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8 Wie geht es so bei Dir? Ich vermisse Dich! Sonnige Grüße Anna 2. Vorbereitungen für die Reise nach Carmel Claire steht wie verabredet um acht Uhr vor meiner Tür. Wie setzen uns auf den Balkon, denn es ist herrlich warm draußen. Jeder von uns kuschelt sich auf einen der Polyrattansessel, mit den dick gepolsterten beigefarbenen Kissen. Ich gieße uns ein Glas Wein ein und Claire fragt mich: „Und, hast du dich schon entschieden?“ „Was entschieden?“ “Wegen Carmel. Fliegst du allein?“ „Ich denke schon. Am liebsten wäre mir natürlich, du würdest mitkommen.“ “Meine Mutter killt mich, wenn wir nicht nach Schottland fliegen. Aber ich werde via Handy immer bei dir sein, versprochen.“ „Ok. Dann lass uns mal überlegen, was ich alles noch mitnehmen muss. Vier Wochen sind schnell um und nachher steh ich da und mir fehlt die Hälfte.“ „Du brauchst ein Traumhaftes Kleid, eins, wo selbst die Braut neidisch wird. Dazu passende Schuhe und besser noch ein Reservekleid oder zwei. Mann weiß ja nie. Denkst du, dass Alex auch da sein wird?“ „Keine Ahnung. Ich denke eher nicht. Damals hat es keine Verbindung zwischen ihm und Rita-Sue gegeben.“ „Hat Rita-Sue geschrieben, wen sie heiratet?“ „Nein.“ Ich stehe auf und hole Claire den Brief, den ich von Rita-Sue erhalten habe. Sie liest ihn aufmerksam. „Das soll einer verstehen. Vielleicht heiratet sie ja Alex und will dir nun zeigen, dass sie ihn am Ende doch bekommen hat.“ „Dann werde ich ganz sicher nicht bis zur Hochzeit bleiben.“, erkläre ich. „Wie hatte das mit dir und Alex noch mal angefangen?“, fragt Claire und ich erzähle ihr, wie es damals weiter ging, nachdem ich die ersten Tage überstanden hatte: Als sich meine neuen Mitschüler an der Carmel High School und auch ich, nach einigen Tagen an die Situation gewöhnt hatten, konnte ich den Flur durchqueren ohne große Aufmerksamkeit zu erregen. Mit jedem Tag fühlte ich mich sicherer und fand die Kursräume auch ohne Amys Hilfe. Alle waren sehr freundlich und hilfsbreit, bis auf Alex. Seine Ignoranz spornte mich an, ihn zu beobachten und nichts unversucht zu lassen, je nach meinen Möglichkeiten, seine Aufmerksamkeit auf mich zu lenken. Jede zufällige oder auch beabsichtigte Begegnung nutzte ich, um einen Blick von ihm zu erhaschen, was mir aber nicht gelang. Wenn es auf die Mittagpause zuging, erhöhte sich mein Puls. Ich schob es auf die geballte Menschenansammlung, aber im Inneren wusste ich, dass der Hauptgrund Alex war. Beim Essen konnte ich ihn mindesten 45 Minuten lang heimlich beobachten und hoffte darauf, dass er mich doch noch eines Blickes würdigen würde. „Was findest du nur an ihm?“, flüsterte mir Amy ins Ohr. „An wen?“, flüsterte ich zurück. „Alex, du starrst ihn die ganze Zeit an.“ „Mach ich gar nicht.“ „Doch, natürlich.“ „Sieht man das?“ Ein Sommer in Carmel

von Diane Krüger

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