Page 7

7 beruhigend die Schulter und sagte leise: „Lass dir Zeit, das wird schon.“ Ich lächelte dankbar. Der nächste Kurs, Biologie, verlief ähnlich. Ebenso der darauf folgende. Die Flut von Informationen verursachten bei mir Kopfschmerzen. In der Mittagspause führte mich Amy in die Cafeteria und wir kauften uns ein Sandwich und eine Flasche Orangensaft. Es war einer der 300 Tage in Carmel, an dem die Sonne schien und so verbrachten wir unsere Essenszeit im Freien. Die Sonne blendete mich und ich kniff die Augen zusammen. Fast blind folgte ich Amy an einen Tisch. Beim Absetzen des Tabletts rollte mir die Flasche Orangensaft hinunter und fiel auf den Boden. Ich bückte mich, um nach dem Getränk zu tasten. Mit dem Kopf unter dem Tisch hörte ich jemanden sagen: „Was soll der Aufstand wegen der Neuen?“ „Sie heißt Anna. Hast du sie heute Morgen nicht gesehen?“ „Nein. Mit Sicherheit ein Mädchen wie jedes andere, nur aus einem anderen Land, mit begrenztem Aufenthalt in den Saaten.“ „Aber sie sieht toll aus.“ Ich setzte mich wieder aufrecht hin. Die Basketballspieler vom Vormittag machten sich gerade am Nachbartisch breit und alle um sie herum, konnten ihr Gespräch mitverfolgen. „Es gibt hier viele hübsche Mädchen.“, sah ich Alex sagen, als er sein Tablett absetzte. Ungewollt schaute er mich das erste Mal an. Er zeigte sich unbeeindruckt von mir und meinem entsetzten Gesichtsausdruck und widmete sich seinem Sandwich. Ich wandte mich zu Amy und schüttelte ratlos den Kopf. „Was hat er?“ „Keine Ahnung. Sonst ist er nicht so.“, erklärte Amy ebenfalls ratlos. Die offene Ablehnung, die ich unweigerlich mit anhören musste, konnte ich nicht verstehen. Trotz Aufregung, neuen Schülern, neuen Lehrern, neuem Unterricht war dies das Einzige, was mich fortan als intensives Gefühl begleitete. Nach Schulschluss fuhren Amy und ich mit dem Bus zurück. Das erste Mal an diesem Tag, dass ich mich etwas entspannt zurück lehnen konnte. Amy bemerkte offensichtlich, dass ich den Moment der Ruhe genoss und saß still neben mir. Der Bus hielt unweit vom Haus der Larsons und Jamie erwartete uns bereits mit dem Essen. Kaum schloss sich die Haustür hinter uns erzählten Amy und ich von meinem ersten aufregenden Tag. Unsere Worte überschlugen sich und wir redeten wild durch einander. Jamie stand in der Küche und hörte uns aufmerksam und begeistert zu. Geschickt und all ihre Aufmerksamkeit auf uns gerichtet, lenkte sie uns ins Esszimmer wo Schweinesteaks mit Erbsen und Kartoffelpüree auf uns warteten. Als ich am Abend in meinem Bett lag, schrieb ich einen Brief an Claire: Liebste Claire, ist bei Dir auch alles so wie im Film? Die Häuser, die Autos, die Leute, einfach alles. Und das dann mal drei, denn es ist alles dreimal so groß, wie bei uns. Meine Gasteltern sind super. Glen Larson ist der Sheriff hier in Carmel und Jamie ist Hausfrau. Amy, meine Gastschwester ist spitze, nicht das sie Dir je das Wasser reichen könnte, aber wir verstehen uns prima und ich fühle mich hier sehr wohl. Der erste Tag in der Schule war total aufregend. Alle haben mich angestarrt und mich neugierig ausgefragt. Ging es Dir auch so? Das einzig merkwürdige war, dass ein son Typ, ohne dass ich ihm je was getan hätte oder mich auch nur eines Blickes gewürdigt hätte, abstempelt als wäre ich irgend eine Tussi aus dem Ausland und ich wäre eh nicht lange hier. Ja, glaube mir, dass hat er ganz laut beim Essen gesagt. Der spinnt total. Ein Sommer in Carmel

von Diane Krüger

/96025245-CE44-4367-BEBF-7CFFD33435  

http://www.artphoria.de/Work/7DDA8212-897D-4A0F-8EDA-F825FC3CDB07/96025245-CE44-4367-BEBF-7CFFD334354A/EA79DEB6-929C-435B-A314-6721B23BA2C6/...

/96025245-CE44-4367-BEBF-7CFFD33435  

http://www.artphoria.de/Work/7DDA8212-897D-4A0F-8EDA-F825FC3CDB07/96025245-CE44-4367-BEBF-7CFFD334354A/EA79DEB6-929C-435B-A314-6721B23BA2C6/...

Advertisement