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Hört, hört, jetzt wird es mal wieder politisch - und nicht nur unterschwellig, sondern ganz offensichtlich. Ja, was kostet es denn eigentlich, seinen Willen zu bekommen? Seinen politischen Willen? Kostet es das Kreuzchen bei der Wahl oder sogar gelegentliches Demonstrieren? Erreicht man damit ernsthaft etwas? Wie könnte die Antwort auch anders lauten: Jain. Wählen ist eine prima Sache und auch Demonstrieren kann durchaus sinnvoll sein. Am effektivsten scheint es jedoch zu sein, den Politiker seines Misstrauens Vertrauens einfach zu bestechen. Dass ich das hier so direkt schreibe liegt daran, dass selbst mir da keine Beschönigung mehr einfällt, die das Ganze noch halbwegs verständlich belassen würde. Wir reden von Bestechung. Von Korruption. Vom Sieg des Kapitals über den Rest ohne Kapital. Wie auch immer man es nennt und dreht oder auch wendet: Bestechung ist in Deutschland legal. Jedenfalls die Bestechung von Politikern, um genau zu sein: Abgeordneten. Wie bitte? Gab es da nicht mal so ein Gesetz geben? Ist das vielleicht abgeschafft worden, irgendwann zwischen Karl Guttenbergs Aufstieg, der WM und dem Volkstrauertag? Nein, das gibt es immer noch. Es hat nur einen Haken. Eigentlich sogar zwei. Wenn ich sage: Hey, ich bestech dich nicht, mein Politikerfreund, nein, das Geld ist nämlich nicht für dich, sondern für deine Frau, damit sie sich teure Kleider und schnelle Autos kaufen kann - oder: Das Geld ist doch nur für deine Tochter, die macht doch grade einen Führerschein, da wäre so als dreingabe ein chices Auto nicht schlecht, oder? - oder, oder oder: Dann ist das legal. Es ist ebenfalls legal, wenn die Bestechung nicht im Parlament oder einem Ausschuss stattfindet, sondern irgendwoanders. Ja, selbst Politiker existieren jenseits dieser Sphären - manche haben sogar ein Privatleben! Unvorstellbar, aber wahr! Doch bleiben wir beim Thema...


Wie viel kostet Ihr Abgeordneter? Interessiert das jemanden? Nö, nicht wirklich. Dass man diese Frage überhaupt so stellen kann, interessiert hingegen sehr. Das hat sich auch der Inhaber der Seite Initiative § 108e gedacht und beschlossen, von seinen Rechten als Bürger Gebrauch zu machen und eine entsprechende Petition an den deutschen Bundestag zu richten. Gut, eine Petition ist im Prinzip auch nur ein "Bitte, bitte, liebe Politikerleinchen, guckt euch mal das Thema hier an, das finde ich spannend..." und letztlich entscheidet immer noch der Bundestag darüber, ob das Ganze in Ablage P verschwindet oder eventuell sogar eine größere Debatte draus wird. Wer sitzt noch einmal im Bundestag? Richtig Politiker. Und um was geht es hier? Richtig, um die Bestechung von Politikern. Theatralisch und wutbürgerlich wie man heutzutage eben zu sein hat, sucht man sich an dieser Stelle am besten eine freie Ecke und heult sich erst einmal ein paar Stunden darüber aus, wie schlecht die Welt doch ist und unser Land insbesondere. Man kann über seine Traer auch ein Gedicht verfassen. Oder zusehen, dass man in den Club reinkommt, der so einfach an Geld kommt. Man kann es aber auch lassen und einfach mal nachdenken. Ja, eine Petition an sich ist nicht viel. Aber: Es gibt noch etwas, das Politiker interessiert, abgesehen von Geld (und sogar abgesehen von noch mehr Geld). Wähler. Dieses unbekannte Ungetüm, dem man irgendwann in seiner Schulzeit mal begegnet ist. Der Wähler, Sprössling des Homo Sapiens, wohnhaft in Häusern, Wohnungen und Zimmern. Manchmal auch ohne Wohnsitz. Ich möchte niemanden schockieren, ich weiß, die meisten halten es immer noch für ein Gerücht - aber er existiert! [Pause, um den Schock verarbeiten zu können, die Haare wieder vom Berge zu bekommen, die Gänsehaut zu vertreiben und sich einen Müsliriegel zur Stärkung zu organisieren.] Wenn also tatsächlich jeder, den es interessiert, beweisen würde, dass er mehr als nur hohle Stammtischparolen drauf hat und sein Wortschaft nicht nur aus "ist ja eh alles Scheiße" besteht, dann besteht eine reale Chance, dass auch diese Petition etwas bringt. Denn: Sogar eine gute Sache kann eine Interessengemeinschaft hervorrufen. Ich werfe mal das böse, böse Wort in den Raum: Eine Lobby. Und damit legen sich Politiker eigentlich weniger gerne an - außer, es gibt eine Lobby, die noch größer ist. Warum schwafel ich also? Ist das hier ein Aufruf, diese verdammte Petition zu unterschreiben, damit ich endlich Ruhe gebe? Nein. Ruhe gebe ich sowieso nie und ein direkter Aufruf ist denke ich nicht nötig. Ich halte jeden, der imstande ist, diesen Text zu lesen, für intelligent genug, selbst zu entscheiden, ob die Korruptionsbekämpfung eine Unterschrift wert ist.Wie genau das funktioniert, erfährt man problem- und gefahrlos auf der oben verlinkten Internetseite: http://108e.de/


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