewusst wie die anderen, bin nicht so klug wie sie und ja dann bin ich halt verrückt! Dann wird mir auf einmal klar, es gehört zu mir. Alles. Diese Art zu denken, jene Art zu leben oder wer ich bin. Nun bin ich bei mir, muss mich nicht dafür entschuldigen, was ich wie und wo getan habe oder gedacht habe. Ich weiß, dass es ein Teil von mir ist und dass das so ist. Vergangenes ist vergangen. Ich meine nicht, dass ich es verdrängen will, aber ich relativiere es! Und ich lasse es los! Es ist zwar ein Teil von mir, aber es muss mein jetziges Leben nicht beeinflussen. Ein Hilfsmittel ist also schon mal die Erkenntnis, wie ich bin und was ich bin, ist in Ordnung, so wie es ist. Wie beruhigend! Ich muss nicht ständig irgendwelchen Anforderungen oder Erwartungen ent – sprechen. Die Erwartungen und Anforderungen der Menschen um mich her sind ihre. Ob und wie ich diese in mein Leben lasse, geht immer nur mich allein was an. Ich bin für mein Leben selbst verant – wortlich! Niemand lebt für mich mein Leben und ich möchte auch nicht jemand anderem die Führung dafür in die Hand geben! Solange ich selbstbestimmt leben kann, will ich dies tun, mit allen Konse – quenzen. Was für ein Gefühl, wenn du dir deiner ganz und gar bewusst wirst. Ich fühle mich als wertvoll ohne etwas zu leisten. Einfach nur weil ich bin! Wie wunderbar. Es ist unglaublich erleichternd und bringt mich Menschen näher, die genauso fühlen. Diejenigen, die fordern, besitzen oder bewusst oder unbewusst manipulieren wollen, kommen mir nicht mehr so nahe. Entweder spüren sie instinktiv, dass ich mich selbst liebe und nicht gebraucht werden will oder sie sind verwundert, dass es möglich ist, ohne Gegenleistung zu lieben, zu geben und zu nehmen. Ich lebe bewusst, schon weil ich diesen Text schreibe. Weil ich mich den Fragen stelle, die dadurch entstehen. Weil ich mich den Fragen stelle, die unsere, meine Welt betreffen. Das, was ich der Welt geben kann, ohne eine Gegenleistung zu fordern, sind meine Talente, meine Fragen, mein Dasein. Ich bin, also seid ihr auch. Namasté.


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