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9 „Na ja, ein wenig.“ „Er hasst mich.“, erklärte ich, weil mir kein passendes Wort für „Abneigung“ einfiel. „Nein, wieso sollte er?“ „Das weiß ich auch nicht.“ „Hey, Amy? Kommt ihr heute zum Spiel?“, brüllte Scott vom Nachbartisch. „Ja, natürlich.“ Scott war aufgestanden und zu Amy und mir an den Tisch herangetreten: „Auch zur Party, danach?“ „Ja, gern. Ich frage meinen Dad, ob er uns hinfährt.“ „Das ist keine gute Idee.“, erklärte Scott, während er sich zwischen Amy und mich niederkniete. „Ich organisiere euch eine Mitfahrgelegenheit, ok?“ Scott grinste mich auffordernd an. „Ok. Dann warten wir vor der Halle.“, antwortete Amy für uns, während ich Scott nur anlächelte. „Prima. Dann bis nachher, ihr Hübschen.“ Scott stand auf und ging zurück an seinen Platz. Ich folgte ihm mit meinen Augen und traf auf Alex. Zu meiner Überraschung ignorierte er mich in diesem Moment nicht. Mir wurde plötzlich ganz heiß und mein Herz begann heftig zu schlagen. Alex wich mir zum ersten Mal nicht aus, auch nicht als Scott ihm etwas ins Ohr flüsterte. Fasziniert und mit hoch rotem Gesicht starrte ich in seine dunklen Augen. Kurz vor dem Spiel, als ich mich umgezogen hatte, fiel mir Claires Brief in die Hände, der auf meinem Bett lag. Liebste Anna, hier ist auch alles riesig und das meine ich nicht nur im Sinne von gut sondern auch von grooooß. Meine Gasteltern wohnen in einem Palast, so fühlt es sich zumindest an, nicht zu vergleichen mit unserer 3 Zimmerwohnung in Barmbek. Betty, meine Gastschwester ist total süß, etwas pummelig aber sonst wirklich klasse. In der Schule sind alle total nett, nichts Auffälliges bis jetzt. Was meinst Du denn mit ignorieren? Du redest mit ihm und er sagt nix, oder wie? Ignorier ihn halt auch, der weiß ja nicht, was er verpasst. Ich vermisse Dich auch. Sonnige Grüße Claire Ich nahm schnell meinen Block und schrieb an Claire: Liebste Claire, heute ist Freitag und wir gehen wie alle zum Basketballspiel. Ich bin ja nicht so der Ballspielfan, aber es gehört hier nun mal dazu. Vielleicht wird es ja ganz aufregend, denn ich habe herausgefunden, dass der Junge, der mich nun schon ganze fünf Tage ignoriert, Alex heißt und er spielt auch im Basketballteam. Und mit ignorieren meine ich, dass er mich nie ansieht, ( bis auf einmal) nicht mit mir spricht, wie die anderen, und zu seinem Freund gesagt hat, ich bin ein Mädchen wie jedes andere, nur mit ner begrenzten Aufenthaltsgenehmigung. Frech oder? Nach dem Spiel fahren Amy und ich mit zur Party in Scotts Haus. Mal sehen, was da alles so passiert. Sei froh, dass alle nett zu Dir sind und mollig ist nicht schlimm, Hauptsache ihr versteht euch. Bis bald. Deine Anna

Ein Sommer in Carmel

von Diane Krüger

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