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Machofantasien

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Fieber,

Wahn

und

Horror


eBook

Verlag art of arts

Machofantasien Fieber, Wahn und Horror

Geschichten und Gedichte im Septett mit

Karl-Heinz Franzen Machofantasien

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Alle Gedichte und Erzählungen von der ersten Seite bis zu der Schlussseite sind von mir, dem Autor Karl-Heinz Franzen, im Septett mit meinen im Inhaltsverzeichnis genannten Mitstreitern, für die ich hier im Übrigen auch verbindlich spreche, frei erfunden. Ähnlichkeiten mit noch lebenden oder schon verstorbenen Personen oder Handlungen oder Ereignissen sind rein zufällig und auch nicht beabsichtigt. Dieses Buch ist für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren nicht geeignet, da es nicht frei ist von Gewalt, makabrem Grusel und freizügigem Umgang in Worten und Handlung zur zwischenmenschlichen Sexualität geschrieben ist. Auch Erwachsene, die von etwas zarterem Gemüt sind, sollten vom Lesen dieses Buches Abstand nehmen. Das ist keine Effekthascherei, sondern meine wohlmeinende Überzeugung. Sämtliche Veröffentlichungsrechte liegen bei dem Autor/den Autoren. --☺--. Ach so, wenn von den lieben Lesern gesprochen bzw. geschrieben wird, dann sind natürlich alle im weltlichen Leben vertretenen Geschlechter gemeint. Last but not least ist hier Dank geschrieben an RA Ingo Franzen www.faktor-it.de, der stets mit helfender und sorgender Hand dafür die Verantwortung trägt, dass das Notebook und der PC immer gefechtsbereit ihren Job verrichten. Dank gilt auch Henning Franzen, der die Illustrationen (entnommen aus dem Buch meines bestens Freundes „60 Jahre. Der private Schnüffler stellt sich … Illustrationen Zuckerpuppe und C.B.) geliefert hat. Die Rechte an den veröffentlichten Texten liegen beim Autor. Vervielfältigungen zum Zwecke der Veröffentlichung – Publikationsrechte liegen beim Verlag art of arts. Alle Rechte vorbehalten. Verwendung zum Zwecke der Weiterveröffentlichung darf nur mit ausdrücklicher schriftlicher Genehmigung des Verlages und des Einverständnisses des Autors erfolgen. Der Verlag sowie der Autor übernehmen keine Haftung bei unsachgemäßer Verwendung und Verbreitung und den eventuell daraus entstehenden Folgeschäden. Für Druckfehler keine Gewähr. Nachdruck oder Vervielfältigung nur mit Genehmigung des Verlages gestattet. Die Verwendung oder Verbreitung unautorisierter Dritter in allen anderen Medien ist untersagt. Die jeweiligen Textrechte verbleiben beim publizierenden Autor, dessen Einverständnis zur Veröffentlichung vorliegt. Für Druckfehler keine Gewähr. Bibliografische Informationen der Deutschen Bibliothek. Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie – detaillierte bibliografische Daten über http://dnb.ddb.de abrufbar.

Original-eBook Erstausgabe 2011

ISBN 3-940119-66-0

ISBN 978-3-940119-66-7 Herausgebender Verlag: art of arts Inh. Frederic Bartl, Forchheim ehrenamtliche Geschäftsführung: Silvia J.B. Bartl Satz, Layout, Illustration, Gestaltung, Cover Design: art of formation - Silvia J.B. Bartl Autor: Karl-Heinz Franzen Herstellung und Vertrieb: virtueller Verlag art of arts - created in Germany -

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Horror


Lesen Sie vor dem Lesen der Erzählungen und Gedichte das Inhaltsverzeichnis. Fühlen Sie sich von den Titeln angesprochen, dann lesen Sie bitte neugierig geworden weiter. Sprechen Sie die Titel nicht an, dann schlagen Sie die eBook-Datei einfach zu und entsorgen Sie es in Ihrer virtuellen Tonne (PC-Papierkorb). Oder aber: Schreiben Sie eine freundliche Widmung über dieses eBook für Ihren ärgsten „Freund“ und schenken Sie ihm meine Erzählungen und Gedichte. Ich bin sicher, dass Sie so oder so begeistert sein werden. Machofantasien

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Des Autors Vita Einführendes Vorwort

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Und hier die Komponisten und Musikanten zu diesem Septett:

Rattenfänger

Seite 17 bis 56

Ach, Du schöne Apothekerin, ach Die Apothekerin Entenbraten Der Kopfstoß Ente süßsauer Promenadenszene Die Flucht der Sylter Austern Die Nacht Ich bin bereit Dem Teufel die Seele Gift´ gen Duft

johannf

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Seite 57 bis 110

Vollmond. Der Jogger Vollmond. Zwischen Triumph und Marterpfahl Vollmond. Japanische Tradition Vollmond. ICE 1514 Vollmond. Sinfonie Nr. 10 und Milchreis Vollmond. In der Enge Vollmond. Ein Flockenblick hinter die Schneekulissen Vollmond. Quietschende Reifen Vollmond. Geliebter Stufenschnitt

Lackaffe

Fieber,

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58 64 73 82 89 93 94 103 106

Seite 111 bis 167

Tante Johanna. 1. Gereimtes Porträt Tante Johanna. 2. Ein Auge zudrücken, oder? Tante Johanna. 3. Gartenarbeit Tante Johanna. 4. Krankenhaus Tante Johanna. 5. Gartenvergnügen Tante Johanna. 6. Sommersprossen Tante Johanna. 7. Fräulein Dübel Tante Johanna. 8. Der lange Arm zum Heimatblatt

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Wahn

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Tante Johanna. 9. Tanzen Tante Johanna. 10. Geburtstag Tante Johanna. 11. Abschlussball Einfach zack Träumend in den erwachenden Tag Die linke Straße

Karl-Heinz Franzen

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Seite 169 bis 379

Vogelnest. 1. Angenehm, oder? Vogelnest. 2. Sie war einfach da Vogelnest. Hefeweizen Vogelnest. Das Bildnis Vogelnest. Der rote Hahn Vogelnest. Eine Kleinigkeit Vogelnest. Heraus aus dem Boot Vogelnest. Offenbart Vogelnest. Und sei es im Stall Das blaue Haus. 1. Gereimtes Vorwort Das blaue Haus. 2. Zwischen den Wassern Das blaue Haus. 3. (Noch) Zwischen den Wassern Das blaue Haus. 4. Besuch aus New York Das blaue Haus. 5. Kalle ist sauer Das blaue Haus. 6. Kultur und Poppen Alltag. Haben Sie reserviert? Alltag. Felix Glück Alltag. Vielleicht sind Metzgers verreist Alltag. Zum Schluss Euphorie. To whom it may concern Alltag. Im Sog der Großstadt Alltag. Hör´ zu (Vorspiel/Hauptakt/Nachspiel) Unter Freunden Erich, des Lebens Lauf und Ritas Stutenmilch Hans. Des Glücklichen Protokoll Bittersüß Unersättlich sein Mitten drin Zwiegespräche Marie zickt nicht mehr Marie, Marie. Über den Tag hinaus … Klick, klick, klick Klick, klick, klick … zum Zweiten

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Klick, klick, klick … zum Dritten Alltag. Kurzschluss Alltag. Nina und Petra. Ein Bericht ohne Moralanspruch Alltag. Ein ganz normaler Samstag … Vormittag Lucky Punch. Osterwünsche Hohes Risiko Rückwärtige Betrachtungen Kathrin Ein feiner Kollege Herbert, Du zuerst Prolog. Vollmond. In der Enge. Vollmond am 28. April 2010 Knospen an der Trave Und was ist neu daran? Eine Charakterstudie

summerKHF

Der private Schnüffler

Wahn

und

Horror

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381 384 385 386 387 388 389 393 396 400 403 407

Seite 411 bis 461

Vorstellung der Mitspieler für die Neuankömmlinge Zufälle zahlen nicht in bar. Mein fünfzehnter Fall Peter Marquardt. Mein sechzehnter Fall Der Einkauf So was erschüttert aber auch Die Begegnung Stark ausgeprägte Ähnlichkeiten

Fieber,

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Seite 380 bis 410

Gesucht und gefunden. Ein Fragment Guter Menschlein Schein. Ein Kinderlied Der Freude Ursprung Für ewig Gestern, heute. Gestern, morgen Heiliger Mohr Falsch gelüftet Zum Grinsen für ein verkorkstes Herz Sein oder nicht sein. Niederschrift wider den Verstand Die Rache. Die erste Variante. Zum Nachdenken Die Rache. Die zweite Variante. Keine Wiederholung Perfekter Service

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Und noch einmal johannf ...

Seite 462 bis 509

zwischen den Vollmonden ... Der Held Bis dass der Tod euch scheidet Bist Du bereit für die Ewigkeit? Die Prothese Die Nasen Reiselust Ferdinand allein zu Haus Das Depot Die Versichertenkarte Hey Joe. Eine Stippvisite in den Wilden Westen Augenblicke Von Anfang an Der Kühlschrank

Schatzgräber

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Seite 510 bis 534

Gekonnt Was ich täglich kreuzige Ohne Lehen Auf dünnster Scholle Unbeschwert Bittersüß. Edelweiß Ihres Schlosses Purpur Der Bart Der Hüter der Gerechtigkeit Nur eine lächelt unentwegt Zärtlich im Gespann Am Horizont Haare im Wind Die Blöße bloß Wellens Matten In brüft´ger Stund Das Protokoll Vor dem Bildschirm Und noch einmal zum guten Ende: Der Siegerhahn

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Verlagsworte

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Des Autors Vita Mein Name ist Karl-Heinz Franzen. Ich bin am Tage der ersten Bundestagswahl, nachdem beide Eltern am Nachmittag noch ihr Kreuzchen pflichtgemäß abgegeben haben, nach dem Abendbrot geboren. Das geschah in Heiligenhafen an der Ostsee / Kreis Ostholstein. Dort lebte ich rund 23 Jahre und zog dann mit Renate B. nach Lübeck. Die Arbeit zog uns beide dann über Hamburg und Bonn nach Berlin. Auf dem Wege wurden wir Eltern von zwei prächtigen Söhnen und sind inzwischen Großeltern von ebenso drei wunderschönen Enkelkindern. Nach den üblichen Schreibversuchen in der Studentenzeit, und so zwischendurch immer mal wieder, habe ich mich als frühzeitiger Pensionär Ende 2006 allmählich in die Autorenwelt hineinsaugen lassen und hänge nun im Spinnennetz der Geschichten und Gedichte aus meiner eigenen Feder. Nach wie vor lese ich sehr gerne. Meine Lieblingsautoren auf den Wegen sind geblieben Goethe, Schiller, Heine, Busch, Grass, Thomas Mann, Edgar Allen Poe, mittlerweile auch Joseph Roth, und so einige mehr. Musikalisch begleiten mich hauptsächlich Beethoven und Mozart, die Rolling Stones und die Beatles und auch hier noch so einige mehr. Von den ‚einige mehr’ möchte ich ausdrücklich Bryan Ferry mit erwähnen. Meine Autorenpage im Internet: www.kh-franzen.de würde sich über Ihren Besuch sehr freuen

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Einführendes Vorwort Sehr geehrte Leserinnen und Leser, es ist uns zum zweiten Mal gelungen, ein Interview mit dem in der lesenden Bevölkerung völlig unbekannten Autor, Herrn Karl-Heinz Franzen, zu organisieren. Er ist ständig in die Fälle des „ach, so menschlichen Lebens verstrickt“ und gilt als äußerst zurückhaltend, ja scheu, gegenüber allen Fragern, insbesondere denen aus der Medienlandschaft. Umso mehr freuen wir uns darüber, dass wir ihn nun aufgespürt, überzeugt? und vor das Mikrofon gelockt haben. Womit locken wir einen Macho und Ewigen Hahn. Selbstverständlich mit: Gaaak, Gack, Gack, Gack, Gaaaaaak! Herr Karl-Heinz Franzen hat im Übrigen sein Einverständnis dazu gegeben, dieses Interview als einführendes Vorwort zu seinem dritten Buch ungekürzt zu veröffentlichen. Er bleibt der Überzeugung treu, dass seinen Ruf nichts, aber auch rein gar nichts, ruinieren kann. Wann und wo sind Sie geboren? Alberne Fragen. Dieses ist das dritte Buch/eBook, in dem ich einen wesentlichen Teil mitgestalte! Das wurde ich jetzt schon zweimal gefragt. Nein, dreimal. Zuerst auf dem Arbeitsamt im Juli 2006, glaube ich, ja 2006 auf dem Arbeitsamt war das. Sie staunen? Ah, ja? Also, es ist der 14. August 1949 gewesen. Der Ort? Ja, ja. Der Ort. Der Ort ist mir entfallen. Könnte aber in Heiligenhafen an der Ostsee gewesen sein. Dort empfinde ich so etwas wie Heimatgefühle. Schildern Sie kurz Ihren Werdegang! Nein! Welche zentrale Botschaft gibt es in Ihrem dritten Buch/eBook? Machofantasien

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Ich bin kein Botschafter. Ich bin Schriftsteller. Außerdem ist es, wie betont, nicht mein drittes Buch/eBook. Dieses Buch/eBook ist komponiert und musiziert im Septett mit meinen Autorenkollegen. Was ich hier im Interview ausdrücklich betonen möchte. Meine sechs Kollegen konnte ich allerdings nicht für dieses Interview gewinnen. So sind die von Ihnen aufgezeichneten Worte für das einführende Vorwort ausschließlich meiner Person zuzuordnen. Besonders wichtig ist mir zu betonen, wenn Sie schon nach einer Botschaft fragen: Es erscheint doch immer wieder höchst erstaunlich, zu welchen gedanklichen Verwicklungen menschliche Wesen sich fähig zeigen. Es gilt einmal mehr, niemandem und keinem, so auch nicht uns, den geringsten Glauben zu schenken. Ha, ha, ha. Hier die Autoren des Septetts in der Reihenfolge ihres Auftritts:

Rattenfänger, johannf, Lackaffe Karl-Heinz Franzen, summerKHF Der private Schnüffler, noch einmal johannf, Schatzgräber Wann und wo schreiben Sie am Liebsten? Auf dem roten Wohnzimmersofa mit Blick in den Garten und im Garten unter dem blühenden Blauregen. An Gewässern. In Wäldern. Auf Sitzbänken irgendwo im Freien ... ja, hin und wieder auch unter den Daunen einer Bettdecke liegend. Niemals während meiner Aufgaben als ‚Ewiger Hahn’, ha, ha, ha. Wie sieht ein Tag in Ihrem Privatleben aus? Ich schlafe, esse und schreibe. Manchmal gehe ich auch unter die Dusche. Recht regelmäßig zur Toilette und … wie bereits erwähnt, habe ich meine Aufgaben als der ‚Ewiger Hahn’, ha, ha, ha.

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Wie kamen Sie zum Schreiben? Ich bin handwerklich für den Hausgebrauch und den Garten begabt. Auch bin ich in diesen Aufgaben kein Pedant. Also sitze ich meistens irgendwo herum und … Zum Schreiben? Ach, ja! Durch den Fritzen vom Finanzamt. Der wollte genau belegt haben, warum ich meine Ausgaben für den PC, das Notebook und das Papier zu meinem Tagebuch von der Steuer abgesetzt wissen wollte. Das ginge, so er, zum Beispiel nur unter bestimmten Bedingungen für schriftstellerische Recherchen. Nun gut. Seitdem recherchiere ich in allen Bereichen des menschlichen Miteinanders und … ha, ha, ha, veröffentliche meine privaten Aufzeichnungen … und setze sie ab als berufliche Ausgaben. Spiegelt sich Autobiografisches in Ihren Aufzeichnungen wider? Das werde ich immer wieder gefragt. Aber ich bitte Sie, hundertprozentig. Bis ins kleinste Detail. Das soll ich übrigens an dieser Stelle ausdrücklich für meine Kollegen Autoren an Sie gerichtet mit betonen. Da meine/unsere Bücher niemand liest, kann ich es hier für uns so öffentlich verraten. Ansonsten bekäme ich / bekämen wir von der Steuer, bis auf die Protokolle, die Der private Schnüffler schreibt, in diesem Buch der fünfzehnte und der sechzehnte Fall, nichts zurück! Pssst … und auch die dreckigen Erzählungen zum makabren Grusel und den sexuellen Ausschweifungen sind absolut schwindelfrei! … Wie lange hat es gedauert, bis Sie einen Verlag gefunden haben? Der Verlag hat mich gefunden. Welches erfolgreiche Buch/eBook hätten Sie am liebsten selbst geschrieben?

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Das von meinem besten Freund. 60 Jahre. Der private Schnüffler stellt sich … Haben Sie bereits Literaturpreise gewonnen? Literaturpreise sind reine Marketingspielchen der großen Verlage. Sie spiegeln selten die Qualität eines Buches wider. Ich vermag darauf nicht zu spekulieren. Haben Sie ein Lebensmotto? Ja! Vielen Dank für das Interview! Bitte! Und grüßen Sie Ihre Familie … Sie haben bestimmt eine!

Anmerkung des Moderators nach dem Interview: Das vorliegende Buch/eBook: Machofantasien. Fieber, Wahn und Horror. sollte ursprünglich heißen: Der ewige Hahn. Kikeriki … Machofantasien … zynisch, menschlich und dreckig … Davon haben die Autoren nach längerer Diskussion Abstand genommen, weil … das habe ich in der Erläuterung nicht wirklich verstanden und lasse es weg. Das vorliegende Buch/eBook gibt den Leserinnen und Lesern wieder einen tiefen Einblick in das Leben und Werden der bis heute immer noch weltweit unbekannten Zeitgenossen und Schriftsteller. Das vorliegende Buch/eBook gibt auch der allseitigen Hoffnung die Versicherung, dass sich dieses so alsbald nicht ändern wird. Aber dessen ungeachtet für die nach diesen offenen Worten noch schwankenden Insider: Lesen Sie. Lesen Sie! Lesen Sie! Viel Spaß

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beim Schmökern dieser Erzählungen aus dem Wirken und Streben – gefasst in Prosa und Reimen. Sie sind wie entnommen aus dem Leben einerseits introvertierter Eigenbrötler und andererseits umtriebiger Machos und zeigen so ein Abbild der Sehnsüchte und Wünsche unserer Lebenseinstellungen, unseres Zeitgeistes auf.

Das direkt folgende Gedicht hat der Autor Karl-Heinz Franzen während des Interviews verfasst und uns zum freien Abdruck für dieses einführende Vorwort überlassen:

Der Siegerhahn Ein Gockel hat nur eins im Sinn, Kikeriki, Kikeriki, er schaut gern zu den Hennen hin, Kikeriki, Kikeriki. Lang reckt er den Hals zum Krähen, Kikeriki, Kikeriki, rot bläst er den Kamm zum Stehen, Kikeriki, Kikeriki. Die Hennen scharren und gackern, Kikeriki, Kikeriki, und hören den Zweiten rackern, Kikeriki, Kikeriki.

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So kommt dann auch, was kommen muss, Kikeriki, Kikeriki, erst ein Duell und dann der Schluss, Kikeriki, Kikeriki. Der Klügere gibt frei die Bahn, Kikeriki, Kikeriki, die Hennen tritt der Siegerhahn, Kikeriki, Kikeriki.

Dieses nun folgende Buch/eBook des Septetts ist gewidmet der Mutter von Karl-Heinz Franzen, Frau Elfriede Franzen, geboren am 18. April 1927. Sie sollte es zu ihrem 84sten Geburtstag in den Händen halten können. Am Nachmittag des 14. Dezember 2010, Glockenschlag um 17:07 Uhr, klopfte, sicher der Adresse, bestimmt fordernd, Gevatter Tod an ihre Lebenstür und nahm sie mit sich fort in sein unendliches Schattenreich. Machs gut Mutter!

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Ach, Du schöne Apothekerin, ach Ach, Du schöne Apothekerin, ach, blaue Augen zu dunkler Haare Pracht, auf das Rezept gibst Du mir Medizin, und ich spüre heiß Deiner Blicke Macht. Frau Doktorin sagt, ihr Herz, der Rhythmus, Frau Doktorin sagt, zu viel Druck dem Blut, Frau Doktorin sagt, hier ist das Rezept, Frau Doktorin sagt, davon wird es gut. Ach, Du schöne Apothekerin, ach, Du wärst für mich die rechte Medizin, ich holte jeden Tag eine Dosis, das Herz wäre Dein und der Druck hätt´ Sinn. Frau Doktorin bitte, noch ein Rezept, Frau Doktorin bitte, es streikt das Herz, Frau Doktorin bitte, der Druck ist hoch, Frau Doktorin bitte, das ist kein Scherz. Ach, Du schöne Apothekerin, ach, ich komme noch heut´ und dann nicht wieder, ach, Du schöne Apothekerin, ach, ohne Rezept bleib' ich zweiter Sieger!

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Die Apothekerin Hallo, Ihr lieben Leute, ich sitze hier auf dem neuen vorgebauten Ponton des alten aber neuen Segelhafens, vier wunderbare Sitzbänke stehen darauf, auf einer sitze ich und schaue natürlich sehr natürlich auf den Segelhafen mit seinen rund tausend Segeljachten und einer ansehnlichen Anzahl von Motorbooten. Ich atme die gefühlte Unabhängigkeit eines Freizeitkapitäns - ja, auch auf dieser verlängerten Promenade der Seglerpromeniermeile. Vor Jahren bin ich in jedem Sommer mehrmals so als Küchenmamsell oder Hilfsruderführer oder „Fender klar zum Anlegen“ oder Shantysänger Segeltörns auf der deutschen und dänischen Ostsee mitgesegelt. Und auch in den französischen, spanischen und kroatischen Mittelmeergewässern durfte ich in dieser untergeordneten leitenden Stellung an Bord wunderschöne Stunden und Tage versegeln. Oh, wow. Ich komme so richtig ins Schwärmen und Träumen und vom Thema ab. Vielleicht noch so viel, weil ich gerade dabei bin. Meistens waren wir so vier bis sechs Leutchen unterschiedlichen Alters aber gleicher Interessen. Nämlich: segeln, segeln, segeln und nochmals segeln … und Kameradschaft auf engstem Raum. So auf 12 bis 26 Fuß Länge, je nachdem, wie gut unsere Gemeinschaftskasse zum Chartern der geliebten „Planken, die die Welt bedeuten“ gefüllt war. Apropos Fuß und Länge. Ich setzte doch meine Füße in Bewegung zur Länge des Weges, als ich heute Morgen in der Küche so ein grauenvolles Fauchen vernehme, eile zum Fenster und sehe „direkt“ vor ihm so ein kleines Luftschiff schweben mit zwei Leutchen unter ihm platziert. Die sitzen unter ihm in so einem Drahtgeflecht. Heizen eifrig ein Feuer in das Luftschiffchen und wärmen damit die auf dessen Gummibauch lächelnde wunderschöne, dunkelhaarige Bikinischönheit. Sie aalt sich dort unbeeindruckt von der fauchenden Glut Machofantasien

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und der Höhe. Sie lässt sich unentwegt, schmollmundig ihre schneeweißen Zähne zeigend, durch die Luft umhergleiten wie eine Königin der Lüfte, die sie wohl auch ist. Apropos gleiten. Die Sonne prallt mir auf diesem Ponton in voller Hitze aus dem Süden auf den Kugelschreiber und das Papier, und ein leichter Nordwest bläst mir ziemlich kalt in den Nacken. Wer wird siegen? Die Sonne oder der Wind aus Grönland? Ihr siegt, meine lieben Leser. Ich halte für Euch den Gegensatz aus, obwohl mich ein leichter Druck auf die Blase zum Weiterfahren auf dem Drahtesel verleiten will. Willensstark bleibe ich auf der Bank sitzen und lasse den Kugelschreiber, mal mit sanftem mal mit festem Druck, über das Papier gleiten. Neben mir … mehr gegenüber mir … schwafelt gerade eine mittelalterliche Dame ins Handy und glaubt, dass ihre Tochter sie nicht nur hören, sondern auch sehen kann. Obwohl, mit meinem Handy geht das schon. Aber nicht mit dem alten Gerüst, dass die Quasselstrippe dort drüben in der Hand hält. Außerdem erzählt sie, dass heute Sonntag ist. Apropos Sonntag. Ich glaube in wenigen Sekunden auch, dass es Sonntag ist. Während ich hier so sitze und so für Euch schreibe, sagt eine mir nicht unbekannte Stimme „Hallo“ und ebenso „Darf ich mich zu Ihnen setzen?“ Ich bin nicht sonderlich gewillt, von dem Papier und meiner Euch zu erzählenden Episode aufzublicken … und ich blicke auch nicht auf und … wie Ihr Leser es ja beim Lesen dieser Worte merkt, schreibe ich weiter und weiter. „Heute Morgen waren Sie aber freundlicher zu mir“, sagt das Wesen neben mir zu mir herüber und … Im Grunde fühle ich mich nicht angesprochen, und ich lasse mich auf meiner Sitzbank, auf dem vorgelagerten Ponton mit Blick auf Stadt, Segelhafen und pralle Sonne von vorn und eisigem Nordwest im Nacken auch nicht von Osten her ansprechen. Also blinzle

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ich, sodass die mich ansprechende Person von nebenan das nicht so unbedingt mitbekommt, mit dem linken Auge, so gut ich das hinbekommen kann, in Richtung Stimme und … Apropos und … Was ich jetzt schreibe, das ist natürlich ein Rückblick, denn während des Blinzelns fing mein Herz förmlich an zu blubbern, und der Druck aufs Blut, so wie die Frau Doktorin sagte, war so hoch, dass ich ganz gegen die jahrelangen Erfahrungen mit dem weiblichen Geschlecht sofort glühte wie eine Osrambirne, besser noch wie ein Lampenladen. Nein, noch eher wie ein Vulkan. Sie lächelte mich unter dunklen Haaren, blauen Augen, etwas zu spitzbübischer Nase, mit lila- oder pink, ich kann mir einfach den Unterschied nicht merken, geschminkten Lippen an. Und in der Mitte der etwas unregelmäßigen weißen Beißerchen zeigten sich zwei süße Schneidezähne, die einem Häschen zur Ehre gereicht hätten. Ja, was soll ich Euch noch so erzählen, was in der Öffentlichkeit einer wirklich wahren Begebenheit möglich ist? Das ist so einfach nicht, denn in so einem kleinen Städtchen stelle ich ein so zartes Geschöpf weiblicher Reiznatur sofort an den Pranger. Aber im Grunde sollte es mir wurscht sein, denn was ich von ihr preisgebe, gebe ich auch von mir preis. Schließlich müsste ich dann doch auch das Geschwätz aushalten, dass dieser strahlend blaue Samstagnachmittag, der sich wie ein Sonntag verhält, erst am nächsten Morgen nach starkem Kaffee, Brötchen mit lecker Honig und kirschiger Marmelade (fast) endete. Dass ihre Füßchen unter dem Frühstückstisch die meinen suchten und sich zwischen den Schienbeinen in eine Zone manövrierten, die ein erfahrener Segler in seinem Heimathafen sozusagen im Schlaf ansteuert. Apropos Schlaf ansteuert. Uns war jetzt gar nicht danach, und so wurde es dann doch Mittag an diesem wunderschönen SonntagMachofantasien

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morgen. Apropos Sonntagmorgen. Dieser Morgen hatte auch einen Nachmittag, der vom Wetter her gesehen genauso war wie gestern. So wie beim Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“ oder so ähnlich hieß er, wo sich alles, alles, ja fast alles wiederholt. Auf jeden Fall bin ich mit meiner Episode so gut wie durch. Dass da was war, spüre ich mit einem leichten Kribbeln genau in der Zone, Ihr wisst schon, wo sie als Kapitän mich während des Frühstücks ansteuerte. Hm.Hm.Hm. Außerdem krault sie mich sehr liebevoll im Nacken, sodass der Kugelschreiber in nicht nur leichter Brise schwankt. Ich hoffe doch sehr, dass die Schrift für Euch lesbar bleibt. Eine Apothekerin weiß doch eben ganz genau, was die rechte Medizin ist. Apropos rechte Medizin. Ich wollte Euch gestern von den ungefähr tausend Gänsen berichten, die sich nordöstlich vom Segelhafen, so in einer kleinen stillen Bucht, angefunden hatten und einen gehörigen Gänselärm veranstalteten. Gänse sind die rechte Medizin für die Seele, so pflegte mein Großvater zu sagen, während er stundenlang mit seinem Wehrmachtsglas, dass er als kleine Erinnerung an seinen Russland-Feldzug mit nach Hause genommen hatte, wohl jede einzelne Gans betrachtete. Apropos Gans betrachtete. Meine kleine Gans, die Apothekerin mit den dunklen Haaren und den blauen Augen, hat flugs aus dem wieder bieder gewordenen, rezeptlosen Arztgänger, einen flatternden Gänserich gezaubert. Blödsinn. Nicht gezaubert. Der Gänserich ist verzaubert. Großvater hatte mal wieder recht.

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Entenbraten Hallo, Ihr lieben Leser. Ich darf Euch vielleicht erzählen, dass sich das Wetter in der letzten Woche von seiner erfindungsreichsten Seite gezeigt hat. Es hat gestürmt, geblitzt, gedonnert, geregnet. Zwischendurch waren kleine Trockenpausen und dann aufs Neue, das soeben erzählte. Ja, und genau so, wie es draußen tobte, so war es in dem kleinen Appartement meiner Apothekerin. Wir waren eine Woche so gut wie besinnungslos und hatten alle Hände voll zu tun, die Haut zu kühlen. Ich stelle mir so den Anfang der Welt mit der glühenden Lava vor, die überall blubbert und brodelt und zischt. So kam aber doch der Tag, er fiel genau mit dem ersten blauen Himmel nach diesen Wetterübungen zusammen, dass wir vor die Tür mussten, um wieder zu atmen, und ein paar neue Vorräte für den Brotkasten und den kleinen Kühlschrank zu beschaffen. Mit dem Luftholen wollten wir beginnen. Und so gingen wir schnurstracks zum Segelhafen, wo vor genau einer Woche der Startschuss fiel. Vielleicht sollte ich noch wiederholen, dass mein Großvater väterlicherseits eine Vorliebe für Gänse hatte, mein Vater liebte die Schwäne und ich? Ich liebe die Enten. Enten, Enten, Enten. So, die eine oder andere hat in Holz oder Keramik oder Metall ihren Weg in mein kleines, heimatliches Reich gefunden. Keine ausgestopften Tierchen. Nein, das könnte ich nicht ertragen. Der Duft von Currywurst kam uns schon von Weitem aus dem kleinen Kiosk am Hafen entgegen und mir lief, da ich für mein Leben gerne Currywurst mit Pommes frites und Ketchup und Mayonnaise esse, das Wasser im Munde zusammen. Meine süße Apothekerin war aber dafür nicht zu haben, und so zogen wir an diesem „Fünfsternerestaurant“ vorbei. Eine Reihe von Wasservögeln schwammen

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und tauchten und schnatterten im Segelhafen umher und so auch eine kleine Entenfamilie. „Da hole ich uns jetzt ein paar Tierchen heraus, den Hals umgedreht, die Federn gerupft und ab in den Bratofen!“, so ich plötzlich und unvermittelt und … ich weiß auch nicht, wohl etwas unkontrolliert. Ausgezehrt von den Naturgewalten der letzten Woche und entsprechend empfindsam für einen solchen Leckerbissen, erhielt ich von meiner Apothekerin einen heftigen Stoß mit dem Ellenbogen zwischen die Rippen und … Ihr glaubt es nicht. Sie beherrschte jetzt völlig unbeherrscht drastische deutsche Schimpfwörter, die ich Euch ersparen will. Das war ein Gewitter aus heiterem Himmel. Aus. Vorbei. Ende. Was heute Morgen noch wie eine endlose Geschichte aussah, krachte in sich zusammen, ziemlich genau dort, wo ich so schräg gen Osten ein erstes Blinzeln zu ihr warf und mein gebeuteltes Herz das Blubbern begann. Weg war sie mit den nächsten Schritten. … „Gehen Sie doch mal zur Seite, ich bin Arzt!“ „Was wollen Sie, ich bin auch Arzt!“ „Na, so ein Zufall, dann sind wir jetzt drei Ärzte.“ „Nun, gut, mein Herr, fangen Sie an.“ So ungefähr bekam ich es mit, als ich von den Marmorplatten der neuen Hafenpromenade zaghaft aufblickend mich wieder ins Leben blinzelte. „Er kommt zu sich.“ „Hat jemand die 112 benachrichtigt?“ „Mo-ment, Moment, wir sind drei Ärzte hier. Wir werden schon wissen, wann die 112 kommen muss. Bitte, gehen Sie doch endlich weiter.“

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Doch der Kreis von schätzungsweise zwanzig bis dreißig neugierigen Spaziergängern oder Segelfreunden löste sich nur zaghaft auf. „Seine Augen sind noch weit weg.“ Na, soviel ich dazu sagen kann, so weit weg waren sie gar nicht, denn was sie so von unten nach oben gerichtet erblickten, wollte wohl den Schleier erklären. Was soll ich Euch noch viel erzählen. Mal so einfach aus den Latschen zu kippen, ist immer wieder auch einmal vorteilhaft. Jedenfalls auf der Promenade eines Segelhafens. Oder in Berlin im KADEWE, oben im sechsten Stock an der Austernbar. Dort stehen, wie hier auf der Seglermeile, sofort drei bis zehn Ärzte bereit. In der einen Hand den Fender oder die Austern zum Schlürfen und in der anderen Hand dein Gelenk, um deinen Puls zu fühlen. Ehrlich, Ihr Leute, wenn Ihr das noch nicht erlebt habt, dann probiert es mal aus. So eine Anleitung zur Ohnmacht könnte ich auf Nachfrage … Also, die Menschenmenge am Segelhafen löste sich schleppend und diskutierend auf. Und ich? Ich saß jetzt mit den drei Ärzten, von denen sich zwei alsbald auf ihre eigenen Boote verabschiedeten, und einer sehr besorgten Seglertochter vor einem Glas Wasser und lächelte wieder. Calypso. Hamburg. Für vierzehn Tage bei uns im Hafen gebucht. Nein, ich hätte doch zu keiner Zeit den Entchen den Hals umgedreht, oder?

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Der Kopfstoß Die Orangen glänzten mich an. Ja, wir sind heute im Angebot pro Kilo abgepackt. Ja, ja, ja, ich kenne euch Anbieter. Haut die Dinger kiloweise ins Netz und jedes Mal ist mindestens, aber mindestens, eine faule Orange dabei. Das hatte ich gestern bei den Tomaten. Diesen niedlichen kleinen runden Dingern. Raus aus dem Plastik-Set, und was sehe ich, als ich die geliebten Früchte herumdrehe? Zwei davon gespalten und angefault. Das war durch den dunklen Plastikboden nicht zu erkennen gewesen. Und so eine ältere Dame am Obststand, die alle Früchte begrapschte … was ich davon halte: wir sind doch nicht in Südeuropa … als würden sie ihr gehören, riet mir, unbedingt diese zu kaufen. Drückte zur Bestätigung auf meine einplastinierten Tomaten und lächelte mich an. Allerdings habe ich mich nicht getraut, die roten Dinger zurückzulegen. Hätte ich es nur getan, oder? Aber zurück zu den Orangen. Ich esse nicht so gerne Orangen oder auch andere Schalenfrüchte. Wie vermutet, geht die Schale bei meinen Fressobjekten jedes Mal so schwer ab. Als hätten die sich auf mich eingeschossen. Der Saft spritzt überall hin. Die Finger werden klebrig. Die Saftspritzer fliegen im hohen Bogen auf die Tischdecke, die Klamotten, an den Lampenschirm, und wenn du die Dinger dann endlich im Mund hast, dann sind sie mittlerweile ausgepresst und so gut wie strohig und trocken. Aber das Angebot ist so verlockend, und die Orangenprinzessin auf den Aufklebern lächelt mich hundertfach bezaubernd an, und? Wissend um meine Schwäche, das kann ich nur vermuten. Ihr Marketingstrategen, die ihr in den Raumpfeilern sitzt und uns beobachtet, ja uns, peinlich genau. Ihr habt über jeden von uns eine Akte angelegt. Und der ältere Herr mit dem Fußball-Cappy, das bin ich, der fliegt auf lächelnde Plakatschönheiten. Ja, ja, ja … In Ordnung. Macht einen Haken an mein Protokoll. Ich nehme drei Beutel Lächeln mit.

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Dort, zu Hause, bei mir, in der Obstschale, dort kannst du dann ganz alleine für mich lächeln, und mit deinen regelmäßigen weißen Zähnen durch verlockende rote Lippen strahlen. Ich stelle dir dazu Beethovens fünftes Klavierkonzert an. Karajan dirigiert das Berliner Symphonie Orchester und Alexis Weissmüller verzaubert am Klavier. Dann wirst du nicht nur lächeln, meine Plakatschönheit. Also ab, ab, ab in den Einkaufswagen. Und dort drüben, seht, die Pflaumen, die auch Zwetschgen heißen. Ich habe die Marktfrau auf dem letzten Wochenmarkt gefragt. Alle Zwetschgen sind Pflaumen, aber nicht alle Pflaumen sind Zwetschgen. Ihr kennt mich, Ihr lieben Leser, Ihr müsst jetzt befürchten, dass ich Euch einen Vortrag über den Unterschied zwischen Zwetschgen und Pflaumen halte. Das werde ich natürlich nicht. Wen interessiert es schon? Außer mich? Wen interessiert es schon, dass Zwetschgen die Pflaumen sind, die auch wie Pflaumen aussehen. Auweia. Auweia. Diese Pflaumen sind rund, so violett, so kräftig gebaut. Ja, fassen sich noch richtig frisch an. Auweia. Auweia. Auweia. Hoffentlich liest diese Geschichte niemals die Alte von vorhin am Gemüsestand. Jetzt habt Ihr es gemerkt? Ja, mit festem Fleisch. Wenn der Kern nur mit Gewalt aus dem Fruchtfleisch zu entfernen geht. Das Fruchtfleisch ist noch leicht bitter, dann schmeckt es für mich und meinen sensiblen Gaumen, lecker, lecker, lecker. Wohlgemerkt: für mich. Oder diese Pflaumenqualität zum Aufkochen mit leicht mehligen Äpfeln. Solche Äpfel, bei denen ich ein Ekelgefühl bekomme, wenn ich in sie hineinbeiße, so weich sind sie. Aber mit Pflaumen zu Kompott gekocht, da sind sie absolute Spitzenklasse. Das Kilo zu Euro 1,99. Nun gut. Ich packe also Stück für Stück betastet, geprüft mit den lieblichsten Vorstellungen für den späteren Verzehr an. Das kleine Loch in der Plastiktüte lässt zwei von den Köstlichkeiten zum Boden entweichen, und ich bücke mich flugs hinterher. Habe ich mir doch schon mit so viel Sachverstand, denn nach und nach versucht ein jeder zu lernen, Machofantasien

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das zarte Tütchen von diesem komischen Gerät gezogen. Ihr findet es heute nahezu in jedem Supermarkt, Ihr habt es alle schon probiert, und doch: Ein Loch im Beutel hält nun einmal nicht dicht. Plumps, Plumps, und ab auf den Boden. Das ist jetzt Fallobst, denke ich noch, und ich war einen klitzekleinen Augenblick versucht, es anderen Kunden nachzutun. Was? Na klar. Wie Uwe Seeler. Schuss und unter die Latte. Hier natürlich die des Obststandes. Ihr, Ihr lieben Leser, spielt doch auch wie Uwe Seeler, oder? Nun, ich werde die beiden Superpflaumen aufheben und in die Kiste zurücklegen. Obwohl, ich habe es vor einigen Tagen in der Zeitung gelesen, dass der Kunde für den Schaden, den er in einem Geschäft, wie zum Beispiel in diesem Supermarkt, verursacht, aufkommen muss. Also müsste ich die Pflaumen, das Fallobst also, mitnehmen und bezahlen. Oder ich könnte mit dem Filialleiter sprechen, ihm die angedetschten Pflaumen zeigen und …? Vielleicht hätte er ein Einsehen und schenkte mir die gefallenen Pflaumen zum sofortigen Verzehr, damit sie an der Kasse nicht mitgewogen werden. Obwohl, ungewaschen könnte ich die Pflaumen nicht essen, dann bekäme ich auf der Stelle einen Ausschlag und blühte wie … ja, ich weiß nichts Vergleichbares zu benennen. Jedenfalls bekomme ich solche roten Plustern an den Nasenflügeln. Ein ehemaliger Kollege von mir, der Rudolf Lindenthal, konnte sich mit einem Biss in den Apfel lähmen. Ja, wirklich. Wenn der den ersten Apfelbissen gekaut und Abmarsch frei in den Magen gegeben hatte, dann wurde zuerst die Unterlippe taub, dann wurden die Beine schwach, er begann zu schwanken, und dann musste er sich hinsetzen. Eine Stunde später war er meistens wieder einigermaßen „gut“, wenn er zur Entlastung den Finger in den Hals gesteckt hatte und ... Ihr wisst schon, was! Wir haben ihn einmal, so nach fünf Glas Pils, dieser Pils lähmte ihn anders, aber das ist eine andere Geschichte, überreden können zu einer Vorführung. Ach, Ihr lieben Leser, Ihr glaubt es kaum, dieses alles und noch viel mehr, ging mir in der kurzen Zeit des Bückens durch den Kopf. Wobei es lediglich ein halbes Bücken war. Erstaun-

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lich nicht? Also, so auf halber Tiefe des Bückens zum Boden, zu den beiden Pflaumen, zu dem Fallobst, angekommen, gab es einen heftigen Bums, Knall und Sterne vor die Augen, dann eine kurze Dunkelheit, zurückweichen und … Ihr werdet es nicht glauben. Nun habe ich doch wirklich jeden längeren Umweg in Kauf genommen. Die gewohnten Einkaufszeiten auf „für Berufstätige uneinhaltbar“ gelegt, und? Ja, ich gehe jetzt auch in den teuren Supermarkt. Alles das habe ich bis zu diesem Bums, Knall und Sterne vor die Augen und kurze Dunkelheit … erfolgreich durchgehalten. Ihr ahnt es schon? Ja? Ja, es stimmt! Vor meinem flimmernden Sternenhimmel taumelt sie. Presst ihre Hand gegen die Stirn unter dunklen Wuschelhaaren und blinzelt mich aus diesen meeresblauen Augen an. Die Apothekerin! Ich stürme sofort zum Regal gegenüber, wo gerade im Sonderangebot, noch ein Sonderangebot, Gartengeräte angeboten werden. Ja, Gartengeräte im Lebensmittelmarkt. In diesem Moment zur rechten Zeit und punktgenau hilfreich. Steht das vielleicht auch schon in meiner Akte, Herr Marketingstratege, du, da hinter der Wand des Pfeilers? Also, als nützlich erweisen sich die blechernen Blumentopfspaten, von denen ich mir zwei schnappe. Einen für die Apothekerin und einen für mich. Zum Pressen und Kühlen aufzulegen auf die Bumsstellen. So tanzen wir zur Freude der in solchen Fällen immer anwesenden, gaffenden Rentner und Rentnerinnen umher und verschlucken alle Schimpfworte, die normalerweise bei solchen Karambolagen in die Luft entweichen müssten. Das mag die Zuschauer ärgern, die mehr erwartet haben. So aber verteilt sich die Ansammlung unerwartet schnell wieder mit den Einkaufswagen auf die die Gänge der ewigen Verlockungen und Laster. Vielleicht sollte ich wiederholen, Machofantasien

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dass am hiesigen Segelhafen oder in Berlin, im KDWE, sofort im Team aller Fachärzte um uns herum versammelt gewesen wären. Nun gut. Sie waren auch nicht nötig, und den Test mit einer vollendeten Ohnmacht wollte ich mir ersparen. Ihr wisst doch warum! Nein? Das war der kleine Unfall am Segelhafen. Der Apothekerin bereitete ich beim Spazierengehen, rein theoretisch, einen Entenbraten vor. Bums, Fall, Ohnmacht und … ich war ohne Apothekerin, aber hatte mir die segelnde Arzttochter „eingefangen“. Diese Arzttochter zeigte sich nun wirklich als eine super Frau. In den vierzehn Hafentagen haben wir uns jeden Tag auf dem Boot getroffen. An drei Segelwettertagen durfte ich auch mit hinaus zu einem kurzen Törn „vor die Haustür“. Sie bewies so gewandte Umgangsformen. Formen, ja Formen, wie sie durchaus Männerherzen, und so auch meines, begeistern können. Und so gebildet. So echt hanseatisch und so echt hanseatisch gebildet. Eine echte Hamburgerin. Gebürtig! Kenner wissen, dass ein Hamburger dazu in der dritten Generation an der Elbchaussee das Licht der Welt erblickt haben muss, ja muss. Ansonsten läuft mit „gebürtig“ gar nichts. Die Urahnen meiner Arzttochter haben schon bei der Gründung der Handelskammer Hamburg mitgewirkt … und das ist immerhin nahezu dreihundert Jahre her. Wer rechnen kann, wird herausfinden, wie viel Generationen Gene über Gene das sind. Da liest du den Shakespeare wie andere die Dreigroschenromane. Allerdings unterscheiden sich die literarischen Inhalte zu damals nicht sonderlich. Mensch bleibt Mensch. Was gibt es da schon Neues zu beschreiben? Aber die Worte, die Worte und die Gedanken, niedergeschrieben by Heine oder Goethe. Nein, Goethe, Heine, Schiller. Da werden Weiber zu Hyänen. Absolut spannend. Sechzehn Uhr dreißig. Tea time. Eine Zeremonie. Darin könnte, das vermute ich jedenfalls, sogar die Queen sich wiederfinden. Wow. Ihr Doktorpapa, natürlich der Eigentümer einer Privatklinik für … natürlich für standesge-

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mäßes Aufpolieren der menschlichen Oberflächen, bekam jeden Tag feuchte Augen ob der Leuchtkraft dieser herrlichen Frau, seiner Tochter. Also, keine Ohnmacht im Supermarkt, sondern eine Einladung zum Cappuccino. Zur Apothekerin. Ich verbrenne mir an dem Cappuccino, wie jedes Mal, denn unter der Sahne ist es lodernd heiß, die Lippen und die Zunge und den Schlauch zum Magen. Sie lacht. Sie kennt das. Das ist mir bei dem Nachmittagstee noch nie passiert, und außerdem wird der mit abgespreiztem kleinen Finger getrunken und nicht so plump aus der Faust … so als hätten wir in der Wohnung zehn Grad minus auszugleichen. Die Apothekerin strömte mir ihr zärtlichstes Mitleid zu. Es wirkte absolut echt. Na, ja. Eben Apothekerin. Wir zeigten uns gegenseitig unseren Holzschaden an der Stirn und lachten, kicherten, alberten herum. Sehr zum Ärger der Mieter um uns herum, und es klopfte von allen Seiten. Komisch, als damals andere Geräusche aus diesem Zimmer kamen, war es rundherum um uns mucksmäuschenstill. Ich denke, Ihr lieben Leser, Ihr hättet Euch an meiner Stelle auch zu einem Cappuccino einladen lassen, oder? Nein? Es ist nicht mehr zu ändern. Ich habe es getan. Und dazu? Na klar. Ich habe ihr die gesamte Segelgeschichte erzählt. Parallel zu unserer Ausgelassenheit und der Vertraulichkeiten, begann mein durchgerüttelter Holzklotz hinter der Schadstelle wieder zu arbeiten und fragte mich gehässig, wie er nun einmal strukturiert ist, und immer beharrlicher, ob unser Zusammentreffen ein Zufall war! Oder hatte sie mich ausgeforscht? Ha, ich könnte es verstehen! Sie ist mir bei geeigneter Gelegenheit hinterher? Mein Bücken war die Gelegenheit für sie? Nein, nein und nochmals: Nein! Das Loch in die Plastiktüte habe ich zwar mit Sachverstand aber ungeschickt selbst gerissen. Was wäre gewesen, hätte ich mich zwischendurch, einfach mal so, weil mich ein Sonderangebot anlächelte, umgedreht? Machofantasien

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Die Sonderangebote und auch die anderen Waren stehen zwar immer am gleichen Ort, damit ein Verlaufen ausgeschlossen ist. Aber Männer wissen das nicht. Und wenn sie es wissen, dann merken sie es nicht. Das wissen Frauen. Auch Apothekerinnen. Und die Gefahr für sie, von mir vorzeitig entdeckt zu werden, war riesengroß. Mein Gott, mein Gott, sind mir zu dieser wahnsinnigen Idee doch kluge Worte eingefallen, oder? Oder war der Bums so folgenschwer … Doch lest ruhig weiter. Ein wenig bleibt in dieser Kopfstoßepisode noch zu erzählen. Egal, wie es wirklich war. Ich bin auf der Hut und eine Spur misstrauisch. Höflich, wie ich nun einmal bin, und das nicht erst seit meiner Segelbootlehrzeit, frage ich auch sie nach den Erlebnissen in der Zeit ohne mich und stelle fest, dass ich ihr fehle. Wow. Um den Graben zwischen uns noch geflutet zu halten, erzähle ich ihr, dass ich jeden Tag einen Brief aus Hamburg erhalte, und? Ja, wir telefonieren auch jeden Abend dazu und lesen uns auch etwas aus der klassischen Literatur vor. Ja, ich jetzt auch. Mal sie, mal ich. Immer reihum. Manchmal schreiben wir uns danach auch noch ein Gutenacht-Mail. Nein. Manchmal ist gelogen. Wir schreiben uns zu jeder Nacht ein Gutenacht-Mail. Das hat sie alles bei mir nicht vermutet und lässt spontan ihre Freundin erkranken und lädt mich auf die nun freie Karte zu dem morgigen Klavierkonzert ein. Beethoven. Das Dritte und das Fünfte. Auweia. Wow. Auweia. Nein, ich kann morgen Abend nicht als Ersatz für ihre Freundin einspringen. Nein, das geht wirklich nicht. Soll ihre Freundin sich ein paar Pillen mehr einwerfen und sich wärmer anziehen. Ich? Ich wüsste garantiert keine Krankheit, die mich von dem Konzert abhalten könnte. Komm, komm. Die Liebe zu meiner Hamburgerin ist keine Krankheit. Ihr lieben Leser, oder doch? Ihr konntet mir nicht helfen, und so hatte ich meine Entscheidung hilflos, hilflos, wie ich bei solchen Gelegenheiten nun einmal bin, ganz alleine zu treffen. Ja, wir telefonieren jeden Abend pünktlich von 20.30h bis 21.30h. Dann

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kommt nämlich der Papa aus der Klinik. Ne, habe noch keinen Abend ausgelassen. Dafür gab und gibt es auch keinen triftigen Grund. Jedenfalls bisher nicht. (Alfred Brendel und Beethovens Klavierkonzerte Nummer Drei und Nummer Fünf. Das ist wie, ja wie? Das ist als wie wenn, so würde der Hamburger sagen, das ist als wie wenn Beethoven persönlich dort an dem Flügel säße. Das ist als wie wenn Topf und Deckel. Das ist als wie wenn Kopf und Arsch. Das ist als wie wenn Rubinstein und Chopin. Jedenfalls für mich. Obwohl, der Wladimir Askenazy … das ist die Lösung, wenn auch …) „Du, der Alfred Brendel ist wirklich ein Ausnahmepianist. Ehrlich klasse. Der Krankheit Deiner Freundin ist wirklich nicht zu verzeihen. Ich könnte heute Abend Karin fragen, ob sie von Hamburg, ist ja ´ n Katzensprung, bei der Chance mit dem Auto hierherkommt. Ihr geht dann zusammen. Wenn ich ganz ehrlich bin, dann passen für mich der Askenazy und der Beethoven besser zusammen. Sorry, aber ist doch eine gute Idee, was?“ Was soll ich Euch jetzt noch viel erzählen, Ihr lieben Leser? Ich kaufe wieder als wie wenn zu alt gewohnten Zeiten ein. Ich kaufe auch wieder in allen mir vertrauten Läden ein. Wieso? Da staunt Ihr, was? Ja? Meine Apothekerin und ich? Ja, wir winken uns freundlich zu, wenn wir uns zufällig sehen. Und? Ja, ja, ja, ach so. Ich telefoniere abends nicht mehr. Meiner Literatur- und Musik- und für alles und jeden Fall als-wie-wenn-Professorin habe ich ein Mail geschrieben, dass ich ihretwegen eine Einladung zu einem Konzertabend mit Alfred Brendel, von mir genannt „Der Beethoven“, abgesagt hätte. Ich fühlte förmlich durch den Draht, wie sie, die Kunstkennerin, in Liebe zu mir erglühte. Dann verpasste ich ihr den kalten Guss, und sie erstarrte augenblicklich. Machofantasien

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„Nach reiflicher Überlegung, meine Liebe, kann ich es mir niemals verzeihen, dass ich die Einladung nicht angenommen habe. Wir können jederzeit telefonieren. Doch Alfred Brendel tritt von der Bühne ab. Nie mehr live. Bei aller Wertschätzung für Dich … Auch ein Briefwechsel oder gar ein Telefonat könnten diese Wunde nicht mehr schließen!“ Genial, was? Ich war wieder frei. Danke Alfred Brendel. Danke Wladimir Askenazy. Danke, ihr gefallenen Pflaumen. Manchmal denke ich, dass solch ein Kopfstoß in einem Supermarkt, direkt an einem Pflaumenregal, doch sehr heilsam sein kann, oder?

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Ente süßsauer Genial, nicht wahr? Das muss gleich zu Anfang dieser Episode noch einmal betont werden. Geschickt hatte ich die Situationen aus „Der Kopfstoß“ für- und mit- und gegeneinander genutzt. Es wäre mir selbstverständlich, das könnt Ihr mir glauben, besonders äußerst peinlich gegenüber diesen beiden Virtuosen auf dem Klavier gewesen. Wenn Brendel auf dem Klavier Beethoven spielt, dann ist es mir, als ob Beethoven dort säße. Wenn Ashkenazy Beethoven spielt, dann ist es mir, als ob Beethovens bester Schüler, sein Lieblingsschüler, ihm vorspielt. Versteht Ihr, Ihr lieben Leser, was ich meine? Wenn ja, dann ist es gut. Wenn nein, dann ist es auch gut. Denn Ihr hattet Euch ja nicht, so wie ich, aus einer zweifachen Klammer zu lösen. Wladimir hin. Alfred her: Und ich war sowohl befreit von der Apothekerin als auch von der hanseatischten aller Hanseatinnen. Wer meine Episoden unter dem Zeichen der Apotheker fleißig lesend mit verfolgt hat, der weiß, dass mich zunächst die Apothekerin in ihren Bann zog. Eine am Segelhafen gesichtete Ente verlockte mich zu der spontanen Idee eines Entenbratens, den ich sofort der Apothekerin kundtat. Dieses kulinarische Angebot reizte sie so sehr zu spontanem Ekel und zu körperlicher Gewalt an mir, dass ich ohnmächtig zu Boden schlug. Diese Ohnmacht wiederum warf mich schlussendlich in die gebürtige Hochkultur der Hanseaten in der verführerischen Form einer Arzttochter. Einem Töchterchen, das mit ihrem Vater auf dessen Segeljacht, die hier zwischen den Pfählen, Blicke anziehend, fachmännisch vertäut lag, jedermann im Hafen begeisterte. Doch das erfuhr ich erst so nach und nach … und konnte es sehr gut nachvollziehen. Es war eine wirklich sehr interessante Erfahrung für mich, dass eine Machofantasien

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tief gehende, ja intensive Beziehung, ausschließlich in Form des kulturellen Fleisches geistiger Konsistenz sich glühend, flammend, verzehrend und lockend entfalten kann. Ja, dass ich geradezu gefesselt war von dem Gedanken, dass wir uns am Telefon, am Mail auszutauschen pflegten. Goethe, Schiller, Beethoven und Mozart. Nein, nein, nein. Wir bewegten uns nicht nur mit den unendlichen Erkenntnissen und Datenströmen des World Wide Web in der Welt vor runden 200 Jahren, nein. Wir analysierten sehr wohl die Rolling Stones, die Beatles, den gesamten Prozess des Pop und Rock und Blues. Wir verglichen sehr wohl Thomas Mann, Bertold Brecht, Günter Grass, Heinrich Böll, Dittsche und Der private Schnüffler. Doch eines wurde mir dabei unumstößlich durch meine süße Professorin klar: Die Reinheit des Umfeldes, die Klarheit der Gedanken, der Genuss, kein Produkt der alles und jedes gedachten Gedanken zu sein, finden wir wohl nur noch unverfälscht beim guten alten Dante in seiner Göttlichen Komödie, dem Ursprung allen Schaffens. Nahezu seit dessen genialen Ergüssen ist meine Arzttochter gebürtig in Hamburg. Also kein Wunder, sondern Gene, Gene, Gene. Ach, Ihr lieben Leser, so wie mich mehr oder weniger urplötzlich am Segelhafen das hochgeistige Gut ereilte, so war ich auch von jetzt auf gleich nicht nur erfüllt, sondern abgefüllt und sehnsuchtstrunken nach Einsamkeit und nach selbstständigem Denken. Da kam mir dann das einmalige und letztmalige öffentliche Konzert von Alfred Brendel als Waffe sehr gelegen. Danach? Ach, wie gemütlich habe ich mich auf dem Sofa ausgestreckt. Ach, wie genussvoll habe ich Glas um Glas einen vorzüglichen roten Bordeaux aus dem Jahre 1996 getrunken. Ob das Jahr 1996 ein gutes Weinjahr war? Was weiß ich, ob das Jahr 1996 ein gutes Weinjahr war. Mir tat der Rote richtig gut. Mir schmeckte der Saft der roten Traube nicht nur, sondern er mundete vorzüglich. Ja, ich muss dazu auch noch sagen: Nach den Turbulenzen der jüngsten

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Zeit schmeckte mir sogar mein selbst gekochtes Essen lecker; und nicht nur mir. Mein Himmel un Ääd war selbst zu meinen Nachbarn mit verführerischen Düften hinüber geschlichen. So unter Zäunen und Fenstern, Türen und Ritzen hindurch, hinein über Münder, Zungen und Nasen auf die Essenszellen und … Hunger, Hunger, Hunger. So koche ich heute, also richtig am heutigen Tag, für Mutter, Vater und Tochter nebenan mit. Ein guter Freund, der mich vor einiger Zeit gute 14 Tage besuchte, hat mir zu meinen Nachbarn folgendes Gedichtchen hinterlassen:

Blick zum Nachbarn Des Nachbars Tulpen eine Pracht, die Rosen knospen nun mit Macht. Des Nachbars Blumenbeet, es strahlt, Stiefmütterchen wie hingemalt. Des Nachbars Kirschbaum blühet weiß, der Apfelbaum mit gleichem Fleiß. Des Nachbars Garten, vorbildlich, weil er zu ihm fast mütterlich. Des Nachbars Kind, wollt ihrs raten? Es steht dort links, dort am Spaten! Wie mit des Künstlers Hand gemalt, schuf der Nachbar wie Eden strahlt.

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Die Tochter wirkt in hölzern Pracht, hier zeugten and´rer Gene Macht. Einen Buckel, krumme Beine, Ohren wie dem Esel seine. Auch die Nase wie ein Säbel, drunter Härchen wie Clark Gable. So spendet Dir unsre Natur, ein knarrend Brett und auch Purpur.

Ich halte seinen Eindruck zu meiner Nachbarschaft für außerordentlich übertrieben. Wirklich. Wahr ist, dass mein kleiner Garten hinter dem Haus von dieser Nachbarschaft sehr profitiert. Meine Nachbarn legen mit Hand an in meiner Natur. Kaum lasse ich mich mit Gartengeräten sehen, dann stehen schon helfende Hände bereit. Ratschläge fliegen sowieso über den Zaun oder kommen direkt durch das nie verschlossene Gartentor. Ich war sogar für einen städtischen Preis vorgesehen. Ja, wirklich. Ich bin allerdings zu den Juroren hin und habe denen gebeichtet. Feine Art von mir, oder? Gut, dass sie dafür von meinen Birnenbäumen, meinen Himbeeren, meinen Stachelbeeren, meinem Rhabarber profitieren, ist nur recht und billig. Übrigens, das Kompott aus den Supermarktpflaumen mit den Äpfeln meiner Nachbarn, gekocht von der Nachbarin Tochter Hand: einfach unschlagbar. Wirklich. Unschlagbar. Und noch nebenbei: die Kirschen zum Grießpudding. Da könntest du schon beim Anblick wirklich die Selbstbeherrschung verlieren. Unschlagbar ist auch der von ihr aus deren Äpfeln gekochte Apfelmus, der nun wiederum unabdingbar zu meinem heute zu kochenden Gericht gehört.

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Meine Zutaten für Himmel un Ääd: Das alles sind die ungefähren Mengen für meine drei Nachbarn und mich und für den immer ungeplant eintreffenden Besuch. Wenn kein Besuch kommt und ihr oder die Nachbarn gar nicht mehr mögt, dann freuen sich Hunde, Katzen und wer hat … Möwen. 1000 g Kartoffeln 1,5 l Wasser 10 g Salz 1000 g Äpfel … Für den Mus prima sind Äppel, die auf jeden Fall vom Nachbarn stammen müssen … 2 El Zucker 2 El Zitronensaft 150 g Speck 5 - 7 Zwiebeln 300 ml Milch 50 g Butter, 1 Tl. Salz 1000 g Blutwurst 1000 g Leberwurst

Meine Zubereitung: Kartoffeln schälen und vierteln und kochen. Wenn die Kartoffeln dann gar sind, dann stampfen und mit Milch, Butter und Salz zu Püree schlagen. Zum Apfelmus müsst Ihr die Tochter meiner Nachbarn fragen oder Euch einfach ein Glas aus dem Supermarkt holen. Der schmeckt aber nicht so gut, das sage ich Euch gleich. Auf den Teller kommt dann mit einem „Zack“ das Kartoffelpüree, daneben mit einem „Klacks“ der Apfelmus. Den in der Pfanne ge-

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meinsam mit den Zwiebeln gebratenen Speck wirbelt Ihr über die Blut- und Leberwurst, die natürlich in einer anderen Pfanne zeitgleich gebraten wurde und jetzt schon auf dem Teller duftet. Wenn Euch dann die gesamte Verteilung auf dem Teller wie, sorry, „hingeschissen“ vorkommt, dann könnte Himmel un Ääd so lecker schmecken wie bei mir. Aber, wenn Ihr, Ihr lieben Leser, die Zubereitung beim ersten Mal noch nicht so richtig hinbekommen habt, dann werft Ihr das Rezept (zusammen mit dieser Episode) vielleicht aus dem Fenster und das Gericht wie oben beschrieben gleich zu den bereits genannten Tieren … wenn die das dann aber lebend überstehen … versucht ihr es vielleicht noch einmal. Das gelingt, wenn nicht schon hungrige und neugierige Spaziergänger das hinausgeworfene Rezept mitgenommen haben. … Freude schöner Götterfunken … erklingt es im Tenor aus berufenem Munde, von Karajan dirigiert, von den Berliner Philharmonikern gespielt, aus meinen Lautsprechern herunter von einer CD … Wie Ihr seht, Ihr lieben Leser, es ist nicht sämtliches Kulturgut hoffnungslos verschwunden, gar untergetaucht. Nein, nein, nein. Ich scheue mich ganz und gar nicht, diesen musikalischen Leckerbissen, die 9. Symphonie von Beethoven, mit meinem rheinischen Essen, Himmel und Ääd, musikalisch zu verbinden, ja zum Hochgenuss zu führen. So ist es fast an den Buchstaben dieser Worte nachvollziehbar, dass ich im Eifer dieses Gefechtes das erste Klingeln an der Haustüre überhöre. Erst, als der elektrisch erzeugte Ratterton von heftigem Klopfen begleitet wird … … alle Menschen werden Brüder … … seid umschlungen Millionen …

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Ich öffne die Tür und werde umschlungen. Nicht von Millionen, aber von einem Kaschmirpullover, von verlockendem Duft aus der Nase von Jil Sander und von zärtlichstem hanseatischen Gengut. Die Professorin!!! Ein Küsschen links, ein Küsschen rechts, ein Küsschen links, komm doch herein, ach, duftet es hier gut, ach, die 9. von Beethoven, deshalb hast du, mein Guter, mich nicht gleich gehört, erwartest du Besuch, nein, ich koche für die Nachbarn mit, ach, für die Nachbarn mit, ja, Himmel und Äd, bleibst du zu Tisch, ist genug für alle da, oder hast du schon gegessen, aber nicht von meiner Hand gekocht und schon gar nicht Himmel und Äd, lecker, lecker, lecker. Und so vieles mehr Gesagtes oder Ungesagtes? Wer weiß das schon so genau in einem solchen Moment zu unterscheiden, ob wir uns in gemeinsamer Wiedersehensmacht vollgesäuselt oder gedankenschwer angeschwiegen haben. Weil meine Nachbarn auch Hunger haben und das Sprösslein der hanseatischen Erbfolge einen mir bisher nicht bekannten Appetit entwickelt, fülle ich den angedachten nachbarschaftlichen Futteranteil aus den Töpfen und reiche ihn flugs über den Zaun. Selbst ziehe ich mich, meine Fehleinschätzung der Fassungsmenge ihres 100-Liter-Magens sehend, auf ein „ich kann heute gar nichts herunterbekommen“ zurück. Dabei sehne ich schmachtend jedem Stückchen hinterher, das sie in Windeseile verschlingt. Gut, das Lob „Du bist ein super Koch“ bleibt mir erhalten. Sie verzehrt und spricht mit abgespreiztem kleinen Finger, versteht sich. Wie beim Tee trinken. Ich komme erst zum Spreizen beim gekauften Cerealien-Joghurt, den sie im Moment verschmäht, weil sie sich den Geschmack von meinem vorzüglichen Himmel-un-ÄädGericht nicht verderben möchte. Machofantasien

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Dann ist sie auch schon wieder an der Haustür. Kaschmirpullover, Jil Sander, hanseatisches Gengut um meinen Hals, Küsschen links, Küsschen rechts und Küsschen links. Warum sie zu mir gekommen ist? Das weiß ich nicht zu erzählen. Nein, ehrlich nicht. Es mag sein, dass sie sich nicht so wirklich für den begrünten Bauch der Segeljacht interessiert, die in der Scheune von Bauer Prüß, in der schon seit ewigen Zeiten kein Stroh und kein Mähdrescher und kein Pflug mehr Platz finden, aufgebockt überwintert. Da legt nur der Herr Papa Hand an die Oberfläche aus Plastik; wie in seiner Klinik bei den alternden Schönen. Taktvoll haben meine Nachbarn mit ihrem Dank und Lob für Himmel und Ääd gewartet, bis der weiße Sportflitzer, ähnlich geklont wie diese Hanseatin, sich mit BrummBrummBrumm und nochmals BrummBrummBrumm entfernt hatte. Köstlich. Köstlich. Wir trinken zusammen einen wunderbar starken Kaffee. Und der selbst gebackene Pflaumenkuchen aus der Hand der Mutter des Hauses: köstlich. Das Töchterchen tupft mir sozusagen als I-Tüpfelchen einen Klacks steifer, weißer Sahne auf die Frucht … Wow … Die nun folgenden Witze des nachbarlichen Hausherrn sind zwar abgehangen, doch wir lachen, was das Zeug hält und dass sogar herzhaft. Er weiß sie uns mit der gleichen Perfektion, wie er seinen Garten betreut, so als durchaus mit gewissem Reiz anzuerkennender Loriot, vorzutragen und uns somit außergewöhnlich zu vergnügen. Als wir uns durch die Gartentür verabschieden und uns noch einmal zuwinken, als würden wir uns nun Jahre nicht mehr sehen, spüre ich, dass der gesamte Kaffeezauber für mich, ja extra für mich, in Szene gesetzt wurde. Danke, ihr lieben Leute. Wenn ihr meinen Garten mit Erd´ und Frucht euer eigen nennen wollt, dann greift jetzt zu. Das hätte ich am liebsten gesagt. Wenn einem also Gutes widerfährt, dann ist es schon einen 96er Roten wert.

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Ich habe gerade den Wein in meine einzige, jedoch in schlichter Eleganz unübertroffene, Karaffe eingefüllt, nein, selbstverständlich dekantiert, da klingelt es schon wieder an der Haustür. Meinen ersten Gedanken, auf abwesend zu machen … verwerfe ich allerdings sofort wieder. Es leuchtet mein Wohnzimmerlicht gut sichtbar nach draußen und das bei leerem Haus. Das ist eher unüblich, wenn niemand, speziell bei mir, daheim verweilt. Ja, es gut Meinende, kämen vielleicht sogar auf den Gedanken, dass mir etwas zugestoßen sein könnte und riefen die bekannten Notdienste. Da wiegt gute Tat am Ende sehr teuer. Also, was ist zu tun? Klar, du gehst zwar widerwillig aber doch zur Haustür. Da mich die Dunkelheit draußen durch die dicke, verzierte Glasscheibe der Haustür nichts Konkretes erkennen lässt, fliegen mir, während ich noch den richtigen Schlüssel für das Türschloss hektisch und nervös suche, tausend Gedanken zu möglichen oder ganz und gar unmöglichen Besuchern durch den Kopf. Diese einzelnen Gedanken, die will ich Euch, Ihr lieben Leser, obwohl es mir zuzutrauen wäre, heute nicht mehr in Schriftform zumuten. Vielleicht davon nur diese wenigen: Die Hanseatin etwa noch einmal? Zuzutrauen wäre ihr das! Aber ohne Auto? Denn das BrummBrummBrumm ihres Bleifußes hätte ich vom Wohnzimmer aus gehört. Bernhard? Wilhelm? Peter? Richard gar? ... Und was erkenne ich jetzt bei endlich geöffneter Tür und im eingeschalteten Flurlicht: Blaue Augen unter dunklen Wuschelhaaren strahlen mich zwar fröhlich aber auch etwas unsicher an!!! Eine kleine, zarte Hand streckt mir zaghaft eine mittelschwer ausgefüllte Plastiktüte aus (berüchtigt) bekanntem Supermarkt entgegen. Aha? Die Plastiktüte wärmt meine Hände! Aha? Also keine in Karton verpackten Pflaumen! „Ich habe uns vom Deinem Chinesen gebratene Ente in süßsauer mitgebracht. Hast Du Appetit?“ Machofantasien

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Promenadenszene Heute will ich Euch, Ihr lieben Leser, von einem kleinen hochsommerlichen Erlebnis auf einer Strandpromenade erzählen. Damit es eine Kurzgeschichte bleibt, springe ich mitten hinein, aber nicht vom Fahrrad, auf dem ich sitze und meinen Gedanken nachhänge. Was heißt hier Gedanken nachhängen? Ich bin ein Mann und als Mann, während ich meinen Gedanken nachhänge, kann ich an Nichts denken. Jawohl, an Nichts. Ihr männlichen Leser werdet diesen ewigen Zank mit der weiblichen Hälfte kennen, die das nämlich nicht wahrhaben wollen, weil sie es einfach nicht können oder kapieren können. Frauen können nicht an Nichts denken. Wir können das, und das ist gut so. So, nun zurück zu meiner Kurzgeschichte. Ich fahre also mit meinem Fahrrad auf der Strandpromenade, vor den Dünen, so gleich rechter Hand, wenn ihr es genau wissen wollt. Der Strand ist so angelegt, dass du ihn von der Promenade aus nur an den wenigen Eingangswegen einsehen kannst. Ansonsten schaust du auf ein Meer von Hagebutten und Sanddorn und Häschen und Birken und auf das Natureum mit seinen Wald-, Moor- und Wiesengebieten … Ihr kennt das ja alles schon von mir. Also, ich schaue nicht auf das Wassermeer, sondern auch auf grasende Kühe, die zum Teil mit ihren Eutern oder Säbeln bis zum Bauch im Moor versinken, dort wiederkäuen und es irgendwie doch immer wieder schaffen, sich fortzubewegen. Von den Hasen, ach ja, hatte ich schon erzählt. Und von dem von den Eingangswegen aus zu sehenden Dünensandstrand, dem Kinderlachen, den Strandkörben, von den Vätern, Ihr wisst es, die mit dem Dosenbier und natürlich von meinem Lieblingsthema in jedem Sommerjahr: den himmelwärts gespreizten männlichen und weiblichen Schenkeln. Ich muss mich jetzt zusammenreißen so beim Nichts denken und kehre jetzt endgültig auf mein Fahrrad und auf die Promenade zurück.

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Ein Ehepaar mit Kind geht vor mir. Zu Fuß schlendernd. Das Mädchen, so in etwa um die 10 Jahre jung und die Eltern, so in etwa Mitte dreißig. Diese drei Leutchen sind bestimmt schon 14 Tage tagtäglich am Strand gewesen, denn sie tragen eine solide braune Haut zu Markte, besonders die beiden Alten der Kleinen. Und ich muss auch hier und direkt gestehen, dass die Mutter, vom Fahrrad aus von hinten betrachtet, eine äußerst reizvolle Figur schwingen lässt und für einen klitzekleinen gedanklichen Moment vernasche ich sie sofort und direkt hier auf dem Plattenweg. Natürlich, heftig, geil. Das können wir Männer übrigens ebenso fantastisch wie an das Nichts denken. Während ihr Frauen mehr so das Praktische und Wirkliche wollt, könnten wir so im Allgemeinen mit der Fantasie zufrieden sein. Also, diese Mutter stolziert sehr ansprechend voran, ja, vortrefflich gebaut. „Ich will aber noch nicht ins Hotel zurück. Es ist gerade so schön hier am Strand. Und die Rita von der Burg …“ „Sei doch endlich still. Allein kannst Du nicht bleiben dort, und wir müssen und wollen ein bisschen ausruhen.“ Ich fahre jetzt, irgendwie ahnend, was kommen könnte, natürlich superlangsam, denn als gestandener Vater und Großvater interessiert mich das schon, wie sich die beiden Alten aus der Affäre ziehen werden. „Papa, warum müssen wir jetzt reingehen? Ich hätte doch auch bei Rita und den Eltern bleiben können. Die sind doch so nett.“ „Wir kennen die Leute doch gar nicht richtig.“ „Papa, es ist doch erst zwei Uhr nachmittags, und das Wasser ist so schön warm und Rita …“

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„Quaak, quaak, quaak. Wir gehen jetzt zum Hotel. Wir können doch später, so ´ne Stunde vor dem Abendbrot, noch einmal an den Strand gehen. Schau, Kleines, obwohl Du schon so schön braun bist, sind Deine Schultern von der glühenden Sonne gerötet, und Deine Nase fängt bereits an, ein wenig zu pellen. Baden und Sonnenbaden, das schlaucht. Wir müssen alle Drei uns ein wenig ausruhen.“ „Ausruhen! Ausruhen! Ausruhen! Das kenne ich doch alles schon. Ihr wollt nur wieder ficken!“ Jetzt ging alles sehr schnell. Die rechte Hand des Herrn der Schöpfung, ansatzlos, blitzschnell und hart an die Wange des Mädchens geschlagen, warf diese, klatsch, zu Boden. Fünf Sekunden absolute Ruhe der Verwunderung, dann brüllten Mutter und Vater und Kind, ein jeder nach seiner Facon, durcheinander. Während die Mutter die plärrende Tochter zu sich in den Arm hochhob, schrie ich: „Solche Arschlocheltern sind der Wunsch eines jeden Kindes!“ Mit glühenden, kugelrunden Augen stürzte der Schläger auf mein Fahrrad und mich zu. Selbst geschockt und ein Feigling des Moments, trat ich so sehr fest in die Pedale, dass ich aus dem Stand heraus Fahrt aufnahm und den boxenden Papa um ein Haar umfuhr. Ich kam also in diesem Sinne „noch haarscharf“ an ihm vorbei und in wilder Hast voraus. Er, hechelnd aber olympiareif, hinterher. Kein schlechter Läufer, so dachte ich noch und trotzdem, nach ungefähr hundert Metern war ich frei von ihm, weil er nicht mehr wollte, konnte oder was auch immer. Jetzt dachte ich nicht mehr an Nichts, sondern Tausend Gedanken flogen mir gleichzeitig und parallel durch den Kopf. Hätte ich das sagen dürfen? Hätte ich vielleicht absteigen sollen, um den Alten einen Vortrag über Kindererziehung zu halten. Da verfügte ich über ein von meiner Frau unendlich gefülltes Repertoire. Hätte ich mein verkrontes Gebiss riskieren sollen als Kämpfer für die Gerechtigkeit? Und so weiter, und so weiter!!!

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Wahn

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Horror


Und so weiter??? Nun, gut und weniger gut. Uns als junge Eltern hat es in den ersten Jahren auch zu jeder Tageszeit getrieben. Und wenn dann die ungesehenen, aber deutlich zu fühlenden Liebesgewitterblitze an den dafür vorgesehenen Stellen einschlugen, dann mussten wir auch aufs Zimmer. Aber so? Schon denke ich wieder fast an Nichts. Vor mir, die Sitzbank, sie wurde meine. Ihr kennt doch vielleicht den Film mit Arnie? Den Kultfilm „Der Terminator“? Ja? Wo er seine Umgebung und alles so per Computerblick abcheckt? Also parallel habe ich (somit fast an Nichts gedacht), jawohl, wir Männer können auch parallel denken, nicht nur ihr Frauen könnt das. Blödes wissenschaftliches Gelaber von irgendwelchen Weicheeiern, die ihre oder die Frauen beeindrucken wollen. Also parallel habe ich gecheckt, den Jäger in den Genen spürend, dass ich diesem Typen rein körperlich überlegen bin. Wenn der nicht in den asiatischen Kampfsportarten versiert ist, so wie es bei kleineren Leuten ja häufiger vorkommen soll, dann kann der mich nicht! Wow! Den haue ich rein physisch betrachtet um. Also, ich setze mich auf die Sitzbank. Schneller als erwartet, habe ich die Blickrichtung auf die drei Leutchen. Töchterchen mit feuchtem Gesicht an Mamas Arm und Väterchen drei Schritte voraus mit strengem Gesicht. Ich, mit erhobenem Haupte, zunächst sitzend und dann? Dann stehe ich auf, um mich ein wenig zu strecken, das T-Shirt und die Hose ein wenig zurechtzurücken. Natürlich das ganze Gehabe nur, um dem ankommenden Hahn zu zeigen, wer auf dieser Promenade der King ist. Bei den beiden weiblichen Braunhäuten, so glaube ich, ein etwas ungläubiges, verstohlenes Lächeln zu entdecken. Da habe ich einen Stein im Brett, so denke ich noch, als dieser Macker tatsächlich auf mich zukommt. Für eine Flucht auf dem Fahrrad ist es zu spät. Vielleicht bleibt es bei ein paar Schürfwunden, einem blauen Auge, und die Kronen kommen heil davon. Ich weiß gar nicht, ob die Krankenkasse da einspringt, wenn ich jetzt vielleicht doch stärker lädiert aus dem Match … Machofantasien

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„Danke“, sagt er, „dass Sie gewartet haben. Ich möchte mich hier vor Ihnen und meiner Familie für mein Verhalten entschuldigen. Es tut mir sehr, sehr leid!“ Innerlich sinke ich vor, ich weiß nicht was, zusammen. Äußerlich bleibe ich, zunächst jedenfalls, so glaube ich, völlig cool. Cool habe ich schon vor Jahren von meinen beiden Jungs aufgeschnappt. Finde ich immer noch gut. Bleib cool Alter, sagten sie häufiger zu mir. Und ihr werdet es vielleicht wissen oder glauben. Es hilft tatsächlich. Also bleib cool, Alter, sage ich zu mir. Sehr eindringlich überzeuge ich so mich selbst und sage: „Was bieten Sie noch an?“ Erst ist er ein bisschen sprachlos, die beiden Begleiterinnen sind es wohl auch. „Wir haben einen wunderbaren Roten auf dem Zimmer, kommen Sie mit?“ Plötzlich umarmen wir vier Leutchen uns und lachen, was das Zeug hält. Der Rote lockt mich schon, doch es ist mir, genau wie der kleinen Lea, so heißt das Mädchen mit der mittlerweile dick geschwollenen Wange, viel zu früh, um aufs Zimmer zu gehen. Ich lehne daher das Angebot dankend ab, wünsche noch einen schönen Tag und einen schönen Urlaub noch und schwinge mich, doch ein wenig erleichtert, aber nicht wirklich ganz froh, auf mein Fahrrad und sause davon.

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Fieber,

Wahn

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Die Flucht der Sylter Austern „Also, Kameraden, seid Ihr denn taub? Hört Ihr nicht die Champagnerkorken knallen und das ewige Schlürfen? Und das: Aaaah! Seid Ihr denn taub? Wenn meine Berichte stimmen, dann wurden dort von blanken Messern die Schalen unserer Kameraden aufgepresst, dann in das offene Licht gelegt, von gierigen Augen bestaunt und von geilen Händen zum Munde geführt und … dann das: Aaaah!“ „Wo sollen wir denn hin? Das Meer ist so unendlich groß. Und hier bekamen wir regelmäßig unser Futter. Nun ja, wir sind jetzt zwar nicht mehr in diesen engen Drahtgeflechten, aber ich, ich jedenfalls, ich habe Hunger und möchte sehr, sehr bald etwas in den Magen!“ „In den Magen, in den Magen, in den Magen. Wir sind jetzt zunächst einmal auf der Flucht vor den Mägen. Vor den Mägen der ewigen Syltaner. Da sprichst Du von Hunger!? Von knurrendem Magen. Freiheit heißt auch, sich selbst versorgen. Sich selbst verantworten. Es mag sich ja wohl fressen in der Obhut der Jäger, doch das Ende ist nach dem Knallen der Champagnerkorken das Messer und dann die Augen und dann, dann wirst Du geschlürft!“ „Wir haben Hunger! Wir haben Hunger! Wir haben Hunger!“ „Was wollt Ihr? Freiheit oder Futter?“ „Wir haben Hunger! Wir haben Hunger! Wir haben Hunger!“ Was wollt Ihr? Sie schlürfen uns alle!“ „Wir haben Hunger! Wir haben Hunger! Wir haben Hunger!“ Was wollt Ihr? Wollt Ihr den totalen Verlust?“ „Wir haben Hunger! Wir haben Hunger! Wir haben Hunger!“ „Nun dann. Die Demokratie will den Korb. Auf und zurück!“

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Verlagswort Wir freuen uns sehr, dass wir erneut für unseren Autoren Karl-Heinz Franzen, zum dritten Mal, den Traum vom eigenen Buch/eBook Wirklichkeit werden lassen konnten und bedanken uns für das entgegengebrachte Vertrauen sowie das größte Gut eines Schreibenden – sein Manuskript, welcher Idee, durch dieses Buch nun Leben eingehaucht wurde. „Machofantasien. Fieber, Wahn und Horror“ für den Liebhaber der außergewöhnlichen Buchstabenkunst. Extravagante Reime und Poesie, durchaus aus dem Leben gegriffen, skurrile Shortstorys, die das Blut in den Adern gefrieren lassen, erschreckende Gedankengänge mit sexuellen Fantasien, die Taten folgen lassen oder aber auch eine Inbrunst an Gefühlen der fleischlichten Lust untermalt mit einem galanten Gentleman-Lächeln. Machofantasien lässt humorvoll den weichen Kern unter der harten Schale blitzen und umschmeichelt die Sinne im wortwörtlichen Zeitgeist. Ein gelungener, subtiler Akt vom FieberWahnHorrorSeptett, welcher die sieben Charaktere: Rattenfänger, johannf, Lackaffe, Karl-Heinz Franzen, summerKHF, Der private Schnüffler, Schatzgräber, vereint im Siegerwerk der männlichen Facetten. Die wohl individuellste like a man Versuchung, seit dem es Sextett & Franzen gibt. Viel Vergnügen beim Schmökern der Machofantasien, die sich im Fieber, Wahn und Horror präsentieren. Danke für den Erwerb von Machofantasien, und dass wir durch dieses eBook Ihr Leseinteresse wecken durften, auch im Namen des Autors Karl-Heinz Franzen. „Machofantasien. Fieber, Wahn und Horror“ ist als eBook erhältlich. Sonderdrucke als Buchunikate in edler Hardcoverbindung sind auf Anfrage für 39.- € bestellbar (Einzelanfertigung). Das eBook ist unter der ISBN 978-3940119-66-7 für 19,95 € zu beziehen, beim Autor www.kh-franzen.de im www.artofbookshop.com dem Verlagsbuchshop von art of arts.

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Verlags-Buchprogramm Bücher & eBooks bisher erschienen seit 2006 bis 2011

Bücher der art of books collection art of words - Band 1 art of mind - Band 2 art of heart - Band 3 art of mystery - Band 4 art of man – Band 5 art of women – Band 6 art of poetry – Band 7 art of xmas – Band 8 art of kids - Band 9 art of magic - Band 10 art of erotica – SoBand 1 art of crime – SoBand 2 art of live – SoBand 3

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Bücher einzelner Autoren / Autorinnen Das Zauberwort DAS Die wahnw. m. Geschenkefibel Ohnemilch / Agent 0815 Perfekt – Defekt Unglaubliches unter uns GPS-Millionenjagd ourStory geDANKE ... be your reality Erdennebel in eisblau ourStory2 Die Rose des Todes Impulse Wechselhaft heiter bis wolkig Unselbst Alltägliches Allerlei Prophetische Spiritualitäten Im Eifer des Geschlechts

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Der Stein der Elemente Die Schlange des Regenbogens Blutige Leckerbissen 60 Jahre. Der private Schnüffler 222 Gedichte Hommage Die (un)Erträglichkeit des Seins 6 vor 12 Streiflichter Die sieben Epochen der Poesie Prinzessin Emma Auf ein Wort Bewusstsein und Logik Lebensblüten gel(i)ebte Poesie Von Männern, Mädchen, Löwen ... 2012 ... das Buch Ende gut, alles gut Ich kann mehr als nur ... Feta Prinzessin Emma - 2 Das Chaos trägt Highheels Silberstreifen Machofantasien. Fieber Wahn ...

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… dieses Werk besteht aus 538 Seiten, 126.624 Wörtern, 792.662 Zeichen. Machofantasien. Fieber, Wahn und Horror – von Karl-Heinz Franzen & Co., der sein Wortseptett durch dieses eBook der Öffentlichkeit präsentiert. Die Texte sind urheberrechtlich geschützt (c) 2011 Beiträge gemäß der neuen Deutschen Rechtschreibung. Für Druckfehler keine Haftung.

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Machofantasien. Fieber, Wahn und Horror Autor Karl-Heinz Franzen im Septett art of arts - BUCHKUNST – eBook Neuerscheinung - am 18. April 2...