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Beziehungs-weise (1) Bei einem Streifzug durch die unendlichen Weiten des Internet, stolperte ich durch Zufall über eine Anti-Frauen-Initiative. Die Tatsache, dass es derartige Initiativen gibt, stimmte mich nachdenklich. Ich kam nicht umhin mich zu fragen, was es mit den Geschlechtern auf sich hat, dass wir uns gegenseitig auf eine derart plumpe Art gegeneinander aufhetzen? Wie kann es sein, dass wir uns dermaßen voneinander angezogen, jedoch gleichzeitig gleichermaßen missverstanden fühlen? Ist die Kluft zwischen dem starken und dem schwachen Geschlecht tatsächlich so unüberwindbar, wie es manchmal scheint? Oder gibt es vielleicht doch noch Hoffnung auf eine Art Völkerverständigung im Krieg zwischen Östrogen und Testosteron? Liegen die Unterschiede in unseren Hormonen begründet, oder formen moderne Gesellschaften das Bild von Mann und Frau? Was macht uns so unterschiedlich, und warum scheint es praktisch unmöglich diese Unterschiede zu überbrücken? Männer und Frauen reagieren nicht selten auf ein und dasselbe Signal völlig kontrovers. Ist unser Gehirn Schuld an der Misere? Nehmen wir die Fakten. Zum Beispiel den Hippocampus. Hinter diesem einschüchternden Namen steckt das Gehirnareal, in dem wir Erinnerungen und emotionale Ereignisse ad acta legen. Hier werden detaillierte Geschehnisse unserer Empfindungen gespeichert. Diese Information allein ist uninteressant. Betrachtet man jedoch die Tatsache, dass dieser Bereich im weiblichen Gehirn vergleichsweise viel größer ausfällt, als er es im männlichen tut, wird die Sache plötzlich interessant. Bei Männern ist wiederum das Areal für das sexuelle Verlangen doppelt so groß wie bei Frauen, auch wenn manch eine moderne Frau das vielleicht nicht ganz glauben mag. Die Unterschiede zwischen Mann und Frau beginnen bereits im fötalen Stadium, also im Mutterleib selbst. In der achten Schwangerschaftswoche wird der Embryo, natürlich nur sofern es sich um einen männlichen Embryo handelt, von Testosteron geflutet. Die Zugabe dieses Hormons bewirkt Veränderungen im Gehirn. Wenn man es genau nimmt, bedeutet das, dass Männer und Frauen genau acht Wochen ihres Lebens tatsächlich vollkommen gleich sind. Nach dieser vergleichsweise kleinen Zeitspanne fangen wir an, uns zunehmend von einander zu entfernen. Das jeweilige Gehirn wappnet sich für seine Aufgaben in der großen weiten Welt. Bei Frauen stehen Kommunikation, Gefühlsleben und Nähe im Vordergrund, bei Männern hingegen, sexuelles Verlangen, Aggressivität und räumliches Denkvermögen. Wissenschaftler sprechen sogar bereits vom männlichen und weiblichen Gehirn.


Evolutionstechnisch betrachtet, sind diese Unterschiede sehr sinnvoll. Zumindest waren sie es einmal. Während der Mann Mut, Aggression und räumliches Denkvermögen brauchte, um wilde Tiere zu erlegen, gebaren und erzogen Frauen den Nachwuchs, lehrten ihm sprechen und gaben ihm und dem Mann den nötigen Halt. Ärgerlich ist nur, dass die Zeiten sich so drastisch geändert haben. Männer erlegen keine wilden Tiere mehr, sie kaufen sie luftdicht abgepackt beim Aldi, während Frauen Karriere machen und unabhängiger werden. Vielleicht ist das der Dreh- und Angelpunkt. Vielleicht liegt der Kern des Problems nicht in den Hormonen, sondern in der Tatsache, dass wir sie nicht mehr so dringend brauchen. Männer haben früher für das Überleben der Familie gesorgt, sie waren die unangefochtenen Familienoberhäupter. Je weniger Frauen von Männern abhängig sind, desto unnutzer fühlen sie sich. In modernen Gesellschaften kann angeblich jeder alles tun. Was, wenn unser Gehirn aber nicht dazu bereit ist, jeden alles tun zu lassen? Steuern moderne Gesellschaften in eine verkehrte Welt? Immer mehr Frauen nehmen sich das Recht frei zu entscheiden, was sie wollen. Sie machen damit dem Mann einen bis dato ihm geburtsmäßig zustehenden Platz streitig. Männer sehen sich heute mit Haushalt und Kindererziehung konfrontiert, während Frauen ihre sexuelle Lust entdecken, und plötzlich sind die Rollen durcheinander. Früher war eben alles einfacher. Nehmen wir einmal an, Männer wären Wasser, und Frauen Öl. Diese beiden Substanzen lassen sich nicht Mischen. Sie sind heterogen. Öl schwimmt auf Wasser. Und selbst dann, wenn man die Flüssigkeiten zu mischen versucht, wird man feststellen, dass es nicht funktionieren wird. Heute hingegen, scheint zu dieser wunderbar eindeutigen Mischung aus Wasser und Öl ein Schuss Seife gestoßen zu sein. Die Seife vermischt diese zwei sehr verschiedenen Flüssigkeiten zu einer einheitlichen. Diese verwirrte Mischung sind wir. Und weil Männer nun mehr im Haushalt helfen, müssen wir Frauen manchmal noch mehr aufräumen, als zuvor, weil im Gegensatz zu unseren Männern, wir genug Zeit hatten zu lernen, dass man bereits während des Kochens aufräumen kann. Und weil Frauen heutzutage nicht mehr schweigsam auf den Beifahrersitz verbannt werden, müssen die Herren schon entschuldigen, dass unser räumliches Denkvermögen nicht so gut ausgebildet ist, wie ihres, denn in diesem Fall fehlt uns die Erfahrung tausender Jahre rauer Wildnis. In unserer Höhle hat zweidimensionales Denken völlig gereicht. Vielleicht sind wir sehr unterschiedlich, vielleicht scheint es sogar manchmal, als sprächen wir unterschiedliche Sprachen. Doch vielleicht würde ein wenig Verständnis für das jeweils andere Geschlecht tatsächlich zu einer Art Völkerverständigung führen. Wenn die Herren unter Ihnen also in Zukunft eine Frau sehen, die den Stadtplan umdreht, lächeln Sie doch


einfach in sich hinein, oder helfen Sie ihr. Und wenn die Damen unter Ihnen mit einem Mann ein wortreiches Gefecht abhalten, denken Sie an ihre kommunikative Überlegenheit, und vielleicht halten Sie sich bei Zeiten etwas zurück und lassen ihn auch zu Wort kommen. Vielleicht verstehen Männer nun ein wenig besser, warum Frauen sich so unendlich viele vielleicht unwichtig anmutende Kleinigkeiten merken und deswegen überreaktiv enttäuscht sind, wenn sie es andersrum nicht so genau nehmen mit Geburts- oder Jahrestagen. Meine Herren, Sie können davon ausgehen, dass Ihre Frau, Freundin oder Partnerin viele Details von Ihnen weiß, die Sie im Gegenzug nicht wissen. Frauen sind nicht wirklich so viel geheimnisvoller, sie erwarten nur, dass Sie genau so gut zwischen den Zeilen lesen können, wie sie es meist automatisch tun. Gleichberechtigung ist eine feine Sache, solange man sie nicht mit Gleichheit verwechselt. Denn eins steht fest. Wir sind nicht gleich. Wir sind erschreckend unterschiedlich. Aber seien wir einmal ehrlich. Das ist doch auch gut so, oder?


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