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Dossier (SMD-Bestand) erstellt von Arthur Honegger  am 14.12.08

Inhaltsverzeichnis Die Schweiz, im Taxi erklärt ........................................................................................................................................... 2 Die letzten Hürden vor der Wahl .................................................................................................................................... 3 Die Wahl der Unschlüssigen .......................................................................................................................................... 4 Meine Bankenkrise ......................................................................................................................................................... 5 Das Ende von Flipper ..................................................................................................................................................... 6 Little John und Big John ................................................................................................................................................. 7 Barack überall oder: Oba-much ..................................................................................................................................... 8 Seenot in der Eisenbahn ................................................................................................................................................ 9 Hochwasserhelden ....................................................................................................................................................... 10 Ein Säckli für alle Fälle ................................................................................................................................................. 11 Die Schote des Schreckens ......................................................................................................................................... 12 Wo Amerika sicher ist ................................................................................................................................................... 13 Amerikanische Versprechen ........................................................................................................................................ 14 Stadt der IT-Exhibitionisten .......................................................................................................................................... 15 Bloss keine Missverständnisse! ................................................................................................................................... 16 Was ich ohne Bush vermisse ....................................................................................................................................... 17 Er passt in keine Schublade ......................................................................................................................................... 18 Die Champions, das sind wir Amerikaner .................................................................................................................... 19 Schau mir in die Karten! ............................................................................................................................................... 20 Crash-Kurs für Präsidenten .......................................................................................................................................... 21


© Sonntag / MLZ; 16.11.2008; Seite 21 Autor: Arthur Honegger ist Korrespondent des Schweizer Fernsehens in New York. Menschen

STIMME AUS AMERIKA

Die Schweiz, im Taxi erklärt «Warum ausgerechnet in der Schweiz?» Der Blick, den mir mein Taxifahrer durch den Rückspiegel zuwirft, ist eindeutig. Er will eine Ant-wort, und zwar jetzt. Vor zehn Minuten bin ich eingestiegen, habe erklärt, ich müsse zum Bahnhof. Der Herr am Steuer fragt nach: «Jetzt wollen Sie das Land verlassen?» – «Nein nein, ich will nach Hause – das heisst, richtig zu Hause bin ich in einem anderen Land . . . » – «Wo?» – «In der Schweiz!» Damit ist mein Schicksal besiegelt. Selber schuld. Aber als Auslandschweizer hat man den Nationalstolz quasi im Handgepäck, und in der Regel erntet man helvetophilen Zuspruch: Very nice, good chocolate, great mountains. Nicht so in diesem Taxi. «Wissen Sie, was ich schon immer über die Schweiz wissen wollte? Deutsche, Franzosen, Italiener, die könnens doch nicht wirklich miteinander – der einzige Platz, wo alle friedlich seit Jahrhunderten zusammenleben, ist die Schweiz. Warum?» Da bin ich baff. Gute Frage. Was macht die Schweiz aus? Und wie erkläre ich das in 15 Minuten einem äthiopischen Taxifahrer? Ich versuche es mit Geschichte, dann mit der direkten Demokratie. Als ich aussteige, will er es aber noch mal wissen. «Kulturen, die friedlich zusammenleben. Bürger, die ihre Politik selber bestimmen, das klingt wie im Märchen. Warum ausgerechnet in der Schweiz?» Ich bin sprachlos — da ist jemand ehrlich fasziniert. Da strahlt der Auslandschweizer. Das git es rächts Trinkgäld!

Dossier (SMD-Bestand) - Arthur Honegger - 14.12.08

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© Sonntag / MLZ; 02.11.2008; Seite 17 Autor: Arthur Honegger ist Korrespondent des Schweizer Fernsehens in New York. Menschen

Stimme aus Amerika

Die letzten Hürden vor der Wahl Nach zwei Jahren Wahlkampf sind es nur noch zwei Tage, bis wir wissen, wer nächstes Jahr ins Weisse Haus zügelt. Klar, die Umfragen wollen uns schon heute zuflüstern, wers wird – aber wissen tun wirs nicht. Was wir hingegen ziemlich genau wissen, ist welcher Typ Wähler welchen Kandidaten bevorzugt: Der typische Obama-Fan lebt im urbanen Raum, ist jünger und liest das Cyber-Magazin «Wired». Der McCain-Wähler lebt auf dem Land, ist etwas älter und liest die Bibel. Daraus erschliesst sich eine Reihe wahlentscheidender Fragen für nächsten Dienstag: Schafft es der geneigte Wähler am Morgen aus dem Bett? Das ist nicht selbstverständlich, schliesslich könnte der Obama-Anhänger einen Kater haben, weil er am Vorabend mit Gleichgesinnten schon mal «reinfeiern» wollte und den Champagner selbstbewusst einen Tag zu früh entkorkt hat. Der McCain-Supporter könnte das gleiche Problem haben, weil er am Abend zuvor bei einigen Gläsern Whiskey die drohende Niederlage zu ertränken versucht hat. Schafft der Wahlwillige den Weg zur Urne? Diese Hürde ist keinesfalls zu unterschätzen: Lebt der Obama-Wähler zum Beispiel in New York, kann es gut sein, dass seine U-Bahn-Linie gerade generalüberholt wird und ihn kein Taxi mitnimmt, weil er seine Hosen zu tief trägt. Im Fall des McCain-Anhängers ist das Transport-Problem anderer Natur: Wie viel Benzin ist noch im Tank des Ford Pick Up? Und für alle Amerikaner grundsätzlich wichtig beim Verlassen der eigenen vier Wände ist das Wetter: Wenn es regnet, gebietet die Tradition einen Tag mit Chips auf dem Sofa (das gilt nicht für Kalifornien, wo es bekanntlich niemals regnet und Chips als Fettmacher verschrien sind). Schafft es der Wahlwillige zur Urne selbst? Gut möglich, dass er einige Stunden warten muss, was den Obama-Supporter abschrecken und ihn statt in die Bürgerpflicht in das nächstgelegene «Starbucks» lenken könnte. Weniger gross ist die Gefahr meilenweiter Menschenschlangen auf dem Land, was den McCain-Anhänger eigentlich bevorteilt. Doch Vorsicht: Wenn wenig los ist im Wahllokal in der örtlichen Highschool, führt das zu einem lockeren Schwatz mit den Freiwilligen dort, man kennt sich ja – da könnte die Wählerei glatt verpasst werden! Wir werden auch nach dem nächsten Dienstag nicht wissen, welche Fragen die Wahl entschieden haben. Aber vielleicht ist das auch besser so. Hauptsache, wir wissen, wers geworden ist.

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© Sonntag / MLZ; 26.10.2008; Seite 20 Autor: Arthur Honegger ist Korrespondent des Schweizer Fernsehens in New York Menschen

STIMME AUS AMERIKA

Die Wahl der Unschlüssigen In weniger als zehn Tagen wird in den USA ein neuer Präsident gewählt. Wer das Rennen macht, hängt nicht von den bannerschwingenden Jüngern der Kandidaten ab – sie wissen längst, wem sie ihre Stimme geben. Nein, wie uns die Umfragen zeigen, wird diese Wahl von denjenigen entschieden, die sich kurzfristig für einen Kandidaten entscheiden. Heute, morgen oder vielleicht in der Wahlkabine. Was bitte sind das für Leute? Immerhin fast zehn Prozent der Wahlwilligen; sie wissen wohl, dass sie wählen wollen, aber nicht, wen sie wählen sollen. Das will mir nicht in meinen direktdemokratischen Schweizer Kopf. Seit einem Jahr wird überall über diese Kandidaten geredet, sind sämtliche Zeitungen voll mit Analysen und Porträts, verstopfen Werbemails die Posteingänge und Wahlkampfspots die Fernsehkanäle. Unentschlossen kann eigentlich nur sein, wer die letzten Monate im Mutterleib verbracht hat – oder in der Tiefsee. Vor ein paar Tagen habe ich so einen unentschlossenen Wähler getroffen. Josh, 23 Jahre alt, aus Long Island, Student – ausgerechnet der Politik! «Ich weiss nicht, bis jetzt haben die Kandidaten einfach nicht klargemacht, wofür sie stehen, ich kann keinen Unterschied erkennen zwischen Obama und McCain.» Ich bin sprachlos. Soll mir mal einer zwei Kandidaten zeigen, die unterschiedlicher sind als diese beiden. Von Krieg über Gesundheit bis Steuern, vom Alter über den Musikgeschmack bis zur Schuhgrösse – Unterschiede überall. Vielleicht erwarte ich auch zu viel? Mit Bundes-, Kantons- und Gemeindevorlagen entscheidet sich ein Schweizer Bürger bis zu fünfzigmal pro Jahr. Mit ein bisschen Information ist das gar nicht so anstrengend. Aber Josh hats nicht so mit der Information: «Alles, was ich gehört habe, ist, dass McCain sieben Häuser hat und Obama einen Pfarrer, der spinnt.» Wer so spricht, informiert sich an der Bar um die Ecke. Aber hey, ist ja auch nur ein Politikstudent, was interessiert den schon die historische Wahl seines Präsidenten während einer nationalen Krise? Eben. Sollen die Umfragen zeigen, was sie wollen. Ich glaube nicht mehr, dass diese Wahl von den Unentschlossenen entschieden wird. Die werden nämlich noch am Wahltag nicht wissen, wem sie die Stimme geben wollen – ist wohl auch besser, wenn sie dann in der Bar um die Ecke bleiben.

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© Sonntag / MLZ; 19.10.2008; Seite 20 Autor: Arthur Honegger ist Korrespondent des Schweizer Fernsehens in New York. Menschen

Stimme aus Amerika

Meine Bankenkrise «Nein Nein, in der Schweiz greift der Staat nicht ein bei den Banken. Eine Schweizer Bank, etwas Privateres gibts nicht.» So habe ich noch Anfang Woche Amerikanern erklärt, warum Schweizer Finanzkonzerne, so sehr sie auch kränkeln, keine Spritze von Doktor Staat brauchen. Jetzt sehe ich natürlich alt aus. Wie in den USA muss nun auch in der Schweiz der Staat eine Bank retten und Vertrauen schaffen. Vertrauen in meine US-Bank hatte ich noch nie. Das fängt schon damit an, dass in Amerika Zahlungen über Internet so selten sind wie Bankomaten im Grand Canyon. Amerika schickt Checks. Per Post. In meiner alpengereiften Sturheit versuche ich, Rechnungen trotzdem online zu zahlen – doch da tut sich dann das nächste Vertrauensproblem auf. Einzahlungsscheine sind hier unbekannt, ebenso die Referenznummer (die den Schweizer ja erst ruhig schlafen lässt). Das Unglaublichste aber: Auch eine Kontonummer fehlt. Eine Kontonummer! Das Abo fürs Nachrichtenmagazin etwa zahlen wir an eine Strassenadresse, irgendwo in Iowa. Vertrauenswürdig, oder? Na ja, meine Bank traut mir offensichtlich auch nicht so recht. Rutscht bei meinem Lohnkonto der Saldo unter null, muss ich Strafe zahlen: 35 Dollar. Dass ich bei der gleichen Bank noch ein Sparkonto habe, ist meiner US-Bank wurscht. Sie werden verstehen, dass ich meiner Schweizer Bank drum deutlich mehr vertraue. Vor und nach dem Staatseingriff. Bild: KEYSTONE Michelle, Ehefrau des US-Präsidentschaftskandidaten Barack Obama.

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© Sonntag / MLZ; 21.09.2008; Seite 21 Autor: Arthur Honegger ist Korrespondet des Schweizer Fernsehens in New York. Menschen

STIMME AUS AMERIKA

Das Ende von Flipper «Ja und dann dachte ich mir: Eine Million für ein Haus, das ist doch nicht viel, wenn ich es nach ein paar Jahren für zwei, drei Millionen verkaufen kann. Oder?» Verdutzt höre ich Bonnie von ihren Immobilien-Plänen erzählen, die auf dem Papier so einfach aussahen: Haus kaufen, halten, Haus verkaufen, Millionär werden. Einen Flip nennt man das hier, und wer so was macht, ist ein Flipper. Anders als der sympathische Delfin aus der Sechzigerjahre-Fernsehserie ist dieser Flipper alles andere als harmlos. Er hat in den letzten Monaten die grösste Wirtschaftsmacht der Welt in die Knie gezwungen und diese Woche die Börsen rund um den Erdball in die finanzielle Tiefsee gestürzt. Anders als ein Schweizer Hausbesitzer will der Flipper seine Immos nicht selbst bewohnen oder vermieten, er will sie nur so lange halten, bis er sie teurer verkaufen kann. Flipper ist ein Spekulant. Für den Kauf leiht er sich Geld, und während er auf den Verkauf wartet, borgt er sich noch mehr – er hat ja das Haus als Sicherheit, und wenn es dann für das x-Fache des einst Bezahlten verkauft wird, kann man die Schulden schon abbezahlen. So dachten Millionen Amerikaner, jahrelang. So lange die Häuserpreise ständig stiegen, gab es immer mehr Flipper. Das Ende der Geschichte ist bekannt: Preiseinbruch, Schuldenberge, Bankenkri-se, Börsencrash. Was ich nie verstanden habe ist, warum so viele Amerikaner Häuser kaufen, als seien sie Dagobert Duck – während sie in Wahrheit eher über das Budget von Papa Moll verfügen. Die Antwort, oder zumindest einen Teil davon, habe ich gestern im Fernsehen gefunden. Beim Zappen blieb ich auf dem Sender HGTV hängen. Da geht es nur um Haus und Garten, und die Sendung, die gerade lief, hiess «Was ist mein Haus wert». Otto Normalamerikaner lädt dort Immobilien-Schätzer ein, sein Haus zu bewerten, nachdem es renoviert wurde oder zumindest neue Wassserhähne bekommen hat. Praktisch immer hat das Haus an Wert zugelegt, fünfzig, sechzig, hundert Prozent! Die Message ist klar: Wer da nicht mitmacht, verpasst etwas; wer nicht zum Flipper wird, ist selber schuld. Der Haken: Der Preis wird nur geschätzt – wann, ob vor zwei Wochen oder zwei Jahren, wird nicht verraten. Und es bleibt bei der Schätzung – der wichtigste Teil beim Häuser-Flip fehlt: Käufer tauchen keine auf. Hm.

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© Sonntag / MLZ; 31.08.2008; Seite 22 Autor: Arthur Honegger ist Korrespondent des Schweizer Fernsehens in New York. Menschen

stimme aus Amerika

Little John und Big John Little John wird demnächst neun Jahre alt. An seinem Computer, da ist Little John ganz gross: Er googelt, er chattet und spielt mit anderen Primarschülern rund um die Welt Computerspiele, dass sich Bits und Bytes verbiegen. Big John ist gerade 72 Jahre alt geworden. Von Computern hat er keinen Schimmer – kein Internet, kein E-Mail, kein E-Banking, nix. Das wäre an sich nicht weiter bedeutend, doch Big John will Präsident der USA werden. John McCain gibt offen zu, dass er seine 17 Jahre jüngere Frau fragt, wenn er Infos aus dem Internet braucht. Die E-Mails erledigt natürlich die Sekretärin. Man stelle sich vor: Eines Morgens im Oval Office, der Sicherheitsberater stürzt mit weit aufgerissenen Augen herein und ruft: «Mr President, Sir, wir haben ein Problem, ein unkontrollierbarer Computervirus hat die Firewalls unseres Servers geknackt, und das Backup ist auch ausgefallen!» Und McCain lächelt, schüttelt verständnislos den Kopf. Vielen Amerikanern ist es ein Rätsel, wie sich ein aktiver und erfolgreicher Senator wie John McCain der Computerwelt verschliessen kann – und dies in einem Land, wo kabelloses Internet zum Standard in Hotels und Cafés gehört. Dieses Land mit einem Mann an der Spitze, der noch nie ein E-Mail verschickt hat? Der im wahrsten Sinne des Wortes offline ist? Ganz anders Barack Obama. Er ist mit seinem Bla ckberry, jenem Ich-bin-ab-sofort-überall-per-Mail-zu-erreichen-Teil, quasi zusammengewachsen. Wann immer er, abseits der Kameras, von A nach B läuft, checkt er den Status seiner Inbox. Technisch gesehen ist Obama klar näher bei den Wählern als John McCain. Obama ist online, mehr noch, er ist – Push-E-Mail sei Dank – ein wandelndes Update. Sicher, es gibt wichtigere Fragen als diejenige, ob ein Präsident ctrl-alt-delete drücken kann: die Wirtschaft, der Krieg, das Klima. Aber zumindest für Little John ist die Sache klar. Auf die Frage, ob der Präsident der Vereinigten Staaten Computerkenntnisse haben muss, blickt er völlig überrascht aus seinen achtjährigen Augen, dann lacht er laut und nickt und lacht weiter.

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© Sonntag / MLZ; 10.08.2008; Seite 16 Autor: Arthur Honegger ist Korrespondent des Schweizer Fernsehens in New York. Menschen

stimme aus Amerika

Barack überall oder: Oba-much Barack Obama hat ein Problem. Umfragen sind die Gebrauchsanleitung des US-Wahlkampfs, und die neuesten Umfragen zeigen: 48 Prozent der Wähler finden, sie hören zu viel von ihm. Schön blöd. Da investiert man Million um Million in Medienpräsenz, fliegt – die drei bekanntesten News-Moderatoren des Landes im Schlepptau – um die Welt und navigiert durch die Themenliste wie ein OL-Läufer mit GPS, und was meint das Wahlvolk dazu? Sorry, too much. Oba-much. Das Ungemütliche daran: Gegen so ein Überdosis-Problem ist kein Kraut gewach-sen. Man kann ja nicht einfach Ferien machen bis November und hoffen, dass doch noch alles gut kommt. Und sogar wenn Obama sich auf eine einsame Insel zurückziehen würde, er wäre trotzdem Thema Nummer eins – dafür sorgt John Mc-Cain, der unablässig betont, dass er eben nicht Obama ist. Zuletzt in einem mittlerweile weltbekannten Wahlkampf-Spot, der seinen Gegner mit Paris Hilton vergleicht (von der ich übrigens seit langem zu viel höre). Die Folge: Praktisch jedes Mal, wenn John McCain an einem Fernsehbildschirm auftaucht, spricht er – über Barack Obama. So richtig gut funktioniert dieser Wahlkampf per Zeigefinger aber nicht: Neuste Umfragen – Achtung déjà-vu – zeigen, dass fast 40 Prozent der Wähler finden, sie erfahren nicht genug von John McCain. Hm. Zwei unterschiedliche Kandidaten, zwei unterschiedliche Probleme. Wie nur sollen die beiden Hoffnungsvollen jetzt ihre jeweiligen Parteiversammlungen bestreiten? Obama müsste seine Nomination eigentlich brieflich empfangen, am besten ausserhalb der USA, vielleicht in einer Blockhütte am Kallavesi-See in Ostfinnland. McCain hingegen müsste – ja am besten müss-te er sich klonen, am besten zwei-, dreimal, und in Übergrösse, damit ihn auch keine Kamera übersieht. Doch das wird nicht passieren (die finnischen Hütten sind im Sommer meistens ausgebucht und Klonen ist gar nicht möglich, im Fall). In zwei Wochen erwartet das amerikanische Wahlvolk das rituelle Spektakel der Kandidatenkrönung, mit Konfetti und Ansprachen und – noch mehr Konfetti. Immerhin finden die Wahltage nicht gleichzeitig, sondern nacheinander statt, um sich die ungeteilte Aufmerksamkeit zu sichern. Das dürfte nur einen der beiden Kandidaten wirklich freuen – aber vielleicht pfeift Barack Obama ja auch auf Umfragen. Gebrauchsanleitungen verwirren manchmal nur.

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© Sonntag / MLZ; 03.08.2008; Seite 16 Autor: Arthur Honegger ist Korrespondent des Schweizer Fernsehens in New York. Menschen

stimme aus Amerika

Seenot in der Eisenbahn Sind Sie schon mal Zug gefahren in den USA? Wahrscheinlich nicht. Amerika, das ist schliesslich das Land der Highways, die Eisenbahn spielte hier zuletzt vor 100 Jahren die erste Geige. Aber es gibt Züge in den USA, ich sitze gerade in einem – glau-be ich zumindest. Denn auf dem Weg hierher fühlte ich mich wie ein Fluggast an einem unbekannten Airport, wie ein Schiffspassagier in Seenot und wie ein Häftling, der verlegt wird. Angefangen hat alles am Bahnhof. Das können Sie sich schlecht vorstellen, wenn Sie die SBB gewohnt sind: Der Bahnhof in der US-Hauptstadt hat keine Gleise, er hat Gates. Nichts Böses ahnend schlurfe ich durch die Bahnhofshalle auf der Suche nach jener grossen blauen Abfahrtstafel vom HB Zürich oder wenigstens etwas in der Art. Nix. Wenn Sie wissen wollen, wo Ihr Zug fährt, fragen Sie am Schalter nach. Dort hören Sie, zu welchem Gate Sie müssen. Dort sieht es dann sehr nach Airport aus: Viele festgeschraubte Sitzreihen und Hunderte Passagiere, die warten – auf ihr Boarding. Andere Länder, andere Sitten. Dann öffnet sich die Tür. Ein Mann in Uniform tritt vor die gespannte Menge und sagt: «Familien mit Kindern zuerst!» Dieser Satz erinnert verdächtig an «Frauen und Kinder zuerst», was wiederum eher auf sinkende Ozeandampfer gehört als vor abfahrende Züge. Tatsächlich bahnen sich Frauen und Kinder ihren Weg durch die Masse, um als Erste in Sicherheit, pardon, in den Zug zu ge- langen. Fehlt nur noch das Nebelhorn. Auch ein paar Herren mit Handy am Ohr zischen an mir vorbei. Sie gehören nicht zu den Familien, sie dürfen zuerst rein, weil sie andere Tickets haben: Business Class (bei uns: Erschtklass). Stellen Sie sich mal vor, auf dem Perron in Olten drängt sich einer an Ihnen vorbei und meint: «Sorry, Erschtklass.» Da würden Sie dumm dreinschauen, und dumm dreingeschaut habe ich auch, am Gate. Endlich an Bord fragt mich der Kondukteur, der hier genauso aussieht wie ein Polizist, nach meinem Ti-cket. Ich weise es vor, erwarte ein «Merci, schöns Reisli no». «Ungültig», zischt es stattdessen zurück. Wie bitte? «Ungültig, Sie müssen Ihr Ticket unterschreiben!» Hier Unterschrift, sofort, nur dann du von A nach B. Genau wie beim Gefängnistransport. Ich schaue noch mal aus dem Fenster, die Landschaft zieht an mir vorbei. Doch, ich fahre Zug. S isch halt Usland.

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© Sonntag / MLZ; 29.06.2008; Seite 20 Autor: Arthur Honegger ist Korrespondent des Schweizer Fernsehens in New York. Menschen

stimme aus Amerika

Hochwasserhelden «Bleibt ihr noch zum Barbecue?», fragt Spring Renee. Sie blickt mich und meinen Kameramann mit grossen Augen an und schwenkt verführerisch die KetchupFlasche. Nichts deutet darauf hin, dass Spring und ihr Mann gerade mitten in einem Katastrophengebiet wohnen – nichts, ausser dem Mississippi, der sich bis auf wenige Zentimeter an ihr Haus herangefressen hat. Eins lässt sich Amerika nicht verbieten: amerikanisch zu sein. Jahrhundertflut hin oder her, grillieren wird man ja wohl noch können. Das hier ist schliesslichAmerika, die Hingabe an alles Gute und Fettige ist ein nationales Ideal. Der Schweizer schaut und staunt – hätte man selbst doch längst aufgeräumt, mit dem Schadenrapport für die Versicherung begonnen und mit der Erneuerung sämtlicher eidgenössischer sowie kantonaler Dokumente, die allenfalls dem Wasser zum Opfer gefallen sind. Muess ja alls gmacht sii, oder? Nicht so der Amerikaner. Mit einer Mischung aus Stolz und Trotz lebt er in allen Lagen seinen Alltag. Auch die vielen freiwilligen Helfer müssen darauf nicht verzichten: Weit weg vom nächsten Haus verstärkt ein Dutzend Jugendlicher gerade einen Damm mit Sandsäcken. Keine zehn Meter daneben, mitten im Feld, hat die US-Heilsarmee einen mobilen Kiosk parkiert, einen Vorposten des American Way of Live, mit eiskaltem Coke und Energy-Drinks, Sandwiches und Donuts. Das sorgt für gute Stimmung, fast kommt – man darfs kaum sagen – Festival-Feeling auf. Happy Flooding? Happy Helping allemal. Zwar wissen alle, wie ernst die Lage ist. Aber da kann der Donut ja nix dafür. Die jungen Helfer scheuen sich auch nicht, die Flut als das zu begreifen, was sie ist: ein Ereignis, sprich ein Event. Und was wäre ein Event ohne das Erinnerungs- T-Shirt, das den Kollegen zu Hause beweist, dass man tatsächlich dabei war, dass man mit angepackt hat und damit Geschichte zwar nicht geschrieben, aber quasi per Sandsack abgestützt hat? Kein Problem: Der Dorfladen hat das Bedürfnis bereits erkannt und verkauft neben Gummistiefeln und Taschenlampen seit zwei Tagen auch Desaster- T-Shirts. Da stehen dann Dinge drauf wie: «Mississippi-Hochwasser 2008», «Ich habe Clarksville gerettet» oder einfach «Floodfighter». Man stelle sich vor, in der Schweiz verkaufe der Volg mitten im Überschwemmungsgebiet Shirts mit der Aufschrift «Hochwasser-held» . . . Aber eben, amerikanisch zu sein, lässt sich Amerika nicht verbieten.

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© Sonntag / MLZ; 24.08.2008; Seite 21 Autor: Arthur Honegger ist Korrespondent des Schweizer Fernsehens in New York. Menschen

stimme aus Amerika

Ein Säckli für alle Fälle Was fällt ihnen ein, wenn Sie an Amerika denken? Cola, Big Mac, Donuts? Bush, Obama, McCain? Ich denke an Plastiksäcke. Die begegnen mir hier nämlich pausenlos. Egal, was Sie kaufen – alles verschwindet sofort in einem Plastiksack. Auch die Tageszeitung erreicht uns von Plastik ummantelt. Im Mutterland des Klima-Propheten Al Gore kommt selbst das Kaugummi-Päckli stets ins Säckli. Besser gesagt: die Säckli. Meist stellt der junge Herr an der Kasse, der extra zu diesem Zweck angestellt wurde, nämlich sicher, dass Ihr Einkauf zu keinem Zeitpunkt – durch die Schwerkraft herausgefordert – auf den Boden fallen kann. Und zwei Säckli sind im Namen dieser noblen Mission auf jeden Fall besser als eines. Die Konsequenz ist ein schier unerschöpflicher Vorrat an Plastiksäcken in amerikanischen Haushalten. Von unserem letzten Besuch in der Kathedrale des US-Konsumenten, dem nächstgelegenen Wal-Mart, haben wir den Inhalt von etwa drei Migros-Papier-Tragtaschen nach Hause gebracht, säuberlich verstaut in 29 kleine Säckchen. Alles meins, mag der Amerikaner denken. Schöner Seich, denkt der Schweizer. Die Umwelt dürfte die Millionen, wenn nicht gar Milliarden nicht wieder verwendbaren Säckli alles andere als sackstark finden. Und Al Gore zum Trotz: Eine Alternative hat sich bis heute nicht durchgesetzt. Sicher, in der Bio-Kette Whole Foods, wo auch die Obamas ihren pestizidfreien Rucola posten, werden sogar Stoff-Tragtaschen propagiert, doch vom Laden um die Ecke bis zum Supercenter am Stadtrand beherrschen die Säckli die Szene, von Papier keine Spur. Recycling – what? Bei uns hätte sich längst Pia Hollenstein an die Pforten der Wal-Mart-Zentrale gekettet – hier bleiben Volk und Volksvertreter stumm. Der «little plastic bag» ist integraler Bestandteil des American Way of Life, nicht wegzudenken, egal wie sinnlos seine Dominanz dem Schweizer auch erscheinen mag. Wir sind zu der Praxis übergegangen, unseren Säckli-Reichtum nach und nach abzubauen, indem wir den gewöhnlichen Haushaltabfall darin entsorgen. Denn den in der Schweiz beliebten, staatlich regulierten und gemeinderechtlich sanktionierten Güselsack haben die Amis noch nicht eingeführt. Und irgendwie beschleicht mich die Ahnung, dass auch die nächste Regierung dies nicht auf ihrer Prioritätenliste haben wird.

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© Sonntag / MLZ; 27.07.2008; Seite 16 Autor: Arthur Honegger ist Korrespondent des Schweizer Fernsehens in New York. Menschen

stimme aus Amerika

Die Schote des Schreckens «Aber, ich meine, sind Sie denn auch sicher?», fragt die Kundin im Supermarkt den Verkäufer, der mit wildem Kopfnicken zu bekräftigen versucht, dass seine Tomaten nicht des Teufels sind. Die Skepsis gegenüber diesem Gemüse kommt nicht von ungefähr: Tomaten sind, nach Terroristen vielleicht, die übelsten Staatsfeinde Amerikas im Sommer 2008. Besser gesagt: Sie waren es. Seit ein paar Tagen sind sie offiziell rehabilitiert. Kein Sommer im Land der begrenzten Unmöglichkeiten ohne seinen Lebensmit-telskandal. Vor zwei Jahren war es der Spinat: Trotz jahrzehntelanger Promotion als gesundes Gemüse blieb Spinat plötzlich in den Regalen der Supermärkte liegen. Rund 200 Personen hatten sich beim Verzehr von Spinat mit Kolibakterien infiziert – tragisch, in einem Land mit 300 Millionen Einwohnern, aber kein Grund zur Panik. In der Schweiz sorgen vier Fälle einer Lebensmittelvergiftung schliesslich auch nicht für einen nationalen Notstand. Aber darum geht es nicht: Ihr Bauchgefühl sagt den Amerikanern seit Jahren, dass die genverstärkte Indus-trienahrung, mit der sie sich täglich verwöhnen, na ja, nicht gerade das Gelbe vom Ei ist. Ein paar wenige Fälle von irgendeiner Krankheit reichen deshalb aus, die Konsumenten in kollektiven Alarmzustand zu versetzen – «Food crisis» nennt das hier der Bürger, «Huara schlächts Gwüssa» nennt es der Bündner. Nach dem Spinat kamen die Erdnussbutter und jetzt die Tomaten. Mehrere hundert Personen erhielten im Laufe der letz-ten Monate die Diagnose Salmonellen-Vergiftung. Bei gesunden Menschen ist das relativ leicht behandelbar. Kein Grund zur Panik? Nicht in den USA. Die Schlagzeilentrompeter sämtlicher Medien berichten täglich über die «Salmonellen-Epidemie», den «grössten Food-Skandal der US-Geschichte» oder zumindest «der letzten zehn Jahre». Schuld sind, das wusste die Nahrungsmittel-Behörde FDA sofort, die Tomaten. Der beliebte Ketch-up-Rohstoff steht seitdem auf dem Index, die Verkäufe brechen ein – bis die FDA mitteilte, dass Tomaten wohl doch nicht der Grund für die Salmonellen-Fälle, pardon, die Salmonellen-Epidemie, sind: Entwarnung! Das heisst, Entwarnung bedingt. Die GastroFahnder haben eine neue Wurzel allen Übels entdeckt, eine Schote des Schreckens: Chili aus Mexiko. Ausländisches Gemüse – ei-nen besseren Bösewicht können sich die Schlagzeilen-trompeter nicht wünschen.

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© Sonntag / MLZ; 14.12.2008; Seite 21 Autor: Arthur Honegger Menschen

STIMME AUS AMERIKA

Wo Amerika sicher ist Die Strassenkriminalität ist in den USA schon lange ein Problem. Unsere Besucher aus der Schweiz haben darum immer die gleiche Frage: Wo kann ich mich hier hintrauen? Es gibt eine einfache Möglichkeit, No-go-Zonen zu vermeiden: die Orientierung an Fastfood-Ketten. Sie ist millionenfach erprobt und ganz ohne technische Hilfsmittel sofort anwendbar von New York bis L. A.: > Starbucks-Nachbarschaft. So gut wie unbedenklich. Wer hier verkehrt, zahlt schon mal ein paar Dollar zu viel für einen Espresso, ma hets ja. Im Umkreis von einer halben Meile ist nicht mit Gewaltakten zu rechnen. > PizzaHut-Nachbarschaft. Laien erkennen diese Gegend vor allem daran, dass ein Starbucks fehlt. Sonst ist auch dieses Gebiet recht sicher. Sie sehen deutlich mehr Schwarze auf der Strasse und kommen sich manchmal vor wie in einem Hip-Hop-Videoclip. > McDonald’s-Nachbarschaft. Auch bekannt als Minimum Security Area. Ist ausser dem gelben M weit und breit keine andere Kette zu sehen, ist Vorsicht geboten. Vorgehen: Suchen Sie den McDonald’s auf, vielleicht finden Sie ein gebrauchtes Clown-Kostüm, in dem Sie die Gegend unbehelligt verlassen können – darunter könnte sich ja auch ein richtig abgebrühter Gangster verstecken. > Kein Fastfood-Restaurant weit und breit. Nicht gut. Wenn sich nicht mal die billigsten Burgerbrater hierher vorwagen, warum dann Sie? Spricht Sie jemand an, sagen Sie nichts, ein Grummeln genügt. Lässt er nicht locker, sagen Sie: «Man, I’m fuckin’ hungry.» Das bringt Sie vielleicht zum nächsten McDonald’s. Arthur Honegger ist Korrespondent des Schweizer Fernsehens in New York

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© Sonntag / MLZ; 05.10.2008; Seite 20 Autor: Arthur Honegger ist Korrespondent des Schweizer Fernsehens in New York Menschen

STIMME AUS AMERIKA

Amerikanische Versprechen Morgen wird alles besser! Wenn ich einen Slogan erfinden müsste für die USA, dann wäre das meine erste Wahl: Amerika – morgen wird alles besser. Dabei bietet sich derzeit kaum Grund zum Optimismus: Das Wirtschaftsmodell USA zerbröselt vor unseren Augen. Aber auch wenn er über das Heute jammert, der echte Amerikaner lebt heute schon im Morgen. Im Sonnenuntergang im Westen erkennt er den amerikanischen Traum – oder besser: das amerikanische Versprechen. Die USA, das ist immer ein Prozess, niemals ein Zustand. Das haben schon die Gründerväter verstanden, als sie in der Verfassung das «Streben nach Glück» verankert haben. Das Recht, happy zu sein, hat niemand – das Recht, happy zu werden, schon. Morgen wird alles besser. Da baut dann eine ganze Kultur drauf auf. Am deutlichsten wird dieses amerikanische Versprechen in Hollywood: Der zerzauste Töfflibueb hat das Schul-Barbie am Ende doch noch geküsst! Happy End, läck isch das schön. Oder amerikanisch: it’s great! Das Problem bei Versprechen ist, dass sie nicht immer eingehalten werden – und das amerikanische Versprechen ist da keine Ausnahme. Am klarsten hat das Brad Pitt in «Fight Club» erkannt: «Das Fernsehen hat uns allen versprochen, dass jeder eines Tages Millionär, Film-Ikone oder Rockstar wird. Aber das wird nicht passieren. Und wir sind deshalb sehr, sehr angepisst.» Das ist drastisch formuliert, aber es trifft die Realität exakt. Nun ist es für Joe Somebody mitten in Amerika aber nicht leicht, so etwas zu akzeptieren. Was also soll Joe machen? Joe macht das Einzige, was ihm einen Teil seines Traums erfüllt: Joe macht Schulden. Wenn man schon kein Millionär ist, dann wenigstens ein Auto fahren, als wäre man einer. Eine Villa auf Pump finanzieren, besser noch zwei oder drei, ganz nach dem Motto: «I want it all, I want it now». Fürs Spekulieren an der Börse ein paar tausend borgen, who cares? Das wurde einem schliesslich alles mal versprochen! Womit wir wieder beim Wirtschaftsmodell USA wären, das auf all diesen unrealistischen Versprechen aufbaut. Das darauf zählt, dass alle über ihren Verhältnissen leben und damit zwingend Schulden, Schulden und nochmals Schulden machen. Dabei wollten doch alle nur ihr Recht wahrneh-men, nach Glück zu streben. Und alle haben sie gehofft, dass es morgen besser wird.

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© Sonntag / MLZ; 20.07.2008; Seite 19 Autor: Arthur Honegger ist Korrespondent des Schweizer Fernsehens in New York. Menschen

stimme aus Amerika

Stadt der IT-Exhibitionisten Seit ich in New York wohne, habe ich eine neue Allergie. Es ist nicht das Essen, auch kein Tier – nein, ich reagiere allergisch auf ein Handy, genauer gesagt: auf das iPhone. Ähnlich wie Hundehaare findet sich das Telefon in dieser Stadt fast überall. Vom Hip-Hop-Kid aus der Bronx bis zum pensionierten Banker an der Upper East Side: Das kleine Flache gehört dazu. Das ist an sich noch kein Problem. Im Gegenteil, ich habe selber eine Menge technischer Gadgets mit Display drauf, Knöpfen dran und lustigen Tönen drin. Das Problem ist vielmehr, was das iPhone aus seinen Besitzern macht. Gerade eben zum Beispiel: Ich stehe in meinem Lieblings-Café, nur noch ein Kunde in der Warteschlange trennt mich von meinem amerikanischen Riesen-Cappuccino. Mein Pech ist, dass dieser Kunde ein iPhone hat – und damit ist mein Cappuccino für die nähere Zukunft unerreichbar. iHate iPhones. Es ist nämlich so, dass dieser winzige Tyrann aus dem Hause Apple viel zu viele Funktionen hat, die meisten davon braucht denn auch nie irgendjemand. Aber zeigen will man natürlich allen, was das neue Handy kann. Allen, will heissen auch der Dame an der Kasse in meinem Lieblings-Café . . . und der Typ vor mir lässt nichts aus, um mit seinem iPhone Eindruck zu schinden. Und anders als in der Schweiz hört die Dame auch endlose Minuten lang zu, so ein iPhone ist ja viel interessanter, als es der nächste Kunde je sein könnte. Ganz ähnlich die Situation auf einem Dreh vor ein paar Wochen. Da habe ich, ganz de Schwiizer, natürlich eine Karte dabei, um mich in der fremden Stadt zurechtzufinden. Klappt wunderbar. Bis zum Mittagessen, wo mein Kameramann und ich besprechen, wo wir als Nächstes hin müssen. «Halbe Stunde sollte reichen, ich weiss, wo es durchgeht», sage ich. «Ich schaue rasch online nach mit meinem iPhone!», sagt er. «Nicht nötig, ich . . .» – «Schau, mein iPhone!» – «Schön, was ich meine . . .» – «Kann ins Internet, mein iPhone!» – «Das brauchen wir gerade nicht, wir . . .» – «Drahtlos, mein iPhone!» Bitte, liebe iPhonisten, macht mit dem Ding, was ihr wollt, aber hört bitte auf, ständig darüber zu reden, was ihr und das Ding alles könnt! Packt euer Ding wieder ein! Das klingt jetzt obszön, und irgendwie ist es das auch: Das iPhone macht aus seinen Besitzern IT-Exhibitionisten. Und das ist nicht mal strafbar – auch in den USA nicht.

Dossier (SMD-Bestand) - Arthur Honegger - 14.12.08

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© Sonntag / MLZ; 22.06.2008; Seite 21 Autor: Arthur Honegger ist Korres- pondent von SF in New York Menschen

stimme aus Amerika

Bloss keine Missverständnisse! «Äfäsinfräng!» – «Wie bitte?» –«Äfäsinfräng, Sir, Äfäsinfräng!» Die Dame am Flughafen strahlt mich an, obwohl ich schon zweimal nachgefragt habe, was sie gesagt habe. Dabei wollte ich nur wissen, bei welcher Gepäckrückgabe ich meine Koffer abholen kann. Sie lächelt, ich lächle. Es nützt nix, ich verstehe am Flughafen – janu – nur Bahnhof. Das Problem mit den Amerikanern ist nicht, dass sie sich unklar ausdrücken, im Gegenteil: Alles in diesem Land ist hyperexplizit. Wenn irgendjemand zwischen Boston und San Diego an irgendeinem Tag einen Boden «feucht aufnimmt», wie man bei uns so schön sagt, Sie können Ihren Vileda-Wischmopp drauf verwetten, dass danach eine gelbe Warn-Pyramide aufgestellt wird: «Vorsicht, glitschiger Boden!» Dabei spielt es keine Rolle, wie lange es her ist, dass dieser Boden gereinigt wurde oder ob er gar nie richtig nass war. Die Antirutsch-Pyramide hat ihren festen Platz, auf dem Boden, in der Gesellschaft. Mein Favorit unter den Damit-auch-das-noch-gesagt-ist-Schildern ist mir im Bus zum Flughafen aufgefallen. Etwas versteckt unter dem Fahrersitz lese ich dort in typisch amerikanischer Unmissverständlichkeit: «Es ist möglich, dass sich Krankheitserreger auf Ihrem Billett befinden. Wir bitten Sie daher, davon abzusehen, die Fahrkarten in den Mund zu nehmen.» Oha, ja, merci. Nun werden einige von Natur aus vernunftbegabte Schweizer anführen, dass die Amerikaner halt ein wenig beschränkt seien und dass man ihnen alles, aber auch wirklich alles erklären müsse. Doch der wahre Grund ist ein anderer: das amerikanische Rechts-system. Hier kann jeder jeden jederzeit verklagen, und die Amerikaner tun das auch mit grosser Begeisterung. Das führt dazu, dass alle auf Nummer sicher gehen wollen; der Bodenreiniger, der sich vor Millionen Schadenersatz wegen eines gebrochenen Steissbeins fürchtet – und der Busfahrer, der die Cholera in Reihe 13 befürchtet. Alle fürchten sie das eine: den Prozess. Und so hat sich über die Jahre eine Kultur der Überdeutlichkeit herausgebildet, in der jeder Einzelne ständig darauf bedacht ist, keine falschen Angaben zu machen oder missverständliche Ratschläge zu erteilen. Die Dame am Flughafen wollte mir übrigens mitteilen, dass ich meine Koffer bei der Gepäckrückgabe F finde, oder wie sie es formulierte: «F – as in Frank!» Nur keine Missverständnisse.

Dossier (SMD-Bestand) - Arthur Honegger - 14.12.08

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© Sonntag / MLZ; 30.11.2008; Seite 21 Autor: Arthur Honegger ist Korrespondent des Schweizer Fernsehens in New York Menschen

Stimme aus Amerika

Was ich ohne Bush vermisse Noch 51 Tage, und dann ist Schluss. In 51 Tagen gibt George W. Bush den Schlüssel zum Weissen Haus an Barack Obama weiter. Es scheint, als wäre Bush ewig Präsident gewesen – gewählt zu einer Zeit, als es in New York noch Menschen ohne Handy gab! Jetzt nimmt er seinen (Cowboy-)Hut, macht rechtsum kehrt, ab gen Westen. Wir werden wohl länger nichts mehr von ihm hören. Irgendwie schade, oder? Klar, es gibt auf dieser Welt kaum noch denkbe-gabte Menschen, die Mr. President Number 43 so richtig toll finden. Aber ein paar Dinge werde ich schon vermissen, wenn er nicht mehr Staatschef ist. Seine Pressekonferenzen zum Beispiel. Mal abgesehen vom Inhalt hat es Bush einem stets leicht gemacht, ihm zu folgen. Die Sätze kurz und einfach, das Vokabular so schlank, dass es einem nach den ersten paar Malen schon bekannt vorkommt. Vor einem plötzlichen Zitat aus der Weltliteratur braucht man sich auch nicht zu fürchten. Zudem lässt sich der Commander in Chief Zeit – auf jeden Ge-danken folgt eine Pause, in der der Zuhörer das Gesagte verarbeiten kann. Und seine kleinen Show-Einlagen an offiziellen Anlässen, sauglatt! Ich sehe noch vor mir, wie Bush einen Absolventen der Air Force Academy ehrt, indem beide Brust an Brust in die Luft hüpfen, hierzulande als Chest Bump bekannt. Oder den historischen Moment, als sich der Präsident der USA am G-8-Gipfel von hinten an die deutsche Kanzlerin heranpirscht, um sie mit einem jovialen Schulter-Zwicken aufzulockern (was im Übrigen misslang). Ach, W. Egal ob man politisch mit ihm einig ist oder nicht, er hat ein Talent, die Dinge beim Namen zu nennen. Ist halt ein Mann mit Mission, ohne fadenscheinige diplomatische Rücksicht. Kurz vor den Olympischen Spielen in Peking zum Bei-spiel (und wohl nachdem alle Wirtschaftsverträge unterzeichnet waren), da hat George W. Bush, ganz der Missionar mit Cowboyhut, den Chinesen klipp und klar gesagt, dass Amerika erwartet, dass China endlich so etwas wie freie Meinungsäusserung zulässt – Hut ab. Sicher, da gab es auch ein paar Dinge, die man an Bush nicht vermissen wird: Kriegs-Rhetorik und Klima-Ignoranz, Kreuzrittertum und Ölsucht und Weltmacht-Gehabe, Gut-Böse-Denken und und und. Aber hey, in 51 Tagen ist Schluss.

Dossier (SMD-Bestand) - Arthur Honegger - 14.12.08

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© Sonntag / MLZ; 09.11.2008; Seite 17 Autor: Arthur Honegger ist Korrespondent des Schweizer Fernsehens in New York. Menschen

STIMME AUS AMERIKA

Er passt in keine Schublade Ich kanns nicht mehr hören: Obama ist der neue Kennedy! Sicher, auf den ersten Blick gibt es ein paar Gemeinsamkeiten: Alter, Redetalent, Sexappeal. Das wärs dann aber auch. Kennedy war ein Patriziersohn von der Ostküste, wuchs auf zwischen Villen und Segelbooten, sein Vater und Grossvater waren einflussreiche Politiker und Diplomaten, es war wie vorbestimmt, dass dereinst einer aus dieser Quasi-Adelsfamilie ins Weisse Haus geht. Anders der nächste Präsident der USA. Gross geworden ist Obama ohne Vater, an ständig neuen Orten, auf der Suche nach einem Zuhause und nach der eigenen Identität, die er sich erst Schritt für Schritt erschlossen hat. Kennedy hat seine prägendsten Erfahrungen in der Armee gemacht. Bevor er in die Politik ging, war er als Kriegsheld bekannt, ein Vorzeige-Soldat. Sein Leben lang behielt er eine starke Bindung zum Militär, und sein Interesse als Politiker galt fast ausschliesslich der Aussen- und Sicherheitspolitik. Wenn das an einen US-Politiker unserer Zeit erinnert, dann an John McCain. Nicht an Obama. Der Mann, der zum 44. Präsidenten der USA vereidigt wird, wurde von der Strasse geprägt. Nachdem er sich eine Top-Ausbildung erkämpft hatte, lernte der junge Obama im Slum von Chicago jene Helden kennen, die keine Medaillen tragen: Sozialarbeiter, die sich um die Verlierer kümmern im Land, das nur Gewinner kennen will. Obama ist nicht Kennedy. Er ist auch nicht Roosevelt, Clinton oder Reagan und, ja, er ist auch nicht Jesus Christus. Er ist einfach Barack Obama, er passt in keine Schublade. Und genau deshalb hat ihn Amerika gewählt.

Dossier (SMD-Bestand) - Arthur Honegger - 14.12.08

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© Sonntag / MLZ; 17.08.2008; Seite 19 Autor: Arthur Honegger ist Korrespondent des Schweizer Fernsehens in New York. Menschen

stimme aus Amerika

Die Champions, das sind wir Amerikaner Olympia, das ist in der Schweiz ein sportlich-harmloses Spektakel, wo man sich zurücklehnt, ein Feldschlössli zur Hand nimmt, die Leistungen der anderen bewundert – in erster Linie der Schweizer, aber auch der anderen. Isch ja nume Sport. Hier nicht. In den USA ist Olympia eine ernste Sache, ein politischer Event. Für Mark zum Beispiel: Eigentlich ein ganz nüchterner Typ, arbeitet bei einer Versicherung in Manhattan. Aber alle vier Jahre wird er zum durchbrüllenden Nationalisten. Sicher, wir alle drücken «unseren» Sportlern die Daumen und zählen fleissig «unsere» Medaillen. Bei den Amis aber kommt hinzu: Sie haben Gold zu verteidigen, Allzeit-Gold. In Sachen Olympia regiert Amerika die Welt: Kein Land hat mehr gewonnen als «gods own country», das Heimatland vom Heiland. Das erfüllt Mark, den Versicherungs-Typen, schon seit je mit gewaltigem Stolz. Dieses Jahr aber ist Platz eins in Gefahr. Schuld sind: die Chinesen. Wie eigentlich immer. Sie brauchen nur Mark zu fragen: Wirtschaftskrise? «Chinesen stehlen unsere Jobs.» Klima? «Chinesen verpesten die Luft.» Kranke Kinder? «Chinesisches Spielzeug, jede Wette.» Darum ist Beijing 2008 weit mehr als ein Sportanlass. Gerade jetzt muss Amerika der Welt beweisen: Der Champion, das sind wir. Denn der Amerikaner hat sein Leben lang Sport als Metapher gesehen für die Welt an sich – in jeder Highschool-TV-Serie ist der Star der Football-Mannschaft der Typ mit den meisten Freunden, der Leader of the pack. Und die hübschesten Mädels kriegt er auch. Olympia ist für Mark und viele Landsleute eine Art Highschool der Nationen. Und der Star ist Amerika. Das muss so sein, sonst wäre es nicht Olympia. Und jetzt stellen sich die Chinesen in den Weg, das Drachen-Land, wie einst seine Grosse Mauer vom Nimbus der Unüberwindbarkeit umhaucht. Das Duell USA - China dominiert hier alles, von der Schlagzeile bis zum Werbespot. Mark runzelt jedes Mal die Stirn, wenn einer in der Sport-Bar auch nur was Chinesisches bestellt. Was, wenn am Ende die Chinesen mehr Medaillen holen? Für Mark wäre das ein harter Schlag. Die Neu-Auflage von 1957, als die Sowjets die Ersten waren im All. Aber hey, zwölf Jahre später landeten die USA als Erste auf dem Mond. Denn: Die Champions, das sind wir.

Dossier (SMD-Bestand) - Arthur Honegger - 14.12.08

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© Sonntag / MLZ; 13.07.2008; Seite 20 Autor: Arthur Honegger ist Korrespondent des Schweizer Fernsehens in New York. Menschen

stimme aus Amerika

Schau mir in die Karten! Wollen Sie ein Volk kennen lernen, dann schauen Sie ihm in die Karten. In die Spielkarten. Was rund um die Welt an Stammtischen oder in Bars gespielt wird, bietet tiefen Einblick in die Seele eines Volkes. Die Amerikaner haben das Pokern erfunden, kennen Sie das? Ist eigentlich ganz einfach: Jeder Spieler hält zwei Karten und versucht, mit den fünf Karten auf dem Tisch das beste Blatt zu kombinieren. Das Schöne daran ist, dass die Karten in der Mitte nach und nach aufgedeckt werden. Jeder Spieler hofft also, dass die nächste Karte ihn unschlagbar macht. Nehmen Sie meinen Freund Charles. Obwohl er das nie zeigen würde, schlägt sein Herz bei jeder neuen Karte höher: Eine kleine Handbewegung kann ja alles verändern, ein Moment alles entscheiden. Egal, wie schlecht er gerade dran ist, das Versprechen auf eine bessere Zukunft hat er immer vor Augen – der amerikanische Traum im Handtaschen-Format. Die USA sind schliesslich das Land, in dem Präsidenten ihre Wirtschaftsprogramme schon mal «New Deal» nennen, wie die Neuverteilung der Poker-Karten. Und damit Aufbruchstimmung im ganzen Land auslösen. Und wenn Charles das Glück mal gerade nicht lacht? Se is drum, er hat immer noch einen Plan B – wie Bluff. Beim Poker reicht es oft, einfach so zu tun als hätte man die Gewinner-Karten in der Hand. Auch das ist typisch für Amerika – Schein ist hier dem Sein oft ebenbürtig. Wer andere davon überzeugen kann, dass er Superman ist, hat schon halb gewonnen. Wo wir Bündner skeptisch werden, wenn so ein «Plaggööri» daherkommt, kriegen Amis grosse Augen. Wir Schweizer haben es halt lieber konkret. Darum haben wir nicht das Pokern, sondern das Jassen erfunden. Hier kommt man mit Bluffen nicht sehr weit. Entscheidend ist, dass man rechnen kann, und da ist die Schweiz immer noch Weltmeister. Weiter braucht es beim Jassen einen Sinn für Tradition. Denn das, was war, bestimmt, was ist. Passt doch zu einem Land mit über 700 Jahren Geschichte. Das färbt dann auch auf die Politik ab: «Mier händ das immer scho eso gmacht», das hört man nicht nur bei Trumpf Buur. Pokern wird in der Schweiz übrigens immer beliebter. Bis wir den Amerikanern das Jassen beibringen können, braucht es wohl noch etwas Zeit. So in zweihundert Jahren könnten sie vielleicht so weit sein.

Dossier (SMD-Bestand) - Arthur Honegger - 14.12.08

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© Sonntag / MLZ; 06.07.2008; Seite 20 Autor: Arthur Honegger ist Korrespondent des Schweizer Fernsehens in New York. Menschen

stimme aus Amerika

Crash-Kurs für Präsidenten Alle vier Jahre, wenn die USA ihren Präsidenten wählen, blicken Schweizer Politiker mit grossen Augen auf dieses Land und entsenden Delegationen, die tagelang Kampagnen-Profis beobachten und nächtelang von Konfettiregen und bunten Luftballonen im Grossrats-Wahlkampf träumen. Dabei folgen alle US-Politiker einer Handvoll simplen Regeln, die aus so manchem Schweizer Schulvorstand die neue Partei-Hoffnung machen könnten. Der Crashkurs für Politiker, American Style: 1. Lächeln Sie. Und zwar nonstop – nicht immer gleich intensiv, Sie dürfen vom Mundwinkelzucken bis zum saaldurchspannenden Grinsen alle Register ziehen – aber LÄCHELN Sie! Das gilt insbesondere nach Niederlagen. Dass Sie eigentlich enttäuscht sind, interessiert vielleicht Ihren Psychiater, aber nicht den Wähler. Wenn Sie Probleme damit haben, kontaktieren Sie einen Berater von Hillary Clinton. 2. Geben Sie sich einen Slogan, aber einen richtigen. Keinen mit Inhalt belasteten wie «Grünere Städte» oder «Weniger Steuern», bleiben Sie kurz, bleiben Sie vage. Am besten nur ein Schlagwort, «Tradition!» oder «Cervelat!». Hautpsache griffig. Barack Obama hat die Nomination der Partei zu grossen Teilen seinem Slogan «Change» zu verdanken. 3. Besorgen Sie sich Fans, am besten junge Leute, die nach Zukunft aussehen. Ein gutes Dutzend reicht für den Anfang. Drücken Sie jedem mindestens drei Fähnli mit Ihrem Namen in die Hand,und lassen Sie sie hinter Ihnen auflaufen, wenn Sie einen Auftritt im «Ochsen» haben. Wichtig: Ihre Fans dürfen nur dann jubeln, wenn Sie eine Pause machen. Sonst stören sie. 4. Zähne putzen. Das klingt banal, aber Tipp Nr. 1 entfaltet seine volle Wirkung erst mithilfe gigantischer Mengen an Zahnpasta. Notfalls bleichen, das lässt sich aus der Wahlkampfkasse problemlos finanzieren. 5. Strecken Sie einen Arm in die Luft (welchen, hängt von Ihrer politischen Haltung ab). Nicht beide Arme, Sie haben noch nicht gewonnen. Wenn Sie nicht wissen, wie das aussehen soll, schauen Sie die Freiheitsstatue an. Vorsicht: Nicht zu Beginn eines Auftritts einsetzen, der Türrahmen im «Ochsen» könnte zum Hindernis werden. Voilà. Sie sind ein Kandidat, nach amerikanischem Gusto. Jetzt gewinnen Sie bestimmt – und wenn nicht, sehen sie wenigstens aus wie ein Gewinner. Lächeln nicht vergessen!

Dossier (SMD-Bestand) - Arthur Honegger - 14.12.08

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Kolumnen 2008  

Ein paar kleine Texte rund um die USA, den Wahlkampf und das Leben eines Bündners in New York City.

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