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arTiger, Susanne Praetorius

Torte Llini, Stephan A. Schmidt

Faust, Boris Bösker

Immer schön sauber bleiben, Maria Kiechle

Boote, Mercedes R.d. Vetter

Das, was ist..., Susanne Praetorius

Quo Vadis, Klaus Kiechle

Brotlose Kunst, Klaus Kiechle

Verona, Günther Band

Schöpfung, Peter Morgner

Stühle am Strand, Günther Band

artig grüsst, Mercedes R. d. Vetter


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Katze, Helmuth Kittel

Highlight des Jahres, Susanne Praetorius

Tiger, Helmuth Kittel

Ist das Kunst..., Maria Kiechle

David artig´09

Venus artig´10

Laokoon, Peter Morgner

Torso, Boris Bösker

Gesehen (ein florentiner Drama), S. A. Schmidt Artig, Gwendolyn Boos

artige sammelstücke? Das ist, auch wenn es uns stolz machen würde und ein „Museums-Shop“ ja irgendwie dazugehört, eher zweitrangig. Ein wichtigerer Grund, unsere Drucksachen und Postkarten gegen Bares feil zu bieten, ist die gähnende Leere ins unserer Ausstellungs- und Vereinskasse nach zehn Tagen voller

Buntvieh, Gwendolyn Boos

Beuteschema, Gwendolyn Boos

Kunst und Kultur: Wir möchten Sie, unsere Besucher und Gäste zu einer kleinen Spende animieren, ohne Sie aber mit leeren Händen gehen zu lassen. Der Erlös kommt übrigens ausschließlich unserem – zudem als gemeinnützig anerkannten – Vereinszweck zugute: der Förderung von Kunst und Kultur.


Inhalt 12

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der grafiker

lebensweg. eine erklärung.

von und mit Günther Band Interview. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14

von und mit Gwendolyn Boos Interview. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18

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braucht kunst untertitel?

in den müll mit kittels kunst

von und mit Maria Kiechle Interview. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 36

von und mit Helmuth Kittel Interview. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 40

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Stimmig und zufrieden

bauchredner

von und mit Mercedes Rodriguez de Vetter Interview. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 56

von und mit Stephan A. Schmidt Interview. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 60

Wir bedanken uns artig für die vielartige Unterstützung bei:


Inhalt 20

24

Quo vadis, Fotobildermacher?

die kunst der kaltumformung

bedeutung nur in Stein

von und mit Boris Bösker Interview. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22

von und mit Petra Joser Interview. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 26

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28 von und mit Klaus „Bschese“ Kiechle Interview. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30 Meine Lust an den schwarzen Kästen . .33

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bilder für wörter

Sight-seaing

der malhauer

von und mit Peter Morgner Interview. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 44

von und mit Susanne Praetorius Interview. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 48

über und mit Mario Riedesser Interview. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 52

Anonyme Inter views: Jeder Aussteller hatte den anderen mit dem

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anonym Fragen gestellt. Erst bei Drucklegung wurden diese nd........ Namen des Fragestellers versehen. Es blieb also bis zum Schluss spanne

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variation & kontrast von und mit Uta Seyberlich Interview. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 64

Gefördert von:

das as Sonderprogramm zur artig‘10 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3 artig nach hause nehmen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4 editorial . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9 mitgliedschaftsantrag / ziele des vereins. . . . . . . . . . . . . . 68 / 69 rückblick artig ‘09. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .70 braucht wirtschaft kunst? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .72 artig: das konzept für‘s kunst-erlebnis. . . . . . . . . . . . . . . . . . . .74 abspann: danksagungen und impressum . . . . . . . . . . . . . . . . . .78 A Thousand Miles to Dublin irish pub kempten · Alpensolar dietmannsried · AZ Druck und Datentechnik kempten · Bäckerei Wipper kempten · Restaurant & Bar Siebzehn kempten · Barmer GEK kempten Bistro & Pizzeria 1394 kempten · Boesner forstinning · Brillen Neubauer kempten Butscherdurach·Creativ-City.comkempten Dambeck kempten · Die Hundebackstube kempten · Dr. med. dent. Kettner Sulzberg Gasthof zum lustigen Hirsch immenstadt

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r ü f e n lä P e u e N : u a B Nach dem r e ig N in n io t a t s n e k n a die Kr Werte artig-Besucher und Förderer, bei der Versteigerung der von den Künstlern gestalteten Kunststühle während der letztjährigen Vernissage der artig’09 haben Sie insgesamt 745 Euro gespendet. Herzlichen Dank dafür! Für jeden Euro haben wir wie versprochen einen weiteren dazugezahlt und diesen Betrag verdoppelt. Mittlerweile haben wir mit dem humedica e.V. aus Kaufbeuren die Krankenstation im westafrikanischen Niger mit einen finanziellen Aufwand von 120.000 € errichten können und diese soeben am 04. September feierlich mit der umliegenden Bevölkerung eingeweiht. In diesem Jahr konnten dort in der Kleinstadt Kollo unweit der Hauptstadt Niamey in Zusammenarbeit mit UNICEF weit über 100.000 Kranke und unterentwickelte Menschen behandelt bzw. versorgt werden. Mehr dazu lesen Sie auf www.humedica.org unter Projekte/Niger.

Für dieses Jahr haben wir weitere Pläne für die Krankenstation: 1. 2. 3. 4. 5.

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Wir von Alpensolar verdoppeln wieder gerne Ihre Spende. Die Partnerschaft mit der Unternehmensgruppe Alpensolar ermöglichen sehr hohe Dauerspenden, die eine Unterstützung von Langzeitprojekten ermöglichen. Beispielsweise spendet jeder Investor einer Photovoltaik-Anlage laut Pachtvertrag 1€ je kWp Nennleistung für 20 Jahre an den Alpensolar Human e.V. Ihr Team vom Alpensolar Human e.V. www.alpensolar.de/human

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EDITORIAL

die not zur Tugend...

Willkommen auf der Kunst- und Kulturbaustelle! Liebe artige, liebe Artgenossen, willkommen zu unserem zweiten Kunst- und Kulturevent, herzlich willkommen zur artig‘10!

„Baustelle“? Ohne einen Zweifel: Kunst und Kultur in unserem Land sind eine Baustelle. Wir leben, trotz aller Krisen in einem Luxus, den keine Generation vor uns hatte. Voll vollautomatischer Wasserklosetts, Schonwaschgänge und Mobiltelefone, die uns automatisch die exakte Zeit online liefern. Aber liefert uns dieser Wohlstand auch mehr Kultur? Mehr Kunst? Nein – im Gegenteil: Jener Luxus (samt jüngster Luxuspleiten) zwingt uns zu mehr Leistung. An jeder Ecke, in jeder halbwegs politischen Talkshow regiert der Leistungsgedanke. Wird über Kultur diskutiert, wird über Bildung diskutiert. Und wird über Bildung diskutiert, wird über mehr Ingenieure, mehr Mathematik in der Schule, also über all das geredet, was später einmal dem Bruttosozialprodukt dienen soll. Denker ja. Dichter nein. Und wenn jener Luxus durch‘s Sparen gehalten werden muss, wird bei Bibliotheken, Musikschulen oder am Theater gespart. Der Musik- und Kunstunterricht unserer Kinder schrumpft in Relation zu den naturwissenschaftlichen Fächern bald auf die Größe eines Pausenbrotes. Das ist ein Grund zum Jammern – einerseits. Und andererseits der Grund, um mehr Kunst nicht nur selbst zu schaffen, sondern auch nach außen zu tragen. Bestenfalls in die Fußgängerzone, wenn es denn innerhalb von zehn Tagen gesichert keinen Regen und keine Kälte gäbe, zumindest aber in die Markthalle in Kempten, die uns ein Dach bietet. Und auch in dieser Markthalle: Baustelle! Bauzäune wie auch 2009, zum Teil nun ersetzt durch Stellwände aus dem Baumarkt. Darunter geteerter Boden, und so manches schaut im industriell-funktionalem Flair der Halle auch improvisiert aus. Warum? Erstens: Mangels öffentlicher Fördergelder, die wir gar nicht „dicke“ einfordern wollen - denn es fragt sich, ob Kunst und Kultur allein öffentliche Aufgabe oder aber die Aufgabe aller, also einer jeden privaten wie juristischen Person, das heißt auch sogenannter „Unternehmensbürger“ ist. Klar, man

könnte eine Kultursteuer einführen, die dann konsequent auch für solche und hoffentlich für jegliche Kunst verwendet wird. Doch nur „Kunst von Oben“? Aber das ist eine andere Frage – und auch keine neue Diskussion. Und zweitens mangels Eintrittsgelder, die wir ebenfalls nicht fordern möchten, sondern uns je nach Kontostand des Besuchers als Spende erhoffen. Und wer nichts hat, hat dennoch – und umso mehr – ein Recht auf Kunst. Zudem: Gemalt und „gebildhauert“ wurde und musste sowieso, und ein Eintrittsgeld war niemals Grund dafür. So haben wir uns die Not (und die Baustelle) zur Tugend gemacht und wollen „Alltagskunst“: Nicht alltägliche Kunst, sondern Kunst, die, statt nur am Sonntag im Museum, im Alltag an jedem Ort anzutreffen ist, jeden Tag konfrontiert, inspiriert, Impulse liefert – dem Ingenieur wie der alleinerziehenden Mutter ohne Job. „Kunst wäscht den Staub des Alltags von der Seele“, sagte Pablo Picasso, und das sicher nicht nur Sonntags. So sagten wir uns, besser Kunst mit beschränkten Möglichkeiten aufstellen als gar nicht. Natürlich war „Baustelle“ nicht per se die Metapher für unser Konzept. artig‘09 hatte als Ursprungsidee erst einmal Susanne Praetorius‘ zehnjähriges Malerinnenjubiläum, und bald gab sich so manches die Hand. Manche Theorie lässt sich inzwischen aus der Praxis erklären und floss so in unser Konzept ein. Denn Andersartigkeit gründet oft nicht im Willen sondern im Zwang – und im Willen, aus diesem Zwang dennoch etwas zu erschaffen. Anders gesagt: egal wie groß im Haus die letzte Leinwand ist. Kunst wird immer Baustelle sein. Für den Künstler sowieso, und auch für seine Präsentation – dann, wenn die Kunst raus muss. Es fragt sich nur, wie viele Bauarbeiter dabei helfen – immer wieder. In diesem Sinne: Solche Alltagskunstbauarbeiter – und mehr „Luxus“ für den Geist, für die Seele – wünschen wir uns. Bestenfalls auf einer Alltagskunstbaustelle an jeder Ecke unserer Stadt. Ihre Bauleitung bzw. der Vorstand des artig / art interessengemeinschaft e.V.

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PORTRAIT

Brady’s Beach Vancouver Island, Aquatinta-Radierung, 15 x 20 cm Schneck, Aquatinta-Radierung, 15 x 20 cm Aus dem Decamerone, Farbholzschnitt Harlekin und Colombine, Farblinolschnitt Mopti / Mali, Aquatinta-Radierung, 15 x 20 cm Olivenbaum, Aquatinta-Radierung, 15 x 20 cm

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Techniken: Ă–l, Mischtechniken, Pastellkreide Bleistift- und Tuschezeichnungen Druckgrafiken wie Linol- und Holzschnitte, Radierungen Themen: Landschaft, Akt, Stilleben, Tierstudien.


Der Grafiker

Oben: Bandoneonspieler, Aquatinta-Radierung Mitte: Dedikation an dicke Damen, nach einem Gedicht von Jürgen Protz. AquatintaRadierung, 15 x 20 cm Unten links: Harlekin, Öl auf Leinwand, 90 x 100 cm Unten rechts: Sommernachtstraum, Linolschnitt

über Günther Band

Günther Band sieht sich als Künstler – ideologiefrei – einfach der Schönheit im Sinne ästhetischer Ausgewogenheit und Harmonie verpflichtet und will das eigene starke Empfinden über seine Bilder im Inneren des Betrachters zum Klingen bringen. Mit sicherem Blick für ihre Wirkung wählt er die Themen seiner sich stets gegenständlichen Arbeiten aus und zwingt sie in ihre spezifische Form, seien es Landschaften, Stadtansichten, Akte¸ Porträts, Stillleben, Tiere oder Szenen aus der Mythologie und Literatur. Im Laufe der Jahrzehnte hat Günther Band sich vom Maler, der auch graphisch arbeitet, zum reinen Graphiker gewandelt. Zunehmend wandte er sich dabei der schwierigen Tiefdrucktechnik zu. Es dominieren schließlich Radierung und Aquatinta. Sie sind jeweils das Ergebnis vielfältiger komplizierter Verfahren wie Kaltnadelradierung, Strich- und Flächenätzung. Die Bildformate sind eher klein. Besonders ansprechend zeigen sich die farbigen Aquatinta-Arbeiten. Trotz ihrer sehr feinfühlig abgestimmten Farbigkeit, ihrer differenzierten, kleingliedrigen Darstellung, sind sie kraft-

voll strukturiert und spannungsvoll mit sicher und klargesetzten Akzenten, und sie wirken manchmal geradezu monumental. Nicht zuletzt ist es dem Künstler gelungen, auch seiner Graphik seine markante Handschrift aufzuprägen: Man erkennt einfach einen Band. Auszüge aus der Rede von Eugen Grüning anlässlich der Retrospektive-Ausstellung im Parishaus in Memmingen am 22. Juni 2010. (Die Ausstellung ist noch bis 17. Oktober 2010 zu besichtigen.)

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InTERvIEw

„Inspiration 10%, Transpiration 90%“ Mercedes R. d. Vetter: Viele Künstler sind nicht in der Lage, von der Kunst zu leben, und sehen sich gezwungen, zusätzlich durch „Art-fremde“ Tätigkeit Geld zu verdienen. Diese Tätigkeit beansprucht viel Zeit und Vitalität, was, selbstverständlich, zu Lasten der Kunst geht. Auf was würdest Du verzichten, um allein durch die Kunst leben zu können? Ich würde darauf verzichten, eine Familie zu gründen.

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Gwendolyn Boos: Stell Dir vor, Du könntest zu allen Menschen dieser Welt sprechen, jeder könnte Dich hören und

verstehen. Was würdest Du sagen oder fragen? Kunst ist Leben. Ist dieser Satz umkehrbar? Maria Kiechle: Welche Erfindung des vergangenen Jahrhunderts hat Dich begeistert und warum? Der Reißverschluss. Warum, da kann sich jeder was ausdenken. Uta Seyberlich: Du arbeitest an einem Werk, das längere Zeit in Anspruch nimmt. Wie schaffst Du es Deine Motivation, Kreativität und Inspiration zu halten?

Nach dem Spruch: „Inspiration 10%, Transpiration 90%“. Klaus Kiechle: Was bedeutet Heimat für Dich? Heimat hat man in sich. Ansonsten ein höchst fragwürdiger Begriff. Boris Bösker: Wofür lohnt es sich zu kämpfen? Für nichts. Mario Riedesser: Woran ist das Tote Meer gestorben? Der Salzstreuer ist umgekippt!!!

Stadt • Land • FLuSS • Ein nEuES LEbEnSgEFühL Leben im Denkmal – ab Herbst 2010

Haus B vor der Fertigstellung (Foto Juni 2010)

Reihenhäuser am Ufer (10, Neubau)

Villa Düwell (Denkmal)

Brücke zur Innenstadt

Jetzt informieren und im Herbst 2010 einziehen: Mit der Fertigstellung des Hauses B der denkmalgeschützten Alten Spinnerei sowie der Tiefgarage werden die ersten 27 Lofts und Wohnungen mit 47 bis 145 m² und bis zu vier Zimmern in der Rosenau in Kempten bezugsfähig. Blick aus Haus C nach Nordwesten gen Altstadt

Spinnerei-Kontor (Haus A, Denkmal, 13 Wohnungen)

Alte Spinnerei (Haus B, Denkmal, 27 Wohnungen)


aus und, in zwei Sätzen, warum? INHACA. Weil sie heiß ist und sie keiner kennt. Weil ich hier der einzige bin, der sie kennt.

cher, materieller Gegenstand nicht hat, jedoch unsichtbare. Wie siehst Du das? Marcel Du Champs (New York : berühmte Kloschüssel und Flaschentrockner) sieht es anders, ich auch.

Peter Morgner: Van Gogh hat angeblich unter anderem Terpentin verzehrt, Hemingway war dem Absinth ergeben. Welche kreativen Hilfsmittel ziehst Du vor? Die Natur, Musik und Frauen.

Petra Joser: Dient Kunst zum Selbstzweck? Meistens läuft es darauf hinaus.

Stephan Schmidt: Wenn Du von deiner Kunst gut leben könntest, was würde sich – an Deiner Kunst oder grundsätzlich – ändern? Es sollte sich nichts ändern.

Helmuth Kittel: Du musst Dich auf eine Insel zurückziehen. Welche wählst Du

Susanne Praetorius: Ein Kunstwerk hat Eigenschaften, die ein gewöhnli-

Günther Band

Malerei und Graphik * 12.09. 1945 in Krugzell / Allgäu 1968-1970 Aktzeichnen in Abendkursen bei Heinz Seeber in München, 1982 Studienaufenthalt in Florenz, 1984-85 Aufenthalt in Lissabon. Kollektivausstellungen in Kempten, Augsburg, Gersthofen, Sonthofen, München, Memmingen, Hamburg, Gräfelfing. Einzelausstellungen in Kempten, München, Darmstadt, Schwäbisch-Hall, Bad Grönenbach, Memmingen, Cascais/Portugal, Nürnberg, Ottobeuren, Hindelang

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Lebensweg. Eine Erklärung. von Gwendolyn Boos

Ich verlange von mir selbst, mich zu verstehen. Ich verlange von mir, gut zu sein. Zu geben, was ich habe, zu zeigen, was ich kann. Ich möchte den Menschen begreifen. Sein Leben, seine Geschichte, seine Hoffnungen. Ich versuche, diesem Anspruch gerecht zu werden. Indem ich Bilder male.

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Dieser Versuch garantiert nicht das Gelingen. Doch so entsteht etwas Bleibendes. Ein Zeugnis. Das ist mein Weg zu mir selbst. Auf dem zweiten Wege entstehen Bilder für Betrachter. Wenn ich Glück habe, nehmen diese sich Zeit… Um sich zu fragen, sich zu ärgern, sich zu sehnen, sich zu vergessen oder sich zu erinnern. Innehalten und Sinnesanregung. Wahrnehmung. Nicht alles will gespürt, gesehen, gehört und gesagt werden. Kunst ersetzt nichts. Kunst macht nicht satt und deckt einen nicht zu. Kunst kann nicht beschützen oder retten. Kunst schafft keinen Frieden. Aber auch keinen Krieg. Kunst überdauert Leben. Erzählt die Geschichten einer Zeit, ihrer Kultur und ihren Bewohnern. Kunst ist nicht alles. Und nicht alles ist wichtig. Aber Kunst ist da. Jene, andere und meine.

Ein Weg,

mit der Kultur zu kommunizieren. Meinungsbildung. Ein Weg in die Mitte.


Wenn ich nochmals Glück habe, findet meine Kunst den Weg durch das Auge eines Menschen zu seinem Herzen. Oder zu seiner Wohnzimmerwand. Dazu muss ich meine Bilder ausstellen, der Öffentlichkeit zeigen. Ich muss meine Werke, meine Ware anpreisen und bepreisen, und versuche auf diesem Wege mit meiner Kunst meine Brötchen zu verdienen. Ich versuche, zu leben. Diese Aufgabe hat jeder Mensch. Manch einer wird dabei zum Wissenschaftler, ein anderer Händler, jener lehrt, sein Nachbar lernt, ein weiterer verkauft Maschinen, der Nächste Ideen, viele kaufen Geld, wenige Macht… und ich bin eben Malerin. Meine Arbeit ist wohl leichter als die Arbeit eines Bauern. Und nicht schwerer als die Arbeit eines Unternehmers. Ich kann meine Arbeit nicht ermessen, nicht einordnen. Ich nehme sie lediglich an als MEINEN Weg, meine Aufgabe, etwas zu erschaffen. Und habe meistens unabbildbar viel Freude daran.

Sterben die Zeitzeugen, bleibt ihre Kunst.

Abbildung linke Seite: Selbst Ich, 2010, Acryl auf Leinwand, 100 x 50 cm Abbildung Mitte: Neo Rauch, 2010, Acryl und Öl auf Leinwand, 120 x 160 cm

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InTERvIEw

„Kreativ zu sein, ist eine Eigenschaft.“ Mercedes R. d. Vetter: Viele Künstler sind nicht in der Lage, von der Kunst zu leben, und sehen sich gezwungen, zusätzlich durch „Art-fremde“ Tätigkeit Geld zu verdienen. Diese Tätigkeit beansprucht viel Zeit und Vitalität, was, selbstverständlich, zu Lasten der Kunst geht. Auf was würdest Du verzichten, um allein durch die Kunst leben zu können? Aktuell würde ich auf mein Leben als Vollzeit-Mutter verzichten und umziehen MÜSSEN. Ich würde auf Komfort und materiellen Konsum verzichten KÖNNEN. Doch wo wäre die Grenze? Ein leerer Kühlschrank fördert nicht gerade die Ins-

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piration! Darum lieber einer Art fremden Tätigkeit nachgehen und ein Werk weniger erschaffen, als meine Vitalität und womöglich auch meine Kreativität durch ständigen Verzicht und soziale Ausgrenzung zu verlieren! Zum Glück muss ich zur Zeit auf nichts Wesentliches verzichten! Maria Kiechle: Welche Erfindung des vergangenen Jahrhunderts hat Dich begeistert und warum? Nach wie vor die Waschmaschine. Ich habe es nicht selbst erlebt, aber die Arbeit unserer Großmütter ohne diese Erfindung muss unendlich schwer gewesen sein! Klaus „Bschese“ Kiechle: Was bedeutet Heimat für Dich? Heimat ist für mich das Gefühl, angekommen zu sein. Sich an einem Ort geborgen zu fühlen. Das kann meine Geburtsstadt sein, eine Landschaft oder mein Bett. Oder die Anwesenheit eines geliebten Menschen… Boris Bösker: Wofür lohnt es sich zu kämpfen? Für Kinder, für Freunde und für sich selbst. Aber nur, wenn der Kampf frei von Gewalt und Manipulation ist! Helmuth Kittel: Du musst Dich auf eine Insel zurückziehen. Welche wählst Du aus und, in zwei Sätzen, warum? Neuseeland interessiert mich… Aber das Fremde macht mir Angst. Ich würde mich lieber auf eine Almhütte in unseren Bergen zurückziehen, wenn ich müsste. Selbst die Einsamkeit könnte ich auf der Höhe besser ertragen als am Meer… Mario Riedesser: Woran ist das Tote Meer gestorben? Diese Suppe hat der Herrgott versalzen. Ohne Abfluss lebt es sich halt nicht so ausgewogen! Da kann der Jordan wässern wie er will. Doch tot ist


da gar nix, irgendwelche Mikroben machen es sich dort schon gemütlich. Nur der Mensch hat mit seiner Namensgebung den Grabstein gesetzt! Günther Band: Welches war die letzte Situation, die Dich für ein neues künstlerisches Werk inspiriert hat? Meine Trauer… Petra Joser: Dient Kunst zum Selbstzweck? Muss es nicht heißen: DEM Selbstzweck? Egal… ich sage: Ja, auch. Damit fängt sie zumindest bei mir an… Uta Seyberlich: Du arbeitest an einem Werk, das längere Zeit in Anspruch nimmt. Wie schaffst Du es Deine Motivation, Kreativität und Inspiration zu halten? Das gute Gefühl (mitunter ein rauschähnlicher Zustand) beim Malen treibt mich an. Kreativ zu sein, ist eine Eigenschaft. Die habe ich ganz einfach. Inspiration finde ich ständig, die Umsetzung ist nicht immer klar. Das kann zum Stillstand führen, und ich meine dann, nie wieder malen zu können! Motivieren kann mich der Glaube an meine Arbeit. Oder die Aufforderung anderer, weiter zu machen. Ich hoffe auf den schnöden Mammon. Am Ende motiviert die Sehnsucht, irgendwann berühmt zu sein...

• Unternehmenssanierung • Handelsrecht, Gesellschaftsrecht (Ltd.-Gründung) • Vertragsgestaltung • Arbeitsrecht • Straßenverkehrsrecht

Peter Morgner: Van Gogh hat angeblich unter anderem Terpentin verzehrt, Hemingway war dem Absinth ergeben. Welche kreativen Hilfsmittel ziehst Du vor? Endorphine und Rotwein. Stephan Schmidt: Wenn Du von deiner Kunst gut leben könntest, was würde sich – an Deiner Kunst oder grundsätzlich – ändern? Wie sich und ob sich meine Kunst verändern würde, kann ich nur mutmaßen. Ich beantworte die Frage noch einmal, wenn es soweit ist! Grundsätzlich: Ich würde meine Nebenjobs kündigen und wäre bereit für‘s Ehrenamt! Susanne Praetorius: Ein Kunstwerk hat Eigenschaften, die ein gewöhnlicher, materieller Gegenstand nicht hat, jedoch unsichtbare. Wie siehst Du das? Genauso! Eigenschaften eines Kunstwerkes sind fühlbar, erkennbar im Herzen und im Geiste, kommunizierbar und bereichernd. Oder beschämend, erregend, abstoßend, aufrührend, erschreckend. Anders ausgedrückt: Hat ein Werk keine unsichtbaren Eigenschaften, ist es für mich keine Kunst.

Gwendolyn Boos

Gemälde in Öl und Acryl *1972 in Tübingen Freischaffende Künstlerin und Kunsttherapeutin. Ausstellungen u.a. in Tübingen, Kempten. Auftragsarbeiten. Kunstprojekte im Jugendhaus Kempten www.gwenboos.de

Günther Rudhardt Rechtsanwalt

Hohe Gasse 2 D-87439 Kempten fon: 08 31 / 5 12 45 54 fax: 08 31 / 5 12 52 45 mail: kanzlei@ra-rudhardt.de web: www.ra-rudhardt.de


PORTRAIT

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„Der Meister der Metalle lässt sich von der organischen Natur der Autoblechwelt inspirieren zu seinen irritierenden, jedoch immer in sich ruhenden Objekten, die mal nach außen, mal in sich leuchten – wie die Rücklichter vom neuen Porsche Cayenne.“ Text zur Ausstellung „Bürokunst für die Mittelschicht“ im Sommer 2010 in der Galerie artThiess, München.

Große Abbildung: Faust, 2010, Aluminium getrieben Oben links: Ballerina, in Arbeit (2010). Oben rechts: Torso, 2009. Aluminium gearbeitet / getrieben Mitte: Boat, 2009. Aluminium Unten: Don‘t drink and drive, 2010. Schrottteile verschweißt


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Die Kunst der Kaltumformung von Boris Bösker

Warum arbeite ich mit Metallen? Weil ich gelernter Karosserie- und Fahrzeugbaumeister bin und es meine Leidenschaft ist, Bleche zu formen. Diesen Beruf habe ich im Laufe meiner Lehr- und Gesellenzeit in einer Werkstatt nahe München erlernt. Dort habe ich von der Pike auf alles über Oldtimerrestauration gelernt. Außerdem hat mich die Umsetzung großer Design- und

Lichtprojekte für Ingo Maurer (Münchner Lichtdesigner) inspiriert. 2009 zog ich samt Familie zurück ins Allgäu und ging den Weg der Selbstständigkeit. Nun restauriere ich Fahrzeuge oder Fahrzeugteile, und wenn ich keinen Kundenauftrag habe, fertige ich meine eigenen Werke. Seien es Leuchten jeglicher Art, Skulpturen, Reliefs,

Möbel oder was mir sonst so in den Sinn kommt. Die Faszination der Blechumformung liegt bei mir darin, aus einem planen Stück Blech etwas Dreidimensionales zu schaffen: das Atomgefüge zu verdichten, es im Falle des Aluminiums, nach starker Kaltverfestigung, durch Hitzezufuhr wieder „gefügig zu machen“ und zu schauen, wie weit man es „treiben“ kann.


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„Natürliche Formen in Metallen bändigen.“ 22

Mercedes R. d. Vetter: Viele Künstler sind nicht in der Lage, von der Kunst zu leben, und sehen sich gezwungen, zusätzlich durch „Art-fremde“ Tätigkeit Geld zu verdienen. Diese Tätigkeit beansprucht viel Zeit und Vitalität, was, selbstverständlich, zu Lasten der Kunst geht. Auf was würdest Du verzichten, um allein durch die Kunst leben zu können? Kaviar. Gwendoln Boos: Stell Dir vor, Du könntest zu allen Menschen dieser Welt sprechen, jeder könnte Dich hören und verstehen. Was würdest Du sagen oder fragen? Hört auf, euch gegenseitig die Fresse zu polieren - bringt nix. Maria Kiechle: Welche Erfindung des vergangenen Jahrhunderts hat Dich begeistert und warum? Die Glühbirne. - O.K. das war 1879, aber wesentlich bedeutender, wie der Schmarrn, der danach kam. Ihre Form, das warme Licht, das sie abstrahlt / abstrahlte (im Gegensatz zu dieser Energiesparsch...) und die nicht beabsichtigte, aber mit 80% hohe Hitzeabstrahlung, welche zu einem wohligen Raumklima und geringeren Heizkosten im Winter beigetragen hat. Jetzt schrauben wir uns quecksilberverseuchte, hässliche Kringel in die Fassungen – (ist) das (ist) der Fortschritt (?) (!) Klaus Kiechle: Was bedeutet Heimat für Dich? Allgäu – Hügel, Berge, Käs. Helmuth Kittel: Du musst Dich auf eine Insel zurückziehen. Welche wählst Du aus und, in zwei Sätzen, warum? Dann schon eine unbewohnte Karibikinsel, damit ich vom Rest der Welt nichts mehr mitbekommen muß. Mario Riedesser: Woran ist das Tote Meer gestorben? Ihm wurde die Suppe versalzen. Günther Band: Welches war die letzte Situation, die Dich für ein neues künstlerisches Werk inspiriert hat? Ich stand vor einem meiner Werke, und mir ist ein artverwandtes Objekt in den Sinn gekommen.

Stephan Schmidt: Wenn Du von deiner Kunst gut leben könntest, was würde sich – an Deiner Kunst oder grundsätzlich – ändern? Die Größe der Objekte. Ich könnte eine geräumigere Werkstatt beziehen, evtl. ein bis zwei Mitarbeiter einstellen, die bei der Umsetzung behilflich wären und in anderen Dimensionen arbeiten.


Petra Joser: Dient Kunst zum Selbstzweck? Ich denke schon, in der Form, seine Gefühle, Neigungen, Regungen, was auch immer, seiner Umwelt nahe zubringen. Uta Seyberlich: Du arbeitest an einem Werk, das längere Zeit in Anspruch nimmt. Wie schaffst Du es Deine Motivation, Kreativität und Inspiration zu halten? Ich lasse mich oftmals von der Natur inspirieren. Ist für mich ein spannender Dialog, natürliche Formen in Metallen zu bändigen. Peter Morgner: Van Gogh hat angeblich unter anderem Terpentin verzehrt, Hemingway war dem Absinth ergeben. Welche kreativen Hilfsmittel ziehst Du vor? Wenn‘s mal nicht so läuft, `ne Selbstgedrehte quarzen und sich das Ganze von allen Seiten betrachten – dann geht´s meist wieder von alleine weiter. Susane Praetorius: Ein Kunstwerk hat Eigenschaften, die ein gewöhnlicher, materieller Gegenstand nicht hat, jedoch unsichtbare. Wie siehst Du das? Es zieht einige Betrachter in den Bann, andere nicht. Das ist für mich Kunst.

Boris Bösker

Metallobjekte, Lichtdesign * 1975 in Kempten Gelernter Karosserie- und Fahrzeugbaumeister. Angestelltenverhältnis bis Juli 2009 in renommiertem Betrieb für Oldtimerrestauration und Blechumformung bei München. Seit November 2009 selbstständig als Karosserie- und Fahrzeugbauer und Metallbildner in Kempten, Ausstellung in München www.boesker.com


PORTRAIT

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Formen, die nur in Stein Bedeutung erhalten

Hineingeboren in eine Steinmetzfamilie in vierter Generation, begreift man irgendwann, was für ein Glück es ist, mit diesem Material arbeiten und leben zu dürfen. Formen zu schaffen, die nur in Stein ihre Bedeutung erhalten. Das Material zu beherrschen und trotzdem mit ihm zusammenzuarbeiten. Mit Schweiss, Kraft, Staub und der Überzeugung, unvergängliches zu schaffen, ist mein Antrieb.

von Petra Joser

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„Es gibt nur ein Leben, und da muss man alles reinpacken.“ Mercedes R. d. Vetter: Viele Künstler sind nicht in der Lage, von der Kunst zu leben, und sehen sich gezwungen, zusätzlich durch „artfremde“ Tätigkeit Geld zu verdienen. Diese Tätigkeit beansprucht viel Zeit und Vitalität, was, selbstverständlich zu Lasten der Kunst geht. Auf was würdest Du verzichten, um allein durch die Kunst leben zu können? Auf gaaar nichts. Es gibt nur ein Leben und da muss man alles reinpacken. Zwänge fördern und fordern auch, die wenige Zeit zu nutzen, die man hat. Das kann (nicht immer) auch die Kreativität unheimlich unterstützen.

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Klaus Kiechle: Was bedeutet Heimat für Dich? Ma und Pa. Kein Ort! Nur ein Gefühl, das mir sagt, hier bist Du immer zu Hause. Boris Bösker: Wofür lohnt es sich zu kämpfen? Im positiven Sinne nur für sich selbst. Damit hat jeder genug zu tun. Helmuth Kittel: Du musst Dich auf eine Insel zurückziehen. Welche wählst Du aus und, in zwei Sätzen, warum? Auf meine eigene Insel „ICH“. Weil ich dort denken und leben kann wie ich will. Mario Riedesser: Woran ist das Tote Meer gestorben? RIEDESSER!!! Ist diese bescheuerte Frage von Dir? (Anm. d. Red.: Die Interviewfragen wurden anonymisiert gestellt.) Gwendolyn Boos: Stell Dir vor, Du könntest zu allen Menschen dieser Welt sprechen, jeder könnte Dich hören und verstehen. Was würdest Du sagen oder fragen? Lasst die Menschen so sein wie sie sind, such Dir die raus mit denen Du Dein Leben leben kannst.

Günther Band: Welches war die letzte Situation, die Dich für ein neues künstlerisches Werk inspiriert hat? Immer wenn einem extreme Gefühle begegnen. Ob positive oder negative, und das passiert jeden Tag.

Maria Kiechle: Welche Erfindung des vergangenen Jahrhunderts hat Dich begeistert und warum? Mein Diamantflexblatt. Weil es obergeil ist, damit zu arbeiten.

Stephan Schmidt: Wenn Du von Deiner Kunst gut leben könntest, was würde sich – an Deiner Kunst oder grundsätzlich – ändern? Nichts. Weil es so ist wie es ist, und immer das wird, was es soll.


Der Kemptener Kleinkunstverein e.V.

Uta Seyberlich: Du arbeitest an einem Werk, das längere Zeit in Anspruch nimmt. Wie schaffst Du es, Deine Motivation, Kreativität und Inspiration zu halten? Weil Kunst nicht von wollen kommt, sondern von müssen. Es gibt die Motivation, etwas tun und ausdrücken zu müssen, was einfach da ist. Darum muss ich mich nicht motivieren, sondern es nur passieren lassen, egal wie lange es dauert. Zeit sollte in der Kunst keine Rolle spielen. Peter Morgner: Van Gogh hat angeblich unter anderem Terpentin verzehrt, Hemingway war dem Absinth ergeben. Welche kreativen Hilfsmittel ziehst Du vor? Der Versuch glücklich zu sein, handwerkliches Können und der Sieg über das Material Stein. Und nicht zuletzt: Viel Bier. Susanne Praetorius: Ein Kunstwerk hat Eigenschaften, die ein gewöhnlicher, materieller Gegenstand nicht hat, jedoch unsichtbare. Wie siehst Du das? Jeder gewöhnliche, materielle Gegenstand kann Kunst sein oder zu Kunst werden. Es liegt im Auge des Betrachters und was der Künstler daraus macht.

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Allgäu Jazz

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Petra Joser

Skulpturen aus Stein * 1969 in Leutkirch im Allgäu. Ausbildung zur Steinmetz-Steinbildhauerin (Kammersieg), 1993 Stipendium des Wirtschaftsministeriums an der Kunstakademie Lüttich, Belgien, 1997 Aufenthalt in Venedig am Zentrum für Denkmalpflege, San Servolo, 1999 Meisterprüfung im Steinmetz-Steinbildhauerhandwerk, 2002 Ausbildung zur geprüften Restauratorin, Mitglied im Kunstverein Leutkirch, Mitglied im Berufsverband bildender Künstler. Lebt und arbeitet in Leutkirch

www.klecks.de Vogtstraße 8 • 87435 Kempten • Tel. 0831 / 2 92 76


PORTRAIT

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Quo Vadis, Fotobildermacher? von Klaus „Bschese“ Kiechle

Fotografie ist bewusstes Abbilden und setzt bewusstes Sehen voraus! Eine Aussage, die viele Fragen offen lässt. Ist im Zeitalter der Digitalfotografie bewusstes Sehen noch gefragt? Bewegen wir uns nur noch im Bereich der „Ausprobierfotografie“ in der Hoffnung, dass Quantität Qualität erzeugt. Bewusstes Sehen ist für mich die Entschleunigung in der Fotografie unserer Zeit.

Doch sehe ich wirklich bewusst, oder spielt mir das Unterbewusstsein einen Streich, blendet aus und ich sehe nur das, was ich sehen will? Was will ich bewusst sehen, Schönheit, Harmonie und Perfektion oder auch Hässlichkeit, Verfall und Zerstörung? Möchte ich mit meinen Bildern dokumentieren, bewahren oder mahnen, oder „nur“ meine Sicht der Dinge darstellen?

Bewusstes Sehen ist das Erkennen des Augenblicks in seiner Vielfalt. Bewusstes Sehen und bewusstes Abbilden ist das Endprodukt meiner inneren Stimmung und Befindlichkeit und wechselt täglich, stündlich, von Minute zu Minute. Quo Vadis – wohin gehst du – wohin will ich? Der Weg ist für mich immer offen und frei.


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GroĂ&#x;e Abbildung: Quo vadis, 2010. SW-Digitalfoto auf Alu-Dibond, 60 x 80 cm Abbildung oben: Holzauge, 2010. Color-Digitalfoto auf Alu-Dibond, 60 x 60 cm


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„Wer keine mehr hat, mehr.“

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Mercedes R. d. Vetter: Viele Künstler sind nicht in der Lage, von der Kunst zu leben, und sehen sich gezwungen, zusätzlich durch „Art-fremde“ Tätigkeit Geld zu verdienen. Diese Tätigkeit beansprucht viel Zeit und Vitalität, was, selbstverständlich, zu Lasten der Kunst geht. Auf was würdest Du verzichten, um allein durch die Kunst leben zu können? Im vollen Umfange auf meine Büroarbeit im Klinkum Kempten. Gwendolyn Boos: Stell Dir vor, Du könntest zu allen Menschen dieser Welt sprechen, jeder könnte Dich hören und verstehen. Was würdest Du sagen oder fragen? Warum? Maria Kiechle: Welche Erfindung des vergangenen Jahrhundert hat Dich begeistert und warum? Tesafilm! Klebt fast überall. Boris Bösker: Wofür lohnt es sich zu kämpfen? Für Gerechigkeit und Freiheit, damit mir meine persönliche Freiheit erhalten bleibt. Für die Erfüllung meiner kleinen Wünsche und die Erhaltung meiner Träume. Wer keine Träume mehr hat, lebt nicht mehr. Helmuth Kittel: Du musst Dich auf eine Insel zurückziehen. Welche wählst Du aus und, in zwei Sätzen, warum? Irland, weil diese Insel meine zweite Heimat geworden ist. Die Mischung aus Freunden, Menschen, Landschaft, Musik und Klima ergeben für mich ein Wohlfühlklima weit über 100 Prozent.

Mario Riedesser: Woran ist das Tote Meer gestorben? Mein Großvater hat es umgebracht. Petra Joser: Dient Kunst zum Selbstzweck? Kunst kann vereinnahmen und auch ausgrenzen. Kunst entsteht beim Konsumenten, der beschlossen hat, dass das Kunst ist, was er gerade sieht, hört oder liest. Kunst transportiert ausschließlich den Selbstzweck des Künstlers. Uta Seyberlich: Du arbeitest an einem Werk, das längere Zeit in Anspruch nimmt. Wie schaffst Du es, Deine Motivation, Kreativität und Inspiration zu halten? Meine Fotobilder entstehen aus dem Augeblick heraus, entstehen beim Auslösen der Kamera. Nistet sich in meinen Gedanken ein Projekt ein, kann ich auf mein Bilderarchiv zurückgreifen, oder ich mache mich auf die Suche nach dem geeigneten Bild. Was sich in meinen Gedanken festgesetzt hat, wird nicht gelöscht und auch über einen langen Zeitraum verfolgt. Diese Verfolgung lässt auch Denk- und Schaffenspausen zu, weil das Loslassen für mich die Motivation für meine Inspiration und Kreativität ist. Peter Morgner: Van Gogh hat angeblich unter anderem Terpentin verzehrt, Hemingway war dem Absinth ergeben. Welche kreativen Hilfsmittel ziehst Du vor? Lagrein Riserva „Linticlarus“ vom Castell Turmhof in Entiklar Südtirol. Nach jedem Besuch bei meinen Freunden in Südtirol habe ich meinen Kopf frei für allerlei Unfug und Neues.


Aus

Liebe zur

HAAr KUNST

Träume lebt nicht 31

Günther Band: Welches war die letzte Situation, die Dich für ein neues künstlerisches Werk inspiriert hat? Die Ausstellung „Eigenzeit“ des Fotografen Elger Esser in Stuttgart. Stephan Schmidt: Wenn Du von deiner Kunst gut leben könntest, was würde sich – an Deiner Kunst oder grundsätzlich – ändern? Nichts, warum? Ich lasse mich ungern verbiegen. Susanne Praetorius: Ein Kunstwerk hat Eigenschaften, die ein gewöhnlicher, materieller Gegenstand nicht hat, jedoch unsichtbare. Wie siehst Du das? Ich sehe es in meinem Wohnzimmer. Ich werde nicht müde, seit über drei Jahren das Bild „Stiel-Leben“ von Susanne Praetorius täglich zu betrachten und zu bewundern. Für einen kleinen Augenblick nimmt es mich gefangen und lässt mich dann wieder los. In diesem Moment ein schöner Zustand.

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Meine Lust an den schwarzen Kästen Ist Sammeln wichtig? Diese Frage stellt sich für mich nicht. Ich bin mit Haut und Haaren der Sammelleidenschaft von alten Fotoapparaten verfallen. Alles fing so harmlos an. Vor meiner großen USA-Reise 1981 hatte ich beschlossen, dass ich eine vernünftige Spiegelreflexkamera brauche. Meine Freude an meiner neuen Kamera war groß! Aber was tun mit meinen treuen Begleitern der letzten zwanzig Jahre? Agfa Click II, Agfa Isolette II, Practica und Olympus waren traurig. Keine Reisen, keine Ausflüge und keine schönen Motive sollte es für sie geben. Nichts mehr, abgeschoben, nutzlos, verbannt auf das Altenteil. Sollte ich sie verkaufen? Keiner wollte meine ausgemusterten Kameras, sie waren alt und nicht mehr auf dem neuesten Stand der Technik. Ich konnte und wollte mich von meinen „schwarzen Kästen“ nicht trennen, und so durften sie in einer Vitrine im Hausgang ihr Dasein fristen. Ich hatte Freunde zu Besuch und plötzlich kam die Frage auf: „Sammelst du Fotoapparate?“ Ich konnte mit dieser Frage

nichts anfangen. Ich und Kameras sammeln, warum ich? Ein Freund meinte, da stehen doch Kameras in deiner Vitrine, du sammelst doch diese Kästen. Sofort versprach ein anderer Bekannter, mir so ein „altes Teil“ zu schenken. Er hatte es von seinem Großvater geerbt, und es sei für ihn unnütz und verstaube nur. Ich konnte mich nicht wehren, ich konnte der Versuchung nicht widerstehen. Ich war plötzlich Sammler von alten Fotoapparaten. Seit damals sind einige Jahre vergangen, und es wurden inzwischen 86 neue „alte Freunde“. Trödler, Flohmärkte und Auktionen sind für mich magische Anziehungspunkte. Mit einem Tunnelblick auf die schwarzen Kästen durchstreife ich Flohmärkte und freue mich riesig, wenn ich für wenig Geld eine ausgefallene Kamera mit nach Hause nehmen kann. Auf Auktionen werde ich manchmal unvernünftig und halte mein Bieterschild länger in die Höhe, als ich es mir vorgenommen habe. Meine Sammelleidenschaft hat mir wieder einen Streich gespielt, und ich gehe glücklich nach Hause.

33 Die technischen Details meiner Kameras stehen bei mir nicht immer im Vordergrund. Wichtig für mich ist die Tatsache, dass ich auf über 100 Jahre Kamerageschichte mit allen Spielarten der technischen und formgebenden Entwicklung blicken kann. Einige meiner schwarzen Kästen sind in ihrem Ruhestand noch tätig, und ich freue mich über die Fotos, die wir zusammen machen. Es fühlt sich gut an, eine alte Kamera aus dem Regal zu nehmen, sie in der Hand zu halten, auf den Auslöser zu drücken und so zu tun, als würde man im Jahre 1913 fotografieren. Ich wünsche mir immer wieder, dass meine Kameras sprechen könnten und mir über ihre Vergangenheit berichten. Manchmal ist es, als würde ich sie hören, wie sie ihre Geschichten erzählen, wie sie schwadronieren über ihre Reisen und dem Erlebten in fernen Ländern. Alles Fantasie und Einbildung? Kann schon sein, aber ich liebe sie alle meine Freunde, die „alten schwarzen Kästen“.


PORTRAIT

Braucht Kunst Untertitel? von Maria Kiechle

Was muss eigentlich erklärt werden? Hilft mir das weiter, wenn bei jedem kunstwerk draufsteht, was drin ist?

Ist es manchmal hilfreich wenn der Künstler mir einen Tipp gibt, was denn auf seinem Kunstwerk zu sehen ist, oder in welche Richtung ich nun denken soll? Oder ist es besser mich im „ Dunkeln „ zu lassen, damit meine Fantasie sich auf einen eigenen Weg begibt, um mit dem Kunstwerk klarzukommen? Manche Untertitel scheinen genauso verwirrend wie die Bilder selbst. Namensgebungen wie Illussion 1 und Illussion 2 helfen da auch nicht weiter. Und wenn ein wunderschönes Gemälde mit Mohnblumen, dann auch „Mohnblumen“ heisst, verblüfft das auch wieder.

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Ganz besonders symphatisch sind Bildunterschriften wie: „Ohne Titel 1 – 4 “. Da kann ich meine ganze Vostellungskraft darauf verwenden, den Gefühlen des Kunstschaffenden näher zu kommen und die diamentralen Unterschiede zwischen 1 und 4 herauszufinden. Wie dem auch sei, Gottseidank darf sich jeder alles ausdenken und sich dabei verwirklichen, ganz wie er will, und das ist auch gut so. Stille Wasser sind tief, fotografiert während einer Ballonfahrt in der Nähe von Oberstdorf.

Was also hab ICH mir dabei gedacht, Fotos mit Untertiteln zu präsentieren?

Rechte Seite: Oben: Der Schein trügt, gesehen in Knechtenhofen bei Thalkirchdorf

Sind meine Fotos, allesamt unveränderte Schnappschüsse, alleine unverständlich? Oder sind die Texte ohne dazugehörige Bilder nicht zu verstehen?

Unten: Der Weg ist das Ziel, aufgenommen im August in der Sesselbahn auf dem Weg zum „Mittaggipfel“, der sich dann im herrlichsten Sonnenschein präsentierte.

Selbstverständlich geht eines ohne das andere. Aber gemeinsam gezeigt, verführt uns die Kombination, genauer hinzuschauen und so im Zusammenhang etwas Neues zu entdecken.


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„Von der Kunst zu leben, ist die Kunst zu leben.“ 36

Mercedes R. d. Vetter: Viele Künstler sind nicht in der Lage, von der Kunst zu leben, und sehen sich gezwungen, zusätzlich durch „Art-fremde“ Tätigkeit Geld zu verdienen. Diese Tätigkeit beansprucht viel Zeit und Vitalität, was, selbstverständlich , zu Lasten der Kunst geht. Auf was würdest Du verzichten, um allein durch die Kunst leben zu können? Die Kunst zu leben besteht darin, von der Kunst zu leben - ohne Verzicht. Gwendolyn Boos: Stell Dir vor, Du könntest zu allen Menschen dieser Welt sprechen, jeder könnte Dich hören und verstehen. Was würdest Du sagen oder fragen? Wir alle können mit allen Menschen dieser Welt kommunizieren, gleich welche Sprache sie sprechen. Ich teile mich mit durch Lachen, Musik, Gesang, Malerei, Gestik und Körpersprache. Klaus Kiechle: Was bedeutet Heimat für Dich? Heimat ist was Vertrautes und Schönes. Der Klang der Worte, die Musik, die Landschaft löst Wohlbefinden in mir aus. Wenn ich von weit her heimkomme und die Allgäuer Alpenkette sehe – bin ich daheim. Dasselbe Gefühl überkommt mich aber auch in der Fremde, wenn dort der Klang der Worte, die Musik, die Landschaft Wohlbefinden in mir auslösen. Karl Valentin sagt: „In der Fremde ist der Fremde ein Fremder.“ Das bedeutet im Umkehrschluss: Ein Heimatloser ist auch in der Heimat heimatlos. Helmuth Kittel: Du musst Dich auf eine Insel zurückziehen. Welche wählst Du aus und, in zwei Sätzen, warum? Die Antwort ist in der Formulierung der Frage schon vorgegeben. 1:. Ich MUSS mich auf eine Insel zurückziehen. 2.: Ich muss mich auf eine Insel ZURÜCKZIEHEN. Das bedeutet doch, dass dies nicht aus freiem Willen geschieht. In dem Fall kann ich nur hoffen, dass diese Insel schön und die Insulaner liebenswert sind. Dann wäre es mir egal, wo ich lande.

recht zu sehen, dass es sich 400 Meter unter den Meeresspiegel zurückgezogen hat. Ich bin sicher, es erhebt sich wieder, wenn im Nahen Osten Frieden einkehrt.

Mario Riedesser: Woran ist das Tote Meer gestorben? An einer Überdosis Hass. Im „Heiligen Land“ grenzend an das Westjordanland bekommt dieses Meer soviel Elend und Un-

Petra Joser: Dient Kunst zum Selbstzweck? Ausschliesslich zu meinem Zweck. Wer sich auseinandersetzt mit sich und der Umwelt und mit dem Bedürfnis arbeitet, et-

Günther Band: Welches war die letzte Situation, die Dich für ein neues künstlerisches Werk inspiriert hat? Eine Ballonfahrt über das obere Allgäu und die Sicht der Dinge von oben.


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Boris Bösker: Wofür lohnt es sich zu kämpfen? Für Frieden, Freude, Eierkuchen. Peter Morgner: Van Gogh hat angeblich unter anderem Terpentin verzehrt, Hemingway war dem Absinth ergeben. Welche kreativen Hilfsmittel ziehst Du vor? Feuerzangenbowle. Die Kombination aus Feuer, das sichtbar ist, Feuer, das durch die Kehle rinnt und Feuer, das den Leib wärmt, macht mein Hirn weich und aufnahmefähig, meinen Mund gesprächig und meine Hand locker. Stephan Schmidt: Wenn Du von deiner Kunst gut leben könntest, was würde sich – an Deiner Kunst oder grundsätzlich – ändern? Darauf bin ich jetzt schon neugierig. Ich sage es, wenn es so weit ist. Susanne Praetorius: Ein Kunstwerk hat Eigenschaften, die ein gewöhnlicher, materieller Gegenstand nicht hat, jedoch unsichtbare. Wie siehst Du das? Weil Herz und Hirn sich einschalten, und etwas bleibend manifestieren, dann ist das zwar unsichtbar, aber ganz und gar nicht unwirksam.

Maria Kiechle Text vs. Bild *1950 in Immenstadt Mitglied der Schreibwerkstatt Sonthofen, Musikerin. Ausstellungen in Kempten.

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1982 eröffnet Kurt Dambeck mit einem Mitarbeiter sein Fachgeschäft für Orthopädie Technik in der Bodmanstr. 6 in Kempten 1992 machen stetig wachsende Patientenbetreuungen und eine rasch steigende Zahl zufriedener Kunden einen Umzug in die Wartenseestraße am Kornhaus in größere Räumlichkeiten nötig. Entwicklung zum Vollsortimentsangebot mit den Abteilungen Orthopädietechnik, Rehatechnik, Sanitätshaus und HomeCare mit aktivem Aussendienst. Die Mitarbeiterzahl beträgt 1992 schon 16 Personen. 1992 Erweiterung des Betriebes durch die Gründung einer Filiale in Sonthofen. 2002 weitere Geschäftsvergrößerung und Umzug in das eigene Haus in die Memminger Straße 104 in Kempten. Der Mitarbeiterstamm steigt auf 36. 2003 Eröffnung der Abteilung Orthopädie Schuhtechnik. 2004 Eröffnung des 1. Allgäuer Testzentrum für Prothesen. 2006 Gründung der Dambeck Akademie mit vielfältigem Angebot an Workshops und Fortbildungen. 2007 25 jähriges Firmenjubiläum und Erweiterung des Betriebes durch das Reha Aussenlager in der Daimlerstrasse in Kempten. Der Personalstamm zählt 63 MitarbeiterInnen. 2007 Eröffnung eines innovativen Analyse Zentrums auf einer Fläche von 300 m2 2008 Erweiterung der Orthopädie-Schuhtechnik um eine hochmoderne Ped CAD Einlagenfräse. Der Personalstand beträgt Ende 2008 77 Personen.

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PORTRAIT

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Warum Helmuth Kittels Kunst in den Müll gehört. von und über Helmuth Kittel

Kreativ sein ist vergleichbar mit einem Gespräch, nie vorherzusehen, ob es gut oder schlecht verläuft, lang oder kurz ausfällt, frustrierend oder fruchtbar ist. Wie auch immer die Unterhaltungen verlaufen, dieses dabei Produzierte häng ich mir nicht zu Hause an die Wand und starre es ein halbes Leben lang an. Nein, ganz gewiß nicht. Aber Gesprächsfetzen landen in meinem Gedächtnis und ent-

wickeln sich, Erinnerung entsteht, färbt ab, läßt mutieren und vergißt. Folglich gibt es keinen Anfang und kein Ende, selbst die Entsorgung via Mülleimer ist alles andere als ein Schlußpunkt. Jedes scheinbare Ziel ist Zwischenstation und Evolution. Folgerung: In meinem Universum kann es keine vollendeten Kunstwerke geben, denn jeden verdammten Tag erwacht ein anderer Helmuth Kittel.

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„Weniger für mehr

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Mercedes R. d. Vetter: Viele Künstler sind nicht in der Lage, von der Kunst zu leben, und sehen sich gezwungen, zusätzlich durch „Art-fremde“ Tätigkeit Geld zu verdienen. Diese Tätigkeit beansprucht viel Zeit und Vitalität, was, selbstverständlich, zu Lasten der Kunst geht. Auf was würdest Du verzichten, um allein durch die Kunst leben zu können? Schlaf, ganz klar. Ich würde eine Stunde Schlaf opfern, wenn‘s geht zu Beginn oder am Ende, und damit viel Zeit für viel Kunst gewinnen.

Boris Bösker: Wofür lohnt es sich zu kämpfen? Für eine Natur ohne Menschenhände.

Gwendolyn Boos: Stell Dir vor, Du könntest zu allen Menschen dieser Welt sprechen, jeder könnte Dich hören und verstehen. Was würdest Du sagen oder fragen? Gehts noch?

Petra Joser: Dient Kunst zum Selbstzweck? Kunst wird vom Menschen definiert, somit kann sie nicht selbstlos sein ganz zu schweigen vom Schöpfer, oder gibt es ein interesseloses Wohlgefallen beim Konsumieren von Kunst?

Maria Kiechle: Welche Erfindung des vergangenen Jahrhunderts hat Dich begeistert und warum? Die Relativitätstheorie begeistert mich, weil man die Menschen, die sie restlos kapiert haben, an einer Hand abzählen kann. Klaus Kiechle: Was bedeutet Heimat für Dich? Heimat bedeutet für mich zu wissen, dass mir die Berge morgen immer noch den Blick verstellen.

Günther Band: Welches war die letzte Situation die Dich für ein neues künstlerisches Werk inspiriert hat ? In der Fernsehsendung „Rockpalast“ kam ein beeindruckendes Konzert von „Band Of Horses“, klingt komisch, aber danach hab ich lauter Küchenzeugs skizziert, so Messer und Gabel, Zahnstocher und Kartoffelstampfer. Weiß wirklich nicht warum.

Helmuth Kittel

Zeichnungen, Malerei *1965 in Kempten Nach dem Abitur zwei Jahre Studium Kommunikationsdesign in Augsburg, dann abgeschlossenes Kunsttherapiestudium in Nürtingen. Momentan total freischaffend.

Mario Riedesser: Woran ist das Tote Meer gestorben? Der Koch war vermutlich verliebt. Uta Seyberlich: Du arbeitest an einem Werk, das längere Zeit in Anspruch nimmt. Wie schaffst Du es Deine Motivation, Kreativität und Inspiration zu halten? Kreativ bin ich immer bei allem, und inspiriert werd‘ ich schon beim Anblick einer Fliege, die hochmotiviert versucht,


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Schlaf Kunst.“ ihre selbstverständliche Freiheit hinter der Glasscheibe zu erreichen. Soll heißen: Weitermachen, auch wenn‘s Kopfschmerzen bereitet. Peter Morgner: Van Gogh hat angeblich unter anderem Terpentin verzehrt, Hemingway war dem Absinth ergeben. Welche kreativen Hilfsmittel ziehst Du vor? Nachdem seit v. Gogh u. Hemmingway die Öffentlichkeit ihren Umgang mit psychoaktiven Substanzen geändert hat, bleibt mir nur populärpsychologisches Kleingedrucktes serviert mit ‘ner Halben Bier. Stephan Schmidt: Wenn Du von deiner Kunst gut leben könntest, was würde sich – an Deiner Kunst oder grundsätzlich – ändern? An meiner Kunst würde sich nix ändern, bin mir da sehr sicher, aber an meiner Kundschaft hätte sich was grundsätzliches geändert: Die hätten nämlich auf einmal Geld. Susanne Praetorius: Ein Kunstwerk hat Eigenschaften, die ein gewöhnlicher, materieller Gegenstand nicht hat, jedoch unsichtbare. Wie siehst Du das? Ganz genauso. Denn der immaterielle Anteil an einem Kunstobjekt ist zum einen viel höher und zum zweiten nicht an das Objekt gebunden. Ein Name dafür ist wohl Phantasie, und die ist bei einem Gebrauchsgegenstand, wenn überhaupt erwünscht, enorm zielgerichtet im Vergleich zu Kunst.

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Portrait

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Bilder für Wörter. von Peter Morgner

Was wäre, wenn unsere Schriftzeichen nicht ständig ärmer an Form würden? Wenn der Charme der bildhaften Symbole unserer kommunikativen Anfängen wieder an Wert gewinnt? Wenn Farben die Bedeutung der Wörter mitbestimmen und sich Schreiberseelen nicht mehr hin-

ter schwarzen, elektronisch produzierten Einheitslettern verstecken können? Könnten wir dann einem Pinselschwung oder Federstrich nicht viel mehr Botschaft entnehmen?


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InTERvIEw

„Kreativität und Inspiration verschwinden, wenn ich sie bewahren will.“ 46

Mercedes R.d. Vetter: Viele Künstler sind nicht in der Lage, von der Kunst zu leben, und sehen sich gezwungen, zusätzlich durch „Art-fremde“ Tätigkeit Geld zu verdienen. Diese Tätigkeit beansprucht viel Zeit und Vitalität, was, selbstverständlich, zu Lasten der Kunst geht. Auf was würdest Du verzichten, um allein durch die Kunst leben zu können? Auf weit weniger, als es das Bild vom armen Poeten vermittelt. Wenn alleine der Verzicht auf einen „Art-fremden“ Beruf schon bedeuten würde, „durch die Kunst leben“ zu können, wäre das ja eine feine Sache. Ich würde jedoch die darauf folgende tägliche „Art-Routine“ genau so fürchten, wie einen Beruf, der das tägliche Denken so konzentriert, dass die eigene Kreativität verkümmert. Das Kreativ-Pflänzchen verträgt weder zu wenig noch zu viel Wasser, es geht also nicht um Kunst oder Beruf, sondern um die Verträglichkeit dieser beiden Dinge. Gwendolyn Boos: Stell Dir vor, Du könntest zu allen Menschen dieser Welt sprechen, jeder könnte Dich hören und verstehen. Was würdest Du sagen oder fragen? Überweisen Sie einen Cent auf folgendes Konto... Sie sind assimiliert... Chhhh pfff – Ich bin Dein Vater – chhh pfff... Wo is‘ das Hirn? Ich passe! Der Gedanke ist mir zu allmächtig, mir fällt hier in den nächsten drei Tagen nichts Vernünftiges ein. Nächste Frage, bitte. Maria Kiechle: Welche Erfindung des vergangenen Jahrhunderts hat Dich begeistert und warum? Die Fotografie – weil ich im Antlitz meines Ur-Opas erkenne, dass ich im Alter Ohren wie ein Buddha bekomme. Klaus Kiechle: Was bedeutet Heimat für Dich? Verstehen und verstanden zu werden. Boris Bösker: Wofür lohnt es sich zu kämpfen? Für die Heimat, die ich gerade beschrieben habe.

Helmuth Kittel: Du musst Dich auf eine Insel zurückziehen. Welche wählst Du aus und, in zwei Sätzen, warum? Meine aufblasbare Gummi-Insel, weil: a) die schwimmt in Süß- wie in Salzwasser b) es gibt dort auch Bier. Mario Riedesser: Woran ist das Tote Meer gestorben? An den Fischen. Die haben das Wasser getrunken und sind dann zu Salzsäulen erstarrt. Das Zynische Meer hat sich auf Grund dieser pädagogischen Maßnahme totgelacht und wurde anschließend einer Namensänderung unterzogen.


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CY CMY

Günther Band: Welches war die letzte Situation, die Dich für ein neues künstlerisches Werk inspiriert hat? Weißes Papier, Wasser, Farbe, ein Bleistift, dazu eine grobe Unruhe im Arm, die im Handgelenk nur noch ein leichtes Schwingen war und die Finger dazu brachten, den von Ihnen leicht umschlossenen Pinsel mit einer gezielten Bewegung über das Papier zu schleudern. Spaß beiseite: artig ‘09 hatte schon den Fuß in der Tür. Petra Joser: Dient Kunst zum Selbstzweck? Wenn sie sonst keinen Menschen berührt: absolut! Essbare Kunst würde auch noch einem Fremdzweck unterliegen – die Köche sind immer fein raus. Uta Seyberlich: Du arbeitest an einem Werk, das längere Zeit in Anspruch nimmt, wie schaffst Du es Deine Motivation, Kreativität und Inspiration zu halten? Über längere Zeit schaffe ich das gar nicht. Ich fertige Tag(es) werke, verwende dabei ausschließlich Techniken, die Spontanität beim Schaffen zulassen. Lieber werfe ich neun Arbeiten von zehn Tagen in den Müll, als an einer Arbeit zehn Tage im Kreativitätsstau zu darben. Motivation, Kreativität und Inspiration sind für mich unhaltbar – diese Dinge verschwinden, wenn ich sie bewahren will. Aber sie begleiten mich beim Prozess des Schaffens. Stephan Schmidt: Wenn Du von deiner Kunst gut leben könntest, was würde sich – an Deiner Kunst oder grundsätzlich – ändern? Ich wäre öfter einfach „dann mal weg“. Susanne Praetorius: Ein Kunstwerk hat Eigenschaften, die ein gewöhnlicher, materieller Gegenstand nicht hat, jedoch unsichtbare. Wie siehst Du das? So kategorisch kann ich das nicht betrachten. Meine ganz persönlichen Erfahrungen in den Jahren meines Betrachtens von Kunstwerken sind nicht nur positiv. Ich hoffe, Ihnen ergeht es ebenso - andernfalls wird dieser Absatz auf Sie arrogant wirken. Einige Werke berühren mich nicht, bei anderen habe ich eher Mit-Gefühl mit dem Material, als dass mir ein Gefühl durch das behandelte Material vermittelt wird. Das Kunstwerk wird für mich erst dann zu einem ungewöhnlichen Gegenstand, wenn es etwas in mir berührt, wenn vermeintlich meine eigene Erinnerung an eine Emotion in Zeitlosigkeit fest gehalten wurde. Ob sich diese Tatsache in mir oder im Erschaffer des Kunstwerks begründet, kann ich nicht zu sagen. Wie gesagt: Nicht jedes Kunstwerk hat für mich diese mystischen Eigenschaften.

Peter Morgner

Aquarelle, Kalligraphie *1965 in Marktredwitz Gelernter Porzellanmaler und staatlich geprüfter Dekorentwerfer, seit 1999 hauptberuflich Web-Layouter. Ausstellungen in Marktredwitz, Selb, Aš (CZ), Nürnberg, Kempten; Förderpreis der staatl. Fachschule Selb www.donpedro.de

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von Susanne Praetorius

5 Nektarinen 4 Pflaumen 3 Ananas 1 Pfirsich 1 Sanddornstrauch

werden umschwärmt von 46 Fischen 5 Napfschnecken und 2 Seepferdchen - mindestens

Sanddorn wächst bevorzugt auf sandigen, steinigen Böden.

Ananas wirken einfach überall exotisch und lieben hohe Luftfeuchtigkeit.

Nektarinen gehören zur Gattung „Steinobst“, ebenso wie die Pflaumen und der Pfirsich.

Bild: Meeresfrüchte II, 2010. 0,70 m x 1,80 m, Öl,Acryl und Aquarell auf Leinwand, Premiere auf der Ausstellung artig‘10

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Napfschnecken siedelten sich an, während ich den Felsen malte.


Eintauchen in das blaue Wunder unter Wasser... und die Welt bleibt draußen. Seepferdchen nehmen zur Tarnung die Farbe der Umgebung an.

Tanzende Lichtsäulen beleuchten den Meeresboden wie eine Opernbühne.

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Im Frühjahr gibt es im Mittelmeer überall Jungfische, neugierig, schutzsuchend und immer in Gruppen.

Wenn ich mit den fingern schnippe, wachen Sie auf, fühlen sich erfrischt und sind bester laune...

Die Strömung kämmt Wellen in den Sand.


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„Kreativition und Inspiratät – klares Chaos in der wunderbaren Welt der Kunst.“ 50

Mercedes Rodriguez: Viele Künstler sind nicht in der Lage, von der Kunst zu leben, und sehen sich gezwungen, zusätzlich durch „Art-fremde“ Tätigkeit Geld zu verdienen. Diese Tätigkeit beansprucht viel Zeit und Vitalität, was, selbstverständlich, zu Lasten der Kunst geht. Auf was würdest du verzichten, um allein durch die Kunst leben zu können? Aus dem oberen Teil Deiner Frage lese ich, dass Du auf Kunst verzichtest, um leben zu können. Deine Frage darunter stellt sich aber genau andersrum. Für mich gibt es kein entweder oder, es kommt auf die Lebenslage an. Gwendolyn Boos: Stell dir vor, Du könntest zu allen Menschen dieser Welt sprechen, jeder könnte dich hören und verstehen. Was würdest du sagen oder fragen? Diese Vorstellung ist schrecklich und macht mich ganz sprachlos. Maria Kiechle: Welche Erfindung des vergangenen Jahrhunderts hat dich begeistert und warum? Die wunderbare Welt der Werbespots! „Intelligente“ Werbung überrascht mit neuen Blickwinkeln, weckt die Neugier, ist spannend und amüsant. Werbespots sind ein Spiegel der Zeit und der Gesellschaft – und dauern nicht länger, als das Lesen dieser Antwort.

Peter Morgner: Van Gogh hat angeblich unter anderem Terpentin verzehrt, Hemingway war dem Absinth ergeben. Welche kreativen Hilfsmittel ziehst du vor? Meine Träume. Ich male mir alles in den schönsten Farben aus... Boris Bösker: Wofür lohnt es sich zu kämpfen? Für alles, was man braucht, um menschlich zu sein – menschlich im besten Sinne. Dann könnten wir unsere „hausgemachten“, globalen Probleme wie z. B. Kriege und Umweltzerstörung lösen. Kurz und einfach gesagt. Aber vielleicht ist die Frage auch ganz anders gemeint, und es geht eigentlich um die Sinnsuche im Leben...? Helmuth Kittel: Du musst Dich auf eine Insel zurückziehen. Welche wählst Du aus und, in zwei Sätzen, warum? Wieso „muss“ ich und wie lang? Aber angenommen, ich muss, weil ich frische Ideen für neue Gemälde bräuchte, würde ich Tasmanien (Australien) oder Sokotra (Republik Jemen, Indischer Ozean) wählen, wegen der Natur und landschaftlicher Atmosphäre.

Klaus Kiechle: Was bedeutet Heimat für Dich? Für mich haften an dem etwas angestaubten Begriff „Heimat“ Klischees wie Dorfschule, Kaiserwetter, Blasmusik und Brauchtum... eben ein Ort, „wo man herkommt“. Wenn überhaupt, würde ich sagen, ich bin in Bayern zu Hause, da ich bis jetzt in Oberbayern, Bayrischer Wald, Schwaben und Allgäu gelebt habe.

Günther Band: Welches war die letzte Situation die Dich für ein neues künstlerisches Werk inspiriert hat ? Meine Lust auf grün. In meinem Fotoarchiv fand ich eine Aufnahme mit Palmen, die ich vor einigen Jahren in der Gegend von Meran fotografiert habe. Daraus wählte ich den Ausschnitt mit im wesentlichen drei fächerförmigen Palmwedeln (sozusagen meine Lieblingsfächer...). Die strahlenartigen Blätter mit den gegenläufigen Schatten- und Lichtstreifen wirken wie ein „klares geometrisches Chaos“. Und alles eigentlich aus den zwei Farben schwarz und grün.

Mario Riedesser: Woran ist das Tote Meer gestorben? Im Salz ertrunken?

Das Bild heißt „summertime“ und wird in der Ausstellung artig10 zum ersten Mal gezeigt.


Petra Joser: Dient Kunst zum Selbstzweck? Nur, wenn sie nicht „funktioniert“. Kunst ist eine Form der Kommunikation. Uta Seyberlich: Du arbeitest an einem Werk, das längere Zeit in Anspruch nimmt. Wie schaffst Du es Deine Motivation, Kreativität und Inspiration zu halten? Ich stelle mir das fertige Bild vor und zwar nicht, wie es genau aussieht, sondern wie ich will, dass es wirkt. Dieses Gefühl der Wirkung motiviert mich. Das Bild zu malen, ist eine lange, innere Reise, mit mir allein. Meine Maltechnik besteht im Auftragen dünner Farbschichten mit vorzugsweise feinen Pinseln auf relativ großen Formaten. Es dauert Wochen oder Monate, es gibt Tage, an denen ich nicht weiterkomme, mir gefällt die Komposition oder die Farbe nicht... Und es gibt Tage, an denen alles leicht ist und so, wie ich es mir vorstelle. Malen ist für mich immer spannend und überraschend, ein sich ständig selbst erneuernder Prozess. Daraus wächst immer wieder Motivation, Kreativität und Inspiration. Stephan Schmidt: Wenn du von deiner Kunst gut leben könntest, was würde sich – an Deiner Kunst oder grundsätzlich – ändern?

Malen macht mich glücklich, und wenn ich auch noch gut davon leben könnte, gäbe es ja zweimal keinen Grund etwas daran zu ändern – aber grundsätzlich würde ich etwas entscheidend ändern, etwas, was ich mir schon lange wünsche: Ich würde auf jeden Fall Künstlerkollegen oder Kunstprojekte unterstützen. U.a. Hauptsponsor für artig, 10 Tage die ultimative UnabhängikeitskunstundkulturmiteintrittfreifüralleundallesParty (gutes Beispiel für die schönsten Farben aus der vorherigen Frage), und ich würde Naturschutz-Projekte unterstützen, denn wenn es eine Botschaft in meinen Bildern gibt, dann die, dass die Natur gut ohne uns leben kann, aber wir nicht ohne die Natur. (Binsenweisheit, ich weiß – ist aber trotzdem so...)

Susanne Praetorius Gemälde

*1961 in München Malerin und Dipl.-Kommunikationsdesignerin (FH). Ausstellungen u.a. in Kempten, Berlin, Frankreich, Italien. Publikumspreis der Kunstausstellung zur Allgäuer Festwoche 2005, 2006 und 2008 www.susanne-praetorius.com

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großes Bild: The Living Dead, in Arbeit. Tuschelavur auf Papier, 2,20 x 0,75 m. links: Nussschalen, 2010. Zirbelkiefer und Granit links unten: Leuchtstamm, 2010. Zirbelkiefer rechts unten: Umschlingungen, 2010. Laaser Marmor, frei vom Hieb, 1,60 x 0,20 x 0,20 m.

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Der Malhauer über Mario Riedesser

Wer zeichnet, malt, schnitzt, fräst, meißelt und im wahrsten Sinne tonnenweise kunstwerke schafft, der hat damit vielleicht schon alles gesagt. Ein guter Grund, um hier und heute bei Mario Riedesser auf mehr Text zu verzichten. also: schauen statt lesen.


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„Ein Kunstwerk schenkt jedem Betrachter etwas einzigartiges.“ 54

Mercedes R. d. Vetter: Viele Künstler sind nicht in der Lage, von der Kunst zu leben, und sehen sich gezwungen, zusätzlich durch „Art-fremde“ Tätigkeit Geld zu verdienen. Diese Tätigkeit beansprucht viel Zeit und Vitalität, was, selbstverständlich, zu Lasten der Kunst geht. Auf was würdest Du verzichten, um allein durch die Kunst leben zu können? Ich verzichte schon auf so Sämtliches. Die letzte Einsparung wäre nur noch auf Schwarzen Krauser und Bier zu verzichten. Und da wird’s schwierig. Boris Bösker: Wofür lohnt es sich zu kämpfen? Für das persönliche Glück im Leben und das gemeinsame Miteinander.

Gwendolyn Boos: Stell Dir vor, Du könntest zu allen Menschen dieser Welt sprechen, jeder könnte Dich hören und verstehen. Was würdest Du sagen oder fragen? Warum funktioniert der weltweite Marxismus nicht?

Uta Seyberlich: Du arbeitest an einem Werk, das längere Zeit in Anspruch nimmt. Wie schaffst Du es Deine Motivation, Kreativität und Inspiration zu halten? Indem ich mich selber unter Druck setze und einen festen Abgabetermin habe.

Maria Kiechle: Welche Erfindung des vergangenen Jahrhunderts hat Dich begeistert und warum? Die Flex. Sie erleichtert mir viele Arbeitsschritte.

Stephan Schmidt: Wenn Du von deiner Kunst gut leben könntest, was würde sich – an Deiner Kunst oder grundsätzlich – ändern? Meine Steinskulpturen wären drei mal so gross.

Klaus Kiechle: Was bedeutet Heimat für Dich? Familie und Freunde. Helmuth Kittel: Du musst Dich auf eine Insel zurückziehen. Welche wählst Du aus und, in zwei Sätzen, warum? Bora Bora – weil ich mich dort mit Sus und Mary treffe. Günther Band: Welches war die letzte Situation, die Dich für ein neues künstlerisches Werk inspiriert hat? Stress mit meiner Freundin. Petra Joser: Dient Kunst zum Selbstzweck? Oh ja, und zur Selbstverwirklichung. Peter Morgner: Van Gogh hat angeblich unter anderem Terpentin verzehrt, Hemingway war dem Absinth ergeben. Welche kreativen Hilfsmittel ziehst Du vor? Bier und Musik.

Susanne Praetorius: Ein Kunstwerk hat Eigenschaften, die ein gewöhnlicher, materieller Gegenstand nicht hat, jedoch unsichtbare. Wie siehst Du das? Jedem individuellen Betrachter schenkt ein Kunstwerk etwas Besonderes, und es ist etwas Einzigartiges.

Mario Riedesser

Skulpturen, Gemälde *1974 in Wangen Freischaff ender Bildhauer, Steinmetz- und Steinbildhauergeselle, Fachoberschule für Gestaltung. Ausstellungen u.a. in Kempten, Augsburg, München, Friedrichshafen. www.mario-riedesser.de


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PORTRAIT

Stimmig und zufrieden von Mercedes Rodriguez de Vetter

Großkunst, kleinkunst, Halbkunst ist das Motto unserer Vereinigung. 56

o.T. I, 65x72cm, Öl auf Leinwand Sense titol I, 50x70cm, Collage auf Karton Tomáquet, 80x100cm, Öl auf Leinwand

Meseta, 85x100cm Öl auf Leinwand o.T. II, 60x92cm Öl auf Leinwand


Poma, 73x100cm, Öl auf Leinwand Sense Titol II, 50x70cm, Collage auf Karton

Was aber bedeutet kunst konkret für mich, für meine person? immer wieder stelle ich mir diese frage und stets erhalte ich die gleiche stille antwort: kunst ist ein Teil von mir, meines lebens und meiner Balance im alltag. Ein Bild zu gestalten benötigt vieles mehr als nur das Material und das Werkzeug. Vielmehr sind es die Überlegungen und Gedanken, Konzepte, Skizzen, Verwerfungen und Emotionen, die den Stoff schaffen und ein Werk zu dem machen, was es am Schluß ist. Ganz wichtig ist der ständige Dialog mit dem Bild. Der beginnt schon bei der Festlegung des Motivs, Komposition, Fomat und Farbe, geht dann bis auf das gesamte Bild über, so gesehen, bis Werk und Künstler im Einklang sind.

Findung, 100x120cm, Öl auf Leinwand Sidero, 90x120cm, Öl auf Leinwand Descuarto, 85x125cm, Öl auf Leinwand

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„Musik bestimmt den Pinsel.“ Welche kreativen Hilfsmittel ziehst Du vor? Bei mir ist es die Musik. Der Rhythmus bestimmt auch den Pinselductus.

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Gwendolyn Boos: Stell Dir vor, Du könntest zu allen Menschen dieser Welt sprechen, jeder könnte Dich hören und verstehen. Was würdest Du sagen oder fragen? Hallo liebe Leute, habt ihr schon was von Artig gehört? Maria Kiechle: Welche Erfindung des vergangenen Jahrhunderts hat Dich begeistert und warum? Der Computer natürlich. Genial, weltweit Verbindung und Kommunikation innerhalb kürzester Zeit. Bei richtiger Verwendung auch sehr kreativ und Wissen vermittelnd. Klaus Kiechle: Was bedeutet Heimat für Dich? Heimat bedeutet für mich anzukommen, die Quelle meiner Gefühle, Inspiration und Kreativität. Der Ort an dem ich meine Seele baumeln lassen kann, um Kraft und Ausdauer zu schöpfen Peter Morgner: Van Gogh hat angeblich unter anderem Terpentin verzehrt, Hemingway war dem Absinth ergeben.

Boris Bösker: Wofür lohnt es sich zu kämpfen ? Für jedes Ideal, um zu erreichen, was für sich wichtig und wertvoll ist. Mario Riedesser: Woran ist das Tote Meer gestorben? Ich glaube, die Salinenhügel haben das Wasser verdrängt. Helmuth Kittel: Du musst Dich auf eine Insel zurückziehen. Welche wählst Du aus und, in zwei Sätzen, warum? Ich würde mir die Insel Mainau aussuchen. Sie ist in ihrer Größe gerade richtig, um sie bei Bedarf und je nach Frustationsgrad, durch Unzufriedenheit über eine Arbeit, immer wieder zu umrunden und mich dabei frei zu denken. Uta Seyberlich: Du arbeitest an einem Werk, das längere Zeit in Anspruch nimmt. Wie schaffst Du es Deine Motivation, Kreativität und Inspiration zu halten? Meistens arbeite ich parallel, an zwei, drei Werken gleichzeitig. Wenn die Motivation bei einem Bild nachlässt, widme ich dem anderen. Die konstante Betrachtung und das Zwiegespräch mit meinen

Bildern ist jedoch stets sehr intensiv und andauernd. Günther Band: Welches war die letzte Situation die Dich für ein neues künstlerisches Werk inspiriert hat? Der Jakobsweg in Spanien. Petra Joser: Dient Kunst zum Selbstzweck? Ja, für die geistige Erholung und Erbauung. Stephan Schmidt: Wenn Du von deiner Kunst gut leben könntest, was würde sich – an Deiner Kunst oder grundsätzlich – ändern? Nichts! Für mich ist nicht wichtig, von der Kunst zu leben, sondern für die Kunst. Susanne Praetorius: Ein Kunstwerk hat Eigenschaften, die ein gewöhnlicher, materieller Gegenstand nicht hat, jedoch unsichtbare. Wie siehst Du das? So sehe ich das auch. In einem Kunstwerk stecken viele Emotionen. Diese sind nicht sichtbar, jedoch fühlbar.

Mercedes Rodriguez de Vetter Gemälde

* 1948 in Cádiz, Spanien Bildende Künstlerin (AFC / Kunstakademie Faber- Castell). Ausstellungen u.a. in Kempten, Memmingen, Stein, Warnstein/Sauerland


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Bauchredner von Stephan A. Schmidt

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Bauchgefühl. Im Frühjahr 2009 projizierte mein Bauch ein ungefähres Bild vor mein inneres Auge. Unschuldig weißes Mehl gesellte sich dazu, es gärte, ein guter Freund ließ sich überreden, Modell zu stehen bzw. sitzen und danach zu duschen. Inszeniert, fotografiert, retuschiert und nachbearbeitet – das Bild lief mir zu. Den Kopf angeschaltet nur bei der Technik, den Hintergrund nach links erweitert, ansonsten laufen lassen. Acryl drauf, Lack drauf. Fertig. „Mancipation“ abgeliefert und ausgestellt. Viele Reaktionen, verschiedenste Interpretationen, es verbinden sich Fiktion und Wirklichkeit – je nach Tagesform und Lebensgeschichte der Betrachter. Ich fand das Bild gut, von vornherein, und schmunzelte ob mancher Geschichte, die mir erzählt wurde. Die Geschichten kamen von alleine, und ich musste nichts dazu tun, schon beim Fotografieren nicht. Ein paar Monate später die drängende Ernüchterung: Wie soll ich diesen Stil, diese selbstsprechende Sprache – obwohl es ja nur ein einziges Bild, eine einzige Idee war – weiterführen? Wie anschließen oder das Ding gar toppen? Quälende Leere im Kopf. Hab ich mich selbst überfordert? Bloß nix konstruieren. Dann Gedanken: Scheiß auf die Serie, es sollte ja gar keine wer-

Wer, so munkelte man im freibürgerlichen Florenz um 1500, steckt hinter diesem in Stein gemeißelten David? Was wissen die befreundeten Künstler Michelangelo und Botticelli? War er der geheimnisvolle Geliebte jener schönen

Bilder (jeweils Ausschnitte) links: Mancipation, 2009. Kunstblut, Tampon, Mehl, Print auf Canvas, Acryl, Öl, Lack, 1,50 x 0,45 m. Pandora, 2010. Fünf Wochen alte Herzoperation, Jod, Print auf Canvas, Acryl, Lack, 65 x65 cm Mother, 2010. Zweifache Mutter, flüssige Schokolade, Print auf Canvas, Acryl, Lack, 120 x 40 cm. Bild unten: Gesehen. (Florentiner Drama) 2010. Digitale Collage, handlackierte Prints auf Canvas, Triptychon 30 / 60 / 30 x 80 cm

den. Mach Deine anderen Ideen! Andere Bilder, andere Sprache. Doch verdammt nochmal, spricht das zumindest dieselbe Sprache, zeigt denselben, meinen Stil? Dennoch ausgesessen und abgehakt. Wenn auch unwillig. Ab ins Schachterl und zu – ok, fuck, ich mach‘ was anderes. Ein halbes Jahr später klingelte dann der zweite Bauch. Einfach so, als ob er schon immer dagewesen wäre. Und wieder der einer guten Freundin, ein Bauch, malträtiert bis müde aus zweifacher Mutterschaft – und erzählte meinem inneren Bauch viele Geschichten, die alle mit einmal Auslösen einzufangen wären. „Duhu, darf ich Deinen Bauch fotografieren?“ Und plötzlich der nächste Bauch, eigentlich ein Oberkörper wie auch schon bei Mancipation. Fast schon zu schwer: Acht Stunden OP am offenen Herzen, kurz vor‘m Draufgehen. Erst drei Wochen später kapiert, vielleicht weil‘s ein guter Freund und das zu nahe war, und gefragt: „Duhu, darf ich Deinen Bauch fotografieren?“ „Und anmalen, nur mit einem Wort... Ok, ja, vollsauen...“ Vielleicht geht das ja so weiter. Denn der Bauch speichert die Geschichte(n) - und meiner hört hoffentlich gerade zu.

Simonetta, die für Botticellis Venus Modell stand? Beide, Michelangelo und Botticelli, arbeiteten für Parteien, deren Feindschaft in Florenz viel Blut kostete: Hier die mächtige Dynastie der Medici, die einer-

seits zwei Päpste stellte, andererseits als Bankiers und Kaufleute sehr liberal dachte und schon durch ihr Geld die Renaissance mitbegründete, dort die Republikaner und konkurrierenden Patrizier, die der inoffiziellen wie beliebten Herrscher und Großherzöge der Toscana mit all ihren Verflechtungen zwischen Genua, Venedig, Mailand und Rom überdrüssig waren. Zurück zur Geschichte, die dem damaligen Boulevard viel Stoff lieferte: Die adelige Simonetta Vespucci, 1453 in Genua geboren und im Alter von 16 Jahren mit dem schwulen Cousin von Amerigo Vespucci, dem Entdecker in Diensten der Medici und Namensgeber von Amerika, unglücklich verheiratet, galt bald als Inbild der Schönheit – und als Vorbild und Vorlage für viele Maler dieser Zeit. Giuliano de Medici, in Florenz neben seinem berühmten Bruder Lorenzo de


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Medici der zweite Herrscher, verliebte sich unsterblich in sie. Bei einem Turnier am 29. Januar 1475 widmete er seinen Auftritt Simonetta, der Königin der Schönheit: Auf seiner Standarte aus Botticellis Werkstatt erschien sie mit Helm, Lanze und Schild in der Pose der Pallas Athene neben einem Amor, der an einem Baum gefesselt war – und neben ihm seine Pfeile zerbrochen auf dem Boden. Nie wurde klar, ob aus dieser platonischen Verehrung mehr wurde, zudem die Liaison zwischen einem MediciRegenten und einer verheirateten Frau einen Skandal ausgelöst hätte. Nur ein Jahr später starb Simonetta in der Nacht zum 27. April 1476 im Alter von 23 Jahren an Tuberkulose. Und Giuliano wurde auf den Tag genau zwei Jahre später im Zuge einer Verschwörung im Florentiner Dom Santa Maria del Fiore erstochen. Aus tiefster Trauer und zur Huldigung an diese große Liebe seines Bruders beauftragte Lorenzo de Medici den Maler Boticelli mit einem Gemälde: „Die Geburt der Venus“ (ursprünglich „Venus

die dem Meer entsteigt“), zu sehen in den Uffizien, ist dieses Vermächtnis. Warum aber waren Amors Pfeile zerbrochen, zerschellt? Gab es neben Guiliano und Simonettas schwulem Ehemann einen geheimnisvollen Dritten, von dem man erst recht nichts wissen durfte? David, in der Bibel erster gemeinsamer Herrscher über die beiden Reiche Juda und Israel und zuvor Hirtenjunge

Gesehen Ein florentiner Drama

wie Krieger wider Willen und danach Bandenführer in den Bergen, war in Florenz ein bürgerlicher: Ursprünglich war, seit ca. 1464, sein Abbild dazu gedacht, das Figurenprogramm der äußeren Strebepfeiler eben jenes Domes Santa Maria del Fiore zu ergänzen. Nachdem zwei Künstler an dem riesigen Marmorblock

aus Carrara, der im Florentiner Domgarten lagerte, scheiterten, stellte Michealangelo diesen um 1504 fertig. Doch eine Kommission, der auch Sandro Botticelli und Leonardo da Vinci angehörten, befand mehrheitlich im Auftrag der Signoria, eine dem fernen Kaiser überlegenen, organisierten und regierenden Bürgerschaft aus Handwerk und Handel, ihn auf dem Platz vor dem Palazzo Vecchio, dem Sitz der Signoria, als Wahrzeichen der freien Bürger der Stadt Florenz aufzustellen. Der David, in Stein gehauen, wurde aber nur für kurze Zeit zum Wahrzeichen der freien Bürger: 1512, zwei Jahre nach Botticellis Tod, erkämpften die Medici, die 1494 aus der Stadt verbannt worden waren, ihre Rückkehr nach Florenz. Jenseits dessen – und wie gesagt: Michelangelo und Botticelli kannten einander gut. Und vielleicht auch ihre Modelle. Wer hinsah, konnte sehen. Es hätte schon damals keiner Bunten oder Bild gebraucht, um beide Werke nebeneinander zu halten…


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„Wieviel Müll wollen wir uns noch merken?!“ 62

Mercedes R. d. Vetter: Viele Künstler sind nicht in der Lage, von der Kunst zu leben, und sehen sich gezwungen, zusätzlich durch „Art-fremde“ Tätigkeit Geld zu verdienen. Diese Tätigkeit beansprucht viel Zeit und Vitalität, was, selbstverständlich, zu Lasten der Kunst geht. Auf was würdest Du verzichten, um allein durch die Kunst leben zu können? Auf alles überflüssige – und ich müsste aufpassen, nicht zuviel als überflüssig zu betrachten, denn sonst ginge mir das an meine Gesundheit. Und – eigentlich ein leichter Verzicht – auf verlorene Zeit für zuviel halbe „Informationen“ aus dem Fernsehen, aus Zeitungen und News-Seiten im Internet. We are overnewsed and underinformed – denn wieviel Müll wollen (oder sollen?) wir uns denn noch merken!? Gwendolyn Boos: Stell Dir vor, Du könntest zu allen Menschen dieser Welt sprechen, jeder könnte Dich hören und verstehen. Was würdest Du sagen oder fragen? Fragen würd’ ich lieber nix – es kämen zu viele bescheuerte Antworten. Und mein alter Fehler wäre, dazu auch noch was sagen zu wollen. Lieber würde ich jenes Weltmikrofon in die Hand nehmen und sagen: „Achtung, Achtung, hier sprechen die Vereinten Nationen. Die Präsidenten aller Länder, die Islamische Konferenz, der Papst und der Dalai Lama haben sich darauf

geeinigt, dass ab heute, 24 Uhr Ortszeit, weltweit jeder Mensch, ich wiederhole: jeder Mensch ein Recht auf täglich frei wählbare acht Stunden Schlaf und vier Stunden für eine frei wählbare Tätigkeit, die durchaus sinnlos sein kann, gegen eine ihm zur Verfügung zu stellenden warmen Mahlzeit hat.“ Mal schauen, was darauf hin passiert…. Maria Kiechle: Welche Erfindung des vergangenen Jahrhunderts hat Dich begeistert und warum? Ist im 20. Jahrhundert schwierig – hier begeistert mich kaum keine Erfindung, alles zu technisch und zu beschleunigend. Außer vielleicht ein paar medizinische Erfindungen und ganz besonders die Elektrogitarre durch George Beauchamp und Adolph Rickenbacker um 1931 – und nicht zu vergessen der Kopierer, mit dem ich in meiner Jugend viele Experimente machte, bis das Taschengeld alle war – und bis mir Jahre später jemand ein Bildband von David Carson schenkte, weil meine Sachen an ihn erinnerten (was mir eine Ehre war, auch wenn es mir stank, dass der wohl etwas mehr Taschengeld gehabt haben muss). Die wirklich guten Sachen aber, zum Beispiel Schallplatte oder Kamera, wurden schon früher erfunden. Klaus „Bschese“ Kiechle: Was bedeutet Heimat für Dich?

Meine Heimat findet nicht geographisch statt sondern dort, wo ich Menschen sehe und als Mensch gesehen werde, wo nicht mal Verständnis Gradmesser ist, sondern Vertrauen, Achtung und Offenheit „herrscht“, und dort, wo geschwiegen werden kann ohne das Gefühl, reden zu müssen. Dort, wo man nicht denken muss sondern „nur“ empfinden kann – dort, wo die Seele weiß, dass sie angekommen ist. Boris Bösker: Wofür lohnt es sich zu kämpfen? Für sehr vieles. Und konkret: Für mehr Mensch und weniger Maschine. Gegen die penetrant normierende Überbewertung praktischer oder „mathematischer“ Intelligenz – das heißt für mehr Herzens- und Seelenbildung und nicht für mehr Hirnbildung; doch dem steht leider im Wege, dass gerade die „Kultus“-Minister Kultur aus der Bildung streichen. Oder: Für die Umdefinition von „Leistung“ und Begabung. Für mehr schräg statt gerade. Und für die Entdeckung der Langsamkeit. Jenseits dieser Konkretheit: Auch eigene Beharrlichkeit, Träume und Visionen nicht zu verlieren, das ist Kampf. Täglich. Vor allem Kampf gegen pseudopragmatische, desillusionierende Besserwisser, die einem solches ausreden oder zumindest in beschissenen Kompromissen aufweichen wollen. Also: Träume brauchen Krieger! Ob es sich – wie gefragt – „lohnt“ oder nicht. Denn sonst wäre man nur Söldner des Alltags.


Helmuth Kittel: Du musst Dich auf eine Insel zurückziehen. Welche wählst Du aus und, in zwei Sätzen, warum? Ich rufe gute Freunde an, frage, ob sie sich ebenfalls auf eine Insel zurückziehen müssten (oder zumindest ebenfalls eine solche Frage vorliegen haben) – und dann werden wir uns schon auf ein wunderbares Eiland einigen. Warum? In – wie gefordert – zwei Sätzen: Das sollte sich von selbst erklären. Das sollte sich von selbst erklären.

Das sind keine definierbaren, singulären Situationen im Leben. Inspiration kommt (bei mir) eher aus Erfahrungen, die sich in mir über längere Zeit setzen, sich mit weiteren Informationen oder Eindrücken zu einem Knäuel verdicken und wie ein Projektor im Bauch eigene Bilder und Vorstellungen ins innere Auge generieren – egal wo ich bin und egal in welcher Situation. Anders gesagt: Ich brauche keine „Situationen“ für Inspirationen.

Hemingway war dem Absinth ergeben. Welche kreativen Hilfsmittel ziehst Du vor? Gute Gespräche mit guten Freunden, ohne viel Worte oder mit ganz viel Worten, nüchtern oder auch nicht. Manchmal auch die Einsamkeit, und dabei alles abschalten, keine Zeitung, kein Fernsehen, kein Internet – ebenfalls nüchtern oder auch nicht. Oder Musik, viel Musik. Und jene Heimat, die ich weiter oben beschrieben habe.

Mario Riedesser: Woran ist das Tote Meer gestorben? Während eines Interviews bei der siebten Frage? Aber nein – das war äußerst tragisch, und ich verarbeite diese herzzerreißende Tragik gerade in meinem kommenden Roman „Die Liebe, das Meer und der Tod aus Deutschland“: Das Meer machte einen Ausflug, sah und hörte die wunderschöne Tejo-Bucht einen Fado singen, fuhr abgelenkt und erfüllt von endloser Liebe bei Rot über die Ampel und wurde vom von rechts kommenden, vorfahrtsberechtigten Traumschiff des ZDF überfahren, während auf dessen hinterem Deck eine Militärkapelle „Hoch auf dem gelben Wagen“ für die Zielgruppe über 60 spielte, die zu diesem Takt Unterdecks schweißgebadet ruderte. Um 20:15 Uhr traf Baywatch ein und konnte nur noch feststellen, dass der Teufel die verkaufte Seele bereits… Aber Stopp, das nur vorab - mehr möchte ich noch nicht verraten.

Petra Joser: Dient Kunst zum Selbstzweck? Gegenfrage: Wessen Selbstzweck? Meinem, ihrem, dem anderer? Oder gar zu einem gemeinsamen?

Susanne Praetorius: Ein Kunstwerk hat Eigenschaften, die ein gewöhnlicher, materieller Gegenstand nicht hat, jedoch unsichtbare. Wie siehst Du das? Holla die Waldfee, wie soll ich’s sehen, wenn’s unsichtbar ist? Aber fernab dieser Blindheit: Auch eine Landschaft, ein Sonnenaufgang oder ein Gedanke, ein Kuss, ein Lächeln, ein bedachtes Wort – manches mehr als nur ein Kunstwerk hat Eigenschaften, die ein gewöhnlicher Gegenstand nicht hat: Es berührt. Oder es bedrückt – wie Hass, Tod, Missachtung oder Schmerz. Ich glaube, es gibt daher nur eine spezifische Eigenschaft eines Kunstwerkes: Es hält solches fest, friert es ein und zeigt es. Unabnutzbar permanent für jeden, der sich die Mühe macht und hinschaut.

Günther Band: Welches war die letzte Situation, die Dich für ein neues künstlerisches Werk inspiriert hat?

Stephan A. Schmidt Fotografik

*1967 in Marktredwitz. Autodidaktischer Gestalter analog, digital und per Kamera. Studium Kommunikationswissenschaften, Ausbilder für Mediengestalter. Aufnahme in die internationale „Web Design Index“ Jahrbücher 2006 und 2007, eOscar Systems 2000, Gruppenausstellungen in Kempten. www.brainpogo.com

Jedenfalls: Wäre Kunst sich selbst der eigene Zweck, dürfte sie nicht mal kommunizieren, weder in des Künstlers noch in ihrem Sinne. Ich denke andererseits, dass Kunst erst einmal um ihrer selbst willen „passieren“ soll oder kann – gerade in dem Moment, wo sie um ihrer selbst willen, und aus meinem inneren Antrieb vielleicht noch ohne Ziel und Sinn, raus will und den Künstler – wiederum um seiner selbst willen – dazu drängt. Ob sie danach, dann wenn sie fertig ist, noch kommuniziert, ist ja nachrangig – dann ist sie schon passiert und kann nach ihrer Geburt machen, was sie will. Damit zur zweiten Gegenfrage: Ist die Geburt eines Menschen nicht auch Selbstzweck? Uta Seyberlich: Du arbeitest an einem Werk, dass längere Zeit in Anspruch nimmt. Wie schaffst Du es, Deine Motivation, Kreativität und Inspiration zu halten? Indem ich das Werk bzw. die Idee dazu mit mir sprechen, den Kopf abgeschaltet auf mich wirken lasse, und wenn’s nicht klappt, ihm und mir eine Pause gönne, oder andererseits mir konkret Zeit nehme und anderes hinten anstelle. Zur Arbeit zwingen aber habe ich mich noch nie müssen, denn alles in mir zieht’s, zum rechten Zeitpunkt und spätestens, wenn die Musen schreien, zum Weiterarbeiten – die Idee ist zwar da, aber sie will und muss raus. Peter Morgner: Van Gogh hat angeblich unter anderem Terpentin verzehrt,

Ach ja, Herr Interview, falls noch Platz ist im Layout: Nachdem ich eben schon zur Weltbevölkerung sprechen sollte, sowie als Schadensersatz für die siebte Frage – da kann ich doch nun noch jemanden grüßen, oder? Herr Interview: Jaja... Ich grüße insbesondere Gwen und Sus: Ohne Euch, jede auf ihre Art, hätt’ ich zwar auch weiterhin meine Textchen geschrieben oder alle paar Zeiten mal etwas eher designerisch umgesetzt; aber dass ich meine inneren Bilder nun wirklich umsetze, mit permanentem Willen und Selbstvertrauen mein glücklicherweise ausreichend vorhandenes Handwerkszeug nutze und definitiv Kunst machen sowie ausstellen will und das auch tue, statt mich wie zuvor nur passiv mit ihr zu beschäftigen – dafür können sich die Leut’ gern bei Euch beschweren. Danke für diese große Türe!

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PORTRAIT

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Variation & Kontrast von Uta Seyberlich

Stilbruch oder Stilvereinigung? Immer wieder auf ein Neues macht es mir Freude, mich auszutoben. Neues auszuprobieren, Materialien die im ersten Moment nicht zusammen passen – nicht zu einander gehören – zu mischen, zu verbiden. Und meistens kommt ein Stück heraus, das so wie es ist, stimmig ist. Ich denke, oft macht es der Kontrast aus, so wie im wahren Leben auch. Nicht vieles ist schwarz oder weiß oder passt auf den ersten Blick zusammen. Mit meiner Kindergartentasche (links) von ca. 1975 fing alles an, bald sammelte ich Taschen, und als es nichts mehr zu sammeln gab, was mir gefiel, begann ich, selbst, Taschen zu gestalten und zu nähen.

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InTERvIEw

„Ohne Freiheit ist alles nichts.“ 66

Mercedes Rodriguez: Viele Künstler sind nicht in der Lage, von der Kunst zu leben, und sehen sich gezwungen, zusätzlich durch „Art-fremde“ Tätigkeit Geld zu verdienen. Diese Tätigkeit beansprucht viel Zeit und Vitalität, was, selbstverständlich zu Lasten der Kunst geht. Auf was würdest Du verzichten, um allein durch die Kunst leben zu können? Ich würde auf so manches verzichten, denn eigentlich braucht man nicht viel, um glücklich zu sein. Froh bin ich, und alles passt, wenn ich tun kann, was mich glücklich macht. Gwendolyn Boos: Stell Dir vor, Du könntest zu allen Menschen dieser Welt sprechen, jeder könnte Dich hören und verstehen. Was würdest Du sagen oder fragen? Höchste Freude ist höchste Wahrheit. Klaus Kiechle: Was bedeutet Heimat für Dich? Vertrauen, Wurzeln, Familie und Freunde. Helmuth Kittel: Du musst Dich auf eine Insel zurückziehen. Welche wählst Du aus und, in zwei Sätzen, warum? Eine mobile Kunstinsel. So könnte ich den Standort wechseln. Und ich könnte sie nach meinen Bedürfnissen gestalten. Das wäre dann eine begeisternde Erfindung für dieses Jahrhundert.

Maria Kiechle: Welche Erfindung des vergangenen Jahrhunderts hat Dich begeistert und warum? Das Internet. Was mich daran begeistert, jeder nutzt es, und nur wenige wissen, wie das alles genau funktioniert und warum. Vor 15 Jahren konnte man sich nicht vorstellen, eine Kinokarte im Internet zu bestellen, oder dass Menschen auf der ganzen Welt binnen Sekunden in Verbindung treten können. Boris Bösker: Wofür lohnt es sich zu kämpfen? Freiheit, ich denke ohne Freiheit ist alles nichts. Mario Riedesser: Woran ist das Tote Meer gestorben? Da war wohl gerade niemand da, der es rechtzeitig wiederbeleben konnte. Dann ist es halt gestorben und so auch noch berühmt geworden. Günther Band: Welches war die letzte Situation, die Dich für ein neues künstlerisches Werk inspiriert hat? Das kann ich so genau nicht sagen, irgendwie wird man die ganze Zeit inspiriert und setzt sich mit sich, und allem, was ein berührt oder prägt, auseinander. Peter Morgner: Van Gogh hat angeblich unter anderem Terpentin verzehrt, Hemingway war dem Absinth ergeben. Welche kreativen Hilfsmittel ziehst Du vor?

Wenn mir die Verflüchtigungen meines Textilklebers nicht ausreichen, trinke ich gerne mal ein Gläschen Wein. Petra Joser: Dient Kunst zum Selbstzweck? Ja, zur Auseinandersetzung mit dem Innersten und der Welt um uns. Stephan Schmidt: Wenn Du von deiner Kunst gut leben könntest, was würde sich – an Deiner Kunst oder grundsätzlich – ändern? Grundsätzlich nichts, ich könnte bei kreativen Ergüssen dran bleiben, nur muss ich sie oftmals unterbrechen, um Geld zu verdienen. Susanne Praetorius: Ein Kunstwerk hat Eigenschaften, die ein gewöhnlicher, materieller Gegenstand nicht hat, jedoch unsichtbare. Wie siehst Du das? Sehe ich genauso, aus Kunst will etwas raus in die Welt, und an jeden Einzelnen. Kunst ist einzigartig, und wer sie erschafft, gibt ihr sich selbst mit auf die Reise.

Uta Seyberlich Design-Taschen

*1972 in Porz am Rhein Gruppenausstellung „Frauenpower“ 2007. Ausstellungen in Kempten www.seyta.com


Bei uns ist es keine kunst, den idealen Wohnraum zu finden. Malen Sie sich allein unsere große Auswahl an Eigenheimen und Mietwohnungen aus: Darin werden Sie garantiert Ihren Traum von den eigenen vier Wänden entdecken. Vielleicht sogar mit Atelier. Willkommen zuhause! Bau- und Siedlungsgenossenschaft eG Im Oberösch 1 | 87437 Kempten-Sankt Mang info@bsg-allgaeu.de | www.bsg-allgaeu.de


e.V.

Ich möchte das Engagement des artig e.V. für Kunst und Kultur fördern – und zwar mit:

einmalige Spende

Meine einmalige Spende beläuft sich auf Euro Zahlung

Einzug per Lastschrift (bitte Einzugsermächtigung unten ausfüllen) Überweisung auf Sparkasse Allgäu, BLZ 733 500 00, Konto Nr. 514 412 089 bar

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FÖrdermiTgliedSchaFT 30 € (Mindestbeitrag) 40 € 50 € Euro Mein Mitgliedsbetrag als Fördermitglied beträgt jährlich. Dieser Beitrag wird per Lastschrift eingezogen (bitte Einzugsermächtigung unten ausfüllen). Dafür erhalte ich Rundschreiben und Einladungen zu Aktionen und Veranstaltungen und werde zur jährlichen Mitgliederversammlung eingeladen.

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Hiermit ermächtige ich den artig e.V. widerruflich, den von mir zu entrichtenden Betrag durch Lastschrift einzuziehen. ort, datum, Unterschrift

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Alle Zuwendungen sind steuerbegünstigt und werden ausschließlich für satzungsgemäße Zwecke verwendet. Bitte füllen Sie dieses Formular aus, übergeben Sie es einem unserer Mitglieder oder senden Sie es an diese Adresse: artig e.V. • Rathausplatz 15 • 87435 Kempten • Fax 0831 / 512 87-27 Spenden- & Vereinskonto: Sparkasse Allgäu • BLZ 733 500 00 • Konto-Nr. 514 412 089


Unsere Ziele für mehr Kunst & Kultur Auszüge aus der Vereinssatzung vom 26. August 2009 Zweck des Vereins ist die Entwicklung, Pflege und Förderung • des Kunst- und kulturellen Lebens in schöpferisch-künstlerischer Freiheit, der künstlerischen Arbeit und seines Nachwuchses • von Kunst, Kultur und Bildung in allen Ausprägungen der bildenden, angewandten und darstellenden Kunst, der Musik und Literatur, • der Begegnung und des interkulturellen wie interdisziplinären Zusammenwirkens aller Künstler, kulturinteressierter Bürger und kultureller Institutionen. • Im einzelnen sind die diesbezüglichen Bereiche und Unterformen künstlerischen und kulturellen Lebens: • bildende Kunst: Malerei, Bildhauerei, Grafik & Design, Fotografie, Baukultur (Architektur) • darstellende Kunst: Schauspiel, Theater, Tanz und Filmkunst (audiovisuelle Medien, Film- u. Videokunst, Internet) • Komposition und Darbietung von Vokal- und Instrumentalmusik • Literatur: Epik, Prosa und Lyrik bis hin zu journalistischen Formen, ob auf Papier oder in freier Rede • Modedesign • Installationen, Aktionskunst, Medienkunst Der Satzungszweck wird verwirklicht durch die Entwicklung, Förderung und Durchführung von Projekten zur ver-

stärkten Wahrnehmung, Präsenz, Verbreitung und Kommunikation von Kunst und Kultur in der Bevölkerung, öffentlichen Verwaltung und Politik; solche Projekte sind insbesondere: • der organisatorische Zusammenschluss und Austausch von Künstlern und Kunstfreunden sowie hierfür Treffen und Infoveranstaltungen • Symposien, Kongresse, Vorträge und (Podiums-)Diskussionen • Atelier-, Messe- und Galeriebesuche • Kunstreisen, Exkursionen und Führungen • Kunstausstellungen • Bildungsangebote für Kinder und Erwachsene • eigene Kunstsammlungen sowie die Förderung von öffentlichen Sammlungen durch Stiftungen und Leihgaben • Kunstgalerien, Artotheken und Begegnungsstätten • Kunstauktionen • Erwerb und Veräußerung von Kunstwerken • Beschaffung und Verleih von Kunstund Designliteratur • Konzerte • Filmvorführungen • Lesungen • Auslobung von Kunstpreisen • Bewahrung und Pflege des kulturellen Erbes • Betreuung ausländischer Besucher aus dem Kunstbereich

• Beratung und Vermittlung zwischen Künstlern und Galerien, Museen oder Ausstellern • Vermittlung zwischen Künstlern, Kunstprojekten und Sponsoren aus der Wirtschaft sowie die Entwicklung und Förderung von geeigneten Sponsoring-Modellen • Beratung von Künstlern in ökonomischen und steuerrechtlichen Fragen insbesondere durch die Vermittlung von Fachleuten • Beratung von Künstlern, Museen und Galerien beim Kunstmarketing • Gestaltung und Herausgabe von Medien, Publikationen, Kunstblättern und Editionen • sowie ähnlichen Festivitäten und kulturellen Veranstaltungen • und die Zusammenarbeit mit verwandten Organisationen und Einrichtungen Der Verein verfolgt ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke im Sinne des Abschnitts „Steuerbegünstigte Zwecke“ der Abgabenordnung. Die Anerkennung als „besonders förderungswürdig“ im Sinne der steuerlichen Vorschriften wird angestrebt - was inzwischen vom Finanzamt Kempten mehrfach bestätigt wurde; damit sind alle Spenden und Mitgliedsbeiträge steuerabzugsfähig. Diese werden ausschließlich für die hier genannten Zwecke verwendet.

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RAUMAUSSTATTUNG

An der Sutt 12 · 87435 Kempten Tel. 0831-9606549 · Fax. 0831-9606546 info@interio-kempten.de · www.interio-kempten.de

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Fotos artig‘09 vom 18. - 26.09.2009: Klaus Kiechle, Lux Larson, Stephan A. Schmidt, Klaus Vetter


IMPRESSIONEN ‘O9 71


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ZITATE

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nternehmen operieren nicht im luftleeren Raum, sie sind Teil der Gesellschaft: Je gesünder das soziale Umfeld, desto größer ihre eigenen Erfolgschancen, je instabiler dagegen eine Gesellschaft, desto prekärer ist auch die Existenz der Unternehmen. Schon im ureigenen, längerfristigen Interesse müssen Unternehmen somit das Thema „gesellschaftliche Verantwortung“ ernst nehmen und sozial verantwortungsbewusste Unternehmensbürger sein. (...) Bei der

Förderung von Kunst stehen Kreativität und Inspiration im Mittelpunkt – als Quelle für Innovation, Wachstum und Mehrwert. Im Bereich Bildung liegt das

Augenmerk auf Talenten und darauf, diese zu entdecken, aktiv zu fördern und zu Höchstleistungen anzuspornen.“ Website deutsche Bank

P

artizipation, Innovation und Qualität sind Werte, die für unsere kulturelle Verantwortung stehen. Ausgehend von der Prämisse, dass Kultur per se den Zustand der Gesellschaft spiegelt, verstehen wir unser Engagement im Kulturbereich auch als gesellschaftspolitisches Engagement.“ Migros, CH

D

ie Förderung von Kultur und Kulturen hat bei der Telekom lange Tradition. Denn Kulturförderung ist ein wesentliches Instrument, um Menschen einander näher zu bringen. Sie ist ein Schlüssel zu mehr Identität, Kreativität, interkultureller Tole-

ranz und Kompetenz in der Gesellschaft, aber auch innerhalb des eigenen Unternehmens.“ dr. karl-Gerhard Eick, ehem. Vorstand finanzen der deutschen Telekom aG

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reiräume für Kreativität ziehen junge Leute an und verleihen der Stadt ein lebendiges Gesicht. Ein Klima, in dem Kontakte und Ideen für neue Pro-

jekte entstehen, zieht unzählige Möglichkeiten für Business nach sich. Daraus ergeben sich wiederum kreative Freiräume – ein Kreislauf, der die Stadt weiter bringt und den wir unterstützen wollen. dr. Rainer Schwarz, Sprecher der Geschäftsführung der Berliner flughäfen

G

emeinwohlorientiert zu arbeiten ist ganz einfach Teil unserer Geschäftsphilosophie und unseres Selbstverständnisses. Dazu gehört in unseren Augen auch und gerade ein Beitrag zum kulturellen Leben. Denn die Gemeinwohlorientierung verpf lichtet die Sparkassen auch dazu, das kulturelle Umfeld in den Regionen zu stärken, damit sich diese weiterentwickeln.“ Heinrich Haasis, präsident des deutschen Sparkassen- und Giroverbands

D

as große Engagement für die Kunst hat bei E.ON nicht nur Tradition, es ist ein Teil des Selbstverständnisses des Unternehmens, über das Kerngeschäft hinaus, gesellschaftlich einen Beitrag zu leisten und damit Deutschlands Stärke als Kulturnation zu unterstützen.“ dorothee Gräfin von posadowsky, leiterin kulturkommunikation E.on

W

irtschaft braucht Kultur, die Auseinandersetzung mit den Künstlern und um Kunst. Es geht um die Erweiterung von Horizonten und um Eröffnung fremder Welten. Wir gewinnen Einblicke und Einsichten in Denk- und Sehweisen, die uns versperrt und fremd waren. Man sagt der Kunst nach, sie habe Signalcharakter, sei wie ein Seismograph, und den Künstlern, sie hätten Spürnasen für zukünftige Strömungen und Trends. Kurz: In der Verbindung mit Kunst und Künstlern haben wir die Chance feinsinniger, sensibler zu werden, unser Wahrnehmungsvermögen und Sensorium zu schärfen und weiter vorausschauend zu sein. Dialoge mit Kulturschaffenden,

Künstlern, sind immer auch ein Gedanken- und Ideenaustausch, auf dem Boden und fern der Realität, Zusammenspiele, die animieren und faszinieren, die fast immer zwecklos sind, oft ziellos, niemals sinnlos. Christiane Zentgraf, ehem leiterin kulturkommunikation BMW Group

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kUnST

Kunst tut Not? Kunst braucht Wirtschaft? Oder gar: Braucht Wirtschaft Kunst?

Natürlich tut Kunst Not – immer wieder dann, wenn Sie von sich selbst leben soll und keine Förderung erfährt, und wenn man sie über Einkommen, Ernährung und einer geheizten Wohnung hinaus als Luxus betrachtet. Wenn angesichts knapper Kassen Kulturpolitik nur als Bildungspolitik und diese wiederum rein naturwissenschaftlich-technisch definiert wird und Sozialpolitik nur durch die blanke Zahl von Kindergärten und Bolzplätzen.

Doch das ist nichts neues: Kunst und Kultur waren nie Staatsaufgabe, sondern lagen immer auch im Interesse der Wirtschaft. Dass ohne die Inspiration durch Künstler kein Fortschritt möglich ist, wussten schon die mächtigen Medici. Sie bedienten sich ihrer Ideen und Gedanken und leisteten sich den Luxus, das freie Denken ohne Kompromisse zu för-

Wozu Sponsoring?

dern. Für sie war diese Förderung kein Luxus, nicht einmal Subvention, sondern Investitionen gegen den Stillstand. So zeigen auch heute die Aussagen vieler Unternehmen (s. links): Kunst- und Kultursponsoren sind keineswegs großzügige Spender oder Subventionierer – und ebensowenig nur Käufer von Werbefläche, sondern Investoren in gemeinsamer wie eigener Sache. Denn Kunst zahlt sich aus, nicht nur in Heller und Pfennig: Sie, die Sie täglich unternehmerisch unter wirtschaftlichen und technischen Aspekten agieren müssen, haben das Recht auf mehr, auf den Dialog mit der Kunst, auf andere Blickwinkel und die Inspiration durch freie Gedanken, durch freie Kunst. In diesem Sinne: Unternehmen haben ein Recht – auch auf artig ;-)

Unternehmen gestalten Gesellschaft – als deren Teilnehmer und Teilhaber. Einerseits durch das Schaffen von Arbeitsplätzen oder die Ausbildung von Jugendlichen, und andererseits, indem sie Einfluss nehmen auf Lebensumfeld und -Qualität ihres Marktes, ihrer Kunden und ihrer Mitarbeiter. Dies tun sie sowohl im eigenen Sinne als auch in der Verantwortung als „Unternehmensbürger“: Man gibt der Gesellschaft das, was man von ihr für sich und sein unternehmerisches Umfeld erwartet, zum Beispiel gezielt durch die Förderung von „weichen“, das heißt sozialen und kulturellen Standortfaktoren. Gleichwohl ist solches Sponsoring natürlich auch ein legitimes Kommunikationsinstrument: Tue Gutes und rede darüber.

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artig: Das Konzept für‘s Kunst-Erlebnis von Stephan A. Schmidt, Vorsitzender des artig e.V.

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Unser Ziel ist, über die nächsten Jahre eine wachsende „artig“, vielleicht ab 2011 auch als Biennale, zu einem festen Bestandteil des kulturellen Lebens in der Region und zu einer innovativen wie inspirierenden Kunst- und Kulturmarke über die Region hinaus zu führen – für jung wie für alt. Darin hat uns der Zuspruch schon zur ersten artig’09 von Seiten des Publikums, der Prominenz des hiesigen Kulturbetriebes wie der Sponsoren bestätigt. Ein „Chapeau!“ vom Kemptener Theaterdirektor Peter Baumgardt im Gästebuch oder „Eine Bereicherung für Kempten. Weiter so!“ von KlausPeter Mayr, Kulturredaktionsleiter der Allgäuer Zeitung seien stellvertretend für zahllose ähnliche Aussagen genannt. Selbst viele Monate später wurden wir immer wieder auf die artig‘09 angesprochen und hörten nur positives. Im November 2009 waren der Allgäuer Zeitung die Besucherzahlen der Festwochenausstellung in Kempten (2.900 Besucher in fünf Wochen), der Südlichen (Sonthofen, 2.100), der Westallgäuer Kunstausstellung (Lindenberg, 1.900) oder der Ostallgäuer Kunstausstellung (Marktoberdorf, 910) von 2008 zu entnehmen; die artig‘09 mit ca. 1.900 Besuchern in neun Tagen könnte man bereits ganz oben einsortieren, sofern man diese unterschiedlichen Veranstaltungen vergleichen möchte. Dass wir die Konzertbesucher mitzählen, ist kein statistischer Taschenspielertrick, da diese Veranstaltungen bewusst nicht neben sondern innerhalb der Kunstausstellung stattfinden. Und diese wird von den Abendbesuchern gut angenommen.

Der große Zuspruch jedenfalls ist uns Auftrag zugleich. Dessen Umsetzung in konkrete Taten aber bedarf natürlich eines entsprechenden Etats, einer wie auch immer gearteten Förderung oder Unterstützung sowie nebst einer optimalen Außenkommunikation auch eine breite Berichterstattung in der Presse, auf die wir in Anbetracht unseres weit gefächerten, attraktiven Konzeptes große Hoffnungen setzen.

Ist- und Sollzustand von Kulturangebot und Kulturarbeit Die öffentlichen Hand und ihre festen kulturellen Einrichtungen haben, auch in Anbetracht enger werdender finanzieller Spielräume, weder die alleinige Aufgabe noch Verantwortung, für das kunst- und kulturschaffende Leben sämtliche Räume und Plattformen zu schaffen. Künstler wie Kunstinteressierte sind selbst und noch mehr als früher zu bürgerschaftlichem Engagement und zu Eigeninitiative aufgerufen, um Orte und Spielräume für kunst- und kulturschaffendes Leben, um Treffpunkte zum Austausch von Künstlern untereinander sowie mit Rezipienten zu schaffen. Es wäre ein fahrlässiges Missverständnis, gerade die ebenfalls künstlerische und innovative Ausgestaltung dieser Räume nur Verwaltungen und Behörden aufzutragen, denn eine Kulturgesellschaft wächst und wandelt sich nicht von oben verwaltet oder organisiert, sondern aus jeglicher Initiative all ihrer Mitspieler, das heißt von frei getragenen wie von öffentlich finanzierten Kulturakteuren.

Wir bieten Ausstellungsflächen im Showroom für Möbel • Mode • Kunst Werde Model für Print & TV Werbung bewerbung@creativ-city.com HD Filmproduktion • Portraitstudio • Werbeaufnahmen • Bildbearbeitung ab November ‘10, Bäckerstraße 3, 0176-84 01 23 67, info@creativ-city.com


Dies bedeutet nun aber nicht, beides kategorisch zu trennen, sondern vielmehr zu verzahnen: Denn eine Förderung solcher frei getragenen Initiativen durch öffentliche Gelder schafft – gerade auch in Anbetracht schrumpfender Etats – immer noch ein Mehr an kulturellem Angebot, als wenn diese öffentlichen Gelder ausschließlich zur kostenintensiveren vollumfänglichen Bewirtschaftung und Bewerbung eigener Angebote verwendet werden würde. Der Wille zur Kulturarbeit, das heißt den Menschen Kunst und kulturelle Bildung nahe zu bringen, muss keinem hehren, missionarischem Sendungsbewusstsein entstammen, sondern tut Not angesichts knapper Kassen einerseits und andererseits einer immer ausschließlicher an leistungsorientierten, ökonomischen und technologischen Maßstäben begründeten Entwicklung einer Gesellschaft, deren „Entschleunigung“ und informelle Entmüllung nicht erst seit gestern gefordert wird. Den Menschen zu bilden heißt mehr als ihn zum Mathematiker, Physiker oder Ingenieur auszubilden. Nur solches, und das unter ähnlich ökonomischen Entwicklungsbedingungen, kumulierte schon einmal in Bücherverbrennungen und einer Vernichtungsmaschinerie, deren Zahnräder „gebildete“ Ingenieure und Atomphysiker waren.#

Denkprozesse anstoßen, Horizonte erweitern und Kreativität wecken Es gilt – wie immer –, möglichst jeden mit Kunst und Kultur in Berührung zu bringen, um zu stimulieren, eigene Denkprozesse anzustoßen, Horizonte zu erweitern und Kreativität zu wecken. Dies schafft Perspektiven jenseits einer halluzinierenden Parallelwelt wertfreier TV-Sendungen, jenseits einer desorientierenden Überfülle von irrelevanten Schein- und Halbinformationen und jenseits von „Null-Bock“ als Antwort derer, die von Rendite- und Leistungsorientierung überfordert sind und sich einer solchen Gesellschaft entziehen. Hierauf gibt es viele Antworten. Eine davon, vor Ort praktiziert, ist „artig“. Diese versteht sich als eine solche Initiative, um seinen Beitrag zum – wie beschrieben nicht in der alleinigen Verantwortung der öffentlichen Hand stehenden – Kulturangebot der Region zu leisten und dies innovativ wie vielfältig zu be-

reichern, und entstammt dem Willen und der Notwendigkeit, in der Gesellschaft Impulse setzende Kulturarbeit zu leisten.

Fließende Grenzen mit Event- und Markencharakter Die neun Kunst- und Kulturtage der artig’09 waren ein erster großer wie erfolgreicher Schritt, Ort und Raum für Kunst und Kultur zu schaffen; weitere „artigs“ sollen und müssen weitere Schritte sein, um wieder solche Orte und Räume zu schaffen, auf denen die Grenzen fließen • zwischen Gemälde und Musik, zwischen Fotografie, Bildhauerei oder Modedesign und Theater, das heißt zwischen den unterschiedlichsten Kunstsparten, Darstellungsformen, Stilrichtungen und Geschmäckern – sowie ebenso darüber hinaus • zwischen Jung und Alt • zwischen Tag und Nacht • zwischen Allgäu und der Welt (Aussteller/Künstler auch aus dem Ausland). • zwischen bekannten Künstlern und denen (noch) im Verborgenen • zwischen bunt und schwarzweiß, laut und leise, traditionell und innovativ. Der zugrundeliegende Leitsatz lautet: Raum schaffen für Kunst und Kultur – und nicht Räume oder gar Schubladen singulärer Darstellungsformen und Veranstaltungen, die sich gegenseitig nicht befruchten, sondern für einen Mix ineinanderfließender Puzzlestücke, die sich zu einem Gesamtbild und Gesamterlebnis verquicken, den Besucher als aktiven Teil mit einbezieht und ihn bestenfalls dazu animiert, selbst Kunst zu schaffen – wobei ihn der artig e.V. schon durch seine Satzungszwecke unterstützen wird. Dieser innovative Grundsatz schlägt sich auch im Stellund Hängekonzept nieder: Es gibt keine messetypischen Einzelstände oder Inseln, die von Künstler A nach Künstler B abzulaufen sind, sondern in einem fließenden „Plaza et Strada“ werden die Exponate, falls sie nicht explizit zusammengehörten, gerne auch gemischt platziert, um ebenso miteinander im Dialog zu stehen.

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Ob Familienfeiern aller Art, Betriebsfeste oder einfach nur so in festlicher Atmosphäre, unsere vielgelobte Küche, der freundliche Service und unsere Räumlichkeiten sind der ideale Rahmen für Ihre Veranstaltung.

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Auch das Konzept eines modernen „Branding“, das heißt der markenorientierten Außenkommunikation einer präsenten Kulturmarke und damit auch der jugendgerechteren Bewerbung einer vermeintlich „langweiligen“ Ausstellung als Event mit vielen Zusatzangeboten zeigte Wirkung: Zum Beispiel vor und nach dem Konzert des bundesweit bekannten HipHopSängers und Lokalmatadors Rainer von Vielen zogen 18-Jährige durch die Ausstellung, suchten Gespräche mit den Künstlern zu Inspiration oder Technik, während einige 60- bis 70-Jährige den Klängen während des gesamten Konzertes lauschten. Auch während der Ausstellung übertags wie bei Lesungen und Theatervorführungen brachte die artig’09 bis zu vier Besucher- und Künstlergenerationen mit unterschiedlichsten Interessen, Geschmäckern und Sichtweisen zusammen. Dieser Mix aus Rahmenprogramm und Ausstellung, das heißt die Veranstaltungen innerhalb der Kunstausstellung stattfinden zu lassen, ist ebenfalls Kernpunkt der Konzeptes. Ein Ziel für die nächsten Jahre wäre, dieses Zusatzangebot und Rahmenprogramm auszubauen und um weitere Komponenten zu erweitern. So ist nicht nur die Zahl der Events zu erhöhen, sondern zusätzliche an Kinder und Jugendliche gerichtete kunst- und medienpädagogische Angebote einzuflechten – zum Beispiel unter dem Arbeitstitel „artig interaktiv“ Workshops, Führungen speziell für Schulklassen oder ein Web-Blog von Jugendlichen während der Ausstellung. Hierzu braucht es natürlich mehr aktive Mitarbeiter, darunter aus der Jugendarbeit Pädagogen und Kunsttherapeuten. Jedenfalls wurde und wird weiterhin auf all diesen Ebenen mit hohem Niveau konzeptioniert, um keinesfalls den

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Anschein eines Kunsthändler-, Kunstgewerbe- oder Kunsthandwerksmarkt zu erwecken, sondern eine kreative Plattform sowie eine museal-moderne Momentaufnahme des aktuellen Kunst- und Kulturschaffens zu bieten, das auch gerade in seinem Mix und seiner Vielfalt eine auf den Schultern von hoffentlich bald mehr Akteuren und Helfern getragene, leistungsfähige „Nenngröße“ schafft und damit • eine optimale Attraktivität für alle Bevölkerungsteile • eine Relevanz in der Außenkommunikation sowie für die Presseberichterstattung • eine wirksame Plattform für Sponsoren sowie dadurch • einen entsprechenden Etat für eine professionelle, hochwertige Präsentation und Ausstellungsarchitektur sowie effektive wie umfangreiche Kommunikationsmaßnahmen. Mag die erste artig’09 vielleicht als ein „Testlauf“ zu sehen sein, es war ein äußerst gelungener, der über die Region hinaus – in seinen Konzepten von der Ausstellungsarchitektur über den Programm-Mix bis zur Kommunikation – seinesgleichen sucht und auf allen Seiten des Kultur- und Kunstbetriebes große Zustimmung erntete, die die bestenfalls förder- und spomsoringwürdige Notwendigkeit einer solchen Veranstaltung in den kommenden Jahren unterstreichen. Auf diesem arbeitsreichen Weg für mehr Kunst und Kultur in unser aller Lebensumfeld hoffen wir auf Kunstfreunde und Kulturförderer, die die dieses noch junge, im Wachsen begriffene Konzept als Privatpersonen, Unternehmer oder Behördenleiter unterstützen und uns begleiten.


Mario Riedesser

Susanne praetorius

peter Morgner

Veranstalter: artig / art interessengemeinschaft e.V. info@artig.st // www.artig.st

GRoSSkUnST//klEinkUnST//HalBkUnST//25.09.-03.10.10//MaRkTHallE kEMpTEn

einer produktion des artig / art interessengemeinschaft e.V. in Zusammenarbeit mit dem kulturamt der Stadt kempten (allgäu), gefördert mit Mitteln der Stadt kempten (allgäu) und des Bezirks Schwaben:

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Helmuth kittel

Mercedes Rodriguez de Vetter

Maria kiechle

Uta Seyberlich

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Stephan a. Schmidt

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mit massiver Unterstützung von Thomas „Bess“ Scherer, kerstin Stark und klaus Vetter

Boris Bösker

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Günther Band


© 2010. alle Rechte vorbehalten. fotos, Grafiken und Texte sind urheberrechtlich geschützt. nachdruck, kopie oder Reproduktion auch ausschnittsweise und gleich welcher art nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlages und Herausgebers.

Herausgebender Verlag, Media & publishing farbe8 Kommunikation Rathausplatz 15, 87435 kempten fon: +49 (0) 831 - 512 87 - 0, fax: +49 (0) 831 - 512 87 - 27 info@farbe8.com // www.farbe8.com

Wir danken allen unseren Freunden, Familien und Fördermitgliedern, Sponsoren und Anzeigenkunden für all ihr persönliches und finanzielles Engagement, ohne das es die artig‘10 nicht geben könnte.

Catering - and ears always open and many more jobs Maria Ruisinger by many more or the same people above

photographic documentation XXl & digital printing Michael Häusler Reiner Schmid / Print & Copy

Christoph & Daniel Rothenberger Magazine printing (Rothenberger TV) AZ Druck und Datentechnik

Thomas Scherer Website production, data Management Cinematic documentation Peter Morgner

Magazine Editorial Staff Branding, advertising, design, layout, Satz, Repro, final Editing Susanne Praetorius, Stephan Schmidt Stephan Schmidt, interviews desk Michael good hands on every file Käser

Queen of nuts and bolts and odds and sods artist photography („sehe mich wie ich mich sehe“) Maria Kiechle Stephan Schmidt

Hoarding / artist`s wall support and many many more Manne Aries / Firma Nagel Beverages & Bar Support Exhibition & light Engineering Jacques’ Wein-Depot, Thomas Scherer Allgäuer Brauhaus

Guest artist & Sound Engineering Management, daily Money Counting decoration Equipment Klaus Kiechle Uta Seyberlich Band Hunting & Booking Helping Hands, Hall & Bar Staff Markus „Lumpi“ Scherer Giovanna, Zarah, Nora, Anna, Nina, Stefan

artist Casting Head of organisation Susanne Praetorius, Gwendolyn Boos, Stephan Schmidt Mario Riedesser Best Runner i. & facility Management Hanging Commitee Thomas Scherer Susanne Praetorius, Mercedes R.d. Vetter, Best Runner ii. & facility Management assistance Mario Riedesser Kerstin Stark


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