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11 Mit den Schuhen in der Hand nahm ich Scott den Becher wieder ab und wir spazierten weiter. Am Wasser angekommen fragte Scott, ob wir gehen oder uns setzen wollten. Ich entschied mich fürs gehen und so schlenderten wir zwei am Wasser entlang. „Du kommst aus Deutschland, richtig?“ „Ja, aus Hamburg.“ „Die Stadt kennt wohl jeder oder?“ „Ich denke schon. Warst du schon mal da?“ „Nein, ich mag Amerika, wieso soll ich woanders hin fahren.“, erklärte Scott. „Um vielleicht mal etwas anderes zu sehen?“ „Wieso? Ist es in Deutschland so viel anders als hier?“ „Ja, alles ist anders, die Menschen, die Strassen, die Häuser, die Autos, die Sprachen, das Klima.“, zählte ich auf. „Und wie sind die Menschen so? Sehen sie auch alle so hübsch aus wie du?“ „Ähm, ganz normal würde ich sagen, ich denke es gibt dort hübsche und auch hässliche Menschen, wie hier.“, gab ich an und lächelte verlegen. „Wo siehst du hier hässliche Menschen?“, erkundigte sich Scott schelmisch. „Nein, so war das nicht gemeint.“, versuchte ich mich zu entschuldigen. „Ich weiß. Das war nur ein Spaß. Anna würdest du mit mir ausgehen?“, überfiel er mich mit seiner Frage. „Ausgehen?“, wiederholte ich. „Ja, ein Date. Verabredet ihr euch in Hamburg nicht?“ „Doch, doch.“ „Na dann, geh mit mir aus.“ „Ok.“, gab ich klein bei, weil mir nichts anderes einfiel. „Super. Wie wäre es mit morgen?“ „Ja, ok.“. So ein Mist, dachte ich und lächelte ein wenig gequält. Als wir vom Strand zurück zum Haus kamen, grölten einige der Basketballspieler, die auf der Terrasse standen: „Hey Scott! Respekt, nach nur einer Woche…“ „Was meinen die?“, fragte ich verwirrt und sah dabei zu Alex, der immer noch auf dem breiten Holzgeländer der Terrasse saß. Er hielt einen Becher Bier in der Hand und linste nur hin und wieder in meine Richtung. „Jungs hört auf.“, bat Scott mit einem schelmischen Grinsen im Gesicht und wandte sich dann mir zu: „Die sind nur neidisch.“ Ich lächelte verlegen und begab mich auf die Suche nach Amy. Ich ging durch die offenen Terrassentüren hinein in den Wohnbereich vorbei an weißen Leinensofas, dem kleinen Glastisch und den edlen weißen Schränken und Regalen, die den Weg zur Essecke säumten. Ich schlängelte mich durch die Leute hindurch und durchquerte die Pendeltür zur Küche, aber auch hier war Amy nicht zu finden. Der zweite Ausgang aus der Küche führte mich in einen Flur, von dem aus die Tür zur Toilette und zum Wohnzimmer abgingen. Ich betrat erneut das Wohnzimmer und hörte Amy rufen: „Anna, hier!“, Amy winkte mir von einer Korbsitzecke zu, die an einer der Glasscheiben zur Terrasse stand. Ich setzte mich zu ihr und Amy fragte: „Und, was habt ihr gemacht? Geknutscht?“ „Nein, natürlich nicht. Wir sind nur spazieren gegangen und haben geredet.“, rechtfertigte ich mich. „Scott und reden? Na das ist ja eine ganz neue Seite an ihm.“, Amy kicherte leise. „Wieso?“ „Na die anderen Mädels hier, würden sonst was drum geben, wenn sie mit Scott an den Strand könnten um zu ‚reden’.“ Ein Sommer in Carmel

von Diane Krüger

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