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4 Schlaf- und Kinderzimmer in meinem Zuhause. In der Mitte standen der Herd und eine ihm angestellte meterbreite Arbeitsfläche. Darüber eine Abzugshaube und der Größe nach geordnete Kellen und Pfannenwender hingen daran. Die weißen Schränke unten und die gläsernen Fronten der Hängeschränke mussten Platz für eine Menge Geschirr bieten, wie ich es mir in Gedanken ausmalte. Das Fenster zeigte zur Strasse und kleine Kräutertöpfe zierten die Fensterbank. Die Durchgänge zum Flur und zum Wohnzimmer waren breit und ohne Türen. Das nebenan gelegene Wohnzimmer erschien mir beim ersten Betreten doppelt so groß wie die Küche. Die Front zum Hof hinaus bestand aus Zimmer hohen Fenstern und einer Tür. Eine überdachte Terrasse vor dem Wohnzimmer hielt die Sonnenstrahlen ab. Ein Esstisch für 12 Personen stand auf der einen Seite, mehrere dunkelbraune Sofas mit einem Glastisch und eine Anbauwand standen auf der anderen Seite. Familienbilder hingen an den Wänden, Babyfotos, Familienfotos, Glen und Jamies Hochzeit und schwarz weiß Fotos von vermutlich den Vorfahren der Familie Larson. Ich sah mich überwältigt um. Die trockene Hitze durchströmte trotz Klimaanlage jeden Raum und ich zog mir im Gehen die Strickjacke aus, als Amy mit mir in den Flur zurück kehrte und die Haustür anpeilte. „Amy, nicht so hastig. Lass Anna doch erst einmal richtig ankommen. Jeden Tag ein bisschen, ja?“ „Ok, dann bleiben wir hier.“, sagte Amy enttäuscht und zog mich an der Hand die Treppe wieder hinauf in mein neues Zimmer. Wir setzten uns auf die kleine Sitzbank vor dem Fenster, das zur Strasse hin zeigte. Von hier aus betrachtete ich mein neues Refugium genauer. Das Doppelbett war mit einer bunten Patchwork-Decke überzogen und mit vielen verschiedenen Kissen verziert. Auf dem kiefernhölzernen Nachtschrank stand ein großer Wecker und an den Wänden hingen Bilder mit Sonnenuntergangmotiven. Neben dem Kleiderschrank stand ein Mannshoher Spiegel, den ich beliebig verstellen konnte. Glen betrat das Zimmer und hievte meinen schweren Koffer auf das Bett. Ich bedankte mich und er verließ wortlos, aber mit einem freundlichen Nicken das Zimmer. „Darf ich dir beim auspacken helfen?“, fragte Amy höflich. „Ja, gern.“ „Ist deine Familie sehr traurig, dass du jetzt hier bist?“ fragte Amy weiter, während wir meine Sachen in den Kleiderschrank einsortierten. „Nein, sie freuen sich mit mir. Meine Mutter ist ein wenig besorgt und sie vermisst mich schrecklich, aber im Grunde ist sie sehr stolz, dass ich diese Chance bekommen habe.“, erklärte ich. „Und deine Freunde, was denken die?“ „Meine beste Freundin Claire ist jetzt in Monterrey und die anderen sind eher neidisch und wären gern selbst geflogen.“ „Hast du einen Freund in Hamburg?“ „Nein. Hast du einen?“ „Zur Zeit nicht. Aber es gehen viele tolle Jungs auf unsere Schule, es wird dir sicher gefallen.“ „Ist die Schule groß?“ „Nein, vierhundert Schüler glaube ich. Alles ganz überschaubar. So wie unsere Stadt.“ Ich atmete tief durch und lächelte Amy an. „Keine Angst Anna, ich werde dir alles zeigen und auf dich aufpassen.“ „Ich danke dir.“ Nach und nach fand ich mich in die Sprache und den Akzent ein. Ich verstand nicht immer jedes Wort, doch Amy gab sich alle Mühe, mir alles zu erklären. Ein Sommer in Carmel

von Diane Krüger

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